7. Iwazaru


Vermutlich hätte Johnny klar sein müssen, dass er seine wahre Mission nur eine gewisse Zeit lang vor Daniel LaRusso geheim halten konnte. Er hatte versucht die Tatsache, dass Miguel abgehauen war, solange wie möglich vor Sam zu verheimlichen, weil er nicht wollte, dass sie sich Sorgen machte, aber sehr lange konnte er es nicht geheim halten. Teenager heutzutage und ihre tausend Social Medias … Sam war über ihre Niederlage bedrückt, aber das hielt sie nicht davon ab sich zu wundern warum Miguel sie ignorierte, und nachzuforschen, und dann wusste sie es irgendwann.

Miguel hatte sein Telefon-Finde-Programm desintalliert wie es schien, und er postete keine Fotos oder Kommentare oder gar Koordinaten, aber das war für sich genommen offenbar bereits verdächtig genug. Sam begann sich zu sorgen, ging zu Carmen, und die sagte ihr alles, woraufhin Sam alles ihrem Vater erzählte und Johnnys Handy mit Nachrichten und Anrufen überflutet wurde.

Und dann verlor er sein smartes Telefon (wieder einmal, aber dieses Mal waren die Umstände anders), damit hatte er zumindest Ruhe vor den LaRussos. Er hatte nicht vor ihnen ohne Miguel im Schlepptau wieder unter die Augen zu treten, was hätte er ihnen also sagen sollen?

Der Vater-Sohn-Trip war ein Erlebnis für sich. Robby war die meiste Zeit über ein angenehmer Reisepartner. Johnny und sein Sohn stellten fest, dass sie einander nicht mehr wirklich kannten, aber sie konnten sich neu kennenlernen. Wenn er sich nicht die ganze Zeit Sorgen um Miguel gemacht hätte, dann hätte Johnny diesen Ausflug vielleicht sogar genießen können. Robby erzählte ihm von seinem Leben in den letzten Jahren, und Johnny erzählte ihm im Gegenzug Dinge aus seinem Leben, inklusive Dinge, die er ihm nicht leicht fielen auszusprechen, die er aber sagen musste. Er musste Robby erklären warum er seinen Jungen nicht in Cobra Kai und in Kreeses Nähe haben wollte, oder in der von diesem Terry Silver.

„Aber, Dad, wenn er dich in eine Falle gelockt hat um dich zu verprügeln, warum hast du ihn dann nicht einfach angezeigt?", wollte Robby wissen.

„Wenn ich jeden anzeigen würde, mit dem ich mich prügle, dann wäre ich nur noch bei der Polizei, und irgendwann würden die denken, dass es an mir liegt. Außerdem wollten wir sowieso alles beim Turnier klären", erklärte Johnny.

Robby schüttelte nur den Kopf, sagte nichts dazu, aber seine Miene verhieß eine eigene Meinung dazu, eine LaRusso-mäßige Meinung. „Manche Dinge muss man unter sich klären", fügte Johnny hinzu.

„Keiner hat mir jemals was getan, während ich dort war. Oder einem der anderen Schüler", sagte Robby dann, „Ich weiß, dass du das vielleicht denkst, aber…"

„Nein, nein, im Grunde denke ich das nicht. Hör mal, wenn ich wirklich gedacht hätte, dass du dich in Gefahr befindest körperlich verletzt zu werden, dann hätte ich eher entführt als dort bleiben lassen. Ich bin vielleicht ein mieser Vater, aber so mies auch wieder nicht. Ich meine, Kreese und sein Kumpel kommen mit ihrem Scheiß durch, weil sie schlau sind und sich im Griff haben. Nach der Sache damals haben alle Schüler Cobra Kai verlassen, keiner wollte seine Kinder mehr hin gehen lassen. Und das, obwohl es nicht einmal eine Anzeige gab. Die haben daraus gelernt, würden keine Wiederholung riskieren", versuchte Johnny sich zu rechtfertigen.

Und dann fügte er noch hinzu: „Außerdem habe ich selbst Kreese zurück in mein Leben gelassen, ich wollte selbst glauben, dass er sich geändert hat. Und damals … nun bis zu diesem Vorfall hat er mir nie was getan und auch sonst niemanden. Du bist vielleicht frech zu mir, aber zu Fremden bist du höflich. Du würdest Kreese niemals so herausfordern wie ich es getan habe. Seine Autorität so untergraben. Außerdem war die Tatsache, dass du auf seiner Seite stehst, die Waffe gegen mich, die er haben wollte. Sein letzter Trumpf. Wenn er dir was getan hätte, hätte er kein Druckmittel mehr gegen mich in der Hand gehabt. Ich war weniger besorgt, dass sie dich verprügeln könnten, als dass sie dir da drinnen etwas antun könnten." Er klopfte mit einem Finger gegen Robbys Stirn.

„Cobra Kai lehrt Stärke ohne Ehre. Lehrt Gehorsam ohne Hirn und Herz. Ich weiß das, weil ich es selbst miterlebt habe. Bis zum Turnier damals wäre ich nie auf die Idee gekommen Kreese zu hinterfragen. Und dass ich es gewagt habe das zu tun, das hat ihn so aufgeregt", schloss Johnny, „Ich wollte nicht, dass du dich verlierst. Aber genau das ist passiert. Es tut mir leid, ich hätte … keine Ahnung, dich dazu zwingen sollen, dass du mit mir kommst, als du entlassen wurdest."

„Dann hätte ich dich nur noch mehr gehasst. Ich kann zu meinen eigenen Entscheidungen stehen, Dad. Alles, was passiert ist … ihr habt versucht mich zu warnen, du, Mister L., Sam … ich war einfach zu wütend und enttäuscht um auf euch zu hören. Aber in Wahrheit, da war ich einfach nur auf mich selbst wütend. Miguel … es gibt keine Entschuldigung für das, was ich ihm angetan habe", erwiderte Robby und blickte aus dem Autofenster hinaus auf die Straße.

„Es war ein Unfall. Das weißt du. Er weiß das auch. Jeder weiß es", betonte Johnny.

Robby zuckte die Schultern. „Es hat sich nicht wie ein Unfall angefühlt. Ich wollte ihm weh tun. Ich meine, ich wollte nie das. Aber ich wollte, dass er meinen Schmerz spürt, dass er weiß wie ich mich fühle", erwiderte er.

Johnny musterte seinen Sohn. „Bist du deswegen mitgekommen? Weil du hoffst, dass du es so wieder gutmachen kannst?", wollte er dann wissen.

Robby zuckte die Schultern. „So etwas wie Wiedergutmachung gibt es nicht", behauptete er, „Man kann es nur versuchen von jetzt an besser zu machen."

Johnny fand, dass das zu weise für einen Jungen in Robbys Alter klang. „Weißt du, genau das habe ich auch immer gedacht", gab er dann zu, „Vielleicht habe ich deswegen nie versucht mich zu entschuldigen. Egal für was. Und vielleicht wäre mein Leben anders gelaufen, wenn ich das wenigstens ein paar Mal probiert hätte. Das lehrt Cobra Kai einen auch, dass sich nur Weicheier entschuldigen. Ich glaube aber nicht, dass das stimmt. Jedes Mal, wenn ich gesagt habe, dass es mir leid tut, war es besser als wenn ich es nicht gesagt habe. Es war nicht immer perfekt, aber zumindest ein wenig hat es geholfen."

„Denkst du ernsthaft, dass es einen Weg gibt zu sagen: Es tut mir leid, dass ich dir das Rückgrat gebrochen hab?!", wollte Robby von ihm wissen.

Johnny zuckte die Schultern. „Das kannst du erst wissen, wenn du es ausprobiert hast", meinte er, „Ich muss mich selbst für etwas Unverzeihliches bei Miguel entschuldigen. Aber weißt du, die Sache mit Miguel ist die: Wenn dir jemand was verzeihen kann, was unverzeihlich ist, dann ist er es."

Robby schien einen Moment über diese Dinge nachzudenken. „Magst du ihn deswegen so sehr?", wollte er dann wissen.

Johnny warf ihm einen Seitenblick zu und versuchte die Frage zu erkennen, die hinter dieser stand. Er war nicht immer der Schlaueste, aber selbst er wusste, dass hinter dieser Frage mehr steckte als es den Anschein hatte. „Als ich Miguel kennengelernt habe, da hat er mich gebraucht. Und ich habe ihn gebraucht", erklärte er langsam, „Und ja, er ist ein guter Junge. Und ich hab ihn im Stich gelassen. Das tue ich so, ich lasse andere Menschen im Stich. Immer dann, wenn sie mich am Dringendsten brauchen. Das hat nichts mit ihnen zu tun, sondern nur mit mir."

Robby erwiderte darauf nichts.

Und kurz danach hatten sie das Eagle Mobile und ihre Handys verloren und mit ganz anderen Problemen zu kämpfen.


„Ich verstehe nur einfach nicht warum er sich nicht einmal dazu herablässt uns zu sagen, dass es ihnen allen gut geht", erklärte Daniel Amanda frustriert, „Ich meine, es ist schlimm genug, dass er mir nicht gesagt wohin er wirklich fährt und warum … Aber jetzt…. Jetzt meldet er sich bei niemandem mehr. Hoffentlich ist es aus Trotz heraus und nicht weil …." Er brach ab und brachte es nicht über sich den Rest dieses Gedankens auszusprechen.

Amanda seufzte. „Wir machen uns alle Sorgen", betonte sie, „Ich bin mir sicher, dass alles in Ordnung ist. Du kennst doch Johnny, gerade wenn wir nicht damit rechnen wird er auf einmal grinsend vor uns stehen, mit Robby und Miguel im Schlepptau, und uns erklären, dass all unsere Sorge umsonst war."

Daniel murmelte eine undeutliche Antwort.

Amanda warf ihm einen vielsagenden Blick zu, woraufhin ihre Ehemann seufzte. „Es ist nur, dass ich ihm ein paar Dinge ins Gesicht gesagt habe, als wir uns das letzte Mal gesehen haben, aber nur weil ich dachte, dass er einfach abhaut und uns alle im Stich lässt, und jetzt …" Er schüttele bekümmert den Kopf.

„Das war nicht das letzte Mal, dass du ihn gesehen hast, Daniel", versicherte ihm Amanda.

Hoffentlich hatte sie damit auch Recht. „Wieso hat er mir nicht einfach gesagt was los ist?", wollte Daniel wissen. Amanda zuckte nur mit den Schultern. „Vielleicht hat er das ja versucht, auf seine Weise", bot sie an.

Daniel schüttelte den Kopf. „Johnny sagt mir nie irgendetwas. Ich muss ihm alles aus der Nase ziehen", behauptete er, „Es ist also ob … er in mir den Feind sieht. Immer noch. All dieser Alpha-Bullshit, er glaubt das wirklich - er denkt, dass er vor mir keine Schwäche zeigen darf. Wenn Kreese nicht schon im Gefängnis sitzen würde …."

All das, beschloss Daniel, musste einfach Kreeses Schuld sein. Es war einfacher dem Mann an allem die Schuld zuzuschieben anstatt sich der Möglichkeit zu stellen, dass all seine Probleme mit Johnny irgendwie an ihm selbst lagen. Normalerweise helfen ein paar Bier um alles zu klären, wir reden doch miteinander. Ich meine, ja ich weiß, wir hatten uns zerstritten, aber ich dachte, dass wir das alles endlich hinter uns gelassen haben. Ich habe ihm von 1985 erzählt, und er vertraut mir nicht genug um mir zu sagen, dass Miguel vielleicht in Gefahr ist … Natürlich hatte Daniel Johnny nicht alles über 1985 erzählt. Aber das war nicht der Punkt.

Amanda umarmte ihn. „Daniel, alles wird wieder gut werden, du wirst sehen. Wir alle werden das durchstehen, gemeinsam", versprach sie ihm. Er wünschte sich, dass das auch wirklich stimmen würde, aber die Wahrheit war, dass er das hier alleine durchstehen musste, niemand verstand wirklich was er gerade durchmachte. Nicht Johnny, nicht Amanda, nicht Chozen, und schon gar nicht die Kinder (zum Glück!).

Natürlich lag das vor allem daran, dass er niemanden die volle Wahrheit über das sagte, was er gerade durchstand, aber das konnte er auch nicht. Vor den Männern wollte er nicht schwach wirken, und Amanda und die Kinder, die sollten ihn nicht mit anderen Augen sehen als bisher. Niemand sollte ihn mit anderen Augen als bisher sehen. Und deswegen musste er alleine leiden, seinen wahren Schmerz vor allen verstecken.

Keiner durfte wissen wie sehr es ihm zusetzte Terry dabei zusehen wie er … nun, sein Bestes versuchte um Mister Miyagis Erbe auszulöschen.

„Ich fahre zum Dojo", erklärte er Amanda, nachdem er sich aus ihrer Umarmung gelöst hatte, „Nach Chozen und den Schülern sehen…."

Amandas Miene verhieß Skepsis, doch er ignorierte sie. Er wich ihr und ihren Versuchen ihn aufzubauen nicht aus. Nicht wirklich, er war nur nervös und enttäuscht und verwirrt und ein wenig wütend. Das war alles. Er musste dafür sorgen, dass sein Kopf wieder klar wurde.

Bei Miyagi-Do angekommen, fand er weniger Klarheit, als er sich erhofft hatte. Chozen trainierte mit den Schülern Grundpositionen, wie es schien. Ihnen dabei zusehen versetzte Daniel einen unerwarteten Stich. Natürlich würde keiner erfahren, wenn er mitmachte, aber er hatte vor sich an sein Versprechen zu halten, zumindest zum Schein, und wer wusste schon wo Terry seine Spione hatte? Nein, er durfte momentan nicht mehr unterrichten, so einfach war das.

Er wollte sich gerade zum Gehen wenden, als er sie erblickte - zu Dritt drängten sie sich in seinen Garten, in Mister Miyagis Garten. Sie waren älter, aber sie waren es. Mike Barnes erkannte Daniel sofort, er hatte noch die gleichen Augen wie damals, Snake und Dennis vor allem deswegen, weil sie ihn begleiteten. Auf einmal war es wieder 1985, er war in Little Trees, und diese drei Schläger bedrohten ihn und Jessica. Drohten Jessica Dingen an, die ….

Daniel war sich einen Moment lang nicht mehr sicher, ob er überhaupt noch wusste wie man atmete.

„LaRusso", stellte Mike Barnes fest, „Ich wollte Terry nicht glauben, aber scheinbar haust du immer noch hier. Hat sich nicht viel verändert…"

Sam trainierte hier, Daniels Tochter! Und Johnny Schülerin, die kleine Devon. Und diese Männer kamen hierher und … Sein Gesicht musste seine Absichten deutlich widerspiegeln, denn Mikes Barnes hob abwehrend die Hände. „Hey, hey, LaRusso, langsam. Das alles war vor mehr als dreißig Jahren. Du weißt, dass wir das damals alles nicht so ernst gemeint haben, oder? Wir wollten dich nur dazu bringen beim Turnier anzutreten. Keiner wollte dir oder deiner Freundin was tun, nicht wirklich", behauptete er.

„Seid ihr deswegen her gekommen?", wollte Daniel wissen, „Um euch zu entschuldigen?"

„Das waren Dumme Jungen-Streiche", versicherte ihm Mike Barnes, „Wir sind nur hier um sicherzustellen, dass du das auch weißt. Damit wir es hinter uns lassen können. Terry hat uns Jobs angeboten, und wenn wir bleiben wollen, dann sollten wir zumindest versuchen klarzukommen, findest du nicht?"

„Es war nicht persönlich gemeint", fügte Dennis hinzu, „Wir wurden für den Scheiß bezahlt."

„Aber wir sollten dir nur Angst machen", bestätigte Snake, „Keiner sollte zu Schaden kommen. Keiner wäre zu Schaden gekommen."

Daniel lachte bitter, er konnte nicht anders, er lachte nur. Er sah die Flut auf sich zu kommen, sah sich und Jessica an der Klippe hängen …. Es war also ob sie nicht begriffen, dass das alles schlimmer anstatt besser machte. „Oh ja, lassen wir es hinter uns", meinte er dann kalt, „Ich meine, Menschen ändern sich, das tun sie ständig, nicht wahr? Deswegen seit ihr ja alle wieder hier, arbeitet wieder für Terry Silver, weil ihr euch geändert habt, und heute nicht mehr alles für Geld tun würdet. Ihr könnt mit euren Leben anstellen, was ihr wollt. Das hier ist ein freies Land. Aber wenn ihr auch nur noch einmal meinen Grund und Boden betretet, dann werdet ihr es bereuen. Der Auto-Verkauf, mein Haus, das Dojo … sehe ich auch nur ein Haar von einem von euch dort, ist es für euch vorbei, ist das klar?"

„Chill, Mann, wir haben uns doch entschuldigt", jammerte Dennis herum.

„Es ist klar", fuhr Mike Barnes dazwischen. Die selbe Kälte wie damals spiegelte sich in seinem Blick wieder, „Wir haben die Regeln verstanden. Kommt, Jungs." Und dann gingen sie wieder, Daniel blickte ihnen hinterher bis sie weg waren, bis er sich sicher sein konnte, dass sie weg waren.

„Dad, ist alles in Ordnung?" Sam stand hinter ihm, sah ihn besorgt an.

Daniel zwang sich dazu sie beruhigend anzulächeln. „Natürlich, mein Schatz. Das waren nur ein paar alte Bekannte", meinte er, „Alles ist in bester Ordnung."


„Ich bin nicht sicher, ob ich das für eine gute Idee halte, Mister Silver", erklärte Dennis, „Ich meine, Sie haben seine Augen nicht gesehen, seine seelenlosen Augen…."

„Ich bezahle dich nicht fürs Denken!", fauchte Terry den Mann an, „Ihr macht was ich euch sage! Oder seid ihr nicht Manns genug dafür?!"

Seelenlose Augen? Dass Terry nicht lachte! Er konnte sich nicht daran erinnern, dass Dennis und Snake in den 80ern solche Weicheier gewesen wären! Er hatte sie für ganz andere Dinge bezahlt, und jetzt … hatten sie Angst vor Daniel LaRusso?! Es war zum Lachen. Zumindest Mike Barnes zog nicht den Schwanz ein. Man konnte nicht viel Gutes über den Kerl sagen, aber zumindest schien er größere Eier zu haben als die anderen beiden.

Nachdem Terry die nutzlosen Angestellten aus seinem Büro gejagt hatte, kümmerte er sich um seine Schüler. Er hatte wie geplant Dugan in seinen Unterricht eingearbeitet und als befreundeten Lehrer für Kampftechniken vorgestellt.

„Besonders Sie könnten von seinem Stil profitieren, Miss Nichols. Sie haben doch eine Kick-Boxing Vergangenheit, nicht wahr? Ich denke zusammen könnten Sie beide einiges erreichen", hatte er gesagt und festgestellt, dass Tory Nichols einigermaßen interessiert gewirkt hatte.

Das war gut. Nichols war ihr Champion, Terry musste sie sich warm halten, und nachdem Nichols über die Nachrichten in Bezug auf Kreese alles andere als begeistert gewesen war, hoffte er, dass sie zusätzliches Training friedfertig stimmen würde. Ein neuer Mentor würde vielleicht helfen. Nichols war jemand, der es in ihren bisherigen Leben nicht leicht gehabt hatte, also dürfte ihre Einstellung zu Dugans „Die Welt ist schlecht und hart und deswegen müssen wir das auch sein"-Ausstrahlung passen.

Als er den beiden nun beim Training zusah, stellte er fest, dass Dugan Wort hielt und sich normal verhielt und nicht auf die Idee zu kommen schien unangemessene Vorschläge zu machen. Tatsächlich schienen ihn die Schüler zu mögen, nicht nur Nichols war interessiert an ihm, der kleine Payne-Junge beobachtete seinen neuen Lehrer mit glänzenden Augen. Gut so.

Nachdem die Stunde vorbei war, wechselte Dugan noch ein paar Worte mit einigen der älteren Schülern, über die Armee, wie es schien. Ich hoffe, er verspricht hier niemanden eine Empfehlung, die nichts wert ist, wenn sie von ihm kommt. Soviel Bestechungsgeld habe ich auch wieder nicht übrig. Terry hatte nicht vor der verdammten US-Armee auch nur einen Rekruten zum Verheizen zu liefern, nein danke!

„Sensei?"

Terry wandte sich zu Tory Nichols um. „Ich habe leider nichts Neues von Sensei Kreese gehört, Miss Nichols. Aber Sie sind die Erste, die ich informiere, sobald sich das ändert. Ich bin sicher, dass sich dieses Missverständnis bald aufklären wird. Wer auch immer Stingray überfallen hat, wird zur Verantwortung gezogen werden, und es wird sich herausstellen warum er denkt, dass es Sensei Kreese war", meinte Terry automatisch.

„Darum geht es nicht. Ich wollte … beim All Valley, im Finalkampf ….", setzte das Mädchen an, verstummte dann aber.

„Ja?"

„Könnte es sein, dass der Linienrichter vielleicht einen Fehler gemacht hat?", erkundigte sie sich dann.

Terry sah sie überrascht an. „Nun, mir ist nichts aufgefallen, aber natürlich sind Richter auch nur Menschen. Hat Miss LaRusso einen Punkt ungerechtfertigter Weise zugesprochen bekommen?", wunderte er sich.

Die Schülerin öffnete den Mund um zu antworten, schloss ihn dann aber wieder. „Nein, vergessen Sie es", meinte sie dann, „Ich meine, vorbei ist vorbei. Es ist ja nicht so, als ob man im Nachhinein Einspruch einlegen könnte oder dergleichen. … Oder?"

„Nein, ich meine, theoretisch ginge das schon, wenn man Videomaterial über eine Fehlentscheidung hätte, aber das wäre eine große Sache. Das Komitee müsste sich versammeln, gemeinsam abstimmen, alles, was besprochen wurde, würde öffentlich werden … Es wäre viel Aufwand für was eigentlich? Einen Punkt? Ist nicht die Hauptsache, dass die richtige Person gewonnen hat?", erwiderte er.

Nichols nickte. „Ja, ich denke, dass ist die Hauptsache, nicht wahr?", echote sie, „Wobei Sensei Lawrence immer gesagt hat…."

„Dass ein Sieg ohne Ehre kein wahrer Sieg ist?", spottete Terry, „Das ist das, was Verlierer immer sagen. Wir beiden wissen, dass nichts im Leben umsonst ist. Alles hat seinen Preis. Für den Sieg muss man manchmal seine Ehre opfern. Aber am Ende zählt nur wer gewonnen hat, nicht wie das erreicht wurde. Miss LaRusso ist eine gute Kämpferin, aber Sie sind besser, Miss Nichols. Sie haben verdient gewonnen, egal welche Fehler der Linienrichter gemacht haben mag oder auch nicht. Vergessen Sie das nie."

Nichols nickte. „Ich werde es nicht vergessen", versprach sie.

Terry hoffte, dass sie keinen Anfall von schlechten Gewissen erleiden würde. Aber er konnte sich nicht vorstellen, dass sie freiwillig auf ihren Sieg verzichten würde. Wer würde so etwas schon tun?

Eine Beschwerde würde alle Entscheidungen des Linienrichters in Frage stellen, und das könnte zu gröberen Konsequenzen führen, für das All Valley insgesamt. Nein, er glaubte nicht, dass sie so viel Wind darum machen würde, dass sie es möglicherweise nicht verdient gehabt hatte zu gewinnen. Zumindest hoffte er das. Wo findet John nur immer diese Raue Schalen, denen unvermittelt ein Herz wächst? Sucht er sich absichtlich diejenigen aus, die im ungünstigsten Moment ihr Gewissen entdecken?

Als ihm aufging, dass diese Beschreibung vielleicht auch einmal auf ihn zugetroffen hatte, verdüsterte sich seine Stimmung schlagartig.

„Ein Bier, Silver?", lud Dugan ihn ein, während er noch diesem Gedanken nachhing.

Terry nickte.

Wie sich herausstellte konnte Dugan sich nur schal schmeckendes Billigbier in einer schlechten Spelunke leisten. Ich bin zu reich für das hier.

„Ihre Studenten haben Potential. Allerdings sind manche etwas eigenwillig", meinte Dugan.

„Ja, das ist eine Charakterschwäche, das gebe ich zu", erwiderte Terry, „Aber daran kann man arbeiten. Das ist einer der Gründe warum ich Sie hierhaben wollte."

„Disziplin", erinnerte sich Dugan, „Ich habe es nicht vergessen. Ich glaube, der junge Mister Payne würde sich gut für ein Specialprogramm eigenen. Und ein paar der neuen Schüler vielleicht. Bei den älteren Kids bin ich mir nicht so sicher, zumindest bei den Jungs nicht. Die Mädchen … Elswith vielleicht, sie versteht Teamwork. Nichols … da bin ich mir nicht so sicher. Sie hat Feuer, aber … Irgendetwas an ihr gefällt mir nicht."

„Sie ist unser Champion, wir müssen sie fördern, damit sie nicht zur Konkurrenz überläuft", entgegnete Terry, „Versuchen Sie es mit ihr."

Dugan starrte einen Augenblick lang ins Nichts. „Sie hat eine Jugendstrafakte, nicht wahr? Keinen Respekt vor Autorität und der hergebrachten Ordnung", behauptete er.

Terry warf ihm einen erwartungsvollen Blick zu. Dugan verstummte und schien sich zu sammeln. „Aber wenn Sie es wünschen, dann bin ich natürlich bereit mit ihr zu arbeiten, Sir", meinte der Mann dann.

Das hatte Terry hören wollen. „Gut. Ich brauche etwas Stärkeres", meinte er und bestellte sich einen richtigen Drink. Dugan sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. Als ob Terry ihn nicht alkoholisiert in einer Bar gefunden hätte. Na gut, das war am nicht unter der Woche am Nachmittag gewesen, aber trotzdem.

„Waren Sie nicht vor kurzem Ihren ehemaligen Partner besuchen? In der Untersuchungshaft?`", warf Dugan dann ein.

„Ja. War nicht weiter bemerkenswert", erwiderte Terry.

Dugan nickte nur, sagte aber nichts zu dieser Behauptung. Was gut war, weil Terry nicht vor hatte über diesen speziellen Besuch zu sprechen. Jetzt oder jemals. Es war ein Fehler gewesen Kreese überhaupt besuchen zu gehen. Ein Fehler, den er nicht wiederholen würde.

Zum Glück schien Dugan seine Stimmung mitzubekommen und versuchte nicht weiter Konversation zu betreiben. Das war Terry nur recht. Er wollte nicht mehr weiter reden, er wollte sich sinnlos betrinken und dabei hoffen, dass Mike Barnes und die anderen auch wirklich das tun würden, wofür er sie bezahlte. Denn dann hätte er zumindest irgendetwas worüber er sich freuen könnte.


Der Sieg war einem immer dann am Sichersten, wenn es einem gelang seinen Gegner zu überraschen. Aber es gab gute und böse Überraschungen. Man konnte im Vorfeld nie wissen, worum es sich am Ende handeln würde.

„Ich bin nur gekommen um eines zu sagen: Welches Spiel du und Silver dieses Mal auch immer spielen, es wird nicht klappen. Ich bin kein naiver Teenager mehr!" Daniel LaRusso wirkte aufgebracht - seine Frisur war unordentlich, seine Krawatte saß schief, und sein Gesicht war leicht gerötet. Kreese kannte Wut wie kein anderes Gefühl. Daniel LaRusso, erkannte er, war wütend. Und zwar verdammt wütend. So kannte er ihn gar nicht. Nicht einmal als LaRusso versucht hatte ihn zu töten, hatte er so … unkontrolliert gewirkt.

LaRusso dazu zu bekommen ihn in der Untersuchungshaft zu besuchen war nicht einfach gewesen. Kreese hatte einiges in Bewegung setzen müssen um das zu erreichen. Eigentlich hatte er gehofft Johnny zu sich locken zu können, aber der war, wie es schien, zur Zeit verschwunden und nicht erreichbar. (Kreese versuchte sich keine Sorgen zu machen und nichts in diese Tatsache hineinzuinterpretieren. Wenn Johnny etwas zugestoßen wäre, dann wäre Terry hier garantiert aufgetaucht um ihm das unter die Nase zu reiben, und da er das nicht war, war vermutlich alles in Ordnung).

Nachdem ihm klar geworden war, dass er nicht auf Johnny zählen konnte, hatte er sich darauf konzentriert LaRusso herzulocken, obwohl er sich sehr gut darüber im Klaren gewesen war, dass ihm das möglicherweise nicht gelingen würde.

Sein Werkzeug um Johnny herzulocken war Bobby Brown gewesen. Im Gegenzug zu dem, was alle dachten, hielt sich Kreese sehr wohl über seine ehemaligen Schüler auf den Laufenden. Diejenigen, die mit Karate aufgehört hatten, interessierten ihn im Regelfall nicht wirklich, aber nachdem Johnny sein überraschendes Comeback hingelegt hatte, hatte Kreese sich ein wenig über einige seiner anderen vielversprechenden Schüler schlau gemacht. Bobby Brown war dadurch, dass er immer noch Johnnys Babysitter war, auch dreißig Jahre später immer noch hinter ihm aufräumte, leicht im Auge zu behalten. Und als Geistlicher jemand, der zum Vergeben und Vergessen bereit sein sollte.

Kreese hatte nur ein wenig auf die Tränendrüse drücken müssen, die Wahrheit über die Anschuldigungen gegen ihn betonen müssen, und den reuigen Sünder, was vergangene Fehler anging, mimen müssen, und schon war hatte er Pastor Brown auf seiner Seite. Er hatte betont, dass er sich mit Johnny aussöhnen wollte, dass er einsah, dass es damals falsch gewesen war von seinen Jungs zu verlangen, dass sie dreckig spielten nur um zu gewinnen. Dass er ihnen niemals seine Methoden nur um des Sieges willen hätte aufdrücken dürfen, und dass er das jetzt besser wusste.

Bobby Brown hatte ihm vermutlich niemals vergeben, dass er damals im Halbfinale disqualifiziert worden war, Geistlicher hin oder her, also fraß er ihm diese Entschuldigung bereitwillig aus der Hand. „Ich weiß nicht, was Johnny dir erzählt hat, und ja, wir hatten unsere Meinungsverschiedenheiten, aber wir waren dabei uns wieder anzunähern. Alles, was ich wollte, war die Brücken zwischen uns wiederaufzubauen. Deswegen bin ich zurückgekommen. Ich gebe zu, dass ich nicht alles so gehandhabt habe wie es am Besten gewesen wäre, aber jetzt könnte ich den Rest meines Lebens im Gefängnis verbringen, wegen etwas, das ich nicht getan habe. Ich möchte nur mit Johnny sprechen. Es gibt Dinge, die er wissen muss. Über meinen ehemaligen Partner Terry Silver, der jetzt Cobra Kai leitet", hatte Kreese erklärt, „Ich habe nichts Böses vor, ich will nur, dass er mit zuhört."

„Zuhören hat noch nie jemandem geschadet. Ich will zusehen, was ich tun kann", hatte Bobby erwidert. Der gute Bobby, immer so ein braver gehorsamer Junge. Um ehrlich zu sein hatte Kreese ihn immer für zu sensible für den Kampfsport gehalten.

Wenn Johnny zu erreichen gewesen wäre, wäre er gekommen. Aber für LaRusso musste es mehr sein. Für LaRusso musste Kreese Terry als Köder benutzen.

„Ich bin nicht sicher, ob ich da helfen kann. Ich habe Daniel LaRusso seit Ende der High-School nicht mehr gesehen. Ich glaube nicht, dass er mir zuhören würde", hatte Bobby behauptet. Vermutlich wollte er selbst nicht mit LaRusso sprechen. Es würde zu Bobby passen sich mehr als dreißig Jahre später immer noch wegen der Knie-Sache schuldig zu fühlen.

„Ich vertraue dir das unter dem Siegel der Verschwiegenheit an und vertraue auf deine Diskretion, mein Junge, aber wenn Johnny nicht da ist um ihn zu beschützen, dann muss ich wirklich dringend mit LaRusso sprechen um ihn zu warnen. Ich sitze hier, weil mein ehemaliger Partner mich hierher gebracht hat. Er hat mir diesen Angriff in die Schuhe geschoben um mich loszuwerden. Und als Nächstes wird er sich LaRusso vornehmen. Terry ist nicht ganz richtig aus dem Krieg zurückgekommen, er hält einen Gegner erst dann für besiegt, wenn er ihn vollkommen zerstört hat. Er wird sich nicht an den Deal, den ich mit LaRusso und Johnny hatte, halten. Sag das LaRusso, sag ihm, dass ich ihn sprechen muss, dass Terry gefährlich ist, und er keine Ahnung hat wie gefährlich. Dass ich ihn dringend warnen muss. Terry hat Macht und Geld, ihm ist alles zuzutrauen. Er will Miyagi-Do auslöschen und LaRusso gleich dazu", hatte Kreese behauptet. Und obwohl Bobby die Zweifel deutlich anzusehen gewesen waren, war er scheinbar doch zu Daniel LaRusso gegangen. Denn der Mann war gekommen, saß nun vor Kreese und funkelte ihn wütend an.

„Bobby Brown taucht nach über 30 Jahren auf einmal bei mir auf und warnt mich vor Terry Silver, weil du auf einmal vorgibst auf meiner Seite zu sein? Ich bin nicht gerade der vergessliche Typ, ich weiß noch ziemlich genau, dass ihr diese Nummer schon mal mit mir abgezogen habt, nur mit vertauschten Rollen. Ich falle kein zweites Mal darauf herein!", erklärte ihm LaRusso auf seine übliche selbst-gerechte Art.

„Ich kann verstehen, dass du wegen unserer gemeinsamen Vergangenheit deine Zweifel hast, aber ich versichere dir: Ich arbeite nicht mehr mit Terry zusammen. Er hat mich betrogen und dafür gesorgt, dass ich hier lande. Ich habe Stingray nicht angegriffen", erwiderte Kreese ruhig.

„Oh, natürlich, du bist die Unschuld in Person, hast noch nie in deinem Leben einen Schüler attackiert. Ich wusste immer, dass es eines Tages wieder passieren könnte. Dass man dich nie in die Nähe von Kindern hätte lassen dürfen. Ich bin nur dankbar, dass es nicht Robby erwischt hat", entgegnete LaRusso hitzig.

„Ich streite meine Vergangenheit nicht ab, LaRusso. Was damals mit Johnny passiert ist … das war nicht gerade mein bester Moment. Aber das ist nicht mit dem, was Stingray zugestoßen ist zu vergleichen. Ich weiß, dass du mich in deinem Gehirn als den Bösewicht besetzt hast. Das habe immer gewusst und mehr als nur einmal ausgenutzt um dich zu verunsichern. Aber Daniel, ich schwöre dir, dass ich das nicht getan habe. Terry hat es mir angehängt…."

„Und war es vermutlich selbst, oder hat er jemanden bezahlt, damit der es tut? Ist das die praktische Geschichte, die du mir einreden willst?", spottete LaRusso.

„Ja, weil es die Wahrheit ist. Das alles damals 1985, das war alles Terry. Es war sein Plan, seine Idee, und er war derjenige, der es genossen hat", betonte Kreese.

„Oh, ich kann mich daran erinnern, dass du es auch genug genossen hast. Zumindest hat es dir großen Spaß von den Toten aufzuerstehen und dabei zuzusehen, wie Mike Barnes mich halbtot prügelt", lautete die unbeeindruckte Antwort.

„Alles, was ich damals wollte, war wieder auf die Beine kommen. Ich bin zu Terry gegangen, habe ihm den Schlüssel zum Dojo gegeben und wollte mich verabschieden. Stattdessen hat er mir einen Urlaub spendiert und versprochen alles wieder in Ordnung zu bringen. Er hat Mike Barnes angeheuert, dir erzählt, dass ich tot bin, und dich in Cobra Kai gelockt. Ich wusste nicht einmal was er alles getan hat, bis ich zurückgekommen bin. Ich weiß es bis heute nicht. Was hat er getan, Daniel? Du kannst es mir sagen, nichts davon würde mich überraschen. Terry ist ein Monster, er genießt es anderen Menschen weh zu tun."

Kreese nickte bei diesen Worten und fuhr dann fort: „Ich war nie so. Du kannst von mir denken, was du willst, aber ich tue immer nur, was ich für nötig halte, und oft genug macht es mir keinen Spaß. Ich wollte Johnny niemals verletzen, er ist wie ein Sohn für mich. Vielleicht war ich ein schlechter Vater, aber ich hatte nie vor ihn zu verletzen. Terry wollte dich immer nur verletzen, das war von Anfang an sein Ziel. Und jetzt ist es das wieder. Zuerst hat mir heimgezahlt, dass ich seinen Ansprüchen nicht gerecht geworden bin, und jetzt hat er es wieder auf dich abgesehen. Er will dich vernichten."

„Terry kann sehr nachtragend sein. Er versucht mich ins Gefängnis zu bringen, nur weil ich es gewagt habe ihn damals in Vietnam das Leben zu retten. Das ist der einzige Grund hierfür. Das hat er mir selbst gesagt: Er kann mir nicht verzeihen, dass er mir sein Leben schuldet. Und du, du, der du seine Entschuldigung abgelehnt hast, das hättest du übrigens nicht tun sollen, was denkst du, was er erst mit dir tun wird?", argumentierte Kreese, „Tief in dir weißt du wie gefährlich Terry Silver wirklich ist, Daniel. Und im Gegensatz zu mir ist er kein ehrlicher Mann, ich hätte euch in Ruhe gelassen, wenn ihr gewonnen hättet. Ich hatte sogar vor euch Cobra Kai zu vermachen, wenn es einmal so weit ist. Tu nicht so überrascht. Wem sollte ich es sonst geben? Ich habe es dir doch gesagt: Johnny ist wie ein Sohn für mich. Und du hast Eier in deiner Hose. Ihr habt noch viel zu lernen, aber ich wollte euch an Bord und nicht in anderen Dojos."

„Du bist ja verrückt", murmelte Daniel, „Als ob ich … als ob wir angenommen hätten nach allem, was passiert ist…"

„Das spielt jetzt keine Rolle mehr, weil Terry das niemals zulassen würde. Er wird euch vernichten. Vollkommen. Deinen Autoverkauf, Miyagi-Do, alles, was von Johnnys Ruf noch übrig ist, er wird nicht einmal vor Robby oder deinen Kindern halt machen", unterbrach ihn Kreese, „Ich weiß, dass es einen alten Kämpfer mitunter schwer fallen kann zu akzeptieren, dass sich die Dinge ändern, aber Tatsache ist, dass Terry Silver unser gemeinsamer Feind ist. Und niemand kennt ihn bessrer als ich, und ich sage dir, dass du ihn unterschätzt. Ich tue das nicht, jetzt nicht mehr. Ich könnte dich bitten mit Stingray zu reden, die Wahrheit ans Licht zu bringen, und mich hier raus zu holen, aber das werde ich nicht tun. Ich will nur, dass du mir zuhörst, mir zuhörst, wenn ich dir von Terry erzähle, dich vor ihm warne."

LaRusso wirkte nun nicht mehr wütend, er wirkte nachdenklich, hin und her gerissen. Kreese hatte ihm nicht in Erinnerung gerufen was Mister Miyagi tun würde, das musste er gar nicht. Sie wussten es beide. Daniel hier zu haben war genug, Zweifel an seiner Schuld bei ihm zu säen und ihm klar zu machen, dass Kreese und Terry nun Feinde waren, war genug. Kreese musste ihm nicht sagen: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Das hatte er klar genug gemacht.

Er hatte alles erreicht, was er sich erhofft hatte. Er hatte den perfekten Weg gefunden um Terry zu schlagen und sich dabei auch noch an diesem zu rächen. Er konnte es in LaRussos Augen sehen. Er konnte sehen, dass LaRusso Terry mindestens genauso gerne vernichten wollte wie Terry ihn laut Kreeses Darstellung vernichten wollte.

Er hatte genau die richtigen Dinge gesagt. Selbst ohne Johnnys Hilfe würde er hier wieder rauskommen.

Was die Dinge anging, die er nicht gesagt hatte … nun, die Sache mit dem Krieg war die: Man teilte seinen Soldaten immer nur den Teil der Wahrheit mit, den sie wissen mussten damit sie das taten, was man von ihnen wollte. Den Rest der Wahrheit, den sollten sie nach Möglichkeit niemals erfahren. Und wenn es nach Kreese ging, nun, dann gab es ein paar sehr entscheidende Dinge über Terry Silver, das Jahr 1985, und die Rolle, die Daniel LaRusso in Terrys verwirrten Innenleben spielte, die dieser tatsächlich niemals erfahren würde.

Letztlich war es zu seinem eigenen Besten: Zerrissene Soldaten waren schlechte Soldaten. Und Kreese konnte nur gute Soldaten gebrauchen. Momentan mehr als jemals zuvor.


A/N: Ja, ich weiß, dass es bisher vor allem um Daniel geht und Johnny momentan eher wenig zu tun hat, aber ich brauche Johnny und Daniel für diesen Zeitpunkt der Handlung an getrennten Orten, damit Daniel eben kein Support-System hat, das Bullshit ruft, wenn dieser passiert.

Außerdem hatte Johnny alle Hände voll mit seinen zwei Söhnen zu tun, was wichtig für den Rest dieser Fic ist.

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