Das Auswahltraining
Die Aufregung auf ihren ersten Schultag hatte Lily früh am Morgen geweckt.
Nachdem sie einen Brief an Luna geschrieben hatte, um sich für das Buch zu bedanken, lief sie in die Eulerei.
Lily war sich sicher, dass sie noch nie so früh am Morgen durch Hogwarts geschlendert war. Es war unheimlich still auf den Fluren und man konnte nur seine eigenen Schritte hören. Durch die Fenster sah man gerade die Sonne aufgehen und, wie sie dabei ihre orangen Strahlen über den See verteilte.
Als Lily in der Eulerei ankam, musste sie ein Gähnen unterdrücken. Dann machte sie sich daran eine passende Eule auszusuchen. Weder James' noch Albus' Eule waren anwesend und so nahm sie eben eine der Schuleulen.
Dabei band sie den Brief um das Bein eines Uhus, reichte ihm einen Eulenkeks, den dieser dankbar annahm, und schließlich flog er mit einem letzten „Schuhu" hinaus auf die Länderreihen.
Von hier oben hatte man wirklich eine wunderbare Aussicht. Lily konnte den Verbotenen Wald und Hagrids Hütte erkennen, deren Tür plötzlich aufschwang und aus der Grinder hinauslief, um im Gras zu tollen.
Ob Hagrid als Wildhüter wohl immer so früh aufstehen musste?
Noch einige Zeit beobachtete sie die beiden, bis ihr auffiel, dass es ja bald Frühstück geben würde und so machte sie sich eiligst und mit knurrendem Magen zurück in den Gryffindorturm, wo sie auf Colin und Eric traf.
„Ach hier steckst du", stellte Colin lahm fest, als Lily durch das Porträtloch hindurch kletterte.
„Wo warst du?", fragte Eric verblüfft und tat, als ob er auf seine Armbanduhr sah.
Er hatte nämlich keine.
„In der Eulerei", erklärte Lily ihren Freunden, als plötzlich Max den Gemeinschaftsraum betrat, der einen endlos dicken und vor allem staubigen Wälzer in den Händen trug.
Als er sich erschöpft auf einen nahestehenden Sessel fallen ließ, flog eine größere Staubwolke aus dem Buch und Lily, Colin und Eric wedelten mit den Händen in der Luft herum.
„Wo bei Merlins Bart hast du das denn her?", fragte Colin und beäugte Max' Mitbringsel skeptisch.
„Aus der Bibliothek", antwortete Max und schlug den Deckel auf, wobei er ein paar tote Motten wegpustete.
„Seit wann gehst du in die Bibliothek?", fragte Garnet Trumble, der Susanna Lewis gerade vergeblich versuchte ein Muggelkartenspiel zu erklären und nun zu ihnen hinüber sah.
„Ab und zu", erwiderte Max und lächelte charmant.
„Und wozu?", fragte Eric nun Stirn runzelnd.
„Ich wollte etwas über alte reinblütige Familien herausfinden."
Colin schnaubte abfällig.
„Aha, und warum?", fragte Eric weiter.
„Das erzähle ich euch, wenn ich es herausgefunden habe", erklärte Max ihnen und war kurz darauf hinter dem Buch verschwunden.
Lily beobachtete ihn noch eine Weile.
Schon als sie Max das erste Mal gesehen hatte, war er ihr furchtbar bekannt vorgekommen, so als sei er irgendein entfernter Verwandter, doch Lily war noch immer nicht eingefallen, woher sie Max hätte kennen sollen. Vielleicht aber bildete sie sich das alles auch nur ein.
„Lasst uns zum Frühstück gehen!", sagte sie also und Colin und Eric erhoben sich aus ihren Sesseln und sie gingen gemeinsam hinunter in die Große Halle, wo Colin genüsslich mit seiner Nase den Duft des morgendlichen Frühstücks einsog. Die drei setzten sich irgendwo ziemlich ans Ende des Tisches und taten sich etwas auf.
„Morgen", sagte Hugo, Lily erschrak, denn sie hatte ihn gar nicht bemerkt.
„Guten Morgen", gab sie zurück und wurde wohl leicht rot.
Der Gryffindortisch war so übersät von weasleyhaften Rotschöpfen, dass es ihr schon gar nicht mehr auffiel, wenn einer ihrer Verwandten neben ihr saß.
„Und wie geht es dir?", fragte Lily höflich und versuchte die Peinlichkeit zu überspielen.
„Gut, habt ihr die Nachricht heute am Schwarzen Brett gelesen?", platzte es aus ihm heraus.
Lily, Colin und Eric schüttelten die Köpfe.
Keiner von ihnen hatte an ihrem ersten Schultag daran gedacht, auf das Schwarze Brett zu schauen.
„Diesen Freitag ist das Auswahltraining für den neuen Jäger", sagte Hugo mit leuchtenden Augen, „und ich werde mich bewerben. Dad hat mir auch extra einen neuen Besen gekauft."
Lily lächelte.
„Viel Glück", wünschte sie ihm und musste im gleichen Moment schlucken.
Auch sie hatte selbstverständlich vorgehabt, am Auswahltraining teilzunehmen und zusammen mit ihrem neuen Feuerblitz 7 vorzufliegen und vorzuspielen, aber wenn Hugo auch teilnahm, hatte sie irgendwie ein schlechtes Gewissen.
Sie wusste ganz genau, wie sehr er sich wünschte, auch ins Team der Gryffindors zu kommen, aber wenn Lily auch flog, dann hatte Hugo keine Chance, denn sie wusste, sie war viel besser als er.
Auf einmal kam Professor Longbottom bei ihnen vorbei.
„Mr Weasley, Mr McKinnon, Mr Bedloe, Miss Potter", zählte er auf und reichte ihnen die Stundenpläne, „und hier Miss Bennett."
Reflexartig drehte Lily sich herum und sah, dass ein Mädchen mir schwarzen Locken sich zu ihnen setzte.
„Guten Morgen", begrüßte sie alle gut gelaunt, was Lily, Colin und Eric jedoch nur zähneknirschend erwiderten.
Professor Longbottom warf ihnen einen seltsamen Blick zu, ging dann allerdings weiter.
„Wow, Hogwarts ist groß. Ich habe mich total verlaufen und dann kam auch noch so ein Geist, der mir fünf verschiedene Wege beschrieben hat, wo die Große Halle sein könnte, aber keiner war richtig. Zum Glück habe ich dann einen Vertrauensschüler aus Hufflepuff gefunden, der mich begleitet hat", ratterte Emma herunter und winkte dann einem dunkelhaarigen Jungen am anderen Ende der Halle zu, der gequält lächelte.
Während Emma irgendetwas zu erzählen begann, besah Lily ihren neuen Stundenplan.
„Jetzt eine Doppelstunde Zauberkunst zusammen mit den Hufflepuffs", sagte Eric, „und danach Kräuterkunde, Mittagspause und wieder Kräuterkunde mit den Slytherins."
„Gar nicht so schlimm", stellte Colin fest, bevor er ein letztes Glas Milch hinunterkippte.
Als sie sich darauf wieder von Hugo verabschiedeten, um ihre Sachen aus dem Gryffindorturm zu holen, folgte Emma ihnen zu ihrem Leid.
„So verlaufe ich mich wenigstens nicht", sagte sie und grinste unglaublich breit, was sie zugegeben doch recht niedlich aussehen ließ.
Lily verwarf den Gedanken und ging automatisch schneller in der Hoffnung, dass Emma einen guten Orientierungssinn hatte und sich bald allein zurechtfinden würde.
„Könnt ihr mir sagen, wie ich später zu Zauberkunst komme?", fragte sie, als sie nach ihrer Ankunft im Gemeinschaftsraum noch einmal genau auf ihren Stundenplan sah.
Sie hatte ihn vorher nie groß beachtet, weil sie zu sehr mit Reden beschäftigt gewesen war.
„Geh einfach in den dritten Stock", half ihr Colin.
Emma bedankte sich und verschwand in ihrem Schlafsaal. Eric warf ihr einfach einen verwirrten Blick hinterher.
Nachdem sie einige Zeit später alle ihre Sachen beisammenhatten, gingen sie in den dritten Stock zum Klassenzimmer für Zauberkunst, das dem meistgehassten Lehrer der Schule gehörte: Professor Baddock.
Dieser war nicht nur der Lehrer für Verwandlung, sondern auch gleichzeitig der Hauslehrer von Slytherin. Gute Laune hatte er nie und er schien jeden Schüler aufs tiefste zu hassen, was er auch ununterbrochen zeigte.
„Ich will jetzt, dass ihr Kapitel eins vom Lehrbuch der Zaubersprüche sorgfältig durchlest, danach sucht ihr euch in Gruppen zusammen und übt die drei dort erwähnten Zauber sorgfältig, bemüht euch, denn ich teste sie in der nächsten Stunde ab."
Er grinste hämisch.
„Während ihr arbeitet, will ich keinen Mucks hören, verstanden?"
Einige Schüler nickten.
„Also dann an die Arbeit!"
Lily kramte ihre Ausgabe vom Lehrbuch der Zaubersprüche, Band 2 aus ihrer Tasche und schlug es auf.
„Die Gruppen stehen im Übrigen an der Tafel", sagte Baddock, als Lily gerade beim zweiten Satz angekommen war, doch sie sah nicht auf.
Insgeheim hatte sie gehofft mit Colin und Eric zusammen zu arbeiten, doch es hätte ihr klar sein müssen, dass Baddock ihr einen Strich durch die Rechnung machte.
„Mr Fry, haben Sie die Aufgabe nicht verstanden?", unterbrach Professor Baddock erneut die Stille.
„Doch, Professor", antwortete Max, der ein paar Reihen hinter Lily saß.
„Und was tun Sie dann dort?"
„Ich lese, Professor."
„Was lesen Sie?"
Er stand von seinem Pult auf und schritt durch die Reihen auf Max zu.
Bevor dieser irgendetwas tun konnte, hatte Baddock das dicke staubige Buch, was auf dessen Tisch lag an sich gerissen.
„Reinblütige Zaubererfamilien, so so", spöttelte er, „Was wollen Sie bitte mit diesem Buch. Soweit ich informiert bin, stammen Sie doch von Muggeln ab."
Er sprach das Wort aus, als wäre es ein Schimpfwort. Lily kniff die Augen zusammen und seltsamerweise tat Max es im selben Moment.
Er öffnete gerade den Mund, um etwas zu sagen, doch Baddock kam ihm zuvor: „Nachsitzen und zwanzig Punkte Abzug für Gryffindor."
Er nahm das Buch mit nach vorn.
Als Lily endlich fertig war mit Lesen, (Sie hatte sich mehrmals davon abhalten müssen, nicht über ihrem Buch einzunicken.) fand sie sich mit ihren Gruppenmitgliedern zusammen, die alle Hufflepuffs waren. Einer davon war Lysander Scamander und die anderen beiden waren die Bones-Zwillinge, Moira und Macie, mit denen Lily vorher noch nie wirklich geredet hatte.
Sie nahm ihren Zauberstab und setzte sich weiter hinten im Raum zu den anderen dreien an den Tisch.
„Weshalb liest Max dieses Buch?", flüsterte Macie Lily zu und beugte sich ein Stück zu ihr, doch Lily beantwortete ihre Frage nur mit einem Schultern zucken.
„Keine Ahnung", sagte sie und Moira warf Max einen interessierten Blick zu.
„Aber er ist doch muggelstämmig, oder?", fragte Macie weiter.
Lily nickte.
„Soweit ich weiß, schon", antwortete sie.
„Vielleicht hat er einen Squib als Vorfahren, der von seiner Familie ausgestoßen worden ist", flüsterte Moira Macie zu.
„Aber dann wäre er auf jeden Fall mit den Slytherins verwandt und er ist ein Gryffindor", lenkte Macie ein, „Das passt irgendwie nicht!"
„Verwandte müssen ja nicht zwangsweise im selben Haus landen", merkte Moira an.
Beide Mädchen warfen Max einen interessierten Blick zu und Lily bekam aus dem Augenwinkel mit, wie er charmant zu ihnen hinüber lächelte.
Lily beschloss, später über Moiras und Macies Vermutungen nachzudenken, und richtete ihren Zauberstab auf Moiras Feder, die daraufhin zu tanzen anfing. Zufrieden betrachtete sie ihr Werk.
„Ich habe heute Morgen von Melania gehört, dass Hayden sich am Samstag als Jäger bewerben will", sagte Macie mehr zu Moira und Lysander als zu Lily.
Automatisch drehte diese sich zu Hayden Smith herum, der mit Eric, Davey Robins und Simon Derricks in einer Gruppe arbeitete. Hayden war blond und groß und Lily wusste noch vom letzten Jahr aus dem Flugunterricht, dass er besser behauptete fliegen zu können, als er es wirklich tat. Auch sonst schien er schier alles besser zu wissen und lag den meisten damit permanent in den Ohren, wie sie es richtig zu machen hatten.
Eric sah so genervt aus, dass Lily glaubte, er würde trotz seiner sonst so guten Beherrschung Hayden bald an die Gurgel gehen.
Falls Hayden bei den Hufflepuffs ins Team aufgenommen wurde, würde Lily nur zu gern einmal gegen ihn spielen und das war ein weiterer Grund für sie am Freitag zum Auswahltraining zu gehen, auch wenn Hugo danach sicher furchtbar enttäuscht sein würde, falls sie den Platz bekäme und er nicht.
„Dieser Hayden ist der größte Idiot der Schule", platzte es nach dem Unterricht aus Eric heraus.
„Was haltet ihr davon, wenn wir heute Nachmittag Hagrid besuchen?", versuchte Lily ihn aufzumuntern.
Zwar schien es nicht viel zu helfen, doch Colin und Eric stimmten zu, während sie sich zusammen mit den anderen Gryffindors auf zu den Gewächshäusern machten.
In diesem Jahr führte Professor Longbottom sie zu Gewächshaus drei. Hier lernten sie in der ersten Stunde, wie man Alraunen umtopfte. Dazu mussten sich alle ein Paar Ohrenschützer aufsetzen. Zu Colins Zufriedenheit ging Professor Longbottom zuerst auf der Seite der Gryffindors lang, als er die Kiste mit diesen herumtrug. So kam es, dass Nott und Flint am Ende nur noch pinkfarbene und plüschige blieben. Colin grinste süffisant zu ihnen hinüber.
Alles in allem war der erste Schultag somit doch noch erfreulich gewesen und so gingen Lily, Colin und Eric nach der Stunde hinunter zu Hagrids Hütte.
Die Luft draußen war noch angenehm warm und entpuppte sich als eine wahre Wohltat nach der stickigen Gewächshausluft.
Man hätte jetzt gut eine Partie Quidditch spielen können, dachte Lily und sie hoffte, dass das Wetter am Freitag genauso sein würde. Ein wenig hatte sie James' Ehrgeiz das Auswahltraining nur drei Tage nach Unterrichtsbeginn anzusetzen schon amüsiert. Allerdings wäre sie sicherlich die letzte, die seine Trainings- und Führungsmethoden in Frage stellen würde. Vor allem nach der letzten Saison wäre dies einfach nur töricht.
Schon von Weitem erkannten sie Hagrid in seinem Kürbisbeet.
Er schien dort zu arbeiten und Grinder hatte es sich auf einem der Riesenkürbisse gemütlich gemacht.
Als Lily, Colin und Eric ankamen, begrüßte er sie stürmisch und leckte Colin sogar durchs Gesicht. Grinder hatte ihn aus einem unerklärlichen Grund urplötzlich gemocht und war in rasender Schnelle zu einer kleinen Frohnatur mutiert, nachdem er sich bei ihrem ersten Treffen ausschließlich unter Hagrids Bett verkrochen hatte.
„Na, ihr drei", begrüßte Hagrid sie, „Schön euch zu sehen. Wie geht's euch?"
„Könnte nicht besser sein", antwortete Colin und nahm auf einem der Kürbisse platz.
„Sag mal, Hagrid, was machst du da?", fragte Colin und blickte auf Hagrids Hand, in der er ein kleines hässliches Etwas gefangen hielt, das fest in seinen Daumen biss, doch Hagrid schien das nicht zu spüren.
Lily erkannte es als einen Gartengnom.
Sie hatte ihrer Mutter schon das ein oder andere Mal geholfen, die Wesen aus ihrem Garten zu entfernen.
„Entgnome mein Kürbisbeet. Sin' eine Plage diese Viecher. In diesem Jahr besonders schlimm", antwortete Hagrid und schleuderte seinen Gnom in Richtung des Verbotenen Waldes.
Lily sah ihm nach, wie er schmerzhaft gegen den Ast eines Baumes prallte und schließlich an ihm herunterfiel.
„Aber erzählt ma', wie war euer erster Tag?"
Auch Eric und Lily hatten sich nun nebeneinander auf einen anderen Kübis gesetzt und hörten nun Colin zu, wie er vollkommen vom eigentlichen Thema abschweifte und ausführlich von seinen Ferien zu erzählen begann.
Nach einiger Zeit zeigte Hagrid ihnen noch ein Gehege mit seltsamen Wesen, die er für seinen Unterricht gebrauchte.
„Das sin' Demiguise", erklärte er, „Eigentlich leben sie nur in fern östlichen Gebieten."
Lily blickte auf die affenähnlichen Tiere, die sich durch die Bäume des verbotenen Waldes hangelten.
„War wirklich schwer sie zu bekommen. Man fängt sie nicht so leicht, seht!"
Hagrid deutete auf einen Demiguise ziemlich nah bei ihnen, der plötzlich unsichtbar geworden war.
„Ihr Pelz is' unendlich viele Galeonen wert, wird für Tarnumhänge gebraucht."
Lily, Colin und Eric beobachteten die Tiere eine Weile.
„Wow", staunte Lily, „Ich glaube, ich belege ab nächstem Jahr auch Pflege magischer Geschöpfe."
Sie war völlig fasziniert von den Tieren.
„Das freut mich, Lily", sagte Hagrid und plötzlich ertönte ein lautes Geräusch, das aus Colins Magengegend zu kommen schien.
Colin errötete.
„Das Mittagessen ist nun schon ein Weilchen her", sagte er verlegen.
Hagrid, Lily und Eric lachten jedoch nur.
„Solltet wohl ma' besser hoch ins Schloss verschwinden, sonst verpasst ihr noch das Abendessen", warnte Hagrid belustigt und die drei ließen es sich nicht zweimal sagen, verabschiedeten sich und machten sich zurück hinauf ins Schloss.
„Du willst Pflege magischer Geschöpfe belegen?", fragte Colin an Lily gewandt, als sei sie von allen guten Geistern verlassen worden.
Lily zuckte die Schultern.
„Es weiß doch jeder hier, dass das der reinste Selbstmord ist", sagte Colin.
„Die Demiguise wirkten ganz friedlich", entgegnete Lily.
„Jetzt sag doch auch was, Eric!"
Colin rammte ihm den Ellbogen in die Seite.
„Autsch, was soll ich denn dazu sagen?", fragte er genervt.
„Dass es keine gute Idee ist zum Beispiel."
„Pflege magischer Geschöpfe ist auf jeden Fall besser als Wahrsagen, oder Muggelkunde und Arithmantik möchte ich auch nicht lernen", erklärte Lily und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Ich glaube, ich wähle Muggelkunde", sagte Colin, als sie das Schlossportal erreicht hatten.
Beim Abendessen setze sich James zu ihnen und wie immer waren Marius und Fred mit im Schlepptau.
„Wofür haben Mum und Dad dir eigentlich diesen wundervollen neuen Besen geschenkt, wenn du nicht einmal daran denkst, ihn zu benutzen", sagte James anklagend und Lily sah ihn irritiert an.
„Am Freitag ist das Quidditchauswahltraining und du stehst immer noch nicht auf der Liste", erklärte ihr James und wedelte mit einem Stück Pergament vor ihrer Nase herum.
„Ich wusste nicht, dass man sich eintragen muss", antwortete Lily und holte eiligst eine Feder aus ihrer Tasche.
James schnaubte nur arrogant.
„Streng dich an!", sagte er in einem abwertenden Tonfall und riss Lily, die, nachdem sie ihren Namen eingetragen hatte, noch versuchte einige der anderen zu lesen, das Pergament wieder aus der Hand.
Gerade wollte sie etwas entgegnen, doch James war schon aufgestanden und schritt mit seinen Freunden davon.
„Neuer Besen?", fragte Colin argwöhnisch.
Lily hatte bisher noch kein Sterbenswörtchen von ihrem neuen Feuerblitz 7 erwähnt, einfach, weil so viel passiert war, dass sie es komplett vergessen hatte.
„Meine Eltern haben mir zum Geburtstag einen Feuerblitz 7 geschenkt", erklärte Lily und versuchte so beiläufig wie möglich zu klingen.
Colin sah sie an, als sei sie ein Gespenst.
„Und du denkst nicht daran, es uns zu erzählen?", fragte er.
„Ich hab es vergessen, Colin", antwortete sie beschwichtigend und Colin zog zur Antwort nur die Brauen hoch.
„Du darfst mal damit fliegen, wenn du magst", versprach sie ihm, weil sie glaubte, sie müsse irgendetwas wieder gut machen und auf einmal war Colin Feuer und Flamme.
Leider kamen sie am nächsten Tag nicht dazu, mit dem Feuerblitz 7 zu fliegen, da die Slytherins das Quidditchfeld ab dem Nachmittag komplett ausgebucht hatten.
„Tja, die brauchen auch eine Menge Training, falls sie dieses Jahr mal gewinnen wollen", scherzte James im Gemeinschaftsraum, während er seinen eigenen Besen polierte und Fred ihm dabei zu sah. Ausnahmsweise war Marius mal nicht bei ihnen.
„Wo ist eigentlich Marius?", fragte James nach einiger Zeit, als ihm selber auffiel, dass sein bester Freund fehlte.
„Mit Gracie in der Küche", antwortete Fred.
James runzelte die Stirn.
„In der Küche?"
Fred zuckte nur die Schultern.
Lilys Aufmerksamkeit im Unterricht am Freitag ließ sehr zu wünschen übrig, da sie mit ihren Gedanken schon komplett beim am Nachmittag stattfindenden Auswahltraining war.
Nach einer Doppelstunde Zaubertränke brachte sie eilig ihre Sachen hinauf in den Turm, schulterte ihren Feuerblitz 7 und ging dann guten Mutes hinunter zum Quidditchstadion.
Colin und Eric hatten versprochen, zuzusehen und sie anzufeuern, nur hatten das noch einige mehr aus ihrem Jahrgang mitbekommen und so saßen fast alle Gryffindor-Zweitklässler auf den Zuschauerrängen.
Damit kam Lily sich vor wie ein Tier im Zoo. Es waren auch so schon genug Leute zum Zusehen da. Die meisten davon waren Mädchen und Lily konnte sich denken, dass es nicht nur Quidditch war, was sie so brennend interessierte.
Allzu viele Anwärter auf den freien Jägerposten gab es gar nicht, außer Lily und Hugo hatten sich noch drei andere beworben:
Ein großer Fünftklässler namens Andrew Westenberg, eine Fünftklsslerin namens Lisa McGuffin, die Lily von irgendwoher kannte, doch ihr fiel es nicht mehr ein, und ein Viertklässler namens Ben Fuller.
Zuerst durften sie sich alle warm fliegen und dank Lilys schnellem Besen überholte sie die anderen ohne große Anstrengung um Längen.
Als sie alle wieder auf dem Boden gelandet waren, kam James zu ihnen hinüber und zu aller Überraschung trug er genau fünf Besen in seinen Händen, die er vor ihnen auf den Boden fallen ließ.
„Ich will, dass ihr mit diesen Besen fliegt", erklärte er.
Ein wenig perplex legten alle fünf ihre eigenen Besen ins Gras und nahmen sich jeweils einen von den alten Schulbesen.
„Sehr gut", sagte James grinsend, „und jetzt wird gespielt!"
Er bedeutete ihnen vom Boden abzuheben und warf Roxanne einen Quaffel zu.
„Du spielst mit Andrew und Lisa gegen Lily, Ben und Hugo. Cody, du machst den Hüter für die anderen drei und Albus, du bist der Hüter bei Roxanne", gab James vor und die anderen gehorchten ihm sofort.
„Fred, Leslie, seht euch an, wer am besten ist", fügte er hinzu und, als schließlich alle in der Luft waren, konnte das Spiel endlich beginnen.
Lily gab sich auf dem alten Schulbesen viel Mühe, doch mit Roxannes Feuerblitz 4 konnte kaum jemand mithalten, weshalb Lilys Team auch schnell in den Rückstand geriet.
Sie bemühte sich geschickt Wege nach vorn zu den Torringen zu finden, doch entweder nahm man ihr vorher den Quaffle ab, oder sie wurde von ihren Gegnern so hart in Beschlag genommen, dass sich kein anderer Ausweg mehr fand, als den Quaffle von selbst wegzuwerfen und Ben und Hugo waren oft nicht da, um ihn aufzufangen.
Ben war eigentlich ganz in Ordnung und Lily vermutete, dass er ihre einzige ernst zu nehmende Konkurrenz war, denn die anderen flogen wirklich miserabel.
Lisa McGuffin zum Beispiel schien auf ihrem Besen nur gut aussehen zu wollen. Sie bemühte sich kaum darum, sich den Quaffle zu erkämpfen und strich sich auffällig häufig die Haare glatt, wobei sie James immer zu zwinkerte.
Hugo war viel zu aufgeregt, als dass er irgendetwas hätte zu Stande bringen können.
Er ließ den Quaffle aus Überraschung los, sobald er ihn bekam und stieß oft mit anderen Spielern zusammen.
Zu Andrew Westenberg konnte man nur sagen, dass er es einfach nicht drauf hatte.
Er war schlichtweg untalentiert und daran konnte auch keiner etwas ändern.
Nur zwei Treffer hatte Lily am Ende erzielt, Ben drei und Hugo keinen einzigen. Als James das Spiel beendete stand es 70:50 für Roxannes Team, die selber alle Tore erzielt hatte.
So wie Lily es erwartet hatte, erklärte James Andrew, Lisa und Hugo, dass sie es nicht geschafft hatten, doch nun blieb die Frage: Sie oder Ben?
Lilys Fingernägel bohrten sich fest in den Besenstil, doch James schien nicht daran zu denken, eine Entscheidung zu treffen und setzte an, dass Lily und Ben nun abwechselnd auf die drei Torringe werfen sollten, die von Cody Stevens bewacht wurden, wobei Lily anfangen sollte, da sie die Jüngere war.
Roxanne schmiss ihr den Quaffle zu und Lily visierte die drei Ringe an.
Cody war ein wahnsinnig guter Hüter, doch sie musste einfach treffen!
Mit starrem Blick auf Cody flog Lily los. Knappe fünf Meter vor den Ringen holte sie aus und feuerte den Quaffle mit voller Wucht nach links, doch zu ihrer Enttäuschung fing Cody ihn ab.
Auch Bens Wurf wurde von Cody abgehalten und Lily fing an zu glauben, es sei hoffnungslos, aber sie traf den nächsten und auch den übernächsten. Nachdem sie beide vier mal geworfen hatten, stand es zwei zu zwei und James erklärte, dass dies ihr letzter Wurf werden würde.
Lily zog scharf die Luft ein, nahm den Quaffle und flog wieder auf die Torringe zu. Cody beobachtete sie genau, also täuschte Lily nach links an und warf dann mit ihrer ganzen Kraft auf den mittleren Torring.
Die anderen aus Lilys Jahrgang jubelten auf den Zuschauerrängen und wurden noch viel lauter als Ben darauf den Torring verfehlte.
Lily konnte es kaum fassen, als Roxanne auf sie zuflog und sie James sagen hörte, dass sie im Team war.
Ihre Gefühle waren einfach unbeschreiblich!
„Willkommen im Team, Lily", sagte Albus und klopfte ihr etwas zu fest auf die Schulter, sodass sie mit ihrem Besen ein Stück nach unten sackte.
„Jetzt kann wenigstens niemand behaupten, wir hätten sie nur wegen des Feuerblitz 7 genommen", wandte sich Fred an James, der daraufhin nickte und Lily glaubte etwas Stolzes in seinem Blick zu erkennen, aber vielleicht hatte sie sich das auch nur eingebildet.
AN: Zu diesem Kapitel gibt es wieder zwei Sidechapter, die euch mehr über James und Albus verraten: [link href=" .de/s/4ec910a60001c314067007d0/14/Ballbegleitung-auf-Potterart"]Schokopudding[/link]; [link href=" .de/s/4ec910a60001c314067007d0/15/Ballbegleitung-auf-Potterart"]Eifersucht[/link]
