Teil 2/3
Sechs Monate nach Bespin / Vier Monate nach der Abtreibung
Leia konnte kaum ihre eigenen Gefühle begreifen, als sie ihn wieder in ihren Armen hatte, als sie sein lebendiges Fleisch berühren und mit den Fingern durch sein wirres Haar streichen konnte – er war alles andere als unversehrt; die Wunden, die man ihm auf Bespin zugefügt hatte, waren frisch, und seine Blindheit und seine Desorientierung machten ihn rasend und schwächten ihn, aber sie hatte ihn zurück – und nach all den Albträumen und den Tagen der Ungewissheit, all den Nächten, in denen sie darum gekämpft hatte, nicht die Hoffnung zu verlieren, nachdem sie sich aus dem Palast befreit und sich durch den Sandsturm gekämpft hatten, auf dem Weg durch den Hyperraum – dass sie ihn zurückhatte, war eine so starke Erleichterung, dass sie am Sauerstoff erstickte, obwohl sie endlich das Gefühl hatte, wieder atmen zu können.
Sie hatte nie geglaubt, dass ihr dürftiger Plan funktionieren würde, und sie wären verdammt gewesen, wenn Luke es nicht geschafft hätte, eine schnelle Entscheidung zu treffen und alles mühelos zusammenzuhalten, als die Dinge ins Wanken gerieten und anfingen, schiefzulaufen; sie würde ihm später für sein Engagement danken, für seine Kraft und seinen Erfolg – für alles, was er getan hatte, um ihr an diesem Tag beizustehen, und in den vergangenen Monaten – damit sie das hier haben konnte.
Han hatte Schwierigkeiten, einen Bezug zur Wirklichkeit zu finden; er schwankte immer noch vom Adrenalin ihrer Flucht und hatte kaum Zeit gehabt, zur Ruhe zu kommen, bevor die Erkenntnis, dass sechs Monate vergangen waren, ihn einholte, sechs lange, unergründliche Monate – er fragte immer wieder hektisch und wütend: Was ist passiert, was habe ich verpasst – was zur Hölle geht hier vor sich?
Das Einzige, was sie für ihn tun konnte, war, da zu sein, ihre Hände auf ihm ruhen zu lassen, sich mit ihm in seiner Kabine einzuschließen und sein Anker zu sein – Han, ich bin es; an was erinnerst du dich?
Sein Gedächtnis war in Ordnung, so viel war klar; er war nur durcheinander, er hatte gedacht, er wäre Sekunden später wieder in dieser Welt aufgewacht, doch alles war anders.
„Leia", sagte er immer wieder, darum bemüht, sie zu erkennen.
Jedes Mal, wenn er ihren Namen sagte, fühlte sie sich belebt – es klang immer so gut auf seinen Lippen, persönlich, privat – jedes Mal, wenn er nach ihr fragte, sie ansprach, hörte sie auf, Antiseptikum auf seine Wunden aufzutragen, und küsste ihn auf die Schulter, den Hals, hinters Ohr, auf den Mundwinkel.
„Ich bin hier, Han", versicherte sie ihm.
Er umfasste leicht ihre Taille, seine Hände wanderten über ihre Haut. Sie fühlte sich wärmer an, als sie sollte, er spürte, wie sie unter seinem Griff zusammenzuckte und milderte seine Berührung – er hatte genug Zeit auf Tatooine verbracht, um Sonnenbrand zu erkennen, auch ohne seine volle Sehkraft.
Sie hatte sich umgezogen; er hatte sie gehört, hatte gehört, wie schweres Metall auf dem Boden auftraf.
„Was hast du getragen?", fragte er barsch, verlangte er zu wissen. „Leia", keuchte er.
Sie murmelte in sein Ohr, während sie neben ihm kniete, drückte sich dicht in seine Seite und brachte ihn zum Schweigen.
„Es spielt keine Rolle", beruhigte sie ihn.
Seine Hand glitt tastend hinauf zu ihrem Hals, sein Tastsinn durch den Mangel an Sehkraft verstärkt – er hörte sie scharf einatmen, als seine Fingerknöchel über die raue, abgeschabte Haut an ihrer Kehle strichen, und er presste die Zähne zusammen, als Panik und Übelkeit sich in seiner Brust ausbreiteten.
„Nein", knurrte er grob – und Leias Herz machte einen Satz. „Er hat dich nicht in eines dieser Dinger gesteckt", sagte Han laut, fast zu sich selbst – empört, und Leia antwortete nichts, legte den Arm um ihn, um ihn ruhig zu halten und drückte mit Antiseptikum getränkte Baumwolle auf eine weitere Brandwunde an seiner Brust.
„Leia", stöhnte Han und beugte sich vor, um den Kopf auf ihre Schulter zu legen – er sprach ihren Namen aus, als würde er sie anflehen, ihn zu korrigieren, wie eine Entschuldigung, schuldbewusst, entsetzt, und sie hielt inne, um seine Schläfe zu küssen, dann schüttelte sie den Kopf.
„Es ist nichts passiert", wisperte sie ruhig. „Niemand hat mich angerührt."
Er drehte sich um und schlang den Arm um ihre Mitte, eine seiner Hände lag flach auf ihrem Bauch, und Leia zuckte beinahe zurück, ihre Augen weiteten sich. Ihr Herz stotterte in ihrer Brust und sie verspannte sich für einen Moment, bevor sie die Handlung als nichts weiter identifizierte als Hans Bedürfnis, sie festzuhalten. Sie entspannte sich, erlaubte ihm, sie an sich zu ziehen und er schien dahinzuschmelzen.
Leia legte das Erste-Hilfe-Set beiseite, schob es von der Koje, und richtete ihre gesamte Aufmerksamkeit auf ihn, nicht nur auf seine Wunden. Sie schob ihre Hand über ihren Bauch, ließ ihre Finger zwischen seine gleiten, verschränkte sie und schob seine Handfläche weg – es hatte sie so unerwartet getroffen; sie fühlte sich, als würde die Wahrheit in seine Haut eindringen – Han, dachte sie zittrig – du wirst mir vergeben.
Sie löste sich ein wenig von ihm, drückte ihn zurück in die Koje, bis seine Schultern die Kissen berührten, und kniete sich leicht über seine Hüften. Sie war sich sicher, er wusste, dass ihrer Handlung kein sexueller Unterton anhaftete, sie wollte einfach näher bei ihm sein, legte sich auf seine Brust, umschloss sein Gesicht mit ihren Händen und strich ihm das Haar aus den Augen.
„Kannst du mich sehen?", fragte sie.
Hans Augen zuckten, er blinzelte.
„Wenn du mir so nah bist, ja", erwiderte er heiser – die Blindheit verblasste von Stunde zu Stunde und er hob die Hand, seine Hände verhedderten sich und rangen mit ihren, als er ebenfalls versuchte, ihr Gesicht zu berühren. „Deine Augen", murmelte er, und sonst nichts – ihre Augen konnte er am besten erkennen, er konnte sich auf sie fokussieren – verdammt, sie sah so gut aus, und sie sah so schön aus; er hatte solche Angst gehabt, dass Vader sie wieder verletzen würde, sie dieses Mal töten würde, und er, wenn er jemals aufwachte, nichts mehr hätte.
„Han", flüsterte sie und strich ihm die Haare aus der Stirn. „Han. Erinnerst du dich an Bespin? Die Reise nach Bespin?"
Er nickte und schlang die Arme fest und besitzergreifend um ihre Schultern – es fühlte sich so gut an, wieder von ihm berührt zu werden; raue, schwielige Hände, die immer sanft auf ihrer Haut waren, und sie dachte, dass sie vielleicht anfangen würde, zu weinen – Han, ich habe dich so sehr gebraucht, du hast keine Ahnung –
„Ja", murmelte er. „Ja, Leia, ich erinnere mich", versicherte er ihr heiser.
Sie seufzte, senkt den Kopf auf seine Schulter und drückte das Gesicht an seinen Hals – er roch chemisch, verschwitzt, wie Rauch und Schadstoffe, aber es kümmerte sie nicht, sie konnte ihn unter dem Karbonit schmecken, unter all dem Schmutz konnte sie sein wahres Selbst einatmen.
Sie vergrub ihre Finger in seinen Haaren, drückte sich an ihn, nahm sich ein wenig egoistisch das, was sie in all den Monaten gebraucht hatte, alleine das Gefühl, das er ihr gab, dass alles gut werden würde, dass er sie beschützen würde – und auch wenn ihre Nerven unter dem Ausmaß dessen, was sie brauchte, erbebten – sie wollte ihm sagen, dass sich nichts geändert hatte; Han gab ihr das Gefühl, sicher zu sein.
Seine Lippen wanderten über die Seite ihres Kopfes; er rutschte herum, drehte sich und versuchte, ihr Gesicht zu küssen, musste sich mit ihrem Kiefer zufriedengeben, ihrer Kehle, die Arme fest um sie geschlungen.
„Ich wäre geblieben, Schätzchen", bemerkte er heiser und seine Stimme brach. „Das klingt jetzt dumm", er biss die Zähne zusammen – es klang, als würde er es einfach so sagen, weil er es jetzt offensichtlich konnte; jetzt, wo Jabba tot war, und es nichts anderes für ihn zu tun gab, aber wenn er sie dazu bringen könnte, ihm zu glauben – „Ich wäre geblieben."
Sie nickte ein paar Mal kurz – vielleicht hatte er beschlossen, zu bleiben, bevor er in Karbonit eingefroren worden war, und vielleicht hatte er das nicht – es war ihr egal; Dankbarkeit durchflutete sie, Erleichterung, dass er immer noch so stark empfand, dass er sie wissen lassen wollte, dass er nicht die Absicht hatte, wegzulaufen – sie klammerte sich an diese Worte und hoffte, dass sie immer noch wahr sein würden, wenn der Schock des Karbonits nachließ, er wieder stabil war und sie beide klar denken konnten –
Sie wollte, dass er sich sicher war, wollte, dass er vernünftige und gesunde Entscheidungen traf, bevor sie – bevor sie ihm von der Entscheidung erzählte, die sie für sie beide getroffen hatte.
Leia war von der Heftigkeit überrascht, mit der Han seine Zähne in der Rebellion versenkte – sobald er die ärztliche Erlaubnis hatte und wieder auf den Beinen war, nur wenige Tage nachdem sie an der Rebellenflotte angedockt waren, war er entschlossen in General Rieekans Büro geschritten, die Schultern gestrafft, die Kleidung immer noch zerknittert – und hatte einen Vertrag unterschrieben und ein Offizierspatent erhalten, und Leia war immer noch davon benommen –
Damit blieb nichts an seinen Absichten in Bezug auf sie der Fantasie überlassen – das war es, was sie hineininterpretierte und es war auch das, was er ihrer Meinung nach dadurch vermitteln wollte – und Luke grinste sie von der anderen Seite eines kleinen Tisches in seinem dürftigen Quartier aus an, die Hände um eine Tasse Tee gelegt, fertig angezogen und bereit, zu einem seiner mysteriösen Ausflüge aufzubrechen, sobald er den Tee mit ihr eingenommen hatte.
„Ich kann nicht glauben, dass sie ihn zum General ernannt haben", sinnierte Luke kopfschüttelnd.
„Sie sind verzweifelt", murmelte Leia trocken.
Sie saß mit gekreuzten Beinen auf ihrem Stuhl, die Füße vom Boden erhoben, ihr Körper voller Energie – sie fühlte sich von Nervosität, Hoffnung, Erleichterung und Besorgnis entflammt – als Han seine Orientierung wiedererlangt hatte, hatte er auch seinen scharfen Verstand und seine unheimliche Art, sie zu verstehen, auch wenn sie nichts sagte, wiedergewonnen, und er beobachtete sie nachdenklich –
„Er weiß, dass etwas nicht stimmt", gestand Leia leise und streckte die Hand nach dem Tee aus, den Luke für sie gekocht hatte.
Sie zupfte an der abblätternden Farbe der Tasse, anstatt sie anzuheben, um einen Schluck daraus zu nehmen. Sie sah zu, wie sich Dampf daraus nach oben wand.
Luke beugte sich vor und schüttelte leicht den Kopf.
„Gibt es etwas, das nicht stimmt?", fragte er und senkte ernst die Stimme.
„Du – Leia, du scheinst in Ordnung zu sein", meinte er und Besorgnis schlich sich in seine Stimme. „Habe ich", er hielt zerknirscht inne, „habe ich nicht bemerkt, dass du – ?"
Sie schüttelte abwehrend den Kopf und winkte ab.
„Mir geht es gut", erwiderte sie.
Sie seufzte und zog schaudernd die Schultern nach vorne. Dass etwas nicht stimmte, war also der falsche Ausdruck; es war nichts los, sie war stabil, sie war gesund, sie hatte – die Dinge hinter sich gelassen, die sie hinter sich lassen musste, sie hatte sich angepasst, war zurechtgekommen und hatte es akzeptiert – aber sie hatte etwa vier Monate gehabt und Han verweilte in glückseliger Unwissenheit.
„Han kann mir alles vom Gesicht ablesen", sagte Leia und legte die Knöchel leicht an ihre Schläfe. „Er weiß, wenn, wenn", stammelte sie und hielt die Luft an. Für einen Moment drehte sie das Gesicht in die Handfläche, wischte sich über die Augen und schaute dann mit einem Seufzen zurück zu Luke, „wenn etwas vorgefallen ist."
Auch wenn er nicht ganz so scharfsinnig wäre, hätte er bemerkt haben müssen, dass das Oberkommando ihn kälter behandelte als zuvor, Mon Mothma am schlimmsten von ihnen – Leia war fassungslos gewesen, zu hören, dass ihm das Offizierspatent eines Generals bewilligt worden war, aber Rieekans Name stand darauf – und ungeachtet ihrer persönlichen Abneigung gegen Han, für etwas, von dem er nicht einmal wusste, dass er es getan hatte, war er das, was sie brauchten – er war einer der Besten.
Luke zögerte. Er trank einen Schluck Tee, stellte dann seine Tasse ab und lehnte sich nach vorne. Er hielt die Handfläche nach oben – seine echte Hand, er bot seine künstliche nie zum Trost oder zur Begrüßung an. Leia nahm es zögernd zur Kenntnis, legte ihre Hand dann in seine und drückte sie.
„Wirst du es ihm sagen?", fragte Luke leise und drückte ihre Finger fest mit seinen.
Leia war still und schaute auf ihre verschränkten Hände.
Nervös räusperte Luke sich.
„Es geht mich nichts an", fügte er hinzu. „Ich will nicht – neugierig sein – "
Sie nickte mit dem Kopf, bewegte ihn langsam, bis er verstummte und sie abwartend ansah. Mit ihrer freien Hand strich sie sich über die Stirn, fuhr sich mit der Hand übers Gesicht und strich mit dem Daumen über ihre Lippe.
„Ja, ich werde es ihm sagen", entgegnete sie ehrlich. Sie schürzte die Lippen und sah ein wenig unfokussiert aus, nachdenklich; ihre Augen waren auf einen Punkt gerichtet, der sich über Lukes Schulter befand, hinter ihm. „Ich will, dass er es weiß."
Sie hatte vielleicht kurz darüber nachgedacht, dass es grausam wäre, es zu erwähnen, unfair – sogar unnötig; warum sollte sie Han mit einer Erfahrung belasten, von der er keine Kenntnis hatte und die er somit auch nicht hatte konfrontieren und damit umgehen müssen? Welchen Sinn hatte es, es zur Sprache zu bringen, wenn sie sich um sich selbst kümmern konnte und es in der Vergangenheit lag?
Sie hatte so kurz darüber nachgedacht, dass sie sich kaum daran erinnerte, da weder ihr Herz noch ihr Verstand ihr lange Zeit gelassen hatten, es rational zu begründen – sie wollte nicht, dass so etwas sie verfolgte. Wenn er irgendein gesichtsloser Fremder gewesen wäre, irgendeine Affäre, ein One-Night-Stand, dann hätte es sie nicht gekümmert, aber – sie wollte nicht, dass ihre Beziehung zu Han von Schatten und Unwahrheiten vergiftet wurde, und besonders jetzt wollte sie, dass er es wusste, weil er bei ihr blieb, er war eindeutig involviert, und wenn sie ein Leben mit ihm haben wollte – wenn sie lange genug lebten, um sich ein Leben aufzubauen – wollte sie es auf einer reinen Grundlage, auf sicherem Boden, und sie wollte, dass er es wusste.
Leia hob die Schultern und sah Luke aufrichtig an.
„Ich habe keine Ahnung, wie er reagieren wird", flüsterte sie.
Luke nickte nachdenklich. Er hielt ihr seine künstliche Hand mit der Handfläche nach oben entgegen.
„Kannst du dir vorstellen, dass er aus dem Karbonit gekommen wäre und du wärst – ", er brach ab, plötzlich unsicher, ob er überhaupt so etwas sagen sollte – jemals; sollte er überhaupt darüber sprechen?
Seine Hand fiel auf den Tisch und er zuckte zusammen, obwohl Leia – Leia überraschte ihn; kopfschüttelnd lachte sie ein wenig, ihre Augen groß und ungläubig. Der Gedanke war so widersprüchlich – sie hatte ihre Zweifel, Bedauern, sie hatte sich selbst hinterfragt und sich selbst bekräftigt – aber Luke schien zu veranschaulichen, wie absolut ihre Wahl gewesen war, gewesen sein musste – es war so viel mehr als nur Han, das sie beeinflusst hatte; sie wusste, dass sie sich nie von allen Dingen erholt hatte, die ihr widerfahren waren, und obwohl sie das Unglück, das sie nach Bespin erlitten hatte, als eine weitere Wunde betrachtete, hatte sie sie ertragen müssen, um eine Chance zu haben, emotional weiterzuleben.
Luke drückte ihre Hand und lehnte sich ein wenig schwerfällig zurück.
„Ich glaube nicht, dass du viel von Han zu befürchten hast", bemerkte er vorsichtig. „Er wird nicht denken, dass du, ähm – naja, ich glaube nicht, dass Han sein Leben damit zugebracht hat, dagegen zu predigen", stammelte Luke unbehaglich. „Er wird dich nicht als unmoralisch bezeichnen."
Leia schüttelte den Kopf. Sie zog ihre Hand weg, legte beide Handflächen um ihre Tasse und genoss die Wärme – immer noch nicht daran interessiert, daraus zu trinken. Sie bewegte den Kopf hin und her, ihre Lippen nur leicht geöffnet.
„Nein", stimmte sie zu. „Das ist nicht – ich weiß nicht, wo Hans Moralität ihren Ursprung hat", erwiderte sie und schaute mit einem leisen Seufzen zur Seite, „aber das ist nicht – ich erwarte keine Verurteilung von ihm", schloss sie und als sie es aussprach, wusste sie, dass sie daran glaubte – keine Verurteilung per se, aber was, wenn es ihn verletzt?
Leias Wimpern zuckten.
„Was erwartest du?", fragte Luke ernsthaft. „Was lastet am schwersten auf dir?"
Leia konnte nicht antworten. Sie wusste es nicht. Sie fühlte sich, als hätte sie sich in einer unmöglichen Situation befunden; damals hatte es keine Möglichkeit gegeben, es mit Han zu diskutieren, Han zu involvieren und es gab jetzt keine Möglichkeit, ihn nicht damit zu überfallen – Ehrlichkeit, Transparenz, das waren die schwersten Dinge auf der Welt – Leia dachte an ihren Vater, der ihr weise beigebracht hatte: Es gibt keinen einfachen Weg, die Wahrheit zu sagen, Lelila, aber du musst es immer tun. Du musst – die Stimme ihres Vaters verklang und sie konnte ihre Mutter hören – Du weißt, dass man einen Menschen lieben kann, auch wenn man verabscheut, was er getan hat, kleiner Liebling –
Leia sehnte sich verzweifelt nach Absolution von ihrer Mutter, ihrem Vater, sie verstand, dass, und sie musste sich oft daran erinnern, dass sie sie nie bekommen würde; sie würden nie davon erfahren und sie würden ihr nie ihre Weisheit oder ihren Trost anbieten.
Sie hatte nur Luke, was Freunde anging – und Han, sie nahm an, dass Han jetzt ihre Familie war, und vielleicht hatte sie auf irgendeiner Ebene Angst, dass er ihr nicht die Vergebung gewähren würde, die sie suchte. Es gelang ihr nicht, herauszufinden, warum dieses verzweifelte Bedürfnis nach Vergebung sie plagte, obwohl es nicht so war, als ob sie –
„Ich habe nicht das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben", sagte Leia laut, während ihre Augen sich sanft auf Lukes richteten – und Tränen sich in ihren Wimpern verfingen.
„Das…denke ich auch nicht", bot Luke ehrlich an, von dem plötzlichen Kommentar verblüfft.
Leia war plötzlich außer Atem.
„Wenn man bedenkt, in wie vielen Kulturen in der Galaxie irgendein Stigma oder die Geschichte einer Stigmatisierung in Bezug auf das, was ich getan habe, existiert", sie legte die Hände an die Brust, „fragt man sich, ob es nicht irgendein göttliches Gesetz gibt, das man bricht."
„Man?", fragte Luke.
„Ich", korrigierte Leia zittrig. „Ich bin nicht wütend auf Han. Ich bin nicht wütend auf mich selbst – ich fühle mich heimgesucht. Ich wollte es nicht", ergänzte sie mit zitternder Stimme. „Ich konnte es nicht tun. Ich war…ich habe mich nach Han gesehnt, die ganze Zeit, nach Han, nicht nach ihm – "
„Leia?", fragte Luke, die Augen für einen Moment gesenkt, „warum sagst du niemals Baby?"
Sie presste die Knöchel an ihre Schulter.
„Ich kann nicht", gestand sie heiser.
„Okay", beruhigte Luke sie, die Augen voller Verständnis, als hätte er etwas begriffen – und Leia verstand es auch; es tat ihr mehr weh, als sie nach außen dringen ließ, und vielleicht tat es jetzt mehr weh, weil Han zurück war und ihr gehörte, und vielleicht würde sie ihre Meinung ändern.
„Du musst mit Han reden", meinte Luke und stimmte ihr eher zu, als dass er es ihr wirklich riet.
Sie nickte und wischte sich über die Augen.
„Du brauchst etwas…Frieden, bevor du in die Schlacht ziehst", verkündete Luke bestimmt. „Du kannst das Imperium nicht bekämpfen, wenn du abgelenkt bist."
„Das Imperium", knurrte Leia, „ist der Grund, warum ich Schläge einstecken musste, seit ich neunzehn Jahre alt bin – ich kann es mit jedem Quäntchen Hass und Ruhelosigkeit in meinem Blut bekämpfen", gab sie zurück.
Luke verstummte, eingeschüchtert – und ein wenig verängstigt – und nickte. Leia ließ ihre Hände in den Schoß sinken und entspannte sich, plötzlich erschöpft. Sie schaute auf ihre Füße hinunter, auf ihre auf dem Stuhl überkreuzten Knöchel, und atmete langsam ein und aus.
„Wie lange wirst du dieses Mal auf Dagobah sein?", erkundigte sie sich.
„Sehr kurz nur", entgegnete Luke leise. „Ich glaube, ich habe gelernt, was ich kann. Ich werde zum letzten Angriff zurück sein."
Leia nickte. Nach einem Augenblick sah sie zu ihm auf und straffte die Schultern.
„Denkst du, Han passt sich seiner Rolle gut an?", fragte sie.
Luke nickte.
„Ja, das tue ich – er ist zäh", entgegnete er. „Ihr zwei seid euch ähnlich, was das angeht", fügte er hinzu – und warf Leia dann einen schiefen Blick zu: „Ich glaube, er ist verärgert darüber, wie nahe du und ich uns stehen."
Leia lächelte und verdrehte die Augen.
„So ist es doch nicht", murmelte sie – Han, so schnell zur Eifersucht neigend.
Luke lachte. Er trank den Tee in seiner Tasse aus, stand auf und schüttelte seine Robe aus – und Leia folgte seinem Hinweis und tat es ihm gleich. Sie ließ ihre Tasse mit abgekühltem Tee auf dem Tisch stehen und Luke ignorierte sie – sie bat ihn, auf seiner Reise vorsichtig zu sein, nahm ihm das Versprechen ab, sie bei der verzweifelten und hochriskanten Operation, die sie planten, zu unterstützen und er zog sie in eine enge, ermutigende Umarmung.
Sie versuchte, etwas von Lukes allgegenwärtiger Ruhe aus ihm heraus und in sich selbst hineinzuziehen, nahm sich alle seine Worte und seine Unterstützung zu Herzen und gewann etwas von ihrer Fassung wieder – was getan war, war getan, sie wünschte sich nur, es gäbe einen Weg, es Han zu ersparen, über all das nachdenken zu müssen, auch wenn sie keine Möglichkeit hatte, vorauszusehen, wie er sich damit fühlen würde.
Das Stimmengewirr und die Inbrunst, die wie ein Lauffeuer durch die Reihen der Rebellen fegte, waren ansteckend und hinterließen eine spürbare Aura der Nervosität und der guten Laune in der Luft – ein zweiter Angriff auf den Todesstern, mehr Vergeltung, ein Schlag in die Eingeweide des Imperiums, eine Chance auf den Imperator persönlich – es war elektrisierend, vereinend, die letzte Hürde, eine möglicherweise lebensverändernde Chance, die die Rebellen brauchten, das Zünglein an der Waage zu ihren Gunsten, wenn nicht sogar, um zu gewinnen.
Die Luft war erfüllt von stetigem Geschnatter, ein Gefühl rücksichtsloser Freude paarte sich mit großer Angst, und im Kommandoraum des Oberkommandos an Bord eines Mon-Calamari-Kreuzers, der in der Nähe von Sullust versteckt war, verweilten diejenigen, die im bevorstehenden Kampf unverzichtbar waren, nachdem die Besprechung vorüber war, um technische Details zu besprechen – und über die Gelegenheit zu schwärmen.
Leia saß neben Han, den Rücken gerade und formell, im Gegensatz zu der müßigen, entspannten Haltung, die er innehatte, als er sich in seinem Sitz zurücklehnte. Beiläufig sprach er mit Chewie und dem Kommandeur, der sein Einsatzkommando auf Endor leiten würde, und Leia neigte sich voller Erleichterung Luke zu – erfreut, ihn wiederzusehen, und beruhigt, da er sich ihrer Mannschaft angeschlossen hatte – es fühlte sich richtig an, sicherer; sie, Luke, Han und Chewie – unbesiegbar.
Luke hob das Kinn und deutete subtil auf Han, während er die Augenbrauen hob, und Leia presste die Lippen zusammen und schüttelte langsam den Kopf – nein, ich habe es ihm nicht gesagt; es gibt keinen einfachen Weg, es anzusprechen.
Sie hatte anhaltende – Schwierigkeiten mit dem Gedanken; dieser bevorstehende Angriff war riesig und erforderte alle möglichen Formen von Konzentration, und sie war sich nicht sicher, ob kurz vorher die beste Zeit war, um dieses Gespräch zu beginnen. Es bestand die Möglichkeit, dass sie alle morgen sterben würden, zu Skeletten, Sternenstaub und Dämpfen wurden – und wenn das geschah, würde es keine Rolle spielen.
Sie war hin und hergerissen – und Han beobachtete sie; manchmal fing sie einen besorgten, bestürzten Blick auf, und sie glaubte, das Einzige, was sie rettete, was sie wirklich davor bewahrte, mit einer Reihe bohrender Fragen konfrontiert zu werden, was los war und was geschehen war – war die Tatsache, dass sie nicht – miteinander schliefen, nicht im sexuellen Sinne; er hatte sein Durchhaltevermögen noch nicht ganz zurückgewonnen, eine Nachwirkung des Karbonits, das nur eine Handvoll Wochen zurücklag, und sie genoss es im Stillen, denn jedes Mal, wenn seine Hände ihre Hüften umfassten und seine Lippen sich in ungeschickten Versuchen an ihren Bauch drückten, einer Imitation von Sex, fühlte sie sich verängstigt und angespannt – es wird nicht wieder vorkommen, ein Versagen ist ein unglücklicher Zufall –
Er muss es wissen, sagte sie sich selbst, denn wenn er sich selbst wieder vollkommen im Griff hat – sie hatte Angst, dann würde alles aus ihr herausbrechen.
„Leutnant."
Leia sah auf und schenkte den Generälen Madine und Rieekan ein kurzes Nicken, als sie vor ihr zum Stehen kamen.
„Ich habe Ihr Kommando auf General Solo übertragen", verkündete Madine barsch.
Grinsend stieß Han Leias Bein mit seinem Stiefel an.
„Hättest du jemals gedacht, dass du das miterlebst, Verehrteste?", fragte er gedehnt. „Ich bin dein Vorgesetzter."
„Ich bin immer noch der Vorgesetzte von euch allen", bemerkte Rieekan demonstrativ. Er wandte sich Leia zu. „Mon Mothma will Sie sprechen, bevor Sie sich für den Abend zurückziehen", teilte er ihr mit und warf einen Blick hinter sich – sie hatte gerade den Besprechungsraum verlassen und Rieekan sah für einen Moment irritiert aus.
Mit einem unergründlichen Ausdruck schaute er zurück zu Leia.
„Sie ist gereizt", warnte er.
Han runzelte die Stirn, er hielt es für eine seltsame Bemerkung; als ob Leia ausgerechnet vor Mon Mothma beschützt werden müsste – aber Leia nickte nur mit dem Kopf, als verstünde sie, und ihr Blick schweifte über Rieekans Schulter, weil Dodonna auf sie zukam.
Mit leiser Stimme murmelte er Madine schroff etwas zu, dann schien er seine Gesellschaft zu bemerken. Für einen Augenblick sah er zwischen Leia und Han hin und her und sein Blick verweilte eisig auf Han – er sagte nichts zu ihm und hielt nur inne, um Leia grüßend den Kopf zuzuneigen.
„Leutnant", sagte er höflich und ging mit Madine davon – mit Rieekan auf den Fersen, der Leia einen stillen Blick zuwarf, der anzudeuten schien, dass er – verantwortlich für die anderen war, sich für sie entschuldigte.
Leia lächelte dünn und wandte sich Luke zu, um eine an sie gerichtete Frage zu beantworten. Sie spürte, dass Han sie beobachtete, und holte tief Luft, nicht überrascht, als er aufstand und demonstrativ mit der Hand über ihre Seite strich, als er sich bewegte. Sie fing seinen Blick auf, und er neigte den Kopf, bat sie um einen Moment alleine.
Sie stieg von dem Sitz herunter, auf dem sie gesessen hatte, und kam seiner Bitte nach, entfernte sich ein wenig von all dem Chaos. Sie sah zu ihm auf, lächelte ein wenig, weil er sie so sehr überragte, und Han sah hinter sich, während er sich mit der Hand über den Kiefer fuhr.
„Leia", begann er leise, weil es jetzt ein bisschen zu häufig passiert war, um ein Zufall zu sein, und Leute wie diese hier ließen ohnehin keine Zufälle zu: „Wurdest du degradiert?"
Sogar Mon Mothma hatte sie Leutnant genannt und obwohl seine Erinnerung ein wenig eingeschränkt war, und seine Sicht morgens an den Rändern noch ein wenig verschwamm, war er sich sicher, dass sie, als sie Hoth verlassen hatten, den Rang eines Kommandeurs innegehabt hatte.
Leia blieb ruhig, warf einen Blick zur Seite und betrachtete die schnatternde, plaudernde, lachende Menschenmenge – angesichts des morgigen Angriffs von Adrenalin erfüllt.
„Nicht jetzt, Han", antwortete sie und drehte sich zu ihm um.
Er schluckte ein Gefühl der Furcht herunter.
„Ist es, weil du gekommen bist, um mich zu retten?", fragte er vorsichtig.
Leia senkte den Kopf ein wenig und verschränkte die Arme. Sie schaute auf und lächelte leicht.
„Nein, tatsächlich nicht", erwiderte sie ehrlich. Sie schluckte schwer, wieder einmal ergriffen von der Notwendigkeit, mit ihm zu sprechen. „Han, ich werde es dir erklären, aber ich kann es nicht jetzt tun." – Nicht in diesem Raum, nicht, wenn so viel los ist; vielleicht später, Han, vielleicht…
Han blickte sie fragend an, Besorgnis durchfuhr ihn. Er nickte und legte sanft seine Hand auf ihren Arm, als Luke zu ihnen herüberkam, immer noch voller Energie – und er setzte für den Jungen einen sorglosen Gesichtsausdruck auf, während er sich innerlich fragte, warum zur Hölle Leia kurz verschreckt ausgesehen hatte – oder war es Angst gewesen? Er war sich nicht sicher – aber da war etwas, das in ihren Augen glitzerte.
Unerwartet legte Leia ihm die Hand auf die Brust, vor den Augen aller drückte sie ihre Handfläche gegen sein Hemd, schob sie ein wenig unter seine Weste. Sie lächelte ihn vertrauensvoll an und atmete aus, dann warf sie einen Blick über die Schulter.
„Ich sollte besser nachsehen, was Mon will", erklärte sie und trat zurück, um sich zu entschuldigen.
Han nickte vage.
Leia drückte seinen Ellenbogen, als sie an ihm vorbeischlüpfte, und sah aus dem Augenwinkel heraus, wie er sich mit der Hand über den Kiefer fuhr und sich Luke zuwandte –
„Wer zum Teufel hat sie zum Leutnant herabgestuft?", hörte sie ihn verärgert fragen – und dann Luke – „Was? Oh. Nun ja, ich – das Oberkommando, aber ich – es ist geheim."
Es hat sowieso Gerüchte gegeben, dachte Leia, während sie den Kommandoraum verließ und sich auf den Weg zu Mon Mothmas provisorischem Büro machte – ihr Magen zog sich zusammen, als sie die richtige Tür suchte, und sie verspürte das abgestandene Schamgefühl, das sie Monate zuvor ergriffen hatte, als all das geschehen war – sie wusste nicht, was Mon Mothma von ihr wollte; lasst mich in Ruhe, lasst mich mit der einzigen Person sprechen, die in irgendeiner Weise ein Recht auf meinen Körper hat –
Ihre Beziehung war nach Leias Indiskretion und dem Umgang damit nicht mehr aufgetaut; Leia fragte sich sogar im Stillen, ob ein Teil von Mon Mothmas Feindseligkeit von ihren persönlichen Überzeugungen diesbezüglich herrührte. Sie konnte nichts dagegen tun – aber sie empfand immer noch Wut und Ablehnung, wenn Mon Mothma auf sie herabsah, als wäre sie eine hoffnungslose kleine Närrin, wenn Leia eigentlich klug gewesen war, sie war immer klug gewesen – sie war immer vorsichtig und berechnend gewesen, und hatte sich selbst und ihr Herz beschützt –
Mon Mothma saß mit geraden Schultern an ihrem Schreibtisch, ihre Hände ruhten auf den Armlehnen.
„Er wurde dabei gesehen, wie er in Ihrem Quartier aus- und eingeht", eröffnete Mon ihr. „Cap – General Solo", korrigierte sie sich nahtlos.
Leia erwiderte nichts.
Mon nahm ihr Schweigen für das, was es war, eine Herausforderung, und sagte –
„Es ist nicht subtil."
Leia hob eine Schulter.
„Ich bin nicht im Namen der Subtilität gegangen und habe diese Rettungsmission geleitet", entgegnete sie kühl.
Wenn es etwas gab, das in der Zeit, die Han in Karbonit eingeschlossen verbracht hatte, ausgeprägter geworden war, dann war es Leias Widerwille dagegen, eine Märtyrerin zu sein, ein Mangel an Ehrerbietung gegenüber ihren Vorgesetzten. So wie sie es sah, hatte es ihren ältesten Freunden, ihren weisesten Mentoren – Rieekan ausgenommen – an Mitgefühl und Verständnis gemangelt, als sie es am meisten gebraucht hatte, sie hatten die Nase gerümpft, als sie Zeichen der Menschlichkeit und der Unvollkommenheit gezeigt hatte, und sie würde es niemals vergessen.
Mon sah steif und verärgert aus.
„Haben Sie nichts gelernt?", fragte sie. „Wollen Sie sich wieder in exakt dieselbe Situation versetzen, in der Sie waren?"
Leia löste die übereinandergeschlagenen Beine und beugte sich ruckartig nach vorne.
„Es war nicht meine Absicht, schwanger zu werden", verkündete sie kalt. „Ich habe Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Es ist passiert. Es ist unwahrscheinlich, dass eine Fehlfunktion zweimal bei derselben Person auftritt."
„Und das ist es, was Sie wollen?", fuhr Mon Mothma sie an. „Ihn?" Sie lehnte sich nach vorne und verstärkte ihren Griff um die Armlehnen. „Er steht unter Ihnen, Leia", bemerkte sie bitter. „Sie könnten jeden haben."
„Sie meinen, ich könnte jeden haben, der Ihren politischen Zielen nützt."
„Man hat mir zu verstehen gegeben, dass Sie vorhatten, diesen Weg einzuschlagen!", argumentierte Mon. „Sie sind eine Prinzessin von Alderaan."
Leias Kehle war für einen Moment wie zugeschnürt, aber als sie die Fähigkeit zu sprechen wiedererlangte, waren ihre Worte wie aus Eisen –
„Alderaan würde mich nicht einmal wiedererkennen", teilte sie ihr leise mit.
Mon Mothma legte den Kopf in eine ihrer Hände.
„Leia, ich will Sie beschützen", äußerte sie fast in einem Stöhnen. „Was tun Sie – was zur Hölle tun Sie da?"
Leia saß einen Augenblick lang stumm da, fassungslos darüber, Mon fluchen zu hören.
„Sie können unmöglich eine Affäre mit General Solo fortsetzen, wenn Sie nicht einmal genug von ihm gehalten haben, um sein Kind zu wollen."
Leia lehnte sich zurück und fühlte sich – sie fühlte sich, als hätte man sie geohrfeigt oder mit kaltem Wasser übergossen. Sie presste die Lippen zusammen und spannte den Kiefer an – das war nicht – das war nicht – das war überhaupt nicht Teil ihrer Überlegung gewesen, nicht einmal ansatzweise, und vielleicht steckte ein Funke echter Besorgnis hinter Mons Haltung, wenn sie dachte, dass Leia nur den Fehler eines One-Night-Stands beseitigte, aber die Annahme, dass sie es ohne mit der Wimper zu zucken getan hatte, weil – es Han war –
Sie schüttelte den Kopf und starrte Mon Mothma an.
„Sie denken, das", antwortete sie, „ist der Grund, weshalb ich die Schwangerschaft beendet habe? Er?"
Ihre Worte waren so leise, so ungläubig.
Mon Mothma rieb sich die Schläfe.
„Ich weiß, wie sehr Alderaan die Praktik verabscheut hat", erwiderte sie in knappem Ton.
Bei der Erwähnung ihres Heimatplaneten wurde Leia übel – lassen Sie Alderaan aus dem Spiel, verurteilen Sie mich nicht mit Alderaan – Mon Mothma verstand die Nuancen eindeutig nicht; Alderaan hatte jedes Leben geschätzt, ausnahmslos, vom ersten Funken bis zum letzten Flimmern, und aus diesem Grund war jede soziale Ressource bereitgestellt worden, um Leben zu fördern – und die Rebellion, ein Leben auf der Flucht, stellte nichts davon zur Verfügung – erneut schüttelte Leia den Kopf, während sie nie die Augen von Mon abwandte.
„Sie verstehen", entgegnete sie, „überhaupt nichts."
Ihre Einschätzung war entschieden – hatte diese Frau einen so distanzierten Blick auf sie? Sah Mon wirklich nicht, dass Leia sich tagtäglich kaum zusammenreißen konnte? Sie stand auf und strich ihre Uniform glatt – ein Blick aus ihren Augen beendete das Gespräch; sie würde nicht länger hier sitzen und sich Mons unangebrachter Besorgnis aussetzen, Mons Urteil, Mon Mothmas persönlicher Überzeugung, dass sie den Geist von Bail Organa enttäuscht hatte – Bail Organa war Leias Problem, und sie würde mit all den Gedanken von Was-wäre-wenn bis Was-würde-er-denken alleine klarkommen.
„Leia", meinte Mon Mothma müde. „Verbrüderung innerhalb der Reihen stößt in jeder Armee auf Missbilligung", merkte sie an. „Han ist jetzt einer unserer Offiziere. Es ist Ihre Aufgabe", sie hielt inne, „subtil zu sein", schloss sie.
Für einen Moment erwiderte Leia nichts.
„Dann schlafe ich mit ihm auf dem Falken", verkündete sie knapp.
Sie hielt nicht inne, um zurückzublicken und Mon Mothmas Reaktion abzuwarten, weil sie wusste, dass es Stärke ausdrücken würde, unbekümmert zu erscheinen – und sie wollte plötzlich aus diesem Raum hinaus, weil sie das Gefühl hatte, nicht atmen zu können.
Sie lehnte sich gegen die Wand vor dem Büro, kühles Metall an ihrem Hinterkopf, und erinnerte sich an einen anderen Flur, in dem sie gestanden hatte, von Übelkeit geplagt und verängstigt, und ihre Hände zitterten, als sie sie an ihren unteren Rücken drückte – Mon Mothma dachte, sie wäre leichtfertig und unbesonnen, und dass es sie überhaupt nicht gestört hatte; Luke dachte, sie würde in einem unentrinnbaren Sumpf der Depression leiden, und sie befand sich irgendwo dazwischen.
Es ist passiert, es ist einfach etwas, das passiert ist, dachte sie unruhig – es liegt nicht an Han, es liegt an mir, aber es liegt auch nicht an mir, es liegt an – allem – Leia schloss die Augen, ihr Herz stotterte in ihrer Brust, und sie fragte sich, ob mit Han zu reden, ihr irgendwie helfen konnte – ihren eigenen Mangel an Klarheit zu verstehen.
Leia fühlte sich auf dem Falken zuhause, sie fühlte sich wohl – und wie es oft vor monumentalen Ereignissen der Fall war, war ihr Geist ruhig; die Pläne waren ausgearbeitet und die morgige Operation würde ihren Lauf nehmen, siegreich, wenn es nach ihr ging – und wenn nicht, würden sie vielleicht noch einmal haarscharf entkommen.
Han lag neben ihr, nur halb zugedeckt, bettfertig – er lag flach auf dem Bauch, den Arm um ihre Taille geschlungen, den Kopf in den Kissen und in ihrem Haar vergraben, Nase und Stirn an ihrem Hals. Sein Arm war schwer, aber auch so warm, und er atmete ruhig ein und aus, und genoss die unschuldigeren Aspekte von Intimität mehr, als er zugeben wollte.
Sie ließ die Augen zufallen und lauschte seinem Atem; er bewegte sich leicht, hob den Kopf und fuhr mit der Hand ihre Rippen hinauf bis zu ihrer Brust, seine Fingerspitzen strichen träge über ihre Haut.
„Leia", murmelte er und blinzelte sie ernst an. „Was ist los?", fragte er.
Ihm fiel nichts ein, was Leia tun könnte, was ihr eine Degradierung einbringen würde, nicht von ihrer kostbaren Rebellion – und sogar ihm war die kühle Art aufgefallen, mit der die meisten Mitglieder des Oberkommandos auf sie reagierten – was ihn vielleicht am meisten störte, war, dass Luke eindeutig verstand, was vor sich ging; Han hatte mühelos die Besorgnis auf dem Gesicht des jungen Mannes ausgemacht – hör auf, mich auszufragen, Han, frag sie.
Leia wandte ihm den Kopf zu, um ihn anzuschauen. Sie streckte die Hand aus und berührte seine Brust, und er drehte sich auf die Seite und ließ seine Hand träge über sie gleiten, bis sie tief auf ihrem Bauch zur Ruhe kam, eine unbewusste Berührung, die sie quälte.
„Es liegt an mir", riet er geradeheraus. „Weil du nach mir gesucht hast", schlug er vor. „Du bist in Schwierigkeiten."
Leia schaute ihn noch einen Moment länger an, dann schüttelte sie langsam den Kopf. Sie legte ihre Hand auf seine, schob sie sanft weg und setzte sich auf. Während sie mit den Fingern durch ihre offenen Haare kämmte und sie über den Rücken fallen ließ, kreuzte sie die Beine und schaute nachdenklich auf ihre Knöchel hinunter.
„Das ist es nicht", antwortete sie wahrheitsgemäß. „Die Führungsebene war nicht glücklich mit der Entscheidung, aber sie haben damit gerechnet."
Han sah ein wenig amüsiert darüber aus.
Leia schaute von ihren Knöcheln auf und legte ihre Hände ruhig auf ihre Schienbeine. Sie glaubte, dass es keinen großartigen Weg gab, wie sie das hier tun konnte, keine perfekten Worte, die sie sagen konnte. Sie schluckte schwer, um sich zu wappnen, und begegnete seinem Blick.
„Han", begann sie, resigniert, aber fest. „Ich bin schwanger geworden."
Er schaute sie ausdruckslos an, dann setzte er sich auf und sein Gesicht wurde weiß. Er setzte sich ihr gegenüber, sein Kopf streifte fast die Oberseite der Koje, und er musterte sie genau, als würde er nach Anzeichen eines Scherzes suchen.
Kurz wandte sie den Blick ab, nickte und schaute ihn dann vorsichtig wieder an.
„Du", setzte er heiser an. Er betrachtete sie und gestikulierte beinahe nervös mit seiner Hand. „Du?", wiederholte er, die Frage und Verwirrung hinter seinen Worten offensichtlich – du bist nicht schwanger, ich kann sehen, dass du das nicht bist – es ist erst sechs Monate her.
Leia holte tief Luft und hielt irgendwo in ihrem Rachen den Atem an.
„Ich habe abgetrieben", erklärte sie.
Sein Kopf zuckte unmerklich, fast als würde er sein Ohr ausschütteln, und er starrte sie mit trockenem Mund an. Er – seine Gedanken überschlugen sich schmerzhaft in seinem Kopf, und er beugte sich vor, stützte einen Augenblick lang den Kopf in die Handfläche – du hast es vermasselt, Solo, verdammt noch mal, du hast sie in die Scheiße geritten –
Er ließ sich auf den Rücken fallen, brach fast zusammen, als die Luft aus seinen Lungen wich.
„Verdammt", fluchte er, das Wort an niemanden im Speziellen gerichtet, als er versuchte, das Konzept zu begreifen – Leia, scheiße, was habe ich angerichtet!
Sie stieß langsam den Atem aus, unsicher, wie er sich fühlte, unsicher, wie er reagierte, und er fasste nach oben und ergriff ihr Handgelenk, hielt es fest, seinen Daumen gegen ihre Pulsader gedrückt. Er schaute sie an und sah die Besorgnis, die ihr ins Gesicht geschrieben stand, die Angst – deswegen hatte sie im Besprechungsraum ausgesehen, als hätte sie Angst vor ihm.
„Geht es dir gut?", fragte er, schroffer, als er beabsichtigt hatte – er fragte, als ob man ihm gerade gesagt hätte, dass in ihrer Nähe eine Explosion stattgefunden hatte, und Leia verlor fast die Kontrolle über sich – er war um sie besorgt, und es – es gab ihr ein so viel besseres Gefühl.
Sie nickte wortlos und er lehnte sich zurück, während er immer noch ihren Arm festhielt. Er sah besorgt aus und schluckte schwer. Er schien mit etwas zu hadern, dann schob er seine Hand in ihre und umklammerte ihre Finger.
„Wegen…mir?", fragte er unbehaglich.
Leia seufzte einen Moment lang, unsicher, was er von ihr wollte – und dann erkannte sie plötzlich, dass er dasselbe meinte wie Mon Mothma, und sie rutschte nach vorne und legte sich neben ihn. Sie berührte seine Wange, küsste seinen Mundwinkel und drehte sich dann auf den Rücken, fuhr sich mit den Händen leicht übers Gesicht und schob eine Hand in ihr Haar.
„Naja, es war deins", bemerkte sie leise und umklammerte fest ihre Haare. „Aber", hauchte sie leichter als Luft, „ich bin es nicht wegen dir losgeworden."
Nicht, weil es deins war, Han. Nicht deswegen.
Unruhig griff er nach ihrer Hand, löste sie aus ihren Haaren und zog an ihrem Arm.
„Was ist passiert?", erkundigte er sich ein wenig aufgebracht, seine Augen suchten ihr Gesicht ab – verloren, verraten, wahrscheinlich genauso verblüfft, wie sie sich gefühlt hatte, als sie gedacht hatte – was zur Hölle, ich hatte ein Implantat! „Leia…ich dachte?", er hielt inne.
Hilflos hob sie die Schultern.
„Es hat nicht funktioniert", erwiderte sie schlicht.
Es gab keine andere Erklärung – keine geschwollenen Floskeln, nichts außergewöhnlich Seltenes, das dieses Phänomen erklärte; einfach ein fehlerhaftes Verhütungsmittel, das die einzige Aufgabe, für die es vorgesehen war, nicht erfüllt hatte.
Mit rasendem Herzen starrte sie an die Oberseite der Koje. Sie spürte, wie Han den Kopf hinlegte, das Gesicht ins Kissen drückte und erneut gedämpft fluchte. Sie biss sich auf die Lippe und wünschte sich, er würde einfach die Arme um sie schlingen und ihr sagen, dass es keine Rolle spielte – vergiss es einfach, Schätzchen – aber das war irrational, er musste Fragen haben –
„Scheiße", wiederholte er heiser. „Das Oberkommando weiß davon?"
Sie nickte mit gerunzelter Stirn.
Düster murmelte er etwas vor sich hin – darum hassen sie dich alle, Solo; deswegen sind sie sogar noch kälter als sonst.
Er schlang seinen Arm um ihren, hielt ihn einen Moment lang fest und hob erneut den Kopf. Er schien komplett verloren – er hatte keine Ahnung, was er fragen sollte, er hatte keine Ahnung, wie das überhaupt – wie fühlte sie sich, was sollte er sagen? Sollte er wütend sein, erleichtert? Er war verdammt froh, dass ihm auf dem Skiff vor Jabbas Palast niemand ein sprichwörtliches Baby in den Arm gedrückt hatte, aber etwas sagte ihm, dass sie nicht unversehrt davongekommen war –
„Bist du verletzt?", fragte er und stolperte über die Worte, in dem Bemühen, das Richtige zu sagen. „Hat es dir wehgetan?"
Leia atmete tief ein und er stützte den Kopf in die Handfläche, während er sie musterte. Sie schüttelte ein wenig den Kopf hin und her – sie wollte nicht ins Detail gehen; ja, es war unangenehm gewesen, sie hatte Schmerzen gehabt, aber sie war sich noch nicht darüber klar geworden, ob es ihr das Herz gebrochen hatte –
„Geht es dir gut?", fragte Han noch einmal heiser.
Leia warf einen Blick auf ihren Körper und zuckte leicht die Achseln. Sie war lange Zeit still, dann schaute sie zu ihm auf und ihre Lider zuckten. Sie nickte und presste die Lippen fest zusammen. Er schaute sie einen Augenblick lang an und beugte sich dann vor, um ihren Kiefer zu küssen, seine Lippen berührten mit einem leisen Stöhnen ihre Schulter, vielleicht aus Erschöpfung oder Überwältigung.
„Es tut mir leid", murmelte er und seine Brust schmerzte aus Gründen, die er nicht genau erklären konnte – irgendwie schrie bei der Ankündigung eine Stimme in seinem Kopf – du hast kaum mit ihr geschlafen! Aber es war einfach, sie zu ignorieren; im Großen und Ganzen hatte er nur für eine kurze Zeit mit ihr geschlafen, aber Sex war ein Vorzug ihrer Beziehung und nicht der Grundstein.
„Es ist nicht deine Schuld", murmelte Leia.
Sie drehte den Kopf und hielt den Atem an, ihre Worte stockten, wollten plötzlich alle auf einmal hinaus –
„Ich wusste nicht, ob ich dich jemals wiedersehe", stieß sie atemlos hervor, als wäre sie einen Marathon gerannt. „Ich wusste – nichts, wie du reagiert hättest, wenn du hier gewesen wärst, ob du wollen würdest – ich wusste nicht einmal, ob ich – und wir sind im Krieg und ich hatte niemanden, ich hatte nur dich, und Bespin – es, sie haben mich gezwungen, zuzusehen, wie sie dich foltern, und es ging mir so – so schlecht – "
„Du musstest zuschauen?", fragte er und zog sich zurück, um sie anzusehen.
Sie nickte, ihre Augen waren rot und nass.
„Ja; ja, ich musste zuschauen", erwiderte sie hastig.
Er berührte ihre Stirn mit seiner. Mit angespanntem Kiefer hielt er ihrem Blick stand. Für einen Moment blieben sie so, dann schloss er die Augen und schüttelte ein wenig den Kopf, sein Kiefer zuckte, als er die Stirn runzelte.
„Warum erklärst du mir das?", erkundigte er sich vorsichtig.
Leia setzte sich auf und machte sich von ihm los. Ihr Haar fiel ungezähmt über ihre Schulter und sie wurde wieder blass; sie sah so klein aus.
„Ich weiß nicht, was ich sagen soll", entgegnete sie. „Ich war…ich hatte keine Ahnung, was du…von mir halten würdest, oder davon, dass ich – dass ich beschlossen habe, das zu tun", sie legte die Hand über ihr Herz. „Ich habe mich so verloren gefühlt, Han, und so kaputt – ich musste es tun."
Er sah sie vom Kissen aus erschüttert an.
„Zur Hölle, Leia", erwiderte er schroff und hoffte, dass er nicht grausam klang – „Was hättest du tun sollen, ein Baby bekommen? Inmitten all dessen?"
Seine Stimme stockte und er klang ungläubig, sogar entsetzt.
„Ich bin nicht sauer auf dich", sagte er plötzlich, fast spöttisch – er wollte sie beruhigen, aber er glaubte, dass er beleidigt klang – und Leia beugte sich vor, um seine Schulter zu berühren.
„Du darfst nicht, du darfst niemals denken, dass das bedeutet, dass ich – dass ich dich nicht liebe", flüsterte sie und ihre Fingerspitzen zitterten an seinem Kiefer.
Leias Herz zog sich schmerzhaft zusammen und sie schnappte nach Luft, während sie sich fragte, wie lange sie darauf gewartet hatte, ihm das zu sagen – wie lange hatte sie darüber nachgedacht? Sie wusste es nicht; vielleicht hatte Mon es ihr in den Kopf gesetzt, vielleicht war es immer dort gewesen, etwas, das sie vergraben hatte, eine Angst, die sie in Schach gehalten hatte, und als sie jetzt bei ihm saß, brach es aus ihr heraus.
„Das denke ich nicht", antwortete er direkt. Er nahm ihre Hände von seinem Gesicht und schaute sie fest an.
„Ich bin nicht sauer auf dich", wiederholte er – war es das, was sie hören musste?
Verdammt, dachte er schmerzlich – welch ein Chaos – und er fühlte sich verantwortlich, auch wenn es nicht seine Schuld war, hatte er nicht beabsichtigt – aber Leia war nach dem lebendigen Albtraum, der Bespin gewesen war, mit einem weiteren Albtraum alleine gewesen. Er wusste überhaupt nicht, was er denken oder fühlen sollte – er wusste, dass er erleichtert war, weil er einfach – er glaubte nicht, dass er bereits gut genug dafür war, für diese Art von – Schritt im Leben, und er wollte mit Leia alleine sein – aber er wollte auch nicht, dass Leia verletzt war.
Er schloss fest die Augen, sein Kopf schmerzte, dann sah er sie bestürzt an, von etwas anderem abgelenkt –
„Sekunde", murmelte er. „Du – warum wurdest du degradiert?", fragte er langsam.
Leia zog die Knie nach oben an die Brust und schlang die Arme darum. Sie senkte den Kopf.
„Das", erwiderte sie vorsichtig, „ist der Grund."
Han runzelte die Stirn und versteifte sich.
„Ich verstehe nicht", murmelte er. „Du hast deinen Rang verloren – weil du abgetrieben hast?"
Leia zögerte. Sie ließ ihre Beine los, legte sich hin und legte den Kopf auf den Arm. Die Wut loderte in ihr auf und ihre Wangen erröteten, ihre Augen verengten sich.
„Meine – Prioritäten waren nicht korrekt gesetzt", zitierte sie. Sie fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. Sie fühlte sich hilflos. „Es war eine Strafe."
„Wofür?", forderte Han barsch. „Weil du dich schwängern lassen hast? Warum hat man mich dann zum General gemacht?", fragte er. „Sie sind wütend auf dich, weil – ich bin es; es war wegen mir."
„Es war, weil es überhaupt passiert ist, Han", seufzte Leia mit zusammengebissenen Zähnen. „Es ist wegen dir, es ist wegen der Tatsache, dass ich selbstsüchtig gehandelt habe, es geht um Elemente der Macht – und ich habe ihnen eines dieser Elemente weggenommen."
„Was?", knurrte er.
„Mich", antwortete sie und drückte ihre Knöchel gegen seine Brust. „Meinen Körper, meinen Namen, meinen politischen Einfluss, ich habe es ihnen weggenommen."
„Du bist keine Sabacc-Hand!", bellte Han. „Du bist ein Mensch!"
Sie bedeckte ihr Gesicht mit den Händen und holte tief Luft.
„Ich weiß", sprach sie mit gedämpfter Stimme in ihre Handflächen. „Ich weiß, Han, deswegen will ich dich."
Er schaute sie an, sein Kopf schmerzte immer noch – und sein Herz pochte vor Ärger und dem Wunsch, jedes Mitglied des Oberkommandos zu bedrängen und ihnen mit seinem rechten Haken eine Standpauke zu halten – aber stattdessen entschied er sich dazu, sich neben sie zu legen, seinen Arm um sie zu schlingen und frustriert gegen ihre Schläfe zu seufzen.
Er rückte näher an sie heran, so nah, wie es ihm möglich war, und zwang sich dazu, sich zu beruhigen.
„Leia", murmelte er müde. „Hat man dich gezwungen?"
„Nein", erwiderte sie – eine leichte Frage, weil man das nicht hatte; seltsamerweise war Mon Mothmas erste Handlung gewesen, Pläne zu machen, um Leia wegzuschicken und wahrscheinlich wegzusperren. „Ich wollte es", sie hielt inne und erstickte fast an ihren Worten. „Nein, ich wollte – nicht in dieser Situation sein, ich wollte es nicht tun müssen, aber", sie haderte mit sich, „aber ich habe entschieden, angesichts der – ich war es", verkündete sie schließlich hohl, „ich habe mich dazu entschieden."
Han nickte und löste sich von ihr, um ihr ins Gesicht schauen zu können.
„Ich – habe darüber nachgedacht, ähm, es dir nicht zu sagen", gestand sie kleinlaut und wandte die Augen ab, „und dir die – blutigen Details zu ersparen, aber ich kann mir nicht vorstellen…mit dir zu schlafen, ah, mit dir weiterzumachen, und das für mich zu behalten – und es hat den Anschein, als ob du hierbleiben willst."
Han nickte und schluckte.
„Ja, ich will hierbleiben", bemerkte er mit belegter Stimme. Er hob die Brauen. „Ich musste es wissen", fügte er hinzu.
Leia nickte und atmete langsam aus. Er beugte sich herunter und küsste sie, zunächst langsam, wobei er seine Hände in ihre Haare gleiten ließ. Sie verschränkte ihre Finger mit seinen, bis sie beide atemlos waren und er sich von ihr löste, um sich neben sie zu legen, während er mit der Hand über ihre Seite strich.
„Der Junge weiß davon?"
„Ja", hauchte Leia leise. „Er war wirklich – er war da. Für mich."
Han schwieg zu diesem Thema und räusperte sich nach einem langen Schweigen.
„Verdammt", stieß er erneut schwer hervor. Leia wandte ihm ihren Kopf zu und ihre Stirn berührte seine.
Einen Moment lang sagte sie nichts, dann drehte sie sich auf die Seite, um ihn anzusehen.
„Ich habe seitdem so oft an meine Mutter gedacht", gab Leia leise zu und überwand ihre Unsicherheit, jetzt, da alles offen lag, weil sie sich nach dem engen Vertrauen sehnte, das sie auf dem Weg nach Bespin zu ihm gehabt hatte. „Sie…hat jedes Baby verloren, das sie jemals zu bekommen versucht hat."
Leia schluckte schwer, ihre Nebenhöhlen waren angespannt und schmerzten, ihre Augen voller Tränen – oh, es war etwas, das sie so sehr belastete und sie fragte sich, was ihre Mutter denken würde.
Han räusperte sich leise.
„Denkst du, sie wäre aufgebracht?", fragte er.
„Ich glaube, sie wäre entsetzt", erwiderte Leia schwach und die Tränen rannen ihr über die Wangen.
Han hörte, wie schwer es ihr fiel, zu atmen, und streckte die Hand aus, um ihr Gesicht zu berühren, sein Daumen ruhte unter ihrem Auge.
„Du kannst dich nicht selbst fertigmachen, weil du denkst, dass deine Mutter dich aus dem Grab heraus verurteilt."
„Sie würde nicht darüber urteilen", korrigierte Leia ihn murmelnd. „Sie würde…es würde ihr im Herzen wehtun. Sie war bis ins Mark alderaanisch; ihre persönliche Ablehnung wäre sanft und sie würde es verstehen", Leia hielt inne und ihre Stimme stockte, „aber Menschen sind – menschlich, und nach allem, was sie erlitten hat – ich weiß, dass sie es für gefühllos halten würde und für – grausam", Leia verstummte und schaute nach unten.
Han bewegte seine Hand zu ihrer Schulter und massierte sie sanft. Er hatte nichts Sinnvolles beizutragen, er war sich sicher, dass es so war – er wusste nicht, wie er Leia trösten sollte, weil sie darüber nachdachte, was ihre Eltern von ihr halten würden, und er war sich immer noch nicht sicher, wie er sich selbst fühlte; sehr besorgt um sie, ohne Zweifel – und immer wieder traf ihn ein bitteres Gefühl der Schuld, weil er nicht traurig war, aber das Konzept war für ihn so abstrakt und er war so wenig auf so etwas vorbereitet –
„Schätzchen", meinte er besorgt. „Es ist in Ordnung."
Leia legte ihren Arm um ihn.
„Ich wäre ohnehin nicht gut darin gewesen", wisperte sie.
„Was?"
„Du weißt schon", murmelte sie und seufzte zittrig, „eine Mutter zu sein."
Han dachte einen Moment darüber nach, während er immer noch ihre Schulter massierte – wollte sie, dass er widersprach, mit ihr diskutierte, oder wollte sie nur, dass er ihr zuhörte? Er wollte es nicht so klingen lassen, als würde er ihr sagen, dass sie eine andere Entscheidung hätte treffen sollen, und er hatte keine Ahnung, was sie in Bezug darauf im Leben wollte –
„Du liegst falsch", bemerkte er leise.
Sie lachte. Er beugte sich näher zu ihr, küsste ihren Kiefer und fand dann mit seinen Lippen ihr Ohr –
„Du hast diese Rebellion aufgezogen", erklärte er grimmig – sie hatte sie vielleicht nicht gestartet, aber sie hatte sie verdammt gut mit ruhiger Hand durch ihre wilde Jugend dirigiert.
Leia schaute ihn mit ihrem blassen Gesicht und roten Augen an und lächelte nach einem Augenblick – ein müdes Lächeln.
„Ich habe dich vermisst", sagte sie, ein seit Tatooine oft wiederholter Satz.
Han schluckte und bewegte seine Hand wieder nach oben, um sie in ihren Haaren zu vergraben.
„Ich liebe dich", versprach er und hob die Brauen, wie um sie stumm zu fragen, ob sie verstand – sag mir, dass du das weißt, Schätzchen.
Er musterte aufmerksam ihre Augen, versuchte darin zu lesen, versuchte zu verstehen, was sie von ihm brauchte. Er konnte nicht sagen, ob es ihr leidtat, es getan zu haben, ob sie es bereute, ob es sie überhaupt belastete – und er wusste nicht, was er sich erhoffte, wie sie sich fühlte, noch kannte er die beste Möglichkeit, wie er für sie da sein konnte. Er hatte – so viel verpasst, während er eingefroren gewesen war; er war nicht da gewesen, um ihr zu helfen, die Hauptlast zu tragen, und das ließ ihn mit einem entfremdeten Gefühl zurück, er fühlte sich nicht gut genug – verdammt, Leia, dachte er wieder – sie hatte so viel durchgemacht.
„Ich versuche, nicht darüber nachzudenken", sprach Leia in die Stille hinein, ihre Stimme klang entschlossen.
Er fand, dass das okay war, wenn es das war, was sie wollte – und an diesem Punkt war es vor so vielen Monaten geschehen, dass er fühlte, dass es keine frische Wunde mehr war, oder ein frischer Schmerz; sie schien sich damit abgefunden zu haben, dass es passiert war, und dass es das gewesen war, was geschehen musste.
Leia drückte ihren Kopf an seine Brust, rückte näher; ihr Körper entspannte sich an seinem, Haut an Haut, er fühlte die Erleichterung in jeder ihrer Fasern – es gibt nichts, was du dagegen tun kannst, Solo; es ist einfach passiert. Er hielt sie fest und dachte – er war so weit weg davon; es fühlte sich nicht einmal an, als wäre es etwas, das ihm widerfahren war, sie war alleine, wie sie es immer war.
Er dachte – dann werde ich auch nicht darüber nachdenken.
Leia atmete seinen Geruch ein, ihre Seele kam für einen Moment zur Ruhe, und sie fühlte, wie der Schlaf sie einlullte, Schlaf, den sie vielleicht ohne einen Albtraum genießen konnte oder ohne unruhig aufzuwachen, nur damit sich ihre Gedanken bis zur Besinnungslosigkeit im Kreis drehten, und sie dachte in der Stille mit Han, dass morgen der Tag sein würde, an dem sie das Imperium an der Kehle packte, das Imperium, das ihr Leben diktiert und ihr so viel geraubt hatte – und es erdrosselte.
Teil 2/3
