Der Feuerblitz 7
Über den Tag bei den Dursleys war im Haus der Potters in den letzten Tagen kein einziges Wort mehr gefallen. Dudley hatte sich bisher auch nicht noch einmal gemeldet, um über gebliebene Schäden zu klagen und es lief alles wieder seinen gewohnten Gang.
Eines Morgens wurde Lily durch ein energisches Klopfen an ihrer Fensterscheibe geweckt. Draußen war es schon heller Tag und, obwohl sie nicht in der Stimmung war, raffte sie sich auf und taumelte verschlafen durch ihr Zimmer, um das Fenster zu öffnen.
Hinein flog eine hellbraun gefiederte Eule, die wütend durch ihren Schnabel kreischte und Lily ungeduldig ihr Bein hinhielt. Sofort machte diese sich daran den Briefumschlag aus Pergament davon zu lösen.
Erst als sie ihn in den Händen hielt, konnte sie erkennen, dass darauf ein Sickel eingebrannt war, das einen Löwen, einen Dachs, einen Adler und eine Schlange um ein großes „H" gewunden zeigte. Darunter standen die Worte „Draco dormiens nunquam titillandus", von denen sie im letzten Jahr auch die Bedeutung gelernt hatte: „Kitzele niemals einen schlafenden Drachen."
Ihr bester Freund Colin hatte es dennoch getan und war glimpflich davongekommen.
Aufgeregt riss Lily den Brief auf und las sich die darin beigelegte Liste durch:
HOGWARTS-SCHULE FÜR HEXEREI UND ZAUBEREI
Uniform
Im zweiten Jahr wird die bisherige Uniform genutzt. Bedenken Sie bitte, falls nötig, sie in passender Größe zu erneuern und diese mit Namensetiketten zu versehen.
Lehrbücher
Alle Schüler sollten jeweils ein Exemplar der folgenden Werke besitzen:
- Miranda Goshawk: Lehrbuch der Zaubersprüche, Band 2
- Luna und Rolf Scamander: Die neusten Entdeckungen bisher unbekannter fantastischer Tierwesen
- Alexandra Max: Wahlfächerrateber
Es ist den Schülern in diesem Jahr zudem noch freigestellt, einen eigenen Besen mitzubringen.
Als sie geendet hatte, entschloss sie sich, sich erst einmal umzuziehen, bevor sie nach unten rannte, um die gerade erfahrenen Neuigkeiten mitzuteilen.
Lily wählte ein T-Shirt und einen Rock. Zuletzt schnappte sie sich noch ein Päckchen, das sie unter ihrem Kleiderschrank versteckt hatte und rannte die Treppe hinunter.
Das Päckchen sollte für ihre Mutter sein, denn diese hatte heute Geburtstag.
Lily betrat die Küche und musste feststellen, dass sie wohl die letzte beim Aufstehen gewesen war. Sowohl ihre Mutter als auch ihr Vater, James und Albus saßen bereits gemütlich am Frühstückstisch und löffelten ihr Müsli.
„Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Mum", sagte Lily gut gelaunt, umarmte sie und hielt ihr anschließend das Päckchen unter die Nase. Ginny nahm es.
Es war mit dunkelrotem Geschenkpapier verpackt und fühlte sich sehr weich an. Nachdem Ginny es betastet hatte, riss sie das Papier ab und zum Vorschein kam ein violetter Wollmantel.
„Hast du den selbst gestrickt?", fragte ihre Mutter.
Lily nickte.
„Grandma Molly hat mir etwas geholfen, auch beim Verzaubern der Nadeln", gab sie zu.
„Der sieht wunderbar aus. Nur schade, dass ich noch ein Weilchen warten muss, bis ich ihn mal tragen kann."
Sie sah hinaus aus dem Fenster, wo die grelle Sonne warme Strahlen in ihren Garten warf.
Schließlich stand sie auf und brachte den Mantel hinüber zu einem Tisch, auf dem auch schon andere Geschenke lagen. Lily gab sich währenddessen etwas Müsli in eine Schale und schlang es hinunter.
„Mein Hogwartsbrief ist gekommen", erklärte sie nach einiger Zeit fröhlich und blickte abwartend in die Runde.
„Meiner auch", sagte James gut gelaunt.
Lily warf ihm einen fragenden Blick zu, doch dann erinnerte sie sich, dass damit auch James' OWL-Ergebnisse gekommen waren.
„James hat ganze sieben OWL", erklärte Ginny stolz und lächelte hinüber zu James, „und sogar drei Ohnegleichen."
James verdrehte nur die Augen.
„Die Briefe sind ziemlich spät dieses Jahr", meldete sich Albus zu Wort, „Irgendwie habe ich das Gefühl, die kommen jedes Jahr später."
„Ja, das mag sein, aber mit dem Einkaufen können wir uns ja noch etwas Zeit lassen. Es reicht, wenn wir übernächstes Wochenende gehen", warf Harry ein.
„Aber Dad", maulte James, „dann bin ich wahrscheinlich der letzte, der den Feuerblitz 7 zu Gesicht bekommt."
Der Feuerblitz 7 war der vor einer Woche auf den Markt gekommene Besen. James hatte seitdem von fast nichts anderem mehr gesprochen und lag seinen Eltern jeden Tag damit in den Ohren, wann sie denn nun endlich in die Winkelgasse gehen und ihn ansehen würden.
Außerdem wusste Lily, dass er plante seine Eltern zu überreden, einen davon für ihn zu kaufen, denn obwohl er vor zwei Jahren erst einen Feuerblitz 5 erhalten hatte, war er der Meinung, dass dieser nicht mehr genüge, um den Quidditchpokal auch in Zukunft wieder zu erlangen. Irgendwie glaubte sie aber nicht, dass er wirklich einen neuen Besen wollte, denn er war viel zu verliebt in seinen alten und würde ihn niemals einfach so hergeben, vor allem nicht nach all den Jahren, in denen er mit dessen Hilfe jedes Jahr den Quidditch-Pokal für Gryffindor geholt hatte.
Gegen Mittagszeit klingelte es an der Tür. Lily hatte gerade in ihrem Zimmer gesessen und die Briefe für Eric und Colin zu Ende geschrieben, in denen sie ihnen mitgeteilt hatte, wann und wo sie sich in der Winkelgasse treffen würden. Schon zu Anfang der Ferien hatten sie ausgemacht, sich ihre Bücher und sonstiges Zeug zusammen zu kaufen, sobald sie eine Nachricht erhielten.
Ihre Mutter musste wohl die Tür geöffnet haben, denn es erklangen Glückwünsche zweier sehr bekannter Stimmen von unten herauf und Lily stieg die Treppen hinab, um zu sehen, wer der Besuch war.
Unverwechselbar, in der Tür standen Ted mit smaragdgrünem Haarschopf und Victoire, die ihre silberblonden Haare ausnahmsweise mal zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hatte, sonst wallten sie ihr immer lang hinab bis zum Po.
Auch Lily begrüßte die beiden und sie ließen sie herein ins Esszimmer, wo sie sich setzten.
Victoire gab Ginny auch ein Päckchen, das diese zusammen zu den anderen Geschenken stellte.
„Eigentlich sind wir noch wegen einer anderen Sache gekommen", sagte Ted plötzlich und blickte bedeutungsvoll in die Runde.
James und Albus waren gerade im Türrahmen erschienen und auch Harry hatte seine Zeitung zur Seite gelegt, um die Gäste zu empfangen.
Voller Erwartung starrten alle Ted an, der sich mit einer Antwort jedoch Zeit ließ.
Er räusperte sich, bevor er sagte: „Victoire und ich, wir werden heiraten!"
Ginny umarmte zuerst Victoire, dann Ted und Harry klopfte seinem Patensohn anerkennend auf den Rücken. Lily strahlte. Es war etwas, auf das sie schon längere Zeit gewartet hatte. Jetzt gehörte Teddy nämlich auch richtig zur Familie.
Wie auch James und Albus gratulierte sie den beiden und sah dann wieder auf zu Ted, denn dieser schien ganz so als wolle er noch etwas anderes loswerden.
„Außerdem haben wir überlegt, weil unsere Wohnung in Tinworth vielleicht bald zu eng sein könnte, uns ein richtiges Haus anzusehen. Wir waren vorhin unten in Melisande's Hollow und haben ein schönes im Blick."
„Es ist perfekt", sagte Victoire, „Ich hoffe, wir können dort so schnell wie möglich einziehen."
„Das wäre ja wundervoll", sagte Ginny, „dann wärt ihr ganz in der Nähe!"
Lilys Mutter ging die Abgeschiedenheit hier auf Melisande's Hill manchmal ein wenig auf die Nerven. Schließlich war sie seit ihrer Geburt an ein volles Haus gewöhnt gewesen.
Plötzlich redeten angesichts der neuen Nachrichten alle durcheinander. Auch Lily war furchtbar aufgeregt. Sie war noch nie auf einer Hochzeit gewesen und stellte sich gerade Victoire in Brautkleid und Schleier vor. Sie würde bestimmt wunderschön aussehen, noch schöner als sonst.
„Lily, ich möchte dich auch noch etwas fragen", sagte Victoire in den Aufruhr hinein. Sie sprach manchmal fast so wie Fleur, nur ohne den französischen Akzent, doch die Stimmlage war zum Verwechseln ähnlich.
„Würdest du als fast Schwester von Teddy, zusammen mit Dominique meine Brautjungfer sein?" Lilys Augen mussten leuchten, als sie diese Frage gestellt bekam. Jedenfalls fiel sie Victoire dankbar um den Hals und stimmte sofort zu. Schon lange hatte sie von dieser Hochzeit geträumt und nun durfte sie dabei auch noch eine besondere Rolle spielen.
Zwei Wochen später war es endlich so weit. Die Familie hatte sich mal wieder vor den Kamin im Wohnzimmer versammelt, um kurz darauf in die Winkelgasse zu flohen.
Als Lily an der Reihe war, holte sie tief Luft, rief „Winkelgasse" und ließ sich kurz darauf durch das Flohnetzwerk wirbeln.
Einige Zeit später kam sie auf der Straße mit den unzähligen Hexen und Zauberern und den tausend kleinen Geschäften wieder heraus.
Sie sah auf eine Uhr, die ihr jedoch sagte, dass bis zu ihrem Treffen mit Eric und Colin noch eine kleine Weile hin war und so wandte sie sich um, um zu sehen, wie all ihre Familienmitglieder nacheinander aus dem Kamin traten.
Als sie sich letztendlich gesammelt hatten, teilte Harry jedem ein Säckchen mit Gold zu.
„Gib es nicht wieder für Scherzartikel aus, James", mahnte er seinen ersten Sohn dabei.
„Keine Sorge, Dad", antwortete James und grinste, doch Harry warf ihm nur einen ungläubigen Blick zu.
„Ich treffe mich mit Colin und Eric vor Flourish und Blotts", sagte Lily zu ihren Eltern.
„Dann kommt, wenn ihr fertig seid, doch runter zu Mr Hamton's Eissalon", schlug Ginny vor.
Lily nickte, verabschiedete sich und machte sich dann die Straße hinunter auf den Weg zu Flourish und Blotts.
Der Laden schien ziemlich überfüllt, denn als sie dort ankam, quillten Massen von Schülern, in den Laden hinein. Lily seufzte, warf sich jedoch auch in das Gedränge. Wie war es möglich, dass alle auf die Idee kamen, gerade heute einkaufen zu gehen? Hier und da lief sie jemand Bekanntem über den Weg und grüßte. Schließlich zog sie ihre Bücherliste aus der Tasche und sah sich im Laden um.
Colin und Eric waren sicher noch nicht da, solange würde sie einfach die Bücher zusammensuchen.
Das Lehrbuch der Zaubersprüche fand sie in der Abteilung für Zauberkunst. Es stand in einem riesigen Regal, das alle Ausgaben beinhaltete und da der zweite Band fast ganz oben stand, musste sie einen hochgewachsenen Zauberer bitten, es für sie herunterzuholen. Vorausschauend nahm gleich drei Ausgaben davon mit und hoffte, dass Colin und Eric sich noch keins geholt hatten, falls sie überhaupt schon hier waren.
Als nächstes stand das Buch von Tante Luna auf dem Pergament und Lily überlegte, wo es wohl zu finden sei, und ging in die Abteilung, in der sie auch im letzten Jahr Newt Scamanders Werk gefunden hatte, doch zu ihrem Leidwesen musste sie feststellen, dass dort kein einziges Buch mehr lag und sie lediglich ein großes Schild mit einer riesigen Aufschrift vorfand:
Es tut uns sehr leid, doch leider haben wir momentan auf Grund eines von uns nicht erwarteten Ansturms keine Ausgaben mehr von Die neusten Entdeckungen bisher unbekannter fantastischer Tierwesen von Luna und Rolf Scamander übrig. Wenn sie dennoch eine Ausgabe brauchen, bestellen sie diese an der Kasse. Wir versuchen uns schnellstmöglich um ihre Bestellung zu kümmern.
Mit freundlichen Grüßen,
Flourish und Blotts
Lily verzog das Gesicht und fragte sich, wie lange es wohl dauern würde, bis sie zu ihrer Ausgabe kam.
In einer Ecke, in der viele kleine Hefte unordentlich auf einem Tisch lagen, standen zwei etwa zwölfjährige Jungen. Der eine war stämmig und hatte blondes Haar, außerdem schien er ziemlich braungebrannt. Der Junge neben ihm war etwas kleiner und zierlicher und hatte einen braunen Haarschopf. Sie unterhielten sich sehr ernsthaft über irgendetwas und schienen in den Heften herumzublättern.
Als Lily an den beiden vorbeikam, blieb sie augenblicklich stehen. Sie bemerkten sie nicht, weshalb sie sich langsam von hinten anschlich und ihnen ins Genick griff.
„Habe ich euch", ahmte sie die Stimme vom Hausmeister ihrer Schule nach und Colin und Eric zuckten augenblicklich zusammen.
Lily ließ die beiden heftig lachend wieder los.
„Lily!", rief Eric erfreut.
„Musst du uns so erschrecken?", maulte Colin, setzte jedoch dann ebenfalls eine erfreute Miene auf.
„Wie geht es dir?", fragte Eric.
„Sehr gut und euch?"
„Ich kann nicht klagen", erwiderte Colin und zog die Brauen hoch.
„Habt ihr schon eure Bücher geholt?", fragte Lily.
„Nein, wir sind eben erst gekommen und dann gleich bei diesen Wahlfächer Ratgebern stehen geblieben", sagte Eric und reichte Lily ein Heft.
„Danke, hier ich habe euch jeweils ein Lehrbuch der Zaubersprüche, Band 2 mitgebracht", sagte sie und reichte den beiden die anderen Ausgaben, „Ich habe auch versucht ein Buch von Tante Luna zu bekommen, aber die waren schon komplett ausverkauft. Wir müssen uns an der Kasse Ausgaben bestellen."
Sofort machten sich die drei auf zur Kasse, wo sie ihre Bücher bezahlten.
„Es dauert in der Regel zwei Wochen, bis das Buch kommt. Wir senden es Ihnen dann per Eule", informierte sie die Verkäuferin und Lily, Colin und Eric verließen den Laden zufrieden.
„Eigentlich haben wir ja jetzt alles", schloss Colin und warf einen auffälligen Blick hinüber zu Qualität für Quidditch.
Lily grinste.
„Dann lasst uns den neuen Feuerblitz 7 ansehen", kam es auf einmal von Eric. Er schien ziemlich aufgeregt.
Lily und Colin tauschten ratlose Blicke, folgten ihm jedoch, denn er hatte sich schon auf den Weg gemacht und steuerte wahrlich auf das Geschäft zu.
„Was hast du ihm gegeben?", fragte Lily und sah Colin misstrauisch an.
„Nichts, ich weiß auch nicht, warum er sich auf einmal so für Quidditch interessiert, oder für Besen...", sagte Colin verwundert.
Kurze Zeit später betraten sie den ebenfalls überfüllten Laden und man wusste sofort, in welcher Ecke der neue Besen stand, da sich viele und besonders auch kleinere Kinder alle um eine Vitrine drängelten. Über ihre Köpfe hinweg sah man einen Besenstiel, der blau-silbern schimmerte auch die Reisigborsten unten schienen silbrig zu funkeln. Fasziniert staunten Lily, Colin und Eric über das Prachtexemplar von einem Besen, das sich ihnen zum Anblick bot. Sie wussten gar nicht wie viel Zeit verging, während sie einfach nur dastanden und ihn bewunderten, als auf einmal James hinter ihnen auftauchte.
„Ist er nicht wunderschön?", fragte dieser wie hypnotisiert und starrte ebenfalls auf den Besen.
Lily nickte.
„Wenn ich ihn doch nur einmal in der Hand halten könnte, einmal auf ihm fliegen. Ich würde alle meine OWL dafür geben", schwärmte er.
Lily wandte den Blick nun ab und betrachtete James.
„Was hast du da in der Tüte?", fragte sie und deutete auf die große Einkaufstasche in James' Hand.
„Ach, nichts Besonderes", winkte er ab, „Ich war nur eben bei Madame Malkins und habe mir ein paar neue Umhänge für nächstes Jahr besorgt, doch Lily erkannte an James Blick, dass es nur die halbe Wahrheit war und schnappte ihm die Tüte, die er sehr locker in der Hand gehalten hatte, einfach weg und warf einen Blick hinein.
„Dad hat gesagt, du sollst dir nicht wieder Scherzartikel von dem Geld kaufen", sagte Lily.
„Habe ich auch nicht", entgegnete James und entriss ihr die Tüte wieder, „Ich bekomme das Zeug umsonst, schon vergessen?"
Lily verschränkte die Arme vor der Brust, doch plötzlich unterbrach Colin ihr kleines Gezanke.
„Ich hätte auch Lust noch einmal bei Weasleys Zauberhafte Zauberscherze vorbeizuschauen", warf er ein und zog Eric weg von dem Besen.
„Gute Idee, ich war auch noch nie dort", stimmte Eric zu.
„Viel Spaß", wünschte James ihnen zum Abschied und grinste Lily triumphierend an, während sie hinter Colin und Eric den Laden verließ.
„Ich wünschte, ich hätte auch so einen Besen", erklärte Colin verträumt, als sie zu Weasleys Zauberhafte Zauberscherze gingen.
„Ich auch", seufzte Lily und dachte an ihren Nimbus 3001.
Den ganzen Weg über unterhielten sie sich nur über den Besen. Sogar Eric stellte Vermutungen an, wie es wohl war, auf ihm zu fliegen.
Wie der Rest der Winkelgasse war auch der Laden von Lilys Onkeln George und Ron massenhaft voll und das noch stärker als sonst. Schließlich zeichnete er sich als der meistbesuchte Laden hier aus.
Lily, Colin und Eric zwängten sich hinein und liefen in irgendeine Abteilung. Sie schlenderten an den Regalen vorbei, nahmen hier und da einige Artikel raus, betrachteten sie genauer und legten sie wieder zurück.
Ohne etwas zu kaufen, verbrachten sie so bestimmt ganze zwei Stunden, bis sie fast in Fred, Roxanne und Leslie Middleton, die zweite Gryffindor-Treiberin hineinliefen.
„Oh, hallo", sagte Lily und betrachtete die Drei genauer.
„Na Cousinchen", begrüßte Fred sie mit einem breiten Grinsen auf den Lippen.
Lily verdrehte die Augen und fragte sich, was Leslie hier machte.
Sie wusste, dass sie im letzten Jahr mit Fred zum Ball gegangen war. War es etwa möglich, dass...?
„Und schon alles beisammen?", fragte Roxanne.
Lily nickte.
„Leider haben wir keine Ausgabe mehr von Tante Lunas Buch bekommen", sagte sie.
„Ich warte nun auch schon seit drei Wochen auf eine", warf Leslie in das Gespräch ein und zuckte mit den Schultern, „Dabei meinte die Verkäuferin, es würde nicht länger als zwei dauern."
„Sucht ihr eigentlich etwas Bestimmtes?", fragte Fred die drei und wechselte somit das Thema.
„Nein, eigentlich nicht", sagte Colin, „Wir schauen uns nur um."
„Habt ihr schon unsere neuen lebenden Miniatur-Drachen gesehen?", fragte Fred weiter.
Die drei schüttelten die Köpfe.
„Dann kommt mal mit! Das müsst ihr sehen!"
Alle folgten Fred zwischen den vielen Regalen hindurch, durch die ein oder andere Abteilung und kamen schließlich dort an, wo sonst nur die Minimuffs lebten.
Neben quietschigem Pink, beerenfarbenem Violett, Grasgrün und Himmelblau gab es als neueste Sorte dazu noch Sonnengelb.
„Wie viele Farben soll es noch geben?", fragte Lily belustigt, als sie drei kleinen Mädchen dabei zusah, wie sie gebannt vor den Minimuffs standen.
„Wir planen noch Feuerrot und Orange", sagte Roxanne, „Allerdings könnte es eine Weile dauern, sie zu züchten. Ich habe trotzdem das Gefühl, die Viecher werden immer beliebter."
Sie deutete auf eine Mutter, die versuchte ein etwa neunjähriges Mädchen von den kleinen Tierchen wegzuzerren.
„Bitte Mum, nur noch einen in Gelb", quengelte sie.
„Nein Gwendoline, du hast zu Hause genug", schimpfte ihre Mutter, „Aelfric, sag doch auch mal etwas!"
Ein sehr streng aussehender Mann trat von einem anderen Regal weg und sah nun herab, wie seine Frau mit ihrer Tochter kämpfte. Er verdrehte die Augen und sah nervös hin und her.
„Vater, ich möchte so gern noch einen gelben Minimuff haben", sagte das Mädchen und sah ihn mit großen Engelsaugen an.
„Ich habe mich doch bisher auch so gut um alle gekümmert", fügte sie hinzu.
„Nein, heißt nein!", sagte ihre Mutter.
„Ach Mildred, lass sie doch, solange sie sich kümmert", sagte der Mann beschwichtigend.
Das Mädchen strahlte, denn das hieß wohl, dass sie einen weiteren Minimuff bekommen würde.
„Ich frag mich, der wievielte das ist", gab Eric zu bedenken.
„Der fünfte", sagte Roxanne, „Sie hat von jeder Sorte einen und ist eine unserer besten Kundinnen."
„Verzogenes Balg", murrte Colin und warf der Familie einen bösen Blick zu.
„So hier sind sie, ganz neu!", sagte Fred und winkte alle an eine größere Vitrine heran.
Lily blickte durch das Glas und erkannte ungefähr fünf Zentimeter große Minidrachen.
„Feuerspeiunfähig, also völlig ungefährlich, keine Angst, dass sie dein Haus abbrennen", sagte Fred.
Colin drängte sich ganz nah an die Scheibe. Einige Zeit standen sie so da und betrachteten die Drachen.
„Ich nehme einen!", schoss es plötzlich aus Colin heraus und Fred zuckte erschrocken zusammen.
„Welche Sorte möchtest du denn? Wir haben eigentlich alle, die es auch in groß gibt, sogar die von den Scamanders Neuentdeckten", erklärte Fred.
„Einen Chinesischen Feuerball", sagte Colin, ohne lange zu überlegen und Fred zog ein Schiebedach der Vitrine auf, um einen herauszuholen.
„Danke", sagte Colin und nahm den kleinen Drachen in die Hand.
„Dass ausgerechnet du einen Drachen willst", sagte Lily belustigt.
„Keine Sorge, ich werde ihn nicht kitzeln", gab Colin zurück.
„Hast du nicht eigentlich schon eine Eule?", fragte Eric auf einmal anklagend.
„Ja, aber von der habe ich doch gar nichts, wenn sie die ganze Zeit unterwegs ist", klärte Colin ihn auf und drehte sich um. Er wollte wohl zur Kasse, jedenfalls lief er in diese Richtung und Lily und Eric folgten ihm kopfschüttelnd, nachdem sie sich von Fred, Roxanne und Leslie verabschiedet hatten.
Einige Zeit später waren sie aus Weasleys Zauberhafte Zauberscherze wieder draußen. An der Kasse hatte es ewig gedauert und schließlich hatten sie sich noch durch die Menschenmenge kämpfen müssen, die in das Geschäft hineingeströmt war.
„Sie sollten die Tür breiter bauen", riet Colin, während er den kleinen Drachen in seiner Hand streichelte.
„Lasst uns zu Mr Hamton's Eissalon gehen", schlug Lily vor, „Ich bin sicher Mum und Dad warten dort schon."
Die drei bogen die kleine Seitenstraße in Richtung der Nocturngasse ein und mussten gar nicht mehr weit laufen, da war auch schon der Eissalon in Sicht und Lily erkannte ihre Eltern und Brüder sofort.
„Kommt mit", sagte sie zu Colin und Eric und lief hinüber zu deren Tisch.
Die beiden folgten ihr und setzten sich zu ihrer Familie.
„Hallo, ich bin Colin McKinnon", stellte sich Colin sofort vor und reichte erst Lilys Mutter, dann ihrem Vater die Hand.
Lily fiel auf, dass seine Augen etwas sehr lang an der Stirn ihres Vaters hängen blieben.
„Ich bin Eric Bedloe", ahmte Eric Colin nach und dieser warf ihm einen leicht ärgerlichen Blick zu.
Sie bestellten sich alle einen Eisbecher und unterhielten sich, während sie ihn löffelten über ihren Tag.
„Wir haben den neuen Feuerblitz 7 gesehen und er sieht fantastisch aus", redete Lily, „Habt ihr ihn gesehen? Mit dem kann man bestimmt so fliegen, als hätte man gar keinen Besen, wisst ihr, was ich meine?"
Lilys Mutter lachte.
„Nun iss erst einmal dein Eis auf! Wir wollen auch bald aufbrechen", sagte Ginny.
Colin schien nicht mehr viel mitzubekommen und starrte unentwegt Harry an, was dieser jedoch belustigt hinnahm.
Lily war ziemlich glücklich, als sie sich verabschiedeten und sich dann auf zum Kamin machten. Ihre beiden Freunde würde sie schließlich bald wieder sehen, doch insgesamt war es ein sehr schöner Tag gewesen.
Der August neigte sich dem Ende zu. Es wurde draußen zwar nicht kälter und auch sonst brachte der Herbst noch keine Anzeichen hervor, doch Lily schien trotzdem mit jedem Tag glücklicher zu werden. Es war schließlich nicht nur so, dass sie bald wieder zurück nach Hogwarts durfte, nein, sie hatte ungefähr eine Woche vorher noch Geburtstag.
Als sie an diesem Morgen hinunter ins Esszimmer kam, wurde sie von ihren beiden Eltern gedrückt. James und Albus hatten „Happy Birthday to you" angestimmt und auf dem Tisch stand eine leckere Torte mit genau zwölf Kerzen.
„Dein Geschenk geben wir dir am besten nach dem Frühstück", sagte Ginny und sie alle setzten sich wie an jedem Geburtstag an den Tisch.
Lily durfte die Kerzen auspusten und die Torte wurde angeschnitten.
Während des Frühstücks fragte James andauernd, was das Geschenk denn nun sein könnte und auch Lily fragte sich das immer wieder, doch ihre Eltern verrieten nichts.
Sie hatte definitiv keine Ahnung, aber es musste schon etwas Größeres sein, sonst wären es sicher mehrere Geschenke und ihre Eltern hatten „das Geschenk" gesagt.
Das Essen kam ihr fast wie eine Ewigkeit vor und sie bekam nicht viel von der Torte herunter. Es war schlimmer als der Cruciatus-Fluch, dachte sie.
Als endlich alle aufgegessen hatten, verließ Harry das Esszimmer und kam nach einiger Zeit mit einem länglichen Karton auf den Armen wieder. Diesen legte er auf den Fußboden und Lily stand sofort auf.
„Voilà, wie Fleur sagen würde", präsentierte Harry und bot Lily Platz den Karton zu öffnen.
Sofort stürzte sie sich auf diesen, da ihr schon eine Ahnung vorschwebte.
Nachdem sie den Pappdeckel geöffnet hatte, konnte man schon die Umrisse erkennen, doch zunächst musste auch das Papier entfernt werden, was zusätzlich um das Geschenk geschlungen war.
Als Lily alles abgewickelt hatte, kam tatsächlich das zum Vorschein, was Lily sich erhofft hatte. Ein nigel-nagel neuer Feuerblitz 7.
Dankbar zog Lily ihre Eltern in eine Umarmung, doch dann schnappte sie sich den Besen, rannte aus dem Esszimmer in den Flur und hinaus und durch die Haustür nach draußen.
Noch im Rennen schwang sie ein Bein über den Besenstiel und stieß sich schließlich kräftig vom Boden ab.
In einer ungeheuren Geschwindigkeit sauste sie in den Himmel. So schnell war sie bisher noch mit keinem Besen geflogen. Sie hatte richtig gelegen. Mit diesem Besen fühlte man sich tatsächlich so frei wie ein Vogel. Es war so als hätte man keinen Besen. Sie stieg immer höher.
Unten in ihrem Vorgarten konnte sie vier kleine Punkte ausmachen und Lily wusste, dass sie jetzt zu ihr hinaufsahen.
Eins war sicher, das zweite Schuljahr konnte kommen!
AN: Zu diesem Kapitel gibt es wieder ein Sidechapter, das euch mehr über James und Albus verrät: [link href=" .de/s/4ec910a60001c314067007d0/13/Ballbegleitung-auf-Potterart"]Umhänge[/link]
