AN: Sorry, dass ihr so lange warten musstet, dieses Kapitel hatte es einfach in sich... ;)

Vielen Dank mal wieder an meine amazing Beta, die mit mir über Wortspiele diskutieren durfte; meine Schwester und meine beste Freundin, die mir ebenfalls mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben.

Viel Spaß mit dem Kapitel!

Kapitel 4 - „Keks und die zweite Woche"

Oder

Werde nicht mehr darauf reinfallen"

Anscheinend waren drei versuchte Selbstmordversuche an einem Tag zu viel um von dem Ministerium als bloße Zufälle akzeptiert zu werden. Drake war weg und jemand anderes wurde reingebracht - ein großer Zauberer mit vollem Haar und einem Verhalten, welches nicht weniger „ministeriumshaft" hätte sein können, selbst wenn er Sirius Black selbst gewesen wäre. Sein Name war Lathe und James hing gerade kopfüber drei Meter hoch in der Luft, als sie sich das erste Mal trafen.

Es begann mit einer Katze und mit einer Tradition.

Mrs. Norris - Flichs nervendes Haustier - war die Katze und die Tradition - begonnen durch die Rumtreiber - war ziemlich einfach: Mrs. Norris ärgern, wo auch immer sie auch auftauchen sollte.

Deshalb war James zwischen Verteidigung und Kräuterkunde am Montagmorgen beschäftigt und dem jungen Zauberer fiel erst, nachdem er Mrs. Norris auf einen Kronleuchter im vierten Stock hatte schweben lassen, ein, dass Kräuterkunde kurz davor war zu beginnen.

„Scheiße," fluchte er, schnappte seine Büchertasche und wandte sich sofort zur Treppe.

„Was meinst du mit ,Scheiße'?" fragte Remus, der bei ihm war und versuchte mit ihm Schritt zu halten, „James, was ist los?"

„N - nichts."

Remus warf einen Blick auf seine Uhr. „Verdammt - wir sind spät dran, oder?" James brauchte nicht zu antworten. Die Glocke läutete warnend. „Verdammt! Wir sind spät dran!" Beide Jungen beschleunigten ihr Tempo zu einem Sprint.

„Das ist alles deine Schuld, Prongs," informierte Remus ihn, als sie den Treppenabsatz der Eingangshalle erreichten. „Warum musstest du eigentlich Mrs. Norris auf den Kronleuchter platzieren?"

„Weil es Tradition ist, deshalb," sagte James. Sie rasten durch das Schlosstor, die Büchertaschen von hinten gegen sie schlagend. „Gott, ist es kalt draußen. Wann ist das passiert? Heute Morgen war es noch warm!"

„Rede nicht mit mir über's Wetter, Prongs. Ich bin wütend auf dich."

„Du wirst schon darüber hinwegkommen."

„Werd ich nicht, wenn wir Nachsitzen bekommen!"

Die zwei Gryffindors waren so beschäftigt damit, so zu streiten und zu rennen, dass sie, als sie um die Ecke des Gewächshaus Eins in Richtung Gewächshaus Zwei liefen, nicht bemerkten, dass jemand genau hinter der Kurve stand. Als Resultat rannte James geradewegs in diesen Jemand hinein und Remus lief geradewegs in James hinein. Alle drei fielen zu Boden.

„Bist du okay, Lupin?" fragte James, stand auf und bot Remus eine Hand an. Seine Uniform abstaubend murmelte Remus etwas wie „Mir geht's gut," und packte James' Hand. Erst nachdem beide standen, bemerkten die zwei Gryffindors das dritte Opfer.

Nicolai Mulciber funkelte sie wütend an. Wieder auf seinen Füßen hielt Nicolai eine Flasche in einer Hand und seinen Zauberstab in der anderen. James ignorierte den Zauberstab vollkommen.

„Im Ernst? Du trinkst hinter den Gewächshäusern? Und dann auch noch alleine? So klischeehaft."

„Du willst mich nicht verscheißern, Potter," knurrte Mulciber, drohend seinen Zauberstab hebend. „ Nach dem, was du getan hast... würdest du vorsichtig sein wollen."

James verdrehte seine Augen. „Schau, Mulciber." Er zeigte auf sich und zählte: „Eins." Dann auf Remus zeigend: „Zwei. Wir sind zu zweit und du bist alleine, und selbst, wenn bloß die Hälfte von Lupin da wäre, würde ich immer noch mein Geld auf ihn setzen. Also vielleicht solltest du vorsichtig sein, Backstein."

Mulciber sah verwirrt aus. „Backstein?"

„Mmm, so habe ich mich entschieden dich zu nennen, aufgrund aller Eigenschaften, die du mit einem Backstein gemeinsam hast. Lasst uns sehen, ihre seid beide unfähig, euch auszudrücken, gefühlslos und werdet damit verbunden, sehr schwer zu sein."

Prongs," seufzte Remus, aber zu spät.

Mulciber erhob seinen Zauberstab und James zog seinen eigenen.

„Pordiparsus! " schrie Mulciber zur selben Zeit, wie James rief: „Levicorpus!"

Der Gryffindor flog zurück, sein Körper traf hart einen Baum, während der Slytherin in die Luft gerissen wurde und dort hing, als ob er an seinem Knöchel aufgehangen war. James erholte sich als Erster und bemerkte, dass Mulciber seinen Zauberstab fallen gelassen hatte. Er grinste.

Prongs," sagte Remus, und teilte eine Fülle von anderen Dingen mit diesem einzigen Wort mit. Er hätte genauso gut James daran erinnern können, dass dies es nicht wert war, dafür in Schwierigkeiten zu kommen, oder dass sie zu spät für Kräuterkunde waren oder dass er Vertrauensschüler war und deshalb dazu verpflichtet war, es zu stoppen. James nickte. Er wedelte kurz mit seinem Zauberstab und Mulciber begann zu fallen. Bevor der Slytherin auf dem Boden aufkam, schwang James wieder seinen Zauberstab und er hielt ungefähr neunzig Zentimeter über dem Boden an. James wedelte ein weiteres Mal und Mulciber fiel zu Boden.

Während er sich erholte, hob James seine Büchertasche auf, die er fallengelassen hatte und begann, gefolgt von Remus, wieder einmal in die Richtung des zweiten Gewächshauses zu gehen.

„Hey, Potter" rief Mulciber ihm nach.

„Bitte, James" flehte Remus resigniert.

„Schon gut, Moony, ich werd mich nicht umdrehen."

Wie es sich herausstellte, hatte er keine Wahl. „Hey, Potter," wiederholte Mulciber - dieses Mal viel näher - und James spürte eine Hand auf seiner Schulter. Er wurde herumgerissen und bevor James irgendeine Ahnung davon hatte, was gerade geschah, fühlte er einen scharfen, stechenden Schmerz an seiner Wange. Mulciber hatte ihn geschlagen und er stolperte zurück.

„Wie schmeckt es?" spuckte Mulciber. James sah verärgert aus und versuchte schwankend das Gleichgewicht zu halten. Während er seine Möglichkeiten abwägte, schaute er Mulciber an, welcher selbstgefällig seinen anscheinenden Sieg feierte. Es gab auf jeden Fall einen rechten Weg, der gerade jetzt beschritten werden konnte - und eigentlich auch sollte. Er sollte weggehen... sich umdrehen und zu Kräuterkunde gehen und es einfach sein lassen. Das war die vernünftige, verantwortliche, reife, vierundsiebzig-Nachsitzen-besitzende Möglichkeit.

James stürzte nach vorne, traf Mulciber an der Hüfte und riss ihn zu Boden.

Anscheinend hatte der Slytherin gedacht, dass James eher einer wäre, der den rechten Weg nahm. Nichtsdestoweniger revanchierte er sich schnell mit einem weiteren Fausthieb in James Gesicht, obwohl dieser weder die Kraft, noch die Zielgenauigkeit des ersten hatte und James erholte sich rasch. Er schlug den Zauberstab, den Mulciber versuchte auf ihn zu richten, aus dessen Händen und zog seinen eigenen, darum ringend, die Oberhand in Kampf zu behalten. Remus stand unsicher daneben - er hatte seinen Zauberstab gezogen, aber wollte seinen Freund nicht angreifen. Doch als James - scheinbar aus dem Nichts - seinen Körper steif werden und sich wegbewegen fühlte, genauso schwingend in der Luft wie Mulciber einen Moment zuvor, war er sicher, dass Remus den Zauber ausgeführt hatte. Mulciber hing nicht weit von ihm weg, aber es war nicht Remus, der seinen Zauberstab auf sie beide gerichtet hatte, sondern Donna Shacklebolt.

„Wirklich, ihr zwei," sagte sie, ihr Gesichtsausdruck ernst. „Haben wir das nicht schon mal gesehen?"

„Warum bist du nicht in Kräuterkunde, Shack?"

„Weil ich Kräuterkunde nicht gewählt habe," fuhr Donna ihn an, „Warum bist du nicht in Kräuterkunde?"

„Weil ich damit beschäftigt war, mit Mulciber zu kämpfen," antwortete James. „Jetzt lass mich runter."

„Lass uns beide runter," rief Mulciber.

„Nicht, bis ihr beide schwört, dass ihr aufhört zu kämpfen," sagte ihnen die Hexe stur. „Ihr verliert Gryffindor noch mehr Punkte!"

„Donna!" jammerte James. „Sei nicht so ein Arschkriecher!"

„Ich bin kein..."

„Was ist denn hier los?" Ein blonder Zauberer um die dreißig erschien ziemlich plötzlich und James fragte sich, wie er es versäumt haben konnte, ihn kommen zu sehen.

Donna schreckte zusammen. „Oh, es ist bloß... nun ja..."

Der ältere Zauberer warf ihr einen fragenden Blick zu und die junge Hexe ließ mit einem Mal ihre verfeindeten Klassenkameraden fallen.

Rums.

Sie stöhnten beide. „Danke," sagte der andere. James stolperte auf seine Füße und warf einen gründlicheren Blick auf den Neuankömmling. Ein Aurorenabzeichen war an dem Kragen seiner braunen Umhänge befestigt und der Quidditch-Kapitän erriet seine Identität direkt. „Das ist genau der Grund, weshalb ich den Job nicht haben wollte," seufzte der Zauberer. „Okay...ähm - Ich bin nicht euer Lehrer, also werde ich euch nicht bestrafen oder so was, aber... hört einfach... auf. Du... Mädchen..." Zu Donna: „Verhex keine Leute. Das ist nicht, wie du die Aufmerksamkeit von Kerlen kriegst."

„Oh, ich hab sie nicht verhext," antwortete Donna direkt, „Wissen Sie, sie waren am kämpfen, also hab ich versucht, sie zu trennen."

„Indem du sie verhext," schloss der andere.

„Es war bloß der ,Levicorpus'" erwiderte Donna. „Ich habe bloß versucht zu helfen."

„Nun, tu's nicht." seufzte er. „Und nicht... weißt du, vergiss es. Ich weiß nicht, warum ich diese Diskussion überhaupt führe. Geht jetzt jeder zum Unterricht?"

„Ich habe nicht..." begann Donna wieder, aber James unterbrach.

„Donna, wirst du wohl ruhig sein? Keiner ist in Schwierigkeiten."

„Danke. Genau!" sagte der ältere Zauberer. „Geht... einfach zum Unterricht." Sie begannen seine Anweisung zu befolgen. „Wartet, ganz kurz..." Sie hielten an. „Weiß einer von euch, wo ich James Potter finde?"

Donnas Gesichtsausdruck war durch und durch empört und sie sagte nichts. James und Remus wechselten Blicke und Mulciber zeigte direkt auf den betroffenen Gryffindor. „Das ist der."

„,Das ist ,er' wäre grammatikalisch korrekt," informierte James ihn. Er drehte sich zu dem anderen Zauberer. „Bin ich in Schwierigkeiten?"

„Nein."

„Komme ich aus der nächsten Stunde raus?"

„Wahrscheinlich."

„Oh. Okay. Was brauchen Sie?"

„Der... der Rest von euch kann gehen," sagte der Zauberer und sie gehorchten. Als sie alleine waren, fuhr der Zauberer fort: „Mein Name ist Lathe. Ich arbeite für das Ministerium und ich muss dir ein paar Fragen stellen."

„Ihr habt schon meine Erinnerung von der Nacht," sagte James misstrauisch. „Ich habe sie McGonagall für die Denkarium-Untersuchung gegeben."

„Ja," sagte Lathe, „Und ich habe mir sie angeschaut. Aber ich bin nicht sehr vertraut mit dir oder Miss Meloni oder den beteiligten Schülern. Um zu verstehen, was passiert ist, brauche ich deine Sichtweise... was dir unüblich an bestimmtem Verhalten oder Reaktionen vorgekommen ist, irgendwas, dass jemand Vertrauten seltsam an den Beteiligten vorgekommen ist."

James starrte ihn an. „Sie sind schlauer als diese Drake Hexe."

Lathe nickte. „Deine Büchertasche ist wahrscheinlich schlauer als diese Drake Hexe."

(Das eine Problem)

„Ich weiß nicht." Marlene Price seufzte unglücklich. „Mir scheint es, als ob du einen weiteren Tag bleiben solltest."

„Marlene" begann Adam, „Zum sechzehnten Mal, ich habe keinen Kratzer an mir und ich bin fast sechs Tagen in der Krankenstation gewesen. Ich denke, dass es okay für mich ist, jetzt zu gehen."

Seine Freundin schien unzufrieden mit dieser Antwort, als sie am Dienstag Nachmittag auf der Ecke seines Krankenbetts saß. „Aber Heiler Holloway weiß nicht einmal, was dir zugestoßen ist..."

„Ich habe dir gesagt, dass er es weiß." Adam bemühte sich genervt zu wirken, aber in Wahrheit störte es ihn sehr, sehr wenig, dass Marlene in zweistündigen Abständen in die Krankenstation rein- und rauslief, seit Heiler Holloway zum ersten Mal Besucher erlaubt hatte. „Er sagte, der Grund dafür, dass Carlotta und der Hufflepuff und ich alle versucht haben... etwas Drastisches zu tun, war höchstwahrscheinlich eine Folge von..."

„Versehentlichem Kontakt mit schwarzmagischen Gegenständen," beendete Marlene seinen Satz für ihn, „Du hast mir das schon hundert Mal gesagt."

„Du hast hundert Mal gefragt."

„Wechsel nicht das Thema."

„Das hat perfekt zum Thema gepasst."

Marlene warf ihm einen Blick zu. Er verstummte. „Alles, was ich sage," fuhr die Blonde fort, „ist, dass euch nicht erlaubt sein sollte, durch die Korridore zu streifen, bis jemand herausfindet, welcher ,schwarzmagische Gegensand' euch alle mit dem nicht aufzuhaltenden Drang erfüllt hat, euch eure Pulsadern aufzuschneiden, in den See zu springen oder vom Astronomieturm zu springen - verschiedene Arten des Selbstmords, eine Tatsache, die ich, nebenbei bemerkt, seltsam finde."

„Heiler Holloway sagte, dass, was auch immer durch unseren Organismus ging, weg ist." sagte Adam und als Marlene weniger als zufrieden schien, fügte er hinzu, „Ich verspreche nicht zum Astronomieturm zu gehen, falls du dich dann besser fühlst. Interessante Beobachtung mit den verschiedenen Methoden. Das ist seltsam."

„Lily hat mich darauf aufmerksam gemacht," gab Marlene zu. „Aber ich war schlau genug ihr zuzustimmen." Sie schaute kurz auf die Uhr. „Ich habe Verwandlung in ein paar Minuten..." (sichtbar enttäuscht). „ Ich seh' dich später, ja?"

„Ich bin bis sechs Uhr heute Abend hier," versicherte Adam ihr.

„Gut, ich werde zum Abendessen da sein," Marlene zögerte. „Nein, vergiss das. Ich muss mich mit Miles zum Abendessen treffen. Er schwört, dass ich schon ewig nicht mehr mit ihm zusammen gegessen habe. Es ist lustig, wie er in dem Moment, in dem ich ansatzweise an etwas anderem interessiert bin... besser gesagt, mit anderen Dingen beschäftigt bin, wieder vollkommen verliebt in mich ist." Adam war nicht besonders amüsiert, aber brachte einen halbherzigen Versuch eines Lächeln zustande. „Ich sehe dich dann heute Abend im Gemeinschaftsraum, okay?"

„Außer ich springe in der Zwischenzeit vom Astronomieturm."

„Nicht lustig, McKinnon. Tschüss." Er winkte zurück. „Tschüss, Carlotta!" fügte Marlene hinzu und winkte der hinreißenden Brünette, die ebenfalls ein Krankenbett in der Krankenstation hatte. Sie winkte ebenfalls, obwohl sie stark damit beschäftigt war, auf einen Pergamentblock zu kritzeln. „Ich bringe dir die Hausaufgaben von Verwandlung," fügte Marlene für Adam hinzu. Er runzelte die Stirn.

„Um die Wahrheit zu sagen, würde ich lieber vom Astronomieturm springen."

Immer noch nicht lustig."

„Bis bald."

Tschüss." Und trotz ihrer gegenteiligen Behauptung verließ Marlene die Krankenstation mit einem leichten Lächeln.

(Freunde, Ex-Freunde und James)

Als Donna am Mittwochnachmittag ihren Aufbruch zu Arithmetik verkündete, konnte Lily nicht sagen, dass sie deshalb besonders aufgebracht war. Und als ein paar Minuten später Luke einen Kuss auf ihre rote Haare gab und sagte, dass er zum U.T.Z. Kurs Alte Runen musste, verdrückte Lily keine Träne. Als sie schließlich alleine an ihrem Tisch in der Bibliothek war, öffnete Lily ihren Lieblings-Jane-Austen-Roman und bereitete sich auf eine Stunde Alleinsein vor. Sie liebte ihre Freunde, natürlich und sie mochte Luke sehr, aber Alleinsein... Alleinsein war schön.

Während sie sich es mit Mr. Knightleys Ankunft in Hartfield bequem machte, schaffte es Lily sogar, das sanfte Ziehen ihres Unterbewusstseins zur Seite zu drängen, das sie daran erinnerte, wie sie früher Freistunden mit Severus verbracht hatte.

Alleinsein war schön.

„Lily, ich brauche Hilfe."

Freunde waren unglücklicherweise wichtiger.

„Alice, was ist los?"

Die Rothaarige legte ihr Buch nieder, als sich Alice Griffiths in den Stuhl gegenüber von Lily fallenließ, ein Ausdruck von gänzlicher Niedergeschlagenheit auf ihrem süßen Gesicht.

„Frank."

„Frank?"

„Mein Freund."

„Ich weiß, wer Frank ist, Liebes."

„Nun, ich brauch Hilfe."

„Kreis, Liebes. Wir reden im Kreis."

Alice sammelte ihre Gedanken, bevor sie wieder zum Reden ansetzte. „Irgendwas ist los mit Frank. In letzter Zeit hat er sich so seltsam verhalten, ich kenne ihn kaum noch."

Lily tätschelte die Hand ihrer Freundin beruhigend. „Al, ich bin mir sicher, dass es bloß all diese seltsamen Dinge sind, die gerade passieren... Ministeriumsermittler, was mit Adam und Carlotta passiert ist... dann der zusätzliche Stress, Schulsprecher zu sein..."

„Es hat schon davor angefangen," argumentierte Alice. „Irgendwas ist deutlich anders an ihm, seit er im August aus dem Urlaub zurückgekommen ist. Er ist launig und unsozial... mal wird er total anhänglich und besteht darauf, irgendwelche Dinge mit mir zu machen, sobald wir dann zusammen sind, fängt er ohne Grund zu streiten an. Die Hälfte der Zeit verschwindet er bloß in seinem Schlafsaal oder auch zu Spaziergängen und er spielt absolut verrückt über das, was Carlotta und Adam passiert ist."

Nach kurzem Nachdenken seufzte Lily: „Tja, Al, ich weiß nicht, wie ich das sagen soll, aber ich denke, Frank könnte schwanger sein."

Die Siebtklässlerin versuchte nicht zu lachen. „Das hier ist ernst, Lily."

„Okay, ernst sein. Wie geht es seiner Familie?"

„Daran habe ich gedacht," antwortete Alice. „Aber sein Bruder sagte, alles wäre gut in dieser Hinsicht. Frank hatte eine tolle Zeit im Urlaub an der Küste und keiner hat was bemerkt, aber seit dem ist er jedes Mal, wenn wir zusammen sind, komplett unberechenbar."

„Ihr zwei habt also nicht Krach gehabt. Ich meine, so einen richtigen schlimmen, der die ganze Sache angefangen haben könnte?" Alice schüttelte ihren Lockenkopf. „Bist du dir sicher? Dann musst du auf die Symptome schauen."

„Was meinst du?"

„Na, wenn jemand krank ist, schaust du auf die Symptome um zu sehen, was los ist. Also, schau dir sein Verhalten an und sieh, welche Art von Problem das Verhalten verursacht. Er ist launisch, sagst du und streitsüchtig."

„Hmm, ja, er fängt einfach an sich über blöde Dinge zu zanken."

„Er ist abwechselnd anhänglich und unsozial?"

„Verbringt mehr Zeit mit ,Spazierengehen' als in den ersten vier Jahren unserer Beziehung."

Lily nickte. „Und er ist definitiv nicht schwanger?"

Lily."

„Also gut, lass mich 'ne Minute nachdenken." Sie dachte eine Minute lang nach. Dann fiel es ihr ein, in welche Richtung alle Zeichen deuteten.

Scheiße.

Aber nein, das war Frank. Frank Longbottom. Das war nicht irgendein Idiot, das war Frank.

„Was denkst du, Lily?" flehte sie Alice schließlich an. Als bodenständiges, praktisches Mädchen hatte Alice in Lilys Bekanntschaft noch nie so verzweifelt gewirkt. Die Rothaarige dachte schnell - es gab Zeiten für Ehrlichkeit und Zeiten für Barmherzigkeit. Der Ausdruck in Alice' braunen Augen sagte ihr, dass diese eine der letzteren war.

„Ich weiß nicht, Al. Es... es könnte alles sein. Ich meine, Frank... er liebt dich, und..."

„Er sagt es nicht mehr."

Lily blinzelte. „Was?"

„Er sagt nicht mehr ,Ich liebe dich'. Er hat es seit Wochen nicht mehr gesagt." Die Siebtklässlerin sagte das sehr leise, Lily nicht in die Augen schauend.

Scheiße.

„Alice, Frank liebt dich. Ich weiß das, okay? Vertrau mir, ihr zwei seid dreißig Prozent davon, warum ich überhaupt an die Liebe glaube. Jane Austen ist die restlichen siebzig Prozent." Alice lächelte. „Was auch immer er gerade durchmacht, du kannst dir dafür nicht selbst die Schuld geben."

„Aber ich weiß nicht, was ich tun soll!"

„Rede einfach mit ihm."

„Ich habe es versucht... er will nicht zuhören."

„Dann sei geduldig," beharrte Lily. „Hör zu, ihr seid eine lange Zeit zusammen... vier Jahre ist eine lange Beziehung in jeder Hinsicht, nicht bloß für Jugendliche. Und mit all dem Durcheinander hier an der Schule und in der Welt, bemüht sich Frank wahrscheinlich bloß... sich anzupassen. Das ist schlussendlich euer letztes Jahr hier."

Traurig nickte Alice.

„Wenn es irgendwie hilft," fuhr die Sechstklässlerin fort, „Professor McGonagall hat mir gesagt, dass sie Frank beauftragt hat, mein Nachsitzen am Freitag zu beaufsichtigen, weil er ja Schulsprecher ist. Ich werde dann mit ihm reden, okay?"

„Würdest du das tun?"

„Auf jeden Fall."

„Aber sag nicht, dass ich irgendwas gesagt habe."

„Natürlich nicht."

„Denk gar nicht erst dran. Und wenn er es errät, lüg ihn an."

„Was wären Freunde, wenn sie nicht füreinander schwindeln würden?"

„Ich liebe dich."

„Ich weiß."

Sich erhebend umarmte Alice Lily kurz und verließ dann - mit einem dankbaren Lächeln - die Bücherei. Lily schaute düster auf ihr Buch. Es war Frank. Frank konnte nicht...

Sie verdrängte den Gedanken aus ihrem Kopf. Die Bücherei wirkte fast wie ausgestorben (nur die rundliche Bibliothekarin, Mrs. Sevoy, blieb sichtbar) und Lily musste dieses seltene Alleinsein ausnutzen, bevor jemand anderes sie störte.

„Lily, wir müssen reden."

Freunde waren wichtiger als Alleinsein, aber Ex-Freunde waren es nicht.

Ohne aufzusehen erkannt Lily ihren neusten Begleiter. Sie sagte nichts, ihr Atem blieb in ihrem Hals stecken.

„Lily, bitte," Er lehnte sich über den Tisch. „Ich weiß, dass du nicht am lesen bist... wir müssen reden, du weißt..."

„Sev, hör auf," Lily schloss ihr Buch ein weiteres Mal. „Severus, hör auf, mir ist es ernst, okay?" Mrs. Sevoy warf einen Blick hinüber und Lily sandte einen entschuldigenden Blick in ihre Richtung. Severus schenkte ihr keine Beachtung.

„Lily, bitte," flüsterte er. „Du hast mich die gesamte Woche gemieden und..."

„Ich habe dich gemieden," erwiderte Lily, „weil das letzte Mal, das wir gesprochen haben, Leute in der Krankenstation gelandet sind. Das gibt dir ein Zeichen, wie gut wir an diesem Zeitpunkt verbunden sind, ja?"

„Ich kann nicht glauben, dass du die Schuld dafür auf dich genommen hast," murmelte Severus, woraufhin Lily ihre Augen rollte.

„Ich hab nicht gesehen, wie du eingesprungen bist."

„Ich - ich war verwirrt... konnte mich nicht erinnern, wer von euch es getan hat. Es war... verwirrend. Aber es war Potter - du hast die Schuld für Potter übernommen, nicht?"

„Die Schlussfolgerung hast du aber schnell gezogen, nicht?" war alles, was Lily sagte.

„Er wäre ekelhaft genug um dich es machen zu lassen," sagte Severus ihr. „Lily, du kannst doch nicht denken, dass..."

„Komm zum Punkt, Sev. Ich versuche zu lesen." Sie hasste sich selbst... sie hasste Sev und seine verfluchte Ehrlichkeit... sie hasste die Bücherei, einfach weil es als Ort für diese dumme Szene diente.

„Ich - Lily, ich will wieder Freunde sein. Ich will, dass wir beste Freunde sind. Ich will..."

„Nein."

„Lily..."

„Nein."

„Aber..."

„Severus, ich weiß, dass du mich immer dazu gebracht hast, klein beizugeben, bei allem ein Auge zuzudrücken, aber nein. Nicht mehr."

Der Slytherin blieb für eine Weile still sitzen, Lily gab vor zu lesen. „Bitte, Lily..."

„Geh weg, Sev." (Weich...sie war sich nicht sicher, ob das tatsächlich das war, was sie wollte).

Er gehorchte. Lily schloss ihre Augen und wartete, bis sie sich wieder alleine fühlte. Als sie sich einmal mehr in der Bibliothek umschaute, schienen die Heldentaten der Emma Woodhouse nicht mehr wie eine ausreichende Ablenkung. Lily schloss ihr Buch und ließ ihr Kinn in ihren Händen ruhen, Ellenbogen auf dem geschlossenen Roman aufgestützt.

Severus.

Ihr Magen wand sich selbst in Knoten - Knoten, die komplex genug waren, dass wenn sie in ihren Schnürsenkel statt in ihrem Magen wären, sie wahrscheinlich eine scharfe Schere nehmen müsste und neue Schnürsenkel kaufen würde.

„Ich kann mir keinen neuen Magen kaufen", bemerkte Lily unbewusst laut.

„Wahrere Worte sind nie gesprochen worden."

Der Rotschopf sprang fast zehn Zentimeter aus ihrem Stuhl. Sie schaute sich wie wild um. James Potter lehnte an einem benachbarten Buchregal, ein schiefes Grinsen auf seinem („blöden", dachte Lily) Gesicht platziert.

„Hast du mich belauscht?" verlangte sie mit gedämpfter Stimme, damit Mrs. Sevoy sie nicht anfahren würde.

„Hast du Selbstgespräche geführt?" konterte James. Mit seinen Händen in den Taschen, bemühte er sich nicht die Lautstärke unten zu halten, als er auf den Tisch zuging.

Lily runzelte die Stirn. „Hast du keine Welpen, die du ertränken kannst oder so was?"

„Setzt du dich etwa für Tierquälerei ein?" erwiderte der andere. Alleinsein war so, so viel wichtiger als Feinde.

„Hab ich jemals deine außerschulischen Aktivitäten unterstützt?" sagte Lily. „Und bitte setz..." James nahm auf dem anderen Stuhl am Tisch Platz. „...dich nicht.", endete Lily mit einem Seufzen. „Bitte, Potter, hast du nicht was Besseres zu tun?"

„Nicht wirklich. Hab schon alle meine Hausaufgaben gemacht. Also, du und Schniefelus seid wieder Freunde, wie ich sehe."

„Tust du?" war ihre einzige Frage. Sie mochte es irgendwie, dass diese Möglichkeit ihn sichtbar verärgert.

„Nun, seid ihr nicht?" Er versuchte gleichgültig zu wirken, aber schaffte es nicht so gut, wie er es an anderen Gelegenheiten hatte. Lily schlug ihr Buch wieder auf.

„Aber du hast schon beschlossen, dass wir es sind und du hast nie Unrecht, James."

„Mir ist es sowieso egal, ob oder ob nicht."

„Offensichtlich."

„Ich war bloß gelangweilt und du konntest nicht anders als dein gesamtes Privatleben in der kompletten Bibliothek zu verbreiten, das ist alles."

„Tja, ich hätte nie vermutet, dass du in der Bibliothek wärst um es mitzubekommen. Sag mir, wann hast du gelernt zu lesen?"

„Das ist ein bisschen fies," sagte James ihr unbekümmert.

Lily blinzelte. War es das? „Es tut mir leid." entschuldigte sie sich schnell. Ihr Begleiter warf ihr einen seltsamen Blick zu, den sie nicht identifizieren konnte. Nach einer Weile kehrte sein Mund wieder zu seinem arroganten Lächeln zurück und er zog eine Augenbraue hoch.

„Entspann dich, Keks. Es ist nicht, als ob es mich nicht einen Dreck kümmert."

„Nein, natürlich nicht. Warum würde es den großartigen James Potter kümmern, dass... wie hast du mich genannt?"

Sein schiefes Lächeln weitete sich zu einem regelrechten Grinsen, als James vom Tisch aufstand. Ohne auf die Frage zu antworten, winkte er bloß und sagte: „Bis demnächst mal, Keks." Triumph lag in seinen Schritten, als er wegging.

Keks.

Keks?

...

Was?

(Kevin Sherbatskys Haare)

„Mir ist langweilig," verkündete James donnerstags beim Abendessen.

Die drei Rumtreiber, die ihn bei besagten Abendessen begleiteten, schickten dem Quidditch-Kapitän und dem eigentlichen Anführer verwirrte Blicke. „Wie kann dir langweilig sein?" fragte Peter ungläubig. „Wir sind noch nicht mal zwei Wochen in der Schule und wir hatten schon eine massive Schlägerei, drei Selbstmordversuche, zwei Ministeriumsermittler, einen Schwarm anderer Auroren, die alles befragen, was sich bewegt und - in deinem Fall - mindestens zwei schwere Auseinandersetzungen mit Lily Evans und zwei Duelle mit Nicolai Mulciber."

„Das meiste davon ist letzte Woche passiert." antwortete James. „Das Mulciber-bisschen am anderen Tag war kaum gefährlich und an ein paar Ministeriumslangweilern ist kaum was Faszinierendes dran. Was ist heute passiert? Nichts. Kevin Sherbatskys Haare sind gestutzt worden, vielleicht, aber wirklich, das war's."

Sirius legte seine Gabel nieder. „Dir ist das auch aufgefallen? Dank Merlin, ich habe gedacht, ich wäre komplett verrückt geworden, um so was zu bemerken."

„Verwirf die komplett-verrückt-Theorie noch nicht direkt." warf Remus ein.

„Irgendwas muss passieren." fuhr James fort. „Irgendwas Gutes. Diese ganze... deprimierende Situation... mittelmäßige Noten in Zaubertränke, Leute, die über sich selber herfallen, massive Schlägereien in der Eingangshalle - es ist... deprimierend."

„Heißt das, dass du mit der verstörten Bob-Dylan-Verhalten aufhörst?" fragte Remus hoffnungsvoll. Peter wollte schon wegen der Anspielung nachfragen, überlegte es sich dann aber anders und hielt seinen Mund.

„Wenn du versuchst, mich zu beleidigen, solltest du mich wahrscheinlich nicht mit einem knallharten Typen vergleichen, Moony," sagte Prongs kühl. „Und nein. Was anderes..." Auf einer Kartoffel kauend ließ James seinen Blick auf der Suche nach Inspiration über die Halle schweifen. Es ging ihm auf, als er den Hufflepufftisch beäugte. „Wisst ihr, was ich hasse?" fragte er.

„Rhetorische Fragen?" bot Sirius an.

„Kevin Sherbatskys Haare," sagte James. Die anderen Rumtreiber waren still, unsicher, in welche Richtung dies ging. Es war Padfoot, der zuerst darauf kam. Er grinste seinen besten Freund an.

„Prongs, Kumpel, ich hatte kein Nachsitzen mehr seit... Jahren, so scheint es."

„Nachsitzen, Mr. Black, diesen Freitag," ermahnte Professor McGonagall den jungen Zauberer, als er mit einer vagen Imitation von Reue auf seinem Gesicht in ihrem Büro stand. „Und Sie werden unzweifelhaft froh sein zu hören, dass beinahe alle Haare von Mr. Sherbatsky wieder hergestellt wurden."

„Sieht es irgendwie besser aus?"

Black."

„Es tut mir leid, Professor," seufzte Sirius. „Ich habe bloß versucht zu helfen. Wer würde denn nicht davon profitieren, wenn die Haare dieses Trottels einfach abgeschnitt... Ich meine, wenn man diesem lieben, süßen Jungen eine Chance bei... seinen Haaren gäbe: Sein erster Versuch war offensichtlich missglückt."

„Ich dachte, Sie hätten gesagt, dass es ein Unfall war."

„War es auch. Ein glücklicher Unfall. Schicksal kommt manchmal auf seltsamen Wegen, Professor."

„Nachsitzen am Freitag, Black."

„Recht haben Sie, Professor. Sie sehen heute übrigens toll aus."

„Raus aus meinem Büro, Black."

„Wenn Sie darauf bestehen."

James wartete vor der Tür auf ihn. Sirius grinste. „Nachsitzen morgen," erzählte ihm der letztere, bevor der erstere überhaupt fragen konnte.

„Und war es das wert?" fragte der Quidditch-Kapitän, als sie in Richtung Gryffindorturm losliefen.

„Oh, einhundertundzehn Prozent," versicherte Sirius ihm. „Ich kann nicht glauben, dass er zehn Minuten gebraucht hat um zu merken, dass all das grässliche Haar auf seinem seltsam geformten Kopf fehlte."

James grinste. „Warum haben wir so was schon so lange nicht mehr gemacht?"

„Weil wir Sommerferien hatten und Kevin Sherbatsky's Haare nicht da waren," sagte Sirius. „Oh, und weil du eine furchtbare Laune hattest."

„Ich hatte einen guten Grund."

Sirius sah ihn an. „Welchen - die Rettung von Carlotta Meloni, weil Lily Evans... Lily Evans ist oder deinen alten Herren?"

James blieb auf der Stelle stehen, während Sirius weiterging. „Du hast es gewusst? Über Dad..."

„Prongs, Subtilität liegt nicht in deiner Familie und ich hab mit euch zwei Monate gelebt. Natürlich hab ich es gewusst." James holte ihn ein, als Sirius anfing zu erklären. „Ich meine, realistisch gesehen, hast du erwartet, dass ich das Märchen glaube, was deine Mum am Frühstückstisch kaum geschafft hat herauszuwürgen, über eine Geschäftsreise, auf die er musste - welche praktischerweise so lange dauerte, bis wir wieder zurück zur Schule mussten? Und da ist die Tatsache, dass die einzigen Bilder von ihm im Haus am Ende des Tages die waren, in denen du auch vorkamst."

„Warum hast du mir nicht gesagt, dass du es gewusst hast?" verlangte James.

„Warum hast du es mir nicht anvertraut?"

„Weil ich kein Mädchen bin. Und ich habe dich zuerst gefragt. Warum hast du mir nicht gesagt, dass du es gewusst hast?"

„Weil du... du bist," sagte Sirius, „Und außerdem hasse ich ernsthafte Diskussionen. Und wenn du daraus jetzt ein Wortwitz machst, schlachte ich dich heute Nacht in deinem Schlaf."

„Zur Kenntnis genommen. Ich kann nicht glauben, dass du es gewusst hast und mich dich weiter für ihn anlügen lassen hast."

„Es war tatsächlich irgendwie amüsant."

„Arschloch." James wechselte die Taktik. „Übrigens, du liegst komplett falsch."

„Über was?"

„Über das, was mich in die schlechte Laune versetzt hat."

„Es war nicht Carlotta, Evans oder dein alter Herr?"

„Nö."

„Was dann?"

„Die Tatsache, dass du bei uns eingezogen bist."

„Arschloch." Sie erreichten den Gryffindor-Gemeinschaftsraum. „Weißt du," fuhr Sirius fort, bevor sie das Passwort zum Einlass nannten, „ich fühle mich irgendwie verarscht."

„Wie meinst du das?"

„Ich habe bloß einmal Nachsitzen bekommen und ich brauche immer noch zehn um überhaupt in die Gefahr der Fünfundsiebzig-Regel zu kommen. Wie ist das eigentlich passiert?"

„Ich habe darüber nachgedacht," antwortete James, „und ich denke, dass ich es herausgefunden hab. Kannst du dich an den... kleinen Vorfall vor ein paar Jahren erinnern... der Kuchen, die Hauselfen, Professor Stonemeyers geliebter Kaktus..."

Sirius grinste nostalgisch. „Das war ein schöner Tag."

„Tja, ich hab die ganze Schuld auf mich genommen und hatte zwei Monate lang am Wochenende Nachsitzen. Das sind sechzehn insgesamt."

„Das könnte stimmen," bejahte der andere. „Ich fühle mich aber immer noch unfair behandelt."

James hob eine Augenbraue. „Willst du zurück gehen und Professor McGonagall nach mehr Nachsitzen fragen?"

„Nein, aber... ich habe gehört, dass sie Kevin Sherbatskys Haare mehr oder weniger wieder hergestellt haben."

Nachdem er es kapierte, begann James zu grinsen. „Ist das so? Gott, das ist so eine Schande, nach all den Schwierigkeiten, die wir durchgemacht haben, um sie verschwinden zu lassen."

„Genau meine Gedanken, Prongs."

„Ich schätze, er ist jetzt unten, dabei, das Abendessen zu beenden, das unterbrochen wurde, Padfoot."

„Das wäre auch meine Vermutung, Prongs."

James verbeugte sich. „Sollen wir, Padfoot?"

„Es wäre mir ein Vergnügen, Prongs."

(Die Überreste des Tages)

„Er hat Kevin Sherbatskys Haare zweimal verschwinden lassen?" wiederholte Lily halb lachend. Sie fing sich. „ Das ist scheußlich. Wirklich scheußlich. Lustig, ja, aber scheußlich."

Frank Longbottom nickte in Zustimmung. „Jedenfalls ist das der Grund, weshalb Sirius Black Nachsitzen hat, glaub es oder nicht. Er scheint allerdings spät dran zu sein."

Das stimmte. Um viertel vor acht war Sirius fünfzehn Minuten zu spät für sein Nachsitzen im Pokalraum. Lily war natürlich pünktlich eingetroffen (eigentlich zwei Minuten zu früh) und Frank hatte sie mit einem Staubtuch in der Hand erwartet, da sie die Trophäen ohne Magie polieren sollte. „Natürlich," hatte Frank hinzugefügt, „bin ich nicht besonders hell, also bin ich mir sicher, dass ich es nicht bemerken würde, wenn du ein oder vier Tücher verzaubern würdest, sodass diese am anderen Ende des Raumes anfangen würden."

Fünfzehn Minuten später fand deutlich mehr Reden als Polieren statt. Als sich das Gesprächsthema von Sirius' Nachsitzen dem Ende zuneigte, drehte sich Lily weg und tat so, als ob sie eine Quidditchtrophäe von 1952 abstauben würde. „Hör zu," begann sie langsam. „Ich wollte dich etwas fragen..."

„Schieß los," antwortete der Schulsprecher, der an einem Apfel knabberte, während er auf einer Bank in der Nähe der Vertrauensschülerabzeichen saß.

„Nun, es geht um Alice," Er sagte nichts, also fuhr sie fort: „Es ist... es ist irgendwas los mit ihr in letzter Zeit. Das hast du bemerkt, ja?"

„Ich - äh... um die Wahrheit zu sagen, habe ich das nicht."

„Tja, es ist bloß, dass... dass sie so bleich aussieht, und sie scheint so erschöpft, weißt du? Jedenfalls hat sie letztens mit mir gesprochen und erwähnt, dass ihr zwei aneinander geraten seid... Gott, ich hoffe, dass das hier nicht aufdringlich ist, ich wollte bloß sichergehen, dass alles in Ordnung mit euch ist." Sie schaute über ihre Schulter um den Schulsprecher anzusehen, aber er verweigerte den Blickkontakt, und konzentrierte sich stattdessen auf den Apfel in seiner Hand.

„Jeder zankt mal," antwortete er abwesend und nach mehreren Sekunden. „Und Alice und ich sind schon seit einer langen Zeit zusammen. So läuft das einfach..."

Lily spürte, wie eine Last von ihren Schultern fiel, zum ersten Mal erkannte sie, dass eine solche Last überhaupt existierte. „Weißt du, das ist genau das, was ich Alice gesagt habe. Ich meine, sie hat nichts, worum sie sich Sorgen machen muss... ihr zwei wart immer so verlässlich und... ich meine, Gott, ihr seid mein Beweis, dass Beziehungen halten. Wie könnte ich mit Donna streiten, wenn ihr zwei Schluss macht?" Sie lächelte, bis sie bemerkte, dass Frank es nicht tat.

„Bloß... bloß weil ein Paar eine Vergangenheit hat, heißt das nicht, dass es für immer zusammen bleibt."

Lily rutschte das Herz in die Hose. Sie wollte ihn anschreien, dass er und Alice für immer zusammenbleiben mussten... dass es Schicksal und Bestimmung und Vorsehung und all diese anderen netten, aber entschieden vagen Vorstellungen war. Stattdessen biss sich die Vertrauensschülerin auf ihre Zunge.

„Alice und ich," fuhr Frank fort, „waren für eine lange Zeit glücklich zusammen, aber das ist unser letztes Jahr in Hogwarts und... tja, ich werde wahrscheinlich ein Auror werden und Alice..."

„Aber ich dachte, Alice wollte auch in die Aurorenabteilung gehen," unterbrach Lily. „Sie hatte dieses Praktikum über die Ferien und ich weiß, dass es ihr wirklich gefallen hat."

Frank zögerte. „Nun... nichts... nichts ist sicher," antwortete er ungenau. „Es passiert gerade so viel... so viel verändert sich... nichts ist mehr richtig sicher. Stimmt's? Es ist bloß, dass..."

„Nun, ich bin da," kündigte Sirius Black seine Anwesenheit an, als er in den Pokalraum schritt. „Bitteschön."

„Du bist..." Frank räusperte sich nervös. „Du bist spät dran, Sirius."

„Wirst du es Professor McGonagall sagen?" wollte der Rumtreiber wissen.

„Nein."

„Frank, Kumpel, du bist der beste Schulsprecher, den es jemals gab und es jemals geben wird." Sirius schnappte sich ein Staubtuch. „Und wie geht es dir, Lily?"

Die Vertrauensschülerin, kurzzeitig aus dem Konzept gebracht, versuchte an etwas zu denken, was sie mit dem Neuankömmling besprechen könnte. „Mir geht's gut. Hey, Black, kannst du mir sagen, was in Gottes Namen Potters neuer Spitzname bedeutet? Warum hört er nicht auf, mich ,Keks' zu nennen?"

Sirius grinste. „Ich habe nicht die leiseste Ahnung, meine Liebe," antwortete er. „Nur Gott weiß, was sich in James Kopf zuträgt. Natürlich bin ich begeistert, ihm die Nachricht zu überbringen, dass du neugierig bist. Er war in letzter Zeit ein wenig verdrossen, seit du so dickköpfig gleichgültig über sein Spiel scheinst."

„Sag es ihm nicht," floh Lily ihn an, „Er wird so selbstgefällig sein. Das machst du nicht, oder?"

„Ich denk drüber nach," Sein gut aussehendes Lächeln blieb verschmitzt und der Raum verstummte. „So, worüber habt ihr geredet, bevor ich dazukam?" fragte der Rumtreiber, ziemlich unschuldig. Lily schaute Frank an.

„Äh... ich hab gehört, dass du Kevin Sherbatskys Haare verschwinden lassen hast," schaffte sie zu sagen.

Sirius nickte feierlich. „Zweimal."

(Jemanden informieren)

Lathes Büro war klein und beengt, ein Raum, der ihm in Eile gegeben wurde, damit er mit seinen Aufgaben so schnell wie möglich beginnen konnte. Mit einem großen, einfachen Tisch, zwei Stühlen, vier schwarzbemäntelten Auroren und Lathe selbst - gerade dabei, Befehle für die anderen vier aufzulisten - schien der Raum noch kleiner. Klein und beschäftigt. Sogar die Wände verströmten dieselbe Beschäftigung und den Aufruhr, wie die Akteure in ihnen, sodass Lily - platziert auf dem Stuhl, der für sie bereitgestellt worden war - sich fühlte, als ob sie das einzige ruhende Objekt in dem Büro war. Sie wartete still darauf, dass Lathe seine Aufmerksamkeit ihr zuwendete und erklärte, was ihre Rolle in diesem Drama sein könnte.

Schließlich verließen die anderen Auroren das Büro um Lathes Bitten nachzukommen und der Zauberer setzte sich auf seiner Seite des Tisches nieder.

„Lily Evans, nicht?" fragte er, einen Blick auf ein Blatt Pergament werfend. Lily nickte. „Tut mir leid, dass ich so lange gebraucht habe um zu deiner Befragung zu kommen."

„Es dreht sich hier um Carlotta, oder?" fragte Lily.

„Hmmm, ja." Er blätterte durch ein paar Papiere. „Du hast deine Erinnerung von dem Morgen des zweiten Septembers schon für eine Denkariumsüberprüfung abgegeben, glaube ich."

„Das stimmt."

„Nun, dann habe ich bloß ein paar weitere Fragen," Er legte seine Papiere zur Seite. „Erzähl mir jedes Detail, das du über Carlotta weißt."

Lily blinzelte. „Jedes Detail? Nichts gegen Sie, Mr. Lathe, aber - ich kenne Carlotta nicht halb so gut, wie die anderen Mädchen oder... Jungs. Shelley Mumps..."

„Michelle Mumps hat ihre Zeugenaussage bereits gemacht," sagte Lathe ihr. „Sie war, leider, hysterisch. Ich wollte mit jemandem sprechen, von dem ich dachte, dass er in der Lage wäre, Wörter zu verknüpfen... du bist eine Vertrauensschülerin und direkt beteiligt am Ereignis, außerdem bist du im selben Schlafsaal wie Miss Meloni. Du warst die logische Wahl."

„Oh."

„Zusätzlich," fuhr er fort, hielt seinen Ton komplett geschäftsmännisch und trotzdem gefüllt mit einer Spur unerklärlicher Ironie. „Ich habe den Bericht des Nachsitzens gelesen, das du aufgrund deiner heftigen Auseinandersetzung mit einem Jungen namens... Mulciber hattest." Lily wandte ihren Blick ab. „Hast du ihn wirklich geschlagen?"

„Das ist... das ist, was sie sagen."

„Hmm... Nun, ich habe Mulciber getroffen. Zweimal, eigentlich. Einmal unwissentlich und einmal um ihn zu befragen. Er war ein Zeuge zu dem Mädchen, welches in den See gesprungen ist." Lily erwartete ein Urteil. In einem gleichmäßigen, unnachsichtigen und nicht amüsierten Ton sagte er: „Ich hätte ihn auch geschlagen."

Lily versuchte nicht zu lächeln, sie war sich nicht sicher, ob sie sich vor Lathe fürchten sollte oder nicht. „Jetzt," fuhr der Auror fort, „brauche ich Details. Alles, woran du denken kannst... alles Seltsame, dass an diesem Morgen oder in der Nacht davor passiert ist... irgendeine seltsame Unterhaltung mit Miss Meloni..."

„Also," begann Lily, „Carlotta kam in dieser Nacht nicht zurück zum Schlafsaal, nicht, dass wir es wüssten. Sie war nicht da, als der Rest von uns schlafen ging und Shelley hat gesagt, dass sie mitten in der Nacht aufgewacht war und Carlottas Bett noch gemacht war. Aber... das haben Sie wahrscheinlich schon gewusst...?" Lathe nickte. „Und... äh... wegen Carlotta, sie... sie ist nett, schätze ich. Wir sind nicht gerade enge Freunde, aber wir sind immer gut miteinander ausgekommen. Sie ist... irgendwie... äh... modern? Sie wissen schon... deshalb waren wir nicht überrascht, als sie in dieser Nacht nicht zurück zum Schlafsaal kam. Wissen Sie, was ich...?"

„Richtig, ja."

„Und... sie ist... sie..." Lily durchsuchte ihr Gehirn nach Informationen, aber bloß belanglose Dinge schienen ihr einzufallen. „Sie meditiert jeden Morgen. Sie mag es an Wochenenden auszuschlafen. Sie... trinkt grünen Tee. Sie ist Vegetarier. Sie..."

„Ein Vegetarier?" unterbrach Lathe plötzlich.

„Sie isst kein Fleisch."

„Mir ist klar, was das Wort bedeutet," antwortete der andere. „Es ist bloß, dass ich fünf andere Befragungen zu Miss Melonis Charakter durchgeführt habe und keiner der anderen hat erwähnt, dass sie Vegetarierin ist." Er kritzelte etwas auf ein Stück Pergament.

„Ist es wichtig?" fragte Lily.

„Oh, ich habe keine Ahnung." Er zuckte mit den Achseln. „Gibt es sonst noch was?"

Lily schüttelte ihren Kopf. „Nicht wirklich. Ich habe kurz mit ihr im Zug an dem Tag gesprochen. Sie war... okay. Normal. Bloß... Carlotta."

Lathe war ruhig für eine Weile, bevor er fragte: „Was kannst du mir über Adam McKinnon sagen?"

„Er ist Hüter für unsere Quidditchmannschaft," antwortete Lily, „und er... äh... also, ich kann mich an nichts anderes Wichtiges erinnern."

„Hättest du gedacht, dass es wichtig ist, dass Carlotta Vegetarier ist?" Lily gab zu, dass sie das nicht gedacht hätte. „Nun, dann...?"

„Es geht um das Mädchen, für das er schwärmt," erklärte der Rotschopf genauer. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass das nicht wichtig ist."

Lathe schüttelte den Kopf. „Nein, das ist nicht wichtig," stimmte er zu. „Nichts anderes?"

Lily überlegte genau. „Also, Adam war schon einige Stunden verschwunden, bevor... tja, bevor er versucht hat, vom Astronomieturm zu springen. Ich weiß das, weil meine Freundin Marlene gesagt hat, dass er nicht zu Pflege magischer Geschöpfe nach dem Mittagessen erschienen ist." Lathe kritzelte wieder etwas auf ein anderes Blatt Papier. „Außer dem fällt mir nichts ein."

„Na gut. Dankeschön. Ich schätze, du kannst jetzt gehen... ich werde nicht mehr von deinem Samstagabend verschwenden." Er rieb sich gedankenverloren das Kinn mit einem Finger, während er auf die Seite vor ihm starrte. „Wenn dir irgendwas anderes einfällt, schreib es einfach auf und schieb es durch meine Tür."

„Gut, natürlich." Lily stand von ihrem Stuhl auf.

„Und wenn du den nächsten Schüler reinschicken könntest..." fügte Lathe hinzu, mit einem Nicken in Richtung Tür, auf welcher anderen Seite eine Zahl von Möchtegernzeugen auf ihre eigene Befragung warteten.

„Sicher."

Sie schritt nach draußen. Am Anfang einer kurzen Schlange stand ein dünner Hufflepuff-Junge mit farblos braunem Haar und großen Augen, nervös mit den Fingern knackend, als er auf etwas wartete, was er anscheinend für eine Zeremonie seiner Todesstrafe hielt.

„Ich denke, du bist der Nächste," sagte Lily ihm aufmunternd. „Mach dir keine Sorgen. Er ist nett."

„Wirklich?" fragte der Hufflepuff. „Weil ich gehört habe, wie Donna Shacklebolt gestern in der Bibliothek über ihn geredet hat und sie hat ein paar schreckliche Dinge gesagt."

„Donna Shacklebolt hätte schreckliche Dinge über den Weihnachtsmann zu sagen," bemerkte Lily, ihm auf die Schulter klopfend. Er lächelte schwach. „Geh einfach rein. Es wird schon gut gehen." Er hörte auf sie und Lily begann ihren Weg zurück zum Gemeinschaftsraum.

(Das andere Problem)

Lachend schob sich Marlene lang genug weg um zu fragen: „Miles, wie viel Uhr ist es?"

Es war Samstagabend und das Paar stand im Korridor des vierten Stocks, Marlene an der Wand und Miles übersäte seine Freundin mit Küssen. „Ich weiß nicht - ist es von Bedeutung?"

„Miles, bitte," argumentierte die andere, trotzdem lächelnd. „Ich muss um sieben Uhr gehen. Wie viel Uhr ist es?" Er war jedoch zu beschäftigt um zu antworten und Marlene schnappte sein Handgelenk um selbst nach der Uhr zu schauen.

„Scheiße," fluchte sie, sich wieder wegschiebend. „Miles, es ist viertel vor acht."

„Komm schon, Marly," seufzte der Ravenclaw, ihren Arm streichelnd. „Du kannst ein wenig zu spät für deine... Lernverabredung sein." Das sagte er mit großer Abscheu.

„Kann ich nicht," protestierte Marlene. „Ich habe meine Freunde diese Woche schon zu oft versetzt. Du bist in letzter Zeit so anhänglich..."

„Ich war nicht anhänglich," antwortete Miles leicht verletzt. „Ich war perfekt nett gewesen, oder? Hab ich irgendwas Gemeines gesagt oder...?"

„Nicht so anhänglich," unterbrach die Gryffindor. „Anhänglich mit den Händen." Ihre Arme um seinen Hals schlingend, gab Marlene ihm einen Kuss, welchen sie völlig als Abschiedskuss meinte. „In Ordnung, jetzt sei brav und ich sehe dich morgen."

Miles schlang seine Arme um ihren Rücken. „Aber Marly, du kannst mit mir lernen. Komm schon, wir gehen zur Bibliothek und alles."

„Genau, weil das, was du vorhast, auf jeden Fall lernen ist, nicht?" Marlene lächelte und schob eine Haarsträhne hinter ein Ohr. „Miles, bitte, ich muss..."

„Aber Marly, bald ist sowieso Ausgangssperre. Dann musst du zum Gemeinschaftsraum zurück und ich kann dich gar nicht sehen. Dann kannst du mit deinen Freunden lernen..."

„Aber..."

„Und außerdem bin ich dein fester Freund... dein fester Freund seit zwei ganzen Jahren..."

Er gab ihr den flehentlichsten Blick, von dem Marlene dachte, dass sie ihn noch nie auf seinem Gesicht gesehen hatte und sie gab nach. „Bloß noch eine halbe Stunde, okay?"

Lächelnd von einem Ohr zum nächsten küsste er sie wieder.

(Im Gemeinschaftsraum)

Der Gemeinschaftsraum war an diesem Abend überfüllt. Das Feuer loderte und da Carlotta und Adam beide zu ihren Schlafsälen zurückgekehrt waren, schien es endlich gestattet, laut zu lachen. Folglich hatten sich die meisten des Gryffindorhauses im Gemeinschaftsraum versammelt und alles – so schien es - war wieder zur Normalität zurückgekehrt.

Es wimmelte von Schachturnieren, Gobsteinpartien und heftigen Runden von Zauberschnippschnapp im Raum, alle waren laut am Reden - ausnahmsweise über ganz normale, pubertäre Dinge. Auf diese Szene stieß James, als er aus dem Schlafsaal kam, wo sich gerade Remus ausruhte, da er sich unwohl fühlte. Der Quidditch-Kapitän schaute sich flüchtig im Raum um, auf der Suche nach jemand Interessantem. Sirius, Peter und Lily waren alle abwesend, aber Adam McKinnon saß in einem Stuhl in der Nähe des Feuers mit einer Pergamentrolle und seinem Zaubertränkebuch.

James setzte sich auf einen Stuhl in der Nähe. „Du arbeitest an einem Samstagabend an einem Aufsatz, McKinnon?" fragte er und fuhr sich mit einer Hand durch sein strubbeliges, schwarzes Haar. „Vorsichtig, zu viel Spaß ist ungesund."

„Lustig," antwortete Adam, „Ich sehe dich gar nicht an irgendwelchen Kronleuchtern hängen."

„Meine Freunde haben mich verlassen," sagte James ihm. „Also geht's dir... du weißt schon... gut? Kein Suizidtrieb mehr?"

Adam schaute ihn an. „Takt ist nicht dein Ding, oder?"

„Leider nicht."

Der andere zuckte mit den Schultern. „Naja, mir geht's gut. Weißt du, muss mich nur noch dran gewöhnen, dass Zweitklässler auf mich zeigen, wenn sie in den Fluren an mir vorbeigehen."

„Mmmm, auf mich wird auch gezeigt," seufzte James. „Aber aus ganz anderen Gründen. Ein netter, schneller Levicorpus würde dem ein Ende setzen."

„Ja," sagte Adam. „Weil das bei dir so gut gelaufen ist."

„Was soll das bedeuten?"

„Bedeuten? Oh, nichts."

James hob seine Augenbrauen. „Was ist mit dir, McKinnon? Ist nicht Marlene Price deine übliche Lernpartnerin? Ich frage mich, wo sie steckt..." Er sah sich im Gemeinschaftsraum um, als ob er sie suchen würde.

„Ich habe keine Ahnung, wo Marlene ist," antwortete Adam entschieden.

„Tust du nicht?" murmelte James.

„Was?"

Was?"

„Was soll das bedeuten?"

„Bedeuten? Oh, nichts." Die zwei Jungen sahen sich für einen Moment an. „Ich lasse dich mal deinen Aufsatz weitermachen," sagte James schließlich, während er aufstand.

„Viel Glück dabei, deine Freunde zu finden," sagte Adam.

Mit einem Nicken ging James zum Sofa. Kurz danach öffnete sich das Porträtloch und Marlene Price nahm seinen früheren Platz in Beschlag. Sie entschuldigte sich überschwänglich für etwas, aber Adam zeigte keine Spur von Verbitterung. James schüttelte wissend seinen Kopf und zog gerade in Erwägung, ein paar Fünftklässler beim Zauberschnippschnapp um ein paar Galleonen zu bringen, als ihm jemand auf die Schulter tippte.

„Hi, Alice."

„Hi, James," entgegnete Alice Griffiths, die ein wenig erschöpft aussah. „Hast du Frank irgendwo gesehen?" Der Quidditch-Kapitän sagte ihr, dass er das nicht hatte. „Scheibenkleister. Tja, trotzdem danke. Vielleicht hat er ein Vertrauensschülertreffen oder so..."

James hätte ihr gesagt, dass für diesen Abend kein Vertrauensschülertreffen geplant war (Remus verpasste fast nie Vertrauensschülertreffen, egal, wie krank er sich fühlte), aber er hatte keine Möglichkeit dazu, da sie direkt wegeilte. Sie verschwand aus dem Porträtloch und es hatte sich noch nicht hinter ihr geschlossen, als Sirius durch es hindurch in den Gemeinschaftsraum schlüpfte.

„Wurde auch Zeit," sagte James, als er hinüber zu seinem Freund ging, „Wo in Gottes Namen warst du?"

„Teetrinken," antwortete Sirius.

„Es ist ein bisschen spät, oder?"

„Mit Onkel A."

„Onkel A.?" wiederholte James. „Das ist blöd." Dann wurde ihm die Ironie der Situation klar. „Ist dir klar, dass du gerade mit einem Lehrer Tee getrunken hast? Du bist jetzt praktisch ein aufmerksamkeitssüchtiger Vertrauensschüler. Ich schätze, sie machen dich nächstes Jahr zum Schulsprecher!"

„Verpiss dich, Potter. Er ist kein richtiger Lehrer, er ist mein Onkel." Sie nahmen in der Nähe einer Ecke Platz, die der runde Raum besaß. „Er ist praktisch mein einzig zurechnungsfähiger Verwandter, weißt du. Ich sollte mich ab und zu vorzeigen."

James grinste, was Sirius als Spott verstand und mit einem Schlag auf den Hinterkopf quittierte.

Sie saßen für eine Weile, unterhielten sich darüber, was ihnen gerade einfiel, bis Peter ankam - von der Küche - und sich zu ihnen setzte. „Wie waren denn die Hauselfen?" fragte Sirius. „Und was hast du uns mitgebracht?"

Peter reichte ihnen ein Tablett mit Nachspeiseresten. „Sie hatten nichts mehr vom Willkommensfest," informierte er Sirius, „Obwohl ich nicht weiß, warum du elf Tage altes Essen wollen würdest."

„Das Willkommensfest-Essen ist erlesen, deshalb," antwortete Mr. Padfoot. „Sie bestellen die Hälfte der Sachen extra aus Hogsmeade, wisst ihr."

„Nein, wussten wir nicht," sagte James. „Und es ist ein wenig befremdlich, dass du das weißt."

„Ich passe darauf auf, was ich esse," sagte Sirius empört. „Hasst mich nicht für mein Wissen."

Lily kehrte um halb neun von einem abendlichen Spaziergang mit Mary und Donna zum Gemeinschaftsraum zurück. Weniger entspannend als aufwühlend, war der größte Teil des Ganges doch eine Diskussion zwischen Lily und Donna über den Auror Lathe gewesen.

„Er ist nicht böse!" protestierte Lily. „Mohnblumenfeld." fügte sie für die Fette Dame hinzu, die ihr Porträt als Antwort auf das richtige Passwort aufschwang und so den drei Hexen den Eintritt in den Gryffindorturm erlaubte. „Er war intelligent und gelassen. Ich mochte ihn."

„Er war unhöflich," antwortete Donna, „Er hat immer wieder gesagt, dass ich..."

„Du verträgst einfach keine Kritik," warf Mary ein, „Es stimmt, Don, weil du normalerweise alles perfekt machst, und wenn irgendjemand es wagt, ein Verbesserungsvorschlag zu machen, trägst du ihm das direkt nach. Deshalb magst du wahrscheinlich Professor Slughorn nicht."

„Ich kann Kritik vertragen," fuhr die andere sie an. „Wie sonst könnte ich es aushalten, mit dir rumzuhängen, Macdonald? Du hackst immer auf mir rum."

„Bitte," spottete Mary, „In den letzten zehn Minuten hast du mir gesagt, dass mein Make-up mich wie eine professionelle Hure aussehen lässt, mein Männergeschmack diese Theorie bestätigt und diese Schuhe für meine Beine unschmeichelhaft sind. Ich hacke immer auf dir rum?"

„Ich sagte, dass dein Make-up dich aussehen lässt wie eine professionelle Hure," sagte Donna. „Nicht, dass du es wirklich wärst. Das ist ja wohl kaum fies."

Lily steuerte sie alle in Richtung der Feuerstelle, aber die Zahl der Schüler im Gemeinschaftsraum in dem Moment machte verfügbare Sitzmöglichkeiten unmöglich. „Siehst du, Donna," sagte die Rothaarige, „das ist, was ich versucht habe dir gestern zu erklären. Du musst nicht jede einzelne Unterhaltung gewinnen."

„Ich verteidige mich bloß."

„Nein, du verwandelst es in einen Streit. Wie Potter es immer macht, richtig? Er nimmt etwas einfaches wie eine Begrüßung und verwandelt es in einen Wettkampf... indem er dir einen blöden Spitznamen gibt, von dem er weiß, dass du nicht in der Lage sein wirst, ihn zu entschlüsseln, aber du kannst nicht nachfragen, weil das bedeutet, dass er gewinnt... weil er es in einen Wettbewerb verwandelt hat."

„Wir reden hier nicht mehr über mich, oder?" fragte Donna.

„Manchmal," wiederholte Lily, „musst du die Dinge gehen lassen."

Donna blickte finster. „Aber Gewinnen ist so... schön."

Lily nickte und klopfte ihrer Freundin mitleidig auf die Schulter.

„Hey, Keks," sagte eine neue Stimme und James Potter erschien mit ihr. Er grinste sie fröhlich an, als ob sie beste Freunde wären. „Hattest 'nen guten Tag, ja?"

„Ich werde nicht fragen," sagte Lily kalt. „Sorry, Potter, du verlierst, weil es mir egal ist, was dein blöder Spitzname bedeutet." Sie versuchte wirklich, es auch so zu meinen.

„Bist du dir sicher, Keks?"

„Ja."

„Weil du sagst, dass ich verloren habe, aber es fühlt sich schrecklich nach gewinnen an. Besonders seit du Sirius gefragt hast, dir zu sagen, was es bedeutet."

Lily sah Black mürrisch an. „Du hast gesagt, du würdest es nicht erzählen."

„Ich habe gesagt, dass ich darüber nachdenke," antwortete Sirius verteidigend. „Und es ist die Macht der Gewohnheit, James alles zu sagen... es ist einfach irgendwie rausgerutscht. Er hat so fröhlich ausgesehen, als ich es ihm erzählt habe... wie ein kleines Kind an Weihnachten."

James boxte seinem Freund in die Schulter.

„Ich gehe ins Bett," verkündete Lily, die Tatsache ignorierend, dass es noch nicht neun war. „Gute Nacht, alle."

„Das ist irgendwie unhöflich," beobachtete James.

„Nun, jedes Mal, wenn ich höflich zu dir bin, bist du ein totales Arschloch," erwiderte der Rotschopf. „Ich habe beschlossen, nicht auf die Hoffnung reinzufallen, dass du dieses Mal ein wenig Menschlichkeit zeigen würdest."

Unbeeindruckt nickte Potter weise. „Gute Idee, Keks."

Sirius seufzte und drehte sich zu Peter: „Das kann jetzt noch ewig so weiter gehen - Lust mit mir den Fünftklässlern ein paar Galleonen abzuluchsen?"

„Zauberschnippschnapp?" fragte Peter fröhlicher.

„Natürlich."

„Ihr wisst, wie man bei Zauberschnippschnapp schummelt?" fragte Donna, sichtbar beeindruckt. Sirius nickte.

„Können wir mitmachen?" fragte Mary.

„Wenn ihr denkt, dass ihr euch von dieser spannenden Unterhaltung trennen könnt." Sirius nickte in Richtung der noch immer Zankenden, James und Lily.

„Das schaffen wir."

Die vier gingen, aber weder James noch Lily bemerkten dies. „Oh, bitte," spottete die letztere. „Kannst du nicht einfach... für die kürzeste aller Sekunden so tun, als ob dein unglaublich großes Ego deinem unendlich kleinen Gehirn in deinem Kopf erlaubt, die Theorie zu verstehen, dass die riesigen Ausmaße des Universums sich nicht um dich drehen, im Gegensatz zu deiner schockierend sichtbaren Annahme?"

„Gott, Keks, ich brauche nicht deine Lebensgeschichte! Was sagt man noch gleich über Kürze und Würze?"

„Zitier mir nicht Shakespeare." (Als ob er über Gott gelästert hätte.) „Dir ist nicht erlaubt, mir Shakespeare zu zitieren. Mir gehört Shakespeare... du bist bloß ein posierender Idiot."

„Ich weiß nicht mal, was Shakespeare ist. Was ist eigentlich dein Problem?"

„Hauptsächlich? Hauptsächlich bist es eigentlich bloß du, Potter!"

„Die Größe deiner Selbstgerechtigkeit hört nie auf mich zu erstaunen und zu verwirren, Keks."

„Das ABC hört nie auf dich zu erstaunen und zu verwirren."

„Oh, tut mir leid... was hast du wieder bei deinen ZAG's bekommen? Waren es... sieben Os? Warte. Nein. Das war ich."

„Bei Merlin, wirklich? Ich denke nicht, dass du das schon irgendjemandem erzählt hast... außer alle zehn Minuten, seit du den Bahnsteig betreten hast!"

„Lustig." Er grinste. „Wenigstens habe ich etwas, mit dem ich angeben kann."

Lily atmete stark aus. „Das ist dumm." sagte sie schließlich. „Ich mache das nicht mehr. Ich streite mich nicht mehr mit dir. Ich rede nicht mehr mit dir. Ich ignoriere dich. Es ist für alle das Beste, wenn wir einfach nicht mehr miteinander kommunizieren."

„Passt mir gut, Keks."

Mit einem letzten wütenden Blick drehte sich Lily auf der Stelle um und begann in Richtung ihres Schlafsaales zu laufen. Sie hielt an, bevor sie die Treppe erreichte.

Keks.

Als sie sich jetzt wieder umdrehte um Potter anzusehen, hatte Lily ein Lächeln auf ihren Lippen. James wusste nicht warum, aber es war ein wenig einschüchternd (irgendwie auch fantastisch). Sie ging zurück zu ihm. „Ingwerkekse," sagte sie. Er blinzelte. „Ingwerkekse... Gewürzkekse... die Nachspeise." Sie zeigte zu ihrem Haar. „Rötlich-braun. Keks." Sarkastisch. „Clever."

James begann zu grinsen. „Bravo."

„Die Untiefen deines Gehirns zu verstehen ist wirklich leicht," bemerkte Lily, falsch süßlich. „Ich hätte wissen müssen, dass es Essen beinhaltet." Sie drehte sich um, machte sich wieder einmal auf ihren Weg zu ihrem Schlafsaal, und erinnerte sich daran, Donna später zu sagen, dass sie Recht gehabt hatte.

Gewinnen war schön.