3. Terry Silver
Für Terry war es dieser eine Moment in seinem Leben, der zu dem Moment wurde, dem er nicht entkommen konnte, in dem er auf immer und ewig gefangen zu sein schien, und der den Rest seiner Existenz bestimmte.
Er war in den Krieg gezogen, weil er wusste, dass seine Eltern das von ihm erwarteten. Er war sein Leben lang ein guter Junge gewesen, der seine Eltern stolz machen wollte, dem Namen Silver gerecht werden wollte und sie niemals enttäuschen wollte. Seine Vorstellungen vom Krieg waren naiv, er rechnete mit Ehre und glorreichen Schlachten, mit Heldentum, damit, dass er sich allen als Mann beweisen konnte. Die Realität, die er vorfand, war eine andere.
Seine Ausbilder sahen etwas in ihm, Potential. Potential wozu wusste er nicht genau, aber er ließ zu, dass man ihn für diese Spezialeinheit rekrutierte, die Sonderaufträge ausführen sollte. Er ließ zu, dass man ihm Kampftaktiken beibrachte. Nahkampf, Strategie, Technik. Terry war schon immer ein kluger Kopf gewesen, das Wissen, das ihm die Armee vermittelte, sog er ein wie ein Schwamm. Wenn seine Kameraden sich über ihn lustig machten und ihn als Nerd bezeichneten, dann fühlte sich das anders an als es sich zu Hause angefühlt hatte, seine Kameraden meinten es liebevoll, sie waren auf seiner Seite, immer, das wusste er genau. In der Armee waren sie alle Brüder, sie waren alle für einander da, immer.
Sein kommandierender Offizier, Turner, war nicht gerade von der netten Sorte, aber das war in Ordnung, denn er hatte seine Einheit, die ihm den Rücken freihielt. Die Freundschaften, die er in Vietnam schloss, wären fürs Leben, falls sie alle überleben sollten zumindest. Nicht alle überlebten. Ponytail sterben zu sehen war erschütternd, gefangen genommen zu werden und auf den sicheren Tod zu warten war noch erschütternder.
Der Vietkong tötete sie nicht einfach, nein, er spielte mit ihnen. Sperrte sie ein und ließ sie einen nach dem anderen gegeneinander antreten, Kämpfe auf Leben und Tod über einer Schlangengrube austragen. Der Vietkong tötete sie nicht selbst, er brachte sie dazu einander zu töten. Das vergaß Terry niemals, diese beinahe nebensächliche Grausamkeit. Sie waren Kriegsgefangene, und später könnten ihre Wärter wahrheitsgemäß behaupten, dass sie ihre Gefangen nicht getötet hatten, stattdessen hatten diese einander getötet.
Zuerst dachte Terry, dass keiner von ihnen bei diesem Spiel mitmachen würde. Dass keiner von ihnen sich gegen den anderen wenden würde, das eigene Überleben hin oder her. Wenn sie sich alle weigern würden mitzumachen, dann würde das ganze Spiel sinnlos werden, und ihre Wärter würden es einfach sein lassen. Das mussten sie einfach. Ja natürlich bestand die Möglichkeit, dass sie dann einfach alle getötet werden würden, aber zumindest würden sie alle gemeinsam sterben als Einheit, so wie es sein sollte. Besser zu sterben als sich zu etwas machen zu lassen, was sie nicht waren. Das war zumindest seine Meinung.
Doch es stellte sich heraus, dass er mit dieser Meinung alleine dastand. Derjenige, der sie hätte durchsetzen müssen, der sie hätte zusammenhalten müssen, tat das nicht. Ihr Kommandant ließ zu, dass sie gegeneinander ausgespielt wurden, ließ zu, dass sie einander töteten.
„Ich hatte keine andere Wahl. Was hätte ich denn sonst tun sollen?", rechtfertigte sich der Überlebende. Und dann sagte er ihm noch, dass die Schlangengrube nicht das Schlimmste an der ganzen Sache war.
Terry brauchte Jahre bis er begriff was damit damals wirklich gemeint gewesen war. Das Schlimmste waren nicht die Schlangen, es war auch nicht die Todesangst, es war, dass man dazu gebracht wurde etwas zu tun, was der eigenen Natur widersprach, das man dazu gebracht wurde etwas zu tun, das man nicht tun wollte.
Die Idee, dass sie einander töteten, paralysierte Terry. Er hatte gedacht, dass er Angst kennen würde. Kugeln waren ihm nicht fremd, sie waren schon ziemlich oft sehr nahe an ihm vorbeigeflogen. Aber sich vorzustellen, dass er die Wahl hatte von Schlangen oder seinen Freunden getötet zu werden, führte dazu, dass er eine vollkommen neue Art der Angst kennenlernte. Im Kugelhagel des Feindes zu sterben war ein ehrenhafter Tod, das hier aber, das war einfach nur reiner Terror.
Und dann wurde Turner ausgewählt zu kämpfen. Turner war eine gnadenlose Kampfmaschine. Er hatten ihnen alles beigebracht, was sie über Nahkampf wussten. Und er würde nicht zögern seinen Gegner zu töten um sich selbst zu retten. Seine Männer bedeuteten ihm nicht genug um sie davor zu bewahren hier gedemütigt und gebrochen zu werden. Wer auch immer gegen Turner kämpfen würde, würde nähere Bekanntschaft mit den Schlangen machen. Terry fürchtete nichts mehr als ausgewählt zu werden gegen Turner anzutreten, und natürlich wurde er ausgewählt.
Dieser Moment, dieser eine Moment, er würde ihn niemals vergessen: Der Geruch von Urin, Schweiß, Blut, und Tod. Die Lähmung, die ihn überkam. Die Gewissheit, dass das hier sein Ende war, dass es nichts und niemanden gab, der ihn retten würde. Turner hatte ihn noch nie sonderlich gemocht, er hielt ihn für einen Schwächling, das hatte er ihn mehr als einmal gesagt, und Terry wurde in diesem Moment auch bewusst, dass es ironisch war, dass sein Spitzname in der Armee Twig lautete – Turner würde ihn wie einen Ast zerbrechen.
Mit dem Tod zu rechnen war eine Sache, zu wissen, dass man sterben würde und noch dazu grausam, eine vollkommen andere. Terry wusste in diesem Moment, dass es vorbei war, dass es keine Rettung gab, weder für seinen Körper noch seine Seele. Und dann wurde er doch gerettet. Johnny Kreese meldete sich freiwillig für den Kampf gegen Turner, nahm Terrys Platz ein, und rettete ihm so das Leben.
Nicht nur weil er statt Terry gegen Turner kämpfte, sondern auch weil er diesen Kampf nutzte um ihre Wärter zu überraschen und sie alle zu retten. John Kreese rettete Terry an diesem Tag das Leben, in mehr als nur einer Hinsicht. Nachdem sie entgegen jeder Wahrscheinlichkeit entkommen waren und sich wieder in Sicherheit befanden, bei den eigenen Leute, da sprach Terry das aus, was ihm auf der Seele brannte: „Wenn du jemals etwas brauchst, egal was, dann bin ich für dich da."
John Kreese hatte ihn gerettet, Terry schuldete ihm etwas, er schuldete ihm alles, und er war bereit dazu seine Schulden abzuzahlen.
Vietnam wurde danach nicht besser, aber es wurde auch nicht schlimmer, denn von nun an wusste er, dass er, solange er John Kreese an seiner Seite hatte, nie mehr in Gefahr sein würde. Sein Retter war bei ihm, egal wohin er auch ging, und gemeinsam überlebten sie den Krieg, gemeinsam kehrten sie zurück nach Hause, gemeinsam schmiedeten sie Pläne für die Zukunft. Sie malten sich das danach aus. Was sie nach dem Krieg tun würden.
„Diese Kinder zu Hause, sie wissen nicht wie es hier ist, sie wissen nicht wie die Welt wirklich ist. Wir müssen sie darauf vorbereiten, wir müssen verhindern, dass sie jemals in die gleiche Lage geraten, in die wir geraten sind." Das war der Plan, der Plan, den sie gemeinsam schmiedeten. Welche Worte von Terry stammten und welche von Johnny konnte er später nicht mehr sagen, aber es waren ihre gemeinsamen Worte. Cobra Kai wurde damals in Vietnam geboren, es war ihr gemeinsamer Traum. Sie wollten Kinder beibringen sich zu verteidigen, sie wollten ihnen beibringen jeden Feind zu schlagen, sie wollten ihnen beibringen dem Leben stand zu halten.
Das war der Plan. Nie mehr schwach zu sein war ihr Credo, anderen Schwäche auszutreiben ihr Schicksal. In jenen gemeinsamen Nächten in Vietnam, da meinte Terry jedes Wort davon auch ehrlich. Er konnte sich nicht mehr daran erinnern, dass das Leben anders aussehen konnte als es hier im Dschungel. Er konnte sich ein Leben ohne Johnny an seiner Seite nicht mehr vorstellen. Johnny war sein kommandierender Offizier, sein Freund, sein Vertrauter, sein Retter. Und noch so vieles mehr. Er hatte seine Worte ernst gemeint, für Johnny würde er alles tun.
Aber, was sind Versprechungen wert, die unter Adrenalineinfluss und ständig wiederkehrender Angst gegeben werden? Die Realität holt einen irgendwann ein.
Nach ihrer Rückkehr in die Staaten tätowierten sie sich ihr ewiges Versprechen auf ihre Haut – die Kobra war das Symbol ihrer Verbundenheit, das Symbol ihrer Zukunft. Doch zu diesem Zeitpunkt hatten Terrys Eltern ihn bereits eindeutig wissen lassen, was sie von ihm erwarteten, und was sie von ihm nicht sehen wollten.
Die Wahrheit war, dass seine Eltern John Kreese nicht sonderlich mochten und seinen Einfluss auf Terry mit skeptischen Augen sahen. Sie hatten ihren Sohn zu einem Geschäftsmann erzogen, nicht zu einem Möchtegern-Karate-Lehrer. Das tiefe Band, das Terry mit Johnny verband, begriffen sie nicht. Sie sahen es differenzierter als Terry es tat.
„Ja, er hat dir das Leben gerettet, das verstehen wir, Terry, aber was genau hast du ihm versprochen? Wir sind reich, Terry, er ist eine besser Aushilfe. Was genau hast du ihm versprochen, und was erhältst du dafür im Gegenzug?" Terrys Eltern sahen in Johnny einen Blutegel, der nur deswegen mit Terry befreundet war, weil er hinter dem Geld der Silvers her war.
„Wir brauchen euer Geld nicht, wir machen unser eigenes Ding", beharrte Terry, was ihm nur Kopfschütteln und enttäuschte Blicke einbrachte.
„Du warst immer so ein guter Junge. Dieser Mann, er verwirrt dich."
Terry betete den Boden an, auf den John Kreese stand. Das war so offensichtlich wie unwillkommen.
Johnny zu sagen, dass er Cobra Kai ohne ihn aufziehen musste, gehörten zu den schwersten Dingen, die Terry jemals tun musste. „Ich brauche dich an meiner Seite", beharrte Johnny. Und das war wie Musik in Terrys Ohren. Das war genau das Lied, das er immer hatte hören wollen. Ein fester Griff in seinen Nacken. Er verwirrt dich, klang die Warnung seiner Mutter in seinen Ohren.
Aber sie konnten es nicht verstehen, keiner konnte es verstehen. Sie waren nicht dabei gewesen, sie wussten nicht, begriffen nicht, was John Kreese für Terry getan hatte. Dass nur John Kreese seine Alpträume von ihm fern halten konnte.
Trotzdem ließ ihn Terry seiner Wege ziehen, wurde ein Geschäftsmann, ließ Johnny Cobra Kai alleine aufziehen. Er war der stille Teilhaber. Cobra Kai gehörte ihm, es war seine Marke, er hatte sie registrieren lassen, er stellte Johnny das Startkapital zur Verfügung, aber den Unterricht übernahm Johnny. Er selbst machte das, was seine Eltern von ihm erwarteten. Weil er ein braver Junge war, immer gewesen war.
Die Alpträume begannen kaum, dass John Kreese nicht mehr an seiner Seite war. Vietnam war überall, Terry mochte den Dschungel verlassen haben, doch der Dschungel war ihm zurück nach Hause gefolgt. Er träumte von dem Käfig, von jenem Moment im Käfig, er träumte jede Nacht davon.
Johnny sagte ihm, dass Karate helfen würde. „Kick deine Angst einfach davon, Twig", meinte er. Und Terry stellte fest, dass sein Captain, sein einzig wahrer Captain, recht hatte. Kicks und Schreie halfen dabei den Moment zu vertreiben, die Angst und die damit verbundene Hilflosigkeit verschwinden zu lassen. Aber nur vorübergehend. Der Dschungel und der Käfig kehrten immer wieder.
Wann genau aus der Angst und der Hilflosigkeit Wut wurde, konnte er nicht sagen. Vielleicht war es immer schon Wut gewesen. Sie waren nach Vietnam gegangen um für ihr Vaterland zu kämpfen, Ponytail und so viele andere waren für diesen Krieg gestorben, diesen Krieg, der die Idee der Politiker gewesen war, diesen Krieg, über den ihnen gesagt worden war, dass er notwendig war. Und dann gaben die Politiker, gab die USA, einfach auf. Vietnam wurde einfach aufgegeben, all das Blut und der Schweiß, all die Angst und das Leid, all die Opfer, die sie und ihre Brüder gebracht hatten, alles war umsonst gewesen. Ein bedauernswerter Fehler, der sich leider nicht hatte vermeiden lassen.
Der Käfig und alles, was damit zusammenhing, war umsonst gewesen. Und jeder, absolut jeder, vor allem diejenigen, die nicht dort gewesen waren, hatte eine Meinung dazu. Terry und seine Brüder, die geblutet und getötet hatten, hätten auf einmal nicht einmal dort sein dürfen. Waren auf einmal die Bösen in dieser Geschichte.
Wie konnten sie es wagen? Wie konnten sie es wagen?!
„Diese Hippies werden es nicht verstehe, verschwende deine Zeit nicht mit ihnen, Terry." Johnny tat so als würde ihn das alles nicht berühren, als würde ihn das alles nicht wütend machen, und das machte Terry nur noch wütender. Er verstand nicht wie sein Captain das alles einfach wegstecken konnte. Terry konnte es nicht wegstecken. Aber er war ja nicht nur ein kleiner Karate-Lehrer, er war ein Geschäftsmann, er musste sich täglich mit Leuten befassen, denen keine Meinung zu diesem Thema zustand, denen er aber trotzdem zulächeln musste, wenn sie Unsinn redeten um so die Geschäfte seine Eltern nicht zu gefährden.
Terry hasste es, er hasste diese Leute, er hasste die Regierung, er hasste einfach alles und jeden, weil es niemand verstand. Und weil sie es alle kleinredeten.
Vielleicht war es so wütend, weil es einfacher war darüber wütend zu sein als daran zu verzweifeln. Die Träume wurden schlimmer. Wenn er aufwachte, dann war nicht mehr verängstigt, nein, er war stattdessen wütend. Die Träume waren nun eine Erinnerung an das, was er für Menschen, die es nicht zu schätzen wussten, durchgemacht hatte. Seine Kicks wurden wütender, aber es half nichts. Er fühlte sich nicht besser, nein, nicht auf Dauer.
Was half waren Alkohol und Drogen. Alkohol, Drogen, und Gewalt, diese drei der vier Reiter der Apokalypse erlösten ihn von den Bildern, brachten die Erinnerungen zum Schweigen. Der einzige Reiter, der fehlte, war der vierte Reiter, und dieser, der Tod, hätte all sein Leiden für immer beendet, und diesen wollte er nicht begegnen.
All diese undankbaren Besserwisser, diese nichts-ahnenden Kinder, sie machten Terry immer noch wütend, egal wie betrunken oder high er war. Er konnte nicht aufhören wütend auf sie zu sein. Irgendwann wurde ihm klar, dass er sie hasste. Er hasste sie alle, weil sie nicht verstanden was er für sie durchgestanden hatte. Er hasste sie, weil sie schwach waren, so schwach wie er damals in dem Käfig gewesen war. Und er stellte fest, dass es noch etwas gab, das ihm half: Es half ihm, wenn er ihnen weh tat.
Er war nicht nach Vietnam gegangen um anderen weh zu tun, er hatte Cobra Kai nicht gegründet um anderen weh zu tun, er machte nicht einmal Geschäfte um anderen weh zu tun, er hatte all diese Dinge getan um anderen zu helfen, aber jetzt, jetzt wurde ihm klar, dass es so viel einfacher war anderen weh zu tun als ihnen zu helfen. Dass es alle anderen nicht anders verdient hatten, seine Hilfe hatten sie nicht verdient, nein, sie hatten es verdient, dass er sie zerstörte.
Für sein von Koks umnebeltes Gehirn ergab das alles so eindeutig Sinn. Und wenn er ganz ehrlich war, dann bereitete es ihm nicht nur Genugtuung anderen weh zu tun, nein, es machte ihm sogar Spaß. Seit er aus Vietnam zurückgekommen war, hatte ihm nichts mehr Spaß gemacht, doch nun hatte er endlich wieder Spaß. Er erfreute sich am Leid anderer, es war besser als Koks, es war der beste Kick. Andere leiden zu sehen drängte alles andere in den Hintergrund, befreite ihn von allen anderen.
Terry wurde der Alleinherrscher des Silver-Imperiums, wurde jeden Tag reicher und reicher, stellte fest, dass er schwer Kokain abhängig war, und empfand nichts, rein gar nichts, außer wenn er anderen weh tat, dann fühlte er sich gut.
Er war kein Mensch mehr, er war zu einer Naturgewalt geworden, die eine Schneise der Zerstörung hinterließ, wo sie auch hinkam. Ich bin die Rache des Dschungels, Baby. Wenn er high war und Leuten weh getan hatte, dann fühlte er sich unbesiegbar. Die Träume waren dann fern, und er dachte er wäre unsterblich.
Und dann stand Johnny Kreese eines Tages vor ihm, übergab ihm die Schlüssel zu Cobra Kai und wollte aufgeben. Johnny Kreese, sein Captain, der sich von nichts und niemanden hatte besiegen lassen, nicht vom Vietkong, nicht von Turner, nicht von seinem eigenen Land nach Ende des Krieges, war geschlagen worden und wollte fliehen. Terry konnte das nicht zulassen. Johnny Kreese war wunderschön, wenn er stark war, Terry würde nicht zulassen, dass er jetzt schwach war. Er konnte es nicht zulassen, es passte nicht zu seinem Bild von John Kreese.
Er schenkte Johnny einen ausgedehnten Urlaub und versprach ihm sein Leben für ihn wieder in Ordnung zu bringen. Er würde für John Rache nehmen, und dann könnte John sein altes Leben fortsetzen und wäre wieder heil. Immerhin hatte er es versprochen, nicht wahr? Es gab nichts, das er nicht für John Kreese tun würde. Und das hier, das würde ihm sogar Spaß machen.
Terry hatte kein Problem damit einen alten Mann und einen Teenager zu vernichten. Immerhin hatten sie Johnny weh getan, sie hatten seinen Helden, seine Ein und Alles verletzt, sie verdienten keine Gnade. Niemand verdiente Gnade, denn niemand gewährte anderen jemals Gnade.
Terry hatte sich seit Jahren nicht mehr wirklich mit Karate beschäftigt. Ja, er trainierte immer noch gerne mit Dummies um sich abzureagieren, aber jetzt kehrte er zurück in das Business, in das er nie wirklich eingestiegen war, und er stellte fest, dass es ihm Freude bereitete, mehr als Geschäfte zu machen, es war als würde er eine alte Liebe wieder entdecken. Das Einzige, was fehlte, um alles perfekt zu machen, war John Kreese an seiner Seite. Nun, aber er war ja gerade dabei Sorge dafür zu tragen das zu ermöglichen.
Alles, was er tun musste, war alles, was er gelernt hatte, einzusetzen um möglichst effektiv das zu erreichen, was er wollte. Also tat er das.
Mister Miyagi und Daniel LaRusso hatten keine Chance. Sie wussten nicht einmal, dass sie von einem Hurrikan erwischt wurden, bis es schon zu spät war. Der alte Mann war Terry egal, Johnny hasste ihn, weil er ihn gedemütigt hatte, und Terry nahm Rache indem er ihm das nahm, was dem alten Mann am Wichtigsten war: Seinen Ersatzsohn.
Es war im Grunde erstaunlich einfach den Jungen vom dem alten Mann zu entfremden. Nachdem das erledigt war, musste er die beiden nur wiedervereinen und den alten Mann dann dabei zusehen lassen wie sein kostbarer Schüler nach Strich und Faden das Leben aus dem Leib geprügelt bekam. Wie gesagt einfach.
Was den Jungen anging …. Danny-Boy war etwas anders als ihn sich Terry vorgestellt hatte. Das kleine Miststück, das er erwartet hatte, lernte er nie kennen. Daniel LaRusso war ein höflicher junger Mann, der vollkommen naiv durchs Leben zu gehen schien, und keine wahren Ambitionen im Leben zu besitzen schien, abgesehen von der seinen Sensei stolz und glücklich zu machen. Aber da war etwas in Daniel, etwas Dunkles, Gebrochenes, das danach lechzte freigelassen zu werden. Daniel LaRusso war verletzt worden, die Welt hatte ihn verletzt, und er hatte beschlossen der Welt zu verzeihen anstatt Rache zu nehmen. Was ein Fehler war, ein Fehler, den Terry nicht begangen hatte. Und vielleicht konnte er Danny ja dazu bringen sich doch noch anders zu entscheiden.
Ja, so rechtfertigte er in Momenten des Zweifels die ganze Geschichte vor sich selbst: Er tat Danny einen Gefallen mit all dem hier. Er zeigte ihm wie die Welt wirklich war und wie man mit ihr umzugehen hatte. Es war eine Lektion, die dem Jungen mehr helfen würde als alles, was der alte Mann ihm beigebracht hatte.
Und ja, er mochte Danny. Es bereitete ihm Freude den Jungen zu unterrichten. Er hatte nie selbst Karate-Unterricht gegeben, aber jetzt wo er es tat, verstand er warum Johnny es so geliebt hatte. Es war das erfüllenste Gefühl der Welt jemanden dabei zuzusehen wie der über sich hinauswuchs und lernte mehr zu sein als er zuvor gewesen war. Und Danny dazu zu bringen Dinge zu tun, die er von sich aus niemals getan hätte …. das war wie ein Rausch, ein Rausch von Macht.
Seine Loyalität zu John Kreese stand natürlich niemals in Frage, immerhin tat er das alles hier für Johnny. Seine Zeit als Lehrer musste enden, das gehörte nun mal dazu. Sich ein wenig Schnee rechtzeitig für das große Finale in die Nase zu ziehen half dabei Danny die schwerste Lektion von allen beizubringen, die, das alles seinen Preis hatte, und man niemanden vertrauen konnte, und man gerade von denen verraten werden würde, die einem am Nächsten standen. Dannys Gesichtsausdruck als er John Kreese lebendig vor sich stehen sah … Terry glaube nicht, dass er jemals wieder etwas Derartiges sehen würde. Es war zum Schreien. Er lachte so laut.
Später würde er davon träumen, und es wären keine angenehmen Träume. Aber es war der Preis, den er zahlte um neben seinem Captain beim All Valley Turnier stehen zu können und Mike Barnes dabei zusehen zu können wie dieser einen Gegner nach dem anderen fertig machte. Terry hatte große Pläne für sich und John, wenn das alles vorbei wäre, dann würden sie Cobra Kai ganz groß aufziehen; alles, was sie in Vietnam besprochen hatten, würden sie jetzt endlich tun. Terry würde weiter unterrichten, richtige Schüler dieses Mal, würde zusehen wie sie über sich hinauswuchsen und sie bei Turnieren gewinnen sehen. Er würde sich besser fühlen als jemals zuvor, und er hätte die einzige Person, auf die es ankam, dabei an seiner Seite, Tag und Nacht, und niemand würde ihm dieses Mal davon abhalten, niemand würde mehr an ihm zweifeln und ihm Dinge ins Ohr flüstern, die er nicht hören wollte. Nein, dieses Mal würde alles gut werden.
Es war die reinste Manie. Er wollte, dass es gut für John war, und er flüsterte Mike Barnes in Ohr was er tun sollte. Der Final-Kampf war kein Karate mehr, es war ein Massaker. Terry blickte stolz zu Johnny hinüber. Siehst du, was ich für dich erreicht habe, Johnny? Du hast mich gebraucht, und ich war da. Ist das nicht besser als alles, was du dir jemals erträumt hast? Es war glorreich.
Aber es hielt nicht an. Barnes verlor. Terry war sich nicht sicher wie es das überhaupt passieren konnte, aber offenbar war der Badboy des Karates nicht so gut wie er dachte. Oder vielleicht war Danny besser als erwartet, wenn er in die Ecke gedrängt wurde. Vielleicht hatte Terrys Lektion ein wenig zu gut funktioniert. Dannys innere Stärke explodierte auf der Matte, und Miyagi Do gewann und Cobra Kai verlor.
Cobra Kai verlor alles. Die Bestechungsaffäre kam ans Licht, Cobra Kai wurde lebenslang gesperrt. Mikes Barnes, John Kreese, und Terry Silver wurden ebenfalls lebenslang gesperrt. Johnny war wütend auf Terry, das war nicht zu übersehen. „Wenn ich den Richter nicht bestochen hätte, dann hätte er Barnes sofort disqualifiziert. Ich musste es tun, du wolltest doch, dass der Junge leidet, nur so konnte ich dafür sorgen, dass er leidet", verteidigte sich Terry, doch Johnny blickte ihn nur lange an und meinte dann: „Ich wollte Karate unterrichten, Terry. Diese Möglichkeit hast du mir genommen."
„Du bist nur für das All Valley Turnier gesperrt. Es gibt andere Städte, andere Länder, falls es sich um eine Liga-Sperre handeln sollte, wandern wir einfach aus, fangen woanders neu an, in Kanada oder vielleicht in England. Oder in Europa, wolltest du nicht immer nach Europa?" Terry versuchte ihre Sorgen wegzulachen, bot John Champagner und verschiedenste „So schlimm ist das doch gar nicht"-Varianten an. Nichts half.
„Wer braucht schon Karate? Du könntest für mich arbeiten." Terry versuchte die Taktik zu ändern, doch der Erfolg stellte sich nicht ein.
„Ich habe gerne Karate unterrichtet, das war alles, worin ich gut war. Darin und im Töten von Menschen." Die Drohung, dass Johnny zur Armee zurückkehren könnte, sich den Special Forces anschließen könnte, lag in der Luft. Terry versuchte alles um es ihm auszureden.
Und am nächsten Tag war John Kreese aus seinem Leben verschwunden und blieb trotz allen teuren Anstrengungen, die Terry anwandte, unauffindbar.
Und ohne John Kreese an seiner Seite fiel Terrys Leben auseinander, wie es zu erwarten gewesen war. So schön ein Rauschzustand ist, so schrecklich ist es nüchtern zu werden.
Es war nicht der Kokain-Entzug, der Terry den Rest gab, es war der Johnny Kreese-Entzug. Mit seinem Captain an seiner Seite hatte er sich unbesiegbar gefühlt, ohne ihn an seiner Seite fühlte er sich alleine. Die Träume kehrten zurück, sie suchten ihn auch heim, wenn er wach war. Zu den vertrauten Bildern aus Vietnam kamen neue hinzu. Danny Boy begann Terry in seinen Träumen zu verfolgen, und er war nicht der Einzige. So gut es sich angefühlt hatte Leuten weh zu tun, so schlecht fühlte es sich an, wenn sich sein Gewissen zu Wort meldete, was es jetzt tat.
Seine Eltern wären so enttäuscht von ihm, wenn sie wüssten, was er getan hatte. Terry war doch immer ein guter Junge gewesen, doch was war aus ihm geworden? Was für ein Monster war aus ihm geworden? Ein Monster, das einen Teenager Monate lang pyschologisch und körperlich gequält hatte nur weil … weil der ein Karate Turnier gewonnen hatte? Aber er hatte es doch für Johnny getan. Alles andere, ja das ging auf seine Kappe, aber das das hatte er für Johnny getan, weil er ihm sein Leben schuldig war, also konnte ihm keiner einen Vorwurf machen, oder etwa doch?
Terry konnte nicht mehr schlafen, und er fühlte sich furchtbar, wenn er wach war. Koks half nicht mehr, Alkohol half nicht mehr, Karate half schon gar nicht. Es erinnerte ihn nur an den Mann, der ihn verlassen hatte.
Terry selbst hätte sich keine Hilfe besorgt, aber aus Gründen, die er selbst nicht ganz begriff, gab es immer noch Menschen, die sich um ihn scherten. Seine Eltern zwangen ihn dazu sich Hilfe zu besorgen, es sollte zu den letzten Dingen gehören, die sie jemals für ihn taten, und vergessen würde er es ihnen niemals. Sie retteten ihn damit. Terry war überzeugt, dass er nicht mehr lange gelebt hätte, wenn er so weiter gemacht hätte wie bisher. Vermutlich hätte es nur wenige Wochen bis zur „unabsichtlichen" Überdosis gedauert.
Die Therapie war das Beste, was Terry jemals passiert war. Es war nicht immer leicht, manchmal war es sogar regelrecht unangenehm. Ja, er konnte endlich wieder schlafen, und, ja, er konnte sich endlich wieder im Spiegel ansehen, ja, er gab das Koks auf, seine Saufeskapaden genauso, und hörte auf Wege zu finden sich selbst und anderen weh zu tun. Das alles war gut, aber weniger gut war es sich der Wahrheit über den Mann zu stellen, der ihn mehr bedeutete als jeder andere auf dieser Welt.
„Wir alle können in toxische Beziehungen stolpern, Terrence", erklärte ihm seine Therapeutin, „Das sagt nichts über uns als Person aus. Trotzdem ist es wichtig solche Beziehungen als das, was sie sind, zu erkennen."
„Sie verstehen das nicht, er hat mir das Leben gerettet, ich schulde ihm alles", widersprach Terry.
„Das bestreitet auch niemand. Aber so wie Sie mir alles beschrieben haben, Terrence, klingt es danach als ob diese Schuld, dieser Drang ihm irgendwie alles zurückzuzahlen, was er für Sie getan hat, Sie dazu gebracht hat Dinge zu tun, die Sie ansonsten nie getan hätten. Und was hat er Ihnen als Dank für alles, was Sie für ihn getan haben, zurückgegeben?", lautete die Antwort.
„Er muss mir nichts zurückgeben. Ich bin es, der ihm etwas schuldet", beharrte Terry.
„Ihr Leben lang? Soll so der Rest Ihres Lebens aussehen? Dass Sie jedes Mal, wenn Ihr Freund Johnny Sie braucht, alles stehen und liegen lassen und alles tun um sein Leben für ihn in Ordnung zu bringen? Würde Sie das glücklich machen? Würde ihn das glücklich machen? Wo ist er jetzt, Terrence? Er hat Sie gebraucht, und Sie waren für ihn da, und jetzt, wo Sie ihn brauchen, wo ist er jetzt?", lautete der nächste Einwand.
Das war leider ein gutes Argument, da Terry ja keine Ahnung hatte, wo Johnny zur Zeit steckte.
„Sie haben Ihren guten Ruf für ihn riskiert. Die Konsequenzen Ihrer Taten haben nicht nur Auswirkungen auf ihn, sondern auch auf Sie gehabt. Haben Sie mir nicht erzählt, dass es Ihnen Freude bereitet hat Karate zu unterrichten? Dass es eine Tätigkeit war, die Sie gerne für den Rest Ihres Lebens ausgeübt hätten? Und jetzt, nach allem, was passiert ist, sind Sie nicht mehr dazu in der Lage Kinder zu unterrichten, so ist es doch, oder? Selbst wenn es den lebenslangen Bann nicht gäbe, wären sie dazu nicht mehr in der Lage, weil Sie sich selbst nicht mehr über den Weg trauen würden, weil Sie Angst vor dem hätten, was Sie tun könnten. Das haben Sie mir gesagt. Und das alles ist nur deswegen so, weil sie Ihren Freund einen Gefallen tun wollten. Und als Dank dafür hat er Sie im Stich gelassen als Sie ihn am Notwendigsten gebraucht haben", erläuterte die Therapeutin.
Das Problem von Therapie war, dass man dazu neigte dem Therapeuten alles zu erzählen, was in einem vorging, was diese dann prompt gegen einen verwendeten.
„Es ist nicht seine Schuld", hielt Terry dagegen, „Ihm hat das alles immer mehr bedeutet als mir. Nicht mehr unterrichten zu können, das hat ihn zerstört. Deswegen wollte ich doch, dass er seinen guten Ruf zurückbekommt."
„Terrence, es spielt keine Rolle, ob es seine Schuld ist oder nicht. Die Auswirkungen auf Sie sind das worum es geht. Für Sie gibt es nichts Wichtigeres als seine Gefühle, aber nimmt er auch Rücksicht auf Ihre Gefühle? Und sagen Sie jetzt nicht, dass er das nicht muss, denn Sie sind nicht mehr im Militär. Er ist nicht mehr Ihr Captain, er muss sehr wohl Rücksicht auf Ihre Gefühle nehmen, aber wenn er das nicht kann oder will, dann sollten Sie sich fragen, ob es gesund ist jemanden gegenüber bedingungslos loyal zu sein, der sich Ihnen gegenüber so verhält", behauptete Therapeutin, „Hören Sie, wir alle haben das schon einmal erlebt: Unausgeglichene Beziehungen sind mein tägliches Brot. Aber das Ziel einer jeden privaten Beziehung zwischen Gleichaltrigen sollte eine gleichberechtigte Beziehung sein. Und ich spreche jetzt nicht davon wer wieviel Geld auf das gemeinsame Konto einzahlt, ich spreche von emotionaler Gleichberechtigung. Sie haben das Gefühl Ihren Freund gehorchen zu müssen, weil Sie ihm Ihr Leben verdanken. Ist Ihnen schon mal der Gedanke gekommen, dass er das ausnützt? Sie haben mir erzählt, dass er nur zu Ihnen gekommen ist um sich zu verabschieden, dass es Ihre Idee war ihm zu helfen, sein Leben wieder in Ordnung zu bringen, ihm zu geben was nötig ist, damit er Sie nicht verlässt. Aber sind Sie sich sicher, dass das auch wirklich so war? Haben Sie jemals in Betracht gezogen, dass Ihr Freund Johnny zu dem reichsten und mächtigsten Mann, den er kennt, gegangen ist, weil er wusste, dass dieser alles für ihn tun würde, wenn er ihm androht aus seinem Leben zu verschwinden?"
Terry war ganz ehrlich gesagt noch nie auf diese Idee gekommen. „Ich … Sie wollen behaupten, dass mein Feldzug gegen den alten Mann und den Jungen Johnnys Idee war? Und nicht meine?", vergewisserte er sich, und er wollte das automatisch als absurd abtun, aber … so einfach konnte er das nicht. Leider.
„Im Grunde läuft die Frage danach, ob eine Beziehung gesund oder ungesund ist, auf eine simple Tatsache hinaus: Wieviel mehr eine Partei in eine Beziehung investiert als die andere. Beziehungsinvestiationen können die verschiedensten Formen annehmen, nur weil jemand jemanden nicht auf die gleiche Weise liebt wie diese Person ihn liebt, ist es noch keine ungesunde Beziehung. Zuneigung hat verschiedenste Formen, wird auf verschiedenste Arten gezeigt. Wenn eine Partei eine andere Art von Gefühlen für die zweite Partei hegt als diese für sie, kann das problematisch sein, muss aber nicht bedeuten, dass diese Beziehung für sich genommen ungesund ist. Aber sobald eine Partei beginnt diese Tatsache auszunutzen und viel weniger in diese Beziehung investiert als die andere, beginnen die Schwierigkeiten. Ich will Ihnen jetzt eine einfache Frage stellen, Terrence, und bitte versuchen Sie ehrlich zu sein: Würde Ihr Freund Johnny jemals das für Sie tun, was Sie für ihn getan haben, oder auch nur irgendetwas annährend in dieser Größenordnung? Und ich rede nicht von der Vergangenheit, ich rede vom hier und heute, vom jetzt. Würde er das tun?"
Die Wahrheit war, dass Terry immer gewusst hatte, dass Johnny ihre Verbindung anders sah als er das tat. Für Terry war John Kreese alles, aber für John Kreese, nun, er wusste nicht was genau er für John Kreese war. Manche Dinge waren immer unausgesprochen geblieben.
Terry hatte immer gedacht, dass er damit leben konnte. Dass er sich mit der Tatsache, dass John ihm mehr bedeutete als er diesem, arrangieren konnte. Aber jetzt war er sich dessen nicht mehr so sicher. Die schlichte Wahrheit war, dass sein Captain ihn im Stich gelassen hatte als er ihm am Dringendsten gebraucht hätte. John Kreese hätte niemals sein Leben für Terry Silver umgekrempelt, niemals für ihn Rache an wen auch immer genommen. Das wusste Terry, ein Teil von ihm hatte es immer gewusst. Er hatte sich dieser Tatsache bisher nur nicht stellen wollen.
Und er begann sich zu fragen, ob alles für jemand anderen zu tun in Wahrheit vielleicht keine so gute Sache war. Dieser Mann, der er zuletzt gewesen war, war das wirklich die Art Mann, die Terry sein wollte? In ihm wohnte ein Monster, eine furchteinflößende Schlange, ein Monster getrieben von Hass, Wut, und Sadismus, ein Monster, das bereit gewesen war einen unschuldigen Jungen im Namen der Liebe zu quälen. Terry Silver, der brave Junge, der aus Überzeugung nach Vietnam gegangen war, der Turner so verachtet hatte, weil dieser nicht bereit gewesen war seine ganze Einheit im Namen der Ehre zu opfern, dieser Terry Silver hatte niemals so sein wollen. Aber er war so geworden.
Er war wegen John Kreese so geworden. Seine Eltern hatten immer recht gehabt: Kreese hatte ihn verwirrt – verwirrt, beeinflusst, und verändert. Ihn nicht mehr in seinen Leben zu haben war eine gute Sache. Er musste nur den Mut dazu haben sich das einzugestehen.
Also löste er sich von John Kreese, ließ sich sein Schlangentattoo entfernen, hielt Cobra Kai geschlossen, wurde trocken, gab die Drogen auf und das Karate. Er verbannte das Monster in sein Inneres. Hielt es gefangen, durch Medikamente und Abstinenz. Um alles wieder gut zu machen, was er anderen angetan hatte, änderte er sein Leben, anstatt anderen weh zu tun half er ihnen jetzt. Anstatt sich an der Welt zu rächen, versuchte er sein Bestes um sie zu retten.
Das 12 Schritte Programm sah vor, dass man sich bei den Menschen, denen man Unrecht getan hatte, entschuldigte. Terry schaffte es niemals sich bei Danny zu entschuldigen, er konnte einfach nicht. Was hätte er sagen sollen? Es gab nichts, was wieder gut machen konnte, was er getan hatte.
„Sorry für das Gaslightning, den Verrat, und all deine Verletzungen, ich war auf Koks?" Nein, das hörte sich selbst für seine eigenen Ohren lächerlich an. Und dann irgendwann war zu viel Zeit vergangen um sich zu entschuldigen. Nach zehn Jahren war der Rahmen für ein „Tut mir Leid" gesprengt. Das Beste, was Terry für Danny tun konnte, war sich von ihm fern zu halten.
Ab und zu stalkte er ihn ein wenig aus der Ferne, nur um sicher zu gehen, dass er nicht zu viel Schaden angerichtet hatte. Danny schien ganz gut zurecht zu kommen. Statt kleinen Bäumen in schlechten Vierteln, verkaufte er nun Autos an reiche Leute. Der alte Mann war immer noch Teil seines Lebens, und er schien sich nicht mehr für Karate zu interessieren. Terrys Hände waren rein, zumindest redete er sich das ein. Daniel LaRusso kam zurecht, er hatte ihm nichts angetan, was die Zeit nicht geheilt hätte. Im Gegensatz zu Terry war er gesund genug um zu heiraten und Kinder zu bekommen. Danny hatte mit dem Jahr 1985 abgeschlossen, Zeit für Terry das ebenfalls zu tun.
Als John Kreese wieder in sein Leben trat, hatte er alles hinter sich gelassen. Wenn seine Dämonen aufbegehrten, hielt er sie mit Musik im Schach, er hatte gelernt, dass das besser funktionierte als zu Kicken, weil seine Wut aus ihm herausfloss ohne Schaden anzurichten. Er war mit einer wunderbaren Frau zusammen, der er dabei helfen wollte die Welt ein wenig besser zu machen. Sein Haar war inzwischen weiß, aber es war immer noch voll, und er trug es lange und offen. Terry war mit sich selbst im Reinen, zumindest dachte er das.
Er dachte das genau so lange, bis John Kreese auf einmal vor ihm stand, ihn ansah als würde er ihn nicht kennen, und sich wieder in sein Leben drängte. John verhielt sich wie eine Ex-Freundin, die gerade herausgefunden hatte, dass sie der aktuellen Ehefrau verschwiegen worden war. Was ironisch war, wenn man bedachte, dass Kreese derjenige war, der gegangen war und Terry im Stich gelassen hatte.
Terry hatte den Krieg, Cobra Kai, und John Kreese hinter sich gelassen, von Johns Bitte um Hilfe und seinen Plänen wollte er nichts wissen. Es interessierte ihn nicht, dass John ihn brauchte. „Dass du damals verschwunden bist, war das Beste, was mir passieren hätte können", erklärte Terry Kreese wütend.
John konnte nicht nach mehr als dreißig Jahren einfach wieder in seinem Leben auftauchen und immer noch so tun als würde er ihn kennen! Er kannte ihn nicht mehr! Und Terry hatte sein Schlangentattoo entfernen lassen, er hatte das alles hinter sich gelassen! Was scherte es ihn, dass John ihn brauchte? John war nicht da gewesen, als Terry ihn gebraucht hatte, warum also sollte er ihm jetzt helfen?
Eine zu Tode gekickte Weinflasche später wurde Terry klar, dass er nein sagen konnte so viel er wollte, aber doch nicht so frei von der Vergangenheit war, wie er gedacht hatte. Die Wut war wieder da, als wäre sie nie weggewesen. Und er war sich nicht einmal sicher warum. Das Einzige, was an Kreeses Geschichte halbwegs sein Interesse geweckt hatte, war die Erwähnung von Danny Boy gewesen, der offenbar wieder mit dieser ganzen Karate-Sache angefangen hatte, aber das … war sein Problem, nicht das von Terry.
Doch Johns Rückkehr in sein Leben brachte die Alpträume zurück. Jahrzehntelang war er sie losgewesen, doch auf einmal war er wieder da in dem Käfig, auf einmal war das wieder seine Welt, war alles, woran er noch denken konnte. Alles woran er noch denken konnte war, dass er John sein Leben schuldete, dass er nicht hier wäre, wenn John nicht gewesen wäre. …
Er stolperte in genau die gleichen Fallen wie früher. Er dachte, er wäre es John schuldig an seiner Seite zu stehen, schlimmer noch, er dachte das wäre seine Chance John zurückzubekommen. Dass das seine Chance seinen Traum von Vietnam wahr werden zu lassen wäre. Er und John konnten Karate lehren, Seite an Seite, sie konnten Kindern helfen, sie davor bewahren dieser Welt zum Opfer zu fallen so wie sie ihr einst zum Opfer gefallen waren. Dieses Mal würde alles anders laufen, das dachte Terry zumindest.
Doch nichts lief so wie es sollte. Er entschuldigte sich ernsthaft bei Danny, der ihn nur ansah als wäre er ein minderwertiges Insekt und die Stirn hatte seine Entschuldigung abzulehnen! „LaRusso kann sehr nachtragend sein", meinte John nur dazu, als würde ihn das nicht einmal überraschen. Terry machte es nur wütend. Danny sollte Dankbarkeit zeigen und ihn nicht einfach so ablehnen! Nun, wenn der Junge das Spiel so spielen wollte, dann würde Terry ihm den Gefallen tun! Er kannte Danny, er wusste wie dieser tickte, er hatte Danny schon einmal eine Lektion erteilt, das konnte er wieder tun.
Aber Danny war nur eines der Probleme, die er so nicht kommen gesehen hatte. Das Größere war sein Partner. Wegen John rief er nicht einmal mehr die Frau zurück, die eigentlich sein Leben teilen sollte, aber John … John hatte sich kein Stück verändert, er sah in Terry immer noch keinen gleichberechtigten Partner.
Terry brauchte ein wenig Zeit um das zu erkennen. Es fing damit an, dass John ihm wichtige Informationen vorenthielt. Dann musste Terry erkennen, dass John Kreese mehr als nur ein wenig von seinem ehemaligen Starschüler Johnny Lawrence besessen war, und Terry begann sich zu fragen warum John eigentlich tat, was er tat, und ob es in Wahrheit nicht auf irgendeine verdrehte Weise bei der ganzen Cobra Kai-Geschichte darum ging Johnny Lawrence zurück zu gewinnen. Womit Terry hätte leben können, wenn John ihm das einfach gesagt hätte, aber das tat er nicht. Er tat so als würde es um irgendetwas anderes gehen, sei es Ehre oder Dominanz oder sonst etwas. Worum es eindeutig nicht ging war die Verwirklichung ihres gemeinsamen Traumes, was weh tat, aber auch damit hätte Terry leben können. Solange er John zurückbekam, hätte er mit allem leben können, das redete er sich zumindest einige Zeit lang ein.
Bis ihm klar wurde, dass seine Therapeutin damals recht gehabt hatte: Was John auch immer in Terry sehen mochte, ein gleichberechtigter Partner war es nicht. Kaum, dass Terry seine eigene Meinung vor den Schülern aussprach, führte sich John auf als wäre er immer noch sein Captain, erinnerte ihn daran, dass er ihm damals sein Leben gerettet hatte, und dass er sein vorgesetzter Offizier war, und das obwohl sie nicht mehr in Vietnam waren! Sie waren schon seit … meine Güte war es wirklich schon so lange her? Nicht für John Kreese wie es schien, John Kreese, wurde Terry klar, war immer noch dort.
Aber Terry, der seit John wieder in sein Leben getreten war, wieder vom Käfig verfolgt wurde, konnte es sich nicht leisten ebenfalls immer noch dort zu sein.
John zweifelte an seiner Loyalität, und als Terry versuchte sie ihm zu beweisen, wurde er zurückgewiesen. Terry musste erkennen, dass John Johnny Lawrence ernsthaft liebte, während er Terry nicht einmal genug respektierte um ihn als gleichrangigen Partner zu behandeln. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten griff er wieder zur Flasche. Nur gut, dass er kein Koks zur Hand hatte.
Haben Sie jemals in Betracht gezogen, dass Ihr Freund Johnny zu dem reichsten und mächtigsten Mann, den er kennt, gegangen ist, weil er wusste, dass dieser alles für ihn tun würde, wenn er ihm androht aus seinen Leben zu verschwinden? John benutzte ihn nur. Terry sah das jetzt zum ersten Mal in seinen Leben klar. Er benutzte ihn für seine Drecksarbeit. Terry war derjenige mit Geld und Macht, Terry war derjenige, der wirklich wusste wie psychologische Kriegsführung funktionierte. Ja klar, John war gut darin andere zu manipulieren, aber es mangelte ihn an wahrer Empathie. Deswegen war Terry so viel besser in diesem Spiel als John es jemals sein könnte, Terry wusste wie andere tickten, während John Kreese nicht einmal wusste wie er selbst tickte.
Toxische Beziehungen musste man beenden. Das wusste jedes Kind. Zum Selbstschutz musste man das, was man am Meisten liebte, aufgeben. Terry tat genau das.
Es war nicht einfach, es war sogar sehr hart. Aber zu sehen, dass John mehr Verständnis für Tory Nichols als für seinen ältesten Freund und Partner zeigte, machte es ihm ein wenig leichter. Terry war ein Sensei, nicht wahr? Es war sein Job anderen Menschen Lektionen zu erteilen. Also erteilte er John Kreese eine letzte Lektion. Er zeigte ihm was mit denen passierte, die Terry Silver verärgerten. Er wurde wieder zur Naturgewalt. Nur, dass er dieses Mal keine Freude dabei empfand als er sein Opfer vernichtete.
Das Monster, das so lange in Ketten gelegen hatte, war wieder frei. Und es war hungrig. Johnny Lawrence und Danny Boy wären die nächsten, und dann, wenn Terry mit den beiden fertig wäre, dann würde er vielleicht endlich – endlich diesem einen Moment entkommen, in dem er immer noch gefangen war, und der immer noch seine Existenz bestimmte. Dieses Mal würde Twig die Lähmung abschütteln, würde sich der Gewissheit, dass er sterben würde kühl stellen, würde aus dem Käfig treten, und würde über der Schlangengrube gegen seinen Kommandanten kämpfen - und er würde siegen.
Und danach würde er endlich frei sein. Anstatt sich weiterhin von diesem Moment bestimmen zu lassen, in dem er seit seiner Jugend lebte, würde er ihn bestimmen und mit ihm den Rest seines Lebens. Ohne Urin, Schweiß, Blut, und Tod würde er endlich ruhig schlafen können. Zum ersten Mal seit Vietnam.
A/N: Ich hab es immer ein wenig ironisch gefunden, dass Terry Silver der einzige Charakter in der Serie (abgesehen von Shannon) ist, der in Theraphie war, aber das habe ich gleich ausgenutzt.
Ich weiß ja, dass Cobra Husbands-Fans nicht besonders begeistert vom Ende der vierten Staffel waren, aber ich war in diesem Moment nur stolz auf Terry und froh darüber, dass er sich aus einer toxischen Beziehung befreit hat, die wirklich nicht gut für ihn war. Ich meine, ich bin nicht mit seinenm Methoden einverstanden (armer Stingray), aber ich hätte nie gedacht, das sich jemals auf der Seite von Terry Silver sein könnte, egal worum es geht, aber in diesem Moment war ich es.
Was nicht heißt, dass ich nicht der Meinung bin, dass er jetzt weniger gefährlich als zuvor ist, im Gegenteil, jetzt ist er erst richtig gefährlich, weil es niemanden mehr gibt, für den er sich zurückhalten muss.
Laut Wikipedia wird Gaslightning seit den 60rn in der Psychologie als Begriff verwendet, mir kam das neuer vor, wenn ihr versteht, was ich meine, aber scheinbar ist es so. Was gut ist, weil das genau das ist, was Terry mit Daniel in KK3 gemacht hat, und ich es so direkt sagen konnte.
Was Kreese zu all dem zu sagen hat, erfahrt ihr im nächsten Kapitel.
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