AN: So, das ist das letzte Kapitel, das ich auf Vorrat habe. Viel Spaß mit einem sehr Snape-lastigen Kapitel!

Danke wie immer an meine wundervolle Beta Anne und meine Schwester fürs Korrekturlesen!

Disclaimer: Harry Potter und seine Charaktere gehören JKR. Diese Geschichte gehört Jewels5. Dies ist eine genehmigte Übersetzung.


Kapitel 15 - „Was Snape tat"

Oder

Ein Tag im Leben"

(2. November 1975)

Lucius Malfoys kalte, klare Augen blickten über die vier Jugendlichen auf der anderen Seite des privaten Tisches im Drei Besen. Er lehnte sich auf seinem Stuhl zurück, während drei der anderen sich angespannt nach vorne lehnten. Der Vierte spiegelte Lucius' Haltung, während seine dunklen Haare mit einer gewissen Art der Apathie vor seinen dunklen Augen hingen. Insgeheim war Lucius beeindruckt.

„Was ich will, dass ihr versteht," sagte der ältere Zauberer nach einer langen Stille, „ist, dass von euch erwartet wird, dass ihr euch beweist."

„Natürlich," sagte Mulciber eifrig. Nicolai Mulciber so aufrichtig zu sehen, amüsierte Severus Snape sehr, da Mulciber normalerweise so ruhig und überlegen tat. Nun saß er da wie ein ängstliches Kind, beinahe um Lucius Malfoy Zustimmung bettelnd und das brachte ein leichtes Lächeln auf Snapes dünne Lippen.

„Der Meister," fuhr Lucius fort, „ist daran interessiert, eine Gefolgschaft in Hogwarts zu haben. Ich weiß, dass ein paar von euch Verwandtschaft haben, die bewiesen haben… Verständnis für unsere Sichtweise zu haben… Mulciber, Avery…" Beide nickten enthusiastisch, „Kann ich dann annehmen, dass ihr zwei…" hier richtete Lucius seine eisigen Augen auf Hester und Snape, „gleichermaßen unterstützend seid?"

„Absolut," sagte Hester schleimig.

Als Severus still blieb, sprang Mulciber schnell für ihn ein: „Du musst dir bei Snape keine Sorgen machen. Er weiß mehr über die Künste, als sonst irgendjemand auf der Schule."

„Stimmt das?" fragte Lucius interessiert. Snape zuckte die Achseln, aber nicht auf eine bescheidene Art. „Sehr gut." Er stand vom Tisch auf. „Ich werde alles berichten, was ich heute hier gehört habe und…werde in Kontakt bleiben."

Als Malfoy gegangen war, drehte sich Mulciber sofort zu Avery um. „Wir sind drin," verkündete er ausgelassen. „Hast du das gehört? Wir sind drin."

„Er war ziemlich vage," bemerkte Snape. „Er wird ‚in Kontakt bleiben'? Also wirklich."

„Du hättest etwas enthusiastischer sein können, Snape," murmelte Hester. „Ich bin überrascht, dass er dich nicht von Beginn an rausgeworfen hat."

Snape verdrehte seine Augen. „Enthusiastischer? Und wie ihr drei wie ein verzweifeltes Hündchen erscheinen?"

„Beruhige dich, Severus," sagte Mulciber nun in einer typischen beherrschten Art. „Wir sollten zum Schloss zurückkehren."

Das taten sie auch, aber während Mulciber, Avery und Hester durch das Dorf gingen, dabei aufgeregt über die Möglichkeiten murmelten, blieb Snape still. Die anderen drei verstanden es vielleicht nicht, aber er war nicht aus fehlendem Enthusiasmus still. Tatsächlich hatte Lucius Malfoy in der letzten Stunde mehr Türen geöffnet, als Severus Snape es je erwartet hätte.

(13. November 1977)

Für fast alle Anwesenden schien sich an diesem Morgen der Zaubertränkeunterricht unnötig lange zu strecken. Der Amortentia schien eine Ewigkeit zu brauchen um gebraut zu werden und er war so komplex, dass die Mehrheit von ihnen keine klare Ahnung davon hatten, was sie da überhaupt taten. Severus Snape hatte dieses Problem nicht.

Er saß neben Lily, die ähnlich geschickt darin war, diesen Trank fertigzustellen… es schien, als störten sie die dreizehn Schritte, die zur Vorbereitung einer einzigen Zutat nötig waren nicht. Tatsächlich bemerkte Severus, wie ihre Augen ein wenig heller leuchteten, wie sie über eine der Anweisungen in ihrer Ausgabe von „Fortgeschrittenes Zaubertrankbrauen" lächelte und dann fortfuhr, sie zu ignorieren, wie sie konzentriert auf ihrer Unterlippe kaute… Sie genoss dies. Lily genoss Zaubertränke immer und - vielleicht als Resultat - tat dies auch Severus.

„In Ordnung," seufzte die rothaarige Gryffindor ungefähr nach der Hälfte der Stunde. Sie zündete das Feuer unter ihrem Kessel an und setzte sich auf ihrem Stuhl zurück. „Das muss in," sie schaute auf die Uhr, „zehn Minuten umgerührt werden. Lass mich das nicht vergessen, Sev."

„'Türlich" antwortete er leise. Sein eigener Trank näherte sich der selben Phase und er arbeitete schnell um aufzuholen. „Hast du die Verwandlungshausaufgaben schon fertig?" fragte er, sobald sein Trank ebenfalls über dem Feuer köchelte.

„Fast," antwortete Lily, die auf die Tafel starrte. „Ich habe den praktischen Teil noch nicht geschafft… Verwandlung war noch nie meine Stärke."

„Quatsch," sagte Snape. „Du bist besser als die meisten in der Klasse." Lily lächelte dankbar, zuckte aber mit den Achseln. „Jedenfalls ist Verwandlung sowieso nicht so wichtig."

Dieses Mal lachte Lily richtig. „Wie kommst du darauf?"

Potter ist gut darin, es kann wohl kaum so schwer sein, oder?" murmelte der Slytherin. Er starrte durch den Raum nach da, wo die Rumtreiber saßen - Remus teilte seine Aufmerksamkeit zwischen seinem Trank und seinen Freunden auf, während Peter sich nur letzterem widmete und James und Sirius schienen sich mit einer Art Schwertkampf mit Zauberstäben zu beschäftigen, während ihre Zaubertränke über dem Feuer köchelten. „Idioten… wenn Funken in den Kessel fallen, wird der Trank ruiniert sein."

Lily verfolgte Severus Blick. „Ich würde mir keine Sorgen machen," bemerkte sie beiläufig. „Sie kommen schon klar im Unterricht."

„Sie sind bestenfalls Durchschnitt in Zaubertränke," bemerkte Severus schnell. „Lupin ist grottenschlecht, weißt du." Lily war still und Severus erkannte diese Art von Stille. Sie wollte nicht mit ihm streiten und biss sich folglich angestrengt auf die Zunge. Etwas in ihm - etwas Masochistisches, ohne Zweifel - spornte ihn an. „Oh, ich vergaß, Lupin ist ein Freund von dir."

„Sev…"

„Ich versteh nicht, wie du ihn ertragen kannst. Er hat etwas seltsames an sich…"

Lily schnipste dickköpfig ihr Haar weg. „An mir ist auch etwas Seltsames. Warum muss Seltsam negativ sein? Jetzt reg dich ab, in Ordnung?"

Reg dich ab," war Lilys Lieblingsmethode um das Thema zu wechseln und manchmal spielte Severus mit, manchmal nicht. An diesem Tag tat er es und der Rest der Stunde verging mit nur oberflächlicher Unterhaltung zwischen den zwei… gar nicht so wie der Zaubertränkeunterricht in den vergangenen Jahren, wo sie zusammensaßen, nur sie zwei, und über so viele verschiedene Sachen sprachen… große, wichtige Dinge, die Severus nie mit jemandem anderen besprechen konnte. Aber nicht heute.

„Nicht schlecht, Potter," konnte man Slughorn den jungen Quidditchkapitän loben hören, als er durch den Raum wanderte und die fast fertigen Tränke inspizierte. „Ich wage es zu sagen, dass Sie an ihren Zaubertränkekünsten gearbeitet haben…"

„Oh, nein," sagte James ziemlich ernst. „Ich habe bloß viel Übung mit Amortentia." Slughorn sah besorgt aus, bis sein Gesicht weicher wurde, als er den Scherz erkannte.

„Natürlich," gluckste der Zaubertränkemeister. „Natürlich, Sie machen Witze."

„Tut er nicht," witzelte Sirius. „Wo denken Sie, dass er seine Freundinnen her hat?"

James boxte ihm in den Arm und die zwei begannen zu zanken. Severus verdrehte seine Augen, obwohl der Rest der Klasse amüsiert schien.

„Nun dann, Potter," fuhr Slughorn wohlwollend fort, nachdem sich der Dialog der zwei Rumtreiber gelegt hatte. „Nach was riecht es denn für Sie?"

James grinste. „Professor Slughorn, Sie würden mich doch nicht bitten, etwas so Persönliches wie das zu teilen, oder?"

Slughorn gluckste wieder und Severus verdrehte wieder die Augen. „Was für ein Angeber," murmelte er und blickte zu Lily um ihre Reaktion zu beurteilen.

„Oh, auf jeden Fall", stimmte sie zu, aber eine leichte Rundung ihrer Lippen verriet ihre Belustigung. Severus starrte in die perlende Flüssigkeit seines eigenen Kessels und fragte sich vage, ob Lily irgendwie neugierig darauf war, was er in seinem Aroma erkannte.

(5. September 1975)

„Snape, auf ein Wort," rief Lucius und der jüngere Zauberer drehte sich vor dem Verlassen des kleinen stillen Raumes im Eberkopf um. Avery, Mulciber und Hester tauschten neugierige Blicke, als sie ebenfalls anhielten, aber Lucius nickte ihnen in Aufforderung zu gehen zu und sie gehorchten - wenn auch irgendwie verärgert. „Das war eine beeindruckende Vorführung," fuhr Malfoy fort, als sie alleine waren. „Es scheint, als hättest du deine Hausaufgaben gemacht."

„Diese Sprüche funktionieren auch," sagte Snape schnell. „Es gibt viel mehr in den Dunklen Künsten, als die Bücher sagen. Wenn ich Zugang zu den Ressourcen hätte…"

„Den wirst du wahrscheinlich haben, Snape," unterbrach Malfoy. „Der dunkle Lord wird sehr interessiert an dem sein, was ich über dich zu berichten habe… Mulciber, Hester… sie sind gescheit genug, aber… tja, lass uns einfach sagen, dass du in den letzen Treffen das größte Potential gezeigt hast."

Severus glühte vor Stolz. „Danke," antwortete er, vorsichtig, nicht zu begeistert von dem Kompliment zu wirken.

„Da ist eine Sache, die mir bei dir Sorgen macht," fuhr Malfoy fort. „Ich erinnere mich an dich, als ich noch in der Schule war… du warst seltsam… hast dich mit vielen anderen Schülern aus deinem Haus nicht vertragen…"

„Du hast Hester getroffen," sagte Snape trocken. „Bist du überrascht?"

Lucius grinste. „Nein. Nein, das ist es nicht. Was mich besorgt, Snape, ist diese Freundin von dir… Miss… Evans?"

Snape unterdrückte seine Panik, die bedrohlich versuchte, sich auf seinem Gesicht abzuzeichnen. „Mulciber hat das erklärt."

„Ja," sagte Lucius geschäftsmäßig. „Ich will mir einfach sicher sein, dass dein Interesse, dem Schlammblut beizuschlafen nicht… deine Hingabe zu deiner Zukunft mit dem Dunklen Lord beeinflussen wird."

„Natürlich nicht." sagte Severus schnell. „Natürlich nicht."

In den frühen Stunden des folgenden Morgens lag Severus wach in seinem Bett mit einem Gemisch von widersprüchlichen Emotionen. Er war stolz: ihm wurde die Gelegenheit gegeben sich zu beweisen, etwas, was nie wirklich in Hogwarts geschehen war - nicht, wenn solche wie James Potter, dem die ganze Schule zu Füßen lag, rumrannten. Es war perfekt… endlich würde er es allen zeigen…

Und trotzdem, die Gedanken, die er über Lily in dieser Nacht einräumen musste… es schüttelte ihn, wenn er darüber nachdachte.

Solche Gedanken hielten ihn für eine Weile wach, bis, als das erste Licht hineinfiel, Severus in den Schlaf sank, mit einem beruhigenden Gedanken: Wenn er mächtig war, würde er es ihnen allen zeigen… Lily würde ihn dann anders sehen… Lily würde sehen, dass Snape der wirklich Wichtige wäre. Der Slytherin konnte schon dieses schöne, stolze kleine Lächeln auf ihren rosa Lippen sehen…

Und, wenn er sich krümmte, um sein Leben bettelnd, würde James Potter nicht so großartig erscheinen…

(12. Dezember 1975)

Saul Hesters Knopfaugen verengten sich und - Snape kam es in den Sinn - die sowieso schon große Ähnlichkeit des Jungen mit einer Ratte steigerte sich nur noch.

„Wo warst du heute, Snape?" wollte der Sechstklässler wissen, als er ganz in den Schlafsaal der Sechstklässler getreten war und die Tür hinter sich geschlossen hatte. „Und sag nicht, du wärst krank hier oben gewesen… du hast keine Grippe und du warst nicht hier, als ich zur Mittagessenszeit hier hochgekommen bin."

„Warum würdest du denken, dass ich krank war, Hester?" schlug Severus zurück, während er das Geheimnis genoss, was seinen Hauskameraden so frustrierte.

„Heiler Holloway sagte, dass du nach Medizin für Grippe gefragt hättest und hierher gegangen wärst um zu schlafen," sagte Hester. „Aber das stimmt nicht, oder?"

„Tja," antwortete Snape, der den Tagespropheten auseinander faltete und sich faul auf seinem Bett zurücklehnte, „es ist nicht so, als ob ich Heiler Holloway erzählen konnte, dass ich vorhatte, den Unterricht zu schwänzen, weil Lucius Malfoy mich in Hogsmeade treffen wollte."

Das einzige, das besser war, als ein Geheimnis vor Hester zu haben, war - wie Snape freudig erkannte - dieses zu erzählen. Das Gesicht des anderen Jungen verzerrte sich vor schlecht versteckter Verärgerung und Unglauben. „Warum hast du uns anderen nichts gesagt?" wollte er wissen.

„Mulciber weiß es." sagte Severus leichthin. „Ich nehme an, er hat es Avery gesagt. Aber ich war der einzige, der ins Dorf gegangen ist… Malfoy wollte sich nur mit mir treffen."

„Quatsch," fuhr Hester ihn an. „Ich glaub das nicht. Warum würde Malfoy sich mit einem Halbblut wie d…?"

Bevor er jedoch den Gedankengang beenden konnte, gab es einen Knall und Hester hing auf eine Bewegung von Snapes Zauberstab hin falsch herum in der Luft. „Es muss beschämend sein, so leicht von einem Halbblut wie mir geschlagen zu werden," sagte er kalt. Mit einem Schwung seines Zauberstabes purzelte Hester zu Boden. „Malfoy wollte ein paar Dinge über den Zustand von Hogwarts mit mir besprechen. Ich weiß nicht, warum er mich aus uns vier ausgewählt hat, aber das hat er…" Severus hielt inne und fügte dann hinzu: „Obwohl ich sehen kann, warum er nicht dich ausgesucht hat."

Snape, der während des Angriffs aufgestanden war, kehrte nun zu seinem Platz auf dem Bett zurück. Was er Hester gesagt hatte, war zumindest teilweise wahr, wenn auch unvollständig in den Details. Malfoy wollte von Lathes Untersuchung wissen und wie viel - wenn überhaupt - er entdeckt hatte. Anscheinend waren Lathes Berichte an das Ministerium oberflächlich und unregelmäßig geworden.

Hester kam zu seinen Füßen. „Das war's?" murmelte er. „Er hat nicht den Test besprochen… den Test, den er das letzte Mal erwähnt hatte? Der Test für uns?"

„Sei nicht blöd, Hester."

Der andere Zauberer richtete sich auf und starrte durch den Schlafsaal hinweg Severus an. „Pass bloß auf, Snape," murmelte er und stahl sich aus dem Schlafsaal.

(19. Dezember 1975)

„Morgen werde ich weg sein," beobachtete Lily über einem Bibliotheksbuch, dem sie sehr wenig Aufmerksamkeit schenkte. Snape sah von dem Zaubertränkebuch hoch, das er träge mit Anmerkungen versehen hatte. Die beiden saßen an ihrem üblichen Tisch in der Bibliothek. „Ich werde daheim sein mit Petunia und Autos und dem Fernsehen und Leuten, die die Post bringen."

Severus hob eine Augenbraue. „Du musst nicht gehen."

„Ich weiß," antwortete sie. „Aber ich will. Ich will Mom und Tuney wieder sehen. Und den Briefträger natürlich."

„Während du mich mit so Leuten wie Black und Pettigrew allein lässt," murmelte der Slytherin trocken und Lily konnte ein Lächeln nicht unterdrücken.

„Ich bin mir sicher, du findest etwas Besseres zu tun, als mit ein paar Gryffindors rumzuhängen, Sev. Ein paar von den Leuten aus deinem Haus bleiben doch auch, oder?"

„Niemand aus meinem Jahrgang… außer Hester." Lily nickte, sie verstand den Widerwillen in der Stimme ihres Freundes voll und ganz. „Trotzdem, es ist besser als Spinners End."

„Ich weiß," stimmte die andere zu. „Ich wünsche mir trotzdem halb, du würdest heimkommen… wenigstens hätte ich dann etwas zu tun, nachdem der Reiz der Neuartigkeit, wieder daheim zu sein, sich gelegt hat. Ich werde mich ein wenig erbärmlich finden, wenn ich alleine im Park sitze."

Severus hörte auf, so zu tun, als lese er, während er hinzufügte. „Also dein Harper wird nicht vorbeikommen?"

Lily sah etwas überrascht aus, dass diese Frage überhaupt gestellt wurde. „Nein," antwortete sie, es hastig überspielend. „Nein, das glaube ich nicht. Er wird im Schloss bleiben."

„Wegen dieser Sache mit seiner Familie?"

„Das stimmt."

Severus nickte. „Also seid ihr zwei immer noch…?"

Seufzend nickte auch Lily. „Soweit ich weiß. Jedenfalls: neues Thema." Sie wurde deutlich fröhlicher, als sie ihre Büchertasche aufhob und sie auf den Tisch fallen ließ. „Ich hab ein Weihnachtsgeschenk für dich."

In sorgfältig gefaltetes goldenes und grünes Papier eingepackt war eine brandneue, glänzende Waage. „Das ist eine extra empfindliche," erklärte Lily stolz. „Ich kann mich erinnern, dass du sie dir in einem Katalog angeguckt hast und…" Sie fuhr ihre fröhliche Erklärung fort, während Snape sich fragte, wie viel sie für ein solches Geschenk hatte sparen müssen.

Als sie fertig war, dankte er ihr aufrichtig. „Leider habe ich dieses Jahr nichts für dich…" fügte er traurig hinzu.

„Oh, das ist okay, Sev, ich…" sie stoppte, als sie seinen Gesichtsausdruck erkannte. „Hast du wohl, du Trottel. Rück es raus."

Er grinste und zog ebenfalls ein Paket aus seiner Büchertasche. Der Rotschopf packte eifrig ihr Geschenk aus und band die blaue Schleife um ihr Handgelenk. „Es ist toll," sagte sie, als sie das waldgrüne, handgebundene Ledernotizbuch sah. „Danke, Sev, es ist wirklich t…"

„Da steckt noch mehr dahinter," erklärte Severus. „Ich hab es verzaubert… ich habe ein anderes Notizbuch… du kannst in deines schreiben und es wird in meinem auftauchen."

„Wow, dankeschön, Severus," staunte sie ziemlich beeindruckt, als sie das Notizbuch genauer betrachtete. „Frohe Weihnachten."

„Frohe Weihnachten, Lily."

(1. Januar 1976)

Severus Snape saß am Neujahrsmorgen alleine im Slytherin Gemeinschaftssaal. 1976. Es hörte sich für ihn nicht nach einem besonders wichtigen Jahr an.

„Sev?" war das Wort, das in einer ordentlichen, schrägen Schrift auf die erste Seite seines schwarzen Notizbuch geschrieben war. Es war natürlich von Lily… Severus hatte das Notizbuch vor einer halben Stunde geöffnet um zu sehen, ob sie etwas geschrieben hatte und das hatte sie. Nach dem ersten Wort folgte mehr der lieblichen Schrift.

Sev?

Bitte?

Nein?

In Ordnung. Du bist nicht da. Ich kann das akzeptieren. Wirklich.

Wie ist es jetzt?

Nein?

In Ordnung.

Briefformat, also… obwohl du besser nicht in der Mitte dein Buch öffnest…

Ähem, entschuldige die Formalitäten:

Lieber Sev,

Zuhause ist nicht das selbe ohne dich. Ich hoffe, du hattest ein schönes Weihnachten. Petunia ist hier, in voller Petunia-Art. Sie hat sich einen Verlobten geangelt, wie du weißt und ich wünschte, du könntest ihn treffen. Du würdest viel Spaß mit ihm haben… Bei längerer Überlegung wäre das vielleicht keine so gute Idee.

Es schneit so, so viel, genau wie es sollte. Alle Nachbarskinder sind draußen und spielen darin und ich bin außergewöhnlich eifersüchtig. Ich bin sechzehn Jahre alt und habe keine Ausrede mehr, im Schnee zu spielen: wer sagt, das Alter keine Tragödie ist? Trotzdem, die schlichte Tatsache, dass es wieder Nachbarskinder gibt, lässt alles sich noch viel mehr nach Weihnachten anfühlen. Für eine Weile schien es so, als ob alle Kinder in der Nachbarschaft groß geworden sind, aber endlich ist eine neue Generation aufgetaucht und hat Schneeballschlachten und Lärm und die Erwartung von Kakao mit sich gebracht.

Ich kann nicht viel schreiben - Mum braucht meine Hilfe in der Küche - aber ich habe gehofft, du könntest mir ein paar Details darüber geben, was in der Schule los ist. Ich habe etwas darüber gehört, dass Lathe geht, aber die Einzelheiten waren vage… wenn du etwas weißt, ich sterbe vor Neugier.

Jedenfalls, guten Rutsch ins neue Jahr! Richte der Bibliothek liebe Grüße aus - ich fühle mich plötzlich, als ob ich jedes Buch in diesem Haus gelesen habe und leide unter literarischem Entzug.

Mit Liebe,

Lily

P.S. Erinnerst du dich daran, als wir klein waren und uns Briefe geschrieben haben und die zu dem Briefkasten des anderen getragen haben? Am Schluss habe ich immer geschrieben: „Bitte schreib zurück.", als ob du das nicht schon gewusst hättest! Jedenfalls ist mir das gerade eingefallen…

-L.E."

Das war, was Lily Evans zu sagen hatte - das war, was an Severus Gedanken nagte (Gewissen, eigentlich, aber er würde eher sterben, als das zu zu geben) und das war, was den Slytherin die meist Zeit der Nacht mit Selbstzweifeln wachhielt. Tja, das und die andere Sache.

Snape,

ich habe gerade von Lucius gehört. Er will uns das nächste Mal am 15. Januar treffen. Ich denke, das könnte das sein, worüber er das letzte Mal gesprochen hatte: die besondere Prüfung, die er erwähnt hatte. Teil es Hester mit.

N. Mulciber"

Und hierin lag das Dilemma.

(15. Januar 1976)

„Das ist alles?" fragte Severus überrascht. „Das ist alles, was wir tun müssen?"

„Das," sagte Lucius Malfoy, „ist, was ihr tun müsst, um bei dem Dunklen Lord zu beginnen, ja, Severus. Ich nehme an, das wird keine Schwierigkeit für euch vier sein?"

„Nein, natürlich nicht," antwortete Mulciber und die anderen zwei schüttelten zustimmend ihren Kopf. Snape konnte es kaum glauben… ein Zauberspruch und er würde sich bewiesen haben um sich dem mächtigsten Zauberer der jüngsten Geschichte anzuschließen… ein Zauber und tja, es würde da keine Schwierigkeit geben. Hatte er nicht selbst schon diese Magie ein dutzend Mal benutzt? Natürlich, die Objekte waren nicht gerade menschlich gewesen, aber trotzdem…

„Und du, Mr. Snape?" fragte Lucius. „Bist du bereit, das zu tun?"

Es schien so seltsam für ihn… die Einfachheit… das Fehlen der Erhabenheit in diesem Moment: ein heruntergekommenes, gemietetes Zimmer mit einem Bett und einer Spüle im Eberkopf… vier Slytherins und Lucius Malfoy… er hatte gedacht… er hatte gedacht, der Schritt würde zumindest ein bisschen epischer sein und doch stand Severus Snape hier und stimmte einer überragend einfachen Aufgabe zu. Es erschien ihm so seltsam.

„Absolut," antwortete der Slytherin leicht.

„Mir ist es egal, welchen der Unverzeihlichen Flüche ihr euch wählt," fuhr Lucius fort, geschäftsmäßig nun. „Aber ihr bleibt besser von Avada Kedavra weg…" (Wie nebensächlich er das erklärte… es war die einfachste Sache der Welt). „Wir würden keine Panik in der Schule verursachen wollen. Ihr versteht. Und geht sicher, dass ihr einen Zeugen habt… einen von den anderen drei. Verstanden?"

„Natürlich," sagte Hester gierig.

„Ja," stimmte Mulciber zu und Avery nickte. Malfoy drehte sich wieder zu Snape.

„Natürlich," sagte Severus. „Ich kenne schon mein Opfer."

(16. Januar 1976)

„Verdammter James Potter," murmelte Lily, als sie beinahe gegen Severus auf der Treppe zwischen dem fünften und sechsten Stock rannte. Sie hatte ihn nicht gesehen, da sie intensiv ihre Büchertasche nach etwas durchsucht hatte und bei dem Zusammenstoß wurden die Augen der Gryffindor weit.

„Sev! Agrippa, es tut mir leid. Alles klar bei dir?"

„Mir geht's gut." sagte Severus schnell. „Verdammter James Potter?"

„Ja…" Lily machte eine vage Handbewegung. „Er war mal wieder ein Idiot… ich habe nach einem Buch gesucht und… egal. Was machst du in diesem Teil des Schlosses?"

„Ich muss meine Verwandlungshausaufgaben abgeben," antwortete er und hielt demonstrativ eine Pergamentrolle hoch.

„Stimmt… du hast heute Morgen den Unterricht verpasst. Warum das? Fühlst du dich gut?"

„Verschlafen," entgegnete er und es stimmte. Er hatte wenig Lust gehabt nach nur ein paar Stunden Schlaf aus dem Bett zu klettern. Nach ihrem Treffen mit Lucius Malfoy hatten die vier Slytherins es nicht geschafft, zurück ins Schloss zu schleichen, bis es ganz spät war. „Wohin bist du unterwegs?"

„Bibliothek. Luke."

„Ah." Er machte sich keine Mühe, den Sarkasmus aus seiner Stimme zu verdrängen und Lily bemerkte es. Sie legte ihren Kopf schief und sagte nichts. „Willst du Begleitung?" ergänzte Severus schnell.

„Wenn du nicht in Eile bist, um McGonagall zu treffen…"

Bitte."

Er wechselte die Richtung und ging an Lilys Seite nun die Treppe hinunter. „So," begann Lily gegenwärtig. „hast du schon mein Geburtstagsgeschenk?"

„Wir sind nicht schon zu alt für Geburtstage?"

„Ich hoffe nicht. Ich werde erst siebzehn."

„Vielleicht kaufe ich deiner verdammten Katze eine Leine."

Lily verschränkte ihre Arme. „Ira ist sehr empfindlich, Sev. Ich würde ihn nie an eine Leine nehmen. Er wäre empört." Sie lächelte. „Jedenfalls hat mir Donna schon eine für letzte Weihnachten gegeben."

„Deine Katze ist eine Qual, Lily."

„Ira ist keine Qual. Er weiß einfach, was er will."

„Ich habe eigentlich über Donna gesprochen…"

Lily versuchte missbilligend zu gucken. „Idiot." Sie fuhren in der selben Art fort, bis sie den vierten Stock erreicht hatten. „Hier muss ich weiter," sagte Lily. „Danke, dass du mich begleitet hast."

„Es ist ja nicht so, als ob es ein großer Umweg für mich gewesen ist… oder eben doch."

Lily grinste. „Es wäre nicht gentlemanlike gewesen, wenn es kein großer Umweg gewesen wäre, Severus. Jetzt aber, ich komme noch zu spät." Sie blickte über ihre Schulter zur Bibliothek. Witzelnd fügte sie hinzu: „Sei brav.", bevor sie sich umdrehte und rasch davon ging. Severus wusste nicht, warum er spürte, wie der glückliche Ausdruck aus seinem Gesicht rutschte oder was dieses seltsame, unbehagliche Gefühl in seinem Magen sein könnte.

(17. Januar 1976)

Severus Snape kannte Alexa Kyle nicht besonders gut. Sie hatten noch nie miteinander gesprochen, soweit er sich erinnern konnte und sie hatten nur ein oder zwei Fächer gemeinsam. Sie war eine Ravenclaw - eine sehr typische Ravenclaw, mit langen braunen Haaren, einer Stupsnase und einer Brille mit dünnem Rand. Sie war ganz süß und sie gab ab und zu ein paar jüngeren Schülern Nachhilfe. Severus wusste das nur, weil Professor Slughorn ihn einmal gefragt hatte, ob er einem Drittklässler mit Problemen in Zaubertränke helfen würde und als Severus sehr trocken abgelehnt hatte, erwähnte Slughorn, dass Alexa Kyle es vielleicht übernehmen könnte.

Oh, und sie war ein Halbblut.

Das fasste alles zusammen, was Severus Snape über Alexa Kyle wusste und trotzdem saß Severus alleine in einem zugigen Korridor mit einer schluchzenden Alexa Kyle und es erschien ihm seltsam. Das musste, wie ihm klar wurde, das erste Mal sein, dass er mit einem weinenden Mädchen alleine war (abgesehen von Lily - und selbst das war lange her). Es war genauso peinlich, wie er sich es vorgestellt hatte.

Er hatte die Ravenclaw nicht eingeladen, sich neben ihn auf eine Bank im dritten Stock zu setzen. Er hatte einfach da gesessen und ein Buch über magische Theorie gelesen, dass man selbst in der Verbotenen Abteilung der Schulbibliothek nicht gefunden hätte, als sie ankam, mit einem steinernen Ausdruck auf ihrem bleichen Gesicht den Korridor hinunter marschierte und sich neben ihn setzte. Zusammengeknüllt, aber sichtbar in ihrer Faust war ein Stück Pergament. Eine Minute später war sie am Schluchzen.

Beruhigende Worte kamen Severus nicht einmal in den Sinn. „Kann ich dir helfen?" Sie weinte weiter, anscheinend war ihr seine Anwesenheit so gleichgültig, wie ihn ihre verärgerte. Nach einer Weile ließen Alexa Kyle Tränen nach und Severus wiederholte seine Frage. Sie sah ihn neugierig an und suchte in seinen dunklen Augen nach etwas, das sie nicht fand.

„Meine Eltern sind tot," sagte sie leise.

Oh.

Er wollte sagen: „Und das hier ist die einzige Bank, die du finden konntest?", starrte sie aber stattdessen einfach nur an.

„Meine Eltern wurden ermordet." Keine Trauer, kein Betteln nach Mitleid: eine einfache, dunkle Erklärung war alles, das sie gab. „Ich habe mich nie verabschiedet."

Severus fuhr fort zu starren.

Alexa Kyle starrte zurück, ihre braunen Augen glasig und ungläubig. „Hast du Eltern?" flüsterte die Ravenclaw nach einem Moment.

„Ja." Und er hätte nicht unbedingt etwas dagegen, seinen Vater tot zu sehen.

Alexa sah weg, auf das Pergament in ihren Händen. Dann (vielleicht weil sie plötzlich erkannte, wie schrecklich peinlich das war oder vielleicht hatte sie in diesem Moment keine klare Vorstellung von Realität) stand die Hexe auf und ging so unerwartet, wie sie gekommen war.

Severus war wieder alleine.

Er kannte Alexa Kyle nicht… er hatte nie mit ihre gesprochen. Sie musste Freunde haben und ein Leben, Interessen und Gewohnheiten, Abneigungen, Talente und Marotten. Sie musste jemandem etwas bedeuten, aber sie bedeutete ihm nichts. Wie sehr seltsam…

Ihre Eltern wurden ermordet… der Zettel in ihrer Hand… Severus hegte keinen Zweifel daran, dass es einer der schwarzversiegelten Briefe des Ministeriums war… dass es die Todesursache klärte… dass die sogenannten Todesser daran beteiligt waren.

Severus war alleine für ein paar Minuten, bevor ihm seine einsamen Gedanken zu unangenehm wurden. Der Slytherin kam zu seinen Füßen ohne zu wissen, wo er hinwollte. Er ging den einsamen Korridor hinunter; Augen und Aufmerksamkeit auf den Steinboden gerichtet, so dass er die anderen zwei im Korridor erst bemerkte, als er um die Ecke lief.

Potter und Black.

„Was macht ihr hier?" fragte Snape mit zusätzlicher Wut in seiner Stimme, einfach, weil er überrascht war.

„Selbe Frage, Schniefelus," entgegnete Black.

„Ich hab einen Schein von Heiler Holloway," log Severus leicht. Ihm kam eine Idee. „Ich bin Vertrauensschüler. Ich könnte Punkte abziehen." Er sah James Potter in die Augen und hoffte, darin ein Flackern von Sorge zu sehen. Der Slytherin wurde leider enttäuscht.

„Würdest du dich dann wichtig fühlen?"

Wenig Worte hätten in diesem Moment genauso provozierend für Snape sein können… Was war das mit diesem Mistkerl James Potter? Warum ließ er jede Situation so erscheinen, als ob jede Option ihm genau in die Hände spielen würde?

„Ihr seid meine Zeit nicht wert," antwortete Severus.

„Richtig. Natürlich." Wie erwartet trug James ein leichtes Grinsen, als ob er gewonnen hätte. Snape wartete auf den nächsten verbalen Angriff, der verbale Angriff, der das Zusammentreffen eskalieren lassen würde. Es kam Severus in den Sinn, dass er auf diese Chance gewartet hatte… Potter und Black. Natürlich gab es keine Zeugen - er sollte einen der anderen als Zeugen dabei haben… aber egal: sie konnten später seine Erinnerungen durchgehen, wenn sie ihm nicht glaubten. Dann sagte Potter zu Black: „Lass uns gehen, ja?"

„Deine Entscheidung, alter Mann," antwortete Sirius Black locker.

Severus schaute zu, wie sie sich umdrehten um zu gehen, verwirrt, obwohl er es nicht zeigte. Sie gingen einfach - stolzierten eher davon. Es schien keinem dieser Idioten in den Sinn zu kommen, dass Snape immer noch handeln konnte und als ihm das klar wurde, erkannte Snape, dass er es genauso gut nicht tun könnte. Seine Hand fühlte den Zauberstab in seiner Tasche, während er sich kurz überlegte, ob er angreifen sollte.

Die zwei Gryffindors plauderten fröhlich über etwas miteinander.

Hesters Gesicht erschien in Snapes Kopf - verspottend und misstrauisch. Dann war da Lily - wie sie vor all diesen Monaten neben Potter in der Großen Halle gesessen hatte, wie sie ehrerbietend seinen Namen verfluchte… dann, wie sie Severus mit scheinenden grünen Augen ansah, mit Bewunderung und Ehrfurcht, während er zeigt, wie überlegen er diesem gigantischen Trottel James Potter war… wie jedem in der Schule bewiesen wird, wie falsch sie in der Heldenverehrung des Gryffindors waren, geschockt zu erkennen, dass er, Severus Snape, wahrlich die Macht besaß.

Sein Zauberstab war in einer Sekunde draußen. „Pulsvette," fluchte Snape in seinem Kopf, Zauberstab auf Black gerichtet… er hasste Sirius natürlich, aber gerade jetzt war es Potter, den er wollte.

Black flog nach vorne, traf eine Wand und fiel wie eine Puppe zu Boden. Dann, bevor Potter überhaupt Zeit hatte, zu registrieren, dass seinem Freund etwas geschehen war, hatte Snape schon „Levicorpus!" gemurmelt.

James klappte herum, falsch herum in der Luft schwebend.

Die Unverzeihlichen Flüche rasten hektisch durch seinen Kopf und Snape war kurz abgelenkt. Er vergaß, Potter zu entwaffnen.

Snape fühlte, wie seine Beine unter ihm hoch gerissen wurden und einen Schmerz in seinem Arm; er flog durch die Kraft von Potters Verhexung zurück und verlor die Kontrolle über seinen eigenen Zauber. Der Gryffindor fiel zu Boden, gerade als Snape etwas weiter weg zu Boden ging. Er landete jedoch glücklich und kam ein paar Sekunden später auf seine Füße. Potter erholte sich jedoch schneller. Ein Entwaffnungszauber riss Severus Zauberstab nicht nur aus seiner Hand, sondern er warf ihn auch rückwärts.

Severus stöhnte - was war los mit ihm? Das war nun das zweite Mal, dass er überrascht wurde. Potter war dabei, seine Beine zu heilen und dieses Mal war es Snape, der sich schneller erholte.

Er kam auf seine Füße, hinkte zu seinem Zauberstab rüber und entwaffnete Potter - der gerade seine Beine geheilt hatte und auf dem Boden blieb.

Der Gryffindor trug eine entschlossene Miene, als sein Gegner näher kam, Zauberstab auf sein Herz gerichtet. Severus nahm die Tatsache kaum wahr. Er war plötzlich wieder darin gefangen, was nun passieren würde.

Das war es.

Das war die Möglichkeit, sich zu beweisen… sich Potter zu beweisen und Lucius Malfoy und Hester und allen. Ein Wort, Crucio, und dann würde alles beginnen. Merlin wusste, er hatte genug Hass für James Potter in ihm… es würde so leicht sein… so wunderschön einfach (und befriedigend) einen Unverzeihlichen Fluch zu sprechen.

Unverzeihlich.

Das Wort brachte Lilys Gesicht wieder einmal in seine Gedanken, aber dieses Mal schien es nicht voller Bewunderung… es war bloß Lily. „Sei brav," hatte sie gesagt.

Unverzeihlich.

Severus zögerte.

Er zögerte einen Moment zu lang - Schmerz in seinen Beinen, Schwanken und dann stolperte sein Körper rückwärts… er war Potter zu nah gekommen und der Gryffindor hatte gegen seine Kniescheibe getreten. Snape wäre vielleicht zu Boden gefallen, aber James war sofort auf, packte sein Handgelenk, was - während er entwaffnet wurde - dem Slytherin einen Moment gab, ins Gleichgewicht zu kommen… nur für einen Moment.

Rage brannte in Potters Augen. Niemand schien die Situation unter Kontrolle zu haben - Potter war machtlos gegen seine Wut und Snape war machtlos ohne seinen Zauberstab. Potter versetzte ihm einen Schlag. Severus ging zu Boden.

Schmerz.

Severus hatte mehr als genug Erfahrung mit Schlägen - dieser hier war nicht der schmerzhafteste, aber er konnte mithalten. Als er sich aufsetzte, blutend, aber im Versuch, es zu ignorieren, korrigierte Severus seine Mimik jedoch zu Apathie. Er sah, dass die Gewalt James' Wut überhaupt nicht vermindert hatte. Das war die Art von Rage, die nicht durch einen einzelnen Schlag herausgelassen werden konnte. Das war die Art von Rage, die nichts Gutes für Snape verhieß.

Zwei Zauberstäbe auf den Slytherin gerichtet starrte Potter hasserfüllt auf ihn herunter. Jede Sekunde jetzt, eine Verhexung, ein Fluch… irgendwas. Und doch…

„Was zur Hölle ist dein Problem?" wollte Potter wissen. Severus stellte sicher, dass er die Verwirrung, die diese Frage in ihm auslöste, nicht zeigte… sein Problem? War jemals ein Problem nötig gewesen? So waren sie einfach - das machten sie einfach. Warum schien Potter so überrascht zu sein?

Severus wartete auf den Fluch, der ihn für seine Stille und mangelnde Kooperationsbereitschaft bestrafen würde und seine Verblüffung wurde nur noch größer, als James keinen (weder seinen noch Snapes) Zauberstab zum Angriff hob. Stattdessen hob er nur einen Arm über den Kopf und warf Severus Zauberstab so weit, wie er konnte. James sah Snape nicht an, aber die unausgesprochene Wut auf seinem Gesicht blieb. Trotzdem drehte sich der Gryffindor auf seinem Absatz um, als der Zauberstab weit hinter Snape auf den Boden klapperte. Er lief dorthin, wo Black gerade zu sich kam.

Snape verschwendete keine Zeit damit, auf seine Füße zu kommen. Er sprintete geradewegs dorthin, wo sein Zauberstab hingefallen war (wobei er den pulsierenden Schmerz in seiner rechten Wange ignorierte) und war von der Szene geflohen, bevor einer der Gryffindors bemerkten konnte, dass er weg war.

(18. Januar 1977)

„Ich hatte keine Gelegenheit," log Severus ohne Probleme. Zwischen den anderen fünf schaute nur Hester ungläubig.

„Wir waren letzte Woche mit Mary Macdonald alleine im Korridor," bemerkte Hester kalt - er war uncharakteristisch gesprächig an diesem Abend, bemerkte Severus. Normalerweise scheute sich Hester vor dem Reden (außer er wurde angesprochen), wenn sich Lucius Malfoy mit ihnen traf.

„Ich habe ein spezielles Ziel geplant," sagte Severus, der sich fragte, warum, oh, warum er nicht den Unverzeihlichen bei Potter ausgeführt hatte, als er die Chance dazu hatte. „Ich werde keine Gelegenheit verschwenden."

„Ein geplantes Ziel hat eine gewisse Eleganz," stimmte Malfoy zu. Zum ersten Mal war er abends nicht alleine zum Eberkopf gekommen. Ein großer, dünner Mann mit grau meliertem Bart und einem schmalen, kantigen Gesicht saß neben Malfoy. Er war viel älter als sein Begleiter und blieb eine Art stiller Beobachter. Der Zauberer war seit ihrer Ankunft vor zwanzig Minuten nicht vorgestellt oder überhaupt erwähnt worden. Auf Lucius Worte hin neigte der Zauberer seinen Kopf leicht, fast zustimmend.

„Ich stimme zu," sagte Hester sofort. „Ich habe einfach Angst, dass Snape Bedenken hat." Er warf einen fiesen Blick in Severus Richtung. Avery schien sich unwohl zu fühlen und Mulciber starrte Hester böse an. Severus bemerkte, wie er unerwartet dankbar dafür war.

„Wie süß," sagte er trocken. „Aber wenn wir in Hogwarts arbeiten sollen, wie Lucius das will, sollen wir uns vielleicht nicht vor dem siebten Schuljahr rauswerfen lassen."

Malfoy räusperte sich. „Das bringt mich zu etwas anderem," sagte er aalglatt. „Wie einige von euch wissen, ist dies Alec Rosier." Der Todesser deutete zu seinem Begleiter. „Der… Meister…" (in einem leiseren Ton) „hat Rosier gebeten, mir in meiner Kommunikation mit der Gruppe zu helfen." Das hieß sie vier - Mulciber, Avery, Hester und Snape - wie sie alle wussten.

„Helfen?" fragte Snape plötzlich. „Mit uns vier?"

Rosier lächelte Malfoy zu. „Er ist schnell." murmelte ersterer, bevor er fortfuhr, dieses Mal an Snape gerichtet. „Ihr vier seid der Anfang. Wir hoffen, die Unterstützung für die Sache in Hogwarts auszudehnen. Sobald ihr eure Loyalität bewiesen habt, wird das eure Aufgabe werden."

„Rekrutieren?" stellte Mulciber klar. Rosier nickte.

„Da sind jede Menge andere, die sich anschließen wollen," sagte Hester schnell. „Ich weiß das."

„Du hast nicht mit ihnen über diese Treffen gesprochen?" fuhr Malfoy ihn an. Hester schüttelte schnell seinen Kopf und Severus freute sich, Angst in seinen schmalen Augen zu sehen.

„Natürlich nicht, nein!"

Malfoy sah noch immer misstrauisch aus, als Rosier fortfuhr: „Über die nächsten Wochen werdet ihr vier eine Liste mit Namen erstellen, von denen ihr denkt, die für diese Aufgabe geschaffen sein könnten. Ihr werdet jedoch nicht die reale Möglichkeit des Beitreten erwähnen. Wenn eine Spur sich als falsch erweist, werdet ihr wollen, es abstreiten zu können. Ihr müsst es abstreiten können."

Die vier Schüler nickten.

„Wir werden uns wieder am 31. treffen," sagte Malfoy kühl. „Ich werde dir die Details per Eule senden, Mulciber." Mulciber nickte. „Bis dann, Severus, erwarte ich, dass du an deiner… Aufgabe arbeitest."

„Natürlich."

„Und," fuhr Malfoy fort, „während ich den Drang nach Vorsicht respektiere, müssen wir weitermachen. Hester, du darfst auch deine Aufgabe beginnen. Verstanden?" Das war es. „Du wärst weise, dir ein Vorbild an Mr. Snape und seiner Vorsicht zu nehmen. Mach keine Szene."

(21. Januar 1976)

Es war ein Mädchen aus Hufflepuff - eine Fünftklässlerin mit hellblonden Haaren, blauen Augen und einer weichen, kurvigen Figur. Sie war Vertrauensschülerin und die Tatsache, dass sie ziemlich hübsch war, hatte dem Mädchen eine gewisse Anzahl an Freunden über das Jahr beschert. Trotz der ziemlich langen Liste an Jungen, die behaupten konnten, dieses Mädchen nach Hogsmeade ausgeführt zu haben, hatte sie nicht das, was man einen „Ruf" nennen konnte. Sie war ein „gutes Mädchen". Leider bedeutete dies nun nichts, denn zufällig gehörte Saul Hester nicht zu dieser Liste von Jungs… und das nicht, weil die Angebote fehlten.

Das Mädchen - ihr Name war Maggie - war immer noch unter dem Zauber, als sie eine Stunde später aus dem Slytherin Gemeinschaftsraum schlüpfte. Der Ausdruck auf ihrem lieblichen Gesicht war so leer wie zuvor, wofür Snape dankbar war. Sein Wissen davon, was passiert war, ließ ihn sich übel genug fühlen, so dass er nicht auch noch auf ihrem Gesicht ausbuchstabiert sehen musste… wie ängstlich sie ausgesehen hatte, als Hester sie im Korridor entwaffnet hatte… wie seltsam es war zu sehen, wie alle Empfindung mit dem Schwung eines Zauberstabs, dem Murmeln eines einfachen Wortes verschwand…

Imperio.

Hester erschien einige Zeit nicht. Mulciber, Avery und Snape saßen alle im Gemeinschaftsraum mit der unausgesprochenen Erwartung, dass das vierte Mitglied ihrer seltsam formierten Gruppe bald aus dem Schlafsaal zurückkehren würde. Mulciber und Avery spielten am Feuer Schach - ein ziemlich sinnloses Unterfangen, da Avery keine Chance hatte. Severus hatte ein Buch.

„Ziemlich schlau von ihm, oder?" überlegte Avery, als Mulciber gerade über einen Zug brütete. Zu Severus Überraschung machte Mulciber eine angewiderte Art von Geräusch.

„Pathetisch passt eher," korrigierte er kalt. Mulciber hörte sich weder reuig noch besorgt an - einfach genervt, als ob Hesters Laster eine rücksichtslose Zeitverschwendung wären.

„Zumindest hat er seinen Unverzeihlichen getan," murmelte Avery mit einem verdächtigen Seitenblick zu Snape. Mulciber schlug seinen Springer.

„Vorsicht, Avery."

Severus ignorierte in der Zwischenzeit Avery umsubtilen Hinweis und gab vor, sich auf sein Buch zu konzentrieren, bis Hester ein paar Minuten später aus dem Jungenschlafsaal erschien.

„Guten Abend," sagte er, offensichtlich zufrieden mit sich selbst. Snape verdrehte seine Augen. „Ist irgendwas los, Severus?"

„Mit mir ist nichts los," antwortete der andere.

Hester funkelte ihn an, aber fing nicht an, dieses Thema zu diskutieren. „Es ist so eine Erleichterung," fuhr er fort, „zu wissen, das ich es in mir habe."

„Anscheinend," sagte Severus zu Mulciber, „hat Saul hier es nur mit Imperius in sich, ein Mädchen ins Bett zu kriegen." Mulciber grinste.

„Was ich gemeint habe," fuhr Hester ihn an. „ist, dass ich das in mir habe, was benötigt wird um sich der Sache anzuschließen. Ich habe keine Schwierigkeiten damit, Malfoy Anweisungen zu folgen."

Severus heuchelte Überraschung vor. „Du wusstest nicht, dass du in dir hast, ‚was benötigt wird'? Das ist komisch… du hast die ganze Zeit damit verbracht, Malfoy in den Arsch zu kriechen und du wusstest bis jetzt nicht, ob du es durchziehen kannst…"

Nichts schien in dem Moment auf Hester Nerven zu gehen. „Ich bin erstaunt, Severus, dass du bis jetzt den Imperio noch nicht benutzt hast. Meine Herangehensweise könnte bedeuten, dass du mit diesem Schlammblut von dir mal Fortschritte machst."

Severus schaffte es gerade so, Hester nicht auf der Stelle zu töten. Er fühlte, wie seine Hände zitterten, in der Hoffnung, dass Snape dem Drang seinen Zauberstab zu ziehen und einen ganz anderen Unverzeihlichen Fluch an Saul Hester auszuüben nachgeben würde. Und doch gab der Gedanke, was eine solche Tat ihn kosten würde, Snape gerade so viel Kraft um ihm zu widerstehen.

„Severus hat ein nobleres Ziel im Kopf," sagte Mulciber, der träge Averys König Schach bot. „Und auch mächtigere Magie, nicht wahr, Snape?" Severus neigte seinen Kopf. „Den Crucio an James Potter…" fuhr Mulciber fort, sanft sein Kinn berührend, zweifellos an die Abreibung denkend, die besagter Gryffindor diesem im September verpasst hatte. „Ich hoffe, ich bin da, um es zu sehen. Es wird extrem befriedigend sein."

Mulciber grinste, als er Avery schachmatt setzte; Severus starrte Hester böse an, der unerklärlicherweise immer noch selbstzufrieden aussah. Die Sicherheit in Hesters Ausdruck beruhigte Snape kein bisschen.

(30. Januar 1976)

Vor der Bibliothek hatte Severus nach dem Mittagessen Probleme normal zu atmen, als die Erinnerung von Hester Anspielung sich in seinem Gehirn festsetzte.

Der Slytherin zwang sich andere Gedanken zu denken - ein Talent, das er in den letzten Jahren gut entwickelt hatte. Dann trat Snape mit einem fixiert lockeren Gesichtsausdruck in die Bibliothek und kehrte zu dem Tisch zurück, den er vor fünfzehn Minuten verlassen hatte.

„Sorry," sagte er kurz zu dem Rotschopf, die dort saß, „Mulciber musste mit mir reden. Es war nicht wichtig - bloß Hausaufgabenmüll - dieser winzige Drittklässler hätte nicht so panisch schauen müssen." Snape setzte sich; diese Geschichte war zu einem kleinen Teil wahr. Mulciber hatte in der Tat mit ihm sprechen wollen, aber das Gesprächsthema waren keine Hausaufgaben. Mulciber hatte den winzigen Drittklässler gesandt um Snape in den Gemeinschaftsraum zu bringen, sodass er ihm die Uhrzeit sagen konnte, die Malfoy für ihr Treffen am nächsten Abend festgelegt hatte. Mulciber hatte ebenfalls umsubtil auf den Unverzeihlichen angedeutet, den Snape noch auszuüben hatte. „Also, hast du eine Antwort für Nummer vier gefunden? Ich glaube, es könnte etwas mit…" Snape brach ab, als er den Ausdruck auf Lilys Gesicht bemerkte. Ihre Augen waren weit und sie starrte mit einem verängstigten Unglauben zu ihm hoch. „Was ist los?"

Lily fand jedoch keine Worte. Sie zeigte zu etwas auf ihrem Tisch, als Severus sich wieder zurücklehnte. Eine tote Spinne lag neben einer Ecke von Severus Zaubertränkebuch.

„Es ist bloß eine Spinne," bemerkte Snape verwirrt. Lily sah zu ihm hoch.

„Ist sie tot?" flüsterte sie. „Ich dachte, sie wäre es."

„Ja, sie ist tot," sagte Snape immer noch verwirrt. „Was ist los, Lily?"

„Ich wollte das nicht," fuhr Lily fort, „ich… ich wusste einfach nicht…"

„Lily, was in Gottes Namen ist los mit dir?" wollte Snape ungeduldig wissen. „Es ist eine Spinne! Was ist in dich gefahren?"

Lilys verängstigter Gesichtsausdruck veränderte sich schnell; sie sah mit Rage in den Augen von der Spinne zu Snape. „Was zur Hölle ist dein Problem?" fragte sie, vielleicht ein bisschen laut, da die Bibliothekarin, Mrs. Sevoy, finster in ihre Richtung blickte. „Wie konntest du nur, Sev? beharrte Lily, etwas leiser.

„Ich habe nichts getan," beteuerte Severus, „Worüber redest du?"

Lily packte die Ausgabe von Fortgeschrittenes Zaubertränkebrauen, die Severus auf dem Tisch liegen gelassen hatte. Sie hielt sie ihm vor das Gesicht und Severus sah die Seite, die Lily wohl gelesen hatte, als er weg war um Mulciber zu sehen. In einer Ecke standen in Snapes unverkennbaren Handschrift die Worte „Sectumsempra - für Feinde."

„Du hast meine Sachen durchsucht?" wollte Snape wissen, in der Hoffnung, dass er Lily genug ablenken konnte um sich eine Art Ausrede einfallen zu lassen.

Du hast einen schrecklichen Zauber erfunden," entgegnete Lily wütend. „Und streite nicht ab, dass es einer von deinen ist - du schreibst immer deine erfundenen Zaubersprüche an den Rand deines Buchs… ich habe es dutzende Male gesehen! Ich wusste - ich wusste nicht, was der Spruch… dachte, ich probiere es mal und… die Spinne, sie… sie ist einfach aufgerissen… wie Seide zerissen!" Das war, reflektierte Snape, die poetischste Art, wie man so etwas formuliert haben könnte. „Was bedeutet das - „für Feinde"?"

„Es war… es war eine Art Witz," log Severus lethargisch verteidigend. „Ich habe ihn nicht erfunden, ich schwöre es. Ich habe gelesen und er ist aufgetaucht - ich hatte kein Pergament, also habe ich es ins Buch gekritzelt… ich wollte es nachgucken und als ich es getan habe, war die Beschreibung… tja, du weißt, wie diese alten Bücher sind… grandiose, dramatische Sprache, selbst wenn sie über etwas eher Krankes reden… es war fast komisch, also habe ich den „für Feinde" Teil geschrieben…"

„Du findest das lustig?" fuhr Lily ihn an.

„Natürlich nicht," sagte Severus. „Aber der Effekt ist viel dramatischer bei einer kleinen Spinne… ich bin mir sicher, dass wenn du ihn an einer Person ausübst, sie nicht… du weißt schon…"

Sterben würde?"

„Ja."

Lily sah nicht zufrieden aus.

„Hör zu, Lily, es tut mir leid. Aber komm schon, du solltest keine Zauber ausprobieren, wenn du nicht weißt, was sie bewirken. Und warum hast du in meinem Zaubertränkebuch geblättert?"

Lilys Ausdruck wurde deutlich weicher und sie wurde leicht rot. „Ich wollte - ich wollte wissen, ob du auf den Seitenrand zeichnest - die Comics, wie früher."

„Im dritten Jahr?"

Sie zuckte die Achseln. „Ich mochte sie." Sie waren still, bis Lily sich aufsetzte und sich räusperte. „In Ordnung. Neues Thema."

Erleichtert richtete Severus seine Aufmerksamkeit auf ein fröhlicheres Thema. „Hast du einen guten Geburtstag?"

Lily lächelte. „Den habe ich, in der Tat. Ich meine, die Sache beim Frühstück war ein bisschen peinlich…"

„Ich hatte keine Ahnung, dass Cam Burkhart in dich verliebt ist," stimmte Severus zu und fragte sich, ob er sich eifersüchtig anhörte. Lily schien es nicht zu bemerken.

„Und jetzt weiß es jeder in der Schule," sagte sie mit einem Stirnrunzeln. „Aber insgesamt war es sehr schön. Mary und Marlene haben sich so schlecht gefühlt, weil sie es vergessen haben, dass sie geschworen haben, mir eine Halbgeburtstagsparty im Sommer zu schmeißen."

„Ich dachte, du verbringst jedes Jahr deinen Halbgeburtstag mit deiner Mutter?" bemerkte Snape. Es war leicht zu merken: jeden 30. Juli zog Lily sich von so ziemlich jedem zurück und feierte ihren Geburtstag nach sechs Monaten, nur sie und ihre Mum. Es war „ihr" Tag, wie Lily es nannte.

„Richtig," sagte die Rothaarige. „Meine Freunde werden mir einfach eine Halbgeburtstags-und-ein-Tag-Party schmeißen müssen. Wenn sie dann daran denken…" Sie schien genügend abgelenkt und kehrte zu ihren Zaubertränkehausaufgaben zurück. Severus tat es ihr gleich. Schließlich sah die Gryffindor jedoch von ihrem Buch hoch und stützte ihr Kinn auf ihrer Hand ab. „Hey, Sev?"

„Mhm?"

„Hast du Maggie Snow beim Vertrauensschülertreffen gesehen?"

Snape schwor, dass sein Herz für einen Moment aufhörte zu schlagen, aber zeigte diesen Schock nicht. Maggie Snow - Hester Hufflepufffreundin. „Äh, ja. Sie war da. Longbottom hat sie und Lupin für die Nachtwache nächste Woche eingetragen, richtig?"

Lily nickte. „Sie sah krank aus, denkst du nicht? Blass, oder? Und als ob sie kurz davor wäre, in Tränen auszubrechen…"

„Ich habe nichts bemerkt," log Severus locker.

„Ich habe nach dem Treffen mit ihr gesprochen," fuhr Lily fort. Snape war es auf einmal kalt, nicht, weil er dachte, dass Maggie Snow enthüllen würde, was sie getan hatte (was ihr angetan wurde) und nicht, weil er Angst hatte, aufzufliegen - selbst, wenn Hester dumm genug war, Maggie die Erinnerung an das Sprechen des Imperiusfluchs zu lassen, hatte sie nur Hester gesehen… Snape wäre in keiner Weise involviert. Es war bloß die Verbindung von Lily und Maggie - Lily mit dem, was Maggie geschehen war und was Hester angedeutet hatte, was man mit Lily tun sollte… Snape schüttelte es fast.

„Hat sie etwas gesagt?" Er ließ die Anspannung nicht in seine Stimme.

Lily schüttelte ihren Kopf. „Sie war ausweichend… hat keinen Blickkontakt gemacht. Ich mache mir Sorgen um sie."

„Warum? Seid ihr zwei befreundet?" Es war eine dumme Frage. Lily machte sich um jeden Sorgen. Viel zu sehr, wenn man Snape fragte.

„Nichts besonderes… ich habe ihr in Zaubertränke geholfen… sie ist normalerweise so eine fröhliche Person und… es ist seltsam. Vielleicht hat sie Probleme mit ihrer Familie wie Alexa Kyle."

Das war ein ganz neues Thema, das Snape nicht näher betrachten wollte. „Hör zu, Lily, ich muss wirklich diese Hausaufgaben fertig machen…"

„Oh, richtig," Wie aus einer nachdenklichen Trance erwacht tippte Lily ihre Feder in das Tintenfass und konzentrierte sich auf ihre eigenen Hausaufgaben. Severus atmete tief durch, aber nicht frei und versuchte, dasselbe zu tun.

(31. Januar 1976)

„Ist das alles?" wollte Alec Rosier wissen, während er die kurze Liste beäugte, die Mulciber ihm gereicht hatte. Selbst in dem gedämpften Licht des Zimmers im Eberkopf konnte Severus sehen, wie sich Verärgerung in jeder Falte von Rosiers alterndem Gesicht ausbreitete. „Fünf Namen? Und alle von ihnen sind aus Slytherin? Das sind die einzigen Leute, von denen ihr glaubt, dass sie interessiert daran sind, beizutreten?"

„Ihr würdet niemanden sonst wollen, oder?" fragte Hester überrascht. „Ich meine - außerhalb von Slytherin?"

„Es könnte natürlich sein," bemerkte Malfoy viel ruhiger als Rosier bis jetzt. „Mach dir keine Sorgen, Alec. Sie haben das nächste Mal, wenn wir uns treffen, mehr Namen. Nicht wahr, Severus?"

Snape nickte. Hester blickte finster. Es war klar, dass er nicht ertragen konnte, wie viel Aufmerksamkeit Snape bei diesen Treffen erhielt. Mulciber war bereits als „Anführer" der vier anerkannt und Avery erwartete weise nicht mehr, als Muskeln zu sein und so sah Hester zu, wie er immer mehr im Hintergrund verschwand, eine Idee, die er nicht besonders genoss.

„Ich habe meinen Imperius Fluch ausgeführt," sagte er ziemlich selbstgefällig. „Die anderen sind meine Zeugen." Mulciber nickte.

„Sehr gut," sagte Malfoy zufrieden. „Alles ist gut gelaufen? Keine Fragen wurden gestellt."

„Nein," sagte Hester.

„Das stimmt nicht ganz," unterbrach Snape plötzlich inspiriert. „Es wurden Fragen gestellt. Das Mädchen scheint nicht still zu leiden und Leute haben es bemerkt."

„Was meinst du?" fragte Mulciber schnell. „Hat die Hufflepuff geredet?"

„Nein…"

„Und das wird sie auch nicht," verteidigte sich Hester sofort. „ Da bin ich sicher gegangen."

„Leute beginnen zu bemerken, dass das Mädchen… krank aussieht," sagte Severus. „Sie war unruhig und ausweichend beim Vertrauensschülertreffen und ein paar der anderen haben Fragen gestellt…"

Ein paar der anderen?" wollte Hester wissen. „Ich weiß, wen du meinst, Snape. Lily Evans hat Fragen gestellt, stimmt das?"

Snape zuckte die Achseln. „Ich weiß nicht, wer was gesagt hat, um ehrlich zu sein."

Hester drehte sich wieder zu Malfoy um. Es war wie eine Szene aus einem Traum, erkannte Snape. Er wusste, was passieren würde - er konnte es fühlen und trotzdem war er machtlos, es zu stoppen. „Snape hat seinen Unverzeihlichen Fluch noch nicht gesprochen," sagte Hester laut. „Ich glaube nicht, dass er aufrichtig ist. Ich vertraue ihm nicht, wenn er hierher kommt… nicht mit all der Zeit, die er mit dem Schlammblut Evans verbringt…"

„Beruhig dich, Hester," befahl Malfoy kalt. „Das ist eine ernste Anschuldigung."

Warum hat er dann nicht getan, wonach du ihn gefragt hast?" rief Hester fast. „Warum verschiebst du den Unverzeihlichen Fluch immer?" Selbst Snape hatte darauf keine Antwort.

Malfoy sah Snape an. „Tja?"

„Keine Gelegenheit," war alles, was Snape sagte.

„Quatsch," brüllte Hester. „Wenn er wollte…"

„Ruhig, Junge," unterbrach Rosier. Hester wurde still. „Wir treffen uns wieder in zwei Wochen - stimmt das?" Malfoy nickte. Warum geben wir Mr. Snape nicht bis dann… 14. Februar, Zeit um den Test zu bestehen? Wenn er versagt, werden wir uns beraten, ob er geeignet ist, weiterhin bei uns mitzumachen oder nicht?" In Rosiers Stimme war eine Drohung - wenn Severus versagte, würden sie ihm nicht einfach erlauben, sich zurückzuziehen. Es würde Konsequenzen geben… wahrscheinlich tödliche.

„Ich stimme zu," sagte Malfoy. Snape atmete aus. Zwei Wochen - jede Menge Zeit. Er konnte es direkt am nächsten Morgen machen - alles, was er tun musste, war dieses seltsame Gefühl in seinem Magen und diese irritierende Stimme in seinem Kopf ignorieren.. die Stimme, die sich nach Lily anhörte… Das konnte getan werden. Er hatte es schließlich schon mal gemacht. „Aber ich schätze, dass ein Unverzeihlicher Fluch nicht mehr reicht."

Snape wurde es kalt.

„Severus," fuhr Malfoy fort wie ein Lehrer, der mit seinem Lieblingsschüler sprach. „Hester vertraut dir nicht mehr. Ich schon, aber… wir können keine bleibenden Zweifel über deine Loyalität haben."

„Natürlich nicht," versuchte Snape zu unterbrechen, aber Malfoy erlaubte ihm nicht, weiterzusprechen.

„Dein Test ist nicht mehr bloß, ob du diese Art der Magie ausführen kannst," fuhr der ältere Zauberer fort. „Deine eigene Hingabe zur Sache muss nun bewiesen werden. Hast du das verstanden?" Severus nickte. „Deshalb denke ich, ist es klug, die Zweifel deiner Freunde bezüglich deiner Beziehung zu Lily Evans aufzulösen."

„Ich bin mir nicht sicher, dass ich dich verstehe." sagte Severus, die Apathie in seiner Stimme das komplette Gegenteil zu der Panik, die er fühlte.

„Deinen Unverzeihlichen Fluch," sagte Malfoy. „Du wirst ihn an Lily Evans ausführen."