4. John Kreese


Für Kreese war es ein Credo, ein Credo, das er selbst erfunden hatte, und das er sich immer wieder selbst in Erinnerung rief. Es war ein Credo, das mehr war als nur Worte, es war eine Lebensweise, die einzig richtige Lebensweise. Wer sich nicht an sie hielt, der starb, das hatte Kreese gesehen, er hatte es miterlebt, er wusste, dass es so war, und er würde nicht so enden, niemals.

Schlag zuerst zu. Schlag hart zu. Zeige keine Gnade. Diese drei einfachen Sätze waren alles, worauf man sich im Leben verlassen konnte, das hatte Kreese auf die harte Tour gelernt. Er wollte anderen ersparen es ebenfalls auf die harte Tour lernen zu müssen, er wollte ihnen beibringen wie man richtig lebte; das war alles, was ihm nach Vietnam noch geblieben war, alles, was er wollte.

Doch niemand schien das zu begreifen, seine Schüler nicht, seine Feinde nicht, nicht einmal, diejenigen, die seine Verbündeten waren. Sie alle sahen ihn an, als würde etwas mit ihm nicht stimmen, sie alle begriffen nicht, was er schon lange begriffen hatte: Nämlich dass das ganze Leben ein einziger Krieg war, und diejenigen, die nicht bereit waren alles zu tun, was nötig war, am Ende nicht mehr da sein würden um darüber zu trauern.

Manchmal dachte er an seine Mutter, fragte sich, ob ihre Krankheit auch seine war. Doch sie war schwach gewesen, hatte aufgegeben, er hatte nicht vor aufzugeben. Jedes Mal, wenn er kurz davor war, dann rappelte er sich wieder auf, dann kämpfte er, dann erinnerte er sich an sein Credo, daran was aus ihr geworden war, und daran was niemals aus ihm werden würde. Dann machte er weiter. Schwäche war etwas, das sich John Kreese nicht erlauben konnte, niemals erlauben würde.

Früher war er schwach gewesen, er hatte wie ein Schwächling gelebt, jede Arbeit angenommen, die sich ihm anbot nur um sich über Wasser zu halten, er hatte sich sogar beleidigen lassen um diese Arbeit behalten zu können. Bis zu dem Tag, an dem es ihm zu viel geworden war, bis zu dem Tag, an dem er Betsy rettete und beschloss, dass er sich nie wieder einfach nur einstecken würde, dass es nichts wert war einfach nur einzustecken.

John Kreese wollte kein Schwächling mehr sein, er wollte ein Mann sein, ein Held. Es zahlte sich aus ein Held zu sein, ein Held zu sein hatte ihm Betsys eingebracht, in den Krieg zu ziehen würde ihn zu einen noch größeren Helden machen, es würde ihm Ruhm und Ehre einbringen.

Doch Krieg brachte niemanden Ruhm und Ehre, er brachte nur Tod und Vernichtung. Kreese wurde kein Held, er wurde ein Soldat, er wurde ein Kommandant, er wurde zu jemandem, der Verantwortung übernahm. In Vietnam lernte er, dass man sich auf niemanden verlassen konnte, dass man niemandem trauen konnte, nicht wirklich. Auf jene, die über einem standen, konnte man sich nicht verlassen, nur auf jene, die unter einem standen.

Sein Kommandant verriet ihn auf jede nur erdenkliche Weise, er verschwieg ihm, dass Betsy umgekommen war, gab ihm die Schuld daran, dass Ponytail starb und sie gefangen genommen wurden, ließ zu, dass der Feind mit ihnen spielte und sie gegen einander ausspielte, und war bereit ihn zu töten um seinen eigenen Hals temporär zu retten. Es bereitete Kreese kein Vergnügen Turner zu töten, aber er hatte deswegen auch kein schlechtes Gewissen. Er tat was notwendig war.

Turner hatte ihn immer wieder kritisiert, weil er sich zu nachgiebig und weich verhielt, wenn es um den Nahkampf ging, hatte ihm Betsys Tod ins Gesicht geworfen als wäre es eine Waffe um ihn zu verunsichern und leichter töten zu können, und mit seinen Taten bewiesen, dass er ein Feind war und kein Verbündeter. Ja, er hatte Kreese alles beigebracht, was der wusste, nicht nur über Karate, sondern auch über das Leben, aber er war es nicht wert zu leben. Wenn Twig an Kreeses Stelle hier über der Schlangengrube gekämpft hätte, dann wäre er schon lange tot. Und der einzige Grund warum Turner dachte, dass Kreese ihn verschonen würde, war der, dass ihre Unterstützung gerade dabei war einzutreffen, und es deswegen auf einmal unnötig war einander umzubringen.

Aber ein Feind blieb immer ein Feind. Turner hätte Kreese, wenn ihre Rollen vertauscht gewesen wären, niemals Gnade erwiesen, also erwies ihm Kreese auch keine. Turner würde immer sein Feind sein, Schlangengrube hin oder her, er musste ihn töten. Es bereitete ihm keine Genugtuung, nicht wirklich. Anderen hätte es vielleicht Genugtuung bereitet, und, ja, Turner hatte ihm so viel angetan, das gerächt werden konnte und sollte, aber Rache war nicht der Grund warum Kreese seinen Kommandanten tötete. Rache gewann keine Kriege, das war es, was Terry nie verstanden hatte. Gnadenlosigkeit gewann Kriege, und John Kreese war gnadenlos, aber niemals unnötig grausam.

Er kehrte als veränderter Mann aus Vietnam zurück. All die Irrenärzte in all den Jahren hatten immer wieder versucht ihm einzureden, dass er in Wahrheit niemals zurückgekehrt war, dass der Krieg ihn irgendwie beschädigt hätte, aber sie begriffen nicht wie sehr sie sich irrten. Er war nicht Terry, der immer noch von seiner Zeit im Käfig träumte, sich seiner eigenen Feigheit schämte, und Kreese ansah als wäre er der Erlöser. Er wusste, dass er sich nicht mehr in Vietnam befand, der Vietkong und die Schlangengrube verfolgten ihn auch nicht, nein, er wusste wann und wo er sich befand - Vietnam hatte ihn nicht beschädigt, Vietnam hatte ihm die Augen geöffnet.

Zuvor war er wie ein blindes naives Kind durch die Welt gegangen, hatte gedacht es gäbe Gut und Böse und Richtig und Falsch und Helden und Happy Ends. Nun wusste er, dass Krieg keine Ausnahme war, kein limitiertes Ereignis, das ausbrach und zu Ende ging, nein, das ganze Leben war Krieg. Der Witz war nur, dass das die meisten anderen Leute nicht wussten. Nach Vietnam wusste John Kreese es, und er lebte sein Leben entsprechend. Und alles, was er seit dem tat, war dem Versuch geschuldet anderen beizubringen ebenso zu leben.

Schlag zuerst zu. Schlag hart zu. Zeige keine Gnade.

Kreese wusste, dass er es sich nicht leisten konnte jemals wieder Schwäche zu zeigen. Trotzdem war er nur ein Mensch, er hatte Gefühle. Er konnte zwischen Feind und Freund unterscheiden. Er knüpfte Verbindungen so wie alle anderen Menschen ebenfalls. Er ließ nur nicht zu, dass seine Gefühle für andere sein Leben bestimmten. Seine Liebe zu Betsy hätte ihn beinahe das Leben gekostet, Turner hatte erkannt wie allumfassend sie war und gegen ihn verwendet um ihn umzubringen, nie wieder wollte er sich so verletzlich machen. Nie wieder würde er sich von seiner Zuneigung für jemand anderen beherrschen lassen. Nie wieder würde er sich beherrschen lassen. Punkt.

Das war nicht immer leicht, Versuchungen waren immer da.

Terry war der beste Freund, den er jemals gehabt hatte, und Kreese war öfter als einmal versucht dem anderen Mann die Führung zu überlassen, sich von ihm retten zu lassen, zuzugeben, dass sie quitt waren, dass Terry nicht mehr in seiner Schuld stand und er dafür in seiner. Doch das konnte er nicht. Twig hatte Seiten von ihm gesehen, die sonst keiner kannte, Kreese hatte ihm sogar gesagt, dass er ihn an seiner Seite brauchte, aber trotzdem konnte er nicht zulassen, dass sein Freund Schwäche bei ihm witterte.

Kreese musste derjenige sein, der in ihrer Beziehung die Macht ausübte, er war der Captain, die Rangfolge musste immer klar und deutlich bleiben. Wenn Terry zu frech wurde, sich zu viel herausnahm, dann musste Kreese ihn daran erinnern wie die Dinge wirklich aussahen. Es war einfach notwendig.

Terry mochte diese Momente nicht, und vielleicht vergab er manche davon Kreese auch niemals, aber er machte sich trotzdem keine Sorgen, denn Terry war vor allem eines: Er war loyal. Er würde immer loyal sein. Jener Moment damals im Käfig, als er ihm das Leben gerettet hatte, hatte dafür gesorgt, und es reichte aus den anderen Mann ab und zu daran zu erinnern um ihn bei der Stange zu halten.

Terry versuchte ab und an wegzulaufen, sich ein Leben ohne Kreese aufzubauen, mehr als nur einmal. Kreese ließ ihn dann die Illusion das tun zu könne, mit der Gewissheit, dass sich nichts ändern würde, dass er nur in ein paar Wochen, Monaten, oder auch Jahren wieder im Leben von Terry Silver auftauchen musste und alles wie immer wäre. Und damit hatte er auch jedes Mal Recht. Selbst nachdem er Jahrzehnte vergehen ließ, hatte er immer noch damit Recht. Terry machte es ihm dieses Mal nicht einfach, aber im Grunde war wie ein Hund, er kam wenn er gerufen wurde, man musste ihn nur auch die richtige Art und Weise rufen.

Terry Silver war vielleicht die einzige wahre Konstante in John Kreeses Leben. Und das bereute er niemals, niemals bis zu jenem letzten Mal, als ihm klar wurde, dass er zu nachlässig geworden war und Terry während er nicht aufgepasst hatte zu seinem Feind geworden war.

Leider wurden diejenigen, zu denen er Beziehungen aufbaute, letztlich immer zu seinen Feinden. Wenn Betsy nicht gestorben wäre, wer wusste schon wie es dann zwischen ihnen beiden geendet hätte?

Vielleicht war es ein Fehler gewesen jemals zu denken, dass er jemanden beherrschen konnte, der so fragil wie Terry Silver war. Aber irgendetwas zog ihn zu fragilen Personen hin, vielleicht weil sie so hilfsbedürftig auf ihn wirkten.

Als Johnny Lawrence zum ersten Mal in seinem Büro stand, sah Kreese ein gebrochenes Kind, das von der Welt verschlungen werden würde. Dieser Junge war zu schwach, zu sensibel, zu kaputt - er hatte keine Chance. Kreese beschloss das zu ändern. Immerhin hatte er doch genau deswegen Cobra Kai gegründet: Um aus Schwächlingen Kämpfer zu machen.

Er nahm sich Johnny Lawrences an, er förderte den Jungen wie er noch nie einen anderen Schüler gefördert hatte, er formte Johnny zu dem Mann, der er sein musste um zu überleben. Und er tat es gerne.

Kreese hatte nie Kinder gewollt. Die Krankheit seiner Mutter war ihm immer in seinen Hinterkopf gegenwärtig, vielleicht hatte er es nicht geerbt, aber oft übersprangen solche Dinge einer Generation. Nein, er hatte das nie riskieren wollen. Doch Johnny Lawrence zu erziehen, zu formen, wachsen zu sehen, das vermittelte ihm das Gefühl ein Vater zu sein. Und ja, vermutlich hatte Terry recht, vermutlich wurde er weich dem Jungen gegenüber, vermutlich war der Junge seine Schwäche, vermutlich machte er Fehler, die er nicht gemacht hätte, wenn es um jemand anderen gegangen wäre. Vielleicht hatte er aus seiner eigenen Vergangenheit nicht das gelernt, was er gedacht hatte daraus gelernt zu haben.

Er konnte und wollte Johnny nicht leiden sehen. Allein der Gedanke daran, dass ihn jemand anderer weh getan hatte, machte Kreese wütend. Dieser alte Mann, der auftauchte, und seinen Lieblingsschüler verprügelte, der wusste nicht wem er sich damit zum Feind gemacht hatte. Mister Miyagi hielt sich für etwas ganz Besonderes, das erkannte Kreese sofort, er hielt sich für etwas Besseres, für einen der Guten. Aber jemand, der Kinder verprügelte, war keiner der Guten.

Keese wollte diesen Mann demütigen, er wollte ihn lehren was mit denen passierte, die sich an seinen Kindern vergriffen, aber er musste dabei klug vorgehen. Er dachte wirklich, dass es kein Problem darstellen sollte den Schützling des alten Mannes beim All Valley Turnier zu besiegen. Daniel LaRusso war so eine Art Witz, er stank nach Schwäche, zeigte seine Angst offen, und war so leicht zu verunsichern. Ironischerweise erinnerte er Kreese mehr als nur ein bisschen an Johnny Lawrence vor all den Jahren, als er ihn kennengelernt hatte.

Es sollte kein Problem sein den Jungen zu besiegen.

Doch es wurde zum Problem. Der Junge war gut, und es war möglich, dass er es bis ins Finale schaffen könnte, und Kreese war sich nicht sicher, ob Johnny ihn in diesem Fall besiegen könnte. Johnny war nicht mehr er selbst, seit dieses Bürschchen aus New York in sein Leben getreten war. Dieses Mädchen war schuld daran, ganz ohne Zweifel. Kreese hätte diese Beziehung unterbinden sollen, als es an der Zeit war, doch damals war er zu nachsichtig mit Johnny gewesen, der sich gerade sehr gut gemacht hatte und dieses Mädchen wirklich gemocht hatte. Jetzt dachte er, er würde sie lieben (was wusste ein Teenager schon von Liebe?) und dass sie ihn verlassen und sich einen neuen Galan gesucht hatte, führte dazu, dass er ständig abgelenkt und unfokusiert war. Außerdem war er selten besessen von diesem zu kurz geratenen Möchtegern-Romeo, und das lenkte ihn noch mehr ab. Kreese fürchtete, dass sein Schüler dieses Kind nicht würde besiegen können, also befahl er Bobby Brown LaRusso im Semi-Finale außer Gefecht zu setzen. Das war der sicherste Weg zum Sieg.

Leider war er nicht sicher genug.

Wie vorausgesehen fehlte es Johnny an Fokus, LaRusso erzielte Punkte, die er nicht erzielen sollte. Also erklärte Kreese Johnny was er tun musste um zu gewinnen, woraufhin Johnny ihn anblickte als hätte er ihn niemals zuvor gesehen. Aber er war ein guter Junge, er gehorchte. Leider allerdings nicht gut genug. Kreese konnte es sehen: das Zögern, das schlechte Gewissen, die Skrupel. Es war beinahe so, als ob Johnny Lawrence diesen Knirps gar nicht besiegen wollte. Stattdessen wurde er besiegt, mit einem illegalen Kick noch dazu, und dann hatte sein Schüler auch noch die Stirn diesen Sieg nicht nur anzuerkennen, sondern auch noch beeindruckt davon zu sein. Und stolz auf sich selbst zu sein, obwohl er nichts geleistet hatte, obwohl er verloren hatte.

Ähnlich wie Terry hatte Johnny in der Vergangenheit auch immer wieder einmal versucht aufzumucken. Meistens hatte Kreese ihn mit ein paar gezielten strengen Worten wieder zur Vernunft gebracht. Normalerweise war das einfach mit Johnny, denn Worte waren seine Schwäche. Doch dieses Mal war es anders, irgendetwas hatte sich verändert, es war als ob Johnny (und mit ihm auch die anderen Schüler) seinen Respekt vor Kreese verloren hatte. Er war nicht nur frech, nein, er war dabei einen regelrechten Aufstand anzuzetteln. Das konnte Kreese ihm nicht durchgehen lassen.

Es war eine Erziehungsmaßnahme, nicht mehr, wenn sie jemandem zustand, dann doch wohl ihm. Alle anderen Behauptungen waren falsch. Nein, er hatte nicht die Beherrschung verloren. Nein, er hätte den Jungen nicht getötet, wenn der alte Mann nicht eingegriffen hätte. Nein, er hatte kein Flashback erlitten, nein, er hatte alles unter Kontrolle gehabt. Sie waren nur alle Weichlinge. Johnny, Bobby, Jimmy, Tommy, selbst Dutch - sie waren verzogene Gören, die es nicht gewohnt waren wie Männer behandelt zu werden. 17 und kein Stück reifer als 12! Sie übertrieben, ihre Eltern übertrieben, das ganze Valley übertrieb.

Er musste sich einfach gegen den alten Mann verteidigen, er konnte doch nicht zulassen, dass dieser ihn ungestraft angriff, sich in seine Erziehungsmaßnahmen einmischte! Alles, was danach geschah … wenn wunderte es, dass er wütend wurde, wenn ein alter Mann, der auf ihn herabblickte ihn unprovoziert angriff und sich dabei auch noch als Held feierte?

Der alte Mann demütigte ihn, brachte ihm zum Bluten. Es war Jahre her, dass ihn irgendjemand jemals zum Bluten gebracht hatte. Und seine Schüler, sie blickten ihn an als wäre er kein Mann, als hätten sie durch seine Niederlage gegen den alten Mann jeden Glauben an ihn verloren. Kreese konnte das nicht verzeihen.

Der alte Mann war schon zuvor sein Feind gewesen, doch nun, nun wollte er ihn aus persönlichen Gründen heraus vernichten. Nur, dass er das nicht konnte. Und das Schlimmste an allem war, dass er wusste, dass der alte Mann ihn hätte töten können, aber ihn nicht einmal ernst genug genommen hatte um das zu tun. Der alte Mann hatte keinen würdigen Gegner in Kreese gesehen, sondern nur ein Ärgernis, das er links liegen ließ, sobald er erreicht hatte, was er wollte.

Sie alle verließen ihn.

Natürlich führte Johnny Lawrence den Exodus seiner Schüler an, aber Kreese dachte wirklich, dass es nicht von Dauer sein würde, er würde neue Schüler gewinnen. Sobald das Schuljahr vorbei wäre, sich der Rauch verzogen hatte, würde sich alles wieder einrenken, davon ging er aus. Doch nein, niemand schien mehr Interesse daran zu haben von Cobra Kai zu lernen. Niemand schien mehr Interesse an Kreese zu haben.

Der alte Mann und sein keiner Karate-Junge hatten Kreese seinen Ruf, seine Bestimmung, und seine Schüler gestohlen. Sie hatten ihm Johnny Lawrence gestohlen. Wenn sich der alte Mann nicht eingemischt wäre, dann wäre jetzt noch alles gut, dann wäre Johnny immer noch an seiner Seite, würde ihm dabei helfen eine neue Generation Cobras auszubilden, und würde seine Fehler einsehen.

Kreese konnte nur noch an den alten Mann denken und an die Demütigung, die ihm widerfahren war. Er wollte Rache, doch er wusste nicht wie er die bekommen sollte. Also ging er zu Terry; Terry war kreativ, wenn es um solche Fragen ging, Terry würde schon etwas einfallen. Und so war es auch.

Nur leider ging Terrys Plan nach Hinten los. Was zuerst ein Sieg zu werden schien, wurde zu seiner endgültigen Niederlage. Terry hatte mehr haben wollen als nur den Sieg, er hatte übertrieben, und dank seiner Übertreibung wurde Kreese jede Möglichkeit genommen Cobra Kai weiterzuführen. Der alte Mann und sein höriger Schüler nahmen ihm alles, was ihn jemals erfüllt hatte, einfach nur deswegen, weil sie es konnten. Ihnen war es nicht genug zu siegen, sie mussten auch noch auf seinem Grab tanzen.

Kreese tauchte unter, er beschloss alles hinter sich zu lassen. Teilweise tat er es um Terry zu bestrafen, teilweise war es ein taktischer Rückzug. Er wusste, dass er sich der gleichen Sünde schuldig gemacht hatte wie sein Lieblingsschüler - er hatte den Fokus verloren. Er hatte sich von Terry und dessen Sucht nach Rache an allem und jedem mitreißen lassen, er hätte den alten Mann und den Jungen in Sicherheit wiegen sollen und versuchen sollen die Dinge mit seinen ehemaligen Schülern ins Reine zu bringen. Er hätte schlauer sein sollen.

Das nächste Mal würde er nicht wieder den gleichen Fehler machen.

Doch würde es überhaupt ein nächstes Mal geben? Kreese geriet auf Abwege, nichts lief so wie er es sich erhofft hatte. Karate und das Valley waren ein anderes Leben, eines, von dem er dachte, dass er es genauso hinter sich gelassen hatte wie Vietnam.

Bis er feststellte, dass dem nicht so war. Auf einmal war Cobra Kai wieder da, und nicht wegen Terry, sondern wegen Johnny Lawrence. Kreese sah seine Chance endlich zu gewinnen, alles zurückzuerobern, was er verloren hatte – seinen Ruf, sein Dojo, sein Kind, seinen Partner. Er hatte Jahrzehnte gehabt sich zu überlegen wie er es anstellen würde. Der alte Mann war inzwischen tot, was alles leichter machte, denn es bedeutete, dass er sich nur mit dem ehemaligen Karate-Genie herumschlagen musste.

LaRusso war inzwischen reich und allgegenwärtig, aber er war kein Taktiker, er hatte sich von Terry unterrichten lassen, aber nichts von ihm gelernt. Er spielte Kreese direkt in die Hände. Vor Jahren hatte er ihm Johnny Lawrence weggenommen, jetzt half sein Stolz und sein Egoismus dabei, dass Kreese Johnny einfacher zurück erobern konnte als er es sich jemals erträumt hatte.

Natürlich war Johnnys Kopf vollgestopft mit Ideen, die er ihm austreiben musste. Er musste den Jungen auf seinen Platz verweisen, und ihm diesen ganzen Ehren-Unsinn austreiben (was nützte einem Ehre, wenn man verlor? Wer verlor war tot, Tote hatten nichts von Ehre). Er musste Johnny daran erinnern wie die Welt wirklich war. Das führte dazu, dass er den Jungen erneut verlor, aber er war sich sicher, dass es nicht von Dauer sein würde. Er hatte einen Langzeitplan und einen Joker in Form von Johnnys Sohn.

Doch leider kam es zu dem Zwischenfall. Seine Schüler hatten sich ein paar seiner Lektionen etwas zu sehr zu Herzen genommen (Nichols war gut, aber etwas zu leidenschaftlich, und die meisten anderen benutzten ihr Hirn nicht, Kreese musste seinen Schülern noch beibringen zu denken bevor sie handelten), was dazu führte, dass Kreese sich mit sowohl Johnny als auch LaRusso auseinandersetzen musste.

Er musste sich eingestehen, dass er sich verkalkuliert hatte. Johnny war sein Feind geworden, er musste ihn behandeln wie man Feinde behandelte. Es war nicht, dass er den Jungen töten wollte, es würde verdammt weh tun, aber er musste es tun. Ihm blieb keine Wahl. Und dann tauchte LaRusso auf, und den umzubringen, nun das wäre kein Problem für Kreese, es war sogar überfällig. Bisher hatte LaRusso seinen Nutzen für ihn gehabt, aber jetzt war er ihm im Weg. Er dachte, er hätte leichtes Spiel mit dem Jungen, doch dieser hatte ein paar neue Tricks dazu gelernt.

Und auf einmal war es Kreese, der kurz davor stand, getötet zu werden. Das hatte er LaRusso gar nicht zugetraut, aber noch weniger hätte er erwartet, dass Johnny ihm die Erlaubnis erteilen würde Kreese zu töten. Er konnte es in ihren Augen sehen, er kannte diesen Ausdruck; auch ohne Spiegel wusste er, dass er damals in seinen eigenen Augen gestanden hatte, als er Turner getötet hatte.

Sie hätten ihn ermordet, wenn die Kinder nicht aufgetaucht wären. Das unterschied LaRusso und Johnny von Kreese, sie waren zu weich um vor ihren Kindern zu tun, was notwendig war. Vermutlich widersprach es ihren fabrizierten Moral-Kodex ihren Kindern zu zeigen, dass es manchmal nötig war den Feind umzubringen. Das war sowohl enttäuschend als auch gut auf einmal. Kreese starb nicht und hatte eine neue Chance, und außerdem eine Chance umzuplanen.

Dass sie ihn hatten töten wollen, führte dazu, dass er sie mit ganz neuen Augen sah. Ja, sie waren seine Feinde, deswegen war er bereit gewesen sie umzubringen, aber jetzt wurde ihm klar, dass das ein Fehler gewesen wäre. Wozu sie umbringen, wenn er sie rekrutieren könnte? Er musste nur dafür sorgen, dass er ihre einzige Hoffnung war. Und dazu musste er sie besiegen. Er musste ihre Moralvorstellungen, ihren Stolz, und ihre Sturheit besiegen, und er wusste auch schon wie.

Eine Wette, eine Abmachung - das Dojo, das das nächste All Valley Turnier verlor, würde sich auflösen müssen. Wenn sie nicht mehr unterrichten könnten, würden sie zu ihm gekrochen kommen. Johnny würde sich fügen, und LaRusso würde das ebenfalls tun, ihm würde gar keine andere Wahl bleiben, nicht wenn er seine Schüler und seine kostbare Tochter „beschützen" wollte.

Der Plan war perfekt, alles, was er dafür brauchte war Terry, er hatte Twig lange genug schmoren lassen, Zeit ihn an seine Seite zurückzuholen. Und obwohl das nicht so einfach lief wie erwartet hatte, funktionierte es, und der Plan ging auf, und Kreese gewann.

Alles wäre perfekt gelaufen, wenn Terry ihn nicht verraten hätte.

Und so war sein Sieg nicht von Dauer, er hatte seine Feinde besiegt, nur um von seinem Verbündeten ein Messer in den Rücken gerammt zu bekommen.

Ja, er hatte das nicht kommen sehen. Er war Terry gegenüber zu weich gewesen, aber diesen Fehler würde er nicht noch einmal machen. Das hier war nur ein vorübergehender Rückschlag. Er hatte immer noch sein Credo. Sein Credo, das ihn so oft gerettet hatte, das ihm die Welt erklärte, ihn vor allen Gefahren warnte. Sein Credo, das er aus den Augen verloren hatte, weil er zu konzentriert darauf gewesen war Johnny Lawrence zurückzugewinnen und Danie LaRusso und damit die demütigende Erinnerung an den alten Mann zu besiegen. Aber das würde ihm nicht noch einmal passieren, er würde es nicht noch einmal vergessen. Er würde es nie wieder vergessen.

Schlag zuerst zu. Schlag hart zu. Zeige keine Gnade. Niemals.


A/N: Es war herausfordernd Mister Miyagi einmal als den Bösen darzustellen, einfach deswegen weil mir das noch nie irgendwo unter gekommen ist. Aber in Kreeses kleiner Welt ist er der Böse, also musste es sein.

Bis hierher hatte ich vorgeschrieben, also wird es etwas länger dauern bis es weitergeht, schätze ich.

Wie es weitergeht?

Nun, das werdet ihr sehen, wenn es soweit ist.

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