Diese Geschichte wurde ursprünglich in englischer Sprache veröffentlicht und nach Rücksprache mit der Autorin von mir übersetzt, um sie einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Obwohl ich nur als Übersetzerin fungiere, sind Reviews natürlich trotzdem mehr als willkommen. Alexandra, die Autorin, schreibt unter dem Namen madame. alexandra und ist hauptsächlich hier auf fanfiction. net unterwegs.

Autorin: madame. alexandra

Originaltitel: Downtime

Ausfallzeit

Es schien, als würde die Reise nach Bespin aus wenig mehr bestehen, als darauf zu warten, dass etwas auf dem Falken kaputt ging, zu reparieren, was kaputt ging, und die dazwischen liegende Ausfallzeit mit belanglosen Streitereien und anderen sinnlosen Versuchen zu füllen, der lebensbedrohlichen Langeweile entgegenzuwirken, die mit einer ausgedehnten Weltraumreise ohne Hyperantrieb einherging.

Es war die Ausfallzeit, die Leia fürchtete; ihre Dynamik mit Han hatte bereits eine neue Dimension an Anspannung und Unsicherheit entwickelt, hervorgerufen durch den Kuss im Schaltraum; jetzt sah sie sich im Wesentlichen damit konfrontiert, wochenlang mit ihm zusammenzuleben – und bisher waren erst fünf Tage vergangen. Aufgrund einiger extrem explosiver Auseinandersetzungen, die sich daraus ergeben hatten, dass sie die Initiative ergriffen hatte – seiner Meinung nach fälschlicherweise – wenn es darum ging, etwas zu reparieren oder sauberzumachen, hatte sie sich damit abgefunden, sich hartnäckig zu weigern, einen Finger zu rühren, bis sie ausdrücklich darum gebeten wurde.

Was der Grund dafür war, warum sie Stunden nach dem Aufwachen für sie vollkommen uncharakteristisch immer noch im Bett lag. Da sie sonst nichts zu tun hatte, hatte sie auf einem von Hans alten Datapads ein Buch zum Lesen gefunden und sich träge in den Decken und Kissen eingerollt. Sie war nur wenig von dem Buch gefesselt, aber es gab ihr etwas zu tun, und ihr Verstand war ohnehin nur halb aufmerksam.

Die meisten ihrer Gedanken wurden von Han in Beschlag genommen, und davon, was Han dachte, was Han plante, was Han von ihr wollte, oder mit ihr, und was Han als nächstes tun würde –

– und gerade in dem Moment stürmte der Gegenstand ihrer Überlegungen in die – nun ja, um fair zu sein, seine – Kabine und begann sofort, in einer der Schubladen nach etwas zu stöbern.

„Hast du es bequem, Prinzessin?", fragte er gedehnt und warf ihr über seine Schulter hinweg einen Blick zu. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich den Tag erlebe, an dem du einfach den ganzen Morgen im Bett verbringst."

Er knallte die Schublade zu und fing an, sich stirnrunzelnd umzusehen. Leia betrachtete ihn einen Moment lang, drehte sich dann auf die Seite und drückte das Datapad an die Brust. Sie stützte den Kopf auf eine Hand auf.

„Brauchst du meine Hilfe?", erkundigte sie sich und verengte die Augen. „Ich könnte aufstehen und dein Schiff mit meinen nervtötenden weiblichen Ansichten belästigen, wenn du willst", bot sie knapp an und zitierte etwas, das er ihr zugerufen hatte, als er sie bei dem Versuch erwischt hatte, seine Sachen sauberzumachen.

Er machte eine Pause bei seiner Suche und schenkte ihr ein Grinsen.

„Bleib liegen, wenn ich es mir recht überlege", antwortete er und winkte galant mit der Hand. Er zwinkerte ihr zu. „Ich brauche eine gute Erinnerung von dir in meinem Bett."

Sie fühlte, wie sie errötete, sah aber nicht weg. Stattdessen setzte sie sich auf, legte die Beine übereinander und lehnte sich gegen das Kopfende der Koje. Sie schlief in dem dünnen, weißen T-Shirt, das die unterste Schicht ihres Schneeanzugs gebildet hatte und in ihrer von der Allianz zugewiesenen Unterwäsche – die Laken bedeckten ihre untere Hälfte. Er ließ seinen Blick einen Moment lang über sie gleiten – ihr Haar war offen, keine Zöpfe in Sicht – dann wandte er die Augen ab und räusperte sich leise. Sie sah zu, wie er eine weitere Schublade auf den Kopf stellte, rutschte herum und neigte den Kopf zur Seite.

„Wonach suchst du?", fragte sie.

Er zuckte die Achseln und antwortete nicht.

„Brauchst du mich bei irgendetwas?", erkundigte sie sich und schaffte es, sich ein wenig schuldig zu fühlen, weil sie hier herumlungerte.

„Nein", erwiderte er geradeheraus. „Es gibt nichts zu tun", murmelte er leise.

Er hatte keine Ahnung, was er auf einer langen Reise wie dieser mit sich selbst anfangen sollte, wenn es – für den Augenblick – nichts zu reparieren gab. Er hatte einen fehlerhaften Hyperantrieb und eine berüchtigte Prinzessin an Bord und die Kombination fühlte sich an wie eine tickende Zeitbombe.

Nach einem Moment seufzte er, drehte sich dann zu ihr um und rieb sich über den Kiefer.

„Hast du ein altes Datapad gesehen?"

Sie blinzelte ihn einen Moment lang an, dann bewegte sie die Arme und zeigte ihm das Datapad, das sie an ihre Brust gedrückt festgehalten hatte.

„Das hier?"

„Wo hast du das her?", forderte er.

„Aus dieser Schublade", meinte sie und deutete auf eine, die er gerade erst auseinandergenommen hatte. Sie zögerte. „Es sind nur Bücher darauf", bemerkte sie.

„Ja, ich weiß", stimmte er zu. „Es ist etwas zu tun", murmelte er und seine Augen wanderten vom Datapad zurück zu ihr.

Da erkannte sie, dass er danach suchte, weil er sich ebenfalls langweilte – und…lesen wollte? Irgendwie fiel es ihr schwer, sich vorzustellen, wie Han Solo etwas anderes als Reparaturhandbücher las, wenn er sich überhaupt daran hielt. Sie sah auf das Objekt in ihrer Hand herunter, lehnte sich etwas nach vorne und hielt es ihm hin.

„Hier", bot sie ihm an. „Ich habe meine Stelle markiert."

Er schüttelte den Kopf und zuckte die Achseln.

„Behalte es", murmelte er.

Sie runzelte die Stirn, plötzlich ziemlich verlegen, weil sie im Bett herumlag und nicht einmal aufgestanden war, um zu überprüfen, was möglicherweise repariert, inventarisiert oder untersucht werden musste. Sie legte den Kopf zurück, betrachtete ihn und presste dann die Lippen zusammen, bevor sie sprach:

„Han, sag mir, ob ich irgendetwas tun soll", bat sie. „Ich bin mir nicht zu schade dafür."

Er blinzelte ungläubig.

„Ich habe nicht angenommen, dass du dir zu schade dafür bist", erwiderte er mit einem kurzen Auflachen. „Lass mich eine Sache klarstellen, Prinzessin, wenn ich dich bei irgendetwas bräuchte, würde ich fragen – als ob du dir zu schade wärst", murmelte er kopfschüttelnd zu sich selbst. „Du machst dir die Hände schmutziger als die Hälfte der Soldaten in deinen Reihen."

Leia hob leicht die Brauen, zog ein Knie an und schlang die Arme darum. Sie schätzte seine Anerkennung; sie fühlte sich unerklärlich erleichtert, dass er sie nicht für eine verwöhnte Göre hielt – trotz der geschmacklosen, sarkastischen Titel, die er ihr verlieh.

Plötzlich streckte er die Hand aus und deutete energisch auf sie.

„Bleib im Bett", riet er ihr. „Es hat keinen Sinn, aufzustehen."

„Ich bin nur liegen geblieben, weil – "

„– weil du es kannst", beendete er ihren Satz achselzuckend. „Ich habe dir ja gesagt, es gibt nichts zu tun", wiederholte er – er hatte nur einen Scherz gemacht, als er sie geneckt hatte, weil sie länger schlief. Er war nur nicht daran gewöhnt, dass Leia nicht jede Sekunde ihres Tages bereits bei Sonnenaufgang akribisch durchgeplant hatte.

Er schenkte ihr ein Grinsen.

„Komm schon, Verehrteste, du hast dich seit Jahren nicht entspannt, genieß es einfach", ermutigte er sie und fuhr sich durch die Haare.

Sie legte den Kopf an das Kopfteil der Koje und sah ihn aufmerksam an. Er machte auf dem Absatz kehrt, wandte sich zum Gehen und schenkte ihr ein charmantes Grinsen.

„Wenn du willst, dass ich dir Gesellschaft leiste, musst du es nur sagen", bemerkte er anzüglich. „Es hat sich herausgestellt, dass ich ziemlich viel Zeit habe, dich in Erregung zu versetzen."

Leia schluckte schwer – würde die gesamte Reise so ablaufen?

„Was ist, wenn ich will, dass du mir Gesellschaft leistest?", fragte sie abrupt.

Han erstarrte im Gehen und drehte sich nach einem Augenblick wieder zu ihr um, seine Hände hingen reglos herab. Seine Augen verengten sich, als er sie ungläubig ansah und sie hob kühn das Kinn und hoffte, dass der unregelmäßige, panische Rhythmus, in dem ihr Herz schlug, sich nicht auf ihrem Gesicht abzeichnete.

„Was?", antwortete er schließlich.

„Komm zu mir ins Bett", entgegnete sie.

Sein üblicher großspuriger Gesichtsausdruck wollte zum Vorschein kommen, geriet jedoch ins Stocken.

„Komm schon, Leia", gab er zurück.

Sie hielt seinem Blick stand und sagte nichts. Sein Kiefer spannte sich an und er schien frustriert.

„Das meinst du nicht ernst", warf er ihr dreist vor.

Sie zögerte für den Bruchteil einer Sekunde, weil sie damit nur angefangen hatte, um ihn zu ärgern, ihn zu necken, wie er sie neckte, aber ein Teil von ihr erkannte, dass es unvermeidlich war und es keinen besseren Zeitpunkt gab, es zu testen.

„Doch, das tue ich."

Er stand da mit einer Mischung aus Verärgerung und Unsicherheit auf dem Gesicht und sie legte das Datapad zur Seite und lehnte sich ihm entgegen. Ihre Haare fielen ihr über die Schulter und als die Laken verrutschten, konnte er sehen, dass sie nichts als ihr Shirt und ihre Unterwäsche trug.

Er bewegte sich nicht und sie lächelte schwach.

„Erwischt", bemerkte sie leise.

„Bei was erwischt?", verlangte er zu wissen.

Sie leckte sich über die Lippen und schluckte schwer.

„Du hast genauso viel Angst davor wie ich."

Seine automatische Reaktion bestand darin, jede Art von Angst zu leugnen, aber als er den Mund öffnete, kam nichts dergleichen heraus. Er kaschierte seine Unfähigkeit, eine geistreiche Antwort darauf zu finden, damit, dass er so kühn wie möglich vorwärts schritt und sich auf den Rand der Koje setzte.

Mit ihr auf gleicher Augenhöhe, fing er sich wieder ein wenig und schaute ihr direkt ins Gesicht.

„Ich habe keine Angst vor dir, Prinzessin."

Sie lächelte ihn aufmerksam an.

Er bemerkte, dass er bis zu einem gewissen Grad ihre Worte aus dem Schaltraum wiederholte und grinste sie etwas verlegen an. Dann legte er sich neben sie und stützte den Kopf auf die Handfläche auf.

„Tja, hier bin ich", betonte er dramatisch. „Mit dir im Bett."

Sie streckte die Hand aus, um sein Gesicht zu berühren, ihre Finger strichen leicht über seinen Kiefer, hinauf bis zu seiner Schläfe und dann durch seine Haare. Er schaute sie wortlos und extrem nervös an und fragte sich, was sie tun würde. Sie rutschte näher an ihn heran, beugte sich zu ihm und drückte ihre Lippen auf seine. Trotz des schrecklichen Winkels fiel es ihm schwer, sie nicht zu packen und nie wieder gehenzulassen. Von seiner Position aus war die einzige Stelle, die sein Arm erreichen konnte, ihr Bein – dort platzierte er ihn auch, bevor er ihn gegen ihren Bauch drückte und es wagte, seine Hand unter ihr Shirt gleiten zu lassen.

Sie zuckte unter seiner Berührung zusammen, unterbrach den Kuss und zog scharf die Luft ein.

Er sah auf, um ihr Gesicht zu studieren, und was er fand, war nicht die Angst vor etwas Körperlichem, sondern die Angst vor dem Emotionalen, die Angst, verletzt zu werden; genau die Angst, die sie ihm nur wenige Momente zuvor unterstellt hatte – wenn auch nur, weil sie beide instinktiv wussten, dass das hier niemals nur eine bloße Affäre sein würde.

„Han", begann sie zittrig.

Die Tür der Kabine flog auf und Han schaute ungläubig hinüber – verdrossen schwor er sich, wenn es wieder dieser verdammte, pingelige Droide war, der sie unterbrach, dass er ihn, ohne zweimal darüber nachzudenken, in den Weltraum schießen würde – aber er war es nicht, es war –

„Chewie", knurrte er gefährlich.

Chewbacca murrte etwas und schien dann zu bemerken, dass Leia und Han sich in derselben Koje befanden, Leia in einem ungewöhnlich zerzausten Zustand, Han mit dem Arm um ihre Taille. Der Wookiee hielt inne und legte den Kopf schief.

[Naja, du hast gesagt, du würdest dir eine Beschäftigung suchen. Ich wusste nicht, dass du sie damit meinst.]

Han presste die Zähne aufeinander.

„Raus."

[So sieht es also aus?], brummte Chewbacca und ließ seinen Blick beschützend auf Leia ruhen. [Es wurde verdammt noch mal Zeit], knurrte er und fügte im Gehen leise hinzu: [Idioten.]

„Was hat er gesagt?", fragte Leia leise.

„Ahhh", begann Han. Er ging diplomatisch vor. „Er meinte, wir sollen uns gut amüsieren."

Leia errötete und schüttelte den Kopf. Han drehte sich um, setzte sich neben sie und lehnte sich ebenfalls gegen das Kopfteil der Koje. Er legte einen Arm um ihre Taille, seufzte schwer und sah auf sie hinunter. Vielleicht hatte er Angst vor ihr. Er redete viel, aber wenn es darauf ankam, die Grenze zu überschreiten, zögerte er. Er wusste, dass sie viel durchgemacht hatte und er wollte es nicht vermasseln; er wollte nicht als eines der Dinge enden, die sie durchgemacht hatte.

Er war überrascht, als sie den Kopf auf seine Schulter legte, ihren Arm durch seinen schob, ihre Finger mit seinen verschränkte und seine Hand drückte.

„Es wird passieren, Han", stellte sie leise fest. „Wir."

Er hob seine Augenbrauen. Sie nahm einen tiefen Atemzug.

„Ich will, dass es passiert", versicherte sie ihm. „Aber ich – kann nicht einfach mit dir ins Bett gehen. Ich – ich habe mich gerade erst damit konfrontiert, was ich fühle und ich brauche Zeit, um…es sich setzen zu lassen."

Er dachte einen Moment lang darüber nach und nickte. Leias Widerstand war legendär und so anders als der völlige Mangel an Zurückhaltung, den er auf Hoth an den Tag gelegt hatte. Er nickte erneut und grinste sie an.

„Es ist ein langer Weg nach Bespin."

Sie lehnte sich schwer gegen ihn, drückte ihr Gesicht in seine Schulter, schloss die Augen und dachte, wenn die Dinge sich weiterhin so entwickelten, konnte sie der Ausfallzeit mit ein bisschen weniger Furcht entgegensehen.


Referenzen (Das Imperium schlägt zurück): „Captain, von Ihnen im Arm gehalten zu werden, versetzt mich nicht gerade in Erregung!" „Oh, tut mir leid, Schätzchen. Leider haben wir keine Zeit für weitere Dinge." / „Hören Sie auf damit, meine Hände sind schmutzig." „Meine sind es auch. Wovor haben Sie eigentlich solche Angst?" „Ich habe keine Angst."