14. Vor dem Ende der Nacht


Zwischen den Drogen und dem Alkohol hatte Terry es in den 80ern für eine gute Idee gehalten den Menschen Geld zu geben, die ihm ermöglichen würden das zu bekommen, was er wollte: Rache an der Welt. Manchmal, wenn Geld und Kontakte alleine nicht auszureichen schienen um seine Ziele zu erreichen, dann half er ein wenig nach, indem er sich an diejenigen wandte, deren Beruf es war ein wenig nachzuhelfen. Ihnen Geld zu geben fühlte sich befriedigend an, weil er wusste, dass er sie dafür bezahlte anderen Schmerzen zuzufügen. Das war beinahe so gut als würde er diese Schmerzen selbst zufügen. Und seinen Zielen diente es ebenfalls.

Natürlich hätte er seine Ziele auch erreichen können ohne diese Leute zu bezahlen, es hätte alles nur eben ein wenig länger gedauert. Sie stellten eine Abkürzung dar, eine, für die er weniger bezahlte, weil es notwendig war, sondern mehr deswegen, weil es sich gut anfühlte sie zu nehmen. Der Teil von ihm, der die Welt brennen sehen wollte, der genoss es diese Kontakte zu nutzen.

Es verstand sich von selbst, dass er, sobald er seine Therapie begann und sein Leben in Ordnung brachte, gewisse Nummern nicht mehr wählte, den Kontakt zu gewissen Individuen nicht mehr aufrecht erhielt.

Weswegen es für gewisse Kreise natürlich eine Überraschung darstellte drei Jahrzehnte später unvermittelt wieder von Terry Silver zu hören. Ein Teil von Terry hatte nicht erwartet, dass es ihm überhaupt noch gelingen würde diejenige zu erreichen, deren Hilfe er jetzt in Anspruch nehmen wollte. Wie sich herausstellte war das aber sehr wohl möglich. Die Telefonnummern mochten nun veraltet sein, die toten Briefkästen aber funktionierten immer noch.

Es wurde Kontakt mit ihm aufgenommen, wie er es erbeten hatte. Und auf einmal schien es ihm, dass er nicht mehr in der hochtechnisierten Welt lebte, an die er sich in den letzten zehn/zwanzig Jahren gewöhnt hatte, sondern dass es wieder das Jahr 1985 war.

Wenn er nicht so betrunken gewesen wäre, hätte ihn dieser Gedanke beunruhigt, so aber fand er ihn eher zum Lachen. In letzter Zeit fand er alles eher zum Lachen.

„Wir haben schon lange nichts mehr von ihnen gehört, Mister Silver, wir hatten nicht erwartet, dass Sie unsere Dienste noch einmal in Anspruch nehmen wollen", sagte der Mann, der ihm am Wegwerf-Handy, das ihm zugesteckt worden war, nachdem sie endlich Kontakt hergestellt hatten zu ihm. Früher hatte es keine Wegwerf-Handys bei solchen Geschäften gegeben, das war ein Unterschied.

„Ich war in einer Phase meines Lebens, in der ich Ihre Dienste nicht mehr notwendig hatte", meinte Terry, „Aber das hat sich jetzt geändert. Niemand stiehlt ungestraft von Terry Silver."

„Ich verstehe", lautete die Antwort, „Es ist also diese Art Job. Und welche Service-Klasse wünschen Sie?"

Das war eine gute Frage. Er war sich immer noch nicht sicher, ob Dennis und Snake mit Barnes gemeinsame Sache machten oder einfach nur so abgehauen waren. Vielleicht waren sie unschuldig, zumindest was das gestohlene Geld anging.

„Für zwei der Objekte Service-Klasse C, das sind die mit 2 und 3 markierten Akten, die ich Ihnen habe zukommen lassen", beschloss er dann. (Service-Klasse C bedeutete, dass er die Opfer lebendig zugestellt haben wollte, nachdem ihnen eine Lektion erteilt worden war).

Was Barnes anging, nun das war ein anderes Thema. Der hatte es gewagt ihn zu bestehlen! Aber wäre es nicht furchtbar unbefriedigend ihn einfach umbringen zu lassen? Wollte Terry ihn nicht lieber persönlich eine Lektion erteilen? „Was Objekt A angeht…." Terry zögerte.

Widerstreitende Gefühle tobten in ihm. Einerseits wollte er wirklich, dass Barnes bekam, was er verdiente, andererseits wollte er persönlich dafür sorgen. Und dann waren da die Zweifel, der sich in ihm regten, als er sich vor Augen hielt, dass er möglicherweise die Nerven verlieren würde es selbst zu tun, wenn ihm Barnes erst einmal ausgeliefert werden würde. Insofern wäre es besser auf Nummer Sicher zu gehen und Barnes Schicksal mit zu bestellen.

„Wir haben immer noch Service-Klasse B-2 im Angebot", rief ihm sein Gesprächspartner in Erinnerung. Oh, ja Service Klasse B-2, Terry war früher ein großer Fan von diesem Service gewesen. Die Opfer wurden entführt und gefangen gehalten, und erst auf Befehl des Auftraggebers hin getötet, abgeliefert, oder freigelassen. Das ließ ihm Zeit sich zu überlegen was er wirklich wollte und hinderte Barnes zugleich daran abzuhauen.

„Falls sich die Konditionen nicht geändert haben, dann würde ich für Objekt 1 Service-Klasse B-2 in Anspruch nehmen, ja", meinte Terry.

„Nun, die Inflation hat die Preise prinzipiell hinaufgetrieben, aber wie ich aus Ihren beigelegten Vermögenswerten entnehmen kann, sollte das kein Problem für Sie darstellen. An den Konditionen selbst hat sich aber für Klasse B nichts geändert. Klasse A ist nicht mehr so einfach wie früher, aber soweit ich mich erinnern kann, haben Sie die nie in Auftrag genommen, also sollte das kein Problem darstellen", lautete die Antwort.

Service-Klasse A war der gute alte Auftragsmord, der keine Spuren hinterließ. Das Opfer verschwand einfach vom Antlitz der Welt, der Auftraggeber bekam einen Beweis für das Ableben des Opfers geliefert, aber niemand sonst erfuhr, was aus dieser Person geworden war. Dass das in der heutigen Zeit nicht mehr so einfach durchzuführen war, konnte sich Terry gut vorstellen.

Aber er war eigentlich immer der Meinung gewesen, dass nur Feiglinge diese Service-Klasse in Anspruch nahmen. Er vertrat die Meinung, dass die Welt wissen sollte, was jemanden erwartete, der sich mit der falschen Person anlegte. Wenn man schon jemanden ermorden ließ, dann sollte gefälligst jeder ohne Zweifel wissen, dass diese Person ermordet worden war. Abgeschnittene Köpfe mussten es ja nicht gerade sein, aber es sollte keinen Zweifel geben.

Allerdings war Terry niemand, der Leute umbringen ließ. Wie gesagt er zog es vor selbst Hand anzulegen. Und es hatte seine Gründe warum er früher immer gerne Service-Klasse B-2 in Auftrag gegeben hatte. Immerhin war er ein Lehrer, er wollte anderen Lektionen erteilen, ihnen Dinge beibringen. Er hatte im Krieg gelernt Leben eigenhändig zu nehmen, er brauchte niemanden, der das für ihn erledigte, er brauchte seine Kontakte nur um diejenigen zu finden, die seine Feinde waren aber nicht bereit waren sich ihm offen zu stellen, er brauchte sie nur für diejenigen, die versuchten davon zu laufen.

Selbst damals in den 80ern hatte er nie Service-Klasse B ohne den -2-Zusatz in Auftrag gegeben, zumindest konnte er sich nicht daran erinnern das jemals getan zu haben. Und er konnte sich auch nicht erinnern jemals den Mord-Befehl bei Service-Klasse B-2 gegeben zu haben. Und daran wollte er auch jetzt nichts ändern.

„Nein, sie haben Recht, das sollte kein Problem darstellen. Dann einigen wir uns auf einmal Service-Klasse B-2 und zweimal Service-Klasse C", sagte Terry.

„Wir melden uns bei Ihnen, wenn wir fertig sind", meinte sein Gesprächspartner.

Offenbar gab seine Organisation immer noch keinen Zeitrahmen an. Das fand Terry gut, denn wer in diesem Business etwas versprach, das nicht eingehalten werden konnte, würde er nie anheuern. So wusste er zwar nicht wie lange es dauern würde, bis er sich an Barnes und seine Kohorten würde rächen können, aber zumindest konnte er sich darauf verlassen, dass es erledigt werden würde.

Er beendete das Gespräch und entsorgte das Handy dann so wie ihm die beigelegte Visiten-Karte bei Erhalt geraten hatte.

Und dann ging es ans Warten. Er wusste nicht wieviel Vorsprung Barnes und die beiden anderen hatten, er wusste allerdings, dass solche Sachen in den 80ern nie sonderlich lange gedauert hatten. Anderseits waren Dennis und Snake vermutlich geübt darin unterzutauchen. Barnes jedoch, nun der hatte nicht viel Erfahrung mit dieser Art von Kriminalität. Vermutlich würde sich Terry bald entscheiden müssen was mit ihm passieren sollte.

Der Gedanke daran bereitete ihm Vorfreude, aber er machte ihn auch ein wenig Sorgen. Um die Sorgen zum Verstummen zu bringen genehmigte er sich noch einen schnellen Drink. Er wollte in der Lage sein seinen Triumph zu genießen, und das konnte er nur, wenn er sich selbst unter Kontrolle hatte.


Während er wartete und sich immer wieder durch die entsprechenden Bodyguard-Seiten klickte, fielen ihm eine Reihe von Abmelde-E-Mails seiner Schüler auf. Manche stammten von Eltern, die ihre Schüler ganz von Cobra Kai abmeldeten, andere von den Schülern selbst die Krankheit vorschützen, oder Arzttermine oder Beerdigungen oder Teststress als Grund dafür angaben, warum sie zur nächsten geplanten Stunden nicht würden kommen können.

Terry hatte eigentlich gehofft gehabt, dass sich die Aufregung rund um Tory Nichols und Paul Dugan inzwischen gelegt hätte, aber offenbar war das nicht der Fall. Er hatte brav Newsletter, Aushänge, und Insta-Stories veröffentlicht, in denen er sich von Paul Dugan distanziert hatte und betonte, dass er nicht zulassen würde, dass seinen Schülern noch einmal irgendeine Art von Leid durch einen Lehrer wiederfahren würde, doch offenbar hatte seine Gegensteuerung nicht ausgereicht.

Das hatte er tief in sich befürchtet. Das PR-Desaster war genauso eingetroffen wie er es vorhergesehen hatte. Doch was sollte er noch tun um das alles abzuwenden? Cobra Kai vorübergehend schließen? Nein, das würde Aufgeben gleichkommen.

Da er Dugans Tat aber bereits verurteilt hatte, blieben ihm nicht mehr viele andere Optionen um Schadensbegrenzung zu betreiben. Er kramte ein paar ältere Fotos von Benefizveranstaltungen vom letzten Jahr heraus und gestaltete seine Social Media und die von Cobra Kai ein wenig um. Dann spendete er eine große Menge an ein paar ausgewählte gemeinnützige Organisationen und machte Insta-Stories dazu. Und dann beraumte er eine Benefiz-Veranstaltung im Cobra Kai-Dojo zu Gunsten von Opfern degenerativer Nervenerkrankungen an. Und überlegte sich welche berühmten Leute er dafür kriegen könnte. Vielleicht Carrie Underwood, die steht doch auf Karate…

Image war alles, das wusste er. Wenn er sein Image und das von Cobra Kai in Ordnung brächte, dann würde sich alles schon wieder einrenken.

Am nächsten Tag fiel ihm ein Kommentar zu seiner Benefiz-Veranstaltung auf Facebook auf. Von einem gewissen Daniel LaRusso. „Zu transparent, Terry. Denkt du wirklich darauf würde jemand reinfallen?" stand da zu lesen. Terry fragte sich, ob dieser Kommentar wirklich von Daniel stammte, oder ob dessen Account gehackt worden war. Danny-Boy, der freiwillig mit ihm Kontakt aufnahm? Das wäre zu schön….

Sein Herz klopfte schneller, als er eine Erwiderung tippte: „Es war immer mein oberstes Ziel Menschen zu helfen. Wenn ich mit meinem Dojo auf diejenigen aufmerksam machen kann, die Hilfe brauchen, dann werde ich das tun. Diejenigen, denen ich geholfen habe, werden es mir danken. Du bist herzlich eingeladen zusammen mit deinen Liebsten teilzunehmen und deinen Teil beizutragen."

Dann wartete er ab. Da er nicht mit Daniel befreundet war, wusste er nicht, ob dieser online war, und seine Antwort lesen konnte, aber vielleicht hatte er ja Glück. Doch eine Stunde später wartete er immer noch umsonst auf eine Reaktion von Daniel. Das ist doch lächerlich, befand er, Vermutlich wird er mir nicht noch einmal zurück schreiben, ich sollte gar nicht erst darauf hoffen. Trotzdem wartete er noch eine weitere Stunde.

Inzwischen, so wurde ihm klar, sollten einige der Dinge, die Barnes und er eingeleitet hatten, bevor Barnes ihn betrogen hatte und mit seinem Geld abgehauen war, eintreten. Vermutlich würde er so oder so bald etwas von Daniel LaRusso hören.

Wenig später fand er eine offenbar erboste Nachricht in seinem FB-Messenger von Daniel vor. „Johnny und Carmen ihre Wohnungen stehlen? Wirklich, Terry?"

Terry rieb sich erfreut die Hände und schrieb zurück: „Ich weiß nicht wovon du redest, Daniel. Haben Mister Lawrence und die Diaz-Familie Probleme mit ihrem Vermieter?"

Daniel las seine Nachricht, ließ sich aber nicht dazu herab ihm eine Antwort zu schreiben. Terry wusste auch so, dass er nicht an seine Unschuldsbeteuerung glaubte. Aber das war nur gut so, Terry wollte, dass er und seine Freunde wussten, wer hinter allem, was ihnen passierte, steckte. Und wenn sein Plan so ablief, wie er sich das vorstellte, dann würde Danny-Boy früher oder später keine andere Wahl mehr bleiben als zu reagieren.

Allerdings schien das Ganze eher später als früher zu passieren, wie ihm klar wurde, als er abwartete und feststellte, dass nichts zu passieren schien. Der LaRusso-Autoverkauf schien unangetastet zu sein, tatsächlich passierte nach dem Obdachverlust von Johnny Lawrence und der Diaz-Familie zu lange Zeit scheinbar nichts mehr.

Entweder ertrug Daniel Schicksalsschläge besser und leiser als Terry erwartet hätte, oder irgendetwas lief nicht so wie es laufen sollte. Bei einem oder zwei der Projekte mochte es ja zu Verzögerungen kommen können, aber bei allen? Terry begann sich langsam aber sicher zu fragen, ob Mike Barnes vielleicht mehr getan hatte als nur mit seinem Geld abzuhauen bzw. was der Mann vielleicht alles nicht getan hatte. Wozu hab ich ihm die Vollmacht ausgestellt? Nur damit er mich beklaut?

Außerdem war es nervenaufreibend darauf zu warten, dass der Mann gefunden werden würde - Terry schien die Zeit kriechend langsam zu vergehen, seit er seinen Auftrag spezifiziert hatte. Und John Kreese, der ließ sich mit seiner Rache offenbar ebenfalls Zeit.

Da fällt mir ein, dass ich immer noch keinen Bodyguard engagiert habe. Hätte ich Kreese vielleicht in den Auftrag miteinschließen sollen? Warum habe ich das nicht getan?

Terry wusste es nicht, es schien als hätte er auf Kreese einfach irgendwie … vergessen. Oder habe ich immer noch Skrupel in Bezug auf ihn? Nun, wenn dann sollte er die besser ablegen, da Kreese seinerseits sicherlich keine Skrupel haben würde!

Terry suchte nach Stargästen für sein Benefiz-Event. Carrie Underwood war ausgebucht, also durchsuchte er das Netz nach Publicity-Huren und Gutmenschen. Und las dazwischen die zunehmend abstrus werdenden Abwesenheits-Rechtfertigung-Mails seiner Schüler.

Es war mehr als nur ein wenig ärgerlich, dass Cobra Kai durch Dugans Wahnsinnstat unterzugehen schien. Er beschloss, dass er aktiv werden musste, seine, wie Daniel sie nannte, transparenten Versuche sein Image zu verbessern reichten offenbar nicht aus. Bevor er aber bereit war sich Unterstützung an dieser Front zu holen, wollte er einen anderen Weg versuchen. Er suchte Kenny Payne zu Hause auf in der Hoffnung den Jungen dazu zu überreden sein Training wieder aufzunehmen.

Dass Kennys Mutter ihn nicht sofort wieder wegschickte, wertete er als gutes Zeichen. Sie schien nicht diejenige zu sein, die Kennys Abwesenheit zu verantworten hatte.

„Sensei Silver, was machen Sie hier?", wollte Kenny wissen, als er Terry in seinem Haus erblickte.

„Ich mache mir Sorgen um dich, mein Junge", erklärte ihm Terry, „Geht es dir besser? Du warst doch krank, oder zumindest war das deine Behauptung…."

Kenny blickte zu Boden, begann mit dem Fuß zu scharren, und wirkte unangenehm berührt. „Ja, ehm, also was das angeht, das war vielleicht nicht … die ganze Wahrheit", meinte er langsam.

„Ist es wegen Tory? Was ihr zugestoßen ist, ist schrecklich, aber genau deswegen wäre es gut, wenn du das aufarbeitest, deinen Unterricht nicht schleifen lässt. Ein Junge wie du, der muss lernen sich zu verteidigen. Es gibt eine paar Methoden, die ich euch noch nicht beigebracht habe, die aber dabei helfen sich gegen einen Gruppenangriff zu verteidigen. Und falls du fürchtest Kyler und die anderen Jungs, die beteiligt waren, zu treffen, die wurden alle suspendiert. Jemand, der sich gegen seine Kameraden wendet, ist in meinem Dojo nicht willkommen", ließ ihn Terry wissen.

„Nein, ich meine, ja, ich weiß, und das ist alles sehr großzügig von Ihnen, Sensei Silver. Sie haben mir sehr geholfen, das habe ich nicht vergessen. Ich war ein Opfer als ich zu Cobra Kai gekommen bin, aber jetzt bin ich das nicht mehr, und ich weiß, dass ich das vor allen Ihnen zu verdanken habe", erwiderte Kenny und blickte ihn nun an, „Aber genau deswegen will ich mich ja revanchieren." Er musterte Terry. „Weil Sie nicht unterrichten sollten, solange Sie noch … krank sind. Man sieht es Ihnen an, Sensei. Deswegen habe ich Piper und den anderen gesagt, dass Sie noch mehr Zeit brauchen. Bis Sensei Kreese Ihnen helfen kann, damit Sie Cobra Kai nicht verlieren, und…."

Terry war vollkommen verwirrt. Er hatte das Gefühl den Plot zu verpassen. „Warte. Du hast mit Sensei Kreese gesprochen? Was hat er dir gesagt? Was … was meinst du damit, dass man es mir ansieht?", wollte er wissen.

„Sie wissen doch wer mein Bruder ist, Sensei. Ich weiß was so ein Zeug anrichten kann. Sie sehen aus als wäre es gerade schlimm, Sie müssen den Entzug fertig durchstehen, bevor Sie wieder unterrichten können", erwiderte Kenny, „Wir verstehen das. Ich habe es niemandem erzählt, der Sie verurteilen würde. Die meisten glauben wirklich, dass Sie krank sind, und das nur nicht zugeben wollen; dass Sie in Behandlung sind."

Terry blinzelte. „Sensei Kreese hat dir erzählt, dass ich drogensüchtig bin?", vergewisserte er sich.

Kenny hatte zumindest den Anstand ein wenig schuldbewusst zu wirken. Und die anderen Schüler, die dachten … was? Dass er gerade eine Chemo durchlief und sie ihn deswegen schonen mussten?

Terry hätte am liebsten gelacht - oder geweint, er war sich nicht sicher. Er will dir helfen, denk daran, er denkt, dass er mit dieser Aktion hilft, rief er sich selbst in Erinnerung um den Drang auf diese Nachricht zu überreagieren zu unterdrücken.

„Kenny, ich weiß wirklich nicht was dir Sensei Kreese erzählt hat, aber ich kann dir versichern, dass ….", setzte er an, doch Kenny schüttelte nur offenbar enttäuscht den Kopf.

„Sensei, Sie sind vollkommen verschwitzt, und Ihre Augen … Sie müssen mich nicht anlügen, ich bin auf Ihrer Seite", meinte der Junge ernst.

Nun musste Terry doch lachen. Die Ironie war einfach zu groß. Und John Kreese war ein verdammter Bastard! Menschen, das wusste Terry, glaubten das, was sie glauben wollten. Kenny hatte sich mit dieser Geschichte vermutlich alles, was mit Dugan passiert war, selbst erklärt. Der überforderte Junkie stellte ein fragwürdiges Individuum ein, das er nicht genau genug überprüfte und nicht unter Kontrolle halten konnte. Ja, das war eine Erklärung, die Sinn machte, und Terry zugleich seinen Heldenstatus nicht absprach. Es war ja nicht seine Schuld, es waren die Drogen.

Kenny musterte ihn mit besorgter Miene.

„Du hast Recht", meinte Terry schließlich, „Ich sollte es erst zu Ende bringen, bevor ich wieder unterrichte. Ich … bin dir dankbar für deine Diskretion, Kenny."

Der Junge wirkte erleichtert und nickte zustimmend. „Sie werden sehen, Sensei, wenn es Ihnen wieder besser geht, dann wird alles wie früher werden", meinte er.

Terry verabschiedete sich von Kenny, sagte seiner Mutter „Auf Wiedersehen", und riss sich dann noch eine gewisse Zeit lang zusammen, bis er sich sicher sein konnte, dass er außer Seh- und Hörweite aller Paynes war. Dann stieß er einen frustrierten Schrei aus.

Na schön, na schön, dann eben kein Unterricht. Damit konnte er leben. Sobald er Kreese, Danny-Boy und Lawrence los wäre, und sobald er die Sache mit Mike Barnes und den beiden anderen Trotteln geklärt hätte, würde es wieder unterrichten können, und dann würde es nicht werden wie früher, es würde besser werden!

Wenn Johnny denkt, dass er mich als Junkie verunglimpfen kann und damit davon kommt, dann irrt er sich! Keiner legte sich mit Terry Silver an und kam damit davon!

Terry hatte sein Handy schon gezückt, und war schon kurz davor seinen bevorzugten Privatschnüffler damit zu beauftragen John Kreese für ihn ausfindig zu machen, damit er ihn persönlich zeigen könnte wie drogenabhängig er gerade war, als er inne hielt. Nein, wenn er das von offiziellen Kanälen regeln ließ, dann könnte man es zu ihm zurückverfolgen.

Nein, er musste es schlauer anstellen.

Dann fiel ihm eine Benachrichtigung auf, die er bisher übersehen hatte. Endlich einmal gute Nachrichten, wie es schien. Miyagi-Do würde bald umziehen müssen, offenbar hatte das Rathaus endlich Zeit gefunden seinem Hinweis in Bezug auf unrechtmäßige Enteignung nachzugehen und den ehemaligen Miyagi-Besitz unter die Lupe genommen. Terry grinste zufrieden, das würde ein böses Erwachen für Daniel geben.

Ich wünschte, ich könnte seine Reaktion darauf mitansehen. Obwohl, das kann ich sehr wohl, nicht wahr? Ich muss nur zu ihm gehen. Es war eine verrückte Idee, aber sie gefiel Terry. Nach allem, was gerade eben passiert war, da brauchte er eine Aufmunterung. Aber es war besser, wenn er sich noch ein paar Stunden Zeit lassen würde, bevor er bei den LaRussos auftauchte, Daniel sollte schon wissen, was er ihm angetan hatte und sich darüber ärgern, ansonsten wäre die Wirkung nicht so durchschlagend.

Von neuen Energien erfüllt rief er Cheyenne an. Sie meldete sich tatsächlich. „Ich dachte, du ghostest mich", eröffnete sie das Gespräch ohne Vorgeplänkel.

„So ist das nicht", erwiderte Terry.

„Ach, nein? Ich bin nicht blöd, Terry. Dein alter Kumpel aus dem Krieg, den du mir gegenüber nie zuvor auch nur erwähnt hast, taucht überraschend bei dir auf, und mit einem Mal bist du wie ausgewechselt. Und dann nimmst du meine Anrufe nicht mehr entgegen, triffst dich nicht mehr mit mir, lässt unsere Geschäftsprojekte sausen, und wirst ein Karate-Sensei – dabei wusste ich nicht einmal, dass du Karate kannst – von einem heruntergewirtschaften Dojo, und meldest dich gar nicht mehr? Du hättest mir ruhig sagen können, dass du…", legte sie los, aber Terry unterbrach sie schnell, bevor sie noch mehr sagen konnte.

„John Kreese ist der Fluch meines Lebens, Cheyenne. Ich wollte das alles hinter mir lassen. Aber ihn wiederzusehen hat alles wieder aufgewühlt, und das nicht im guten Sinn. Ich war nicht immer der gefestigte selbstsichere Mann, den du kennst. Ich habe Jahre an Therapie hinter mich gebracht um einiger Maßen normal funktionieren zu können, und mit einem Schlag war das für nichts. Die Alpträume, das Zusammenzucken bei lauten Geräuschen … es war alles wieder da. Und ich wollte nicht, dass du mich so siehst. Das ist alles. Und was das Dojo angeht … Nun, das ist ein sehr alter Traum von mir, und ich will dir alles darüber erzählen, am Besten bei der Benefiz-Veranstaltung, die ich plane. Ich habe mich in den letzten Monaten gehen lassen, und ich gebe offen zu, dass ich deine Verbindungen brauche um daraus einen Erfolg zu machen. Ich will anderen helfen um mir selbst zu helfen. Bitte hilf mir, und wenn du das tust, dann können wir über alles reden", versprach er ihr.

„Über alles, ja?", vergewisserte sie sich, „Terrence, es waren Monate!"

„Ich weiß, und wenn du nichts mehr von mir wissen willst, dann verstehe ich das, aber ich hoffe, dass wir zumindest immer noch Freunde sein können", warf er ein.

Und er war ebenfalls nicht blöd. Cheyennes Interesse an ihm hatte weniger seiner Person gegolten als seinem Geld, das war immer schon so gewesen. Ihre ganze Partnerschaft war darauf aufgebaut gewesen, dass er ihre Ideen finanzierte. Sie hatte die Verbindungen, aber er das Geld, deswegen hatte sie einander so gut ergänzt und waren so erfolgreich darin gewesen zusammen die Welt zu retten. Ja, natürlich waren da auch Gefühle im Spiel gewesen, aber so wenig sie seine Vergangenheit gekannt hatte, so wenig hatte er ihr wahres Ich gekannt. Das wussten sie beide.

Aber vielleicht konnte sich das jetzt ändern. Wenn er seine Feinde vernichtet hätte, dann könnten sie sich einander öffnen, wieder zusammen finden, gemeinsam anderen helfen.

„Freunde, die einander aushelfen, wenn es sich anbietet, nehme ich an? Ich gebe dir nichts, wenn ich dafür nichts bekomme. Du hast mich in der Luft hängen lassen, Terrence", meinte Cheyenne.

„Was immer du für eine Investition benötigst, du bekommst sie, wenn du das für mich tust", versprach ihr Terry.

Cheyenne seufzte hörbar. „Na schön. Ich bin bereit dir dieses eine Mal auszuhelfen und mir anzuhören, was du zu sagen hast, wenn du mir Startkapital für mein neues App zur Verfügung stellst", gab sie dann nach.

„Es ist ein Deal", versprach ihr Terry, „Ich lasse dir die Details zukommen."

Nachdem das erledigt war, fühlte Terry sich regelrecht beschwingt. Er beschloss seinen Erfolg mit einem Gläschen zu feiern, bevor er Daniel aufsuchen würde. Nach allem, was in der letzten Zeit geschehen war, hatte er sich wahrhaft einen Schluck verdient.


Stunden später war es mitten in der Nacht. Terry wusste nicht wo die abhanden gekommenen Stunden abgeblieben waren. Er wusste nur, dass sie weg waren.

Ihm fiel wieder ein, was Kenny gesagt hatte, darüber, dass er schwitzte und man ihm seine angebliche „Krankheit" ansehen würde. Und jetzt auch noch Black Outs? So viel trank er doch auch wieder nicht, oder?

Er betrachtete sein Gesicht nachdenklich im Spiegel. Wirkten seine Wangen eingefallen? War er unnatürlich blass? Bin ich vielleicht wirklich krank?

Da fiel ihm ein, dass er schon recht lange immer wieder einmal verabsäumt hatte seine Medizin einzunehmen. Entzugserscheinungen von Psychopharmaka? Ist das möglich? Vielleicht sollte er sich an einen Arzt wenden…. Oder aber….

Was wenn es etwas ganz anderes ist? Mike Barnes und seine Freunde waren in Terrys Büro ein- und ausgegangen. Was wenn Mike mehr getan hatte als ihn nur zu bestehlen, was wenn….

Was wenn er mich vergiftet hat?

Wie oft hatte Terry aus Flaschen getrunken, die mehr oder weniger frei zugänglich im Dojo herum gelegen waren? Vielleicht sollte er keinen Arzt anrufen, sondern stattdessen besser sofort ins Krankenhaus fahren! Klar, die würden Fragen stellen, aber es wäre doch nur einsichtig, dass ein Mann in seiner Position Feinde hatte, oder nicht?! Nein, Unsinn, das ist alles reine Paranoia. Barnes ist ein eierloser Mistkerl, so etwas würde er sich niemals trauen. Und wo hätte er überhaupt das Gift her?

Nein, nein, es musste eine andere Erklärung geben. Vermutlich war Terry einfach nur übermüdet. Er hatte in letzter Zeit wenig geschlafen und gegessen und stattdessen viel Zeit in den sozialen Medien verbracht. Das war alles. Kenny Payne sah nur, was er dachte sehen zu müssen, weil Kreese ihm eingeredet hatte, dass Terry wieder Drogen nahm, und ….

Terry erstarrte als ihm eine ganz neue Idee kam.

Aber, nein, das war einfach alles absurd.

Terry musste Daniel aufsuchen. Sofort!

Nur, dass die LaRussos natürlich alle zu schlafen schienen. Wenn er dort nun anläuten würde, mitten in der Nacht einfach vorstellig werden würde um Daniel auszulachen, dann … nun das würde keinen guten Eindruck machen…. Aber was sollte er sonst tun? Bis zum Morgen warten?

Während Terry noch in seinem Wagen saß und das LaRusso Haus beobachtete wie ein Stalker, da kam eine Gestalt aus dem Haus geeilt und schritt in schnellem Tempo die Straße entlang. Ein Einbrecher? Ein beuteloser Einbrecher, der nicht floh sondern nur schnell die Straße hingab spazierte wäre doch etwas ungewöhnlich. Terry sprang aus seinen Wagen und verfolgte den Mann, und erkannte schließlich blondes Haar im Licht der Straßenlaterne.

Johnny Lawrence. Natürlich. Terry wurde klar, dass sich ihm in nächster Zeit vermutlich nicht so schnell wieder eine so perfekte Gelegenheit wie jetzt bieten würde an Johnny Lawrence heran zu kommen. Der schien aufgelöst zu sein und nicht zu bemerken, dass Terry sich ihm näherte. Terry musste Service-Klasse C nicht immer bestellen, mitunter war er auch sehr gut selbst dazu fähig sie auszuführen.

Lawrence reagierte auf den Angriff, wenn auch einen Moment zu spät. Terrys Kick traf ihn und ließ ihn zu Boden gingen. Lawrence spukte wütend, als er seinen Angreifer erkannte. „Was zum Teufel?! Silver!", bellte er, „Was willst du hier?! Halt dich von Daniel fern!"

Terry lachte. „Wirklich? Du machst dir im Augenblick tatsächlich mehr Sorgen um ihn als um dich selbst?", spottete er.

„Er hat mir alles erzählt! Wenn du auch nur in seine Nähe kommst, dann bring ich dich eigenhändig um, du kranker Mistkerl!", drohte ihm Lawrence und versuchte wieder auf die Beine zu kommen.

Terry spürte Verärgerung in sich aufsteigen. „Ich weiß nicht was Danny-Boy erzählt hat, aber er hat wohl den Teil ausgelassen, in dem er zu mir gekommen ist und mich um Unterrichtsstunden gebeten hat", meinte er, „Oder die Tatsache, dass es ihm Spaß gemacht hat von mir zu lernen. Er hat den Unterricht gemocht."

Lawrence schlug nach ihm. „Er hat dich gemocht, das ist ein Unterschied! Und deswegen hat er zugelassen, dass du das alles mit ihm machst! Er wollte deine Akzeptanz! Und du wusstest das, und hast das beinhart ausgenutzt! Du hast ihn zu jemandem gemacht, der er nicht war, und der er dachte sein zu müssen um überleben zu können! Du hast versucht alles, was gut in ihm war, zu zerstören! Und dann hast du ihn dafür bestraft, dass er sein eigener Mann sein wollte!", warf er Terry vor und griff ihn weiter an.

„Reden wir hier immer noch über mich, oder könnte es sein, dass es um John Kreese geht?", erwiderte Terry und verpasste Lawrence ein paar gezielte Kicks, die dieser nur knapp blocken konnte, „Das hört sich für mich nämlich mehr nach der Kreese-Lawrence-Story an als nach meiner Geschichte mit Danny!"

Lawrence beging den gleichen Fehler wie immer, er griff an anstatt auf seine Deckung zu achten, was Terry ermöglichte ihn schon wieder von den Füßen zu fegen. Terry packte den Mann am Kragen und hielt ihm seine Faust unter die Nase. „Und wenn man bedenkt wie talentiert dein Sohn ist….", meinte er tadelnd.

Lawrence spukte ihm ins Gesicht. „Er war 18, und du hast ihm zum Bluten gebracht. Und er dachte, dass das in Ordnung ist", brach es aus ihm heraus, „Dafür gibt es keine Entschuldigung!"

Terry ließ den Mann los, stieß ihn zu Boden, trat einen Schritt zurück, und atmete tief ein. Sag mir etwas, das ich noch nicht weiß! „Ich hab ihm die Wahrheit gesagt, ich hab ihm enthüllt, dass es Rache war. Mach nicht etwas daraus, was es nicht war. Er war kein kleines Kind mehr. Ich hab nicht- Ich bin nicht- Es war Krieg! Ich habe es für John getan, er hätte mich sonst verlassen, ich musste es tun!", verteidigte er sich. Und auf einmal hörte er Rauschen in seinen Ohren.

Und fand sich wenige Momente später auf alle Viere gestützt auf der Fahrbahn wieder.

„Hey, Mann, ist alles in Ordnung? Du siehst nicht gut aus", meinte Lawrence und krabbelte auf ihn zu, „Du bist nicht mehr der Jüngste, vielleicht solltest du nicht rumgehen und andere verprügeln."

Terry rang nach Luft. Was wenn er mich wirklich vergiftet hat?

Und was wenn es kein Gift gewesen war?

„Ich war es nicht, es war das Koks. Es war Johnny. Und der Alkohol. Und Vietnam. Ich war das nicht", murmelte er, während er sich fragte, ob sich so ein Schlaganfall anfühlte, „Das ist nicht fair. Ich habe das Zeug über dreißig Jahre lang nicht angerührt. Ich war clean, verdammt. Ich bring ihn um, ich bring Barnes um, wenn ich das hier überlebe…."

„Was redest du da? Silver? Was war es? Hey, ich muss es der Ambulanz sagen können, war es Kokain? Rede mit mir, Mann!", erklang Lawrence Stimme in seinem Ohr.

Doch Terry konnte nicht antworten, die Worte wollten einfach nicht kommen.

Und dann wurde ihm schwarz vor Augen.


A/N: Oh, nein, was ist passiert?

Das werdet ihr im nächsten Kapitel erfahren.

Ich wollte hier ein wenig mehr den Mafiosi-Terry aus KK3 feiern, ohne ihn zu weit gehen zu lassen, aber ja, er hatte Kontakte zum Organisierten Verbrechen und Leute entführen lassen, weil er eben ein 80-Jahre Superschurke war.

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