Zusätzliche Warnings: Erhöhte Warnstufe für Gewalt, Mind-Fuck, Schlangen
19. Bag Full Of Cobras
Es war beinahe lächerlich einfach Terry auf seiner eigenen Party alleine zu erwischen. Entweder hielt der Mann es für unnötig sich selbst zu schützen, weil er sich auf sein eigenes Können verließ, oder er war einfach der Meinung, dass es niemand auf ihn abgesehen haben konnte. Kreese musste nur dafür sorgen, dass er möglichst von niemandem, den er kannte gesehen wurde, als er sich hineinschlich und danach bei den Toiletten abwarten wann und ob Terry herkommen würde oder nicht.
Terry zu überwältigen war wiederum noch leichter. Offenbar rechnete der Mann nicht damit auf der Toilette überfallen zu werden. Ihm ein Messer gegen seine Rippen zu halten reichte schon aus um ihm blöde Ideen wie sich zu verteidigen auszutreiben.
„Früher hättest du nicht zugelassen, dass dich jemand so erwischt, Twig", hauchte Kreese dem anderen Mann ins Ohr, während er sie beide gegen die die Türe presste und so verhinderte, dass sie durch hereinkommende Männer überrascht werden konnten, „Offenbar wirst du langsam alt und nachlässig. Oder vielleicht auch nur weich. Dabei warst du es doch, der mir vorgeworfen hat weich zu werden."
Wie es zu erwarten gewesen war versuchte Terry sich herauszureden. „Johnny, das ist doch alles unnötig", behauptete er, „Leg das Messer weg, und wir können über alles reden."
„So wie wir über alles geredet haben, bevor du mich hast einsperren lassen? Nein, ich denke nicht. Du wirst jetzt mit mir kommen, Terrence", erwiderte Kreese, „Langsam und willig. Und du wirst keine Faxen machen."
Terry hatte die Stirn zu lachen, als er das hörte.
Kreese wartete bis er sich wieder beruhigt hatte und ritzte mit seinem Messer dann drohend an Terrys Haut. „Du wirst mit mir kommen", wiederholte er.
„Nein, Johnny, das werde ich nicht", behauptete Terry, „Du kannst gerne zustechen, wenn du unbedingt willst, aber ich bin kein Opfer. Wenn du mich auf meiner eigenen Party entführen willst, dann musst du damit rechnen, dass ich mich wehre…."
Das war natürlich die Reaktion gewesen, mit der Kreese gerechnet hatte. „Lass mich klarer werden, Twig. Entweder du kommst jetzt mit mir, oder ich sprenge den ganzen Laden hier mit dem von mir hier überall versteckten Sprengstoff in die Luft. Mit uns beiden mitten drinnen. Selbst wenn du überleben solltest, wird dein Ruf danach im Eimer sein. Ganz zu schweigen vom Schicksal deiner geliebten Freundin Cheyenne und deines Lieblingsschülers Daniel LaRusso. Wer sagt, dass sie das hier überleben würden?", zischte er hart.
Terry versteifte sich einen Moment lang. „Du bluffst doch", behauptete er dann, „So verrückt bist du nicht. Selbst wenn ich dir glauben sollte, dass du irgendwie an genügend Sprengstoff gekommen bist, ihn hier unbemerkt versteckt hast, und einen Fernauslöser bei dir trägst, bist du niemals ein Selbstmordattentäter gewesen. Du würdest dein eigenes Leben niemals in derartige Gefahr bringen."
„Früher vielleicht nicht, aber dank dir, Twig, habe ich jetzt nichts mehr zu verlieren. Ja, ich wurde freigelassen, aber du hast mir Cobra Kai gestohlen, meinen Ruf beschmutzt, und jetzt hast du auch noch die Stirn zu versuchen mir Johnny Lawrence wegzunehmen. Was habe ich also noch um dafür zu leben? Ach ja, genau: Meine Rache. Und die werde ich bekommen, auf die eine oder andere Weise", erwiderte Kreese voller Überzeugung, „Bist du also bereit darauf zu wetten, dass ich nur bluffe?"
Offenbar war Terry das nicht. Er schien aber immer noch nicht bereit dazu zu sein mitzukommen. „Wenn du mich töten willst, warum tust du es dann nicht einfach hier?", wollte der weißhaarige Mann wissen.
„Wenn ich das verraten würde, dann würde das die Überraschung verderben, oder nicht? Also, komm jetzt mit mir, lächle deinen reichen Freunden zu, und tu so als wäre alles in Ordnung. Und lauf nicht von mir davon, sonst sprenge ich alles in die Luft", befahl ihm Kreese.
Vielleicht war es die Drohung, vielleicht tat aber auch der vertraute Befehlston seine Wirkung - Terry kam seinem Befehl endlich nach und öffnete für ihn die Türe zu den Toiletten und ließ sich von ihm mit dem Messer gegen seine Rippen gepresst vorbei an all diesen reichen Säcken hier nach draußen führen. Er versuchte nicht sich zu befreien, versuchte nicht zu fliehen, rief nicht um Hilfe, sondern lächelte und nickte alle anderen, die ihnen begegneten, nur zu.
Sie verließen das Dojo und erreichten den überfüllten Parkplatz. Kreese dirigierte Terry zu einem schwarzen Lieferwagen. „Rein da!", befahl er dem anderen Mann.
„Fick dich, das kannst du vergessen!", erwiderte Terry, der sich nun scheinbar dazu durchgerungen hatte entweder doch zu glauben, dass Kreese bluffte oder dem egal war wer in die Luft flog, nun da er sich selbst in Sicherheit befand.
Aber auch damit hatte Kreese gerechnet. Da er die ganze Zeit über hinter Terry gestanden hatte, war er im Vorteil und zögerte daher auch keine Sekunde mehr, sondern schlug Terry Silver einfach mit dem dafür vorgesehenen Todschläger gegen den Hinterkopf.
Und dann verfrachte er seinen Gefangenen in den Lieferwagen und machte sich daran den nächsten Schritt seines Planes durchzuführen.
Weder Chozen noch Julie schienen zu wissen wo Daniel steckte. Offenbar war er schmollen gegangen. Die Frage war nur wohin. Johnny blickte sich suchend um, doch er war sich ziemlich sicher, dass Daniel nicht irgendwo unter den anderen Gästen zu finden sein würde.
Immer noch auf der Suche nach dem anderen Mann führte ihn sein Weg schließlich hinaus auf den Parkplatz. Daniel war zwar kein Raucher, aber vielleicht hatte er frische Luft schnappen wollen um einen klaren Kopf zu bekommen.
Am Parkplatz angekommen fand Johnny zwar keine Spur von Daniel vor dafür erkannte er aber Kreese, der gerade dabei zu sein schien einen bewusstlosen Terry Silver in einen Lieferwagen zu stopfen.
Was zum….?
Kreese schloss den Lieferwagen und kletterte dann in die Fahrerkabine. Verdammt.
Johnny wusste, dass er den Lieferwagen verlieren würde, wenn er Hilfe holen würde, und sein smartes Handy hatte er wieder einmal nicht mitgenommen. (Immerhin war er davon ausgegangen, dass er mit Daniel, Chozen und Julie nach Hause fahren würde). Also schob er einen verwirrten jungen Mann von dessen viel zu teurem Motorrad, verkündete: „' Tschuldigung, muss mir das mal borgen, es ist ein Notfall" und nahm dann gerade noch rechtzeitig die Verfolgung auf.
Ich kann nicht glauben, dass LaRusso Recht behalten hat was diesen Abend angeht…
Daniel war wütend an allen und jedem vorbeigerauscht und hatte erst angehalten, als er draußen auf der Straße angekommen war. Wie konnte Terry es wagen? Wie konnte er es wagen mehr als dreißig Jahre zu spät die richtigen und zugleich die vollkommen falschen Dinge zu sagen?!
Daniel beschloss einen kurzen Spaziergang um den Block zu machen um sich zu beruhigen. Sobald er wieder klarer denken könnte, würde er sich überlegen wie es jetzt weiter gehen sollte, aber momentan war einfach noch zu wütend dazu.
Er war noch nicht wieder zum neuen Dojo zurückgekehrt als sein Handy läutete. In der Annahmen, dass es Julie sein würde, die wissen wollte, wo er abgeblieben war, nahm er ab. Doch die Stimme am anderen Ende der Leitung war die von Kreese. „Es ist so weit, LaRusso. Der Moment der Abrechnung ist gekommen", verkündete der alte Mann.
Daniel hatte ein ganz mieses Gefühl bei dieser Sache.
Als Terry wieder zu sich kam, brummte ihm der Schädel. Wichtiger war aber, dass er sich woanders befand als vorhin. Verwirrt blickte er sich um und stellte fest, dass er sich in einer Art Käfig befand, der aus Holzstäben gebaut worden war, irgendwo mitten im Wald wie es schien. Um ihn herum war alles mit Fackeln beleuchtet. Bin ich tot? Oder ist das ein Traum?
„Da kommen Erinnerungen hoch, nicht wahr, Twig?" Kreeses Stimme brachte ihn dazu sich umzudrehen. Hinter ihm vor dem Käfig stand der andere Mann mit vor der Brust verschränkten Armen. „Ich fand es nur passend, dass alles so enden soll wie es angefangen hat", fuhr Kreese fort.
Terry kam ein böser Verdacht, doch er hoffte, dass er sich irrte. „Was meinst du damit, John?", wollte er wissen, „Wo sind wir hier?"
„In der Grünen Hölle, wo sollten wir auch sonst sein?", erwiderte Kreese.
Terry verschwendete einen Moment damit darüber nachzudenken wie wahrscheinlich es war, dass Kreese ihn tatsächlich nach Vietnam verschleppt hatte. Kein bisschen, befand er. Nein, sie befanden sich eindeutig immer noch in Kalifornien, das hier war nicht die Grüne Hölle, es war nur ein kalifornischer Wald.
„Und was wollen wir hier?", wollte Terry wissen.
„Das Schicksal korrigieren", belehrte ihn Kreese, „Weißt du, Terry, damals als wir aus Nam zurückgekommen sind, da habe ich dich wirklich gebraucht. Ich dachte, dass wir Freunde sind, und dass es niemanden auf der Welt gibt, der mich so versteht wie du es tust. Ich wollte, dass Cobra Kai unser gemeinsames Erbe wird, ich wollte alle unsere Träume verwirklichen. Aber du hast mich im Stich gelassen, hast mir bewiesen, dass es dir niemals so ernst war wie mir."
„John, das ist fast ein Menschenleben her! Du kannst mir vieles vorwerfen, aber du willst doch nicht behaupten, dass du ernsthaft immer noch deswegen wütend auf mich bist?", versuchte Terry den anderen Mann zu beruhigen.
„Du warst schon damals ein schlechter Soldat. Du hast mich, deinen kommandierenden Offizier, im Stich gelassen, und ich, ich habe dir das auch noch durchgehen lassen, weil ich dachte, dass das, was uns verbindet, mehr wiegt als die Befehlskette", fuhr Kreese fort, „Aber in Wahrheit hätte mir schon damals klar sein müssen, dass Terry Silver immer nur an Terry Silver denken wird. Ich habe dir das Leben gerettet, und wie hast du es mir gedankt? Indem du mich im Stich gelassen hast!"
Terry schüttelte den Kopf. „So war das nicht", behauptete er, „Ich wollte bei dir bleiben, das weißt du! Aber meine Eltern…."
„Deine Eltern!", unterbrach ihn Kreese, „Die waren nur eine Ausrede! Du hattest immer irgendeine Ausrede parat! Deine Eltern, deine Firma, dein Ruf, deine Überschwänglichkeit, deine Rache … In Wahrheit war es aber immer nur deine Schuld, du warst derjenige, der all das getan hat, und zwar nur deswegen weil du es wolltest. Weil du dich selbst immer schon wichtiger als mich genommen hast. Die Wahrheit ist, dass ich damals in Vietnam den falschen Mann gerettet habe. Du warst es nicht wert gerettet zu werden. Ich hätte dich sterben lassen sollen. Zulassen sollen, dass Turner es zu Ende bringt. Und genau diesen Fehler werde ich jetzt korrigieren."
Kreese verschwand in der Dunkelheit und kam mit einem Sack in der Hand zurück, den er Terry präsentierte. „Weißt du noch warum wir uns Cobra Kai nennen wollten?"
Terry glaubte zu sehen wie sich im Inneren des Sacks etwas bewegte. Das kann doch nicht sein Ernst sein! Er hat doch nicht wirklich….
„Ich habe eine ganze Grube voll davon", behauptete Kreese, „Es war nicht leicht genügend zu bekommen, aber ich wollte, dass alles perfekt wird. Ich wollte, dass alles so ist, wie es damals war."
Kreese verschwand wieder in der Dunkelheit. Dann kehrte er zurück und stellte sich wieder vor den Käfig und verkündete in toternsten Tonfall: „Dieses Mal wirst du derjenige sein, der über der Schlangengrube kämpft, Twig."
Terry war sich immer noch ziemlich sicher, dass Kreese nur versuchte ihm Angst zu machen. „Und gegen wen soll ich kämpfen?", wollte er deswegen wissen.
„Gegen deinen Kommandanten natürlich", erwiderte Kreese wie selbstverständlich, „Und am Ende wird nur einer von uns beiden lebendig auf den sicheren Boden neben der Grube zurückkehren. Und wir wissen beide wer das sein wird. Genauso wie wir wissen, dass es damals Turner gewesen wäre."
Terry schüttelte den Kopf. „Das ist doch Wahnsinn", meinte er, „John, ich verstehe ja, dass du wütend bist, aber das hier … das ist irrsinnig. Lass uns darüber reden, wie Erwachsene."
Nun war Kreese derjenige, der lachte. Aber nur kurz. „Die Zeit zum Reden ist vorbei", verkündete er dann mit Grabesstimme, und das war der Moment, als Terry zu glauben begann, dass das hier vielleicht doch mehr sein könnte als ein riesiger Bluff. Das war der Moment, in dem ihm klar wurde, dass John Kreese es todernst meinte.
Es tat richtig gut dabei zuzusehen wie Terrys überlegene Haltung zu verfallen begann, wie der Mann langsam aber sicher seine Selbstbeherrschung einbüßte. Kreese konnte direkt miterleben wie sich der Zweifel in die selbstsichere Haltung des anderen Mannes einschlich und der Erkenntnis wich. Es war ein Freudenfest.
Dann tauchte endlich LaRusso auf. Der hatte länger gebraucht um hierher zu finden als Kreese sich erhofft hatte.
Kreese ging dem Mann entgegen, kaum, dass der in der Nähe des Käfigs und der Schlangengrube auftauchte. „Daniel", begrüßte er ihn.
„Kreese, was soll das alles hier?", wollte LaRusso wissen und wirkte alles andere als begeistert. Kreese hatte schon vorhergesehen, dass der Mann im ersten Moment irritiert sein würde, aber er wusste auch wie er dem entgegen wirken konnte – er erklärte dem jüngeren Mann das Set Up, wies ihn auf die Schlangengrube und den bevorstehenden Kampf darüber hin. LaRusso blickte ihn an, als ob er an seinem Verstand zweifeln würde.
„Wir hatten uns darauf geeinigt, dass du Terry Silver nicht umbringst", meinte er dann langsam.
„Ich bringe ihn ja auch nicht um", gab Kreese zurück, „Das erledigen die Kobras."
LaRusso wirkte nicht gerade begeistert über diese Aussicht. Sein Blick irrte hinüber zum Käfig, in dem Terry auf sein Schicksal wartete. „Okay, ich will gar nicht wissen wo du die Kobras her hast, oder warum du das hier abziehst", verkündete er dann, „Aber es reicht jetzt. Terry hat einen Schreck bekommen, der ihn länger begleiten sollte. Jetzt können wir ihn wieder freilassen." Und schon machte er sich auf hinüber zum Käfig. Offenbar dachte er, dass das ganze Set Up nur eine leere Drohung sein sollte.
Kreese packte ihm am Arm und hielt ihn fest. „Das hier ist weder ein Pyscho-Test noch eine Simulation", belehrte er den jüngeren Mann, „Und wir sind noch nicht fertig. Wir sind erst fertig, wenn der Kampf über der Schlangengrube stattgefunden hat."
LaRusso blickte ihn einen Moment lang in die Augen. Dann schüttelte er den Kopf. „Vergiss es. Das hier ist krank. Terry Silver mag ein kranker Bastard sein, aber das hier … wessen Kopf das hier auch immer entsprungen hier, der ist noch kränker. Und ich werde sicherlich nicht noch mehr Beihilfe zu dem hier leisten als bisher schon. Wenn ich gewusst hätte, dass du mein Geld hierfür verwendest… Du brauchst dringend Hilfe, Kreese", behauptete er und schüttelte Kreeses Hand ab.
So war das also. Kreese hätte es kommen sehen müssen, nahm er an. Moralische Grenzen und all das. Aber er kannte die Wahrheit, er wusste, dass Daniel LaRusso seinen Plan, wenn er die Bedeutung von all dem hier begreifen würde, gut heißen würde, selbst wenn er das nicht zugeben würde. Kreese musste nur dafür sorgen, dass er die Dinge aus dem richtigen Blickwinkele heraus sah.
Er griff LaRusso an, als dieser ihm den Rücken zugewandt hatte. LaRusso schien aber zu spüren, was er vorhatte, und wich dem Angriff aus und ging in Verteidigungsposition. „Was soll das?", wollte LaRusso wütend wissen.
„Ich kann nicht zulassen, dass du alles ruinierst", verkündete Kreese, „Ich tue das hier für uns beide. Für Johnny, für Tory Nichols und alle anderen Schüler von Cobra Kai. Ich tue, was getan werden musst. Und du wirst mich nicht aufhalten!"
„Ich werde dich sicherlich nicht unterstützen, also insofern denke ich schon, dass ich dich sehr wohl aufhalten werde", entgegnete LaRusso, „Wenn du deinen verrückten Kampf über der Schlangengrube abhalten willst, dann musst du dafür an mir vorbei!" Er deutete Kreese ihn anzugreifen.
Doch der hatte keine Zeit für das hier. Er musste seine Kräfte sparen. Weswegen er statt wieder anzugreifen die an seinem Gürtel festgeschnallte Blendgranate nach LaRusso warf.
LaRusso taumelte offensichtlich geblendet zurück.
„Wie Terry sagen würde: Ein Mann, der nicht sehen kann, kann nicht kämpfen", belehrte Kreese den jüngeren Mann und verpasste ihm einen Schlag in den Magen.
LaRusso versuchte stehen zu bleiben und schloss seine Augen, offenbar um sich von seiner getrübten Sicht nicht ablenken zu lassen.
Kreese bohrte ihm sein wieder gezücktes Messer ins Knie. „Ein Mann, der nicht stehen kann, kann nicht kämpfen", fügte er hinzu.
LaRusso biss die Zähne zusammen, gab einen zischenden Laut von sich, blieb aber immer noch stehen und schien nicht vorzuhaben aufzugeben.
Kreese holte zu einem Schlag aus und versuchte ihn am Kehlkopf zu treffen, doch LaRusso blockte ihn an. „Ein Mann, der nicht atmen kann, kann nicht kämpfen, ich weiß. Du vergisst, dass ich Terrys Schüler war", meinte der jüngere Mann unbeeindruckt, „Ich kenne all eure Tricks."
Kreese lächelte nur, auch wenn er wusste, dass sein Gegner das nicht sehen konnte. „Ach? Glaubst du wirklich, dass du sie alle kennst?", erwiderte er nur, bevor er seine Betäubungspistole zog und einen Pfeil auf LaRusso abfeuerte. „Ich habe dein Geld benutzt um für alle Fälle vorzusorgen", belehrte er den jüngeren Mann, und sah diesem dann dabei zu wie er das Bewusstsein verlor.
Daniel würde eine wichtige Lektion von all dem hier lernen, er würde lernen, dass er damit aufhören sollte John Kreese zu unterschätzen. Und er würde lernen, dass Kreese nur sein Bestes im Sinn hatte.
Wenn er dabei zusah wie Kreese die Welt von Terry Silver befreite, dann würde ihm klar werden, dass er richtig gehandelt hatte, als er Kreese das Geld gegeben und die Planung überlassen hatte. Ihm würde gar keine andere Wahl bleiben.
Johnny beobachtete den Irrsinn, der sich gerade mitten im Wald von Kalifornien abspielte, von sicherer Entfernung aus und konnte nicht glauben was er da sah. Er hatte ja schon viele irre Dinge gesehen und erlebt, aber das hier, nun das war eine neue Stufe von Irrsinn.
Er konnte sehen wie Kreese den ohnmächtigen Daniel packte und hinüber zu seinem improvisierten Käfig schleppte. So viel zu Daniels Idee mit ihm zu reden….
Kreese mit dem Motorrad zu verfolgen war nur einige Zeit lang gut gegangen. Schließlich hatte er ihn verloren, und bei dem Versuchen ihn wiederzufinden war er auf Daniel gestoßen, der offenbar wusste wo Kreese zu finden war, weil dieser ihm Koordinaten zukommen hatte lassen, an die er kommen sollte. Johnny hatte Daniel erzählt was er beobachtet hatte, und dann waren sie vor dem Problem gestanden was sie nun tun sollten.
Die kluge Entscheidung wäre gewesen die Polizei zu rufen, aber offenbar hatte Daniel Kreese Geld gegeben, was ihm zum Komplizen für was auch immer der alte Mann plante, machte. Daniel hatte also vorgeschlagen, dass sie erst einmal herausfinden sollten, was Kreese eigentlich vorhatte, und versuchen sollten mit ihm zu reden. Und erst dann die Polizei rufen sollten. Er hatte Johnny sein Handy in die Hand gedrückt und aufgetragen die Kavallerie zu spielen, und war dann losgegangen um mit Kreese zu reden. Was eindeutig schief gegangen war.
Johnny war eigentlich von Anfang an gegen diesen Plan gewesen und hatte sich nur dazu überreden lassen mitzumachen, weil er nicht wollte, dass Daniel Ärger mit der Polizei bekam. Aber jetzt bereute er nicht gleich auf seinen Instinkt gehört zu haben.
Um so mehr als er Daniels teures SmartPhone zückte und feststellte, dass dieses nur einen schwarzen Bildschirm zeigte und nichts tat, egal auf welche Taste er drückte.
Na toll. Ich weiß ja warum ich von diesen Dingern nichts halte…
Johnny überlegte wo er die letzte Telefonzelle gesehen hatte, aber er konnte sich nicht erinnern. Und wieder einmal bei Fremden anzuläuten und auf das Beste zu hoffen, könnte zu lange dauern. Offenbar lag es an ihm die Situation zu retten. Ganz ohne Polizei.
Aber wie soll ich das anstellen? Vernünftig mit Kreese zu reden war keine Möglichkeit, und den Mann zu überraschen und zu überwältigen dürfte nicht so einfach werden. Offenbar hatte er sich mit diversem Militärkram ausgerüstet und stellte nun eine Ein-Mann-Armee dar.
Das bedeutete, dass Johnny schlauer sein musste als Kreese, wenn er die Situation retten wollte. Also sind wir verloren, erkannte er vollkommen nüchtern. Johnny kannte seine Stärken, aber nichts davon würde ihm hier weiterhelfen, das wusste er. Aber er musste es zumindest versuchen.
Er atmete noch einmal tief durch und machte sich dann auf den Weg hinüber zu Kreeses improvisiertem Lager. Kreese sah ihn natürlich lange bevor er dort ankam.
„Johnny, mit dir hätte ich nicht gerechnet", begrüßte ihn Kreese.
„Was hast du mit Daniel vor?", wollte Johnny sofort wissen.
„Ich will ihm eine Lektion erteilen, das ist alles. Und einen Gefallen tun. Er wollte mich von dem, was ich vorhabe, abhalten, obwohl es etwas ist, von dem er eigentlich möchte, dass es geschieht", erklärte ihm Kreese, „Deswegen musste ich ihn vorübergehend ausschalten. Was ist mit dir? Hast du auch vor mich aufzuhalten?"
Johnny wusste, dass er jetzt vorsichtig sein musste. Zugleich war er sich aber auch der Tatsache bewusst, dass er nicht so einfach lügen konnte. Kreese kannte ihn zu gut, und er war schlauer und gemeiner als Johnny es jemals sein könnte. Also musste er bei der Wahrheit bleiben.
„Ich will, dass es endlich vorbei ist", erklärte er, „Ich will, dass meine Familie und meine Freunde in Sicherheit sind. Ich habe Cobra Kai zurückgebracht, weil ich Karate unterrichten wollte, nicht weil ich einen Karate-Krieg losbrechen wollte. Ich war bereit mit Silver Frieden zu schließen, aber Daniel war das nicht. Wenn das hier, was immer das werden soll, dazu führt, dass endlich alles vorbei ist, dann werde ich dich nicht aufhalten."
Kreese nickte als hätte er das schon erwartet. „Natürlich wirst du das nicht", stellte er fest, „Du hast gesehen wie ich mit LaRusso umgesprungen bin, du weißt, dass du keine Chance hast. Du willst ihn aus dem Schützengraben ziehen und von hier verschwinden, deswegen bist du hier. Du warst schon immer zu schwach, Johnny, zu schwach um für deine Ideale einzustehen. Du verbrüderst dich mit dem Feind, weil es dir Frieden lieber ist als Krieg. Aber keine Sorge, ich werde dir dabei helfen Frieden zu bekommen. Wenn ich hier fertig bin, dann ist wirklich alles vorbei, darauf kannst du dich verlassen."
Kreese musterte ihm misstrauisch. „Aber falls du versuchen solltest mich aufzuhalten … Nun, in diesem Fall, werde ich dich nicht schonen", fügte er dann noch hinzu.
Diese Ankündigung überraschte Johnny nicht. Er nickte. „Schon klar", meinte er, „Und was genau hast du hier jetzt eigentlich vor?"
Und dann sagte Kreese es ihm.
Als Daniel wieder zu sich kam, blickte er in Terry Silvers Gesicht.
„Danny, alles in Ordnung?", wollte der Mann von ihm wissen und streckte seine Hand nach ihm aus. Daniel konnte sich selbst nicht davon abhalten zurückzuzucken, selbst wenn er es gewollt hatte.
Terry ließ seine Hand sinken, und seine Miene spiegelte Enttäuschung wieder, die sich schnell in Resignation verwandelte.
Daniel kam mühsam auf die Beine und stellte fest, dass er sich in dem Käfig befand, in dem Kreese Terry gefangen hielt. Offenbar gehörte er nicht mehr zu Kreeses Team. Würde er jetzt ebenfalls über einer Schlangengrube auf Leben und Tod kämpfen müssen?
„Du lebst noch", stellte er an Terry gerichtet fest.
Dieser nickte knapp. „Kreese wünscht sich ein Publikum, wie es scheint, oder besser gesagt dich als Publikum. Aber nun, da du wieder wach bist, wird es wohl nicht mehr lange dauern", meinte er.
„Vielleicht hättest du dir deine Freunde besser aussuchen sollen", konnte sich Daniel nicht verkneifen darauf zu erwidern.
Terry seufzte zustimmend. Dann schienen sich seine Augen regelrecht in Daniel hineinzubohren. „Danny, ich weiß, dass du mir nie verzeihen wirst, und das ist auch gut so, aber eines solltest du wissen: Ich habe niemals in meinem Leben etwas zu bereut wie alles, was damals zwischen uns passiert ist. Dieser Mann, der wollte ich nie sein", erklärte er dann, „Aber ich bin nicht … richtig. Und Vietnam hat dafür gesorgt, dass ich vermutlich nie wieder richtig sein kann. Ich weiß, dass das nichts entschuldigt, aber ich will, dass du verstehst warum ich das alles getan habe. Nicht wegen irgendetwas, das mit dir nicht in Ordnung gewesen wäre, sondern nur weil mit mir so vieles nicht in Ordnung ist."
Daniel wollte das alles nicht hören. „Erspar dir das. Du kannst mir immer noch die Ohren volljammern, wenn wir das hier überstanden haben", schnitt er dem anderen Mann das Wort ab, „Tu jetzt nicht so als wäre das ein Abschied."
Terry lachte trocken. Es klang beängstigend. „Ich habe dich im Auge behalten, danach, weißt du? Ich wollte sicher gehen, dass … na ja, dass ich nichts beschädigt habe. Weißt du, das was du im Krankenhaus zu mir gesagt hast, das ist nicht wahr. Wenn es wahr wäre, dann wärst du jetzt nicht hier bei mir in diesem Käfig, du wärst dort draußen, bei ihm, und würdest gegen mich über dieser Schlangengrube kämpfen wollen", meinte er dann, „Du bist nicht wie ich geworden, Danny. Du bist immer noch ein guter Junge. Alles, was ich dir angetan habe, konnte dir das nicht austreiben."
Daniel blickte sich einen Moment lang um, sog den Anblick des Käfigs und der Schlangengrube auf, die Kreese mit seinem Geld gebaut hatte. Und konnte diese Behauptung nur sehr schwer glauben. „Das hier hat er mit meinem Geld gebaut", sagte er nur.
Terry lachte wieder. „Und wenn schon. Mike Barnes hat mich mit Kokain vergiftet, das er mit meinem Geld gekauft hat", gab er zurück, „Wir können nicht für alles, was andere mit unserem Geld tun, die Verantwortung übernehmen." Er deutete auf den Käfig. „Das hier, Danny, mein Junge, das hat nichts mit dir zu tun, sondern alles mit John Kreese und mir und unserer gemeinsamen Vergangenheit. Mach dir keine Gedanken, du hättest das nicht kommen sehen können."
Daniel schüttelte den Kopf. Aber er kam nicht dazu zu antworten, da Kreese vor dem Käfig auftauchte.
„Wie es scheint, weilst du wieder unter uns, LaRusso", stellte er fest, „Zeit für den finalen Kampf um Cobra Kai. Kommst du, Terry, oder muss der gute Daniel an deiner Stelle kämpfen? Das wäre ja nichts Neues, nicht wahr?"
„Auch verletzt gewinne ich, oder hast du das vergessen?", hielt ihm Daniel entgegen, „Wenn du willst, dann können wir es zu Ende bringen, ich habe keine Angst vor Kobras."
Terry legte ihm eine Hand auf die Schulter, und dieses Mal zuckte Daniel nicht zurück. „Lass nur, Danny. Das ist mein Kampf. Du hast recht, John, das Schicksal hat sich damals falsch entschieden. Du hast damals an seiner Stelle falsch entschieden. Ich habe ein halbes Jahrhundert in diesem Käfig zugebracht. Es ist an der Zeit, dass ich ihn verlassen und mich meinem Schicksal stelle", behauptete er.
Daniel warf ihm einen verstörten Blick zu. „Du kannst doch nicht freiwillig bei diesem Wahnsinn mitmachen wollen! Keiner kann dich dazu zwingen über einer Schlangengrube um dein Leben zu kämpfen!", empörte er sich.
„Bevor ich zulasse, dass du es tun musst, tue ich es freiwillig", erwiderte Terry nur.
Kreese wirkte zufrieden und öffnete den Käfig. „Keine Tricks!", forderte er und ließ Terry hinaus und schloss die Käfigtüre dann wieder. „Uh, uh, LaRusso, du spielst dieses Mal nicht den Helden", meinte er, „Pass auf, dass er nicht abhaut, Johnny."
Eine Gestalt tauchte im Fackelschein hinter Kreese auf, und Daniel erkannte zu seinem Schrecken: „Johnny?!" So viel zu ihrem Plan die Polizei holen zu lassen.
Johnny schüttelte nur stumm den Kopf. Offenbar hatte er einen Plan, Daniel hoffte nur, dass es einer war, der besser war als die üblichen Johnny Lawrence-Aktionen.
Er sah zu wie Kreese Terry zu der Schlangengrube führte. Irgendwie wartete er die ganze Zeit darauf, dass der weißhaarige Mann dem allen ein Ende bereitete, indem er versuchte zu fliehen, Kreese niederschlug, oder sonst etwas unternahm, aber offenbar war er bereit auf Kreeses Wahnsinn einzusteigen. Er kletterte auf den Hochstand auf der einen Seite der Schlangengrube, während Kreese auf den auf der anderen kletterte. Die beiden Hochstände waren über die Grube hinweg durch eine sehr instabil aussehende aus nur einem einzelnen Brett bestehende Holzbrücke miteinander verbunden, die die beiden Irren nun betraten.
Daniel war über diesen Anblick so entsetzt, dass er gar nicht bemerkte wie Johnny die Türe zum Käfig öffnete und ihn hinaus zerrte. „Komm schon", zischte der blonde Mann ihm zu, „Wir müssen uns beeilen. Du nimmst Silver, und ich nehme…."
In diesem Moment rannte Kreese auf Terry zu und stürzte sich auf ihn, versessen darauf ihn von den Beinen zu fegen und in die Schlangengrube zu werfen.
„Scheiße!", entfuhr es Johnny, und er rannte los.
Daniel zögerte noch einen Moment, bevor auch er los eilte. Doch sie würden zu lange brauchen, das wusste er jetzt schon. Der Kampf über der Grube würde möglicherweise in wenigen Sekunden vorbei sein.
Er konnte Schläge und Kicks durch die Luft fliegen sehen.
„Diese alten irren Scheißkerle!", schimpfte Johnny.
Besagte waren inzwischen beide nieder gegangen und rangen auf dem verräterisch knirschenden Brett miteinander und versuchte sich gegenseitig in die Schlangengrube zu werfen. Für einen Moment sah es so aus als ob Terry Kreese in die Grube werfen würde. Er lag zwar unter dem anderen Mann, hatte seine Beine aber um ihn geschlungen und hielt ihn für einen Moment fest und verkündete: „Ich habe niemanden jemals mehr geliebt als dich, John", bevor er sich zur Seite drehte.
Und dann stürzten sie beide in die Grube.
Allerdings nur einen Herzschlag lang.
Johnny befand sich inzwischen auf der Brücke und hielt nun Silvers Rücken umklammert, während er auf dem Brett lag und schrie: „Wage es nicht ihn loszulassen, du Scheißkerl! Daniel!"
Daniel rannte über die Brücke und konnte sehen, dass Terry sehr wohl seinen Beingriff um Kreeses Taille lockerte, also schwang er sich seinerseits unter die Brücke und griff mit allen Händen und Füßen, die sich nicht am Brett festhielten (also beiden Beinen und seinem einen freien Arm) nach Kreese und erwischte ihn gerade noch rechtzeitig.
„Ihr ruiniert alles!", beschwerte sich Kreese.
„Falls du wählen musst, lass ihn sterben, Daniel!", bellte Johnny zurück, während er versuchte Terry zurück auf die Brücke zu hieven.
Und dann knarrte es mit einem Mal sehr laut.
Und dann brach das Brett in zwei, und sie alle vier fielen in die Schlangengrube.
„Angst existiert in unserem Dojo nicht", hatte John Kreese Terry vor all diesen Jahren erklärt, „Wir müssen uns dem stellen, was wir fürchten, anstatt davor zurückzuweichen." Deswegen hatte sie sich die Schlangen-Tattoos machen lassen, um dem, was sie fürchteten, entgegen zu treten. Terry hatte sich den Schwarzen Mann seiner Alpträume auf seine Haut tätowieren lassen, aber trotzdem hatte er Jahrzehnte damit zugebracht von Schlangen zu träumen.
Falls er das hier überleben sollte, würde er nie wieder Angst vor Schlangen haben, nahm er an. Wer es überlebte in eine Schlangengrube geworfen zu werden, der würde Schlangen nie wieder fürchten.
Er erwartete ihre mächtigen weichen-trockenen-Körper zu spüren, zu spüren wie sie ihn umringten, sich um ihn schlängelten. Doch er spürte nichts davon.
Er hatte seine Augen geschlossen gehalten, weil ihm das dramatischer vorgekommen war. Nun öffnete er sie. Er sah Daniel und Kreese in der Grube neben sich liegen und spürte Johnny Lawrence auf sich, aber er sah keine einzige Schlange. Stattdessen schien er auf einer Menge Säcken zu liegen – Mehlsäcken, wenn er sich nicht irrte.
Terry konnte nicht anders, er musste lachen. Er lachte und lachte und lachte. Und dann kamen ihm die Tränen. Wenn er sich nicht zuvor schon seine Hose eingenässt hätte, wäre ihm das vermutlich jetzt passiert. „Johnny, du verdammter Bastard!", stieß er mühsam hervor.
Daniel sah sich suchend um. „Wo sind die Kobras?", wunderte er sich.
Lawrence quälte sich von Terry hinunter. „Es gibt keine Kobras. Er hat irgendwelche anderen Schlangen dort hinten in seinem Sack, das ist alles", erklärte er, „Ich wollte verhindern, dass sie sich die Knochen oder gar die Hälse brechen oder sich sonst irgendwie gegenseitig abmurksen! Denkt du wirklich, ich würde riskieren für diese Kerle in eine Schlangengrube zu fallen?!"
Terry nahm an, dass Johnny Lawrence vermutlich genau die Art Mensch wäre, der das sehr wohl riskieren würde, aber das sagte er nicht. Stattdessen lachte er wieder. Das war alles einfach zu komisch.
„Ich verstehe nicht … es gibt keine Kobras?", wunderte sich Daniel, der immer noch zutiefst verwirrt zu sein schien.
Kreese schnaufte. „Natürlich gibt es keine Kobras", verkündete er, „Wo hätte ich genug herbekommen sollen um eine ganze Grube damit zu füllen? Und warum sollte ich das tun?" Dann wandte er sich Terry zu. „Wir sind fertig miteinander, Terry. Verstehst du meine Botschaft? Verstehst du, was ich dir mit all dem hier sagen wollte? Verstehst du wie weit ich bereit wäre zu gehen?", wollte er wissen.
„Ja, Johnny, ich verstehe", schaffte es Terry zu formulieren, „Ich verstehe alles. Ich nehme an, es gab keinen Sprengstoff."
„Sprengstoff?!", warf Daniel mit seltsam hoher Stimme ein.
„Natürlich nicht", erklärte Kreese nur.
Terry fühlte sich seltsam fröhlich, es war beinahe so als wäre er wieder high. Nichts schien ihn verletzen zu können, nun da er nicht von Schlangen umschlängelt und gebissen wurde.
„Ich hätte dich töten können, Terry, so viele Male, und du weißt warum ich es nicht getan habe? Du weißt jetzt wieder wo dein Platz ist?", wollte Kreese wissen.
„Ja, Captain", meinte Terry nüchtern, „Das weiß ich. Ich weiß wo mein Platz ist."
Sein Platz war nirgends mehr. John Kreese hatte ihn verstoßen, er hatte ihn gedemütigt und verstoßen und alle Bande zwischen ihnen gekappt. Aber seltsamerweise machte das Terry rein gar nichts aus.
„Ihr seid zwei verrückte Arschlöcher", stellte Lawrence fest, „Es ist ein Wunder, dass sich keiner was gebrochen hat."
Und dann ertönten auch schon die Sirenen. Scheinbar hatte doch irgendjemand die Polizei gerufen.
„Ich wette Julie und Chozen haben uns durch Daniels Handy geortet", behauptete Johnny, „Das findet man wohl auch, wenn es tot ist."
Terry lachte nur wieder. Er würde nur zu gerne alles was passiert war zu Protokoll geben. Kreese mochte ihn nicht getötet haben, aber er hatte ihn entführt und bedroht. Und jetzt endlich konnte Terry ihn verraten ohne sich deswegen dabei schuldig zu fühlen. Ein seltsames Gefühl, aber auch ein befreiendes.
Als die Polizei endlich ankam, waren sie alle aus der Grube geklettert. Tatsächlich schien sich niemand etwas gebrochen zu haben, aber sie alle würden schlimme blaue Flecken davon tragen. Terry schien sich endlich gefangen zu haben, er lachte nicht mehr.
„Gut, dass Sie kommen, Officers. Dieser Mann hat mich entführt und gefoltert!", verkündete Terry sofort beim Anblick der ersten Uniform und deutete auf Kreese, „Das können Ihnen diese beiden Herren dort bestätigen, die auch Opfer seines Wahnsinns wurden."
„Terry Silver?", erkundigte sich der Polizist, der sie als erster erreichte.
„Ja, der bin ich. Sie wissen sicher, dass ich von meiner eigenen Benefiz-Veranstaltung entführt wurde…", setzte Terry an.
Doch der Polizist verkündete ruhig: „Sie stehen unter Arrest wegen Besitz von illegalen Substanzen. Einige Kilos illegaler Substanzen."
Kreese konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
Terry blickte verwirrt vom Polizisten zu Kreese. Der meinte nur leise: „Du hast doch nicht wirklich gedacht, dass ich dich davon kommen lasse, oder Twig? So wie du mir, so ich dir."
Diese ganze Schlangengrube-Nummer war nur eine Ablenkung gewesen. Kreese hatte LaRussos Geld auch dazu benutzt Mengen von Kokain zu erwerben und diese dann in Terrys Wohnung und in den diversen Dojos zu platzieren. Mike Barnes war ihm dabei nur zu gerne behilflich gewesen. Immerhin hatte er schon Erfahrung damit Terry Drogen unterzuschieben, und dessen Geschichte über dieses Ereignis wurde nun durch die erneuten Funde auf Grund eines anonymen Hinweises mit einem Schlag unglaubwürdig. Terry mochte noch so gute Anwälte haben, aber dieses Mal würde er nicht so einfach davon kommen. Im Endeffekt würde er vielleicht nicht im Gefängnis landen, aber zumindest die Untersuchungshaft würd er näher kennen lernen.
Terrys Miene war bleich und verwirrt, als ihm seine Rechte vorgelesen und er verhaftet wurde.
„Sirs? Was ist hier vorgefallen?", wollte unterdessen ein anderer Polizist von Daniel und Johnny wissen.
Die beiden tauschten einen Blick miteinander aus. „Es gab eine Entführung, ja", gab Daniel schließlich zu, „John Kreese hier hat Mister Silver entführt."
Johnny nickte zustimmend. „Aber eines müssen Sie verstehen, Officiers: Diese beide Männer, die wollten gerade um Leben und Tod über einer gefakten Schlangengrube gegeneinander kämpfen, von der mindestens einer von ihnen dachte, dass sie echt ist. Die mögen sich der Entführung, der Folter, des tätlichen Angriff, und des Drogenbesitzes schuldig machen, aber sie können nichts dafür, sie sind nämlich verrückt."
Daniel nickte bestätigend. „Es ist nicht ihre Schuld", fügte er hinzu, „Aber sie sind gefährlich, vor allem aber für einander wie es scheint."
Die Polizisten wirkten verwirrt und verunsichert darüber wen sie nun außer Terry noch verhaften sollten.
Kreese wandte sich an die Polizisten. „Ich bin ein Vietnam-Veteran, müssen Sie wissen", erklärte er, „Ich habe unserem Land gedient, und ich diene ihm auch jetzt noch. Ich tue nur was notwendig ist. Dieser Mann, Terry Silver, ist ein überaus gefährliches Individuum."
„Also gab es eine Entführung?", versicherte sich eine Polizistin.
Kreese streckte ihr bereitwillig seine Hände entgegen. „Ich bin bereit mich den Konsequenzen meiner Taten zu stellen", erklärte er.
Johnny musterte ihn kopfschüttelnd. „Weißt du, Sensei, eines muss ich noch loswerden, bevor du abgeführt wirst: Bis zu dem allen hier war ich nicht wirklich bereit eine Therapie zu machen, aber jetzt … bevor ich so ende wie ihr beide, gehe ich tausend Mal lieber zum Irrenarzt. Ich schätze, du hast mir ein letztes Mal geholfen. Danke", meinte er zu ihm.
Typisch Johnny alles falsch zu verstehen. Ja, Kreese hatte ihm ein letztes Mal geholfen, aber nicht so wie Johnny dachte. Er hatte Johnny und alle anderen von Terry Silver befreit und von sich selbst ebenfalls. Weil ein guter Soldat manchmal bereit war das ultimative Opfer zu bringen um den Sieg zu erringen.
„Ich habe meinen Teil getan", meinte er zu Johnny und Daniel, „Jetzt müsst ihr euren tun. Cobra Kai gehört jetzt euch. Geht richtig damit um."
„Das werden wir", versicherte ihm Daniel, „Aber ich glaube nicht, dass dir gefallen wird was wir daraus machen."
Nun, das würde sich weisen. Terry dachte immer, dass er der Einzige war, der etwas von psychologischer Kriegsführung verstand, doch heute hatte John Kreese den Sieg davon getragen. Er hatte alles erreicht, was er hatte erreichen wollen, er hatte seinen Feind besiegt und sein Erbe gesichert. Er war zufrieden.
Sein Credo hatte ihn wieder einmal gerettet.
So wie es das immer tat.
A/N: Ja, ich weiß, dass es eigentlich Bag Full of Snakes heißt, aber ich bin nicht die erste die diesen Titel abändert, damit er besser passt.
Das war also Kreeses Plan, ironischerweise war er kathartisch für Terry und Daniel und sogar Johnny, was er so sicher nicht miteingeplant hatte.
Das nächste Kapitel wird das letzte hiervon sein.
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