AN: Danke wie immer an meine wundervolle Beta Anne und meine Schwester fürs Korrekturlesen!

Disclaimer: Harry Potter und seine Charaktere gehören JKR. Diese Geschichte gehört Jewels5. Dies ist eine genehmigte Übersetzung.


Kapitel 11 - „Ärger mit den Engel"

Oder

Du kannst die Liebe nicht beschleunigen"

Lily Evans war nicht verliebt.

Marlene Price war verliebt.

Donna Shacklebolt sprach nur in abfälligem Tonfall von „Liebe"..

Mary Macdonald kannte nur einen Abklatsch von romantischer Liebe.

Carlotta Meloni verstand die Idee der Liebe nur sehr, sehr wenig.

Shelley Mumps war so sehr verliebt, wie es eine durchschnittliche Sechzehnjährige ist.

Alice Griffiths hatte zu lange versucht, jemanden nicht zu lieben.

So war es und es war beinahe Weihnachten.

„Dann sehe ich dich bald," sagte Lily mit einem Lächeln. Severus nickte. Die beiden standen in der Eingangshalle, in der sich die Schüler sammelten um für die Weihnachtsferien nach Hause zu fahren.

„Es wäre besser, wenn du da bleibst", sagte er zu ihr. „Musst du wirklich nach Hause fahren? Bei wem sitzt du im Zug?"

„Donna und Mary fahren auch heim", sagte die Rothaarige. „Mach dir keine Sorgen. Vertreib dir die Zeit. Viel Glück mit den Verwandlungshausaufgaben."

„Dir auch."

Dann rief Filch sie dazu auf, in die Kutschen zu steigen und es war Zeit zu gehen. Lily fuhr mit Donna, Mary und einem Slytherin, der ein gewisses Interesse für die letztgenannte hatte, hinunter zum Bahnsteig in Hogsmeade. Als sie ihn erreichten, ging Donna auf die Suche nach ihrem Gepäck - das auf eine andere Kutsche geladen worden war - und Lily bewegte sich zum Zug, stellte ihr Gepäck bei Hagrid ab, nur den Katzenkorb nicht.

„Lily!"

Die Rothaarige drehte sich um und sah Luke auf sie zueilen.

„Wir haben uns schon verabschiedet", bemerkte sie lächelnd. Er nickte: ein ernstes, weniger herzliches Lächeln als sonst.

„Ich wollte bloß... das letzte Mal, das wir geredet haben... ich war wirklich..."

„Es ist nicht deine Schuld, Luke," unterbrach Lily. „Es ist meine. Ich war diejenige, die..."

„Nein, Lily, warte", unterbrach er. „Du hast getan, wovon du geglaubt hast, dass es das Richtige ist und selbst wenn es ein paar... unerwartete Folgen hatte, kann ich das akzeptieren. Weil ich dich liebe."

Sie küsste ihn sanft auf die Lippen. „Es tut mir leid, Luke," flüsterte sie wieder.

„Mach dir keine Gedanken. Es wird bald vergessen sein... meine Familie hat nichts falsch gemacht und ich bin mir sicher, dass dieser Ekel Lathe das herausfinden wird, sobald er aufhört, seine Nase da reinzustecken... das ist ein Irrtum. Ich weiß das."

Lily nickte und wollte ihm gern glauben. „Ich wünschte, du könntest mich besuchen kommen", fügte sie in einem heiteren Ton hinzu.

„Ich sollte in der Nähe des Schlosses bleiben," antwortete ihr Freund. „Meine Familie könnte mich brauchen. Es ist irgendwie eine schwierige Zeit... das Ministerium hat keine Beweise gefunden, dass irgendwas im Lager passiert ist, aber... du weißt schon... die Ermittlungen sind für uns alle nicht einfach."

„Nein, ich schätze nicht." Der erste Pfiff ertönte und Lily seufzte. „Ich sollte gehen."

„Richtig. In Ordnung." Sie küssten sich wieder. „Auf Wiedersehen, Blume."

„Tschüss, Luke."

Sie bestieg den Zug mit einem traurigen Lächeln.

„Du hast deinem Freund erzählt, dass du dafür verantwortlich bist, dass gegen seine Familie ermittelt wird?" fragte eine spöttische Stimme. Lily rollte ihre Augen und drehte sich zu James Potter um, der hinter ihr in den Zug einstieg.

„Ja, ich habe es ihm erzählt", antwortete sie kühl. „Weil wir eine gesunde, solide Beziehung haben, die auf Ehrlichkeit und Verlässlichkeit beruht. Wir haben nicht das Gefühl, dass wir lügen oder Spiele spielen oder einander manipulieren müssen. Unerhört, ich weiß..."

Gesund und solide," wiederholte James grinsend. „Dein Enthusiasmus ist unglaublich, Blume."

Lily blickte ihn an, sie hätte ihre Hände auf ihre Hüften gestemmt, wenn nicht der Katzenkorb im Weg gewesen wäre. „Luke und ich haben eine sehr interessante Beziehung, wenn du darauf hinaus willst," informierte sie ihn. „Luke ist süß und warmherzig und lustig und..."

„Und", unterbrach James, „ich wette, er ist in den letzten Wochen sehr viel interessanter geworden; seine Familie verscherbelt ja vielleicht schwarzmagische Gegenstände."

„Nicht jeder hat so eine kranke Vorstellung davon, was interessant ist, Potter," antwortete sie. James zuckte bloß mit den Schultern.

„Sagt das Mädchen, dessen bester Freund Severus Snape ist." Und damit eilte er an ihr vorbei, ihr im letzten Moment zu zwinkernd. Als er weg war, ging Lily in das nächstgelegene Abteil und setzte sich. Sie lehnte sich gegen das Fenster, ihre Gedanken kreisten um Luke, Severus und James Potter.

Lily Evans war zu dem Zeitpunkt nicht verliebt. Für ein Mädchen, das eigentlich überraschend weise in gewissen Herzensangelegenheiten war, schaffte es Lily Evans nicht, viel von der ganzen Sache zu verstehen, wenn es die Männer in ihrem eigenen Leben betraf.

Sie war gerade praktisch genug veranlagt um zu wissen, dass sie Liebe nicht wirklich verstand, aber gerade naiv genug um zu glauben, dass die Zuneigung, die sie für eine gewisse, bleiche, schwarzäugige Person empfand, verantwortlich für ihr schmerzendes Herz war. Sie war gerade naiv genug um nicht zu erkennen, dass der Schmerz in ihrem Herzen daher rührte, dass diese Person ihrer unschuldigen und ehrlichen Sorge widerstand. Sie war gerade naiv genug um zu glauben, dass es stattdessen ein Zeichen von Liebe war: Liebe wie die Anna Kareninas oder Romeo und Julias.

Aber das war es nicht.

Denn Lily Evans war nicht verliebt. (Noch nicht.)

(Ich höre eine Symphonie)

„Ich bin froh, dass du da bleibst", gab Marlene zu, als die beiden zum Gryffindorturm zurückkehrten, nachdem sie sich in der Eingangshalle von den anderen verabschiedet hatten. Das Schloss schien so verlassen, jetzt, da die meisten Schüler den Hogwartsexpress bestiegen hatten.

„Tja," antwortete der andere. „Mum und Dad dachten, sie wären rechtzeitig von ihrer kleinen Weltreise zurück, aber anscheinend wurden sie in China aufgehalten... irgendwas mit Drachen, die Dad unbedingt besuchen wollte... so geht's mir so ziemlich jedes Mal. Jedenfalls ist es nett, dass wir neun nicht alle im Haus eingepfercht sind."

„Du hast Glück, sechs Geschwister zu haben," informierte Marlene ihn. „Bei mir daheim sind wir nur Mum und ich, und sie ist nicht gerade aufregende Gesellschaft."

„Und eine zwölfjährige, besserwisserische Schwester ist aufregende Gesellschaft? Ich würde tauschen."

Marlene lachte. „Also... abgesehen von drei Rumtreibern und ein paar aus der Unterstufe haben wir das Schloss mehr oder weniger für uns. Was sollen wir mit all dieser Abgeschiedenheit tun?"

„Essen, bis wir umfallen, aufwachen und wiederholen."

„Und da hatte ich mich darauf gefreut, die Hausaufgaben in Verwandlung zu machen."

Adam grinste. „Du warst zu viel mit Ravenclaws unterwegs, ich muss das unterbinden. Nur Gryffindors für dich bis nach Weihnachten. Hast du Feuerwhiskey?"

Ich bin minderjährig, McKinnon."

„Das beantwortet nicht meine Frage, Price."

„Naja, ich hab welchen, aber er ist für Sylvester. Sirius Black hat mich schwören lassen, dass ich ihn zu der Party mitbringe, die er schmeißt. Ich musste deshalb schon Miles anlügen."

Sie näherten sich dem Porträt der Fetten Dame. „Hör zu, Marlene," fing Adam nach ein paar Sekunden Stille an.

„Mhm?"

„Ich wollte - es gibt etwas, über das ich mit dir... schon seit einer Weile reden wollte."

„Passwort, meine Lieben?" fragte die Fette Dame.

„In einer Minute", sagte Marlene höflich. „Was gibts denn, Adam?" Sie sah ihn erwartungsvoll an und er hatte Schwierigkeiten, ihr in die Augen zu sehen.

„Die Sache ist..."

„Heilige Scheiße." Sirius Black war aus dem Porträtloch aufgetaucht. „Marlene! McKinnon! Du liebe Zeit - ich schätze nicht, dass einer von euch weiß, was zu tun ist, wenn jemand, beispielsweise, aus Versehen den Schlafsaal der Zweitklässler in die Luft gejagt hat?"

„Äh..."

Die zwei sahen sich an. „Wir gehen uns das anschauen, oder?" sagte Adam. Marlene nickte eifrig und die beiden eilten hinter Sirius Black in den Gemeinschaftsraum.

Marlene Price war, ziemlich offensichtlich, verliebt. Sie ging jeden Abend zu Bett, meistens mit dem Gedanken an einen bestimmten Jungen und meistens mit einem Wunsch, den sie nicht in Worte fassen konnte. Sie wachte auf und sah ihn beim Frühstück und sie würde das Lächeln auf ihrem Gesicht haben, das man trägt, wenn ein besonders schönes Lied in seinem Kopf spielt. Es gab einen Jungen, dessen Witze sie zum Lachen brachten, der es immer schaffte, ihre Laune zu heben, für den sie nichts als das Beste hoffte und mit dem sie sich immer wohlfühlte. In einer sehr, sehr ahnungslosen Art stolperte Marlene Price durch die Liebe - nicht blind, aber mit ihren Augen auf der komplett falschen Landkarte.

Denn sie war - in einer Weise - verliebt. Aber sie wusste es nicht. (Noch nicht.)

(Lauf, lauf, lauf)

„Happy Birthday!" rief eine Zehnjährige und schlang ihre dünnen Arme um Donnas Shacklebolts Mitte, was das ältere Mädchen dazu brachte, sich zu versteifen. Bahnsteig Neundreiviertel war gefüllt mit Schülern und Familien und Donna würde lieber nicht so gesehen werden, sie musste ihrem Ruf gerecht bleiben. Sie hielt sowieso nichts von diesem „Umarmen".

„Hi, Bridget", antwortete Donna trotzdem, in einem nicht ganz warmen Ton (aber beinahe). „Wie geht es dir?"

„Exzellent," sagte das jüngere Mädchen namens Bridget, das ihre Schwester losließ und einen Schritt zurücktrat. „Kingsley ist sich gerade ein Muggelmagazin kaufen. Er sagt, es ist wichtig immer zu wissen, ,was sie gerade denken', also treffen wir ihn draußen."

„Wo sind Brice und Isaiah?" fragte Donna ziemlich geschäftsmäßig, als Bridget - ein kleines Mädchen mit einer drahtigen Statur und Haaren, wie Donnas - versuchte den Koffer ihrer Schwester zu heben. Donna kam ihr zu Hilfe.

„Tante Dolinda ist bei uns zu Hause," antwortete Bridget und verdrehte die bernsteinfarbenen Augen. „Mach dir keine Sorgen - sie wird weg sein, sobald du ausgepackt hast. Sie hat abends auf uns aufgepasst, wenn wir aus der Grundschule zuhause waren und Kingsley im Büro sein musste. Es ist ziemlich frustrierend. Du und ich müssen eine neue Haushälterin aussuchen."

Donna verbarg ein kleines Lächeln über den gebildeten Ton der Zehnjährigen. „Ich bin überrascht, dass du dich an meinen Geburtstag erinnert hast... niemand denkt an ihn, weil er so nah an Weihnachten liegt."

Die zwei Shacklebolts machten ihren Weg über den Bahnsteig Neundreiviertel. „Ich denke immer dran," korrigierte sie Donna. „Und sei nicht so hitzig."

Gehetzt, Bridge."

„Das habe ich gesagt."

Der Zauberer, der an der Absperrung zwischen dem Muggelbahnhof und dem Zaubererbahnhof stand, nickte den Hexen zu und beide Mädchen gingen direkt durch die Steinmauer ins Muggel-London.

„Weißt du, Donna," fing Bridget an, als sie weitergingen - die Jüngere schwang ihre Arme und beobachtete sehr interessiert die Muggel, die an ihnen vorbeiliefen. „Ich denke, es ist ziemlich interessant siebzehn zu sein. Du kannst jetzt ziemlich viele Sachen machen, wie Apparieren und Feuerwhiskey trinken..."

„Und was weißt du über Feuerwhiskey, Bridget Shacklebolt?" wollte Donna wissen. Bridget zuckte Arme schwingend die Achseln.

„Mrs. Lockhart sagt..." (in einem schrillen, arroganten Ton) „dass es den Pfad zur Sünde ebnet." Bridget grinste. „Ich denke, das bedeutet, dass es ziemlich lustig ist, weil alles, was Mrs. Lockhart für falsch hielt, am lustigsten war... die Teller schweben lassen, drinnen Fangen spielen, Gobstein..."

„Wer zum Teufel ist Mrs. Lockhart?" fragte Donna. „Und wie um alles in der Welt kommt sie dazu, Gobstein zu verbieten?"

„Sie war die Haushälterin, die gerade gekündigt hat."

Donna verdrehte ihre Augen. „Ich hätte es wissen sollen. Kingsley hat sie schließlich angestellt. Warum hat sie gekündigt? Hast du den Wunsch geäußert, etwas anderes als eine Hausfrau zu werden?"

Obwohl sie die Bemerkung nicht ganz verstand, schüttelte Bridget ihren Kopf. „Nein, es war Isaiah. Er hat ihre Haare in Brand gesetzt."

„Natürlich," stöhnte die ältere Hexe. „Natürlich war es Isaiah." Es war immer Isaiah. „Sie erstattet keine Anzeige, oder?"

„Kingsley und ich haben mit ihr gesprochen," antwortete Bridget würdevoll. „Ich bin froh, dass du jetzt wieder zuhause bist, Donna." Sie schlang einen Arm um die Taille ihrer Schwester. „Sogar Isaiah benimmt sich besser, wenn du da bist."

„Isaiah ist immer eine Plage," verbesserte Donna sie.

„Er kann nichts dafür. Mrs. Lockhart hat gesagt, „, das Fehlen einer richtigen Erziehung hat es für ihn unmöglich gemacht, ein braver kleiner Junge zu sein und er sollte...'"

„Das ist genug von Mrs. Lockhart," unterbrach Donna. „Wir werden eine neue Haushälterin finden... hoffentlich eine vernünftige und hoffentlich eine, die dafür sorgt, dass Isaiah nicht aus der Reihe tanzt."

Bridget lächelte. „Du müsstest einen Drachen einstellen, Donna, Liebes."

Donna Shacklebolt sagte das Wort „Liebe" nur in einem abschätzigen Tonfall. Sie schwor, dass sie nicht daran glaubte - dass das Konzept von Liebe und Heirat in einer früheren Ära erfunden worden waren um Frauen unter Kontrolle zu halten. Im Moment wurden die Ideen weiter verbreitet um die Bevölkerung ruhig zu stellen: um ihnen etwas zu geben, nach dem sie streben konnten. Aber sie hatte nicht vor nach romantischer Liebe oder irgendeiner anderen Art von Liebe zu streben. Sie lehnte sogar die Existenz der Idee ab. Sie lehnte sie jedenfalls intellektuell ab.

Denn ihre Mum und ihr Dad waren „verliebt" gewesen und sie starben trotzdem. Und Kingsley liebte sie alle, aber er musste trotzdem zu unchristlichen Zeiten in der Aurorenabteilung arbeiten. Und Severus Snape liebte ziemlich offensichtlich Lily Evans, aber er verletzte sie immer. Und Adam McKinnon liebte offensichtlich Marlene Price, aber Marlene schien das scheißegal zu sein, weil sie immer über Miles Stimpson redete (dem das seinerseits scheißegal war).

Ehrlich gesagt glaubte Donna Shacklebolt an die Liebe, aber sie verspottete sie, weil sie die ganze Idee hasste: die Verletzbarkeit und Hilflosigkeit und dass man sich darauf verließ, dass der andere einen nicht verletzte. Donna glaubte an die Liebe, aber ihr gefiel keine Seite an ihr und sie wollte sie ganz sicher nicht. (Noch nicht.)

(Ich will einen Kerl)

„Mehr Tee, Mary Liebes?" erkundigte sich Mrs. Macdonald und hielt die Teekanne für ihre Tochter hoch. Mary schüttelte ihren Kopf, amüsiert, dass ihre Muggeleltern so unglaublich glücklich über ihre Rückkehr waren.

„Also, die Schule läuft gut?" fragte Mr. Macdonald und bot seiner Tochter einen weiteren Scone an. „Ich meine, die Lehrer behandeln dich richtig? Und deine Noten sind immer noch gut?"

„Einigermaßen gut," antwortete Mary. „Ja, alles ist gut. Ihr habt mein Zeugnis gesehen, nicht?"

„Ja," sagte Mrs. Macdonald. „Aber man kann sich kaum auf die verlassen. Deine Noten sind immer gut, natürlich, aber ich weiß nicht, wie gerecht deine Lehrer sind. Vielleicht verdienst du bessere..."

„Ich bekomme die Noten, die ich verdiene," versicherte Mary ihren Eltern. Sie hatte sich bereits durch einen Berg von Scones, Erdbeeren und eine halbe Teekanne gefressen. „Ich bin jetzt wirklich satt," beharrte sie. „Keine Scones mehr, sonst platze ich wirklich."

Mrs. Macdonald begann den Tisch abzuräumen und ging in die anliegende, kleine Küche. Sie hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit Mary, beide hatten dieses dicke, kastanienbraune Haar und große haselnussbraune Augen. Im Gegensatz zu Mary war Mrs. Macdonald jedoch eine große, schlaksige Frau mir rauen Hände und starken Armen: sie hatte in ihrem Leben gearbeitet. „Achten wir auf unsere Linie, ja?" fragte Mrs. Macdonald mit erhobenen Augenbrauen. „Gibt es da einen Jungen, Mary?"

„Hmm," grunzte Mr. Macdonald, der dieselbe schmale Statur wie Mary hatte, aber - wie seine Frau - eine harte-Schale-weicher-Kern Persönlichkeit zeigte. „Er soll dich besser gut behandeln, dieser Freund."

„Wer hat irgendwas von ,Freund' gesagt?" unterbrach Mary plötzlich und wünschte dann, sie hätte es nicht getan. Ihr Vater hob eine Augenbraue.

„Du meinst, du bist nicht wirklich mit diesem Kerl zusammen? Warum nicht? Was ist mit dem?"

„Wer hat überhaupt gesagt, dass da ein Kerl ist?" fragte Mary verteidigend, während sie an das Zugabteil heute morgen denken musste... an Martin, dem Slytherin... wie er ihr Bein berührt hatte... als ob küssen nicht das war, was er im Kopf hatte. Es war nett gewesen... es war zum größten Teil fantastisch gewesen, aber... nein, nein, Martin war nicht ihr Freund.

„Oh, Mary, wir wollten nicht aufdringlich sein," sagte eine beruhigende Mrs. Macdonald. „Wenn du dich nicht mit Jungs treffen willst, unterstützen wir das natürlich. Wir ermutigen es."

„Das tun wir sicherlich!"

„Wir haben einfach nur angenommen, dass du jemanden hättest, Liebes... du schreibst ab und zu von Jungs und du bist ja so hübsch..."

„Mum, bitte", Mary stellte fest, dass sie nur zuhause rot wurde. „Wirklich, es ist keine große Sache. Ich habe manchmal Dates, aber ich habe keinen festen Freund."

„Und das ist eine weise Entscheidung," sagte Mr. Macdonald. „Du bist eine junge, schlaue Frau."

„Eine junge, schlaue Hexe," stimmte Mrs. Macdonald zu.

„Ja, genau..." Mr. Macdonald fuhr fort. „Und du willst dich nicht festlegen, oder? Du bist erst sechzehn... warum sollte man sich nicht alle Möglichkeiten offen halten?"

„Außer du findest jemanden, den du wirklich liebst," sagte Mrs. Macdonald. „Mary, Liebes, am besten machst du dir gar keine Gedanken darüber."

Mary nickte. „Richtig, Mum, ich weiß. Wisst ihr, ich - ich schätze, ich werde ein bisschen müde. Es war ein langer Tag, mit der Zugfahrt..." Die Stelle auf ihrer Hüfte, auf der Martins Hand gewesen war, schien zu brennen und Mary fühlte sich plötzlich schuldig, dass ihre Eltern nichts davon wussten. „Ich denke, ich sollte mich hinlegen."

„Ich bringe dir eine Tasse Milch," sagte Mrs. Macdonald warm. „Schlaf gut, Mary. Es ist schön, sich wiederzuhaben."

„Es ist schön zurück zu sein," stimmte ihre Tochter zu.

„Ich hab dich lieb, Mare." sagte ihr Vater.

„Hab dich auch lieb, Dad."

Mary Macdonald hatte nur eine oberflächliche Art romantischer Liebe erlebt und sie war sehr romantisch und sehr oberflächlich. Mary wusste genau, dass sie nur mit ihren Fingern schnipsen müsste und Martin-aus-Slytherin (wie war sein Nachname?) wäre ihr Freund... sie hatten es nicht im Zug getan und er war... naja, interessiert. Mary wusste immer, wann sie interessiert genug waren um ihr Freund zu werden.

Aber Mary war nicht interessiert.

Martin war ein fantastischer Küsser. Viele von ihnen waren fantastische Küsser (viele von ihnen waren es nicht und sie hatten nie eine Chance), aber die meisten von ihnen weckten nach dem ersten Kuss einfach nicht ihr Interesse... ihr Gerede war einfach abgedroschen. Sie sahen sie alle auf dieselbe Art an: mit Verehrung, wovon Mary dachte, dass es etwas wie Lust plus Liebe war. Allerdings, während Verehrung langweilig wurde, war es besser als Zurückweisung.

Sie kannte auch Zurückweisung. Sie sah sie im Blick eines Jungen, der sie im Geiste auszog und schon plante, wie er später abhauen konnte. Die Zurückweisung tat weh, aber sie war so viel faszinierender als Verehrung: faszinierender, aber viel gefährlicher. Am Ende verletzte Verehrung nur den Verehrer: nicht das Mädchen, das er auf das Podest stellte.

Mary Macdonald kannte nur einen Abklatsch der romantischen Liebe. (Noch nicht).

(Er ist siebzehn)

Lieber Frank," versuchte Carlotta wieder einmal. Sie starrte das Pergament böse an, das keine Inspiration bot, und setzte ihre Feder ab. Carlottas Zimmer zuhause war nett und schön dekoriert und sie musste es nicht mit jemandem teilen, was Carlotta am wichtigsten war. Sie saß jedoch seit zwei Stunden ununterbrochen an dem Tisch und hatte bis jetzt noch nicht herausgefunden, was sie in ihrem Brief an Frank Longbottom schreiben sollte.

Ich bin gut zuhause angekommen. Du schienst nach dem letzten Date ein wenig zurückhaltend und ich habe dir deinen Freiraum gelassen, obwohl du mir deine Entscheidung noch nicht mitgeteilt hast. Ich kann nur hoffen, dass dein Schweigen über diese Angelegenheit bedeutet, dass du mich noch nicht ganz aufgegeben hast."

Carlotta las das, was sie geschrieben hatte, zerknüllte dann das Pergament und ließ es zum Papierkorb schweben. Sie begann wieder.

Lieber Frank..."

Aber das war nicht das, was sie wollte.

Frank," fing sie von Neuem an. Nein, das war zu abrupt.

Lieber Frank." Eine kurze Pause, dann: „Ich habe dich seit unserem letzten Date vermisst. Du warst still und ich kann verstehen, dass du Freiraum brauchst. Ich schreibe nicht deswegen. Ich will einfach nur in Kontakt bleiben."

Carlotta schnaubte und sagte laut: „Weil ich dir zutraue, dass du zurück zu deiner blöden Ex-Freundin rennst... sie wäre dumm genug dich zu nehmen..."

Die Zugfahrt war okay... Shelley bleibt dieses Jahr in der Schule, also hab ich mich zu ein paar Ravenclaw-Fünftklässlern gesetzt. Als wir zuhause ankamen - noch bevor ich überhaupt die Haustür erreicht hatte - hat mich Mike Sanderville, dieser Trottel von nebenan, der zuhause unterrichtet wird, angesprochen und mich zu so einem Tanz an Heiligabend in London eingeladen, bei dem er teilnimmt. Ich hätte beinahe ,ja' gesagt, nur aus Mitleid, aber meine Schwester Eileen ist in ihn verschossen, seit sie auch zuhause unterrichtet wird und das wäre ihr gegenüber nicht fair. Eileen hat kein Selbstvertrauen und..."

Carlotta hielt inne und nahm ihren Zauberstab um magisch alles nach „in Kontakt bleiben" zu löschen. Es funktionierte nie, wenn sie versuchte Frank eifersüchtig zu machen... jedenfalls nicht wie bei anderen Kerlen. Er schien nie etwas dagegen zu haben: es war für ihn mehr wie eine Lösung zu einem Problem.

„Das Carlotta-Problem," betitelte sie es nachdenklich. Sie runzelte ihre Stirn, als ihre Gedanken zurück zu Alice Griffiths wanderten, die unzweifelhaft gerade in ihrem Schlafsaal saß und schreckliche Dinge über Carlotta dachte. Der Gedanke beruhigte und ärgerte Carlotta gleichzeitig. Sie mochte nicht, dass Alice dachte, dass sie irgendwie besser als sie war, aber sie strahlte mit Stolz, wenn sie daran dachte, dass sie - dass sie, Carlotta Meloni - es wert gewesen war, Alice zu verlieren. Frank hatte sie geküsst, obwohl er wusste, dass es seine Beziehung mit der perfekten Mädchen-von-nebenan-Alice-Griffiths zerstören konnte und das bedeutete etwas. Das bedeutete, dass Carlotta nicht einfach dieses freie-Liebe-Hippiemädchen war, sondern dass sie es wirklich und wahrlich wert war.

Aber Carlotta konnte das nicht schreiben.

Frohe Weihnachten, Frank. Ich hoffe, dass du an mich denkst, denn ich denke an dich."

Carlotta zögerte mit der Unterschrift und schloss dann mit einem Schnörkel, wie sie wusste, dass es Alice getan hätte.

Mit Liebe, Carlotta."

Aber natürlich verstand Carlotta Meloni die Idee der Liebe nur sehr, sehr wenig. Liebe war Sex, Liebe war Gewinnen und ein warmes, glückliches kleines Gefühl, das sie ab und zu hatte. Liebe hatte etwas mit Weltfrieden zu tun... darüber schrieben sie Lieder und wegen ihr duellierten sich Zauberer über Hexen.

Liebe war nicht dieser kitschige Müll, an den Alice Griffiths zweifellos glaubte: nicht, dass Carlotta wirklich eine Ahnung davon hatte, an was Alice Griffiths glaubte... und sie räumte diese Tatsache ein. Es war einfach zu leicht, Alices Gegner zu sein, offensichtlich wegen Frank, aber auch weil sie solche... Gegensätze waren. Und Carlotta mochte die Idee, Alices Gegensatz zu sein. Es war irgendwie aufregenderweise richtig Alices Gegner zu sein und währenddessen zu versuchen, das zu bekommen, was Alice bereits hatte (stehlen, was Alice bereits hatte, sagte eine Stimme in ihrem Kopf, die schnell ruhig gestellt wurde).

Carlotta verstand die Idee der Liebe nur sehr, sehr wenig und sie wusste es. Ihr war es nicht wichtig. (Noch nicht.)

(Baby Love)

Der Schlafsaal der Gryffindor-Sechstklässlerinnen war gerade ein einsamer Ort, dachte sich Shelley Mumps, während sie sich am zweiten Morgen der Ferien ihr dreckig blondesHaar kämmte. Marlene Price war das einzige andere Mädchen hier und sie war immer unterwegs mit Adam McKinnon oder den drei Rumtreibern.

Shelley seufzte. Drei Rumtreiber. Nur drei.

Sie war nur im Schloss geblieben, weil sie gehört hatte, dass alle vier Rumtreiber bleiben würden. Aber dann hatte James Potter plötzlich entschieden, dass er doch nach Hause gehen würde und Shelley hatte es zu spät erfahren. Er hätte das mehr herumerzählen sollen.

Ihr Kinn in ihrer Handfläche ruhen lassend starrte Shelley in den Spiegel, dachte aber mehr an James als an ihr eigenes Spiegelbild. Der Junge hatte in sechs Jahren vielleicht fünfzig Worte mit ihr gewechselt, aber er hatte etwas Magnetisches an ihm. Jeder sah es (jedenfalls fast jeder) und das sah man daran, dass jeder ihn liebte (jedenfalls fast jeder).

Shelley Mumps liebte ihn auf jeden Fall.

„Hi, Shelley," sagte Marlene, an diesem Morgen ein Bildnis von Feierstimmung, als die Hexe vom Waschsaal, wo sie Make-Up aufgetragen hatte, in den Schlafsaal huschte.

„Hi, Marlene," antwortete Shelley. Marlene Price: das war mal ein interessantes Mädchen. Sie war hübsch: eigentlich ziemlich süß, wenn nicht sogar so absolut hinreißend wie Carlotta oder Lily. Sie war groß und wohl geformt (obwohl sie das selbst nicht glaubte) und ihr Haar fiel ihr in goldenen Wellen den Rücken herab. Plötzlich fühlte sich Shelley neidisch und Shelley fühlte sich selten neidisch. Neid war etwas, das sie sich nicht leisten konnte, wenn Carlotta ihre beste Freundin war. „Was machst du heute Morgen?"

Shelley bemerkte die modischen Jeans, Pullover und kniehohen Stiefel, die ihre Zimmergenossin angezogen hatte. „Schneeballschlacht mit ein paar Jungs," antwortete Marlene leichthin, als sie ihren Schal und ihren Mantel aus dem Koffer zog. „Du solltest mitkommen. Es wird so viel Spaß machen. Die Rumtreiber peppen es immer auf... es wird sicherlich ein Schneeballweltkrieg."

Wenn nur James Potter hier wäre.

Shelley dachte darüber nach. Dann sah sie auf den Rock, den sie sich bereits für diesen Tag angezogen hatte. „Ich bin nicht richtig angezogen für eine Schneeballschlacht," sagte sie Marlene. „Ich sollte besser nicht."

Marlene steckte ein Paar Ohrringe an. „Wir können auf dich warten, wenn du willst. Keiner hätte was dagegen."

Nein, dachte Shelley. Nein, dann ärgern sie sich und ich wäre das Mädchen, das alle aufgehalten hat und dann würde Sirius Black denken, ich würde nerven und er könnte James Potter sagen, dass ich nerve und...

„Ich denke, ich fange besser mit diesem Aufsatz in Verwandlung an," sagte Shelley. „Aber danke für die Einladung."

„Komm runter, wenn du deine Meinung änderst," sagte Marlene. „Mir gefällt es nicht zu wissen, dass du hier ganz alleine sitzt und Hausaufgaben machst." Mit einem Lächeln ging die Blondine und ließ Shelley mit ihrem Spiegelbild allein.

Shelley Mumps war so sehr verliebt, wie es die durchschnittliche Sechzehnjährige ist. Shelley war in den Quidditchkapitän ihres Hauses „verliebt": sie war in sein verstrubbeltes, schwarzes Haar verliebt und in die Tatsache, dass er schief grinste und dass er einfach diese fantastische Art hatte. Aber natürlich war Shelley Mumps nicht wirklich in ihn verliebt. Sie war in ihn verknallt und vielleicht war das schlimmer, denn Shelley war nicht von Natur aus eitel, neidisch oder verlegen, aber wenn sie an James Potter dachte, war sie alle drei.

Es machte keinen Unterschied, dass James sie kaum kannte, dass sie verstummte, wenn er in der Nähe war oder dass sie noch nie ein echtes Gespräch irgendeiner Art hatten. Shelley war verknallt und sie hatte nicht vor, das aufzugeben. (Noch nicht.)

(Das Ereignis)

„Guten Morgen, Alice," sagte Marlene fröhlich, als sie mit einem Lächeln und vier Jungs im Schlepptau den Schlafsaal der Siebtklässlerinnen betrat.

„Was zur Hölle habt ihr hier zu suchen?" wollte Alice wissen, während sie ihr Buch weglegte, dass sie an dem Fensterplatz gelesen hatte. „Und wie habt ihr es geschafft, Jungs hier reinzukriegen?"

„Erstens," begann Sirius Black - einer der Truppe, „ich wusste nicht, dass du fluchst, liebliche Alice. Ich finde es ziemlich süß. Zweitens, wir haben es geschafft in die Schlafsäale der Mädchen zu kommen, indem wir..."

„Komm schon, Sirius," unterbrach Remus. „Hast du nicht schon genug Geheimnisse ausgeplaudert? Dieser Idiot..." fügte Remus für die anderen im Raum hinzu: „hat seinem Date drei verschiedene Geheimpassagen gezeigt, nur damit sie mit ihm rummacht."

„Hat es funktioniert?" wollte Marlene wissen.

Sirius zuckte mit den Achseln. „Sagen wir einfach, dass Shannon Prewett ein paar wundervolle Dinge mit ihrer Zunge anstellen kann."

Marlene und Alice schauderten. „Kann uns bitte jemand vergessen lassen, dass wir das gehört haben?" jammerte die erstere. Sirius begann seinen Zauberstab zu ziehen, aber Remus starrte ihn böse an.

„Wir sind vom Thema abgekommen," bemerkte Peter und Adam nickte zustimmend.

„Ja," sagte er. „Sirius seltsame und wundervolle Heldentaten mit Shannon Prewetts Zunge haben nichts mit unserer Mission heute hier zu tun."

Alice verdrehte die Augen. „Wenn das hier ein verrückter Plan ist, um mich dazu zu bringen, runter zu kommen und... eine Schneeballschlacht oder so was ähnlich Klischeehaftes mit euch zu machen, könnt ihr euch das abschminken. Ich bin am Lesen."

„Oh nein," sagte Sirius. „Wir wollen nicht, dass du runterkommst."

„Ganz im Gegenteil," stimmte Adam zu.

„Wir wollen, dass du hier oben bleibst," sagte Remus.

„Die ganzen Weihnachtsferien," steuerte Peter bei.

„Marlene wird dir Essen bringen," fügte Sirius hinzu.

Alice starrte sie an. „Also deshalb seid ihr hier hochgekommen? Um mir zu sagen, dass ich sitzen bleiben soll?"

„Auch," sagte Marlene, „um dich zu fragen, welches traumatisierende Kindheitserlebnis dich zu so einem Masochisten gemacht hast, dass du dieses Jahr in Hogwarts bleibst?"

„Es ist mein letztes Jahr," antwortete die Siebstklässlerin. „Ich mag Weihnachten in Hogwarts und ich dachte, es könnte mir Spaß machen..."

„Frank bleibt auch," unterbrach Marlene. Alice starrte sie an.

Wirklich?"

„Ja, Liebes."

Sie stand von ihrem Fensterplatz auf. „A-a-aber er bleibt nie. Er geht immer nach Hause zu seiner Mum, weil... verdammt. Verdammt. Das ist nicht möglich!"

„Und sie flucht weiter," bemerkte Sirius. „Es ist wirklich entzückend."

„Es ist möglich und wahr," sagte Remus Alice mitleidig. „Marlene wollte dich warnen und sie hat uns mitgebracht. Ich hoffe, wir haben dich nicht erschreckt oder..."

„Es ist okay, Remus," unterbrach Alice sanft, sichtlich tief in Gedanken. „Aber - wie konnte das passieren? Ach Gott, ich dachte, ich könnte endlich ohne Gefahr, in ihn zu laufen, durch das Schloss gehen! Warum würde er...? Oh!" Verständnis bildete sich auf Alices rundem Gesicht ab. „Carlotta ist auch geblieben, oder? Das ist es, oder? Deshalb ist Frank geblieben?"

„Nein, Carlotta ist heimgefahren." sagte Adam.

„Ist sie das?"

„Das ist sie."

„Aber warum dann...?" Alice hielt inne. „Marlene, warum siehst du mich so an?"

Tatsächlich sah Marlene die Siebtklässlerin mit ehrfürchtigen, großen Augen an. „Weil... w-w-weil... weil du den Namen gesagt hast!" stammelte Marlene. „Du hast den Namen gesagt!"

„Sie hat welchen Namen gesagt?" sagten die vier Jungs im Chor.

„Sie hat Carlottas Namen gesagt!" rief Marlene, die aufgeregt in die Hände klatschte. „Alice, du hast Carlottas Namen nicht einmal gesagt, seit die ganze Sache angefangen hat... du hast ihren Namen nicht einmal gesagt und jetzt hast du ihn gesagt und... du hast nicht einmal gemerkt, dass du ihn gesagt hast! Dir gehts gut!"

Alice blinzelte. „Mir gehts gut."

„Ich stimme zu," sagte Sirius.

„Ich habe nichts gefühlt," fuhr Alice fort. „Ich habe Carlottas Namen gesagt und nichts gefühlt... keine Sorge oder Wut oder Trauer oder..." Sie sah die fünf an. „Ich bin drüber hinweg," verkündete die Hexe und wunderte sich über ihre eigenen Worte.

Marlene trat näher. „Du bist drüber hinweg?"

„Ich bin drüber hinweg."

„Du bist komplett drüber hinweg?"

„Ich bin komplett drüber hinweg."

Marlene begann zu klatschen und die anderen taten es ihr nach. Alice setzte sich, in ihre verwirrten Gedanken vertieft. „Hört zu, danke, dass ihr gekommen seid, aber... könntet ihr mich ne Minute allein lassen? Ich muss das verdauen."

Mit einem Verdauungswitz von Sirius und einem ermutigenden Lächeln von Marlene gingen die fünf Sechstklässler. Alice atmete tief durch. Dies schien kaum möglich: nach all dieser Zeit machte es ihr nichts mehr aus... sie wollte nicht mehr in diesem blöden Schlafsaal sein... sie wollte raus.

Alice Griffiths hatte viel Zeit mit dem Versuch verbracht, jemanden nicht zu lieben. Weil, tief im Inneren hatte sie Frank immer geliebt, selbst als sie dort stand und ihm gesagt hatte, dass Schluss war und selbst als sie ihn in Hogsmeade mit Carlotta gesehen hatte und selbst, als sie gehört hatte, dass er mit Carlotta auf einem Date war: Alice konnte nicht anders, als Frank zu lieben.

Aber jetzt war das egal. Es machte alles Sinn. Frank zu lieben und drüber hinweg zu kommen schloss sich nicht aus. Alice-und-Frank würde es nie wieder geben: Verweilen war sinnlos. Verweilen machte sie unglücklich. Verweilen war das Lesen eines stinklangweiligen Buchs im Schlafsaal, während draußen eine dicke Decke von wunderbarem Schnee lag.

Sie hatte zu viel Zeit damit verbracht, zu versuchen jemanden nicht zu lieben und sie sah jetzt, dass das egal war, weil sie drüber hinweg war. Sie hatte noch nicht aufgehört ihn zu lieben (noch nicht), aber sie hatte aufgehört sich darüber Gedanken zu machen, was passiert war. Sie war drüber hinweg und bereit zur Hölle aus dieser blöden von Carol-King-Liedern begleiteten Laune herauszukommen, die den Schlafsaal seit Monaten befallen hatte.

Sie war bereit hübsch auszusehen und zu lachen, an Quidditch-Afterpartys teilzunehmen und für einen süßen Kerl zu schwärmen. Sie war bereit einfach zum Spaß nach Hogsmeade zu gehen und nicht, weil ihre Freunde sie dorthin schleiften. Die Sonne schien, der Schnee glitzerte, als Alice an diesem Morgen darüber hinweg kam und es war beinahe Weihnachten.