AN: Hey, hier kommt also das zweite Kapitel. Wieder mal ein großes Dankeschön an meine Schwester und meine Beta sessely!

Kapitel 2 - "Gute Mädchen sagen ,Ich liebe dich''"

Oder

„Wie ein rollender Stein"

Manchmal dachte sie, dass, wenn sie vom Astronomieturm schreiten würde, sie einfach entschweben würde.

Er konnte sich nicht an das letzte Mal erinnern, als er geschaut hatte, bevor er einen Sprung wagte machte.

Sie glaubte an Gott.

Er rauchte zu viel.

Sie bekam ihren ersten Kuss in einem sonnengetränktem Garten im Alter von fünfzehn.

Er verlor seine Jungfräulichkeit an ein Mädchen namens Sarah im Alter von fünfzehn.

Sie wollte schreiben.

Er wollte Quidditch spielen.

Sie dachte, dass sie sei verliebt und mochte diese Tatsache nicht.

Er wusste, dass er verliebt war und hasste es regelrecht.

Sie lächelte und lachte viel.

Er auch.

Sie war dramatisch.

Er war dynamisch.

Sie war präzise.

Er war impulsiv.

Sie zeichnete sich aus in Diplomatie.

Er zeichnete sich aus in Diplomatie, aber griff oft darauf zurück, stattdessen Schläge zu verteilen.

Sie musste in sieben Jahren siebenmal nachsitzen.

Er saß vierundsiebzig mal nach.

Sie dachte, dass er total durchgeknallt war.

Er dachte, dass sie absolut irre war.

Wie auch immer dies enden wird, es ist vor allem und zu aller erst eine Liebesgeschichte. Es ist die Geschichte, wie ein Junge und ein Mädchen dazu kamen, sich ineinander zu verlieben - und es dann zu merken. Du siehst, es ist wahrscheinlich das eben dieses Verlieben das Wichtigste war, das sie je erreichen würden und sie erreichten eine Reihe von ziemlich wichtigen Dingen. Er war James und sie war Lily und eines Tages verband sie ein Kuss, aber davor verbanden sie viele Diskussionen, da er arrogant und sie lieblich war und Herzensangelegenheiten Zeit brauchen.

Es begann - würde er später spekulieren, als er auf das Ende eines Zauberstab starrte, dass ihn mit Leichtigkeit töten konnte - mit einem Kinnhaken. Eine einfache Bewegung seines Armes, als seine Faust Kontakt mit Nicolai Mulciber's Kiefer machte, die den Letzteren zu Boden warf und ziemlich viel Wirbel verursachte.

Es begann - würde sie später spekulieren, als sie auf der Türschwelle eines Raumes stand, sich wundernd, ob das jemals funktionieren könnte - mit einem Kuss: die einfache Bewegung, auf ihren Zehen zu stehen und Luke Harper auf dem Bahnhofsgleis in Hogsmeade zu umarmen.

Ob jetzt er oder sie wirklich Recht hatte, ist für uns nicht wichtig, aber auf jeden Fall stimmten beide zu, dass „es" am 1. September 1975 begann: dem ersten Tag ihres sechsten Jahres auf der Hogwarts - Schule für Hexerei und Zauberei. Und, einfach für die Chronologie, beginnt diese Geschichte mit dem Ereignis, das sie für den Beginn von allem hielt. Sie stand auf dem Bahnsteig um genau sieben Uhr dreißig abends, am 1. September, während sie ihren Freund, den sie seit zwei Monaten hatte, zum ersten Mal in zwei Tagen sah und sie küssten sich.

(Ich liebe dich)

Luke Harpers Lippen waren warm. Er war weich, unaufdringlich und vorsichtig, bewegte sich langsam und passte sich ihr an. Da war keine Musik, aber der Kuss schien der romantischen Art anzugehören. Das war vorteilhaft - dachte sie - da ihr Charakter eindeutig romantisch war. Sie schaute Schwarzweißfilme und mochte wie Schnee in ihren Haaren aussah, verdammt noch mal, natürlich war Romantik eine gute Sache. Natürlich wollte sie… warum zur Hölle waren ihre Gedanken so am Wandern? Sie sollte doch mit ihrem Freund rumzumachen, nicht… Guter Gott.

Sie lösten sich voneinander und er lächelte sein schönes, klassisches Gleichmäßige-Zähne-Lächeln. Es war sehr wahrscheinlich sein bester Zug, und es machte die folgenden ungefähr fünfzehn Sekunden Stille zwischen ihnen ziemlich nett. Lily Evans hatte die meiste Zeit ihres Sommers mit Luke Harper verbracht, sodass ein Kuss auf dem Bahnhofsgleis wohl nicht so eine dramatische Geste war, als sie es hätte sein können, aber sie waren für die letzten zwei Tage getrennt gewesen, also war da ein gewisses Gefühl von lang erwarteter Wiedervereinigung.

Der Himmel hatte begonnen sich zu verdunkeln und die Laternen der Hogsmeade-Station waren angezündet worden, als der Hogwarts-Express zehn Minuten früher in die Station eingefahren war, jetzt waren fast alle der ungefähr zweihundertfünfzig Zugpassagiere ausgestiegen und bereit, zu dem Schloss der Hogwarts - Schule für Hexerei und Zauberei loszufahren. Das schwache Mondlicht erhellte gerade nur den langen Pfad zu den geöffneten Schultoren. Hogwarts Erstklässler waren vom Wildhüter, Hagrid, zu den Booten, die sie über den See zu dem Pfad transportieren würden, geführt worden, während die älteren Schüler zu den pferdelosen Kutschen gingen, die den alternativen Pfad durch das Dorf Hogsmead nahmen.

In der schlechten Beleuchtung sah Luke nicht am besten aus, aber das bedeutete nicht, dass er nicht absolut attraktiv war - mit seinem weichen, braunen Haar, liebevollen, braunen Augen und natürlich, dem Lächeln. Auch wenn sich Lily über Luke ärgerte - eine seltene Gelegenheit überhaupt - dieses Lächeln ließ ihr Herz einen Hüpfer machen. Jetzt, als ihre Hände auf seiner Brust ruhten - eine Hand zärtlich spielend mit seiner perfekt glatten, silberblauen Krawatte seiner Schuluniform - realisierte sie, dass die letzten zwei Monate (die Dauer ihrer Beziehung zu Luke) wirklich ziemlich nett gewesen waren.

Luke war eine gute Art von Typ, er beschäftigte sich nicht viel mit Politik oder ernsten Dingen, aber er war romantisch und stand für alles, was der siebzehnjährige Freund eines sechszehnjährigen Mädchens sein sollte. Er lebte in Hogsmeade, weil seine Familie dort ein Geschäft besaß, weshalb er auch nicht mit dem Hogwarts-Express fuhr wie alle anderen Schüler, trotzdem hatte er Lily auf dem Gleis getroffen, was eine nette Geste war… irgendwie wie etwas aus einem Schwarzweißfilm, dachte Lily.

Wie auch immer, in einem Moment wurden Lilys glückliche Erinnerungen an den Sommer komplett zerbrochen.

"Ich liebe dich, sagte Luke.

Wie sein Kuss, war sein Ton sanft und vorsichtig, obwohl die Geste, seine Liebe nach nur zwei Monaten zu gestehen, alles außer vorsichtig war. Die Zeit stand still, während der Äußerung dieser drei Worte, und Lilys Herz schlug sehr schnell… auf keine gute Art. Sie wog ihre Möglichkeiten ab.

Er liebte sie. Er liebte sie. Liebe war riesig. Liebe war episch. Liebe war… Sicher, sie mochte Luke sehr. Sie mochte die Art, wie seine Hände auf ihren Hüften ruhten, wenn sie sich küssten und dass er es schaffte, eine einigermaßen überzeugende Show von Begeisterung darzubieten, wenn sie ihre Led Zeppelin Platten hörten. Sie mochte es, dass er vor ihrer Mutter lächerlich zurückhaltend gewesen war, und dass er sie nicht ein einziges Mal über ihre Freundschaft mit Snape gefragt hatte. Sie mochte sein Lächeln und dass er nicht dauernd wissen wollte, was sie dachte. Sie mochte, dass es ihn nicht störte, die Dinge langsam anzugehen und dass er diese lächerlich romantischen Sachen sagte, genau wie der Held eines mittelalterlichen Gedichts.

Ich mag Luke, dachte sie.

Ich liebe jemand anderen.

Und das gab den Ausschlag.

„Ich kann das nicht zurück sagen" murmelte Lily nach, was sich für sie nach einer Ewigkeit anfühlte, aber in Wirklichkeit nur ein paar Sekunden waren. Trotzdem war die Verwirrung in Lilys Augen Indiz genug für Luke gewesen um zu wissen, was ihre Antwort nicht sein würde. Er nickte niedergeschlagen. "Luke, hör mir zu, es ist nicht so, dass ich nicht - dass ich dich nicht mag, denn das tue ich. " Das Gleis lehrte sich mehr und mehr, als die anderen Schüler die Kutschen bestiegen. Lily spielte nicht mal mit der Idee, Luke den wahren Grund zu sagen, weshalb sie diese drei verdammten Worte nicht zu ihm sagen konnte… er würde es nicht verstehen.

"Ich meine," fuhr sie nervös fort, "Du verstehst, wie ich bin. Ich habe sehr spezifische Vorstellungen von Liebe und all dem. Und ich könnte es theoretisch zurück sagen, aber - aber es würde nicht genug für mich bedeuten. Ich kann es einfach nicht sagen, außer wenn ich es wahrlich, absolut, ungebrochen meine. Wir sind erst seit zwei Monaten zusammen. "

"Zehn Wochen,", korrigierte Luke.

"Aber wenn du das so sagst, hört es sich nur kürzer an", merkte Lily an und runzelte die Stirn. Er nickte abwesend. Und sie seufzte: „Bist du sauer?"

"Nein." Die Antwort kam direkt und ohne Zögern, mit erkennbarer Ehrlichkeit und dem Wunsch, sie davon zu überzeugen. "Nein, ich bin nicht wütend. Und ich verstehe - du bist… du bist ein Jahr jünger als ich und es könnte schwieriger für dich sein, diese Art von Bindung einzugehen..."

Lily dachte, diese Idee enthielt mehr Herablassung als ein Altersunterschied von nur einem Jahr erlaubte, aber widersprach nicht, denn es ersparte ihr eine Diskussion. Wie auch immer, er war im moralischen Recht hier, sie hätte in der Lage sein sollen "Ich liebe dich auch" sagen zu können.

Sie bewegte ihre Hände von seiner Brust weg und zwischen den beiden Jugendlichen entstand eine Lücke. "Wir sollten besser eine Kutsche nehmen.", sagte Luke, seine Enttäuschung schnell abstreifend. Lily ergänzte dies in ihrem Geist zu der Vielzahl von bewundernswerten Eigenschaften, die dieser Junge besaß: er war nicht nachtragend.

Severus ist nachtragend, dachte sie.

Das war eine Tatsache. Gerade, in genau diesem Moment, beobachtete Severus Snape die sich entfaltende Szene von seiner nicht weit entfernten Kutsche aus und war nachtragend. Lily ging immer noch mit Luke Harper aus, schien es, und da er keine Möglichkeit hatte, den Inhalt der Konversation zu erfahren, fühlte der junge Slytherin - bleich, unattraktiv und in jeder Art das Gegenteil von Luke Harper, Verrat in ihm kochen. Dann begann seine Kutsche zu fahren und er drehte hastig seinen Blick weg, sodass die anderen Slytherins im Wagen nicht bemerken würden, wohin er geschaut hatte.

"Es tut mir leid", wiederholte Lily, als das Paar ihren Weg zu den vier verbliebenden Kutschen machte.

"Denk nicht darüber nach", befahl Luke liebevoll. "Das hat jetzt keine Konsequenzen, ich wollte dir nur sagen, wie ich fühle."

Lilly nickte, ergänzte dann mit ein wenig Zurückhaltung: "Danke." Er lächelte, küsste sie auf die Stirn - was er ziemlich oft tat - und das Paar bestieg eine Kutsche. Er schien es wirklich vergessen zu haben, aber Lily blieb fixiert.

Die Kutsche war sonst leer, als sie sich setzten. "Ich hoffe, es kommt sonst keiner rein,", begann Luke zu sagen, aber die Worte hatten kaum seinen Mund verlassen, bevor jemand anderes seinen Kopf durch die offenen Kutsche streckte. Er war gutaussehend, hatte schwarze Haare und grau-blaue Augen.

"Oh, hallo, Lily,", sagte der Junge. „Hallo,... andere Person." Er schaute zu Luke, als ob der Ravenclaw eigentlich kein Zweck hatte, hier zu sein.

„Das ist Luke, Sirius," erzählte Lily dem Neuankömmling. „Luke Harper... er ist in Ravenclaw."

„Schade für ihn," bemerkte der Junge namens Sirius. Er bezog seine gesamte Konversation auf Lily: „Hast du James gesehen?"

"Nein…"

"Bist du dir sicher? Er ist verschwunden, seit wir aus dem Zug ausgestiegen sind."

"Ich bin mir sicher."

"Was ist mit dir, Lucas?"

"Mein Name ist Luke."

"Ich weiß. Hast du James Potter gesehen?"

"Nein."

"Ok, dann. Habt eine liebliche Kutschfahrt. Bleibt anständig."

"Sirius, geh", befahl Lily.

Sirius zwinkerte ihr zu. "Tschüss, Lily. Tschüss… andere Person."

Einen Moment später war er gegangen und Luke schüttelte seinen Kopf. "Was ist eigentlich los mit ihm? Er ist so…" Luke hatte allerdings nicht die Möglichkeit, seinen Gedanken zu beenden, als ein großes, blondes Mädchen in die Kabine hereinplatzte und sich setzte. Lily zog überrascht ihre Augenbrauen hoch.

"Hallo Mar, ich dachte, du wärst schon hoch zum Schloss mit Miles."

"Miles Stimpson," begann Marlene Price mit Feuer in ihren blauen Augen, "ist der größte, unerträglichste Idiot, den ich je getroffen habe."

"Du gehst jetzt schon seit fast zwei Jahren mit ihm", erinnerte Lily Marlene.

"Er ist ein Schwein.", stellte die Blonde fest. "Er und sein ganzes blödes, böses, nervendes Ravenclaw-Haus." Als ob sie Luke zum ersten Mal bemerken würde, ergänzte Marlene: "Nichts gegen dich, Harper."

"Kein Problem.", antwortete Luke.

"Was ist passiert?", fragte Lily vorsichtig.

"Er ist ein Arschloch!" , kreischte Marlene beinahe. "Er hat mich für die meiste Zeit der Zugfahrt versetzt, wie du genau weißt, Lily, weil du bei mir warst, und dann, als wir aus dem Zug aussteigen, bittet er mich auf dem Gleis auf ihn zu warten, weil er noch zurück zu seinem Abteil rennen müsse um was zu holen. Also wartete ich und dann, nicht mal zwei Minuten später sehe ich ihn, wie er mit dieser Schlampe Alexa Kyle in eine Kutsche einsteigt."

"Ist Alexa Kyle eine Schlampe?", fragte Lily skeptisch.

„Ich weiß nicht," gab Marlene zu. „Aber wahrscheinlich. Und weißt du, was er noch getan hat? Er…"

Bevor sie die Chance hatte, mir über Miles Stimpsons weitere Fehltritte als miserabler Freund zu hören, stieß ein vierter Reisender dazu. Die Tür schloss sich magisch und beinahe im selben Moment fuhr die Kutsche - die Vier-Personen-Quote erfüllt - los in Richtung Schloss.

"Donna", bemerkte Lilly überrascht. Eine große, athletisch gebaute dunkelhäutige Hexe mit lockigen, schwarzen Haaren und bernsteinfarbenen Augen ließ sich in den Sitz gegenüber Luke fallen. "Ich dachte, ich hätte gesehen, wie du mit Mary in eine Kutsche gestiegen bist."

"Ich bin überrascht, dass du überhaupt etwas gesehen hast,", antwortete das Mädchen, das mit Donna angesprochen wurde, „ so wie du mit diesem Ekel Speichel ausgetauscht hast." Sie riss ihren Kopf in Richtung Luke. Lily legte eine beruhigende Hand auf dem Arm ihres Freundes.

"Donna Shacklebolt", sagte die Rothaarige ernst, "was habe ich dir über dein Bitch-Verhalten in der Nähe von Leuten, die nicht verstehen, dass du immer so bist, gesagt?"

Donna blickte finster. "Gut. Es tut mir leid, Harper.", entschuldigte sie sich, ohne so zu klingen, als ob es ihr leid tue. "Ich bin nicht wirklich wütend auf dich, eigentlich. Ich hasse einfach nur alle Typen."

"Ich auch!" rief Marlene auf einmal.

"Etwas, bei dem ihr einer Meinung seid", freute sich Lily überrascht. „Vielleicht ist das die gute Seite davon, dass Marlene ein Idiot datet und Donna jeden hasst."

"Ich hasse nicht jeden.", widersprach Donna, aber ihre Aussage traf auf zweifelnde Blicke von allen drei ihrer Begleiter. "Tu ich nicht."

"Du hasst die meisten Leute", sagte Marlene ihr und als Donna ihren Mund öffnete, um zu protestieren, beharrte die Blonde: "Wie viel Prozent der Leute gerade jetzt in dieser Kutsche hasst du nicht?"

Donna schaute sich um. „Fünfundzwanzig Prozent, aber das ist eine blöde Frage. Offensichtlich hasse ich mich, offensichtlich hasse ich Harper, weil der ein Typ ist, und offensichtlich hasse ich dich, Marlene, weil du psychotisch und emotional bist."

"Was für ein Schätzchen", bemerkte Marlene trocken. "Also hasst du Männer, die fünfzig Prozent der Bevölkerung darstellen und du hasst emotionale Leute. Donna, gib's zu, du hasst die meisten Leute. Genau genommen hast du jeden, außer Lily und vielleicht deine zehn Jahre alte Schwester."

"Halt's Maul, Price." Marlene verschränkte ihre Arme mit einem wissenden Ausdruck auf ihrem hübschen Gesicht. Donna rollte ihre Augen. "Neues Thema", verlangte sie.

"Einverstanden", stimmte Lily zu. Sie schaute aus dem Fenster und sah die Spitzen der Schlosstürme gerade über den Hügeln herausschauen. „Schaut", sagte sie, "wir haben bald den ersten Blick auf Hogwarts." Und ein paar Minuten später erschien das Schloss glimmernd blau im Mondlicht, genau so majestätisch, wie Lily es sich gemerkt hatte. Hogwarts war vielleicht das einzige auf der Welt, das nie scheiterte, Lily's romantische Erwartungen zu erfüllen. Sie erzählte das den anderen und während Luke verliebt seiner hübschen rothaarigen Freundin zulächelte, tauschten Lily's zwei Freundinnen Blicke aus.

"Was?", fragte Lily, die diese bemerkt hatte.

"Sommer-Lily ist weg, "seufzte Marlene, und imitierte nostalgische Trauer. "Hogwarts-Lily ist zurück. Ich mag Hogwarts-Lily sehr, natürlich, aber es ist immer traurig, Sommer-Lily fortgehen zu sehen."

"Sommer-Lily?" wiederholte Luke." Gibt es etwa mehr als eine Art Lily?"

"Es gibt mehr als sechzig Arten Lily.", sagte Donna ihm, als ob er sehr blöd wäre, das nicht schon zu wissen.

"Sommer-Lily", verkündete Marlene, "bleibt länger draußen, um Glühwürmchen zu sehen. Hogwarts-Lily ist melancholisch."

"Früher hatten wir Sommer-Lily das ganze Jahr über", fuhr Donna fort. "Wir mussten uns Percy Byshe Shelley Zitate in der Mitte vom Unterricht und Beobachtungen der besonderen Schönheit von Kerzenlicht während Zaubertränke anhören. Aber dann…" hier zögerte Donna für einen Bruchteil der Sekunde und fuhr dann fort, "...dann wurde kleine Lily erwachsen, und wir müssen Sommer-Lily nur noch am Ende vom Schuljahr und über die Sommerferien ertragen."

Luke legte einen Arm über Lily's Schultern, während er die Pause in Donna's Erklärung und den dankbaren Blick, den seine Freundin ihr bei ihrem direkten Fortführen sendete, übersah. "Und werde ich Hogwarts-Lily mögen?" fragte er.

"Jeder mag jede Art von Lily.", sagte Marlene ihm in einer verteidigenden Art. Sie schaute über ihre Schulter aus dem Fenster. "Wir werden bald am Schloss sein." Und das waren sie.

(Er hat gesagt)

"Er hat gesagt, ,ich liebe dich'?" wiederholte Donna ungläubig. Ausgestiegen aus den pferdelosen Kutschen, begannen die Mädchen - und die meisten der anderen Hogwartsschüler - den kurzen Gang zu den Schlosstoren. Luke hatte sich verabschiedet, um sich mit seinen Ravenclaw-Freunden zu treffen, mit denen er zusammen essen würde, und Lily hatte gerade mit ihrem Bericht über die peinlichen Neuigkeiten geendet.

"Einfach so? Nach zwei Monaten einer Sommerferienbeziehung? Weiß er nicht, dass diese Dinge nie lang dauern?"

"Ich hatte Miles für mehr als ein Jahr gedatet, bevor er, ich liebe dich' gesagt hat", bemerkte Marlene bitter, "und ich bin mir ziemlich sicher, dass er es nur gesagt hat, um mich von der Tatsache abzulenken, dass er Briefe mit Sandy Pitterton schrieb."

"Erstens", sagte Donna, "Marlene, dein Freund ist ein Arsch, wir wissen das, du weißt das, mittlerweile ist es allen egal. Zweitens, was zur Hölle hast du zu Luke gesagt? Er schien nicht wütend… du hast es nicht zurück gesagt, oder?"

"Natürlich hat sie's nicht," schnappte Marlene. "Lily würde nicht über so etwas lügen… oder?"

"Nein, natürlich nicht," seufzte Lily. "Ich habe ihm einfach nur gesagt, dass ich es nicht zurücksagen könne, das ist alles. Ich habe gesagt, dass ich so etwas nur sagen könnte, wenn ich es absolut meine."

„Und er hat mit dir nicht direkt Schluss gemacht?" wunderte sich Marlene. Lily schüttelte ihren Kopf. „Manche Mädchen haben alles Glück."

„Wie wer?", fragte eine neue Stimme, die sich zu der Gruppe gesellte. Eine winzige Brünette mit großen goldenen Creolenohrringen und ziemlich viel Augenmakeup war neben Marlene aufgetaucht. Die Blonde legte einen Arm über die Schultern der Neuangekommenen.

„Hi Mary", sagte Lily, „Sie waren gerade dabei darüber zu reden, wie..."

„Wie Luke Harper ein Idiot ist und ,Ich liebe dich' zu Lily gesagt hat."

„Nach nur zwei Monaten einer Sommer-Romanze?" fragte das Mädchen namens Mary ungläubig. „Das ist lustig!" Dann, sehr ernst: „Du hast doch nicht gelogen und es zurückgesagt, oder?"

„Sie hat ihm gesagt, dass sie noch nicht so weit sei," sagte Donna.

„Und er hat nicht auf der Stelle Schluss gemacht?"

„Nein," erzählte Marlene ihr. „Eigentlich war er durch und durch froh mit ihr."

„Manche Mädchen haben wirklich all das Glück," stimmte Mary zu.

„Wo warst du eigentlich?", fragte Lily. „Während der Kutschfahrt, meine ich..."

„Du meinst, nachdem ihr hier mich sitzengelassen habt?", fragte Mary provozierend. „Nein, entschuldigt euch nicht... Ich hatte eine Kutsche voll mit Jungs, was sowieso besser war, als ihr drei. Adam McKinnon saß neben mir und mein Gott, ist er diesen Sommer erwachsen geworden? Er muss über eins achtzig sein..."

„Mary, es ist dir verboten mit Adam McKinnon zu schlafen," befahl Marlene streng. „Er ist einer meiner besten Freunde und alle deine Beziehungen enden in... na ja, normalerweise enden sie im Arsch."

„Sehr lustig", sagte Mary sarkastisch. „Ja, ich bin mir sicher, dass deine Freundschaft mit Adam der Grund ist, warum du nicht willst, dass ich mit ihm schlafe..."

„Was soll das jetzt bitte...?"

„Hat irgendjemand James gesehen?"

Die erschöpfte und atemlose Gestalt von Peter Pettigrew unterbrach sie, als er den Kamm des Hanges erreichte und sich den Mädchen näherte. „Er ist hier irgendwo in der Gegend, also James, aber scheinbar kann ihn keiner finden."

„Ich habe ihn nicht gesehen," sagte Donna und Marlene stimmte ihr zu.

„Weißt du, ich dachte, ich hätte ihn in eine der ersten Kutschen einsteigen sehen," überlegte Mary unsicher. „Ich bin mir nicht sicher, aber es kommt mir so vor, als ob."

Peter dankte ihnen und eilte davon.

„Warum ist er so nervös?" fragte sich Lily.

Aber kaum einer beachtete die letzte Bemerkung, da sie in diesem Moment das Schloss betraten. Durch die hohen, hölzernen Tore kam die Prozession der Schüler in die Eingangshalle - groß und schwach beleuchtet, mit der großen Marmortreppe auf der linken Seite und hohen Türen zur Großen Halle am anderen Ende des großen Raumes. Diese Türen waren seltsamerweise geschlossen und einen Moment später wurde klar, warum.

Professor McGonagall, die ernst und imposante Verwandlungslehrerin, schien aus dem Nichts zu erscheinen und bat um Ruhe, als die Schüler sich in der Eingangshalle sammelten.

„Es scheint," sagte Professor McGonagall, während ihr dünner Mund sich zu einer unzufriedenen Linie formte, „dass Peeves, der Poltergeist, ein Chaos in der Großen Halle als Vergeltungsschlag gegen Mr. Filch veranstaltet hat. Das Schlimmste wurde bereits beseitigt, aber ich fordere sie alle auf, noch ein paar Minuten zu warten, während Mr. Filch und Professor Dawton ihre Arbeit beenden."

Peeves, der Poltergeist - nur einer der vielen Hogwarts-Geister - war so weit es Lily betraf, eine Nervensäge, aber er besaß sicherlich eine Gemeinsamkeit mit den Schülern von Hogwarts: eine leidenschaftliche Abneigung gegen Filch, den Hausmeister der Schule. Ein paar der andere Jugendliche in der großen Gruppe kicherten anerkennend über Peeves' Unsinn, während der ein oder andere Vertrauensschüler etwas über des Geistes „intolerables Fehlen von Respekt vor Autorität" murmelten. Lily störte sich nicht daran, ein paar Minuten bis zu dem Beginn der Festivitäten (und zwar die Hauseinteilung und das Willkommensfest) zu warten, wenn es auf Kosten Filch's war.

Sie hörte mit leichtem Interesse zu, als Marlene und Mary sich gegenseitig auf den neusten Stand in Sachen Klatsch und Tratsch brachten, als ein Tippen auf ihrer Schulter sie unterbrach. Remus Lupin - bester Freund von Sirius Black, Peter Pettigrew und James Potter, ebenso Lily's Partner als Gryffindor-Vertrauensschüler - stand an ihrer Seite mit einem gereizten Ausdruck auf seinem dünnen, blassen Gesicht.

„Lily, hast du...?"

„Potter gesehen?" beendete Lily für ihn. Er nickte hoffnungsvoll, aber sie schüttelte ihren Kopf. „Hab ich nicht, fürchte ich, aber wenn du daran interessiert bist, Sirius Black oder Peter Pettigrew zu finden, könnte ich dir vielleicht helfen."

„Nein, die habe ich gefunden," murrte Remus, „ jetzt sind wir hinter James her. Na ja, trotzdem danke..."

„Gar kein Problem," sagte Lily, sie mochte Remus. „Bis später." Er begann zu gehen und Lily richtete ihre Konzentration wieder auf ihre Freundinnen, bis sie wieder durch ein Tippen auf ihre Schulter abgelenkt wurde. „Ich habe ihn immer noch nicht gesehen, Re..." Dieses Mal war es nicht Remus Lupin. „Sev," bemerkte Lily überrascht. Severus Snape stand jetzt direkt hinter ihr. Lily versuchte sich an das letzte Mal zu erinnern, dass er so angespannt war mit ihr zu reden und schätzte es auf ihr allererstes Treffen, vor mehr als sieben Jahren.

„Hi, Lily", begann Severus in seinem am wenigsten entspannten Ton, „Ich hatte gehofft, wir könnten kurz reden."

Lily schaute sich in der Halle um, auf der Suche nach Severus' Slytherin Freunden. schließlich machte sie sie in einer ziemlich weit entfernten Ecke und etwa hundert Schüler weiter ausfindig, offensichtlich unwissend, dass sich Severus nicht mehr unter ihnen befand. „Ich sehe", sagte Lily bitter zu dem Slytherin, „dass es ziemlich sicher ist, jetzt mit mir zu reden. Du bist in keiner Gefahr von Mulciber und Avery in einer Unterhaltung mit einer Muggelstämmigen erwischt zu werden." Sie begann sich umzudrehen.

„So ist das nicht!" protestierte Severus und sie zögerte. Mary, Marlene und Donna hatten ihre Gespräche eingestellt um zuzuschauen.

„Wie ist es dann?" verlangte sie zu wissen. Als er keine Antwort hatte, fuhr Lily fort: „Severus, ich dachte, wir hätten Ende des letzten Schuljahrs engütlig geklärt, dass wir so nicht weiter machen. Es ist zu schwierig für uns beide."

„Lily..." Severus warf einen vorsichtigen Blick zu ihren drei Freundinnen. „Können wir nicht woanders über das reden?"

„Warum? Meine Freunde haben kein Problem damit, dass ich mit dir spreche."

„Donna begann zu widersprechen, aber Marlene trat ihr auf den Fuß.

„Lily," seufzte Severus niedergeschlagen. „Wann wirst du mir vergeben?"

„Ich habe dir vergeben, Sev." zischte die Gryffindor. „Ich denke einfach nicht, dass wir noch Freunde sein können."

„Aber ich meinte doch nicht..."

„Ja, du hast es gemeint, und es nützt nichts, das noch weiter zu diskutieren. Wir bleiben immer nur dabei hängen, das Ganze wieder und wieder zu durchzugehen, bis wir beide zu wütend sind um vernünftig miteinander zu reden."

„Wir waren sieben Jahre lang Freunde ..." sagte Severus halblaut (andererseits sprach er immer so leise). „Das kann doch nicht nur wegen eines kleinen Ausrutschers über Nacht verschwinden."

„Es war aber ein sehr bedeutender Ausrutscher." antwortete Lily sanft. „Sev, geh bitte einfach."

Nein." Dickköpfig. „Nicht bis du mir sagst, dass wir wieder Freunde sein können. Du hast keine einzige meiner Eulen diesen Sommer beantwortet und bist nach dem Vertrauensschülertreffen heute morgen schon fast vor mir weg gesprintet."

Lily konnte nicht anders, als ein wenig beeindruckt zu sein. Severus war nie so laut über persönliche Dinge vor anderen, noch wenigen vor ihren Freunden. Tatsächlich, in sieben Jahren Freundschaft konnte sich Lily an kein einziges Mal erinnern, bei dem er in der Öffentlichkeit zugab mit ihr befreundet zu sein. Vielleicht war seine Entschuldigung ehrlich...

Sie gebat ihren Gefühlen sofort Einhalt. Es war egal, ob es ihm jetzt leid tat... es war zu schwierig mit ihm befreundet zu sein. Es war zu schwer, sich selbst herzugeben, während alles, was er tat, nur die Lücke zwischen ihnen zu vergrößern schien.

„Bitte geh, Sev," wiederholte Lily. Er sah aus, als ob er aufgeben würde, als störende Faktoren in der Form von Nicolai Mulciber und Samuel Avery auftauchten.

Schicksal kommt manchmal auf seltsamen Wegen.

Es begann in ihrem vierten Jahr.

Sirius Orion Black - notorischer Unruhestifter der Schule - war auf der Suche nach seinem besten Freund, James Potter. James Potter war die meiste Zeit des Morgens (ein Samstag im März) beim Nachsitzen gewesen, weil er aus zweierlei Gründen Lilys Umhang in Brand gesetzt hatte: erstens, da James zu dieser Zeit komplett von Lily besessen war und zweitens, da Lily James gesagt hatte, dass er ein nicht so talentierter Quidditchspieler wie der Hufflepuff Liam Lyle war (ein absichtlich falscher Kommentar, den sie nur gemacht hatte, um ihn zu ärgern). Als Ergebnis des oben erwähnten Umhang-in-Brand-Ereignisses, hatte Professor McGonagall James zu einer Woche Nachsitzen verdonnert und Sirius Black, der dies vergessen hatte, war auf der Suche nach seinem Freund an diesem Samstagmorgen im März, 1974.

An irgendeinem Punkt dieser Suche hörte Sirius eine Handvoll Slytherins beim Angeben über irgendetwas oder was anderes, als diese ihren Weg durch den benachbarten Korridor machten. Sirius entschied kurzerhand, den neuen Zauberspruch auszuprobieren, den er am Vorabend gelernt hatte und blickte sich im Korridor nach einem Platz zum Verstecken um. Unglücklicherweise war der Korridor im zweiten Stock des Westflügels von Hogwarts ein besonders kahler und es gab nur einen einzigen Teppich, der an der langen Wand hing. Sirius duckte sich hinter dem Wandteppich, und überlegte, ob es überhaupt möglich wäre, dass die Slytherins ihn nicht sehen und während er das tat, entdeckte der junge Mr. Black etwas seltsames. Eine Tür.

Es war wahrscheinlich bloß ein vergessener Besenschrank, dieser winzige Raum, der hinter dem Wandteppich im Korridor des zweiten Stocks des Westflügels von Hogwarts lag, aber Sirius mochte geheime Dinge und war - aus diesem Grund - sehr fasziniert von diesem geheimen Raum. Er war sehr vernarrt in ihn, genau bis zu dem Punkt, an dem er, während eines sehr langweiligen Nachsitzens ungefähr ein Jahr später, die Lage des Raumes aus Versehen Peeves, dem Poltergeist, verriet (er sollte Trophäen polieren, hörte aber damit auf, um mit Peeves zu plaudern). Dann realisierte Sirius, dass die geheime Natur dieses Wandschranks für ihn nun immer verloren war und dass er es nicht länger als sein Geheimnis betrachten konnte. Wie auch immer, er entdeckte in der darauf folgenden Woche einen neuen Besenschrank die darauf folgende Woche und war nicht mehr betrübt deswegen.

Wie sich herausstellte, mochte Peeves aber auch geheime Dinge. Es war sein Wissen von diesem Besenschrank, das ihn dazu führte an dem 27. August 1975, einen Streich auf Kosten seines erbitterten Feindes, dem Hausmeister Argus Filch, zu spielen. Er entfernte alle Gegenstände, die nicht Möbel waren, aus dem Büro des Hausmeisters und brachte sie zu dem Besenschrank, dessen Lage Sirius Black ihm einst verriet. Filch war, wie vorauszusehen war, mehr als nur wütend. Er brauchte zwei Tage, bis er seine Sachen wiederfand.

Dies führte zu Filch's Bitte an Dumbledore, die Geister von dem Willkommensfest auszusperren und Dumbledore stimmte als mitleidiger Schulleiter dieser einen Bitte zu. Und, als Filch Peeves davon informierte, dass Dumbledore ihm verboten hatte, zu dem Willkommensfest in diesem Jahr zu kommen, entschied Peeves ein Chaos in der großen Halle zu veranstalten, nur um die Festivitäten ein wenig zu verschieben und Filch allgemein ein wenig aufzuregen. Ihm gelang beides.

Deshalb konnte die Willkommensfeier nicht pünktlich stattfinden und die Schüler waren gezwungen in der Eingangshalle zu warten, während die letzten Spuren des Chaos von Professor Dawton und Mr. Filch entfernt wurden. Und aufgrund dessen, hatte Snape die Gelegenheit von seinen Slytherin-Freunden wegzukommen um seine ehemalige beste Freundin, Lily Evans zur Rede zu stellen, während diese bei ihren Freundinnen stand und diesen dabei zuhörte, wie sie wenig interessanten Klatsch und Tratsch austauschten Folglich begannen die beiden – Lily und Severus – sich zu streiten. Gänzlich in dem Moment versunken, bemerkten sie nicht, dass Nicolai Mulciber und Samuel Avery ihre Konversation bemerkt hatten und auf sie zusteuerten.

Wenn Mulciber und Avery nicht genau in diesem besonderen Moment der Geschichte gekommen wären, hätte der Rest dieser Geschichte sehr, sehr anders ausgehen können. Wie auch immer, sie taten es und es ging nicht anders aus und dies geschah alles, weil Lily Evans James Potter gesagt hatte, dass er nicht ganz so talentiert als Quidditchspieler war, wie der Hufflepuff Liam Lyle.

Schicksal kommt manchmal auf seltsamen Wegen.

„Severus", sagte Mulciber, ein großer, dünner Junge mit verengten Augen, „was haben wir denn hier?" Er deutet zu der kleinen Szene zwischen seinem Mitschüler und Lily. Ein paar mehr Slytherins erschienen, unter anderem ein hübsches, dunkelhaariges Mädchen und ein gut aussehender, attraktiver Junge.

„Severus", sagte das Mädchen, „was machst du?"

„Oh, natürlich, Colista, sorge dich nicht um deine Manieren nur wegen mir", unterbrach Lily. Sie bemerkte nicht, dass Donna in Erwartung einer Auseinandersetzung unauffällig ihren Zauberstab gezogen hatte.

„Du musst uns vergeben," unterbrach Mulciber mit falscher Nettigkeit, „du siehst, Severus hier hat uns gesagt, dass eure... Beziehung... geendet hat."

Severus öffnete seinen Mund zum Sprechen, aber Lily war nicht an seinen Entschuldigungen interessiert. „Er hat die Wahrheit gesagt," sagte sie, behutsam, nicht durchscheinen zu lassen, wie sehr es sie verletzte, diese Neuigkeiten zu hören. „Wir sind keine Freunde mehr. Ihr gewinnt." Sie dachte, der letzte Teil würde deren Stolz beruhigen und jeden brodelnden Kampf vorbeugend beenden.

„Pass auf, wo du hintrittst, Evans." erwiderte das Mädchen, Colista.

„Kommt schon," murmelte Severus, aber die anderen Slytherins ignorierten ihn. Remus Lupin, der bemerkt hatte, dass Lily in einer Art Debatte zu sein schien, kehrte an ihre Seite zurück.

„Ist etwas nicht in Ordnung, Lily?" fragte er, seine Augen kalt auf Severus gerichtet.

„Nein," sagte Lily schnell, „alles in Ordnung. Diese netten Schüler waren gerade dabei zu gehen."

Wir entscheiden, wann wir gehen.", unterbrach der breitgebaute und sture Samuel Avery. Lily rollte ihre Augen und begann wieder, sich umzudrehen. Sie bemerkte, dass einige Umstehende ihre eigenen Unterhaltungen gestoppt hatten um die Szene zu beobachten, wahrscheinlich hoffend, dass, wie so oft, etwas Dramatisches geschah, wenn Slytherins und Gryffindors aufeinanderprallten.

„Werdet ihr euch nicht duellieren?", fragte irgendein naiver Zweitklässler nach einer kurzen Stille.

Nein," sagte Lily. Remus hatte nun auch verstohlen seinen Zauberstab gezogen - vorsichtshalber.

„Was ist los?" fragte Colista. „Denkst du nicht, ihr zwei könnt uns besiegen?"

„Wir fünf.", korrigierte Mary, nach vorne schreitend, ebenfalls mit gezücktem Zauberstab. Lily bemerkte plötzlich, dass sie eine der einzigen war, deren Zauberstab bis jetzt noch nicht gezückt war.

„Oh, ich bin ja so verängstigt." schnaubte Colista. „Was sagtest du, Schlammblut MacDonald? Hättest du gerne, dass Avery dir noch eine weitere Kostprobe seiner einfallsreichen Flüche gibt?"

Marlene und Donna machten beide einen Schritt nach vorne. Lily hielt sie zurück: „Halt die Klappe, Black," sagte sie schnippisch zu Colista. „Und ich meine es ernst: Wenn du diese liebliche, magisch gerichtete Nase behalten willst, wirst du nie wieder so sprechen." Da war ein Feuer in ihrem Ton das Colistas Selbstvertrauen schwächeln lies. Der blonde Junge hinter ihr legte eine Hand auf ihre Schulter.

„Was ist hier los?" Sirius Black war zu ihnen gestoßen und brachte Peter Pettigrew sowie ein Gespür mit, dass die ganze Situation eskaliert war.

Nichts." sagte Lily schnell, Sirius einen Blick sendend, der ihm befahl, zurückzubleiben.

„Wenn das nicht mein Blutsverräter-Cousin ist!" bemerkte Colista. „Wie fühlt es sich an, auf der Straße zu leben, wo du hingehörst?"

„Halt die Klappe, Black." zischte Sirius.

„Du hältst die Klappe, Black." erwiderte Colista. Sirius machte einen Schritt nach vorne, aber Lily hielt ihn mit ihrem Arm zurück.

„Vielleicht solltest du gehen." murmelte der blonde Junge in Colistas Ohr.

„Komm runter, Zabini." sagte sie schnippisch. „Ich gehöre dir nicht."

„Er hat schon Recht." sagte Sirius mit falscher Sorge. „Du solltest dich vielleicht raushalten, liebe Colista. Es könnte ungemütlich werden für jemanden mit deiner zarten Natur. Avery kann dich begleiten..." sagte er, als ob er einem Kumpel einen freundlichen Rat gab. „Ich weiß, dass er seit Jahren darauf brennt, dich mal für sich alleine zu haben."

Der Junge namens Zabini hob seinen Zauberstab und Lily versuchte verzweifelt, Sirius zu bändigen. „Würdet ihr alle bitte mal runterkommen?" zischte sie. „Selbst wenn sich darüber zu duellieren, wen Avery gerne flachlegen würde, eine intelligente Entscheidung wäre, Professor McGonagall ist hier irgendwo in der Gegend und wir würden alle dafür in Schwierigkeiten kommen. Würde sich jetzt jeder bitte wieder um seinen eigenen Kram kümmern? Jeder!" ergänzte sie maßgeblich für das Publikum. Keiner bewegte sich, denn während die Zuschauer vielleicht Lily respektieren, wollten sie sicher keine Gelegenheit verpassen, bei etwas zuzuschauen, was nach einem vielversprechenden Kampf aussah.

„Lasst uns einfach gehen," wiederholte Severus sein Flehen. Er nahm mit niemandem Augenkontakt auf.

„Warte mal einen Moment," sagte Mulciber, schleimig wie immer. „Severus, Colista hier hat eine sehr interessante Frage gestellt..."

„Wirklich?" unterbrach eine verzweifelte Lily, „Ich war nicht sehr interessiert."

Als ob er sie nicht gehört hatte, machte Mulciber weiter: „Du hast uns gesagt, dass deine Freundschaft mit Evans geendet hätte und doch finden wir dich hier mit ihr, vertieft in eine Unterhaltung. Nun, ich habe keine Zweifel über deine Loyalität, aber ich denke, Avery schon. Nicht wahr, Sam?"

Samuel Avery, eine schwache Leuchte, schaute sich verwirrt um, plötzlich erkennend, dass er angesprochen war, aber nicht sicher, warum. „Sag einfach ,ja' " sagte Colista ihre grauen Augen rollend schnippisch.

„Oh, richtig. Ja. Ja."

„Ich denke, du solltest es ihm beweisen, Severus." fuhr Mulciber fort.

„Nick, komm schon," sagte der blonde Junge, Zabini. „Nicht hier,... er wird auf jeden Fall erwischt." Lily war erleichtert zu sehen, dass wenigstens einer von Severus angeblichen ,Freunden' seine Interessen im Sinn hatte. Wie auch immer, Colista befahl Zabini ruhig zu sein, und er gehorchte.

„Ich will nicht, dass du sie verletzt oder so," machte Mulciber weiter. „Ich würde nicht davon träumen, das zu fragen. Severus, alles was du tun musst, ist Avery zu beweisen, dass deine Loyalität absolut bei deinen wahren Freunden liegt... bei Slytherin. Alles, was du tun musst, ist mir Lily Evans Zauberstab zu geben."

Scheinbar eine einfache Forderung, war es eine meinungsvolle Angelegenheit. Um Lilys Zauberstab zu bekommen, müsste Severus - voraussichtlich - sie durch Benutzung seines eigenen entwaffnen.

„Ihr bekommt meinen Zauberstab nicht." sagte Lily entschlossen, während sie die ganze Zeit sicherstellte, einen festen Griff um Sirius' Arm zu haben, damit er nicht angreifen konnte. „Tatsächlich ist diese Unterhaltung nun offiziell vorbei." Aber keiner hörte ihr zu.

Tu es, Severus," sagte Colista. „Tu es, oder du bist kein Freunde der unsrigen."

„Snape, wenn du deinen Zauberstab auf Lily richtest," sprach Donna, wie immer die ,Vollstreckerin', „wirst du gegen die Schulordnung verstoßen haben und Nachsitzen erwarten müssen."

Avery schnaubte. Anscheinend würde Snape, wenn er seinen Zauberstab jetzt nicht gegen Lily erhob, etwas viel Schlimmeres als Nachsitzen erwarten müssen.

„Weißt du was," begann die Rothaarige genervt, „das ist blöd. Wenn du meinen Zauberstab willst, nimm ihn nur. Ich brauche ihn aber morgen früh zum Unterricht." Sie zog ihren Zauberstab und hielt ihn Severus hin. Mulciber hob seine Hände warnend.

„Hol ihn dir selbst, Severus." sagte er, alle Spuren von gefälschter Nettigkeit wie weggespült. Lily schaute Mulciber direkt in die Augen und steckte ihren Zauberstab wieder weg. Severus würde sie nicht angreifen. Er konnte nicht.

„Severus," murmelte Colista, „tu es jetzt!"

„Jetzt." stimmte Avery zu.

Die meisten Schüler um sie herum hatten angehalten um sich das Drama anzusehen. Lily ließ unbewusst Sirius Handgelenk los. Sie beobachtete Severus sehr genau; er zog seinen Zauberstab.

„Severus, bitte.", wisperte Lily beinahe. Sie hatte nicht so viel Angst davor, angegriffen zu werden, aber die Aussicht, alle Hoffnung auf Severus' Freundschaft zu verlieren, war zerstörend.

Severus."

Die Hand des Slytherins zuckte. Er hob seinen Unterarm kaum bemerkbar. Donna, Mary, Marlene, Sirius und sogar Peter positionierten ihren Zauberstab. Einige der Slytherins ebenfalls. Lily sah nur Snape. Seine Hand zuckte nochmals.

Dann passierten mehrere Dinge auf einmal.

Als Severus seinen Arm ein wenig höher rückte, hob Colista ihren Zauberstab und richtete ihn auf Mary McDonald. Sirius hob seinen Zauberstab ebenfalls und begann in seinem Kopf die Worte eines Schockzaubers zu formen. Remus begann nach vorne zu treten, bereit Lily aus dem Weg zu schieben, sollte es dazu kommen und Zabini, der Blonde, bekam Colista zu fassen und schob ihren kleinen Körper hinter seinen deutlich größeren.

Eine besondere Geste überwog alle anderen, wie in Bedeutung als auch in Größe. Scheinbar aus dem Nichts erschien ein großer Junge mit verstrubbeltem, schwarzem Haar irgendwo hinter Marlene. James Potter - denn das ist, wer es war – schob sich durch alle anderen und boxte mit einer einfachen, graziösen und restlos vernichtenden Bewegung Mulciber direkt auf das Kinn. Lily keuchte und Severus ließ vor Überraschung beinahe seinen Zauberstab fallen, einen Moment später lag Mulciber am Boden, sein Kinn umklammernd und stöhnend vor Schmerz.

Die Halle schien für mehrere Sekunden still zu sein. Schließlich bemerkte Sirius Black: „Nun, wenigstens haben wir James gefunden."

Dann hoben Avery und Zabini ihre Zauberstäbe und - verzeiht das Klischee - die Hölle brach los.

(Johanna von Orleans)

Minerva McGonagall war eine geborene Lehrerin. Sie besaß einen großen, bedrohlichen Körperbau, den ernsten und eleganten Tonfall, die Lippen, die leicht in eine dünne - kaum sichtbare - Linie zusammengepresst werden konnten und die Hart-wie-Nägel-Augen, die einem Stein eine ehrliche Antwort abringen konnten. Das Zucken einer ihrer perfekt gezupften Augenbrauen war genug um den größten Skeptiker davon zu überzeugen, dass sie eine Expertin auf jedem gegebenen Thema war und die meiste Zeit musste sie nicht einmal ihre Stimme heben um die Aufmerksamkeit einer Klasse zu erhalten. Alles an ihrer Erscheinung - ihr dunkles Haar, das streng aus ihrem dünnen Gesicht gebunden war und die langen, rauschenden Mäntel die sie trug, zum Beispiel - schien eine Person zu zeigen, die keinen Unsinn duldete: die Art preußischer Persönlichkeit, welche anstrengungslos Respekt verlangte. Minerva McGonagall war eine geborene Lehrerin, kein Zweifel, aber im Moment wünschte sie sich, dass das nicht der Fall wäre.

„Nicht einer von Ihnen" begann die ältere Hexe, als sie vom einen Ende ihres Büros zum anderen schritt, „wird diesen Raum verlassen, bevor Sie nicht meine Frage beantwortet haben."

Die Absätze ihrer fußknöchellangen Stiefel - waldgrünes Drachenleder - klackerten gefährlich gegen den harten Boden, ihr Mund kaum noch zu sehen und sogar die Luft im schwach beleuchteten Büro schien zu zittern, doch die neun Gryffindors, die in einer Reihe vor ihr standen, blieben stumm. Jeder von ihnen starrte an den Teil der Wand direkt vor ihnen, wissend, dass, wenn sie Augenkontakt mit ihrer Hauslehrerin und Verwandlungslehrerin machen würden, ein Geständnis bald folgen würde. McGonagall wartete ein paar Momente und als sie die Wand erreichte drehte sie sich um und ging auf einen Schüler in der Nähe des anderen Endes der Reihe zu.

„Mr. Pettigrew." Der unglückliche Peter Pettigrew sah aus, als ob er sich übergeben müsse. Jeder Zentimeter seines ein Meter siebzig Körpers zitterte, vom sandblonden Haar bis zu lederbedeckten Zehe.

„Ja... Professor?"

„Vielleicht können Sie meine Frage beantworten." sagte Professor McGonagall, und verengte ihre Augen.

Ein großäugiger Peter sammelte seinen Mut. „Ich... äh... ich weiß nicht...was war die Frage nochmal?"

Genervt, aber unbeirrt wiederholte McGonagall ihre Frage: „Ich fragte, wer von Ihnen den Kampf in der Eingangshalle angefangen hat. Der Kampf, welcher - ich möchte hinzufügen - mehr als fünfzig Schüler mithineinzog und zu Dutzenden Verletzungen führte."

„Oh. Oh, äh... Ich weiß nicht... Ich hab nicht wirklich was gesehen... es war sehr unübersichtlich."

McGonagall hob diese unermüdlichen Augenbrauen. „Stimmt das?" Peter nickte. „Bist du dir sicher, dass du niemanden deckst, Mr. Pettigrew?"

„Nein! Natürlich bin ich... Nein!"

„Nicht Mr. Black?"

„Nein."

„Miss Shacklebolt?"

„Nein."

„Mr. McKinnon?"

„Nein!"

„Dann Mr. Potter?"

Nein! P-Professor, ich schwöre, ich weiß nicht, wer..."

Aber McGonagall hatte anscheinend schon ihr Interesse verloren. Sie bewegte sich zum anderen Ende der Reihe, wo Donna Shacklebolt stand, Kopf erhoben. Als sich jedoch McGonagall näherte, ließ die Entschlossenheit in Donnas bernsteinfarbenen Augen nach. Ihre schwarzen Locken waren komplett durcheinander und ein Schnitt zierte die Stirn der jungen Hexe. Als McGonagall näher kam, schien Donna ein bisschen weniger stolz auf ihre Kampfwunden zu sein. Donna Christine Shacklebolt spielte nach den Regeln und war kurz davor, einen Lehrer anzulügen.

„Miss Shacklebolt," sagte Professor McGonagall in ihrer samtensten Stimme, „vielleicht könnten Sie mir sagen, was passiert ist? Vielleicht könnten Sie mir sagen, wer den Kampf begonnen hat..."

„Das wären die Slytherins, Professor." sagte Donna direkt. „Die haben ihn definitiv begonnen."

„Ich verstehe das," sagte die Lehrerin trocken. „Trotz dutzender, praktischerweise benutzten Verwirrungszauber..." McGonagall sendete einen bedeutungsvollen Blick zu Sirius Black, zurück am anderen Ende der Reihe, „...scheint die allgemeine Meinung zu sein, dass es eine Handvoll Sechstklässler Slytherins war, die Sie alle in den Kampf geleitet hatten, aber dass einer von Ihnen - einer der Gryffindor Sechstklässler - den wirklich handgreiflichen Teil des Kampfes eingeleitet hat. Da nun Carlotta Meloni und Michelle Mumps zu dieser Zeit nicht einmal in der Halle waren, fand ich es für nicht notwendig, sie hierher zu bestellen. Nun, Miss Shacklebolt, vielleicht können Sie mir sagen, wer von Ihnen wirklich den Kampf begonnen hat? Wer schlug Mr. Mulciber?"

Donna zögerte. Sie öffnete und schloss ihren Mund zweimal, bevor sie schließlich die Kraft hatte zu sagen: „Ich weiß nicht, Professor. Ich - ich habe nicht gesehen, wer den ersten Schlag ausführte."

Professor McGonagall's Gesichtsausdruck wurde, wenn überhaupt möglich, noch kälter. Sie bewegte sich hastig weg von Donna und dorthin, wo Marlene Price stand. Marlene hatte einen Bluterguss auf ihrer Wange und einen Riss in ihrem Schulpulli, aber sie hielt ihren Kopf gerade, als die Lehrerin näher kam.

„Miss Price? Waren Sie es?"

„Nein, Professor." sagte Marlene.

„Wer war es dann?"

„Ich weiß nicht, Professor."

„Und Sie, Mr. Lupin?" McGonagall drehte sich zu dem Vertrauensschüler, der seinen Kopf schüttelte.

„Ich schätze, einer dieser Verwirrungszauber, die sie erwähnt haben, hat mich getroffen..." sagte er irgendwie unüberzeugend. „Es ist alles ein wenig verschwommen, wenn Sie..."

„Mr. McKinnon?"

Der braunhaarige Junge zu Marlenes Linken schüttelte seinen Kopf. „Ich war bei ein paar Hufflepuffs zu dieser Zeit. Ich habe gar nichts gesehen."

Professor McGonagall nickte, erlaubte dem Raum für einen Moment in Stille zu ruhen. „Bin ich richtig in der Annahme, dass keiner von Ihnen gestehen wird?" fragte sie schließlich und traf, wie zu erwarten, nur auf Stille. „Sehr schön. Professor Slughorn ist gerade dabei, mit ihren sogenannten ,Gegnern' zu sprechen. Ich kann nicht über deren Strafe entscheiden. Ich kann bloß sagen, dass Sie alle Nachsitzen werden und für jede Stunde, die vergeht, bis einer von Ihnen die Wahrheit sagt, wird jeder von Ihnen zwanzig Punkte für Gryffindor verlieren."

Kollektiv zogen alle erschrocken die Luft ein und McGonagall fuhr fort.

„Dies wird so lange gehen, wie es muss," sagte sie. „Es gibt keinen anderen Weg. Ich muss deutlich betonen, wie enttäuscht ich von all Ihnen bin - erstens für Ihre offensichtliche Beteiligung in einer solch peinlichen Vorführung von Barbarei..." Sie spielte unzweifelhaft auf die zahlreichen Spuren des Kampfes an, „...und dann für die respektlose, idiotische Weigerung jetzt mit mir zu kooperieren. Nun die Punktabzüge werden diese Stunde beginnen." Sie sah genauso enttäuscht aus, wie sie sagte. „Ich habe nichts anderes zu..."

„Ich habe es getan."

McGonagall - genau wie jeder andere im Raum, James miteinbezogen - drehte sich, um die Sechstklässlerin anzuschauen, die gerade die Schuld auf sich genommen hatte.

Sie, Miss Evans?"

Lily blinzelte schnell, während sie ihren Mut sammelte und dann nickte. „Ja, Professor, ich - ich habe den Kampf begonnen."

Professor McGonagall verschränkte ihre Arme vor der Brust und näherte sich der Rothaarigen mit Unglauben auf ihrem alternden Gesicht. „Sie haben Mulciber niedergeschlagen? Sie haben seinen Kiefer ausgerenkt?" fragte sie mit Nachdruck.

Lily biss sich auf die Lippe, sich ihrer dünnen Arme und ihrem schmalen Körperbau bewusst. „Ich...äh... Ich trainiere."

„Miss Evans..."

„Es ist wahr, Professor" sagte Lily mit Nachdruck. „Ehrlich, ich - ich war wütend und alles ist so schnell passiert und ich hätte es Ihnen früher sagen sollen, aber ich hatte... Ich schätze, ich hatte Angst."

Für eine lange Minute starrte die ältere Hexe intensiv auf die jüngere. „Jeder andere kann gehen." sagte die Lehrerin schließlich. Ohne ein Wort zu sagen, verließen die anderen acht das Büro. Lily atmete aus und erwartete nervös ihre Strafe, die sie sicherlich bekommen würde, sobald McGonagall mit ihr allein war.

„Miss Evans," wiederholte McGonagall, noch immer skeptisch. „Sind Sie sich sicher, dass Sie die Schuld auf sich nehmen wollen?"

„Ich nehme nicht die Schuld auf mich," sagte Lily ernst. „Ich verdiene das - es war meine Schuld."

„Also decken Sie niemanden?" fragte McGonagall.

Lily nahm sich Zeit zum antworten. „Professor," sagte sie langsam. „Wenn ich es nicht wäre, wer wäre es sonst? Wie man unsere Klasse kennt, Black oder Potter, richtig?" McGonagall bestritt diesen Punkt nicht. „Und würde ich mich wirklich für die einsetzen?"

Die Verwandlungslehrerin beäugte Lily äußerst vorsichtig. „Nun denn." Und sie hörte sich so aufrichtig enttäuscht an, dass sich Lily fast wünschte, sie könnte ihre Aussage zurücknehmen: der Gedanke, dass ihre Hauslehrerin - eine Hexe, die sie selbst bewunderte - so enttäuscht von ihr war, war praktisch unerträglich. „Diese ganze Sache war eine große Peinlichkeit für mich und die gesamte Lehrerschaft. Ein Brief wird an Ihre Mutter versandt werden und - nun ja, was den Rest deiner Klassenkameraden angeht..."

„Aber sie wussten es nicht," unterbrach Lily laut. „Es ist, ich meine - sie waren natürlich in der Halle mit allen anderen, aber alle anderen waren mit dem Verwirrungszauber belegt, also wäre es nicht... möglich, dass sie die Wahrheit gesagt haben, als sie meinten, sie wüssten nicht, wer Mulciber geschlagen hat?"

„Es ist möglich." erlaubte McGonagall zögernd. „Aber Sie, Miss Evans... Ich fürchte, es gibt keinen Weg daran vorbei."

„Nein." stimmte die Rothaarige zu.

„Fünfzig Punkte werden Gryffindor abgezogen. Und du wirst jeden Freitagabend dieses Monats beim Nachsitzen verbringen."

Lily senkte ihren Kopf. „Ja, Professor."

„Du musst lernen, Lily, dass ein wirklich mutiger Gryffindor zu sein nicht immer bedeutet, die James-Potter-Methode anzuwenden, die im Allgemeinen Prügeln oder jemanden zu Verfluchen beinhaltet."

Ein Lächeln zurückhaltend, nickte Lily. „Ja, Professor," sagte sie wieder ernst. „Es tut mir so leid, dass dies passiert ist."

McGonagall nickte, ihr Gesicht unbewegt. „ Du kannst gehen."

„Ja, Ma'am." Und dann ging sie.

Wieder alleine, setzte sich Professor McGonagall kopfschüttelnd an ihren Tisch. Also hatte Lily Evans eine ausgewachsene Prügelei in der Eingangshalle begonnen... selbst wenn es nicht wahr wäre,ergab die gesamte Angelegenheit eine amüsante Geschichte. Sie erlaubte sich ein kleines Lächeln.

„Gut für sie."

(Ein wenig über James)

James Potter war groß. Er hatte schwarzes Haar, welches - sehr wie James selbst - nie willig schien, zu kooperieren. Er war gutaussehend, mit Brille, einem markanten Kiefer und einer langen, geraden Nase. Er hatte gute Haut, gute Zähne und ein schiefes Grinsen. Er spielte Quidditch besser als fast jeder andere, den er je getroffen hatte und hatte einen sehr charakteristischen Gang: einen gleichsam faulen und geschäftsmäßigen, selbstbewussten Gang, der anzudeuten schien, dass wo auch immer er sein mochte, er genauso gut woanders sein könnte und wen auch immer er vielleicht sehen mochte, sich glücklich schätzen konnte, dass er überhaupt gekommen war.

James Potter rauchte zu viel.

Er verbrachte die meiste Zeit des 1. Septembers 1975 damit, nicht über Lily Evans nachzudenken, und damit meine ich, dass er sich die meiste Zeit des 1. Septembers 1975 darauf konzentrierte, nicht über Lily Evans nachzudenken. Nach Verlassen des Hogwarts Express entschied er sich, zur Schule zu laufen und als die Kutschen zur Schule weg waren, steckte er sich eine Zigarette in den Mund, zündete sie an und genoss den einsamen Gang zum Schloss.

Er dachte tatsächlich nicht an Lily Evans für diese zwanzig Minuten oder so.

Dann kam er an der Eingangshalle an. Er sah das kleine Drama, das sich zwischen Lily und ein paar Slytherins abspielte, aber sagte nichts, weil er beschlossen hatte, dass es ihm egal war, was diese rothaarige Vertrauensschülerin tat. Trotzdem hörte er zu, bis er genau sehen konnte, was gleich passieren würde. Dann, ohne zu denken, ohne überhaupt die Konsequenzen zu erwägen (da hätten sehr große Konsequenzen für James sein können, aber mehr davon später), schritt er nach vorne und schlug Nicolai Mulciber zu Boden.

Er hatte Mulcibers Kiefer ausgerenkt, aber das fand er erst heraus, als er in McGonagalls Büro war, und Lily Evans die Tat gerade gestanden hatte, damit sie nicht alle Gryffindor eine ganze Menge an Hauspunkten verlieren würden. Er wäre ziemlich stolz gewesen, diesem Idiot den Kiefer ausgerenkt zu haben, wenn er sich nicht so schlecht wegen allem andere gefühlt hätte.

Trotzdem verließ James das Büro mit den anderen und hielt seinen Mund. Seinen Mund zu halten war noch nie James Stärke, aber er hatte kürzlich daran gearbeitet.

(Mehr über Johanna von Orleans)

Die Einteilungszeremonie - welche mit den vereinten Anstrengungen von Peeves Chaos und dem Eingangshallenkampf um fast eine ganze Stunde verschoben wurde - war lauter, als Lily sich je erinnern konnte. Sie, ebenso wie die anderen Gryffindor-Sechstklässler, kam aufgrund Professor McGonagalls Standpauke zu spät, ihre Slytherin-Opponenten schlurften ein paar Minuten später missmutig in die Halle, offensichtlich schlecht gelaunt, da Professor Slughorn es gewagt hatte, sie alle zu bestrafen. Severus machte weiterhin mit niemandem Augenkontakt.

Das Willkommensfest begann ein paar Minuten später, aber nicht bevor der silberhaarige Schulleiter, Professor Dumbledore, vom Lehrertisch vorne in der Großen Halle aufstand und eine kurze Ansprache hielt.

„Ich erkenne," sagte er, das immer präsente, heitere Funkeln seiner blauen Augen etwas weniger präsent an diesem Abend, „dass dies ein ziemlich dramatischer Abend war. Ich kann nur hoffen, dass der Rest des Jahres in einer viel langweiligeren Art vergeht." Und Dumbledore hätte es genauso gut befehlen können. Mit mehr Ernst fügte er hinzu: „Solche Ablenkungen dürfen dieses Jahr nicht anhalten. Wenn die Welt in Aufruhr ist, ist es die Pflicht Hogwarts, vereint zu bleiben. Nun, esst auf!"

Und die Teller der vier Haustische füllten sich sofort.

„Vereint, sicher doch," bemerkte Donna eine Viertelstunde später, als sie sich selbst mit einer zweiten Portion Kartoffeln bediente. „Wann war Hogwarts je vereint? Wann waren die Gryffindors nicht verfeindet mit Slytherins?"

„Wann waren die Slytherins kein böses Gesindel?" fügte Marlene düster hinzu. „ Nichts gegen dich, Lily. Wir wissen, dass Snape sonst okay war..."

„Sprich für dich selbst." murmelte Donna. Mary blieb uncharakteristisch ruhig für die meiste Zeit des Essens.

„Bist du okay, Mare?" fragte Lily. „Du siehst nicht gut aus. Musst du zur Krankenstation?"

„Mir geht's gut." seufzte Mary. Ihr selbstbewusstes, fröhliches Ich schien irgendwie verwelkt - ein seltenes, fast schon nicht-existentes Phänomen. „Ich schätze, dass ich bloß über Colistas Worte nachgedacht habe... und über letztes Jahr, als mich Avery im Verwandlungsklassenzimmer verhext hat." Ihre Ehrlichkeit über die ganze Sache verblüffte Lily. Marlene legte einen Arm um die Schulter der Brünette.

„Du warst in die Ecke gedrängt, Mary" sagte die Blonde ruhig. „Die sind bloß hässliche Feiglinge, alle von denen, die nur neidisch sind, dass ein Mädchen wie du niemals mit denen ausgehen würde." Mary lächelte dankbar und schaute dann zu Lily.

„Also, warum hast du es getan, Ginger?"

Lily, die gerade dabei war, ihren Kürbissaft zu schlürfen, hob eine Augenbraue. „Was getan?"

„Die Schuld auf dich genommen." erklärte Mary mit gedämpfter Stimme. „Warum hast du gesagt, du hättest Mulciber geschlagen?"

„Irgendjemand musste es tun." sagte Lily, die dachte, dass es ziemlich offensichtlich war. „Ich wollte nicht, dass Gryffindor all diese Hauspunkte verliert und es war offensichtlich, dass Potter nicht gestehen würde."

„Ich versteh's trotzdem nicht," gab Donna zu, „ich mein, klar bin ich froh, dass du es getan hast, weil Gryffindor nicht so viele Punkte verlieren wird und ich jetzt nicht nachsitzen muss, aber, Lily, jetzt wird jeder dich beschuldigen, uns fünfzig Punkte verloren zu haben, bevor das Schuljahr überhaupt angefangen hat. Es war vielleicht nobel, aber es war nicht besonders schlau, oder?"

„Danke für deine Unterstützung, Donna," antwortete Lily. „Hör mal, mir ist es eigentlich ziemlich egal. Ich habe viermal Nachsitzen und fünfzig Punkte Abzug... wenn die Schuld auf Potter gefallen wäre, hätten sie wahrscheinlich hundert Punkte genommen, weil der immer solche Aktionen dreht."

„Ich schätze schon," stimmte Marlene zu. „Gut, ich bin fertig - ich denke, ich gehe hoch zu den Schlafsälen. Hast du das Passwort, Lily?"

Als eine Vertrauensschülerin war es Lily bekannt: „Springende Bohnen." antwortete sie. „Du bist schon fertig? Du hast kaum was gegessen."

„Ich bin auf Diät," informierte Marlene sie und blickte unzufrieden auf ihre schlaksige Figur. „Springende Bohnen, hast du gesagt?"

„Eine Diät?" schnaubte Mary. „Raus hier, Marlene, du stellst sich so an mit deinem Essen."

„Sagt das Zweigchen. Springende Bohnen?"

Lily nickte. „Du bist schön, Mar."

„Hmmm, ich sollte es sein." sagte Marlene unbekümmert. „Ich habe die letzten zwei Wochen kaum was gegessen."

„Bist du auch fertig, Mar?" fragte ein Junge, der auch am Gryffindortisch saß. Er hatte hellbraunes Haar, blaue Augen, einen gut gelaunten Gesichtsausdruck und einen leeren Teller. „Wenn du zum Gemeinschaftsraum gehst, komme ich mit."

„Sicher, Adam" sagte Marlene lächelnd, als Adam vom Tisch aufstand. Er besaß ebenfalls ein paar eigene Kampfwunden von der Prügelei, die einen zerrissenen Pulli und einen blauen Fleck auf seiner Stirn beinhalteten. „Sehe euch später!" fügte sie für die Mädchen hinzu und wendete sich dann ab.

„Tut nichts, was ich nicht auch tun würde!" rief Mary anzüglich hinter ihnen her.

„Was genau was beinhaltet?" fragte Donna. „Du bist schon irgendwie eine Schlampe, Mary."

„Sei nicht fies." unterbrach Lily.

Mary seufzte. „Es wird für mich immer ein Rätsel bleiben, warum Marlene immer noch diesen Idioten Miles Stimpson datet, wenn sie einen perfekten, netten Typen wie Adam McKinnon hat."

„Was meinst du mit ,sie hat'?" fragte Donna überrascht. „Du denkst doch nicht, dass McKinnon auf Marlene steht, oder?"

Mary und Lily schnaubten beide. „Ich denke, dass du blind bist, das ist, was ich denke, Donna Liebling," antwortete Mary. Donna blickte finster.

Als die Teller geleert waren, erschien das Dessert. Als die Dessert-Teller geleert waren, ging es in die Betten.

„Gryffindors hier lang," rief Lily zu ihrem Tisch, es wurde nicht wirklich von ihnen verlangt, ihr zu folgen, aber als Vertrauensschüler sollte sie den Erstklässlern zeigen, wohin es ging und natürlich hatte sie das Passwort. Deshalb leitete Lily pflichtbewusst den Weg die Treppen hoch und durch Flure in Richtung des siebten Stockes und des Gryffindorturms.

Auf dem Weg dorthin hielten sie eine Reihe von Schülern an um ihr zu gratulieren oder zu danken, Mulciber ausgeknockt zu haben - wie schnell sich Neuigkeiten verbreiteten. Im vierten Stock allerdings, holte jemand Lily ein, bei dem Lily sich nicht freute, ihn zu sehen.

„Kann ich kurz mit dir sprechen, Evans?" fragte Potter, ohne wirklich zu fragen.

„Ich muss die Erstklässler zum Gemeinschaftsraum bringen und ihnen das Passwort geben." erwiderte Lily kalt. „Vielleicht später."

„Remus kann das machen." sagte James. Remus war tatsächlich verfügbar und geeignet, aber Lily blieb unsicher.

„Na gut," entschied sie schließlich. Es konnte nicht schaden. Remus übernahm die Leitung und Lily blieb mit James Potter zurück. Er wartete, bis sie im Korridor allein waren, bis er sprach.

In den darauffolgenden Jahren konnte sich Lily nicht mehr genau daran erinnern, was sie erwartet hatte, dass James in diesem Moment sagen würde, aber wie auch immer es gewesen war, es war ganz sicher nicht das, was James sagte.

„Was zur Hölle hast du dir dabei gedacht?"

Pause.

„W-was?" schaffte es der Rotschopf hervorzubringen.

„Was hast du dir dabei gedacht?"

„Ich..." , aber keine Antwort schien passend. „Wovon redest du, Potter?"

„Ich rede von deiner idiotischen, kleinen Aktion mit Professor McGonagall." zischte James. „Ich rede davon, wie du dummerweise die Lorbeeren für das Niederschlagen von Mulciber eingeheimst hast, als keiner..."

„Die Lorbeeren eingeheimst?" wiederholte Lily, ihre Wut steigend. „Entschuldigung, ,die Lorbeeren eingeheimst'? Du bist verrückt!"

„Warum zur Hölle hast du McGonagall gesagt, dass du den Kampf begonnen hast?"

Lilys grüne Augen wurden schmal. „Warum zur Hölle hast du McGonagall nicht gesagt, dass du den Kampf begonnen hast?"

„Ich habe den Kampf nicht begonnen." zischte James. „Ich habe bloß Mulciber niedergeschlagen. Ich war nicht mal an deinem kleinen Liebesfest mit den Slytherins beteiligt. Aber du hattest kein Recht, den Schlag gegen Mulciber dir selbst einzuschreiben, wie du es vor McGonagall gemacht hast!"

Lily kümmerte sich nicht darum, ihm zu sagen, dass sie eigentlich nie gesagt hatte, Mulciber niedergeschlagen zu haben. Angedeutet, ja, aber geradeheraus gestanden - nein. Sie platzierte lieber ihre Hände auf ihrer Hüfte und schüttelte ihren Kopf ungläubig. „Wow, Potter, sogar ich hätte nicht von dir erwartet, dass du mich tatsächlich beschuldigen würdest, deine Strafe auf mich zu nehmen."

„Keiner hat dich gefragt, die Schuld auf dich zu nehmen!" sagte der Zauberer laut.

„Und keiner hat dich gefragt, Mulciber niederzuschlagen!" konterte Lily. „Und ich sage dir, dass ich das nicht für dich gemacht habe! Ich wollte bloß nicht, dass Gryffindor all diese Punkte verliert!"

„Wir haben trotzdem fünfzig verloren - Slughorn hat bloß zwanzig von Slytherin genommen!"

„Nun, was hat das mit mir zu tun? Warum zickst du nicht ihn an?"

„Weil ich es nicht ertragen kann, wie du wie ein Märtyrer rumrennst." sagte James. „Du bist diejenige, die diese Geschichte mit Snape und Mulciber und Colista Black und dem Rest angefangen hat - warum solltest du nicht dafür nachsitzen?"

Worüber redest du?" kreischte Lily schon fast, die ihren Ohren nicht trauen konnte. „Wer verhält sich wie ein Märtyrer? Ich habe kein einziges Wort zu dir gesagt!"

„Du wirst versuchen, mir das den Rest des Jahres vorzuhalten." antwortete der Quidditch-Kapitän. „Und ich sage dir bloß, dass es nicht klappen wird. Wenn du schon Johanna von Orleans spielen willst, dann werd nicht wütend, wenn du auf dem Scheiterhaufen verbrannt wirst. Klar? Weil ich mich nicht schuldig fühlen werde und du wirst mich in keiner Weise dazu kriegen, mich bei dir zu entschuldigen, dass du deshalb in Schwierigkeiten gekommen bist. Tatsächlich solltest du dich bei mir bedanken, dass ich den Kiefer dieses Idioten ausgerenkt habe."

Lily starrte ihn an. Sie blinzelte ein paar Mal. Wieder ruhig, fuhr sie sich mit ihrer Hand durch ihr langes Haar und sagte: „Ich sollte dir danken? Wie kommst du darauf?"

„Nun, erstens," erwiderte er, „habe ich dich vor einer ganzen Menge Drama gerettet." Lily begann zu widersprechen, aber James fuhr fort, „Du hast jemanden gebraucht, der der Sache ein Ende setzt, weil du mit der Wahrheit der Situation nicht umgehen konntest."

„Welche was genau ist?"

„Dass Snape dich entwaffnet hätte."

Für einen Moment standen die beiden Sechstklässler in zögerlichem Waffenstillstand. James erlaubte es den Wörtern, zu wirken. Und Lily suchte nach Worten. „Er hätte dich entwaffnet und hätte sich für ein und allemal gegen dich entschieden. Und um die Wahrheit zu sagen, Evans, ich denke nicht, dass du damit umgehen kannst."

Lily atmete durch. „Und deshalb hast du Mulciber niedergeschlagen?" fragte sie fordernd. „Um mich vor einer unerträglichen Wahrheit zu schützen?"

James schüttelte seinen Kopf. „Ich habe Mulciber niedergeschlagen, weil er ein Arsch ist, der mir auf die Nerven ging. Aber ich habe dir und dem lieben Snivellus dabei ganz schön ausgeholfen. Jetzt muss er sich nicht für eine Seite entscheiden. Wie gottverdammt praktisch das ist!"

„Du weißt nicht, was er getan hätte." sagte Lily entschieden. „Und ich weiß nicht, wie du, was du getan hast, als gute Tat rechtfertigen kannst, in der du etwas Schlechtes verhindert hast, während doch ihn zu schlagen eine gigantische Schlägerei in der Eingangshalle ausgelöst hat!"

„Also was? Ich bin froh, dass ich diesen Wichser geschlagen hab. Wenn du Eier gehabt hättest, hättest du es getan!"

„Was...?"

„Du kannst nicht da rumsitzen und Leute erzählen lassen, was auch immer sie wollen, Evans!"

„Eigentlich ist das genau das, was du tun kannst, Potter. Hast du noch nie von ,Worte können nicht verletzen' gehört?"

„Es nennt sich, ,sich für die richtige Sache einsetzen', Evans!"

„Aber du musst wissen, wann es sich zum Kämpfen lohnt!" rief Lily wütend. „Und das war keine gute Zeit um sich mit den Slytherins zu bekriegen. Wir waren in der Mitte einer überfüllten Halle mit Dutzenden von anderen Leuten um uns herum, die mit reingezogen werden hätten können - und waren, wenn ich hinzufügen dürfte."

„Mach nicht so, als ob du deshalb gekniffen hast." zischte James. „Du hast gekniffen, weil Snape da war."

Lily wurde kalt. „Entschuldigung?" sagte sie leise und James hätte in der Anwesenheit dieser Art von Wut in Deckung gehen müssen. Aber James machte ja selten das, was er tun sollte.

„Du bist in die Knie gegangen, weil Snape da war." wiederholte er. „Wann auch immer sonst eine Art von Ungerechtigkeit passiert, springst du auf und beendest es so schnell, wie es geht. Aber wenn immer Snape involviert ist, bist du plötzlich das Aushängeschild der Diplomatie und wir sollen uns alle überlegen, ,wann es sich lohnt, zu kämpfen'. Irgendwann wirst du erkennen müssen, dass egal, ob er dich heute entwaffnet hätte oder nicht, er sich schon für eine Seite entschieden hat und..."

Klatsch!

Der Abdruck ihrer kleinen Hand brannte rot auf seinem Gesicht. Er rieb ihn vorsichtig und obwohl James nicht überrascht schien, war er verstummt.

„Du weißt nicht, über was zur Hölle du da sprichst." sagte Lily giftig. „Und wenn du wirklich irgendwas von diesem Müll glaubst, dann bist du ein größerer Idiot, als ich je dachte."

Und damit drehte sie sich auf der Stelle um und begann den Korridor hinunterzulaufen. Ein paar Schritte weiter blieb sie stehen. „Und woher weißt du verdammt noch mal, wer Johanna von Orleans ist?" rief sie, aber als James zu antworten versuchte, schüttelte sie ihren Kopf und fügte hinzu: „Egal. Ich will es nicht wissen." Dann beeilte sich Lily wegzukommen, weil sie nicht dachte, dass sie es länger aushalten könnte, in seiner Nähe zu sein.

(Drama)

„Also wirst du uns nicht erzählen, was James gesagt hat?" fragte Mary, als Lily ihr Gesicht im Waschbecken im Waschsaal der Gryffindor-Sechstklässlerinnen wusch.

„Wie kommst du darauf?"

„Nun, du hast kein Wort gesagt, seit du vor zehn Minuten hier hochgekommen bist," sagte die Brünette ihr. „Außer, und ich zitiere, ,Ich hasse dieses Arschloch!' , von dem wir nur annehmen können, dass es sich auf James bezieht."

„Das... tut es." gab Lily zu, sich abtrocknend, bevor die zwei Mädchen wieder in den anliegenden Mädchen-Schlafsaal gingen. „Er hat mir vorgeworfen, seine ,Lorbeeren' des Kampfes einzuheimsen."

„Du machst Witze," sagte Marlene ungläubig, die ihr langes, blondes Haar am Spiegel kämmte. „Das hat er nicht getan, das kann er nicht getan haben."

„Hat er und konnte er." antwortete Lily. „Er sagte, ich würde Johanna von Orleans spielen."

„Woher wusste er, wer Johanna von Orleans war?", wollte Mary wissen. Lily schüttelte ihren Kopf um ihre Ignoranz zu diesem Thema zu demonstrieren.

„Wer ist Johanna von Orleans?" fragte Donna, die einzige reinblütige Hexe in der Gruppe, neugierig.

„Eine Muggel-Märtyrerin." antwortete Marlene. „Das ist bizarr. Warum sollte er wütend auf dich sein, wenn du ihn vor Schwierigkeiten bewahrt hast?"

Die Frage ruhte in der Stille des Schlafsaals für fast eine Minute, bis Michelle Mumps - die fünfte Zimmergenossin - eintrat. „Das war ein schönes Fest." sagte sie. „Ich liebe diese Erdbeertorte, ihr nicht?"

Michelle - Shelley - Mumps war ein durchschnittlich aussehendes Mädchen mit einer runden Figur und einem temperamentvollen Wesen - nicht besonders eng befreundet mit den anderen vier. Shelleys beste Freundin war ihre letzte Zimmergenossin, die momentan abwesende Carlotta Meloni.

Shelley bemerkte, dass die anderen vier besonders abwesend schienen und fragte: „Was ist los? Ist etwas passiert?"

Donna verdrehte ihre Augen. „Bloß Drama, Shelley. Bloß ganz, ganz viel Drama."

„Oh, gut," quietschte Shelley, „ich zieh mich schnell um und putze mir die Zähne - dann müsst ihr mir alles darüber erzählen." Sie fischte ein paar Dinge von ihrem Koffer und huschte in den Waschsaal. Marlene hörte auf, sich die Haare zu kämmen und setzte sich auf das Himmelbett, das sie sich ausgesucht hatte.

„Weißt du, worüber ich nicht hinwegkomme," bemerkte die Blondine nach einer Weile, „ich kann nicht glauben, dass Luke Harper schon ,Ich liebe dich' gesagt hat."

Lily begann zu lachen. „Mar, nach allem, was heute passiert ist, ist dies ausgerechnet das, was dich immer noch beschäftigt?"

Marlene nickte. „Es ist nur so lustig! Und er hat nicht mit dir Schluss gemacht, als du es nicht zurückgesagt hast."

„Nicht zurücksagen konnte." korrigierte Lily.

„Trotzdem," stimmte Mary zu, „befürchte ich, dass du mit dem Rest von uns zu den Reihen der bösen Mädchen gestoßen bist, Ginger."

„Was meinst du damit?" fragte die Vertrauensschülerin.

„Gute Mädchen sagen ,Ich liebe dich' " sagte Mary, als wäre es eine Tatsache und kletterte in ihr Bett. Lily seufzte und schlüpfte ebenfalls in ihr Bett.

„Ich bin nur froh, dass dieser Tag endlich um ist. Bei einem stimme ich Dumbledore zu - hoffentlich wird sich von jetzt an alles beruhigen."

„Ich frage mich, wo unsere letzte Zimmergenossin steckt." überlegte Mary unbesorgt.

Donna schnaubte: „Wirklich? Carlotta hat schon in mehr Betten dieser Schule gelegen, als jede andere Person in der Geschichte Hogwarts." Carlotta hatte einen gewissen Ruf. „Sie ist wahrscheinlich bei irgendeinem Typen." Eigentlich war sie es nicht, aber mehr davon später.

„Gute Nacht, ihr alle," rief Lily zu den anderen, „schlaft gut und hoffentlich wird morgen besser sein als heute."

„Prost!" riefen Mary und Marlene gleichzeitig. Alle vier waren fest eingeschlafen, als Shelley vom Waschsaal zurückkehrte.

Schicksal kommt manchmal auf seltsamen Wegen.

Am nächsten Morgen wurden sie von einem durchdringenden Schrei geweckt.