8. The Life and Times

Vorher: Luke Harper sagt Ich liebe dich" zu Lily, aber sie ist nicht so weit, das Gefühl zu erwidern. James und Lily einigen sich auf eine Art zögerliche Freundschaft. Frank stimmt zu, Alice die Wahrheit über was passiert ist" zu sagen - in Bezug auf die pseudo-selbstmordgefährdete Carlotta Meloni.

Kapitel 8 - „Dates mit Ravenclaws"

Oder

Wie wir waren"

„Du weißt es, oder, Lily?" sagte Alice. Bevor die Schlafsaaltür hinter ihr zu fiel, hatte die Siebtklässlerin den Raum betreten, Lily entdeckt, den Gesichtsausdruck der Sechstklässlerin erkannt und ihn interpretiert. Lily nickte langsam.

„Es tut mir so leid."

Alice begann zu weinen und Lily schloss die Meter zwischen ihnen, ihre Arme um Alices bebende Schultern schlingend.

(Eine Woche später)

„Guten Morgen," grüßte Lily, die Bettdecke von Alice Griffiths Bett reißend. Die Siebtklässlerin stöhnte und drehte sich um und versuchte, ihren Lockenkopf unter einem Kissen zu begraben.

„Geh weg!" kam der gedämpfte Ruf der älteren Hexe.

„Nein."

Lily," Hestia Clearwater, Alice' Freundin und Zimmergenossin, erschien vom Waschsaal und eilte herüber. Die Situation betrachtend, hob Hestia eine Augenbraue: „Du bist mutig."

Lily lächelte kurz und kehrte dann ihre Aufmerksamkeit wieder zurück zu dem Mädchen im Bett. „Du stehst auf, Alice," verkündete sie. „Die Trauerphase ist vorbei."

„Mfambameidphom!"

...

Was?"

„Ich sagte," begann Alice, sich wieder auf den Rücken rollend, „es war bloß eine Woche!"

„Du hast kaum den Schlafsaal verlassen," sagte Lily, ihre Arme verschränkend. „Wenn du nicht im Unterricht bist, bist du hier oben im Bett."

„Sie hat gestern Abend eine ganze Packung Schlagsahne gegessen," informierte Hestia die Sechstklässlerin und Alice blickte sie finster an.

„Verräterin."

„Al," sagte Lily und nahm auf dem Rand des Bettes ihrer Freundin Platz, „heute ist der erste Hogsmeade-Ausflug in diesem Jahr... dein letzter erster Hogsmeade-Ausflug. Wenn du nicht gehst, wirst du es irgendwann bereuen und wenn du wegen ihm nicht gehst, wirst du es sogar noch mehr bereuen."

„Sie hat Recht," stimmte Hestia zu. Sie setzte sich auf die andere Seite des Bettes. „Alice, ich werde die ganze Zeit bei dir sein. Du musst keinen sehen, den du nicht sehen willst."

Die Sechstklässlerin setzte sich auf und strich sich ihr ziemlich unordentliches Haar aus dem Gesicht. „Ich kann nicht!" jammerte sie. „Ich kann damit nicht fertigwerden, dass jeder mich anschaut und flüstert und Mitleid mit mir hat... überlegt, ob ich das Richtige getan habe oder nicht oder ob es meine Schuld war oder ob es stimmt, dass ich versucht habe, Carlotta Melonis Augen auszukratzen."

„Kein normaler Mensch glaubt diese Geschichte," versprach Lily, Alice' Schultern zärtlich tätschelnd. „Und denkst du nicht, dass sie sogar noch mehr reden, wenn du dich nicht zeigst? Du willst doch nicht, dass sie denken, dass du dich versteckst, oder?"

„Um die Wahrheit zu sagen," gab Alice leise zu. „ist es mir ziemlich egal, was alle denken. Ich kann... ich kann ihm einfach nicht entgegentreten. Und ich kann sicherlich nicht ihr entgegentreten."

„Du wirst es nicht müssen!" unterbrach Hestia. „Ich werde sicherstellen, dass keiner deinen Weg kreuzt, außer ich gebe ihnen die ausdrückliche, schriftliche Erlaubnis."

„Ihr könnt in den Eberkopf statt in Die Drei Besen gehen," schlug Lily vor. „Schüler gehen fast nie dorthin, also würdest du niemand sehen müssen, den du nicht sehen willst."

„Wir lassen einen leichtgläubigen Drittklässler alles holen, was du vielleicht von Zonkos haben willst," fügte Hestia hinzu. „Wir müssen nicht mal reingehen!"

„Ihr könntet ins Postamt gehen," fuhr Lily fort. „Die einzigen, die dahin gehen, sind Ersties. Oder die Heulende Hütte..."

„Ich gehe nicht zur Heulenden Hütte," sagte Hestia.

„Angsthase."

Alice seufzte. „Ihr zwei seid sehr lieb," sagte sie, „aber ich will Hestias Ausflug nicht ruinieren... du würdest den ganzen Tag versuchen, mich fröhlich zu machen... Leute vermeiden, die ich nicht sehen will und... zum Postamt gehen. Ich kann dir das nicht antun."

„Süße," sagte Hestia, die Hand ihrer Freundin nehmend, „was ich will - was Lily und ich wollen - ist, dass du aus diesem Bett kommst. Wenn du hier oben bist, während ich unten im Dorf bin, werde ich sowieso keinen Spaß haben. Nichts würde mir mehr Freude machen, als wenn du da unten bist... dabei fabelhaft aussiehst und dich amüsierst."

„Fabelhaft aussehen und mich amüsieren?" wiederholte Alice in Panik geratend. „Nein, auf keinen Fall. Zu viel Druck. Ich kann nicht."

„Na dann eben bloß fabelhaft aussehen," sagte Lily. „Oder zumindest sauber." Sie packte Alice' Hand und zog sie vom Bett.

„Aber ich habe die ganze Schlagsahne gegessen!" jammerte Alice. „Ich werde in keine meiner Kleider passen!" Im Moment trug sie eine gestreifte Pyjamahose und ein Shirt von den Hollyhead Harpies, was vier Größen zu groß schien.

„Wir sind Hexen," erinnerte Lily sie. „Ich bin sicher, uns fällt etwas ein."

(Geraldine: Oktober, 1971)

Alice Geraldine Griffths war nicht bloß eine normale dreizehnjährige Hexe. Die goldbraunen Ringellocken, die ihr hübsches, fröhliches Gesicht einrahmten, gehörten nicht zu einem durchschnittlichen Mädchen. Ihre runden Augen nahmen nicht einfach nur die Welt um sie herum war und wenn sie sprach, waren bloße Worte nicht alles, was sie äußerte. Alice Geraldine Griffiths war ein Engel.

Das war zumindest Frank Longbottoms Meinung.

Nun, wenn der unglückliche Drittklässler sich bloß eine Methode ausdenken könnte, wie er wieder mit ihr sprechen könnte. Das würde wenigstens Fortschritte zeigen.

Es war so viel leichter gewesen als Erstklässler oder Zweitklässler in die Hexe verliebt zu sein, überlegte sich Frank (als er trübsalblasend an einem Oktobermorgen Porridge verzehrte), weil niemand von einem elf- oder zwölfjährigen Kerl erwartet, dass er anfängt mit Mädels zu reden. Aber ihr erster Hogsmeade-Ausflug rückte schnell näher und mindestens zwei andere in seinem Jahr hatten bereits Mädchen auf ein „Date" eingeladen. Als Gideon Prewett - ein Viertklässler, aber einer von Franks Freunden - ihn gefragt hatte, ob da irgendjemand war, den er gerne mitnehmen würde, kam ihm bloß ein Mädchen in den Sinn und sie hatte goldbraune Ringellocken und ein engelsgleiches Lächeln.

Alice Geraldine Griffiths.

Perfektion.

Aber von dem Moment an, in dem Frank an sie in dieser Weise dachte, merkte er, dass der Mechanismus, der ihm normalerweise erlaubte zu sprechen, versagte, wann auch immer das besagte Mädchen im Umkreis von 5 Meter auftauchte... etwas unpraktisch, wenn man bedachte, dass er plante, sie auf ein Date einzuladen, ihr fester Freund zu werden, sie zu heiraten und glücklich bis an ihr was auch immer zu leben und so weiter und so fort...

Ja, er würde eindeutig diese ganze „Sprechen"-Sache meistern müssen... und das schnell. Gideon hatte gesagt, dass so ein Fünftklässler namens Logan ebenfalls mit Alice Griffiths geflirtet hatte. Frank würde wetten, dass dieser Logan Trottel ihren Zweitnamen nicht wusste. Frank jedoch schon. Alice Geraldine Griffiths war wirklich ein schöner Name.

„Süße", sagte Hestia Clearwater gerade wie verrückt grinsend, sie und Alice standen nicht weit weg, „manchmal verstehe ich dich nicht. Er ist absolut hinreißend."

„Er ist ein Slytherin", antwortete Alice unsicher und Frank (der sie schamlos belauschte) zuckte zusammen, als ihm klar wurde, dass sie sich gerade über diesen Logan Blödmann unterhielten. „Er ist ziemlich süß", fügte sie hinzu, „aber ich kenne ihn kaum. Wenn ich zum allerersten Mal mit einem Jungen nach Hogsmeade gehe, will ich mit jemandem gehen, bei dem ich mit wohlfühle..."

„Wenn du mit jemanden gehst um dich wohl zu fühlen, würdest du mit mir gehen," argumentierte Hestia. „Ich denke, du solltest die Einladung annehmen. Ein Fünftklässler lädt nicht alle Tage jemanden auf ein Date ein, der ganze zwei Jahre jünger ist."

„Tja", antwortete Alice stolz mit einem Funkeln in ihren haselnussbraunen Augen, „ich bin eben sehr reif." Beide Mädchen kicherten darüber.

„Jedenfalls" fuhr Hestia fort, „ich muss etwas für Alte Runen fertigmachen. Ich sehe dich in der zweiten Stunde, okay?"

„Tschüss!" sagte Alice, als ihre Freundin davon eilte. Mit einem nachdenklichen kleinen Seufzer setzte sich die junge Hexe an den Gryffindortisch. Sie schenkte sich selbst ein Glass Kürbissaft ein und sagte ohne vom Kelch hochzuschauen: „Guten Morgen, Frank."

Frank tat so, als ob er sie nicht beobachtet hätte. Eine gelockte Strähne sprang vor ihren Augen. „Guten Mor... hi, Alice!" Er fuhr zusammen.

„Wie geht es dir?" fragte sie lächelnd. „Wir haben schon ewig nicht mehr miteinander geredet..."

(Dreizehn Tage, das eine Mal eingeschlossen, als Frank versucht hatte mit ihr nach Verwandlung zu sprechen, aber den Mut verloren hatte und stattdessen vorgab zu husten).

„Ich - ich schätze nicht." Naja, wenigstens war das technisch gesehen ein ganzer Satz.

„Ich habe schon angefangen zu denken, dass du wütend auf mich bist," fuhr Alice zögernd fort, ihn aus den Augenwinkeln beobachtend. „Ich meine, wir waren Zaubertränkepartner letzten Dienstag und du hast kein Wort mit mir gesprochen."

„Ich war... äh... rauer Hals."

„Oh. Das tut mir leid. Ich hoffe, ich war nicht unhöflich."

„Nein... nein, du warst..." (Perfekt.) „...nett."

„Naja, da bin ich... froh." Alice trank ihren Kürbissaft aus. „Ich sollte mich fertigmachen für Muggelkunde..." sagte sie, obwohl sie sitzen blieb.

„O-oh. Frühstückst du nicht?"

„Ich hab schon gegessen."

„Hast du?" fragte er, ein wenig zu enthusiastisch. „Ich meine - das ist... gut. Es ist, du weißt schon, gesund,... früh zu essen." Frank notierte sich gedanklich, nichts von dieser Unterhaltung jemals Gideon oder... jemand anderem zu offenbaren. Niemals.

Alice nickte, eindeutig verwirrt. Sie stand vom Tisch auf. „Nun gut. Ich schätze, ich sehe dich in..."

„Warte," unterbrach Frank, ebenfalls aufstehend. Sie wartete. „Gehst du mit diesem Logan Tr... äh... Typ nach Hogsmeade?"

Alice wurde rot. „Ich habe mich noch nicht entschieden. Warum fragst...?"

„Ich frage, weil wenn du es nicht tust, würdest du vielleicht mit mir gehen?" sagte Frank sehr, sehr schnell. Alice Laune hellte sich deutlich auf, was Frank eine Gänsehaut verpasste.

„Als... als Freunde, meinst du?" fragte sie, auf ihrer Lippe kauend.

Sein Herz sank. „Ja. Ja, natürlich als... als Freunde."

Alice' rosa Lippen zogen sich leicht nach unten. „Tja... ich denke, das wäre sehr nett," sagte sie. „Ich würde sehr gerne mit dir gehen als... Freunde." Dann begann sie zu gehen.

Frank schlug sich selbst - gedanklich und wörtlich gesehen - weil es nicht sein konnte, dass er wirklich so ein blöder Angsthase sein konnte. Er war ein Gryffindor, um Himmels willen. „Warte, Alice!" sagte er wieder und beeilte sich um die verschwindende Hexe einzuholen. „Das habe ich nicht gemeint. Ich meinte... was ich meinte war: Ich will nicht nach Hogsmeade als Freunde, ich will als... als..."

„Als Date?" schloss Alice strahlend. Er nickte. „Okay."

„Okay?"

„Okay, ich gehe mit dir als Date nach Hogsmeade."

„Wirklich?"

„Ja!" Alice war geradezu am Leuchten, als sie ihre Hand ausstreckte, Franks nahm und - sich nach vorne lehnend - ihn auf die Wange küsste.

„Ich treffe dich hier gegen neun?"

„Was? Ja. Ja, richtig. Neun."

„Okay."

„Okay."

Sie hüpfte praktisch davon. Perfekt.

(Heutiger Tag: Kathy Pritchard)

„Kathy Pritchard ist sehr hübsch", beobachtete Sirius Black, gegenüber einer unglücklichen Marlene Price Platz nehmend. Die Blonde saß - zuvor alleine - in einer Sitzecke im Pub „Die drei Besen" des Dorfs Hogsmeade, nippte Butterbier und sah dabei aus, als ob ihre Katze gerade gestorben war.

„Was meinst du?" fragte Marlene und blickte erschrocken auf. Sirius grinste seine Mitschülerin an, während Remus Lupin und Peter Pettigrew sich auch den beiden in der Sitzecke anschlossen.

Kathy Pritchard ist sehr hübsch", wiederholte Sirius unschuldig. „Das ist doch Kathy Pritchard da drüben, oder? Das asiatische Mädchen mit einem blauen Schal und einem Date?"

Marlene schaute durch die Kneipe, sich räuspernd: „Ja, das ist Kathy Pritchard. Ich weiß aber nicht, wovon du sprichst."

„Ich wette, du weißt es", sagte Sirius. „Würdest du mir da nicht zustimmen, Lupin?"

„Beteilig mich nicht in deiner Art von Neckerei zur Selbsterhöhung", antwortete Remus. Sirius runzelte die Stirn.

„Was weißt du über Selbsterhöhung, Moony?"

Marlene verdrehte ihre Augen. „Das ist eklig. Kann diese Unterhaltung jetzt aufhören?"

„Ich wusste nicht, dass Kathy Pritchard mit Adam McKinnon ausgeht." bemerkte Peter nebenbei, ein Blick zu der Sitzecke werfend, in der das besagte Paar saß, lachend bei Butterbier und Scones.

„Ich auch nicht", sagte Sirius mit einem bedeutungsvollen Blick zu Marlene. „Wusstest du es, liebliche Lady Price?"

„Er könnte erwähnt haben, dass er sie nach einem Date fragt", sagte Marlene einfach. „Und ich denke, sie sind ein... ein sehr süßes Paar, wisst ihr. Kathy Pritchard ist sehr hübsch."

„Hmm, ziemlich", sagte Sirius trocken. „Was ist mit dir? Wo ist dein Kerl? Ich kann mir keinen Grund vorstellen, warum ein so hübsches Mädchen wie du gerade jetzt in dem Drei Besen vereinsamt."

„Ich treffe mich später mit Miles", sagte Marlene ihm würdevoll. „Warum habt ihr hier kein Date? Und wo ist James?"

„Tja," begann Padfoot, „Peter hat kein Date, weil er einfach nicht den Mut hat, ein Mädchen zu fragen, Remus ist schwul und ich denke, dass es eine Entbehrung für alle Frauen der Welt wäre, wenn ich mich nur auf eine Hexe beschränken würde."

„Ich bin mutig!"

„Und ich bin nicht schwul." Remus starrte seinen Freund böse an. „Ignorier alles, was er sagt, Marlene. Er hat wahrscheinlich eine verbotene Substanz geraucht. James hat ein Date mit einer Ravenclaw... deshalb ist er weg."

Marlene nickte. Sie merkte, wie ihr Blick zu Adams und Kathys Ecke wanderte. „Sie... sie sind wirklich ein sehr süßes Paar", sagte sie laut. Die drei Rumtreiber nickten, ihren Blick nicht erwidernd. „Was? Warum seid ihr alle verlegen?"

„Sind wir nicht", quiekte Peter.

„Wirklich, Jungs", sagte Marlene, „mir geht es gut. Miles wird da sein... bald."

„Wie bald?" fragte Remus.

„Zwei Uhr."

„Das ist in drei Stunden", stellte Peter fest.

„Ich kann warten," verteidigte sich die Blonde. „Miles und ich sind nicht so ein Paar, dass jede Sekunde zusammensein muss oder das..."

„Sich mag?" schloss Sirius. „Wirklich, Marlene, du könntest was besseres kriegen."

Bitte. Miles ist wirklich schlau. Außerdem sieht er gut aus und ist ziemlich sportlich." Und sie verspürte eine Welle Stolz, da sie wusste, dass alles davon stimmte. Die Rumtreiber schienen weniger beeindruckt.

„Er ist ebenfalls sichtbar abwesend, Marlene," merkte Sirius an. „Nun gut," bevor sie widersprechen konnte... „Zehn Finger." Er hielt seine Hände hoch und Marlene starrte ihn verständnislos an.

„Zehn Finger?"

„Ja. Zehn Finger. Das Spiel." Marlene verstand es jedoch nicht und der Rumtreiber seufzte. „Guter Gott, was machen Frauen, wenn sie trinken? Du kennst nicht das Spiel Zehn Finger?" Sie schüttelte ihren Kopf. „Wir werden Alkohol brauchen. Moony, gib mir deine Tasche."

„Ich hab da kein Alkohol drin," sagte Remus, trotzdem Sirius die Tasche reichend.

„Tust du doch. Ich habe es reingesteckt, bevor wir gegangen sind." Remus hielt sich nicht damit auf zu protestieren. Sirius packte Marlenes jetzt leeres Butterbierglas, eine dunkle Glasflasche aus der Tasche hervorziehend und goss dann den Inhalt in das Glas. Die bernsternfarbige Flüssigkeit erreichte den Rand des Glases und als Sirius die Flasche absetzte, hob er beide Hände.

„Hände hoch, alle. Du auch, Wormtail." Remus, Peter und Marlene machten es ihm zögerlich nach. „Nun, die meisten von euch wissen, wie man spielt, aber für die, die es nicht wissen..." (mit einem bedeutsamen Blick zu Marlene) „fange ich an. Ich habe noch nie... blonde Haare gehabt."

„Tja, das ist klar," sagte Marlene. Peter seufzte resigniert und nahm einen Schluck vom Kelch. Er zuckte bei dem alkoholischen Brennen zusammen und schob den Kelch auf dem Tisch zu Marlene.

„Du musst trinken", sagte Remus ihr, seine Augen über Sirius verdrehend. „Du hast blonde Haare."

„Das ist ein blödes Spiel."

„Keine Sorge", versicherte Peter ihr. „Du bist als nächstes an der Reihe." Sie nahm ebenfalls einen Schluck von dem Feuerwhiskey, gleichermaßen zusammenzuckend.

„Jetzt haben du und Peter neun Finger", informierte Sirius sie. „Wer zuerst null Finger hat, ist der größte Idiot. Und du bist dran, Price."

Marlene überlegte für einen Moment. „Ich habe noch nie ein Mädchen geküsst."

Sirius trank stolz und versuchte seine zwei anderen Freunde davon abzuhalten, es zu tun, was Peter zum Protestieren, Remus zum Augenrollen und Marlene zum Lachen brachte. Adam McKinnon blickte von seinem Tisch herüber, aber sie bemerkte es nicht.

(Erstes Date: November, 1973)

„Ich bin verliebt," verkündete die vierzehnjährige Marlene Price, als sie sich in den einzig freien Platz in Mary Macdonalds Sitzecke in Die Drei Besen fallen ließ. Mary lachte und ihre Beisitzer - die viel weniger an Marys beste Freundin gewöhnt waren - tauschten verwirrte Blicke.

„Alle", begann Mary, ihre Freunde ansprechend, „Das hier ist Marlene. Marlene, das sind... alle."

Es waren nicht wirklich alle, wie Marlene einen Moment später bemerkte. Da war Ule Kellis (ein Fünftklässler, der für Mary schwärmte), Milton Shutterby (ein Hufflepuff, der für Mary schwärmte), Derrix Pomfrey (ein Ravenclaw Drittklässler, der für Mary schwärmte) und Adam McKinnon. Nur den allerletzten kannte Marlene wirklich und selbst ihre Bekanntschaft war bloß flüchtig. Trotzdem nickte Marlene ihnen allen zu, leicht errötend, weil sie realisierte, dass sie gerade einem Tisch voll Fremder ihre Liebe verkündet hatte.

„Also", sagte Mary, als der Tisch fertig war seine Hallos zu murmeln. „Ich nehme an, das erste Date mit Miles Stimpson ist gut verlaufen?"

„Sehr gut", stimmte Marlene zu. „Miles ist fantastisch. Er weiß so viel über alles und..." aber diese Unterhaltung würde besser in der Privatsphäre des Schlafsaals der Gryffindor Viertklässlerinnen gehalten werden. „...Alles. Was habt ihr hier so gemacht?"

„Mary hat uns von ihren Eltern erzählt", sagte Derrix mit einem glühenden Blick zu der besagten Hexe. „Jetzt - Mary - könntest du wieder erklären, was genau ein Obsthändler macht?"

Marlene war diese Art von Verhalten nur zu gewöhnt, wenn es um ihre beste Freundin ging. Die Jungs umringten sie gerade zu. Vielleicht hatte Marlene deshalb Miles Stimpsons Einladung ihn dieses Wochenende nach Hogsmeade zu begleiten angenommen. Dates waren etwas, wozu Mary die ganze Zeit eingeladen wurde, aber das war Marlenes allererstes und Miles - das jüngste Mitglied des Ravenclaw-Quidditchteams - hatte alle Erwartungen übertroffen. Er hatte ein tolles Lächeln.

„Ich habe es dir zwölfmal erklärt", antwortete Mary müde. „Ich bin durstig, ich denke, ich hole mir ein Butterbier."

Sie erhob sich und so taten Ule, Milton und Derrix. „Ich kaufe es", bot sich Ule an.

„Nein, lass mich!" sagte Derrix.

„Bitte, ich würde mich geehrt fühlen..." sagte Milton. Die drei Jungs eilten zur Bar und Mary, die nicht einmal ihren Geldbeutel in die Hand genommen hatte, zwinkerte Marlene zu, bevor sie ihnen folgte. Marlene blieb alleine mit Adam McKinnon zurück - auch ein Gryffindor Viertklässler und eindeutig am falschen Platz in dieser Vereinigung der Mary-Macdonald-Fans.

„Hi", sagte Marlene, als die beiden darauf warteten, dass Mary - und ihr Club - zurückkamen.

„Hi", sagte Adam.

„Wie bist du hier reingezogen worden?" fragte die Blonde. Adam grinste.

„Mein bester Freund ist auf einem Date mit einem Mädchen", sagte er ihr. „Und Mary war alleine, als ich sie gefunden habe... wir haben uns gerade unterhalten, als die anderen drei aufgetaucht sind."

„So geht es mir jedes Mal," seufzte Marlene, aber sie lachte, als sie es sagte, weil heute... heute konnte nichts unerfreulich sein.

„Du warst auf einem Date, ja?" fragte Adam. Marlene nickte.

„Miles Stimpson. Er spielt als Hüter bei Ravenclaw."

„Richtig... er ist ein Auswechselspieler, oder?"

Marlene, nicht weniger beeindruckt, bestätigte das. „Er hat mich gefragt, ob ich seine Freundin werden will," fügte sie hinzu, weil die Neuigkeiten zu groß waren um zu warten.

„Ich verstehe. Tja... Glückwunsch."

„Danke."

Ein betretenes Schweigen ließ sich für einen Moment auf die beiden nieder. Marlene klopfte mit ihrem Fuß auf den Boden, wünschend, dass sich Mary beeilen würde. Es war mit Miles überhaupt nicht ungemütlich gewesen, dachte sie. Er hatte so viel zu sagen.

I la-la-la-love the way you've cursed my name..." sang eine Stimme über den MRF, der im Hintergrund lief. Es war das neue Lied von Cockatrice und das aktuelle Lieblingslied von Marlene.

„Ich liebe dieses Lied", sagte sie, eher zu sich als zu ihrem Begleiter.

Adam schaute von seinem Butterbier hoch, sichtbar überrascht. „Ich auch", sagte er. „Ich wusste gar nicht, dass du The Cockatrice magst."

„Oh, doch, sie sind genial. Hast du ,Spells und Spills' gehört?"

„Ja! Das ganze Album ist fantastisch!"

„Nicht wahr? Mary sagt, es sei langweilig, aber ich liebe das Gitarrensolo im vierten Stück..."

„Round and Round? Oh ja, das ist genial. Weißt du, du bist wahrscheinlich das einzige Mädchen, das ich kenne, das The Cockatrice mag."

„Lily Evans hat mir die meiste Nichtmuggle-Musik gezeigt", gab Marlene zu. „Sie hat so viel Musik, es ist, als ob man in einem Plattenladen geht, wenn man unter ihrem Bett kramt. Magst du Muggle-Musik?"

„Ich kenne keine."

„Ich muss dir was von Pink Floyd leihen. Sie fühlen sich so ähnlich an wie The Cockatrice, nur noch seltsamer."

Adam hob seine Augenbrauen. „Das ist nicht möglich."

„Ist es. Magst du Hate Potion?"

„Wer tut das nicht? Ihr erster Album war das allererste, das ich gekauft habe."

„Wirklich?" fragte Marlene begeistert. „Das ist so lustig - das war das allererste magische Album, das ich gekauft habe! Natürlich war ihr zweites Album nicht so gut..."

„Nein, aber ein paar der Lieder waren wirklich brilliant. Wie..."

„Unlucky Thirteen?"

„Ja - das ist mein Lieblingslied."

Marlene strahlte. „Du hast einen guten Musikgeschmack."

„Du auch", stimmte Adam zu, seinen Kopf verneigend. Marlene lachte, gerade als Mary zum Tisch zurückkehrte (mit den drei anderen, von denen jeder zwei Kelche Butterbier trug).

Später an dem Abend betraten Mary und Marlene den Süßigkeitenladen Honigtopf, nachdem die beiden es geschafft hatten, das Gefolge der ersteren abzuhängen. „Also worüber hast du dich mit Adam McKinnon unterhalten?" fragte Mary beiläufig, eine Wand voll Schokolade betrachtend.

„Musik", erzählte Marlene ihr. „Er hat einen guten Geschmack. Ich bin überrascht, dass ich mich nicht mehr mit ihm unterhalten habe. Wie ist es dazu gekommen, dass ihr zwei befreundet seid?"

„Sind wir nicht wirklich", sagte Mary achselzuckend. „Ich kenne ihn nur ein wenig. Wir waren letztes Jahr ein paar Mal Zaubertränkepartner."

„Er scheint cool zu sein."

„Ja", stimmte Mary zu. „Natürlich", fuhr sie neckend fort, „ist er kein Miles Stimpson."

„Nein", sagte Marlene, träge eine Schachtel Zuckerfedern betrachtend. „In the eleventh hour, I'm the unlucky thirteen..." sang die raue Stimme eines Sängers auf MRF. Marlene merkte, wie sie lächelte. „Nein, er ist kein Miles Stimpson."

Adam McKinnon war etwas vollkommen anderes.

(Heutiger Tag: Schauspielen)

Es war nichts falsch mit Daniela Prentiss. Sie war hübsch, auf eine gewöhnliche Art. Sie war schlau, auf eine vorbildliche Ravenclaw Fünftklässler Art. Sie war lustig, auf eine vorhersehbare, schrullige Art. Sie war nett, auf eine gewohnte, herkömmliche Art. Es war nichts von Natur aus falsch mit Daniela Prentiss und doch hatte die Hintertür noch nie so verlockend ausgesehen, wenn es James Potter anging.

Sie hatte noch nicht einmal ein echtes Lachen hervorgerufen und es waren schon drei Stunden vergangen, seit das Date begonnen hatte. Sogar Zonkos schien langweiliger als sonst.

„Hast du die schon mal ausprobiert?" fragte Daniela, in einer Weise lächelnd, von der James annahm, dass sie charakteristisch sein sollte. Sie hielt eine Schachtel mit Juxzauberstäben hoch.

„Sie sind ein wenig prosaisch," gab James zu. „Ab und zu witzig, aber insgesamt überbewertet."

Daniela stellte die Box wieder auf das Regal. „Ich stimme zu," sagte sie. „Oh, schau mal, bissige Bumerangs." Als sie zu dem Gegenstand eilte, sah James seine Gelegenheit.

„Hör zu, Daniela, ich gehe kurz auf die Toilette auf der anderen Straßenseite. Ich bin gleich zurück, okay?"

„In Ordnung," sagte Daniela und James trat aus der Eingangstür. Sofort ging er um das Gebäude herum in eine Gasse und fasst in eine Tasche um einen Spiegel herauszuziehen.

„Sirius Black", sagte James. Er wartete und wiederholte: „Sirius Black." Eine Minute später erschien Sirius Gesicht im Spiegel. „Du musst mich hier rauskriegen."

Sirius blinzelte, als ob er sich bemühen müsste, die Nachricht, die ihm sein Freund gerade mitgeteilt hatte, zu verstehen. „Okay?"

„Was ist los mit dir? Warum siehst du... komisch aus?"

Sirius runzelte die Stirn. „Ich," begann er ganz ernst, „beginne mich etwas der alkoholisierten Seite auf der Skala zu zuwenden. Wenn du verstehst, was ich meine."

„Es ist hellichter Tag, Padfoot."

„Moontail, Wormy und ich haben Zehn Finger mit Marlene gespielt."

James hob seine Augenbrauen. „Warum spielst du das? Du verlierst immer. Es gibt nichts, was du nicht schon gemacht hast, Freak."

Sirius grinste. „Marlene ist überraschend unschuldig."

Seinen Kopf schüttelnd fragte James: „Wo bist du, Padfoot?"

„Toilette. Die Drei Besen."

„Tja, du musst kommen und mich abholen... gib vor, Moony fühlt sich schlecht und du brauchst mich oder so."

„Ich weiß nicht," seufzte Sirius. „Ich fühle mich irgendwie... schwummrig."

„Padfoot."

„Ich habe noch vier Finger." antwortete dieser, während er besagte Finger demonstrativ hochhielt. „Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Marlene. Ich... komme vorbei, wenn ich verliere. Oder gewinne. Oder... verliere." Er runzelte die Stirn. „Richtig. Das habe ich gemeint. Tschüss."

Sirius' Gesicht verschwand aus dem Spiegel und James streckte das Objekt seufzend wieder zurück. Resigniert zumindest einer weiteren halben Stunde mit Daniela Prentiss entgegenblickend begann James zurück zur Hauptstraße zu gehen und dort entdeckte er ein weiteres potentielles Schlupfloch.

Lily Evans ging die Straße entlang. Sie trug einen Schottenrock, einen cremefarbenen Pullover, eine schwarze Wollstrumpfhose, flache Schuhe und einen nachdenklichen Gesichtsausdruck. James war inspiriert.

„Hey, Keks!"

Sie schaute sich um und hob eine Augenbraue, als sie James bemerkte. „Hi, Potter. Was ist...?"

Er packte ihr Handgelenk und zog sie zu sich in die Gasse. „Ich brauche deine Hilfe", sagte er als Antwort auf den verwirrten Blick auf Lilys Gesicht.

„O...kay?"

„Ich bin auf einem Date..."

„Glückwunsch."

„Ich bin kurz davor, Selbstmord zu begehen."

Lily verschränkte ihre Arme. „Es kann nicht so schlimm sein. Wer ist das Mädchen?"

„Daniela Prentiss."

„Sie ist nett."

„Und hübsch und schlau und witzig", stimmte James zu. „Und verdammt langweilig. Weißt du, wie manche Mädchen versuchen, auf ,interessant' zu machen? Die hier hat es seit Wochen geübt... ich hatte drei Stunden und kann es nicht mehr aushalten. Du musst mir helfen."

„Wie?" fragte Lily misstrauisch.

„Komm einfach nur in Zonkos rein und sag so was wie... Remus hat sich übergeben und braucht mich."

James..."

„Habe ich erwähnt, wie ich meinen ganzen Lebenswillen verliere?"

„Es ist unehrlich."

„Keks, das Mädchen glaubt nicht an Handtaschen! Welche Person hat eine moralische Abneigung gegen Handtaschen?"

„Ich werde dir nicht helfen, ein Mädchen anzulügen," sagte Lily fest. „Es ist gemein und es würde ein gewisser Mangel an Beistand von mir zeigen. Wenn du zugestimmt hast, mit einem Mädchen auf ein Date zu gehen, ist es nur richtig, dass du es auch durchziehst."

James verdrehte seine Augen. „Wussten deine Eltern, was passieren würde, als sie dich ,Lily Spielverderber Evans' nannten?"

„Es tut mir leid", sagte sie und sie hörte sich danach an. „Wirklich, aber ich kann nicht." Lily entzog ihm seinen Arm (er hatte ihn die ganze Zeit gehalten) und schenkte ihm ein ermutigendes Lächeln. „Halt einfach noch ein paar Stunden durch... dann kannst du sagen, dass du zum Abendessen hoch ins Schloss willst oder so."

„Wenn ich es nicht überlebe, sorg dafür, dass Sirius weiß, dass er mein bester Freund war und sag Remus, dass ich derjenige war, der die Schokofrösche geklaut hat."

„Hör auf so dramatisch zu sein," schimpfte Lily belustigt. Sie begann zur Hauptstraße zu laufen. „Und... viel Glück."

Müde kehrte James zu Zonkos zurück. Daniela lächelte ihn albern an, als er eintrat. „Ich habe mich für einen Fangzähnigen Frisbee und ein paar Schluckauf-Leckereien entschieden," verkündete sie und begann zur Kasse zu laufen.

„Weise," sagte James. Er nahm seinen Geldbeutel raus und Daniela hob ihre Augenbrauen. Sie drückte seinen Arm weg.

Bitte. Beleidige mich nicht!" Fröhlich lachend zog sie ein paar Münzen aus ihrer Hosentasche („Handtaschen sind die Werkzeuge von Frauenfeinden und blöden Mädchen!" hatte sie ihn früher informiert.) „Ich glaube nicht an Kavaliere," fuhr Daniela fort. „Eigentlich finde ich, dass alle Manieren veraltet sind."

James konnte nicht sagen, dass er dem Teil über Kavaliere widersprechen würde, aber er konnte - zum größten Teil aus Trotz - dem Drang nicht widerstehen zu fragen: „Wenn Manieren veraltet sind, wie kannst du dann beleidigt sein, wenn ich versuche zu bezahlen? Ich meine, wenn es keine soziale Messlatte für Unverschämtheit gibt, wie kannst du dann eine Messlatte haben, mit dem du etwas als beleidigend beurteilst oder nicht?"

Daniela blinzelte. „Was?"

„Ich..." Aber er überlegte es sich anders: „Nichts. Egal."

Als sie den Anfang der Schlange erreichte, ließ sich Daniela von dem Verkäufer bedienen und James versuchte, einen Weg aus der Situation zu suchen. Ein paar Stunden... nur noch ein paar Stunden...

„Potter!"

Der Quidditch-Kapitän und sein Date drehten sich beim Klang seines Namens um. Die Tür von Zonkos fiel hinter der atemlosen, vom Wind zerzausten Form von Lily Evans zu. James spürte, wie sich sein Magen bei dem Anblick der Angst auf ihrem erröteten Gesicht zusammenzog.

„Remus hatte einen Unfall!" sagte Lily mit drängender Stimme. „Sirius hat mich geschickt um dich zu holen! Ich bin mir nicht sicher, was los ist..."

James hätte sie auf der Stelle küssen könne. Stattdessen: „Nein, natürlich, ich komme sofort. Daniela, dir macht es nichts aus, oder?"

Daniela, die erst die Hälfte ihrer Artikel bezahlt hatte, sah extrem verwirrt aus. „Einen Moment, ich komme mit..."

„Du solltest dich besser beeilen!" sagte Lily schnell.

„Ich will deinen Tag nicht ruinieren", fügte James hinzu. „Wirklich, tut mir leid... aber ich weiß nicht, wie lange das dauert... vielleicht sehe ich dich beim Abendessen?"

„Oh... in Ordnung."

„Es tut mir wirklich leid, Daniela", fügte der Quidditch-Kapitän hinzu. „Ich hoffe, das versaut dir den Ausflug nicht zu sehr?"

„Nein, ich verstehe."

Damit - und einem höflichen Küsschen auf Danielas Wange - folgte James Lily in schnellem Schritt aus dem Laden. Draußen in der kühlen Oktoberluft wartete James, bis sie weit hinter dem Honigtopf waren, bevor er anfing zu lachen. Es war ansteckend, obwohl Lily sichtlich versuchte mit aller Kraft das Lachen zu unterdrücken.

„Nur, dass du das weißt", sagte sie in einem Versuch missbilligend auszusehen: „Ich bin sehr enttäuscht von mir."

„Oh, offensichtlich", antwortete er sarkastisch. „Wer hätte gedacht, dass du so eine Schauspielerin bist, Keks? Ich bin beeindruckt, wirklich."

„Reit nicht darauf rum! Ich fühle mich schon schuldig genug!" lachte Lily halb, ihr Gesicht mit einer Hand verbergend. Ihr Begleiter grinste sie an.

„Sorry, Keks, es ist offiziell: du hilft mir aus einer heiklen Lage, lügst ein anderes Mädchen an, erfindest einen Unfall... du bist praktisch Sirius Black!"

„Zieh mich nicht auf," warnte ihn Lily. „Oder ich gehe zurück und sage Daniela Prentiss, wo sie dich finden kann."

„Tja, das wäre nicht sehr freundlich."

Wir sind keine Freunde." erinnerte Lily ihn. „Außer, wie ich mich erinnern kann, potentielle."

„Na schön," bemerkte James. „Aber wenn das nicht der Grund war, weshalb du mich gerettet hast, was sonst?"

Lily biss sich auf die Lippe. „Ich hätte es nicht gemacht," sagte sie, „Außer dass... ich schätze... ich schätze, ich mag einfach Handtaschen, das ist alles."

„Tja... dankeschön," sagte James. „Ich schulde dir was, oder? Komm, ich geb' dir ein Butterbier aus..."

„Tut mir leid", sagte Lily kopfschüttelnd. „Ich sollte eigentlich zurück zu Luke. Ich bin nur für ein paar Minuten gegangen um nach Alice im Postbüro zu schauen, also - du weißt schon, er wird warten."

„Oh, richtig. In dem Fall..."

„Danke aber."

„Ja, natürlich. Und... danke auch."

„Bitteschön."

(Wirklich, Wirklich: Juni, 1975)

„Bitte, Lily..."

„Zum letzten Mal, Snape, NEIN!"

Lily Evans knallte die Toilettentür des Die Drei Besen hinter sich zu, ihren ehemaligen besten Freund aus Slytherin verzweifelt auf der anderen Seite lassend. Die Fünftklässlerin bewegte sich mit Tränen in den Augen hastig zum Waschbecken, drehte den Hahn auf und ließ eigentlich grundlos das kalte Wasser über ihre Hand laufen.

Nicht weinen, befahl sie sich. Nicht weinen. Nicht hier. Nicht in der Öffentlichkeit.

Aber es half nichts. Unfähig die Tränen zurückzuhalten, eilte Lily in eine Kabine (sie waren glücklicherweise alle frei) und begann zu schluchzen. Warum ließ er sie so fühlen? Warum musste er es so viel schwerer machen? Warum waren die zwei Tage seit der Auflösung ihrer Freundschaft die zwei schlimmsten ihres ganzen Lebens gewesen?

Sie wusste die Antwort zu allen drei, aber es ließ sie nur noch mehr schluchzen.

„Reiß dich zusammen, Evans," flüsterte sie zu sich selbst. „Reiß dich zusammen. Das ist blöd. Du musst darüber hinwegkommen. Du kannst nicht jedes Mal in Tränen ausbrechen, wenn er mit dir spricht!"

Langsam begann Lily ihren Rat zu befolgen. Ihre Tränen versiegten und ihr Atem wurde ruhig. Wohlwissend, dass sie schrecklich aussehen musste, verließ Lily die Kabine und ging zum Spiegel. Ein wenig Make-up verstecktedie fleckige Haut und die rote Nase, aber sie konnte nichts gegen ihre blutunterlaufene Augen machen außer zu warten. Unglücklicherweise hatte die Hexe wenig Zeit. Luke Harper wartete auf sie.

Das musste sein schlimmstes erstes Date aller Zeiten sein und Lily wäre geschockt, wenn sie nach einem zweiten gefragt würde. Sicher, Luke war verständnisvoll, aber Lily hatte ihre Nische vor zehn Minuten verlassen um auf die Toilette zu gehen und er musste misstrauisch geworden sein. Auf der anderen Seite war es nicht Lilys Schuld. Wie hätte sie wissen können, dass Snape sie im hinteren Flur ansprechen, sein Flehen nach Vergebung wiederholen und sich nach Lilys derzeitigem Zustand erkundigen würde?

„Ich werde das überleben," verkündete Lily ihrem Spiegelbild. „Luke Harper ist nett, aber wenn er mich nicht mehr treffen will, werde ich das überleben."

Angestrengt ihren Kopf hochtragend verließ Lily die Toilette. Snape war glücklicherweise gegangen und Lily konnte ohne Zwischenfälle zu ihrem Tisch zurückkehren. Luke Harper, der gutaussehende Ravenclaw-Sechstklässler, der Lily erst den Abend zuvor gefragt hatte, ob sie ihn zum Dorf begleiten wollte, wartete mit zwei vollen Butterbier auf sie. Er hatte gewartet, bis sie zurückkam, bevor er anfing sein Butterbier zu trinken und Lily bemerkte es.

Sie lächelte den Sechstklässler aufrichtig an. „Danke."

„Ich dachte, du hättest dich verirrt," versuchte Luke sie aufzuziehen, obwohl Witzeleien nicht gerade sein Talent war. Er stand auf, als sie den Tisch erreichte und sich setzte.

„Nein," sagte Lily. „Ich bin in jemanden reingelaufen und der wollte gerade dann mit mir sprechen. Es tut mir leid - es war unhöflich von mir..."

„Oh, überhaupt nicht. Ich verstehe das." Luke nahm für einen Moment ein paar Schlucke von seinem Butterbier, bevor er hinzufügte: „War es dieser Snape?"

Überrascht nickte Lily. Er tat es ihr nach und dann waren sie wieder still, bis Lily sich verpflichtet fühlte zu sagen: „Hör zu, ich denke nicht, dass ich dir jemals richtig für den einen Abend gedankt habe. Ich war... verzweifelt, wie du zweifellos erkannt hattest und bloß die Tatsache, dass du einfach da warst... bloß die Tatsache, dass du mir zwanzig Minuten beim Faseln zugehört hast... war mehr als wertvoll. Also... danke."

„Lily, ich habe dir gerne zwanzig Minuten beim Faseln zugehört," sagte Luke. „Ich weiß, wie es ist, jemanden so zu verlieren... ich meine, nicht ganz, aber - ich habe einen Bruder und seit er mit der Schule fertig ist, haben wir uns auseinander gelebt. Es ist schwierig, ich verstehe das, also wenn du darüber reden willst, dann bin ich für dich da." (Er hatte so fantastisch melancholische Augen.) „Aber," fuhr der Ravenclaw fort, „ich will nicht, dass du denkst, dass du mit mir ausgehen musst, weil ich letztens deine Schulter zum Ausheulen war. Ich mag dich wirklich... ich habe dich für einen Weile gemocht und je mehr Zeit ich mit dir verbringe, desto mehr mag ich dich. Aber wenn du heute nur mit mir ausgegangen bist, weil du dich wegen dem anderen Abend verpflichtet fühlst... dann musst du nicht bleiben. Wirklich, ich verstehe das."

Lily nippte an ihrem Butterbier um Zeit zu gewinnen. War es möglich, dass dieser Luke Harper wirklich so romantisch war, wie er vorgeblich schien? War es möglich, dass er wirklich so süß war? War es möglich, dass Lily noch nicht vor zwei Stunden überlegt hatte, das Date abzusagen?

Snape war nicht von Lilys Gedanken verschwunden, aber seine Anwesenheit war vielleicht ein bisschen weniger auffällig. sie war kein Mädchen, das anderen etwas vormachte oder das falsche Hoffnung erweckte, aber in diesem Moment fällte Lily eine Entscheidung. Es war unmöglich für sie, sich zu verlieben, das wusste sie, weil ein zu großer Teil ihres Herzens einer anderen Sache gewidmet war. Es gab schließlich einen Grund, warum sie noch nie zuvor einen richtigen festen Freund gehabt hatte. Wie auch immer bedeutete das nicht, dass sie jemanden nicht sehr viel mögen konnte und niemand auf dieser Welt schien würdiger als Luke Harper. Sie lächelte ihn an. „Ich will wirklich, wirklich hier sein", sagte sie. Und so meinte sie es auch.

(Heutiger Tag: Betrogen durch das Gegenteil der Liebe)

„Marlene, wo zur Hölle warst du?", wollte Miles Stimpson wissen, seiner Freundin entgegentretend, als die beiden sich bei den Kutschen trafen. Marlene dachte darüber nach, ihr Gehirn war irgendwie verschwommen durch den Alkohol und ihr Kopf fühlte genau die richtige Leichtigkeit.

„Miles, ich bin bloß ein bisschen betrunken", informierte sie ihn." Bloß ein bisschen. Und du warst sehr sehr spät dran. Wir sind nur zur Heulenden Hütte gegangen." Sich auf ihre Zehen stellen schlang Marlene ihre Arme um den Hals des Ravenclaws und küsste ihn mit betrunkener Leidenschaft, was Miles die Tatsache vergessen ließ, dass er irgendwie sauer auf das Mädchen gewesen war. Irgendwann wich sie zurück und beschuldigte ihn: „ Du bist ziemlich scheiße, wenn es um Pünktlichkeit geht."

In einer Kutsche in der Nähe versteckte sich James Potter mit den anderen Rumtreibern. „Ich bin verwirrt", sagte Remus, betrunken genug um verwirrt zu sein, aber nüchtern genug, um nicht bei der Verkündung dessen zu lallen: „Was ist mit dem Mädchen passiert mit dem du hier warst?"

Peter, der Kleinste von denen, die getrunken hatten, fand das lustig und begann zu kichern. Sirius rollte seine Augen und murmelte: „Leichtgewicht."

„Das - das - das M-m-m-mädchen, mit dem er hier war!" lachte Peter.

„Also, was ist mit ihr passiert?", wollte Remus wissen.

„Sie ist, soweit ich weiß, noch am Leben", sagte James." Aber falls du sie bald zufällig treffen solltest, wäre es grandios, wenn du irgendwas darüber erwähnen könntest, dass dir in Hogsmeade schlecht war."

„Ich hatte Spaß", sagte Kathy Pritchard, als Adam McKinnon seinem Date in die Kutsche half.

„Ja, ich auch."

„Vielleicht sollten wir das irgendwann mal wiederholen", schlug sie vor.

„Ähm, ja, vielleicht." Adam nickte. Es war wirklich kein schlechtes Date gewesen. Nichts besonders Peinliches war passiert und die Unterhaltung war leicht aufrechterhalten worden. Kathy Pritchard war sicherlich sehr hübsch und vielleicht war etwas zwischen ihnen, was vage Anziehungskraft ähnelte, aber...

Es war entweder da oder nicht, und...

(Kathy Pritchards Lieblingsband war Wizards Without Wands und sie wusste überhaupt nichts über Mugglemusik. Professionelles Quidditch war ihr auch egal.)

... es war einfach nicht da.

„Hör zu Kathy, du bist wirklich nett", begann Adam. „Und ich hatte eine nette Zeit heute-"

„Aber es wird nichts zwischen uns laufen?" schloss das Ravenclaw Mädchen für ihn. Adam sah verwirrt aus. „Bitte, Adam, du hast das Wort 'nett' zweimal in einem Satz benutzt. Ich müsste komplett blöd sein, um nicht zu wissen, wohin das führt."

„Es ...tut mir leid?"

„Muss es nicht", sie küsste ihn auf die Wange. „Ich hatte heute auch eine nette Zeit."

„Gut. Dann bin ich froh."

„Aber", fuhr Kathy fort, „du musst dir eine eigene Kutsche suchen."

„Na schön."

„Also, hör zu", sagte Lily Evans gerade, einen Arm um Luke Harpers Hüfte schlingend, als die beiden ihren Weg in die High Street hoch machten, „ich habe darüber nachgedacht, wie ich in letzter Zeit irgendwie... abgelenkt war."

„Oh."

„Und es gibt einen Grund dafür", fuhr Lily fort, „ich will nicht dass du denkst, dass es in irgendeiner Weise deine Schuld sei. Mit Schule und dem ganzen...Drama... ich schätze, dass ich einfach..."

„Abgelenkt war?" schloss Luke lächelnd für sie. Lily nickte, seinen Gesichtsausdruck spiegelnd.

„Es tut mir leid", wiederholte sie.

„Tja," sagte Luke, „ ich war es wahrscheinlich auch." Um die Wahrheit zu sagen war es Lily nicht aufgefallen. „Ich mache mir keine Sorgen. Obwohl, eigentlich, äh - wie du begonnen hast, habe ich... habe ich gedacht, dass die Unterhaltung in eine andere Richtung geht."

„In welche Richtung?" fragte Lily unschuldig. Ihr fiel etwas ein: „Oh, du hast doch wohl nicht damit gerechnet, dass ich mit dir Schluss mache, oder?" fragte sie halb-lachend.

„Nein, nein, ich...", Luke wandte seine Augen ab. "Es ist egal."

„Was war es?" fragte Lily, ihre Neugierde wachsend. „Sag es mir!"

„Nein, es ist bloß... Es ist nicht so wichtig."

„Warum sagst du es mir denn nicht?" Sie umklammerte seinen Arm, lächelnd, weil er so rot wurde. „Komm schon, Luke, ich bin neugierig."

„Es spielt keine Rolle, wirklich", beharrte er und sein Ton war ernst. Lily wollte gerade ihr Flehen wiederholen, als ihr einfiel, was er gemeint haben musste.

Ich liebe dich."

Ich kann das nicht zurücksagen... Es ist nicht so, als ob ich dich nicht sehr mag. Ich kann es einfach nur nicht sagen, außer wenn ich es wahrlich, absolut und ungebrochen meine."

Severus ist nachtragend.

Ich fürchte, dass du jetzt wie wir zu den bösen Mädchen gehörst, Ginger... gute Mädchen sagen ,ich liebe dich'."

„Luke", sagte Lily, die Handihres Freundes fest in ihrer eigenen haltend. „Ich bin wirklich, wirklich froh, dass ich mit dir hier bin." Und sie meint es - beinahe - wirklich.

„Du hast es überlebt", stellte Hestia Clearwater fest, als sie ihren Arm um Alice Griffiths hängende Schultern legte. „Keine Unannehmlichkeiten, keine peinlichen Situationen... nur ein netter, entspannter Tag in Hogsmeade."

Alice konnte nicht anders als lachen, als die beiden Mädchen sich auf den Weg zu den Kutschen machten. „Wir haben in einer Ecke des Postbüros gesessen und Zauberschnippschnapp und Koboldstein gespielt, bis die Hexe uns rausgeworfen hat", merkte sie an. „Willst du wirklich so tun als ob du dich nicht die ganze Zeit tödlich gelangweilt hast?"

„Ich habe mich nicht gelangweilt!" beharrte Hestia. "Wirklich, es war schön mal wieder mit dir zu reden. ich habe seit einer Woche nicht mehr als die Spitze deines Kopfes gesehen. Überhaupt, ich wette, wir sind die allerersten, die aus dem Postbüro rausgeworfen wurden."

Alice lächelte dankbar, dann war sie für eine Weile still. „Hör zu, Hestia," , begann sie, „Meinst du, ich habe das Richtige getan?"

„Was meinst du?"

„Ich meine... hätte ich einfach... mit ihm Schluss machen sollen? Einfach so, auf der Stelle, ohne... ohne überhaupt - ?" Plötzlich hörte Alice auf: sie hörte auf zu gehen, sie hörte auf zu sprechen und hörte - für einen Moment - auf zu atmen.

„Alice, was ist l...?"Aber dann sah Hestia, was Alice bereits bemerkt hatte. Ein wenig weiter die Straße runter stand Frank Longbottom. Er lehnte an der Wand eines Ladens (Honigtopf) und war nicht alleine. Der Schulsprecher schien eine ernste Unterhaltung zu führen - mit Carlotta Meloni. Hestia packte den Arm ihrer Freundin und versuchte, sie wegzuziehen. „Alice, komm schon, lass uns..."

„Er hat gesagt, dass er sie nicht liebt", murmelte Alice atemlos. „Er hat gesagt, dass er sie nicht mag. Er hat gesagt, dass er nie wieder mit ihr spreche würde, wenn ich bloß..." Sie schloss ihre Augen. „Ich muss gehen."

Sich umdrehend eilte Alice in die entgegengesetzte Richtung.

(11. November, 1972)

„Vertraust du mir?" fragte der vierzehnjährige Frank und obwohl ihre Augen geschlossen waren, konnte Alice sein Lächeln hören.

„Ja", sagte sie. „Obwohl ich nicht weiß, warum… wenn ich stolpere, ich schwöre bei Merlin, ich werde..."

„Du wirst nicht stolpern", versprach Frank, sie mit seiner Hand führend. „Halt dich einfach fest und wir sind bald da."

„Und warum ist all diese Geheimhaltung nötig?" fragte seine Freundin. Trotz ihrer Einwände fühlte Alice jedoch den Nervenkitzel der Erwartung in ihrem Rückenmark. Sie konnte ein Lächeln nicht von den Lippen weisen.

„Es ist nicht notwendig", sagte Frank. „Ich mag einfach die Idee. Pass jetzt auf..."

Alice machte vorsichtig einen Schritt nach vorne und merkte, dass der Boden unter ihren Füßen nicht länger Stein war, sondern Gras. „Du wirst mich nicht töten, oder?" zog sie ihn auf.

Nein. Nicht absichtlich, jedenfalls."

Sie versuche ihn zu schlagen, aber verfehlte ihn, weil... ihre Augen geschlossen waren.

„In Ordnung, wir sind da", verkündete er schließlich. „Du kannst jetzt schauen."

Alice öffnete ihre Augen und nahm die Umgebung in sich auf. Das Paar stand auf der Spitze eines niedrigen Berges, gerade vor Hogsmeade. Ein Feld von hohem, grünem Gras breitete sich vor ihnen aus und Wildblumen wuchsen überall um sie herum. Alice schaute ihren Freund an.

„Das ist hübsch", sagte sie. „Aber ich bin mir nicht sicher, ob es all die Aufregung wert war, Frank."

Frank verdrehte seine blauen Augen. Er legte seine Hände auf ihre Hüften und sie schlang seine Arme um seinen Hals. „Ich liebe dich", sagte er. Alice hörte auf: Sie hörte auf zu lächeln und hörte - für einen Moment - auf zu atmen.

„Wirklich?" fragte sie.

Frank nickte. Seine Unsicherheit über ihre Antwort stand ihm unschwer zu erkennen ins Gesicht geschrieben, aber Alice war zu aufgeregt, um seine Zweifel auf der Stelle zu vertreiben. Schließlich bemerkte sie, dass sie wieder lächelte. Die vierzehnjährige Hexe stellte sich auf ihre Zehenspitzen und küsste ihn.

„Ich liebe dich auch."

„Wirklich?"

„Ja."

„Und war es die ganze Aufregung wert?

Alice strahlte. "Zweifellos."

(Drei Jahre, vier Tage später)

Bevor die Schlafsaaltür hinter Lily zugefallen war, war die Rothaarige an Alices Seite. Die Sechstklässlerin lag in ihrem Bett, bis zum Schlüsselbein mit ihrer Decke bedeckt. Ihre Augen waren rot unterlaufen vom Weinen.

„Hestia hat gesagt, du wärst..." fing Lily an, aber dann fing sie sich. Die Sechstklässlerin nahm die Hand ihrer Freundin. „Es tut mir so leid, ich hätte dich nicht dazu bringen sollen... Alice, es tut mir so leid."

„Es ist nicht deine Schuld", hustete Alice, sich aufsetzend. „Du hast das Richtige getan, wirklich, aber ich... ich kann... ich kann ihn einfach nicht so sehen... und ich..."

„Ich habe es gehört", unterbrach eine neue Stimme. Marlene erschien in der Tür mit einer Tasche in der Hand und einem entschlossenen Gesichtsausdruck. Sie hielt die Tasche hoch. "Schokolade", erklärte sie, „und Feuerwhisky."

Alice lächelte ein schwaches, wässriges Lächeln. Marlene nahm ebenfalls auf dem Bett Platz. „Du wirst das überstehen", sagte die Blondine.

„Du wirst das überstehen", stimmte Lily zu.

Und wieder einmal begann Alice zu weinen.