AN: Pünktlich zum Septemberende ein neues Kapitel - yay! Ein Riesendankeschön an meine Beta Anne, die es mal wieder geschafft hat, das Kapitel noch vor Monatsende korrekturzulesen - du bist die Beste! Euch viel Spaß mit dem Kapitel und einem besonders dramatischen Valentinstag!
Disclaimer: Harry Potter und seine Charaktere gehören JKR. Diese Geschichte gehört Jewels5. Dies ist eine genehmigte Übersetzung.
Vorher: Nach dem versuchten Selbstmord von Carlotta, Adam und einer anderen Schülerin wird Autor Lathe als Ermittler nach Hogwarts gebracht. Da er die Familie von Lilys Freund verdächtigt, durchsucht er den Laden der Harpers, verlässt aber kurz danach die Schule ohne weitere Erklärung. Lukas älterer Bruder wird verdächtigt, ein Todesser zu sein. Auf einer Weihnachtsfeier trinkt Donna zu viel und glaubt, dass sie mit Marlenes Freund Miles rumgemacht hat und obwohl es sich herausstellt, dass Donna eigentlich mit einem Ravenclaw, Charlie Plex, herumgemacht hat, ist Marlene wütend auf Donna für ihr beabsichtigtes Stillschweigen darüber (genauso wie auf Carlotta, die tatsächlich mit Miles rumgemacht hat). Marlene und Miles machen Schluss. Sirius fängt an mit Alice zu flirten, die seit neustem Single ist. Um seine Loyalität zum Dunklen Lord zu beweisen hat Snape zwei Wochen Zeit um Lily mit einem Unverzeihlichen Fluch zu belegen.
Kapitel 16 - „Die Anatomie einer roten Rose"
Oder
„Liebe ist in der Luft"
Am 14. Februar erwachte Shelley Mumps niesend und hatte keine Ahnung, warum.
Gegen die Katze war sie nicht so sehr allergisch und selbst, wenn das Fenster über Nacht offen gewesen war, war es mitten im Februar. Die unglückliche Hexe hielt ihren Atem an, in dem Versuch, ein weiteres lautes „Hatschi!" zu unterdrücken und trat ihre Decke zur Seite. Sie schob ihre Bettvorhänge zur Seite, gerade, als sie ein weiteres Niesen nicht zurück halten konnte.
Hatschi!
„Wer im Namen alles Vernünftigen niest um diese Uhrzeit?" grummelte Donna Shacklebolts raue, kaum wache Stimme von hinter ihren Vorhängen. Shelley antwortete jedoch nicht, sie war zu sehr damit beschäftigt mit offenem Mund ihren Schlafsaal anzustarren.
„Was in aller Welt…?" wunderte sie sich und setzte sich auf (Hatschi!).
Der Raum - der gesamte Schlafsaal - war voll mit roten Rosen.
„Hey - hatschi! - seht mal!" sagte Shelley laut. „Mädels, wacht auf! Ihr müsst euch das ansehen… das… das ist verrückt!"
Lily erschien zuerst. Während sie sich einen Mantel anzog, starrte sie das Zimmer mit großen Augen an. „Wer würde…?" Der Rothaarigen ging ein Licht auf. „Valentinstag, natürlich," sagte sie, ihre Arme verschränkend. „In Ordnung, wessen verdammter Freund war das?"
Marlene erschien und bemerkte - nachdem sie ihre eigene Verwunderung ausgedrückt hatte - „ Du bist die einzige mit einem Freund in diesem Schlafsaal, Lily. Es muss Luke gewesen sein."
Lily erkannte, dass Marlene natürlich Recht hatte… und es schien wie etwas, das Luke tun würde. „Lass uns nach einer Karte suchen. Ich wette, irgendwo hier ist eine."
Mary, Donna und Carlotta standen nacheinander auf und waren verwirrt und ein bisschen überwältigt - oder in Donnas Fall verärgert - von dem Spektakel vor ihnen. Während die sechs Mädchen suchten, bemerkte Shelley: „Es könnte ein heimlicher Verehrer gewesen sein, wisst ihr."
„Mmm," stimmte Mary zu. „Das hier schreit gerade zu heimlicher Verehrer. Es war wahrscheinlich James Potter."
„Warum meinst du das?" fragte Shelley, sich schnell aufrichtend. Donna sah sie kühl an.
„Weil Lily in diesem Schlafsaal ist."
„Richtig. Oh. Richtig."
„Das ist lächerlich," wehrte Lily an, während sie die Vasen auf dem Schminktisch nach einem Hinweis auf ihrem Ursprung absuchte. „Erst einmal schwärmt James seit Ewigkeiten nicht mehr für mich… und selbst auf dem Höhepunkt seines verrückten Exhibitionismus hätte er nicht so etwas… Poetisches gemacht."
„Luke schon," kommentierte Donna, was ihr einen bösen Blick - aber keine Widerworte - von Lily einbrachte.
„Wenn es ein heimlicher Verehrer ist," fuhr Lily fort, „ist es wahrscheinlich einer von Mary oder Carlotta."
„Ich hoffe, sie sind für mich," sagte Mary geradeheraus. „Aber ich habe nicht so viel Glück."
„Ja, sie sind wahrscheinlich für Carlotta," sagte Marlene. „Ich frage mich, von wessen Freund sie sind."
„Wahrscheinlich von deinem," antwortete Carlotta falsch süßlich. „Oh… warte…"
„Oh, kommt schon," unterbrach Lily laut, bevor Marlene sich auf sie stürzen konnte. „Wir waren gerade so gut dabei, einmal nicht zu streiten!"
Verbittert kehrten Marlene und Carlotta zur Suche nach einer Karte zurück, Shelley munter niesend. Nach ein paar Minuten meldete sich Donna zu Wort. „Hab die Karte gefunden" verkündete sie und hob triumphierend ein Stück Pergament hoch, das sie in einem Bouquet in der Nähe eines Betts gefunden hatte. Die Hexe las es leise und seufzte. „Sie sind für Marlene," verkündete sie und verschwand, nachdem sie die Karte einer erwartungsvollen Marlene gereicht hatte, ins Badezimmer.
Die Blondine las ihren Zettel und ihr Lächeln verging.
Für Marlene Price
Es tut mir leid und ich liebe dich -
Dein
Miles
„Sie sind von Miles," sagte die Blondine verärgert ihren Zimmernachbarinnen. „Scheiß rücksichtsloses Arschloch." Sie marschierte ins Badezimmer.
Hatschi!
Lily zauberte ein Taschentuch hervor, das sie Shelley anbot, die dankbar annahm und unglücklich ihre Nase putzte. „Ich hasse Miles Stimpson."
(Sie können mir das nicht wegnehmen)
Der Hauptunterschied zwischen Jugendlichen des weiblichen und des männlichen Geschlechts am Valentinstag ist, dass erstere oft eine Reihe von romantischen und manchmal unrealistischen Wünschen für den 14. Februar haben und letzterer sich typischerweise nur wünschen, ihn unbeschadet zu überstehen. Adam McKinnon gehörte normalerweise fest platziert in die letztere Kategorie.
Aber nicht dieses Jahr. Dieses Jahr war etwas anderes.
Er wurde früh wach und es waren keine Rosen da, aber ein seltsames Gefühl in seinem Magen, als ob heute… heute etwas Wichtiges passieren würde. Er wusste genau, was es war.
Heute war der Tag.
Heute würde er Marlene McKinnon die Wahrheit sagen.
(Entfesselte Melodie)
Severus Snape hatte schon immer diese traurige Ausrede von einem Feiertag gehasst und nie mehr als heute. Er hatte diese Nacht nicht geschlafen. Er lag nur still in seinem Schlafsaal, an die Decke starrend und nichts sehend. Heute war der Tag.
„Warum geben wir Mr. Snape nicht bis dann… bis zum 14. Februar? Deinen Unverzeihlichen Fluch… du wirst ihn an Lily Evans ausführen…"
„Wir wollen sichergehen, dass du das ernst nimmst, Severus," hatte Malfoy als Antwort auf Severus Beschwerde für die Einmischung gesagt.
Aber er nahm es ernst. Severus nahm seinen Zauberstab in die Hand, der neben ihm auf dem Bett lag. Er nahm dies viel ernster als alles andere zuvor. Er musste dies tun - es gab keine Wahl mehr: ein einziger Weg breitete sich vor ihm aus und egal, wie er die Dinge betrachtete, das war sein Kurs.
Heute war der Tag.
(Ich habe nur Augen für dich)
„Ich hasse Miles Stimpson."
Lily legte einen beruhigenden Arm um Marlenes Schultern, als die beiden an diesem Morgen (ein Samstag) auf dem Weg nach unten zum Frühstück waren. „Ich weiß, Liebes."
„Ich meine, wie konnte er das tun? Nach allem, wie in Gottes Namen könnte er sich berechtigt fühlen… gah. Wie ist er überhaupt in den Schlafsaal gekommen? Es ist einfach so frustrierend!"
„Ignorier ihn einfach," riet Lily ihr. „Irgendwann wird er dich in Ruhe lassen."
„Aber ich kann ihn nicht einfach ignorieren," argumentierte die andere. „Ich weiß nicht warum, aber aus irgendeinem Grund kann… kann ich es einfach nicht."
Lily warf ihr einen skeptischen Blick zu. „Überlegst du, ihn zurückzunehmen?"
„Was? Nein. Nein, natürlich nicht. Warum sagst du so was?"
„Wegen der Art, in der du dich verrückt machst." antwortete Lily trocken. „Und dass du dich seit Wochen verrückt machst… und nicht deprimiertes, Alice-haftes Verrücktmachen, sondern nervöses Habe-ich-das-Richtige-getan-Verrücktmachen."
„Habe ich nicht." Sie hielt inne. „Oder?"
Lily nickte.
„Tja, was ist mit dir?" entgegnete Marlene, ihre Arme verschränkend. „Du hast Snape zurückgenommen, oder?"
„Etwas ganz anderes."
„Genau das gleiche."
„Nein."
„Doch."
„Nein."
„Doch."
„Marlene," seufzte Lily. „Es ist komplett unterschiedlich. Sev war mein Kumpel… das ist eine ganze Dynamik… eine ganz andere Beziehung, als das, was du und Miles hatten." Sie glaubte es beinahe. „Und es hat eine Weile gedauert, bis ich Sev wieder akzeptiert habe… lang nachdem ich ihm vergeben habe."
„Wie meinst du das?"
„Naja - ich war irgendwie drüber hinweg. Ich kam zu einem Punkt, wo ich nicht mehr wütend auf Sev war, aber ich wollte nicht mehr mit ihm befreundet sein. Das kam später."
„Also denkst du, dass ich Miles vergeben sollte?"
Lily überlegte sich die Antwort genau. „Du solltest ihm vergeben, wenn du dazu bereit bist, aber das heißt nicht, dass du ihn mögen musst und es heißt definitiv nicht, dass du wieder mit ihm ausgehen musst… oder solltest… nicht-dass-ich-versuche-dich-in-irgendeiner-Art-zu-beeinflussen-weil-das-voll-und-ganz-deine-Entscheidung-ist-und-meine-Meinung-dabei-kein-Gewicht-trägt." Marlene lächelte. „Aber sei vorsichtig."
„Werde ich," versicherte die Blondine. „Außerdem will ich nicht mal mit Miles ausgehen. Ehrlich. Diese Rosenaktion war einfach… blöd."
„Richtig." stimmte Lily zu.
„Shelley ist immer noch am Niesen."
„Richtig."
„Es war unüberlegt."
„Richtig."
„Unoriginell."
„Richtig."
Marlene zögerte. „Komplett unromantisch?"
„Marlene."
„Nein, nein, ich weiß. Er hat mit einem anderen Mädchen geknutscht. Erledigt. Richtig." Sie schien beinahe überzeugt. „Was ist mit Snape? Ich meine - bist du froh, dass du ihm vergeben hast und alles, Lily?"
„Ehrlich gesagt? Ja." Lily runzelte nachdenklich die Stirn. „Während man nicht vergessen darf, dass Sevs und Miles Fall komplett unterschiedlich sind, bin ich froh, dass Sev und ich wieder Freunde sind. Es ist nicht leicht…" (Sie dachte an James.) „aber ich fühle, dass er bei mir anders ist, als bei anderen Leuten… gerade bei seinen Slytherin Freunden. Er ist manchmal fast wie der alte Sev und ich denke… ich denke, wenn er nicht hier wäre, in Hogwarts mit mir, wäre er komplett verloren. Ich fühle mich, als ob ich ihm helfen kann, weißt du?"
Marlene war für einen Moment still und betrachtete ihre Freundin ganz genau. Dann sagte sie zögerlich: „Lily, du versucht Snape zu retten, oder?"
„Was?"
„Bist du deshalb mit ihm befreundet? Um ihn zu retten?"
„Was? Nein. Das ist verrückt. Natürlich nicht. Sev und ich haben so viel Vergangenheit, die Frage macht überhaupt keinen Sinn."
„Sie macht total Sinn… Lily, das ist so problematisch."
„Sagt das Mädchen, die überlegt, wieder mit dem Jungen zusammenzukommen, der versucht hat mit ihrer Freundin zu schlafen und mit ihrer Zimmergenossin rumgemacht hat!"
Marlene blickte sie finster an. Sie erreichten die Große Halle: riesige, scharlachrote Herzen, die aussahen wie Seifenblasen, schwirrten um die üblichen Kerzen. Die zwei Mädchen waren still. „Neues Thema," schlug die Blonde vor.
„Einverstanden."
(P.S. Ich liebe dich)
Eine Zigarette.
James Potter brauchte eine Zigarette.
Er war schon in einer schlechten Laune und die blöden roten Herzen, die die Große Halle wie Fruchtfliegen plagten, halfen nicht sehr. Eine Zigarette - er brauchte verzweifelt eine Zigarette. Der Entschluss aufzuhören schien nie so unglaublich vergeblich wie jetzt.
„Guten Morgen," zwitscherte Sirius, der auf seinen üblichen Platz neben James rutschte. Er bemerkte den Gesichtsausdruck seines besten Freundes und veränderte seinen Ton. „Oder… nicht."
„Denkst du, ich könnte die Schule dafür verklagen, dass sie mich dazu zwingt, einen bedeutungslosen Feiertag zu feiern?" wollte James wissen, während er verärgert seinen Schinken kaute.
„Feiern?" wiederholte Sirius. „Ich würde das, was du tust, kaum Feiern nennen, Prongs, Kumpel. Jedenfalls weiß ich gar nicht, warum du so verärgert bist. Valentinstag ist der beste Tag des Jahres."
„Ich erlaube mir, anderer Meinung zu sein."
Sirius runzelte die Stirn. „Nenne einen Tag, der besser ist."
„Okay, ähm… wie wäre es mit irgendeinem der dreihundertvierundsechzig und ein Viertel anderen Tage?"
Sirius schüttelte seinen Kopf. „Der vierzehnte Februar, Prongs, ist der Tag, an dem die Miezen am leichtesten zu kriegen sind."
„Und der fünfzehnte Februar, Padfoot, ist der Tag, an dem die Miezen am anhänglichsten sind."
Remus und Peter erschienen in dem Moment. „Wie immer," sagte Ersterer fröhlich, „ekelt ihr zwei mich an. Reicht mal den Kürbissaft rüber."
„Also ist das dein Plan, ja?" fragte James Sirius beiläufig, während er den erwünschten Kürbissaft rüberreichte. „Mit Alice Griffiths. Ist das dein Plan? Eine Valentinstagssache?"
Selbst Remus und Peter hielten inne um Sirius Antwort zu hören. Er blickte sie böse an. „Sei nicht blöd, Prongs. Alice Griffiths ist ein liebliches Mädchen. Du kannst nicht unsensibel zu lieblichen Mädchen wie Alice Griffiths sein."
Peter sah skeptisch aus. „Also hast du nicht vor, mit ihr auszugehen?"
„Das habe ich nie gesagt," protestierte Sirius „Ich habe einfach gesagt, dass du nicht unsensibel sein darfst… ihr wisst schon, ein Arschloch sein…"
„Was bei dir ein Synonym von ‚ausgehen' ist," murmelte Remus, was James zum Grinsen und Sirius zum mürrisch Blicken brachte.
„So lustig, Moony," sagte er betont sarkastisch. „Ich sehe nicht, dass du ein Date hast."
„Und das wirst du wahrscheinlich auch nicht," sagte Remus ruhig.
„Es macht keinen Spaß, wenn du dich nicht ärgerst," bemerkte Sirius. Remus grinste. Sirius drehte sich zu Peter um. „Was ist mit dir, Wormy?"
„Musst du mich Wormy nennen?"
„Ja."
„Na gut. Ich habe Prudence Daly gefragt."
„Hat Prudence Daly Ja gesagt?"
Peter seufzte. „Nein. Aber Sabrina Barbery schon."
„Sabrina Barbery sieht nicht schlecht aus," tröstete ihn Sirius. „Prudence Daly wurde wahrscheinlich sowieso schon von einem anderen gefragt." James war insgeheim beeindruckt von der Großzügigkeit seines Freundes und seine Laune hatte sich minimal verbessert, bis er am Tisch hinunterblickte und Luke Harper bemerkte, der zu Lily Evans am Gryffindortisch hinüberlief. Der Ravenclaw legte eine kleine, goldene, herzförmige Box auf Lilys Platz und sie strahlte und stand auf um ihrem Freund einen Kuss auf die Wange zu geben. Das Geschenk wurde einen Moment später geöffnet und Harper befestigte glücklich den Inhalt - was eine Halskette mit herzförmigen Anhänger zu sein schien - um Lilys Hals. Sie küsste ihn wieder, dieses Mal auf die Lippen und als Harper sich an den Gryffindortisch setzte, fiel James' Laune in den Keller. Er versuchte, sich schnell abzulenken.
„Die Post… Gott sei Dank."
Sirius sah James verwirrt an. „Erwartest du einen Brief, Prongs?"
„Ähm… nein. Nur die Zeitung."
Der Tagesprophet fiel einen Moment später auf seinen Platz und James rollte sie schnell aus um weiteren Nachfragen zu entgehen. Die Vorderseite beinhaltete eine furchtbare Schlagzeile: drei Auroren waren getötet worden.
„Agrippa," murmelte Sirius, der über James Schulter las. „Dafür wird es einen Aufstand geben. Drei getötet… sicherlich wird das sämtliche Sympathie für Todesser im Ministerium beseitigen…" Er las weiter und listete währenddessen Tatsachen auf. „Drei Auroren tot, zwei verwundet,… Todesserverdächtigte entkommen… vier von ihnen… mit Masken, wie bei den Attacken in Kent und Sommerset… Auroren haben einen anonymen Tipp erhalten, dass noch mehr illegale dunkle Magie-Objekte in das Land transportiert werden… haben versucht, das Schmuggeln zu stoppen und wurden dabei getötet… und da sind die Namen der Verstorbenen." Sirius seufzte. „Was denkst du davon, Prongs?"
James Aufmerksamkeit war jedoch woanders. „Schau dir das an," sagte er und zeigte zu einer kleineren Überschrift in der Seitenspalte, die ihm ins Auge gefallen war.
„Früherer verdächtigter Todesser jetzt gesucht für Vernehmung," las Sirius laut. „Na und?"
„Les' weiter," forderte James ihn auf und Sirius las weiter.
„Logan Harper?" fragte Sirius, als er fertig war. „Dingsbums Bruder? Also… ich bin verwirrt.. er ist kein Todesser?"
„Das steht jedenfalls da," murmelte James und runzelte unsicher die Stirn. „Das Ministerium erhebt keine Anklage gegen ihn.. sie wollen ihm nur Fragen stellen. Er wird nicht festgenommen."
„Vielleicht wollen sie nur, dass er sich stellt," schlug Remus träge vor. „Wird noch immer vermisst, oder?" Sirius nickte.
James nahm wieder die Zeitung, während Sirius zum Frühstück zurückkehrte. „Es scheint aber plausibel," überlegte James, als er den Artikel noch einmal las. „Wenn sie nicht genug Beweise haben, könnten sie vielleicht versuchen wollen, ihn dazu zu kriegen, ein paar Namen zu nennen. Und sowieso scheint Täuschung nicht wie Lathes Stil."
Remus blickte daraufhin hoch. „Lathe? Der Autor? Was hat er damit zu tun?"
„Er ist der Auror in dem Fall," erklärte Sirius.
„Ich dachte, er wäre auf dem Hogwartsfall," protestierte Remus. Sirius schüttelte seinen Kopf.
„Es sieht so aus, als ob der abgeschlossen wäre," sagte er grimmig. „Das Ministerium hat in diesen Tagen eine Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfisches."
„Die letzte Gruppe von Auroren, die das Schloss bewacht haben, ist letzte Woche gegangen," steuerte Peter bei. „Jetzt muss Dumbledore für den Schutz des Schlosses sorgen."
„Bis jetzt hat er sich gut geschlagen, oder?" verteidigte James hart. Die anderen drei nickten sofort und James war beschwichtigt. „Jedenfalls…" Er atmete aus und nahm sich ein weiteres Stück Schinken. „erklärt es, warum Harper eine so gute Laune hat."
Die anderen kehrten ebenfalls zu ihrem Frühstück zurück. „Hat er das, ja?" murmelte Sirius, bevor er etwas lautlos hinzufügte, was James nicht hören konnte. Der Quidditchkapitän entschied, das Thema jedoch nicht weiter zu verfolgen und las, nachdem er sein Kinn auf seiner Handfläche aufstützte, den Rest des Artikels zu den drei toten Auroren.
Ja, tatsächlich, er könnte eine Zigarette gebrauchen.
(Rette mich)
Donna hatte ihr Hemd falsch zugeknöpft.
Sie bemerkte es nicht, bis sie zu dem letzten Knopf ihrer Bluse kam, wo sie ein extra Loch und die unebenen Enden ihrer waldgrünen Bluse entdeckte. Verärgert seufzend begann sie die Knöpfe wieder aufzumachen um von vorne anzufangen.
„Bereit für noch eine Runde, na?" fragte eine freche Stimme irgendwo hinter ihr und Donna verdrehte ihre Augen und weigerte sich, sich umzudrehen. Sie starrte entschlossen auf die Perlknöpfe ihres Oberteils hinunter, nicht ein einziges Mal aufschauend, damit sie nicht die Reflexion im Spiegel vor ihr sah.
„Kein Reden," befahl sie. „Das ist die Regel."
„Herrisch. Ich mag es." antwortete die Stimme. Ein sehr oberkörperfreier Charlie Plex schritt nach vorne, legte sein Kinn auf Donnas Schulter und versuchte seine Arme um ihre Taille zu schlängen. Sie wand sich schnell weg.
„Das auch nicht," befahl die Gryffindor, ihre Arme verschränkend. „Ich bin nicht deine Freundin. Ich kuschele nicht."
Charlie schien sich plötzlich an was zu erinnern. Seine Augen huschten durch den Schlafsaal zum Waschtisch, wo er seine Armbanduhr vor einer halben Stunde abgelegt hatte. „Apropos," murmelte er, während er den Gegenstand um sein Handgelenk band. „Ich sollte besagte Freundin um elf im Dorf treffen. Ich sollte hinuntergehen."
Donna zuckte mit den Achseln. „Du willst dir vielleicht zuerst ein Hemd anziehen, Plex. Warte aber eine Minute. Ich will nicht alleine durch deinen Gemeinschaftsraum laufen. Jemand könnte…"
„Es ist ein Hogsmeade-Wochenende," erinnerte Charlie sie und zog sich ein langärmliges T-Shirt über den Kopf, gefolgt von einem grünen Strickpullover. „Keiner wird deinen Walk of Shame sehen."
Donna verdrehte ihre Augen ohne sich die Arbeit zu machen, ihn zu erinnern, dass „Scham" die sinnlose Folge eines bedeutungslosen sozialen Konstrukts war, das keinen Platz in ihrem Vokabular hatte. „Die Erst- und Zweitklässler dürfen nicht nach Hogsmeade, Idiot," bemerkte sie stattdessen.
„Ich gehe vor um sicherzugehen, dass die Luft frei ist," antwortete Charlie, während Donna in ihre braunen Lederstiefel schlüpfte. „Und das ist sie… jeder ist im Dorf…" Hier grinste er in Donnas Richtung. „Wie ich es auch wäre, wenn du nicht vorbeigekommen wärst. Ich dachte, wir hätten einen Zeitplan, Shacklebolt."
„Fick dich," murmelte sie, den zweiten Stiefel anziehend. Es stimmte jedoch. Sie hatte nicht geplant, Charlie an diesem Morgen zu treffen… tatsächlich hatte sie nach Mittwochabend nicht geplant, sich je wieder mit Charlie ‚zu treffen'. Sie hatte nicht geplant, sich je wieder nach Montagnachmittag oder Sonntag oder Donnerstag zuvor oder den anderen halb dutzend Malen mit Charlie zu treffen. Es passierte einfach. James Potter hatte gesagt: „Such dir ein Ventil." und sie hatte eins gefunden… na und wenn er ein komplettes Arschloch war? Na und wenn er eine Freundin namens Cassidy hatte? Sie kannte Cassidy kein Stück - es machte keinen Unterschied zu Donna.
Wirklich.
Sie fühlte sich nicht schuldig… das wäre bloß eine weitere irrationale Emotion, die sie so professionell von ihrer Person entfernt hatte. Sie fühlte sich nicht schuldig.
Wirklich.
„Also, warum hast du dich entschieden, mich zu besuchen?" drängte Charlie beim Mantelanziehen, während er versuchte, sie nicht anzuschauen und sich so anzuhören, als ob es ihm nicht wichtig wäre. „Konntest du nicht widerstehen?"
Nicht in einer Million Jahre hätte Donna Charlie den wahren Grund gesagt, warum sie gekommen war… dass sie wegen einem dummen, unbedeutsamen Streit mit Marlene beim Frühstück (wie immer über Miles und was an Weihnachten passiert war - oder auch nicht…) so in Rage geraten war, dass sie etwas tun musste… irgendwas um die Stimme in ihrem Hinterkopf zum Schweigen zu bringen, die ihr sagte, dass sie sich einfach entschuldigen sollte… sich mit Marlene versöhnen, weil sie ihr von Miles hätte erzählen sollte… dass sie das Falsche getan hatte.
Aber Dinge durchzudiskutieren war nicht der Zweck ihrer Besuche bei Charlie Plex.
„Ich habe dir gesagt," sagte Donna, die auf ihre Füße kam und sich ihren eigenen Mantel und Schal schnappte. „Kein Reden."
Charlie zuckte nur die Schultern. „Ich komme zurück, wenn die Luft frei ist," sagte er und mit einem letzten selbstgefälligen Blick drehte er sich um und verließ den Schlafsaal der Ravenclaw Sechstklässler. Donna knotete ihren Schal und bewegte sich zum Spiegel. Ihr ernstes Spiegelbild starrte zurück. Sie kämmte ihren engen schwarzen Locken mit einer Hand, glättete ihren Mantel und atmete tief durch.
Nein, überhaupt nicht schuldig.
(Liebe wird uns zusammenhalten)
Der Schnee hatte beinahe begonnen zu schmelzen, obwohl dicker weißer Schneematsch am Rand der Straßen und auf den Hogsmeade Gebäuden liegen geblieben war. Die Straßen waren voll, belebt mit Verkäufern und Einkäufern, alle warm eingepackt gegen die kalte Februarluft. Rosa Schleifen und rote Rosen schmückten Läden und ein Klang, der sich vage nach den vokalen Ergüssen von Celestina Warneck anhörte, schwebte aus einer offenen Tür unten in der Straße durch die Luft.
Lily nahm Lukas behandschuhte Hand in ihre und zog ihn näher, als sie ihren Weg die Hauptstraße entlang machten. „Mir ist es egal, dass Valentinstag eine lächerliche Ausrede für einen Feiertag ist, nur für den Zweck weibliche Stereotypen zu propagieren und Kerlen Schuldgefühle einzureden, wenn sie keine Dinge kaufen," sagte sie strahlend. „Ich mag ihn."
Luke schaute über seine Schulter zu dem erröteten Mädchen an seiner Seite. Er bewertete sie, sie sah es und sie fühlte sich plötzlich unsicher: sie hatte sich nicht schick gemacht, überhaupt nicht. Ein grauer Mantel verbarg das farbigste Teil ihres Ensembles (einen rosafarbenen Pullover). Dazu trug sie gestrickte Handschuhe, einen jadegrünen Schal und einen schwarzen Kordrock passend zu schwarzen Wollstrumpfhosen und schwarzen Stiefeln. Nicht sehr valentinstagshaft und Lily wartete neugierig auf Lukas Schlussfolgerung. Er lächelte breit und ehrlich. „Du siehst lieblich aus, weißt du, Blume."
„Oh, dankeschön," sagte Lily liebevoll, ebenfalls lächelnd. „Selbst wenn das komplett falsch ist. Meine Haare sind wahrscheinlich gerade am Trocknen, was Chaos in dem Teil bedeutet und meine Handschuhe passen nicht zusammen." Sie hielt ihre Hände hoch - eine war noch immer mit Lukas verbunden - um zwei verschiedene Handschuhe zu zeigen, der gleiche Stil, aber andere Farben (waldgrün und dunkellila). Luke hob eine fragende Augenbraue. „Ich konnte den anderen grünen nicht finden," erklärte Lily. „Und der Daumen des anderen lila Handschuh hat ein Loch. Also… Problem gelöst." Sie lächelte zufrieden mit ihrer Entscheidung und Luke küsste sie auf die Wange.
„Du bist einfach süß," bemerkte er.
„Mmm, aber du solltest das nicht sagen," beharrte die andere verdrossen. „Es setzt einen hohen Standard und dann fühle ich mich, als ob ich die ganze Zeit süß sein muss."
„Aber du bist die ganze…" Luke hielt plötzlich inne und Lily bemerkte, dass er ihr nicht mehr in die Augen sah… etwas über seiner Schulter hatte seine Aufmerksamkeit gepackt. Die Gryffindor sah sich schnell um, sah aber nichts, abgesehen von einem typischen, überfüllten Verkaufsraum.
„Was ist los, Luke?" fragte Lily und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder einmal auf ihren Freund. Er blinzelte ein paar Mal und schüttelte dann energisch seinen Kopf.
„Nichts. Ich dachte, ich hätte etwas… etwas Seltsames gesehen… es… ist egal."
Lily blieb unüberlegt, aber Lukes Laune - die in den letzten paar Monaten entschieden trostlos gewesen war - zeigte weiterhin deutliche Verbesserung an dem Morgen (unbezweifelbar wegen dem Artikel über seinen Bruder in der morgendlichen Zeitung). Das Paar hielt an ein paar Läden an, kaufte ein paar unwichtige Kleinigkeiten und flirtete in der kitschig romantischen Art, die Luke immer inspirierte.
Für einen kurzen Moment wünschte Lily, dass es immer so zwischen ihnen sein könnte… nie ernst oder dramatisch: einfach gemütlich. Glücklich. Fast sofort fühlte sich Lily jedoch für die Illoyalität solcher Gedanken schuldig und schob sie aus ihrem Kopf. Es war kurz vor Mittag, als Luke fröhlich fragte, ob sie für ein heißes Butterbier in die Drei Besen gehen wollten und Lily stimmte gerne zu.
(Verliebte Teenager)
„Alice Griffiths, trinkst du alleine?"
Alice sah von ihrem Glas hoch und lächelte ihren neuen Begleiter an - den uncharakteristisch einsamen Sirius Black. Naja - einsam nur im weitesten Sinne: die allgegenwärtigen anderen drei beanspruchten Plätze an der lebhaften Drei Besen Bar, wo James schamlos Madam Rosmerta anmachte. Und natürlich war der ganze Pub voll mit Schülern und Nichtschülern gleichermaßen. Sirius lehnte sich in der Zwischenzeit mit seiner üblichen sorglosen Eleganz an den Tisch.
„Nur Butterbier," versicherte Alice ihm als Antwort auf den irgendwie suggestiven Ton. „Also komm nicht auf irgendwelche Ideen."
„Ich habe keine Ideen," sagte Sirius ihr und lud sich selbst dazu ein, ihr gegenüber zu sitzen. „Das macht mich so unglaublich einzigartig."
„Wie kommst du darauf?"
„Tja, jeder hat Ideen, oder? Pläne, Gedanken, Überlegungen - nicht ich. Dinge passieren einfach und ich lasse sie… ab und zu handelnd, aber immer in einer total noch nie dagewesenen Art."
„Nichts ist total noch nie dagewesen."
„Alles, was ich tue, schon."
Alice verdrehte ihre Augen, lächelte aber. „Kann ich dir eine Frage stellen, Sirius?" fragte sie, irgendwie ernst.
„Während ich mich von der offensichtlichen ‚Das hast du schon'-Antwort abhalte: Ja." Er grinste sie charmant an.
„Warum bist du so nett zu mir?" fragte sie.
„Oh, das ist ein übliches Missverständnis - ich bin nett zu allen." Alice warf ihm einen spitzen Blick zu. Er versuchte es wieder, ehrlicher, aber immer noch voll Leichtigkeit: „Ich mag dich, Alice Griffiths."
„Magst mich," wiederholte sie. „Magst mich wie?"
Er überlegte. „Auf die übliche Art, stelle ich mir vor."
„Sirius."
„Ich mag dich," begann er, während er anfing von dem Tisch aufzustehen, „genug, um dir genau jetzt ein Butterbier zu holen."
„Ich habe schon ein Butterbier."
„Ah, aber es ist fast leer."
Alice hatte es nicht bemerkt, aber ein Blick auf ihr Glas sagte ihr, dass der Rumtreiber Recht. „Oh. Tja, in dem Fall…"
„Komm mit, Miss Griffiths."
Sie folgte ihm zur Theke, wo zwei Dutzend oder mehr Schüler ebenfalls auf die Aufmerksamkeit der bedrängten Mitarbeiter warteten. „Es wird ein wenig dauern," beobachtete Alice. Sirius grinste sie an und schüttelte seinen Kopf.
„Wird es nicht. Komm, ich zeig dir eine Abkürzung."
(Eine Art von Wundervoll)
„Habe ich schon Danke gesagt?" fragte Marlene, die vor einem Kleidergeschäft anhielt um das Schaufenster zu betrachten. Adam, der neben ihr stand, grinste.
„Ungefähr sechzehn Mal, aber wer zählt schon?"
Marlene lachte. „Es tut mir leid! Ich bin bloß wirklich dankbar - ich denke nicht, dass ich es aushalten würde, allein zu sein und Carlotta Meloni" - sie sprach den Namen mit extra Abscheu aus - „und ihrem bildhübsches Siebtklässler Date über den Weg zu laufen."
„Manche Kerle sind nicht wählerisch," sagte Adam achselzuckend. Aber da war ein Funkeln in seinen Augen und Marlene verschränkte ihre Arme - trotzdem ein wenig lächelnd.
„Deine unehrliche Loyalität wird ebenfalls geschätzt," sagte sie. „Was denkst du von den Schuhen? Den blauen?" Die Blondine zeigte auf ein Paar Pumps im Schaufenster.
„Ich hoffe, dass du mich nicht nach meiner Meinung zu Kleidern fragst, Price," antwortete Adam. „Weil ich mich vielleicht erhängen muss, wenn du das tust."
Marlene lachte wieder. „Nicht im Traum," sagte sie. „Als ob es nicht schlimm genug ist, dass ich dich gefragt habe, ob du den Tag mit mir verbringen willst, wenn du ihn mit einem Mädchen verbringen könntest… ich meine, ein anderes Mädchen: Nicht im Traum würde ich es wagen, dich zu Kleidern zu befragen!" Sie warf wieder einen Blick auf die Schuhe. „Aber ich denke, ich werde kurz reinrennen und nach dem Preis gucken… ich bin gleich wieder da - willst du mit reinkommen oder wartest du lieber draußen?"
Adam hob seine Augenbrauen. Es ist eine harte Entscheidung," sagte er sarkastisch, „Aber ich denke, ich warte draußen."
„In Ordnung. Ich bin in einer Minute wieder da." Marlene verschwand in dem Laden und Adam wanderte zum Schaufenster des Ladens nebenan. Ein paar Sekunden vergingen und dann rief eine Stimme den Namen des Gryffindors und zog ihn aus seinen abwesenden Überlegungen.
„McKinnon!"
Er sah hoch. Miles Stimpson schwebte über seiner linken Schulter. „Äh… leichtes Eindringen in meine Privatsphäre?" murmelte Adam, während er zur Seite schritt. „Wie kann ich dir helfen, Stimpson?"
„Gehst du mit Marlene aus?" fuhr Miles ihn an. Er sah nicht gut aus, bemerkte Adam - sein braunes Haar war ungekämmt und seine Haut schien ein wenig bleich, wenn man die 0Kälte beachtete. Für den kürzesten Moment fühlte Adam Mitleid für den Zauberer… offensichtlich kam der Ravenclaw mit dem Beziehungsende nicht so gut zurecht wie Marlene. Nichts davon änderte jedoch die Gründe für die Trennung und Adams Mitleid war deshalb deutlich eingeschränkt.
„Im Moment nicht - sie ist drin," antwortete der Gryffindor.
„Verarsch mich nicht," fuhr Miles ihn an. „Antworte auf die verdammte Frage. Bist du mit Marlene zusammen?"
„Bist du mit Carlotta zusammen?"
Miles bebte vor Wut. „Du Idiot," bellte er, drohend nähertretend. „Ich habe dir immer vertraut, obwohl du so ein ‚guter Freund' von Marlene warst… hast all die Zeit mit ihr verbracht, aber ich habe kein Wort gesagt… dachte, es wäre bloß fair, wenn sie einen Kumpel in ihrem Haus hat, aber die ganze Zeit hast du darauf gewartet, meinen Platz einzunehmen und…"
„Und das sagst gerade du," unterbrach Adam. „Eigentlich finde ich es ziemlich befriedigend, dass du so ein verdammtes Wrack bist… hast es endlich eingesehen? Verstanden, dass Marlene oder sonst eine selbstrespektierende Tussi wirklich zehntausend Mal zu gut für dich ist?"
„Du sagst nichts über Marlene." Er zog seinen Zauberstab. Adam war nicht besorgt.
„Willst du mich verhexen, Miles?" fragte er beinahe träge. „Genau hier - mitten auf der Straße? Richtig, das ist ein verdammt brillanter Weg deine Hogsmeadeerlaubnis für den Rest des Jahres zu verlieren."
Miles blickte finster, aber er steckte seinen Zauberstab wieder zurück in seine Tasche. „Du wirst für Marlene Price nie mehr als eine Schulter zum Ausheulen sein, McKinnon." spuckte er.
„Worüber muss sie sich denn ausheulen, jetzt, wo ihr zwei nicht mehr zusammen seid?" sagte Adam ruhig.
„Pass bloß auf," Miles verschwand in der Menschenmenge und dem Gedränge des Dorfes nur Sekunden, bevor Marlene aus dem Laden trat.
„Tja, ich fühle mich offiziell arm," verkündete sie fröhlich. „52 Galleonen. Agrippa! Stell dir Mal vor, diese Menge an Geld zu haben… ist irgendwas los, Adam?"
Sie bemerkte seinen Gesichtsausdruck und Adam änderte ihn schnell. Er lächelte und schüttelte seinen Kopf.
„Nein, nein, nichts ist los," sagte er ihr. „Und jetzt, was meinst du? Schallplattenladen? Es gibt diese neue Band, die genial sein soll. Die Fresh Blonds, glaube ich…"
Marlene nickte. „Sie sind genial. Lily hat die Platte zu ihrem Geburtstag bekommen."
„Das hast du mir verheimlicht, Price."
„Es tut mir ehrlich leid. Ich mach es aber wieder gut - ich werde mit dem Verkäufer flirten. Er reduziert immer ein paar für mich."
Adam hob eine Augenbraue. „Ich sollte häufiger mit dir shoppen gehen."
(Halt mich, fessel mich, küss mich)
Sirius Black benutzte den Begriff „Abkürzung" in einem weiten Sinne, wie Alice Griffiths sehr bald erkannte, als er sie ins Hintere des Pubs führte, hinter die Bar, durch einem engen Torbogen in einen langen schlachtbeleuchteten Gang.
„Was ist das?" fragte Alice leicht nervös. Sie hatte jedoch keinen Grund für Angst. Der Pub war voll und laut, keiner achtete auf sie.
„Tja, all diese Zimmer in dem Gang - private Sitzecken," antwortete Sirius, der zu den mit Vorhängen abgegrenzten Türrahmen nickte, die den Gang entlang auftauchten. „Und dort am Ende…" Er zeigte zu einer hölzernen Tür am Ende des Ganges. „Tagesvorräte."
Alice verschränkte ihre Arme. „Ich werde kein Butterbier stehlen."
„Gut, ich auch nicht," antwortete Sirius fröhlich. „Ich bezahle Rosie, wenn weniger los ist." Nach ihrem skeptischen Blick fügte er hinzu: „Ich verspreche es, komm schon." Und wieder einmal packte er - sanft - ihr Handgelenk und führte sie, dieses Mal durch den Korridor. Die Tür war verschlossen, aber Sirius änderte dies schnell mit einem Taschenmesser einer Art, die Alice noch nie zuvor gesehen hatte. Sie konnte nicht anders als ein bisschen beeindruckt zu sein, als das Schloss klickte und die Tür aufschwang um eine fackelbeleuchtete Kammer zu enthüllen, die gefüllt war mit Regalen und Regalen voll Butterbierkästen und verschiedenen anderen Gegenständen, die Alice als Teil des Drei Besen-Menüs erkannte.
„Es gibt einen Keller für längerfristige Vorräte," erklärte Sirius und griff zwei Butterbierflaschen von einem Regal. „Das hier ist nur das, von dem erwartet wird, dass es in den nächsten zwei Tagen gebraucht wird."
„Wie hast du das gefunden?" fragte Alice neugierig. Sie nahm die ihr angebotene Flasche an und Sirius schloss die Tür wieder hinter ihnen
„Die meisten Läden in Hogsmeade haben den gleichen Grundriss," antwortete er achselzuckend. „Pr- James und ich sind als Viertklässler in Chortles Schokoladen herumgeschlichen und haben das herausgefunden… es ist hier gar nicht so anders. Hey, warte kurz." Sie hielt an, sie hatte vorgehabt, den Flur wieder zu verlassen und wieder in den Hauptraum zu betreten. In Sirius grauen Augen glitzerte es spitzbübisch. „Willst du lauschen?" flüsterte er.
„Was?"
„Die privaten Tisch," führte er aus. „Ich habe hier einmal herausgefunden, dass McGonagall uns einen Überraschungstest hat schreiben lassen wollen."
„Sirius."
„Leb ein bisschen, Alice," zog der Rumtreiber sie zwinkernd auf. „Hier…" Er stand nah an einer Wand, sich so lehnend, dass sein Ohr den Vorhang einer privaten Sitzecke berührte. „Hmm, zwei Geschäftsmänner, wie es sich anhört… anscheinend wird Bartley gerade gefeuert."
„Wer in Agrippas Namen ist Bartley?"
„Keine Ahnung…" Sirius bewegte sich zu einem anderen Vorhang. „Oi, hier haben wir Lehrer," flüsterte er aufgeregt. Alice trat näher um zu hören. „Das muss McGonagall sein, die da redet…" überlegte der junge Zauberer. „Und… und das ist der Lehrer von Alte Runen… er redet mit ‚Kelley'. Wer ist Kelley? Oi, die Arithmatiklehrerin, oder?"
„Psst," huschte ihn Alice. „Ich versuche zuzuhören!"
„Du Rebellin."
„Halt die Klappe." Aber sie lächelte.
„Jemand sollte mit Dumbledore reden," sagte Professor Babble, der Alte Runen-Lehrer, er hörte sich besorgt an. „Ich glaube nicht, dass er schon Termine für Vorstellungsgespräche festgelegt hat."
„Jetzt aber, Angus," begann McGonagalls Stimme, „wir sind uns nicht mal sicher, ob das schon notwenig ist. Vielleicht brauchen wir ja keinen bis zum neuen Schuljahr…"
„Trotzdem, wir werden jemanden für das nächste Schuljahr brauchen," bemerkte eine neue Stimme traurig - Professor Flitwick, der hohen Stimme nach. „Und vielleicht brauchen wir jemanden früher, wenn man bedenkt, was Heiler Holloway gesagt hat. Es könnte jetzt jeden Tag sein."
„Es könnte aber auch noch Jahre dauern," sagte Professor Kelley. „Dumbledore will nicht, dass sich Alphard fühlt, als ob er von seiner Stelle vertrieben wird."
„Es war unverantwortlich, Black überhaupt zu engagieren," sagte Professor Babble. „Und es ist sogar noch unverantwortlicher, das Ganze von den Schülern geheim zu halten."
„Niemand wusste im September, dass Blacks Zustand so weit fortgeschritten ist," antwortete McGonagall kühl. „Selbst er war ahnungslos und er hat trotzdem viel Gutes dieses Jahr getan."
„Du spielst auf seinen Neffen an," sagte Kelley und es war keine Frage. McGonagalls Antwort - wenn sie überhaupt antwortete - war unhörbar. „Vielleicht hat er einem genutzt, aber ich fürchte nicht dem anderen. Regulus, glaube ich, hat sich einer schädlichen Gruppe angeschlossen."
Jemand schnaubte - wahrscheinlich Babble, weil er als nächstes sprach: „Und was nutzt Black ihnen, wenn er noch vor Ostern tot ist?"
Alice keuchte, unbewusst den Arm ihres Begleiters berührend. „Oh, Sirius," antwortete sie. Er war ganz bleich geworden. „Sirius."
Aber bevor sie einen einziges tröstendes Wort aussprechen konnte, zog Sirius seinen Arm von ihr weg und ging schnell auf den Ausgang zu. Alice hatte Probleme mit ihm mitzuhalten, ihre kurzen Beine konnten Sirius langen Schritten keine Konkurrenz bieten. Er schob und drängte seinen Weg durch den vollen Pub, während er Alice' Flehen, doch nur einen Moment zu warten, ignorierte, bis er die Tür erreichte. Draußen auf der Straße fing der Rumtreiber an zu rennen.
„Sirius! Wo gehst du hin?" rief Alice ihm hinterher. Er wurde langsamer und hielt dann mehrere Läden weiter an und gab Alice somit genug Zeit um aufzuholen. Als sie ankam, war sein Gesichtsausdruck unerkennbar. Da war weder Schalk noch Freude in seinen Augen, kein Hauch eines Lächelns in seinem gut aussehendem Gesicht. Es war ganz leer. „Sirius, warte, du musst…"
Sirius schob die Butterbierflasche, die er geklaut hatte, in Alice freie Hand. „Ich muss gehen," sagte er beinahe ruhig, was ihr Angst machte.
„Naja, ich werde…"
„Nein, Alice, bleib hier," unterbrach Sirius. „Bitte, einfach nicht… bleib einfach hier und… was immer du tust,… erzähl keinem… erzähl keinem, was du gehört hast."
„Sirius."
Aber er war schon gegangen, rasend Richtung Schloss und Alice blieb allein zurück auf der belebten, verschneiten Straße.
(Meer der Liebe)
„Blume," murmelte Luke, seine Lippen gegen Lilys Haar pressend. „Du siehst wunderschön aus." Sie saßen nebeneinander an einem Tisch im Drei Besen, beide Butterbier nippend.
„Du genauso," wehrte Lily leicht ab. „Du hast so fantastische braune Augen. Weißt du, braune Augen können langweilig und flach sein, aber ich bin ziemlich neidisch auf deine. Und blau ist eine schöne Farbe für dich. Habe ich dich schon mal in diesem Pullover gesehen?"
„Ich denke nicht. Es war ein Geschenk von meiner Mutter zu Weihnachten. Gefällt er dir?"
„Sehr."
Das Gespräch wurde von einem Ausbruch von Lachen unterbrochen, das aus der Richtung der Bar kam, wo James Potter und eine Gruppe Schüler irgendeinen Quatsch machten. Lily fragte sich, was sie vorhatten (während sie reflektierte, dass auch James in seinem blauen Kaschmierreisverschlusspullover gut aussah). Luke, ein reifer Siebtklässler, verdrehte dagegen seine Augen.
„Idioten," murmelte er. „Ich mag diesen James Potter nicht."
„Er ist in Ordnung," antwortete Lily vage. „Kindisch und nervig natürlich, aber nicht komplett schlimm." Der besagte Zauberer fing an mit Untersetzern zu jonglieren. „Ja… ziemlich kindisch."
Luke nickte zustimmend. „Hast du Hunger? Wir haben noch nicht gegessen - ich könnte etwas bestellen, wenn du…"
„Eigentlich," gab Lily zu, „bin ich ein bisschen am Verhungern."
Luke rückte ab und stand auf. „Was möchtest du denn dann?"
„Willst du nicht, dass ich mitkomme?"
„Es wird wohl ein wenig dauern," antwortete Luke. Wie immer der Gentleman. „Es macht keinen Sinn, uns beide damit zu quälen."
„Aber…"
„Quatsch, Lily. Jemand muss den Tisch freihalten. Was würdest du gern essen?"
Lily gab nach. „Ich weiß nicht - äh - Fish and Chips, schätze ich."
„Sehr schön," Luke ging los. Lily blickte in ihr Dreiviertel volles Butterbierglas, während sie mit dem Lied, das im Hintergrund lief, mitsummte. Sie war für fünf Minuten alleine, als eine Stimme ihre Aufmerksamkeit packte.
„Nette Beine, Keks."
Es konnte nur James Potter sein.
Lily verdrehte ihre Augen - plötzlich ihrer bestrumpfhosten und bestiefelten Beine bewusst, die sie unter dem Tisch gekreuzt hatte - als der Zauberer selbst auftauchte und sich halb auf die Tischplatte setzte.
„Hallo James," sagte sie, ein bisschen müde.
James schien unbesorgt. Er reichte hinüber und klaute ihr Butterbierglas und nahm einen Schluck der kupferfarbenen Flüssigkeit.
Lily sah verärgert zu ihm hoch. „Du hast mein Getränk gestohlen."
„Hab ich nicht," James platzierte es grinsend vor ihr. „Also, wo ist Prinz Charming?"
„Luke bestellt gerade Essen," Lily nickte zu Bar, wo Luke gerade in der ziemlich langen, ziemlich unordentlichen Schlange wartete.
„Da braucht er noch ein bisschen," beobachtete James. Er rutschte vom Tisch und in den Platz ihr gegenüber.
„Was machst du hier?" fragte Lily misstrauisch.
„Was mache ich hier? Was mache ich hier?"
„Ja, was machst du hier?"
„Was für eine Frage."
„Sie ist ziemlich einfach, denke ich."
„Du würdest das denken, nicht?"
„James."
„Si?"
„Du weichst mir aus."
„Wie könnte ich dir ausweichen, Keks? Ich weiß nicht mal, was das Wort bedeutet."
„James."
„Eine Minute, Keks, ich versuche, deine Frage zu beantworten." Lily verdrehte die Augen. James lehnte sich nach vorne und faltete die Hände auf dem Tisch. „Ich bin hier mit meinen Freunden… trinke Butterbier… lache… genieße meine Jugend. Sie vergeht so schnell."
Lily hob eine Augenbraue. „Kein Date?"
„Kein Date."
Das Fehlen einer Erklärung oder einer Ausrede veranlasste Lily zu fragen: „Warum nicht?"
„Weil ich niemanden gefragt habe."
„Warum hast du niemanden gefragt?"
James grinste nur geheimnisvoll und reichte über den Tisch, griff ihr Butterbier und nahm noch einen Schluck.
„Würdest du damit aufhören?" verlangte Lily und schnappte es sich zurück. „Im Ernst. Du solltest gehen. Luke wird in…"
„Ungefähr einem Jahrhundert zurück sein," endete James für sie, „Wenn man danach urteilt, wie lange die Schlange ist und wie widerwillig er ist, Leute dazu zu manipulieren, ihn vor zu lassen."
„Luke ist ehrenhaft, er legt keine Leute herein," verteidigte Lily kühl. „Und ich mag es nicht, wenn du meinen Freund beleidigst. Es ist wirklich ziemlich unhöflich."
„Wirklich-ziemlich unhöflich," sang James. „Und ernsthaft, Keks? Ehrenhaft? Wenn dieser Kerl noch aufregender wird, muss ich wohl selbst mit ihm ausgehen. Ehrenhaft, höflich… wirklich. Spannend. Ist das ein Talent von ihm oder muss er das mit einer gesunden Dosis Langeweiletrank regulieren?"
Lily starrte ihn an. „Willst du, dass ich dich aus dem Fenster werfe, Potter?"
James ignorierte das. „Hat er dir diese Kette geschenkt?" fragte er. Der Rotschopf blickte automatisch auf das Schmuckstück hinunter, das jetzt, wo sie die Jacke und den Schal in der Wärme der Drei Besen entfernt hatte, sichtbar war. Es bestand aus einem herzförmigen, klar kristallinen Anhänger an einer goldenen Kette, die ungefähr vier Finger unter ihr Schlüsselbein fiel. Sie war wirklich ziemlich hübsch, obwohl sie nicht zu den Ohrringen passte, die sie an diesem Tag getragen hatte (weiße Ringe).
„Ja, das hat er," antwortete sie für einen Moment abgelenkt von ihrer Aufgabe, sich noch mehr Konversation mit dem Zauberer zu entziehen. „Hübsch, oder?"
„Sicher," James zuckte mit den Achseln, sich einen weiteren Schluck Butterbier klauend. „Wenn du geschmacklose Dinge magst."
Lily klaute sich wieder einmal das Butterbier zurück, schäumend vor Wut. „James."
„Oui?"
Sie überlegte kurz, was sie sagen wollte, jetzt, wo sie seine begrenzte und wandernde Aufmerksamkeit hatte. „Was machst du hier?"
„Das habe ich schon beantwortet."
„Nein," sagte die Vertrauensschülerin ernsthaft. „Ich meine, was machst du hier? An meinem Tisch. Mir Ideen von Selbstmord gebend."
„Ich wette, das sind nicht die einzigen Ideen, die ich dir gebe."
„Tja, Mord ist auch auf dem Tisch."
„Du genießt unseren spielerischen Schlagabtausch nicht, Keks?"
„Beantworte die Frage, James. Und hör auf, mich so zu nennen."
„Ich habe dich nicht So genannt. Ziemlich unpersönlich und vage… keiner würde wissen, mit wem ich rede."
„James."
„Ja, So?"
Wenn sie nicht so wütend gewesen wäre, hätte Lily vielleicht gelacht. „Du nervst," fuhr sie ihn an. „Bitte geh."
„Aber ich habe deine Frage noch nicht beantwortet."
„Und wessen Schuld ist das?"
„Deine." James versuchte einen weiteren Schluck Butterbier zu stehlen, aber Lily schlug seine Hand weg. Während er klagend seine verwundete Hand rieb, führte er aus: „Du bist diejenige, die mich mit Gerede von ausgedachten Spitznamen und deinen Fantasien über mich ablenkt. Ich versuche dir zu antworten, was ich hier mache, aber du lässt mich nicht. Ich werde nicht lügen, es ist wirklich ein bisschen frustrierend."
Lily biss sich auf die Lippe um nicht zu fluchen. Es machte sie wütend zu sehen, dass die wütende Errettung auf ihren Wangen James lächeln ließ.
„Jedenfalls," fuhr er gesprächig fort, „habe ich tatsächlich etwas sehr Wichtiges mit dir zu besprechen."
„Warum bezweifle ich das?"
„Ich weiß nicht, warum tust du das?"
„Mach schon, James."
Der Quidditchkapitän zuckte mit den Schultern. „Hast du die Zeitung gelesen?"
Lily verdrehte ihre Augen. „James, was hat das mit…?" Und dann hielt sie inne, als sie erkannte, was er zu sagen versuchte. „Du meinst, wegen Logan Harper?" James nickte, wirklich ernst jetzt. „Er ist kein Todesser. Sie wollen ihn bloß als Zeugen oder so."
„Tja, das ist, was die Zeitung gesagt hat," tat James ab, er lehnte sich zurück und verschränkte seine Arme. „Ob du es glaubst oder nicht, ist eine andere Sache, aber darüber spreche ich nicht."
„Aber ich dachte…"
„Hast du den Artikel gelesen oder hast du bloß Prinz Charmings Zusammenfassung gehört?" unterbrach James.
„Ich habe ihn gelesen," entgegnete Lily.
„Und hast du den Teil über Lathe gelesen?"
„Dass er derjenige ist, der die Aussage gemacht hat, dass Lathe kein Todesser ist?" stellte sie verwirrt klar.
„Genau."
„Genau was?"
„Genau das. Siehst du nicht, was das bedeutet? Wenn Lathe an dem Fall von Logan dran ist…"
„Dann ist er nicht mehr am Hogwartsfall!" endete Lily, überrascht, dass ihr die Implikation nicht schon früher aufgefallen war.
James schüttelte jedoch ungeduldig seinen Kopf. „Nein, nein. Das war, was ich zuerst dachte. Aber was ist, wenn es derselbe Fall ist? Was ist, wenn Lathe die Schule verlassen hat um nach Harper zu suchen, weil er für die fast-Selbstmorde verantwortlich ist?"
„Aber Logan Harper ist kein Todesser?"
Der Quidditchkapitän wedelte seine Hand abweisend. „Wie auch immer. Selbst wenn man unter dieser Prämisse arbeitet…" (Lily blickte finster.) „hat er vielleicht den Müll versteckt ohne zu wissen, was es war oder…"
„Welchen Müll versteckt?" unterbrach Lily.
„Den Müll, der Carlotta, Adam und dieser Hufflepuff einen Todeswunsch gegeben hat," erklärte James, als ob es offensichtlich wäre. „‚Dunkel magische Gegenstände' oder wie auch immer es Heiler Holloway genannt hat. Erinnerst du dich?"
„Natürlich erinnert ich mich."
„Sie haben geglaubt, dass sie im Steinkeller der Harpers gelagert wurden, ja?"
„Ja…"
„Und ich habe Mr. und Mrs. Harper getroffen… Es ist genauso wahrscheinlich, dass sie Todesser sind, wie Frank Longbottom einer ist."
Lily runzelte die Stirn. „Du hast Mr. und Mrs. Harper getroffen?"
„Ich habe jeden getroffen," erklärte James nachlässig. „Der Punkt ist, jemand muss sie dort hingetan haben und wer hätte Zutritt, wenn nicht Logan Harper?" Lily öffnete ihren Mund um zu widersprechen, aber James fügte hinzu: „Selbst wenn es ein Unfall war. Selbst, wenn er nicht wusste, was er versteckte oder für wen er es versteckte. Vielleicht hat er gedacht…" James hielt plötzlich inne.
„Was?" fragte die andere verwirrt.
„ich habe gerade einen Gedanken," sagte er.
„Ich bin überrascht."
„Lustig. Nein, ernsthaft, das ist gut." Lily wartete mit erhobenen Augenbrauen. „Was wenn," fuhr James fort, „die magischen Objekte im Keller der Harpers dieselben Dinge sind, die in den Zeitungen waren. Du weißt schon, die illegalen Substanzen, die riesengroß im Tagespropheten waren… die Schmuggler, von denen sie denken, dass sie Todesser sind, die sie aber nicht fangen können…"
„Die Schmuggler, die gestern die drei Auroren getötet haben," fügte Lily dunkel hinzu.
James nickte. „Das waren jede Menge Dinge," fuhr er fort und versuchte sich an alles zu erinnern, was er darüber gelesen hatte. „Zaubertränke, ein paar verfluchte Artefakte, die Zauberer vor Ewigkeiten wegnehmen mussten, um zu verhindern, dass Muggel sich selbst damit verhexten, als sie die Pyramiden schändeten und ausnahmen…"
„Und ein paar der gefährlichen Gegenstände wurde letzten Sommer gestohlen," endete Lily. „Das Ministerium dachte, dass es vielleicht ein Teil von dem ist, was die Todesser versuchen, ins Land zu bringen, richtig?"
„Warum sich die Mühe machen?" fragte James müde.
„Die Urahnen hatten mächtige Zauberer und Hexen," antwortete Lily. „Sie hatten jede Menge starker Magie und jede Menge starker dunkler Magie, von der ich wette…" sie zögerte, „von der ich wette, dass Voldemort nichts dagegen hätte, sie in seine Finger zu kriegen." Sie waren beide still und dann sah Lily hoch zu ihrem Klassenkameraden, ihre Lippe beißend, aber dieses Mal aus Konzentration, als sie versuchte, ihn zu verstehen. „James, warum bist du…?"
„Hallo, Harper," unterbrach James plötzlich und strahlend. Lily sah auf und sah, wie sich ihr Freund dem Tisch näherte.
„Potter," antwortete Harper mit viel weniger Wärme. „Ich glaube, du sitzt auf meinem Platz."
James schüttelte seinen Kopf. „Nein. Du hast neben Keks gesessen, wenn ich mich recht erinnere."
Luke sah fragend zu Lily. „Keks?"
„Das ist James' spezielle Art mich dazu zu bringen, ihn töten zu wollen," sagte Lily, falsch süßlich den Gryffindorkapitän anlächelnd. Er antwortete in der gleichen Art, bevor er Lukes Wunsch nachkam und vom Tisch aufstand. „Jedenfalls war es nett mit dir zu reden, Keks. Und es tut mir leid, aber ich knutsche nicht mit Mädchen, die einen Freund haben."
Lukes Gesicht wurde daraufhin sehr rot und er schien bereit, James dafür eine reinzuschlagen, sodass Lily schnell seine Hand packte. „Natürlich tust du das nicht, James," witzelte sie. „Du knutschst nur die Freunde." Ein schiefes Lächeln begann sich auf James Lippen zu bilden und er hätte geantwortet, aber sie schnitt ihn ab: „Bitte geh." Ein Hauch Flehen war in ihrer Stimme und James nickte.
„In Ordnung," sagte er. Luke rutschte wieder in den Stuhl neben Lily und James begann davonzugehen.
„Warte," sagte Lily plötzlich, was James und Luke dazu veranlasste, sie überrascht anzusehen. „James," begann sie, während sie ihn entschlossen ansah und nicht die Gefahr einging, einen peripheren Blick auf Luke zu werfen. „Warum bist du gekommen… warum hast du mir die Dinge erzählt, die du mir erzählt hast?"
James dachte über die Frage nach. „Versteh es als eine Warnung," sagte er schließlich. „Schönen Tag noch, Harper." Mit einem freundlichen Gruß kehrte er zu seinen Freunden an der Bar zurück. Luke drehte sich zu Lily um.
„Was hat er jetzt damit gemeint? Worüber hat er mit dir gesprochen?"
Lily seufzte und schüttelte ihren Kopf. „Es war… nichts. Bloß etwas Blödes über… Fliegen. Und… Quidditch." Die Rothaarige beklagte ihr schlechtes Lügen und küsste stattdessen Luke weich auf die Lippen. Er war genügend abgelenkt.
Währenddessen bewegte sich James, als er wieder bei seinen Klassenkameraden war, direkt zu Remus und Peter, die über einen Witz lachten, den der Hufflepuff Liam Lyle gerade erzählt hatte. Sirius war vor etwa zwanzig Minuten verschwunden, jedoch wussten sie nicht, wo er hingegangen war. James zog die zwei anwesenden Rumtreiber aus der Menge.
„Hat einer von euch den Umhang mitgebracht?" fragte er leise.
Remus schüttelte den Kopf. „Wormtail hatte ihn zuletzt."
James sah Peter an, der auch seinen Kopf schüttelte. „Sorry, Prongs, er ist oben im Schlafsaal. Warum brauchst du ihn?"
„Ich hatte eine Idee," murmelte der andere abgelenkt. „Ich denke, ich werde ein wenig im verlassenen Laden der Harpers herumschnüffeln."
Remus sah skeptisch aus. „Ich denke nicht, dass das eine gute Idee ist, Prongs," sagte er kopfschüttelnd. „Ein ganzes Team aus Auroren konnte nichts finden - ich bezweifle, dass du mehr Glück haben wirst als sie. Außerdem ist es gefährlich."
„Ich gehe," sagte James entschlossen. „Kommt ihr zwei auch oder nicht?"
Remus und Peter wechselten einen Blick. „Na gut," sagte Remus schließlich. „Du gehst den Umhang aus dem Schloss holen, wir warten hier."
James nickte. Er nahm seinen Mantel und Schal und schob sich mit einem letzten Blick zu Lily und Luke durch die Menge aus dem Pub.
(Sweet Caroline)
„Oh mein Merlin."
„Ich weiß, oder?"
„Oh mein Merlin."
„Ich weiß."
„Oh mein Merlin."
„Ich weiß!"
„Oh mein…"
„Adam. Hör auf."
Adam fügte sich widerwillig Marlenes Anweisung und betrachtete stattdessen die Platte, die er gerade erstanden hatte, während die zwei aus dem Laden erschienen. Er hielt den Gegenstand wie ein heiliges Objekt, das Gefahr ließ zu zerbrechen.
„Das ist das beste Album des Jahrzehnts," sagte er. „Nein, das ist das beste Album des Jahrhunderts. Nein, das ist das beste Album des…"
„Adam." Aber ihr Gesicht war amüsiert. „Es ist gut, oder?"
„Es hat mein Leben verändert!"
Marlene lachte. „Du hast bloß die Hälfte gehört. Möchtest du hoch ins Schloss und dir den Rest anhören?"
Adam überlegte es sich. „Nein," antwortete er nach einer Weile. „Ich denke, ich brauche dafür Zeit… du weißt schon, mehrere Stunden, spät in der Nacht, etwas zum Essen… das ganze Erlebnis."
Marlene schüttelte ihren Kopf. „Du bist verrückt, aber wie du willst. Was willst du als nächstes machen? Wir waren schon bei Zonkos und in den Drei Besen…"
„Was willst du machen?" fragte Adam, während er sich die neue Platte unter den Arm steckte.
„Keine Ahnung. Ich bin wirklich offen für alles."
„Langweilig," verkündete der Zauberer, was ihm einen spielerischen Schlag gegen den Arm von seiner Begleiterin erntete. „Im Ernst, Marlene. Wenn du jetzt irgendwas in der ganzen Welt machen könntest, was wäre es?"
Marlene seufzte. „Coca Cola. Ich würde jetzt zu gern eine Coca Cola trinken."
„Muggelgetränk?" fragte Adam nach und sie nickte. „Hmm… okay. In Ordnung. Was sonst noch?"
Marlene sah skeptisch aus. „Was meinst du?"
„Was willst du sonst noch machen? Irgendwas, komm schon."
Nachdenklich nahm sich die Blondine etwas Zeit um zu antworten. Schließlich sagte sie: „Ich würde gern fliegen. Der Himmel sieht heute wunderschön aus. Aber offensichtlich…"
„Lass uns es tun."
„Was?"
„Fliegen. Das Feld wird heute Nachmittag frei sein."
„Aber das Dorf…"
„…wird in zwei Monaten hier sein, wenn wir unseren nächsten Besuch haben. Wenn du fliegen willst, machen wir das."
„Ich möchte aber nicht dein Hogsmeade Wochenende verschwenden," protestierte Marlene schwach. „Nur weil ich es will, heißt das nicht…"
„Ich habe meine Platte. Ich bin glücklich. Ehrlich." Adam hielt demonstrativ seine Platte hoch und sein Gesichtsausdruck brachte Marlene zum Lachen. „Komm schon - du kannst für nächstes Jahr trainieren, wenn du in der Mannschaft spielst."
„Nächstes Jahr wird es keinen freien Platz im Team geben," bemerkte Marlene, aber sie lächelte. „Bist - bist du dir sicher?"
Adam runzelte die Stirn. „Nein, bin ich nicht."
„Was?"
„Ich mache Witze - natürlich bin ich mir sicher. Jetzt komm, wir nehmen die nächste Kutsche hoch zum Schloss."
„Ich muss mich umziehen," sagte Marlene, die einen Blick auf ihren Rock und Strumpfhose warf - kein besonders praktisches Outfit zum Fliegen. „Und ich habe keinen Besen."
„Wir benutzen einen der Besen aus dem Schuppen. Jeder in der Hausmannschaft hat das Passwort um hineinzukommen. Komm schon." Er führte sie die Straße hoch in Richtung der Kutschen zur Schule.
„Aber bist du dir…?"
„Wenn du noch einmal fragst, ob ich mir sicher bin oder nicht, Marlene Price, werde ich dir wortwörtlich diese Platte niemals ausleihen." Sie erreichten die nächste Kutsche und er half ihr rein, bevor er ihr gegenüber Platz nahm.
„Ich geh dann hoch zum Schloss und wechsle meine Kleidung," sagte Marlene. „Und du kannst ein paar Besen vom Schuppen holen. Deal?"
„Deal?"
Sie hielt ihre Hand aus und er packte sie grinsend. Sie schüttelten sie, als ob sie eine wichtige Abmachung besiegelten, aber als er sie losließ, fühlte Marlene etwas Seltsames in ihrem Magen… ein windendes, aufgeregtes Gefühl, das eine seltsame Ähnlichkeit zu Schmetterlingen hatte.
Aber… nein. Das… einfach… nein. Das war Adam. Klar, sie hatte sich irgendwie an die Tatsache gewöhnt, dass ihr Magen Rückwärtssaltos machte, wenn er sich ins Zeug legte um sie zum Lachen zu bringen, oder wenn er auf seine spezielle ‚Nur für sie' Art lächelte oder wenn er seine Quidditchuniform trug oder… tja… die meiste Zeit, wenn sie irgendwelchen Kontakt hatten… aber das war, weil sie glücklich war, ihn zu sehen… weil er sie glücklich machte… weil sie Freunde waren… weil… weil…
Adams Aufmerksamkeit wendete sich zum Fenster, wo er träge den Nachmittagshimmel betrachtete, aber Marlene war mitten in einer Erkenntnis und konnte sich nicht die Mühe machen, ihre Augen von ihrem Begleiter wegzubewegen. Sie hätte geschockt sein müssen - weggeblasen von dem plötzlichen Ansturm von früheren, umkategorisierten Emotionen und doch schien nichts davon überraschend. Es schien natürlich. Es schien Sinn zu machen. Es schien zu passen. Es schien richtig.
Als die Kutsche die Schule erreichte, trennten sich die Wege der zwei. Adams Richtung Quidditchfeld und Marlenes, die Adams Platte trug, Richtung Schloss.
Es war fast lustig, sinnt Severus Snape, wie leicht die seltsam geformten Teile an ihren Platz fielen. Es war fast lustig, wie die vergleichsweise vage Idee in seinem Kopf in etwas Festes geformt wurde - etwas Konkretes, dass er nun dazu manipulieren konnte, richtig zu funktionieren.
Es fühlte sich an, wie wenn man ein Puzzle löste, als er er sein Objekt einen Hogsmeadeladen verlassen sah, eingepackt in Winterkleidung und begleitet von ihrem Jungen, beide lächelnd und fröhlich und nichts mehr als Objekte für ihn. Snape dachte nicht länger darüber nach, weil es für ihn immer so gewesen war. Objekte.
„Warte eine Minute," befahl der Slytherin seinem Begleiter Hester, der darauf bestanden hatte, Severus den ganzen Tag herumzufolgen, bereit, sich hämisch zu freuen, wenn er seine Aufgabe erfüllte und ihn zu melden, wenn er versagte. Hester pausierte in seinem faulen Trott die Hauptstraße entlang und warf Snape einen neugierigen Blick zu.
„Was? Hast du sie entdeckt?"
„Ich habe eine Idee," war alles, was Snape sagte. Er deutete mit dem Kopf in Richtung der nächsten Gasse, ein Hinweis für Hester, ihm zu folgen und - Augen subtil auf das Gryffindormädchen gerichtet, plaudernd und lachend mit ihrem Begleiter - führte Hester dorthin. In der Gasse verschränkte Hester seine Arme.
„Was ist, Snape? Ich habe das Schlammblut nicht gesehen…"
Aber bevor ein weiteres Wort geäußert werden konnte, riss Snape seinen Zauberstab raus und warf Hester mit einem einfachen Wischen gegen die Backsteinmauer. Er war entwaffnet, bevor er überhaupt daran dachte, nach seinem eigenen Zauberstab zu reichen und Snape trat näher, mit dem Zauberstab auf Hester Kehle tippend.
„Was zur Hölle tust du da, Snape?" bellte der andere, aber er stoppte - nicht freiwillig, sondern gezwungenermaßen wegen einem weiteren Zauberspruch von Severus. Außer Atem und nach Luft japsend verengten sich Hester Augen.
„Ich werde tun, was ich tun muss, weißt du," sagte Snape kalt. „Aber denk nicht, dass ich deine Rolle hierbei vergessen habe, Hester. Ich will, dass du weißt, dass ich mich rächen werde. Und vielleicht wird es sehr lange dauern, bis ich eine Gelegenheit dazu habe und vielleicht denkst du, dass ich es vergessen habe, aber das werde ich nicht. Verstanden?"
„S-s-snape…"
Snape bewegte seinen Zauberstab von Hester Hals zu seiner Stirn. „Confundo," murmelte er und sofort entspannten sich die Gesichtszüge des anderen Zauberers. Seine Augen wurden leer und Snape lehnte sich noch näher, in sein Ohr flüsternd.
Beide Slytherins erschienen ein paar Minuten später, nebeneinander laufend, als wäre nichts geschehen. Hester Gesicht war jedoch noch nicht ganz zum Alten zurückgekehrt, sein Gesichtsausdruck war zu ruhig um komplett natürlich zu sein. Sie waren jedoch nur ein paar Sekunden wieder zurück auf der Straße, als sein Gesicht sich veränderte, seine dunklen Augen leuchteten aufgeregt. Er hatte die Hexe entdeckt, das Objekt, genau wie Snape, jedoch wurde ihr jetzt gerade beim Einsteigen in die Kutsche geholfen.
„Da, Snape," sagte Hester fröhlich. „Sie geht zurück zum Schloss… die Hälfte der Lehrerschaft und die meisten Schüler sind hier unten… es ist perfekt. Das ist der Zeitpunkt."
Snape nickte. „In Ordnung." sagte er ruhig. „Wir nehmen eine Kutsche."
Und das taten sie. Ihr eigenes Transportmittel kam nur wenige Sekunden nach der ersten Kutsche an und Snape ging den Plan noch einmal in seinem Kopf durch, als er auf den weichen, braunen Pfad vor dem Schloss trat.
Er würde den Cruciatus verwenden. Es schien richtig und es würde die anderen von seiner Loyalität voll überzeugen. Hester würde zuschauen, er würde der perfekte Zeuge sein, weil er nicht zugeben wollen würde, dass Snape seinen Job erledigt hatte. Dann würde er ihre Erinnerung löschen… ein sauberes Wegwischen, sodass sie nicht wissen würde, wer sie angegriffen hatte oder dass überhaupt ein Angriff stattgefunden hatte… Lily durfte es nie erfahren.
Es gab auch einen praktischen Zweck dafür. Wenn ein Schüler berichtete, mit dem Cruciatus angegriffen geworden zu sein - selbst, wenn sie den Angreifer nicht identifizieren konnten - konnten die Dinge kompliziert werden und Malfoy hatte ihnen kompliziert verboten. Jedenfalls für jetzt.
Hester bemühte sich in der Zwischenzeit wachsam zu sein. Er sah, ganz klar, wie Lily Evans vor ihnen die Kutsche verließ und sich irgendwo auf dem Weg von ihrem Begleiter trennte. Als die zwei Slytherins mit einer kurzen Entfernung folgten, sah Hester, wie die hübsche Rothaarige - leicht hüpfend - durch die leere Eingangshalle und die marmorne Treppe hoch lief. Er sah, wie sie mehrere Treppen hinaufstieg, bis sie schließlich einen verlassenen Korridor erreichte, den sie durchqueren musste, um ihr Ziel zu erreichen - was auch immer das sein mochte.
„Keine Porträts hier, wir sollten sicher sein," flüsterte Snape zu Hester, der nickte.
Hester erschauderte, als er hörte, wie Snape „Lily!" rief. Und dann, als sie sich umdrehte, hatte die Freude noch nicht ganz ihre Augen verlassen, bevor Snape die Ansprache mit einem gemurmelten „Crucio!" fortfuhr.
Hester sah - und er würde es später schwören - dass er sah, wie Lily Evans Beine unter ihr nachgaben, als sie vor Schmerzen zu Boden fiel.
Jedoch, was Hester sah und was Snape sah (und was, in der Tat Realität war) war ziemlich verschieden. Hester verstand nicht wirklich das seltsame, benommene Gefühl, das er empfand und er dachte sich nichts dabei. Er konnte sich an nichts in der Gasse erinnern und während er sah, wie Lily Evans vor Schmerzen zu Boden fiel, sah Severus Snape Marlene Price.
Professor Blacks Bürotür war unverschlossen und Sirius klopfte nicht an. Er stürmte rein und entdeckte sofort seinen Onkel, der am Fenster stand und einen dampfenden Kessel zu einer Porzellantasse mit seinem Zauberstab schweben ließ.
„Sirius," grüßte der ältere Black, überrascht, aber nicht unglücklich über das unerwartete Erscheinen seines Neffen. „Besuchst du das Dorf heute nicht? Hättest du gerne etwas Tee, viel…?" Er brach ab, als er den Ausdruck auf Sirius Gesicht zum ersten Mal bemerkte. „Ist etwas l…?"
„Du bist am Sterben," schnitt Sirius ihn harsch ab. Black starrte ihn mehrere Momente geschockt an, bis er sich sammelte, den Kessel hinstellte und sich selbst hinsetzte.
„Setz dich doch, Sirius."
„Nein, das werde ich nicht!" rief der andere. „Du könntest jetzt jeden weiteren Tag tot sein und du hast es mit nicht mal gesagt? Hättest du es mir überhaupt gesagt oder hätte ich es herausfinden sollen, wenn sie eine Vertretung für Verteidigung geschickt hätten?"
„Sirius…"
„Nein! Hör auf damit! Hör auf, mit mir zu sprechen, als ob ich sechs wäre, ja? Hör auf, mich wie ein Kind zu behandeln."
„Das war nie meine Absicht," begann Black aufrichtig. „Und ich weiß nicht, wo du diese Information her hast…"
„Bestreitest du es denn?" fuhr Sirius ihn an.
Black nahm sich etwas Zeit um zu antworten. „Es ist ein bisschen komplizierter, Sirius. Ich bin krank. Die Heiler sind sich nicht einig, wann genau…"
„Aber du wirst sterben?"
„Tja," antwortete der Professor seufzend, „wir alle wissen, dass wir irgendwann sterben müssen."
„Ja, aber die meisten Leute wissen nicht, was sie erledigen wird."
„Sirius, ich könnte noch ganze sechs Monate haben…"
„Sechs Monate?" rief Sirius wieder wütend. „Ich habe ein Jahr gehört… was zur Hölle meinst du mit ‚sechs Monaten'?"
„Heiler Holloway hat vor drei Tagen eine weitere Untersuchung gemacht," sagte Black leise. „Sechs Monate ist die höchste Schätzung. Es ist eine neue Information. Ich habe der Lehrerschaft noch nicht Bescheid gesagt.."
„Vergiss die Lehrerschaft," bellte Sirius. „Du hast es mir nicht gesagt! Drei Tage, in denen du das gewusst hast" Wir haben an einem Tag zwanzig Minuten lang nach dem Unterricht über Andromedas Brief geredet und du hast kein Wort gesagt! Sag mir die Wahrheit! Hättest du es mir je gesagt?"
„Ich wollte es wirklich," antwortete Black. „Wirklich. Ich war ein Feigling und ich…"
„Oh, halt die Klappe," sagte der jüngere Zauberer bissig. Es war ihm egal, dass das sein Lehrer, sein Onkel oder ein Erwachsener war. Er war reingelegt worden… sie hatten ihn dazu gebracht zu glauben, dass sein Onkel für ihn da sein würde… „Du hast mich angelogen! Du hast mich glauben lassen, dass ich wirklich einen Freund hätte, der nicht aus dem gottverdammten Stammbaum gebrannt wurde! Du hast versucht, mich dazu zu bringen, mich mit Regulus zu versöhnen - wofür, verdammt noch mal? Damit du ein reines Gewissen hast, wenn du nächste Woche den Löffel abgibst? Und du hattest nicht mal die Eier, es mir zu sagen! Was? Hast du nicht gedacht, dass ich damit umgehen könnte?"
„Nein, Sirius, natürlich nicht…"
„Warum dann?"
„Weil," begann Professor Black. „ich nicht eine weitere Person sein wollte, von der du denkst, dass sie dich im Stich lässt."
Sirius graue Augen wurden plötzlich dunkel. „Oh, ich verstehe," murmelte er, „du warst besorgt wegen meinen Problemen. Wie Rücksicht von dir. Wie verdammt wohl überlegt." Er schüttelte bitter lachend seinen Kopf. „Tja, mach dir keine Mühe, Onkel. Du bist nicht länger verpflichtet auf den armen kleinen Sirius und seine Probleme aufzupassen. Ich gehe jetzt." Sirius ging zur Tür. „Und bleib verdammt noch mal weg von mir." Er knallte die Tür hinter sich zu.
(Blauer Mond)
James joggte durch den Gang im zweiten Stock und verfluchte seine fehlende Voraussicht, den Tarnumhang zu vergessen. Die Kutschen hatten ihn deutlich schneller zum Schloss zurückgebracht als irgendeiner seiner Geheimgänge, aber trotzdem waren ihm die benötigten fünfzehn Minuten wie eine Ewigkeit vorgekommen. Er brannte buchstäblich darauf, wieder runter ins Dorf zu kommen und im verlassenen Laden der Harpers herumzuschnüffeln.
James beschleunigte seine Schritte. Jedoch wäre es vielleicht schlauer gewesen, hätte er das nicht getan, denn als er eine Ecke umrundete, ging er zu schnell und kollidierte mit einer Rüstung.
„Hurensohn!" fluchte James laut, sein Handgelenk umklammernd, das die Rüstung in einem unglücklichen Winkel getroffen hatte. Sich krümmend trat James einen Schritt zurück um sich zu sammeln. „Um Agrippa Willen," murmelte er, „ich schwöre, das blöde Ding war noch nie hier!"
Er hatte tatsächlich recht. Die Rüstung und mehrere andere im Schloss waren als Teil eines ausgiebigen Streiches dazu verhext worden, Erstklässlern nachzulaufen. Der Spruch hatte genau an diesem Platz im Korridor des zweiten Stocks nachgelassen und Filch, der eine große Rüstung in der Mitte des Korridors gefunden hatte, hatte sie zur Wand geschoben, nur vielleicht ein bisschen zu nah an die Ecke.
Und wer war verantwortlich für den Streich in der ersten Instanz?
James Potter und Sirius Black.
Also, wenn man die Dinge von einem ethischen Standpunkt aus betrachtete, konnte man sagen, dass James es verdient hatte.
„Ich schwöre, dieses blöde Ding war noch nie dagewesen," sagte James, während er sein Handgelenk rieb und mit einem minimal langsameren Tempo den Korridor hinunter humpelte. Als er die Ecke erreicht, ging er wieder normal und diese umrundete er besonders vorsichtig.
Jedoch wischte das, was er hinter der Ecke sah, James Kopf leer von Gedanken an den Tarnumhang, den Laden der Harpers, die Rüstung und die irgendwie verbleibenden Schmerzen. In einer gewissen Entfernung lag die Figur einer Person - eine Hexe, so wie es aussah - in einem Haufen auf dem Boden. Sie schluchzte.
James begann zu dem Mädchen zu sprinten und er war auf der Hälfte des Weges, als er realisierte, wer es war.
„Marlene!" rief er halb, während rutschend zum Stehen kam, als er sie erreichte. Marlenes Augen waren fest verschlossen, ihre bleichen Wangen tränenüberströmt und ihr karamellfarbenes Haar auf dem Steinboden ausgebreitet. James war sofort auf seinen Knien und zog ihren Kopf vom Boden, als er versuchte sie in eine sitzende Position zu lotsen. Marlenes Gesicht war todbleich, ihre Pupillen seltsam erweitert und ihre Atmung kurz, heiser und unregelmäßig. „Marlene, bist du okay?" drängte James und er versuchte zu überprüfen, ob sie blutete. Aber sie sah intakt aus - ihre Kleider waren zumindest auf den ersten Blick unbeschädigt und sie hatte keinen Schnitt oder blauen Fleck, soweit er sehen konnte.
Doch ihr Gesichtsausdruck war gebrochen. Während James ihren Kopf hochhielt, schlossen sich ihre blauen Augen, ihre Atmung wurde noch abgehackter und sie schluchzte weiter.
„Marlene, geht es dir gut?" fuhr James fort. „Was ist passiert? Wer hat dir das angetan?"
Marlene klammerte sich an die Vorderseite von James' Mantel und zog sich hoch. Er half ihr, indem er ein Bein hinter ihren Rücken schob, um sie aufzusetzen. Marlene versuchte sich zu beruhigen.
„Cruciatus," schaffte sie zu murmeln. James wurde es plötzlich sehr kalt.
„Jemand hat einen Unverzeihlichen Fluch verwendet?" rief er fast. „Wer…? Marlene, wer hat dir das angetan?"
Die Hexe brauchte einen Moment um sich zu fassen. Sie wischte mit dem Handdruck Tränen weg und dachte sorgfältig über die Frage nach. „Ich weiß es nicht," sagte sie schließlich. „Ich - ich denke nicht, dass ich sein Gesicht gesehen habe."
„Es war aber ein Kerl? Bist du dir sicher?"
„Ich bin n-nicht ganz… Ich bin mir von gar nichts sicher." Ihr Gesicht verzog sich, als sie versuchte, mehr Tränen zurückzuhalten und James erkannte, dass sie immer noch unter sehr großen Schmerzen leiden musste.
„Du gehst in den Krankenflügel," sagte er entschlossen.
„Nein, James, ich…"
„Wie lange?"
„Wie lange was?" Eine Hand flog zu ihrem Gesicht, kalten Schweiß und Tränen wegwischend.
„Wie lange warst du darunter?" drängte James sie.
„D-das kann ich nicht sagen," erklärte sie schließlich. „Es war alles so… aber wenn ich müsste… ich meine, ich denke, vielleicht… vielleicht fünf oder zehn Minuten?" Sofort legte James einen Arm unter ihre Kniebeuge, zog sie in seine Arme und stolperte - mit einer gewissen Anstrengung - auf seine Füße. „James, bitte, ich…"
„Du musst zur Krankenstation," sagte er streng. „Jetzt. Und ich muss Dumbledore holen gehen… jemand hat einen Unverzeihlichen verwendet… das ist groß. Das ist nicht…"
„Bitte," unterbrach Marlene unerwartet laut. „Bitte erzähl es keinem…"
„Heiler Holloway wird es sowieso berichten müssen," bemerkte James.
„Nein," sagte Marlene schniefend. „Ich weiß das. Aber… niemand sonst… die Lehrer natürlich, aber… niemand sonst. Bitte."
„Marlene, du redest Unsinn," seufzte James. „Beruhig dich. Alles wird gut werden. Wir sind fast da."
„James…" Aber gerade da erreichten sie Tür der Krankenstation.
Er war zu verwirrt. Kopfschüttelnd stimmte James zu. „Gut. In Ordnung, gut. Ich werde warten, bis du ihnen alles erzählt. Komm." Er drückte die Tür der Krankenstation auf und stütze Marlene, als sie hinein humpelte.
„Was haben wir hier?" fragte Heiler Holloway, der neben einer Reihe Krankenbetten stand und magisch die Laken wechselte.
„Sie wurde verflucht," sagte James sofort. Marlene umklammerte fest seinen Arm, als Holloway näher kam.
„Wie verflucht?" grummelte er. James zögerte, Marlene anblickend. Sie war für einen Moment still und Holloway starrte zwischen den beiden hin und her. „Na?"
„Cruciatus." wisperte Marlene schließlich. Holloway blieb der Atem weg. James hatte den älteren Zauberer noch nie so viel Emotion zeigen sehen. Er packte Marlene und führte sie zu einem Bett.
„Sie, Potter," bellte Holloway. „Finden Sie Professor McGonagall. Jetzt."
James nickte, gehorsam aus dem Krankenflügel hastend. Draußen hielt er an und zog die Karte des Rumtreibers aus der Tasche seines Mantels. „Ich schwöre feierlich, dass ich ein Tunichtgut bin." Er durchsuchte die Karte nach jemand in der Nähe, der verantwortlich sein könnte, aber die Gegend war frei. Leise fluchend schaute James nach McGonagall und fand sie im Lehrerzimmer… das Wissen würde ihm bei seiner Suche Zeit sparen. Aber zuerst…
James löschte die Karte und stopfte sie zurück in seine Umhangtasche, bevor er aus seiner anderes Tasche einen kleinen, runden Spiegel zog. Er starrte in das Glas und sagte: „Sirius Black." Nichts passierte. „Sirius Black." wiederholte James. Wieder gab es keine Antwort. Er wiederholte den Ruf mehrere Male, mit dem gleichen unbefriedigenden Ergebnis. James fluchte und steckte den Spiegel wieder in seine Tasche. Er hielt für ein paar Minuten inne um zu denken, bis ihm eine Idee kam.
Automatisch analysierte James das Bild des Grundrisses des Schloss in seinem Kopf. Wenn er den Geheimweg hinter der Ecke nahm (den hinter dem Wandteppich von Boris dem Verwirrten) wäre er in drei Minuten in der Eulerei und in fünf weiteren unten im Lehrerzimmer. James lief los in Richtung des Wandteppich von Boris dem Verwirrten. Wie vorhergesagt erreichte er die Eulerei in wenigen Minuten.
Ohne für einen Moment still zu stehen ging James zu den ausgesetzten Tisch an der Ostwand des Raums, wo es Federn, Tinte und Pergament für die Schüler gab. Er kritzelte eine Nachricht, packte den nächsten Vogel und band seine Mitteilung an das Bein der Kreatur.
Er wusste, was er Marlene gesagt hatte, aber im Ernst - sie würde wollen, dass ihre Freunde es wussten. „Remus Lupin, in den Drei Besen," gab der Quidditchkapitän der Eule - einem schneeweisen Vogel - zu verstehen. James hatte den Raum vor ihr verlassen.
„Wo genau ist der Schmerz?"
„Und sind Sie sich sicher, dass Sie nicht sein Gesicht gesehen haben?"
„Fühlt sich irgendetwas taub an?"
„Aber Sie sind sich sicher, dass er männlich war?"
„Wie lange dauerte der Fluch an?"
„Wie lange dauerte der Fluch an?"
Weder Heiler Holloway noch Professor McGonagall schienen viel Mitgefühl für Marlenes Kopfschmerzen zu zeigen, die pulsierten, als beide Erwachsenen sie mit den Fragen bombardierten. Mit einem schon ziemlich verwirrten Geisteszustand schüttelte Marlene den Kopf und massierte müde ihre Schläfen.
„Bitte," flehte die Blondine, die Augen geschlossen, um sich konzentrieren zu können. „Bitte gebt mir nur einen Moment. Ich beantworte eure Fragen, nur… nur eine nach der anderen. Bitte."
McGonagall verstand sofort den Sinn darin. Sie sah zu Heiler Holloway und nickte, andeutend, dass er die unglückliche Hexe zuerst befragen durfte. Heiler Holloway schritt nach vorne. „Wo genau haben Sie noch Schmerzen, Miss Price?"
Marlene, die auf einem Bett in der Krankenstation saß, wo Frank Longbottom und James Potter nicht sehr weit weg standen, genau wie die Verwandlungslehrerin und der Schulheiler, dachte über die Frage nach. „Hier am meisten," Sie rieb ihre Brust - gerade unter dem Schlüsselbein - sachte, bevor sie hinzufügte: „Und in meinem Kopf und ein bisschen in meinen Beinen."
Holloway nickte, alle Orte untersuchend, die sie erwähnt hatte. „Und fühlt sich irgendetwas taub an?" Marlene sagte, dass es das nicht tat, bevor sie hinzufügte, dass sie zwischen fünf und zehn Minuten unter dem Fluch war, wenn man ihrer Erinnerung trauen konnte.
McGonagall kam nun nach vorne und fing an, Marlene zu befragen. Auf der anderen Seite des Raums konferierten James und Frank. Der erstere hatte den Schulsprecher auf dem Weg zu McGonagall getroffen und letzterer hatte darauf bestanden, ihm zurück zur Krankenstation zu folgen.
„Und du hast niemanden gesehen?" fragte Frank leise. James schüttelte seinen Kopf.
„Wer auch immer es war, war schon gegangen, als ich ankam," sagte er. „Ich habe sogar die…" er kontrollierte sich, „Gegend abgesucht - niemand war in dem Stock."
„Aber man wird sagen können, wer im Schloss war," beharrte der Schulsprecher. „Ich meine, die meisten Leute waren zu der Zeit schon im Dorf. Außer den Erst- und Zweitklässlern können nicht so viele Schüler im Schloss gewesen sein."
„Du warst hier," bemerkte James. Frank wurde rot.
„Ich habe mich nicht nach einem Feiertag in Hogsmeade gefühlt," murmelte er. Das gab James eine Idee.
„Hör zu, ich bin gleich wieder zurück," Frank nicke, als James aus dem Krankenflügel schlüpfte und die Tür hinter sich zu zog. Niemand war in der Nähe und er zog wieder einmal die Karte des Rumtreibers heraus und rief seine Inhalte mit den üblichen Worten herbei. Heute gab es viel weniger Punkte, die durch die Korridore streiften - die meisten jüngeren Schüler waren draußen, in der Bibliothek oder in ihren Gemeinschaftsräumen. Sirius Black war unten beim See (Godric wusste, warum und er antwortete nicht dem Spiegel), während Lily Evans, Remus Lupin, Donna Shacklebolt, Mary Macdonald und Alice Griffiths schnell auf den Krankenflügel zu kamen - Moony hatte anscheinend seinen Brief erhalten und war den Anweisungen gefolgt. Aber es waren nicht viele ältere Schüler da.
Fast instinktgetrieben bewegten sich James Augen zu den Slytherin Gemeinschaftsräumen und dann zu den Slytherin Schlafsälen. Zwei Punkte saßen in einem der Räume: Saul Hester und Severus Snape.
Schritte und laute Stimmen kündeten die bevorstehende Ankunft von James Gryffindorkameraden an und der Rumtreiber löschte und versteckte sofort die Karte, gerade als Lupin und die Mädchen um die Ecke kamen.
„Ist sie…?" begann Mary ängstlich.
„Sie ist jetzt bei McGonagall und Holloway," sagte James. „Bei Bewusstsein und allem, keine Sorge. Ich lass sie es erklären." Mary, Donna, Lily und Alice gingen alle sofort in die Krankenstation, aber James hielt Remus mit einem Blick zurück. „Kann ich einen Moment mit dir sprechen?" Remus nickte und James zog wieder die Tür hinter ihnen zu. „Marlene wurde mit einem Cruciatus angegriffen," sagte er eindringlich; Remus Augen wurden weit. „Sie hat nicht gesehen, wer sie angegriffen hat, aber ich habe auf der Karte nach jemanden sonst im Schloss gesucht, der er getan haben könnte… es ist vor fast einer Stunde passiert, aber rate mal, wer gerade jetzt im Schlafsaal der Slytherin Jungs sitzt."
Remus hob eine Augenbraue. „Snape?" riet er. James nickte. „Ich weiß nicht, Prongs,… wenn ich jemanden angreifen würde, würde ich nicht herumhängen und darauf warten, dass jemand mich erwischt. Ich würde irgendwo hingehen, wo Leute sind - ein Alibi entwickeln, du weißt schon…"
„Er ist nicht allein," sagte James schnell. „Dieses Ekel Hester ist bei ihm. Und niemand sonst ist in der Nähe."
„Aber wie du gesagt hast, es ist schon eine Stunde her. Das ist locker genug Zeit, um aus dem Schloss herauszukommen… vielleicht um zurück ins Dorf zu gehen." James blickte ihn böse an. „Ich sage nicht, dass du falsch liegst, aber wir haben keinen Beweis."
„Hmmpf. Es ist Snape. Welchen Beweis brauchst du?"
„Du hast nicht vor, Jurist zu werden, oder, Prongs?"
„Sehr lustig."
„Komm," Remus deutete mit seinem Kopf zu den Türen der Krankenstation. „Lass uns nach Marlene sehen."
Als sie wieder im Raum waren, war es offensichtlich, dass Holloway die Mädchen schon von Marlenes Bett verbannt hatte, da sie sich in eine Ecke des Raumes bewegt hatten und dort mit gedämpften Stimmten sprachen. James und Remus näherten sich in der Zwischenzeit Frank.
„Was macht Alice hier?" fragte der Schulsprecher sofort.
„Sie hat gerade mit Lily gesprochen, als ich sie gefunden habe," erklärte Remus. „Sie wollte mitkommen."
„Mit Lily? Ich dachte, sie wäre bei Sirius." Das war das nächste an Verachtung, was James je in Frank Longbottoms Stimme gehört hatte. Er wäre vielleicht beleidigt gewesen, wenn er sich nicht gerade sehr über seinen besten Freund ärgern würde.
„Ich habe versucht, Sirius zu kontaktieren," sagte James kryptisch zu Remus und Frank wusste es besser, als die vage geheimnisvolle Sprache, die die Rumtreiber verwendeten, zu hinterfragen. „Keine Antwort."
„Wo ist er?"
„Beim See, als ich das letzte Mal nachgeguckt habe."
„Hat er…?" Remus hielt inne beim Versuch herauszufinden, wie er die Frage formulieren sollte. „Hat er heute Morgen alles Wichtige eingepackt?" James wusste, dass er den Spiegel meine und nickte.
„Ich habe selbst gesehen, wie er gepackt hat."
„Denkst du, es geht ihm gut?"
James seufzte. „Er war vor ein paar Stunden noch in Ordnung. Er hat vermutlich bloß eine Phase." Er hatte gerade wenig Mitleid. „Wo ist Pete?"
„In der Kutsche war nicht genug Platz," sagte Remus. „Also hat er zugestimmt, auf die nächste zu warten. Er sollte jede Minute da sein.
„An alle," sagte Professor McGonagall laut und plötzlich, die Schüler zum Schweigen bringend. „Miss Price wird für eine Weile schlafen. Es gibt keinen Grund für den Rest von euch zu bleiben, während…"
„Aber wir durften noch nicht mit ihr sprechen!" protestierte Mary. Professor McGonagall sah flehend zu Heiler Holloway, der bloß mit den Schultern zuckte.
„Sie können bleiben, wenn sie wollen," grunzte er. „Aber sie werden warten müssen. Ich lasse sie für ein paar Stunden schlafen, das sollte die verbleibenden Effekte eindämmen."
„Nun gut," seufzte McGonagall. „Ihr dürft hier darauf warten, dass Miss Price aufwacht oder ihr kehrt zu euren Schlafsälen zurück." Sie warf ihnen alle einen spitzen Blick zu, bevor sie aus dem Raum rauschte.
„Denkt ihr, das Ministerium kommt und ermittelt?" fragte sich Remus laut. Frank schüttelte seinen Kopf.
„So etwas ist in meinem ersten Jahr passiert," erzählte er ihnen. „Keinen hat einen Unverzeihlichen Fluch verwendet, aber jemand hat ernsthaft dunkle Magie benutzt… einen Riesen Teil des Korridors im dritten Stock in die Luft gejagt. Keine wusste aber, wer es war, also hat das Ministerium irgendeinen Redner geschickt und die ganze Schule musste ein ziemlich uninformatives Seminar darüber ertragen, warum wir keine dunkle Magie verwenden sollen."
„Das ist alles?" fragte James. Frank nickte.
„Was könnten sie sonst tun?"
Heiler Holloway, der auf der Suche nach einem Schlaftrunk in sein Büro gegangen war, kehrte zurück. Die Mädchen hatten sich alle um Marlenes Bett versammelt und mussten wieder einmal abrücken. Bevor sie den Trank nahm, drehte sich Marlene zu James.
„Du hast gesagt, du würdest es keinem erzählen," warf sie ihm vor.
„Ich dachte, du würdest wollen, dass deine Freunde es wissen," antwortete James ehrlich. Sie seufzte, aber ihr Stirnrunzeln ließ etwas nach, als sie die Phiole leerte, die ihr Heiler Holloway gegeben hatte. Sie legte sich auf ihr Kissen zurück und war in wenigen Minuten eingeschlafen.
„Weckt sie nicht auf," ermahnte Holloway sie zur Vorsicht, bevor er in sein Büro zurückkehrte. James atmete tief aus und setzte sich auf ein leeres Bett. Zu seiner Überraschung setzte sich Lily neben ihn.
„Kannst du uns sagen, was passiert ist?" fragte die Vertrauensschülerin weich. Sie saß sehr nah, aber ihre Augen waren auf Marlene fixiert.
„Ich habe sie nur gesehen, nachdem es vorüber war," gab James zu. „Aber ich habe ein wenig von dem gehört, was sie Holloway und McGonagall gesagt hat. Sie wurde von jemandem angegriffen - sie denkt, es war ein Kerl und dann war sie unter dem Zauber… für eine Weile."
„Das kann böse Dinge mit deinem Kopf anrichten," murmelte Remus dunkel.
„Es schien ihr gut zu gehen," sagte Mary sofort. „Ich meine, sie schien nicht… durcheinander."
„Sie wird wieder in Ordnung kommen," sagte Lily aus. „Das muss sie. Aber wer könnte das getan haben? Warum würde irgendjemand Marlene angreifen? Sie… sie hat niemandem wehgetan."
James sah sie an und wollte ihr sehr gerne sagen, was er über Snape wusste und glaubte. Aber es wäre schlecht, jetzt darüber zu sprechen… nicht mit allen hier. Es würde bis später warten müssen. Lily kaute auf ihrer Lippe, als sie die schlafende Figur ihrer Freundin betrachtete. Mary setzte sich neben Alice auf das leere Bett auf der anderen Seite von Marlenes Bett, während Donna an die Wand gelehnt da stand, mit verschränkten Armen und untypischerweise still.
Es war Abendessenszeit, als Sirius im Krankenflügel ankam. Die Sitzordnung hatte sich beträchtlich geändert. Mary und Alice saßen in einer Ecke, wo sie seit Stunden ununterbrochen flüsterten. Lily war jetzt auf dem Boden, mit dem Rücken gegen die Wand, aber sie war auf der Schulter des ebenfalls schlafenden Remus eingeschlafen. Peter, der Stunden zuvor angekommen war, saß bei Frank, wo sie auf einem der Krankenbetten Karten spielten. Donna saß nun, wo sie zuvor gestanden hatte, aber ihr kalter, unlesbarer Gesichtsausdruck blieb unverändert.
Als Sirius mit verwirrtem Blick hereinkam, ging James quer durch den Raum auf ihn zu. „Wo warst du?" fragte er gedämpft. „Ich habe versucht, dich über den Spiegel zu erreichen, aber du hast nicht geantwortet."
„Ich war spazieren," antwortete Sirius missmutig, die Frage zur Seite schiebend. „Was macht ihr alle hier?"
„Weißt du das nicht?"
Padfoot schüttelte seinen Kopf. „Ich dachte bloß, ich schau nach… du und Moony und Wormtail seid nicht zum Abendessen gekommen… der Schlafsaal war leer und ich dachte, einer von euch wäre vielleicht verletzt. Was ist los?"
„Jemand hat Marlene Price mit dem Cruciatusfluch belegt."
Sirius Augenbrauen schossen hoch. „Wirklich? Geht es ihr gut?"
„Sie schläft."
„Was macht ihr dann hier?"
James verdrehte seine Augen. „Die Leute sind besorgt, Padfoot. Jedenfalls ist da was, was ich sie fragen will, wenn sie aufwacht. Ich denke, ich habe eine Ahnung, wer sie angegriffen hat und ich will wissen, ob sie denkt, dass die Stimme…" Er bemerkte den skeptischen Blick seines Freundes. „Was?"
„Nichts," sagte Sirius. „Gar nichts. Was macht Alice hier?"
James fing sich an zu ärgern. „Sie war bei Lily und wollte mitkommen."
„Oh. Hat sie… äh… irgendwas gesagt?"
James verschränkte seine Arme. „Sie hat gefragt, ob ich dich gesehen hätte," fuhr er ihn an. „Um Agrippa Willen, fragst du mich jetzt ernsthaft danach aus? Sirius, Marlene ist in einem künstlich hergeführten Schlaf, weil sie mehrere Minuten unter dem Cruciatusfluch war. Holloway hofft bloß, dass ihr Gehirn keinen bleibenden Schaden erlitten hat. Ein Schüler ist - mit hoher Wahrscheinlichkeit - dafür verantwortlich. Und du stehst hier, und machst dir Gedanken darüber, was dein Date von dir denkt?"
Sirius stand dort in rebellischer Stille, was James Wut steigerte.
„Einmal geht es nicht um dich," fuhr er erhitzt fort. „Wenn du egozentrisch sein willst, kannst du auch gehen."
„Gut," entgegnete der andere. „ich will dir nicht länger auf deine kleine heldenhafte Parade regnen." Er drehte sich um und verließ den Krankenflügel. James kehrte zu seinem Platz bei Frank und Peter zurück und nahm wieder seine Karten von zuvor auf die Hand. Alice kam Sekunden später zu ihnen.
„Ist er okay?" fragte sie.
James runzelte die Stirn. „Er ist genauso egozentrisch und idiotisch wie immer." grummelte der Rumtreiber, nicht in der Laune für romantische Aussprachen. „Warum sollte er nicht okay sein?"
„Er - er hat… nicht mit dir über… irgendwas gesprochen, das ihn beschäftigt?" fuhr Alice fort.
„Nein. Was meinst du damit?"
„Perfekt." schnaubte die Siebtklässlerin. „Einfach perfekt. Im Ernst… Jungs." Und damit verließ sie den Krankenflügel. James zuckte die Achseln.
„Tja, ich bin ganz draußen," verkündete Frank, als er sein letztes Paar Karten ausspielte.
„Manche Kerle haben eben all das Glück," grummelte Peter, der fast ein Dutzend Karten in seiner Hand hielt.
Der Schulsprecher schüttelte seinen Kopf. „Nicht wirklich."
„Sirius, bitte warte!" rief Alice dem Rumtreiber zum dritten Mal hinterher und endlich hielt er in seinem Gang den Korridor hinunter an. Sie eilte hinter ihm her, zog an seinem Arm und zwang ihn, sie anzusehen. Sirius wartete darauf, dass sie sprach, während sie genau sein Gesicht betrachtete. „Hast du mit deinem Onkel gesprochen?"
Er nickte stumm.
„Und?"
„Er hat noch höchstens sechs Monate," antwortete er mit einem freudlosen Lächeln. Alice braune Augen leuchteten vor Mitgefühl.
„Oh, Sirius, es tut mir so leid."
Er schüttelte seinen Kopf. „Es ist egal."
„Natürlich ist es das nicht!"
„Nein, ist es schon." Er führte das nicht weiter aus. „Du solltest zurück zu den anderen gehen."
„Warum hast du es James nicht gesagt?" fragte Alice und ignorierte ihn. Sirius blickte böse in Richtung des Krankenflügels. „Er ist dein bester Freund."
„Er war zu beschäftigt damit, Detektiv zu spielen. Jedenfalls will ich nicht darüber reden."
„Aber Sirius…"
„Alice, hör auf, in Ordnung?" Ihre Hand ruhte auf seinem Arm und er zog ihn plötzlich weg. „Hör auf damit, in Ordnung? Es tut mir leid, dass… tja, es tut mir einfach leid, okay? Du bist ein nettes Mädchen, das bist du wirklich. Und ich bin.. ich bin viel zu kompliziert."
„Aber…"
„Ich bin nicht gut für dich… und da ist ein Kerl, der… der verrückt nach dir ist und nach dem du verrückt bist und alles andere… alles andere bist bloß du, die sich etwas vormacht. Also geh, bitte - du hast keinerlei Verpflichtung zu mir und…"
„Sirius Black," fuhr Alice ihn an. „Während ich dankbar für den mehr als leicht herablassend sanften Korb bin, bin ich nicht für dich hier, weil ich auf der Suche nach einer Beziehung bin, ja? Ich bin hier, weil du gerade herausgefunden hast, dass dein Onkel nur noch sechs Monate zu leben hat und ich denke, dass du jemanden brauchst."
„Oh."
„Und ich weiß, dass ich nicht dein bester Freund oder so bin, aber als jemand, dem dein Wohlergehen am Herzen liegt, rede bitte mit James. Er ist dein bester Freund und du kannst - du solltest deine Trauer dich nicht wütend oder deine Freunde wegschieben machen lassen."
„Ich bin nicht traurig," sagte Sirius. „Bin ich nicht. Ich mag es nicht, angelogen zu werden… von niemandem und…" Er stoppte. „Ich will nicht darüber reden. Lass mich bitte einfach alleine."
Alice seufzte tief. „Das werde ich," sagte sie. „Aber tu nichts Dummes."
Sirius antwortete nicht. Stattdessen drehte er sich um und fuhr fort, den Korridor hinunterzutrotten. Alice kehrte zum Krankenflügel zurück; an der Tür wischten ihre Augen zu Frank, der aus dem Spiel ausgeschieden zu sein schien, aber mit seinen zwei Rumtreiberbegleitern eine Konversation hielt. Kopfschüttelnd setzte sich Alice neben Donna.
„Was ist mit Black los?" fragte die Sechstklässlerin matt.
„Schlechter Tag, schätze ich," antwortete Alice. „Wie geht es dir? Du bist so still."
„Mir geht es gut."
„Du sieht nicht so aus."
„"Tja, bin ich aber."
„Bist du dir sicher?"
„Bist du dir sicher, dass du weiter blöde Fragen stellen willst?"
„Ja."
„Tja…" Donna brach ab. „Ich fühle mich schuldig," sagte sie unerwartet. „ Es ist nicht meine Schuld. Rational weiß ich das. Ich hatte nichts damit zu tun. Ich hatte wortwörtlich nichts damit zu tun. Aber Marlene und ich haben uns gestritten - mehr als sonst - und ich habe mich nicht entschuldigt und ich hätte mich entschuldigen sollen und jetzt ist sie im Krankenflügel und es ist nicht mal, als ob sie stirbt, also ist das bloß dumm, aber aus welchem Grund auch immer fühle ich mich schuldig." schloss sie und sah Alice an. „Sag es nicht Lily. Sie wird mir das ewig unter die Nase reiben."
Alice tätschelte ungeschickt Donnas Schulter. „Sie stirbt nicht, Donna. Du kannst dich immer noch entschuldigen."
„Ich weiß… aber das werde ich wahrscheinlich nicht."
Alice nickte. „Ja, das klingt richtig."
Warum brauchten die so lange?
Snape wanderte gespannt in seinem Schlafsaal auf und ab, mit dem Zauberstab fest zwischen seinen Fingern, nur für den Fall, dass jemand sich entschied, Dumbledore zu umgehen und selbst dem Slytherin Schlafsäalen einen Besuch abzustatten. Selbst wenn es nicht dazu kam, erwartete er etwas. Drei Stunden und niemand hatte auch nur an die Tür des Slytherin Schlafsaals der Sechstklässler geklopft. War es möglich, dass sein hastig angewendeter Confunduszauber tatsächlich bei Marlene Price gewirkt hatte? Es schien nicht wahrscheinlich - er hatte versucht, sein Gesicht aus ihren Erinnerungen zu löschen, aber Hester war in einer solchen Panik gewesen, nachdem er jemanden im nächsten Korridor gehört hatte und es war so ablenkend gewesen… sie erinnerte sich sicherlich an die Attacke selbst… der Schmerz des Cruciatus (es war genauso aufregend gewesen, wie die Bücher es versprochen hatten), war immer noch auf ihrem Gesicht zu lesen gewesen, als die zwei Slytherins gegangen waren. Sicherlich würde sie Dumbledore oder McGonagall sagen, dass sie zum Vergessen verhext wurde und es würde nicht lange dauern, bis ihre Erinnerung wieder hergestellt war.
Trotzdem vergingen die drei Stunden und Snape war immer noch alleine… naja, nicht ganz. Severus warf einen verärgerten Blick dorthin, wo Hester schlafend auf einem Bett lag. Es war wirklich alles seine Schuld… er war bei dem Geräusch durchgedreht - hatte begonnen wegzulaufen und versuchte Snape mit sich zu zerren. Severus hatte es schnell fertig bringen müssen mit all dem Aufruhr, die sein Begleiter machte und es machte ihn schlampig.
Nach ihrer Rückkehr zum Schlafsaal wusste Snape nicht, was er sonst mit Hester tun sollte. Ein Confunduszauber stellte sicher, dass er nichts von seinem eigenen Angriff und gerade genug von Snapes Angriff auf Marlene (von der er noch immer dachte, dass es Lily war) erinnerte, dass er das für Malfoy bezeugen konnte. Dann sprach Snape, weil er so genervt von Hesters verzaubertem Geplapper war, einen schnellen Schlafzauber und schwebte ihn zum nächsten Bett. Hester würde in den nächsten Stunden ohne die geringste Ahnung aufwachen, aber Snape hatte keinen Zweifel, dass bis dahin sein eigener Aufenthalt in Hogwarts schon beendet sein würde.
Er war jedoch noch nicht siebzehn und hatte niemanden getötet. Sie konnten ihn nicht nach Azkaban schicken, aber er würde sicherlich von der Schule verwiesen werden.
So lange, wie es nicht bekannt wurde, dass Marlene Price - nicht Lily Evans - angegriffen wurde, war das Severus relativ egal… Er würde nicht nach Hause gehen. Er würde den Todessern beitreten, als Vollzeitbeschäftigung. Er würde dem dunklen Lord beitreten… er würde unbegrenzte Zeit haben, die dunklen Künste zu studieren, unbegrenzte Resourcen um seine eigene Macht zu vergrößern… es würde alles nach seinem bestehenden Plan verlaufen, nur, dass er alles etwas früher haben würde.
Nur eine Sache hielt Sev zu der Zeit noch im Schlafsaal. Es war der einzige Grund, weshalb er noch nicht nach Hogsmeade geflohen war um den Formalitäten von Dumbledores unvermeidbaren Besuch (von seinem unvermeidbaren Rauswurf) zu entgehen. Es war der einzige Grund für sein Zögern, Hogwarts zu verlassen - die einzige Sache, an der er noch klammerte.
Lily.
Und es war irrational, das wusste er, aber danach würde es eine lange Zeit dauern, bis Lily wieder bereit wäre, ihn zu sehen. Er wusste nicht, wie lang - wie mächtig er sein müsste um sie zurückzugewinnen - aber er wusste, es würden Jahre sein, keine Monate. Also obwohl Snape wusste, dass er gehen konnte - dass er Lily viel früher sehen würde, als sie ihn sehen würde - erkannte er auch, dass es schwierig sein würde, mühselig und dass er sie wirklich noch ein letztes Mal sehen musste.
Er betete, dass sie keine Gelegenheit haben würde, ihm einen traurigen, enttäuschten Blick zuzuwerfen. Er hasste diesen Blick.
Snape wand sich Unbehagen bei dem Gedanken. Er konstruierte eine Szene in seinem Kopf… wie er aus Hogwarts geführt wurde, voll Scham, wie die anderen Idioten hier es sahen… Lilys wütender, wunderschöner Blick… ihre Wut, aber nicht ihr Hass (nein, nie ihr Hass). Wahrer Hass war vielleicht sein ständiger Begleiter, aber es war eine Unmöglichkeit für Lily Evans. Da war Snape sich sicher.
Er hielt inne, als er dachte, dass er draußen vor der Tür Schritte gehört hatte, aber nach einer Minute Stille erkannte er, dass auch das ein Produkt seiner Fantasie gewesen sein musste. Snape lief weiter auf und ab.
Er konnte mit der Situation umgehen. Er konnte mit dem Rauswurf und dem Risiko umgehen… es war das Warten, das ihn umbrachte.
Warum brauchten die so lange?
Marlenes Augen flatterten gegen sieben Uhr auf. Donna bemerkte es zuerst. „Sie ist wach," sagte sie laut, stand auf und durchquerte den Raum zu Marlenes Seite. Die anderen folgten sofort.
„Wie geht es dir?" fragte Lily als erste. „tut irgendwas weh? Weil ich viel darüber gelesen habe und wenn es nicht aufhört, könnte das bedeuten…" Sie stoppte. „Sorry. Du zuerst."
Marlene setzte sich im Bett auf. „Ich fühle mich besser," sagte sie. „Schwindelig, aber… nichts tut weh. Mir geht es gut."
„Was ist passiert?" fragte Remus. „Ich meine, James hat uns einen Teil davon erzählt, aber… hast du wirklich gar keine Idee, wer das getan haben könnte? Hast du keine Morddrohungen bekommen, die du - ich weiß nicht - vergessen hast zu erwähnen?"
Marlene schüttelte ihren Kopf. „Und hat irgendjemand von euch etwas gehört? Von Professor McGonagall oder irgendjemandem?" Das hatten sie nicht. „Ich hoffe, dass sie es nicht verkünden… mir wäre es lieber, wenn so wenig Leute wie möglich wissen, dass ich angegriffen wurde."
„Warum?" wollte James wissen.
„Es ist peinlich, das ist alles. Die Blicke, die Fragen… ich will nicht das Mädchen sein, das angegriffen wurde."
„Tja, wir werden es nicht weitererzählen," versicherte Alice ihr. „Jemand sollte Heiler Holloway holen." Donna ging das tun und Marlene begann zu erzählen, was passiert war.
„Es gibt nicht viel zu erzählen," gab sie zu. „Ich war am gehen und dann hat… hat jemand etwas gerufen - es war eine männliche Stimme. Ich habe mich umgedreht, aber bevor ich einen guten Blick hatte, wurde ich mit dem ersten Cruciatusfluch getroffen. Das hat eine Weile angedauert und dann hat es aufgehört und wieder angefangen… und dann hat es aufgehört, aber ich konnte es immer noch fühlen, wisst ihr? Dann ist die Person gegangen und… dann habe ich gehört, wie James' Stimme meinen Namen gerufen hat. Ich bin mir nicht mal sicher, wie viel Zeit vergangen ist, nur… Mary, weinst du?"
„Ja!" schluchzte Mary mitleidend. „Ich kann nichts dagegen machen! Du bist meine beste Freundin und ich sage dir das nicht genug und…"
„Mary, ich sterbe nicht," bemerkte Marlene.
„Ich weiß, aber… aber…" Sie beendete ihren Satz nicht, sondern warf stattdessen in einer wässrigen Umarmung ihre Arme um Marlene. Marlene lächelte, als sie Mary auf den Rücken tätschelte und die anderen sahen zu, trotz allem amüsiert. Dann erschien Heiler Holloway mit Donna an seinem Fersen.
„Macht Platz," grummelte er und sie machten ihm einen Pfad frei, damit er Marlene untersuchen konnte. „Irgendwelchen neuen Schmerzen? Überhaupt welche?"
„Nein."
„Hmmpf. Taubheit? Kurzatmigkeit?"
„Nein."
„Unkonzentriertheit?"
„Nein."
„Benommenheit?"
„Nein."
„Irgendetwas Ungewöhnliches?" Marlene schüttelte ihren Kopf. „Sehr schön." sagte Heiler Holloway. „Ich werde dir ein paar einfache Fragen stellen, nur um deinen Geisteszustand sicherzustellen. Was ist dein voller Name?"
„Marlene Katherine Price."
„Geburtstag?"
„12. Juli."
„Schulhaus und Farben."
„Gryffindor, rot und gold."
Holloway fuhr in dieser Art mehrere Minuten fort, alles von Lieblingsnachspeise zu Haustieren in der Kindheit abzufragen. Sie beantwortete alle Fragen recht klar und ohne Zögern, bis Holloway schließlich zufrieden schien. „In Ordnung dann," sagte er, die Arme verschränkend, als ob er es lieber nicht zugeben wollte. „Sie scheinen sich erholt zu haben. Aber Sie kommen sofort zurück, sollten Sie irgendetwas Ungewöhnliches in den nächsten Tagen erleben, verstanden?"
„Ja."
„Ich muss einen Bericht schreiben," fuhr der Heiler fort, „Und ich werde dir einen Schlaftrank holen, oder du wirst nach diesem Mittagsschlaf die halbe Nacht wachliegen. Warte hier."
Er ging und währenddessen trat Remus nach vorne. „Es ist gut zu sehen, dass es dir gut geht, Marlene. Ich gehe jetzt runter in die Küchen - willst du, dass ich dir irgendetwas bringe?"
„Nein, aber danke."
„Ich komme auch," sagte Peter.
„Ich auch," sagte Frank.
„Kommst du, James?" fragte Remus, der anfing, zur Tür zu laufen.
„Nein, ich treffe euch im Schlafsaal," sagte James. „Es gibt noch etwas, worüber ich mit Marlene zuerst noch sprechen will."
Remus nickte und ging mit den anderen. „Ich sollte auch gehen," sagte Alice traurig. Sie umarmte Marlene mit einem Arm. „Frag mich, wenn du irgendetwas brauchst, ja?"
„Danke," sagte Marlene wieder und Alice ging auch.
„Weißt du," sagte Mary, die sich auf eine Ecke von Marlenes Bett setzte. „Es gibt eine Sache, die ich nicht ganz verstehe. Warum warst du nicht im Dorf? Was hast du überhaupt im Schloss gemacht?"
Plötzlich wurden die Augen der Blondine ganz groß. „Scheiße!" fluchte sie. „Adam! Ich habe ganz vergessen! Er muss…"
Gerade dann öffnete sich die Tür der Krankenstation und - als ob er durch die Erwähnung seines Namens gerufen wurde - Adam erschien.
„Es tut mir so leid!" begann Marlene zu sagen, aber Adam unterbrach sie.
„Geht es dir gut? Sirius hat nicht viel gesagt, außer dass du hier bist und…"
An diesem Punkt hörte James auf zuzuhören. Hinter Adam kam Sirius herein. Zuerst schaute der Rumtreiber auf den Boden, aber bald sah er hoch, James in die Augen blickend. Sie sagten nichts, aber James nickte leicht und Sirius neigte seinen Kopf und sie verstanden beide.
„Marlene?" rief plötzlich eine neue Stimme.
„Verdammt noch mal, es ist hier drin wie in Kings Cross, wie die Leute kommen und gehen," murmelte Donna, verärgert ihre Arme verkratzend. Die neuste Ankunft war jedoch deutlich weniger willkommen. Miles Stimpson rauschte zu Marlenes Seite und verpflanzte seine Lippen fest auf ihre und ließ alle anderen sich so fühlen, als ob sie nicht hier sein sollten.
„Miles!" rief Marlene ihn wegschiebend. „Was machst du? Wie hast du herausgefunden, dass ich hier bin?"
„Es gab ein Gerücht, dass jemand bewusstlos im Krankenflügel ist," erklärte der Ravenclaw hastig. „Und du warst nicht beim Abendessen, also dachte ich, vielleicht… Marlene, es tut mir so leid! Ich hätte für dich da sein sollen! Diese ganze Sache ist dumm und es tut mir leid und ich liebe…"
„Miles!" unterbrach ihn Marlene scharf. „Können wir diese Unterhaltung später haben? Mir geht es gut. Ich bin nicht tot… nicht einmal nahe dran! Ich rede später mit dir!"
„Nein, Marly, siehst du es nicht? Als ich dachte, du wärst ernsthaft verletzt, habe ich etwas erkannt - ich war wirklich blöd, ich weiß das und ich kann mich nicht genug entschuldigen, wirklich! Aber davor - ich war nicht wirklich bereit! Ich war nicht bereit, ganz mit dir zu sein und ich war so ein Idiot! Aber jetzt bin ich bereit! Und es wird anders sein! Wirklich, Marly, ich liebe dich und ich will dein Freund sein."
Es herrschte eine verlegene Stille. Marlene blinzelte zweimal. „Wie bitte?" sagte sie schließlich. „Du bist jetzt bereit? Was zur Hölle hast du die letzten zweieinhalb Jahre gemacht? Wenn du nicht bereit warst, mit mir in einer Beziehung zu sein, warum waren wir dann in einer?"
„Aber Marly…"
„Nein!" kreischte Marlene fast. „Du hast gesagt, du willst jetzt darüber reden - lass uns jetzt darüber reden! Du bist ein Arsch und ein Betrüger und ein Lügner und du hast mir nie zugehört! Zum Beispiel, als ich gesagt habe, dass ich den Spitznamen Marly hasse. Ja, das habe ich gesagt! Ungefähr hundert Mal! Du warst ein schrecklicher Freund und egal, ob du jetzt bereit bist oder nicht, Miles Stimpson, du und ich werden niemals wieder zusammen sein!"
„Mar-Marlene…"
„Ich habe schon einmal mit dir Schluss gemacht, Miles! Muss ich es nochmal tun?"
„Marlene, du bist müde und…."
Nicht in der Lage, sich zurückzuhalten nahm die Blondine die Taschentuchpackung auf ihrem Nachtisch und pfefferte sie auf Miles, der sich leicht duckte, aber mit einer traurigen Mischung aus beschämt und wütend wieder auftauchte. Ohne ein Wort drehte er sich um und stürmte aus der Krankenstation.
Eine lange, peinlich Stille folgte.
„Ich frage mich," begann Sirius schließlich, „wie er dachte, dass die Unterhaltung enden würde. Ich denke, dass es nicht die Taschentücher beinhaltete."
„Nein, die Taschentücher wohl nicht," stimmte James zu.
Lily, Mary, Donna und Adam fanden das zumindest lustig, aber sie unterdrückten ihr Lachen ineffektiv, als Marlene ihr Gesicht in ihren Händen vergrub. „Guter Gott, lass diesen Tag vorbei sein," flehte sie, aber sie lächelte auch - wenn auch irgendwie schwach - als sie ihre Hände aus dem Gesicht nahm um ihre Haare zurückzustreichen. „Ich hab solches Kopfweh…"
Und das war unglücklicherweise für Marlene der Moment, in dem Heiler Holloway sich entschieden hatte, wieder zu erscheinen. „Kopfweh?" fragte er zu ihrer Seite eilend. „Wie stark? Wie lange haben Sie es schon?"
„Nein, nein, nein," protestierte Marlene hastig. „So ist das nicht! Es ist bloß, mein Exfreund war hier und ich musste wieder mit ihm Schluss machen und…"
Aber Holloway ließ nichts gelten. Er bestand darauf, dass Marlene über Nacht zur weiteren Beobachtung blieb und nach viel Protest gab sie nach. „Alle raus," befahl Holloway sauer, „ich werde Abendessen für Miss Price hochbringen lassen. Sie hatte genug Gesellschaft."
Ihre Proteste wurden genauso ignoriert und als Holloway zu seinem Büro zurück humpelte um Marlene Unterlagen zu den Akten zu legen, verabschiedeten sich die anderen.
„Marlene," begann Donna unsicher. „Hör zu, ich wollte… ich wollte bloß sagen, dass es…" Sie sah keinem wirklich in die Augen. „Ich wollte bloß… du weißt schon… äh… also, ich…"
„Richtig," unterbrach Marlene. „Mir auch."
Donna nickte leicht lächelnd. „Ich sehe dich morgen."
„Tschüss, Liebes," sagte Lily, Marlene warm anlächelnd. „Ich bin stolz auf dich, weißt du."
„Dafür, dass ich angegriffen wurde?" wollte die Blondine verwirrt wissen.
Lily lachte und schüttelte ihren Kopf. „Dafür, dass du Miles eine Taschentuchbox an den Kopf geworfen hast."
„Hab dich lieb, Süße," sagte Mary, ihre Freundin umarmend. „Stirb nicht unerwartet in der Nacht, wenn es dir Recht ist."
„Ich geb' mein Bestes."
Die drei Mädchen wanderten ab und James schritt näher zum Bett. Es war ihm recht egal, wenn Adam und Sirius - die einzigen anderen, die jetzt noch blieben - hörten, was er Marlene zu sagen hatte. „Hör zu, ich weiß, du bist müde, aber es gibt etwas, was ich dich fragen muss." Sie nickte. „Wegen dem Hogsmeade Wochenende waren nicht viele andere Schüler im Schloss, als du angegriffen wurdest."
„Richtig."
„Einer der paar Leuten, die im Schloss waren… also… tja, es ist egal, wie ich das weiß, aber… einfach… da war ein älterer Schüler. Denkst du, die Stimmte, die du gehört hast… die dich gerufen hat, bevor du angegriffen wurdest… denkst du, es könnte Severus Snape gewesen sein?"
Marlenes Gesicht wurde bleich. Sie antwortete ein paar Sekunden nicht und sie starrte in die Luft, als ob sie sehr genau über ihre Antwort nachdachte. „Nein," sagte sie schließlich. „Ich denke nicht."
James runzelte die Stirn. „Aber du kannst dir nicht sicher sein?"
„Ich denke nicht, dass er es war, James."
„Aber du weißt es nicht und…"
„James, lass es sein. Es war nicht Snape."
„Woher weißt du das?"
„Ich weiß einfach, dass er es nicht war," beharrte die Hexe. „Die Stimmte passt nicht."
James wurde etwas weicher. „Du bist dir sicher?"
„Ich würde es nicht sagen, wenn ich mir nicht sicher wäre," antwortete Marlene.
„In Ordnung dann," James nickte langsam. „Ich hoffe, du fühlst dich besser."
Er begann zu gehen, aber Marlene rief ihn zurück. „Danke," sagte sie. „Dafür, dass du dich um mich gesorgt hast und mich hierher gebracht hast und… dass du es all meinen Freunden gesagt hast, obwohl ich dich gebeten hatte, es nicht zu tun."
James grinste leicht. „Gerne." Er ging mit Sirius und Marlene und Adam waren alleine.
„Es tut mir so leid," wiederholte sie ehrlich. „Und weißt du, ich denke, ich habe deine Platte im Gang fallen lassen."
Adam lächelte. „Ich bin nicht leicht zu überzeugen, Mar, aber wenn deine Entschuldigung, mich stehengelassen zu haben, ist, dass du mit einem Unverzeihlichen Fluch angegriffen wurdest… selbst ich muss da nachsichtig sein." Marlene versuchte zurück zu lächeln, aber stattdessen verzog sich ihr Gesicht seltsam, als ob es kurz davor war, zu weinen. Adam eilte zu ihr. „Was ist los?"
„Ich habe etwas Schreckliches getan," flüsterte Marlene schniefend. „Ich denke nicht, dass ich es wieder gut machen kann."
„Worüber redest du? Du hast nichts falsch gemacht! Sicher nicht Miles…"
„Nein," sie schüttelte schnell ihren Kopf. „Nein, nicht Miles. Es ist etwas anderes. Ich kann es nicht erklären." Die Hexe sah hoch und in Adams Augen. „Du weißt, dass du mir sehr viel bedeutest, nicht? Und früher heute dachte ich… aber…. genau jetzt… genau jetzt brauche ich bloß einen Freund. Ich brauche… ich brauche bloß jemanden, der mir sagt, dass alles in Ordnung ist."
Adam war leise für eine gewisse Zeit. „Alles wird in Ordnung sein," sagte er schließlich, aber seine Stimme brach ein wenig. Er setzte sich auf die Bettkante und legte einen Arm um sie. Sie legte ihren Kopf auf seine Schulter.
„Danke," Marlene schloss ihre Augen, erlaubte den lange zurückgehaltenen Tränen ihre Wangen hinunter zutreffen. Adam sagte nichts, aber zog sie eng an sich, sodass ihre Tränen, als er sich gegen die Wand lehnte, vorne auf sein T-Shirt fielen. Sie fing an richtig zu weinen, ihre Schultern bebend, als sie schluchzte, aber er sagte immer noch nichts und als - einige Zeit später - Heiler Holloway vorbeikam und die zwei schlafenden Teenager sah, sagte er auch nichts.
(Ein Verzauberter Abend)
Remus und Peter wussten immer genau, was sie von der Küche holen mussten, reflektierte James, als die Rumtreiben an diesem Abend in ihrem Schlafsaal schlemmten. Ohne auch nur zu fragen hatten sie mitgebracht, was als das perfekte Essen bezeichnet werden konnte und so, mit Schinken und Kartoffeln und Kuchen und Siruptörtchen und vielen verschiedenen Broten und Puddings und Getränken saßen die Jungen auf dem Boden und sprachen über Dinge, die nicht wichtig waren.
Sie waren gerade fertig damit über eine Geschichte zu lachen, die Sirius ihnen erzählt hatte, nüchtern werdend und mehr Butterbier trinkend, als Peter sich äußerte: „Irgendetwas fühlt sich anders an, oder?"
James hob eine Augenbraue. „Wie anders?"
„Ich weiß nicht," sagte der andere. „Einfach… anders. Unverzeihliche Flüche in Hogwarts… Waren nicht die einzigen Dinge, vor denen wir Angst haben mussten… Levicorpus und Wobbelbeinflüche?"
Die anderen waren still, bis Sirius fröhlich sagte: „Mach dir keine Sorgen, Wormy, wenn du vor den großen bösen Slytherins Angst hast, lassen wir ein paar Hufflepuffmädchen dich beschützen!"
Peter wurde rot, die anderen lachten und es wurde nichts mehr zu dem Thema gesagt. Später, als Remus die Reste des Abendessens aufräumte, bewegten sich Sirius und James zu einer Ecke im Schlafsaal.
„Das war eine ziemlich nette Sache, die du getan hast," sagte James. „Adam McKinnon zu finden, meine ich."
„Es ist ein bisschen schwieriger, jemanden ohne die Karte zu finden," stimmte Sirius grinsend zu.
„Es tut mir leid, dass ich gesagt habe, du wärst egozentrisch."
„Es tut mir leid, dass ich ein Ekel zu dir war."
Sie nickten beide.
„Also, wirst du es mir sagen?" fragte James und auf Sirius nachfragenden Blick hin fuhr er fort: „Wirst du mir sagen, was passiert ist? Was es ist, das Alice über dich weiß und ich nicht? Wirst du es mir sagen?"
Sirius zögerte. „Werde ich," antwortete er. „Aber… noch nicht. Ich… will jetzt gerade noch nicht darüber reden."
James nickte. „Tja… ich werde da sein."
„Ja. Danke."
Es war wie ein schlechter Witz.
Müde schritt Lily an diesem Abend in ihren Schlafsaal. Und der Raum wurde hell um hunderte rote Rosen zu zeigen. Lily hatte die Blumen komplett vergessen und da waren sie, eine lächerliche Verspottung von dem, was sie an dem Anfang dieses langen und anstrengenden Tages darstellen sollten. Sie standen auf fast jeder Oberfläche des Schlafsaals, genau wie an diesem Morgen und doch so anders.
Zuerst schienen die Rosen so romantisch, dann ein wenig traurig, dann nervig und jetzt waren sie auf eine Art tief ironisch.
Lily stand für mehrere Minuten in den Blumen, zu müde um zu reagieren, immer noch mit Mantel und Schal in ihrer Hand, bis sich die Tür hinter ihr öffnete und eine genauso erschöpfte Mary hereinließ.
„Verdammt, das hatte ich ganz vergessen," murmelte die Brünette, die ihren eigenen Mantel über einen Stuhl warf, während sie versuchte, sich ihren Weg zum Waschsaal zu navigieren. „Oh, und Lily, Luke ist draußen vor dem Gemeinschaftsraum, er sucht nach dir."
Das brachte Lily sofort zurück zur Realität. „Scheiße," fluchte sie. „Ich habe komplett vergessen… Danke, Mary!"
Mary nickte vage als Antwort, als Lily aus der Tür eilte, runter und durch den Gemeinschaftsraum. Draußen im Flur lief Luke gerade vor dem Porträt der Fetten Dame auf und ab.
„Agrippa, es tut mir leid," sagte Lily, die zu ihrem Freund hastete. „Ich wollte mich nicht so davon machen, aber Marlene ist im Krankenflügel und du warst draußen und ich habe nicht einmal daran gedacht…"
„Ist egal," unterbrach Luke, er war sehr bleich und Lily bezweifelte, dass er auch nur ein Wort ihrer Entschuldigung gehört hatte. „Ich brauche deine Hilfe, Lily. Ich kann deine Fragen nicht beantworten und ich kann es nicht erklären, aber du musst mir vertrauen und mit mir kommen. Es ist sehr wichtig."
Zum ersten Mal bemerkte Lily die Büchertasche, die über der Schulter ihres Freundes hing. Sie nahm die Dringlichkeit in seinen braunen Augen und die Intensität seiner Stimme wahr.
„Luke, du musst mir mehr sagen als das."
Der Ravenclaw nickte schnell. „Alles, was ich sagen kann, ist… ist… ist, dass es um Leben und Tod geht. Bitte, Lily."
In den folgenden Jahren würde sich Lily nicht genau daran erinnern können, Ja gesagt zu haben, obwohl sie schätzte, dass sie in einer Art zugestimmt haben musste. Sie würde sich auch nicht an den Gang durch die Korridore des Schlosses erinnern können, die Marmortreppe hinunter, durch die Eingangshalle und nach draußen. Sie würde sich nie daran erinnern können, wie Luke es schaffte, Filch dazu zu überreden, sie eine letzte Kutsche hinunter ins Dorf nehmen zu lassen oder was bei der Fahrt gesagt wurde.
Sie würde sich jedoch daran erinnern können, wie sie aus der Kutsche auf die Hauptstraße ausstieg, die gefüllt war mit Valentinstagspärchen, die sich den Elementen für einen romantischen Abend aussetzten. Sie würde sich an Lukes Stille erinnern, als sie ihm zu einem sehr vertrauten, verschlossenen Gebäude folgte - das alte Geschäft der Harpers - und wie die ganze Geschäftigkeit der Welt draußen verflog, als Luke die Tür hinter ihnen schloss. Sie würde sich daran erinnern, wie ruhig es in dem Haus war - ruhig, aber nicht ganz still.
Während ihr der genaue Platz ihres Zauberstabs (ihre Manteltasche) sehr bewusst war, folgte Lily Luke die Treppen des verlassenen Hauses hoch. Auf der Hälfte der Treppe wurde Lily bewusst, dass das Haus nicht ganz verlassen war - da war ein Geräusch eines knisternden Feuers und bald konnte sie leicht orangenes Licht sehen, das auf eine Wand fiel.
Der größte Teil des Flurs im zweiten Stock war dunkel, als die beiden den Treppenabsatz erreichten; alle Türen waren geschlossen, aber während die meisten pechschwarz waren, leuchtete unter dem Türrahmen einer ein Streifen orangenen Feuerlichts. Lily sah zu ihrem Freund und ihre Hand schloss sich um ihren Zauberstab in ihrer Tasche.
„Du musst keine Angst haben," murmelte Luke, als ob er ihre Gedanken gehört hätte. Er führte sie den Flur hinunter zu dem erleuchteten Raum. Sie erreichten die Tür und Luke griff zur Klinke, aber er öffnete sie nicht direkt. „Vertrau mir, du musst keine Angst haben," wiederholte er. „Ich brauche deine Hilfe. Wenn du mir nicht helfen kannst, weiß ich nicht, was ich tun soll."
Langsam nickte Lily.
Luke öffnete die Tür.
