Diese Geschichte wurde ursprünglich in englischer Sprache veröffentlicht und nach Rücksprache mit der Autorin von mir übersetzt, um sie einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Obwohl ich nur als Übersetzerin fungiere, sind Reviews natürlich trotzdem mehr als willkommen. Alexandra, die Autorin, schreibt unter dem Namen madame. alexandra und ist hauptsächlich hier auf fanfiction. net unterwegs.
Autorin: madame. alexandra
Originaltitel: Absolution
Absolution
Teil 1/3
Zwei Monate nach Bespin
Leias Albträume, die von ihm handelten, waren endlos und unerbittlich; regelmäßig erwachte sie ruckartig aus dem raucherfüllten, glühend heißen Gespenst von Bespin, benommen, blind und kurz davor, an ihrer Trauer zu ersticken – und für eine kurze Zeit führte sie ihren empfindlichen Magen darauf zurück – auf Kummer, Stress und Trauma.
Sie vermisste ihn, sie wollte ihn so sehr zurückhaben und sie fühlte sich so alleine und hohl und verloren.
Es dauerte nicht lange, bis sie erkannte, dass die Übelkeit kein Produkt ihrer Albträume war, keine körperliche Nachwirkung dessen, dass sie verängstigt und verzweifelt aufwachte, sondern eine andere Sache, die einer eigenen Wurzel entstammte. Sie war eine relativ intelligente Frau und verstand in einem schrecklichen Moment der Klarheit, was ihr Probleme bereitete – sie plagte, um genau zu sein – und sie empfand lediglich Schrecken; sie fühlte sich winzig, so als ob sie in einer riesigen Welt ertrank, die sie vernichten wollte.
Sie fühlte sich jung, verängstigt und dumm – und sie fühlte sich beraubt, ausgeweidet und verlassen, weil die einzige Person, an die sie sich wenden konnte, wenn sie Mut und Kraft brauchte, fort war, außerhalb ihrer Reichweite, eingefroren – und das hier hätte ihn wahrscheinlich ohnehin verschreckt.
Han, dachte sie und starrte in dem winzigen Abklatsch eines Spiegels in ihrem Quartier auf ihr Bild, auf ihren eigenen gespiegelten Blick fixiert, während sie sich vorsichtig die Zähne putzte und sich dazu zwang, das Nichts in ihrem Magen unten zu behalten.
Sie spuckte den sauren, fauligen Geschmack aus, spülte sich den Mund und putzte wieder ihre Zähne, darum bemüht, sich sauber und frisch zu fühlen – sie fühlte sich jedoch nur müde, wund und besorgt – und ihr Magen zog sich zusammen, als sie sich wieder aufrichtete; sie holte ein paar Mal tief Luft und ihr Kopf drehte sich.
Leia sehnte sich danach, wieder ins Bett zu gehen, das Licht zu löschen, sich zu verstecken, sich unter ihrer von der Allianz zugewiesenen Decke einzurollen und abzuwarten, ob bloßes verzweifeltes Verlangen das hier ändern konnte, es verschwinden lassen konnte –
Sie musste allerdings den Anschein wahren; sie hatte eine Aufgabe zu erledigen, sie hatte immer eine Aufgabe zu erledigen und für den Moment betete sie, dass das sie vorantrieb, wie es schon immer der Fall gewesen war.
Alderaan ausgelöscht? – Denk später darüber nach, es gibt Arbeit zu tun. Verliebt? – Wag es nicht, ignorier es, es gibt einen Krieg auszufechten.
Sie durfte nicht zulassen, dass ihre Ausdauer jetzt zum Erliegen kam; sie brauchte nur etwas Zeit, um sich zu überlegen, was sie tun würde – nicht was; wie sie ausführen würde, was sie tun musste – und sie war von Angst erfüllt, als sie sich Tag für Tag darauf vorbereitete, sich normal zu verhalten und sich mit derselben Anmut und Würde zu benehmen, wie man es von ihr erwartete –
– aber das war so unmöglich, wenn sie sich immer wieder krankschreiben lassen musste – und sie musste, es ging nicht darum, sich so lala zu fühlen oder sich ihnen nicht stellen zu wollen, manchmal war ihr so übel, dass es ihr unmöglich war, sich zu bewegen, ohne sich über ein Waschbecken oder eine Toilette zu beugen, und sie beobachteten sie bereits mit Habichtsaugen und stellten ihre Zurechnungsfähigkeit in Frage – Wo waren Sie und Han Solo über einen Monat lang? – sie verlangten Antworten in Bezug auf Lando – Ist er ein Verräter oder nicht? – sie wollten sie beurteilen, sie wollten ihr helfen, sich zu konzentrieren –
Sie war im Krankenflügel gewesen, als sie am Sammelpunkt angekommen waren, aber alle waren so auf Luke fokussiert gewesen, seine fehlende Gliedmaße, und Leia hatte sich gegen medizinische Behandlung gewehrt – Ich brauche das nicht, niemand hat mich angerührt; niemand hat mir wehgetan – hatte sie kühl und gelassen insistiert – Sie können mir kein Antibiotikum verabreichen, das die geistigen Narben heilt – sie hatten sie dazu gezwungen, Hans Folter beizuwohnen, aber es gab kein greifbares medizinisches Hilfsmittel für eine Verletzung der Seele.
An diesem Morgen bewegte Leia sich langsam und hielt die Lippen zusammengepresst; in regelmäßigen Abständen nahm sie einen kalten Schluck Wasser und legte sich Minzblätter unter die Zunge – Minze beruhigt den Magen, hatte ihre Mutter ihr einmal gesagt, und Leias Augen brannten beim Gedanken an sie; sie wollte ihre Mutter oder irgendein weibliches Wesen, eine Frau zum Reden, die ihr näher stand als eine bloße freundschaftliche Bekanntschaft.
Sie fühlte sich gewissermaßen gefangen; sie wusste, was mit ihr nicht stimmte, sie wusste, sie musste handeln, aber sie hangelte sich von einem Tag zum nächsten, gliederte sie auf – sie versuchte, nicht über den Test nachzudenken, den sie zwei Tage zuvor durchgeführt hatte; er hatte ohnehin nur ein Gefühl bestätigt; und sie brachte die Stimme der menschlichen Ärztin zum Schweigen, mit der sie letzte Nacht zu später Stunde gesprochen hatte – Ja, hatte die Ärztin in knappem, vertraulichen Ton gesagt, ich habe die Bemerkung in Ihrer Akte gesehen; ich dachte, Sie wüssten es.
Sie hatten ihr Blut abgenommen, als sie sie nach Bespin wegen Schocks, Dehydration und Erschöpfung behandelt hatten und kein einziger Mediziner, Droide oder aus Fleisch und Blut, hatte daran gedacht, sie beiseite zu nehmen und es ihr leise mitzuteilen. Sie hatte es selbst herausfinden müssen, Tag für Tag war ihr die Erkenntnis gedämmert, bis die Eingebung, dass ihr übel war und gleichzeitig ihre Blutung ausblieb, sie wie ein Asteroid getroffen hatte.
Leia bürstete sich die Haare, befestigte ihre Zöpfe dicht am Kopf und hielt ihre Hände still – Gedacht, ich wüsste es? Und sie hatte es in solch einem missbilligenden Tonfall gesagt – als hätte ich das geplant, darum gebeten; es ist nicht fair, ich war geschützt, es war Protokoll, das ist eure Schuld – !
Sie zog allerdings die Grenze, bevor sie andere beschuldigte und hielt wieder inne, um sich selbst im Spiegel zu betrachten. Sie war blass – so blass, und dünn, was nicht gut war, obwohl es keine Rolle spielte; sie machte sich keine Sorgen um ihre Gesundheit, es gab nur einen Weg, den das hier nehmen durfte und es erforderte keine gute Konstitution von ihrer Seite.
Sie legte die Hände an den Hals und hielt sich einen Moment lang an sich selbst fest – geh zurück ins Bett, sag ihnen, dass du wieder krank bist – flehte eine kleine Stimme in ihrem Kopf, aber sie widerstand ihr, die Augen auf sich selbst gerichtet; an irgendeinem Punkt müsste sie jemandem gegenübertreten – an irgendeinem Punkt müsste sie es dem Oberkommando mitteilen.
Es war nur so, dass – es war fast so – solange sie es für sich behielt und ihre Rolle spielte, wäre es nicht wahr, wäre es nicht real.
Sie hätte ihr Zimmer nicht verlassen sollen, hätte nicht zu dieser Besprechung gehen sollen – es war eine äußerst wichtige Diskussion, so viel war unbestreitbar, aber sie zwang sich selbst dazu. Es war vielleicht das Beste, aber um den Preis der Erniedrigung – ?
Leia lehnte an der schrägen Wand vor dem großen Konferenzraum, die Augen leicht geschlossen. Sie drückte beide Hände an das kühle Metall hinter sich, den Kopf müde nach vorne gebeugt. Sie schluckte langsam, sehr vorsichtig, und kniff die Augen zusammen, dann nahm sie einen tiefen Atemzug und öffnete sie zögernd wieder.
Sie hob den Kopf ein wenig und hütete sich davor, sich zu schnell zu bewegen. Ihr Blick verschwamm bedrohlich, ihr war schwindlig, und sie neigte den Kopf vorsichtig nach hinten, bis er sachte an der Wand ruhte. Die Kälte des Metalls an ihrem Nacken war nur ein schwacher Trost, aber sie genoss es. Sie wünschte, sie hätte daran gedacht, ein paar Minzblätter mitzunehmen – und das Wasser lief ihr metallisch und elend im Mund zusammen.
Sie hätte die Sitzung ausfallen lassen sollen – aber wie konnte sie? Es gab keine Möglichkeit, die Scharade aufrechtzuerhalten, wenn sie nicht anwesend war; wenn sie sich von dieser Sitzung entschuldigt hätte, wäre es die dritte in dieser Woche gewesen, die sie verpasst hatte, und das hätte zu viel Besorgnis erregt, zu viel Aufmerksamkeit. Man hätte sie gemustert und wäre um sie herumscharwenzelt und sie wollte alleine gelassen werden, um nachzudenken und damit fertigzuwerden, sodass sie dem Problem entschieden entgegentreten konnte.
Sie starrte nach oben, ihre Lippen formten ein einsames Wort – Han.
Sie wusste nicht, ob er es irgendwie besser oder einfacher machen würde, wenn er hier wäre; sie wusste nicht, wie er überhaupt reagieren würde und das brachte sie fast um. Sie hatte sich ihm so nah gefühlt, als wäre sie ein Teil von ihm und er ein Teil von ihr, und etwas wie das hier, das über ihrem Kopf hing, machte ihr deutlich, dass ein Monat der Intimität nichts war, eine winzige Sekunde im großen Schema der Zeit, und sie fragte sich, ob sie einander überhaupt wirklich kannten.
Leia umklammerte ihre Rippen, grub die Daumen fest in ihre Seite und zuckte zusammen. Ihr Mund war wässrig und sie presste fest die Zähne aufeinander.
„Prinzessin?"
Das Wort war leise, besorgt, und Leia blinzelte, ihre Kehle zog sich zusammen. Einen Augenblick hatte sie Angst, den Kopf zu bewegen, sie hatte immer noch das Gefühl, sich übergeben zu müssen. Sie atmete langsam ein, straffte die Schultern und senkte den Kopf, um der Stimme gegenüberzutreten.
Mon Mothmas ruhige, graue Augen schauten sie an, General Rieekan stand an ihrer Seite. Seine Arme waren über der Brust verschränkt, eine Hand flach gegen seine Schulter gedrückt, und er sah grimmig aus, wenn auch nicht auf missbilligende Weise – grimmig, als fürchte er das bevorstehende Gespräch.
„Fühlen Sie sich nicht gut?", fragte Mon Mothma sanft.
Es war eine Frage der Höflichkeit; sie wusste verdammt gut, dass Leia krank war, es war offensichtlich zu erkennen an ihrem Gesichtsausdruck, an ihrer Haltung, ihrer Abwesenheit in letzter Zeit und an der Art, wie sie sich aus der Besprechung entschuldigt hatte.
Leia presste fest die Lippen zusammen. Sie hob die Schultern in einem stummen Achselzucken – Lügen oder Lippenbekenntnisse hatten keinen Sinn; es war so klar, dass sie sich nicht gut fühlte.
„Ich glaube, ich hätte mir den Morgen freinehmen sollen", erwiderte Leia neutral, ihre Stimme angespannt.
Sie schloss die Augen und schwankte auf ihren Füßen. Als sie instinktiv die Hand ausstreckte, um das Gleichgewicht zu halten, nahm Rieekan sanft ihren Ellenbogen und neigte den Kopf mit einem kleinen Stirnrunzeln. Für den Bruchteil einer Sekunde warf er Mon Mothma einen Blick zu.
„Das wäre Ihr dritter halber Urlaubstag in dieser Woche", merkte Mon Mothma nachdenklich an. Sie fügte nicht hinzu, dass Leia an mehreren weiteren Tagen morgens zu spät gekommen war und das musste sie auch nicht. Bedächtig legte sie den Kopf schief. „Ich denke, Sie sollten in den Krankenflügel gehen", schlug die Kommandantin der Allianz ruhig vor. „Carlist, werden Sie sie begleiten?"
Rieekan nickte – er wusste, dass sie bereits dort gewesen war, als sie und Luke ohne Han von Bespin zurückgekehrt waren, mit einem Verräter und mit mehreren Verletzungen und ausgebrannten Droiden im Schlepptau, um die man sich kümmern musste. Es gab offensichtlich noch etwas Tieferes, das sie bekümmerte – und Rieekan konnte es sich nur vorstellen; der Stress der vergangenen Monate seit der Evakuierung von Hoth, der Schock darüber, Han Solo zu verlieren – er wusste, dass er ihr viel bedeutete, ob sie es sich nun selbst eingestand oder nicht.
Zittrig trat Leia einen Schritt vor.
„Und Leia", sagte Mon Mothma mit unergründlicher Miene. „Ich würde Sie gerne in meinem Büro sehen, wenn Sie sich dem gewachsen fühlen", teilte sie ihr milde mit. „Heute." Das letzte Wort war ein Befehl, auch wenn es in höfliche Freundlichkeit gehüllt war.
Leia begegnete dem Blick der anderen Frau nicht – sie sah an ihr vorbei und nickte, ihre Hand drückte sich nervös in ihre Rippen, ihr Magen verkrampfte sich gereizt.
Mon Mothma wandte sich um und schritt davon und Leia lehnte sich zurück. Dann krümmte sie sich heftig zusammen.
„Carlist", brachte sie schwach heraus – bevor sie ihren Mund fest verschloss.
Er sah sich verzweifelt nach etwas um, was er ihr geben könnte, fand nichts und entschloss sich kurzerhand, sie in den Konferenzraum zu ziehen, den sie gerade verlassen hatten. Jan Dodonna war immer noch dort und suchte ein paar Datapads zusammen.
Er sah überrascht darüber aus, Rieekan zurückkehren zu sehen, und noch überraschter, Leia zu sehen, aber das war nichts im Vergleich dazu, wie erschrocken er war, als sie Rieekans Arm von sich stieß und sich zur Wand drehte, wo sie schließlich den Kampf mit diesem Anfall von Übelkeit verlor. Sie hatte nicht genug im Magen, um ein echtes Chaos anzurichten, aber die Tatsache, dass sie Publikum hatte und keine Toilette, reichte aus, damit sie sich ein zweites Mal übergab.
„Prinzessin!", rief Dodonna aus – sie hörte die Beunruhigung in seiner Stimme, aber ihre Nase und ihre Augen brannten und sie brach in schmerzhaftes Husten aus, sodass sie nicht hörte, was Rieekan auf Jans Ausbruch hin antwortete.
Sie spürte, wie er ihr die Hand auf die Schulter legte, wobei er respektvoll Abstand hielt. Ihre Schultern zitterten und Dodonna fasste sich und kam herüber, um zu helfen.
Leia wich der Sauerei aus und ließ sich gegen die Wand sinken, drückte die Stirn dagegen und wandte ihnen den Rücken zu. Sie hätte sich den Morgen freinehmen sollen – es wäre besser gewesen als das hier; ihre Spekulationen darüber, was mit ihr nicht stimmte, wären besser gewesen, als das hier mitzuerleben. Sie wusste, dass sie irgendwann mit Mon sprechen musste – sie hatte sich nur zuerst den Kopf geraderücken müssen; sie war immer noch von Panik erfüllt, anstelle von Gelassenheit.
„Leia?", fragte Rieekan leise.
Sie holte tief Luft, trat zurück und schüttelte den Kopf.
„Ich muss nicht in den Krankenflügel gehen", verkündete sie heiser. „Ich werde jetzt mit Mon sprechen."
Rieekan nickte, seine Hand lag warm auf ihrer Schulter.
„Ich werde Sie begleiten", begann er, aber sie schüttelte lediglich erneut den Kopf.
„Nein", entschied sie leise.
Rieekan zögerte und drückte ihre Schulter dann sehr sanft, bevor er zur Seite trat, um ihr Platz zu machen.
Leia straffte die Schultern, murmelte eine an Dodonna gerichtete diplomatische Entschuldigung – und er betrachtete sie nur vorsichtig, als ob er sich in einem Paralleluniversum gefangen fühlte; sie hörte, wie Rieekan nach einem Droiden rief und versuchte, Sätze in ihrem Kopf zu formen, zu planen, vorherzusehen, wie dieses Gespräch verlaufen würde.
Als sie den Raum verließ, hörte sie einen knappen Austausch –
„Was hat das zu bedeuten?", fragte Dodonna schwermütig und Leia hielt inne, den Kopf ganz leicht geneigt, wartete sie auf Rieekans Antwort – sie kannte ihn gut genug, dass sie sich vorstellen konnte, wie er sich den Kiefer rieb und steif sein Gewicht verlagerte, als er antwortete –
„Ich – ich weiß es nicht, Jan", murmelte er. Er seufzte. „Ich glaube, Mon hat Recht."
Leia lehnte sich wieder gegen die Wand, wie sie es nur Augenblicke zuvor getan hatte, als Mon sie in ihr Büro beordert hatte, und fühlte sich, als bekäme sie keine Luft mehr, als ginge ihr der Atem aus; war es so offensichtlich – wussten sie es alle? Leia verschränkte die Arme über ihrem Bauch, beugte sich vor und schloss die Augen.
Es war eine Strafe, Vergeltung – göttliches Karma, dafür, dass sie geglaubt hatte, nach all dem Tod, den sie gesehen und verursacht hatte, glücklich sein zu können; einen Monat der Glückseligkeit im Austausch gegen Blut an ihren Händen, wie üblich.
Mon Mothmas Büro war unpersönlich, aber das war zu erwarten; Stützpunkte waren vorübergehende Orte und es blieb wenig Zeit, zu dekorieren oder sich wie zu Hause zu fühlen. Ihr jetziger Standort war so verstreut und unsicher – die meisten Führungskräfte hatten sich auf diesem heruntergekommenen, entführten Mon-Calamari-Kreuzer versammelt, der in der Nähe von Sullust versteckt lag, die einfachen Soldaten waren jedoch verstreut, immer noch darum bemüht, sich von Hoth zu erholen –
Sie bat Leia, sich auf einen Stuhl vor ihrem Schreibtisch zu setzen, und setzte sich dann, um sympathisch zu wirken – eine Bemühung, die Leia nicht im Ansatz beruhigte oder täuschte – auf die Kante des Tisches, mit dem Gesicht zu ihr, die Beine ordentlich übereinandergeschlagen.
„Sind Sie sicher, dass Sie keinen Arzt sehen wollen?", fragte sie.
Langsam schüttelte Leia den Kopf.
„Fühlen Sie sich besser?"
Leia sagte nichts.
Mon Mothma nahm das als Signal, auf den Smalltalk zu verzichten. Sie seufzte, ihre Schultern sanken für einen Augenblick nach vorne, dann rieb sie sich über die Stirn und hob das Kinn.
„Leia, wir müssen reden", bekannte sie.
Sie schien grimmig und ließ Leias Titel fallen, wie sie es oft tat, wenn sie sich privat unterhielten. Es war eine Taktik, die weniger – freundschaftlich und nett und eher eine subtile Erinnerung daran war, dass Mon Leia gekannt hatte, seit sie ein Kind gewesen war, dass sie ihren Vater gekannt hatte – und Leia wurde von einem Anflug von Scham erfasst, gegen den sie sich hartnäckig zu wehren versuchte.
„Ja", stimmte Leia schlicht zu.
Mon Mothma nahm ein schmales Datapad zur Hand, tippte mit dem Finger darauf und räusperte sich.
„Ich will Ihnen die Chance geben, Ihre eigene Version der Geschichte zu erzählen", verkündete sie leise.
Leia fühlte sich wieder klein, kleiner als jemals zuvor – und sie hatte vor dem Imperator, Sith-Lords und Königen gestanden.
Das Schamgefühl flackerte erneut in ihr auf, aber auch ein Ansturm der Wut auf Mon Mothmas falsche Höflichkeit – denken Sie, Sie tun mir einen Gefallen, Mon? Leia biss die Zähne zusammen – nun, sagen Sie mir eins; wie kann es sein, dass Sie es bereits wissen?
Sie hatte keine Vertraute, sie hatte keine Hinweise auf persönliche Beziehungen gegeben, die sie vielleicht hatte oder auch nicht – Mon Mothma war intelligent, das Oberkommando war mit ungewöhnlich intelligenten Menschen bestückt, und doch hätte aus ein paar halbtägigen Beurlaubungen und einem verspäteten Erscheinen am Morgen niemals notwendigerweise diese Annahme resultieren dürfen, nicht wenn Leia bei allen öffentlichen Auftritten völlig ungebunden erschien und sogar als zölibatär betrachtet wurde –
„Warum habe ich das Gefühl, dass Sie es bereits wissen?", erkundigte sich Leia in knappem und stahlhartem Ton.
Mon Mothma sah von ihrem Datapad auf und hielt es fest auf ihren Knien.
„Sind Sie schwanger?", fragte sie unverblümt.
Leia atmete leise aus; es war wie ein direkter Schlag in ihre Eingeweide, der ihr die Kraft entzog – es war ein hartes, irgendwie verurteilendes Wort, eines, das sie vermieden hatte, laut auszusprechen: schwanger, so viele Konsonanten und jeder von ihnen erreichte ihr Gehör wie eine Verurteilung.
Trotzdem achtete sie darauf, nicht zusammenzuzucken; sie ließ ihr Gesicht ausdruckslos erscheinen.
„Ja."
Ihre Antwort war schlicht, ein Eingeständnis an sich selbst, ein Geständnis gegenüber ihrer Vorgesetzten – und die zwei Frauen schauten sich lange schweigend an, während Leias Kopf und Herz vor kaum kontrollierter Sorge, Angst und Trauer pochte, die Trauer war immer noch allgegenwärtig.
Han. Han, Han, Han – !
„Wie lange sind Sie sich dessen bewusst?", fragte Mon Mothma leise.
„Dasselbe könnte ich Sie fragen", entgegnete Leia scharf. Sie verengte die Augen, während sie auf das Datapad in Mon Mothmas Schoß sah und Mons Finger umfassten die Kanten fester.
„Ihr medizinischer Bericht wurde mir sofort vorgelegt", antwortete sie ehrlich. „Unser Chefarzt hat mich alarmiert."
Leias Blut kochte und brodelte. Sie beugte sich vor, ihr Gesichtsausdruck düster – verletzt, wütend.
„Das ist privat", zischte sie mit kaum verhohlener Wut. „Sie hatten kein Recht."
„Ich hatte jedes Recht", erwiderte Mon neutral und ruhig. „Sie wissen, dass es so ist; sie haben dem zugestimmt. Sie fallen unter dieselben Standardarbeitsprozesse, die speziell für das Oberkommando zutreffen: alle medizinischen Beschwerden, mental oder körperlich, die die Dienstfähigkeit einer Führungsperson beeinträchtigen, müssen den Mitgliedern des Rates unverzüglich offengelegt werden. Der Krankenflügel hat mich sofort benachrichtigt."
Sie kämpfte mit dem unreifen Verlangen, zu protestieren – aber nicht, wenn es sich dabei um meinen Gesundheitszustand handelt! Ihr Gesicht errötete und sie presste die Zähne aufeinander.
„Das ist etwas anderes", sagte sie geradeheraus. „Sie denken, es wird meine Dienstfähigkeit beeinträchtigen – "
„Wollen Sie mir damit sagen, dass es das nicht tut?", unterbrach Mon sie und ihre Stimme wurde härter.
Sie sah Leia mit stillem Unglauben, Wut und – Enttäuschung an. Leias Lippen bewegten sich lautlos, mit zitternden Händen hielt sie ihre Worte zurück. Sie verschränkte die Hände in ihrem Schoß.
„Ich habe darauf gewartet, dass Sie damit zu mir kommen", bemerkte Mon und ihr Ton wurde wieder sanfter.
„Man hat es mir nicht gesagt", blaffte Leia. „Ich hatte keinen Grund zu der Annahme, bis – nun ja, ich habe nicht – es hat mich überrumpelt!"
Ihre Stimme begann zu versagen und sie biss sich auf die Zunge und hielt sich wieder zurück. Hatte sie jemals in ihrem Leben so dumm und unerfahren geklungen? Sie glaubte es nicht – nein; sie war zu Besserem ausgebildet, sie war pures Geschick, Effizienz und Anmut – außer vielleicht in Hans Gegenwart.
Mon Mothma schien zu zögern.
„Ich will Sie nicht – verstören, Leia, aber in Anbetracht Ihres Konflikts mit dem Imperium auf Bespin", sagte sie. „Wurden Sie vergewaltigt?"
Leia zuckte zurück, als hätte sie eine Ohrfeige bekommen, ihr Gesicht errötete. Ihr Hals fühlte sich heiß an und sie verengte die Augen, knirschte mit den Zähnen und spannte den Kiefer an.
„Nein", gab sie nachdrücklich zur Antwort.
Sie lehnte sich zur Seite und rieb sich über die Schläfe. Dann schüttelte sie den Kopf.
„Nein", wiederholte sie leiser.
„Wurden Sie ausgenutzt?", drängte Mon Mothma.
Leia richtete sich auf und ihr Blick verhärtete sich kühl.
„Wenn Sie fragen wollen, wen ich gevögelt habe, Mon, dann tun Sie es", verkündete sie rundheraus. „Ich bin mehr als fähig, eine sexuelle Entscheidung zu treffen, ohne dass sie mit Gewalt erfolgt."
Mon Mothma warf ihr einen verkniffenen Blick zu, neigte aber den Kopf.
„Ich möchte verstehen, was zwischen Hoth und jetzt passiert ist, das Sie in diese Lage gebracht hat."
Leia fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. Sie drehte den Kopf zur Seite und berührte ihre Unterlippe mit dem Daumen.
„Han", erwiderte sie müde. „Es ist Han. Ich habe mit Han geschlafen."
„Han Solo hat das getan?"
Leia schloss schwer die Augen – warum musste sie es wie ein Verbrechen klingen lassen, eine kriminelle Handlung? Ich habe mich verliebt, ich kann nichts dafür, ich bin eine Frau – ich bin keine Maschine.
Sie wandte den Kopf um und bemerkte trocken –
„Ich glaube nicht, dass das seine ausdrückliche Absicht war."
Mon Mothma seufzte und es lag so etwas wie Mitgefühl auf ihrem Gesicht, so etwas wie – der Versuch, Verständnis aufzubringen, und sogar Traurigkeit, und sie schüttelte den Kopf.
„Leia, wie konnten Sie nur so leichtsinnig sein?", fragte sie.
Leia blieb fast das Herz stehen.
„Leichtsinnig?", keuchte sie. Sie lehnte sich steif vor und drückte eine Hand an ihre Rippen. „Leichtsinnig – Mon, ich halte mich an dieselben Protokolle wie jede andere Frau in dieser Miliz, ich hatte ein Hormonimplantat, das ich nicht einmal gebraucht habe – bis ich es dann gebraucht habe, bis ich mich darauf verlassen habe, dass es seine Aufgabe erfüllt und es versagt hat", sie schüttelte den Kopf, ihre Augen brannten, „es hat nicht funktioniert, Mon – also wer hat mich im Stich gelassen?"
Mon Mothma senkte den Kopf und Leia fragte sich, ob sie die Augen verdrehte und dachte: Nun, Sie hätten keusch bleiben sollen, Leia, wir hätten Ihre Jungfräulichkeit doch ohnehin für einen Vertrag gebraucht.
Leia stand auf und verschränkte die Arme. Sie ging im Büro auf und ab, schluckte ein paar Mal schwer und fasste sich wieder – sie hatte kein Interesse an Anschuldigungen oder Entschuldigungen; es gab nur Maßnahmen zu ergreifen – so sehr es sich auch wie körperliche Folter anfühlte, dieses Gespräch zu führen, konnte sie ein wenig leichter atmen, weil sie nicht mehr gefangen war – sie musste jetzt nach vorne blicken.
Hinter sich hörte sie Mon Mothma noch einmal seufzen und sich bewegen. Als Leia sich umdrehte, stand die andere Frau hinter ihrem Schreibtisch und sortierte Holo-Karten und fadenscheinige Datenauslesen. Sie legte eine Hand an ihren Kopf.
„Wir haben nicht viele Möglichkeiten", meinte sie.
Leia kam vor dem Tisch zum Stehen und beobachtete sie schweigend.
Mon Mothma deutete mit dem Finger auf eine Karte.
„Ich denke, die beste Option ist es, Sie in den Untergrund zu schicken", murmelte sie. „Vader weiß, dass Sie auf Bespin nicht getötet wurden, also ist es nicht die beste Form des Verstecks – obwohl wir Gerüchte verbreiten könnten, dass Sie getötet wurden", sie hielt inne. „Sie müssen es niemandem erzählen."
Aufmerksam zuhörend, trat Leia einen Schritt nach vorne, als die Worte sich setzten – Wort für Wort trafen sie auf ihre Haut und sie war verwirrt und dann überrascht, und öffnete den Mund, um zu fragen –
„Wovon sprechen Sie?"
Mon sah sachlich zu ihr auf.
„Das setzt Sie außer Gefecht, Leia. Es ist mir egal, was Sie denken", ergänzte sie scharf. „Sie können nicht kämpfen. Ich habe keine Ahnung, was Sie tun werden, wenn das Kind da ist, obwohl ich mir sicher bin, dass Sie generell nichts gegen Adoption einzuwenden haben – "
„Mon", unterbrach Leia sie leise und mit einem seltsamen Gesichtsausdruck. „Ich werde es nicht austragen."
Sie sagte es mit solcher Sicherheit, Sicherheit, die sie vielleicht nicht einmal selbst fühlte – aber auch mit Unglauben, weil Mon Mothma den Gedanken hegte, weil sie annahm, dass, inmitten all dessen, Leias offensichtliches Vorgehen darin bestand – während ein Bürgerkrieg tobte, Han vielleicht für immer verloren war, sie keine Heimat hatte, keine Familie, keine Freunde – während sie eine der meistgesuchten Personen des Imperiums war und einen Fuß in ein zivilisiertes System zu setzen, garantierte, dass Kopfgeldjäger sich auf sie stürzten?
Sie starrte ihr Gegenüber an und Mon sah einen Moment lang fassungslos aus.
Sie räusperte sich, setzte sich dann behutsam hin und verschränkte die Arme.
„Ich dachte", begann sie vorsichtig, „in Anbetracht der – Gebräuche Alderaans", sie zögerte.
Leias Kiefer spannte sich an und sie schüttelte den Kopf.
Alderaans Gebräuche spielten keine Rolle. Alderaan war Staub und Trümmer und Leia hatte nichts und niemanden, auf den sie sich verlassen konnte. Sie fühlte sich ausgelaugt und unsicher, aber nichts davon spielte eine Rolle – zudem konnte sie es nicht tun, sie war nicht bereit, es gab keine – hier gab es keine wirkliche Wahl.
Mon Mothma legte die Hände an ihr Gesicht und massierte sich die Schläfen, während sie nachdachte.
„Nun", begann sie und schob einige Dinge auf ihrem Schreibtisch beiseite. Sie legte die Finger aneinander und deutete vor sich. „Setzen Sie sich, Leia."
Leia setzte sich – angespannt, auf die Kante des Stuhls. „Sie sprechen von einer Prozedur, für die wir nicht vollständig ausgestattet sind", bemerkte Mon Mothma vorsichtig. „Wir haben unsere Einrichtung, so wie sie ist, aus Altmaterialien zusammengebaut. Der Krankenflügel ist auf Traumata fokussiert. Kriegsverletzungen – "
„Ich weiß", entgegnete Leia geradeheraus.
„Es wird nicht chemisch ablaufen", erklärte Mon. „Ich glaube nicht, dass wir mit Tabletten ausgestattet sind."
Leia warf ihr einen kühlen Blick zu.
„Das scheint mir unglaublich dumm zu sein", bemerkte sie milde. „Sie befehligen einen intergalaktischen Aufstand gemischter Geschlechter und glauben nicht, dass Unfälle passieren?"
„Die Erfordernis eines Hormonimplantats schließt Unfälle aus", erwiderte Mon leise.
Leia deutete wortlos auf sich selbst; mehr musste nicht gesagt werden.
Sie drehte den Kopf und zuckte fahrig die Achseln, als versuchte sie, ihre Angst und Sorge im Stillen abzuschütteln, zusammen mit den hundert anderen Emotionen, die in ihr um die Vorherrschaft wetteiferten.
„Ich habe keine andere Wahl", schloss Leia knapp.
Mon antwortete nichts. Sie war lange still, dann zog sie ihr Datapad zu sich heran.
„Ich werde Sie persönlich anmelden", sagte sie.
Leia wandte sich um, um sie anzuschauen, und bemerkte, dass Mon plötzlich blass aussah – erschöpft und ausgezehrt. Aus irgendeinem Grund irritierte es Leia, als hätte Mon kein Recht, sich belastet zu fühlen, wenn das hier für sie nur eine Unannehmlichkeit des Personals bedeutete, während es für Leia, für Leia war es –
„Sie werden mindestens eine Woche der Erholung brauchen und nur leichte Pflichten übernehmen – wenn überhaupt", murmelte sie kurz angebunden und kontrolliert. „Außerdem müssen Sie sich einer erneuten ärztlichen Untersuchung unterziehen, um sicherzustellen, dass Sie zum Dienst zugelassen sind."
Leia hörte zu und verriet keine Emotion.
Mon Mothma legte die Akte beiseite, lehnte sich vor und stützte sich schwer auf ihre Arme.
„Und ich werde eine Degradierung anordnen", entschied sie.
Leia blinzelte – sie war überrascht, aber einen Teil von ihr traf es nicht unvorbereitet, und dieses grimmige, schleichende Schamgefühl nagte wieder an ihr, und erneut schob sie es beiseite und versuchte, es loszuwerden. Sie fühlte sich wie eine Zielscheibe und ein scharfer Schmerz durchfuhr sie – sie konnte ihre Ablenkung nicht verlieren, sie konnte ihre Arbeit nicht verlieren, nicht wenn sie Han und alles andere verloren hatte –
„Warum?", erkundigte sie sich kalt.
„Sie werden Ihren Platz im Oberkommando nicht verlieren", bestimmte Mon ruhig. „Sie werden auf der militärischen Seite degradiert."
Leias Augen stellten immer noch dieselbe Frage und Mon antwortete kühl –
„Seit Ihrer Rückkehr von Bespin haben Sie Ihre Prioritäten nicht angemessen gesetzt."
Leia biss die Zähne so heftig zusammen, dass sie befürchtete, sie könnten bersten, und sie fühlte sich, als würde sie anfangen, zu schreien oder in Tränen ausbrechen – die Anschuldigung war so oberflächlich, so ein kaum verhüllter Versuch, sie dafür zu bestrafen, dass sie es gewagt hatte, selbstsüchtig und emotional zu handeln, anstatt wie die unerschütterliche Märtyrerin, die sie haben wollten – natürlich bin ich aufgewühlt, mein bester Freund ist verstümmelt, Han ist fort – sie haben mir das Herz herausgerissen und eine klaffende, blutende Wunde zurückgelassen, und mein Fehler, meine physische Mahnung, muss aus mir herausgeschabt werden –
Die Soldatin in ihr übernahm die Kontrolle und sie stand mit einem kurzen Nicken auf.
„Ich verstehe", entgegnete sie kühl.
„Das Oberkommando wird über den Vorfall informiert werden, Leia", warnte Mon Mothma sie.
„In Ordnung."
Mon Mothma sah auf und begegnete ihrem Blick. Zögerlich teilten sich ihre Lippen, nachdenklich hielt sie inne – und biss sich auf die Lippe.
„Ich habe Ihrem Vater versprochen, auf Sie aufzupassen", merkte sie an.
Leia zuckte ruckartig die Achseln.
„Sie hatten nichts mit alledem zu tun."
Sparen Sie sich das, Mon – Sie haben keine Ahnung, wie es sich anfühlt.
„Sie können gehen", schloss Mon Mothma sanft.
Leia neigte den Kopf und verließ den Raum.
Sie fand das nächste Badezimmer, verschwand darin und verschloss fest die Tür hinter sich. Sie umklammerte den Rand des Waschbeckens und wartete, während sich alles in ihrem Kopf drehte, bis ihr übel wurde; ihre Kehle, Nase und ihre Augen brannten erneut und dieses Mal, dachte sie, war die Übelkeit ein Nebenprodukt der Anstrengung, unter der sie sich befand.
Sie sank zu Boden, drückte den Handrücken gegen ihren Mund und legte den Kopf auf die Knie – sie versuchte, nicht zu weinen und sie kämpfte darum, einen Weg zu finden, sich von allem loszulösen.
Die sterile Umgebung der Krankenstation gab ihr das Gefühl, ungeschützt und verletzlich zu sein und zum gefühlt hundertsten Mal kam sich Leia unglaublich klein in ihrem Bett vor. Hinter einem Vorhang verborgen, einen intravenösen Zugang in ihrem Arm, lehnte sie sich gegen das glatte Kopfteil aus Metall und vermied es, Luke anzusehen, der neben ihr saß.
Sie hätte es ihm verschweigen können, aber im Endeffekt war er die einzige Person um sie herum, die ihr auf einer persönlichen Ebene etwas bedeutete und ihre Einsamkeit brachte sie dazu, sich ihm anzuvertrauen. Er war keine Frau, also wäre eine unbestreitbare Kluft in der Kameradschaft, die er ihr entgegenbringen konnte, nicht zu vermeiden, aber er war ihr Freund und vor allem war Luke nett und verständnisvoll.
Er zupfte an den ausgefransten Fäden der Strickdecke an ihren Füßen, die Bewegungen seiner falschen Hand waren immer noch neu für ihn und schwer zu handhaben.
Er hatte nicht besonders heftig reagiert; seine Brauen hatten sich lediglich besorgt zusammengezogen, von Verwirrung überwältigt – Ich bin nicht krank, Luke; ich bin schwanger – er hatte sie nur besorgt angesehen und zugehört; Oh, Leia, was hat das…was wirst du tun? – Leia hatte schwer geschluckt und er war die erste Person gewesen, in deren Gegenwart sie es laut ausgesprochen hatte – eine Abtreibung vornehmen lassen – Mon Mothma hatte es dem Rat mitgeteilt und die Prozedur genehmigt, aber Leia hatte es Luke gesagt und er hatte bei ihr gesessen, seine Hand nahe bei ihrer – Okay, hatte er gemurmelt. Geht es dir gut?
Er wickelte sich einen Faden um einen seiner künstlichen Finger und riss ihn ab, um ihn zu untersuchen.
„Also", sprach er und sah auf. Er stützte sein Kinn in die Handfläche. „Du und Han?"
Leia zog die Knie an und schlang die Arme darum. Sie achtete auf die Kanüle in ihrem Arm – sie enthielt nur Flüssigkeit und vorbeugende Antibiotika. Sie legte die Wange auf ihr Knie, schaute Luke an und nickte wortlos.
Als sie die Augen schloss, rannen Tränen über ihre Wangen.
„Ich habe mich gerade erst daran gewöhnt, ihn zu lieben", flüsterte sie.
Sie hatte in den verschwommenen Wochen seit der Rückkehr von Bespin vergessen, dass Luke keine Ahnung von ihrer gewachsenen Beziehung zu Han hatte; er war woanders gewesen, den Kopf in Höhlen und Sümpfen und uralten Jedi-Überlieferungen vergraben.
Er schien es gut aufzunehmen, wenn man bedachte, dass er ihrem Eindruck nach immer an ihr interessiert gewesen war – oder vielleicht hatte sie sich geirrt und Freundschaft ganz arrogant für romantische Neigungen gehalten.
„Naja, der Rest von uns war es so langsam leid", scherzte Luke und lächelte ein wenig – als hoffte er, sie würde sich ein bisschen besser fühlen, aber wollte ihr Problem nicht kleinreden.
Leia wischte sich schnell übers Gesicht und erwiderte das Lächeln.
„Du weißt, dass Fett ihn zu Jabba bringen wird, um das Kopfgeld einzustreichen", meinte Luke langsam. „Wir werden ein Ohr offenhalten, um herauszufinden, was Jabba mit ihm macht, und werden dort ansetzen. Er war am Leben, Leia", erinnerte er sie.
Leia sagte nichts – sie hatte Angst, dass Jabba ihn töten würde, sie hatte Angst, ihn nie wiederzusehen – und sie wollte ihn so sehr wiedersehen. Sie vermisste seinen Geruch, seine Stimme, die Wärme seiner Haut an ihrer, den Klang seines Herzens, die Art, wie er atmete, wenn er schlief –
Luke streckte die Hand aus und berührte sie sanft an der Schulter, und die Wärme seiner Fingerspitzen verriet ihr durch ihr dünnes Nachthemd hindurch, dass es seine echte Hand war. Er hielt die andere in seinem Schoß, seine blauen Augen suchten ihre.
„Bist du sicher, dass du das tun willst?", fragte er – ohne sie zu verurteilen, aber mit echter Besorgnis. Seine Stimme zitterte ein wenig.
Sie schaute ihn lange an.
„Ich weiß es nicht", erwiderte sie heiser. „Das ist es, was ich tun werde."
Sie sagte es mit Überzeugung, aber bis Luke sie gefragt hatte, hatte sie noch nie zugegeben, dass sie Zweifel hatte, dass der erste Gedanke in ihrem Herzen, auf dem Grund ihrer Seele, nicht gewesen war, dass sie das hier tun wollte – sie dachte, aber ich liebe Han, und vielleicht würde ich es wollen – ich hätte nie gedacht, dass ich es haben würde.
Sie war jedoch so besorgt und so unvorbereitet und der Gedanke war lächerlich; sie wollte es vielleicht in der Theorie – sie fuhr sich mit der Zunge über die Lippen und zuckte mit den Achseln.
„Was bleibt mir sonst?", fragte sie, halb rhetorisch.
Luke sah hilflos aus.
„Wir versuchen, Han zu finden", entgegnete er. „Das willst du nicht aufgeben, oder?"
Sie schüttelte den Kopf und wischte sich über die Augen.
„Du könntest ihn zurückbekommen und er…Han ist ein guter Mann", bemerkte Luke stockend.
Leia presste die Lippen zusammen und schüttelte den Kopf.
„Ich weiß, dass er gut ist", erwiderte sie zittrig.
Sie neigte den Kopf zur Decke.
„Luke, ich kann damit nicht umgehen", gestand sie.
Er nickte.
Es war alles zu viel – es gab zu viele Faktoren, zu viele Unsicherheiten; Mon Mothma hatte illustriert, welch ein verrücktes Konzept es war, zu versuchen, sich zu verstecken, und was Leia noch mehr störte, war – sie wollte nicht alleine sein, sie wollte das hier nicht alleine tun. Wenn sie in ihrem gesamten Leben über Kinder nachgedacht hatte – und in den letzten Jahren, hatte sie nicht einmal gewusst, ob sie sie jemals wollte – sie hatte sich niemals eine Situation wie diese vorgestellt.
Han könnte tot enden, für immer verloren – sie fürchtete den Schmerz, den sie erleiden würde, wenn sie ihn und ihre Arbeit verlor, ihren Platz in der Rebellion, und zudem versteckt wäre, mit einer einzigen Erinnerung an Han, jemandem, der sie brauchte und auf sie angewiesen war; sie glaubte nicht, dass sie das tun konnte – aber sie fürchtete noch mehr, Han zu finden, ihn zurückzuhaben und ihm eine unumkehrbare Wahrheit zu präsentieren – ihre Beziehung war so frisch, so neu gewesen, als er ihr entrissen worden war, und wenn sie – wenn er zurückkäme und sie – es wäre ein Schock, vielleicht sogar eine Falle, und es war einfach nicht das, was sie für ihre Beziehung wollte –
„Das könnte ich Han nicht antun", entschied sie.
Diese Worte erzeugten jedoch mehr Schuldgefühle, mehr Stress – was, wenn er sie dafür hassen würde? Was, wenn er denken würde, sie hätte eine Wahl für ihn getroffen, ihm etwas gestohlen – sie hatte keine Ahnung, welchen Standpunkt Han einnehmen würde, wenn er hier wäre.
Sie konnte sich kaum selbst in den Griff bekommen, kaum ihren Kummer über ihren Verlust unterdrücken; es gab keine gesunde Weise, Verantwortung dafür zu übernehmen –
„Ich kann kein Baby bekommen, Luke", sagte sie heiser.
Luke nickte erneut.
„Es ist gefährlich", meinte er. „Ich kann es nachvollziehen, Leia. Ich verstehe es."
Sie war sich nicht sicher, ob er das tat, und sei es nur, weil er nie in der Lage sein würde, sich wirklich in sie hineinzuversetzen, wirklich in ihre Schuhe zu schlüpfen, und sie ertappte sich immer wieder dabei, wie sie sich verzweifelt wünschte, Han wäre hier, aber dieser Wunsch stand in einem Konflikt mit der Angst davor, was Han darüber denken würde, was er wollen würde, wie er damit klarkäme –
Das war die ultimative, schmerzliche Wahrheit, der Kern des Sturms an Emotionen: sie war alleine, vollkommen alleine; es lag alles an ihr – die Wahl, die Belastung, die Folgen, alle möglichen Konsequenzen.
„Ich weiß nicht, was ich sagen soll, damit du dich besser fühlst", äußerte Luke schließlich, einen ernsten Ausdruck auf seinem Gesicht.
„Es gibt nichts", antwortete sie leise. „Es ist in Ordnung."
Luke holte tief Luft.
„Ich glaube übrigens, dass Han dich wirklich liebt, Leia", bemerkte er leise. „Ich weiß, dass er, ähm, irgendwie nicht wirklich darüber spricht, aber ich glaube, das tut er. Er liebt dich."
Leia konnte nicht in Worte fassen, wie sehr sie es schätzte, dass er die Präsensform verwendete – und gänzlich unerwartet erfasste ein sanftes Lächeln ihre Lippen, so schmerzhaft es auch war, zu lächeln, und sie erwiderte heiser –
„Ich weiß."
Bei einer Bewegung hinter ihm drehte Luke den Kopf und warf Leia einen vorsichtigen Blick zu, als eine Ärztin um den steifen Metallvorhang herumkam. Die Ärztin stand nur ernst da, den Blick auf Leia gerichtet, und Luke räusperte sich und stand auf, ließ seine Hand aber auf Leias Schulter liegen.
„Willst du", begann er verlegen und unsicher, ob es überhaupt angemessen war, so etwas anzubieten, „dass ich bei dir bleibe?"
Leia dachte einen Moment darüber nach und ihre Kehle verengte sich – das Angebot rührte sie, aber da sie wusste, was die Prozedur beinhaltete – sie war verletzend, invasiv und bloßstellend – schüttelte sie abrupt den Kopf und kämpfte darum, ihre Stimme ruhig zu halten.
„Nein", antwortete sie heiser. „Ich will alleine sein."
Luke nickte und beugte sich aus einem Gefühl heraus vor, um ihr einen Kuss auf den Kopf zu geben. Langsam ging er hinaus, mit einem letzten vorsichtigen Blick auf die Ärztin. Leia lockerte ihren Griff um ihre Beine und streckte sie aus, ihre Hände fielen ihr in den Schoß.
Die Ärztin begann zu sprechen – leichte Lokalanästhesie, wir werden es so angenehm wie möglich machen – sind Sie sich der möglichen Komplikationen und Nebenwirkungen bewusst – Leia hörte zu, die Hand abwesend an ihren Bauch gedrückt und sie beruhigte sich, indem sie langsam atmete und sich auf Vernunft und Pflicht konzentrierte.
Ein Teil von ihr schmerzte und sehnte sich nach ihm – Han, ich brauche dich wirklich; was soll ich tun – und ein Teil von ihr wartete rastlos darauf, dass es vorbei war – werdet es los, macht schon, ich kann nicht klar denken, ich fühle mich so schlecht und machtlos –
Als sie die Tür zu ihrem Quartier öffnete und General Rieekan dort vorfand, sah sie den Schock auf seinem Gesicht und es amüsierte sie ein wenig und bescherte ihr den Anflug eines Lachens – weil sie erkannte, dass er sie wahrscheinlich noch nie so lässig gekleidet gesehen hatte.
Sie hatte angenommen, es wäre Luke, also hatte sie sich nicht die Mühe gemacht, sich schnell umzuziehen; offensichtlich lag sie jedoch falsch. Als sie nun in kurzen Hosen aus Baumwolle, die locker um ihre Taille saßen, und einem von der Allianz bereitgestellten Unterhemd mit ihrem Emblem auf der Schulter vor ihm stand, zögerte sie kurz, nickte dann allerdings mit dem Kopf und trat zurück.
„Carlist", murmelte sie.
„Ich will Sie nicht stören", erwiderte Rieekan rasch.
„Kommen Sie rein", lautete ihre einzige Antwort.
Ihr Haar war zu einem losen Zopf geflochten und im Nacken zu einem Knoten hochgesteckt. Er schaute sich in dem kleinen Quartier um, das man ihr zugewiesen hatte, und bemerkte ein persönliches Datapad auf ihrem Schreibtisch, zusammen mit Massen offizieller Arbeit, Schlachtplänen, Angriffsvorschlägen –
Sie schloss die Tür hinter ihm und verschränkte die Arme vor dem Körper – um ihre Haltung zu unterstreichen und ihren persönlichen Raum zu schützen.
Ihm fiel auf, dass sie immer noch blass aussah und dunkle Ringe unter den Augen hatte.
Carlist drehte sich zu ihr um, die Mütze der Uniform unter den Arm geklemmt. Er räusperte sich, stand locker da und betrachtete sie zögernd.
„Mon hat mir gesagt, dass Sie morgen zu Ihrer Arbeit zurückkehren", begann er abrupt.
Leia nickte.
„Ich bin vorbeigekommen, um zu fragen, ob Sie mehr Zeit brauchen", teilte er ihr geradeheraus mit.
Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich keine Sekunde lang. Sie schaute ihn an, ohne zu blinzeln, wandte sich dann um, schritt hinüber zu ihrer Koje und setzte sich auf den Rand, den Rücken gerade. Sie hatte nicht gut geschlafen und das war nichts Neues für sie, aber der einzige Weg, den sie kannte, um sich von Kummer zu erholen – um Kummer zu überleben – bestand darin, sich in irgendein Projekt zu stürzen, irgendeinen Kampf, etwas Bedeutsames, und jeder Tag der Ruhe und Erholung verschlechterte ihre Aussichten, vertiefte ihre Ängste und ihren Stress.
„Mehr Zeit wird mir nicht gut tun", antwortete sie ruhig.
Sie räusperte sich.
„Mir geht es gut, Carlist", log sie.
Ah – es war keine allzu große Lüge. Sie hatte sich unter Kontrolle, sie würde es überleben. Sie hatte körperliche Schmerzen; sie fühlte sich wund, empfindlich, ausgelaugt – und hohl.
Allerdings war sie auch von Ruhelosigkeit erfüllt; sie musste sich bewegen, musste etwas tun – irgendetwas, um die Bürde dessen, was sie getan hatte, zu erleichtern, ein Gewicht, das ihr irgendwie von den Schultern genommen worden war und gleichzeitig schwer darauf lastete.
Er trat ein paar Schritte vor und legte die Hand auf die Rückenlehne ihres Schreibtischstuhls. Nachdenklich zog er ihn nach hinten, setzte sich darauf und legte seine Mütze zur Seite. Langsam beugte er sich vor und hob den Kopf, um ihr in die Augen zu schauen. Er verspürte großen Kummer ihretwegen, rein mitfühlenden Kummer, nichts, das Mitleid gleichkam, was ihr seinem Empfinden nach einige der anderen entgegenbrachten, und ganz sicher keine Vorsicht oder Enttäuschung.
Er wusste, dass es nicht wirklich etwas gab, das er hätte tun können; Dinge geschahen einfach, besonders solche Dinge, aber er wollte für sie da sein, wenn sie ihn ließ; wenn es angebracht war. Er war sich immer noch nicht sicher, ob er sich von dem absurden Schock erholt hatte, den er erlitten hatte, als er bemerkt hatte, dass er um Leias Verfassung besorgt war, als sie in den Wochen nach Bespin so abwesend und zurückgezogen gewesen war, und Mon Mothma ziemlich kühl erwidert hatte – Das Mädchen ist schwanger, Carlist, und ich weiß nicht, was wir deswegen tun werden.
Schwanger? – hatte er gedacht – was zum – ? Es war jedoch kein allzu abwegiger Gedanke gewesen und er hatte ein seltsames Gefühl der Erleichterung verspürt, weil er wusste, dass sie endlich diese offensichtliche Sache zwischen sich und Captain Solo zugelassen haben musste – und sein Herz war schwer geworden, als er vollständig erfasste, wie sehr es sie entmutigt haben musste, ohne ihn zurückzukommen, und dann das –
„Prinzessin Leia", sprach er leise. „Als Sie der Rebellion beigetreten sind, habe ich Ihrem Vater geschworen, Sie zu beschützen", sagte er.
Leia warf ihm einen ruhigen, fast herablassenden Blick zu, als Mon Mothmas Worte in ihrem Kopf widerhallten – ihr Vater wurde ihr gegenüber so häufig erwähnt, und sie fragte sich, ob sie anzudeuten versuchten, dass er beschämt oder wütend wäre – nun ja, sie hatte keine Ahnung, was ihr Vater davon halten würde, sie hatte in diesen Tagen nur Gedanken für ihre Mutter übrig.
„Das hat sich nicht geändert", erklärte Rieekan sehr vorsichtig. Er hielt inne und hob leicht die Brauen.
„Es ist mir egal, ob das Oberkommando es für angebracht hält, Sie herabzustufen", verkündete er bestimmt. „Ich habe ihnen deutlich gemacht, dass ich der Entscheidung nicht zustimme."
Leia schaute ihn etwas direkter an. Sie legte die Hände in den Schoß und drückte sie aneinander, während ein Teil ihrer Anspannung nachließ – sie war sich nicht sicher, was sie erwartet hatte; Rieekan war immer ein freundlicher Mann gewesen, ein fairer und verständnisvoller Mann, aber sie war sich sicher, dass sie ihn genauso sehr geschockt hatte wie die anderen, obwohl er Distanz wahrte und Sorge ausdrückte.
Sie hob die Schultern.
„Es ist vollbracht", erwiderte sie schlicht.
Leutnant, dachte sie bitter.
Rieekan nickte schwer.
„Ich bin der Meinung, Sie haben unglaubliche Stärke bewiesen", teilte er ihr unverblümt mit.
Leia wandte den Kopf ab. Sie biss sich auf die Innenseite ihrer Lippe und bemühte sich, ruhig zu bleiben – sie hatte sich so entfremdet gefühlt und so von der Führungsebene ausgeschlossen, dass seine Worte ihr mehr bedeuteten, als sie gedacht hätte.
Ihre Unsicherheiten stiegen in ihr empor, brannten und schmerzten.
„Ich fühle mich nicht stark", entgegnete sie heiser, die Worte stolperten in einem schwierigen, schuldbewussten Geständnis aus ihrem Mund. „Ich fühle, ich fühle mich", sagte sie in gedämpftem Ton. Sie legte die Hand an die Brust und krümmte die Finger. „Leer."
„Das kann ich mir vorstellen", stimmte Rieekan ehrlich zu. „Ich weiß, dass Sie sich so fühlen müssen – und es tut mir leid, Prinzessin", gestand er aufrichtig. Seine Stimme wurde leiser, ein eindringliches Flüstern: „Es tut mir so leid, dass Sie das durchmachen mussten."
Sie nickte und berührte ihre Augen mit beiden Händen, drückte ihre Fingerspitzen leicht gegen die geschlossenen Lider.
Ihr tat es auch leid – ein ohnehin bereits verheerendes Ereignis war so vergiftet worden. Sie fühlte sich, als wären alle ihre schönen Erinnerungen an Han verdorben; sie fühlte sich von dem Gewicht erdrückt, ihn zu verlieren und mit dem Chaos umgehen zu müssen, das sie angerichtet hatten, und sie fühlte sich erleichtert, dass sie darüber hinweg war, dass sie sich einem anderen Fokus zuwenden konnte – das Imperium zu vernichten, ihn zu retten –
Sie sagte sich, dass sie niemals mehr darüber nachdenken müsse – sie war davon befreit, bis sie Han zurückhatte – bis, sagte sie sich selbst, davon befreit, bis – Landos Versprechen verfolgten sie nachts, verwoben sich mit Albträumen, in denen sie sich nach Han ausstreckte und er sie anstarrte, für die Ewigkeit einzementiert – Wir werden Han finden, Prinzessin.
Und dann – was sollte sie ihm sagen?
Was würde er denken?
Sie versuchte, sich nicht damit zu quälen, denn nichts von all dem, nichts von der Brutalität und des Kummers über diese Erfahrung hatte ihre Meinung über ihn geändert – sie wollte ihn immer noch so sehr zurück, sie wollte nicht aufgeben, nicht ihn, nicht den Kampf – das war ein weiterer Verzicht – eine weitere harte, elende Entscheidung – ein Opfer des Krieges.
„Ich habe getan, was ich tun musste", meinte Leia leise.
Sie schaute Rieekan forschend an – das habe ich doch, oder? Sie hatte so wenige Menschen, mit denen sie sprechen konnte, so wenige Möglichkeiten der Unterstützung; ihre Freundschaften waren professionelle Beziehungen, diplomatisch und höflich, und wie ein Teenager suchte sie nach Anerkennung – Ich brauche keine Anerkennung; es gab nichts anderes, was ich hätte tun können.
Trotzdem schaute sie Rieekan immer noch an.
Er nickte einfach.
Ihre Augen füllten sich mit Tränen und ihr Gesicht wurde blass.
„Ich liebe ihn", sagte sie fast abwehrend. „Ich habe nicht – ich habe nicht nur", sie brach ab. Sie deutete mit beiden Händen nach innen, auf ihren Bauch. „Ich liebe Han", flüsterte sie heiser – das war es, was es so viel schlimmer machte, die emotionale Bindung – sie kehrte immer wieder zu Mon Mothmas grobem Verhör zurück, fast hoffnungsvoll, als hoffte sie, Leia wäre nicht von einem Schmuggler aufgegriffen worden – Wurden Sie vergewaltigt? – Nein, Mon, denn wenn es so gewesen wäre, wäre das hier einfach gewesen.
Rieekan blinzelte sie ruhig an.
„Das macht für mich keinen Unterschied", erklärte er nüchtern.
Egal, ob es Liebe war, oder eine unüberlegte Handlung, während sie betrunken war, eine Affäre – es war ihm egal, und er verlangte nicht danach, alle Details zu erfahren; die einzigen Bedenken, die er hatte, konnten nicht beantwortet werden, während Han Solo gefangen war – alles, was er wissen wollte, alles, was Rieekan sicherstellen wollte, war, ob Leia irgendetwas brauchte, und darüber hinaus, ob Han wusste, wie sehr diese Frau wegen ihm litt, wie sehr sie für sie alle blutete; wusste er, wie viel ihre Liebe wert war?
„Es wird alles gut, Prinzessin", beruhigte er sie leise – es war fast ein Befehl, als könnte er sie dazu zwingen, daran zu glauben, sie dazu bringen, darauf zu vertrauen.
Leia strich sich einige Haarsträhnen aus dem Gesicht und drückte ihre Handballen gegen ihre Wangen, um sie zu trocknen.
„Ich brauche nicht mehr Zeit, Carlist", schloss sie und holte tief Luft. „Ich muss das hier hinter mir lassen."
Und ich muss daran glauben, dass Han da ist, irgendwo vor mir – das muss ich.
General Rieekan räusperte sich, stand auf und nahm seine Mütze in die Hand. Dann klemmte er sie sich wieder unter den Arm.
„Ich habe dafür gesorgt, dass Sie unter mein Kommando fallen", bemerkte er schroff. Er biss die Zähne zusammen, er fand die nächsten Worte geschmacklos: „Unmittelbar werden Sie Crix Madine Bericht erstatten."
Leia lächelte grimmig – sie hatten sie zu weit herabgestuft, um Rieekan direkt Bericht zu erstatten und er war wütend darüber, das konnte sie am Zucken seines Kiefers erkennen, als er ihr den Auftrag überbrachte. Sie nickte – sie würde für Madine so effizient arbeiten wie für jeden anderen auch; jedes Kommando wäre jetzt gleich – es hatte bereits Gerüchte über ihre Abwesenheit und ihre Zeit in der Krankenstation gegeben und jeder Kader würde sie sowohl mit eingeschüchterten als auch neugierigen Augen betrachten.
Er trat ein paar Schritte zurück und neigte respektvoll den Kopf, als er sich zum Gehen wandte. Leia sah ihm nach und blieb still stehen, bis er fort war. Lange Zeit sah sie hinunter auf ihre bloßen Füße, Knöchel an Knöchel, dann stand sie auf, schlang die Arme um sich und ging langsam hinüber zu ihrem Schreibtisch, wo sie leicht auf ihr Datapad tippte.
Sie hatte eine private Nachricht von Chewbacca – Infiltration könnte funktionieren; das Risiko ist zu groß, um ohne einen Plan zu handeln.
Sie hatte das Gefühl, dass diese Worte ihr bis ins Mark schnitten, eine tiefere Bedeutung für sie hatten, und sie ließ sich schwer auf den Stuhl sinken, während sie die Arme fest um ihre Mitte schlang, so fest, dass es fast schmerzte.
Sie legte den Kopf auf den Tisch, auf den Arm aufgestützt, und drückte das Gesicht in ihren Ellenbogen, um zu weinen, nur ein wenig, nur ganz leise, bevor sie aufstand, um sich zu sammeln und weiterzumachen.
Teil 1/3
