AN: Hier kommt Kapitel 12! Danke wie immer an meine wundervolle Beta Anne und meine Schwester fürs Korrekturlesen.
Disclaimer: Harry Potter und seine Charaktere gehören JKR. Diese Geschichte gehört Jewels5. Dies ist eine genehmigte Übersetzung.
Vorher: James' Mum und Dad hatten sich im Sommer gestritten, was dazu führte, dass sein Dad auszog; Potter Sr. kehrte zum Haus zurück, während James in der Schule war, Potter Jr. reagierte ziemlich schlecht auf die Neuigkeit. Luke Harpers (Lilys Freund) Familie war verantwortlich für das Essen am Willkommensfest, was jetzt mit den Selbstmordversuche in Verbindung gebracht wurde. Donna kehrte über Weihnachten nach Hause zu ihren vier Geschwistern zurück. Alice erkannte, dass sie komplett über Franks Vertrauensbruch hinweg war.
Kapitel 12 - „Merrily, merrily, merrily"
Oder
„Großmutter wurde von einem Rentier umgerannt"
„TODESSER, DIE ILLEGALE ZAUBERTRÄNKE NACH ENGLAND SCHMUGGELTEN,
VERDÄCHTIGT BEI ANGRIFF AUF DREI AUROREN"
So las sich der oh-so-fröhliche Untertitel auf der Titelseite des Tagespropheten am Weihnachtsmorgen. James Potter überflog den Rest der Titelseite: Weihnachtspropheten hatten einen fünf Jahres Tiefstand erreicht und zwei muggelstämmige Ministeriumsbeamte waren verschwunden. „Todesserbeteiligung vermutet.": dies schien das Mantra des Tagespropheten in diesen Tagen zu sein.
„Du bist früh auf," bemerkte eine Stimme auf der gegenüberliegenden Seite des Esszimmers. James sah nicht von der Zeitung auf, sondern trank einen Schluck Tee.
„Jap", war seine einzige Antwort. Das Geräusch von einem Stuhl, der über den Boden gezogen wurde, sagte James, dass sein Begleiter am anderen Ende des Tisches Platz nahm.
„Gar nicht am Geschenke aufreißen wie früher... hast du dir überhaupt schon den Baum angesehen?"
„Ich bin nicht mehr sechs", sagte James schlicht. Er zwang sich weiter die Zeitung zu lesen. „Alastor Moody, oberster Auror, gab keinen Kommentar zu den Angriffen ab, aber Gerüchten aus der ägyptischen Presse zufolge können sie mit den Gegenständen zusammenhängen, die letzten Sommer aus dem Museum in Kairo gestohlen wurde..."
„Deine Mum ist in der Küche... sie kommt gleich, aber sie wird wissen wollen, was du dir zum Essen wünschst..."
James setze die Zeitung ab und sah dem viel älteren Zauberer am anderen Ende des Tisches in die Augen; „Egal, was wir bekommen, ich bin mir sicher, es schmeckt."
Mr. Potter begutachtete seinen sechzehnjährigen Sohn für eine Minute; James' Haar war noch nass von der Dusche und er hatte sich noch nicht für den Tag angezogen. Der Blick aus seinen haselnussbraunen Augen hätte nicht kälter sein können, wenn er Voldemort persönlich angestarrt hätte und sein Mund war in eine schroffe Grimasse verzogen.
„Du kannst mich nicht ewig hassen", sagte Mr. Potter, womit er sich selbst überraschte.
James musterte seinerseits seinen Vater. Alexander Potter war beinahe achtzig, obwohl er - dank Magie - nicht danach aussah. Etwas wie Jugend verblieb in seinem Gesicht und obwohl sein Haar weiß geworden war, war es in der Mode der Dreißiger zur Seite gekämmt. Er hatte einen starken Kiefer und eine gerade Nase - wie James - aber seine Augen waren dunkler, brauner und ruhiger. Mr. Potter hatte keine Brille auf, außer wenn er las und er hatte eine bessere Haltung als sein Sohn, aber James hatte schon seit langem erkannt, dass sie beide viele Eigenarten gemeinsam hatten (das schiefe Grinsen und eine Reihe von Gesten zum Beispiel), die der Sechszehnjährige nicht loswerden konnte.
„Ich hasse dich nicht, Dad," sagte James lässig, als er vom Tisch aufstand, die Zeitung zurückließ und auf die Küchentür zuging. „Ich bin komplett gleichgültig. Frohe Weihnachten."
Der Frühstücksraum - der fast nur durch natürliches Licht erhellt wurde - führte direkt zur Küche, die durch ihre weiße, magische Beleuchtung und die marmornen Arbeitsplatten stark kontrastierte.
„Morgen, James," sagte Mrs. Potter, als sie ihren Sohn durch die Doppeltüren eintreten sah. Sie stand vor einem Topf, und ließ ihren Zauberstab über ihn kreisen, als ob sie ihn umrühren würde, obwohl der Zauberstab die Flüssigkeit nie berührte. Mutter und Sohn waren nicht alleine in der Küche, drei oder vier Hauselfen wuselten um sie herum und bereiteten mehrere Gerichte vor, die James nicht erkannte. „Hast du deinen Vater gesehen?"
James schüttelte seinen Kopf. „Was machst du?"
„Sirup," antwortete Mrs. Potter fröhlich. „Und wenn es schrecklich ist, bist du verpflichtet zu lächeln und so zu machen, als ob es das appetitlichste Gebräu ist, das du je probiert hast."
„Und wie viele Frühstücksgerichte machst du?" fragte James, der die Hauselfen amüsiert beobachtete.
„Zwei oder drei," sagte Mrs. Potter. „Ich habe so wenige Gelegenheiten um meine Fähigkeiten als Hausfrau zu testen, James; du solltest mich es einfach genießen lassen."
„Es ist dein Morgen, den du verschwendest."
Mrs. Potter lächelte und strich sich eine Strähne ihres dunklen, rotbraunen Haars aus den Augen, während sie den Sirup im Topf beäugte. „Du bist früh auf, muss ich sagen", bemerkte die ältere Hexe, ihrem Sohn nicht in die Augen schauend.
„Ich war laufen und habe geduscht."
„Hast du den Baum schon gesehen?"
„Nein." Das war eine Lüge, aber er hatte keine Geschenke geöffnet, also würden sie den Unterschied nicht erkennen. „Ich geh nach dem Frühstück runter."
„Du würdest nicht so locker tun, wenn du wüsstest, was dieses Jahr unter dem Baum liegt", zog ihn Mrs. Potter auf und schob den Sirup vom Herd. „Dein Vater ist alleine in die Winkelgasse, also war ich nicht da um ihn zu zügeln..."
„Und damit meinst du, dass Dad meine Vergebung kaufen will."
„James..."
„Nein, was ich mich frage," sagte James leichthin, sich gegen die Wand lehnend, „ist, was um alles in der Welt er dir gegeben haben könnte um deine Vergebung zu kaufen."
„James, das ist nicht fair."
„Es muss ziemlich teuer gewesen sein."
„James, nicht jetzt. Die Elfen..."
„Als ob sie es nicht schon wissen..."
„James." Das sagte Mrs. Potter ganz ernst, aber ihre Augen waren eher traurig als wütend.
„Es ist Weihnachten", fügte sie sanft hinzu.
„Richtig." Er verschränkte seine Arme. „Ich schätze, ich sollte einen Blick auf den Baum werfen." Er küsste sie auf die Wange. „Frohe Weihnachten."
„Frohe Weihnachten, James."
(Familie Evans)
„Es ist Weihnachten," verkündetet Lily leise mit einem glühenden Lächeln. Sie blickte in ihre weiße Porzellantasse auf den hellbraunen Kaffee und konnte nicht anders, als sich wundervoll zu fühlen.
Petunia Evans verdrehte ihre grauen Augen, lächelte aber trotzdem ein wenig. „Ja, Lily," sagte das ältere Mädchen, die einzig andere in der Küche in dem Moment, „das Datum ist mir sehr wohl bewusst."
„Es hat letzte Nacht geschneit," fuhr Lily fort. Sie trug ein kurzes, hellrosa Nachthemd, einen Morgenmantel mit derselben Farbe und demselben Material und leuchtend grüne Hausschuhe.
Im Gegensatz dazu trug Petunia blau. Lily war seit fast einer halben Stunde wach und saß an der Anrichte mit dem Tagespropheten (aufgeschlagen bei den Hochzeitsankündigungen, denn man konnte am Weihnachtstag nicht die deprimierenden Schlagzeilen auf der Titelseite oder die Todesanzeigen lesen).
„Das ist mir ebenso bewusst," sagte Petunia, während sie sich eine Tasse Tee ausschenkte. Sie war gerade erst aus ihrem Zimmer aufgetaucht, was zur Zeit genau genommen eine Art Gästezimmer war, da Petunia ein Jahr zuvor ausgezogen war.
„Warum wirst du an Weihnachten immer so?"
„Weil es Weihnachten ist," antwortete Lily erstaunt. „Man soll an Weihnachten so werden."
Petunia hob ihre Augenbrauen über ihrer Tasse, sagte aber nichts. Das war ihre typische Reaktion auf Lilys Meinungen: das oder Spott.
„Wann kommt Vernon?" fragte der Rotschopf, die vorsichtig ein Thema suchte, das ihre Schwester interessierte.
„Er wird zum Abendessen hier sein." Petunia sah zufrieden aus, als sie eine Locke ihres aschblonden Haars (,alla Candice Bergen', wie Lily es beschreiben würde) von ihrer Stirn wischte. „Er verbringt den Nachmittag mit seiner Familie."
Vernon Dursley war Petunias Verlobter. Er war ein paar Jahre älter als die neunzehn - fast zwanzigjährige Petunia und, wie Jane Austen es zynisch genannt hätte, „eine gute Partie". Die Evanses waren nie wohlhabend gewesen; sie hatten gearbeitet um Petunia ein Studium zu ermöglichen, obwohl sie im letzten Jahr an der Uni einen Nebenjob hatte und sie konnten Lily ohne finanzielle Hilfe nach Hogwarts schicken. Vernon Dursley, auf der anderen Seite, kam von dieser Schicht, die man niemals ,alter Geldadel' nennen würde, aber auch nicht Mittelschicht. Jedenfalls hatte er einen Job. Sie würden im Sommer heiraten.
Es gab einen Moment der verlegenen Stille zwischen den zwei Schwestern, bevor Lily ansetzte: „Also Mum ist noch nicht wach?"
Petunia schüttelte den Kopf.
Überraschend, dachte Lily. Ihre Schwester hatte ihr nettestes Gesicht aufgesetzt und sie tat das sonst nur für ihre Mutter.
„Sollten wir dann mit dem Frühstück anfangen?" bot das jüngere Mädchen an.
„Ich hole die Eier", war alles, was Petunia sagte.
(Die Shacklebolts)
„Tja, es ist zu viel," fuhr ihn Donna an, die in einer großen, hölzernen Schüssel einen Teig rührte. „Ich habe dir gesagt, Kingsley, wir..."
„Wir sind nicht mittellos, Don," unterbrach ihr älterer Bruder kopfschüttelnd, während er mit einem Zauberstabwedeln den Tisch deckte. „Wir fassen unser Verließ nur für das Schulgeld an und ich habe ein paar Überstunden eingeschoben..."
Donna drehte sich zu ihrem Bruder um und erhob den Kochlöffel gegen ihn, als ob es ein Zauberstab wäre. „Du hast gesagt, du würdest weniger arbeiten," bemerkte sie drohend.
„Ich arbeite weniger am Tag", erklärte Kingsley, wie immer ruhig und unbeeindruckt von dem Kochlöffel. „Während Tante Dolinda hier war und jetzt, wo du hier bist, habe ich die Nachtschicht übernommen um..."
„Du hast dich nachts davon geschlichen um arbeiten zu gehen?" wollte Donna wissen.
„Ich habe mich nicht davon geschlichen. Du hast bloß... geschlafen. Ich mache dich doch nicht wach um dir zu sagen, dass ich arbeiten bin. Ich habe dich gesehen, wenn du nicht deine vorgeschriebenen acht Stunden Schlaf bekommst und es ist für niemanden schön."
„Was, wenn etwas passiert wäre?" Ihre Hände waren auf ihrer Hüfte. „Was, wenn etwas mitten in der Nacht passiert wäre und ich nicht gewusst hätte, dass du weg bist und..."
„Und du vollkommen in der Lage gewesen wärst, mit dem, was passiert wäre, umzugehen," schloss Kingsley. „Donna, du musst dich entspannen. Das Haus ist sicher. Brice, Bridge und Isaiah sind sicher."
„Ja und Mum und Dad waren auch sicher, schätze ich, oder?"
„Das hat nichts mit Mum und Dad zu tun."
„Das hat nur mit Mum und Dad zu tun."
„Keiner hätte das kommen sehen können. Die Leute wussten damals nicht mal seinen Namen... es ist Jahre her. Wir hatten es nicht erwartet, keiner hatte so was erwartet. Es gibt jetzt Sicherheitsvorkehrungen und..."
„Mir gefällt es nicht, dass du mich allein mit einer Zehnjährigen, einem Achtjährigen und einem Fünfjährigen zuhause lässt, Kingsley."
„Du bist hier nicht ungeschützt. Vertrau mir, in Ordnung? Und ich weiß nicht, wie wir sonst Bridget durch..." er hielt inne. Donna sah ihn misstrauisch an.
„Was meinst du, Kingsley?"
„Es - es ist nichts."
„Kingsley, wovon redest du? Ist es, weil Bridget nächstes Jahr nach Hogwarts geht?"
„Nein. Nein, es wird gut gehen. Ich hab's im Griff."
„Du hast es im Griff?" wiederholte Donna. „Was zur Hölle bedeutet das? Vor einer Sekunde hast du gesagt, dass das Geld von Mum und Dad für Hogwarts reichen würde."
„Wird es." Donna blickte ihn finster an. „Das wird es. Ich... ich mache mir keine Sorgen um Bridget. Für sie ist genug da... wahrscheinlich auch für den Großteil von Isaiahs Schulzeit. Hauptsächlich spare ich für Brice... und vielleicht auch ein bisschen für Isaiah. Das ist alles. Uns geht es gut."
„Uns geht es nicht gut. Wir verlassen uns auf das Ersparte unserer toten Eltern und dein mickriges Anfangsgehalt der Auroren um fünf Personen zu versorgen... wovon drei Kinder sind. Das ist nicht ,gut', Kingsley. Das ist verdammt noch mal schrecklich. Und was, wenn dir etwas zustößt? Was, wenn du stirbst? Dann sind wir anderen verdammt nochmal aufgeschmissen, oder?"
„Tja, ich bin froh, dass du dich um mein Wohlergehen sorgst", sagte Kingsley leicht ironisch.
„Ich meine es ernst."
„Mir wird nichts passieren. Ich weiß das. Ich war bei einer Hellseherin."
Donna verschränkte ihre Arme. „Ich hoffe, du machst Witze."
„Das tue ich."
„Gut."
„Ich habe das Haus auf jede mögliche Weise gesichert. Es sind Sicherheitszauber überall entlang des Schulwegs der Kinder. Du bist hier so sicher ohne mich wie mit mir, ich schwöre."
Donna verdrehte ihre Augen. „Les' die Zeitung, Kingsley," Sie drehte sich weg. „Keiner ist hier sicher. Wach auf um Himmels Willen."
Kingsley sagte nichts und sie konnte sein Gesicht nicht sehen (wofür sie dankbar war).
„Du liest in der Zeitung über das, was passiert, Don." sagte ihr Bruder schließlich. „Ich verstehe." Donna biss ihre Lippe, sie wusste, dass er Recht hatte. Kingsley ging durch die Küche der Shacklebolts und legte einen Teller neben sie. „Deck einen extra Teller, Sis. Und versuch nicht so zu reden, wenn die Kleinen in der Nähe sind, ja?"
Er ging aus der Küche und sie konnte ihn höre, wie er - in einer lauten, fröhlichen Weihnachtsstimme - den fünfjährigen Brice fragte, ob ihm sein Geschenk gefiel.
(Die Blacks)
„Heilige Scheiße!" lachte und hustete Remus Lupin, als er um eine Ecke im Korridor des dritten Stocks stolperte, dicht gefolgt von zwei seiner drei Mitrumtreiber.
„Du sollst nicht fluchen, Moony," lachte Sirius in gespielter Missbilligung. „Was, wenn dich ein Ersti so reden hören würde?"
„Was, wenn dich ein Ersti einen Besenschrank in die Luft jagen sehen würde?" entgegnete Remus, der sich Staub von den Kleidern wischte.
„Nicht bloß irgendeinen Besenschrank!" verteidigte sich Sirius feierlich. „Den Schrank direkt neben Filchs Büro... den Besenschrank, den er für ein großes Geheimnis hält, in dem er all sein geliebtes Folterwerkzeug aufbewahrt."
„Wenn wir gerade davon sprechen," warf Peter ein, „wir sollten ein wenig mehr Entfernung zwischen uns und die Reste des Schranks bringen..." Er sah sich über die Schulter. „Filch wird jede Minute da sein..."
„Er hat Recht", sagte Remus. „Komm, wir gehen."
Noch immer lachend folgte Sirius seinen Freunden im Laufschritt bis in den nächsten Stock. Die drei hatten gerade den Treppenabsatz erreicht, als Argus Filch wütendes Geheul im Schloss ertönte. Die drei brachen wieder unkontrolliert in Gelächter aus.
„Du bist verrückt, Sirius," sagte Remus mit erstickter Stimme und wischte sich Schmutz von seiner Braue. „Komm, wir trennen uns. Du kommst mit mir, Pete. Dieser Verrückte lässt wahrscheinlich noch etwas in die Luft fliegen."
„Bis zum Abendessen", sagte Sirius und die Wege der Jungs trennten sich.
Sirius ging in einem gemächlichen Schritt mit den Händen in den Taschen, als ob er komplett unberührt von der Tatsache war, dass sein schwarzer Umhang grau vor Schutt und Staub war. Er würde allerdings genug Zeit haben um sich umzuziehen, bevor Filch sie einholen würde und es gab keinen anderen Beweis...
„Ich krieg diesen Teufel! ICH WEIß, WER DAS GETAN HAT UND ICH KRIEGE IHN!"
Der Rumtreiber schreckte zusammen: das war Filchs Stimme und sie hörte sich nah an.
„Scheiße." Sirius überblickte seine Umgebung und suchte schnell mental nach einem Platz um sich zu verstecken. Es war gerade kurz nach vier... das bedeutete, dass Heiler Holloway unten fürs Abendessen sein würde; er hatte immer früh Abendessen. Die Krankenstation würde leer sein.
Als Filchs wütende Fußstapfen auf der Treppe gehört werden konnten, verschwand Sirius hinter den Türen der Krankenstation, zog sie hinter sich zu und verriegelte sie. Er atmete tief durch... Filch würde es nicht riskieren, den Missetäter in seinen Schlafsaal fliehen zu lassen, um jeden einzelnen Raum auf dem Weg dorthin zu überprüfen. Sirius hatte genügend Zeit.
Seine Hände kehrten zu den Taschen zurück und er schritt weiter in den Raum, welcher leer zu sein schien. Aber das war er nicht, wie er ein paar Momente später merkte.
„Professor Black," sagte Sirius überrascht über den Anblick seines Onkels. Alphard Black, alleine am anderen Ende des Raumes, schien nicht weniger überrascht.
„Sirius! Was... was machst du hier? Was ist mit deinem Umhang passiert?"
„Ich bin hingefallen," sagte Sirius, der misstrauisch seinen Onkel beäugte. „Was machst du hier? Bist du krank oder so?"
„Nein," antwortete Black sofort. „Nein, ich... mir geht es ganz gut. Ich habe Kopfweh und wollte mir einen Trank holen."
„Oh." Sirius setzte sich auf ein Feldbett. „Wo ist Heiler Holloway?"
„Er holt gerade den Trank aus seinem persönlichen Vorrat." Black sah seinem Neffen nicht in die Augen und begann auf und ab zu gehen.
„Weißt du, die meisten Lehrer gehen zu Slughorn, wenn sie einen Trank wollen," sagte Sirius zu seinem Onkel. „Es ist viel praktischer... er trägt es auch nicht in dieses Buch ein, wie Heiler Holloway, also nervt die Schule dich nicht wegen den Ausgaben."
„Warum weißt du so viel darüber?" fragte Black amüsiert.
„Tja, ich gehe auch zu Slughorn," antwortete Sirius achselzuckend. Er hätte hinzugefügt, dass es leicht war, Dinge aus dem persönlichen Vorrat des Meisters der Zaubertränke mitgehen zu lassen, aber die Tatsache, dass dies nicht nur sein Onkel, sondern auch sein Lehrer war, ging nicht ganz an ihm vorbei.
Black nickte. Er sah auf seine Uhr und dann in die Richtung von Holloways Büro.
„Willst du mich loswerden, Onkel?" fragte Sirius träge. „Nicht sehr weihnachtlich von dir, oder? Ich bin dein Neffe."
„Als ob du heute Morgen kein Geschenk bekommen hast," sagte Black.
„Dank dafür, übrigens, Lupin hat das meiste der Schokolade gegessen, aber das Quidditchbuch war interessant."
„Du hast es angefangen, ja?"
„Ich bin eigentlich damit fertig."
„Fertig?" fragte Black ungläubig. „Das ist erstaunlich."
„Ich hatte heute Morgen ein paar Stunden Zeit," sagte Sirius wieder einmal achselzuckend. „Dein Geschenk kommt heute Abend. Ich hätte es dir beim Frühstück gegeben, aber ich dachte, einer der griesgrämigen Lehrer könnte „Nepotismus" schreien. Das ist natürlich lächerlich, McGonagall bekommt jedes Jahr ein Geschenk von mir und keiner hat was dagegen."
„Tja," sagte der Ältere, „das ist etwas anderes. Du musst..."
Black wurde jedoch von einem Hämmern an der Tür unterbrochen. „Warum ist diese Tür verschlossen?" brüllte Filchs Stimme. Sirius Augen wurden groß, das war jetzt das zweite Mal, dass er sich bei den Mustern von Hogwarts geirrt hatte und es wurde frustrierend.
„Wer ist hier drin?" fuhr Filch fort. „Öffnet diese Türen? Holloway! Hey, Holloway!"
„Warum sind diese Türen verschlossen?" fragte sich Black und sah bedeutsam seinen Neffen an.
Sirius duckte sich hinter unbenutzte Bettvorhänge. „Bitte verpfeif mich nicht, Professor. Es ist Filch. Er denkt, dass ich irgendwas in die Luft gejagt habe und er wird mich beim lebendigen Leib häuten. Wirklich, das wird er... er glaubt, dass Folter eine angemessene Lehrmethode sei."
Professor Black schüttelte den Kopf, bewegte sich zu den Türen und entriegelte sie mit seinem Zauberstab.
„WENN JETZT JEMAND DIESE GOTTVERDAMMTEN TÜREN NICHT ÖFFNET... Oh, Professor Black!" Filch erschrak, als er einen Lehrer sah. „Naja... es tut mir leid... aber die Türen, Sie sehen... sie sollten am Tag nicht verschlossen sein und..."
„Ich hatte ein wichtiges Treffen mit Heiler Holloway und wollte nicht gestört werden," sagte Black ruhig.
„Ja, natürlich."
Eine verlegene Stille, dann: „War da etwas, was Sie wollten, Mr. Filch?"
„Ja. Eigentlich schon, ja. Ich habe mich gefragt, ob Sie jemand Verdächtigen hier reinkommen gesehen haben?"
„Jemand Verdächtiges?" wiederholte der Verteidigungslehrer. „Leider müssen Sie genauer sein. Wen meinen Sie denn?"
„Tja... Potter, Lupin, Pettigrew oder... oder ihren Neffen, Black."
„Mr. Potter ist über die Ferien zuhause. Ich schätze, einer der anderen drei ist krank?"
„Äh... nein." Filch kratzte sein verknotetes Haar. „Nein, nicht krank."
„Warum würden sie dann in der Krankenstation sein, Mr. Filch?"
„Tja... Ich - um die Wahrheit zu sagen - ich vermute, dass sie sich verstecken."
„Verstecken, Mr. Filch? Haben sie etwas falsch gemacht?"
„Das glaube ich, Black." Filch streckte würdevoll seine Brust raus. Mrs. Norris, die an seinen Füßen stand, schnurrte laut. „Ich glaube, sie sind für... für das Zerstören von Schuleigentum verantwortlich."
„Schuleigentum? Das ist äußert ernst."
„Ein Schrank, um genau zu sein."
„Ein Schrank. In der Tat äußerst ernst. Sie haben sie gesehen, nicht?"
„Tja, nein..."
„Jemand anderes dann?"
„Nicht wirklich..."
„Also vermuten Sie es."
„Tja, schon, aber..."
„Mr. Filch, Sie machen hier ernste Anschuldigungen ohne Beweise. Warum denken Sie, dass es Black, Lupin und Pettigrew waren? Vielleicht war eine explosive Substanz in dem Schrank..."
„Es war kein Unfall," sagte Filch sofort. „Der Staub an der Wand... er... da hat gestanden... tja... das ist nicht wichtig. Wenn Sie keinen der Jungen gesehen haben..."
Black blickte über seine Schulter in den Raum. „Ich sehe keinen der Jungs."
„Dann muss ich weiter gehen." Und das tat er.
Der Ältere kehrte zu seinem Platz bei Holloways Büro zurück. Sirius horchte auf. „Danke, Professor Onkel, Sir," sagte er ein wenig überrascht.
Black hob seine Augenbrauen. „Du hast einen Schrank in die Luft gejagt?"
„Es gibt keine Beweise, dass ich irgendwas in die Luft gejagt habe," sagte Sirius. „Aber ich sollte mich vielleicht umziehen gehen, oder?"
„Außer, wenn du vor hast, noch einmal ,hinzufallen', würde ich sagen."
Sirius grinste. „Danke."
„Nur aus Neugier," fing Black an, als Sirius begann zu gehen. „Warum würde jemand
einen Schrank in die Luft jagen?"
„Wegen Weihnachten natürlich."
„Ich sehe eigentlich nicht, wie das In-die-Luft-jagen eines Schranks besonders viel zur Weihnachtsstimmung beiträgt."
„Tja..." sagte Sirius, „tut es auch alleine nicht. Aber wenn du es schaffen würdest, dass der Schutt und der Staub sich an der Wand so anordnet, dass man „Frohe Weihnachten, Argus" lesen kann, würde ich es in der Tat sehr weihnachtlich nennen."
„Ja, Sirius, du solltest dich besser sofort umziehen."
„Frohe Weihnachten, Onkel Professor, Sir."
„Frohe Weihnachten, Mr. Black."
(Das Warum)
Talkin' about my generation...
The Who, die aus James verzaubertem Plattenspieler tönten, schafften es, das meiste des Lärms von der großen Party unten zu übertönen. Trotzdem drang manchmal bürokratischer Klatsch durch die Tür, wenn leicht betrunkene Ministeriumsfreunde seiner Eltern an seinem Schlafzimmer vorbeigingen, meist um das Haus zu besichtigen oder um die Toiletten zu suchen. James schwang seinen Zauberstab und die Musik wurde noch lauter.
I'm not trying to cause a big sensation, I'm just talking about my generation.
„Wirklich, Mom?" fragte James laut, obwohl er der Einzige im Schlafzimmer war. „Du konntest keine einzige Person einladen, die in diesem Jahrhundert geboren wurde?" Er blätterte die Seite in dem Buch um, das er versuchte seit der letzten halben Stunde zu lesen (seit das Abendessen beendet und er geflüchtet war).
Es klopfte an der Tür.
„Das ist kein Teil der Besichtigung!" rief James über das Getöse seiner Musik.
Klopf, klopf.
James stöhnte und rollte sich vom Bett. „Ich habe gesagt, das IST KEIN TEIL DER..." Er öffnete die Tür. „Oh, hi, Twitch." Twichet, der Hauself, strahlte, seine Augen waren weit vor Bewunderung, als James ihn in sein Zimmer ließ.
Der junge Zauberer kehrte zu seinem Platz auf dem Bett zurück. „Bist du etwa auch von Mum und Dads Freunden gelangweilt?"
„Oh, nein, Master James. Mistress Potter hat mich geschickt."
James hob eine Augenbraue. „Tatsächlich?"
„Mistress Potter hat gesagt, dass Sie herunterkommen sollen und empfangen sollen. Mistress Potter besteht darauf."
„Das wette ich. Sag mal, Twitch, du hast wahrscheinlich den besten Wortschatz von allen Hauselfen, die ich je getroffen habe, weißt du. Warum ist das so?"
„Twichet ist zur Schule gegangen, Sir."
„Wohin? Hogwarts?" fragte James amüsiert.
„Oh, nein, Master James. Aber bitte, Mistress Potter hat mich gebeten, mich nicht von Ihnen ablenken zu lassen. Mistress Potter kennt ihren Sohn sehr gut, Master James."
James untersuchte träge eine vom Quidditch verursachte Schwiele in seiner Hand.
„Warum bleibst du eigentlich hier, Twitch? Mum hat dich doch seit Jahren befreit. Wenn ich du wäre, wäre ich hier raus, bevor du ,bezahlte Knechtschaft' sagen könntest."
„Twichet muss eine Arbeit haben, Master James," sagte der Elf. „Vater und Mutter lebten mit den Potters; Twichet ist stolz, das Geschäft von Twichets Familie weiterzuführen."
„Das ist nobel von dir," bemerkte der andere trocken. „Ich würde kein Auror werden wie mein Dad, und wenn es der letzte Beruf auf Erden wäre."
„Master James sollte kein Auror werden müssen," seufzte Twitchet. „Master James sollte Quidditch spielen, wie er es wünscht."
James grinste. „Was hat mich verraten?" Aber ihm war bewusst, dass die Banner für jeden Quidditchcup der letzten zwölf Jahre in seinem Zimmer hingen, genau wie zwei Poster: eins von der Nationalmannschaft und eins von Puddlemere United (beide von allen Spielern signiert und an James gewidmet). Twitchet erkannte James' Sarkasmus sofort und trat nervös von einem seiner großen, farblosen Füße auf den anderen.
„Mistress Potter hat mich gebeten zu bleiben, bis Sie nach unten kommen."
Vage konnte James über seine eigene Musik (People tryin to put us down, just because we get around... Talkin' about my generation...) und über das schwebende Geplauder der Party die Musik vom Ballsaal unten hören. „Das ist okay für mich, Twitch. Ich würde mich über die Gesellschaft freuen." Twitch stand verlegen da. „Setz dich ruhig."
„Vielleicht," fing der Elf an, „vielleicht darf Master James zu seinem Zimmer zurückkehren, wenn er für ein paar kurze Minuten an der Feier teilnimmt und Twitchet hätte seine Pflicht erfüllt."
James seufzte. Hier kam er nicht raus. „In Ordnung, dann." Er rollte sich wieder einmal vom Bett und brachte mit einem Schwung seines Zauberstabs seinen Plattenspieler zum Schweigen. Der Sechszehnjährige folgte dem Hauself nach unten. Der unterste Treppenabsatz war überfüllt und laut, da viele Stimmen plauderten und lachten und viele Stiefel gegen den marmornen Boden klackerten. James antwortete höflich jedem, der ihn bemerkte, während er nach seiner Mutter Ausschau hielt, damit sie ihn bemerken und er zur eigenen Musik, Zimmer und Buch zurückkehren konnte.
„James Potter," sagte eine Frau, eine große, dünne Hexe, die James als Augusta Longbottom erkannte. „Du bist zweifellos groß geworden."
Ein Funken Hoffnung regte sich in ihm, sodass James seinen höflichsten, künstlichsten Ton hervorbrachte. „Vielen Dank, Mrs. Longbottom. Sie sehen heute Abend sehr gut aus. Ist Frank hier?" Er hoffte, dass er die letzte Frage nicht überstürzt hatte, aber es war das Einzige, das ihn überhaupt interessierte.
„Frank ist dieses Jahr in der Schule geblieben," antwortete Mrs. Longbottom, die anscheinend darüber verärgert war (oder über etwas anderes... James wusste es nicht, sie schien immer über etwas verärgert). „Offensichtlich wegen seiner Hexe da." Sie rümpfte die Nase. „Alice."
James machte sich nicht die Arbeit, Franks Mutter über die Situation aufzuklären, teils, weil er nicht überzeugt war, dass Frank und Alices Trennung so viel bedeutete, wie die beiden dachten und teils, weil Franks Abwesenheit eine weitere Konversation mit dieser bestimmten Erwachsenen nur zu einem weiteren Hindernis auf seinem Weg zur Rückkehr nach oben machte. Mit höflichen Ausreden ging James auf der Suche nach seiner Mutter weiter.
Jedoch zeigte eine schnelle, aber genaue Suche, dass die Gastgeberin nirgendwo im vollen Hauptraum, noch im Ballsaal oder in der Bibliothek oder in irgendeinem der anderen Teilbereiche des Erdgeschosses war, wo sich die Partygänger herumtrieben.
Jetzt selbst verärgert brach James auf und ging durch einen langen, gut versteckten Korridor auf der Hinterseite des Hauses. Er war auf dem Weg zum Grünen Salon - sein Lieblingsraum neben der Küche, im unteren Viertel des großen Hauses. Er würde dort die Feier für ein wenig aussitzen; hoffentlich würde seine Mutter sehen, dass sein Raum leer war und dann annehmen, dass er in Gesellschaft war.
James erreichte die Tür zum Grünen Salon. Er hatte die Tür einen Spalt geöffnet, als er eine bekannte Stimme hörte: die seiner Mutter.
„Ich mache mir Sorgen," sagte sie sanft; James entschied, dass es eine Unterhaltung war, die er hören wollte. „Aber es wird in Ordnung kommen. Ich weiß das."
„Das ist leicht für dich zu sagen," sagte eine andere Stimme. Mr. Potter sprach trocken, aber nicht verbittert. „Du bist nicht derjenige, den er im Moment hasst."
„Er hasst dich nicht."
Wollen wir wetten? dachte James.
„Das sagt er," sagte Mr. Potter leise. James öffnete die Tür ein klein wenig mehr um einen Blick auf seine Eltern zu bekommen. Sie standen in der Nähe des Kamins: Seine Mutter in ihrem üppigen, scharlachrotem Abendkleid und sein Vater in eleganten schwarzen Umhängen. „Ich finde es nicht unbedingt überzeugender, wenn es von dir kommt, Grace."
Mrs. Potter lächelte. „Jeder Junge hasst irgendwann mal seinen Vater, Alex. Das ist von Natur aus so. Erinnerst du dich, als wir geheiratet haben und du diesen Streit mit deinem Vater hattest?"
„Grace, er wollte, dass ich Hildebrand Shakeworth heirate. Er hat sich beinahe geweigert zur Hochzeit zu kommen."
„Aber er ist gekommen und du warst immer noch wütend."
„Er hat seine Ansprache mit ,Obwohl du Miss Dearborn geheiratet hast...' begonnen."
Mrs. Potter unterbrach ihn durch ihr Lachen und ihr Ehemann lächelte auch ein wenig.
„Nun, ja, er hat irgendwann angefangen, mich zu mögen, oder?"
„Und dann habe ich ihm vergeben."
„Tja, siehst du."
„Mit dieser Logik würde ich James Vergebung erreichen, indem ich wieder zurück einziehe, und ich glaube, dass ich das schon getan habe. Es ist möglich, dass ich mich irre, aber ich bin mir ziemlich sicher."
Grace Potter seufzte. „Für jemand, der so intelligent ist, Alex, kannst du manchmal ziemlich blöd sein." Sie küsste ihn. „Und," fügte die Hexe einen Moment später hinzu,
„James liebt dich. Das tut er wirklich."
Sarkastisch: „Romantisch."
Mrs. Potter lachte wieder. „Und ich liebe dich."
Er murmelte etwas als Antwort, von dem James nur annehmen konnte, dass es „Ich liebe dich auch." war.
„Und," fuhr James' Mutter fort, „es tut mir leid, dass ich dich in dieser Nacht angeschrien habe."
„Du weißt, dass du dich dafür nicht entschuldigen musst, Grace."
„Ich weiß."
Sie küsste ihn wieder.
James schloss die Tür. Plötzlich wollte er nicht mehr alleine sein... die Wut von Monaten und Monaten relativer Stille kochte in ihm auf und jetzt konnte sie nirgendwo hingehen. Es gab keine Erlösung, kein Objekt, das er hassen könnte, weil die Frage letztendlich beantwortet worden war,… die Frage, die ihn geplagt hatte, seit seine Mutter ihm geschrieben hatte, dass er wieder einzieht. Wie konnte sie das tun? Wie konnte sie ihm vergeben?
Er wusste warum, aber wollte trotzdem wütend sein.
James begab sich zurück zur Party.
(Die echte Welt)
Ein Brief von Luke erreichte Lily am Weihnachtsabend. Die Rothaarige schaffte es, sich von der Unterhaltung ihrer Familie lang genug wegzustehlen um ihn zu lesen.
23. Dezember, 1975
Liebe Lily,
Meine Eule ist gerade draußen und ich bin mir nicht sicher, wann ich das hier wegschicken kann, also: Frohe Weihnachten! Seit wir das letzte Mal gesprochen haben, hat es mehrere Entwicklungen in Bezug auf meine Familie gegeben; das meiste der Sache ist nicht in die Zeitungen gekommen und ich weiß, dass du gerne auf dem Stand der Dinge gehalten wirst, also dachte ich mir, dass ich dir davon erzähle.
Zuerst, Lathe ist weg. Das ist gerade heute Morgen passiert. Er ist immer ins Geschäft rein und rausgelaufen und eine Reihe von Ministeriumszauberer haben die Lagerfächer auf der Suche nach Beweisen für dunkle Magie freigelegt, aber - wie sie zuletzt berichteten - konnten sie nichts Konkretes finden. Ohne weitere Informationen für meine Familie (das Geschäft ist geschlossen, aber wir wohnen in der Wohnung oben) haben sich
die Auroren und die Spezialisten zurückgezogen. Sie haben alle Räume gründlich gesäubert, haben ein paar Proben von den Dingen mitgenommen, die meine Eltern dort lagern und sind jetzt einfach abgehauen. Ich bin heute Nachmittag zum Schloss hochgegangen und habe von Filch herausgefunden, dass Lathe auch sein Büro ausgeräumt hat. Ich bin mir nicht sicher, was das alles bedeutet. Die Auroren für die Sicherheit der Schule sind auch weg, obwohl ein paar Zauberer von niedrigerem Rang geblieben sind. Jedenfalls muss ich jetzt Schluss machen. Meine Mum versucht gerade panisch das Haus vorzubereiten, weil mein Bruder Logan geschrieben hat, dass er vielleicht an Heiligabend vorbeischaut. Ich schreibe wieder, wenn es irgendetwas Neues gibt und ich hoffe, du hast schöne Ferien.
Mit Liebe,
Luke Harper
„Was hast du da?" fragte eine Stimme und Lily sah von dem Brief auf, den sie gerade gelesen hatte. Petunia kam in die Küche, ein Teetablett mit benutzten Tellern in ihren Händen und ein Ausdruck von Neugier und Misstrauen auf ihrem bleichen, schmalen Gesicht.
„Einen Brief," sagte Lily vage; sie faltete ihn und steckte das Pergament in die Tasche ihres Kordrocks. „Von meinem Freund. Luke." Petunia nickte. Sie stellte den Kessel auf den Herd. „Also..." begann die jüngere Schwester verlegen, „Vernon ist da drin mit Mum und den Verwandten? Wie, denkst du, macht er sich?"
Lily war natürlich nur Minuten zuvor im Raum gewesen und wusste die Antwort sehr gut: ihre Mutter hatte Vernon vor langer Zeit akzeptiert, wenn sie ihn auch nicht direkt mochte und die entfernte Verwandtschaft (Mrs. Evans, Tante Sara, Onkel Eugene und Cousin Will) schienen alle Petunias erwählten Verlobten gutzuheißen. Trotzdem war Lily an Petunias Meinung interessiert.
„Sehr gut," sagte die ältere Schwester. „Vernon wird überall mit offenen Armen aufgenommen, wo auch immer er hingeht." Lily dachte, dass sie diese Beschreibung verstand: so war es auch mit Luke und doch hatten Luke und Vernon für Lily wenig gemeinsam.
Petunia wartete darauf, dass das Wasser kochte. „Du magst ihn nicht, oder?" fragte sie plötzlich.
Lily blinzelte. „Was? Wen? Vernon?"
„Ja, natürlich."
„Was meinst du? Ich - warum denkst du das?"
„Aber es stimmt, oder?"
„Nein." Lily hoffte, dass es nicht offensichtlich war, dass sie log und drehte sich deshalb um und bewegte sich zum Kühlschrank, als ob sie etwas zum Trinken suchte. „Ihr zwei scheint sehr glücklich zusammen." Das kam der Wahrheit wenigstens nahe. Petunia schien vor Freude über den Ring an ihrer linken Hand ganz aus dem Häuschen zu sein.
„Aber du magst ihn nicht." Petunia war überraschend gefühllos darüber. Lily verneinte es wieder, während ihre Schwester den Tee vorbereitete. „Er mag dich auch nicht." Tja, das war offensichtlich. „Und das könnte meine Schuld sein."
„Hast du..." begann Lily unbeholfen. „Ich meine... hast du ihm erzählt... wie ich bin?"
„Ich wüsste nicht, warum."
„Tja." Lily goss Champagner aus der Flasche, die sie beim Abendessen begonnen hatten, in ein Glas. „Wir werden irgendwie verwandt sein. Er könnte neugierig sein, warum ich... du weißt schon... kein Auto besitze."
Petunia blieb für eine Weile ruhig. „Lily," begann sie schließlich, „ich habe lange darüber nachgedacht. Du bist fast siebzehn... du bist kein kleines Mädchen mehr."
„Du bist nur drei Jahre älter als ich, Tuney", erinnerte Lily ihre Schwester. Petunia wischte diesen Kommentar zur Seite, als ob sie ihn nicht gehört hätte.
„Wann wirst du all diesen Unsinn aufgeben?"
Lily runzelte die Stirn. „Es ist nicht Unsinn, dass ich ,Der Große Gatsby' jeden Juli lese, Tuney. Und ich hoffe sicherlich nicht, dass du darauf anspielst, dass ich jederzeit Oskar Wilde Shaw vorziehen würde."
Wütend blitzend ließ Petunia für einen Moment den Tee stehen und verschränkte ihre Arme. „Du weißt, dass ich nicht darüber rede, Lily. Ich rede über... über diese Schule und diesen... diesen Quatsch, den du tust."
„Zauberei?" stellte Lily sicher. Petunia brachte sie zum Schweigen.
„Ja."
„Wie meinst du das, ,aufgeben'? Ich hab dir gesagt... es ist keine Erkältung. Es geht nicht weg, wenn man Hühnersuppe und Vitamine zu sich nimmt."
„Ich meine," beharrte das ältere Mädchen (der Kessel begann zu pfeifen), „wann suchst du dir einen richtigen Beruf? Lebst in der echten Welt? Gehst zur Uni?" Sie goss das Wasser in die Porzellankanne.
„Ich könnte nicht zur Uni gehen, Tuney," sagte Lily. „Ich bin nicht zu einer anerkannten weiterführenden Schule gegangen... und das ist die echte Welt. Es gibt tausend Jobs, die ich machen könnte... Möglichkeiten, Orte, an denen ich leben kann... Zauberei ist nicht nur Hogwarts... es ist..." Lily suchte nach den richtigen Worten: „Es ist eine ganze Welt. Es hört nicht auf, wenn ich mein Zeugnis bekomme, genau wie die Welt, in der du aufgewachsen bist, auch nicht aufhört, wenn du mit der Uni fertig bist." Falls du mit der Uni fertig wirst, fügte Lily in ihrem Kopf hinzu, da sie die heimliche Vermutung hatte, dass für ihre Schwester nach der Heirat die Ausbildung enden würde.
„Und du würdest lieber in dieser Welt von dir leben als mit deiner Familie?" fragte Petunia mit kalter Stimme.
„Ich wäre immer noch in England, Tuney - wenn überhaupt, könnte ich euch öfter sehen. Weißt du, Hexen und Zauberer... sie können in Sekunden durch das ganze Land springen."
Für den kürzesten Moment funkelte etwas wie Interesse in Petunias Stahlaugen. Sie sah aus, wie das viel jüngere Mädchen, das Lilys beste Freundin gewesen war... vor Hogwarts, vor Severus, bevor das alles passiert war. Der Blick verschwand jedoch so schnell, wie er gekommen war. „Quatsch," sagte sie und stellte die Teekanne wieder auf das Tablett.
„Das ist kein Quatsch."
„Doch!" entgegnete Petunia, viel lauter, als beabsichtigt. Beide Mädchen verstummten in der Hoffnung, dass keiner im anderen Raum sie gehört hatte. Das Lachen, Geplauder und die Geräusche der Ella-Fitzgerald-Platte ihrer Mutter gingen jedoch ungestört weiter und
Petunia ordnete sich, glättete ihren limettengrünen Rock und ihr blondes Haar. „Doch," sagte sie ruhig. „Also, wirst du es aufgeben oder nicht?"
„Nein," sagte Lily erstaunt.
Petunia sah sie böse an. „Was ist mit dir passiert, Lily? Du warst meine beste Freundin. Wir haben alles zusammen gemacht."
„Das hätte sich nicht ändern müssen, Tuney."
„Natürlich musste es das. Du hast es geändert."
„Oh, tatsächlich?" fuhr Lily sie sarkastisch an. „Also war ich diejenige, die dich ein ,Freak' genannt hat? Diejenige, die alles verspottet hat, was du getan hast und an das du geglaubt hast? Diejenige, die sich über deine Freunde lustig gemacht hat? Und jedes Mal, wenn du etwas erreicht hattest, schätze ich, war ich diejenige, die es trivialisiert hat und dich darüber schlecht fühlen gelassen hat?"
Petunia nahm das Teetablett. „Du warst diejenige, die gegangen ist, Lily," sagte sie kalt.
Sie ging zur Tür und hielt dort an, bevor sie wieder ins Wohnzimmer ging. „Bring deine Haare in Ordnung, bevor du wieder da reingehst... Mum will, dass du Brautjungfer wirst und Vernon wird nicht irgendeinen abgerissenen kleinen Freak bei der Hochzeit haben wollen." Die ältere Schwester wollte gerade die Schwingtür öffnen, aber die Jüngere ließ sich nicht besiegen.
„Ich bin so froh, dass ich nicht diejenige bin, die Angst hat, ihrem Verlobten zu sagen, dass ihre Schwester eine Hexe ist", sagte Lily leichthin und sie verließ das Zimmer durch die andere Tür.
(Werde ich nicht, wirst du wohl)
„Es tut mir leid, dass ich dich vorhin angefahren habe," sagte Kingsley Shacklebolt, der im Wohnzimmer gegenüber seiner Schwester Platz nahm. Bridget, Isaiah und Brice waren ins Bett gebracht worden und Donna saß beim Feuer und durchsah die Bewerbungsbriefe für die Stelle der neuen Haushälterin.
„Entschuldige dich nicht," sagte die Hexe seufzend. „Es war meine Schuld. Du hattest Recht. Ich habe mich wie ein Idiot verhalten."
Kingsley war einige Zeit still. „Wenn du nicht willst, dann höre ich auf, Nachtschichten zu übernehmen, ja?"
„Ich weiß nicht," Donna legte die Briefe ab. „Wenn ich jemand Gutes finde, der nach den drei schaut, sollte es in Ordnung sein. Bloß... du weißt schon... achte darauf, dass du hier bist, wenn Brice aufwacht."
„Ich weiß, Don," Nach einer kurzen Still fuhr er fort: „Also, was machst du eigentlich mit denen? Ich dachte, du hättest alle Bewerbungen schon mal gelesen."
„Ich habe sie gelesen. Jetzt ordne ich sie. Dieser Stapel ist für Kandidaten mit Heilerausbildung, aber ohne direkte Verteidigungskompetenzen, hier sind die mit Können in Verteidigung, aber ohne Heilererfahrung. Die zwei haben beides, aber die hier ist Antoinette Rosier und ich mag keine Rosiers."
„Wie fortschrittlich von dir."
„Ich habe nie gesagt, dass es fair ist."
„Vielleicht solltest du eine Pause machen," schlug Kingsley vor. „Du bist seit sechs Tagen hier und alles, was du getan hast, ist Hausarbeit, Vorstellungsgespräche, Bewerbungen lesen und die Zeitungen nach Anzeigen durchsuchen."
„Wenn es dich irgendwie beruhigt," antwortete die andere, „ich habe nicht vor, weiterhin Hausarbeit zu machen. Mein Hausfrauendasein endet heute Abend - Bridget übernimmt morgen. Ich hasse Hausarbeit-Zauber."
„Du musst eine Pause machen."
„Kann ich nicht. Ich muss eine Haushälterin finden."
„Und du musst so gut in der Schule sein, dass du ein Job bekommst, der gut bezahlt ist... also musst du eine Pause machen."
„Ich mache keine Pausen. Es ist nicht mein Stil. Es ist ein Zeichen der Schwäche."
„Es ist ein Zeichen der Menschlichkeit."
„Beleidige mich nicht."
Kingsley sah sie durch seine ernsten, schwarzen Augen an. Als ein Zauberer mit einer stattlichen Figur und einer erschreckend ruhigen Stimme war er sehr einschüchternd; Donna war jedoch mit ihm aufgewachsen und war kaum beeindruckt. „Donna."
Kaum.
„Na gut, ich mach eine Pause. Morgen. Ich schlafe bis elf und lasse Isaiah mir Frühstück ans Bett bringen. Hört sich das gut an?"
„Warum gehst du nicht zu einer Party?"
Donna hob ihre Augenbrauen. „Zu einer Party gehen?" wiederholte sie. „Zu welcher Party sollte ich gehen? Ich bin zu keiner eingeladen worden."
„Die Plex Brüder haben dich zu einer Party eingeladen..." sagte Kingsley. „Ich habe den Brief gesehen."
„Du hast meine Post gelesen?" fuhr ihn seine Schwester an.
„Du hast sie aufgelassen!"
„Im Mülleimer!"
„Ich bin Auror, Donna. Ich bemerke Dinge. Du solltest das wissen."
„Warum warst du in meinem Zimmer?"
„Warum lügst du mich wegen einer Partyeinladung an?"
Donna blickte ihn böse an. „Ich habe kein Interesse daran, an der betrunkenen, armseligen Version einer Party der Plex Brüder teilzunehmen, wo sich ein paar idiotische Jugendliche ansabbern und versuchen zu einer rhythmisch simplen, so genannten Musik zu tanzen."
Kingsleys Ausdruck war ziemlich ernst, als er auf seine Füße kam. „Es muss anstrengend sein, so überheblich zu sein, Donna." Er begann den Raum zu verlassen. „Du gehst zu dieser Party."
„Minderjährige werden Alkohol trinken!"
„Ich vertraue dir."
„Jungs werden versuchen, mich auszunutzen!"
„Das wirst du nicht zulassen."
„Du bist ein schrecklicher Bruder!"
„Du gehst zu dieser Party!" Und damit schlüpfte Kingsley durch die Tür und aus dem Raum.
„Werde ich nicht!" protestierte Donna hinter ihm her. Sie grinste, als keine Antwort kam, froh, das letzte Wort gehabt zu haben.
„Wirst du wohl!"
Blödmann.
Stirnrunzelnd nahm die Hexe den Stapel Briefe wieder in die Hand und begann ihn durchzublättern. Ha - diese Hexe war in Verteidigung und Heilen ausgebildet und hatte Erfahrung mit Drachen. Das sollte für Isaiahs Temperament perfekt sein...
Aber was soll ich anziehen?
(Zwei Geschenke)
„Du hast deine Geschenke noch nicht geöffnet?" wollte Shelley Mumps von Marlene Price wissen, die am Weihnachtsabend den Stapel Geschenke am Ende von Marlenes Bett bemerkte.
Marlene war gerade vom Fest zurückgekommen, während Shelley zwanzig Minuten zuvor zum Schlafsaal zurückgekehrt war und sich fürs Bett fertig machte.
„Ich schätze nicht," antwortete die Blonde, während sie sich aus ihren weißen Lederstiefeln schälte. „Alles war heute so verrückt - ich habe ausgeschlafen und es nach dem Frühstück komplett vergessen."
Shelley begann ihr schulterlanges Haar zu flechten „Wie kann man denn Geschenke vergessen?"
„Da hast du Recht," gab Marlene zu. Sie setzte sich auf ihr Bett, zog Schal, Mantel, Mütze und Handschuhe aus und nahm das erste Paket in die Hand. „Was ist mit dir? Gute Ausbeute dieses Jahr?"
„Ziemlich gut. Ich habe acht Geschwister und jeder in meiner Familie schenkt jedem etwas, also habe ich da Glück. Mein Bruder hat jede Menge belgische Schokolade geschickt, falls du interessiert bist."
Marlene packte eine Flasche (teures) Parfüm von ihrer Mutter aus. „Sag nicht mal das Wort ,Schokolade', Shelley. Ich esse nie wieder." Sie tätschelte ihren Bauch zur Untermalung. „Ernsthaft - wenn du mich siehst, wie ich mich morgen dem Nachtisch auch nur nähere, hast du die Erlaubnis, mich zu verhexen."
„Ich werde dich nicht verhexen," sagte Shelley.
„Ich weiß." Marlene runzelte die Stirn, als sie die Kordel von Lilys Geschenk löste. „Zu schade, dass Donna nicht da ist... sie würde mich verhexen, wenn ich sie fragen würde. Himmel, sie würde mich wahrscheinlich selbst verhexen, wenn ich sie nicht fragen würde. Oh, Lily ist so süß... sie wusste, dass ich diese Bluse mag..." Shelley lächelte, als Marlene die Geschenke ihrer Freunde öffnete. Schließlich kam sie zu dem letzten, von ihrem Freund Miles.
„Das ist süß von ihm," merkte Marlene an und betrachtete die hübsch verpackte, herzförmige Pralinenschachtel Sie blickte über das Ende ihres Betts um absolut sicher zu sein, dass dort keine anderen Geschenke waren, stand dann auf und begann ihre Nachtsachen einzusammeln.
Shelley runzelte die Stirn. „Keine anderen Geschenke?"
„Nein. Nicht, soweit ich sehe."
Beide Mädchen waren still; Marlene versuchte sehr hart, sich nicht zu fragen, warum Adam ihr kein Geschenk gegeben hatte. Sie waren immerhin bloß Freunde und Kerle machten sich aus solchen Sachen nicht so viel, wie Mädchen. Als sie Adam ihr Geschenk für ihn gegeben hatte (ein T-Shirt von der Band Dark Dragons), hatte sie jedenfalls nicht darüber nachgedacht, etwas zurückzubekommen. Sie mochte einfach nur das Schenken, das war alles. Es gab keinen Grund, enttäuscht zu sein. Jungs bleiben Jungs...
Shelley hatte sich mit der neusten Teen Witch auf dem Bett ausgestreckt, als Marlene, bereit fürs Bett, in den Schlafsaal zurückkehrte. „Macht es dir etwas aus, wenn ich noch ein bisschen Musik höre, bevor ich schlafe, Shell?"
„Nein, überhaupt nicht."
Die Blondine ging zum verzauberten Plattenspieler und begann auf der Suche nach etwas, was sie jetzt hören wollte, schnell durch eine Kiste von LPs zu blättern - eine Mischung von den jeweiligen Plattensammlungen der sechs Mädchen. Nichts weckte ihr Interesse; sie sah im Plattenspieler nach, was dort noch auflag. Es war keine ihrer Platten.
„Hast du heute etwas gehört, Shelley?" wollte Marlene wissen. Shelley verneinte. „Das ist komisch... ich dachte, ich hätte das Cockatrice Album hier heute Morgen aufliegen las..."
Sie brach ab und nahm die unbekannte Platte vom Spieler. „Hey, das ist das neue Album von Hate Potion... es ist erst gestern herausgekommen, wie... Shell, ist das deine?"
„Hate Potion? Ich höre die nicht."
„Nein, die meisten Mädchen machen das nicht..." Marlene verstummte, als ihr die Plattenhülle - die gegen die Wand hinter dem Tisch gelehnt war - ins Auge fiel. Zusätzlich zu der vage psychedelischen Albumkunst war ein Fetzen Pergament auf der Vorderseite befestigt.
„Frohe Weihnachten, von Adam"
Strahlend legte Marlene das Album wieder auf den Spieler.
(Was Geblieben ist)
Sie liebte ihn.
Es war so schrecklich offensichtlich, dass sich James am Morgen des Sechsundzwanzigsten nicht auf das Kreuzworträtsel konzentrieren konnte. Sein Fuß
klopfte wie wild gegen den Holzboden des Frühstücksraums, als er vergeblich versuchte, sich an den Namen der norwegischen Drachenart zu erinnern. Seine Konzentration war dahin.
Sie liebte ihn. Alles war vergeben, seinem Vater wurde erlaubt, wieder in ihre Leben zurückzukommen, als wenn nichts passiert wäre und er - James - wurde gebeten, alles zu vergeben-und-vergessen, nur wegen der äußerst ärgerlichen, komplett untragbaren und entsetzlich unwiderlegbaren Tatsache, dass seine Mutter seinen Vater immer noch liebte.
Nach allem, was er sie durchmachen lassen hatte, was er sie beide durchmachen lassen hatte, liebte Grace Potter ihren Ehemann immer noch.
Verdammt.
James kritzelte ,STACHELRUECKEN' in die passenden Vierecke und klopfte weiter mit seinem Fuß. Es war erst ein paar Minuten nach sieben: seine Eltern waren lange mit den Gästen auf gewesen und James erwartete nicht, dass sie früher als neun Uhr aufstanden.
Er war deshalb überrascht, als Mr. Potter den Frühstücksraum ein paar Minuten vor halb acht betrat. Mr. Potter erschien nicht weniger überrascht.
„Du bist früh auf," bemerkte er. James schluckte ein bissiges: „Deja-Vu" herunter und sagte nichts; er wusste nicht, was er sagen sollte. Mr. Potter nickte, stellte eine Tasse Tee auf den Tisch und nahm Platz. „Das sollte ich erwarten," murmelte er.
James Fuß tappte weiter.
Sie liebte ihn. Wie um alles in der Welt konnte sie ihn immer noch lieben? Oder spielte das überhaupt eine Rolle?
Tapp, tapp, tapp, tapp, tapp, tapp, tapp...
„Ist irgendwas, James?" fragte Mr. Potter, mit ziemlich gut gespielter Geduld.
James sah vom Kreuzworträtsel auf und hörte auf, mit seinem Fuß zu klopfen. „Nein. Ich wollte nur... ich meine... ich..." er sah auf seine Zeitung herunter. „Weißt du, was eine Drachenart aus Norwegen sein könnte? Vierzehn Buchstaben?"
„Oh..." (Überrascht.) „Stachelrücken, oder?"
James nickte. Er machte so, als würde er das Wort schreiben, obwohl es schon in den Kasten stand. „Ja, ich denke, das stimmt." Er sah seinem Vater in die Augen. „Danke."
„Bitte."
Beide Potter kehrten zu ihren jeweiligen Ausgaben des Tagespropheten zurück. James seufzte, aber er fühlte sich nicht schrecklich. Familienangelegenheiten: die konnten lange dauern. Aber was sagten die Leute immer über kleine Schritte?
