Diese Geschichte wurde ursprünglich in englischer Sprache veröffentlicht und nach Rücksprache mit der Autorin von mir übersetzt, um sie einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Obwohl ich nur als Übersetzerin fungiere, sind Reviews natürlich trotzdem mehr als willkommen. Alexandra, die Autorin, schreibt unter dem Namen madame. alexandra und ist hauptsächlich hier auf fanfiction. net unterwegs.

Autorin: madame. alexandra

Originaltitel: Kink

Fetisch

Leia liebte Gewitter, das hatte sie schon immer getan. Sie liebte Regen und Donner und Blitze, das atemberaubende Krachen und Knallen, das damit einherging, das Knarzen und Sausen des Windes in schwarzen, unheilvollen, wolkenverhangenen Nächten. Der harsche Klang prasselnden Regens war musikalisch und reinigend, die zuckenden Blitze erleuchteten die Sterne am Himmel auf eine seltsame und mystische Weise und das Brüllen des Donners erinnerte sie daran, dass die Natur eine unmoralische Kraft war, mächtiger als sie oder jedes andere Wesen in der Galaxis, gut oder böse.

Sie konnte durch Gewitter hindurch schlafen, der Lärm war lediglich ein beruhigender Mahlstrom, der sie vor anderen Unterbrechungen und Zerstreuungen abschirmte, oder sie lag wach und genoss den Sturm, während sie sich an vergangene Stürme erinnerte und an all die Zeiten dachte, in denen sie sie überlebt hatte.

Sie liebte sie wegen ihrer Schönheit und ihres unaufhaltsamen Willens; ihre Affinität für Gewitter war so sehr ein Teil von ihr, dass es ihr schwer fiel, sie zu beschreiben und so behielt sie es oft für sich, eine private Vorliebe – sie hätte niemals daran gedacht, dass ihre Schwäche für Gewitter bedeutete, dass sie sie erregten, allerdings hatte sie vor Han auch angenommen, dass sie ziemlich uninteressiert an ihren niederen sexuellen Instinkten war.

Lust schien ihre Altersgenossen ständig in unumkehrbare Schwierigkeiten zu bringen oder unwiderruflichen Kummer zu verursachen und eine jüngere Leia hatte weder die Zeit noch die Geduld für solche Belanglosigkeiten.

Eine jüngere Leia, vor Han.

Das sollte nicht heißen, dass Han Solo alleine dafür verantwortlich war, sie in die Welt körperlicher Befriedigung einzuführen, aber er machte sie eindeutig mit dem Gedanken vertraut, dass es gelinde gesagt weltbewegend sein konnte, jemand anderen in solchen Angelegenheiten die Arbeit machen zu lassen.

Das erste Mal, als seine Hände ihre eigenen auf der Suche nach Erlösung ersetzt hatten, hatte sie gedacht – Gott, zur Hölle mit dem Ärger und dem Kummer, das ist es wert, er ist es wert, ja, ja, ja – !

Es waren seine Hände und dann sein Mund, und dann – sein gesamter Körper, und es war nicht mehr als rohes Verlangen, dicht gefolgt von hemmungslosem Sex, von einer ganz anderen Art von Verlangen getrieben, und als sein Herz und seine Seele ein Teil der Gleichung waren, als sie ihn vorher und hinterher festhalten konnte und er ihr Dinge ins Ohr flüsterte, die schmutzig und sanft zugleich waren – war er ein Gewitter in Person, und das erste Mal, als sie ihn während eines Gewitters aufweckte, um ihn zum Rhythmus des Regens zu küssen, war es wieder wie beim allerersten Mal.

An diesem Tag fand sie einen Begriff, um ihre Vorliebe für Gewitter einzuordnen: Fetisch.

Von da an zog Han sie dicht zu sich, wenn er sah, wie sich der Himmel verdunkelte und beugte sich zu ihr herunter, um ihr ins Ohr zu flüstern, wenn er das erste drohende Grollen eines Gewitters in der Ferne hörte.

„Da ist dein Fetisch, Schätzchen."

Sie musste all ihre Selbstbeherrschung aufbringen, um zu verhindern, dass ihre Knie zitterten und ihre Augen zuckten, wenn sie daran dachte, was er später mit ihr tun würde, mit all dem Donner und dem Regen im Hintergrund.

Inmitten von Gewittern verließ sie ihre Komfortzone, wie das eine Mal, als Han sie über das Sofa im Wohnzimmer gebeugt hatte, einen Arm um ihre Taille geschlungen, die Fingerspitzen an ihre Hüfte gedrückt und eine Hand in ihren Haaren vergraben, während sie dem Gewitter durch ihre Wimpern hindurch zuschaute, bis sie mit geöffneten Lippen und farblosen Knöcheln die Augen schließen musste – Han, Han, Han – !

Ah – oder das eine Mal, als er sie hochgehoben hatte, als das Gewitter sie draußen im Urlaub unvorbereitet getroffen hatte, sie waren gefährlichen Meereswellen und dickem, durchnässtem Sand entkommen, als der Sturm losgebrochen war, und er hatte sie gegen die glatte, glitschige Wand des gemieteten Strandhauses gedrückt und seinen Daumen zwischen ihre Zähne geschoben, als er in sie hineinstieß, obwohl das Krachen des Donners ihre Stimme ohnehin übertönt hätte – Han, du musst – ja, Schatz; fester – ohhh, Han – sie hatte ihm so fest auf den Daumen gebissen, dass er ihn später hatte verbinden müssen, aber er hatte bewundernd damit über ihre Lippe gestrichen, als er sich am Morgen zu ihr gebeugt hatte, um ihr einen Kuss zu geben.

Es war nicht immer rau oder ein wildes Abenteuer; sie war genauso zufrieden, wenn sie es so lange hinauszögern konnten, wie der Sturm draußen tobte, sogar wenn der Regen und die Blitze lange verblasst waren, bevor sie mit ihm fertig war, und er mit ihr – langsame Nächte schmeckten wie gereifter Whisky und erlesener Wein, so gut, dass schmerzhafte Funken der Lust über ihre Haut tanzten und es damit endete, dass er ihre Haare oder ihren Arm oder ihren Oberschenkel so fest packte, dass seine Hände zitterten und sie ihre Stimme in heiserem Flüstern und abgehackten Flüchen verlor – scheiße, Han – scheiße! Und er antwortete – Ausdrucksweise, Eure Hoheit – und legte ihr Bein noch einmal über seine Schulter.

An diesem Punkt musste Han darauf konditioniert sein; wenn es donnerte, suchte er nach Leia – wenn er schlief, war er es gewohnt, von ihren Lippen an seinem Hals geweckt zu werden, während ihre Hände über seine Brust strichen – oder sie wartete ruhelos auf ihn, wenn er nach Hause kam, in reizvoller Kleidung auf dem Sofa positioniert oder in ein dampfendes Bad getaucht – feucht wie der fallende Regen; und sie sah ihn auf eine Art und Weise an, die er sich früher nur hatte erträumen können.

Manchmal lachte er atemlos und knurrte in ihre Haut, während er mit den Fingern durch ihr verschwitztes Haar fuhr – du und der Donner, Leia, ihr seid euch ebenbürtig – sie war so laut in ihren gemeinsamen Nächten, dass er dachte, der Sturm selbst riefe nach ihm. Und vielleicht war es auch so – sie war ein in einer Frau eingeschlossener Sturm, leuchtend und gefährlich wie ein Blitz, mit dem Potential, so zerstörerisch zu sein wie der heftigste Orkan.

Ja, sie erregten sie tief im Inneren, ganz ursprünglich: Gewitter.

Eine jüngere Leia, vor Han – hätte sich in ihrem Bett im Palast zusammengerollt, mit weit geöffneten Augen, zufrieden den Sturmböen lauschend, fasziniert von der Anziehungskraft, die es auf sie ausübte –

Sie dachte immer an ihre Unschuld, wenn das erste Heulen des Donners erklang, der lautlose Aufschrei der Blitze und das rasche Prasseln des Regens, denn jetzt entfachte es eine Zündschnur in ihrem Rückgrat, die sie leicht identifizierte, und sie rollte herum und schob ihre Hand in Hans Haare, vergrub ihre Finger darin, bis er seine Augen auf eine träge, hungrige Art öffnete –

„Es donnert", wisperte sie heiser.

Er zuckte mit den Schultern.

„Also?", antwortete er gedehnt, provozierte sie.

Sie rückte näher an ihn heran, fuhr mit den Lippen über seinen Kiefer, die Zähne an seinem Ohrläppchen, ihre Stimme gedämpft und wohlklingend –

„Also", schnurrte sie, „will ich, dass du mich vögelst."

Han beugte sich über sie und täuschte für einen Moment Empörung vor, bevor der teuflische, schelmische Blick, den sie so sehr liebte, wieder in seine Augen trat und sich in seinem unwiderstehlichen Grinsen manifestierte.

„Du hast einen Fetisch, Prinzessin", erinnerte er sie – seine Worte waren langsam und gefühlvoll.

Sie nickte und legte den Kopf zurück – er zog die Decke von ihr herunter und küsste ihren Bauch – ihre Augen schlossen sich leicht, sie hielt den Atem an und stieß ihn keuchend wieder aus, als er ihr Bein über seine Schulter legte – Han, oh, Schatz – und er küsste sie vom Knie bis zum Oberschenkel – vom Oberschenkel bis – Han! – und sie dachte darüber nach, dass vor Han Donner nur etwas Hörbares gewesen war, laut und gebieterisch – aber wenn seine Hände sie berührten, schwor sie zu Gott, dass sie ihn sehen konnte.