AN: Danke wie immer an meine wundervolle Beta Anne fürs Korrekturlesen! Auch wenn es diesen Monat etwas knapp wurde, haben wir es noch rechtzeitig geschafft - yay!
Ich hoffe, ihr habt viel Spaß mit diesem Kapitel, es ist mein letztes, das ich auf Vorrat hatte, aber vielleicht schaffe ich es ja, in den Weihnachtsferien rechtzeitig das nächste zu übersetzen. Schöne Weihnachtszeit, ihr alle!
Disclaimer: Harry Potter und seine Charaktere gehören JKR. Diese Geschichte gehört Jewels5. Dies ist eine genehmigte Übersetzung.
Vorher: Ein Auror namens Lathe wird angewiesen die verdächtigen versuchten „Selbstmorde" in Hogwarts zu untersuchen. Nachdem dieser Fall beendet ist, soll er nach dem möglichen Todesser Logan Harper suchen. Lilys Freund Luke bringt sie ins Dorf, damit sie seinem verletzten Bruder Logan hilft. Sirius findet heraus, dass sein Onkel, Professor Alphard Black, stirbt und er ist wütend, dass diese Information von ihm geheim gehalten wurde. Die liebliche Carlotta Meloni ist verantwortlich dafür, dass Frank und Alice Schluss gemacht haben. Donna hat eine andauernde „Affäre" mit einem Ravenclaw namens Charlie, der zufällig auch eine Freundin hat.
Kapitel 18 - „März"
Oder
„Du bekommst nicht immer das, was du willst"
Sie würde es beenden.
An dem Tag nach Logans Harpers Abreise war Lily entschlossen ihre Beziehung zu seinem Bruder zu beenden. Sie war angelogen worden, sie war manipuliert worden, sie war benutzt worden und am allerschlimmsten, sie dachte nicht, dass Luke wirklich verstand, dass er mit all dem etwas zu tun hatte. Und so ging Lily nach einer weiteren schlaflosen Nacht (sie war zu wütend gewesen um sich zu beruhigen) alleine zur Großen Halle, emotional und intellektuell darauf vorbereitet, alle romantischen Verbindungen zu Luke Harper zu lösen.
Wofür Lily weder emotional noch intellektuell vorbereitet war, war der Anblick, der sie am Ravenclawtisch erwartete.
Luke blickte nach unten, sein Gesicht verborgen und mehrere seiner Freunde standen um ihn herum. Ein Mädchen hielt ihre Tränen zurück. Lily schickte einen fragenden Blick zu Lukes besten Freund, einem Siebtklässler mit Locken.
„Sein Vater," murmelte der Ravenclaw. „Du weißt, dass er krank war…?"
Lily wusste den Rest, bevor er gesagt wurde.
Luke ging nicht zur Beerdigung. Seine Mum wollte nicht, dass er so kurz vor den U.T.Z.-Prüfungen Unterricht verpasste und sie sagte, dass es nicht wirklich ein Familientreffen werden würde, da ein Bruder bereits gezwungenermaßen abwesend war. Luke hatte gehen wollen, aber die Beharrlichkeit seiner Mutter ließ ihn wegbleiben. So blieb er in der Schule und Lily blieb bei ihm in dieser Zeit, die er später als eine seiner schlimmsten Wochen bezeichnen würde.
Februar wurde März, der Schnee war so gut wie geschmolzen und Ravenclaw verlor gegen Slytherin, was zu einem Gryffindor gegen Slytherin Quidditchfinale führte. Der Himmel war grau und Regen verscheuchte alle, bis auf die unglückseligen Kräuterkundeschüler, nach drinnen, aber das Leben ging weiter, wie es das gewöhnlich tat.
(I can't get no satisfaction)
„Ms. Sevoy," begann Alice Griffiths mit bebender Stimme. „Sie sind eine vernünftige Frau. Ich bin eine vernünftige Frau. Alles, worum ich Sie bitte, ist, dass Sie diese nervenden, tönenden, klatschenden fünfzehnjährigen Mädchen bitten, die Bibliothek zu verlassen. Sie arbeiten nicht. Sie lesen nicht. Ich bin mir nicht mal sicher, dass sie lesen können. Was könnten sie in der Bibliothek machen, was auch nur annähernd produktiv ist? Wie leisten sie einen gesellschaftlichen Beitrag? Wie?!"
„Miss Griffiths," antwortete die plumpe, grauhaarige Bibliothekarin mit einer Stimme wie zuckerbestäubtem Gift. „Diese Mädchen tun nichts falsches. Sie flüstern und Flüstern ist vollkommen angemessen in der Bibliothek." Sie lächelte süßlich in die Richtung der Fünftklässlerinnen und eine von ihnen lächelten mit einem kleinen Winken zurück.
„Sie flüstern nicht!" rief Alice.
„Miss Griffiths! Lautstärke!"
„Sie flüstern nicht!" wiederholte Alice in einem lauten, aufgebrachten Flüstern ihrerseits. „Sie zwitschern wie Vögel. Böse, besessene Vögel, wild entschlossen, mein Leben zu ruinieren."
„Ihr Leben ruinieren?" wiederholte eine skeptische Ms. Sevoy. Alice nickte eifrig. „Wie?"
Alice lehnte sich über den Tisch der Bibliothekarin und legte das Buch („Ein tieferer Blick in das Zaubertränkebrauen des 17. Jhd."), das sie umklammert hatte, ab. „Ms. Sevoy, ich muss lernen. Ich muss bis zum Ende des Monats ein Zaubertränkeprojekt beenden, das ein Viertel meiner Note ausmacht. Das bedeutet lächerlich viel Recherche, mit Büchern, die kaum das Thema abdecken, das ich benötige. Und dann, Ms. Sevoy, in 97 Tagen, werde ich meine U.T.Z.-Prüfungen ablegen. Ich muss… phänomenale Noten bei diesen erreichen und wenn nicht, wird mir nicht mal erlaubt werden, den Test zu machen, der entscheidet, ob ich mich für das Aurorenprogramm bewerben kann oder nicht. Wenn ich es nicht in das Aurorenprogramm schaffe, werden die Träume, die ich mir, seit ich sieben bin, sorgfältig und akribisch erbaut habe, zerbrechen, was mich in eine Abwärtsspirale von Selbstzweifeln und Alkoholmissbrauch senden wird, was mich dann in ein Leben als Prostituierte verdammen wird… wo ich zweifellos sehr gute Bekanntschaft mit diesen zwitschernden Fünfzehnjährigen machen werde, die dann meine benachbarten Straßendirnen sein werden und weil sie jünger und blöder sind als ich, mir alle Kundschaft stehlen werden und ich werde gezwungen sein, das Undenkbare zu tun…. einen dieser hirntoten, reichen Reinblüter, den meine Eltern mögen, zu heiraten. Ms. Sevoy, retten Sie mich davor! Retten Sie mich vor einem Leben als Vorzeigefrau! Ich bettele Sie an!"
Ms. Sevoy war jedoch weder amüsiert noch beeindruckt. „Miss Griffiths, diese Mädchen tun nichts falsches." Alice warf ihren Kopf auf den Tisch. „Und nebenbei, wenn Sie meinen Rat wollen…"
„Will ich nicht," stöhnte Alice gegen den Tisch.
„… Vergessen Sie besser diesen Aurorenunsinn und heiraten Sie einen dieser Zauberer, die ihre Eltern mögen, wenn sie es zulassen. Sind Sie nicht noch ledig?"
„Sind Sie nicht noch ledig?" entgegnete Alice, was ihr einen Blick aus purem Hass von der Bibliothekarin einbrachte; die Siebtklässlerin entschied, dass dies ein genügender Hinweis war um ihren Abgang zu machen. Sie sammelte schnell ihre Bücher und bewegte sich zu dem Tisch, der am weitesten von den kichernden Fünfzehnjährigen entfernt war. „Schlaue Mädchen, seid gewarnt," murmelte sie zu keinem Bestimmten. „Der Feind ist multilateral."
„Wenn diese Bernice Fletcher -" kicher „-noch fetter wird-" kicher „-kracht der Hufflepufftisch unter ihr ein!"
Alice seufzte, als die Mädchen auf Kosten anderer in eine neue Welle schrillen Lachens ausbrachen. Sie öffnete einen der größeren Bände, den sie zur Verfügung hatte („Fortschritt der Tränke, Band 13") und durchsuchte den Index nach den Informationen, die sie brauchte. Es dauerte einen Moment, bis sie realisierte, dass dies eigentlich das falsche Buch war: das letzte Kapitel hieß: „Ein letzter Blick: 1586-1599". Alice brauchte das 17. Jahrhundert.
Seufzend stand die Siebzehnjährige von ihrem Stuhl auf (ein paar der Fünftklässlerinnen hörten lange genug auf zu kichern um ihr zuzusehen, wie sie von Bücherregal zu Bücherregal ging) und lief hinüber zur Zaubertränkeabteilung, während sie versuchte, sich daran zu erinnern, aus welchem Regal sie Fortschritt der Tränke, Bank 13 hatte. Sie fand es schnell, fand aber auch heraus, dass sie nicht alleine in dem langen Gang war. Zwei Zauberer durchsuchten ebenfalls die Regale: einer war ein pickelgesichtiger Ravenclaw aus ihrem Jahr und der andere war („Natürlich, verdammt noch mal," dachte sie) der wohlbekannte Schulsprecher.
„H-H-Hi Alice," stammelte der Ravenclaw.
„Hi Terrence," antwortete Alice müde. Sie dachte, sie hätte bemerkt, wie Frank ein wenig grinste, aber es war schwierig zu sagen, da er gerade sein Gesicht in einem Buch vergraben hatte. Jedenfalls war sie zu müde um sich weiter Gedanken darum zu machen.
„S-s-sucht du nach einem B-buch, Alice?" fragte der Junge namens Terrence.
Die Hexe biss sich auf die Lippen um die Fassung bewahren. „Das tue ich," antwortete sie so lieb wie möglich. Und weil sie dachte, dass es vielleicht die Fragen eindämmen würde, fügte sie hinzu: „Und du?"
„Oh, ja! Ich mache Zaubertränkehausaufgaben! W-w-weißt du, Professor Slughorn hat gesagt, ich wäre der drittbeste in unserer Stufe für Zaubertränke!"
„Glückwunsch." Alice war sich sicher, dass sie Frank jetzt kichern sah. „Tja, wenn du mich entschuldigst, ich muss… du weißt schon… Buch." Sie gestikulierte mit „Fortschritt der Tränke, Band 13" und schritt um den Ravenclaw herum um es wieder in das Regal zu stellen. Als es jedoch an seinen rechtmäßigen Platz neben „Fortschritt der Tränke, Band 12" rutschte, bemerkte Alice, dass sein Nachfolger, Band 14, fehlte. „Natürlich, verdammt noch mal," murmelte sie, nahm Band 15 aus dem Regal und blätterte zum Inhaltsverzeichnis. Der Titel des ersten Kapitels hieß „Die 1730: Gesetze und Liebestränke". Alice fluchte leise und stellte das Buch ebenfalls wieder zurück ins Regal. Sie drehte sich zu ihren Begleitern im Gang um.
„Ich schätze nicht, dass einer von euch ‚Fortschritt der Tränke, Bank 14' hat, oder?"
Sie schätze richtig. Das hatten sie nicht. Alice hätte sich eventuell selbst gedanklich dafür gratuliert, wie gut sie mit dieser Nähe zu ihrem Exfreund umging, wenn sie nicht so sehr darauf fokussiert gewesen wäre, wutentbrannt zu sein, da das Buch, das sie verzweifelt brauchte um ihre Arbeit zu beenden, nirgendwo zu sehen war.
„Natürlich nicht, verdammt noch mal," sagte sie wieder, die Arme verschränkend. Die Hexe schlich zum Ende der Regale und lukte um die Ecke um einen Blick auf Ms. Sevoy zu werfen. Terrence sah sie komisch an, aber Alice war es wirklich egal. Sie wagte nicht einmal einen peripheren Blick um zu sehen, was Frank über ihr seltsames Verhalten dachte.
„Was tust du?" fragte er plötzlich und er hörte sich ein bisschen amüsiert an.
„Ich beobachte den Feind," antwortete Alice würdevoll. „Ms. Sevoy," stellte sie auf Franks und Terrrences verwirrte Gesichtsausdrücke hin klar. „Sie hasst mich."
„Du hast gerade angedeutet, dass sie eine alte Jungfer ist," bemerkte Frank. Alice blickte ihn finster an.
„Du hast das gehört?"
„Du hast das geschrien."
„Ich habe nicht geschrien."
„Hat sie nicht," verteidigte Terrence loyal. Alice strahlte. Frank schüttelte den Kopf und kehrte zu seinem Buch zurück. Der Ravenclaw sah zwischen den beiden hin und her. „Seid ihr zwei noch zusammen?"
Und sie wurden beide daraufhin rot.
„Ich werde Ms. Sevoy nach dem Buch fragen," verkündete Alice, drehte sich auf ihrem Absatz um und lief zum Tisch. Es war ein Beleg dafür, wie peinlich diese Situation war, dass sie eine weitere Konfrontation mit der Bibliothekarin bevorzugen würde. Sie näherte sich vorsichtig dem Tisch und die ältere Hexe sah nicht von der Pergamentrolle hoch, die sie mit einer Feder beschriftete. „Ms. Sevoy," begann die Siebtklässlerin zögerlich.
„Mmm?" fuhr die sie an. Wenn man beachtete, dass es nur ein einzelner Konsonant war, schaffte sie es, jede Menge Feindseligkeit damit auszudrücken.
„Äh… haben Sie… gibt es hier eine Ausgabe von ‚Fortschritt der Tränke, Band 14'?"
Ohne eine Sekunde Pause: „Nein."
„Nein?"
„Nein."
„Es gibt sie nicht?"
„Nein."
„Aber es gibt Band 13."
„Ja."
„Und Band 15…"
„Ja."
„Aber kein Band 14."
„Nein."
Alice wartete auf eine Erklärung. Ms. Sevoy fuhr fort, ihr Pergament zu beschriften. „Also… haben wir… Band 14 einfach nicht bestellt? Dachten einfach… scheiß auf das 17. Jahrhundert… keiner muss etwas über sie wissen… sogar obwohl es mehrere wichtige Entwicklungen gab… wie die Golpalotts Gesetze, über die ich meine Hausarbeit schreibe… eine Arbeit, die 25 Prozent meiner N- habe ich das bereits erwähnt?"
„Miss Griffiths, wir haben keinen Band 14," sagte Ms. Sevoy, die ungeduldig hochsah. „Er wurde gestohlen."
„Gestohlen."
„Ja."
Alice runzelte die Stirn. „Wer zur Hölle stiehlt ‚Fortschritt der Tränke'? Das ist wortwörtlich das letzte auf der Welt, was ich je stehlen würde!"
„Lautstärke, Miss Griffiths!"
„Tja," fuhr Alice etwas weicher fort, „kann ich… es bestellen oder so?"
Ms. Sevoy nickte. Sie zog ein Stück Pergament aus ihrem Tisch und schob es zu Alice. „Das ist ein Formular um eine Bestellung abzugeben. Es wird drei Wochen dauern."
„Drei Wochen? Sorry - drei Wochen? Ich könnte innerhalb drei Minuten zur Winkelgasse apparieren und es besorgen!"
„Das ist ein Prozess, Miss Griffiths."
Die nun grinsende Ms. Sevoy böse anstarrend nahm Alice das Formular und kehrte zu ihrem Tisch zurück, während sie tonlos vor sich hinpurzelte. Sie setzte sich an ihren Tisch und kritzelte Antworten zu den Fragen auf das Papier. Hoffentlich log Ms. Sevoy über die drei Wochen… Professor Slughorn hatte die ‚Fortschritt der Tränke'-Reihe für ihr Hausarbeitsthema besonders empfohlen.
Als das Pergament wieder zu Ms. Sevoy zurückgebracht war, setzte sich Alice hin um den Rest ihrer Hausaufgaben zu machen. Jedenfalls versuchte sie es.
„Hast du Sirius Black letzten Samstag gesehen?" kicherte eine der schwierigen Fünftklässlerinnen zu den anderen. „Mit dem grauen Hemd… ich weiß, er ist zum Träumen, oder?"
„Ich bin zwar selber eher ein Potter Mädchen, aber ich würde Black jederzeit mit Schlagsahne nehmen…"
„Mmm… Sheryl, du bist wirklich einmal mit Black ausgegangen. Stimmt es, dass er…?"
Alice würde sie gerne ausblenden, aber ihr Kopf wollte nicht kooperieren. Klar hatte sie die klassische „Potter oder Black"-Unterhaltung mit ihren Freundinnen gehabt… bei Übernachtungspartys, nach dem sie alle etwas zu viel getrunken hatten, aber das war die Bibliothek mitten an einem Samstagnachmittags und verdammt noch mal, Alice hatte Hausaufgaben!
Sowieso, Potter und Black waren Menschen, Schlagsahne hin oder her. Wenn man hören würde, dass eine Gruppe von Kerlen so über Mädchen redete, dann wären diese Fünftklässlertussis alle auf dem Kriegspfad mit gerechtfertigter - wenn auch etwas unehrlicher - Empörung. Alice starrte auf die gedruckte Buchseite vor ihr, während sie all ihre Kraft zusammen nahm, um das Flüstern, das durch die stille Bibliothek schwebte zu ignorieren. Sie hätte vielleicht auch Erfolg gehabt, hätte sie nicht plötzlich den Namen ihres Eifreunds aufgeschnappt.
„Habt ihr gesehen, wie Frank Longbottom vor einer Weile vorbeigelaufen ist?"
Alice strengte sich stark an um nicht hochzusehen.
„Mmm," antwortete eins der Mädchen. „Er war immer schon ein Traum… leicht zu übersehen, aber wenn man näher…"
„Oh, der einzige Grund, weshalb jemand ihn je übersehen hat, war Alice Griffiths," sagte eine andere. „Sie waren so lange zusammen, dass du irgendwie vergessen hast, dass er alleine existierte."
„Ja, aber sie sind seit Monaten getrennt und er hat sich mit keiner anderen getroffen. Ich habe gehört, dass sie mit Sirius Black geschlafen hat…"
Alice wurde rot. Verdammt war die Gerüchteküche von Hogwarts.
„Bitte, das ist bloß ein Gerücht." (‚Danke', dachte Alice) „Als ob Black so ein Mädchen wie Alice Griffiths auch nur ansehen würde…" (‚Bitch!').
„Schh," huschte sie eine von ihnen. „Sie ist genau dahinten! Und das ist wirklich fies… Alice ist ein nettes Mädchen."
„Sei nicht blöd, Prudence. Sie liest. Sie hört nicht zu. Und sie kann uns von so weit weg nicht hören…"
„Wenn wir schon dabei sind," schaltete sich eine andere verschmitzt ein, „ich dachte, du hast vielleicht was für Frank übrig, Peru. Ihr zwei seid euch nach dem letzten Vertrauensschülertreffen ziemlich nahe gekommen."
„Oh, seid still. Wir sind bloß Freunde." Aber Alice hatte diese Art, nur Freunde, zu sagen schon viele Male gehört. Es schien immer ein implizites ‚Im Moment' am Ende zu hängen.
„Im Moment," sagte ein Mädchen. Oh, super, jetzt war es nicht mal mehr implizit. „Jedenfalls würdest du besser zu ihm passen als Alice Griffiths. Was hat er überhaupt in so einem streberhaften Mädchen wie ihr gesehen?"
„Ich weiß, nicht?"
„Ehrlich."
Alice ballte ihre Fäuste und wurde sehr rot im Gesicht, als sie versuchte, ein paar mörderische Dränge, die plötzlich in ihr aufzutauchen schienen, zu unterdrücken.
„Ich denke, sie will was mit dem Ministerium machen… deshalb ist ihr die Schule so wichtig. Ich weiß nicht - wie ein Auror oder so."
„Bitte. Hexen kommen so gut wie nie ins Aurorenprogramm."
Und das war der letzte Faden, der Alice' Entschlossenheit brach. „Ich bin verdammt noch mal genau hier!"
— —
„Und so wurde ich aus der Bibliothek verbannt," endete Alice eine halbe Stunde später ihre Geschichte missmutig. Sie lag auf Marlene Prices Bett, umringt von vier der Sechstklässlerinnen und ihrer Siebtklässler-Freudin Hestia Clearwater. „Für ganze drei Wochen! Wie verdammt noch mal soll ich jetzt irgendwelche Arbeit schaffen? Und ich muss noch Slughorns Projekt machen und…"
„Wir leihen dir alles aus, was du brauchst," schwor Lily und tätschelte ihrer Freundin mitleidig auf die Schulter. „Ms. Sevoy ist eine… schreckliche, schreckliche Person."
Selbst Donna stimmte dem zu. „Eingebildete Bitch," murmelte sie. Jemanden aus der Bibliothek zu verbannen war in ihren Augen das größtmögliche Übel. „Sie hat einmal gesagt, dass der Grund, weshalb ich keinen Freund habe, sei, dass ich zu viel Zeit zwischen den Regalen verbringe. Welche Art von Todesfee-Bibliothekarin aus der Hölle ist sie?"
Die anderen Mädchen stimmten murmelnd zu und Alice setzte sich mit einem besorgten Gesichtsausdruck auf. „Lily," begann sie nachdenklich, „du bist eine Vertrauensschülerin."
„Stimmt."
„Du warst beim letzten Vertrauensschülertreffen, oder?"
„Ja."
Alice runzelte die Stirn. „Geht Frank mit Prudence Daly aus?"
„Oi, das weiß ich!" rief Mary, auf ihren Fußballen auf und ab hüpfend und ihre Hand aufgeregt hebend, als ob sie darauf wartete, aufgerufen zu werden. „Ich habe gehört, dass sie wie verrückt für ihn schwärmt, aber es gibt keine Infos darüber, ob es erwidert wird, außer, dass sie nach zwei kürzlichen Vertrauensschülertreffen geplaudert haben und er nach Kräuterkunde dabeigeblieben ist um mit ihr zu reden."
„Du solltest eine Kolumne haben," sagte Marlene nachdenklich. „Sowieso," fügte sie, dieses Mal in Richtung Alice, hinzu. „Wäre es schlimm, wenn Frank mit Prudence ausgehen würde?"
„Schlimm?" rief Alice entsetzt. „Natürlich wäre es schlimm! Er kann nicht als erstes ausgehen! Wenn er eine Freundin hat, bevor ich einen Freund habe, gewinnt er!"
„Was ist mit Carlotta?" wollte Donna wissen.
„Nein," steuerte Mary bei. „Er war einmal mit ihr aus, aber sie hatten nie ‚beziehungt'."
„Das ist kein Wort."
„Du bist kein Wort."
„Schlau."
„Hört auf," wies Lily ruhig an. „Jedenfalls, Alice, was ist mit Sirius Black?"
„Ich war nicht mit Sirius Black aus," seufzte die Siebtklässlerin. „Wir haben ein paar Mal geredet und geflirtet. Wir haben nicht mal rumgemacht. Merlins Mutter!" Sie wurde ganz bleich. „Was, wenn Frank knutscht, bevor ich es tue? Oh, wenn er rankommt, bevor ich das tue, gewinnt er definitiv!"
„Also such dir einen Freund," schlug die immer so praktische Hestia Clearwater vor.
„Aber ich will keinen Freund. Ich habe keinen Zeit für einen Freund."
„Dann such dir keinen Freund," sagte Lily.
„Aber was wenn er knutscht, bevor ich es tue?"
Die meisten anderen seufzten, aber Donna setzte sich auf das Bett. „Dann knutsch jemanden," riet sie ihr. „Schnapp dir 'nen Jungen, schlepp ihn in eine Abstellkammer und lass dein Hemd fallen."
„Du wirst dich besser fühlen," stimmte Mary weise zu.
Lily verdrehte ihre Augen. „Ihr Leute gebt schreckliche Ratschläge. Eine Krankheit von einem zwielichtigen Quidditchspieler in einem Besenschrank zu bekommen, ist kein guter Weg, deinen Exfreund zu ‚schlagen'!"
„Ich habe nie etwas von Quidditchspieler gesagt," verteidigte Donna sich.
„Nein," sagte Mary, „Aber es war impliziert."
„Ja," überlegte Marlene. „Ein Quidditchspieler wäre am besten."
„Ja," stimmte Hestia zu.
Lily seufzte. „Ihr habt alle eine Schraube locker."
(Zerrissen und ausgefranst)
„Nachsitzen, Mr. Black," sagte McGonagall ernst, gerade als die Glocke das Ende der Schulstunde ankündigte.
„In Ordnung," fuhr Sirius sie an. Er schnappte seine Büchertasche und war aus dem Klassenraum draußen, bevor der Rest seiner Klassenkameraden aufgestanden war. James, Remus und Peter eilten ihm hinterher.
„Padfoot," keuchte Remus, als sie ihn eingeholt hatten. „Was war das?"
„Was war was?" entgegnete Sirius schlecht gelaunt.
„Dein arschiges Verhalten gegenüber McGonagall! Es ist eine Sache, Nachsitzen wegen Herumblödeln zu bekommen, aber du warst bloß ein Arsch. Auch verdammt unverantwortlich - du hast Glück, dass sie dir nur Nachsitzen gegeben hat, nachdem du sie so angeflucht hast…"
„Bist du fertig, Mum?" bellte Sirius. „Weil ich jetzt eine freie Stunde habe und gerne eine Zigarette hätte." Damit lief er den Gang hinunter. Die anderen drei wären vielleicht geschockt gewesen, wäre in den letzten drei Wochen solche Launigkeit von ihrem vierten Freund nicht irgendwie zu einem normalen Ereignis geworden. Anstatt also Überraschung auszudrücken blieb die drei Zauberer für mehrere Sekunden still, bis James seinen Zeigefinger zu seiner Nasenspitze bewegte uns sagte, was sie alle dachten.
„Ich nicht!"
„Ich nicht!" wiederholte Remus und spiegelte James Geste nur eine halbe Sekunde vor Peter.
„Verdammt!" fluchte Peter. „Nicht fair. Nochmal neu."
„Ich denke nicht," sagte James, seine Arme verschränkend. „Du hast verloren. Du musst mit ihm reden gehen."
„Aber du bist sein bester Freund," bemerkte Peter.
„Aber," antwortete James, „ich bin in dem schmerzhaften und komplexen Prozess mit dem Rauchen aufzuhören. Es wäre schädlich für mich, mich jetzt zu ihm zu gesellen… ich könnte vielleicht wieder anfangen."
„Aber," fuhr Peter fort, „Moony ist so viel besser darin mit Leuten zu reden!"
„Das ist wohl egal," sagte Remus empört. „Die Regeln von ‚Ich nicht' sind einfach und endgültig. Du hast verloren. Du musst gehen."
„Ich sage, wir stimmen ab," beharrte Peter.
„In Ordnung," sagte James. „Ich stimme für Wormtail."
„Unterstützt." sagte Remus.
„Verdammt," sagte Peter. „In Ordnung. Aber ihr hier tragt meine Bücher zurück zum Gemeinschaftsraum." Er hielt ihnen seine Büchertasche hin und wartete darauf, dass einer der beiden sie packte. Die zwei Rumtreiber sahen sie lustlos an. Dann…
„Ich nicht!" sagte James.
„Verdammt!" fluchte Remus.
(Silberner Zug)
„Du bist heute Abend so distanziert," bemerkte Luke weich. Er saß eines Abends Mitte März in der Bibliothek. Lily hätte einen solchen Kommentar vielleicht als aufmerksam bezeichnet, wäre da nicht die Tatsache, dass sie seit mindestens einer Woche „distanziert" war und das hier das erste Mal war, dass er es erwähnt hatte.
Bücherstapel bildeten eine Wand zwischen der Sechst- und dem Siebtklässler, da beider geradezu von Hausaufgaben verschlungen wurden. Luke näherte sich natürlich den U.T.Z.-Prüfungen und Lilys Lehrer schienen in ihrem Sechstklässlerunterricht zu überkompensieren, als ob das Fehlen von standardisierten Tests (Z.A.G. oder U.T.Z.) bedeutete, dass sie fünf mal so viel Arbeit wie normal haben sollten. Folglich dachte Lily, dass sie vermutlich selbst, wenn die Umstände anders gewesen wären (selbst, wenn sie kein dumpfes, unbehagliches Gefühl in ihrem Magen hätte, dass verzweifelt identifiziert werden musste) an diesem Abend irgendwie distanziert von ihrem Freund gewesen wäre.
„Bloß beschäftigt," murmelte sie, nicht von ihren Verwandlungshausaufgaben hochschauend. Luke baute eine Öffnung in die Bücherwand und berührte ihre Hand (er hatte das - sie zu berühren - in letzter Zeit viel häufiger gemacht und sie hatte sich immer noch nicht an die Körperlichkeit gewöhnt).
„Können wir einen Moment reden?" fragte der Ravenclaw freundlich.
Lily legte ihre Feder hin und nickte. Sie sah ihren Freund erwartungsvoll an und wartete auf eine Wiederholung ihrer früheren Konversation über Lukes Vater. Sie war deshalb überrascht, als Luke ihre Hand fester packte und aufrichtig sagte: „Danke."
„Gern geschehen. Wofür?"
Luke zögerte. „Ich weiß, dass da… wahrscheinlich ein paar Dinge sind, die du zu mir sagen willst, aber du nicht gesagt hast. Du warst für mich da und ich - äh - bin dankbar."
„Oh."
„Und ich schätze, dass es da eine Unterhaltung gibt, die du gerne führen würdest und… ich bin jetzt bereit zuzuhören."
Lily wusste es jedoch besser. Wenn Luke auch nur eine Ahnung hätte, welche Unterhaltung sie führen wollte, hätte er sie nicht so bereitwillig aufgefordert. In Bezug auf „dafür bereit sein", schätze Lily - richtigerweise - dass er eine ganz andere Unterhaltung meinte: eine Diskussion über all das, was sich an diesem Wochenende vor vier Wochen zwischen Luke und Lily und Logan abgespielt hatte. Es war mäßig ermutigend, dass Luke nicht erwartet hatte, dass all dies permanent verschwinden würde und so, anstatt ihm zu sagen, was wirklich in ihrem Kopf vorging oder anstatt komplett zu lügen (und ihm zu sagen, dass überhaupt nichts los war), sagte Lily unverblümt zu ihm: „Ich habe gehört, wie du an diesem Morgen mit deinem Bruder gesprochen hast."
Lukes Gesicht erbleichte.
„Logan hat erwähnt, dass er dir ein Angebot gemacht hat," fuhr sie mit fester Stimme fort. „Und er hat gefragt, ob du darüber nachgedacht hast. Du hast ‚Nein' gesagt und er hat erwähnt, dass sie einen zusätzlichen Zauberstab brauchen." Lily wartete auf eine Art Input, selbst eine Art Zurechtweisung für das Lauschen, aber nichts kam. „Was bedeutet das alles? Was hat Logan angeboten?"
Für eine kurze Zeit blieb der Ravenclaw still. Dann sprach er recht ruhig. „Logan wollte meine Hilfe für eine Art Job in London. Er hat da ein wenig für eine Firma gearbeitet und er hat gefragt, ob ich ein bisschen Geld verdienen will, das ist alles."
Er glaubte es auch. Lily war nie aufgefallen, wie leicht es war, Luke Harper zu lesen, bis sie wirklich angefangen hatte, es zu versuchen. Seine runden braunen Augen verrieten ihn jedes Mal und jetzt sagte er zweifellos die Wahrheit - also, er sagte das, was er glaubte (wenn auch gezwungenermaßen). Anstatt also zu bemerken auf wie viele verschiedene Arten Logan Harpers Lüge interpretiert werden konnte, fragte Lily in einer weichen Stimme: „Wirst du es tun?"
Luke zögerte dieses Mal nicht, seinen Kopf zu schütteln. „Logan ist mein Bruder… und ich denke, dass - ich weiß, dass er in irgendwas verwickelt ist. Es ist nicht seine Schuld, da bin ich mir sicher, aber Logan… Logan war immer schon rebellisch und ich will daran nicht beteiligt sein."
Lily nickte langsam.
„Ich will," fuhr Luke fort, „für dich da sein. Ich will, dass du weißt, dass ich keine schlechte Person bin, Lily. Ich will, dass du mich ansiehst wie früher. Ich weiß, dass ich davor falsch lag… ich war nicht nett zu dir und du hattest Recht. Logan, er beeinflusst mich, weil er mein Bruder ist. Es ist sehr leicht, ihm zu glauben, aber ich weiß, dass ich nicht objektiv war und dass du nur versucht hast, das zu tun, was richtig war." Er hielt inne und fuhr dann fort: „Seit mein Dad gestorben ist, warst du für mich da und ich konnte ein paar Dinge überdenken. Ich konnte die Dinge aus deiner Perspektive sehen. Es tut mir ehrlich leid, dass die Dinge so passiert sind und ich bin dankbar dafür, wie du die letzten Wochen für mich da warst."
Er drückte ihre Hand und Lily war wieder überrascht davon, wie unvertraut die Geste war. Seine Hände waren warm und weich, aber sie waren irgendwie anders. Sie sandten kein Kribbeln Lilys Arm hoch. Ihr Herzschlag bleib gleichmäßig. Die Hitze stieg nicht in ihr Gesicht. Sie fühlte nichts. Als sie all dies feststellte, blieb Lily still, was Luke dazu veranlasste sanft und ehrlich zu fragen: „Kannst du mir vergeben, Blume?"
Sie konnte nicht ehrlich „Nein" antworten. Sie war nicht wütend. Sie fühlte nichts, bloß Apathie mit dem kleinsten Hauch Mitleid. Lily sah in seine Augen (nichts) und zog dann ihre Hand weg, nahm ihre Feder um mit ihrer Schularbeit weiterzumachen. „Natürlich," sagte sie energisch.
(Biest von Last)
Mary hatte ihr einmal erzählt, dass Prostituierte nicht auf die Lippen küssen.
Also das war ein Unterschied, reflektierte Donna dankbar, während sie eines späten Samstagabends auf Zehenspitzen in den Mädchenschlafsaal schlich. Und sie bekam kein Geld, also war das ein anderer.
Donna schloss die Badezimmertür und nahm ihre Zahnbürste, ließ kaltes Wasser über die Borsten laufen und hoffte, dass keiner aufwachen würde.
Küssen oder nicht küssen, sie fühlte sich irgendwie wie eine Schlampe, so hinaus zu huschen. Charlie benutzte sie für - etwas und sie benutzte ihn für… etwas anderes. Natürlich, Donna stellte sich vor, dass, wenn sie wirklich eine „Professionelle" wäre, sie nicht dieses seltsame Brennen in ihren Magen spüren würde, wenn immer sie Cassidy Glimmerten - Charlies Freundin mit Locken und Sommersprossen - erblickte.
Mädchen wie Cassidy frustrierten Donna ohne Ende. Sie waren die Art, die sich mehr Gedanken um Lipgloss als um Zauberstabarbeit und mehr um Jungs als um ihre eigene Zukunft machten… wie Mary, außer dass Mary einem irgendwann ans Herz wuchs, wenn man gezwungen war, sich sechs Jahre lang mit ihr einen Schlafsaal zu teilen. Jedenfalls war Mary nicht so total blöd wie Cassidy. Mary würde nach mehr als einem Monat lahmer Ausreden und regelrecht lächerlichen Alibis erraten (oder angenommen haben), dass ihr Freund mit einer anderen rumhurte. Cassidy, auf der andere Hand, hatte keine verdammte Ahnung.
Donna bemerkte, nachdem sie ihre Zähne fertig geputzt hatte, dass sie gerade Mary Macdonald in ihrem Kopf verteidigt hatte. Sie wurde definitiv weich. Sie schnappte sich ein Handtuch und versuchte ihren Kopf von dieser Art Unsinn freizuschütteln.
Charlie Plex war bloß ein Junge und Donna Shacklebolt bedeutete ihm wahrscheinlich genauso wenig, wie er ihr bedeutete. Wahrscheinlich weniger.
Wenn überhaupt, sollte Cassidy dankbar sein. Ihr Freund war jetzt, da er einen gelegentlichen (mehr als gelegentlichen) Fick hatte, sicherlich in einer besseren Laune und es war vermutlich leichter für ihn, wenn sie „reden" wollte, wenn man beachtete, dass er jemand an der Seite hatte, der nicht nur einen guten Fick einer kitschigen Unterhaltung über Gefühle vorzog, sondern tatsächlich befahl, dass ihre Beziehung nur ersteres beinhaltete.
Ihre Kleider ausziehend drehte Donna den Hahn auf und trat unter das heiße Wasser. Merlin, es fühlte sich wundervoll an. Donna hatte über die Jahre herausgefunden, dass man sich unter einer heißen Dusche über nichts wirklich schlecht fühlen konnte und sie hatte seit Wochen jeden Tag mit einer beendet.
Nicht, dass es Donna schlecht ging. Im Gegenteil. All der Stress - der Druck, in mindestens zwei Fächern die Beste zu sein, damit sie eine bessere Chance hatte, Schulsprecherin zu werden, die endlosen Quidditchverpflichtungen, die Briefe von zuhause, die andeuteten, dass ihr jüngerer Bruder beinahe eine weitere Haushälterin davon getrieben hatte, die Zeitungsartikel über tote Auroren und das Wissen, dass sich Kingsley ihnen eines Tages anschließen könnte - all das schmolz für eine kurze Zeitspanne. Nein, schmelzen war nicht das richtige Verb. Eher… verbrennen. Ihre kleinen Dramen gingen in Flammen auf und sie fühlte nichts, wusste nichts und Gott, was für ein Ventil. Wie Fliegen oder Laufen, nur besser…
Sicherlich war das einen kleinen Stressor ganz hinten in ihrem Kopf wert, dachte Donna, als das Wasser ihre engen Locken schwer und lang machte. Sicherlich war es das seltsame Gefühl wert, dass sie störte, wenn sie mit der Sicht von Charlie und Cassidy konfrontiert wurde (weder Eifersucht noch Schuld, schwor sie). Sicherlich verdiente sie so viel.
Ja.
Der Geruch von Pfirsichshampoo und Seife verteilte mit dem Dampf in der Dusche. Für ein paar undefinierbare Momente verblasste die Welt.
„Donna?"
Donna drehte das Wasser ab. Es war Lilys Stimm, rau vom Schlafen.
„Äh… ja?"
Donna nahm ihr Handtuch, wickelte es um ihren Körper und zog den Vorhang zur Seite, der die Dusche umgab.
„Donna, Schatz, es ist drei Uhr morgens," krächzte Lily, die in das grelle Licht des Badezimmers blinzelte. Sie hielt ein Glas Wasser, das zweifellos der Zweck ihrer Exkursion war. „Bist du gerade erst reingekommen?"
„Quidditch hat länger gedauert," sagte Donna lahm und als sie dann erkannte, wie wenig Sinn ihre Ausrede machte (es könnte schließlich kaum bis drei Uhr morgens gedauert haben), fügte sie hinzu: „Und dann hatte ich Hausaufgaben."
Und dann bin ich raus geschlichen um diesen Idioten namens Charlie zu ficken.
Sie sagte es auch fast.
„Oh. Okay." Lily schluckte ihr Wasser. „Stell sicher, dass Ira hier nicht eingesperrt wird." Und der Rotschopf trottete zurück in den Schlafsaal. Donna sah sich nach Lilys Katze, Ira, um und fand ihn in einer Ecke sitzend. Seufzend folgte die Hexe den Fußspuren ihrer Freundin raus in den Schlafsaal, schaltete das Licht aus und ließ die Tür hinter sich offen.
(Es ist jetzt alles vorbei)
Halb durch ihre büchereilose Zeit hatte Alice noch nichts von der Ankunft von „Fortschritt der Tränke, Band 14" gehört und sie versuchte, mit jedem anderen Zaubertränkebuch, dass Lily, Hestia oder sonst irgendjemand für sie auftreiben konnte, zu improvisieren. Trotzdem war es schwierig ohne direkten Zugang.
Sie saß eines Abends im Gemeinschaftsraum mit einem Stapel Bücher, die Marlene Price vorbeigebracht hatte, versuchte ein spezielles Datum zu finden und scheiterte gerade kläglich.
„22 Dinge, die du nicht über Zaubertränke wusstest, von Robert Stirlop," sagte plötzlich eine Stimme, was die Hexe zusammenzucken ließ. Sie atmete aus, als Frank Longbottom das Buch mit dem Titel nach oben auf den schon existierenden Stapel legte. Auf Alice fragenden Blick hin fügte er hinzu: „Das ist das Buch, nachdem du gefragt hast?"
„Das ist das Buch, nachdem ich Remus Lupin gefragt habe, ja," antwortete sie.
„Ich weiß. Er wurde durch etwas aufgehalten und hat mich gebeten, es vorbeizubringen. Sorry." Er zuckte mit den Schultern und begann zu gehen.
„Warte. Frank."
Der Schulsprecher hielt inne. Alice legte ihre Bücher zur Seite. „Willst - äh - willst du dich vielleicht für eine Minute… hinsetzen?"
„Äh… okay."
Er nahm auf einem Stuhl näher am Feuer Platz, was eine sichere Entfernung zwischen sie brachte.
„Hör zu," begann Alice unsicher. „ich war unhöflich zu dir… damals, als du mit mir reden wolltest."
„Das war vor mehr als einem Monat, Al…"
„Nein, ich weiß, aber… ich handle nicht immer schnell, falls du es noch nicht bemerkt hat. Jedenfalls gibt es keinen Grund, weshalb wir nicht… über irgendetwas, was du sagen wolltest, reden können. Was mit uns passiert ist, ist Monate her und ich denke, wir sind beide darüber hinweg und… ich meine, es ist keine große Sache mehr, oder?"
Das war rhetorisch und er verstand das, zu Alice großer Erleichterung. „Eigentlich," sagte er, „wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht mal mehr, was ich zu dir sagen wollte… es war… ich meine, es war spät und… jedenfalls verstehe ich, warum du nicht reden wolltest."
„Nein, aber ich hätte dich nicht so anfahren dürfen," antwortete sie.
Sie waren beide still. „ich schätze," fuhr Frank fort. „wenn da etwas wäre, was ich sagen will, wäre es wahrscheinlich bloß… es wäre wahrscheinlich bloß eine Entschuldigung."
„Oh."
„Ich schätze nicht, dass ich das je getan habe… also richtig. Ich meine - die Nacht, in der ich es dir gesagt habe, schätze ich, dass ich die Worte ‚es tut mir leid' gesagt habe, aber… ich habe dir keine Möglichkeit gegeben, mit zuzuhören, also…" Frank wurde rot und blickte ihr nicht ganz in die Augen. „Es tut mir wirklich leid, Alice. Ich habe, du weißt schon, Fehler gemacht und ich weiß nicht, ob ich dich je wissen gelassen habe, dass nichts davon wegen dir war. Es waren meine Fehler, m-meine Schuld - nicht deine."
Alice nickte langsam. „Das ist… danke. Aber ich kann nicht perfekt gewesen sein, Frank. Es muss einen Grund gegeben haben…"
„Natürlich gab es einen Grund! Der Grund war, dass ich ein Idiot war. A-aber Alice, du warst nie irgendwas außer perfekt. Wirklich." Er sah ihr in die Augen. Ihr Herz hüpfte und ihr Magen kehrte sich aus Nervosität um. „Und selbst obwohl ich… für eine Weile… - durcheinander war… wollte ich wirklich immer nur dich."
Alice wandte ihren Blick dieses Mal ab. „Vielleicht bin ich doch noch nicht bereit, diese Unterhaltung zu haben," murmelte sie, genauso sehr zu sich wie zu Frank.
„Oh, ich versuche nicht - ich meine, ich wollte… ich wollte bloß ein wenig erklären, dass… dass nichts deine Schuld war. Und dass es mir so, so, so Leid tut, was ich dir angetan habe. Und falls es irgendein Trost ist, was ich mir auch selber angetan habe."
„Es… es ist ein kleiner Trost," gab sie zu. Frank lächelte.
„Alice," begann er gegenwärtig. „Wir kommen hoffentlich beide ins Aurorenprogramm… und… ich will mit dir befreundet sein. Aber wenn du nicht kannst…"
„Ich denke nicht, dass ich es kann," unterbrach Alice. „Ich meine, ich wünschte, ich… aber ich kann nicht."
„Nein, natürlich." Er kam auf seine Füße. „Man bekommt nicht immer, was man will, richtig?"
„Frank…"
„Ich sehe, du hast dein Buch doch noch bekommen," sagte er plötzlich und blickte auf eins der Bände auf dem Tisch. Alice sah rüber und erblickte ein haselnussfarbenes Lederbuch, auf dem oben goldene Buchstaben prangten. Fortschritt der Tränke, Band 14. Ihre braunen Augen wurden sehr groß.
„Fortschritt der… Wo kam das her? Ich habe niemanden gebeten, mir es mitzubringen! Es ist noch nicht in der Bibliothek angekommen… wie…?" Sie hob es hoch. „Nein - da ist kein Hogwartsbibliotheksstempel… und da steht nirgendwo, dass es jemanden gehört…" Sie schaute ungläubig zu Frank hoch. „Es lag da, als ich vor einer Stunde heruntergekommen bin… ich habe den Titel nicht mal bemerkt, weil… aber… aber, wem denkst du gehört es?"
Frank zuckte die Schultern (er lächelte immer noch). „Aber wem es auch immer ist, er hat es da gelassen - ich bezweifle, dass er etwas dagegen hätte, wenn man es benutzt, richtig?"
„Es ist brandneu," atmete Alice, die liebevoll das Buch untersuchte. „Ich kann es nicht glauben. Und Professor Slughorn hat speziell diese Reihe für meine Recherche empfohlen und… Agrippa, das ist einfach…" Vielleicht war es die Erschöpfung von Wochen intensiver Schularbeit, Stunden des Lernens und dem generellen Stress ihrer Existenz im Moment, aber Alice wurde bei dem Anblick dieses verdammten Buches von Gefühlen überwältigt. Sie weinte nicht, aber sie war verdammt noch mal kurz davor, als sie erkannte, dass obwohl alles so schrecklich schief gelaufen war, diese kleine Teil ihres chaotischen Puzzles fehlerfrei an seinen Platz gefallen war. „…Perfekt."
Sich daran erinnern, dass sie nicht alleine war, sah Alice wieder hoch zu Frank. Er war am Grinsen. „Schön, dass du bekommen hast, was du brauchst," sagte er. „Wir - sehen uns."
(Gib mir Deckung)
Um sieben Uhr wusste Sirius genau, wie spät er dran war.
Nachdem er Kräuterkunde geschwänzt hatte, hatte er für ein privates Abendessen, das die Elfen zu gerne zur Verfügung stellten, bei den Küchen angehalten,
kurz danach war er in Chelsea Burgought gerannt, eine Sache führte zur nächsten und… tja, jetzt war er spät dran. Der Mond würde in weniger als einer halben Stunde aufgehen und James hatte ihn geradezu im Zwei-Wege-Spiegel angeschrien, dass er sich zum Gemeinschaftsraum zurück beeilen sollte.
Er war spät dran und er wusste genau, dass er keine Zeit hatte um einen Abstecher zu machen, wenn er wollte, dass die Gruppe unten bei der Weide war, bevor Remus seine monatliche Verwandlung hatte, aber so wahr ihm Gott helfe, er würde diesen Widerling von einem Bruder nicht mit solchen Sprüchen davon kommen lassen.
Regulus Black hing dank einem wohlplatzierten Levicorpus kopfüber und trug einen finsteren Gesichtsausdruck auf seinem jungen Gesicht. Es war jedoch nichts gegenüber der reinen Wut, die sein älterer Bruder ausstrahlte.
„Was zur Hölle ist dein Problem?"
„Mein Problem?" entgegnete Sirius feindselig. „Du hängst jetzt mit Thronen Rowle und Roland Urquhart herum? Wenn du hinter Möchtegern-Todesser her bist, gibt es denn keine, die zu rationalem Denken fähig sind?"
„Lass mich runter, Sirius!"
Der ältere Black erwies ihm den Gefallen; Regulus krachte zu Boden und sackte zusammen. Sich aufrichtend drehte er sich mit einem vorwurfsvollen Blick aus seinen grauen Augen zu seinem Bruder. „Ich dachte nicht, dass es dir wichtig sein könnte, Sirius. Ich bin nicht dein Bruder, erinnerst du dich? Du hast das sehr klar gemacht!" Er zog seinen Zauberstab in Erwartung eines weiteren Angriffs. „Ich sehe nicht, wie dich irgendwas davon angeht oder warum es dich überhaupt interessieren sollte!"
„Ich interessiere mich nicht für dich," fuhr Sirius ihn an. „Ich interessiere mich einfach nicht für Leute, die meinen Nachnamen haben und sich verhalten, als ob ihnen Hogwarts gehört, nur weil sie einen arroganten, durch Inzucht erzeugten Stammbaum haben."
Regulus lächelte ihn süffisant an. „Du kommst einfach nicht darüber hinweg, oder? Du kommst einfach nicht über die Schuld hinweg, dass du das Produkt der selben Familie bist wie ich… du hast das selbe Blut, die selben Eltern, die selbe Herkunft, die selbe Geschichte… du bist genauso ein Reinblüter, wie ich es bin, Sirius. Wir sehen uns sogar ähnlich." Sein Gesichtsausdruck zeigte Siegesgewissheit. „Der Unterschied ist, ich bin kein Feigling und kein Blutsverräter… oh… und ich bin auch nicht geradezu pleite. Ich verlasse mich nicht auf Almosen."
Sirius schwang seinen Zauberstab, bevor Regulus sich verteidigen konnte; der letztere fiel flach auf seinen Rücken und obwohl sein anzügliches Grinsen blieb, war es vermischt mit offensichtlichem Unbehagen, seine Hände hinter dem Rücken gefesselt zu haben.
„Ich bin der Feigling, Regulus? Wenigstens habe ich keine Angst, mich meiner Mummy zu widersetzen."
„Du hast ihr Herz gebrochen."
Sirius schnaubte. „Sie hat kein Herz, das man brechen könnte."
„Tja, jetzt weiß ich, wo du es her hast."
„Clever. Es ist eine gute Sache, dass du da bist um die Scherben von Mums zerbrochener Welt aufzuheben, seit ich weg bin. Ich wette, du bist ein richtig guter Hauself als Lakai."
„Sag, was du willst," murmelte Regulus durch zusammengebissene Zähne. „Du bist auf der Verliererseite, Sirius. Eines Tages wird es dich umbringen."
„Wahrscheinlich," stimmte Sirius spöttisch zu. „Ich hoffe einfach, dass es dich zuerst umbringt." Er schnipste mit seinem Zauberstab und Regulus wurde von dem Zauber erlöst. Der Slytherin kam nicht direkt auf seine Füße, aber er setzte sich auf und starrte böse.
„Es bringt niemandem etwas, ein Blutsverräter zu sein, Sirius," sagte er und es hörte sich fast wie eine Warnung an. „Sieh dir einfach unseren Onkel an, wenn du einen Beweis willst. Mum hat immer gesagt, er war zu schwach um…"
„Halt die Klappe," unterbrach Sirius, seinen Zauberstab bereithaltend. „Du hältst deinen schmutzigen, schleimigen Mund geschlossen oder ich mach das für dich."
„Ich habe keine Angst mehr vor dir, Sirius."
Sirius verdrehte seine Augen. „Ich habe keine Zeit dafür. Wenn ich je wieder höre, wie du so mit Urquhart und Rowle redest, erwartet dich Schlimmeres als eine geprellte Rippe."
„Ich habe keine geprellte Rippe."
„Tja, in dem Fall…" Sirius schwang seinen Zauberstab und Regulus flog mit ziemlichen Schwung gegen die Korridorwand.
Ein paar Minuten später erreichte Sirius den Gryffindorgemeinschaftsraum um - neben anderen - einen sauren James und Peter zu sehen.
„Endlich," sagte Ersterer. „Wo warst…?" Als er Sirius Gesichtsausdruck bemerkte, brach er ab und änderte seine Frage und seinen Tonfall: „Was ist passiert?"
„Nichts," sagte Sirius leicht. „Anscheinend bin ich ein Feigling und ein Blutsverräter, aber… ihr wisst schon… das gehört schon zum Alltag."
„Wer war es?" fragte James.
„Regulus."
James nickte und runzelte nachdenklich die Stirn. „Wisst ihr," begann er, „ich denke, das würde ein nettes T-Shirt machen: ‚Feigling und Blutsverräter'. Eingängig, oder? Ein netter, fetter, schwarzer Druck auf vielleicht einem grauen Hintergrund… und wir könnten passende Mützen verkaufen. ‚Feigling und Blutsverräter und Stolz'."
„Es hat einen besonderen Klang," stimmte Peter zu.
Sirius lächelte schwach. „Ihr zwei seid Idioten."
„Sagst du." James grinste. „Bist du bereit zu gehen?"
„Ja."
„Tja, ich brauche noch einen Mantel. Kommt ihr?"
Sie folgten ihm die Treppe hoch in den Jungenschlafsaal.
(Nach und nach)
Ob im Guten oder im Schlechten, die Rumtreiber hörten nie auf, Lily zu verblüffen.
Zum Beispiel, wie hatten Sirius und James im zweiten Jahr Clinton Bagworth davon überzeugt, dass er sich mit einer seltenen Krankheit angesteckt hatte und nur Tage von seinem Tod entfernt war? Oder, wie hatten es die vier Jungs im vierten Jahr geschafft, jedes Buch, jede Feder, jedes Regal und Möbelstück aus der Bibliothek zu entfernen und sie über Nacht - in einer perfekten Replik - in den Raum auf der anderen Seite des Flurs zu transportieren? Oder wie hatten sie es - mitten im Quidditchfinale des fünften Jahrs - geschafft, jeden einzelnen Fan der Gegner mit einem Zauber zum Schweigen zu bringen, der so komplex war, dass es fast eine Stunde dauerte, ihn rückgängig zu machen?
Das waren in der Tat Mysterien, aber kein Mysterium ließ sich mit dem vergleichen, das jedes Jahr am 27. März auftrat.
James Potter Geburtstag.
Wie kam es, dass obwohl jeder einzelne Schüler der Schule wochenlang darüber redete, Lehrer nie davon Wind bekamen? Bei geschwätzigen Hufflepuffs, hinterhältigen Slytherins und petzenden Vertrauensschülern, wie in Merlins Namen hielten sie es geheim? Wussten die Lehrer es, erachteten es aber für besser, nicht zu stören?
Und wie kam es, dass obwohl das Event immer üppig und extravagant war, die Rumtreiber selbst es nie planen gesehen wurden? Nein, in der Tat hätte der 26. März für sie einfach nur ein anderer Tag des Jahres sein können. Die Zauberer lagen im Gemeinschaftsraum herum, passten halb im Unterricht auf, naschten Chips und Kürbissaft durch den Tag hinweg, nahmen abends am Quidditchtraining teil (wo es zutraf) und gaben sonst kein Zeichen, dass der nächste Abend einer voll chaotisch ausgelassenem Feiern werden würde.
Ein paar Tage vor dem Termin - praktischerweise einem Samstag - dachte Lily insgeheim über diese Rätsel nach, während sie mit Donna, Mary und Marlene zum Mittagessen ging. Sie hatten gerade gehört, wie ein paar Fünftklässlermädchen darüber flüsterten, wie sehr sie hofften, dass sie eingeladen würden und es kam Lily komisch vor, dass Leute das verzweifelt taten. Natürlich könnte ihre Verwunderung bloß eine Folge der Tatsache sein, dass der unvermeidliche Ort der Party - der Gryffindor Gemeinschaftsraum - ihr eine Einladung sicherte, während diese ausgewählten Wenige der anderen Häuser nur wenige Stunden vor der Party verstohlen das Passwort zugeschoben werden musste. Die ganze Sache war sehr mysteriös.
„Woher wissen die überhaupt, dass es eine Party geben wird?" überlegte Lily. „Die Rumtreiber haben selbst kein Wort davon gesagt - sie tun bei der ganzen Sache so geheimnisvoll."
„Es wird eine Party geben," sagte Mary zuversichtlich. „Es gibt immer eine Party. Lily, Liebes, wo ist dein Freund?"
Lukes Abwesenheit von der Gruppe war irgendwie eine Anomalie. Seit kurzem war er ständig bei Lily - eine beträchtliche Leistung, wenn man die unterschiedlichen Häuser und Schuljahre betrachtete. Trotzdem stand er am Ende jeder Stunde vor der Tür ihres Klassenzimmers, darauf wartend, ihre Taschen zum nächsten Essen oder zur nächsten Stunde zu bringen. Er hatte auch begonnen, jeden Tag am Gryffindortisch zu sitzen und wenn Lily irgendwo im Schloss außer im Gryffindorturm oder auf Toilette war, war er an ihrer Seite.
„Keine Ahnung," sagte Lily ehrlich. „Ich habe ihn nicht draußen vor Zauberkunst gesehen. Vielleicht wurde er nach seinem Unterricht aufgehalten."
„Man gewöhnt sich irgendwie daran, ihn in der Nähe zu haben," unterbrach Donna trocken. „Wie einen Welpen."
„Passende Metapher," stimmte Marlene zu.
„Still," befahl Lily. „Das ist fies."
„Aber wahr," schaltete sich Mary ein.
„Ich mache mich nicht über eure Freunde lustig," sagte Lily kurzangebunden. „Oh… stimmt ja… ihr habt ja keine."
„Autsch, jemand hat schlechte Laune," sagte Donna. Lily fühlte sich sofort schuldig.
„Sorry," grummelte sie.
„Entschuldig dich nicht," sagte Marlene ihr. „Wir waren zuerst fies. Fünf Galleonen, dass Luke am Gryffindortisch wartet."
Marlene hatte Glück, dass niemand die Wette annahm, denn Luke Harper war nicht in der Großen Halle, als die Mädchen ankamen. Er tauchte tatsächlich erst nach zwanzig Minuten auf und als er - auf Lilys Nachfrage hin - sagte, dass nichts los war, erkannte sie, dass er log. „Ich erzähl es dir später," murmelte er und Lily ließ das Thema fallen.
Wie es sich herausstellte, erfuhr es Lily selbst, bevor Luke die Möglichkeit hatte, es ihr zu erzählen. Sie, Luke und ihre Freunde machten sich auf ihren Weg die Halle raus, als Mary sie mit dem Ausruf: „Ist das der traumhafte Auror, der am Anfang des Jahres da war?" zusammenzucken ließ.
Er war es.
Die unverwechselbaren blauen Augen von Auror Lathe waren auf Professor McGonagall fixiert, als die beiden in einer Ecke der Eingangshalle standen und in vertraulichen Tönen sprachen. Lily sah sofort zu Luke, der murmelte: „Ich erkläre es später."
„Denkt ihr, er hat etwas anderes herausgefunden über das, was im September passiert ist?"
„Wahrscheinlich," sagte Luke schnell.
„Ich dachte, er wäre von dem Fall weg," steuerte Donna vage bei. Sie schien sich jedoch nicht um das Thema zu sorgen, da sie hinzufügte: „Ich will los zur Bibliothek für meine Freistunde. Kommst du, Lily?"
„Äh…" Lily sah Luke in die Augen. „Ich komme in einer Minute nach."
„Wir haben in der Zwischenzeit Pflege Magischer Geschöpfe," grummelte Marlene. „Komm, Mary, du hast immer noch nicht die letzten drei Fragen von den Hausaufgaben beantwortet."
„Oi - richtig! Danke!"
Mary und Marlene hüpften davon und Lily drehte sich zu Luke. „Nicht hier," flehte er, bevor er sie aus der geschäftigen Eingangshalle hinaus und in einen kleinen unbenutzten Klassenraum hinein führte.
„Warst du deshalb so spät?" fragte Lily in dem Moment, in dem sie alleine waren. „Hat Lathe mit dir reden wollen?"
Luke nickte. „Er wollte mir ein paar Fragen zu Logan stellen. Es war nichts Großes - er wollte bloß wissen, ob ich in letzter Zeit von Logan gehört habe."
„Und hast du das?" fragte Lily und sprach damit eine Frage aus, die sie seit einiger Zeit plagte.
„Nicht seit Valentinstag, ich schwöre es."
Lily nickte.
„Ich denke, er wird morgen wieder weg sein," sagte Luke, der sich wieder auf Lathe bezog. „Ich habe ihm gesagt, dass ich Logan seit einem Monat nicht mehr gesehen habe und dass ich keine Ahnung habe, wo er jetzt ist und…"
„Warte - du hast es Lathe gesagt?" unterbrach Lily überrascht.
„Natürlich. Lily, er ist vom Ministerium, du kannst so jemanden nicht anlügen."
Es war die seltsamste Sache; wenn Luke ihr gesagt hätte, dass er Lathe angelogen hätte, wäre sie wütend gewesen, weil er wichtige Informationen zurückgehalten hätte. Und doch - diese Aussage zu hören - dass er alles gesagt hatte, weil Lathe schließlich vom Ministerium war - ließ sie die seltsamste, sinkende Empfindung in ihrem Magen fühlen, die (sie konnte sich nicht sicher sein) Enttäuschung zu sein schien.
Luke ignorierte oder missinterpretierte ihre Stille und fuhr mit einem Seufzen fort: „Es wird bald vorbei sein. Ich komme darüber hinweg." Er sah ihr in die Augen, aber nahm nicht ihre Hand. „Wir beide können das, richtig?"
Lily antwortete nicht, sondern fragte stattdessen: „Hat Lathe gesagt, warum er hierher gekommen ist? Nach Hogwarts?"
„Anscheinend um mich zu sehen," antwortete Luke. „Sie haben Logans Spur nach Hogsmeade verfolgt und glaubten, dass ich vielleicht Kontakt hatte." Lily nickte. „Hör zu, Blume, ich sollte gehen. Ich habe Arithmantik…"
„Richtig. Dann geh."
Luke verließ den Raum und Lily ließ sich einen Moment um ihre chaotischen Gedanken zu ordnen, bevor sie ihm folgte. Lathe und McGonagall waren nicht mehr in der Eingangshalle, aber sie musste sich nicht lange fragen, wo sie waren. Als sie sich ein paar Minuten später auf dem Weg zur Bibliothek befand, sprach ein dünner Hufflepuff die Vertrauensschülerin mit der Bitte an, sofort McGonagalls Büro einen Besuch abzustatten.
Eine Millionen unerwünschter Szenarios rannten durch ihren Kopf, als Lily ihren Kurs in Richtung des Büros ihrer Hauslehrerin änderte, nur um bei ihrer Ankunft nicht Professor McGonagall, sondern Lathe zu finden.
„Miss Evans - äh - hi," sagte der Auror Unbehagen, während er einen dicken Stapel an Pergamenten auf den Tisch legte.
„Wollten dann Sie mich sehen?" fragte Lily, die in der Nähe der Tür blieb. Lathe nickte und sie kam weiter in den Raum. Er lehnte sich vorne gegen den Tisch und hob eine Tasse hoch, in der, wie Lily schätze, Kaffee war.
„Sie scheinen ziemlich involviert zu sein, nicht, Evans?"
„Es ist mein Fluch," antwortete Lily unsicher. Was meinte er mit ‚involviert'? Wie viel wusste er über ihre Involviertet mit Logan Harper? „Äh… war da… etwas bestimmtes…?"
„Ja. Es tut mir leid." Lathe wurde sehr geschäftsmännig und stellte den Kaffee ab. „Ich will Sie nicht gespannt halten oder Sie verängstigen oder so. Ich wollte nur ein paar Worte über Ihren…" Er suchte nach einem Wort und Lily bot an:
„Luke?"
Lathe nickte.
„Ich habe gehört, dass Sie ihn schon befragt haben."
„Zu seinem Bruder, Logan, ja," sagte Lathe, dann erinnerte er sich an etwas: „Es tut mir leid, Miss Evans, setzen Sie sich." Lily nahm den angebotenen Stuhl. „Luke Harper," fuhr der Auror gegenwärtig fort, „hat mich informiert, dass Sie zwei letzten Monat seinen Bruder gesehen haben."
Lily fühlte sich extrem schuldig für die kurze Welle von Panik, die sie überkam. Sie wollte nicht, dass Luke log (oder Dinge ausließ), aber sie erkannte jetzt, dass sie irgendwie erwartet hatte, dass er das tun würde - zumindest, was ihre Beteiligung anging - und sie fühlte sich sehr feige, dass sie das angenommen hatte. Trotzdem, Luke hätte sie vorwarnen können. Die Sechstklässlerin nickte und fragte - in einem, wie sie hoffte, lockeren, irgendwie witzelndem Ton: „Bin ich in Schwierigkeiten?"
„Nicht wirklich," gab Lathe zu, der sich ihrer entspannten Haltung anpasste. „Mr. Harper hat gesagt, dass Sie seinen Bruder am 14. Februar kurz getroffen haben und dass ihr zwei euch unterhalten habt und dann Sie dann zum Schloss zurückgekehrt sind." Also hatte Luke Dinge weggelassen. „Stimmt das?"
Lily zögerte. „Äh… im Großen und Ganzen."
„Im Großen und Ganzen?" Er hob eine Augenbraue und sie nickte. „Was hat Logan Harper mit Ihnen besprochen?" Sie wollte gerade antworten, als Lathe sie schnell unterbrach: „Das fühlt sich wie ein Verhör an, es tut mir leid. Aber Miss Evans, Sie müssen wissen, dass dies sehr - wichtig ist, mir fällt kein besseres Wort ein. Logan Harper zu finden ist gerade höchste Priorität in meiner Abteilung und wenn Sie irgendwelche Informationen haben, ist es von allergrößter Wichtigkeit, dass Sie sie mir sagen."
„Ich habe keine Ahnung, wo er ist," sagte Lily ehrlich. „Und ich dachte, Sie wollten Ihn nur als Zeugen?"
Lathe lächelte über Lilys wissenden Gesichtsausdruck. „Das war nicht meine Idee," sagte er und er hörte sich etwas verärgert an. „Der Minister hat eine neue Aufseherin für die Autorenabteilung angestellt. Diese Aufseherin - eine Bürokratin wie sie leibt und lebt, aber das ist hier nicht wichtig - dachte, es könnte eventuell Freunde oder Verwandte, die eine Ahnung haben, wo sich bestimmte bekannte Todesser aufhalten, ermutigen, sich zu melden… wenn sie denken, dass sie nicht verhaftet, sondern nur befragt werden."
„Also ist Logan Harper ein bekannter Todesser?" fragte Lily. Nicht, dass sie es nicht wusste (sein Besuch hatte jeden hoffnungsvollen Verdacht des Gegenteils weggewischt), aber es war ermutigend zu wissen, dass auch das Ministerium eine Ahnung hatte. Lathe antwortete jedoch nicht direkt. Stattdessen drehte er sich zum Tisch um und nahm den Stapel Pergamente, den er zuvor gehalten hatte. Er war in eine Mappe gepackt, die Lathe Lily aushändigte und sie anwies, durchzusehen.
Lily öffnete den Deckel. Sofort blinzelten sie Logan Harpers dunkle Augen von einem quadratischen Foto an, das an ein Papier geklemmt war. Er war jünger in diesem Bild, als wenn Lily ihn gesehen hatte - das war vermutlich mehrere Jahre zuvor aufgenommen worden… vielleicht gerade nach seinen Hogwartsjahren - aber sein selbstgefälliger Gesichtsausdruck war vertraut.
Logans Name und Grunddaten belegten das meiste der ersten Seite. Die zweite beinhaltete den Anfang einer Liste von den Straftaten, bei denen Logan „verdächtigt" wurde. Die Verwendung des Imperiusfluches stand ganz oben auf der Liste, gefolgt von Diebstahl, Angriff von Ministeriumsarbeitern und dem Transport und der Verwahrung von dunklen und gefährlichen magischen Materialien. Die nächste Seite war schlimmer.
Mord, Folter, Muggelverfolgung.
Er war direkt in den Tod von einem der drei Auroren verwickelt, von denen im Februar berichtet wurde, aber das war noch nicht alles. Ein Muggelstämmiger, der verprügelt in der Winkelgasse gefunden wurde, Folter und Mord an zwei Pro-Muggel-Aktivisten, eine Familie in Dublin, deren gesamtes Haus zerstört wurde - all das sollte teilweise sein Werk gewesen sein. Es waren Geschichten, die sie im Propheten gelesen hatte, aber sie waren immer der vagen Gesamtheit der Todesser zugeschrieben worden… dass sie das Leben des verantwortlichen Zauberers gerettet hatte…
Danach kamen Bilder, bei denen sich Lily morbiderweise nicht davon abhalten konnte, sie zu betrachten. Dann schloss sie die Akte, reichte sie Lathe zurück und fragte: „Da steht, dass er noch mit nichts angeklagt wurde. Haben Sie keine Beweise?" Nicht, weil sie es bezweifelte, nur um sicherzugehen…
„Teil des Plans meiner Vorgesetzten," erklärte Lathe augenverdrehend. „Man kann eine Person nicht für etwas anklagen und dann sagen, dass sie nicht angeklagt wurde, also obwohl wir all diese Informationen haben, bleiben sie vergraben, bis wir die finden."
„Und woher habt ihr all diese Informationen? Diese Todesser - sie tragen Masken und sie lassen nicht viele Zeugen zurück, oder?"
Lathe hielt nachdenklich bei dieser Frage inne, bevor er antwortete: „Lass uns einfach sagen, dass es jemanden mit einem sehr gefährlichen Job gibt - und wegen dieser Person wissen wir Dinge wie diese."
Lily lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und faltete ihre Arme. „Ich hab sein Leben gerettet," sagte sie ruhig. „Luke hat mich zu ihm gebracht und er war dabei zu verbluten - also Logan, weil er mit einem Fluch getroffen wurde. Ich habe einen Trank zur Blutgerinnung gemacht und ich habe ihn betäubt, damit Luke ihn wegbringen konnte…" Das ganze Treffen entfaltete sich in Lilys Kopf und auf ihrer Zunge - jedes Details ihrer Unterhaltung, seine Verletzungen, die Ausreden, die er anscheinend Luke erzählt hatte und ihren eigenen Streit mit ihrem Freund über diese Ausreden. Lily schloss mit der Unterhaltung, die sie am nächsten Morgen gehört hatte: „…Logan sagte, er bräuchte ‚einen zusätzlichen Zauberstab' in den nächsten Monaten. Er wollte, dass Luke half, aber Luke sagte, dass er nicht beteiligt sein wollte. Dann ging Luke zur Tür und ich bin gegangen. Logan hat irgendwann an dem Nachmittag das Haus verlassen und ich habe seitdem nichts mehr gehört. Ich glaube ehrlich, dass auch Luke das nicht hat… er war ein wenig damit beschäftigt, dass sein Dad starb und… Jedenfalls ist das alles, was ich weiß.", schloss sie mit einem Seufzen.
Lathe hatte ihrer Geschichte still zugehört und jetzt, da sie zu Ende war, blieb er mehrere Momente tief in Gedanken. Schließlich fragte er: „Woher wussten Sie, dass Harper in den Zwischenfall mit den drei Auroren verwickelt war?"
„Tja, er hat gesagt, dass er vor 24 Stunden verletzt wurde… und ich habe die Zeitung gelesen. Zwei und zwei, schätze ich." Lily zuckte die Achseln.
„Sie sind wirklich clever," beobachtete Lathe. „Und danke. Was Sie mir gesagt haben, ist… unbezahlbar."
Lily nickte langsam, sich von ihrem Stuhl erhebend. Sie machte sich jedoch noch nicht auf den Weg. „Wissen Sie," begann Sie ernst, „Sie hätten mich nicht austricksen müssen, damit ich ihnen erzähle, was mit Logan passiert ist."
Interesse blitzte in Lathes Augen auf. „Was meinen Sie?"
„Ich hätte Ihnen alles gesagt, selbst wenn Sie mir nicht diese Akte gezeigt hätten," erklärte Sie, ein wenig nachtragend. „Früher in diesem Jahr habe ich Ihnen von den Harpers erzählt? Ich bin keine Lügnerin und Sie hätten nicht versuchen müssen, mich auszutricksen. Sie hätten mir vertrauen sollen."
Lathe runzelte die Stirn. „Es tut mir leid. Ich dachte nicht, dass Sie eine Lügnerin sind, aber ich weiß, dass es manchmal Schuldgefühle oder Zweifel in diesen Situationen gibt und - ich dachte, Sie sollten wissen, welche Art von Person Logan Harper ist."
Lily biss sich auf die Lippe und nickte. „Gibt es sonst noch etwas?"
„Du kannst gehen," sagte Lathe, aber als sie zur Tür ging, fügte er hinzu: „Eine weitere Sache…" Sie hielt inne. „Dieser Luke von Ihnen… er hat mir gesagt, dass er seinen Bruder gesehen hat, dass die beiden sich über die Krankheit ihres Vaters unterhalten haben und dass du ihn getroffen hast. Das war alles, was er mir gesagt hat." Lily wartete um zu sehen, wohin dies ging. „Ich habe auch Luke die Akte seines Bruders gezeigt."
Sie verstand und nickte. „Er ist nicht herzlos," versuchte Lily zu erklären. „Er ist bloß… er ist leicht zu beeinflussen und… der bestimmende Einfluss ist oft sein Bruder. Ich denke, wenn Logan ihm gesagt hat, dass alles eine Lüge ist, würde er sich zwingen, es zu glauben, egal was."
„Ich sage nicht, er sei herzlos," fuhr Lathe fort. „Ich sage, sei vorsichtig."
„Ist Luke in Schwierigkeiten?" fragte Lily.
„Nicht richtig," sagte der Auror. „Aber wir werden ein Auge offen halten."
(Rubinroter Dienstag)
Alice war Mittwochabend sehr lange wach und brachte den Feinschliff an ihr Zaubertränke-Projekt. Abgabe war erst Montag, aber sie würde am Donnerstag jede Menge Hausaufgaben haben, Freitag war ein Tag, an dem niemand Hausaufgaben machen müssen sollte und sie hatte auf jeden Fall vor, an James Potters Geburtstagsparty am Samstag teilzunehmen und Sonntags einen höllischen Kater zu haben, also war dies ihre beste Gelegenheit um fertig zu werden.
Lächelnd mit einer schläfrigen Zufriedenheit tippte Alice ihren Zauberstab einmal auf die lange Rolle Pergament, entfernte so einzelne Tropfen und Flecken, sodass ihre kurvige Handschrift sauber und ordentlich aussah. Sie kontrollierte gerade die Daten auf dem beiliegenden Zeitstrahl, den sie angefertigt hatte, als sich das Porträtloch öffnete und Carlotta Meloni hereinließ.
Alleine im Gemeinschaftsraum starrten sich die beiden Mädchen für einen Moment an, als ob sie Angst hatten, dass die andere sie auffressen würde. Carlotta sprach zuerst.
„Hi." (Peinlich.)
„Hi."
Carlotta ging langsam durch den Raum, ohne den Blickkontakt zur Siebtklässlerin zu brechen. „Du bist lange auf."
„Hausaufgaben," erklärte Alice. „Du?"
„Ravenclaw Vertrauensschüler."
„Natürlich."
Sie waren beide still und als Carlotta die Treppe hoch zum Schlafsaal erreicht hatte, dachte Alice, dass der unglaublich unbehagliche Moment vorbei wäre. Jedoch stieg Carlotta die Treppe nicht hoch, sondern hielt inne und drehte sich um.
„Du weißt, ich entschuldige mich normalerweise nicht." begann sie.
„Weil du eine herzlose Schlampe bist," schloss Alice für sie.
„Bitte, lass mich ausreden," bat Carlotta aufrichtig. Alice seufzte und verschränkte erwartungsvoll ihre Arme. „Ich entschuldige mich nicht, weil ich nicht an Entschuldigungen glaube. Ich glaube nicht an Reue oder Fehler. Was passiert, passiert und ich denke, die Unfähigkeit von anderen Leuten, damit umzugehen, ist deren Problem, nicht meins."
„Wieder, herzlose Schlampe."
„Bitte warte einfach. Die - die Sache ist, dass ich mich nicht für vieles entschuldige, weil ich fühle, dass, wenn es mir nichts bedeutet, es auch sonst niemandem etwas bedeuten soll. Und ich war immer irgendwie… ein Gegner von Monogamie und Beziehungen und dieser ganzen… üblichen Sache, also hat mir das Zerstören von Beziehungen nichts ausgemacht, weil… weil ich überhaupt nicht an sie geglaubt habe." Sie seufzte und strich sich ihren perfekten Vorhang aus braunen Haaren aus den Augen. „Aber mit Frank wollte ich - wollte ich wirklich etwas mit ihm. Und ich war eifersüchtig auf dich und ich war seit einer wirklich, wirklich langen Zeit nicht mehr auf ein Mädchen eifersüchtig. Und es - es hat mir etwas bedeutet, also Frank. Es hat mir wehgetan, wenn ich ihn mit dir gesehen habe und es hat mir wehgetan, wenn ich ehrlich genug mit mir war um zu realisieren, dass Frank mich nicht liebt. Also, weil es mich verletzt hat, kann ich versteh- ich meine, ich weiß, es hat dich auch verletzt. Und wenn du irgendwas gefühlt hast, was ich auch gefühlt habe, dann… dann weiß ich, dass du meine Entschuldigung verdient hast. Also - hier ist sie. Es tut mir leid - es tut mir leid, dass ich dich verletzt habe und versucht habe, deine Beziehung zu zerstören und versucht habe, einen Jungen, der dich liebt, davon zu überzeugen, dass er das nicht tut."
Carlotta beendete ihre Rede und faltete ihre Hände hinter ihrem Rücken, als ob sie geduldig darauf wartete, ihr Urteil zu hören. Alice' Gesichtsausdruck war durch und durch mit Ironie getränkt.
„Ich weiß nicht, ob du es bemerkt hast, aber du hast in all dem Erfolg gehabt," sagte die ältere Hexe kühl. „Frank und ich haben Schluss gemacht. Vor Monaten. Deine kleine Entschuldigung - auch wenn sie schmeichelt - ist mehr als ein bisschen zu spät und ich bin so darüber hinweg, mir Gedanken zu machen, was zwischen dir und Frank oder mir und Frank oder… was auch immer passiert ist, dass ‚Ich vergebe dir' zu sagen, bedeutungslos wäre. Mir ist es einfach egal."
Carlottas Augenbrauen schossen hoch. „Dir ist es egal?" fragte sie mit einem verächtlichen Lächeln. „Dir ist das alles egal? Wie kann es dir egal sein? Frank Longbottom sieht mich nicht an. Er spricht nicht mit mir oder nimmt meine Existenz wahr - und es ist nicht so, als ob er fies wäre, er… er fühlt einfach nichts für mich und trotz all dem, mir - der herzlosen Schlampe - ist er nicht egal. Und trotzdem sieht er dich die ganze Zeit an, würde alles tun, um dich glücklich zu machen - selbst, dir aus dem Weg zu gehen - und könnte dich nicht offensichtlicher lieben, wenn er es versuchen würde und dir ist es egal?"
„Jungs, die verliebt sind, betrügen nicht," fuhr Alice sie an.
Carlotta lachte. „Als das Mädchen, mit dem die Jungs betrügen, kann ich dir mit Sicherheit sagen, dass das nicht stimmt. Ich meine, manchmal schon - nie in meiner Erfahrung, aber ich habe Geschichten gehört… aber die meiste Zeit denken Kerle in unserem Alter nicht mit ihren Köpfen." Sie legte eine Hand auf das Geländer, als ob sie hochgehen wollte, aber davor fügte die Sechstklässlerin hinzu: „Du musst mir nicht vergeben, aber mir tut es leid."
Dann war sie weg und Alice atmete tief aus und setzte sich auf dem Sofa zurück. Sie hob den bis jetzt nicht abgeholten Fortschritt der Tränke, Band 14 auf und fuhr mit ihren Händen über den weichen Ledereinband. Die Befriedigung, ihr Zaubertränkeprojekt beendet zu haben war mit dem Wissen ersetzt worden, dass eine andere Aufgabe noch nicht erledigt war.
(Alles in der Zukunft)
„Ich sage bloß," sagte Lily bloß, als sie an dem Morgen nach ihrem Treffen mit Lathe zum Frühstück ging, „dass es nett gewesen wäre, eine Warnung zu haben. Du weiß schon - irgendwo zwischen ‚er sollte morgen weg sein' und ‚ich habe Arithmatik' hätte ich es sehr willkommen geheißen, wenn du eingeschoben hättest: ‚Lathe ruft dich vielleicht in McGonagalls Büro um dich zu meinem Bruder zu befragen, also - du weißt schon - stell dich darauf ein!'"
Luke sah entsetzt aus. „Er hat dich befragt? Ich habe ihm gesagt, dass er dich da rauslassen soll…"
„Du bist ein siebzehnjähriger Hogwartsschüler, der einem Straftäter Unterschlupf gewährt hat - warum denkst du, dass du irgendeine Macht über einen Top-Ministeriumsuntersuchungsauroren hast?"
Es war eine wohlbekannte Tatsache, dass Lily vor acht Uhr morgens nicht funktionierte. Es war genau zwei Minuten vor acht und Lily gefiel es gar nicht.
„Ich kann nicht glauben, dass er dich verhört hat!" fuhr Luke wutentbrannt fort. „Ich kann nicht glauben, dass er dich an dem beteiligt hat!"
„Ich war bereits beteiligt," bemerkte Lily.
„Was hat er dich gefragt? Was hast du ihm gesagt?"
„Die Wahrheit," antwortete sie. „Nicht zu verwechseln mit ‚einem groben Überblick, bei dem wichtige Details fehlen', was du ihm gesagt hast."
„Ich habe ein paar üble Kommentare und die Tatsache, dass er verletzt war, ausgelassen," sagte Luke. „Nichts davon behindert das Ministerium ernsthaft."
„Du hast auch die Tatsache ausgelassen, dass er einen weiteren Job geplant hat."
Luke hörte auf zu gehen. „Lily, du hast nicht…?"
„Du hast seine Akte gesehen," sagte Lily scharf, die ebenfalls stehen blieb. „Wie kannst du das bloß verteidigen?"
„Er wurde nicht angeklagt," entgegnete Luke. „Er wird nur verdächtigt. Ich kenne meinen Bruder und ich kenne das Ministerium und ich weiß, wem ich vertrauen kann."
Sie erreichten die Große Halle. „Vielleicht solltest du heute am Ravenclawtisch sitzen," sagte Lily kühl.
„Blume," flehte Luke, aber sie ging ohne ein Wort an ihm vorbei zu ihrem Tisch. Er folgte ihr nicht, sondern folgte ihren Anweisungen und trottete zu seinen Hauskameraden an dem anderen Tisch. Kaum hatte Lily sich gesetzt, schloss sich ihr auch schon Carlotta Meloni an, genauso Fehlerfrei und lebhaft aussehend wie immer.
„Guten Morgen," flötete sie.
„Morgen," antwortete Lily.
„Kein Harper heute morgen? Ich habe bemerkt, dass er in letzter Zeit ziemlich oft da ist."
„Kein Harper heute morgen," bestätigte Lily düster.
„Hattet ihr zwei Streit?"
Lily blickte böse über den Tisch zu Carlotta, deren braunen Augen weiter wurden. „Ich schwöre, ich habe ihn nicht gevögelt. Er ist heiß und alles, aber es reicht mir mit den Freunden meiner Zimmergenossinnen. Es ist verrückt, ihr alle werdet… ich weiß nicht, warum es Marlene so schlimm fand… Miles und ich waren beide mehr als betrunken zu der Zeit und wir haben nicht einmal gevögelt. Nur für ein paar Minuten geknutscht - eine halbe Stunde Maximum… und jedenfalls hat sie Adam fucking McKinnon, der, wenn du mich fragst…"
„Carlotta, Süße," unterbrach Lily müde. „Niemand ist wütend auf dich, weil du mit Miles rumgemacht hast. Keine Rechtfertigungen benötigt. Können wir das abhaken und ich mein Frühstück essen?"
Carlotta zuckte nur die Achseln.
(Bedürfnis)
„I can't get no…. Satisfaction…"
Die Stimme von irgendeinem Muggel (dessen Name sie nie ganz behalten konnte) traf auf Alice Ohren, als sie samstags ein paar Minuten nach fünf Uhr den Gryffindorturm betrat. Der Raum war gefüllt und warm mit Leuten, die zur Musik wippten oder sich von fast jedem Zentimeter des Raums hineindrängten. Die Gerüche von Feuerwhiskey, Butterbier und Rauch stachen heraus, aber es gab auch jede Menge Essen und - ihre leere Büchertasche in eine Ecke werfend - machte sich Alice auf zum nächsten Tisch.
„Hey, Alice," rief eine Stimme über den plärrenden Lärm und sie drehte sich um um zu sehen, wie sich Adam McKinnon ihr näherte. Er trug ein Hate Potion T-Shirt (das war mal eine Band, deren Name Alice kannte) und hielt einen verdächtigen Kelch. „Ich werde mich gleich richtig betrinken," verkündete er fröhlich, „also, bevor ich es vergesse, Ms. Sevoy - die Bibliothekarin aus der Hölle - hat mir gesagt, dass ich dir sagen soll, dass das Buch, das du bestellt hast, angekommen ist und obwohl deine Verbannung bis morgen dauert, du es jederzeit abholen kannst."
Alice schnaubte, ihre Augen verdrehend. „Danke, aber ich brauche es nicht mehr. Ich habe irgendwo eine Kopie gefunden. Wo hast du das Getränk her?"
„Hier, ich zeige es dir."
Er begann sie durch die Menge zu führen und Alice fuhr fort: „Das erinnert mich - du vermisst nicht zufällig eine Kopie von Fortschritt der Tränke, Band 14, oder? Ich habe es im Gemeinschaftsraum gefunden und ich habe fast jeden gefragt, ob sie ihnen gehört, aber keiner hat es beansprucht."
„Wie war wieder der Titel?" fragte Adam, der ein tanzendes Pärchen auf seiner Wanderung durch den Raum trennte.
„Fortschritt der Tränke, Band 14."
„Wie ich es mir gedacht hatte… ja, ich denke, das ist Franks."
„Franks? Nein, das denke ich nicht…"
„Vielleicht nicht," sagte Adam achselzuckend. „Aber er hat letzte Woche eine Ausgabe davon erstanden… hat es von irgendwo her bestellt, denke ich. Es kam mit der Post - ich hab in dem Moment neben ihm gesessen. Ich erinnere mich an den Titel, weil ich mich über ihn lustig gemacht habe, dass er das wahrscheinlich langweiligste Buch der Geschichte bestellt hat und…"
Alice hatte aufgehört zuzuhören.
Sirius war schon weit auf seinem Weg zur Bewusstlosigkeit, bevor das Feuerwerk überhaupt begonnen hatte.
Einen weiteren Kelch von bernsteinfarbenem Feuerwhiskey packend leerte er den Inhalt innerhalb von Sekunden und bewegte sich weiter durch den Raum. Er entdeckte eine hübsche Blondine irgendwo in der Nähe des Plattentellers und lief in die Richtung los, nur um von Remus, Peter und James abgefangen zu werden.
„Prongs, Kumpel," lallte Sirius, der auf James' Schulter schlug. „G'niest du deine Party?"
„Tja, du tust das sicherlich," antwortete der andere, der selbst einen Kelch hielt. „Wohin willst du?" Sirius deutete auf die Blonde. „Ah… die, die ironischerweise Chastity Cristaline heißt."
Grinsend nahm Sirius Peters halb leeren Becher und leerte ihn ebenfalls. „Flüss'ger Mut," erklärte er. „W-wenn ihr mich jetz' n'schuldigt…"
„Mut ist nicht dein Problem," bemerkte Remus. „Vielleicht solltest du ein bisschen langsamer machen."
„Wenn ihr mich immer n-noch sehn' könnt, dann geh ich eindeutich nich' schnell genug. Gentlllmen…" Er nickte und verschwand. James schluckte den Rest seines Getränks, während die anderen zwei Blicke tauschten. Remus räusperte sich und James sah sie an.
„Was?"
Remus hob seine Augenbraue.
„Nein," sagte James. „Es is mein Geburtstag. Es ist eine Party. Er darf sich betrinken."
„Das war eine Stunde," sagte Remus.
„Aber er hat gleich eine an der Angel! Wir können ihn doch nicht jetzt belehren gehen."
„Prongs…"
„Ich sage, wir stimmen ab," sagte James. „Ich stimme dafür, dass wir ihn in Ruhe lassen."
„Ich stimme dafür, dass wir mit ihm reden," sagte Remus. Sie sahen beide Peter an.
„Und ich stimme dafür," begann er, „dass… wir definitiv… ohne einen Zweifel… eine Handlung tun sollten, die… bedeuten würde, dass wir vielleicht… nicht… etwas tun wollen… alles tun wollen, das nicht…"
„Peter."
„Ich bin auf Prongs Seite."
„Verdammt," fluchte Remus, während James in die Luft boxte. „In Ordnung, aber wir reden morgen mit ihm." Er drehte sich um und ging.
James drehte sich zu Peter. „Als ob - mit dem Kater, den er haben wird? Wir warten mindestens bis Montag."
Peter lachte. „Ich gehe mir nachfüllen," sagte er und deutete auf den leeren Kelch. „Bin in einer Minute zurück. Willst du etwas?"
„Ja, ich will noch einen," sagte James. Als Peter weg war, sah der andere Rumtreiber durch den Raum, wo Sirius laut mit einem blonden Mädchen lachte. James seufzte tief und fuhr mit einer Hand durch seine Haare. Er hätte es nicht zugegeben, aber Remus hatte Recht - dieses Problem zu ignorieren, würde es nicht verschwinden lassen.
„Ich dachte, ich finde dich vielleicht hier," sagte Lily leise, als sie sich Lukes Bibliothekstisch näherte und sich auf den leeren Platz ihm gegenüber setzte. „Ich habe im Gemeinschaftsraum nach dir gesucht. Ich habe dir das Passwort gegeben…"
„Habe mich nicht so nach einer Party gefühlt," murmelte Luke.
Lily nickte. „Ja, ich weiß, was du meinst." Sich hohl und betrügerisch fühlend streckte sie die Hand aus und legte sie auf seine (nichts), weil der Schmerz, der in sein gut aussehendes Gesicht gezeichnet war, zu groß war um ihn zu ignorieren. „Es tut mir leid, wenn ich in den letzten Tagen… nicht wirklich ansprechbar war. Es war einfach schwierig, seit Lathe gegangen ist. Ich habe viel nachgedacht und…" Sie stoppte plötzlich, denn in Lukes Augen bemerkte sie Tränen. „Luke, was ist los?"
Der Ravenclaw atmete tief und uneben. „Ich habe einen Brief von zuhause bekommen. Sie - äh - sie haben das Testament meines Vaters verlesen." Er zog seine Hand von Lilys weg und öffnete sie um einen riesigen Ring zu offenbaren, auf dem ein Wappen eingraviert war, von dem Lily schätzte, dass es das der Familie Harper sein musste. „Es hätte an den ältesten Sohn gehen sollen, aber Dad hat ihn mir hinterlassen… ich weiß nicht, warum… zwei ältere Brüder, aber er hat ihn mir hinterlassen - warum… warum denkst du, würde er das tun, Lily?"
Lily schüttelte ihren Kopf um zu zeigen, dass sie es nicht wusste.
„Ich verstehe es einfach nicht," fuhr er bebend fort. „Ich kann… kann einfach nicht…" Er brach ab, seine Schultern begannen zu zittern und die Tränen in seinen Augen schlüpften heraus und Lily nahm wieder seine Hand in ihre.
„BLACK! BLACK! BLACK!" rief Dutzende von Leuten und selbst die anwesenden Ravenclaws schienen nicht Sirius' Gegner anzufeuern, ihren Hauskameraden Gregory Shale. Sirius war betrunkener, aber er schien mehr Schläge zu landen, als die zwei sich in der Mitte eines Kreises von Zuschauern schlugen, die dem Spektakel zujubelten und es anfeuerten.
Gerade, als Sirius die Oberhand gewonnen hatte und einen besonders guten Treffer auf Shales Nase geschafft hatte, schubste der Ravenclaw ihn um, Sirius stolperte auf seinen Rücken und Shales Ellbogen krachte kraftvoll gegen Sirius' Auge.
Sirius kämpfte gegen Shales Griff, als die zwei Jungs plötzlich auseinandergerissen wurden, der Ravenclaw flog auf eine Gruppe Zuschauer zu, während Sirius nur wegrollte. James erschien mit ausgestrecktem Zauberstab und einem wütenden Ausdruck in seinen Augen. „Geht auseinander!" konnte man Remus rufen hören und Peter ging zu einem stehenden Gregory Shale um ihm zu sagen, dass er gehen sollte.
James zog währenddessen Sirius auf seine Füße, warf einen Arm seines Freundes um seine Schulter und zog ihn von der Gruppe weg. Als die anderen Gast sich wieder zu den anderen Unterhaltungen der Feier gesellten (Feuerwerke, Essen, Alkohol und eine Zahl von Zonkos Produkten, um ein paar zu nennen), schleppte James Sirius den ganzen Weg hoch zum Schlafsaal. Ihn praktisch auf das Bett werfend zog James seinen Zauberstab und beschwor einen Eissack herbei, den er wortlos Sirius reichte.
Padfoot legte ihn auf sein anschwellendes Auge, sein Gesichtsausdruck war bitter.
„Das muss aufhören," fuhr James ihn auf und ab gehend an. „Ich habe gesagt, dass ich dir Zeit gebe, bis du mit mir über das, was dich bedrückt, redest, aber das ist verrückt. Ich meinte ein paar Tage, keinen Monat, okay? All dieses Trübsalblasen endet jetzt… du trinkst zu viel, beginnst Kämpfe mit irgendwelchen Ravenclaws auf meiner Geburtstagsparty… rauchst die ganze Zeit, machst jede Hexe an, die du siehst und bist eine regelrechte Nervensäge! Wenn du nicht langsam machst, wirst du bald mehr Nachsitzen haben als ich und - Neuigkeitenalarm! - mehr Nachsitzen als ich und du wirst rausgeworfen! Also, was auch immer dich verdammt noch mal bedrückt, du wirst dich einfach wieder einkriegen müssen, weil…"
„Professor Black stirbt," sagte Sirius.
James erstarrte. „Was?"
„Mein Onkel stirbt - er hat allerhöchstens noch ein paar Monate."
In diesem Moment platzten Remus und Peter in den Schlafsaal. Peter war am Lachen. „Ihr zwei hättet ihn sehen sollen - Shale war so wütend… ich habe noch nie…" Remus - der die Gesichtsausdrücke ihrer zwei Freunde bemerkt hatte - stieß ihm einen Ellbogen in die Rippen und Peter stoppte plötzlich. „Was ist los?"
„Du bis' sicher, dass du nich' lieber bei deinem G'burtstag sein würdest?" fragte Sirius, der einen weiteren Schluck von der großen Flasche Feuerwhiskey nahm, bevor er sie an James weitergab. Prongs tat es ihm nach und schüttelte den Kopf.
„Voll und laut - der Astronomieturm ist viel besser." James reichte die Flasche weiter an Remus.
„Wisst ihr," beobachtete Moony - der selbst angetrunken nachdenklich war. „Das is' wahrscheinlisch nich' der beste Ort um su… trink'n… es is' so… hoch… und Türme.. und spitze - Dinge, die wir… ihr wisst schon… treff'n könntn."
Er reichte die Flasche an Peter weiter, der lachte.
„Ich f-f-frag mich, was Jgregroy… nein… Gregory Sh-sh-shale m-macht," lallte er mit einem großen Schluck Feuerwhiskey. „E-e-er war s-so sauer…"
Wormtail gab die Flasche an Remus zurück, der auch begann zu lachen. „Wirklich s-zum Lachen… s-sein Gesicht war g'radezu -lila!" Er nahm einen weiteren Schluck und als die Flüssigkeit in der Kehle des jungen Werwolfs brannte, gab er die Flasche wieder an James.
„Warum habt ihr überhaupt ang'fangen zu kämpfen?" fragte James kopfschüttelnd. „Verrückter."
Er trank und gab Sirius die Flasche, der selber lachte. „Ich - ich hab' wirklich keine Ahnung! Trottel hat was gesagt… keine Ahnung, was es war… hat mich aber einfach loslegen lassn!"
Die vier Jungs - sitzend und hängend gegen eine Brüstung des Astronomieturms - lachten darüber, während Sirius trank. Der schwarze Himmel streckte sich wolkenlos über ihnen aus und die Rumtreiber - unberirrt von der kühlen Luft - betrachteten ihn für einige Zeit.
„Fast'n Neumond," bemerkte Remus. „Es is' ne gute Zeit für mich."
„Hmm," brummte Sirius. „Wünschte es wär so einfach…wiss'n, wie alles seien wird nur weg'm Mond."
Remus schnaubte. „Gib mir die Flasche rüber, du Idiot." Sirius gehorchte. „Jaa, beschädigt für n' Leben in Am-armut und Ei-ei-einsamkeit." Er nahm einen tiefen Schluck. „Dasss ist leicht für disch."
„Hey, isch bin auch beschtimmt für Armut!" argumentierte Sirius launisch. „Isch wurde - war - wurde enterbt. Kein… Vermögen… mehr." Er schnappte sich die Flasche zurück und trank.
„Tja, isch - hatte von Anfan' an nee - äh - nie Galleonen," sagte Peter und nahm die Flasche von Sirius. „Ich war - wurde arm geborenen."
„Ihr seid alle so verdammt dumm wie Bohn-stroh," sagte James verärgert. „Ich bin scheiß reich - denkt ihr, ich lassss euch verhungern, Moony? Genau wie ihr ander'n zwei Penner. Ihr könnt in einem von mein' sechs Million' Häusern leben, solang' ich euch nich' zu viel sehn' muss."
„Oh, Prongs," seufzte Sirius und legte seinen Kopf auf James' Schulter. „Du sorgsss dich."
„Ergh - runter da!"
Sirius lachte, hob seinen Kopf hoch und lehnte ihn stattdessen an die Wand hinter ihm.
„Jedenfalls," fuhr James irgendwann fort. „ihr wisst, ihr werdet nich' in Arm… äh… Armut sein. Weil isch reich bin. Un' su deiner Ein-sam-keit, Mr. Moony… wir…. sin' die Rumtreiber. Un' selbs obwohl Padfoot ein besoff'ner Verrückter is und Wormtail n' verdammtes Leichtgewicht is und du total ssssentimental weg'n dem Mond wirst, Moony und ich su gut für euch alle bin - wird keiner-von-uns… jemalsss… einsam… sein. Jetzt gib' mir die Flasche, Kumpel."
Peter gab ihm die Flasche. Sie saßen in Stille, bis irgendwann später Wormtail anfing zu kichern.
„Was?" fragte Remus.
„P-P-Padfoots Auge," sagte Peter. „Es is' i-i-immer noch lila!"
Und aus welchem Grund auch immer, lachten sie alle darüber.
„Frank Longbottom, du hältst sofort da an!"
Frank Longbottom hielt sofort da an („da" war eine Stelle irgendwo im Korridor des siebten Stocks, nicht weit von dem Porträt der Fetten Dame entfernt). Er drehte sich um und sah, wie Alice Griffiths sich ihm mit roten Wangen und mit großen Augen näherte.
„Hab ich was falsch gemacht?" fragte Frank, der - obwohl er für die Bezeichnung „betrunken" unqualifiziert war - einen Kelch Feuerwhiskey getrunken hatte (oder zwei) und folglich etwas langsamer im Kopf war als üblicherweise.
Alice, die - bezogen auf den Alkoholpegel - in einer gleichen Position war, blickte finster, als sie den Schulsprecher einholte. Sie hatte ein Buch in der Hand (Fortschritt der Zaubertränke, Band 14), das sie sofort in Franks Gesicht schob.
„Das ist deins," verkündete sie.
Frank räusperte sich. „N-nein, ist es nicht."
„Adam McKinnon hat mir gesagt, du hättest eins bestellt und in der Post bekommen," fuhr Alice fort. „Du hast dieses Buch bestellt, oder? Lüg nicht."
„Hab ich nicht!"
„Hast du doch!"
„Hab ich nicht!"
„Hast du doch!"
Frank seufzte. „Na gut, ich hab es gekauft, aber ich will es nicht."
„Warum nicht?" wollte Alice wissen.
„Ich kann es nicht gebrauchen."
„Warum hast du es dann gekauft?"
Frank sah sie einfach nur an, als ob er sagen wollte „Ich denke, du kennst die Antwort darauf." Alice runzelte die Stirn und nachdem er sich umgedreht hatte, ging der Schulsprecher wieder den Korridor hinunter. Nach einem Moment der Überlegung hüpfte Alice ihm nach.
„Wohin gehst du?" fragte sie.
„Schulsprecherbüro."
„Warum?"
„Arbeiten."
„Du hast James Potters Geburtstagsparty verlassen um zu arbeiten?"
„Tja, James Potter ist vor Ewigkeiten gegangen, also schätze ich, dass es okay ist."
Alice schnaubte. „Warum hast du das Buch gekauft?"
Er antwortete nicht, sondern stieg die Treppe hoch.
„Frank."
Keine Antwort.
„Warum hast du das Buch gekauft?"
„Ich hab mich einfach danach gefühlt."
„Hast du nicht. Warum hast du es gekauft?"
„Einfach so."
„Das ist keine Antwort!"
„Ist es doch."
„Warum hast du es gekauft?"
„Geht dich nichts an."
„Geht mich wohl etwas an! Ich habe das Buch die ganze Woche benutzt!"
„Tja, das stört mich nicht."
„Frank! Frank, warum hast du dieses Buch gekauft?"
„Ich habe es einfach getan."
„Nein, du kaufst nicht einfach ein Buch! Du musst einen Grund dafür haben."
„Tja, ich hatte einen."
„Und was ist er?"
Sie hatten das Stockwerk der Schulsprecherbüros erreicht und Frank lief den Korridor hinunter, gefolgt von einer erzürnten Alice. Er betrat den Raum und sie auch. Eine Wand des Büros war fast komplett mit Regalen bedeckt, die in kleine Schlitze unterteilt warne, die mit kleinen Schildern beklebt waren, wie: „Quidditchfeldkalender" oder „Punkteabzugdokumentation". Frank schnappte sich ein Stapel Pergamente von dem Tisch, der an der Wand des kleinen Raumes stand und begann Papiere in verschiedene Schlitze zu sortieren. Alice verschränkte ihre Arme.
„Francis Algernon Longbottom!" rief sie. Er hielt inne, legte die Pergamente hin und drehte sich um und sah sie an.
„Ja, Alice Geraldine Griffiths?"
Sie wurde weicher. „Warum hast du das Buch gekauft?"
Frank seufzte. „Du hättest es nicht herausfinden sollen."
„Warum hast du es gekauft?"
„Blöder Adam McKinnon."
„Warum hast du es gekauft?"
„Ich habe es nicht gekauft um mich zu entschuldigen."
„Aber warum hast du es gekauft?"
„Für dich natürlich," sagte Frank und lehnte sich gegen den Tisch. Und natürlich hatte sie das schon gewusst.
„Warum hast du es in dieser Art getan? So geheim?" fragte sie. „Warum hast du es mir nicht einfach wie eine normale Person gegeben?"
„Hättest du es angenommen?" antwortete er schwach lächelnd.
„Nicht direkt," gab Alice zu. „Aber ich wurde ziemlich verzweifelt. Ich hätte es irgendwann angenommen… besonders, wenn du mir nicht gesagt hättest, dass du es speziell für mich gekauft hast."
Frank nickte. „Ich weiß das, aber - du wärst nicht froh darüber gewesen."
„Was?"
„Ich wollte…" Er zögerte und sah ihr nicht in die Augen. „Ich wollte bloß, dass etwas mal für dich gut läuft - etwas, das dich froh macht. Alles ist für dich schief gelaufen und ich habe dich in letzter Zeit oft nicht froh gesehen und ich- ich wollte einfach nur, dass du dich über etwas freuen kannst. Und ich habe dir nicht gesagt, dass es von mir war, weil ich dachte, dass du dich dann nicht so freuen würdest und ich - ich wollte nicht, dass du du denkst, dass ich versuche… ähm… ich weiß nicht, dich zurückzugewinnen oder etwas gutzumachen oder irgendwas. Weil darum ging es nicht. Ich schwöre es."
Alice starrte ihn an. Sie biss sich auf die Lippe und starrte ihn an und dann legte sie das Buch hin und starrte weiter.
„Oh, komm schon, Al," flehte Frank. „Werd nicht das Buch los, nur weil es von mir ist. Es ist bloß ein Buch und ich wusste, dass du es brauchst und…"
„Frank."
„…Schau, wenn du es vom Astronomieturm werfen willst, wenn du fertig bist, meinetwegen, aber es wäre einfach unnötig, wenn du es jetzt nicht verwendest…"
„Frank."
„… Und ja, du hast jedes Recht mich für immer zu hassen, aber das Buch zu behalten würde das nicht verändern. Es würde nicht bedeuten, dass du mir etwas schuldest und wenn du willst, kann ich einen Gedächtniszauber sprechen, dass es dir nicht mal als Erinnerung dient, dass ich existiere…"
„Frank," seufzte Alice und schritt vor ihn. Er erschrak über ihre plötzliche Nähe.
„Was?"
„Würdest du bitte die Klappe halten?"
„Äh - w-warum?"
„Weil," sagte sie ungeduldig. „du gerade das wahrscheinlich Süßeste, was je jemand zu mir gesagt hat, mit jede Menge sinnlosem Geplapper ruinierst."
Welche Antwort er auch immer darauf hatte, starb auf seinen Lippen, als sie ihre eigenen Lippen gegen seine presste.
AN: Reviews?
