AN: Sorry, dass ich nicht schon früher das Kapitel hochgeladen haben, hatte es am Sonntag komplett vergessen. Vielen Dank an meine Beta und meine Schwester, die mir wie immer tatkräftig geholfen haben!
Dieses Mal wird Lily etwas ganz Pikantes erfahren... Ich wünsche euch viel Spaß mit dem Kapitel!
Kapitel 5 - „Die Gestalt der Dinge, die noch kommen"
Oder
„Revolution"
Der Nachthimmel streckte sich aus, ein königliches Porträt aus mit Diamanten besetztem Samt. Über dem Wald sammelten sich ein paar milchige Wolken und ein lauer Wind fegte über das Gelände, jeder Grashalm zitterte, jedes Blatt raschelte. Lily schloss ihre Augen, atmete tief durch und lehnte sich etwas weiter aus dem Fenster. Die Kälte, die Dunkelheit, die Sterne, die Lichtflecken im ruhigen See - sie waren wunderschön. Sie gehörten zu den schönsten Dinge, die sich Lily vorstellen konnte. Sie liebte diese Landschaft, aber das musste aufhören.
„Lily, bist du wach?" kam Marlenes Stimme aus deren Bett und Lily drehte sich um, damit sie ihre Freundin sehen konnte, die durch ihren Bettvorhang spähte. Sie war noch im Halbschlaf. „Das ist die vierte Nacht in Folge."
Es war die dritte, aber Lily widersprach ihr nicht. „Schlaf weiter, Mar."
„Lily..." Aber die Blonde fügte sich, zog die Vorhänge zu und ließ sich auf ihr Kissen fallen, so dass Lily den Aufschlag hören konnte. Sie lächelte schwach.
Die dritte Nacht in Folge.
Die dritte schlaflose, schöne, ermüdende Nacht in Folge.
Die siebte in diesem Monat.
Zwei Wochen zuvor hatte Lily die Ankunft des Oktobers in exakt demselben Fenster des Mädchenschlafsaals beobachtet und in zwei weiteren Wochen würde sie - ohne jeden Zweifel - beobachten, wie er zugunsten des Novembers verblasste. Seufzend stützte Lily ihr Kinn auf ihre Hände, schloss ihre Augen und hoffte auf Schlaf... nur für fünf oder sechs Stunden.
„Lily!" rief eine Stimme aus dem Abgrund und Lily drehte ihren Kopf weg. Sie wollte nicht davon weggerufen werden... „Lily, es ist halb neun!"
Scheiße.
Lilys Augen flogen auf. Carlotta Meloni stand über ihr, die Hände auf ihre perfekt schmalen Hüften gestemmt, während sie eine Augenbraue hochzog. „Du hast wieder auf der Fensterbank geschlafen, Lily." sagte Carlotta, als Lily auf ihre Füße stolperte.
„Verdammt. Halb neun, hast du gesagt?"
Carlotta nickte.
„Wo sind die anderen?"
„Die sind vor fünfundvierzig Minuten zum Frühstück gegangen. Sie haben mir gesagt, dass ich dich um acht Uhr wecken soll, aber ich war unter der Dusche, und..."
„Nein, schon in Ordnung."
Lily schaute sich im Schlafsaal um und versuchte ihre Schulkleider zu finden. Mit einem leichten Lächeln auf den rosigen Lippen zeigte Carlotta auf Lilys Koffer. „Danke," sagte die Vertrauensschülerin, griff nach ihren Kleidern und ging zum Waschtisch. Sie begann sich zu schminken.
„Weißt du," begann Carlotta und setzte sich auf ein Bett, „ich würde vorsichtig sein, wenn ich du wäre."
„Was meinst du?" fragte Lily, die nur mit einem Ohr zuhörte. Sie bewegte die Mascarabürste eilig über ihre dicken schwarzen Wimpern.
„Na, ich hab mal so ein Buch gelesen, in dem stand, dass, wenn man ohne Grund nicht schlafen kann, dein Unterbewusstsein weiß, dass etwas passieren wird."
Lily sah Carlotta im Spiegel an. „Etwas Schlechtes?"
„Vielleicht," sagte die Brünette. „Etwas Großes, das ist sicher."
„Oh. Naja, vielleicht hat es gar nichts damit zu tun... ich meine, die Schule war in letzter Zeit wirklich stressig und alles."
„Richtig." Carlotta nickte und fuhr mit einer Hand durch ihr glattes, dunkles Haar. „Ich bin mir sicher, dass es nicht so was ist." Sie war still für eine Weile.
Lily biss sich auf die Lippe. „Was ist mir dir, Carlotta? Kannst du auch manchmal nicht schlafen?"
„Oh, nein, mir geht es gut." Aber Carlottas Stimme schien höher als normalerweise. „Nichts ernstes, wenn man bedenkt,... du weißt schon, was im September passiert ist."
In dem Wissen, dass sie spät dran war, aber auch in dem Wissen, dass sie gegenüber dem Mädchen, das sie heute morgen geweckt hatte, eine Art Verpflichtung hatte, fragte Lily nach: „Was ist los, Carlotta? Ist was mit der Schule nicht in Ordnung?"
„Nein, nein... es ist bloß... dumm. Ärger mit Jungs, weißt du."
„Ärger mit einem Jungen? Du? Carlotta... Liebes... welcher Junge hat dich jemals abgewiesen?"
Die Brünette lachte (selbst das war perfekt). „Ich hab in den Sommerferien ein wenig Zeit mit diesem Kerl verbracht," begann sie, absolut begeistert. „Er ist... süß und fantastisch, aber... ich bin nicht sein Typ."
„Ist er schwul?"
„Nein."
„Dann bist du sein Typ, Carlotta."
„Also denkst du, ich sollte... es weiter verfolgen?"
„Wenn du ihn magst und du denkst, dass er dich auch mögen könnte, warum nicht?"
Carlotta strahlte. „Danke, Lily. Ich kann mit Shelley nicht über so was sprechen... sie versteht nicht, wie man auf einen Typ stehen kann, der nicht James Potter ist."
„Diese Besessenheit hat sich nicht gelegt?" seufzte Lily. Carlotta schüttelte den Kopf. „Ich seh' dich im Unterricht, Lily."
„Richtig. Bis dann."
„Und... Lily... Ich bin sicher, es wird nichts Schlimmes passieren."
Sie schwebte aus dem Raum und Lily sah ihr hinterher. Wieder alleine schaute die Rothaarige in den Spiegel und starrte auf ihr verschlafenes Spiegelbild. Carlotta hatte viele seltsame Einfälle und diese Sache über „nicht schlafen können" war wahrscheinlich nur einer davon. Das war wahrscheinlich nur... Acht Uhr vierunddreißig.
„Scheiße," fluchte Lily und tuschte schnell die Wimpern ihres anderen Auges. Wenn sie sich nicht beeilte, würde definitiv etwas Schlechtes passieren, das war kein Geheimnis...
(Etwas)
„Sie sind zu spät," sagte McGonagall, als Lily in eine Bank rutschte.
„Nur ein wenig," flehte die Gryffindor. McGonagall warf ihr einen warnenden Blick zu, aber sagte nichts mehr dazu.
„Wie ich vor der Unterbrechung sagte," fuhr die ältere Hexe fort, „sind non-verbale Verwandlungen besonders schwierig. Wie auch immer, während es leichter ist, die Worte zu verbalisieren, gibt es weniger Möglichkeiten für Fehler, wenn man einen non-verbalen Spruch benutzt. Deshalb kann der Versuch von menschlichen Verwandlungen mit nonverbalen Sprüchen schwieriger sein, aber es wird nicht gefährlicher sein. Deswegen habe ich entschieden, dass ihr diese Woche mit einführenden Übungen zur menschlichen Verwandlung beginnt und dann mit nonverbalen menschlichen Verwandlungen nächsten Mittwoch weitermacht. Ich weiß, dass die meisten von euch es vorziehen, sich auf die Hilfe der ausgesprochenen Zauber zu verlassen, aber für Sechstklässler ist es nicht länger akzeptabel, wenn dies Ihre einzige Art zu zaubern ist. Alle Lehrer werden ungesagte Zauber in ihren Unterricht einfügen, wenn möglich..." Hier stöhnte der Großteil der Klasse, „und es wird in ihren UTZ Prüfungen nächstes Jahr erscheinen. Hefte raus..."
Sie zog ihren Zauberstab und schwang ihn - ein Stück Kreide erschien und begann an die Tafel zu kritzeln. Lily nahm ihr Heft raus und drehte sich zu Mary, mit der sie sich einen Tisch teilte.
„Großartig - ich bin grottenschlecht im ungesagten Zaubern und jetzt werden wir sie in allen Fächern machen."
„Hm..." Aber Mary schien nicht zuzuhören. „Lily, wer ist dieser Typ, der in letzter Zeit so viel mit Adam McKinnon rumhängt?"
Lily schaute in die Richtung, in die Mary ihre Aufmerksamkeit gerichtet hatte und bemerkte den dünnen, großäugigen Hufflepuff, auf den sie Wochen zuvor vor Lathes Büro gestoßen war. „Ich weiß nicht, wie er heißt," gab Lily zu. „Aber ich denke, er ist der Typ, der Adam entdeckt hat, als der vom Turm springen wollte. Ich habe bloß zwei oder dreimal mit ihm gesprochen. Warum fragst du?" Als Mary nicht direkt antwortete, fügte Lily hinzu: „Er ist nicht genau dein Typ, oder?"
„Nein. Oh, Gott, nein." Mary zuckte zusammen. „Das ist es nicht... aber er hat mich so komisch angeschaut, als ich heute Morgen ins Klassenzimmer gekommen bin."
„Ruhe bitte," rief McGonagall verärgert und jeder plaudernde Schüler im Raum verstummte. „Danke."
Als die Glocke zum Unterrichtsende läutete, stand Lily mit den anderen auf und kämpfte sich - mit den anderen - Richtung Tür. Der Flur war wie erwartet überfüllt, aber Lily war nicht in Eile: Sie hatte eine Freistunde und plante diese schlafend im Gemeinschaftsraum zu verbringen. Sie gähnte laut und wartete darauf, dass sich das Gewimmel auflöste. Sie hatte gerade den sechsten Stock erreicht, als sie eine große Gruppe von Schülern entdeckte, die sich um das Notizbrett drängten.
„Sind die Quidditch-Testspiele endlich angekündigt worden?", fragte sich Donna, die neben Lily ging, laut. Mary war zu einem Ravenclaw-Typ verschwunden, mit dem sie sich traf und Marlene war nicht aufzufinden. „Potter hat uns seit einer Woche ohne Sucher trainieren lassen. Komm, lass uns kurz schauen."
Die zwei Mädchen drängten sich zum Notizbrett.
„Jemand muss die runterholen!" sagte ein junges Mädchen in gedämpftem Ton. „Wenn Dumbledore das sieht..."
„Unsinn, Dumbledore muss schon davon wissen," antwortete ein älterer Junge. „Nichts passiert, ohne dass Dumbledore davon weiß..."
„Sei nicht naiv, Bertie," fuhr ihn jemand anderes an. „Wir müssen sie runterholen!"
„Ich weiß sowieso nicht, was so schlimm daran ist. Es ist bloß jemandes Meinung, das ist alles."
„Halt die Klappe, Kelly. Nimm sie runter, Bertie. Du bist Vertrauensschüler!"
„Was runter nehmen?" fragte Lily laut, aber ihre Frage wurde beantwortet, als sie das Notizbrett erreichte. Ein dutzend Blätter Pergament waren an der Wand aufgehängt, die komplette Oberfläche bedeckend, mit fetten schwarzen Buchstaben bedruckt:
DER DUNKLE LORD ERHEBT SICH
Lily stockte das Herz. Dann atmete sie tief durch und riss eines der Blätter herunter. Sie riss noch eins und noch eins und hatte alle mit Donnas Hilfe in ein paar Sekunden unten. Sich zu den anderen drehend sagte Lily kalt: „Wenn ihr andere von diesen sieht, meldet es direkt einem Lehrer, ist das klar?"
Jeder war still. Schließlich räusperte sich ein Fünftklässler-Vertrauensschüler namens Bertram Aubrey und sagte: „Lily, machst du Witze?"
„Was meinst du?"
„Hast du nicht gesehen...?"
„Was gesehen?" fragte Lily ungeduldig.
„Die... die Schilder." Er zeigte zum Ende des Flurs. Die Wand senkrecht zu dem Flur, in dem sie jetzt standen, war von Boden bis Decke mit den Plakaten bedeckt. Der dunkle Lord erhebt sich.
„Sie sind auch in unserem Gemeinschaftsraum," meldete sich ein Zweitklässle r.
„Warum haben die Lehrer sie nicht gesehen?" fragte Lily.
„Sie waren heute Morgen nicht hier," sagte jemand ihnen. „Ich habe sie erst nach der ersten Stunde bemerkt."
„Ich auch."
„Ja, das habe ich auch."
„Jemand sollte den Lehrern Bescheid sagen," sagte Donna.
„Sie werden im Unterricht sein," sagte Bertram. „Es wird jeden Moment klingeln."
„Denkst du nicht, dass sie denken könnten, dass das es wert ist, ein wenig Unterricht zu verpassen?" fragte Lily trocken. Bertram wurde rot. „Also gut, alle - geht zum Unterricht. Wir haben jetzt eine Freistunde, wir werden den Lehrern Bescheid sagen."
Die Menge zerstreute sich langsam. Lily drehte sich zu Donna. „Ich habe eine Aufgabe für dich und du wirst sie nicht mögen, aber wenn es dich beruhigt, ich werde bei meiner Aufgabe auch nicht mehr Spaß haben als du."
Donna runzelte die Stirn. „Ich mag den Klang davon wirklich gar nicht."
Klopf, klopf.
Donnas Faust klopfte hastig an der Bürotür und einen Moment später rief eine erschöpfte Stimme von innen. „Ja?"
Sie öffnete die Tür und schritt hinein. Jack Lathe saß an seinem Schreibtisch mit einer Hand in seinem Haar und mit der anderen durch einen großen Stapel Papier blätternd.
„Kann ich dir helfen?" fragte er ohne von seiner Arbeit aufzusehen.
„Da ist etwas... äh... etwas, das in der Schule passiert, von dem ich dachte, dass Sie davon wissen sollten."
„Hat es irgendwas mit der Untersuchung zu Miss Meloni, Mr. McKinnon und...?"
„Nein."
„Warum sollte ich dann davon wissen?" fragte er, schaute auf und hob seine Augenbrauen. Donna zog ein gefaltetes Papier aus ihrer Tasche, faltete es auseinander und legte es auf den Tisch. Die fünf schwarzen Worte starrten auf Lathe und er auf sie. Dann sah er Donna in die Augen und fragte sehr, sehr ernst: „Wo?"
„Überall."
Lathe kam auf seine Füße, schnappte sich einen Umhang und warf ihn sich um die Schultern. „Hat jemand Dumbledore Bescheid gegeben? Der Lehrerschaft?"
„Jemand... jemand ist gerade dabei, es Dumbledore zu sagen."
(Lass mich nicht im Stich)
Es war der stillste Gang, den James je gemacht hatte, dieser Weg zu Dumbledores Büro. Lilys Schritte waren energisch, ohne Zweifel zu dem zweifachen Zweck, einmal schnell das Büro des Schulleiters zu erreichen und einfach ihrem Begleiter voraus zu sein. Die Stille zwischen ihnen war zu zähflüssig und ungemütlich um überhaupt peinlich zu sein. Es war einfach still. Sie erreichten die Statue des Greifs, von welchem beide Schüler wussten, dass er der Eingang zu Dumbledores Büro war.
„Also dann," forderte ihn Lily nach einem Moment auf. „Wirst du... du weißt schon...?"
„Oh, richtig." James überlegte kurz. „Pfefferminz-Kröten." sagte er schließlich. Sie warteten. Der Greif blieb unverändert.
Lilys Hände fanden ihren Weg zu ihren Hüften. „Ich dachte, du hättest gesagt, dass du reinkommen kannst."
„Das war das Passwort von letzter Woche!" antwortete James verteidigend. „Und fahr mich nicht an. Du warst diejenige, die mich aus einem vollkommen guten Schachspiel gezerrt hat..."
„Remus war dabei, dich zu besiegen und das hier ist wichtiger. Außerdem hast du mich angelogen..."
„Ich hab dich nicht angelogen, Keks. Du hast gefragt, ob ich wüsste, wie man in Dumbledores Büro kommt - was ich tue - und ob ich das Passwort wüsste - was ich gedacht habe."
Lily schüttelte ihren Kopf. „Gut. Gut, geh du zurück zu deinem kostbaren Schachspiel und ich versuche Professor McGonagall zu finden."
James verschränkte seine Arme. „Du gibst so schnell auf? Jämmerlich."
„Was?"
„Also weiß ich das Passwort nicht! Na und?"
„Also können wir nicht rein."
James legte seinen Kopf schief. „Oh, du Ungläubige." Er drehte sich zum Greif. „Gummischnecken." Nichts passierte. „Lakritzzauberstäbe. Bonbons. Schokoladenkessel... Vanillekessel. Äh..."
„Im Ernst, Potter? Das ist dein Plan?"
„Hör auf zu nörgeln und hilf."
Lily runzelte die Stirn. „Eismäuse," sagte sie. Nichts passierte. „Das ist blöd. Ich gehe McGonagall holen."
„Nachdem du so sehr versucht hast, das Passwort zu erraten?" fragte James sarkastisch. „Kakerlakenschwarm? Wirklich, Keks, versuch es doch mal."
„Na gut. Zuckerpflaumenfeen."
„Nicht schlecht. Karamellquaffeln."
„Zahnweiß-Pfefferminzlakritze."
„Igitt. Säurepops."
„Dunkle Schokodrachen."
„Bertie Botts Bohnen jeder Geschmacksrichtung."
„Zuckerfederhalter."
„Karamellfliegen."
Der Greif knarrte. Langsam begann er sich zu drehen, sich zu öffnen um eine Treppe zum Vorschein zu bringen. James verbeugte sich. „Glückwunsch, Keks."
Lily lächelte. Dann fing sie sich. „ Hör auf damit," befahl sie. Er hob seine Augenbrauen.
„Mit was aufhören?"
„Mit Nett sein."
„Du willst, dass ich fies bin?"
„Ich will, dass du beständig bist."
„Wann bin ich fies?"
„Ich werde mich nicht dazu herablassen, das zu beantworten."
James zuckte mit den Schultern. „Gut. Was auch immer." Und einfach so, war der launische James wieder da. „Bis später, Keks." Mit den Händen in den Taschen begann er zu gehen.
„Kommst du - kommst du nicht mit zu Dumbledore?" rief Lily ihm nach.
Er hielt an und schaute unberührt zu ihr zurück. „Was interessiert es mich, ob irgendein Slytherin Idiot Voldemort-Propaganda aufhängt? Worte können nicht verletzen, oder?" Auf seinem Gesicht war eine Spur seines schiefen Grinsens zu sehen, als er begann davonzugehen.
„Ich dachte, es hieß, ,für die richtige Sache einstehen'," forderte ihn Lily heraus. James schüttelte den Kopf.
„Nein. Du hast es vertauscht... es heißt ‚wissen, wann es sich zu kämpfen lohnt'."
„Ich schätze, wir werden wohl nie in den selben Kämpfen enden, du und ich," sagte Lily.
„Ich schätze nicht."
(Ein Tag im Leben)
„Hast du gut geschlafen, Lily-Blume?"
Das kam von Luke, als das Paar am Freitagabend in der Bücherei saß. Lily sah zu ihrem Freund hoch, sich auf die Lippe beißend. „Warum fragst du?"
„Marlene hat gesagt, dass du sehr oft lange wach bist," antwortete er und nahm ihre Hand.
„Oh. Oh, richtig. Nein, ja, ich leide halt im Moment unter ein wenig Schlaflosigkeit, das ist alles."
„Ist irgendwas los?"
Lily erkannte, dass Luke reden wollte, also hatte sie keine Möglichkeit ihren Verwandlungsaufsatz jetzt fertig zu schreiben. Sie schob ihre Bücher zur Seite und ließ ihr Kinn auf ihrer Hand ruhen, ihr Ellbogen auf dem Tisch aufgestützt, den das Pärchen sich teilte. „Ich schätze, es ist der Schulstress. Und diese Plakate, die überall in der Schule erscheinen... das jagt einem ein wenig Angst ein, weißt du?"
„Oh, das sollte dir keine Sorgen machen," sagte Luke. „Wirklich, Blume, es ist Unsinn, wodrauf ein paar übereifrige, altmodische Typen kommen können." Erkennend, dass das Problem von so wenig Bedeutung war, kehrte Luke wieder zu seinen Hausaufgaben zurück. Lily war weniger zufrieden.
„Luke," begann sie langsam. „Die Todesser Bewegung ist mehr als ein paar ,übereifrige, altmodische Typen', die rumrennen und Plakate an Anschlagtafeln kleben... du weißt das, oder?"
„Hmmm... kaum. Sag mal, weißt du, welche drei Zaubertränke dazu benutzt werden können um die Symptome von Drachenpocken zu lindern?"
„Luke," beharrte seine Freundin ernst. „Dieser Voldemort... er meint es ernst. Er hat genug Unterstützung, dass er eine ernsthafte Gefahr für..."
„Lily, seine Unterstützer sind eine Horde von reichen, alten Zauberern und ein paar heißblütigen Jugendlichen. Du hast nichts, worum du dir Gedanken machen musst."
„Ich habe sehr wohl etwas, über das ich mir Sorgen machen muss." protestierte Lily. „Luke, diese Leute haben ernsthafte Unterstützung. Hast du gewusst, dass bevor das wirkliche Töten angefangen hat, zweiundvierzig Prozent der magischen Bevölkerung gesagt hat, dass sie dachten, dass Voldemort die richtige Idee hat?"
„Das ist bloß eine Statistik, Blume," sagte Luke. „Wirklich, du musst verstehen, dass viele Zauberer denken, dass unsere Welt besser wäre, wenn jeder gleich wäre und du kannst ihnen nicht ganz die Schuld geben..."
„Gleich" antwortete Lily kalt. „Reinblütig, meinst du? Niemand ist gleich, Luke. Das ist das Leben. Was wollt ihr machen - all die Muggelstämmigen töten?"
„Nein, Lily, natürlich nicht! Nein!"
„Ruhe in der Bibliothek!" fuhr die Bibliothekarin, Mrs. Sevoy, sie an, einen Schritt in ihre Richtung nehmend. Sie senkten ihre Stimmen und Luke fuhr fort:
„Offensichtlich ist es unmöglich, jeden gleich zu machen," flüsterte er. „Aber alles wäre so viel einfacher, wenn es einen Weg gäbe..." Lily öffnete ihren Mund, um zu protestieren, aber er fuhr fort: „...wenn es einen Weg gäbe, jeden reinblütig zu machen... oder so, dass keine Muggel die magische Veranlagung erben könnte und es gäbe keinen Krieg mehr in unserer Welt. Du musst sehen, wie verlockend das für manche Menschen ist, Blume."
Lily brauchte einen Moment um ihre Stimme zu finden. „Luke," sagte sie, langsam, weil sie seit einer langen Zeit nicht mehr so viel Wut in sich gespürt hatte. „Wenn keine Muggel, wie du es genannt hast, die magische Veranlagung erben könnten, würde ich jetzt nicht hier sitzen."
„Nun, es ist alles hypothetisch gesprochen, also was spielt es für eine Rolle? Du sitzt jetzt hier... das ist das Wichtige." Er lächelte sie wohlwollend an.
„Es ist nicht alles hypothetisch - tut mir leid, Mrs. Sevoy - es ist nicht alles hypothetisch, siehst du es nicht? Es wird in der Praxis ausgeübt... Voldemort, die Todesser... das ist die Erscheinungsform dieser Idee. Und du kannst nicht alle gleich machen... Menschen werden immer unterschiedliche... Intelligenz, Begabung, Meinungen haben. Das ist, was Mensch sein ist... Schattierungen, Fehler..."
„Aber Lily" sagte Luke, als ob er mit einem kleinen Kind spräche, „wir sind nicht bloß Menschen. Wir sind magisch. Wir sind Hexen und Zauberer... das ist etwas anderes als bloß menschlich."
„Wir sind trotzdem fehlerhaft," sagte Lily, ihr Ton jetzt vollkommen steinern. Sie stand vom Tisch auf.
„Wohin gehst du, Lily-Blume?" fragte der Ravenclaw, ehrlich verwirrt.
„Ich... ich habe plötzlich ganz viel Hunger. Ich gehe zum Abendessen."
„Es ist noch nicht mal halb sechs!"
Aber Lily schob ihre Schulutensilien in ihre Schultasche und eilte aus der Bibliothek. Sie ging zügig durch den Korridor, noch nicht ganz sicher, wohin sie wollte. Wie konnte jemand so blöd sein? Wie konnte jemand die Welt vollkommen falsch verstehen? Wie konnte er wirklich glauben, dass Magie die Fehler unserer Art aufgelöst hatte? Wie konnte man so blind für alles sein?
Sie war beinahe am Joggen, als sie den dritten Stock erreichte und dort entdeckte sei eine große Gruppe von Viertklässlern, laut redend. Die Vertrauensschülerin wurde langsamer in dem Versuch, ihre Fassung wiederzuerlangen und als sie an der Gruppe vorbeiging, hörte sie einen Namen.
„Lily!" Ein Junge mit lockigem Haar, welchen Lily als Alice Griffiths jüngeren Bruder erkannte, rannte zu ihr. „Lily, da sind mehr..."
Er zeigte zum schwarzen Brett, welches von den Viertklässlern verdeckt gewesen war. Mit demselben weißen Pergament und derselben schwarzen Tinte was eine neue Nachricht geschrieben:
DER DUNKLE LORD KOMMT NACH HOGWARTS.
Als Lily McGonagall fünf Minuten später im Erdgeschoss fand, wusste die Lehrerin bereits Bescheid. „Sie sind überall im Schloss," seufzte die Lehrerin müde. „Wir nehmen sie runter. Wenn irgendjemand in Panik ausbricht, versuchen Sie sie zu beruhigen oder schicken Sie sie zu Heiler Holloway für einen Trank. Es tut mir sehr leid, Lily, aber ich muss jetzt gehen..."
McGonagall schlüpfte an ihr vorbei, die marmorne Treppe hinauf. Lily hatte sie nie so bleich gesehen.
Nun alleine mit einer Gruppe von anderen Schülern, sah sich die Rothaarige nach einem ihrer Freunde um. Sie machte Alice Griffiths und Frank Longbottom in der Nähe der Großen Halle ausfindig und bahnte sich ihren Weg zu ihnen.
„Frank und ich haben sie zuerst bemerkt," erklärte Alice. „Wir kamen gerade von der Krankenstation - Frank hatte Kopfschmerzen - und haben sie auf der ganzen Wand draußen gesehen. Wir sind die, die McGonagall geholt haben..."
„Wie konnten sie einfach mitten am Tag überall im Schloss auftauchen?" fragte sich Lily. Alice war still und Frank schüttelte den Kopf. Seufzend folgte Lily dem Paar in die Große Halle. Sie wusste bereits, dass der Schlaf diese Nacht nicht kommen würde.
(Es wird nicht lange sein)
BALD, BLUTREINHEIT
„Nun, du musst zugeben," bemerkte James, während er die neuste Botschaft las, die Montags beim Mittagessen erschienen war, „das hier ist nicht so bedrohlich wie die anderen."
Lily schaute über ihre Schulter zu James, der lässig an der Wand lehnte und sie zerknüllte das Pergament, das sie vorher gesichert hatte. Die Lehrerschaft war bereits dabei, all die anderen mit Magie zu entfernen.
„Tatsächlich," fuhr er fort, als sie begann, den Korridor hinunterzulaufen und er folgte ihr kurz dahinter, „wenn du es komplett aus dem Kontext nimmst, könnte es ein netter kleiner Verweis auf das Heilen von Krankheiten sein oder so was...Bald wird unser Blut krankheitserregerfrei sein..."
„Was willst du, Potter?" fragte Lily mit einem Seufzen.
„Hauptsächlich geniesse ich es gerade dich zu ärgern," gab er zu. Lily sagte nichts. „Sag mal Keks, was ist eigentlich los mit dir?"
Lily blieb stehen. Sie glättete das Pergament und las vor: „Bald, Blutreinheit. Merlin, Potter, was denkst du, was los mit mir ist?"
„Das meine ich nicht... du siehst aus, als ob du seit einem Jahr nicht mehr geschlafen hast."
„Hast du etwa auch mit Marlene geredet? Ich wünschte, sie würde aufhören, jedem, den sie sieht, zu erzählen..."
„Marlene hat kein Wort zu mir gesagt. Du siehst bloß aus wie Scheiße, das ist alles."
„Das ist nett."
„Ich sag bloß."
Sie bogen um die Ecke, auf deren anderen Seite Professor McGonagall und Jack Lathe - der Auror - in ein leises Gespräch vertieft waren. Lily erblickte sie, bevor sie eine Möglichkeit hatten, sie selbst zu sehen und die junge Hexe machte direkt kehrt, James mit sich ziehend.
„Gott, Evans, du wirst mich nicht einmal zuerst zum Essen einladen?"
„Schhhh!" zischte Lily, um die Ecke schielend.
„Was machst du?" flüsterte James.
„Lauschen."
„Mmmm, elegant."
„Schhhh!"
Lily bewegte sich ein Stück näher zur Ecke. „Minerva, ich verstehe deine Position," sagte Lathe. „Aber ich denke wirklich nicht, dass das hier in den Bereich meiner Untersuchung fällt. Diese Botschaften sind Kinderspiele... krank und verzerrt... ja, aber ich bin fast sicher, dass sie nicht zu meiner Untersuchung gehören."
„Fast, Mr. Lathe," sagte McGonagall.
„Ich kann nicht. Ich habe nicht mal eine Spur in der ersten Untersuchung..."
„Könnte das nicht eine Spur sein?"
„Nein."
„Mr. Lathe..."
„Hören Sie zu, Professor McGonagall, wenn ich denke, dass ich irgendwie die Zeit finden kann, mir die Sache anzuschauen, während ich..."
„Danke sehr."
Das Klackern von McGonagalls Schuhen auf dem Steinboden war zu hören, leiser und leiser werdend. Lily spähte um die Ecke, gerade rechtzeitig um Lathe in ihre Richtung gehen zu sehen. Sie federte zurück um die Ecke, aber Lathe ging weiter an ihnen vorbei, ohne ihnen Beachtung zu schenken.
James sah sie an. „Normalerweise, Keks, wenn man Leute belauscht, versucht man Informationen zu bekommen, die nicht komplett langweilig und nutzlos sind."
„Ist das der Grund, warum alles, was du sagst, langweilig und nutzlos ist?" fragte Lily süß. „Um Lauscher zu vertreiben?"
Sicher, dass weder McGonagall noch Lathe in der Nähe waren, begann Lily wieder den Korridor hinunterzulaufen. James folgte.
„Weißt du, was ich seltsam finde?" grübelte er, mit den Händen in den Taschen und einem nachdenklichen Ausdruck von beiläufigem Interesse auf seinem Gesicht. „ Die Tatsache, dass diese Botschaften mitten am Tag erscheinen, zu vollkommen zufälligen Uhrzeiten und trotzdem ist niemand gesehen worden, der sie aufhängt. Tatsächlich sieht man nicht mal, wie sie erscheinen."
Lily war still, also fuhr er in demselben, fast apathischen Ton fort: „Es lässt mich vermuten, dass die in der Nacht aufgehängt werden, weißt du? Ja, wer auch immer das macht, schleicht mitten in der Nacht rum - der Lehrerschaft und den Ministeriumspatrouillen ausweichend, weil deren Runden so komplex sind, wie Schniefelus' Haarpflege - und lässt sie dann verschwinden... zeitgesteuert, so dass sie in dem genauen Moment wieder erscheinen, wenn er oder sie es will." James warf einen Blick aus seinen Augenwinkeln zu Lily, wissend, dass er jetzt ihre gesamte Aufmerksamkeit hatte.
„Du hast dir darüber Gedanken gemacht," warf sie ihm vor. „Ich dachte, du hättest gesagt, dass dir ein paar blöde Propagandaplakate egal wären."
„Sind sie auch." sagte er direkt. „Ganz und gar. Natürlich, jemand, dem sie nicht ganz so egal wären, müsste sich wahrscheinlich nachts ein wenig umschauen."
„Diese Person," antwortete Lily, stehen bleibend und sich zu Potter umdrehend, sodass sie sich gegenüber standen, „müsste umfassendes Wissen vom Schloss und der anscheinend weniger komplexen Patrouillenroutine haben, damit sie nicht erwischt werden."
„Er oder sie müsste das in der Tat," stimmte James zu.
„Ich frage mich, wo man eine solche Person finden könnte... ich meine eine Person mit Motivation und Fachkenntnis."
„Das ist sicherlich eine Seltenheit."
„Aber keine Unmöglichkeit."
„Nein, keine Unmöglichkeit."
Sie standen in vorläufigen Waffenstillstand. Schließlich fuhr Lily fort: „Andererseits finde ich, dass wenn jemand tatsächlich die Fachkenntnis besitzt, die Motivation relativ leicht zu... erwecken ist..."
„Ich bin anderer Ansicht. Ich denke, wenn jemand Motivation hätte, wäre alles, was sie zu tun hätten, jemanden mit der Fachkenntnis um eine kleine Unterweisung zu bitten."
„Und kennt dieser jemand mit der Motivation irgendjemanden, der diese Fachkenntnis besitzt und gewillt ist, diese zu teilen?"
James lächelte irgendwie halb, schüttelte dann seinen Kopf. „Es sieht nicht so aus."
Lily nickte. „Das habe ich erwartet."
„Wirklich?"
„Mhm. Solche Leute neigen dazu, in anderen Kämpfen zu enden."
(Hallo, auf Wiedersehen)
Lily nahm am Dienstag auf ihrem Stuhl in Zaubertränke Platz, unvorbereitet für irgendwas Dramatisches, das sich im Kurs ereignen könnte. Sie war deshalb einigermaßen überrascht, als es nicht Mary MacDonald war, die die andere Hälfte des Tisches belegte, sondern Severus Snape. Lily schaute auf und sah Mary, die versuchte sich davonzustehlen.
„Mary."
„Lily," sagte die Brünette, sich langsam umdrehend, „ich denke, es wäre gut für dich und deinen... Freund..." Sie schaffte es kaum, das Wort auszusprechen, „euch mal auszureden, ob im positiven oder im negativen Sinne."
Lily runzelte die Stirn. „Wie viel hat er dir bezahlt, damit du deinen Platz aufgibst?"
„Lily, ich würde..."
„Mary."
„Fünf-Galleonen-hass-mich-nicht-ich-brauche-wirklich-neue-Schuhe." Hoffnungsvoll lächelnd eilte Mary davon um einen neuen Platz zu finden und Lily sah ihrem neuen Tischpartner nicht in die Augen. Sie begann ihre Zaubertränke-Utensilien auszupacken, ihr Gesichtsausdruck mürrisch.
„Lily, du musst mit mir reden."
„Naja, es ist schmeichelhaft zu wissen, dass ich zehn Galleonen wert bin."
„Also, das ist es - du wirst mir einfach... nie verzeihen?"
„Ich habe dir verziehen. Dir wurde verziehen. Nächstes Thema."
„So bist du nicht."
„Tja, ich höre, dass Schlammblüter machmal regelrecht unberechenbar sind, Sev."
„Sag das nicht. Du hörst dich an... wie einer von denen."
Lily schaute ihn an. „Einer von welchen? Was bedeutet das überhaupt?"
„Ich weiß nicht... nur... das hat sich angehört, wie etwas, was einer von den... den Rumtreibern sagen würde." Lily bemerkte, wie ihr früherer Freund einen unfreundlichen Blick zu den vier Rumtreibern warf, die auf der anderen Seite des Raumes saßen. Die Gryffindorhexe verdrehte ihre Augen.
„Das ist Unsinn," beharrte sie. Snape sagte nichts und durch Professor Slughorns Ankunft begann der Unterricht, für einige Zeit ohne Bedarf oder Möglichkeiten für Konversation.
Irgendwann endete der Vortrag und der Zaubertränkelehrer gab der Klasse Anweisungen für den Aufpäppeltrank, an dem sie arbeiten sollten.
„Hör zu, Lily," sagte Snape, als sie begann ihre Zutaten zu ordnen (Es fühlte sich an, wie in den alten Zeiten, so mit ihm zu sitzen.). „Ich mache mir bloß Sorgen um dich, das ist alles."
„Es ist praktisch, dass du dir an dem Tag Sorgen um mich machst, an dem Mulciber mit einer Erkältung auf der Krankenstation ist."
„Das ist es nicht," fuhr Severus sie an. „Es sind die Plakate, die hier in der Schule umgehen... du solltest auf dich aufpassen, wenn solche Dinge passieren. Sei... einfach vorsichtig." Lily war für einige Zeit still.
„Weißt du irgendwas über diese Plakate?" fragte sie schließlich. „Ich meine, hast du eine Idee, wer dafür verantwortlich ist?"
„Du scheinst zu denken, dass ich das tue," bemerkte der andere, irgendwie verärgert.
„Ich wäre nicht überrascht, wenn ein Mitglied deines Hauses dafür verantwortlich wäre, das ist alles," antwortete Lily. „Und, weißt du irgendwas?"
Severus Gesichtsausdruck war sehr verbittert. „Wir sind keine Freunde, Lily. Das sagst du die ganze Zeit. Und trotzdem, jetzt, da du was willst, redest du mit mir. Stimmt das?"
„Mir war nicht klar, dass moralisch richtiges Verhalten von unserer Freundschaft abhängt," antwortete die Gryffindor. „Vergiss es einfach, Severus. Es hat keinen Sinn, darüber zu streiten."
Professor Slughorn kam langsam auf sie zu, sein gealtertes Gesicht beinahe glühend vor Erwartung, als er in die Kessel spähte. „Exzellent, exzellent," murmelte er stolz. „Es ist so gut, Sie zwei wieder zusammen zu sehen. Das Dreamteam endlich wiedervereint. Macht weiter so!" Lächelnd bewegte er sich auf den nächsten Tisch zu („Wirklich, Mr. Cattermole, Sie müssen lernen, ihre Zutaten in einem besseren Rhythmus hineinzugeben!").
Währenddessen nahm Lily einen Behälter mit bröckeligen grünen Blättern und begann eine kleine Menge davon in ihren Kessel zu geben.
„Du gibst die Mondwurzel zu früh dazu," informierte Severus sie.
Lily schüttelte den Kopf. „Es ist egal, ob du es für zehn Minuten köcheln lässt oder die Mondwurzel direkt dazu gibst," sagte sie. „Zumindest beim Aufpäppeltrank."
„Die anderen Zutaten werden nicht richtig kochen," argumentierte der Slytherin.
„Doch, werden sie. Ich hab es ausprobiert."
Er schaute sie überrascht an. „Du hast schon mal den Aufpäppeltrank gemacht?"
Sie nickte: „Mehrere Male. Es ist nützlich. Wenn die kalte Jahreszeit ansteht, musst du nicht dauernd in die Krankenstation rennen."
Severus nickte ebenfalls. Er war ruhig für den Rest der Stunde und obwohl Lily bemerkte, dass er versuchte ihren Blick zu fangen, als die Pausenglocke rang und sie ihre Zutaten aufraffte, startete die Gryffindor keinen weiteren Versuch, mit ihm zu sprechen.
(Verhalte dich natürlich)
„Und noch einmal, wenn jemand glaubt, dass er Informationen zu diesen schrecklichen, schrecklichen Botschaften hat," krächzte Professor Babble, die Hexe mittleren Alters, die alte Runen unterrichtete, „Ich hoffe, dass sie sich melden."
Die neuste Drohung war am Dienstagnachmittag erschienen.
VERGELTUNG ERWARTET SCHLAMMBLÜTER UND BLUTSVERRÄTER.
Die Glocke rang, das Ende der Stunde anzeigend und Lily und Donna begannen ihre Bücher und Notizen einzusammeln. „Wie wahrscheinlich ist es, dass jemand in diesem Kurs irgendwelche Informationen über die Botschaften hat?" spottete Donna, sich ihre Büchertasche über die Schulter werfend. „Neben uns sind da bloß prüde Ravenclaws und ein paar untergehende Hufflepuffs. Und Lupin, natürlich."
Lily lächelte schwach. „Ich wünschte, dass jemand doch etwas wüsste. Ich weiß, dass es blöd ist, aber ich kann kaum aufhören, mir über die ganze Sache Sorgen zu machen."
„Du hast Recht," stimmte Donna zu, „Es ist blöd." Sie begannen, die Treppe hinunter zu gehen. „Tja, warum fragst du nicht Snape danach? Er könnte etwas wissen."
„Glaub es oder nicht, ich habe ihn irgendwie gefragt. Er hat das Thema aufgebracht," fügte sie hastig hinzu, „Aber ich habe eine nicht so subtile Andeutung gemacht, dass ich denke, dass er vielleicht was weiß."
„Was hat er gesagt?"
„Dass ich ihn benutze." antwortete die Vertrauensschülerin.
Donna verdrehte die Augen. „Als ob ihn das kümmert."
„Im Moment hasse ich Männer," bemerkte Lily, ihre Arme verschränkend. „Weißt du, ich glaube, ich bin gerade mit jedem männlichen Wesen in meinem Leben verfeindet."
„Warst du deshalb so kalt zu Prince Charming?" fragte ihre Freundin.
„Ich nehme an, du meinst Luke?"
„Ja."
Lily nickte. „Ich habe ihn mehr gemocht, als er nicht über Politik geredet hat. Dann war Severus richtig fies während Zaubertränke und James Potter ist... James Potter. Ich verabscheue Männer wirklich."
„Willkommen im Club, Genie," antwortete Donna. „Was ist mit Adam McKinnon? Frank Longbottom? Du kannst sie nicht alle hassen."
„Tu ich nicht," gab Lily zu. „Obwohl, ich bin im Moment nicht so begeistert von Frank Longbottom. Er verhält sich seltsam. Zuerst habe ich gedacht, dass er bloß Probleme mit Alice hat, aber beim Vertrauensschülertreffen vor ein paar Tagen war er so... unruhig."
„Ich habe nichts bemerkt."
„Überraschend."
Donna bemerkte den Sarkasmus und zog eine Grimasse. „Oh, nebenbei, bist du auf dem Weg zum Gemeinschaftsraum?"
„Ich bin am Verhungern." sagte Lily, „Ich denke, ich gehe jetzt zur Großen Halle... und bringe meine Bücher später hoch zum Schlafsaal."
„Ich hab nichts dagegen." Sie fuhren mit dem Abstieg fort, und trafen Marlene, Miles und Mary in der Eingangshalle, als die Gruppe von Pflege magischer Geschöpfe zurückkehrte.
„Gott sei Dank," seufzte Mary, als sie Donna und Lily entdeckte. „Zurechnungsfähigkeit!" Lily schickte ihr einen fragenden Blick und Mary riss ihren Kopf in Richtung ihrer zwei Begleiter.
„Zum sechszehnten Mal," sagte Marlene gerade zu ihrem Freund. „Es tut mir leid. Ich wusste nicht, dass du ihn schon gefüttert hattest, sonst hätte ich es nicht getan!"
„Tja, das hättest du sollen," fuhr Miles sie an. „Er hat mir über meine Schuhe gekotzt!"
„Tja, es tut mir leid! Es war ein Versehen!"
„Zu sagen, dass es ,ein Versehen' war, bringt gar nichts," antwortete er. „Herrgott, Marly, es gibt einen Grund, warum du nicht in Ravenclaw bist. Bis später." Miles betrat verbittert die Große Halle.
Die anderen waren für einen Moment still. „Marlene," begann Mary, aber die Blonde wollte es nicht hören.
„Lass... lass es einfach. Ich bin... ich bin nicht hungrig. Bis nachher im Gemeinschaftsraum." Und damit eilte Marlene die marmorne Treppe hinauf.
Als sie weg war, sah Donna verwirrt aus. „Dürfen wir jetzt solche Scheiße zu Marlene sagen? Weil jedes Mal, wenn ich so was sage, sagt Lily mir, dass ich leise sein soll..."
„Das ist verrückt," murrte Mary, als die Mädchen Richtung Gryffindortisch gingen. „Jemand muss etwas zu Marlene sagen. Sie kann diesen Unsinn nicht einfach tolerieren."
„Wir sagen ihr das die ganze Zeit." erinnerte Lily sie. „Nun... Donna macht das jedenfalls. Sie ist nicht dumm. Sie muss erkennen, dass Miles ein Arschloch ist..."
„Mal ehrlich," seufzte Donna, „Es ist, als ob Feminismus nie existiert hat. Ich verstehe nicht, warum weibliche Jugendliche das Bedürfnis verspüren ihre komplette Existenz in diese dummen, unreife Beziehungen zu werfen."
„Hauptsächlich wegen Sex," sagte Mary ihr.
„Du brauchst keine Beziehung, um Sex zu haben," antwortete Donna.
„Und du nennst mich eine Schlampe."
„Ich bin keine..."
„Hört auf zu zanken," sagte Lily. „Ich fange langsam an zu glauben, dass du recht hast Mary."
„Dass Donna eine Schlampe ist?"
„Ich bin keine …"
„Nein, wegen Marlene," unterbrach Lily. „Vielleicht sollten wir ihr etwas über... Oh, hallo, Adam." Leicht errötend lächelte Lily Adam McKinnon an, als der gegenüber der drei Mädchen Platz nahm.
„Hi," antwortete er. „Dieser... dieser Platz ist für niemanden reserviert, oder?"
„Nein." sagte Mary.
„Nein, ist er nicht," stimmte Donna zu. „Eigentlich ist es ganz gut, dass du hier sitzt, weil wir gerade darüber gesprochen haben, dass..."
„Dass wir eine Weile nicht mehr mit dir gesprochen haben," sprang Lily ein. „Ich meine... Wie fühlst du dich? Wie geht's so?"
Mary unterdrückte ihr Lachen, Donna sah verwirrt aus.
„Oh, mir geht's gut. Alles ist wieder mehr oder weniger normal." Er bediente sich mit Kartoffeln. „So... äh... wo ist Marlene? Sie lässt das Essen doch nicht wieder wegen dieser blöden Diät ausfallen, oder?"
„Ja," sagte Mary, als Donna versuchte ,Nein' zu sagen. „Ja, Marlene und Marlenes blöde Diät. Wir dachten gerade... dass wir ihr später ein wenig Essen mit hoch bringen. Sie zwangsernähren... es könnten Schläuche daran beteiligt sein."
„Haben wir das?" fragte Donna.
„Die netten unter uns haben das."
Adam grinste. „Tja, ich kann das übernehmen. Sie ist oben im Gemeinschaftsraum, denkt ihr?"
„Wahrscheinlich," sagte Lily. Er nahm einen Teller.
„Denkt ihr, dass sie Brot möchte?"
„Nein, sie isst kein Brot." sagte Mary ihm.
„Was ist mit Nachtisch?"
„Sie isst kein Nachtisch." sagte Lily.
„Gemüse?"
„Wenn sie roh sind."
„Dieses Mädchen ist verrückt," bemerkte Adam, aber er hörte sich nicht an, als ob er das Wort „verrückt" wirklich verwenden wollte. Als er fertig war, eine Mahlzeit zusammenzustellen, verabschiedete Adam sich und verschwand aus der Halle.
„Warum habt ihr ihn angelogen?" fragte Donna. „Ich bin so verwirrt von dieser Mädchensprache-Sache, die ihr beide macht."
„Wir konnten Adam nicht sagen, dass Miles ein Arschloch gegenüber Marlene war," sagte Lily. „Es würde sie demütigen."
Mary seufzte, ihr Kinn in einer Hand ruhend. „Ich glaube nicht, dass der Junge einen einzigen Fehler hat. Ich denke, dass es möglich ist, dass er absolut perfekt ist. Ich schwöre, wenn Mar nicht bald mit ihm schläft, tu ich's."
„Schlampe." sagte Donna.
„Halt die Klappe."
(Mit ein wenig Hilfe meiner Freunde)
„Ich bin dabei," sagte Sirius.
„Ich auch," sagte Peter schnell.
„Also, natürlich bin ich dabei," sagte Remus. „Wir machen einmal was Nützliches. Wie könnte ich dabei aussetzen?"
„Ignorieren wir Moonys herablassende Haltung," sagte James, seinen Mantel ablegend und ein Päckchen Zigaretten auf den Schlafsaaltisch platzierend, „Gut. Das einzige Problem ist, dass ich mir nicht sicher bin, ob alle vier von uns unter den Tarnumhang passen. Wir sind alle ein gutes Stück gewachsen seit der ersten Klasse."
„Er hat Recht," sagte Sirius. „Wir sollten uns aufteilen."
„Das Schloss wird dunkel sein," fügte Peter hinzu. „Denkt ihr, ein Desillusionierungszauber würde zwei von uns tarnen?"
Remus sagte, dass er dies annahm. „ Wenn es dann mehr als Person zu verfolgen gibt, könnten Wormtail und ich einer auf den Fersen bleiben, während Prongs und Padfoot den anderen übernehmen."
„Exzellent," sagte Sirius. „Zu welcher Zeit sollen wir losgehen?"
„Wartet 'ne Sekunde," unterbrach Peter, „woher wissen wir, dass heute Nacht die richtige ist? Ich meine, es war bisher alles irgendwie zufällig."
James schüttelte unbesorgt den Kopf. „Es ist heute Nacht. Vertraut mir." Er setzte sich auf sein Bett, lehnte sich über die Kante und wühlte durch seinen Koffer nach etwas. Schließlich machte der Rumtreiber das Objekt seiner Suche ausfindig. Er zog ein zusammengefaltetes Stück Papier hervor. „Zum Losgehen - wir wissen nicht, wann es soweit sein wird. Wir werden die Karte benutzen müssen." Er wedelte demonstrativ mit dem Pergament.
„Wie eine Nachtwache," sagte Sirius begeistert. Er schnappte die Karte aus den Händen seines Freundes. „Hört sich nach Spaß an. Wann fangen wir an?"
„Das ist kein Spaß," seufzte Remus, seinen verspannten Nacken reibend, „Prongs, du hast nicht erwähnt, dass wir im Klassensaal von Geschichte der Zauberei warten müssen. Es riecht hier drin wie im Altersheim."
„Die Leichenkammer im Altersheim eher," warf Sirius ein, der ausgestreckt auf Professor Binns Tisch lag.
„Es ist der perfekte Ort," antwortete James. „Es ist der vierte Stock - direkt neben der Treppe. Wenn irgendwas auf der Karte auftaucht, sind wir in der Lage schnell dorthin zu kommen."
Peter gähnte. „Es ist halb drei morgens," sagte er. „Bist du sicher, dass es heute Nacht ist, Prongs?"
„Ja." Aber seine Überzeugung von dieser Aussage begann zu schwinden. James starrte auf die Karte auf der Tischplatte vor ihm. Das Bild darauf war größtenteils ruhig, mit ein paar Ausnahmen. Die Punkte, die Argus Filch und Rubeus Hagrid darstellten, fuhren fort durch die Flure zu ziehen (weit weg vom Klassenraum für Geschichte der Zauberei).
„Keiner hat seinen Gemeinschaftsraum verlassen?" fragte Sirius, mit seinem Zauberstab Bilder in die Luft malend.
„Nein," sagte James, „Missy Lewis und Daniel Strout haben gerade ihren Besenschrank im zweiten Stock verlassen und sind jetzt auf dem Weg zurück zu Hufflepuff."
„Schon?" lachte Sirius, „Sie sind da erst vor zwei Minuten reingegangen. Erinner' mich daran, Strout später damit aufzuziehen."
Sogar Remus huschte daraufhin ein Lächeln über das Gesicht. „Hör zu, Prongs, vielleicht sollten wir eine Frist setzen. Wenn bis drei Uhr nichts passiert, dann..."
„Ich sehe ihn."
„Was?"
Sirius rollte sich vom Tisch und die anderen zwei Rumtreiber standen auf um sich zu James bei der Karte zu gesellen. „Wo?" fragte Peter. James zeigte es ihm.
„Roland Urquhart?" fragte Remus. „Kennt ihn einer von uns?"
„Er ist ein Siebtklässler," steuerte Sirius bei, „Hat bei den Testspielen für das Slytherin Quidditchteam mitgemacht in unserem... was war es? Viertem Jahr? Das war das Jahr, in dem wir deren Testspiele ausspioniert haben, was, wie sich herausstellte, eine verdammte Zeitverschwendung war, weil da nichts interessantes passiert ist. Dieser Typ, Urquhart, ist nicht ins Team gekommen. Er war ein grauenhafter Flieger. Er hat auch einmal meine Cousine Narcissa auf ein Date eingeladen, aber sie hat ihm einen Korb gegeben."
„Weißt du von etwas, bei dem er nicht versagt hat?" fragte Remus amüsiert.
„Nun, bisher hat er die Lehrerschaft etwas verwirrt," sagte James.
„Wir wissen nicht, dass er es ist," sagte Moony langsam. „Ich meine, vielleicht macht er einen Spaziergang und... „
„Ich folge ihm," unterbrach James, seinen silbernen Tarnumhang aufhebend.
„Schuldig, bis die Unschuld bewiesen ist, Prongs?"
„Das ist richtig, Moony."
Remus begann zu protestieren, aber Sirius zeigte auf die Karte. „Schau dir an, wie er sich bewegt, Lupin... er hält im zweiten Stock an..." Der Punkt, der mit Roland Urquhart beschriftet war, stoppte in der Tat für fast dreißig Sekunden, bevor er sich mit großer Eile den Flur hinunter bewegte.
„Du hast Recht, du solltest ihm folgen," gab Lupin klein bei. „Hast du die Tinte und das Pergament für den Brief dagelassen?"
James zeigte zu einem Tisch, wo besagte Artikel lagen. „Ihr fangt damit an. Und behaltet einen der Zwei-Wege-Spiegel bei euch, sodass wir euch genau sagen können, welchen Ort ihr nennen sollt, ja?"
„Richtig," sagte Peter.
Sirius half James den Tarnumhang zu glätten. „Ihr zwei seid in der Lage, den Disillusionierungszauber auszuführen, richtig? Ihr wollt nicht, dass wir es machen, und ihr benutzt den Umhang?"
„Wir sind keine Kleinkinder," fuhr Remus ihn an. „Geht einfach. Und nehmt die Karte mit."
„Ihr nehmt sie," antwortete James, die Karte der Rumtreiber in Moonys Hände drückend. „Ich hab das Ding für Stunden angestarrt. Ich kann die Route der Patrouillen auswendig. Ihr braucht sie mehr als wir es tun."
„Aber ihr müsst an Urquhart dranbleiben. Was, wenn ihr ihn verliert?" James runzelte die Stirn, als er erkannte, dass Remus Recht hatte. „Keine Sorge, ich habe auch ein wenig aufgepasst. Ich denke, ich habe die Runden im Kopf."
„Beeilung," sagte Sirius. James schnappte sich ein Ende des Tarnumhangs und warf ihn um sich und seinen Freund. Sie verschwanden. Sekunden später öffnete und schloss sich die Tür zum Klassenraum.
Remus drehte sich zum Pergament; Tinte und Feder erwarteten ihn. „Willst du es schreiben, Peter, oder soll ich?"
„Mach du's," antwortete der. „Für den Fall, dass die die Handschrift überprüfen."
Remus rollte mit seinen Augen, aber er lächelte, als er die Feder aufhob und zu schreiben begann.
In der Zwischenzeit schlichen Sirius und James die Treppe hinunter, darauf bedacht gebückt zu bleiben, so dass der Saum des Umhangs auf dem Boden hing. Sirius behielt seine Augen auf der Karte. „Er hat einen letzten Halt im zweiten Stock gemacht... ich schätze, er wird danach hoch zum dritten Stock gehen."
„Ich schätze, dass es auf der Treppe eine Trickstufe gibt," flüsterte James grinsend.
Sich so schnell wie möglich bewegend erreichten die beiden den Absatz des zweiten Stocks. Ein magerer Junge mit eingesunkenen Augen und bleicher Haut stand nicht weit weg, seinen Zauberstab schwingend, als ob er ein Orchester dirigierte. Als Reaktion zu seinem Zauberstab tanzten dutzende Blätter Pergament in der Luft, schließlich in einer großen Anordnung an der Wand landend. Urquhart hielt still, seine Arme verschränkend und seine Arbeit zufrieden betrachtend, bevor er wieder seinen Zauberstab hob und ihn einmal zur Wand schnipste. Der weiße Fleck auf der Wand verschwand plötzlich und ließ nichts als den normalen Stein zurück.
„Ich liebe es, Recht zu haben," seufzte James. Sirius verdrehte die Augen.
„Werd nicht großspurig. Wir haben's noch nicht geschafft. Los jetzt!"
Während Urquhart einen großen Weihnachtsmannsack (von welchem James vermutete, dass er nicht mit Geschenken gefüllt war) schweben ließ und den Flur hinunter zu gehen begann, drehten die beiden Rumtreiber um und zogen sich auf die Treppe zurück, vorsichtig die Trickstufe überspringend, die sie nur zu gut kannten. Sie erreichten den Absatz des nächsten Stockes, duckten sich hinter einer Ecke, gerade als Roland Urquhart die erste Stufe erreichte.
„Fertig?" fragte Sirius. In Erwiderung zog James den Umhang weg, gerade genug um seinen Zauberstab zu positionieren. Dann wartete James, ein klein wenig um die Ecke gelehnt.
Urquhart - mit einem geschäftsmäßigen Ausdruck auf seinem fahlen Gesicht - bewegte sich unbeirrt die Treppe hinauf. An der fünften Stufe, hielt der Slytherin an, bereit, die sechste Stufe zu überspringen, aber bevor er konnte, schwang James seinen Zauberstab und Urquhart stolperte nach vorne. Er ließ den Sack fallen und Dutzende weiße Blätter flogen raus. Urquhart ließ einen kurzen Aufschrei entwischen, fing sich aber, bevor sein Bein die Trickstufe berührte. Sirius fluchte, aber James ließ sich nicht abschrecken. Der Gryffindor schwang erneut seinen Zauberstab und Urquharts Augen begannen zuzufallen. Einen Moment später war er eingeschlafen.
„Genial, Kumpel," murmelte Sirius, den Umhang ausziehend. „Ich sag's Moony." Er schnappte sich einen silbern umrahmten Spiegel aus seiner Gesäßtasche und während er hinein sah, sagte er: „Remus Lupin."
Remus Gesicht erschien einen Moment später und während James die Stufen hinunter zu Urquhart eilte, sagte Sirius zu seinem weiter entfernten Freund: „Wir haben ihn. Er wird in der Trickstufe zwischen dem zweiten und dritten Stock gefangen sein."
„Richtig," sagte Remus. „Treffe euch in zehn Minuten im Gemeinschaftsraum."
„Viel Glück."
Sirius legte den Spiegel weg und folgte James nach unten. Der Anführer der Rumtreiber war dabei, das Bein des bewusstlosen Urquhart in die Trickstufe zu manövern.
„Brauchst du Hilfe?" fragte Padfoot.
„Schling seine Hand um das Geländer, damit er nicht durchfällt, ja?"
Sirius fügte sich und zwängte Urquharts Arm durch das Treppengeländer. „Wird er rechtzeitig aufwachen?"
„Gerade so," antwortete der andere. „Er wird denken, dass er durch den Fall das Bewusstsein verloren hat, aber er wird keine Zeit haben, sich einen Fluchtplan zu überlegen, bevor er geschnappt wird."
„Exzellent."
Die zwei Jungen richteten sich auf, ihre Arbeit für einen Moment betrachtend. Sirius hob eins der losen Blätter auf, laut vorlesend: „Toujours Pur." Er sah James an. „Das ist das Mantra meiner Familie. Das Motto des Hauses der Blacks, meine ich." Stirnrunzelnd fügte Sirius hinzu: „Du denkst nicht, dass...?"
„Nein."
„Wie kannst du dir sicher sein?"
„Weil Regulus kein Idiot ist, deshalb. Er ist vielleicht nicht der netteste Typ, aber er ist nicht irgendein gruseliger Einzelgänger, der denkt, dass er Leuten mit schlecht formulierten Drohungen Angst einjagen kann. Außerdem würde er nicht das Familienmotto auf dem Pergament lassen, außer wenn er erwischt werden wollte. Es wäre, als ob er seine Initialen darunter gesetzt hätte."
„Du hast Recht," stimmte Sirius zu. „Reg ist ein Widerling, aber er ist nicht so blöd."
„Wir sollten losgehen."
„Richtig."
Sirius legte das Pergament zurück. „Bis bald, Roland, Kumpel."
Sie eilten die Treppe hinauf und verbargen sich wieder unter dem Tarnumhang, bevor sie ihren Rückweg zum Gemeinschaftsraum antraten.
„Ich häng's an die Tür," sagte Peter. Remus hob eine Augenbraue (nicht, dass sein Begleiter es wirklich sehen konnte, da beide etwas durchsichtig waren).
„Bist du dir sicher?"
„Tja, du hast es geschrieben. Ich sollte ein wenig Risiko eingehen, oder?"
„Na gut, mach ruhig."
Peter eilte nach vorne, ein gefaltetes Stück Pergament in seiner Hand und seinen Zauberstab ziehend, platzierte er das Pergament an der hölzernen Tür. Dann, mit seinem Zauberstab direkt auf das Pergamentblatt zeigend, murmelte er einen Zauberspruch. Als er sich wegbewegte, klebte das Papier an der Tür.
„Bereit zum Rennen?" fragte Peter.
„Ja."
„Großartig." Die Aufregung war deutlich in seiner Stimme zu erkennen. Er drehte sich wieder zu Tür und hämmerte mit seiner Faust dagegen. „HEY, DU! SCHAU NACH DEINER POST!" rief Wormtail mit absolut maximaler Lautstärke. Man hörte, wie sich drinnen jemand regte und Remus und Peter, die ihr Lachen nur schwer unterdrücken konnten, rannten den Flur hinunter und um die Ecke so schnell wie sie konnten.
Für einen Moment war es still im Gang, dann öffnete sich die Tür, an welche die Rumtreiber ihren Brief gehängt hatten. Lathe erschien, anscheinend gerade erst wach werdend. Er schaute sich um und bemerkte dann den Zettel. Ihn auseinander faltend ging er näher zu einer Fackel, damit er die Schrift entziffern konnte.
LIEBER MR. LATHE,
WENN SIE WISSEN WOLLEN, WER DIE BEDROHLICHEN ZETTEL IN DER SCHULE VERTEILT HAT, ER IST GESTOLPERT UND IN DIE TRICKSTUFE ZWISCHEN DEM ZWEITEN UND DRITTEN STOCK GEFALLEN. ICH DACHTE, DASS SIE DAS INTERESSIEREN KÖNNTE.
MIT FREUNDLICHEN GRÜßEN,
DERJENIGE, DER IHN ERWISCHT HAT
Lathe flitze in sein Zimmer zurück und kehrte Sekunden später mit seinem Morgenmantel und Zauberstab zurück.
(Mädchen)
Roland Urquhart wurde für den Rest des Halbjahrs suspendiert.
„Ich hätte ihn rausgeworfen," bemerkte Marlene unberührt, als die Neuigkeiten in einer großen Gruppe am nächsten Morgen (Donnerstag) diskutiert wurden.
„Ich auch," sagte Donna.
Ein Mal waren sie der gleichen Meinung.
„Es war schrecklich dumm von ihm in einer Trickstufe stecken zu bleiben," sagte Mary. „Selbst ich lasse mich von denen nicht mehr verwirren."
Donna lachte. „Außer letzte Weihnachten."
„Wir haben zugestimmt, dass wir nie wieder davon sprechen!" Aber selbst Mary musste ein Lachen unterdrücken.
Lily lachte mit den anderen, bis sie bemerkte, dass Severus Snape am anderen Ende des Ganges stand. Er war alleine und ein plötzlicher Anflug von Mitleid ließ Lily in seine Richtung gehen.
„Roland Urquhart," begann sie ungeschickt, als sie sich näherte. „Wer hätte das gedacht, nicht?" Severus sagte nichts. „Er war keiner deiner Freunde." Wieder keine Antwort. „Warum hast du mir nicht einfach gesagt, dass du nichts darüber wusstest?"
„Weil du gedacht hast, dass ich was weiß und weil ich wütend war," antwortete Snape. „Und du wolltest dich bloß unter der Bedingung wie mein Freund verhalten, dass ich dir in der Sache helfe."
Lily schüttelte den Kopf. „Das stimmt nicht. Ich wollte gar nicht so tun, als ob ich dein Freund bin."
Severus blickte finster.
„Ich habe einen Witz gemacht," informierte sie ihn. Dann fuhr sie mit mehr Ernst fort: „Ich denke, dass du aber bei einer Sache Recht hast. Ich muss dir vergeben. Und... ich will das machen." Sie zögerte. „Vorzugsweise, jetzt."
Er sah sie an. „Was redest du da?"
„Ich sage, dass wir... vielleicht..." War dies der größte Fehler aller Zeiten? „vielleicht wieder Freunde sein könnten."
Der Schock stand ihm ins Gesicht geschrieben. „Wirklich?"
Sie nickte.
„Oh. Na dann... okay."
„Okay."
„Okay."
„Richtig."
„Also..."
„Also, ich seh' dich dann."
„Genau. Okay."
Lily drehte sich um und ging zurück zu den Mädchen. Die Menschenmenge hatte begonnen sich in Richtung Große Halle zu bewegen, um mit dem Frühstück zu beginnen und Lily war kurz davor, selbst zu gehen, als sie die Rumtreiber bemerkte, die in der Nähe der marmornen Treppe plauderten.
Der Vertrauensschülerin kam eine Idee und sie begann hinüberzulaufen, während sie in einiger Entfernung James in die Augen sah. Sie hatte die Hälfte des Weges zwischen ihnen überbrückt, als sie jemand beim Arm fasste.
„Luke!"
„Lily," sagte ihr Freund verzweifelt und er sah wirklich süß aus. „Lily, mir tut es so, so leid. Hör zu, ich hab gestern Abend mit Marlene geredet und sie hat mir erklärt, warum du so wütend warst und... es tut mir leid. Ich bin bloß... natürlich hattest du bei allem Recht. Ich weiß nicht, was ich mir gedacht hab. Ich war nur..."
„Es ist okay, Luke."
Er lächelte (hinreißendes Lächeln). „Wirklich?"
„Wirklich."
Sie konnte wirklich nicht wütend auf ihn sein. Sie hatte einfach nicht genug Energie in sich um diesem Jungen wütend zu bleiben. Er küsste sie sanft auf die Lippen.
„Ich seh' dich nach dem Frühstück, Blume."
„Bis gleich, Luke."
Lily lächelte ihm hinterher an, als er in die Große Halle lief. Als er weg war, schaute sie nach dort, wo die Rumtreiber gestanden hatten. Drei waren verschwunden, aber James war geblieben.
„Hallo, Blume," sagte er, Lukes dunkle und ernste Stimme imitierend.
„Halt die Klappe. Luke Harper ist der süßeste Typ auf der ganzen Welt und du könnest das unmöglich verstehen."
„Ist er ein guter Küsser?"
„Halt die Klappe." Sie standen für eine Weile in Schweigen, dann begann Lily: „So..." Sie verschränkte die Arme vor der Brust.
„Hast du gut geschlafen, Keks?" fragte James fröhlich.
„Hast du?"
„Exzellent, danke."
„Seltsam, Potter, du siehst müde aus."
„Oh, naja, ich hatte ein Date."
„Ich verstehe."
„Tust du das?"
Kurze Stille, dann fuhr Lily fort: „Also ich habe eine Frage an dich."
„Schieß los."
„Wenn jemand mit der Fachkenntnis, die benötigt ist, um Roland Urquhart aufzuspüren, zufällig ebenfalls die Motivation, ihn zu erwischen hätte, wie genau würde sie wissen, welche Nacht er sich aussucht, um diese schrecklichen Plakate aufzuhängen?"
„Tja, das ist leicht," antwortete James. „Solch eine Person, nichtexistent, wie sie ist, würde bloß auf das Muster schauen, in welchem die Plakate platziert wurden. Sie erschienen bloß an den Tagen, nach denen Filch und Hagrid Nachtwache hatten, im Gegensatz zu den viel erfahreneren Ministeriumsermittlern. Ein kurzes Gespräch mit Hagrid würde dieser mystischen Person mit Fachkenntnis und Motivation gesagt haben, dass die nächste Wache am Mittwochabend war und dann... wäre der Rest Geschichte."
Lily nickte, auf ihre Lippen beißend um ein Lächeln zu unterdrücken. „Weißt du, was ich gehört habe?"
„Nein."
„Ich habe gehört, dass Lathe sagt, dass jemand ihm einen Tipp gegeben hat, wo er Urquhart finden könnte. Ein Schüler hat ihm anscheinend eine Nachricht hinterlassen. Anonym."
James schaute überrascht. „Stimmt das? Wow. Komisch. Wer denkst du, könnte es sein?"
„Ich weiß nicht," gab Lily mit einem Seufzen zu. „Unzweifelhaft jemand mit..."
„Motivation und Fachkenntnis?" schlug James vor.
„Einem unbeständigen Charakter und etwas zu beweisen." fügte die Rothaarige hinzu.
„Nun, so jemanden kenne ich nicht."
„Ja... ich auch nicht."
„Ich bin aber ein bisschen neidisch auf diese Person," fuhr James nachdenklich fort. „Er oder sie muss schrecklich schlau gewesen sein."
„Tja," sagte Lily. „Mach dir keine Sorgen. Vielleicht bist du ja im nächsten Kampf dabei, ja?"
„Unwahrscheinlich."
„Aber nicht unmöglich."
„Nein, ich denke nicht."
„Ich... seh dich im Unterricht, Potter."
