Chapter 26

Er lehnte lässig mit seinem Rücken an der dunklen Hauswand. Gut versteckt im Schatten der Veranda linste Wei Wuxian unter seinen dunklen Haarsträhnen hervor, welche ihm locker im Gesicht hingen.
Seine Arme hatte er vor seiner Brust verschränkt und die weiten Ärmel seiner dunklen Robe fielen in schwungvollen Konturen nach unten. Er tippte langsam mit seinem linken Zeigefinger auf und ab und seine Augen formten sich zu zwei kleinen Schlitzen, während er angespannt lauschte. Doch egal wie sehr er auch seine Sinne schärfte, er war einfach zu weit entfernt und konnte kein Wort verstehen.

Wei Wuxian runzelte unzufrieden seine Stirn, als er still und schweigend in der Ferne zwei Personen beobachtete.

Eine elegante, ältere Dame lauschte interessiert auf, während ein maskuliner Mann von großer Gestalt ihr etwas ins Ohr flüsterte. Die Dame nickte mehrfach, ihr anmutig geschminktes Gesicht mit den roten Lippen verzog sich zu einem charmanten Lächeln, als sie ihre rechte Hand zärtlich auf der Schulter des Mannes ablegte. Sie wirkten vertraut und intim und dennoch war etwas verdächtiges an ihrer Kommunikation und Wei Wuxian ließ der Gedanke einfach nicht los, dass er wohlmöglich einem Geheimnis auf die Schliche gekommen war.

Die Cloud Recesses beherbergte eine friedliche Stille und angenehme Atmosphäre, kein Ort für Geheimniskrämerei. Aber dennoch, ließ seit ein paar Tagen Wei Wuxian das Gefühl einfach nicht los, dass etwas seltsames im Gange war. Doch war es noch zu früh aktiv diesem Gefühl nachzugehen, hatte er doch noch nicht genug Informationen darüber gesammelt, wer alles womöglich in dieses Geheimnis mit involviert war.

Eine ganze Weile beobachtete er noch das Paar und analysierte jedes Detail haargenau, als plötzlich eine schlanke Hand wie aus dem Nichts seine Schulter berührte und eine euphorische Stimme in seinem Ohr ertönte:
„Hab ich dich erwischt!"

Wei Wuxian's Wimpern flatterten auf. Doch mehr Reaktion kam nicht von ihm, als er nur langsam seine Augen zur Seite wandern ließ und in seinem Augenwinkel das Gesicht eines überaus hübschen, jungen Mannes erblickte. Die grünen Augen ähnelten dem feinsten Jade und hatten etwas bestechendes und magisches zugleich. Er hatte Charme, der junge Mann und man würde ihn als ausgesprochen attraktiv und gutaussehend bezeichnen, nahezu schon makellos, wenn da nicht drei hell Narben durch sein Gesicht wären, welche trotz der Jahre einfach nicht ganz verblassen wollten.

Sun Yan's Gesicht verzog sich, als er enttäuscht dreinschaute und jammerte:
„Wieso erschreckst du dich denn gar nicht? Du warst so in Gedanken versunken. Du kannst mich unmöglich bemerkt haben."

Doch Wei Wuxian zog nur eine Augenbraue nach oben und lachte belustigt durch seine Nase.
„Sun Yan, du schnaufst so laut wie ein Elch, wie kann ich dich da nicht bemerkt haben?"

Sun Yan schaute entrüstet drein und sein Mund verzog sich zu einer Schmolllippe. Er gab Wei Wuxian einen verwegenen Klapps auf die Schulter.
„Unmöglich."

Wei Wuxian lachte leise auf, als er durch den kleinen Ruck sich mit seinem Rücken ein Stück an der Wand entlang schob und er seinen rechten Fuß einmal umsetzen musste.

Doch Sun Yan rückte nach und legte erneut seine Hand auf Wei Wuxian´s Schulter. Er hielt seinen Kopf ganz dicht neben seinen und stielte dann ebenfalls angespannt in die Ferne. Nachdem er eine Weile schweigend über die Veranda hinausgestarrt hatte, aber nichts außergewöhnliches feststellen konnte, was es Wert gewesen wäre zu beobachten, sagte er plötzlich im Flüsterton:
„Das da hinten sind nur Madame Mao und Bao Tian. Was genau treibst du hier eigentlich und warum beobachtest du die beiden die ganze Zeit?"

Wei Wuxian blickte nun ebenfalls wieder in die selbe Richtung, als er ruhig sagte:
„Observieren."

Sun Yan's Augen weiteten sich.
„Was gibt es da zu observieren? Die beiden tun das, was sie meistens den ganzen Tag lang tun. Sie reden einfach nur."
Er blickte nun noch etwas genauer hin, aber egal wie er es auch wendete und drehte, er konnte einfach nichts außerhalb der Reihe entdecken.

Doch Wei Wuxian schloss für einen Moment seine Augen. Ein zartes und hämisches Grinsen huschte über seine Lippen als er brüderlich sagte:
„Dir fehlt einfach noch die Erfahrung."

Sun Yan verstand nicht und fühlte sich außen vor gelassen. Bao Tian und Madame Mao waren oft zu zweit unterwegs und unterhielten sich demnach auch öfter alleine zusammen. Warum Wei Wuxian ausgerechnet sich nun auf der Veranda versteckte und die beiden beobachtete, dies ergab für Sun Yan einfach keinen Sinn. Da Wei Wuxian aber auch ansonsten keine Anstalten machte, den Jungen weiter einzuweihen, entschied sich Sun Yan daher der Sache auch nicht mehr weiter nachzugehen. In der Annahme es sei wieder einfach nur eine von Wei Wuxian's Launen, auf der Suche nach Abwechslung um sich den Tag zu versüßen, zuckte Sun Yan einfach nur mit den Schultern und widmete sich wieder anderen Dingen.

Doch was er nicht ahnte war, dass Wei Wuxian durchaus einen Grund für sein seltsames Verhalten hatte. Seit Tagen schon schlich er den beiden nach, denn er hatte eine gewisse, auffällige Geheimniskrämerei zwischen ihnen entdeckt. Ihre Zweisamkeit war öfter in den letzten Tagen geworden und Bao Tian besuchte Madame Mao nahezu regelmäßig in ihrer Schneiderei. Ebenso war Wei Wuxian's scharfen Sinnen nicht entgangen, dass Bao Tian's dummes Grinsen im Gesicht um einiges breiter geworden war und seine regelmäßige, ansteckende und überschwängliche Laune ein völlig neues Ausmaß angenommen hatte. Er war auch nicht mehr ganz so streitsüchtig wie vorher, sondern ließ Wei Wuxian oft den Vortritt oder war sogar ganz und gar freundlich und nett zu ihm. Egal aus welchem Blickpunkt man es auch betrachtete, Bao Tian wirkte irgendwie komisch und Madame Mao musste von der Sache bescheid wissen.

Festentschlossen die Wahrheit herauszufinden, berührte Wei Wuxian nachdenklich sein Kinn und nickte in Gedanken versunken mehrfach. Seine Augenbrauen zogen sich zusammen, als er einen Entschluss fasste:
-Bao Tian, keine Sorge, dein Geheimnis lüfte ich noch!-

Sun Yan zog seine Augenbrauen eingeschüchtert nach oben, als er plötzlich Wei Wuxian's unheilvollen Gesichtsausdruck bemerkte.
Ihn beschlich ein ungutes Gefühl bei diesem Anblick und in Gedanken empfand er schon Mitleid für Bao Tian und Madame Mao, welche solch einen beängstigenden Blick von dem Yiling Patriarch ernteten.

Sun Yan zog lieber wieder seine Hand von Wei Wuxian's Schulter zurück, als dieser plötzlich wie aus einem Traum aufschreckte und ihn augenblicklich freundlich anlächelte.
„Und, was machst du eigentlich hier?"
Sein Tonfall hatte etwas leicht ironisches an sich.

Sun Yan blickte verdutzt drein.
„Was ich hier mache? Wir sind seid über 2 Wochen hier zu Gast. Die große Konferenz wurde in diesem Jahr in der Cloud Recesses abgehalten. Warum sollte ich wohl sonst hier sein?"

Doch Wei WuXian schüttelte seinen Kopf und wedelte mit seiner Hand in der Luft umher.
„Das meine ich nicht. Wo ist Jiang Cheng?"

Sun Yan zuckte stumpf mit den Achseln.
„Weiß ich nicht!" Sagte er salopp.

Wei Wuxian's linke Augenbraue begann misstrauisch zu zucken.
„Du weißt es nicht? Ihr hängt doch immer aufeinander rum oder.."
Er senkte plötzlich seine Stimme und verschluckte nahezu die letzten Wörter geräuschlos: „...oder ineinander...!"

„Hmm?" Stutzte Sun Yan.
„Was hast du gesagt?"

Wei Wuxian räusperte sich.
„Ach nichts, ach nichts." Im Augenwinkel beobachtete er wie Madame Mao und Bao Tian ihr Gespräch scheinbar beendet hatten und wieder getrennte Wege gingen. Da das Ziel seines Interesses die Bühne wieder verlassen hatte, gab es für ihn keinen Grund mehr weiterhin dort zu bleiben und so legte er seine Hand auf Sun Yan's Schulter, als er schließlich sagte:
„Also, was wollen wir nun mit diesem angebrochenen Nachmittag anfangen? Du hast scheinbar „Jiang Cheng-Frei", lass uns gemeinsam was Dummes anstellen."
Er lachte belustigt auf und erweiterte sogar noch ihren Körperkontakt, als er seine Hand über Sun Yan's Schulter gleiten ließ und seinen Arm um dessen Hals legte, um den Jungen mit sich mitzuziehen. Doch in diesem Moment hörten sie plötzlich eine tiefe und unfreundliche Stimme hinter sich:
„Was hat er?"

Wei Wuxian und Sun Yan zuckten zusammen, als es ihnen beiden augenblicklich eiskalt den Rücken hinunter lief. Wei Wuxian zog sogar reflexartig seinen Kopf zwischen seinen Schultern ein, so als würde er jede Sekunde einen gewaltigen Klapps von hinten erwarten.
Doch es kam nichts.
Die beiden drehten sich ganz langsam und vorsichtig um. Währenddessen legte Wei Wuxian schon einmal ein unschuldiges Grinsen auf, genau wissend wer da hinter ihnen stand, als er auch schon beschwichtigend sagte:
„Jiang Cheng, welch Überraschung, du bist ja auch hier!"

Jiang Cheng blickte die beiden scharf an. Zwischen seinen Augen war seine markante Zornesfalte zu erkennen, welche scheinbar über die Jahre noch an Ausdruck gewonnen hatte. Seine Arme trug er verschränkt vor seiner Brust, als sein mürrischer Blick auf Wei Wuxian's Arm gerichtet war. Seine Augen wanderten an diesem entlang und als der Anblick des intimen Körperkontakts sich in seinem Bewusstsein manifestierte, kam das Ausmaß seiner Zornesfalte eher der tiefen Kluft eines gespaltenen Königreiches nahe.

Wei Wuxian bemerkte den durchdringenden Blick auf seinem Körper und als ihre Blicke sich trafen, spürte er wie seine Nackenhaare sich begannen langsam aufzustellen. Er begann verlegen zu Lächeln und zog ganz langsam seinen Arm wieder zurück, als er schnell lachte:
„Haha...sieh mal einer an wie spät es schon ist. Ich hatte ja ganz vergessen das ich noch etwas zu erledigen habe. Aber jetzt wo Jiang Cheng wieder da ist, ist ja alles an Ort und Stelle. Sun Yan, ich muss dann jetzt leider wieder weg. Du machst das schon. Wenn ihr mich dann also bitte entschuldigen würdet?!"

Sun Yan blickte verwundert drein, als er Wei Wuxian dabei zusah wie dieser gerade versuchte sich sang und klanglos aus dem Staub zu machen.
Doch gerade als Wei Wuxian auf dem Absatz kehrt gemacht hatte und sich schleunigst in die entgegengesetzte Richtung in Luft auflösen wollte, spürte er auch schon einen harten Ruck an seinem Kragen.
Seine Augen schnellten auf und er gab einen kurzen, gurgelnden Ton von sich, als Jiang Cheng ihn hinten am Kragen packte und ein Stück nach hinten zog.
„Wo willst du so schnell hin?"

Sun Yan, der unschuldig am Rand stand verzog schon sein Gesicht zu einer schmerzerfüllten Grimasse. Er wusste genau, dass jetzt wo Jiang Cheng Wei Wuxian am Kragen hatte, er diesen nicht so einfach gehen lassen würde. Auch wenn ihre Beziehung zueinander sich nach ihrer Aussprache wieder verbessert hatte, so war es dennoch nicht so einfach nach all der Zeit wieder dort anzuknüpfen, wo man mal zuletzt mal aufgehört hatte. Es war zu viel zwischen ihnen geschehen und um zu verzeihen, brauchte es Zeit.

Aber die Mühe war nicht vergebens. Während es Wei Wuxian leichter fiel wieder zurück zu ihrer Brüderlichkeit zu finden, so war es eher Jiang Cheng, der immer noch daran arbeitete über seinen eigenen Schatten zu springen. Er war halt nicht gerade als der Fürsorglichste und Zimperlichste bekannt und so ging er die Dinge eben auf seine ganz eigene Art und Weise an.

Während Wei Wuxian also gerade von seinem Bruder stranguliert wurde und somit eine Flucht unmöglich schien, lehnte sich Jiang Cheng auch noch von hinten näher an ihn heran. Als seine Lippen direkt neben Wei Wuxian's Ohr waren, hauchte er plötzlich unheilvoll:
„Da Sun Yan also scheinbar heute „Jiang Cheng-Frei" hat, hat demnach zufälligerweise auch Jiang Cheng heute ausnahmsweise mal Zeit für andere Dingen. In diesem Sinne denke ich, macht es dir nichts aus mich ein wenig zu begleiten? Ich bin ganz Ohr, was deinen Plan betrifft „etwas Dummes anzustellen"!
Ohne eine Antwort abzuwarten drehte sich Jiang Cheng plötzlich um und begann Wei Wuxian an seinem Kragen hinter sich herzuschleifen. Unter flehenden und gurgelnden Geräuschen wurde Wei Wuxian abgeschleppt, als dieser laut jammerte:
„Jiang Cheng, Jiang Cheng! Wie kannst du nur so grausam sein? Ich habe keine Zeit mir dir zu spielen, also lass mich wieder los!"

„Hmpf." Schnaufte Jiang Cheng belustigt durch seine Nase.
„Ich glaube du bist der Einzige in der ganzen Welt der Cultivation mit der meisten freien Zeit in der Hand. Wie kann es da also sein, dass du ausgerechnet jetzt keine Zeit hast um mich zu begleiten?"

Wei Wuxian strauchelte umher und hielt seinen Kragen von seiner Gurgel fern, während er mit lautem Getöse und Gejammer sich von Jiang Cheng abführen ließ. Er jaulte und ächzte umher, die gesamte Cloud Recesses unterhaltend.

Sun Yan stand noch immer verdutzt auf der Veranda und sagte kein Wort. Er schaute den beiden noch nach, als Wei Wuxian noch hilfesuchend seine Hand nach ihm weit ausstreckte. Seine Stimme war nahezu etwas schrill und beängstigend:
„Sun Yan, Sun Yan, hilf mir! Steh da nicht so dumm rum, du musst was tun!"

Doch Sun Yan zog nur ein gestelltes Lächeln und seine Augenlieder bogen sich nach oben, als er stocksteif und gerade da stand und nur begann stumm wie ein Pinguin zum Abschied zu winken. Er überhörte gekonnt Wei Wuxian's flehen und betteln nach Hilfe, als er sagte:
„Bis später! Ich wünsche euch viel Spaß!"
Dann machte er zu Wei Wuxian´s Entsetzen plötzlich auf dem Absatz kehrt und rannte so schnell er konnte in die gegenüberliegende Richtung davon. In Gedanken bettelte er noch nach Vergebung, aber er lief so schnell ihn seine Beine trugen und atmete erleichtert auf, dass der Zorn der grimmigen Gottheit dieses mal nicht ihn getroffen hatte.

Wei Wuxian blickte ihm noch fassungslos nach, als er mit ansehen musste wie Sun Yan ihn ohne mit der Wimper zu zucken im Stich ließ. Sein Herz begann zu bluten, als der Schmerz diesen üblen Verrats durch seinen Körper schoss.
Während er sich in Gedanken fragte, bei welchen zermürbenden Aktivitäten er Jiang Cheng wohl nun beiwohnen musste, schmiedete er insgeheim schon Pläne welche hässliche Form seine Rache annehmen würde.
-Ich lass dich bluten, Sun Yan!-
Dachte sich Wei Wuxian, während seine Mundwinkel sich unheilvoll nach oben bogen und die unerwartete Komik der Situation ihm dennoch ein erheitertes Schmunzeln ins Gesicht zauberte.


Nur einen Pavillon weiter blickte Lan Qiren erzürnt drein.
Das laute Spektakel von draußen wurde von dem Wind durch das offene Fenster hereingetragen, als seine linke Gesichtshälfte schon unkontrollierbar zu zucken begann. Er versuchte Wei Wuxian's Gejammer und Gejaule zu ignorieren, aber es half alles nichts.
-Wie sollte man sich bei diesem Theater nur konzentrieren und vor seinem Gast das Gesicht wahren?-

Madame Mao, welche mittlerweile neben ihm am Tisch saß blickte schon unruhig zu ihrem Gatten herüber, als Lan Xichen einen Platz weiter versuchte die unangenehme Situation vor ihrem Besuch hinweg zu lächeln.
Doch es war unmöglich.
Als selbst ihr Gast während seiner Ansprache von dem Krach unterbrochen wurde und schon ins Stocken geriet, nahm Wei Wuxian's verbaler Ausbruchsversuch aus Jiang Cheng's Fängen noch einmal neue Fahrt auf.
Die Cloud Recesses versank draußen vor dem Fenster im schrillen Terror, als Lan Qiren schließlich der Kragen platzte. Mit einem Mal schlug er laut auf den Tisch, wodurch alle im Pavillon erschrocken zusammenzuckten.
UNVERSCHÄMT!"
Rief er laut aus, als sein Gesicht vor Zorn und Wut in allen Farben anlief.
„Warum gebietet ihm denn niemand Einhalt? So eine Dreistigkeit in meinen Reihen!
Wenn Bao Tian auch wieder mit dabei ist, dann gnade ihnen Gott und ich werde diese beiden Störenfriede persönlich wieder daran erinnern wie hier die Regeln im Clan sind!"

Im Pavillon war es plötzlich mucksmäuschenstill und niemand traute sich etwas zu sagen. Von draußen schallte noch Wei Wuxian's erquickende Stimme herein und untermalte eindrucksvoll den peinlichen Moment. Doch in dieser Sekunde räusperte sich Lan Xichen plötzlich zaghaft, als er ruhig und verteidigend sagte:
„Onkel, Tian ist hier mit im Pavillon!"

Lan Qiren blickte verwundert auf und schaute entrüstet in die Richtung, in welche Lan Xichen mit seinem Zeigefinger zeigte. Und in der Tat, Bao Tian saß vollkommen unschuldig und mit guter Manier neben der Tür auf einem Sitzkissen und gab keinen einzigen Ton von sich, geschweige denn, dass er gerade draußen mit Wei Wuxian das Leben feierte. Er blickte mit seinen großen brauen Augen schuldlos drein und zuckte nur unwissend mit seinen Schultern. Er verstand gar nicht, wieso man ihn in Verdacht haben könnte...

Lan Qiren's Augen weiteten sich zunächst ungläubig, doch dann sagte er nahezu entrüstet und mit unverständnis:
„Wer wäre dann noch so dreist und würde sich zu so etwas hinreißen lassen? Wer ist mit Schuld an dem Theater da draußen? Ich werde sie persönlich..."

Doch in diesem Moment hörte man plötzlich die glasklare und durchdingende Stimme des Sect Leader´s vom Yunmeng Jiang Clan´s lospoltern:
„Wenn du jetzt nicht endlich die Klappe hälst, werde ich dir noch beide Beine brechen! Wie kann man sich nur so anstellen wegen ein wenig Zweisamkeit?"

Mit diesem Satz verstummte selbst Lan Qiren und erneut wurde es still in den Reihen. Er räusperte sich kurz, schloss für einen Moment seine Augen und versuchte sich wieder zu beruhigen, als er schließlich wieder einen beherrschten Ausdruck in seinem Gesicht trug.
Langsam und kontrolliert sagte er:
„Also, wo waren wir nochmal?"

Madame Mao, Lan Xichen und Bao Tian linsten zu Lan Qiren herüber. Sie senkten ihre Köpfe und sagten nichts.


Die Sonne war gerade dabei unterzugehen und Wei Wuxian und Lan Wangji hatten sich in ihrem Jingshi eingefunden.
Während Lan Wangji die Seiten auf seiner Guqin kunstvoll anzupfte, wühlte Wei Wuxian suchend in eines der Regale herum.
Sein Gesichtsausdruck wechselte zwischen angespannt und erheitert hin und her, je nachdem welche Schätze er gerade mit seiner Hand herauszog.

Ab und an ließ Lan Wangji einen flüchtigen Blick zu Wei Wuxian herüber wandern. Heimlich und ungesehen. Es war ungewiss ob es aus Interesse, oder aus Furcht war, was alles zwischen den Büchern gefunden werden könnte.

Doch mit einem Mal klopfte es an der Tür und Lan Wangji unterbrach seine Musik, als Wei Wuxian sofort seinen Kopf wieder aus dem Regal zog und gespannt sagte:
„Ich geh schon, ich geh schon!"
Er stapfte motiviert zur Tür und als er diese öffnete erblickte er plötzlich Madame Mao vor sich. Vor ihr standen Lan Ning Ziyi und ihr Bruder Lan Shen Jing und die Vier blickten sich mit großen Augen an. Madame Mao's eleganten Hände mit dem roten Nagellack ruhten jeweils auf einer der Schultern der Kinder, als sie grinsend sagte:
„So, da sind sie. Ich wünsche euch dann viel Vergnügen und eine angenehme Nacht!"

Wei Wuxian's Augen weiteten sich immer größer, als er etwas überrumpelt dabei zusah wie die beiden Zwillinge plötzlich ihre Arme weit nach vorne ausstreckten und ihm sofort freudestrahlend um den Leib fielen.
„Onkel Wei, Onkel Wei!" Quietschte das kleine Mädchen auf und ihr Bruder klammerte sich währenddessen um Wei Wuxian's Bein und brachte seine Zuneigung mit einem kräftigen Klammergriff zum Ausdruck.

„Hä?"
Kam es nur verblüfft aus Wei Wuxian's Mund, als er versuchte dem Ansturm der Kinder standzuhalten.
„Was heißt ihr eine angenehme Nacht?" Fragte er verwundert und blickte dabei Madame Mao, eine Antwort verlangend, an.

Doch Madame Mao kicherte nur hinter vorgehaltener Hand, als sie belustigt sagte:
„Satt, gewaschen und frisch angekleidet sind sie schon. Ich hole sie dann morgen Früh wieder ab, es sei denn ihr nehmt sie gleich selbst mit in´s Badehaus und zum Frühstück! Dann kann ich mir den Gang auch sparen und erwarte euch dann im großen Pavillon!"

Während das Mädchen und der Junge schon begannen an Wei Wuxian wie zwei Klammeraffen zu hängen und sich auf den lustigen Abend mit Onkel Wei und Onkel Wangji zu freuen, hörten sie plötzlich Lan Wangji's besonnene Stimme von hinten.
„Vielen Dank Madame Mao. Wir würden sie natürlich selbstverständlich morgen Früh dann selbst begleiten."

Wei Wuxian rümpfte seine Nase, als er nach hinten blickte und Lan Wangji überrascht anstarrte:
„Du wusstest, dass sie heute Nacht hier schlafen?"

Lan Wangji schritt durch den Jingshi und kam mit nach vorne zur Tür, als er bestätigend nickte.
„Mein Bruder hatte mich heute Nachmittag gefragt."
Er blickte die Zwillinge an und ein zartes Lächeln huschte über seine schmalen Lippen.
„Ich dachte, es sei für dich in Ordnung und du freust dich!?"
Er bückte sich nach unten und er ergriff Lan Shen Jing, welcher noch immer Wei Wuxian's Bein fest umklammert hatte und hob ihn langsam hoch. Er setzte ihn seitlich auf seiner Hüfte ab, stützte den Jungen ab und zauberte dann aus seinem Ärmel ein kleines Windrad aus buntem Papier.

Die kleinen Augen Lan Shen Jing's wurden immer größer und starrten fasziniert auf das kleine Windrad, während seine Schwester ebenfalls von dem Anblick verzaubert war.

Wei Wuxian kam leicht ins Stottern:
„Natürlich ist es in Ordnung. Ich freue mich immer wenn die kleinen Racker da sind. Aber wie kommt es, dass…"
Er machte plötzlich eine Pause. Schoss ihm doch gerade ein interessanter Gedanke durch den Kopf.
Er blickte erneut Madame Mao ins Gesicht und es beschlich ihn augenblicklich ein verdächtiges Gefühl.

Madame Mao trug in ihrem Gesicht nämlich ein merkwürdiges, zartes Lächeln. Kleine Mimik-Fältchen bildeten sich neben ihren Augen, als sie die beiden Männern einfach nur anschaute, aber dabei irgendwie über das ganze Gesicht verstohlen grinste.

„Hmpf."
Schnaufte Wei Wuxian plötzlich belustigt durch seine Nase.
„Was ist? Brauchen Zewu-Jun und Tian heute Nacht einmal Kinderfrei, oder wie?!" Seine Stimme trug einen überaus zweideutigen Unterton und er zog amüsiert seine linke Augenbraue nach oben.
Er blickte zu Lan Wangji herüber, welcher relativ unbeeindruckt dreinschaute und über Wei Wuxian's Andeutung gekonnt hinwegsah. Doch Wei Wuxian ließ der Gedanke nicht los, dass dies ebenfalls Teil dieser seltsamen Verschwörungstheorie zwischen Bao Tian und Madame Mao sein sollte. Er wusste nur noch nicht genau was, aber er war sich ziemlich sicher, dass heute Nacht etwas passieren sollte. Unsicher war er sich nur, ob Lan Wangji ebenfalls davon wusste, oder ob er tatsächlich gerechtfertigt ein unschuldiges Gesicht trug.

Madame Mao jedenfalls klatschte sich in die Hände, als sie scheinbar überaus gut gelaunt sagte:
„Wie dem auch sei. Dann lasse ich die beiden nun bei euch und werde mich dann wieder verabschieden."

„Hmm..." Summte Wei Wuxian misstrauisch. Er blickte Madame Mao kritisch an, doch da die Lippen der sonst so redsamen Frau fest verschlossen zu sein schienen, fragte er auch nicht weiter nach.
Doch er behielt es im Hinterkopf und begann schon in Gedanken weiter darüber zu brüten.

„Also dann!" Sagte sie schließlich hochmotiviert.
„Gute Nacht und bis morgen." Sie kniff den beiden Kindern noch einmal jeweils liebevoll in die Wangen, ehe sie sich bei allen verabschiedete und machte sich dann scheinbar schleunigst wieder aus dem Staub. Sie verschwand genauso schnell wieder aus ihrem Sichtfeld wie sie aufgetaucht war und die Kinder wanken ihr noch nach.
„Bis Morgen Großmutter!" Riefen sie ihr mit ihren zarten Kinderstimmen nach. Scheinbar hatten sie ganz und gar kein Problem damit, an diesem Tag von einem zum nächsten gereicht zu werden.

Doch Wei Wuxian blickte ihr noch kritisch nach und beobachtete ihre liebreizende Silhouette, welche langsam in der Ferne verschwand, als er Lan Ning Ziyi ebenfalls hochhob und es Lan Wangji gleichtat und sie auf seiner Hüfte abstützte. Die beiden Kinder kamen nun gleichzeitig an Lan Wangji's kleines Papier Windrad dran und spielten aufgeregt in ihren Armen hin und her, während die Vier langsam wieder in den Pavillon gingen.

Doch Wei Wuxian linste keck zu Lan Wangji herüber und zog eine Augenbraue verdächtig nach oben, als er schließlich fragte:
„Du weißt es nicht wahr? Los komm, spuck es aus!"

Doch Lan Wangji schloss nur mit seinem Ellenbogen die Tür hinter sich, als er ihn unschuldig anblickte und sagte:
„Würde ich jemals etwas vor dir geheim halten, wenn ich es wüsste?"

Wei Wuxian's Augen formten sich zu zwei kleinen Schlitzen. Er blickte Lan Wangji prüfend an, musterte von oben bis unten sein puppengleiches Gesicht, welches ohne jegliche Regung ihn anstarrte.
Er war sich lange nicht sicher, ob diese Augen tatsächlich lügen konnten.


Es war tiefe Nacht.
Wei Wuxian hatte einen angenehmen Traum und sein Gesicht trug einen zufriedenen und glücklichen Ausdruck, als er jedoch plötzlich durch eine jähe Erschütterung aus seinem Schlaf gerissen wurde. Seine Augenbrauen zogen sich plötzlich scharf zusammen und seine Mundwinkel begannen zu zucken, als er einen unangenehmen Schmerz in seiner Magengegend verspürte.

Er öffnete seine müden Augen und blinzelte ein paar Mal, als er zunächst nur Dunkelheit vor seinen Augen erkennen konnte.
Doch nachdem sich seine Augen an das fehlende Licht gewöhnt hatten und der unangenehme Druck in seiner Magengegend einfach nicht aufhören wollte, sah er schließlich Lan Wangji's schlafendes Gesicht genau vor sich. Die beiden lagen jeweils auf der Seite zueinander gewandt, doch war zwischen ihnen etwas mehr Abstand als gewöhnlich.

Als Wei Wuxian schließlich eine zweite Welle von unangenehmen Magenschmerzen erfuhr, wanderte sein Blick leicht nach unten und er sah zwei kleine Köpfe, welche zusätzlich mit aus der Bettdecke hinausragten. Erst in diesem Moment erinnerte er sich wieder, dass Madame Mao am Abend zuvor die beiden Kinder vorbei gebracht hatte und sie alle Vier zusammen ins Bett gegangen waren.
Es wäre ein wunderschöner Moment des Erwachens gewesen, wie die Vier sich so liebevoll im Arm hielten und friedlich schliefen, wäre da nicht Lan Shen Jing's penetranter kleiner Fuß gewesen, welcher unentwegt gegen Wei Wuxian's Magengegend trat.

Als die Dritte Welle des Angriffes auf seine inneren Organe einprasselte, hielt Wei Wuxian es schließlich nicht mehr aus und er löste sich aus ihrer verknoteten Umarmung aus Armen und Beinen und richtete sich langsam auf. Vorsichtig und bedacht rückte er ein Stück von den Dreien ab und schloss schnell die Bettdecke wieder hinter sich, um die angenehme Wärme nicht entfleuchen zu lassen.

Er rieb sich ein paar Mal mit einem schmerzerfüllten Gesicht seinen Bauch, als er seinen Blick über die drei schlafenden Personen vor sich schweifen ließ. Es war ein Bild für die Götter wie ausgerechnet Lan Wangji mit zwei kleinen Kindern in den Armen friedlich in inniger Umarmung in einem Bett schlief. Es hatte fast ein wenig etwas komisches und absurdes, aber zeitgleich auch etwas sehr entzückendes, als Wei Wuxian darüber nachdachte, dass Lan Wangji zwei Kinder gar nicht so schlecht standen. Denn in diesem Moment gab Lan Wangji einfach das perfekte Ebenbild eines liebevollen Vaters ab und Wei Wuxian konnte nicht anders, als sich einmal herüber zu lehnen und zärtlich Lan Wangji's Wange zu streicheln. Er seufzte in Gedanken versunken leise auf, als ihm plötzlich in dieser Sekunde der makabere Scherz von Bao Tian wieder durch den Kopf schoss. Sein Körper zuckte plötzlich ängstlich zusammen und seine Augen weiteten sich, als er reflexartig seine rechte Hand auf seinen Unterleib legte und ungläubig seinen Kopf hin und herschüttelte. Leise nuschelte er zu sich selbst:
„Es war ein Scherz, nur ein übler Scherz. Niemals könnte..."

Doch genau in diesem Moment sah Wei Wuxian plötzlich etwas merkwürdiges in seinem Augenwinkel. Es war eine mondreiche Nacht, das helle Licht des Mondes erleuchtete die Cloud Recesses und genau in diesem Augenblick bemerkte er einen seltsamen Schatten draußen vor dem Fenster. Er runzelte seine Stirn und rutschte langsam vor auf die Bettkannte, so weit, bis er einen Blick hinaus aus dem Fenster wagen konnte. Seine Augen strengten sich an, als er suchend mit seinem Blick die dunkle Gegend abfuhr.

Seine Augen weiteten sich erschrocken, als er plötzlich zwei Gestalten durch die Cloud Recesses huschen sah. Es war mitten in der Nacht und das helle Mondlicht erhellte ihre Silhouetten. Die eine Person rannte vorweg, während die andere an der Hand scheinbar hinterhergezogen wurde. Der laue Wind blies in ihre Kleider und brachte die Stoffe der Roben und das lange, dunkle Haar zum aufflattern.

Wei Wuxian's Augen wurden immer größer, als er selbst in dem kalten Mondlicht erkennen konnte, dass die Kleider der zwei mysteriösen Gestalten in einem tiefen Rot getränkt waren. Von oben bis unten waren sie in einem kräftigen rot gehalten und in dem Licht des Mondes reflektierten sich sogar viele goldene Ornamente und Bestickungen. Sie leuchteten und blitzten auf, wie viele kleine Sterne am nächtlichen Abendhimmel. Wei Wuxian traute seinen Augen kaum, als er fassungslos dabei zusah wie diese zwei Gestalten unbeirrt an seinem Fenster vorbei liefen. Er war sprachlos und schockiert zugleich, doch der erste Gedanke, der ihm in diesem Moment tatsächlich durch den Kopf schoss war:
-Es ist doch verboten in der Cloud Recesses zu rennen!-

Es dauerte einen Moment, bis er sich wieder fing und sich dann über seinen eigenen absurden Gedankengang erschrak. Lebte er nun doch schon so lange in der Cloud Recesses, dass er jegliche wichtigen Aspekte links liegen ließ und lieber über die Verstöße, der mittlerweile 4000 Regeln des Gusu Lan Clan's nachdachte.?!

Wei Wuxian war entrüstet über sich selbst. Er schüttelte in Selbstmitleid seinen Kopf leicht hin und her.
-Ich werde langsam alt- Dachte er sich.
Doch noch während er mit offenem Mund am Fenster saß und diesem außergewöhnlichem Schauspiel auf der anderen Seite des Fensters zusah, passierte es, dass sich plötzlich eine dicke Wolke an dem Mond vorbei schob und nun das ohnehin schon helle licht, noch klarer auf die Erde fallen ließ. Es war für den Bruchteil einer Sekunde, dass er das Gefühl bekam, er hätte Lan Xichen und Bao Tian vor seinen Augen gesehen.

Er holte einmal tief Luft, als der Schock ihm noch deutlich ins Gesicht geschrieben stand.
Doch genau in diesem Moment verspürte er plötzlich einen warmen Atem in seinem Nacken. Wei Wuxian zuckte am ganzen Körper zusammen, als nach dem warmen Atem direkt eine warme Umarmung folgte und Lan Wangji ihn scheinbar von hinten in die Arme schloss.

„Lan Zhan..."
Flüsterte Wei Wuxian leise, wenn auch etwas erschrocken, als Lan Wangji schon sein Gesicht in seinen Nacken vergrub und ihre Körper dicht aneinander presste. Lan Wangji´s linke Hand strich über die Matratze und suchte Wei Wuxians, als er diese auch fand und dann zärtlich berührte.

Lan Wangji gab ein tiefes, bestätigendes Brummen von sich, als er gerade Wei Wuxian fragen wollte warum er mitten in der Nacht am Fenster saß, als dieser ihm schon zuvor kam und etwas aufgebracht flüsterte:
„Lan Zhan, ich glaube ich habe deinen Bruder und Tian gesehen. Sie sind mitten in der Nacht und in roten Roben hier durch die Cloud Recesses gelaufen, direkt an unserem Fenster vorbei. Ich glaube sie wollen durchbrennen und hei..."

Doch in diesem Moment ergriff Lan Wangji mit seiner rechten Hand plötzlich Wei Wuxian's schnatternden Mund, legte seine Finger um dessen Kinn und versiegelte augenblicklich seine Lippen mit einem Kuss. Er drehte Wei Wuxian's Kopf zur Seite und erstickte jedes weitere Wort, welches seine Kehle gerade verlassen wollte.

„Hnn..."

Wei Wuxian's Augen weiteten sich und er blinzelte ein paar Mal überrascht. Zuerst wollte er Lan Wangji von sich wegdrücken, hatte er doch gerade viel wichtigeres zu berichten, aber es ging alles so schnell. Der Kuss vertiefte sich und wurde immer zärtlicher und leidenschaftlicher, sodass Wei Wuxian jeglichen Willen zum Widerstand verlor und er Lan Wangji gewähren lies.
Ihre Lippen und Zungen berührten sich so vertraut und scheu zugleich und inmitten der Nacht war nur das leise Atmen der Kinder und die feuchten Geräusche ihres Kusses zu hören.

Wei Wuxian's Augenbrauen zogen sich zusammen und seine Augen hatten sich mittlerweile geschlossen, als Lan Wangji geschickt sein Können einsetzte, Wei Wuxian gekonnt verführte und mit seinen großen Händen begann den attraktiven Körper vor sich zu erkunden. Doch gerade als Lan Wangji's rechte Hand zwischen Wei Wuxian's Schenkeln abtauchen und diese überaus sensible Körperregion erkunden wollte, trennte Wei Wuxian plötzlich ihre Lippen voneinander. Er drückte Lan Wangji ein Stückchen von sich weg, als er atemlos hauchte:
„Lan Zhan, hast du mir nicht zugehört? Ich glaube dein Bruder will..."

Doch sogleich legte Lan Wangji erneut seine Hand in Wei Wuxian's Nacken und drückte ihre Köpfe ein weiteres Mal dicht zusammen. Lan Wangji's feuchte Zunge schob sich ein weiteres Mal frech und dominant in Wei Wuxian´s Mundhöhle und hinderte diesen erneut daran seine Sätze ganz auszusprechen.

Was eben unterbrochen wurde, sollte nun seine Fortsetzung finden und Lan Wangji tauchte seine rechte Hand nun gänzlich zwischen Wei Wuxian's Schenkeln ab, als er sich einen Weg unter die Nachtrobe suchte und begann diesem verborgenen Körperteil noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

„En..."
Schnaufte Wei Wuxian einmal kurz durch seine Nase, als er sich mit seinen Händen fest in Lan Wangji's Kragen krallte. Ihr Kuss wurde feucht und ausladend und als Wei Wuxian´s Atmung langsam ruppig wurde, trennte er ruckartig ihre Lippen voneiander. Ihre Schultern hoben sich von ihrer erhöten Atmung leicht auf und ab und die Luft im Pavillon begann förmlich zu knistern. Das fahle Mondlich fiel durch das Fenster herein und erhellte ihrer beider Körperkonturen. Wei Wuxian trug einen anzüglichen Gesichtsausdruck und es war deutlich zu erkennen, dass er gerade von einem Lustmolch mehr als schikaniert wurde. Seine roten Lippen glänzten feucht im Licht und seine Augen trugen einen sehnsüchtigen Ausdruck als er leise hauchte:
„Lan Zhan, du wusstest also doch etwas..."

Lan Wangji blickte in Wei Wuxian's Augen, ein Anblick so erregend und betörend zugleich. Während seine Hand unaufhörlich Wei Wuxian's bestes Stück streichelte jappste dieser unter der Stimulierung etwas atemlos:
„...Nicht...die, die Kinder...wir sollten nicht..."

Doch zu Wei Wuxian's Überraschung hielt dieses Argument in keinster Weise Lan Wangji davon ab seinen Übergriff fortzusetzen. Ganz im Gegenteil sogar, Lan Wangji begann nun hingebungsvoll Wei Wuxian's Hals zu küssen, saugte und lutschte an dessem markanten Adamsapfel herum und festigte sogar noch weiter den Griff seiner rechten Hand. Aus zärtlichen Berührungen wurden bald schamlose, rhythmische Bewegungen.

„Ah!"
Stöhnte Wei Wuxian sachte auf, als Lan Wangji in sein Ohr flüsterte:
„Sie schlafen tief und fest, du musst nur leise sein."

Diese unverschämten Worte lösten ein Kribbeln in Wei Wuxian's Körper aus und er verspürte eine aufkommende Welle der Ekstase, welche durch seinen Körper schoss, als er dabei ein nahezu belustigtes Lächeln auf seinen Lippen trug.
Er ließ seinen Kopf in Lust und Verlangen langsam nach hinten in den Nacken fallen, als er sogar seine Beine bereitwillig etwas weiter auseinander spreizte. Während er mit seinen Händen durch Lan Wangji's langes Haar fuhr und seinen Körper bereitwillig der Lust hingab, hauchte er erregt:
„Lan Zhan, oh Gott Lan Zhan! Dann...will ich dich auch heiraten!"


Jiang Cheng's Augenlieder schnellten auf.
Während seine Augen in die tiefe Dunkelheit starrten, gab sein Körper ihm ein alarmierendes Gefühl. War es eben noch angenehm warm vor seinem Brust gewesen, so verspürte er nun eine Eiseskälte. Die kalte Luft wanderte förmlich an seinem Körper herunter und seine Arme, welche bis eben noch etwas warmes und zartes umschlossen hatten, waren auf einmal leer.

Jiang Cheng lag mitten im Bett auf der Seite, als er verwundert feststellte, dass die andere Betthälfte neben ihm auf einmal leer war. Ruckartig fuhr er mit seiner Hand über das Bettlaken und bemerkte, dass dieses aber noch leicht warm war. Er blinzelte mehrfach und gerade als er spürte wie eine leichte Unsicherheit und Besorgnis in ihm ausbrach, schnellte sein Körper auch schon in die Aufrichtung. Er stützte sich auf seinem linken Ellenbogen ab und blickte sich ruckartig im Pavillon um, als er seine bessere Hälfte auch schon am Fenster stehen sah.

Es war zwar recht dunkel, aber seine Augen trügten ihn nicht, als sie ihn sofort die Konturen seines geliebten Menschen erkennen ließen.
Sofort spürte Jiang Cheng einen Anflug von Erleichterung, welche direkte danach gefolgt wurde von der erbarmungslosen Wahrheit, als er feststellen musste, welche Kleinigkeiten schon ausreichten um ihn ins Schwanken zu bringen. Er atmete erleichtert auf, als er Sun Yan nur wenige Meter entfernt mit seinem Rücken zu sich gewandt stehen sah.

Sun Yan hörte das leise Knacken vom Bett, als er auch schon Jiang Cheng's Stimme hinter sich vernahm:
„Du bist wach? Wieso stehtst du da am Fenster? Komm wieder zurück ins Bett, es ist kalt."

Jiang Cheng's Stimme war etwas tiefer als sonst, scheinbar noch von der Müdigkeit der Nacht geprägt, aber zeitgleich war sie auch zärtlicher und einfühlsamer als am Tag.
Sein Blick fiel auf Sun Yan´s nackten Füße, welche Kontakt mit dem kalten Holzfußboden hatten. der Junge Mann am Fenster trug eine helle Robe für die Nacht, welche locker seinen Körper umhüllte und sein langes, offenes Haar hing an seinem Rücken herunter.

Sun Yan drehte sich langsam um und gab Jiang Cheng einen irritierten Blick. Er schaute äußerst verwirrt und nachdenklich drein, als er fast ein wenig stotterte:
„Halt mich jetzt für verrückt, aber ich bin wach geworden und hatte durst. Als ich aufgestanden bin um mir ein Glas Wasser zu holen habe ich etwas merkwürdiges durch das Fenster gesehen..."
Er pausierte kurz um noch einmal seine Gedanken zu sortieren, doch diese Pause reichte schon aus, dass Jiang Cheng in höchste Alarmbereitschaft geriet. In der Annahme es sei etwas furchtbares passiert, starrte er Sun Yan besorgt an, als er fast etwas ungeduldig sagte:
„Was? Was hast du gesehen?"

Doch Sun Yan schüttelte einmal seinen Kopf verneinend hin und her, so als könnte er selbst nicht glauben was er gesehen hatte. Langsam fuhr er fort:
„Ich habe Zewu-Jun und Bao Tian gesehen, wie sie mitten in der Nacht durch die Cloud Recesses liefen."

Jiang Cheng zog eine Augenbraue skeptisch nach oben.
„Das ist nicht möglich!" Sagte er fast etwas schikanierend, der Annahme Sun Yan sähe nun Gespenster.

Doch Sun Yan blickte wirklich nachdenklich drein, als er sagte:
„Das dachte ich zunächst auch. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es die beiden waren. Und nicht nur das, ich bin mir sogar sehr sicher, dass sie edle, rote Roben trugen. Ich konnte selbst goldene Ornamente in dem hellen Mondlicht erkennen. Sie sahen so aus...als ob...als ob sie hei..."

Doch Jiang Cheng kam nun mit seinem Oberkörper komplett in die Aufrichtung, als er ihn misstrauisch unterbrach:
„Und das ist noch viel weniger möglich!" Sagte er ungläubig, während er Sun Yan einen Blick zuwarf, so als würde dieser nun ganze Geistergeschichten zusammenspinnen.

Sun Yan blikte erneut hinaus aus dem Fenster. Seine grünen Augen reflektierten das Mondlicht, als er seine Stirn nachdenklich kraus zog.
„Vielleicht...waren es auch gar nicht Zewu-Jun und Bao Tian. Vielleicht waren es auch Lan Wangji und Wei Wuxian? Die beiden Jade-Brüder sehen sich so ähnlich..ich..."

Jiang Cheng kratzte sich am Hinterkopf und verschränkte dann seine Arme vor der Brust. Saß er noch immer wie bestellt und nicht abgeholt ganz alleine in dem großen Bett, als er verwundert seine Augenbrauen nach oben zog:
„Auch wenn du Lan Xichen und Lan Wangji nicht auseinander halten kannst...So wirst du doch jawohl Bao Tian und Wei Wuxian voneinander unterscheiden können? Wie können diese beiden Unruhestifter nur gleich aussehen?"

Sun Yan´s Augen funkelten kurz auf und er begann sofort zu nicken, so als hätte er gerade eine völlig neue Erkenntnis gewonnen. Er berührte sein Kinn und tippte sich sogar zweimal vor die Stirn. Aus seinem anfänglich überraschten Gesichtsausdruck wurde zunächst eine abgeklärte Akzeptanz und entwickelte sich dann weiter zu einem verdächtigen Grinsen auf seinen Lippen. Als Jiang Cheng diese beunruhigende Entwicklung mit ansah, begann er sich allen ernstes zu fragen, was heute Nacht mit dem Jungen eigentlich nicht stimmte?

Doch Sun Yan machte ungeachtet dessen plötzlich auf den Hacken kehrt und kam gut gelaunt zurück zum Bett. Seine nackten Füße tappsten über den kalten Holzfußboden, als er schließlich unten vor dem Fußende des Betts zum Stehen kam. Er zog einen Mundwinkel kokett nach oben, kletterte plötzlich mit allen Vieren auf das Bett und krabbelte dann langsam von unten die Matratze hinauf. Dabei hielt er stetigen Blickkontakt zu Jiang Cheng und wählte seine Bewegungen ästhetisch und grazil.

Jiang Cheng's Augen weiteten sich, als er Sun Yan dabei zusah wie dieser plötzlich lasziv an ihm hoch kletterte. Er erstarrte förmlich in seiner Bewegungen und rührte sich nicht mehr, als Sun Yan sogar noch während seines Aktes begann mit seiner rechten Hand langsam an Jiang Cheng's Bein hinaufzuwandern. Als seine Hand über die Bettdecke glitt und von der Fessel, bis übers Knie und der Innenseite des Oberschenkels hinaufgewandert war, ließ er es sich nicht nehmen seine Hand sogar einmal frech über Jiang Cheng's bestes Stück fahren zu lassen. Keck und kühn zog er dabei eine Augenbraue nach oben und blickte Jiang Cheng herausfrodernd an.

Jiang Cheng atmete einmal ruckartig ein, bei dem Versuch dieser Provokation zu widerstehen. Als Sun Yan oben angekommen war und ihre Nasenspitzen nur ein paar Millimeter von einander entfernt waren, hielt Sun Yan plötzlich an. Der Junge thronte nun breitbeibig und auf allen Vieren über seinem Herren und blickte ihn mit seinen wunderschönen grünen Augen an, als er plötzlich freudig erregt hauchte:
„Jiang Cheng, dann will ich dich auch heiraten!"