Zusätzliche Warnings: Mögliche Spoiler für Staffel 5, aber das Meister hier drinnen ist mehr Wunschdenken als Dinge, die vermutlich wirklich passieren werden


5. Mizaru


Johnny Lawrence war niemals davon ausgegangen, dass er ein guter Vater sein würde. Als Shannon ihm mitgeteilte hatte, dass sie schwanger war, hatte seine erste Reaktion, nachdem er sich von der Überraschung erholt hatte, darin bestanden panisch nach Luft zu ringen. Ja, er, der ach so tapfere Johny Lawrence hatte es mit der Angst bekommen, hatte sich automatisch zurück auf den Parkplatz nach dem All Valley 1984 versetzt gefühlt, hatte sich wieder so gefühlt als ob Sensei ihn töten wollte.

Er war überzeugt davon, dass er kein besonders guter Vater sein würde. Es mangelte ihn an männlichen Vorbildern, zwischen Sid und Kreese gab es in seinem Leben genug Beispiele für die Art Vaterfigur, die er nicht sein wollte, aber wie man ein guter Vater war, nun davon hatte er keine Ahnung. Das war einer der Gründe warum es ihn zu so hart traf, dass seine Mutter starb. Sie hatte ihm versprochen, dass sie für ihn da sein würde, ihn bei der ganzen Kinder-Sache unterstützen würde. Mit ihr an seiner Seite hatte er sich weniger gefürchtet, doch sie starb, und alles, was Johnny blieb, war Sid, der in keinerlei Hinsicht dazu geeignet war ihm dabei zu helfen sich um ein Baby zu kümmern.

Johnny wollte so gerne ein guter Vater sein, doch nachdem er Robbys Geburt versäumt hatte, weil er sich aus Kummer betrunken hatte, wurde ihm klar, dass sein Kind am Ende vom Tag nur enttäuschen würde. Er hatte Robby bereits am Tag seiner Geburt im Stich gelassen, wie oft würde das noch vorfallen?

Johnny kannte sich selbst gut genug um zu wissen, dass der niemand war, auf den man zählen konnte. Das musste ihm Shannon nicht erst wütend ins Gesicht sagen, nachdem er sie die Geburt alleine hatte durchstehen lassen. Er wusste es selbst, und er erwartete nicht, dass sich das in Zukunft ändern würde.

Er wollte sich ändern, wollte ein guter Vater sein, wirklich. Er liebte Robby vom ersten Moment an, als er ihn sah. Nachdem er sich dann doch endlich ins Krankenhaus getraut hatte und dieses kleine hilflose Geschöpft erblickte, das durch irgendein Wunder der Natur von ihm abstammte, da verliebte er sich rettungslos in dieses Baby und wusste, dass er noch nie zuvor in seinem Leben jemanden so geliebt hatte wie er seinen Sohn liebte. Und er wollte ein besserer Mann werden um dieser Liebe gerecht zu werden. Er wollte ein guter Vater sein, er wollte für Robby da sein, jeden Moment seines Lebens lang, immer, wenn er ihn bräuchte. Aber er schaffte es nicht. Er wurde zur größten Enttäuschung von Robbys Leben.

Am Anfang da lief alles noch gut, aber je älter Robby wurde, desto schwieriger wurde alles. Mit Shannon lief es niemals gut, sie konnte ihm irgendwann einfach nicht mehr vergeben. „Wenn du schon nicht für mich da bist, dann sei wenigstens für deinen Sohn da", forderte sie von ihm. Und nicht einmal das bekam Johnny hin.

Je schlechter die Dinge zwischen ihnen liefen, desto mehr kam Johnny zu der Überzeugung, dass es seine bloße Gegenwart war, die Robby schadete. Vielleicht war er mehr wie Sid und Kreese geworden, als er gedacht hatte; vielleicht war er bereits jemand, der seinem Kind weh tat, einfach nur dadurch, dass er er selbst war.

Als er eines Tages von einem gemeinsamen Tagesausflug mit Robby zurück zu Shannon kam, und sein Sohn blutete, weil er sich ein Knie aufgeschlagen hatte, da brauchte es nicht Shannons Vorwürfe um zu erkennen, dass er einen schlechten Einfluss auf seinen Sohn ausübte. Robby war so aufgedreht gewesen, hatte nicht aufgepasst.

„Natürlich hat er das nicht. Er war bei dir. Du bist doch sonst nie da! Er war einfach nur so froh, dass er dich endlich hat, dass er alles nachholen wollte", behauptete Shannon, „Und was hatte er davon?!"

Ja, was hatte Robby davon? Johnny machte sich Gedanken über sich selbst - andauernd. Er wusste was andere über ihn sagten, er wusste auch was alle über Kindererziehung sagten. Eltern wurden ihre Kinder ständig weggenommen, wenn das besser für die Kinder war. Kinder brauchten ein stabiles Umfeld, und Johnny führte kein stabiles Leben. Er schlitterte von einem Job zum nächsten, schaffte es nicht ein geregeltes Leben zu führen, er war in keinerlei Hinsicht der „Jedes Wochenende für seinen Sohn da"-Vater. Vielleicht wäre es besser für Robby, wenn er ihn nicht mehr ständig mit seinem unsteten Leben verwirren würde.

Er wollte sich von Robby fernhalten, wenn er betrunken war, und wenn er schlecht drauf war. Er wollte sich von dem Jungen fernhalten, wenn die Stimmen in seinen Kopf zu laut wurden. Sid hatte seine schlechten Launen immer an ihm ausgelassen, er wollte seine Launen niemals an seinem Kind auslassen. Er wollte besser sein als das, mehr sein als das.

Sein Vater, sein wirklicher Vater, hatte dadurch, dass er nie wirklich Teil seines Lebens gewesen war, zumindest niemals dauerhaften Schaden bei ihm anrichten können. Besser ein abwesender Vater als ein schlechter Vater, das redete sich Johnny ein.

Er tat es für Robby, auch wenn der Junge, das nicht verstand, auch wenn der Junge sich im Stich gelassen fühlte. Alles, was Johnny tat, tat er für sein Kind. Wenn Robby ihn sehen würde, wirklich sehen würde, dann würde er sehen wie kaputt Johnny war, und davon würde er sich niemals erholen. Johnny wusste es, da er sich niemals von dem Moment erholt hatte, in dem er erkannt hatte wie Kreese wirklich war. Das wollte er Robby ersparen.

Er dachte nicht, dass er wirklich dazu in der Lage wäre Robby weh zu tun, aber er hatte ja auch immer gedacht, dass Kreese ihm niemals weh tun könnte. Und als er Robby dann doch weh tat, als er seinen eigenen Jungen ausknockte, unabsichtlich zwar aber doch, da überließ er ihm danach erst recht Kreese, weil er wusste, dass er jedes Recht darauf Robby mit nach Hause zu nehmen verwirkt hatte. Schon lange davor hatte er jedes Recht darauf Robby Vorschriften zu machen verwirkt, aber nachdem er Robby weh getan hatte, durfte er gerade einmal auf Vergebung hoffen. Mehr war nicht mehr drinnen. Und sollte auch nicht drinnen sein.

Er wusste, dass LaRusso das nicht verstand, dass dieser ihn ansah und einen Mann erblickte, der sein Kind im Stich gelassen hatte, der sich nicht genug scherte. Er begriff nicht, dass Johnny sich fern gehalten hatte, eben weil es ihn scherte. Er wollte das Beste für Robby, und er war nicht das Beste für den Jungen. Shannon war es auch nicht, bei Gott, sie war den ganzen Tag unterwegs und damit beschäftigt sich volllaufen zu lassen und Männer aufzureißen, aber sie war immer da gewesen, sie hatte jeden Kratzer versorgt, jede Träne getrocknet, sie hatte am Ende vom Tag mehr Recht auf Robby als er, auch wenn ihr Einfluss auf den Jungen genauso schlecht war wie der seine.

Die LaRussos waren eine perfekte Familie, selbst die kleine Kröte passt perfekt in diese Bilderbuchfamilie. Johnny mochte der Meinung sein, dass Amanda zu gut für Daniel war, aber im Endeffekt hielten die beiden immer zusammen, diskutierten alles immer aus, machten einander immer stärker, und waren immer für ihre Kinder da. Vorwürfe wie „Vielleicht kennst du deine Tochter nicht so gut wie du denkst" hielten im Endeffekt nicht. Die LaRussos waren gute Eltern, es war so einfach ihnen Robby anzuvertrauen und sich einzureden, dass es ihm bei ihnen besser ging als bei ihm. So weh es tat, es war das Richtige. Das dachte Johnny zumindest, bis auch das schief ging. Bis Robby trotzdem im Jugendknast landete.

Danach wusste er gar nicht mehr, was das Beste für Robby wäre. Kreese und Silver waren es nicht, aber wie sollte er Robby das beibringen? Mit welchem Recht konnte er ihm das erklären? Robby war der Ansicht, dass ihn alle, die er jemals geliebt hatte, im Stich gelassen hatten, und aus seiner Perspektive gesehen hatten sie das vermutlich auch.

Johnny war zu spät klar geworden, dass er alles falsch gemacht hatte. Erst durch Miguel hatte er gelernt, dass aufzugeben, sich zurückzuziehen und dem Kind die Macht zu überlassen, die falsche Taktik war. Er hatte sich von Miguel nicht wegstoßen lassen, egal wie oft er gedacht hatte, dass der Junge ohne ihn besser dran wäre, nein, er hatte sich seiner Verantwortung gestellt, so wie er es mit Robby hätte tun müssen. Doch mit Robby war schon so viel passiert, mit Miguel war es leichter, es gab weniger gemeinsame Geschichte zwischen ihnen, und Miguel fehlten die schlechten Johnny Lawrence-Gene - er war nicht so stur wie Robby, kein bisschen zynisch, und viel gut gläubiger. Er glaubte immer noch an Johnny. Robby wusste es besser.

Deswegen dachte Johnny auch, dass er keine Chance hätte sich jemals mit Robby zu versöhnen. Bis sich ihm diese Chance auf einmal doch bot. Robby war so verzweifelt und verletzt und von Selbsthass erfüllt. Er war so sehr wie Johnny. Er war trotz allem, was Johnny versucht hatte, genauso geworden. Johnny wusste, dass er ihm helfen musste, dass es in seiner Verantwortung lag das alles selbst wieder in Ordnung zu bringen und nicht auf Daniel oder sonst jemanden abzuwälzen. Aber der Gedanke, dass er wieder versagen könnte, machte ihm auch Angst, schnürte ihm die Kehle zu, Kreese war wieder da und schien ihm wieder einmal die Kehle zuzuschnüren.

Doch dieses Mal stellte sich Johnny seinen Dämonen anstatt vor ihnen davon zu laufen. Dieses Mal atmete er tief durch und machte weiter.

Etwas, das ihm eindeutig leichter gefallen wäre, wenn er es nicht gerade jetzt geschafft hätte seine Beziehung zu Miguel zu zerstören und diesen sogar aus dem Land zu verjagen. Miguel wollte seinen Vater finden, und wenn diesen Impuls jemand verstand dann war das Johnny. Doch leider war sein Vater ein böser Mann, der nichts von Miguel wusste, und Carmen fürchtete die Konsequenzen, die ein Aufeinandertreffen von Vater und Sohn mit sich bringen würde, also versprach Johnny ihr alles in Ordnung zu bringen, Miguel zu finden, und nach Hause zu bringen und vor jedem Schaden zu bewahren. Das war einfacher versprochen als durchgeführt, aber nachdem es Johnnys Schuld war, dass Miguel weggelaufen war, war das das Mindeste, was er tun konnte. Aber da es um Miguel und Carmen ging, hätte er so oder so etwas unternommen, oder es zumindest versucht.

Allerdings würde ein Ausflug nach Mexico bedeuten, dass er Robby im Stich lassen würde, schon wieder. Gerade jetzt, wo sie sich gefunden und versöhnt hatten und wo Johnny versprochen hatte für seinen Sohn da zu sein, wäre der größte Fehler, den er machen könnte, der wieder einmal einfach abzuhauen.

Ja klar, die Umstände waren ganz anders dieses Mal, aber sie waren auch anders gewesen, als er Miguel im Krankenhaus beigestanden hatte und deswegen seinen Besuchstermin mit Robby im Jugendknast versäumt hatte, und Robby hatte ihm das mehr als nur ein wenig übel genommen, also …

.. ja, Johnny wusste zunächst nicht wie er seine beiden Verantwortungen - die gegenüber Robby und die gegenüber Miguel - unter einen Hut bringen sollte.

Und dann gab es da noch ein paar weitere Verantwortungen, die er hatte, nicht wahr?

„Willst du mir ernsthaft einreden, dass du jetzt einfach aufgibst?" Daniel LaRusso stand wütend und selbstgerecht wie immer vor ihm und funkelte ihn an als wäre Johnny der größte Verbrecher, der ihm jemals untergekommen war. Und das nur, weil Johnny auf seinen Rache-Plan an Cobra Kai nicht einsteigen wollte.

„Natürlich nicht. Nur weil ich nicht mehr Karate unterrichten darf, gebe ich meine Schüler nicht auf. Ich bin immer für sie da, wenn sie mich brauchen", erwiderte Johnny, „Sobald ich wieder zurück bin aus Mexico." (Miguel hatte sich Bus-Tickets nach Mexico gekauft, soviel hatten sie aus seinem Computer in Erfahrung bringen können, und das war momentan Johnnys einziger Anhaltspunkt, was dem Verbleib des Jungen anging).

„Findest du wirklich, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Urlaub ist?" Daniels Stimme tropfte vor Sarkasmus und Wut und Enttäuschung. Johnny hatte ihm keine Details erklärt, seine Probleme mit Miguel gingen niemand anderen etwas an, besonders nicht Daniel LaRusso, der seine eigenen Animösitäten zurückgestellt hatte, um für seine eigene Tochter da zu sein, als das notwendig gewesen war, damit sie gewinnen konnte, und die daraufhin trotzdem nicht gewonnen hatte. LaRusso hatte Johnny trotz allem als Sams Co-Sensei anerkannt, er wusste einfach besser wie man mit Kindern umging und was sie brauchten als Johnny, und die ganze „Ich habe meinen Schützling dazu gebracht abzuhauen um seinen kriminellen Vater zu finden"-Geschichte würde das nur einmal mehr unterstreichen. Deswegen war Johnny möglichst vage geblieben als er seine Absicht verkündet hatte zu verreisen.

„Miguel braucht das jetzt. Und Robby braucht es ebenfalls, je weiter er von Cobra Kai und Kreese weg ist, desto besser", meinte Johnny nur schulterzuckend, „Das sollte auch in deinem Sinne sein."

„Das ist es ja auch. Wirklich. Ich freue mich darüber, dass ihr versucht euch zu versöhnen. Aber ihr könntet das auch hier tun", betonte LaRusso, „Während wir planen wie wir Cobra Kai vernichten."

Johnny schüttelte nur den Kopf. Es war ein Fehler gewesen LaRusso diese „Hab ein Auge auf meine Schüler während ich nach Mexico fahre"-Textnachricht zu schreiben, das wurde ihm jetzt klar, aber nachdem sie sich zuletzt wieder besser verstanden hatten, hatte Johnny sich von diesem Gefühl mitreißen lassen und es für eine gute Idee gehalten Eagle Fang zumindest irgendjemanden anzuvertrauen, während er das Land verließ. Und wem sonst außer Daniel LaRusso könnte er sein Dojo anvertrauen?

Robby konnte er nicht hierlassen, doch den Rest seiner Schüler konnte er nicht mit nach Mexico nehmen. Obwohl das vielleicht eine bessere Idee gewesen wäre als sie LaRussos Rache-Fantasien zu überlassen. Aber Johnny hatte nicht geahnt, dass ihre Niederlage beim Turnier LaRusso so mitnehmen würde.

„LaRusso, ich habe momentan wirklich andere Sorgen als Cobra Kai zu vernichten. Und die solltest du auch haben. Sam hat verloren, das wird ihr zusetzen. Du solltest sie trösten und nicht planen für sie Rache zu nehmen. Ich kann nicht glauben, dass ausgerechnet ich dir das sagen muss, aber es gibt im Leben wichtigere Dinge als Karate", verkündete er dann.

LaRusso kniff die Augen zusammen und starrte ihn an als würde er Johnny nicht erkennen können. „Also rennst du weg, wieder einmal", stellte er fest, „Du lässt mich im Stich. … Nun, das ist ja nichts Neues."

Das ging mitten ins Herz, obwohl es das nicht sollte. Johnny schuldete Daniel LaRusso rein gar nichts. Daniel war derjenige, der nicht mit ihm zusammen arbeiten wollte, der ihre Partnerschaft aufgekündigt hatte. Öfter als einmal. Dass er das jetzt alles umdrehte und Johnny die Schuld daran zuschob ….

„Ich hab jetzt keine Zeit zum Streiten", sagte Johnny nur und schnappte sich seine Tasche, „Sag Sam, dass ich mich melde."

„Wozu ihr leere Versprechungen machen?", gab LaRusso zurück.

Johnny würdigte ihn keiner Antwort, sondern ließ ihn einfach in der Wohnung zurück. Das bereitete ihm Sorgen, LaRusso war zu anständig um ihn zu beklauen, und er wusste wo sich der Ersazschlüssel befand, er würde die Wohnung zusperren, wenn er ging, und falls er es nicht tun würde, würde Carmen das erledigen. Aber Johnny hatte jetzt wirklich keine Zeit und Energie zum Streiten übrig.

Robby wartete im Eagel Mobile auf ihn. Er schien Johnnys Laune spüren zu können. „Nicht so gut gelaufen mit Mister L., was?", vermutete er.

„Tut es doch nie", war Johnnys einzige Erwiderung.

„Wenn du ihm einfach gesagt hättest worum es wirklich geht, so wie du es mir gesagt hast…", setzte Robby an, doch Johnny schüttelte nur den Kopf.

„Das ist anders. Mit dir ist das anders", behauptete er. Tatsächlich war ein Teil von ihm überrascht, dass Robby hier überhaupt neben ihm saß.

Nachdem ihm klar geworden war, dass er nicht zugleich Miguel suchen und Robby helfen konnte, hatte er beschlossen Robby einfach vorzuschlagen ihn mit nach Mexico zu nehmen. Er hatte mehr Widerstand erwartet als gekommen war. Er hatte erwartet, dass Robby diesen Jungen, den er betreute, und der immer noch in Cobra Kai war, als Grund dafür warum er nicht gehen konnte angeben würde, und Tory Nichols, mit der Robby vielleicht oder vielleicht auch nicht zusammen war (Johnny wusste so wenig über das Leben seines Sohnes, dass es weh tat, aber er wusste, dass Tory ihm wichtig war), und diese Argumente waren gekommen, aber Johnny hatte Robby offen erklärt, dass Miguel in ernsthafte Gefahr geraten könnte, wenn er ihn nicht rechtzeitig abfing, und dass das alles Johnny Schuld war, und danach hatte Robby zugestimmt mit ihm zu kommen.

„Ich bin mir nicht sicher, ob das bei ihm überhaupt irgendwas geändert hätte. Ich weiß nicht, ob es dir aufgefallen ist, aber seit dieser Terry Silver aufgetaucht ist, hat sich dein ehemaliger Sensei verändert. Es gibt da böses Blut, wegen einer über dreißig Jahre zurückliegender Sache. Ich hab's nicht ganz verstanden, ich weiß nur, dass er … jetzt andere Prioritäten hat als vorher."

Robby gab einen zustimmenden Laut von sich. „Ja, er hat da was angedeutet", meinte er, „Aber trotzdem … denkst du wirklich…"

„Ich weiß nicht mehr was ich denken soll", gab Johnny nur zu, „Ich glaube, wir beide sind einfach nicht dazu bestimmt miteinander klar zu kommen. Aber das spielt keine Rolle. Ich habe keine Lust den ganzen Weg nach Mexico über Daniel LaRusso zu reden. Wir müssen Miguel finden. Also, haben diese tollen smarten Telefone nicht geheime Bill Gates-Chips in sich durch die man die orten kann? Was muss ich tun um Miguels Smartes Telefon zu orten?"

Robby schien ein Grinsen zu unterdrücken, wie es immer alle taten, wenn Johnny irgendetwas über moderne Technik sagte oder fragte. „Es nennt sich Find my Phone-App, Dad. Du findest Miguels SmartPhone über seine Nummer, aber wenn er nicht gefunden werden will, wird er die App deinstalliert haben. Versprich dir nicht zu viel davon", erwiderte er dann, „Aber wir können es ja zumindest versuchen."

„Wenn das nicht klappt, dann sehen wir uns seine Hashbrowns an. Ihr macht doch ständig Bilder von allem und taged und postet das. Vielleicht hat er Bilder von der Landschaft gemacht; Miguel kommt nicht viel rum, er ist leicht zu begeistern", schlug Johnny dann vor.

„Und scheinbar nicht sehr klug, wenn er Insta benutzt während er untertauchen will", murmelte Robby, bevor er lauter meinte, „Klar, ich checke seine Social Media. Wieso nennst du sie … ach, weißt du was, vergiss es. Ich sehe nach, ob er … Hashbrowns … benutzt hat."

„Gut, tu das, weil ich ja fahren muss, und außerdem … bin ich nicht so gut mit diesem Internetzeugs wie alle denken", erwiderte Johnny und tat so als würde ihm das nichts ausmachen, „Miguel ist mein einziger Follower auf Tweety."

„Wenn du willst, dann kann ich dir auch folgen, dann hättest du schon zwei Follower", bot Robby ihm an, „Und müsstest dich nicht mehr vor Sylvester fürchten."

Johnny warf seinem Sohn einen scharfen Blick zu. Er hatte das Gefühl, dass sich Robby über ihn lustig machte, und er wusste nicht einmal warum, und das ärgerte ihn, aber zugeben wollte er es auch nicht. „Olle Mietztazen machen mir keine Angst", brummte er nur.

Robby lächelte, zumindest beinahe. „Klar, Dad", meinte er nur, „Ich versuche jetzt Miguels Handy zu finden, okay?"


Das lief besser als Johnny erwartet hatte, Robby hörte ihm zu und wollte ihm helfen und verschloss sich ihm nicht sofort wieder. Das ließ Johnny seinen Ärger mit Daniel LaRusso schon wieder vergessen. Zumindest beinahe.

Daniel hatte immer gehofft, dass er ein guter Vater war, er wäre gerne so gewesen wie Mister Miyagi - immer verständnisvoll, immer vor allem ein Freund, mit Antworten auf alles ausgestattet. Im Grunde hätte es ihm aber schon ausgereicht so zu sein wie sein Dad gewesen war - einfach immer bereit sein Bestes zu geben.

Jahrelang dachte er auch, dass er einen wirklich guten Job machen würde. Er und Sam waren sich so nahe, zusammen mit Mister Miyagi waren sie regelrechtes Trio.

Doch dann wurde Sam ein Teenager, und Daniel verlor sie zunehmend. Er konnte nicht verstehen warum sie jemanden wie Aisha, mit der sie so viele Jahre lang eng befreundet gewesen war, einfach links liegen ließ, nur um beliebter zu werden. Wahre Freunde waren so selten, Daniel wusste das, sie einfach so aufzugeben, dieser Gedanke erschien ihm so fremdartig zu sein. Sie begann ihm Dinge zu verschweigen, zu lügen, und sich mit den falschen Jungs zu treffen. Mister Miyagi war nicht mehr, Daniel konnte ihn nicht mehr um Rat fragen, und Sam entglitt ihm, jeden Tag ein wenig mehr wie es schien.

Was Anthony anging, nun Daniel war dem Jungen nie besonders nahe gestanden. Er hatte es versucht, zumindest redete er sich das ein, aber Anthony hatte sich immer mehr für Bildschirme als für Menschen interessiert. Daniel erkannte einfach nichts von sich selbst in dem Jungen wieder, und je älter Anthony wurde, desto mehr erkannte er andere Dinge in ihm, die ihn beunruhigten.

Geschwister hänselten einander, ja, aber manches, was Anthony zu Sam sagte, weckte sein Unbehagen. Und dann kam die ganze Bullying-Geschichte ans Licht, und Daniel hatte das Gefühl seinen Sohn überhaupt nicht mehr zu kennen. Der Junge log und betrog, mobbte andere, weigerte sich Befehlen nachzukommen … Vielleicht war es seine Schuld, vielleicht war es für jeden, inklusive Anthony, offensichtlich, dass er seine Tochter mehr liebte als seinen Sohn. Sogar seine Cousine erkannte das, obwohl sie kaum Zeit mit ihnen allen zusammen verbracht hatte.

Und auch mit Sam wurde es schlimmer. Zunächst wurde es besser, zumindest schien es so. Er gewann sie zurück, trainierte wieder Karate mit ihr … und musste dann zusehen wie sie von diesem verrückten Mädchen verletzt wurde – seelisch und körperlich. Er versuchte ihr zu helfen, ihr dabei zu helfen ihr Trauma zu verarbeiten, erzählte ihr von seinem eigenen, zumindest Teile davon, doch es half nichts. Sam, erkannte er, war unter ihrer Hilflosigkeit vor allem eines: wütend.

Sie war wütend wegen ihrer Hilflosigkeit, und die einzige Person, die sie ihrer Meinung nach verstand, war Johnny Lawrence. Das tat weh. Aber letztlich waren es auch die Johnny Lawrence-Methoden, die Anthony dazu brachten zu gehorchen. Und im Grunde tat es nicht so weh zu wissen, dass Johnny die Lösung war, wie zu erkennen, dass er das Problem sein musste, dass er als Vater versagt haben musste. Beide seiner Kinder waren wütend und verletzt und ließen sich nicht von ihm helfen. Beide litten, und er konnte ihnen nicht helfen, konnte sie ihrer Meinung nach nicht einmal verstehen.

Er wollte Sam ihren großen Sieg ermöglichen, ihr den Moment schenken, den ihm das All Valley Turnier 1984 geschenkt hatte. Doch sie verlor, ihre Wunden heilten nicht. Sie wurden nur tiefer.

Das war einer der Gründe warum es ihm wichtiger erschien als jemals zuvor Cobra Kai zu vernichten: weil Cobra Kai versuchte sein Kind zu vernichten. Oder vielleicht sogar seine beiden Kinder. Anthony hatte ihm erzählt wie er versucht hatte sich mit Kenny zu versöhnen und was dieser ihm daraufhin für die Zukunft angedroht hatte. Kenny stand im Bann von Cobra Kai, und Kreese und Silver würden ihn genau zu der Art Monster machen, die sie aus allen machten, die sie in die Finger bekamen.

Amanda glaubte an Tory, daran, dass sie sich ändern konnte, und vielleicht konnte sie das ja auch. Daniel war nicht entgangen, dass sie fair gegen Sam gekämpft hatte und ihr hatte aufhelfen wollen. Aber wenn sie bei Cobra Kai blieb, dann würde dieser Wandel nicht von Dauer sein.

Cobra Kai war eine Gefahr für seine ganze Familie und für das gesamte Valley.

Daniel musste sie einfach aufhalten.

Und er hatte wirklich gehofft das mit Johnny an seiner Seite tun zu können. Ja, sie kamen nicht immer miteinander klar, aber Johnny war genauso ein Opfer von Cobra Kai wie Daniel, niemand anderer außer ihnen beiden wusste wozu Kreese und Silver wirklich fähig waren. Und Robby schwebte genauso in Gefahr wie Sam und Anthony, Miguel schwebte genauso in Gefahr, das musste Johnny doch sehen; er behauptete immer, dass ihm Sam wichtig wäre, doch offenbar war sie ihm nicht wichtig genug um für sie zu kämpfen.

Johnny schien einfach nicht begreifen zu wollen, dass es im Moment nichts Wichtigeres gab als Cobra Kai aufzuhalten, und das wiederum begriff Daniel nicht. Er hatte sich mehr erwartet. Seit sie zusammen vor Kreeses zusammengesunkenem Körper gestanden hatten und beschlossen hatten alles zu beenden, waren sie Partner, egal ob aus Miyagi Fang etwas geworden war oder nicht, zumindest was ihr Ziel anging waren sie sich immer einig gewesen, aber jetzt … jetzt lief Johnny einfach weg, ließ Daniel im Stich, ließ sie alle im Stich.

Vielleicht erwartete sich Daniel einfach zu viel von dem anderen Mann. Vielleicht war es falsch gewesen zu erwarten, dass Johnny sich änderte, vielleicht war er tief in seinem Inneren einfach zu sehr Cobra Kai um jemals etwas anderes zu sein, vielleicht konnte sich irgendein Teil von ihm nicht von Kreese lösen, egal ob dieser bereits zwei Mal versucht hatte ihn umzubringen oder nicht.

Da ihn Johnny hängen ließ, musste er sich einen anderen Verbündeten suchen. Chozen war sein Karate-Cousin, ihm bedeutete Miyagi-Karate mindestens genauso viel wie Daniel, wenn jemand verstehen würde wie wichtig es war Cora Kai zu vernichten und das Miyagi-Familienerbe zu retten, dann war es Chozen. Nach ihrer letzten Begegnung hatte Daniel endlich keine Angst mehr vor dem anderen Mann, und er wusste, dass Chozen ihm helfen würde, dass er nun sein wichtigster Verbündeter war.

Immerhin hatten nur Daniel und Johnny Kreese versprochen, dass sie nie mehr Karate unterrichten würde, von Chozen war nie die Rede gewesen. Immerhin lebte er nicht im Valley, und Kreese wusste nichts von ihm. Es war also ganz einfach: Chozen würde das Miyagi-Do offiziell übernehmen und sich im die Schüler und die Eagle Fangs kümmern, und zugleich würde er Daniel dabei helfen einen Schlachtplan gegen Cobra Kai zu entwickeln.

Bis jetzt hatte Daniel mit Ehre gekämpft, weil er wusste, dass Mister Miyagi das von ihm erwartet hätte, doch seine Ehre hatte nur dazu geführt, dass er verlor und im Stich gelassen wurde. Von jetzt an würde er kämpfen um zu gewinnen, Ehre hin oder her. Natürlich würde er nicht zu den gleichen Methoden greifen wie Kreese und Silver, aber er würde sich auch nicht mehr davon abhalten lassen das zu tun, was notwendig war. Er musste einfach gewinnen, koste es, was es wollte. Er musste seine Kinder retten und alle anderen ebenfalls.

Chozen bestand darauf seinen Gegner kennenzulernen. „Um jemanden besiegen zu können, muss man ihn einschätzen können, Daniel-san", erklärte ihm Chozen, „Ich muss den Feind begegnen um abschätzen zu können, was mich erwartet. Deine Beschreibung wird durch deine Wahrnehmung bestimmt, ich muss die Wahrheit sehen um den Gegner etwas entgegen setzen zu können."

Daniel war der Meinung, dass es nichts in der Welt gab, das Chozen auf Terry Silver vorbereiten könnte, aber er sah ein, dass der Okinawese Recht hatte - die Sicht eines Außenstehenden wäre vielleicht sogar genau das, was er jetzt brauchte um einen Plan gegen Cobra Kai entwickeln zu können. Also nahm er Chozen mit zum Cobra Kai-Dojo.

Und musste feststellen, dass die umgezogen waren, oder besser gesagt zurück in ihr altes Dojo gezogen waren. Das hier war der Ort, an dem er John Kreese zum ersten Mal gesehen hatte, das hier war der Ort, an dem er mit Terry trainiert hatte, an dem…

„Daniel-san? Ist alles in Ordnung?"

Daniel, der von Erinnerungen überwältigt, wie angewurzelt stehen geblieben war, als sie dabei gewesen waren das Dojo zu betreten, blickte in Chozens Gesicht und versuchte in die Gegenwart zurückzufinden. Er war nicht mehr hier gewesen seit der großen Enthüllung damals 1985. Es ist in Ordnung einem Gegner zu unterliegen, doch der Furcht darf man nicht unterliegen, rief er sich in Erinnerung und zwang seine Beine dann dazu weiter zu gehen. Er nickte Chozen aufmunternd zu und betrat das Studio.

Er wusste nicht was er erwartete zu sehen. Er hoffte auf trainierende Schüler, auf Tory, Kyler, Kenny, und die anderen, die Katas übten. Er fürchtete Terry beim Üben zu sehen, alleine mit einem Dummy. Doch das Studio war leer. Kein Schüler war zu sehen. Von Kreese und Silver gab es auch keine Spur.

Daniel sah sich um. Alles hier sah anders aus und doch genau so wie damals. Ein Gegner, der nicht stehen kann, kann nicht kämpfen. Ein Gegner, der nicht sehen kann, kann nicht kämpfen. Ein Gegner, der nicht… „Danny-Boy! Was führt dich her?!"

Daniel zuckte unweigerlich zusammen, als er die Stimme und den altbekannten Tonfall hörte. Niemand abgesehen von Terry hatte ihn jemals so genannt. Niemand abgesehen von Terry hatte ihn jemals in diesem Tonfall angesprochen. Dessen seltsamer Akzent war inzwischen zum Großteil verschwunden, und er war älter geworden, er klang anders, sah anders aus, und doch, wenn Daniel ihn anblickte, dann schien kein Tag seit damals vergangen zu sein, dann sah er den Mann von damals vor sich.

Er riss sich zusammen. „Ist Kreese hier?", fragte er stattdessen, „Ich wollte mit euch beiden über etwas sprechen."

Terry zog eine betroffene Miene. „Nun, weißt du, der gute John ist momentan verhindert. Er wurde verhaftet um genau zu sein", erklärte er.

Daniel, der selbst ohne Erfolg versucht hatte Kreese mit dem Gesetz beizukommen, hatte das nun wirklich nicht kommen sehen. „Kreese ist im Gefängnis?", wiederholte er überrascht.

„Ja, wie es scheint hat er einen unserer Schüler angegriffen. Wir wissen ja, dass John in der Vergangenheit nicht unbescholten war, was dieses Thema angeht, aber ich hätte nie damit gerechnet, dass er so weit gehen würde. Mir gegenüber hat er immer abgestritten gewalttätig gegenüber Mister Lawrence geworden zu sein, aber John hat Vietnam niemals verlassen. Ich wollte das nicht wahr haben, obwohl ich es tief in mir wusste. Es wurde ja damals niemals Anzeige gegen ihn erhoben, und ich habe nie beobachtet, dass er sich gegenüber unseren Schülern in irgendeiner Form unprofessionell verhalten hätte, deswegen war ich genauso überrascht wie alle anderen als ich von dem Zwischenfall erfahren habe. Natürlich ist es nicht Johns Schuld - Post-Traumatischer Stress, Flashbacks, das sind ernste Probleme, mit denen viele Veteranen zu kämpfen haben - aber selbst wenn er frei kommen sollte, kann ich ihn nach diesem Zwischenfall nicht mehr einfach so leichten Herzens in die Nähe unserer Schüler lassen. Ich muss mir noch überlegen wie ich ihnen das beibringe. Tory Nichols und er stehen sich ziemlich nahe, es wird sie schockieren das alles zu hören…" Terry plapperte vor sich hin, aber Daniel konnte nur das Rauschen in seinen Ohren hören.

„Welcher Schüler?", krächzte er, „Welcher Schüler wurde angegriffen?" Er war zu spätspätspät. Er hatte den gleichen Fehler gemacht wie Mister Miyagi, er hatte Kreese am Leben gelassen, trotz dessen Angriffe auf Johnny. Und jetzt hatte ein Kind deswegen Schaden davon getragen. Doch wer?

Nicht Tory, wie es schien, Robby war mit Johnny unterwegs, er konnte es also auch nicht sein. Daniel versuchte sich an die anderen Cobra Kai-Schüler zu erinnern, die noch aktuell waren. Hoffentlich nicht der klein Junge, den Anthony gemobbt hatte, denn dann wäre das alles noch viel mehr Daniels Schuld, der zugelassen hatte, dass sein Sohn ein Bully wurde, der den Jungen in die Arme von Cobra Kai getrieben hatte, wo er ….

„Ich glaube der Mann nennt sich Stingray", erklärte Terry gerade, „Ich habe ihn nur einmal kurz getroffen. John war damals nicht gerade erfreut darüber ihn im Dojo zu sehen. Trotzdem hätte ich nie erwartet, dass er so überreagieren würde."

Mann? Stingray? Nach einem Moment der Verwirrung, durchflutete Daniel Erleichterung. Kein Kind war verletzt worden. Doch die Erleichterung hielt nicht an, denn es war jemand verletzt worden, auch wenn es ein Erwachsener war. „Überreagieren?"

„Es war ein ernsthafter Angriff, wie es scheint. Mister – ehm - Stingray war einige Zeit ohne Bewusstsein und hat viele ernst Verletzungen davon getragen. Es wird noch einige Zeit dauern, bis er sich genug erholt hat um das Krankenhaus wieder zu verlassen", berichtete Terry, „Natürlich werde ich all seine Krankenhaus- und Behandlungskosten übernehmen. Das ist das Mindeste, was ich tun kann." Er schüttelte scheinbar betrübt den Kopf. „Ich hätte bemerken müssen wie es um John steht." Dann sah er Daniel erwartungsvoll an. „Aber nachdem du von alle dem nichts wusstest, hat dich das nicht hierher geführt. Was kann ich für dich tun, Danny? Und wer ist dein Freund?"

Daniel blinzelte und versuchte seine Gedanken zu ordnen und sich daran zu erinnern warum er eigentlich hierher gekommen war. Er deutete auf Chozen. „Das ist Chozen Toguchi", erklärte er, „Er ist ein … Freund von mir aus Okinawa."

Chozen verbeugte sich vor Terry, der diese Geste sogar erwiderte. Also versuchte er es wieder einmal mit der „harmloser höflicher freundlich-charmanter Typ"-Nummer. Natürlich, das war die Nummer, die für ihn am Besten funktionierte, nicht wahr?

„Chozen hat zugestimmt Miyagi-Do an meiner Stelle zu leiten, und Eagle Fang ebenfalls zu übernehmen, falls die Schüler Interesse daran haben sollten", fuhr Daniel fort.

Terry musterte Chozen prüfend. „Noch ein Karate-Sensei aus deiner Bekanntschaft, ja? Es freut mich Ihre Bekanntschaft zu machen Toguchi-san", meinte er.

„Die Freude ist ganz meinerseits", behaupte Chozen.

Daniel glaubte keinem der beiden auch nur ein Wort.

„Welchen Stil von Karate unterrichten Sie?", wollte Terry dann wissen.

Daniel sah keinen Sinn darin zu lügen oder um den heißen Brei herumzureden. Das war Terrys Nummer, seine hingegen war immer schon Ehrlichkeit gewesen. „Chozen ist der Vertreter des Miyagi-Karates in Okinawa", warf er deswegen ein.

Terry warf ihm einen vielsagenden Blick zu und grinste dann. „Oh, ich verstehe", flötete er, „Du willst deinen Deal mit John brechen ohne ihn tatsächlich zu brechen. Sehr schlau, Danny-Boy."

Daniel räusperte sich. „Die Abmachung war, dass die Verlierer des All Valleys kein Karate mehr unterrichten dürfen. Es war nie die Rede davon, dass die Dojos nicht von jemand anderen übernommen werden können", behauptete er.

„Nur, dass es um die verschiedenen Karate-Schulen ging, die Stils. Die Idee war, dass Miyagi-Karate nicht mehr unterrichtet werden soll. Und das, was auch immer Mister Lawerence unterrichtet - so ganz war mir das persönlich ja nie klar, aber es war wohl eine ganz eigene Schule", warf Terry ein, „Aber wenn Toguchi-san nun eure Schüler übernehmen würde, dann würde er ihnen erst recht wieder Miyagi-Karate beibringen, oder nicht?"

„Chozens Stil unterscheidet sich von meinem. So wie sich deiner von Kreeses unterschieden hat und Johnnys Stil wieder anders war, aber ihr wart alle Cobra Kai", meinte Daniel dazu, „Miyagi-Karate ist das, was Chozen und mich verbindet. Aber er war im Deal mit Kreese nie miteinbegriffen."

„Aber du wärst nicht gekommen, wenn du sicher wärst, dass das wirklich der Fall ist", stellte Terry fest. Dann schüttelte er den Kopf. „Nun, ich weiß was John sagen würde, wenn er hier wäre. … Aber ich bin nicht John. Und ich war nicht dabei als ihr eure kleine Abmachung getroffen habt, die keiner von euch schriftliche festgehalten hat, was, wenn ich das sagen darf, ein Business-Mann wie du besser wissen sollte. Aber ich schätze mal, John und dein Freund Mister Lawrence sind wirkliche Fans diese Handschlag-Deal-Idee. Aber von mir aus: Lasst Miyagi-Do unter neuem Management weiter laufen." Er nickte Chozen zu. „Es interessiert mich heraus zu finden wozu das hier führt."

Er dirigierte ein haihaftes Lächeln in Daniels Richtung. „Ich fühle mich nicht von der Idee des Miyagi-Dos bedroht. Cobra Kai hat seit unserem Sieg im All Valley nur noch mehr Schüler gewonnen. Tatsächlich war das einer der Gründe für unseren Standort-Wechsel, wir brauchen mehr Platz. Wenn unsere Kundschaft weiterwächst, dann werde ich bald eine weitere Filiale eröffnen müssen. Ich habe keine Angst vor einem kleinen Dojo mit einem Dutzend Schülern. Ihr könnt so viel meditieren und Katas üben wie ihr wollt", fuhr er fort.

„Ohne Kreese dürfte es schwierig werden andere Filialen zu eröffnen", warf Daniel ein, „Oder hast du einen Weg gefunden dich zu klonen?"

Terry lachte. „Süße Idee, aber nein. Ich habe ein paar alte Freunde von mir angerufen, die ebenfalls Karate können. Einer davon dürfte dir nicht unbekannt sein. Mike Barnes war nicht mehr das, was man aktiv nennt, aber er ist mit Sicherheit ein guter Lehrer", erklärte er.

Daniel fühlte wie ihm die Luft wegblieb. Und er spürte Faustschläge, die auf ihn einregneten. Hing wieder an einer Klippe, zusammen mit Jessica. Er versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Vermutlich hatte er damit nicht viel Erfolg.

„Erinnere mich daran mich bei Mister Lawrence dafür zu bedanken, dass er uns alle entsperren hat lassen, wenn ich Gelegenheit dazu habe, Danny", fügte Terry dann noch hinzu, „Was den Rest angeht … Ich habe immer noch einige Kontakte aus meinen Armee-Tagen. Und ein paar andere Kandidaten im Auge. Also nein, kein Klonen notwendig."

Sag etwas. Wenn du nichts sagst, dann weiß er, dass er sein Ziel dich zu verunsichern erreicht hat! „Das freut mich für dich", formulierte Daniel mühsam.

„Es ist nett, dass du das sagst", konterte Terry, „Falls es sonst nichts mehr gibt…."

Oh, es gab so viel, eine ganze Menge davon. Aber Daniel brachte nichts davon über die Lippen. Nicht vor Chozen. Und weil er Terry nicht die Befriedigung gönnen wollte ihn irgendetwas davon zu sagen hören. „Nein, nein, ich habe nichts mehr zu sagen", behauptete Daniel.

„Na dann. Auf eine herausfordernde interessante Rivalität, meine Herren. Ich weiß, was ich vorhin gesagt habe, aber … wer weiß, vielleicht überrascht ihr mich ja", beendete Terry das Gespräch.

„Ossu!", erwiderte Chozen, und Daniel fragte sich warum er gerade diese Antwort gewählt hatte. Er seinerseits nickte nur und stolperte dann in Richtung Ausgang hinter Chozen her. Er konnte Terrys Blick in seinem Nacken spüren. Er drehte sich nicht um. Er hielt seine Augen auf Chozens Rücken gerichtet. Erst als er die Schwelle zum Dojo wieder verlassen hatte, konnte er wieder frei atmen.

„Hast du … einen ersten Eindruck gewonnen?", wandte sich Daniel an Chozen.

Dieser warf ihm einen scharfen Blick zu. „Dieser Mann macht dir Angst, Daniel-san", stellte er fest, „Das hast du mir verschwiegen. Wer ist Mike Barnes?"

Daniel dachte an einen grinsenden Widerling und Schläger, der ihm drohte ihn in den Tod stürzen zu lassen, wenn er sich weigerte gegen ihn zu kämpfen. „Ein Handlanger, niemand um den du dir Sorgen machen müsstest", meinte er wegwerfend, „Silver hat ihn nur erwähnt um mich aus den Gleichgewicht zu bringen. Vielleicht kommt er nicht einmal her. Und selbst wenn er es tut … du hast es gehört, er hatte mit dem Karate aufgehört. Mit dem werden wir fertig."

„Und mit Silver-san? Werden wir mit dem fertig?", wollte Chozen wissen, „Wirst du mit ihm fertig?"

Das war eine gute Frage. Daniel war davon ausgegangen, dass er es mit Silver und Kreese zu tun haben würde. Und inzwischen wusste er ziemlich genau was er von Kreese zu erwarten hatte, zumindest hatte er das bis gerade eben gedacht. Aber jetzt, nachdem Kreese aus dem Spiel war und Terry freie Hand hatte …. Einen Moment lang schien sich die Welt um ihn herum zu drehen. Ein Feind, der nicht stehen kann, kann nicht kämpfen. Fürwahr.

„Ich kann stehen", erklärte er.

„Daniel-san?" Chozen blickte ihn überaus verwirrt an. Daniel schenkte ihm ein beruhigendes Lächeln. „Terry Silver denkt, wir hätten immer noch 1985", erklärte er, „Er weiß nicht wer ich heute bin. Deswegen werde ich mit ihm fertig werden. Wir werden mit ihm fertig werden. Er hat seinen Partner verloren, wen auch immer er da jetzt um sich versammelt, die können das nicht ersetzen. Wir beide haben einander, wir sind Partner, also sind wir im Vorteil."

Chozen schien darüber einen Moment lang nachzudenken. „Was ist mit Johnny Lawrence? War nicht eigentlich er dein Partner?", gab er dann zu bedenken.

„Nein", erwiderte Daniel ruhig, „Johnny und ich waren niemals Partner. Wir waren gerade mal Zwangsverbündete. Wir beide werden das schaffen, was ich alleine nicht konnte: Wir werden Cobra Kai vernichten. Alles, was wir dazu tun müssen, ist am selben Strang zu ziehen. Johnny konnte das nicht. Deswegen sind wir ohne ihn besser dran."

In diesen Moment glaubte Daniel diese Worte auch tatsächlich, aber vielleicht im Grunde einfach nur deswegen, weil er dringend an sie glauben wollte.


A/N: Fun-Fact: Ursprünglich wollte ich dieses und die nächsten Kapitel nach der Quicksilver-Methode benennen, aber wenn schon die Drei Affen, dann richtig.

Der Tweety-Witz beruht auf einer wahren Begebenheit. Mein Cousin hat mich vor einigen Jahren wie das halt üblich ist nach meiner Social Media Aktivität gerfragt. Und brav Facebook, Instagram und … Tweety … aufgezählt. (Ja, er hat keinen Twitter Account und war damals nicht sehr an Social Medie interessiert). Ich habe mir gedacht, dass dieser Fehler perfekt zu Johnny passen würde.

Terrys Pläne und Kreese im Gefängnis sind für das nächsten Kapitel geplant.

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