Inside me

3. Kapitel


Harry war verdammt überfordert gewesen, als Malfoy vor seinen Augen bewusstlos zu Boden fiel. Trotz ihrer Rivalität hatte er das Bedürfnis dem Anderen zu helfen, stattdessen stand er jedoch wie angewurzelt da und starrte ihm Löcher in den Körper. Snapes Auftauchen hatte er erst mitbekommen, als dieser bereits an Malfoy herangetreten war und ihn anschließend ohne lange zu zögern aufgehoben und in den Krankenflügel mitgenommen hatte. Und Harry war ihm wie ein Hündchen hinterher gelaufen. Einfach, weil er sich irgendwie verbunden fühlte, mitzukommen. Nachdem Pomfrey den Slytherin untersucht hatte, konnte sie jedoch keinen Grund für seine Ohnmacht finden. Keinen magischen zumindest.

"Es muss nicht immer Magie dahinterstecken, wenn junge Zauberer überlastet sind."

Snape war nicht der gleichen Ansicht. Er äußerte sich zwar nicht, dennoch konnte man ihm seinen Missmut deutlich ansehen. Abgesehen davon hatte er Harry anschließend zur Rede gestellt, doch der Gryffindor beteuerte bloß seine Unschuld. Er erzählte dem Lehrer, was geschehen war, eben dass Malfoy lediglich vor seinen Augen ohnmächtig wurde. Auch wenn Snape es bei der Antwort beließ, wusste Harry, dass er nicht zufrieden damit war. Allerdings hatte er nicht das Bedürfnis sich weiterhin rechtfertigen zu müssen. Sobald der Slytherin wieder aufwachen würde, würde er die Dinge klarstellen.

Trotz jenen Vorfalls hatte Snape noch am selben Abend darauf bestanden Harrys Unterricht in Okklumentik zu beginnen. Der Lehrer meinte, dies hätte unter jeglichen Umständen Priorität, um das Wesen in ihm ehest bald unter Kontrolle zu bringen. So mühselig der Unterricht auch war, er zeigte binnen einer Woche bereits seine Wirkung. Der Junge fühlte sich viel klarer im Kopf. Seine Kopfschmerzen wurden geringer und das Flüstern immer leiser und Beides verschwand letzten Endes komplett.

Doch der Preis hierfür war hoch, denn Snape war nicht gerade glimpflich. Im Gegensatz zum letzten Jahr gestaltete sich der jetzige Unterricht weitaus intensiver. Jeden Abend unter der Woche, neben Schule und Hausaufgaben zu trainieren, zerrte unsagbar an seinen Kräften. Zu allem Überfluss hatte Snape seither nichts mehr über dieses Wesen erzählt. Immer wieder betonte er, dass die Stärkung seines Geistes ausschlaggebend war, bevor er mehr erfahren würde. Folglich zog sich der allabendliche Intensivunterricht mit dem Älteren zwei Wochen lang hin, bis Dumbledore, der zurück in Hogwarts war, ihn zu sich rufen ließ.

"Herein." Hörte er die gedämpfte Stimme hinter der Tür, noch bevor seine Handknöchel diese berührten. Der Junge trat in den Raum und kam nicht umhin zu lächeln, als er Dumbledors Blick, der hinter seinem Schreibtisch saß, begegnete. "Harry." Grüßte der Ältere erfreut und deutete auf den freien Stuhl vor sich. "Setz dich. Es gibt einiges zu besprechen."

Der Gryffindor tat, wie ihm geheißen wurde, nur um sogleich das Wort zu ergreifen. "Professor, ich-" Schon viel zu lange, lag ihm sein Anliegen schwer im Magen. "Mein Verhalten letztes Mal... Ich- es tut mir leid. Ich hätte es nicht an Ihnen auslassen dürfen."

"Schon gut, Harry." Beschwichtigte ihn der alte Mann sogleich. "Du musst dich nicht entschuldigen. Schließlich war deine Reaktion nur natürlich." Auf Harrys dankbares Lächeln hin, zögerte Dumbledore nicht lange fortzufahren. "Während meiner Abwesenheit hat sich wohl einiges getan." Setzte er an. "Ich hörte, dass du Fortschritte in Okklumentik gemacht hast. Das ist gut." Nickte er anerkennend, was Harry abermals mit einem Grinsen erwiderte. Dumbledores Ausdruck wies anschließend eine Spur von Besorgnis auf. "Ich habe heute auch bereits mit Draco gesprochen. Über den letzten Vorfall. Allerdings scheint er, genauso wie zuvor, keine Erinnerung an das Geschehene zu haben."

"Ja, das habe ich gehört." Bestätigte Harry. "Aber ich habe nichts damit zu tun, Professor. Malfoy war alleine in Snapes Büro und ist dann einfach-" Dumbledore hob beschwichtigend die Hand. "Ich kenne die Umstände bereits, aber dennoch dürfen wir nicht ausschließen, dass es in Zusammenhang mit dir steht, Harry. Solange sich Draco an nichts erinnern kann, haben wir in beiden Fällen auch noch keine Gewissheit. Ich hoffe, du hast Verständnis dafür."

"Ja, Sir." Presste der Schwarzhaarige hervor, möglichst darauf bedacht seinen Unmut zu verbergen.

"Kommen wir zum Wesentlichen." Faltete Dumbledore sachlich die Hände. "Ich schulde dir schließlich noch einige Antworten. Jetzt, wo du dir im Klaren über das Wesen und um einiges gefasster bist, ist es an der Zeit mehr über dich und dieses Wesen zu erfahren." Erst auf Harrys zustimmendes Nicken, fügte Dumbledore hinzu, "Weißt du denn schon, was dieses Wesen genau ist?"

"Professor Snape meinte nur, es ist ein- ein Urelementarwesen? Aber ich weiß nicht, was das genau ist."

"Es sind die ersten Geschöpfe, die diese Welt bevölkerten." Erklärte der Direktor ohne Umschweife. "Von ihnen stammen die heutigen magischen und nicht magischen Wesen ab. In der alten Zeit bezogen sie ihre Kraft aus den herrschenden Elementen. Daher auch ihr Name. Du musst wissen, früher war die Welt noch ganz anders aufgebaut. Jedes dieser Urwesen trug dazu bei, das Gleichgewicht zwischen allem, was existierte, aufrecht zu erhalten und das konnten sie nur, indem sie die Kräfte der Elemente nutzten." Der alte Mann pausierte kurz. "Beantwortet das deine Frage?"

Harry nickte zwar, hatte die Stirn dennoch gerunzelt. "Gibt es noch mehr dieser Wesen?"

Dumbledore hob interessiert die Brauen. "Wenn man es genau betrachtet, sind die gegenwärtigen Geschöpfe nichts anderes, als ferne Verwandte dieser Urwesen. Allerdings entspringt das Wesen, das du in dir trägst, einer anderen, sehr alten und mächtigen Natur. Es ist nicht bekannt, ob noch weitere, ähnliche Geschöpfe existieren. Es ist aber auch nicht auszuschließen."

"Aber wie konnte dieses Wesen überhaupt so lange überleben?" Wollte der Gryffindor wissen, woraufhin der Ältere einen nachdenklichen Blick aufsetzte. "Das ist schwer zu beantworten. Selbst mein Wissen ist bloß eine Mischung aus Vermutungen und alten Schriften." Gab er zu, sprach dennoch weiter. "Ich glaube, die Entstehung der ersten Menschen war gegen die damalige Natur. Im Gegensatz zu den Urwesen fühlten sie sich nämlich nicht für den Erhalt des Gleichgewicht verantwortlich. Ein Kampf zwischen diesen Geschöpfen war wohl unausweichlich und hatte bestimmt die Auslöschung vieler Wesen zur Folge. Ohne den Urwesen konnte das Gleichgewicht nicht mehr gehalten werden und die Welt war gezwungen sich diesen Veränderungen anzupassen. Nachdem sich die Erde erholt hatte, gab es keinen Platz mehr für die Urwesen. Sie hatten keine Aufgabe und folglich auch keine Quelle, aus der sie ihre Kräfte beziehen konnten und gingen früher oder später daran zugrunde. Die einzige Möglichkeit zu überleben, wäre die Einverleibung einer fremden Kraft. Sich jedoch an einem reinen Wesen zu vergreifen, sind Untaten, die dunkle Spuren in der Seele hinterlassen." Dumbledores trüber Blick erfasste den fokussierten Harrys. "Ich vermute, dass dein Wesen sein Überleben auf jene Weise gesichert und sich lange in den Schatten verborgen hat, bis es mächtig genug war, eigenständig zu überleben. Mächtig genug, um seinen rachsüchtigen Geist auf die Menschheit loszulassen. Und das tat es dann auch. Vor genau 16 Jahren in Godrics Hollow."

"Mein Geburtsort?"

"Ja Harry." Bestätigte Dumbledore. „Das Wesen tauchte aus dem Nichts auf und griff erbarmungslos an. Die Menschen mussten um ihr Überleben kämpfen und schnell handeln, denn schon bald wurde klar, dass dieses Wesen nicht auf gewöhnliche Weise vernichtet werden konnte. Weder Fluch, noch Zauber zeigten Wirkung. Die einzige Möglichkeit dem Urwesen Einhalt zu gebieten, war eine Versiegelung, doch selbst diese Aufgabe erwies sich nicht als einfach. Das Wesen ließ sich nicht an leblose Dinge binden, sondern benötigte ein-"

"Warten Sie-" Unterbrach Harry konfus. "Das heißt, es wurde mit Absicht an mich gebunden?" Auf das Nicken Dumbledores zog der Gryffindor ungläubig die Brauen hoch. "Gab es denn niemand anderen? Ich meine- Warum denn ich? Warum kein Erwachsener, der stark genug wäre? Er hätte das Wesen doch viel besser kontrollieren können, oder?"

"Erwachsen zu sein zeugt nicht von Stärke, Harry." Erwiderte der Direktor. "Und Stärke war hierbei auch nicht gefragt. Weder zur Bindung, noch zur Kontrolle des fremden Geistes. Ausschlaggebend war die Vereinigung mit einer reinen Seele, die erfahrene Menschen jedoch nicht besitzen. Dafür erleben wir viel zu früh Dinge, die uns prägen, die Narben und dunkle Spuren in unserer Seele hinterlassen. Das Wesen würde solch einen Geist genauso abstoßen, wie einen leblosen Gegenstand. Du als Baby, Harry, hast jedoch diese Reinheit verkörpert. Durch eure Verschmelzung wurde euer Bewusstsein und euer Geist eins. Nur diesem Umstand ist es zu verdanken, dass das Wesen in dir für so lange Zeit zur Ruhe gestellt werden konnte. Allerdings wird jeder Mensch früher oder später mit den Schattenseiten des Lebens konfrontiert. Auch du hast deine Unschuld, mit dem, was du erlebt hast, verloren und folglich das zweite Bewusstsein in dir geweckt. Deswegen hast du auch in diesem Jahr die Veränderungen an dir wahrgenommen. Du spürst und hörst nun das Wesen, das mit aller Macht versucht Geist und Körper einzunehmen. Doch solange du stark genug bist, deinen Geist vor dem Wesen zu verschließen und gegen seinen Einfluss ankämpfst, wird ihm sein Vorhaben nicht gelingen. Deine Eltern wussten das, Harry. Sie waren überzeugt, dass du stark genug sein wirst, diese Aufgabe zu bewältigen."

Dumbeldore hielt inne und schwieg für unzählige Sekunden. Sekunden, in denen Harry versuchte die neu gewonnene Information aufzunehmen und zu verarbeiten. In seinem Kopf herrschte das reinste Chaos. Zahllose Fragen schwirrten vor seinem geistigen Auge umher, doch nur eine davon hinterließ einen bitteren Beigeschmack. "Abstoßen?" Wiederholte er mit rauer Stimme. "Was heißt das? Hätte ich... sterben können?"

Der Direktor ließ sich Zeit mit der Antwort und seufzte müde. "Es war nicht auszuschließen."

Harry erstarrte.

Er brauchte ewig, bis die Worte und deren Bedeutung sein Hirn erreichten und als es soweit war, konnte er nur ungläubig den Kopf schütteln. "...Das glaube ich nicht …" Nuschelte er atemlos. "...Meine Eltern würden nie... Warum sollten sie-?" Der Junge hielt inne und spannte den Kiefer an. "Das kann nicht sein." Sträubte er sich eben Gesagtes zu glauben. "Sagen Sie, dass das nicht wahr ist." Seine Worte kamen eher einer Bitte gleich, der jedoch niemand nachkam. Harry versuchte das aufkeimende Gefühl zu unterdrücken, doch nach weiteren Sekunden des Schweigens, verlor er seine Fassung.

"SAGEN SIE ES!"

Mit beschleunigtem Atem und zittrigem Leib starrte er auf den stillschweigenden Professor. In dem Moment, als Harry dessen gequälten Ausdruck notierte, verließ ihn sämtliche Kraft. Sein Oberkörper erschlaffte, als er den Kopf fast schon ergeben hängen ließ. Er presste Lippen und Zähne zusammen, um der aufkeimenden Verzweiflung standzuhalten, spürte nebenbei den Druck hinter den Lidern. "...Das ist nicht fair..." Presste er mit brüchiger Stimme hervor. "... Das ist nicht- Knch..." Ein erbärmliches Schluchzen ergriff Besitz von ihm, hinderte ihn daran seine trüben Gedanken zu äußern. Sein Hintergrund rauschte, als sich die ersten Tränen ihren Weg hervorbahnten und er leise schluchzte. Nur gedämpft vernahm er die Stimme, die jedoch nicht zu ihm hindurchdrang. Harry schüttelte den Kopf, denn er wollte nichts davon hören, obgleich er nicht einmal wusste, was der Andere überhaupt sagte. Die Dunkelheit war unbarmherzig und nahm ihn Stück für Stück ein. Beinahe wie von selbst stand er urplötzlich auf und ging seinem Drang alleine zu sein nach.

Er wusste nicht, wohin ihn seine Beine trugen, aber das war ihm egal. Vorerst war nur wichtig Dumbledore und seinen Worten zu entkommen. Harry behielt den Blick gesenkt, spürte die unaufhaltbaren Tränen und hörte sein eigenes, klägliches Wimmern. Er versuchte es aufzuhalten, spannte den Kiefer fest an und ballte die Hände zu Fäusten, doch das alles war vergebens. Immer wieder musste er sich die Worte vor Augen führen. Musste sich unweigerlich der Wahrheit stellen, nur um sich selbst immer wieder mit den gleichen Fragen zu quälen. Fragen über das warum, auf die er keine plausible, keine zufriedenstellende Antwort wusste.

Harry bemerkte die Schüler, die an ihm vorbei gingen kaum. Nur ihrem Getuschel verdankend hatte er ihre Anwesenheit überhaupt registriert. Ihr Gerede über ihn und der Tatsache, dass er weinte, waren unüberhörbar. Es machte ihn wütend. Hatten die schließlich keine eigenen Probleme? War Weinen etwa so selten und interessant, dass man darüber reden musste? Der Gryffindor blieb stehen und sah sich um, nur um blindlings den erstbesten Raum anzusteuern, der ihm ins Auge fiel. Das Klassenzimmer war leer, als er eintrat und die Tür hinter sich schloss. Die Fackeln an den Wänden erleuchteten sich von selbst und spendeten Licht, während Harry vorerst mittig des Zimmers stehen blieb. Es dauerte lediglich nur wenige Sekunden, ehe sich sein Gesicht schmerzhaft verzerrte und die ganze Verzweiflung Überhand nahm. Ein heißerer Schrei, der seine Wut und Trauer zum Ausdruck brachte, entkam seiner trockenen Kehle, ehe er seinem Frust vollends freien Lauf ließ. Er weinte und schniefte und schüttelte den Kopf. Er ging in die Hocke und verbarg sein Gesicht hinter den Händen, spürte nebenbei die Nässe. Der Junge fühlte sich so schwach und verletzlich, dass er das Gefühl hatte, sich nie wieder davon erholen zu können.

Harry erschrak innerlich, als er ein knarrendes Geräusch wahrnahm. Reflexartig sah er zur Tür, nur um zu erkennen, dass sich diese öffnete und ein Schüler mit dunklem Teint hereintrat. Der Gryffindor richtete sich auf. "B-Blaise?" Erkannte er mit weinerlicher Stimme, doch im nächsten Moment gewann sein Ausdruck an Härte. Er wandte den Blick ab und wischte sich energisch die Tränen aus dem Gesicht. "Was willst du hier?"

Der Slytherin schloss die Tür hinter sich und blieb schließlich unsicher am selben Fleck stehen. Er knetete nervös seine Finger. "Ich ... habe dich gesehen und ... und bin dir gefolgt." Er zuckte leicht mit der Schulter. "Du siehst- naja, fertig aus."

Dem Gryffindor entkam ein verächtliches Geräusch. "Ja, ich weine. Gut erkannt." Keifte er mit rauer Stimme. "Wenn du hier bist, um dich darüber lustig zu machen, dann nur zu. Es ist mir egal."

Die Augen des Anderen wurden groß. "Nein, du verstehst das falsch." Hob Zabini beschwichtigend die Hände und kam zu Harrys Verwunderung auf ihn zu. "Ich will mich nicht über dich lustig machen. Ich wollte nur nach dir sehen, das ist alles." Harrys Skepsis war ihm wohl deutlich ins Gesicht geschrieben, denn Blaise kratzte sich nun verlegen am Hinterkopf. "Ja, ich weiß, wie das klingt, aber eigentlich ... mag ich dich, okay?"

Harry schüttelte verwirrt den Kopf. "Du magst mich?" Wiederholte er ungläubig. "Wow, das- das hast du ziemlich schlecht gezeigt."

"Glaub mir, Harry, das lag nur daran, weil ich Draco hinterher gelaufen bin, aber ich war halt auch immer nur dabei. Ich habe nie etwas gegen Gryffindors gesagt." Erklärte Zabini und Harry kam nicht umhin, sich in Erinnerung zu rufen, dass der Slytherin tatsächlich nie den Mund aufgemacht hatte. "Ja okay, anfänglich dachte ich wirklich, dass ich Gryffindors hassen müsste." Setzte Blaise fort. "Aber jetzt weiß ich, wie dumm das ist. Ich kann mögen was und wen ich will. Aber... anscheinend bin ich der einzige Slytherin, der so denkt."

"Wie meinst du das?" Wollte Harry wissen, woraufhin Blaise kurz die Lippen zusammen presste. "Draco ist ausgeflippt, als ich ihm gesagt habe, dass ich nichts gegen dich oder Gryffindors habe. Naja, das hat sich dann so weit herum gesprochen, dass mich die anderen Slytherins jetzt auch meiden. Ich bin jetzt ein Blutsverräter." Imitierte er albern.

Harry wandte den Blick wieder ab. Wenn er ehrlich war, hatte er Blaise in letzter Zeit wirklich immer alleine herum laufen gesehen, daran jedoch keinen Gedanken verschwendet. Der Gryffindor ließ sich schließlich auf einem der Sessel nieder. "Das muss schwer für dich sein, Blaise." Zeigte er sich verständnisvoll, doch Zabini winkte bloß mit der Hand ab. "Ach, nicht so schlimm. Mir egal, was die von mir halten."

Anerkennend hob Harry die Brauen. "Starke Einstellung. Davon könnte ich auch was vertragen."

Zabinis Blick wirkte besorgt. "Wieso?" Doch der Gryffindor schüttelte bloß den Kopf. "Vergiss es. Nicht so wichtig."

"Ich weiß, es geht mich nichts an-" Setzte der Slytherin an, ließ sich nebenbei ebenfalls auf einem Sessel, gegenüber von Harry nieder. "-aber hat das vielleicht mit der Sache, die Draco mir erzählt hat, zu tun?"

Harry runzelte die Stirn. "Welche Sache?"

"Von dem Angriff." Kam der Slytherin auf den Punkt. "Draco meinte, du hättest ihn gewürgt und hochgehoben. Mit nur einer Hand." Zog er die Aussage ins Lächerliche, doch Harry war nicht zum Lachen zumute. Diese Ratte konnte sich also doch daran erinnern? "Naja, am Anfang meinte er das zumindest." Sprach Blaise weiter. "Heute ist er der Meinung, dass du ihn irgendwie verzaubert hättest. Aber beides ist doch Blödsinn. Oder?"

Unsicher, was er darauf erwidern sollte, schwieg Harry kurz, ehe er mit der Schulter zuckte. "Ich weiß nicht, was passiert ist." Gab er zu. "Ich kann mich nicht daran erinnern und ich dachte Malfoy ging es auch so."

"Er konnte sich auch erst nach einem Tag oder so erinnern." Erklärte Blaise und neigte sodann fragend den Kopf zur Seite. "Aber wieso kann er sich erinnern und du nicht? Heißt das, du hast ihn doch angegriffen?" Er hob beschwichtigend die Hände. "Nicht, dass das ein Vorwurf ist."

"Ich.. weiß es wirklich nicht." Beteuerte Harry nachdenklich, konnte nicht einmal sagen, warum er überhaupt mit dem Slytherin darüber sprach. "Was auch immer mit Malfoy passiert ist, ich- ich war nicht ich Selbst. Irgendetwas stimmt einfach nicht mit mir, deswegen- " Er hielt kurz inne und befeuchtete seine Lippen. "Wenn ich Malfoy wirklich angegriffen habe, würde das bedeuten, dass ich meine Kontrolle verlieren kann und ... das wäre verdammt schlecht... aber ich- ich will das nicht..." Er konnte Zabini schwer ausatmen hören. "Wow." Blies er die Luft aus den Lungen. "Das klingt-" , "Lächerlich, ich weiß." Unterbrach Harry, doch der Slytherin schüttelte nur den Kopf. "Nein, ich wollte schrecklich sagen. Dagegen sind meine Probleme gar nichts."

"Du glaubst mir?" Fragte der Gryffindor skeptisch und Blaise machte eine Geste, als wäre das selbstverständlich. "Ja, ich meine- warum solltest du dir so etwas ausdenken? Außerdem passt es zu dem, was Draco gesagt hat. Das klang einfach nicht nach dir." Unerwartet stand er auf und verschränkte die Arme ineinander. "Weißt du schon, was es ist?" Wollte er wissen. "Eine Art Fluch?"

Harry stockte, nicht fähig auf diese lockere Haltung sofort zu reagieren. "N-Nein- eh, ich meine ja." Besserte er sich aus. "Ja, es ist ... ein sehr alter und mächtiger Fluch."

Zabini machte ein summendes Geräusch, als er sich am Kinn kratzte. "Weiß Dumbledore davon?"

Der Gryffindor nickte. "Er tut, was er kann." Und nun war es Blaise, der nickte. "Dann musst du nur heraus bekommen, was wirklich mit Draco passiert ist."

"Klar." Lachte Harry verächtlich. "Weil Malfoy ja so gerne mit mir redet."

"Keine Sorge, ich helfe dir dabei." Versprach Zabini mit dem Daumen nach oben und wieder musste Harry den Kopf schütteln. "W-wieso?" Fragte er unmissverständlich. "Wieso hilfst du mir?"

Der Slytherin zuckte erst mit der Schulter, ehe er fast schon betreten zu Boden sah. "Ich weiß nicht." Gab er kleinlaut zu. "Du bist der erste, der dieses Jahr überhaupt mit mir redet. Die Slytherins wollen nichts mehr mit mir zu tun haben und die anderen Häuser halten ohnehin nicht viel von mir." Ein scheues Lachen zierte seine Lippen. "Außerdem sagte ich ja schon, dass ich dich mag, oder?"

Harry starrte erst ausdruckslos dem Anderen entgegen, ehe er das Lächeln erwiderte. "Ja, das sagtest du schon. Und ich-" Kratzte nun er sich verlegen am Hinterkopf. "-mag dich auch irgendwie." Auf jene Worte wurden die Augen des Slytherins groß und sein Mund stand ihm offen, doch im nächsten Moment fasste er sich theatralisch an die Brust. "Ich. bin. geehrt." Pustete er die Luft auf alberne Weise wieder aus und Harry musste lachen, obgleich er noch vor wenigen Minuten so unsagbar traurig war. Das zeigte nur, wie gut ihm das Reden getan hatte und wie sehr er es wohl nötig gehabt hatte. Er kam jedoch nicht umhin, dass ihn ein wenig das schlechte Gewissen plagte, schließlich hatte er noch nicht einmal Ron und Hermine von seiner Lage erzählt.

"So nett es auch gerade ist, muss ich trotzdem leider los." Riss Zabini ihn aus den kurzzeitigen Gedanken. "Habe noch einen Aufsatz für Verwandlung vor mir. " Und verdrehte die Augen. Harry stand nun ebenfalls auf. "Ja, ich sollte auch gehen." Doch noch bevor er den ersten Schritt machte, erstarrte er unwillkürlich, nur um sich sogleich argwöhnisch umzusehen. Für einen kurzen Moment kam es ihm vor, als würde irgendetwas an seiner Umgebung nicht stimmen. Als wäre sie ihm einerseits vertraut und doch verdammt fremd zugleich. Der Eindruck verging jedoch so schnell, wie er gekommen war, sodass er keine Möglichkeit hatte ihn richtig zu deuten.

"Was ist los?"

Angesprochener sah zur Tür, bei welcher Blaise abwartend stand. Harry schüttelte nur den Kopf. "Nichts, nur- ich glaube, ich hatte gerade ein Déjà-vu."

Es war genauso wie beim ersten Mal. Draco hatte sich an Nichts erinnern können, als er im Krankenflügel zu sich kam und Snape hatte ihn sogleich mit Fragen genervt, auf die er keine Antworten wusste. Nachdem Snape ihm jedoch erzählte, dass es Potter war, der ihn bewusstlos vorgefunden hatte, hegte er keinen Zweifel, dass das Narbengesicht wieder die Finger im Spiel hatte. Seine Vermutung wurde erst recht bestätigt, als noch in der selben Nacht sämtliche Erinnerungen zurück kehrten. Falsche, mitunter abartige Erinnerungen, die ihm von Potter in den Kopf gesetzt wurden. Was auch immer das für ein Zauber war, er war verdammt mächtig. Alles hatte so real gewirkt. Jedes Gefühl und sämtlicher Schmerz. Gerade deswegen musste er sich immer wieder vergewissern, dass das Erlebte nicht echt war. Musste seinen Körper nach etwaigen Verletzungen und seinen Zauberstab nach Beschädigungen abtasten. Schon alleine, dass ihm Potter diese Flausen in den Kopf gesetzt und es geschafft hatte, ihn zu verunsichern, genügte um seinen Hass auf den Jungen auf ein neues Level zu steigern. Schnell hatte Malfoy den Entschluss gefasst, dass der Gryffindor für jede einzelne Sekunde dieser Demütigung büßen würde.

Die Frage war nur wie.

Für einen Moment hatte er mit dem Gedanken gespielt seinem Vater davon zu berichten, allerdings war er unsicher, ob mit dieser Information überhaupt etwas anzufangen wäre. Wie hätte er ihm das Geschehene auch schildern sollen? Potter verwendete irgendeinen unbekannten Zauber, um ihn in die Irre zu leiten und zu demütigen? Nein, das konnte er nicht sagen. Nicht so lange er nicht mehr darüber wusste. Und Severus davon zu erzählen, erschien ihm auch nicht als richtig. Entweder verschwieg sein Pate nur unwichtige Tatsachen oder behielt diese aus eigennützigen Gründen für sich. So oder so, Draco war auf sich alleine gestellt. Er wollte und musste erst einmal herausbekommen, wie das Narbengesicht es geschafft hatte, ihn auszutricksen. Und bei seinem Glück würde sich diese Information als hilfreich herausstellen, sodass er selbst davon profitieren könnte und Bestenfalls auch der dunkle Lord.

Der junge Malfoy schreckte aus seinen Gedanken und brauchte kurz, um sich in Erinnerung zu rufen, dass er in der großen Halle zum Abendessen saß. Er sah sich um und beobachtete die Slytherins dabei, wie diese ihr Essen herunterwürgten, während sie sich lauthals unterhielten. Als er an Crabbe und Goyle verweilte, nahm ihm dieser Anblick auch noch den letzten Rest an Appetit. Fast schon angewidert schob er den vollen Teller von sich und stand schließlich auf, wurde jedoch unerwartet an der Hand zurückgehalten. Verwirrt sah er zu Pansy, die ihn mit großen Augen fixierte. "Wo willst du denn hin, Draco?"

Der Blonde rümpfte die Nase und riss sich von ihr los. "Fass mich nicht an." Zischte er verärgert. "Du weißt, ich hasse das." Ohne Gelegenheit einer Antwort, ließ er sie mitsamt den Anderen am Tisch zurück. Keiner versuchte ihn mehr abzuhalten oder zurückzurufen. Sie wussten es besser, wenn Draco mies gelaunt war.

Das Stimmengewirr wurde zunehmend gedämpfter, je mehr er sich von der großen Halle entfernte. Bis auf wenige Schüler, die seinen Weg kreuzten, war er für sich und konnte so weiterhin in Ruhe seinen Gedanken nachgehen, ohne das dämliche Gequassel und Geschmatze in den Ohren. Allerdings wurde seine Aufmerksamkeit auf drei Ravenclaw Mädchen, die ihm entgegen kamen, gelenkt. Ihr dämliches Getuschel beim Vorbeigehen war unüberhörbar.

"... dass er geweint hat?"

"Trotzdem sah Harry immer noch heiß aus."

"Ich fand es eher süß."

Malfoy blieb stehen und sah den Dreien hinterher. Er kam nicht umhin angewidert das Gesicht zu verziehen. Das Narbengesicht? Heiß? Am liebsten hätte er das eben Gehörte wieder aus seinem Gedächtnis verbannt, doch der Umstand, dass Potter weinte, gefiel ihm einfach viel zu sehr. Als er Anstalten machte, weiterzugehen, konnte er zu seiner erfreulichen Überraschung eben jenen, heulenden Gryffindor vor sich am Ende des Ganges erkennen. Der Schwarzhaarige verschwand gerade hinter der Türe eines Klassenzimmers. Vermutlich um sich zu verstecken und weiterhin die Augen auszuheulen. Draco würde sich diese einmalige Gelegenheit sicher nicht entgehen lassen. Das war seine Chance auf Rache. Teil eins von unbekannt. Doch der Blonde musste jäh stehen bleiben, als ihm Jemand zuvor kam und in den besagten Raum, wo sich das heulende Narbengesicht verbarg, hineinspähte.

"...Blaise?" Hauchte Malfoy atemlos und beobachtete seinen ehemaligen Freund, wie dieser nun ebenfalls hinter der Türe verschwand. Der Slytherin brauchte einen Moment, um seine Fassung zurückzugewinnen, ehe er mit gerümpfter Nase nun noch energischer, als zuvor den Raum ansteuerte. Seine Wut auf Zabini wuchs immens, denn es war klar, dass er Potter sicher nicht aus schadenfreudigen Gründen Gesellschaft leisten wollte. Nach allem, was er ihm erst kürzlich über Gryffindors und dem Narbengesicht gestanden hatte, konnte er sich gut vorstellen, dass sich die Beiden sogar verbündeten. Alleine der Gedanke daran entfachte weitere Wellen der Wut in ihm.

Der Blonde kam schließlich vor dem besagten Raum zum Stillstand, nur um zu erkennen, dass dessen Tür einen großzügigen spaltbreit offen war. So offen, dass Malfoy deutlich die Dunkelheit im Raum erkennen konnte. Er runzelte die Brauen und öffnete gänzlich die Tür, nur um tatsächlich einem menschenleeren Raum gegenüberzustehen. "Wie ist das möglich?" Nuschelte er nachdenklich, schließlich hatte er die Beiden doch mit eigenen Augen gesehen. Ob das wieder so ein dämlicher Trick war?

Malfoy rollte mit den Augen.

Und er war auch noch darauf hereingefallen. Mit einem verächtlichen Schnauben schlug er die Türe zu, sodass der Knall laut in dem sonst so stillschweigenden Gang widerhallte. Mit wutverzerrtem Gesicht wandte er sich ab und setzte trotzig die Richtung zu den Kerkern an. Nach allem, was ihm in letzter Zeit widerfahren war, wurde es ihm nicht einmal vergönnt, sich an Potters Leid zu ergötzen, geschweige in Erfahrung zu bringen was Zabini, der Blutsverräter mit ihm-

Dracos Gedankengang stoppte und mithin seine Bewegungen, als hinter ihm ein lautes Knarren zu hören war. Er drehte sich um und sein argwöhnischer Blick erfasste sofort die offenstehende Tür. Eben jene Tür, die er gerade noch voller Wucht zugeschlagen hatte. Der Blonde wartete einige atemlose Sekunden, in denen jedoch rein gar nichts passierte. Schließlich bewegte er sich langsamen Schrittes auf den Raum zu, sah sich indessen unsicher in den leeren Gängen um und notierte nur am Rande die ungewöhnliche Ruhe. Er blieb vor dem Klassenzimmer stehen und blickte abermals dieser Dunkelheit entgegen. Malfoy runzelte die Stirn, denn offensichtlich spielte Potter ihm wirklich einen dummen Streich. Das Versteckspiel zuvor hatte wohl noch nicht gereicht, was? Allein der Gedanke daran entfachte neuerdings die Wut in ihm. Er rümpfte die Nase und trat entschlossen in den Raum hinein. Noch während er sich links und rechts umsah, entflammten sich die Fackeln an den Wänden, spendeten Licht in jede dunkle Ecke, nur um ein weiteres Mal die Menschenleere zu verdeutlichen.

WHUMPS

Draco erschrak und wandte sich ruckartig der Türe zu, die hinter ihm ins Schloss geknallt war. Sein Herz musste sich noch von dem Schock erholen, als er wieder auf die Tür zuging, um sie zu öffnen. "... Was zum-?" Doch diese war nun versperrt.

"Du willst schon gehen?"

Er schreckte merkbar zusammen und wandte sich fast zeitgleich der Stimme hinter ihm zu. Sein entsetzter Ausdruck verhärtete sich jedoch binnen weniger Sekunden, als er die plötzliche Person im Raum erfasste. Er bäumte sich ein wenig auf. "Potter." Notierte er abwertend den Gryffindor, der lässig und mit verschränkten Armen an einem der Tische lehnte. Draco erfasste auch das funkelnde Blau in Potters Augen und musste unwillkürlich schlucken. Obwohl seine Begegnungen mit dieser Erscheinung nichts weiter, als trug waren, hatte er Mühe seine Fassung zu wahren. "Was für ein Spiel treibst du hier eigentlich?" Zischte er abfällig. "Wie machst du das? Ist das ein Zauber? Eine Illusion?"

Die Braue des Dunkelhaarigen schwang nach oben. "Verstehe ich das richtig?" Neigte er den Kopf zur Seite. "Du denkst immer noch, dass das hier nicht echt ist?"

Draco rümpfte die Nase. "Das hier? Echt?" Wiederholte er verächtlich. "Dass ich nicht lache."

Harry fuhr langsam mit der Zunge über seine Lippen, ehe er diese in ein breites Grinsen formte. "Ich dachte wirklich, ich hätte mehr Eindruck hinterlassen."

"Da muss dir schon was Besseres einfallen, Potter." Keifte Malfoy ihm sogleich entgegen, woraufhin der Gryffindor herausfordernd die Brauen hochzog. "Und das wäre?"

"W-was...?" Der Blonde schüttelte unmissverständlich den Kopf. "Was ist das für eine dämliche Frage? Einfach etwas Besseres, als das hier. Ich weiß zwar nicht, wie du das machst, aber das heißt nicht, dass ich dumm genug bin, darauf reinzufallen."

"Im Gegenteil." Widersprach Potter gelangweilt. "Du bist töricht, gerade weil du es abstreitest. Doch das ist bloß eine natürliche Reaktion, die mit der Angst einhergeht."

Malfoys Augen wurde erst groß, ehe ihm ein Geräusch entkam, das eine Mischung aus Schnauben und Lachen war. „Angst, Potter? Vor dir? Mach dich nicht lächerlich." Er zog eine abfällige Miene. "Du hältst dich wohl wirklich für etwas ganz Besonderes, huh? Aber das bist du nicht, auch wenn man dich noch so sehr als Helden feiert. Früher oder später werden alle erkennen, was du wirklich bist. Ein verdammter Heuchler und eine Schande für die Zaubererwelt. Selbst Mami und Papi würden sich im Grab umdrehen, wenn sie wüssten, dass du-", "Es reicht."

Der Blonde erschrak, als diese zwei Worte unnatürlich laut in seinen Ohren echoten und ihn verstummen ließen. Mit gerunzelten Brauen sah er schließlich zu seinem Gegenüber, dessen Blick sich plötzlich so dermaßen verfinstert hatte, dass es ihm kalt den Rücken hinunter lief. Malfoy konnte dem Gryffindor die Anspannung richtig ansehen. "Ihr Menschen mit eurem falschen Stolz." Knurrte Potter mit rauer Stimme. "Und den leeren, bedeutungslosen Worten, die euer erbärmliches Dasein verbergen sollen. Wen versuchst du mit deinem dreisten Gehabe zu überzeugen?"

Draco notierte, dass Harry sich aufrichtete und auf ihn zuging. Für jeden seiner langsamen Schritte, machte Malfoy automatisch einen zurück, nur um sich dann der Tür im Rücken bewusst zu werden. "Du kannst noch so viel reden-" Sprach der Gryffindor weiter. "-und dich noch so sehr hinter deiner Fassade verstecken. Mir machst du nichts vor." Blieb er vor dem erstarrten Slytherin stehen. "Ich weiß, was in dir vorgeht. Weiß was dich antreibt. Ich sehe dich."

"Hngh-!" Draco zuckte vor Schreck zusammen, als Potters Hände an jeder Seite seines Kopfes lauthals aufschlugen und die Tür zum Erbeben brachten. Er wagte es nicht sich zu rühren, geschweige aufzusehen. Deutlich spürte er den Blick des Anderen auf sich. Konnte seinen Duft wahrnehmen, seinen Atem auf der Haut spüren.

"Ich sehe all das, was du tief verborgen hältst und weiß genau, was nötig ist, um es hervorzuholen und dir zeitgleich diesen schändlichen Hochmut auszutreiben."

So schnell konnte der Blonde gar nicht reagieren, da wurde sein Gesicht grob gepackt und angehoben, sodass er Potters kaltblütigen Blick unweigerlich erwidern musste. "Ich werde dich brechen-" Hauchte ihm die raue Stimme entgegen. "-und dich die wahre Bedeutung von Angst lehren. Ich werde dir zeigen, wie echt das alles sein kann."

Malfoy realisierte nicht einmal, dass auch die zweite Hand neben seinem Kopf verschwand, als er im nächsten Moment auch schon vor Schmerzen in der Magenregion zusammenzuckte. Der Blonde musste sich unweigerlich krümmen, doch Harrys Griff um seinen Kiefer ließ ihm kaum Bewegungsfreiheit. Folglich konnte er dem Anderen nur mit großen Augen und offenem Mund entgegen starren. Der Schmerz wurde mit jeder Sekunde zunehmend größer, stechender, unerträglicher. Seine Hände tasteten reflexartig nach der Stelle seiner Pein, nur um sein Blut vor blankem Horror gefrieren zu lassen. Deutlich spürte er die fremde Hand, die buchstäblich in seinem Inneren verweilte. Dracos Erkenntnis entlockte dem Gryffindor ein sadistischen Grinsen. Unerwartet und mit einem Ruck zog er seine Hand wieder aus dem Leib des Jungen. "Hkch-!" Keuchte Draco vor Schmerzen auf, als ihm zusätzlich die Unmenge an warmer Flüssigkeit an den Händen bewusst wurde. Der Dunkelhaarige ließ von seinem Gesicht ab und trat beiseite, wodurch Malfoy seinen einzigen Halt verlor. "Ngh!" Stöhnte der Blonde schmerzerfüllt und fiel unwillkürlich auf die Knie. Mit zittrigen Bewegungen sah er an sich hinab, nur um es im nächsten Moment wieder zu bereuen. Ihm wurde übel und schwarz vor Augen, als er das handgroße Loch in seinem Leib erfasste. Das Blut floss aus der fleischigen Wunde seinen Unterleib hinab und bildete bereits jetzt schon eine Lacke am Boden. Dracos Atem beschleunigte sich ins Unermessliche, als er röchelnd und mit zittrigen Händen das Loch zudrückte. Er winselte und ächzte unaufhörlich vor Schmerzen, die ihn um den Verstand brachten, ihn nicht mehr klar denken ließen. Die Panik nahm ihn zunehmend ein und sie war es, die ihm erst verdeutlichte, dass er lebensbedrohlich verletzt wurde.

Die Bewegung im Augenwinkel lenkte Malfoys gequälten Blick zu Potter, der sich zu ihm niedergehockt hatte und ihn ausgiebig musterte. Draco wimmerte nur noch mehr, während sich der Andere an seinem Leid ergötzte. "Spürst du das?" Hörte er die knurrende Stimme, als Harry die Hand nach ihm ausstreckte, ehe dessen Finger sich im nächsten Moment an seinen Händen vorbei und in die Wunde bohrten. "Ngh-Ah!" Verzerrte der Slytherin das Gesicht, krümmte sich nur noch mehr. Der unermessliche Schmerz verharrte selbst dann noch, als sich der Fremdkörper wieder entzog. Keuchend und mit flehendem Ausdruck sah er zu seinem Peiniger auf. "Der betäubende Schmerz, der dir den Atem raubt." Setzte Potter fort, spielte mit dem frischen, dickflüssigen Blut zwischen den Fingern. "Die Angst, die klare Gedanken blockiert. Und die Kraft, die allmählich entschwindet." Die blauen Augen erwiderten seine geröteten. "Das ist echt. Alles, was du gerade spürst, ist echt. Niemand, nicht einmal dein schlimmster Albtraum, könnte diese Todesangst in dir hervorbringen, wie ich in diesem Moment."

Malfoy konnte sich nicht auf die Worte konzentrieren und hatte dennoch das Bedürfnis sich zu äußern. Irgendetwas zu sagen, um seinem Tod zu entrinnen. Stattdessen hechelte und winselte er Unverständliches und gerade das entfesselte solch eine miserable Frustration, dass seiner Kehle unweigerlich ein erbärmlicher Laut entkam. Potters Blick war kalt, fast schon gelangweilt, als er unberührt nach seinem Gesicht griff und ohne Vorwarnung blutüberströmte Finger in den Mund zwängte. Draco musste würgen, als die Finger seinen Rachen erreichten und einen metallischen Geschmack hinterließen. Die zusätzlich dickliche Konsistenz gab ihm auch noch den Rest. "Beurk!" Harry hatte rechtzeitig seine Finger entzogen, als sich Draco vornüber beugte und seinen ätzenden Mageninhalt entleerte. Zwei, drei Mal bäumte er sich noch auf, bis er nur noch Blut spuckte. Er keuchte und japste nach Luft, sah mit tränenden Augen das Gemisch aus Erbrochenem, Blut und Speichel am Boden, das zusätzlich auch an seinem Kinn herab rann. "...Oh G-Gott..." Würgte er, als ihm damit auch noch das letzte bisschen an Standhaftigkeit entsagte. Ein erbärmliches, lauthalses Schluchzen unterbrach sein schweres Atmen. Er verzog das Gesicht, als die Verzweiflung und die Angst so unbarmherzig Überhand nahm. Er keuchte und wimmerte, während die Tränen in Strömen sein blutiges Gesicht herabrannen. "...Whie- Gnh ... Wie-so...?"

"Weil du das hier brauchst."

Auf jene Worte hin überkam Draco eine weitere Welle der Frustration. Immer noch nach vorne gebeugt, verzerrte er das Gesicht nur noch mehr und weinte bitterlich. Es war offensichtlich. Es war unvermeidlich. Er würde sterben. "... i-ich-ich wi-ll ni-ni-cht-!" Sein Wehklagen hinderte ihn am Sprechen. Alles, was ihm noch entkam, war ein unverständliches Gewinsel. Die Finger, die sein Kinn erfassten, zwangen ihn aufzusehen und diesen dunklen Blick zu erwidern. Potter neigte leicht den Kopf zur Seite und musterte ausgiebig sein verheultes Antlitz. "Sag es mir." Forderte er trocken. "Fleh mich an."

Dracos Lippen bebten, doch er zögerte keine Sekunde, um sein Leben zu betteln. "... Bit-te, i-ich wi-will nicht sterb-ben... B-Bit-te, hi-hilf-Knch-" Wurde er von seinem eigenen Schluchzen unterbrochen, merkte gar nicht, dass sich der Griff um sein Kinn verstärkte. Fremde Lippen wurden plötzlich gegen seine gepresst und Draco erstarrte augenblicklich. Erst als die gierige Zunge ihren Weg ins Innere fand, verspannte er sich abermals vor Frustration. Er winselte und schluchzte in den Kuss hinein, wovon sich Potter jedoch nicht im Geringsten irritieren ließ. Im Gegenteil wurde dieser nur noch forscher, stöhnte und knurrte regelrecht, während seine andere Hand den Blonden am Nacken packte und ihn nur noch näher an sich drückte. Seine Bewegungen waren so grob und stürmisch, dass Draco selbst jetzt noch, so kurz vor dem Tod, Schmerzen verspüren konnte. Doch im nächsten Moment zerrte Harry an seinen Haaren und trennte sie folglich voneinander. Aus feuchten, geröteten Augen starrte Malfoy auf die dunkelrot verschmierten Lippen des Gryffindors. Seine Sicht wurde allmählich unscharf und das Weinen verebbte. Dennoch konnte er das Grinsen deutlich erkennen. Die einst so weißen Zähne, nun von frischem Blut durchtränkt. Die Müdigkeit ergriff Besitz von ihm, während sein Körper immer schwerer wurde und ihn die Dunkelheit verschlang.

"..."

"Draco?"

"..."

"Draco!"

"..."

"Hei! Draco!?"

Der Junge schreckte auf und japste nach Luft. Panisch sah er um sich herum, versuchte sich zu orientieren, nur um nach wenigen Sekunden an dem nur allzu bekannten Gesicht vor ihm hängen zu bleiben. Sein aufgewühltes Gemüt beruhigte sich bei dem Anblick und machte der Verwirrung platz. "...Pansy...?"

Eben Genannte zog die Brauen ungläubig nach oben. "Was, Pansy?" Imitierte sie den Malfoy. "Sag das nicht, als wäre ich hier die Blöde. Du stehst hier doch blöd mitten im Gang herum."

Jetzt erst wurde sich Draco seiner Umgebung richtig bewusst. Abermals sah er umher und erkannte, dass er nicht unweit der großen Halle entfernt stand. Das Stimmengewirr von den Schülern drang zunehmend deutlicher zu ihm hindurch. Crabbe und Goyle standen zu seiner Rechten und sahen ihn ausdruckslos an.

"Oh wow- Was...?" Hörte er die Stimme seiner Freundin am Rande, doch Draco war noch zu beschäftigt damit seine Gedanken zu ordnen. Er hatte eben erst die große Halle verlassen und dennoch kam es ihm wie eine Ewigkeit vor. Wohin wollte er gehen? Wie lange stand er schon hier? Hatte er nicht... mit Jemanden geredet?

"Was hast du da? Das sieht schlimm aus."

Unweigerlich wandte der Blonde den Blick wieder auf das Mädchen vor sich. Mit großen Augen starrte Pansy auf seinen Mund und deutete anschließend mit dem Finger darauf. Malfoy verzog zwar genervt das Gesicht, fasste sich dennoch an die Lippe, nur um im nächsten Moment vor Schmerz zusammen zu zucken. Er sah auf seine Finger, musterte das Blut, von dem sich ein Tropfen gelöst hatte und seinen Finger hinab rann. Als hätte er für diesen Moment einen sechsten Sinn erhalten, fiel sein Augenmerk geradeaus zum Ende des Ganges. Besser gesagt, auf die dortige Türe, die sich just in dem Moment öffnete. Dracos ganzer Körper verspannte sich, als er Potter und Zabini erblickte und schlagartig die Wut Besitz von ihm ergriff.

Nein, nicht Wut. Hass.

Hass auf Potter, der wieder irgendetwas mit ihm angestellt hatte.

"Du solltest lieber zu Pomfrey gehen." Warf Pansy besorgt ein. "Schaut aus, als würde dir ein ganzes Stück von der-", "Aus dem Weg." Stieß er das Mädchen grob beiseite und steuerte das Narbengesicht an. Mit jedem Schritt wurde er schneller und zielsicherer. "Potter!" Schrie der Malfoy so laut, dass vermutlich ganz Hogwarts es gehört hatte. "Potter, du Sohn einer räudigen Hündin!" Erst jetzt wandten sich Harry und Blaise dem auf sie zuschreitenden Slytherin zu. Beide sahen ihn unmissverständlich an, doch spätestens, als Draco während dem Gehen nach seinem Zauberstab griff, zögerte Harry nicht lange es ihm gleich zu tun. Draco hatte das Gesicht zu einer Fratze verzerrt, als er mit beschleunigtem Atem und erhobenem Zauberstab vor dem Gryffindor stehen blieb. "Das wirst du bereuen." Spuckte der Blonde wortwörtlich Blut und erkannte im Augenwinkel, dass Blaise sogleich vorsichtig auf ihn zukam. "Draco, was soll das werden?" Hob er beschwichtigend die Hände. "Nimm den Zauberstab runter."

"Halt dich da raus, Blutsverräter!" Zischte Draco, ohne den Blick von Potter abzuwenden. "Ihr zwei steckt doch ohnehin unter einer Decke, oder? Ist es nicht so?!" Warf er ihnen schwer atmend vor, doch Harry ließ sich von seinem Verhalten nicht beirren. Sein Blick war starr auf den Blonden gerichtet, allzeit bereit jeglichen Angriff abzuwehren. "Nimm den Zauberstab runter, Malfoy." Warnte der Gryffindor ruhig, woraufhin Draco verächtlich die Brauen hochzog. "Ach, damit du mich wieder verfluchen kannst, sobald ich dir den Rücken kehre? Vergiss es! Ich beende das. Ein für alle Mal!"

"Hör mir zu, Draco." Mischte sich nun wieder Zabini ein. "Harry hat nichts getan. Er war die ganze Zeit bei mir." Versuchte er den aufgebrachten Jungen zu beruhigen. "Wie hätte er das anstellen sollen?"

Malfoy stockte. "Ich ... ich weiß nicht." Ehe er die Zweifel einfach von sich schüttelte. "Das weiß ich eben nicht." Wiederholte er gefasster. "Aber das spielt keine Rolle. Sobald ich mit dir fertig bin, wirst du nicht einmal mehr fähig sein überhaupt nach deinem Zauberstab zu greifen!" Draco erschrak innerlich, als Bewegung neben ihm aufkeimte. Doch zwei, drei Seitenblicke genügten, um zu verstehen, dass sich seine Verbündeten neben ihm aufgestellt hatten. Alle drei hatten ihren Zauberstab in der Hand und diesen auf Potter gerichtet. Pansy war es, die sich fast schon beschützend vor den Blonden positionierte. "Wenn Draco sagt, dass Potter ihn verflucht hat, dann ist es auch so, verstanden?"

Blaise rollte mit den Augen. "Danke, Pansy. Du machst es echt nur schlimmer."

"Ich habe niemanden verflucht." Warf Harry wieder ein. "Ich weiß zwar nicht, was in dich gefahren ist, Malfoy, aber was auch immer passiert ist, ich war es nicht. Also gehorche mir gefälligst."

"Gehorchen, Potter?" Wiederholte Draco verächtlich, woraufhin Harry verwirrt den Kopf schüttelte. "...Was?"

"Was?" Wandte sich ebenfalls Pansy zu ihm und Draco musste schlucken, als er zwischen den zahlreichen, verständnislosen Blicken umher sah. Den aufkeimenden Druck versuchte er hinunter zu würgen, indem er kurz die Augen schloss und den Nacken durchstreckte. Er befeuchtete seine Lippen, ignorierte dabei den Schmerz und den metallischen Geschmack im Mund. "Ver-vergiss es!" Er wusste nicht einmal, zu wem er das gesagt hatte. "Egal, was du sagst, ich werde dich nicht davon kommen lassen, Potter. Nicht dieses Mal."

"Versuchs doch."

"Denkst du, ich trau mich nicht?" Drohte der Slytherin. "Du solltest mich lieber nicht unterschätzen."

"Dich? Unterschätzen? Bitte. Du bist schwach, Malfoy."

Der Blonde knirschte mit den Zähnen. "Ich bin nicht schwach." Presste er bedrohlich hervor, als er ein tiefes, fast schon knurrendes Lachen hören konnte. "Das hatten wir doch schon. Wie lange willst du dich eigentlich noch deinem Herren widersetzen?"

"M-meinem was...?" Stockte Draco und erkannte das sadistische Grinsen auf Potters Lippen, während seine Augen zunehmend eine blaue Farbe annahmen. Draco hielt augenblicklich den Atem an und schluckte schwer. Ganz langsam ließ er seinen Zauberstab wieder sinken, während Bruchteile von Erinnerungen auf ihn hereinstürzten. Eine war scheußlicher, als die andere.

Fälschliche Erinnerungen?

Der Junge fasste sich an die Lippe, nur um sich abermals des Schmerzes und des Blutes bewusst zu werden. Ein blutiges Grinsen tauchte vor seinem inneren Auge auf. Ließ ihn erstarren und brachte etwas in ihm hervor, das er in solchem Ausmaß noch nie verspürt hatte. Nicht bei seinem Vater, nicht bei dem dunklen Lord.

Todesangst.

Draco atmete schwer und sein ganzer Leib begann unaufhörlich zu zittern. Seine Gedanken rasten. Alles in ihm sträubte sich gegen dieses Grauen. Kopfschüttelnd zerrte er an seinen Haaren, versuchte so der aufsteigenden Panik Einhalt zu gebieten, doch vergebens. Sie kroch unbarmherzig weiter empor, nahm jedes seiner Glieder ein und für einen Moment hatte er das Gefühl daran zu ersticken. Er richtete sich auf, japste abermals nach Luft und-

-und starrte in die vielen Gesichter, die alle auf ihn gerichtet waren.

"Was war denn das?" Fragte Pansy mit argwöhnischem Blick, woraufhin Malfoy unmissverständlich das Gesicht verspannte. "Wa-was meinst du?" Krächzte er mit belegter Stimme, versuchte sich seine Unruhe nicht anmerken zu lassen.

Das Mädchen hob ungläubig die Brauen. "Du hast gerade mit dir selbst gesprochen." Schüttelte sie wirr den Kopf. "Was ist los mit dir? Hat dich Potter überhaupt verflucht?"

Und wieder ergriff dieses beklemmende Gefühl Besitz von ihm. Er wechselte abermals zwischen den Gesichtern umher, konnte jedoch in jedem Ausdruck das Gleiche lesen. Nur er hatte es gesehen. Niemand sonst. Sie alle dachten, er sei verrückt.

"Komm, Draco." Eben Genannter zuckte zusammen und einen Schritt zurück, als Pansy seinen Arm erfassen wollte. Mit großen Augen starrte sie auf den Zauberstab, den der Blonde ihr entgegen hielt. "Fass mich nicht an." Drohte er mit schwacher Stimme. "Okay?" und sah zwischen den Anderen umher. "Keiner von euch."

Jeder der Anwesenden musterte mit wirrem Blick den Blonden, als dieser nach zwei, drei atemlosen Sekunden auf dem Absatz kehrt machte und eilenden Schrittes davon ging.

"..."

"Gut gemacht, Potter." Angesprochener sah verständnislos zu Pansy, die genervt ihre Hände in die Hüfte stemmte. "Deinetwegen ist Draco jetzt durchgeknallt."

"Red keinen Schwachsinn." Antwortete Blaise an Harrys Stelle. "Was kann er schon dafür, dass Draco von ihm besessen ist?"

"Keiner hat mit dir geredet, Blutsverräter." Zischte das Mädchen verächtlich. "Also, hör zu Potter. Ab sofort hältst du dich gefälligst von Draco fern oder du wirst es bitter bereuen, verstanden?" Sie wartete keine Antwort ab, als sie herrisch mit der Hand wedelte. "Crabbe, Goyle. Wir gehen."

Harry zuckte leicht zusammen, als Blaise ihn plötzlich an der Schulter berührte. "Alles okay?" Wollte dieser wissen, woraufhin der Gryffindor wieder einigermaßen zu sich fand. "Ja klar." Versicherte er, obwohl es das ganz und gar nicht war. War er hier etwa der einzige, dem dieser Auftritt gerade extremes Unbehagen bereitete? Was war denn in Malfoy gefahren? Was war mit der Wunde in seinem Gesicht? Und warum beschuldigte er Harry für was auch immer verantwortlich zu sein?

"Oh man, das war ja vielleicht etwas." Riss Blaise ihn aus den kurzzeitigen Gedanken. "Aber war ja klar, dass Draco früher oder später wahnsinnig wird. Ich meinte das vorhin ernst. Er ist wirklich von dir besessen."

Der Dunkelhaarige presste die Lippen zusammen. "Glaubst du nicht, dass Malfoy wegen dem Vorfall mit mir so drauf ist?" Der Slytherin machte einen ablehnenden Ausdruck. "Nein, ganz sicher nicht." Winkte er mit der Hand ab. "Du hast ihn doch gehört? Er denkt bis heute, dass du ihn nur ausgetrickst hast und selbst das würde bei Weitem nicht reichen, um ihn so durchdrehen zu lassen." Zabini schüttelte den Kopf. "Ich schätze, dass einfach alles zu viel für ihn geworden ist. Die Schule mit Glanzleistung zu bestehen und nebenbei auch noch den Druck seines Vaters und die Aufgaben als-" Blaise hielt den Atem an. Seine großen Augen sahen zu Harry, der seinen Blick mit erhobenen Brauen vielsagend erwiderte. "Aufgaben als was, Blaise?"

Angesprochener räusperte sich erst, ehe er sein Augenmerk auf den Boden richtete. "Vergiss es. Ich muss jetzt gehen." Der Gryffindor presste die Lippen zusammen, als Blaise ohne weiteres Wort an ihm vorbei und davon ging.

Harry wusste es. Er wusste, was Blaise sagen wollte. Einfach weil er diesen Verdacht bereits seit Längerem hegte. Dennoch war es etwas anderes auch die Gewissheit zu haben. Die Gewissheit, dass Malfoy ein Todesser war.


TBC