Ich denke, das könnte vielleicht interessant sein :)
Carlisle
Es war plötzlich.
Die Verbindung.
Die Liebe.
Der Durst.
Carlisle spürte wie sich seine Augen verdunkelten, er schmeckte das Gift welches sich in seinem Mund sammelte, jederzeit bereit um sich im Körper vor ihm zu verteilen. Der Duft ihres Blutes erwischte ihn unerwartet, aber vermutlich hätte es ihn genauso aus der Bahn geworfen, hätte er 2000 Jahre Abstinenz hinter sich.
Er brauchte wenige Sekunden um sich zu sammeln und schüttelte den übergroßen Drang so gut er konnte ab. Warum hatte es Alice nicht gesehen?
Die Frau vor ihm wimmerte und es brach ihm sein Herz, sofort spürte er wie sich seine Kehle zu schnürte und er war froh, keine Luft zu brauchen. Instinktiv bellte er Befehle und war sofort in seinem Arztmodus, trotzdem wanderte seine Hand wie ferngesteuert auf die schweißnasse Stirn seiner Patientin. Seiner Seelenverwandten. Seiner Gefährtin.
Aus einem Winkel des Raumes konnte dank seines übernatürlichen Gehörs ein Telefonat mithören.
„Alex. Genau. Nein es sieht schlecht aus, Dr. Snow kümmert sich gerade um ihn. Er war mit seiner Freundin… Lily.. im Auto."
Sofort saugte er die Information ein und in seinen Gedanken schwirrte nur ein Name. Lily. Er bemerkte, dass ihre Sauerstoffsättigung abfiel und Panik überkam ihn.
„Es wird alles wieder gut, Lily."
Es war seltsam wie ruhig seine Stimme klang, wo doch in seinem Innersten ein wildes Feuer brannte und er beinahe seinen Verstand verlor. Sofort konnte er den Atemzug hören, der gierig von ihr verschlungen wurde und er verspürte eine zumindest momentane Erleichterung.
Carlisle beobachtete die Schwestern wie sie den Zugang legte und wies sie sofort an, eine Dosis Morphium zu verabreichen. Lilys Augenlider flackerten und er hielt den Atem an. Als sie sich zögerlich öffnete, keuchte er auf, als er in ein Farbengemisch starrte. Es waren die schönsten Blau- und Grüntöne die er sich vorstellen konnte. Es war unbeschreiblich. Er erkannte jeden Farbton, jede Nuance und war knapp davor sich zu verlieren.
Sie war unfähig sich zu fokussieren, der Schmerz hatte sie fest im Griff und ohne Zweifel tat der Schock sein Übriges. Sofort zischte er weitere Anweisungen.
Ihr Herzschlag wurde immer schwächer und voller Verzweiflung berührte er vorsichtig ihre Wange. Das Gefühl was durch seinen Körper rauschte war unbeschreiblich. Es war zunächst ein statischer Schock, nicht schmerzhaft aber deutlich. Dann breitete sich die Wärme seinen Arm entlang in seinen Körper aus und auf einmal war der Durst verschwunden. Er wurde von etwas ganz anderem abgelöst, etwas was noch mächtiger war. Lust.
Sanft drückte er ihren Kopf zu sich, er musste noch einmal in ihre Augen schauen. Er musste noch einmal die klaren Farben bewundern.
„Sie müssen wach bleiben, bitte."
Ihm war sehr wohl bewusst, dass sein Ton flehentlich klang und war froh, dass die Umgebungsgeräusche so laut waren, dass er von niemand außer ihr gehört wurde.
Auf einmal riss sie die Augen auf und er sah, wie sich ihr Blick nach einigen Momenten schärfte. Sie starrte ihn mit einem fast entsetzten Blick an und er konnte ihren Herzschlag hören, der erbost stotterte. Sie ließ einen Atemzug aus und Carlisle hoffte und fürchtete sich zugleich, dass sie sich bald abwenden würde.
Ihr Blick war so durchdringend, dass sich Carlisle sicher war, sie würde bis in seine nicht vorhandene Seele blicken. Noch immer bewegte sich ihr Brustkorb nicht und Carlisle wurde immer nervöser.
„Lily, Sie müssen atmen!"
Ihre Reaktion war nicht wie erhofft, ihre Lider sanken schnell in sich zusammen und Carlisle keuchte auf. Sofort erließ er die Anordnung zur sofortigen Operation und der dringend benötigten Bluttransfusion. Sein Blick wich nicht von ihr und selbst als ihn Dr. Snow darauf hinwies, dass der zweite Patient, Alexander Johnson, es offenbar nicht schaffen würde, konnte er nicht von ihrer Seite weichen. Er konnte und wollte es nicht. Nicht in diesem Zustand.
Seine Gedanken rasten und er wünschte sich Alice an seiner Seite.
Würde sie es schaffen? Konnte er sie rechtzeitig unbeobachtet fortschaffen um sie zu verwandeln? Würde sie ihm verzeihen?
Der Gedanke sie zu verwandeln war so verlockend und gleichzeitig betete er, dass er es nicht tun musste.
Es konnte nicht das letzte Mal gewesen sein, dass er dieses elegante, verspielte und gottgleiche Blaugrün gesehen hatte.
Die Zeit die er vor ihrem Bett verbrachte und sie stumm anstarrte, fühlte sich unwirklich an. Als ob es ein Traum wäre, aus dem er wieder aufwachen würde. Die Zeit verging schleppend und gleichzeitig viel zu schnell.
Es war absurd, sie schnell sie sein ganzes Dasein, sein Wesen, sein Innerster, erschüttert hatte. Egal was er bis jetzt empfand, die Liebe zu seiner Familie, die Zuneigung zu seinen Freunden, die Hingabe zu seinen Patienten, verblasste in einem Wimpernschlag zu dem Gefühl, dem Drang, der Anziehung die er zu dieser fremden Frau empfand. Sie war alles.
Als er sie beobachtete wie ihre Augen unter den geschlossenen Lidern hektisch zuckten, brüllte sein Innerstes sie zu nehmen, sie zu beißen, sie zu markieren.
Sein Äußeres gab nichts von dem Tumult preis und das fremde Blut was durch ihre Venen gepumpt wurde, wirkte beinahe abstoßend auf ihn. Es war einfach nicht richtig. Selbst in der kurzen Zeit in der er sie kannte, brannte sich ihr Duft in sein Innerstes. Er würde ihn unter tausenden erkennen, ihn nie vergessen und er würde nie seine Wirkung auf ihn verlieren- dessen war sich sicher.
Auf einmal veränderte sich ihr Herzschlag, der beruhigende Takt wurde etwas unruhig und sie bewegte sich. Sie würde in kürze aufwachen und Carlisle wurde von einer Mischung aus Vorfreude und absoluter Panik durchflutet.
Sie nahm einen tiefen Atemzug und er verzog unmerklich sein Gesicht. Ihre Rippen waren geprellt, tiefe Atemzüge waren keine gute Idee. Ihre Augen öffneten sich kurz und schlossen sich sogleich wieder. Selbst in diesem Bruchteil der Sekunde konnte er strahlende blau erkennen und er war sich sicher, dass wenn er ein Herz hätte- es wild in seinem Brustkorb hämmern würde. Ihr Blick glitt durch den Raum und er hielt das Warten nicht aus.
Er wollte ihre Aufmerksamkeit, er brauchte sie. Leise räusperte sich und bereute es sogleich, als ihr Atem stockte und ihr Herzschlag anschwoll. Sofort hob er beschwichtigend die Arme, alleine der Gedanke, dass sie, seine Gefährtin, sein Alles, Angst vor ihm haben konnte, war unerträglich. Er flüsterte so sanft er konnte, dass alles in Ordnung war und sofort beruhigte sich ihr Puls. Stolz lauschte er dem nun wieder gleichmäßigen Rhythmus.
Er hatte es geschafft, er hatte sie beruhigt.
Er musste etwas sagen, aber was? Er musste ihren Namen aussprechen, er lag ihm derart schwer auf der Zunge, egal wie oft er ihn vor den Schwestern laut ausgesprochen hatte.
„Wissen Sie, wo Sie sind, Lily?
Ihr Name war kein Wort, kein war ein Klang.
Ein Gefühl.
Ein warmer Sommertag.
Er klang richtig, als war er dafür gemacht, dass er ihn sagte.
Sie musterte ihn und er fühlte sich auf einmal unsicher.
Was dachte sie? Sofort wünschte er sich Edwards Fähigkeiten, was würde er alles dafür tun um ihre Gedanken zu hören.
„Im Krankenhaus?"
Auch wenn ihre Stimme noch rau und ungebraucht vom Schlaf war, so war es wie Musik in seinen Ohren. Sie war sein Sirenengesang und er spürte das Monster in ihm, was ihn anbettelte über sie herzufallen. Sie mitzunehmen, sie zu verstecken – vor der gesamten Welt. Sie gehörte ihm, und keinem anderen. Sie war für ihn bestimmt.
Seine Gedanken waren wild und enthemmt. Sie waren barbarisch und so fremd, dass er sie nicht wieder erkannte. Aber sie deckten sich mit dem Gefühl was seinen Körper erfasste. Jahrhunderte lang hatte er seine Selbstkontrolle perfektioniert und nun wurde sie mit zwei Wörtern eingerissen.
Automatisch bewegte er sich zu dem Becher Wasser und reichte ihn ihr. Sie schluckte und er lauschte fasziniert den Geräuschen aus ihrer Kehle. Ein Grinsen breitete sich auf seinen Lippen auf und er hörte ihr Herzschlag welcher sich erneut meldete. Stolz starrte er sie an, sie war wirklich verzaubernd.
Sie starrte in seine Augen und erneut verlor er sich in dem auf einmal tiefen Blau was ihm entgegen starrte. Sie wirkten müde und waren blutunterlaufen, ein paar Schrammen zierten das makellose Gesicht, welches nicht einmal der begabteste Künstler zeichnen könnte und sein Herz brach für sie. Warum musste sie so leiden.
Er räusperte sich, zu lange war es still gewesen. Erneut stand er vor der Frage, was er sagen sollte. Wie sollte er den Kontakt beginnen, wie sollte er mit ihr sprechen ohne sein Geheimnis preis zu geben. Damit meinte er nicht sein vampirisches Wesen, sondern viel eher die Tatsache, dass er für sie bestimmt war. Denn eines war klar, eine so edle Erscheinung konnte keinem gehören- auch wenn das Monster in ihm vehement widersprach.
Er gehörte ihr.
Voll und ganz.
Carlisle griff auf sein Repertoire zurück und stellte sich vor. Er fragte das, was er im Laufe der Jahrhunderte schon sicher tausende Male gesagt hatte. Es klang unnatürlich und lächerlich in einem so neutralen Ton mit ihr zu reden.
Sie starrte ihn kurz an und erinnerte sich. Sie sprach von dem Unfall und von Alex. Ein Name der sich wie ein Dolch in seine Brust bohrte und nichts als Schmerz hinterließ.
"Wo ist Alex?"
Carlisle wusste nicht was schlimmer war. Die Tatsache, dass seine Gefährtin, die erste und letzte Liebe die er je kennen sollte, jemand anderen gehört hat oder, dass er ihr sagen musste, dass genau diese Person tot war.
Er teilte ihr die Nachricht vor der er sich gefürchtet hatte mit und konnte hören, wie ihr Herz brach. Ihr Schluchzen war herzzerreißend und Carlisle spürte jeden Funken ihres Schmerzes als wäre es sein eigener. Sie so zu sehen war pure Agonie.
Ihr Puls raste und ihre Atemstöße waren zu wenig, viel zu wenig. Panisch setzte sie sich auf und Carlisle hatte keine Kontrolle mehr. Viel zu schnell bewegte er sich an ihre Seite und drückte sie zurück in die Polster. Es kostete ihn alles an Selbstkontrolle die er hatte um seinen Kontakt auf die Hand auf ihrer Schulter zu beschränken.
Gerade als er die Hand wegziehen wollte, spürte er ihre warmen, feuchten Finger die sich verzweifelt um seine klammerten. Sein Magen zog sich zusammen, die Freude die er bei dem Kontakt empfand wurde von der Verzweiflung und Hilflosigkeit weggeschwemmt und er war froh, dass in dem Moment eine Schwester hinzukam, die offensichtlich den Alarm gehört hatte. Sofort zischte er ihr zu, dass sie so schnell wie möglich das Schmerzmittel vorbereiten musste.
Er wusste, dass er den Kontakt bald abbrechen musste. Viel zu lange berührte er sie schon und zweifellos würde die Schwester es bemerken. Auf einmal hasste Carlisle die Aufmerksamkeit die er unwillentlich auf sich zog, er hasste die neugierigen und sehnsüchtigen Blicke, er hasst es beobachtet zu werden.
Der Puls normalisierte sich wieder und die Schmerzmittel entfaltete sich. Er hörte ihre Atmung, wie sie immer gleichmäßiger wurde und zog seine Hand weg. Sofort vermisste sein Körper den Kontakt und er wollte nichts lieber, als sie noch einmal zu berühren.
Es war das erste mal, dass er ihre Nähe verließ. Auch wenn er sich nicht immer in ihrem Zimmer aufgehalten hatte, so war er größtenteils nahe genug um zumindest ihren Duft erahnen zu können. Er wusste, dass er irgendwann nach Hause musste. Seine Überstunden würden auffallen und auch wenn er sich 5 Stunden lang in den Ruheraum legen musste, qualvolle 5 Stunden die er damit verbrachte sich nach ihr zu sehnen, wo war seine Anwesenheit nicht mehr erforderlich.
Er wartete bis sie eingeschlafen war und beendete seine nun schon 36 Stunden andauernde Schicht. Das Krankenhaus zu verlassen war eine der schwierigsten Dinge die er je gemacht hatte.
Miesmutig starrte er an die Wand. Seine Augen folgten dem Zeiger und egal wie sehr er es versuchte, er konnte sich nicht ablenken. Jasper versuchte seine Stimmung zu heben aber scheiterte immer wieder daran. Alice war immer noch beleidigt, dass sie Lily nicht kommen sah, freute sich aber dennoch über die Tatsache, dass Carlisle nach dieser Zeit endlich seine Gefährtin gefunden hatte. Frustriert beantwortete sie seine unablässigen Fragen bis er sich damit zufrieden gab, dass sie ihre Zukunft nicht bestimmen konnte. Es gab einfach zu viele unbeantwortete Fragen, zu viele Möglichkeiten.
Es war schwer zu sagen, wen es mehr frustrierte. Alice oder Carlisle. Oder Edward. Carlisle schickte dem jüngeren Vampir immer wieder entschuldigende Gedanken. Er wusste, dass er Edward langsam in den Wahnsinn trieb, zumindest bis dieser aufgab und sich in den Wald verzog.
Emmett und Esme freuten sich fast mehr als er selbst, und auch Rosalie musste seine Begeisterung mit einem Lächeln kommentieren.
Es war nicht verwunderlich, dass ihm sein Glück gegönnt wurde. Carlisle wusste um die Liebe seiner Familie und er wusste, dass sie alle ein gutes Herz hatten. Er war froh sie zu haben und dankte Gott jeden Tag dafür, dass er so eine Familie hatte, die ihn vor seiner Einsamkeit gerettet haben.
Aber nun kam ein ganz anderes Gefühl hinzu. Eines welches er seit fast 400 Jahren ignoriert hatte. Er war trotz der 6 Vampire in seinem Leben einsam. Nun hatte er einen Geschmack davon bekommen, was es bedeutete seine Hälfte zu finden. Und er wollte mehr. Er verzehrte sich nach dem Gefühl der Vervollständigung, es war wie eine Droge. Sie beherrschte seine Gedanken, seinen Körper, alles von ihm.
Auch wenn die anderen keinen Zweifel daran hätten, dass sie Lily als neues Familienmitglied früher oder später begrüßen konnten, so lag es in Carlisle Natur den Fehler zu suchen. Es war ihm einfach nicht begreiflich wie jemand wie er verflucht und verdammt so etwas reines, pures und edles wie sie verdient hatte.
Der Zeiger sprang um und er rannte so schnell er konnte zu seinem Mercedes. Hinter sich hörte er das Lachen seiner Familie, immerhin hatten sie ihren Spaß.
Er raste die Straße entlang und war froh, dass so früh noch keiner unterwegs war. Mit einer Vollbremsung schleifte er sich auf seinem Parkplatz zusammen und war eine halbe Stunde zu früh hier. Es würde niemanden überraschen, Dr. Cullen war gewissenhaft und zuverlässig. Es war keine Seltenheit, dass er früher kam und länger blieb.
Alice hatte ihn soweit vorgewarnt, dass sich Lilys Frustration und Schmerz möglicherweise auf ihn entladen konnte. Dennoch konnte ihn nichts auf den Schmerz vorbereiten den er in seiner Brust spürte als sie ihn wütend anfunkelte.
Er musste es langsam angehen, das hatten ihm die anderen immer wieder betont. Seine Erfahrung mit solchen Dingen war begrenzt bis zu nicht vorhanden. Nie hatte er sich dafür interessiert, nie hatte er bei einer Frau oder einem Mann den Drang verspürt danach.
Bis jetzt.
Das Bewusstsein, dass sie die eine war, die eine die für ihn bestimmt war, war einseitig.
Sie hatte keine Ahnung- noch zumindest.
Noch dazu kam, dass sie gerade nicht nur eine schwerwiegende Verletzung, die sie vermutlich den Rest ihres menschlichen Lebens mit sich tragen würde, sondern auch einen Verlust durchgemacht hatte. Einen Verlust den sie verarbeiten musste.
Er musste sich fernhalten, auch wenn es ihn alles kostete. Er musste subtil sein, zumindest so gut er konnte.
Von Alice hatte er zumindest Hinweise erhalten, Themen von denen er sich fernhalten sollte, Reaktionen mit denen er rechnen musste. Es half. Nicht viel, aber es half. Alice Geschichten, ihre Visionen. Er konnte nicht genug davon bekommen. Mit jeder fühlte er wie dieses Mysterium langsam zur Wirklichkeit wurde. Und jetzt lag es an ihm.
Die nächsten Wochen hielt er Abstand, er schaffte es nicht immer. Manchmal führten ihn seine Füße zu ihrem Zimmer und es gab nichts was er dagegen tun konnte. Seine Selbstkontrolle bröckelte und er stand vor ihrem Bett. Meistens wartete er bis sie schlief. Nur einmal hatte sie ihn gesehen. Er war sich sicher, dass sie ihn für einen Streich ihrer Einbildung hielt. Und doch, als sie ihn sah, war es fast so als ob er gesehen werden wollte. Als ob er damit konfrontiert werden wollte. Er wollte es ihr endlich sagen. Er wollte die Charade beenden, auch wenn er vermutete, dass sie schreiend vor ihm davon laufen würde- würde sie es können.
Aber Alice betonte es immer wieder und blieb nichts anderes über als auf sie zu vertrauen. Er wollte nicht wissen, was der Grund war. Er wollte nicht wissen, ob und wie sehr Lily ihren verstorbenen Freund liebte. Er würde es nicht ertragen, sein versteinertes Herz würde ihn tausende Teile zerspringen. Also musste er Abstand halten.
Bis er sich im Buchladen befand und sämtliche Bände von Harry Potter kaufte.
In doppelter Ausführung.
Für sie und ihn.
Zuerst überlegte er sich einen Vorsprung zu verschaffen und die ersten Bücher zu lesen und sie ihr dann zu geben, aber dann war er von der Idee, zusammen mit ihr zu lesen- wenn auch räumlich getrennt- so angetan, dass er sie doppelt kaufte. Er hätte dann Gesprächsstoff, er hätte dann noch mehr Ausreden um mit ihr sprechen zu können.
Er dachte daran zurück als sie sich unterhalten hatten, sein unfehlbares Gedächtnis erinnerte sich an jedes Wort und jeden Klang den sie von sich gab. Allein die Erinnerung war machtvoll genug, dass er eine Welle des Glücks und der tiefempfundenen Freude spürte als er daran dachte, wie spielerisch sie ihn neckte. Er erinnerte sich an sein Lachen, er erinnerte sich an seine eigene Überraschung darüber.
Sie hatte sein Leben verändert mit nichts anderem als ihrer schieren Existenz und wusste es nicht einmal.
