!HALT!

Bevor du zu lesen beginnst, möchte ich noch einmal auf die Trigger-Warnungen hinweisen, die im Laufe der Geschichte vorkommen werden. Bitte sei dir bewusst, dass das hier eine Dark-Fiction ist und diese Warnungen nicht umsonst gesetzt wurden. Wenn dir etwas davon widerstreben sollte, dann zwinge dich nicht diese FF aus Neugierde oder etwaigen Gründen zu lesen.

Du wurdest gewarnt und liest trotzdem weiter?

Dann wünsche ich viel Spaß!


Inside me

1. Kapitel


Das 6. Schuljahr hatte erst vor wenigen Wochen begonnen und Harry befand sich gefühlt das 100te Mal im Krankenflügel. Madame Pomfrey ließ gerade ihren Zauberstab über den im Bett liegenden Jungen schweifen, nur um dann im nächsten Moment die Nase zu rümpfen. "Da ist nichts, Potter." Der Gryffindor seufzte und setzte sich auf. "Das kann gar nicht sein." Fuhr er sich anschließend ratlos durch die Haare. Diese immensen, andauernden Kopfschmerzen konnten doch nicht natürlicher Ursache sein. Egal, was er auch versuchte, er wurde sie nicht los. An manchen Tagen war es ja noch erträglich, aber an Tagen, wie den heutigen-

"Wenn ich sage, da ist nichts, dann ist da auch nichts. Oder zweifelst du etwa an meinen Fähigkeiten? Ich bin schon Heilerin an Hogwarts, da bist du noch nicht einmal geboren worden. Ich kenne jeden Fluch, jede Verhexung und-"

"Schon gut!" Hob Harry beschwichtigend die Arme und zwang sich zu einem Lächeln. "Trotzdem danke für die Hilfe, Madame Pomfrey." Genannte nickte lediglich, ehe sie sich davon machte. Und Harry tat es ihr gleich. Doch anstatt zum Unterricht zu gehen, machte er sich auf in die große Halle. Schließlich war er für die ganze Stunde entschuldigt und auf die letzten 20 Minuten mit Snape konnte er auch ohne Kopfschmerzen gerne verzichten.

Es dauerte nicht lange und die Halle füllte sich zunehmend mit Schülern und Stimmengewirr und als diese bereits zugenommen hatten, tauchte wie immer das Essen, wie aus dem Nichts auf. Trotz knurrenden Magens stocherte Harry mehr auf seinem Teller herum, als er aß, während er mit dem Zeigefinger die Schläfe massierte.

"Oh Wahnsinn, ich verhungere!"

Der Gryffindor musste gar nicht erst aufsehen, um zu wissen, dass sich Ron zu ihm gesellt hatte. Und nur wenige Sekunden darauf, machte es ihm seine Freundin, Hermine, gleich. Das Mädchen beäugte ihn skeptisch, als sie ihm gegenüber Platz nahm. "Und was hat sie gesagt?"

Harry stocherte noch immer in seinem Essen herum. "Nichts gefunden."

Hermine gab ein verächtliches Geräusch von sich. "Unmöglich."

"Sag das mal Pomfrey." Meinte Harry mit Gedanken an ihre Predigt vorhin und ließ letzten Endes die Gabel fallen. Appetit hatte er schon seit Tagen keinen mehr. Ganz im Gegensatz zu seinem rothaarigen Freund. "Du scholltescht schu Dmbldoe gehen!" Riet dieser mit vollem Mund und Harry wandte ihm sein Augenmerk zu. "Was? Wieso?" Ron würgte den letzten Bissen herunter. "Na der kann dir bestimmt helfen." Zuckte er mit der Schulter. Harry kräuselte die Stirn. Normalerweise war es Hermine, die solche Ratschläge von sich gab. "Wie soll Dumbledore mir helfen können, wenn es nichts mit Magie zu tun hat?"

"Vielleicht hat Pomfrey was übersehen." Gab der Rothaarige unbekümmert von sich und stopfte sich den Löffel mit Bratkartoffeln in den Mund. Harry beobachtete ihn nachdenklich, kam dabei nicht umhin die Essenskrümel im Mundwinkel seines Freundes zu bemerken.

"...widerlich..."

Harrys Kopf schwang zu Hermine. "Was?" Und diese erstarrte in ihrer Kaubewegung, ehe sie zögerlich ihr Essen herunterschluckte. "Was denn?" Ihr Blick schien so fragwürdig, wie seiner.

"Hast du nicht-?" Setzte Harry an, hielt jedoch inne, denn just in dem Moment packte ihn eine neue Welle an Kopfschmerzen, die sein Haupt zu zersprengen drohte. "Argh!" Verzerrte er das Gesicht zu einer Fratze und hielt sich den pochenden Schädel.

"Harry, was ist los?!" Die Stimme seiner Freundin hörte er nur mehr am Rande.

"Harry?"

"... Harry..."

Die Schmerzen wurden so groß, dass er für einen kurzen Moment befürchtete ohnmächtig zu werden. Oder vielleicht war er auch kurz weggetreten, er konnte es nicht sagen. Der Junge biss fest die Zähne zusammen, atmete einige Male tief ein und aus. Nur ganz allmählich konnte er die Schmerzen tolerieren, sodass er einigermaßen Herr seines Selbst wurde. Er öffnete die Augen und sah sich um. Die Schüler in seiner Nähe sahen ihn besorgniserregend an. Kurz blieb sein Augenpaar an Ginny hängen, die nur drei Plätze von Hermine entfernt saß. "Harry, geht es dir gut?"

Der Gryffindor schluckte und nickte mit zusammen gepressten Lippen. "Ja, ich- ich muss mich-" Die Schmerzen zu unterdrücken verlangte ihm so viel ab, dass ihm selbst das Reden schwer fiel. "Mir ist nur schlecht. Ich- ich werde mich etwas hinlegen."

Mit diesen Worten stand der Schwarzhaarige auf, spürte dabei das Zittern in den Beinen. Das war wohl auch der Grund, weswegen er letzten Endes über die Sitzbank beim Drübersteigen stolperte. Harry keuchte, als er auf allen Vieren landete und zusätzlich nun auch seine Knie schmerzten. Erst jetzt fühlte er die Nässe seiner Handinnenflächen.

"Kumpel, du siehst gar nicht gut aus." Ron war an seine Seite getreten und half ihm wieder auf die zittrigen Beine. "Soll ich dich begleiten, bevor du noch einmal-" "Nein." Warf Harry barsch dazwischen und löste sich aus dem sanften Griff seines Freundes. "Danke, nein, ich... ich schaffe das schon." Der Gryffindor ging langsamen Schrittes davon, nahm die zahlreichen Blicke, die ihm Löcher in den Rücken starrten, gar nicht wahr.

Ron hatte nicht einmal bemerkt, dass sich Hermine neben ihn dazu gestellt hatte und ebenso, wie er ihrem Freund hinterher sah. "Das war zu auffällig, Ron." Sagte sie leise.

Die Stirn des eben Genannten kräuselte sich leicht. "Wieso denn das? Harry hätte doch schon längst zu Dumbledore gehen sollen."

"Hast du nicht seinen Blick gesehen, als du das vorgeschlagen hast? Du bist der Letzte, der an sowas denken würde." Tadelte sie und gab ein trotziges Geräusch von sich. "Aber du hast Recht." Setzte das Mädchen fort. "Dumbledore muss davon erfahren."

Mühselig setzte er einen Fuß vor den anderen. Wusste nicht einmal, wohin sie seine energielose Hülle hin verschleppten. Seine Sicht war unscharf, als würde ein Schleier seinen Kopf bedecken. Ihm war heiß und kalt zugleich, der Schweiß rann seine Schläfe hinab und ein klägliches Geräusch entkam seiner Kehle. Irgendetwas erwischte ihn an der Schulter und das so hart, dass er sein ohnehin gestörtes Gleichgewicht vollends verlor und hart auf dem Hintern landete.

"... nicht aufpassen, wo du hintrittst?"

Harrys glasige Augen fokussierten die Person über ihn. Und nur der Stimme verdankend, die gedämpft zu seinem Gehör fand, konnte er eben diese als Malfoy ausmachen. Harry wusste nicht, ob die aufsteigende Übelkeit lediglich auf seinen miserablen Zustand zurück zu führen war.

"... Draco Malfoy..."

"So schweigsam, Potter? Ich hätte mir doch mehr von dem Auserwählten erwartet."

Allmählich drangen die Worte schärfer zu ihm hindurch, obgleich er nicht zu antworten vermochte. Er verzerrte das Gesicht zu einer Fratze, im Versuch sich auf die Beine zu ringen. Doch zu seinem Leidwesen fiel er gleich wieder auf die Knie. Er fühlte sich so unsagbar schwach und konnte seine Augen nur mit Anstrengung offen halten.

"Mach dir keine Mühe aufzustehen." Vernahm er abermals die verhasste Stimme. "Schließlich wurde deinem Dasein noch nie so gerecht, wie in dieser knienden Position. Und meiner natürlich." Harry konnte das spöttische Lachen deutlich hören. Es echote regelmäßig in seinem Kopf herum. Mit der Hand an der kalten Steinmauer abstützend, hievte er sich auf die wackligen Beine, stemmte sich gegen die Wand, um sein Gleichgewicht nicht noch einmal zu verlieren. Sein Atem ging schwer und schneller, als üblich. Als hätte ihm alleine das Aufstehen seine ganze Kraft abverlangt. Sein trüber Blick erwiderte den überheblichen seines Rivalen. "Du siehst scheiße aus, Potter." Kommentierte er trocken, ehe ein Grinsen seine Lippen umspielte. "Und verdammt kränklich. Scheint, als wäre dir der ganze, unverdiente Ruhm nun doch zu Kopf gestiegen, huh?" Er machte einen Schritt auf den Schwarzhaarigen zu, musterte diesen von oben bis unten mit solch einer Verachtung im Blick, dass selbst Harry diese in seinem Zustand noch erkennen konnte. "Oder hast du endlich eingesehen, dass du doch nicht der bist, für den dich alle halten? Dass sich hinter dieser scheinheiligen Fassade nur ein Nichts versteckt?"

Harry war am Rande seiner geistigen und körperlichen Erschöpfung. Er stützte seinen Kopf gegen die Mauer und schloss kurz die Augen. Die Kälte an seiner Schläfe tat gut. Wenn auch nur für einen Moment, in welchem er sich zu Wort ringen konnte. "Ich..." Setzte er mit schwacher, krächzender Stimme an. "Ich bin lieber nichts, als erbärmlich, wie du, Malfoy, dessen einzige Stärke es ist, bei Daddy petzen zu gehen..."

Auch wenn seine Worte nicht den gewünschten harten Ton vorwiesen, so erfüllten sie dennoch ihren Zweck. Malfoy presste die Lippen fest zusammen und rümpfte die Nase. "Erbärmlich, huh?" Wiederholte er, nur um Harry im nächsten Moment am Kragen zu packen und nah an sein Gesicht heran zu ziehen. Durch die abrupte Bewegung wurde dem Gryffindor nur noch schwindeliger, als zuvor. "Das einzige, was hier erbärmlich ist, bist du, Potter." Spie er ihm ins Gesicht. "Deine bloße Existenz ist eine Beleidigung für die Zaubererwelt." Die Worte klangen wieder gedämpft und auch Harrys Sicht verschwamm, noch mehr, als zuvor. Mittlerweile konnte er die Gestalt vor sich kaum mehr wahrnehmen.

"Und es ist nur eine Frage der Zeit-"

"... lass mich dir helfen..."

"-Bis die ganze Welt einsieht, was sich wirklich hinter dem großen Harry Potter verbirgt."

"...Lass los..."

"Nämlich ein nichtsnutziger, minderwertiger-"

Malfoy hielt inne und entfernte sein Gesicht fast schon reflexartig von dem seines Rivalen. Selbst sein Griff um den Kragen des Anderen wurde um einen Deut lockerer. "Was-?" Kräuselte er die Stirn, denn der Gryffindor sah ganz und gar nicht mehr kränklich aus. Im Gegenteil war sein Blick plötzlich amüsiert und das Grinsen... diabolisch. Und seine auf ihn fixierten Augen wirkten gar nicht mehr so grün, wie sonst. Wenn Malfoy es nicht besser wüsste, könnte man meinen, die Farbe... änderte sich gerade? Nein, das konnte nicht sein.

"Was ist das für ein Trick, Potter?" Er konnte die Unruhe in seiner Stimme nicht verbergen. Denn selbst jetzt tat der Schwarzhaarige nichts Anderes, als Löcher in ihn zu starren. Um den Slytherin herum wurde es kühl. Er fröstelte leicht. Als würde eine kühle Brise durch die Gänge wehen. Dabei war es doch ein verdammt heißer Tag. Er sah sich um, als könne er dadurch die Veränderung in der Luft erhaschen. Das war Potters Werk. Irgendein fauler Trick. Die Wut stieg in ihm empor und nahm überhand. Sein Kopf schnellte abermals zu dem Gryffindor. "Was-" Doch noch bevor er mehr heraus bekam, wurde er plötzlich und mit schierer Gewalt am Hals gepackt und mit solch Wucht gegen die Mauer geschleudert, dass ihm tatsächlich kurz schwarz vor Augen wurde.

"Kchn!" Malfoy keuchte und hechelte verzweifelt nach Luft, indessen er reflexartig die Hand um seinen Hals zu lösen versuchte. Doch vergeblich. Zusätzlich wurde Draco das Baumeln seiner Beine in der Luft erschreckend bewusst. Dem Slytherin entkam ein kläglicher Laut, als seine geröteten Augen sein Gegenüber erfassten. Potters Blick wirkte stets noch so diabolisch, wie zuvor, nur mit dem Unterschied, dass seine Augen unnatürlich hellblau funkelten. "An deiner Stelle würde ich mich vorsehen." Entkam dem Gryffindor ein tiefes Knurren, das Draco selbst in seinem luftabschneidenden Zustand schaudern ließ. "Große Töne fordern schließlich große Taten, doch dafür fehlt es dir eindeutig an Stärke. Stattdessen triefst du vor lauter Arroganz, die ich nur zu gerne eigenhändig aus dir herauspressen würde." Mit jenen Worten verstärkte sich zeitgleich der Druck um seinen Hals und Malfoys Kehle entkamen unweigerlich erbärmliche Würgelaute. "Andererseits-" Sprach Harry unberührt weiter, neigte leicht den Kopf zur Seite. "-hast du mir zu neuer Kraft verholfen. Du könntest dich noch als nützlich erweisen. Was mache ich bloß mit dir?"

Der Slytherin nahm die Worte nur noch schwach wahr. Zahlreiche bunte Punkte tanzten vor seinen Augen herum und er befürchtete jeden Moment das Bewusstsein zu verlieren. Oder Schlimmeres. "...B-Bitte..." Presste er krächzend hervor und der Schwarzhaarige zog die Brauen hoch. "Wie war das?"

Draco hielt die Hand um seinen Hals mit seinen eigenen fest umklammert. Sich zu befreien hatte keinen Zweck und er selbst keine Kraft mehr. Er wusste, er würde das nicht mehr lange durchhalten können. Er konnte regelrecht spüren, wie ihm die Kraft Stück für Stück entwich. "...Gnh-! Bi- Bitte... nicht..." Versuchte er abermals, war zu mehr jedoch nicht im Stande.

Harry grinste, als er die aufsteigenden Tränen wahrnahm und schloss kurz genüsslich die Augen. "Dein Gewinsel ist um so vieles authentischer und weitaus befriedigender." Er näherte sich dem nach Luft ringenden Malfoy, streckte die Zunge heraus und leckte ihm genüsslich eine Träne von der Wange. Just in dem Moment erschlaffte der Körper in seinem Griff. Amüsiert musterte der Schwarzhaarige den bewusstlosen Jungen, ehe er ihn losließ und dieser mit einem Whumps zu Boden fiel. Doch das Grinsen des Gryffindors erstarb, als er seinen Kopf zur Seite wandte und für einige Sekunden lauschte, nur um anschließend übertrieben zu seufzen. Er ging in die Hocke, nahm das Gesicht des Blonden zwischen seine Finger und musterte es ausgiebig. "Leider blieb uns kaum Zeit einander kennenzulernen." Gab er trocken von sich, ehe seine Lippen abermals ein Grinsen formten. "Aber keine Sorge. Nächstes Mal wird Zeit keine Rolle mehr spielen, Draco Malfoy." Und mit einem letzten Aufleuchten, erlosch das Blau in den Augen des Jungen, bevor dieser ebenso schlaff in sich zusammen und neben Malfoy zu Boden sackte.

"Ron, da vorne!"

"Harry! Was-? ... und Malfoy?"


TBC

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