AN: Es tut mir schrecklich leid, dass ich hier so lange keine Kapitel mehr gepostet habe, aber mein Computer hat sich geweigert, Dokumente zum Doc Manager hochzuladen. Erst heute habe ich gemerkt, dass wohl der Browser die Probleme gemacht hat und ich jetzt, dank einem nagelneuen Firefox, ohne Probleme wieder hochladen kann. Also, meine treuen Follower, freut euch auf eine Woche voller Updates, da ich jetzt all die Kapitel, die ich schon auf hochgeladen hab, auch endlich hier präsentieren kann. Viel Spaß!

Danke wie immer an meine wundervolle Beta Anne und meine Schwester fürs Korrekturlesen!

Disclaimer: Harry Potter und seine Charaktere gehören JKR. Diese Geschichte gehört Jewels5. Dies ist eine genehmigte Übersetzung.

Kapitel 9 - „Die Kunst des Gehens"

Oder

All meine Freunde werden Fremde sein"

„Ich hasse sie."

Peter seufzte. „Prongs, du..."

Nein. Sie ist verrückt. Sie ist einfach nur durchgeknallt. Komplett durchgedreht."

„Vielleicht ist sie nur..."

„Du verteidigst sie!" sagte James drohend und drehte sich zu seinem Freund um.

„Nein," protestierte Peter direkt. „Nein, das tue ich nicht. Du hast Recht. Du hast verdammt noch mal, absolut Recht."

„Natürlich habe ich Recht," antwortete James, wieder im Schlafsaal auf und abgehend. „Was zur Hölle ist eigentlich ihr Problem? Warum ist sie so? Warum kann sie nicht einfach...?" Er hörte auf zu atmen. „Lily Evans wird mein Tod sein."

„Sollen wir darauf küssen?" fragte Carlotta trocken. Ihre mandelförmigen, braunen Augen funkelten amüsiert und siegessicher. Die Befriedigung des Gewinnens nach einem langen erbitterten Kampf war wahrscheinlich noch erfreulicher als die einfachen Triumphes, die sie normalerweise errang.

„Wie wär's, wenn wir bloß Hände schütteln?" antwortete Frank leise und streckte seine Hand aus. Carlotta legte ihre kleinere, weichere Hand in seine und lehnte sich so weit nach vorne, dass sich ihre Nasen fast berührten.

„Bis Freitag", sagte sie, bevor sie ihre Hand zurückzog und an ihm vorbei schritt. Sie ging und ihre perfekt geschminkten Lippen verzogen sich zu einem Lächeln.

„Sirius, es tut mir leid! Sirius, hör mir zu!"

Sirius drehte sich um und sah dem jüngeren Zauberer, der ihm gefolgt war, entgegen. „Und warum zur Hölle sollte ich, Regulus?"

Regulus Black sah verletzt aus. „Weil ich dein Bruder bin."

„Das", sagte Sirius, Wut lud sich in seinen Worten wie Elektrizität, „ist die zweite Lüge, die du mir heute erzählt hast." Er drehte sich um und ging.

„Ich bin so dumm", schluchzte Lily und vergrub ihr Gesicht in dem Taschentuch, das er ihr eben gegeben hatte. „Ich bin einfach... so dumm!"

Remus Lupin, ihr Begleiter auf dem Fußboden des Korridors, tätschelte ihr unbeholfen die Schulter. Zu sagen, er war völlig unerfahren mit dem schönen Geschlecht, wäre unzutreffend, aber er hatte nie einen Weg gefunden, ein Mädchen vom Weinen abzubringen, wenn sie sich es wirklich in den Kopf gesetzt hatte.

„Lily, du bist nicht dumm!"

„Doch bin ich!" widersprach ihm Lily, die jetzt hinter ihrem Taschentuch auftauchte. „ich bin der dümmste Mensch... das dümmste Lebewesen, das es jemals auf der Erde gab. Und ich bin auch ein totales Miststück!"

So schlimm bist du nicht!" versuchte Remus sie zu trösten. „Komm schon... was ist passiert? So schlimm kann es nicht sein..."

Schlucks. „Ist es aber", flüsterte sie verzweifelt. „Weißt du, bei all dem Krach über die Jahre... mit Potter, mit Severus... ich bin es so gewöhnt, dass es deren Schuld ist. Aber das, das ist nur meine eigene."

Remus runzelte die Stirn. „Ich verstehe nicht, Lily", sagte er. „Kannst du es erklären?"

„N-n-nein", krächzte die Rothaarige. „Du kannst es nicht verstehen. Keiner kann es verstehen... Ich verstehe es nicht, um Merlins Willen!"

„Lily..."

„Aber, Remus, du wirst mich dafür hassen."

Er legte einen Arm um ihre zitternden Schultern. „Ich werde dich nicht hassen", versicherte er ihr. „Wirklich, Lily."

Sie begann ihre Fassung wiederzugewinnen und hantierte mit dem Taschentuch. „Du wirst mich hassen. Ich hasse mich."

Remus seufzte. „Komm schon, Lily. Was auch immer es ist, ich bin mir sicher, wir können eine Lösung finden, um es wieder in Ordnung zu bringen."

Können wir aber nicht, es ist nur..."

„Warum fängst du nicht einfach am Anfang an?" unterbrach der Rumtreiber. „Fang einfach an und erzähl mir, was passiert ist."

Lily atmete dramatisch aus. „Gut... ich denke... es fing heute Morgen an."

(Dieser Morgen)

„Sie schreiben Lieder über Morgen wie diese", bemerkte Lily, als sie an einem Fenster vorbeikam, durch das gelbes Sonnenlicht strömte. Donna verdrehte ihre Augen.

„Es ist zu früh für diesen Quatsch", sagte sie. „Ich schwöre, wenn du noch etwas Fröhliches sagst, setze ich mich beim Frühstück nicht neben dich."

„Was würde ich dannnur tun?" fragte Lily ironisch, während sie sich umdrehte um rückwärts neben ihrer Freundin herzulaufen. „Es ist ja nicht, als ob ich irgendjemand anderes in der Weite des Universums habe, neben den ich mich beim Frühstück setzen könnte."

Donna verschränkte ihre Arme. „Du könntest neben Potter sitzen", sagte sie. „Ich habe bemerkt, dass ihr zwei schrecklich vertraulich seid in letzter Zeit."

Lily lachte. „Eifersüchtig?"

„Neugierig", korrigierte Donna ziemlich ernst. „Seid ihr zwei...?"

„Wir versuchen bloß, miteinander klarzukommen," unterbrach Lily locker. „Da ist nichts zwischen uns... wir sind nicht mal richtige Freunde. Wir... versuchen bloß, miteinander klarzukommen."

„Anscheinend mit großem Erfolg."

„Der Erfolg ist nur vergleichbar mit den Anstrengungen, die wir opfern", informierte Lily sie. „Zum Wohle der Schule und Nicolai Mulcibers Kiefer." Aber dies war eine Lüge, dachte Lily, als sie die Große Halle erreichten: ein Akt der Verlogenheit, dessen Zweck nicht einmal sie verstand. Natürlich hatten sie sich ein paarmal gestritten, aber im Großen und Ganzen war es erschreckend einfach mit James Potter auszukommen.

„Guten Morgen, Lily... Donna..." sagte Adam McKinnon zu den beiden Mädchen, als sie sich zu ihm setzten. Adam trug - wie Donna - seinen Gryffindorumhang. „Kommst du heute zum Spiel, Lily?"

„Ich verpasse sie nie", antwortete sie. „Daher mein heutiger Patriotismus..." Sie wies auf den rot-goldenen Schal um ihren Hals.

„Lily, den trägst du jeden Tag", bemerkte Donna. „Ich würde das kaum Teamgeist nennen."

„Nur bei kaltem Wetter und zu meinen Schulsachen", argumentierte Lily. „Ich trage ihn nie zu Straßenkleidern. Das ist Teamgeist."

„Die Hufflepuffspieler sehen enthusiastischer für Gryffindor aus als du", sagte Donna kühl.

„Tun sie nicht! Nein, das tun sie nicht, Adam, oder?" Sie drehte sich zu dem Zauberer um, aber der runzelte die Stirn.

„Ich weiß nicht, Lily. Ich glaube, ein paar von denen tragen im Moment sogar mehr rot und gold als du. Eigentlich..." Er beäugte ihr Outfit. „Wenn man bedenkt, dass dein Top irgendwie gelb ist und dein Rock schwarz... würde ich annehmen, dass du mehr Hufflepufffarben trägst."

„Das ist ein cremefarbener Pullover um Merlins Willen!" protestierte Lily, als Donna zu lachen begann. „Ihr zwei seid lächerlich."

„Morgen, Shack", sagte James Potters Stimme, als er auftauchte und sich ihnen gegenüber setzte. „Morgen McKinnon... Keks." Er war bei guter Laune. Er war in einer Quidditchspiel-Stimmung und er sah auch danach aus, dachte Lily, seine Haare schienen noch zerzauster heute und ein schiefes Grinsen war durchgehend in seinem Gesicht. Sich einen Becher Kürbissaft eingießend blickte James Lily an „Mann, Keks, dir ist ja wirklich der Teamgeist ausgegangen, oder?"

Sei still, du."

(Eine Unentschlossenheit)

Lieber Sirius", begann Andromeda Tonks' Brief erwartungsgemäß.

Bitte akzeptiere meine aufrichtige Entschuldigung, dass ich so lange gebraucht habe, deinen letzten Brief zu beantworten. Wie du dir vorstellen kannst, war das Leben für meine Familie in den letzten Wochen sehr hektisch. Übrigens, wie komisch ist es, dass ich jetzt den Ausdruck Familie in einem anderen Zusammenhang benutze als Schuld, Scham, Angst oder falschem Stolz? Diese ganze Sache hat in den letzten Jahren eine seltsame Wendung genommen... noch mehr in den letzten Wochen.

Wie ich dir in meinem letzten Brief erzählt habe, war ich etwas besorgt um Nymphadora, da sie mehr unkontrollierte magische Ausbrüche hatte, als für ein Kind ihres Alters sicherlich normal wäre. Nun ja, sie hatte letztens einen Termin bei einem Heiler und - wie es sich herausstellte - ist meine Dreijährige ein Metamorphmagus. Der Heiler hat mir einen Trank gegeben, damit sie sich nicht wehtut (ich schätze, dass passiert häufig bei Metamorphmagi in ihrem Alter?), aber andererseits geht es Nymphadora tadellos... wenn es auch ein wenig exzentrisch ist. Das sollte eine interessante Pubertät werden.

Ted geht es gut. Er war so bestürzt wie ich über das, was Heiler Clancy letzten Monat über das Kinderkriegen gesagt hat, aber wir erholen uns beide (langsam) wieder. Vielleicht ist es das Beste: dieses halbversteckte Leben, das wir im Moment führen ist gefährlich genug mit nur Nymphadora. Natürlich ist Nymphadora sowieso wilder als eine typische Dreijährige (sie erinnert mich an dich... und Ted... andererseits hat mich Ted immer an dich erinnert).

Ich bin letztens Narzissa über den Weg gelaufen. Sie hat mir erzählt, dass sie ihre Verlobung mit dem Kerl, mit dem sie immer zusammen war, aufgelöst hat und ich habe einen leisen Verdacht, dass ich genau weiß, wem sie sich jetzt zugewendet hat. Merlin, ich kann nur hoffen, dass die Gerüchte falsch sind, Narzissa hat es weder bejaht noch verneint und war entschieden kalt, aber wenigstens war es nicht Bella, dann wäre ich vermutlich nicht in der Lage, dies zu schreiben. Ich hoffe, du schreibst mir, wenn du irgendwas über Cissy hörst. Ich denke, du kennst mittlerweile meine Meinung von Lucius Malfoy, Lieblingscousin.

Naja, ich habe den Mut aufgebracht, das zu erwähnen: bitte werd nicht wütend. Onkel Alphard hat mir in einem Brief von eurem kleinen Krach erzählt. Ich werde dir nicht raten, dich mit Regulus zu versöhnen - dass wäre heuchlerisch - aber ich denke nicht, dass dein Onkel es verdient, deinen Zorn zu spüren, Sirius. Er hat so viel für uns getan (dich und mich) und er möchte eine Art Beziehung zu dir haben, bevor es zu spät ist. Bitte interpretier das nicht als Verurteilung über deine Entscheidung wegzurennen, deinen Streit mit Regulus oder überhaupt deine Meinungsverschiedenheit mit Onkel Alphard: Ich will wirklich nur das Beste für dich und ich kann an nichts Besseres für dich denken, als eine gute Beziehung mit jemanden in deiner Familie (mit Ironie diesmal), der sich wirklich für dich sorgt. Außer mir, natürlich.

Es ist seltsam, dass ich jetzt Ratschläge gebe, Sirius, wenn nur vor ein paar Jahren mein Leben ein Wrack aus schlechten Entscheidungen und unsicheren Prinzipien war. Die Dinge haben sich so sehr verändert: du bist kein kleiner Junge mehr und ich bin keine Black mehr. Vielleicht bin ich die schlechteste Person auf der Erde um Ratschläge zu geben, aber ich tue es aus Liebe.

Übrigens hat mir Regulus letztens geschrieben - seltsam, nicht?

Halt dir die Menschen, die du liebst, nahe und denk daran, wo auch immer ich bin, was auch immer du tust - ich liebe dich. Ted und Dora lassen ebenfalls von sich grüßen.

In Liebe,

Andromeda

Sirius faltete den Brief zusammen und steckte ihn in seine Tasche, die Ecken waren bereits verbogen von all dem Auffalten und Zufalten, obwohl er ihn erst vor einer Stunde erhalten hatte.

„Fertig, Kumpel?" Es war James. Er erschien von einer Ecke der Umkleidekabine, seinen hochmodernen Besen in beiden Händen und mit einem Gesichtsausdruck, der gemischte Erwartungen (für das Spiel) und Sorge (für seinen Freund) zeigte. Sirius tat im Gegenzug das Beste um die Unentschlossenheit von sich abzuschütteln.

„Ich bin fertig", antwortete er. Er konnte jetzt nicht an Andromeda denken. Er konnte nicht an ihren Rat denken oder an seinen Onkel oder Regulus oder irgendwas in die Richtung. Gerade jetzt konnte da nur Quidditch sein: die Quaffel und die Ringe und seine Fähigkeit, die beiden zu verbinden. Quidditch.

„Bist du dir sicher?"

Sirius hob seinen Besen auf (ein Geschenk zu seinem fünfzehnten Geburtstag... von seinem Onkel Alphard). „Absolut."

(Verfolgung)

„Du kommst zu spät, oder?" sagte eine Stimme, als Frank das Porträtloch erreichte. Er sprang beinahe in die Luft, als er Carlotta entdeckte, die sich von der Couch erhob, die am nächsten zum Feuer stand. Die Hexe trug einen Rock, der ihre dünnen, olivfarbenen Beine mehrere Meilen lang erschienen ließ und einen roten Pullover, der sich anzüglich an ihre dünne Gestalt schmiegte.

„Carlotta, ich habe dir im Dorf gesagt, dass ich Zeit weg von... allem brauche. Um zu denken." Der Schulsprecher wurde blass, als sie näher kam.

„Blockiere ich irgendwie deinen Gedankengang?" fragte sie leise.

„Nein, aber du wirst versuchen, mich davon zu überzeugen, dass..."

„Entspann dich", unterbrach sie. „Ich habe nicht darauf gewartet, dass du zum Spiel runtergehst. Ich weiche Connor Plex aus... er versucht seit Ewigkeiten mich zu einem Date zu überreden." Sie warf ihr langes, haselnussbraunes Haar aus ihrem Gesicht und wartete auf eine Reaktion von ihrem Gegenüber. Er sah ihr nicht in die Augen.

„Vielleicht ist das eine gute Idee", sagte er schließlich. „Connor Plex ist ein netter Kerl..." Carlotta lächelte leicht.

„Aber ich will Connor Plex nicht."

Frank entschied, dass dies ein guter Zeitpunkt für seinen Abgang wäre. Sie folgte ihm. „Du bist blöd, weißt du?" sagte sie, als das Paar den Korridor hinunterging, er in einem etwas schnellerem Schritt. „Du hast keine Freundin mehr und du verhältst dich immer noch, als ob die Tatsache, dass du mich siehst, etwas ist, wofür man sich schuldig fühlen muss."

„Das" sagte Frank, der plötzlich stehenblieb, „ist, weil ich eine Freundin hatte, als wir... als wir..."

„Uns geküsst haben", schloss sie für ihn. Frank ging weiter. Sie folgte ihm.

„Ich will jetzt nicht darüber reden", sagte er ihr. „Ich will jetzt einfach nur zum Quidditchspiel und es vergessen..."

Was vergessen?" wollte Carlotta wissen. „Alice vergessen?" Mit einer eisigen Stimme: „Weil sie dich bestimmt schon vergessen hat. Oder bin ich es, die du vergessen willst, Frank? Im Ernst, du bist so blöd. Du bist Schulsprecher... schlau, talentiert, lustig und du verhältst dich immer noch wie so ein armer, verlorener Welpe, weil..."

„Carlotta, es war falsch, was wir getan haben! Was ich getan habe!"

„Aber warum?" fragte die Brünette, als sie die marmorne Treppe erreichten. „Weil irgendeine blöde Norm das sagt? Warum ist das wichtig? Warum kannst du nicht einfach das tun, was du fühlst?"

„Carlotta, bitte. Einfach... einfach nicht." flehte er, ein wenig verzweifelt. Carlotta seufzte. Sie folgte ihm eine Weile schweigend, bis sie mitten auf dem Rasen waren. Das Quidditchfeld war in Sicht, als sie sprach.

„Du hast es nicht bestritten, weißt du."

„Was bestritten?" fragte der Schulsprecher.

„Ich habe gesagt, dass du dich immer noch schuldig fühlst, weil du auf mich stehst", erinnerte Carlotta ihn, ihre Augen auf den blauen Himmel gerichtet. Es war ein kalter Morgen und sie hatte ihren Mantel vergessen. „Und du hast nicht bestritten, dass du auf mich stehst."

Frank blieb stehen. „Hör zu, Carlotta..."

„Schau... das Spiel muss vorbei sein", unterbrach Carlotta, denn in der Tat konnte man eine große Schar von Schülern das Feld verlassen und hoch zum Schloss gehen sehen.

„Schon? Das waren nicht mal zwanzig Minuten..."

„Ich schätze", sagte Carlotta, ihre Augenbrauen bedeutsam hebend, „all diese Rennerei war umsonst." Sie drehte sich dann wieder zurück zur Schule. Er folgte.

(Freunde)

„Nicht bei der Party?" erkundigte sich James und seine plötzliche Bemerkung ließ Lily - die anscheinend gedacht hatte, dass sie alleine wäre - auffahren.

Eine fliegende Strähne ihres roten Haars hinter ihr Ohr klemmend, schüttelte sie ihren Kopf. „Nein - ich treffe mich mit Luke für ein spätes Mittagessen."

„Ein spätes Mittagessen?" wiederholte James. Er näherte sich ihr in ihrem Platz auf einer niedrigen Fensterbank in einem der äußeren Korridore der Schule. „Es ist noch nicht halb eins."

„Nun", gab Lily zu, „ich treffe ihn erst um zwei. Er muss noch Hausaufgaben machen."

„Ich verstehe. Also steht die Frage noch: warum die Siegesfeier deines Hauses verlassen? Ich wusste, dass du keinen Teamgeist hast."

„Die Party läuft seit mehr als zwei Stunden und wird unzweifelhaft noch viele weitere Stunden weitergehen", sagte Lily. „Ich nehme einfach eine Pause. Es ist ein wunderschöner Tag."

James zuckte mit den Achseln, sich gegen die Wand lehnend und seine Hände in die Taschen seines Quidditchumhangs schiebend. „Kann sein. Wenn du auf so was stehst."

Lily warf ihm einen Blick zu. „Hör auf so cool zu machen. Es ist schön und du weißt es." Sie seufzte und James folgte ihrem Blick über die Wiese zu den hageren Bäumen und dem blaugrauen Himmel. „Ich liebe den November", bemerkte sie.

„Du liebst den November? Wer liebt den November?"

„Wie meinst du das?"

„Er ist... er ist bloß so durchschnittlich. November. Die Bäume sind nicht mehr ganz orange und rot und es gibt keinen Schnee. Er ist bloß... tot."

„Er ist ruhig", korrigierte Lily, „Er ist nachdenklich."

„Der Monat? Der Monat ist nachdenklich?"

„Ja", beharrte der Rotschopf. „Ich mag ihn. Ich denke, er ist insgesamt ein sehr vernachlässigter Monat. Die Leute mögen den Juni, weil er warm und hell ist und den Dezember wegen Weihnachten und Oktober und April, weil sich alles anfängt zu verändern... aber November wird ungerechterweise übersehen."

James schüttelte seinen Kopf. Er fuhr beinahe mit seiner Hand durch sein Haar, aber fing sich kurz davor und spielte stattdessen mit dem Rahmen seiner Brille. „Ich mag den März", sagte er nach einer Weile. „Ich denke, März ist ein vernachlässigter Monat."

„März verdient es, vernachlässigt zu werden", beurteilte Lily. „Ich verstehe nicht, warum wir ihn brauchen. Es ist die Jahreszeit, die sich einfach ausdehnt... all der Weihnachtsschein ist verblasst und es gibt noch keine lustigen der-Winter-ist-vorbei-Frühlingsaktivitäten. Er ist einfach... da." Sie erkannte, dass das hart war. „Nichts für ungut."

„Schon okay. Ich würde den März vermutlich auch nicht mögen, aber mein Geburtstag ist im März."

Lily begann zu lachen, ihren Mund mit einer Hand bedeckend. „Es tut mir leid," entschuldigte sie sich. „Ich wollte nicht deinen Geburtstagsmonat beleidigen. Jeder muss seinen Geburtstagsmonat lieben - selbst wenn es August ist."

„Ich hasse August", antwortete James.

„Etwas, worüber wir beide dann die gleiche Meinung haben."

„Gute Sache. Es war kurz davor, handgreiflich zu werden."

Lily lächelte. „Hör zu", begann sie. „Ich treffe mich erst um zwei mit Luke... willst du einen Spaziergang machen? Ich will noch nicht zurück zur Party. Natürlich, wenn du willst, kannst du nein sagen, dann gehe ich einfach..."

„Nein, klar, ich gehe mit spazieren."

Sie hüpfte von der Mauer, aber als er begann in Richtung See zu gehen, schüttelte Lily ihren Kopf. „Nein, nicht da. Ich will im Schloss herumlaufen... es ist immer so still an Samstagen nach dem Spiel."

Achselzuckend folgte James ihr. Zu seiner Überraschung führte sie ihn nicht zum Astronomieturm oder zum dritten Stock, der eine hervorragende Aussicht auf den See hatte oder zu einem der mehr verzierten Korridoren oder nur irgendwohin, wo es im Entferntesten schön war. Sie lief in die Kerker.

„Für jemanden, der immer so Friede-Freude-Eierkuchen ist, sind die Kerker ein schrecklich düsteres Ziel", bemerkte er, worauf Lily mit den Schultern zuckte.

„Ich habe Lust auf Fackellicht." Sie setzten sich in einen zufällig ausgewählten Korridor, der dunkel genug war, dass die Fackeln brannten, obwohl der Rest des Schlosses in Sonnenlicht getaucht war. „So", begann Lily nach einer kurzen Stille, ihren Kopf gegen die Steinwand hinter ihr lehnend. „Worüber sollen wir reden?"

„Das erste Mal, dass du gezaubert hast", sagte James und Lily runzelte nachdenklich die Stirn.

„Unkontrolliert oder absichtlich?" stellte sie klar.

„Unkontrolliert, schätze ich."

„In Ordnung, okay." Sie überlegte, dann sagte sie. „Ich war fünf oder sechs... Ich habe eine Schranktür aus ihren Angeln fliegen lassen."

„Wow", sagte James beeindruckt. „Warum?"

„Wie man sich womöglich denken kann, war ich wütend", sagte Lily. „Petunia - das ist meine Schwester - hat was von mir in dem Schrank versteckt und ihn zugesperrt. Ich hatte den Schlüssel nicht und... sie flog einfach heraus."

„Ja, das hört sich nach dir an."

Lily verzog ihr Gesicht. „Ich bin dran", sagte sie. „Das erste längere Buch, das du gelesen hast."

„Wenn ich das wüsste. Du?"

„Die Ballettschuhe. Wegen diesem Buch wollte ich Schauspielerin werden. Ich hab jetzt was Gutes für dich: das erste Mal, dass du gegen das Gesetz verstoßen hast."

„Leicht", sagte James. „Ich war sechs. Ich habe den Zauberstab meines Dads geklaut und das Gebüsch unseres Nachbarn angezündet... und seine Katze, schätze ich. Ich bin an der Reihe: dein erstes alkoholisches Getränk."

„Wodka. Neues Thema: Ähm... Erste... erste Liebe."

Sie lächelte, aber James verdrehte die Augen. „Ich passe."

„Passen? Du kannst bei diesem Spiel nicht passen."

„Tja, was wenn ich nicht an die Liebe glaube?" fragte er, halb scherzhaft, halb um ihre Reaktion zu sehen, die nicht enttäuschte. Zuerst wurden ihre grünen Augen groß. Dann blickte sie ihn missmutig an.

„Du kannst nicht nicht an die Liebe glauben. Das ist lächerlich. Du bist zu jung um so zynisch zu sein."

„Ich bin ein Kerl, Evans. Ich bin nie zu jung um zynisch zu sein."

„Tja, es ist trotzdem blöd."

„Also glaubst du an die Liebe? Märchen und so was auch?"

„Meine Eltern liebten sich", sagte Lily ihm. „Märchen kann ich nicht beweisen."

„Tja, meine Eltern liebten sich auch. Und dann nicht mehr."

„Und dann wieder."

„Das bleibt abzuwarten."

„Aber viele Ehen sind..."

„Naja, das ist doch das Problem, oder? Ich glaube auch nicht an die Ehe."

„Du bist unmöglich", informierte die Rothaarige ihr Gegenüber. „Gut. Ich darf noch eine Frage stellen."

„Nein, darfst du nicht", protestierte der andere. „Du hättest dir eine bessere Frage aussuchen sollen. Ich bin dran."

„In Ordnung."

„Nun gut, wie wär's mit dein erster... ähm... oh, ich hab's. Dein erstes Mal... du weißt schon..."

Lily runzelte die Stirn. „Erstes Mal was?"

Du weißt schon."

„Oh." Lily schüttelte ihren Kopf schnell. „Nein. Ich... ähm... mache das nicht."

„Oh." nickte James. „Tja, das ist auch gut. Die ganze Sache ist überbewertet." Das brachte Lily zum Lachen und er war erleichtert.

„Du sagst das bloß, damit mir das nicht peinlich ist", warf sie ihm vor.

Er nickte wieder. „So ziemlich, ja, aber trotzdem..."

„Mir ist das nicht peinlich", informierte Lily ihn. „Ich denke einfach nicht... ich meine, die meisten Beziehungen, die du in der Schule hast, sind sowieso oberflächlich. Die meisten Mädchen gehen mit Kerlen, von denen sie denken, dass sie mit ihnen gehen müssen, weißt du... die, von denen ihre Freunde sagen, dass sie gut neben ihnen aussehen. Und ich sage nicht, dass diese Beziehungen ohne ihren Vorteil sind, weil sie wichtig in vielen Arten sind, aber... ich weiß nicht... ich werde nicht mit irgendeinem Typen schlafen, für den ich schwärme. Ich will ihn lieben. Tief und ernsthaft und... du weißt schon, auf die durch-dick-und-dünn Art."

„Du meinst die und-wenn-sie-nicht-gestorben-sind-dann-leben-sie-noch-heute Art", sagte James.

Lily verdrehte ihre Augen. „Wir werden uns nicht einigen können", sagte sie. „Selbst obwohl ich Recht habe und du auf zynisch machst." Sie schaute ihn an. „Was ist mit dir?"

James hob seine Augenbrauen. „Ich hab ein kleines Stimmchen in meinem Kopf, das mir etwas über das Ausplaudern von intimen Informationen sagt... es nämlich nicht zu tun."

„Du wolltest, dass ich intime Informationen ausplaudere."

„Es ist komplett anders für ein Mädchen," sagte James. „Kerlen ist das egal."

„Aber hast du... du weißt schon...?"

„Evans..."

„Ich frage nicht nach Namen! Ich bin bloß neugierig!"

Es war an ihm, seine Augen zu rollen. „Gut. Ja, ich hab schon. Glücklich?"

Sie sah nicht glücklich aus. „Ja." Ein Moment der Stille, dann: „In Ordnung, ich bin dran. Wie wärs mit - ähm - ... erster Kuss?"

„Das kann ich sagen", erlaubte der andere. „Carlotta Meloni, eigentlich."

„Carlotta Meloni? " Lily sah sogar noch unglücklicher aus.

„Ich schätze, dass sie im Moment nicht deine Lieblingsperson ist", gab James zu. „Ich weiß, was jeder über Frank Longbottom und alles sagt... aber sie ist nicht komplett böse, weißt du."

„Ich wusste das mal", sagte Lily skeptisch. „Ich wusste nicht, dass ihre zwei je gedatet habt." fügte sie einen Moment später fragend hinzu. James schüttelte seinen Kopf.

„Haben wir nicht. Es ist... einfach passiert. Ende vom vierten Schuljahr. Was ist mit dir? Erster Kuss."

„Robbie Castle."

„Robbie Castle? Dieses Arschloch?"

„Er war kein Arschloch! Obwohl..." Sie dachte darüber nach: „Er war ein kleines bisschen Arschloch, aber zu der Zeit dachte ich, er wäre göttlich."

Aber es hätte nicht Robbie Castle sein sollen. „Wenn du das sagst."

„Tue ich. Und ich muss dich wissen lassen, dass der Kuss perfekt war. Wir waren in einem Garten und... "

„Einem Garten?"

„Ja. Es war sonnig und bunt und perfekt und..."

„Welcher Garten? Hier in Hogwarts?"

„Hogsmead. Es war mein erstes, echtes Date und da ist diese Stelle unten an der Straße, wo der Angestellte von Honeydukes einen Garten gepflanzt hat. Oh, hör auf zu lachen, es war romantisch. Es war perfekt und ich wette, das ist mehr, als du sagen kannst. Du und Carlotta Meloni..."

„Ist es auch", stimmte er zu. „Carlotta und ich haben geknutscht, weil uns langweilig war. Aber es war ein guter Kuss."

„Aber er war nicht perfekt", triumphierte Lily. „Aber meiner war es. Gott hat auf uns herabgelächelt."

James lachte und sie ließ ihn. „Tja, ich glaube nicht..." begann er.

„Du glaubst nicht an Gott", beendete sie den Satz für ihn. Er nickte. „Merlin, glaubst du eigentlich an irgendwas?"

Mit einem Achselzucken: „Wir werden sehen."

Lily schüttelte ihren Kopf. „Du tust es doch", sagte sie. „An Gott glauben, meine ich. Du glaubst an Gott. Du denkst bloß, dass du es nicht tust."

„Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das nicht tue, Keks", meinte der andere. „Ich finde es irgendwie lächerlich. Du nicht?"

Lily antwortete nicht auf seine Frage und sagte stattdessen: „Es ist ziemlich leicht hier zu sitzen und über einen Gott zu lachen. Keiner lacht über Gott, wenn er gerade das Ende eines Zauberstabs anstarrt." James sah sie sehr genau an, zementierte ihr Bild in seinem Gehirn. Sie schüttelte ihr Haar aus ihren Augen und bemerkte dann, dass James sie ansah. „Hör auf, mich so anzuschauen, James Potter", befahl sie amüsiert.

„Wie was?" Er hoffte, dass er sich unschuldig anhörte.

„Wie... wie als ob du etwas über mich weißt."

„Aber das tue ich." (Erleichtert.) „Ich weiß viele Dinge über dich. Wir spielen das hier seit fast eineinhalb Stunden."

Die Rothaarige erstarrte. „Eineinhalb Stunden? Wie spät ist es?"

„Ungefähr zehn Minuten vor zwei..." Erst dann erinnerte er sich an ihr Date mit Luke und James wünschte, er hätte nichts gesagt. Lily stand auf.

„Ich sollte besser gehen", sagte sie. „Luke ist immer früh dran für alles."

Ich bin immer spät dran für alles, dachte James, der auch aufstand. Lily zögerte einen Moment. „Danke, dass du mit mir gegangen bist. Es... es war nicht zu schrecklich. Sogar obwohl... du weißt schon... du da warst."

„Es war auch für mich in Ordnung", stimmte James zu. „Vor allem, weil ich so unter Drogen stehe, dass sogar du interessant erscheinst, aber..."

„Oh, sei still." Aber sie lächelte. „Ich seh' dich später." Und damit war die Hexe weg. James setzte sich wieder. Es hätte nicht Luke Harper sein sollen.

(Party von Drei)

Frank hatte keinen Spaß. Es sollte eine Feier sein, aber er fühlte sich seltsam unberührt von der Tatsache, dass seine Mannschaft gerade Hufflepuff in einem der kürzesten Spiele der jüngsten Geschichte besiegt hatte. Es war ihm einfach egal. Alice konnte nirgendwo in dem gefüllten, lauten Gemeinschaftsraum gefunden werden und Carlotta stand am anderen Ende des Raumes mit Connor Plex, lachend und laut flirtend.

Niedergeschlagen die Stirn runzelnd stand der Schulsprecher von seinem Eckplatz auf und begann in Richtung Getränketisch zu laufen. Er hatte sich gerade ein Butterbier gegriffen, als er Hestia Clearwater ein paar Meter weiter sah, locker plaudernd mit Remus Lupin. Während er sie beobachtete, begann Remus sich jedoch wegzubewegen und als Hestia kurzzeitig alleine blieb, näherte sich Frank ihr hastig.

Das Lächeln auf dem Gesicht der Hexe verschwand in dem Moment, in dem sie den Schulsprecher sah. „Was willst du?" fuhr sie ihn bei seinem Herantreten an.

„Ich wollte bloß..."

„Tja, ich werde dir sagen, was ich will", unterbrach Hestia. „Ich will dir eine knallen. Ich will dir Butterbier über dein blödes... Haar schütten. Aber ich werde es nicht machen, weil ich nicht die Nerven dazu habe. Nichtsdestotrotz würde ich es wertschätzen, dass wenn du weggehst, du so tust, als ob du in Butterbier getränkt bist und dich sehr unwohl fühlst."

Frank hatte Hestia noch nie so wütend gesehen und er hatte sicherlich noch nie so eine Wut auf sich gerichtet gefühlt. „Hestia, ich will bloß sichergehen, dass es ihr gut geht."

„Ihr geht es gut."

„Wo ist sie? Ich hab sie den ganzen Tag nicht gesehen... ich sehe sie nie, außer im Unterricht."

„Sie hat zu tun. Und sie hasst dich."

Frank nickte. „Das nehm' ich ihr nicht übel", sagte er niedergeschlagen. „Aber..."

„Frank, du solltest gehen", unterbrach Hestia.

„Werde ich, sag ihr... sag ihr bloß, dass jeder sie vermisst."

„Sie weiß das", sagte die andere. „Sie ist fantastisch. Jeder, der sie nicht vermisst, wäre ein kompletter Blödmann. Aber naja, vielleicht werden manche Leute sie für immer nur vermissen können... Selbst wenn sie wieder zu Quidditchspielen kommt." Der Schulsprecher begann zu gehen. „Warum hast du es gemacht?" wollte Hestia plötzlich wissen.

Frank seufzte. „Ich weiß nicht." Ohne ein weiteres Wort, aber sehr unzufrieden schauend, verschwand Hestia in der Menge. Frank war nicht lange allein.

„Ich hab's dir ja gesagt," sagte Carlotta Meloni. „Ich hab dir gesagt, dass sie es hinter sich gelassen hat."

„Carlotta, bitte..."

Frank ging auf das Porträtloch zu und sie folgte ihm. Draußen auf dem Korridor wollte Carlotta wissen: „Ich verstehe dich nicht. Ich weiß, wie du mich ansiehst und wie du über mich fühlst. Ich weiß, dass dieser Kuss etwas bedeutet hat."

„Aber das hat er nicht," beharrte Frank, als ob er sie anflehte ihm zu glauben. „Hat er nicht... ich habe nur... es war nur ein..."

„Sag nicht Fehler."

„Carlotta..."

„Frank, sei ehrlich: fühlst du gar nichts für mich? Wenn du hier stehst, genau jetzt, kannst du mir ehrlich sagen, dass du gar nichts fühlst?"

Er brauchte lange um zu antworten, seine Wangen verfärbten sich. „Ich - ich weiß nicht."

„Du weißt es," sagte die andere. „Du willst mich. Und ich will dich. Und dieser Kuss hat etwas bedeutet... nicht bloß, dass du gelangweilt warst mit der Beziehung, die du hattest, obwohl du es sichtlich warst..."

„Das stimmt nicht!"

„Es stimmt!"

„Alice und ich waren vollkommen..."

„Perfekt", schloss Carlotta. „Frank, bloß weil jeder denkt, dass ihr vollkommen perfekt und schicksalsgebunden wart, heißt das nicht, dass es stimmt. Du warst gelangweilt. Alice ist ein nettes Mädchen, aber sie ist nicht wie du. Sie ist... sie ist das Mädchen von nebenan und manchmal ist das Mädchen von nebenan nicht genug!"

„Sag das nicht. Carlotta, im Ernst, hör auf, ich werde dich das nicht sagen lassen..."

„Was, die Wahrheit?"

Nein." Er atmete aus. „Hör zu, du musst mir Platz zum Atmen geben. Ich muss über das ganze nachdenken und das kann ich nicht, wenn..."

„Ich gebe dir Platz zum Atmen, wenn du mit mir ausgehst," unterbrach die Sechstklässlerin. „Wenn du zustimmst, mit mir auf ein Date zu gehen... um mich dich davon überzeugen zu lassen, was ich schon über uns weiß, dann werde ich dich danach nicht mehr stören... außer, du willst es. Wenn wir auf ein Date gehen und du noch immer deinen ,Platz zum Atmen' willst, dann werde ich dich nicht stören oder mit dir reden oder dir folgen oder irgendwas."

„Carlotta..."

„Antworte jetzt nichts", sagte sie schnell. „Hör auf mit diesem verwirrten Gehirn von dir zu denken und mach einfach... einfach das, was sich richtig für dich anfühlt. Wenn du das getan hast, sag mir, wie du dich entschlossen hast."

Sie ging. Frank schloss seine Augen, dankbar für die Einsamkeit. Er musste seinen Kopf klären. Er musste denken.

„Sie hat dich gesehen, weißt du." Franks Augen flogen auf. Marlene Price stand vor ihm, Hände auf ihren Hüften und ein wütendes Rot auf ihren Wangen. „Alice hat dich unten im Dorf auf deinem kleinen Date mit Carlotta Meloni gesehen."

Frank blinzelte. „Ich war nicht mit Carlotta Meloni im Dorf..." Dann erinnerte er sich. „Oh, nein, das war kein Date. Sie ist mir gefol... also, wir sind uns am Schluss für ein paar Minuten über den Weg gelaufen... und..."

„Das ist mir egal." sagte Marlene, seine Antwort mit einer Hand wegwischend. „Ich dachte bloß, du solltest wissen, dass Alice dich gesehen hat und dass ich denke, dass du ein Arsch dafür bist, dass du mit ihr in der Öffentlichkeit rumläufst, nur eine Woche nachdem du das Herz deiner süßen, perfekten, wundervollen Freundin gebrochen hast. Und ich würde das Selbe zu Carlotta sagen,... aber..." dies in einem gehetzten Unterton: „... sie-ist-meine-Zimmergenossin-also-muss-ich-irgenwie-den-Frieden-aufrecht-erhalten. Aber sei vorsichtig, Frank."

Hochmütig ging die Blonde davon.

Nein, Frank hatte ganz gewiss keinen Spaß.

(Tee)

Klopf, klopf.

Sirius Hand klopfte ein weiteres Mal gegen die Holztür und wurde dieses Mal mit Erfolg gekrönt. Die Tür öffnete sich, sein Onkel stand auf der anderen Seite mit einem ziemlich verwirrten Gesichtsausdruck.

„Sirius," bemerkte Professor Black überrascht. „Hallo. Ich dachte, du würdest mit dem Rest deiner Mannschaft im Gemeinschaftsraum feiern... Glückwunsch zum Sieg."

Sirius nickte langsam. „Hör zu, Onkel Alphard... also... Professor Black, ich habe mich gefragt, ob ich kurz mit dir sprechen könnte."

„Oh. Natürlich, komm rein."

Der jüngere Black trat in das Büro seines Onkels, und fühlte sich unbehaglich, weil er noch immer seine Quidditchkleidung trug und er vielleicht - dachte er - eine leichte Fahne hatte. Nichtsdestotrotz nahm er den Platz und die Tasse Tee an, die ihm angeboten wurden und wartete, bis sein Onkel ähnlich versorgt war, bevor er wieder sprach.

„Ich habe einen Brief von Andromeda erhalten," sagte Sirius ihm. „Hast du die Neuigkeiten zu... ihrem Kind gehört? Nymphadora?"

Das hatte Professor Black nicht und Sirius überbrachte die Neuigkeiten, die der Brief ihm überbracht hatte. Der ältere Black war ausreichend verblüfft und sie besprachen die Neuigkeiten für ein paar Minuten. Dann fuhr Sirius fort: „Das ist aber nicht der Grund, warum ich gekommen bin."

„Das habe ich mir gedacht," sagte Black sanft.

„Andromeda denkt, dass du Recht hast mit meinem Bruder." Sirius starrte auf seine Kaffeetasse. „Sie hat es nicht direkt gesagt, aber sie hat es gemeint. Ich konnte es sehen. Sie will, dass ich Regulus verzeihe."

„Sirius…"

„Und", fuhr er fort, seinen Onkel übertönend, „du und Andromeda seit die einzigen Blutsverwandten, die ich habe... also denke ich, dass ich vermutlich auf euch hören sollte."

„Sirius..."

„...weil, wenn ihr zwei denkt, dass es möglich ist, dass er sich nicht in Slytherins Goldjungen verwandeln wird, vertraue ich euch und... ich sollte auf euren Beitrag hören." Darauf folgte eine Stille, die ihn veranlasste zu fragen: „Also, was denkst du?"

Alphard Black war für eine Weile ruhig. „Sirius," begann er schließlich. „Darauf habe ich gehofft, ich werde es nicht leugnen. Aber du bist kein Kind mehr und... und so gern ich Dinge vor dir verschweigen würde, ,zu deinem eigenen Wohl', wie sie sagen..., glaube ich, dass du die Wahrheit verdienst."

„Wovon redest du?"

„Ich meine, dass... dass du eine schwierige Entscheidung getroffen hast und ich denke - ich denke immer noch, dass es die Richtige ist. Wie auch immer denke ich nicht, dass du sie treffen solltest, bevor du alle Informationen hast."

„Welche... welche Informationen?" fragte Sirius unsicher.

„Über deinen Bruder," sagte Professor Black. „Ich musste gerade Regulus Nachsitzen geben... sowie einigen seiner Freunde. Sie haben... sie haben einen jungen Muggelstämmigen verflucht. Es war unerfreulich... mehr als ein harmloser Streich und... Naja, er war nicht ernsthaft verletzt, dieser Junge, aber..." Sirius stand abrupt auf. „Sirius, bitte, sei nachsichtig. Tu nichts, was..."

„Ich kann das nicht glauben. Wer war es? Wer war der Junge?"

Mit einem Blick, als ob er das eigentlich nicht sagen sollte, antwortete Black: „David Michaels. Er ist ein..."

„Zweitklässler."

„Ja. Jetzt, Sirius..."

Er lief zur Tür, blieb dort stehen und drehte sich zu seinem Onkel. „Danke", sagte Sirius. Black verstand sichtlich nicht. „Danke, dass du es mir gesagt hast," fuhr Sirius fort. „Ich weiß, dass du es nicht wolltest. Danke, dass du mich nicht beschützt hast."

Professor Black nickte. Sirius ging aus der Tür, sein Tee unberührt.

(Das Ultimatum)

Luke küsste sie sanft auf die Lippen und trat dann zurück. „Bis morgen, in Ordnung?" flüsterte er. Lily nickte lächelnd.

„In Ordnung." Er drehte sich um, begann aus der Großen Halle zu gehen und hielt an der Tür an um zum Abschied zu winken. Als er gegangen war, setzte sich Lily wieder an den Gryffindortisch - sie und Luke waren alleine in der Halle gewesen und es war eine nette Abwechslung. Sie dachte über ihre Unterhaltung nach, während sie mit einer Serviette spielte, als der Klang ihres eigenen Namens sie aus ihren Gedanken riss.

„Lily."

Severus Snape näherte sich dem Tisch.

„Hi, Sev. Was ist los?" Der Slytherin war bleich und nervös. Er war ebenfalls, wie Lily einen Moment später entdeckte, verärgert.

„Ich lasse dich das nicht tun," sagte er. Ihr Herz schlug sehr schnell und etwas in dem Klang seiner Stimme ließ Farbe in ihr Gesicht steigen.

„Worüber redest du?"

„Du musst dich entscheiden, okay? Du musst dich zwischen uns zwei entscheiden... zwischen ihm und mir."

Lily starrte ihn an, für einen Moment glotzend wie ein Fisch. „Zwischen dir und Luke? Sev, ich verstehe das nicht." Und obwohl ihr Herz schlug wie verrückt aufgrund der tausendundein Rückschlüssen (die sie mehr ängstigten als freuten), sagte sie die Wahrheit: das Thema von Lilys Freund wurde nie mit Severus diskutiert. Es schien seltsam falsch mit ihm über Luke zu sprechen.

„Nein", sagte Severus, seine schwarzen Augen kälter als je zuvor. „Du musst dich zwischen mir und James Potter entscheiden." Hier, glaubte Lily, hatte ihr Herz aufgehört zu schlagen.

„Sev... das ist..."

„Was?" unterbrach er, was Lily erschrak, denn Severus unterbrach sie nie. „Wirst du so tun, als ob es unfair von mir ist, das zu fragen? Das ist es nicht. Du und ich waren zuerst Freunde... wir waren Freunde lang bevor du überhaupt diesen Potter-Widerling getroffen hast und du solltest dich nicht mit Leuten anfreunden, die auf deinen Freunden herumhacken."

„Sev, er und die Rumtreiber haben dir seit Ewigkeiten nichts mehr angetan..."

„Woher willst du das wissen? Du fragst mich nie, oder?"

„Weil," entgegnete Lily erhitzt, „du es mir nicht erzählt hast und du erzählst mir immer direkt jedes Mal, wenn James Potter auf eine Fliege tritt, von Schlimmerem einmal abgesehen..."

„Also bin ich jetzt unfair zu Potter? Alles, was er je getan hat, war auf Fliegen zu treten? All diese scheiß Jahre bedeuten nichts, weil..."

„Das ist nicht, was ich gesagt habe und das ist nicht, was ich gemeint habe," fuhr Lily ihn an, während sie auf ihre Füße kam. „Aber James Potter und ich sind in einem Haus und... es ist für alle leichter, wenn wir miteinander klarkommen."

Miteinander klarkommen? Lily, ich habe euch zwei gesehen... er starrt einfach und du..."

„Sev, du interpretierst das komplett falsch."

„Er will mit dir befreundet sein, Lily."

Sie zögerte und fragte dann: „Na und? Ist es falsch für mich mit jemanden in meinem eigenen Haus befreundet zu sein? Ich werde sowieso die nächsten zwei Jahre mit ihm verbringen müssen und wenn er aufgehört hat auf dir rumzuhacken..."

„Geht es darum? Hast du zugestimmt, mit ihm befreundet zu sein, wenn er aufhört Streit mit mir anzufangen? Du versuchst mich zu beschützen, ist das richtig?" Als nun sein Stolz ins Spiel kam, wurde Snapes Ton kälter, gebrochener.

„So ist es nicht," beharrte Lily. „Aber er versucht... er versucht wirklich kein kompletter unreifer Arsch zu sein und ich denke nicht, dass ich das Recht habe, ihn aufgrund seiner Vergangenheit zu verurteilen."

Severus sah sie sorgfältig an. „Ist das dann deine Antwort?"

„Sev..." Er begann zu gehen. „Sev, bitte!" Denn Severus Snape war ihre Kindheit, er war Petunia, bevor sie Lily hasste und Petunia, wenn sie sie am meisten hasste. Er war das erste Mal, dass sie absichtlich zauberte und die Zeit, als Dad noch da war und eine Million anderer Dinge, die Lily noch nicht loslassen konnte. „Sev, warte!"

Und er tat es.

„Du bist mein bester Freund," sagte sie, auf ihn zugehend. Es war das erste Mal seit gefühlten Ewigkeiten, dass sie dies zugab. „Du bist seit so langer Zeit mein bester Freund... ich muss mich für dich entscheiden. Du weißt, dass ich das muss."

Lily Evans dachte, sie wäre verliebt und sie mochte es nicht.

„Lily..."

„Aber ich hasse dich dafür, dass du mich dazu zwingst."

(Bruderschaft und andere Lügen)

Regulus Black war auf seinem Weg zum Abendessen, als Sirius, jetzt in normalen Kleidern, ihn fand. Der ältere Junge rief den Namen seines Bruders und Regulus hielt in im Gang inne.

„Ich will kurz reden," sagte Sirius und Regulus gestikulierte seinen begleitenden Viertklässlern, dass sie ohne ihn gehen sollten. Finster Sirius anblickend gehorchten sie.

„Ich kann nicht glauben, dass du mit mir sprichst," wunderte sich Regulus, ein gut aussehender junger Zauberer, der Sirius Zwilling vor ein paar Jahren hätte sein können. Er hatte jedoch seinen Wachstumsschub erreicht und war fast so groß wie sein Bruder. Regulus Haar war kurz geschnitten und sein Grinsen war nicht so einnehmend, aber andererseits sahen die beiden sich sehr ähnlich. Abgesehen davon natürlich, dass Regulus seine Hausfarben trug. „Ich dachte, du..."

„Halt die Klappe," unterbrach Sirius. Regulus blinzelte. „Lily Evans," begann der Ältere, „ist eine sechzehnmal bessere Person, als du es je sein wirst."

„W-was?"

„Marlene Price, Mary MacDonald - beide dir meilenweit überlegen."

„Sirius, ich..."

Remus Lupin," unterbrach der ältere Junge seinen Bruder, „ist ein hundertmal besserer Zauberer, Mensch und Bruder, als du je hoffen könntest, zu werden. Also das nächste Mal, wenn du ein paar Muggelstämmige oder Halbblütige verhöhnen willst, weil du so überlegen bist, denk darüber nach, ja?"

„Sirius, ich hab nicht..."

„Davey Michaels erzählt etwas anderes, du heuchlerischer Widerling."

„Davey Michaels lügt", sagte Regulus. „Du musst mir glauben. Ich habe nichts gemacht."

Sirius verschränkte seine Arme. „Ich habe die Geschichte nicht von Davey Michaels gehört, Regulus," sagte er. „Ich habe sie von unserem Onkel gehört."

Regulus hatte für einige Zeit keine Worte. „Es... es tut mir leid, Sirius. Komm schon, denk nicht, dass..."

„Bleib zur Hölle weg von mir," fuhr Sirius ihn an. Er schob sich mit schnellen Bewegungen an Regulus vorbei. Dieser folgte ihm.

„Sirius, es tut mir leid! Sirius, hör mir zu!"

Sirius schwang herum um seinem Verfolger entgegenzublicken. „Und warum zur Hölle sollte ich, Regulus?"

Regulus sah verletzt aus und Sirius wusste es, und es war ihm eigentlich egal. „Weil ich dein Bruder bin."

„Das," sagte der andere, Wut lud sich in seinen Worten wie Elektrizität, „ist die zweite Lüge, die du mir heute erzählt hast."

Er drehte sich um und stürmte davon.

(Niederlage)

Carlotta war zur Abendessenszeit allein im Gemeinschaftsraum. Die Reste der Party lagen zerstreut um sie herum, da alle zum Abendessen gegangen oder im Schloss unterwegs waren. Frank fand sie dort, bloß am Feuer sitzend, ihre Augen glasig und ihr Blick abwesend.

„Carlotta?"

Sie erwachte wie aus einer Trance. „Frank."

„Ich wollte dich wissen lassen," begann der Schulsprecher, als Carlotta aufstand und den Raum zu ihm durchquerte. „dass ich mich entschieden habe. Ich habe entschieden, dass ich mit dir auf ein Date gehe."

Sie blinzelte. „Wirklich?"

„Ja. Wir gehen auf ein Date, aber danach lässt du mich in Ruhe. Ist das abgemacht?"

Carlotta nickte. „Außer, wenn du nicht willst, dass ich dich in Ruhe lasse," sagte sie sanft und lieblich. „Es ist abgemacht."

„Am Freitag, dann?"

„Dann am Freitag," sie lehnte sich nach vorne und fügte trocken hinzu: „Sollen wir darauf küssen?"

„Wie wär's, wenn wir bloß Hände schütteln?" antwortete Frank leise und streckte seine Hand aus. Carlotta legte ihre kleinere, weichere Hand in seine und lehnte sich so weit nach vorne, dass sich ihre Nasen fast berührten.

„Bis Freitag," sagte sie, bevor sie ihre Hand zurückzog und an ihm vorbei schritt. Sie ging mit Schwung in ihren Hüften und einem Lächeln auf ihren perfekt geschminkten Lippen.

Gewinnen war mehr als süß.

(Das ist mir verflucht nochmal egal)

Die rauchig, nebligen Wolken zogen über ihr umher und Lily sah zu. Das Gras unter ihr war kalt, in einer netten novemberischen Art, aber ihr Interesse daran war vor einer halben Stunde verschwunden. Sie lag ausgestreckt am See, die Hände hinter ihrem Kopf und die Augen auf den unglücklichen, wilden Himmel gerichtet.

„Ein wenig früh zum Sternegucken, oder, Evans?"

Ihre Sicht auf den Himmel wurde plötzlich versperrt. James Potter schaute auf sie herunter und Lily setzte sich auf. „Ich habe nur... ich habe nur den Wolken zugeschaut," sagte sie verlegen, Gras aus ihren Haaren streichend. „Nichts unglaublich Interessantes, ich hab nur..." Sie stoppte. „Du... du bist auf dem Weg zum Schloss, oder?"

„Nein... warum fragst du?"

Wunschdenken. „Ich weiß nicht, ich hab's einfach angenommen. Es... es sieht nach Regen aus."

„Tja, ich denke, ich gebe November eine Chance," verkündete er.

„In dem Fall," sagte die andere hastig, „willst du nicht nass werden. Es könnte deinen zweiten ersten Eindruck vermasseln."

„Was ist mit dir?"

„Oh, ich gehe sowieso gleich rein."

James verschränkte seine Arme und neigte seinen Kopf zur Seite. „Du versuchst mich loszuwerden, oder?" fragte er, nicht im Geringsten davon beeindruckt.

„Nein, ich will bloß..."

„Nein, du versuchst mich definitiv loszuwerden. Du willst mich nicht hier." Also setzte er sich natürlich. „Warum nicht?" (Mit diesem schiefen, blöden Grinsen.) „Jetzt bin ich neugierig."

„Es ist nicht so, dass ich dich loswerden will." stammelte Lily, die nicht in seine Augen sehen konnte. „Ich will einfach nicht, dass du nass wirst, das ist alles. Ich bin komplett verrückt, mir macht es also nichts aus, aber du weißt schon, du bist mehr... normal und ich habe gedacht..."

„Du bist manchmal eine schreckliche, schreckliche Lügnerin."

Lily seufzte und nickte. „Aber... aber vielleicht wäre es besser, wenn du gehst."

Warum?"

„Ich will einfach alleine sein."

James nickte verständnisvoll. „Hört sich langweilig an", sagte er unbewegt. Lily verdrehte ihre Augen und versuchte nicht zu lächeln.

„Wirklich, Potter, ich will einfach..."

„Wir sind zurück bei ,Potter', ja? Das ist nicht sehr freundlich. Sogar potenziell."

Lily war still. „Hör zu, James," sagte sie nach einer Weile mit einer leisen Stimme in der unmöglichen Hoffnung, dass sie sich selbst vielleicht nicht hören könne. „vielleicht sollten wir einfach... einfach versuchen die Dinge... vielleicht sollten wir einfach versuchen miteinander klarzukommen."

„Miteinander klarkommen?" wiederholte James. „Abgesehen von einer etwas hitzigen Diskussion über legale Einschränkungen von Animagi im Verwandlungsunterricht, haben wir uns seit Tagen nicht mehr in den Haaren gelegen. Ist das nicht... miteinander klarkommen?"

„Naja," sagte Lily, ihren Mut aufbringend. „vielleicht ist es gerade das. Ich meine, wir... wir finden einen Weg um über legale Einschränkungen von Animagi um Himmels willen zu streiten und das hat nicht mal was mit uns zu tun. Stell dir vor, es wäre wirklich etwas, was einen von uns betrifft! Und ,Tage' sind kein besonders langer Rekord um nicht zu streiten, James. Du gehst immer auf meine Nerven und ich gehe immer auf deine Nerven und vielleicht ist es besser, wenn wir nicht so viel Zeit miteinander verbringen, damit wir nicht streiten."

James' Ausdruck war unleserlich. „Habe ich etwas falsch gemacht?" fragte er.

„Nein. So ist es nicht. Glaub mir, das ist es nicht."

„Wie ist es dann? Warum lügst du mich an?"

„Ich..." Sie konnte es jedoch nicht bestreiten. „Es tut mir einfach leid."

„In Ordnung." Seine Hand war in seinen Haaren. „Gut. Ich... mir ist es egal. Ich dachte, das ist, was du wolltest. Persönlich, Evans,..." er kam auf seine Füße, „könnte es mir nicht mehr am Arsch vorbei gehen." Er begann zu gehen.

„Sev war zuerst mein Freund," rief Lily ihm nach. James blieb stehen und schaute zu ihr zurück, Erkenntnis begann sich auf seinem Gesicht abzuzeichnen. „Er war immer da. Er riskiert seinen Ruf in seinem Haus um mit mir befreundet zu sein und ich muss mich für ihn entscheiden. Wenn eine Entscheidung getroffen werden muss, muss ich mich immer für ihn entscheiden, ob ich... egal was. Es ist nicht fair und es tut mir leid, aber so ist es nun mal."

Eine Reihe von Gefühlen huschten über James' Gesicht, zu schnell um sie zu erkennen, und dann wurde es komplett steinern. „Das ist mir verflucht nochmal egal, Evans", sagte er und ging.

(Wahnsinn)

„Ich hasse sie."

Peter seufzte. „Prongs, du..."

Nein. Sie ist verrückt. Sie ist einfach nur durchgeknallt. Komplett durchgedreht."

„Vielleicht ist sie nur..."

„Du verteidigst sie!" sagte James drohend und drehte sich zu seinem Freund um.

„Nein," protestierte Peter direkt. „Nein, das tue ich nicht. Du hast Recht. Du hast verdammt noch mal, absolut Recht."

„Natürlich habe ich Recht", antwortete James, wieder im Schlafsaal auf und abgehend. Wohin ihre Zimmergenossen verschwunden waren, wusste James nicht und es war ihm auch egal (obwohl er schon wünschte, dass Padfoot auftauchen würde um Peters Rolle zu übernehmen. Sirius war ausgezeichnet darin, seinem Hass zuzustimmen, egal wie oberflächlich er war). „Was zur Hölle ist eigentlich ihr Problem? Warum ist sie so...? Warum kann sie nicht einfach...?" Er hörte auf zu atmen. „Lily Evans wird mein Tod sein. Das verdammte Mädchen kann sich einfach nicht entscheiden... und ich bin fertig damit. Ich bin fertig damit versuchen herauszufinden, was zur Hölle sie sich denkt, weil sie... verrückt ist."

Peter nickte zustimmend, als sein Freund den Raum nach einer Zigarette durchsuchte.

James Potter wusste, dass er verliebt war und hasste es regelrecht.

(Diese Nacht)

„Also das ist es," schloss Lily und Remus war still. „Sie schreiben Lieder über solche Tage," fuhr sie fort, ihre Augen mit dem feuchten Taschentuch trocknend. „Traurige, deprimierende, schlitz-deine-Handgelenke Lieder." Aber ihr Begleiter blieb still, was ihr Sorgen bereitete. „Du hasst mich, oder? Ich weiß und ich kann es nachvollziehen: Ich war dumm, dass ich gedacht habe, ich könnte mit beiden befreundet sein... ich war dumm, dass ich gedacht habe, dass Snape es akzeptieren würde, dass ich mit seinem schlimmsten Feind befreundet bin..."

„Nicht dumm, Lily," unterbrach Remus. „Optimistisch."

„Es war falsch von mir," beharrte die andere. „Ich war gedankenlos... ich habe nicht jeden von Anfang an bedacht. Jetzt hasst James mich, ich hasse mich, du hasst mich wahrscheinlich..."

Remus schüttelte seinen Kopf. „Ich hasse dich nicht, Lily," sagte er. „Du bist zu verdammt traurig um gehasst zu werden. Aber," fuhr er fort, leiser und ernster: „du solltest wissen... es könnte sein, dass er das nicht vergessen kann. Prongs ist... James ist... kompliziert und ich denke, dass... dass die ganze Waffenstillstandssache vorbei ist für euch beide."

Lily strich sich das Haar aus den Augen. Sie hatte das gewusst, aber nicht wirklich. „Richtig."