AN: Frohe Ostern, ihr Lieben! Es tut mir wirklich sehr, sehr leid, dass ich dieses Mal so lange für dieses Kapitel gebraucht habe, aber es war wirklich ein Monster-Kapitel und zwischen drin hatte ich noch Prüfungsphase und und und... Dass das Kapitel nicht doch noch ein Monat länger gebraucht hat, habt ihr meiner Beta, der lieblichen Anne, zu verdanken, die euch nicht länger warten lassen wollte und eifrig für mich Seite um Seite eingetippt hat. Also - ein riesengroßes Dankeschön an dich!

Ich kann leider nicht versprechen, dass das nächste Kapitel schneller wird, ich werde allerdings auch in diesen Semesterferien noch mit dem Übersetzen anfangen und wer weiß, vielleicht ist das nächste Kapitel ja kürzer.

Und jetzt habe ich genug geredet: Viel Spaß mit dem Kapitel!

Vorher: Also, Lily will mit Luke Schluss machen, weil Lukes Bruder verdächtigt wird, ein Todesser zu sein und Luke irgendwie unehrlich bei der ganzen Sache war. Aber dann stirbt sein Vater und Lily schätzt, dass sie total fies wäre, ihn dann abzuschießen. Eine gestresste und irgendwie depressive Donna ist dabei, mit Charlie zu schlafen, der eine Freundin hat. Irgendwoher weiß es Mary. Frank beweist, dass er liebenswürdig ist und Alice küsst ihn. Sirius Onkel - Professor Black - ist am Sterben, aber er hat es Sirius nicht gesagt, was Sirius wütend macht. Snape und seine Hauskameraden wurden von dem ehemaligen Schüler Lucius Malfoy für die Todesser rekrutiert, der andeutet, dass sie selbst bald wohl rekrutieren sollen. An seiner Geburtstagsparty (im Januar) betrinkt sich James im Astronomieturm mit Reg Cattermole - einem seiner früheren Opfer - und die zwei freunden sich an.

Kapitel 19 - „Die Quaffel und der Schnatz"

Oder

„Gehen, gehen, gegangen

Freitag, 30. April 1976

Liebes Notizbuch,

Ein Zeitungsartikel hat die Jagd auf Logan Harper und ein halbes Dutzend anderer eröffnet.

Verdammte Donna.

Sei vorbei, Monat.

-Lily

Unzufrieden las Lily wieder ihren neusten Tagebucheintrag. Die Tinte war noch nicht getrocknet und sie glänzte im weißen Licht von ihrem leuchtenden Zauberstab. Wirklich? Das war es? Das war alles, das sie für den Tag zu schreiben hatte?

Der kurze Nicht-Paragraph ähnelte einem Dutzend oder so anderer Nicht-Paragraphen, die die letzten vier Seiten ihren Notizbuchs füllten - einem hübschen, braunen Drachenledertuch, das ihre Mutter für sie in der Winkelgasse für ihren letzen Halbgeburtstag (sie feierte Halbgeburtstage mit ihren Eltern - tja, ihrer Mum jetzt - seit sie an ihrem eigentlichen Geburtstag in der Schule war). All die neueren Einträge waren ähnlich unzufriedenstellend: lahme, kleine Updates, die ein paar vage Fakten aufzählten, aber einfach gar keine Seele hatten.

Ihre Feder aufhebend und sie in das Tintenfass neben sie steckend versuchte Lily es erneut.

Freitag, 30. April 1976 (Fortsetzung)

Dann zögerte ihre Hand über der Seite und das war alles, was sie schrieb…. keine Inspiration, keine Flut von Worten aus ihrem Kopf auf die Seite… nichts. Mit einem tiefen Seufzer erlaubte Lily ihren Augen von der zum größten Teil leeren Seite ihres Notizbuchs zu wandern. Sie blickte aus dem Fenster auf den bewölkten, mondlosen Nachthimmel und dann über die grünen Wiesen von Hogwarts und dann zu Hagrids Hütte nahe dem Verbotenen Wald. Es war eine ruhige Nacht, aber ruhig auf eine Art, die dazu führte, dass Lily sich so klein vorkam - also, in dem Sinne, dass sie hier war, auf dem Fensterbrett des schlafenden Mädchenschlafsaals, während andere (große, wichtige) Dinge weit weg passierten.

Ein weiterer Seufzer und dann zwang Lily ihre Aufmerksamkeit zurück zur Seite. Es musste etwas anderes zu schreiben geben…

Aber das gab es nicht.

Auf der Suche nach Inspiration blätterte Lily zu der Seite davor und las die zwei letzten Einträge dort.

Freitag, 23. April 1976

Liebes Notizbuch,

War bei Slughorn. Kein Kommentar.

-Lily

Und:

Mittwoch, 28. April 1976

Tja, ich habe meine Kopie von „Geschichte Hogwarts'" zurück.

-Lily

Sie schnaubte. Weit entfernt von inspirierend deprimierten diese sie nur.

Stattdessen blätterte sie ein paar Seiten zurück um den letzten echten Eintrag zu lesen, den sie geschrieben hatte… die letzte detaillierte Beschreibung von allem, was sie dachte und fühlte und träumte…

Es dauerte einen Moment, bis sie den richtigen gefunden hatte - es war ein Datum aus dem März… der 26.

Freitag, 26. März 1976

Liebes Notizbuch,

morgen gedenken wir den Tag, an dem James Potter auf diese Welt gekommen ist und zur Zelebration dieses dramatischen Ereignisses wird sich jeder zu einem Soundtrack von hartem Rock und Godric Gryffindors Schreien aus seinem Grab die Kante geben.

Eigentlich wird es vermutlich eine Menge Spaß für die normalen Leute da draußen machen… diejenigen, deren Freunde keine Brüder haben, die wahnsinnige Psychopathen sind, deren Seelen nicht in sich zusammenbrechen wie sterbende Hippogreife und deren kurzes, früher akzeptables Leben nicht durch Drama von hauptsächlich unausweichlicher Natur verwüstet wurde.

Lily las den Rest des langen Eintrags nicht. Die Erinnerung an den Abend, an dem er niedergeschrieben wurde, kehrte zu ihr zurück; sie hatte hier auf dem selben Fensterplatz gesetzt mit ihrem Zauberstab an den Sims aufgelehnt, genau wie jetzt, mit einem extra starken Lumoszauber um für den Neumond zu kompensieren. Und nachdem sie diesen Eintrag fertig hatte (er war fast vier Seiten lang) hatte sie ihre Feder und Tinte weggestellt und sich leer gefühlt - wie kathartisch. Es war ein nettes Gefühl… sie hatte sich seit Ewigkeiten nicht mehr so gefühlt. Nicht mehr seit… tja, nicht mehr seit dem 26. März.

April war jetzt fast vorbei. In ein paar Stunden würde es Mai sein und sie würden den Sommerferien so viel näher sein. Selbst das produzierte gemischte Gefühle. Natürlich schien in diesen Tagen nicht komplett angenehm zu sein, keine Aussicht auf ein glückliches Ereignis war ganz frei von unglücklichen Hintergrundgedanken. Ja, das fasste den letzten Monat ganz gut zusammen: unglückliche Hintergrundgedanken.

Noch ein weiteres Seufzen und Lily hatte sich halb entschlossen ihre Feder und ihre Tinte wegzulegen (es morgen wieder zu versuchen), als ihre Augen beim Durchblättern der Seiten auf den nächsten Eintrag im Notizbuch fielen. Der 1. April - der erste in der einen Monat langen Serie von grottenschlechten Ausreden von Berichten. Sie erinnerte sich auch daran, ihn zu schreiben… wie frustriert sie gewesen war, weil sie zum ersten Mal seit… tja, immer… nicht gewusst hatte, wie sie schreiben sollte. Die Nächte darauf waren genauso schlecht oder schlechter gewesen, bis Lily es aufgegeben hatte, zu versuchen etwas zu finden, was sie noch sagen konnte und sich den erzwungenen Schnipseln ergab.

Donnerstag, 1. April 1976

Liebes Notizbuch,

ich hatte Weizentoast und Marmelade zum Frühstück diesen Morgen. Ungewöhnlich gut.

Es hat geregnet. Der Schnee ist jetzt ganz weg und es beginnt wirklich nach Frühling auszusehen. Nicht viel ist heute passiert.

-Lily

Und obwohl sie sich sicher war, dass sich an diesem Tag mehr abgespielt hatte, als dokumentiert war, war das die Grenze ihrer Kreativität. Toast und Regen. Frühstück und das Wetter.

Pathetisch.

(Einer von zu vielen Morgen)

Donnerstag, 1. April 1976

Liebes Notizbuch,

ich hatte Weizentoast und Marmelade zum Frühstück diesen Morgen. Ungewöhnlich gut.

Es hat geregnet. Der Schnee ist jetzt ganz weg und es beginnt wirklich nach Frühling auszusehen. Nicht viel passiert heute.

-Lily


Halb den Zauberkunst-Korridor hinunterrennend machte sich Donna Shacklebolt eine mentale Checkliste.

Checklisten - mental oder nicht - waren so etwas wie ihre Spezialität: sie verwandelten Chaos in Ordnung, bestimmten, was bereits erledigt war und was noch anstand und sie nahmen keine Rücksicht auf Faulheit und Zögern. Es gab nichts Unehrliches an einer Checkliste... selbst, wenn die Checkliste irgendwie so aussah:

Zwei Socken, zwei Schuhe, alle meine Kleider, alle zugeknöpft, Büchertasche, Zauberkunstbuch, Feder, Tinte, Pergament für Notizen, Armbanduhr, Ohrringe, Haarklammern... keine Haarklammern... auf seinem Schrank gelassen... er kann immer noch sagen, sie gehören zu seinem Mitbewohner...

Vor einer Rüstung anhaltend überprüfte Donna ihre verzerrte Reflexion, bloß um sicherzustellen, dass ihr klammerloses Haar kein todsicherer Beweis dafür war, warum sie zu Zauberkunst zu spät kam.

Merlin, sie war zu spät für Zauberkunst!

Beinahe zum Klassenraum fliegend, stolperte Donna genau acht Minuten nach dem Klingeln hinein und jeder in den Sechstklässlerkurs drehte sich um, um zur Zuspätkommerin zu schauen. Donna fixierte ihren absolut angsterregendsten Ausdruck auf ihr Gesicht und ihre Klassenkameraden waren still. Selbst Professor Flitwick war zu geschockt um eine bissige Bemerkung über ihre Verspätung zu machen.

„Miss Shacklebolt!" quiekte er ungläubig. Was er meinte, war: „Sie sind zu spät! Das ist noch nie passiert! Ist jemand gestorben?"

„Tut mir leid, dass ich zu spät bin," sagte Donna in einem Ton, der andeutete: „Wenn Sie mir auch nur einen Punkt abziehen, werde ich Ihre ziemlich spitzen Ohren abhexen."

„Nun denn, setzen Sie sich," sagte Flitwick und zeigte zu einem freien Platz vorne im Raum. Donna gehorchte wortlos, ihr Banknachbar war ein schäbiger Hufflepuff, den sie nicht kannte, aber das störte sie nicht, bis Flitwick verkündete, dass sie mit einem Partner etwas üben sollten, was er Inanimatus Conjurus nannte - genauer gesagt, Fesseln beschwören.

Donnas Augen schossen im Raum herum, bis sie Lily irgendwo hinten lokalisierte, sie teilte sich mit Mary einen Tisch. Bevor sie gezwungen war, mit jemand Neuem zu arbeiten (oder noch schlimmer, zu reden), stand Donna auf - während alle anderen anfingen zu üben - und durchquerte den Raum zu ihren zwei Hauskameradinnen.

„Tausch mit mir die Partner, Mary," sagte Donna halb fragend, halb befehlend.

Mary grinste: „ Warum warst du wohl zu spät, Donna Liebes?"

Die Tatsache, dass Mary Macdonald mysteriöserweise genau wusste, warum sie zu spät war, störte Donna immens, aber die Tatsache, dass sie es fast einen ganzen Monat wusste und keiner Seele gesagt hatte, überraschte Donna noch mehr. Mary hatte nie als besonders zuverlässig gegolten, wenn es um Geheimnisse ging - im Gegenteil war sie dafür bekannt, alles, was sie wusste, jedem, den sie traf zu erzählen. Donna wäre ziemlich dankbar dafür gewesen, dass ihre Zimmergenossin diese eine Ausnahme machte, wäre nicht die Tatsache, dass die kleine Brünette unsubtile Andeutungen machte.

„Wirklich, Don," sagte Lily abgelenkt, während sie die Formel für den Zauber, den sie gleich üben würden, las. „Du bist früh vom Mittagessen aufgestanden und dann zu spät zum Unterricht gekommen... beides keine besonders Donna-haften Angewohnheiten."

„Ich hatte Hausaufgaben," log Donna, die Bemerkung mit einer Hand wegwischend. „Mary, tausch die Partner mit mir."

„Wer ist dein Partner?" wollte Mary wissen.

„Keine Ahnung. So ein Hufflepuff, der aussieht, als wäre er halb Maus."

Fies," tadelte Lily aus Gewohnheit. Mary stellte sich auf ihre Zehen um Donnas angeblich mausigen Partner zu sehen.

„Oi, das ist Reg Cattermole," sagte sie und blickte finster auf Donna. „Er ist ein netter Kerl."

„Wunderbar. Also macht es dir nichts aus, ihn als Partner zu haben," Donna lächelte süßlich falsch. Mary verdrehte ihre stark geschminkten Augen.

„Weißt du, es würde dich nicht umbringen mit anderen Leuten als Lily zu reden, Schlampe," sagte sie, aber trotzdem nahm sie ihre Büchertasche und lief zu Reg Cattermole hinüber.

„Was war das wieder mit dem Topf und dem Deckel?" rief Donna stirnrunzelnd hinter ihr her. Lily war fertig mit dem Lesen und zog ihren Zauberstab.

„Bist du okay, Don?" fragte sie, „Irgendwas ist mir dir los, was du mir nicht sagst."

„Natürlich bin ich okay." Aber Donna konnte ihr nicht in die Augen schauen.

Don..."

„Hey," unterbrach die Hexe, „erinnerst du dich daran, wie das Schöne an unserer Beziehung war, dass keiner von uns drängt, Dinge zu erzählen, die wir nicht diskutieren wollen?"

„Das war nie Teil unserer Beziehung. Warum redest du nicht mit mir?" wollte Lily wissen. „Es passt nicht zu dir, so geheimnisvoll zu sein."

„Ich tue nicht geheimnisvoll. Es gibt nichts, worüber wir reden sollten... und sowieso geht dich das gar nichts an."

„Es geht mich an, wenn es dich ungewöhnlich motzig macht."

Donna blickte nur finster. „Willst du zuerst meine Handgelenke fesseln oder soll ich dich fesseln?" fragte sie in einem geschäftsmäßigen Ton. Sirius Black, der mit den anderen Rumtreibern in der Nähe saß, ließ ein leises Pfeifen ertönen.

„Ich liebe dieses Fach," seufzte der Rumtreiber.

„Du kannst mich mal, Black."

„Klar doch, Shack, sag bitte nur, dass du mich zusehen lässt?"

Lily warf Donna einen Blick zu, bevor sie sich bittend an James wandte. „Habt ihr keine Leine für ihn oder so?"

Die vier Rumtreiber lachten unerklärlicherweise darüber und Lily nutzte, anstatt sich zu wundern, ihre Ablenkung aus. Sie hielt ihre Handgelenke hin und sagte: „In Ordnung, du zuerst, Donna."

Donna brauchte 15 Minuten, bis sie den Zauber genau hinbekam, länger als sonst, aber nicht so viel, dass Lily irgendetwas Ungewöhnliches in der Hinsicht bemerkte... selbst wenn sie es bemerkte, machte sie zumindest keinen Kommentar. Zu Donnas sogar noch größeren Erleichterung bemerkte keiner, abgesehen von einem beiläufigen Kommentar von Professor Flitwick, dass Charlie Plex gar nicht zum Unterricht kam.


(Haselnussbraun)


Freitag, 1976

Liebes Notizbuch,

Alice denkt, dass sie eine Schlampe ist.

Luke hat mir einen Witz erzählt, als wir um den See gelaufen sind. Ich bin beinahe vor Schreck gestorben, aber er war lustig und ich habe gelacht. Dann hat er mir gesagt, dass es ein Witz war, den sein Vater immer erzählt hat...

Ich weiß, nicht?

-Lily


„Wir brauchen Regeln," verkündete Alice, ihr rebellisch lockiges Haar hinter ein Ohr klemmend und sich aufsehend. „Einen Verhaltenskodex."

Frank lachte.

„Was ist so lustig?" wollte sie wissen.

„Nichts, nichts," antwortete der andere. „Nur - sag wieder Verhaltenskodex."

„Verhaltenskodex - warum lachst du, Frank?"

„Weil es lustig ist zu hören, wie du ‚Verhaltenskodex' sagst, wenn du... so bist."

Alice blickte an sich herunter. „Halb angezogen?" fragte sie trotzdem und Frank nickte. Die Hexe seufzte, faltete ihre Beine unter ihr, sodass sie jetzt auf dem Laken kniete. Mit festem Vorsatz kramte sie auf der Suche nach dem Pullover herum, den sie früher an diesem Nachmittag von sich geworfen hatte.

„Ziehst du dich an?" fragte Frank unglücklich.

„Ja."

„Warum?"

„Weil du mir nicht zuhörst, wenn ich das nicht mache."

„Das stimmt nicht."

„Verhaltenskodex," sagte sie bloß. Er war wieder am Lachen. „Siehst du! Ich hab es dir gesagt. Nun, wo ist dieser Cardigan?"

„Nur, weil ich lache, heißt das nicht, dass ich nicht zuhöre," sagte Frank, ihre Hand packend und sie zurück auf die Kissen ziehend. „Tatsächlich könnte es beweisen, dass ich in der Tat zuhöre." Alice seufzte, gab nach und zog die Laken zu ihrem Schlüsselbein hoch, teilweise ihren in Jäckchen und Shorts steckenden Körper verdeckend, als sie ihren Kopf auf Franks nackte Schulter ruhen ließ. „Nun, was wolltest du sagen?"

„Ich weiß es nicht," gab Alice zu. „Danke."

„Regeln. Verhaltenskodex."

„Oi, richtig." Sie versuchte sich aufzusetzen, aber Frank ließ sie nicht, also rollte sie sich stattdessen auf ihre Seite und stützte sich auf ihren Ellbogen ab, statt auf der Schulter ihres Begleiters. „Regeln."

„Ich dachte, wir hätten schon Regeln," bemerkte Frank. „Erinnerst du dich? Vor ungefähr einer Woche hast du gesagt, du könntest noch nicht mit einer Beziehung klarkommen, also hast du gesagt, dass wir aufhören müssten und dann hast du ein paar andere Sachen gesagt und dann hast du mich angesprungen."

„Daran erinnere ich mich nicht," verwarf Alice. „Jedenfalls haben diese Regeln offensichtlich nicht funktioniert."

„Offensichtlich," stimmte Frank zu.

Alice spielte mit den Laken und sah ihm nicht in die Augen. Sie sprach sehr schnell. „Ich denke, wir sollten die ganze Sache rational angehen. Die Sache ist... was zuvor schief lief, ist, denke ich, dass wir sehr... in alles verwickelt waren. Wir waren sehr jung - ich werde erst im Mai achtzehn - und so involviert zu sein, ist bloß... ist bloß... naja... es ist schwierig. Für uns beide..."

„Du trägst dein Haare wieder lockig, ich mag das. Nicht, dass deine Haare nicht glatt mag, aber ich mag sie auch lockig..."

Frank."

„Ich höre zu! Für uns beide gefährlich. Hab´s kapiert!"

Alice seufzte und erlangte wieder ihre Beherrschung. „Also," fuhr sie fort, „ich denke, ein Weg, in dem wir eine solche Situation... verhindern... und Probleme, die schon mal Probleme verursacht haben... vermeiden können..." (Frank machte ein Gesicht, als ob er wirklich nicht verstand, worauf sie hinaus wollte), „ist den Problemfaktor zu eliminieren. Und bevor du es sagst, ja, ich weiß, dass ich dreimal ‚Problem' gesagt habe." Sich räuspernd fuhr Alice angespannt fort: „Dieser Faktor ist, denke ich, Exklusivität."

Frank runzelte die Stirn. „Ich bin mir ziemlich sicher, das Problem war Nicht-Exklusivität, wenn es Exklusivität hätte sein sollen, Ally."

„Exakt! Und wenn es kein Problem der Exklusivität gegeben hätte, hätte man sich absolut keine Sorgen um Nicht-Exklusivität machen müssen."

„Doch. Man hätte sich Sorgen um etwas machen müssen. Nicht-Exklusivität."

Alice setzte sich auf. „Ich sage bloß, dass wir die Sache langsam angehen sollten."

Frank setzte sich ebenfalls auf. „Es gibt einen Unterschied zwischen die Dinge langsam angehen und Nicht-Exklusivität."

„Tja, das ist, was ich will," fuhr die Hexe fest fort.

„Nein."

Frank!"

Er verschränkte eisern seine Arme: „Ich will das nicht tun."

„In Ordnung," sagte sie beleidigt. „Aber entweder das oder gar nichts."

Frank war für einige Zeit still. „In Ordnung," sagte er schließlich.

„In Ordnung. Was heißt in Ordnung?"

„Nicht-Exklusivität ist in Ordnung."

„Wirklich?"

„Ja." Aber er sah nicht zufrieden aus.

„Okay..." Ein wenig aus dem Konzept gebracht, legte Alice sich wieder hin. Frank nicht. „Denkst du nicht, dass es besser wäre ohne... du weißt schon... den Druck?" fragte sie, plötzlich besorgt.

„Nein," sagte Frank. „Aber, wenn es das ist, was du willst."

Alice atmete tief aus und setzte sich wieder auf. „Ich sage nicht, dass wir irgendwann in der Zukunft nicht... aber gerade jetzt fühle ich mich einfach... fühle ich mich einfach zu nah an dem, wo wir vorher waren." Sie beobachtete ihren Begleiter genau und als er still war, setzte sie nach: „Macht das irgendwie Sinn?"

Frank sah ihr in die Augen. „Ja. Das macht es." Er lächelte schwach und sie entgegnete die Geste überzeugender. „Aber nur um das klarzustellen," fuhr er fort, „du testest mich nicht, oder?"

„Natürlich nicht!"


„Große Agrippa, du testest ihn!" entfuhr es Lily viel später, als sie mit ihrer Siebtklässler-Freundin in deren Schlafsaal saß. In dieser Freitagnacht waren Alice' Zimmergenossinnen ausgegangen um zu sozialisieren, aber Lily und Alice belegten den Fensterplatz im Siebtklässlerschlafsaal mit einer Flasche Feuerwhiskey und ziemlich vielen Chips und Erdbeeren, die zwischen ihnen ausgebreitet waren.

„Natürlich nicht," protestierte Alice. „Ich wünschte, ihr würdet aufhören das zu sagen."

„Nicht-Exklusivität," wiederholte Lily skeptisch. „Das ist abgedrehter Mädchen-Code für 'Das ist ein Test. Vermassle es nicht oder ich kastriere dich.'"

„Lily."

„Tja, was ist denn dann der Zweck?" fragte Lily. „Gibt es jemanden, an dem du interessiert bist?"

„Nein," gab Alice zu. „Niemand Besonderes. Ich denke einfach, dass es das Beste wäre, wenn Frank und ich beide uns unsere Optionen offen halten würden. So wird keiner von uns verletzt, wenn er erkennt, dass er auf Carlotta Meloni oder Prudence Daly steht... oder wenn ich jemanden anderen treffen will."

Lily runzelte die Stirn. „Planst du denn - du weißt schon- etwas mit anderen Leuten zu haben?"

Es dauerte einen Moment, bis Alice verstand, was ihre Freundin sagen wollte. „Oh! Oh, nein," sagte sie schnell und warf einen Chip in ihren Mund. „Ich meine - erstens wäre es... ich meine, ich war mit Frank Jahre zusammen und ich würde mich nicht wohlfühlen mit..."

„Oi, ich brauche keine Details!" lachte Lily, die sich eine Erdbeere aus der Schale aussuchte.

„Aber du verstehst mich, oder?" fragte die ältere Hexe, als sie einmal aufgehört hatten zu lachen. „Es ist so viel logischer, die Dinge... locker zu halten."

„Und körperlich," witzelte Lily.

„Tja, natürlich."

Sie lachten beide wieder, bevor Lily hinzufügte: „Solange du weißt, was du tust. Liebes. Es scheint mir, als wäre das eine große offene Einladung für Schwierigkeiten."

„Das sehe ich nicht so," sagte Alice und nahm einen Schluck aus der Flasche, die sie sich teilten. „So weit ich es beurteilen kann, ist das ein Weg, um Schwierigkeiten zu vermeiden. Ich fühle einfach, dass ich so mehr Kontrolle über mich selbst habe."

Lily zuckte mit den Schultern. „Und du weißt, was die Poeten sagen - Kontrolle ist Liebe."

„Ich spüre Sarkasmus."

„Ich weiß nicht. Sei... einfach vorsichtig. Ich meine, niemand könnte glücklicher sein als ich, als du mir gesagt hast, dass du und Frank wieder... so halb zusammen seid. Aber solche Dinge könnten kompliziert werden und jemand könnte verletzt werden."

„Vertrau mir," sagte Alice selbstsicher. „Ich werde nicht verletzt werden."

Lily hob ihre Augenbrauen und nahm ebenfalls einen Schluck. „Ich habe nicht über dich geredet."

Alice runzelte trotzig die Stirn. „Bin ich eine Schlampe?" jammerte sie.

„Nein," bestand Lily und gab ihr die Flasche. „Wirklich, Al. Wenn du glücklich bist, bin ich glücklich. Und du bist glücklich - richtig?"

„Sehr."

„Und Frank? Weil, du weißt schon, er ist auch mein Freund... wenn man unglückliche Fehler außer Acht lässt."

„Ja," sagte Alice langsam. „Ich denke, er ist glücklich. Relativ."

Lily nickte. „Tja, dann. Was könntest du mehr wollen?"

Was wohl, in der Tat.


(Ich bin es nicht, Babe)


Mittwoch, 7. April 1976

Liebes Notizbuch,

Wieder Regen. Sirius Blacks Geburtstag.

Luke hat mich nach Kräuterkunde geküsst. Wir haben irgendwie rumgemacht. Ich bin seine Freundin. Das sollte nicht seltsam sein, oder?

-Lily


All seine Küsse schienen jetzt gleich weich, vorsichtig (oder wenn nicht vorsichtig, dann kontrolliert), bescheiden... Luke. Der alte Luke, bloß die Unschuld schien jetzt seltsam anders.

Lily reflektierte missmutig darüber, als sie mit ihrem Freund in die große Halle zum Abendessen ging. Sie hielten sich nicht an den Händen, aber er folgte ihr zum Gryffindortisch und sie setzten sich zusammen hin. Plötzlich erschien ein Stück Schokoladenkuchen auf ihren zuvor leeren, goldenen Tellern.

„Was ist das denn?" wollte Luke wissen.

Lily lächelte den Kuchen an - ein köstlich aussehendes Stück mit ganz viel Cremeglasur. „Sirius Blacks Geburtstag," erklärte sie. „Er ist heute... deshalb gibt es den vermutlich. Ich frage mich aber, wie sie die Hauselfen dazu überredet haben, das zu organisieren." Die Vertrauensschülerin nahm eine Gabel und probierte einen Bissen. Er schmeckte sogar noch besser, als er aussah.

„Lässt du das Abendessen ausfallen?" fragte Luke.

„Das Leben ist zu kurz," antwortet Lily. Sie warf einen Blick den Tisch hinunter nach dort, wo die Rumtreiber lachend und locker spaßend herumblödelnd saßen. Mit James Potter Blickkontakt herstellend nickte Lily ihm beifällig zu und James grinste zur Antwort. Lily schätzte, sie hätte nicht überrascht sein sollen, als - in der Hälfte des Essens - ein Dutzend Hauselfen die Halle betraten und verkündeten, dass sie wichtige Ereignisse aus „Mr. Blacks Leben" nachspielen würden, welche unter anderem die Entdeckung des Vielsafttranks, das Erlegen eines Drachens und die Erfindung der Magie beinhalteten.

„Es ist das Schönste, was ich je gesehen habe," bewunderte Sirius es.

James schnaubte. „Padfoot, du hast schon mal einen gesehen. Tatsächlich bist du schon mal einen geflogen... meinen. Du weißt schon - den Besen, den du mindestens zwei Mal in der Woche von mir klaust... den, den du beinahe letzten Monat zerstört hast, als..."

„Sei nicht so dramatisch," sagte Sirius. „Ich konnte ihn retten, bevor Filch die Ziege gefunden hatte. Und jedenfalls ist das etwas anderes. Das ist mein Nimbus 1500."

James grinste und wechselte einen Blick mit Remus, den Sirius komplett verpasste, so beschäftigt war er damit, den frisch ausgepackten Besen zu begutachten, der auf seinem Bett im Jungen Schlafsaal lag.

„Er wurde aber auch Zeit, dass du einen bekommen hast," merkte Peter grinsend an. „Dir zuzusehen, wie du mit Prongs auf deinem uralten Nimbus 1001 um die Wette fliegst, wird langsam pathetisch."

Sirius blickte ihn böse an. „Vorsichtig, Sauberwisch Fünf."

Remus und James lachten anerkennend. Sirius hob den Nimbus auf und alle vier Rumtreiber setzten sich auf sein Bett und betrachten das Geschenk mit großen Interesse.

„Das Allerbeste ist," beobachtete Sirius nach einer Weile glühend, „dass ich nicht mehr auf dem Besen fliegen muss, den mir meine böse Hexe von Mutter und Idiot von einem Vater im zweiten Jahr gekauft haben. Dieser ist unbefleckt." Er seufzte abrupt. „Ich sollte ihm danken, oder?" fragte er.

„Ja," antwortete Remus sofort. „Und bevor du fragst, nein, eine Karte reicht nicht."

„Ihr kennt mich zu gut," grummelte Sirius. Sie waren alle still. „Ich will ihm nicht entgegentreten," fuhr er vage fort. „Nichts von dem."

„Aber," sagte James, „denkst du nicht, es wäre schlimmer, wenn du es nicht tust?"

Er hatte Recht und Sirius wusste das genau. Deshalb klopfte er 15 Minuten später an der Bürotür von Professor Black, halb hoffend, dass er nicht da sein würde, halb hoffend, er wäre es.

Er war es.

„Hast wohl dein Geschenk bekommen, oder?" fragte Black, als er die Tür öffnete. Auf seinen müden Gesicht lag ein leichtes Lächeln. „Tut mir leid, dass es erst heute Abend angekommen ist - Eulenpost ist manchmal verdammt unzuverlässig."

„Dankeschön," sagte Sirius besonnen. „Er war wirklich... äh- großartig."

„Ich dachte, du willst vielleicht mit ihm beim großen Quidditchfinale gegen Slytherin fliegen," sagte Black mit einem Funken in seinen grauen Augen. „Obwohl ich selbst tief in meinem Herzen Slytherin bin, sind meine Loyalitäten eventuell für dieses spezielle Spiel flexibel."

Sirius grinste. Sie waren beide still und dann sagte er ernst: „Es tut mir leid, dass ich dich angeschrien habe. Es war nicht fair."

„Ich hätte meinen Zustand nicht vor dir verheimlichen dürfen," antwortet Black.

Sirius nickte. „Ich hätte dasselbe getan."

Black öffnete die Tür noch ein Stück weiter. „Möchtest du eine Tasse Tee? Ich schätze, du und deine Freunde haben etwas für deinen Geburtstag geplant, aber..."

„Mmh, ich habe jede Menge Zeit, bevor das Licht ausgemacht wird," sagte Sirius achselzuckend. Professor Black lachte.

„Wen willst du denn veräppeln, Sirius? Licht aus, jaja." Sirius lachte aus und folgte seinem Onkel in das Büro. „Exzellent. Jetzt kannst du mir ganz genau davon erzählen, wie du den Vielsafttrank erfunden hast..."

„Oder einen Drachen erlegt habe..."

„Oh, ja, das dürfen wir nicht vergessen..."


(Dieses Rad brennt)


Montag, 12. April 1976

Liebes Notizbuch,

hab das neue Album von Den Kobolden gehört. Naja.

-Lily


Evan Rosier und Regulus Black waren beide dunkelhaarige, gut aussehende Typen, ein Fünft- und ein Viertklässler jeweils. Rosier war größer und kräftiger, aber Regulus sah scharfsinniger aus, weshalb Snape, wenn er zwischen den zwei wählen müsste, sich ohne Zögern für Black entschieden hätte. Natürlich hatte er auch andere Motive dafür. Zum einen würde sein älterer Bruder wutentbrannt sein...

Nicht, dass das wichtig war. Sie hatten beide den richtigen Namen und - danach urteilend, dass sie beide auf Mulcibers halb-rätselhafte Eule geantwortet hatten und aufgetaucht waren - hatten sie beide die Neigung. Die zwei jüngeren Schüler warteten, dass einer der zwei Älteren (Snape und Mulciber) sprach; Rosier sah nervös aus; Black nicht, aber es schienen ihnen beide stark bewusst zu sein, dass ihre Anwesenheit hier in dem verlassenen Kerkerklassenraum eine bedeutsame Sache war. Sie waren gebeten worden, hierher zu kommen und andere nicht.

„Wir wurden gebeten, ein paar Zauberer zu finden," begann Mulciber, „von denen wir glauben, dass sie Potenzial haben."

„Gebeten von wem?" wollte Regulus Black sofort wissen. Mulciber sah wütend über die Unterbrechung aus, aber Snape antwortete ihm. Schließlich war er es gewesen, der Regulus überhaupt vorgeschlagen hatte.

„Ich glaube, du kennst die Antwort darauf, Black," sagte er ruhig.

„Du," wollte Rosier skeptisch wissen, „bist mit ihm in Kontakt? Ich glaube das nicht. Mein Vater ist einer von ihnen. Bei Nick kann ich es verstehen, aber wenn du erwartest, dass ich glaube, dass ein Halbblut wie du..."

„Das reicht!" fuhr Mulciber ihn an, als Snape seinen Zauberstab zog. Der Erstere schritt näher zu Rosier. „Snape hat sich bewiesen, was mehr ist, als jemand für dich sagen kann... jeder weiß von dir und der kleinen Hufflepuff-Blutsverräterin..."

Rosier wurde rot. „Wir sind seit Ewigkeiten auseinander."

„Gut." Ein Lächeln huschte über das Gesicht des Sechstklässler. „Lucius Malfoy ist mit ein paar von uns seit Monaten in Kontakt... Training, Informationen sammeln... Sie wollen hier in Hogwarts eine - ah, Gruppe aufstellen. Dein Vater, Rosier, war ebenfalls in Kontakt mit uns."

„Mein Vater? Er hätte mir etwas gesagt..."

„Nein, hätte er nicht," sagte Snape. „Weil es für diese Art von Sache Regeln gibt. Es gibt jede Menge Regeln und eine von ihnen ist, dass ihr euren Mund halten müsst. Wir wollen nicht, dass eine Horde idiotischer Kinder herumrennt und bei jedem angibt, der zuhört."

„Wenn ihr das durchzieht," fuhr Mulciber fort, „werden wir alle unsere Chance auf Ruhm und Ehre haben. Aber darum geht es jetzt nicht. Jetzt müssen wir das leise halten. Besprecht diese Sache nur mit Leuten, von denen wir wissen, dass wir ihnen trauen können, was - in eurem Fall - niemand ist. Keine Eulen zum lieben Daddy, Rosier, weil jeder diese abfangen könnte. Nicht deinen Blutsverräter-Bruder aufziehen, Black. Nichts."

Regulus und Rosier nickten beide.

„Gut. Das ist alles."

„Das ist alles?" wiederholte Regulus.

„Wir reden mit euch, wenn wir mehr wissen," saget Mulciber.

„Ich will selbst mit Malfoy reden," sagte der junge Black ihnen. „Ich will wissen, ob das…echt ist. Weil ich rein will und ich nicht will, dass alles, was ich tue, durch euch zwei interpretiert wird. Es ist nicht, dass ich euch nicht traue, aber wenn ich geprüft werde, will ich von jemandem geprüft werden, der..."

„Jemandem, der was?" wollte Snape wissen.

„Jemandem, der das Mal hat," endete Regulus kühn. Mulcibers Augen wurden groß.

„Du weißt von dem Mal?"

Regulus nickt.

„Das ist ebenfalls etwas, über das du nicht reden solltest," sagte Snape. „Aber sobald wir wissen, dass du es ernst meinst, wirst du auch mit Malfoy reden."

„In der Zwischenzeit," fuhr Mulciber fort, „tut ihr, was wir euch sagen. Ihr werdet das zu niemandem erwähnen und ihr werdet euch verhalten, als ob sich nichts verändert hätte."

Hat sich denn etwas verändert?" fragte Regulus.

Mulciber grinste. „Alles hat sich verändert."


(Es tut auch mir weh)


Mittwoch, 14. April 1976

Liebes Notizbuch,

Hab das Frühstück ausfallen lassen. Hab das Mittagessen ausfallen lassen. Abendessen hat nicht richtig geschmeckt. Schlechter Tag.

-Lily

P.S.: Frank Longbottom. Oh, was soll man sagen?


„Und zum Schluss," sagte Frank zu den Vertrauensschülern (eine Mischung aus Gelangweilten & Gespannten), die sich im kleinen Schulsprecherbüro versammelt halten, „möchte ich auch alle daran erinnern, dass ihr bitte die Art des Verstoßes auf euren Punkteabzugsbericht schreibt. Wenn nicht, müssen wir die Punkte wieder zurückgeben. Irgendwelche Fra- ja, Aubrey?"

Bertram Aubrey streckte seine Brust raus mit all seiner Fünftklässler-Vertrauensschüler- Wichtigtuerei und fragte: „Stimmt es, dass es bald eine neue Regel geben soll, die jegliches Zaubern in den Fluren verbietet?"

„Es gibt jetzt keine solche Regel, was alles ist, was uns interessiert," bemerkte Marissa Higgs, die einschüchternde 1,80m große Schulsprecherin. „Gibt es irgendwelche relevanten Fragen?" Stille. „Exzellent. Bis nächste Woche."

Die meisten Vertrauensschüler begannen zu gehen, während Marissa Higgs ein paar Rollen Pergament auf den Schreibtisch ablegte, bevor sie ihnen folgte. Lily Evans, die sich von Severus Snape an der Tür verabschiedete, blieb zurück.

„Alles klar, Lily?" fragte Frank, der selbst noch ein paar Papiere in die Regale einsortierte.

„Oh ja," antwortete die Rothaarige abgelenkt und kam näher, „Remus Lupin wollte, dass ich dir sage, dass es ihm leid tut, dass er es heute nicht schafft. Er ist zuhause und besucht seine Mutter - sie ist wieder krank."

Frank nickte. „Ich habe das schon vermutet. Scheint so, als ob er deshalb schon einige Treffen verpasst hat... arme Hexe, seine Mum. Ich hoffe, es geht ihr nicht zu schlecht."

„Remus redet nicht gern darüber,"sagte Lily mit einem Achselzucken. „Es muss allerdings schwierig sein."

„Hmm, ziemlich," Frank zog ein leeres Stück Pergament vom Schreibtisch, genau wie ein Tintenfaß. „Hast du vielleicht eine Feder zur Hand, Lily? Ich wollte mal hier nachfüllen, aber..."

„Was? Oh, ja." Lily kramte in ihrer Büchertasche herum, bevor sie eine lange Adlerfeder fand und sie dem Schulsprecher reichte.

„Was ist das?" fragte sie vage.

„Ein Brief an Dumbledore," sagte Frank, der los kritzelte. „Ich hatte gehofft, wir könnten den nächsten Hogsmeade-Ausflug vom 15. Mai auf den 8. verschieben."

„Warum?"

Frank wurde rot. „Es soll am 14. regnen," sagte er und sah ihr nicht ganz in die Augen. „Filch jammert immer, dass die Schüler Schlamm ins Schloss schleppen."

Lily hob skeptisch ihre Augenbrauen. „Das ist aber sorgfältig von dir," bemerkte sie. „Wusste nicht, dass du dir die Wettervorhersagen einen Monat im Voraus ansiehst."

„Es steht im Propheten," antwortete Frank ein wenig zu hastig. „So lange, wie das Ministerium sich die Zeit nimmt, das so früh im Voraus zu verkündeten, sollte jemand darauf achten und jedenfalls ist es meine Verantwortung als Schulsprecher auf solche Sachen zu achten."

Lily nickte: „Ich schätze."

Frank beendete schnell seinen Zettel und gab Lily die Feder zurück, die als Antwort auf das „Danke," den Schulsprecher sich verabschiedete und das Büro verließ. Weniger als eine Minute später kam sie zurück.

„In Ordnung, ich wollte es gut sein lassen, aber ich habe mich dagegen entschieden," sagte sie ihre Arme verschränkend. „Was ist der wahre Grund dafür, dass du den Termin ändern willst?"

„Das ist der echte Grund." Aber er wurde wieder rot.

„Du bist ein miserabler Lügner, Frank Longbottom."

Frank blickte finster, nicht in der Lage, die Farbe aus seinen Wangen zu vertreiben. „Er ist dumm," murmelte er. „Wirklich, ich..."

„Tja, jetzt bin ich neugierig," beschwerte sich Lily. „Komm schon. Du kannst es mir sagen."

„Wirklich, es ist nichts." Frank sah wahrlich so aus, als ob das etwas war, was er lieber nicht besprechen würde und so gab Lily nach.

„In Ordnung. Aber ich werde das untersuchen." Sie drehte sich um wieder zu gehen, aber hielt in der Tür an, als es ihr klar wurde. „Warte eine Minute," sagte die Vertrauensschülerin sich zurück drehend. „Alice' Geburtstag ist am 8. Mai."

Frank seufzte. „Sag es ihr bitte nicht?"

„Dass ihr Geburtstag am 8. Mai ist? Frank, mein Lieber, ich denke, das hat sie schon mitbekommen."

„Das ich den Termin von Hogsmeade-Wochenende geändert habe," stellte Frank klar. „Sie würde denken… naja… mir wäre es lieber, wenn du es nicht tust. Bitte?"

„Natürlich, wenn es das ist, was du willst," sagte Lily achselzuckend. „Obwohl, ich denke, dass es ein wenig zu spät im Spiel ist, noch schüchtern zu sein."

„Ich bin nicht schüchtern… Ich denke nur, sie könnte das in den falschen Hals kriegen. Sie ist schrecklich sensibel in letzter Zeit, wenn ich irgendetwas Nettes für Sie mache." Der Schulsprecher sah angespannt aus, als ob er nicht ganz sicher war, wie viel Lily von seiner momentanen Beziehung mit Alice wusste.

In einem Versuch ihn zu beruhigen, fragte Lily nach: „Obwohl ihr so halb wieder zusammen seid?"

„So halb," betonte Frank. Lily nickte verständnisvoll.

„Nicht-exklusiv," fuhr sie weiter aus und Frank nickte ebenfalls. „Tja, in Ordnung. Aber ich denke, es ist süß von dir, dass du Alice an ihrem Geburtstag nach Hogsmeade ausführen willst."

Frank sah unsicher aus. „Tja, wer weiß?" sagte er. „Ich meine, mit dieser… lockeren Situation, sie ist sehr vorsichtig, nicht, dass ich es ihr nachtrage - aber vielleicht will sie mit jemand anderem gehen. Diese ganze Nicht-Exklusivität-Sache, weißt du. Trotzdem möchte sie vielleicht den Tag im Dorf verbringen, meinst du nicht?" Lily war still, sie starrte Frank sehr komisch an. „Was? Denkst du nicht, dass sie das wollen würde? Ich dachte bloß..."

„Nein, das ist es nicht," sagte Lily schnell. „Frank, das ist das Süßeste, was ich je gehört habe." Sie schloss die Entfernung zu ihm und umarmte den verwirrten Schulsprecher.

„Ich - äh..." stammelte Frank, als sie losließ. Ihm wurde jedoch eine Antwort erspart, als eine neue Stimme unterbrach.

„Lily?"

Sie diente sich um um zu Luke zu sehen, der an der Tür wartete, anscheinend war er gekommen um sie vom Vertrauensschülertreffen abzuholen. Es war Teil der extrem pflichtbewussten Aufmerksamkeit, die er die letzten paar Wochen gezeigt hatte.

„Oh, hi, Luke, ich bin gleich da," sagte Lily rasch . Sie drehte sich wieder zu Frank. „Ich stehe komplett hinter dir," versicherte sie ihm. „Viel Glück."

Frank lächelte. „Äh… danke, Lily."

Draußen im Flur - nachdem Luke darauf bestanden hatte, ihre Büchertasche zu nehmen und sie über seine eigene Schulter geschlungen hatte - wollte der Ravenclaw von seiner Freundin wissen: „Was war das denn gerade?"

„Bloß langweiliges Pärchenzeug," sagte Lily.

„Äh - was meinst du?"

„Frank und Alice," erklärte sie. Luke sah zu ihrer Überraschung erleichtert aus. „Du warst eifersüchtig?" fragte sie verärgert.

„Ein bisschen," sagte Luke, anscheinend fand er es amüsant. „Ich weiß nicht. Es war ein Reflex, schätze ich."

„Es war Frank," antwortete Lily steif. „Wir sind schon seit Ewigkeiten befreundet."

„Es tut mir leid. Ich wollte dich nicht angreifen."

„Es ist okay."

Sie war still, obwohl er weiter plauderte, bis sie den Gryffindorturm erreichen. „Du musst nicht reingehen," sagte Luke, als sie eine kurze Distanz vom Portrait der fetten Dame entfernt standen. „Wir könnten spazieren gehen. Es ist heute Vollmond."

„Es ist fast Ausgangssperre," sagte Lily weich. „Ich sehe dich morgen."

„In Ordnung."

Sie stellte sich auf ihre Zehen um ihm auf die Wange zu küssen, aber Luke drehte seinen Kopf und legte seine Lippen auf ihre. Er vertiefte den Kuss fast sofort, seine warmen Lippen bewegten sich eifrig gegen ihre - die sich automatisch zu öffnen schienen. Bald zog sie sich zurück.

„Gute Nacht, Luke."

„Ich liebe dich, Blume."

Dann war er weg und Lily blieb nur das unerträglich vertraute sinkende Gefühl in ihrem Magen. Zum ersten Mal gab sie in ihrem Kopf zu, was sie unbewusst für eine lange Zeit gewusst hatte.

Ich liebe dich nicht, dachte sie und noch wichtiger: Ich werde es nie tun.

„Was für ein Blickfang," sagte die fette Dame, als sie sich dem Porträt näherte.

„Runenspore," sagte Lily dumpf. Das Porträt schwang auf und die Vertrauensschülerin betrat den Gemeinschaftsraum. Natürlich konnte sie nicht wissen, dass ein Zauberer (der auf dem Weg nach unten war um einen Hund und eine Ratte nahe der peitschenden Weide zu treffen) die Szene unter einem Tarnumhang erlebt hatte. Und auch konnte sie nicht wissen, welches schreckliches sinkendes Gefühl er spürte, als er davon schritt.


(Klagelied)


Donnerstag, 15. April 1976

Liebes Notizbuch,

Mehr Regen. Nicht viel ist heute passiert.

-Lily


„Was zur Hölle hast du dir gedacht?" fuhr Donna ihn an und schlug Charlie Flex' wandernde Hand wütend weg. „Deine verdammte Freundin war genau hier!"

Charlie grinste. „Also willst du reden, wenn du mich jetzt in verlassene Klassenräume ziehst?" zog er sie auf. „Was ist mit den Regeln passiert, Shacklebolt? Vögeln, nicht babbeln und all das?"

„Teil der Regeln," entgegnete eine wutentbrannte Donna, „war, dass du deine verdammten Hände von mir lässt, außer ich sage etwas anderes. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich dich nicht gebeten habe, mich mitten im Korridor zu betatschen, wenn deine verdammte Freundin fünf Meter entfernt ist!"

„Oh, was würde es dich interessieren, wenn Cassidy genau hier wäre?" seufzte Charlie, der sich auf einen Tisch setzte. „Es macht keinen Unterschied für uns, ob ich eine Freundin habe oder nicht."

„Zuallererst, sag nie wieder das Wort ‚uns' in Bezug auf dich und mich," befahl Donna hitzig. „Zweitens, nur im Fall, dass du es noch nicht bemerkt hast, die Hogwarts- Schülerschaft im Gesamten vergibt Mädchen, die mit den Freunden anderer Mädchen schlafen, nicht so leicht und ich wäre lieber nicht das Thema von Fünftklässlerinnen- Klatsch."

„Na gut." Charlie zuckte die Achseln. „Ist mir egal - ich habe sowieso darüber nachgedacht, dass hier bald zu beenden."

Donna rümpfte die Nase. „Eine Schlampe wie du? Ohne einen Fick überleben? Unwahrscheinlich."

„Ja, aber ich denke, Cassidy gibt bald nach wegen der Fickensache," sagte der Ravenclaw locker. „Und dann brauche ich dich nicht mehr, oder?" Er lächelte fies. Donna verdrehte ihre Augen.

„Oh, nein, die Abwesenheit von Charlie Plex - was werde ich nur tun?" fragte sie sarkastisch und begann zur Tür zu gehen. „Du bist ein Arsch, weißt du."

Charlie stand auf, durchquerte den Raum und hielt die Tür zu, bevor sie sie öffnen konnte. „Bin ich das?" fragte er, seinen Kopf zur Seite legend. „Oder magst du das irgendwie?"

Donnas bernsteinfarbene Augen verengten sich. „Ich mag wortwörtlich eine Sache an dir." Sie standen sehr nah, seine Lippen nur Zentimeter von ihrem entfernt.

„Und was ist das?" fragte Charlie.

„Das du mit komplett egal bist."

Charlie kicherte. „Ich liebe das an dir - die Fiesheit." Er küsste sie, sie so drehend, dass ihr Rücken an der Tür war, sein Körper eng gegen ihren gepresst. Als sie auseinander brachen murmelte er gegen ihre Lippen: „Weißt du, ich hätte nicht wirklich die Sache mit dir beendet."

„Ich weiß." Er wollte sie wieder küssen, aber Donna schob seine Schultern zurück, sodass sie mehr Platz hatte. „Nein," sagte sie ruhig. „Ich will dich gerade jetzt nicht." Sich umdrehend öffnete sie die Tür und schlüpfte aus dem leeren Klassenzimmer und als sie davon ging, fühlte sie sich wieder unter Kontrolle.

Unter Kontrolle… mächtig…

Schrecklich.


Freitag, 16. April 1976

Liebes Notizbuch,

Tja, Scheiße.

-Lily


_ „Reg," grüßte James Potter enthusiastisch und lehnte sich gegen den Bibliothekstisch, den der Hufflepuff Reginald Cattermole belegte. „Kann ich mich dir anschließen?" Reginald nickte und schob ein paar Bücher aus dem Weg; James warf seine Büchertasche über den Tisch und setzte sich, seine Arme über der Tasche verschränkend und sein Kinn auf ihnen absetzend. „Was machst du so, Kitty Cat?"

„Kräuterkunde," antwortete der Hufflepuff in seiner tiefen, kratzigen Stimme. „Ich fange mit dem Hornwort Aufsatz an." Seine blauen Augen verengten sich misstrauisch. „Was tust du hier in der Bibliothek? Ich habe dich noch nie hier gesehen."

„Ich komme nicht oft her," gab James zu. „Wenigstens - nicht tagsüber. Warum machst du den Hornwort-Aufsatz? Den sollen wir erst am ersten Montag im Mai abgeben. Solltest du nicht erst am 1. Sonntag im Mai damit beginnen?"

Reg sah verwirrt aus. „Aber das ist ein Tag, bevor wir ihn abgeben müssen?"

„Genau."

„Du bist wirklich einer der Besten unseres Jahrgangs, oder?"

„Das wird mir gesagt," sagte James achselzuckend. „Gibt es hier Essen?"

„In der Bibliothek?"

„Mhm."

„Ich denke nicht."

„Ich wusste, es gab einen Grund, warum ich nicht herkomme."

Amüsiert seinen Kopf schüttelnd versuchte Reg zu seinen Hausaufgaben zurückzukehren. James, auf der anderen Seite, bewegte sich nicht. Er saß für einen Moment still und atmete dann laut aus. Reg sah auf. „Willst du nicht deine Hausaufgaben machen?" fragte er.

„Theoretisch ist das der Grund, warum ich hier bin," grummelte James. „Aber in Wahrheit bin ich nur gelangweilt."

„Wo sind die anderen Rumtreiber?"

„Lassen mich im Stich," James setzte sich ein wenig auf, immer noch über den Tisch gebeugt, aber mit seinem Kinn in der Handfläche und seinem Ellbogen aufgestützt. „Remus ist nach Hause gefahren um seine Mutter zu besuchen. Sirius ist mit seinem Onkel zu Mittag und Pete hat Nachsitzen, weil jemand behauptet, dass sie gesehen haben, wie er Mrs. Norris Pink gefärbt hat, obwohl ich nicht denke, dass sie viele Beweise hatten. Also dachte ich, schaue ich mir mal die ganze Bibliotheksszene an... gucke, worum all der Aufstand gemacht wird. Gibt es hier immer so viele Bücher?"

„Ähm - normalerweise."

Seltsam." James nahm eine Feder - eine von Reginalds- und begann sie zwischen seinen Fingern zu drehen. „Also, Kitty Cat, bist du immer noch mit dieser Fünftklässler-Braut zusammen?"

Reginald entfuhr ein großer, dramatischer Seufzer. „Greta und ich haben Schluss gemacht."

„Ah, das tut mir leid," sich aufsetzend fügte James hinzu: „Wenn es dir ein Trost ist, ich dachte immer, dass sie nach Käse riecht. Was ist denn mit ihr passiert? Hat sie sich in eine Maus verliebt?"

„Ich habe es beendet," sagte Reg ernst. „Sie hat mich bedrängt."

James hörte kurzfristig mit all seinen Spielereien auf. „Wie bitte?"

„Sie hat mich bedrängt," wiederholte Reg.

„Intim zu werden?" fragte James, der seinen Ton passend zu seinem Begleiter ernst werden ließ.

„Schlimmer," beichtete Reginald und schüttelte seinen Kopf. „Sie wollte, dass ich Wahrsagen wähle."

Es war ein Glück, dass die Bibliothekarin Mrs. Sevoy am anderen Ende der Bibliothek beschäftigt war, weil sie sonst sicherlich James für das bellende Lachen, das er nicht zurückhalten konnte, ermahnt hätte. Mehrere Vertrauensschüler, die an einem Tisch in der Nähe lernten, drehten sich jedoch um um ihn böse anzustarren und der Quidditchkapitän zeigte ihnen eine Grimasse. „Es tut mir leid," sagte er zu Reginald und fuhr mit einer Hand durch sein Haar, während die Belustigung noch nicht ganz aus seinem Gesicht verschwunden war. „Es ist wirklich nicht lustig. Ich meine - schon - aber ich sollte nicht lachen. Aber ernsthaft, du hast die richtige Entscheidung getroffen, Kumpel. Wahrsagen ist völliger Blödsinn. Jedenfalls... mach dir keine Sorgen wegen der Tussi; es ist wie meine gute alte Mum immer sagt: ‚Jag nicht die Quaffel, wenn du den Schnatz siehst.'"

Reg runzelte die Stirn. „Aber das macht keinen Sinn."

„Natürlich tut es das."

„Aber... ein Jäger jagt einen Quaffel. Ein Sucher jagt den Schnatz... das sind zwei verschiedene Positionen... ein Jäger darf nicht mal den Schnatz berühren. Er würde disqualifiziert werden!"

James öffnete seinen Mund um es zu erklären, entschied sich aber dagegen. „Das stimmt, Cat. Sehr wahr. Das ich muss meiner Mum erzählen, wenn ich sie das nächste Mal sehe."

„Ich bin überrascht, dass dir das nicht aufgefallen ist - wo du doch Quidditchkapitän bist."

„Du wirst es niemandem erzählen, oder?" Reginald versprach, dass er das nicht tun würde. „Oh, da ist noch etwas. Also..."

Aber James wurde von dem Geräusch von Lachen unterbrochen, was beide Zauberer aufsehen ließ. Ein breitschultriger Sechstklässler Ravenclaw namens Adrian Edgecombe stand mit ein paar seiner Freunde in der Nähe.

„Mischst du dich unter das gemeine Volk, Potter?" spottete Adrian.

Reginald glühte rot und schaute weg, aber James verdrehte seine Augen. „Erst seitdem ich mit dir rede, Adriana."

Ein paar von Adrians Freunden sahen empört aus, aber Adrian schnaubte nur. „Ich wusste nicht, dass du jetzt mit Hufflepuffs herumrennst. Besonders solchen Nagetieren wie Cattermole. Überlegst du, ihn zu einem neuen Rumtreiber zu machen? Oder willst du ihn vielleicht ins Quidditchteam kriegen? So suchst du dir doch deine Jäger aus, oder? Deine Kumpel?"

„Eigentlich ziehe ich nur Namen aus einem Hut," entgegnete James. „Und die lustige Sache ist, dass wir immer noch besser sind als Ravenclaw."

„Das war ein fauler Trick beim letzten Spiel und das weißt du."

„Deine Jäger sind mittelmäßig und dein Hüten ist lächerlich, Andrea. Komm drüber weg."

Adrians Gesicht wurde rot vor Wut, als James sich wegdrehte und sich wieder über seinen Tisch lehnte. „Genieß deine 15 Minuten, Cattermole. Nächste Woche kriegt er dich wieder mit einem Levicorpus."

„Raus hier," befahl James gefährlich, aber Adrian hatte drei Freunde bei sich und fühlte sich stark im Vorteil.

„Wirklich, Potter, für jemanden von einer alten Familie hast du echt keine Standards, oder? Und ich meine nicht bloß Cattermole... das Gesindel, mit dem du rumhängst - Pettigrew, Lupin...?"

Mit einem Krachen fiel James Büchertasche zu Boden, als der Zauberer aufstand und so schnell herumfuhr, dass er seinen Stuhl umkippte. Der Stuhl jedoch hatte noch nicht einmal den Boden berührt, bevor der Zauberstab des Rumtreibers gezogen und auf Adrian Edgecombe gerichtet war, der zum ersten Mal ehrlich ängstlich aussah.

„Du würdest es nicht wagen," sagte er, nicht zu selbstsicher (weil James den Ruf hatte, Dinge zu tun, die vernünftige Leute nicht tun würden). „Ms. Sevoy ist direkt dort hinten und meine Freunde würden dich verhexen, bis..."

„Ich habe keine Angst vor deinen Freunden, Angelina," antwortete James grinsend. „Und selbst, wenn die mir etwas antun könnten, ich wette, ich könnte dir zuerst deine Ohren abnehmen." Adrian schluckte sichtbar.

„Nimm deinen Zauberstab runter, Potter," krächzte er, „Oder sie werden deine Füllung aus dir heraus fluchen."

„Legt los," lud James ein.

Adrians drei Freunde zogen ihre Zauberstäbe, zögerten aber. „Worauf wartet ihr?" Wollte ihr kompromittierter Anführer wissen.

„Ms. Sevoy ist genau da," murmelte einer von ihnen.

„Oh, um Merlins Willen."

Aber bevor etwas passieren konnte, unterbrach eine neue Stimme - in einem lauten Flüstern. „James, Edgecombe, was tut ihr?"

James drehte sich lächelnd zu dem Neuankömmling um. „Hallöchen, Schulsprecher."

Frank Longbottom verschränkte seine Arme. „Was geht hier vor?"

„Nichts," sagte Adrian schnell. „Potter hat mir bloß eine neue... Zauberstabtechnik gezeigt. Stimmt doch, Potter?"

James schüttelte seinen Kopf. „Nein," sagte er einfach. „Ich war kurz davor, dich zu verfluchen und dann hast du deinen Freunden gesagt, dass sie mich verfluchen sollen. Die Füllung aus mir hexen, glaube ich, waren deine genauen Worte. Ich persönlich habe mich darauf gefreut."

Adrian blickte böse, aber James strahlte ihn gerade zu als Antwort an. Frank seufzte. „Zauberstäbe runter, ihr alle," wies er müde an und die Zauberer gehorchten alle. „Wirklich, was habt ihr euch gedacht? Madame Sevoy ist genau auf der anderen Seite der Regale."

„Aber, Schulsprecher," protestierte James, der seinen Zauberstab wieder zurück in die Tasche seinen Umhangs steckte, „wäre es nicht wert gewesen, Antonia hier ohne Ohren zu sehen?"

„Du hast bloß Glück, dass Longbottom vorbeigekommen ist,Potter," knurrte Adrian.

Frank verdrehte die Augen. „Ich hab nicht interveniert um ihn zu beschützen, Edgecombe. In Ordnung, brecht es also ab. Ich schätze, ihr habt etwas besseres in der Bibliothek zu tun als euch in Hausstreitigkeiten verwickeln zu lassen..." Das sagte er mit einem besonderen Blick auf die Ravenclaws, die nachtragend mit einem bösen Blick auf die zwei Gryffindors und den Hufflepuff zu einem anderen Teil der Bibliothek abrückten.

„So dankbar ich für das Kompliment bin, Schulsprecher," sagte James, der den Stuhl wieder hinstellte, „du hättest mich ihn verhexen lassen sollen. Er hat es verdient."

„Zuallererst, wenn du ihn verhext hättest, hätte ich Punkte abziehen müssen," bemerkte Frank. „Und zweitens, warum fühlst du dich gezwungen, mich Schulsprecher zu nennen?"

„Weil es sich cool anhört und weil es so auf deinem scheinenden Abzeichen steht."

Frank seufzte. „Ich hoffe, dass du eines Tages Schulsprecher bist, damit Leute dich dafür aufziehen können." Die zwei Gryffindors sahen sich an und lachten dann.

„Richtig, okay," spottete James. „Wenn das passiert, dann darfst du dich gern über mich lustig machen." Er nahm seine umgedrehte Büchertasche und sah zu Reginald. „Alles klar, Kitty Cat?"

„Alles gut," sagte Reg. „Ich kann nicht glauben, dass du dich beinahe in der Bibliothek duelliert hättest?"

„Haltet die Lautstärke unten, ihr zwei," warnte Frank. „Diese Vertrauensschüler am nächsten Tisch sehen so aus, als ob sie gleich ein Attentat auf euch ausüben."

„Sicher doch, Schulsprecher," wisperte James als Antwort und salutierte dazu: „Oi, nebenbei, Slughorn veranstaltet ein kleines Treffen nächsten Freitag. Wirst du teilnehmen oder werde ich dich bei den Toadies treffen?"

„Ich muss zu Slughorn," murmelte Frank grimmig. „Weißt du, wie viele schamlose Einschleim-Möglichkeiten es geben wird? Und jetzt, wo die UTZe näher rücken, bin ich nervös genug, ob ich es ins Aurorenprogramm schaffe..."

„In Ordnung, in Ordnung. Klau ein bisschen Essen und komm später noch vorbei, ja?"

„Klar."

„Grüße an Alice." Frank wurde ein wenig rot, als er winkte und zu seiner Arbeit in den Regalen zurückkehrte. James setzte sich hin und drehte sich wieder zu Reg. „Jedenfalls, wo waren wir wieder?"

„Was hat Adrian Edgecombe eigentlich gegen dich?" wollte der Hufflepuff neugierig wissen. James zuckte die Schultern.

„Eh, wer weiß? Neidisch auf mein unglaubliches Aussehen, oh, und seine Freundin hat ihn vielleicht für mich verlassen, aber... seh mich nicht so rehäugig an, Kitty Cat, es war nicht meine Schuld. Jaqueline stand auf mich, aber sie ging mit Edgecombe aus und ich stand nicht wirklich auf sie, also habe ich ihr gesagt, dass ich keine Tussi mit Freund küsse und sie hat mit ihm Schluss gemacht."

„Jaqueline Dufont?"

„Mhm."

„Warum steht du nicht auf Jaqueline Dufont?"

James zögerte. „Wie ich gesagt habe - jag nicht die Quaffel, wenn du den Schnatz siehst."

„Aber..."

„Ja, ich weiß, Jäger jagen die Quaffel, Sucher jagen den Schnatz," James grinste. „Also was hat Adriatic gegen dich?"

Reginald blickte finster. „Ich bin im zweiten Jahr über seinen Schuh gestolpert. Seitdem hat er die Verhexungen, die er in Verteidigung lernt, an mir geübt."

„Dieser Arsch!"

„Das hast du auch gemacht," bemerkte der Hufflepuff.

„Autsch, Cat," James dachte darüber nach. „In Ordnung, fair, aber ich bin reformiert. Und als eine nette Geste lade ich dich zu den Toadies ein."

„Den was?"

James starrte ihn ungläubig an. „Du hast noch nie von den Toadies gehört?" Reginald schüttelte den Kopf. „Kitty Cat, ich liebe dich offiziell. Tatsächlich lasse ich mir vielleicht sogar einen neuen Spitznamen für dich einfallen, einfach nur, weil ich dich so liebe. Tja, wahrscheinlich nicht, weil ich noch ziemlich an „Kitty Cat" hänge, aber trotzdem..."

„Was sind die Toadies?"

„Eine Party," erklärte James. „Immer, wenn Slughorn eine seiner großen, elitären ‚Schau, wie viele Freunde ich habe'-Parties veranstaltet, schmeißen die Rumtreiber eine Gegenbewegungsparty in einem leeren Klassenzimmer."

Reg sah verwirrt aus. „Warum?"

„Weil es Spaß macht, weil wir lieber mit Leuten rumhängen, die nicht zum Slug-Club eingeladen sind und weil es eine Ausrede ist, um zu viel zu trinken. Ich kann nicht glauben, dass du noch nie von ihnen gehört hast... sie sind legendär. Episch."

„Tja, wie könnte ich? Ich war noch nie eingeladen."

„Richtig, aber... ich meine, hast du dich nie gefragt, wie es kam, dass Mundungus Fletcher so voll war, dass er versucht hat, einen Kopfsprung auf das Quidditchfeld zu machen?"

„Mundungus Fletcher hat versucht einen Kopfsprung auf das Quidditchfeld zu machen?"

„Anscheinend nicht... Tja, hast du dich nie gefragt, was Stephanie Belby damals getan haben könnte um diese Ravenclaw-Slytherin-Fehde im vierten Jahr zu starten?"

„Wann gab es denn eine Fehde zwischen Ravenclaw und Slytherin?"

Wirklich, Reggie? Aber - komm schon, du musst dich über das blaue Auge von Liam Lyle gewundert haben, das nicht verheilt ist? Oder die Butterbier-Überschwemmung im Korridor des fünften Stocks? Oder diesen einen Montag, als die Hälfte unseres Jahrgangs nicht zum Unterricht erschienen ist, weil sie noch vom Samstag davor verkatert war?"

Reginalds Gesichtsausdruck blieb leer. James betrachtete ihn nachdenklich. „Du gehst schon auf diese Schule, oder?"

„Ich bin nicht sehr gesellig," gab Reg zu. „Ich hatte im Januar zum ersten Mal Feuerwhiskey und das ist anscheinend ein Jahr nach allen anderen."

„Ein Jahr nach den Spätzündern," korrigierte James. „Aber keine Sorge. Wir helfen dir beim Aufholen."

„Ich will nicht aufholen. Ich will nicht einen Kopfsprung auf das Quidditchfeld machen wollen oder ein blaues Auge haben, das nicht weggeht oder eine Fehde zwischen Ravenclaw und Slytherin verursachen."

„Tja, mach dir keinen Kopf wegen dem letzten... ich halte viel von dir, Reg, aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass du das tust, was Stephanie Belby getan hat." Er schauderte. „Jedenfalls wird dich keiner zwingen, dich zu besaufen und es muss andere Dinge geben, die man abgesehen von trinken tun kann... ich bin mir nicht sicher, was, aber das muss es geben." Reginald sah immer noch skeptisch aus, also fügte James hinzu: „Rumtreiber Ehrenwort. Ich verspreche es. Außerdem werden Mädchen da sein... jede, jede Menge davon."

Der Hufflepuff zögerte und fragte dann: „Wird Lily Evans da sein?"

James Augenbrauen schossen überrascht hoch. „Lily Evans? Großer Merlin, was ist mit diesem Mädchen? Nein, ich schätze nicht. Sie ist eine Sluggy. Hey, ich dachte, du wärst eher in der Mary Macdonald Fraktion..."

Reginald wurde rot. „Mary ist wirklich nett... ich mag sie schon, aber Lily ist..."

„Ja, ich weiß, was du meinst," seufzte James die Augen verdrehend. „Jeder liebt Evans. Das ist diese ganze Dauer-Sonnenschein-Sache, die sie am laufen hat. Sie hat aber einen Freund. Jedenfalls, bist du bei den Toadies dabei?"

„Ich schätze..."

„Super." James hing sich wieder die Büchertasche um. „Also, Kitty Cat... sag mal, ist es erlaubt, sich die Bücher auszuleihen...?"


Das Schlagen der Tür des Mädchensschlafsaals ließ Lily sich erschrocken aufsetzen und die Vorhänge um ihr Himmelbett aufziehen. Donna stürmte in den Raum, ausgerüstet vom Quidditchtraining. Sie warf ihren Besen auf den Boden und ging direkt ins Badezimmer.

„Don?" fragte Lily und folgte ihrer Freundin. Sie waren alleine im Schlafsaal, da es noch relativ früh war und Lily sich nur hierher zurückgezogen hatte um sich vor Luke zu verstecken. „Was ist denn etwas los? Ist etwas beim Training passiert?"

Im Badezimmer spritzte sich Donna Wasser über ihr schlammverspritztes Gesicht. „Nein," fuhr sie sie an. „Nichts ist los. Mir geht es absolut super! Kannst du das nicht sehen?!" Sie riss ihre Armschoner ab, warf sie in eine Ecke, bevor sie an Lily vorbei in den Schlafsaal schlüpfte.

„Was ist passiert?" wollte Lily wissen und folgte ihr wieder.

„Ich hab den verdammten Spielzug nicht hingekriegt," sagte die andere, sie riss den Gummi raus, der ihr lockiges Harr hielt und wer weiß, wo er landete. Ihre Stiefel landeten mit einem lauten Krachen neben einem Bett und als Donna die Schublade ihrer Kommode öffnete, riss sie sie beinahe ganz heraus. „Wir haben ihn 15 Mal wiederholt und ich habe es ihn jedes Mal verkackt! Dann hat Potter geschrien und ich habe geschrien und es hat geregnet und wir haben eine halbe Stunde verschwendet und ich hab den verdammten Spielzug immer noch nicht hingekriegt!"

„Don, Liebes, es ist okay... du kriegst ihn morgen hin. Beruhig dich."

„Ich werde mich verdammt nochmal nicht beruhigen!" schrie Donna. Sie schloss die Kommode mit einem Krachen und warf dabei einige Gegenstände von dem Möbelstück. „Ich habe noch nie so lange gebraucht um einen Spielzug zu lernen! Ich war wie ein scheiß Zweitklässler! Und, ja, und noch dazu, habe ich für meinen Alte Runen Aufsatz ein A bekommen. Ein A! Wie zur Hölle soll ich mit ‚akzeptablen' Noten Schulsprecherin werden?"

Lily war still, während Donna die Dinge, die sie umgeworfen hatte, wieder wütend zurück auf die Kommode warf. „Es wird alles in Ordnung kommen," sagte sie beruhigend. „Niemand ist besser in Alte Runen als du. Und du wirst auch den Quidditchspielzug hinkriegen. Du musst dich einfach beruhigen und atmen, okay? Ich kenne dich - wenn du dich einfach beruhigst, kommt das in Ordnung."

„Du weißt gar nichts," fuhr Donna sie an. „Du hast keine Ahnung, worüber du redest. Wie könntest du? Du bist so mit deiner perfekten kleinen Beziehung mit deinem perfekten kleinen Welpenfreund beschäftigt, dass du keine Ahnung hast, was mit mir los ist!"

Lily überwand ihre Überraschung über die Wende des Gesprächs um zu entgegnen: „Das ist nicht fair, Donna, und das weißt du! Ich habe es versucht! Du wirst mir nicht erzählen, was mit dir los ist!"

„Tja, es tut mir leid, dass ich keine Lust habe, dir jedes Detail meines Lebens zu berichten!"

Lily wusste, dass sie ihre Freundin nicht noch mehr aufregen sollte, weil Donna in einer Konfrontation nie nachgab, aber sie konnte sich nicht zurückhalten. „Gut, aber dann motz mich nicht an, weil ich nicht Bescheid weiß!"

„Gut!" Donna warf die Klamotten, die sie gerade zusammengesucht hatte zu Boden und verschränkte ihre Arme vor der Brust. „Du willst wissen, was mit mir los ist? Ich sag es dir? Ich schlafe mit Charlie Plex!"

Überrumpelt versuchte Lily ihre Gedanken zu ordnen: „Charlie Pl- von der...?"

„Ja! Von der Party an Weihnachten! Charlie Plex aus Ravenclaw! Charlie Plex mit der Freundin!"

„Donna, ich..."

„Tu´s nicht! In Ordnung? Tu es nicht. Ich will es nicht hören! Ich will nicht hören, warum du denkst, dass es falsch ist und dass du weißt, was das Beste für jeden ist und dass du so verdammt perfekt bist, dass du glaubst, dass du mir sagen kannst, was ich tun soll!"

„Donna, ich habe nichts gesagt!"

„Das musst du gar nicht!" rief die andere. „Ich weiß genau, was du sagen willst! Du wirst mich ganz rührselig und verständnisvoll ansehen und dann etwas mitleidiges sagen - oh, es tut mir leid, Don...!" Ihr Stimme tropfte vor süßlichem Sarkasmus, „und du wirst dich so schlecht für mich und meine Entscheidung fühlen und die ganze Zeit denken: Oh, wenn sie bloß so perfekt wie ich sein könnte! Perfekte, jungfräuliche Lily Evans, die jeder liebt! Und deshalb habe ich es dir nicht gesagt, Lily, weil ich genau weiß, wie du die Welt siehst, und wenn jemand nicht in dieses Zuckerguss-Märchen passt, dann ist das verdammt schade!" Sie hielt inne um Luft zu holen.

„Woher kommt das alles?" wollte Lily wissen.

„Es ist die Wahrheit, oder?" spuckte Donna.

Sie standen in Stille und starrten sich durch den Schlafsaal an. Dann schüttelte Lily den Kopf. „Ich muss mir das nicht anhören," sagte sie kalt.

„Nein, natürlich nicht! Wie kann ich es wagen, deine glücklichen kleinen Gedanken zu stören? Wie kann ich es wagen, dich damit zu belästigen, wenn du doch dabei sein könntest, mit deinem süßen kleinen Prinz Charming herumzumachen?"

„Was zur Hölle auch immer los ist mit dir, hör auf, es an mir auszulassen!" fuhr Lily sie an. „Du hast keine Ahnung, wovon du redest, Donna Shacklebolt! Du hast keine scheiß Ahnung, was mit mir oder Luke oder irgendwas los ist, also tu nicht so!"

„Oh... richtig... tut mir leid." Donna verschränkte ihre Arme über ihrer Brust und forderte Lily mit ihrer Haltung heraus. „Harpers Daddy ist gestorben. Wie verdammt tragisch. Weißt du, Leute sterben. Das Leben geht weiter - wie für mich auch. Aber ich wette, dass du einfach die perfekte Freundin bist, seine Hand hältst und dich so märtyrerhaft und tugendhaft dafür fühlst. Merlin, ich wünschte, ich wäre so gut wie du!"

Lily verstummte, als eine Million unaussprechliche Emotionen ihr Blut zum Kochen brachte. Donna schien plötzlich zu erkennen, dass sie die Grenze überschritten hatte, aber das verschwand schnell aus ihrem Gesichtsausdruck; sie sah einen Moment später trotzig aus, als ob sie entschlossen wäre, nichts zurückzunehmen... Lily entgegnen zu lassen, was sie wollte. Sie bereute es, als sie die Wut in den Augen ihrer Freundin blitzen sah.

„Schön," sagte Lily. „Weißt du was, du bist so wütend auf mich, dass ich nicht weiß, was in deinem Leben los ist... wann war das letzte Mal, dass du jemanden gefragt hast, wie es ihnen geht? Weil, wenn du dir die Mühe machen würdest, das ab und zu zu machen, wärst du vielleicht überrascht zu sehen, dass du nicht die Einzige bist, der es scheiße geht. Also steh hier nicht so aufgeblasen, weil du mit einem Idioten herumhurst, okay?"

„Oh, es tut mir leid!" bellte Donna wieder sauer und harsch lachend. „Etwas stimmt nicht in deinem Leben? Hast du eine Wimper verloren? Hat der verdammte Harper vergessen, dich zu Zauberkunst zu begleiten?"

Die Farbe stieg in Lilys Gesicht und ihre Augen blitzten wieder gefährlich. „Du hast Recht," sagte sie, gefährlich leise. „Denn dass du so scheiße beim Quidditch bist, ist so viel wichtiger. Komm drüber weg, Shacklebolt und in der Zwischenzeit, bleib von mir weg."


(Herr Tamborin Mann)


Samstag, 17. April 1976

Liebes Notizbuch,

Heute war scheiße, mit Untertönen von okay.

Hat wieder den ganzen Tag geregnet, außer für eine Weile am Abend.

-Lily


Donna redete mit niemandem. Sie verbrachte den Samstag damit, den Spielzug, den sie am Tag zuvor beim Quidditchtraining nicht geschafft hatte, zu üben, bis die Slytherins gegen drei für ihr eigenes Training am Feld ankamen. Dann zog sie in den Schlafsaal zurück und redete mit niemandem.

Es wurde Marlene sofort klar, dass etwas zwischen Lily und Donna nicht stimmte, aber Lily wollte nicht darüber reden und Donna wollte überhaupt nicht reden, also konnte sie nur spekulieren.

„Ist etwas los, Blume?"

Selbst Luke bemerkte, dass etwas mit seine Freundin nicht stimmte. Sie spazierten nach dem Abendessen über die Ländereien und als er ihre Hand nahm, wurde ihr wieder einmal bewusst, dass sie nichts fühlte.

„Nein," log sie. „Müde, das ist alles." Aber sie wollte lieber weinen, ein Drang, der sich nur noch verstärkte als er ihr einen „Gute Nacht"-Kuss gab und ihr sagte, dass er sie liebte. Etwa schien in ihr hochzukochen, wie Wut oder Angst oder etwas ganz anderes und sie wagte es nicht, zu viele Wörter zu sagen, damit der Druck nicht zu groß wurde und platzte. Luke war außer Sichtweite, bevor Lily sich bewegte.

„So ein Gentleman," seufzte die fette Dame. „Passwort, Liebes?"

Aber Lily gab ihr nicht das Passwort. „Noch nicht," sagte sie. „Ich gehe noch spazieren." Sie hörte die Warnung wegen der näherrückenden Sperrstunde von der Dame im Bild, aber schenkte ihr wenig Beachtung. Jetzt war nicht die Zeit für Sperrstunden.

Sehr schnell gehend und ohne zu wissen, wohin sie ging, fühlte Lily, wie der Druck sich in ihr aufbaute, sodass, als sie endlich im Hof stoppte, ihre Hände vor einer seltsamen Leidenschaft zitterten. Die kühle Frühlingsluft auf ihrem heißen Gesicht kühlte sie, aber beruhigte sie nicht. Eine Welle von Antriebslosigkeit überkam sie und Lily setzte sich auf die Mauer, die den runden, angehobenen Garten in der Mitte des Hofes umgab. Und dann weinte sie.

Wegen Luke oder Donna oder beiden, sie hatte keine klare Ahnung, aber es war zu viel. Sie wollte aufstehen und rennen und doch spürte sie die Sinnlosigkeit dessen. Sie wusste einfach nicht, was sie mit sich tun wollte und es wurde zu viel um es zu ertragen. Und so fand James Potter sie, ziemlich zufällig, fast zehn Minuten später.

„Evans," sagte er dumpf, erschrocken von der zerzausten, schluchzenden Rothaarigen vor ihm. „Bist du okay? Was ist passiert?" Automatisch und ohne festes Ziel begann James auf sie zuzugehen, aber Lily - die scharf einatmete - hielt eine Hand aus um ihn zu stoppen.

„Nein, bitte," sagte sie - eine Mischung aus Schluchzen und Anfahren - „Bitte, tu es nicht. Ich kann damit gerade nicht umgehen. Ich kann nicht mit deinem Drängen und deinem Stoße umgehen... ich kann nicht mit einem Streit, oder einer Konversation oder was zur Hölle wir auch immer am Ende tun umgehen, also bitte, bitte, bitte lass mich einfach in Ruhe!" Sie sprach mit einem solchen Eifer und Verzweiflung, dass jede vernünftige Person das arme Mädchen sofort in Ruhe gelassen hätte.

James war nicht immer eine vernünftige Person.

Als Lily in ein weiteres Mal in Tränen ausbrach, setzte er sich neben sie. Jede vernünftige Person hätte sie sich ausheulen lassen... still darauf gewartet, dass sie das sagte, was sie sagen wollte, aber - tja, ihr wisst, wie es weiter geht.

„Was ist los?" wollte er wissen und machte sich nicht die Mühe, seinen Ton leise zu halten. Er verstand das Mitleid und den Schmerz, den er fühlte, aber warum sollte er sich plötzlich so irrational wütend fühlen - warum sollte er plötzlich jemanden oder etwas richtig gern verhexen wollen (besonders Luke Harper... er hatte ein Gefühl, dass dieser scheiß Ravenclaw in irgendeiner Art und Weise dafür verantwortlich war) - das war ihm einfach schleierhaft. James hinterfragte es nicht. Er wartete einfach darauf, dass Lilys Atem sich genug beruhigt hatte, dass sie sprechen konnte.

„Ich weiß nicht, was mit mir los ist," gab sie zu, schniefend und wütend die Tränen aus ihrem Gesicht wischend (ihr war bewusst, wenn auch nur leicht, dass es ihr absolut peinlich war). „Alles ist einfach so..." sie verdeckte ihr Gesicht mit einer Hand, „scheiße."

„Was ist passiert?" fragte James verwirrt.

„Nichts!" sagte Lily schrill. „Nichts ist passiert, ich bin einfach... tja, ich meine, ich bin in der schlimmsten, unehrlichsten Beziehung, die möglich ist, eine meiner besten Freundinnen hasst mich unerklärlicherweise und da ist ein verdammter Krieg am Laufen, an dem niemand in der Lage scheint, etwas zu verändern! Aber, eigentlich, ist alles okay! Perfekt, eigentlich, wenn man Donna fragt! Perfekte Lily Evans mit ihrem perfekten, kleinen Leben und ihrem perfekten kleinen Freund und - weißt du, wenn ich Probleme habe, dann fühle ich mich nicht gezwungen, jemanden umzubringen oder den ersten Kerl zu vögeln, der sich bewegt, also vielleicht sollte sie einfach ihre verdammte Klappe halten, weil wenigstens habe ich gesunde Arten, wie ich mit all den schrecklichen Dingen umgehen kann!"

„Wie alleine im Hof zu weinen?" fragte James.

„Du bist auf dünnem Eis, Potter," knurrte Lily und drohte mit dem Finger in seine Richtung. James seufzte und knetete zwanghaft seine gefalteten Hände. Er lehnte sich nach vorne, stützte seine Ellbogen auf seinen Knien ab und fragte: „Also, was war das mit Donna?"

„Ich weiß es nicht," Lily seufzte. „Sie ist gestern im Schlafsaal einfach explodiert... ich weiß nicht mal, warum sie wütend war. Sie starrt mich wütend an und hat seitdem kein Wort mit mir gesprochen."

„Es ist wahrscheinlich nicht deine Schuld," sagte James. „Sie hat eine schreckliche Laune."

„Oh, das weiß ich," sagte Lily. „Aber sie will mir nicht sagen, was los ist und sie - Oh, Merlin, das hört sich blöd an - aber sie hat mich wirklich mit all dem verletzt, was sie mir an den Kopf geworfen hat... ich weiß nicht. Es war vermutlich der letzte Tropfen, der den Kessel zum Überlaufen gebracht hat, schätz ich, aber ich - ich brauche meine Freundin. Ich - ich brauche es, dass sie für mich da ist und ich will für sie da sein, aber Agrippa, es war bloß ein Tag," stöhnte sie, „Ich bin jämmerlich."

Evans."

Sie saßen eine Weile in Stille, bevor Lily müde fortfuhr. „Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll." Ihr Gesicht verzog sich in eine seltsame Grimasse, als ob sie mehr Tränen zurück hielt.

„Was meinst du?"

„Ich bin so verwirrt," murmelte sie. Sie strich sich ihr dickes, rotes Haar aus ihrem Gesicht, es ungeschickt hinter ein Ohr steckend um ihr Gesicht, das bleicher als gewöhnlich war, zu enthüllen. Ihre Wangen waren fleckig; ihre müden, grünen Augen schienen im gedämmten Licht der Sterne und weit entfernten Fackeln, aber sie hatte komplett aufgehört zu weinen. „...wegen allem. Und ich fühle mich einfach so hilflos." Sie schniefte.„Es ist, als ob ich mir selbst zuschaue, wie ich mich bewege, als ob es nicht ich wäre. Ich fühle mich so... künstlich, aber ich traue mich nicht ehrlich zu sein, weil ich dann egoistisch bin. Und ich bin mir nicht sicher, was besser ist - lügen oder egoistisch sein." Sie hustete. „Weißt du, was ich meine?"

James entschied sich diese Frage nicht zu beantworten. „Lily, worum geht es hier eigentlich?" fragte er. Sie sah ihn seltsam an. Sie hatte seine Stimme noch nie zuvor so gehört - so weich - und sie fragte sich, ob etwas an ihren Ohren war. Und er hatte sie „Lily" genannt. Dann, ohne genau zu wissen, warum, erzählte sie ihm genau, worum es hier eigentlich ging.

Sie fing mit dem Anfang an, mit Luke und Logan Harper am Valentinstag, arbeitete sich unwillig durch diese Nacht durch, durch Lathes Besuch, die Akte von Logan, der Tod von Lukes Vater, die dutzende Male, die sie versucht hatte, die Sache zu beenden, nur um durch eigene oder äußere Kräfte daran gehindert zu werden, durch Donnas Ausbruch am Tag zuvor und Lukes Gute-Nacht-Küsse und schließlich, ihre momentane Situation- verwirrt und gefangen. James hörte still zu; Lily wagte es nicht zu ihm zu sehen, aber wenn sie es getan hätte, hätte sie einen wahren Cocktail von Emotionen gesehen, die sich auf seinem Gesicht abspielten, die er alle nicht besonders gut verstecken konnte.

Schließlich beendete sie ihre Geschichte, sie schien nicht mehr mit den Tränen zu kämpfen. Ihre Stimme war steinern, ruhig und beinahe (es war so seltsam) gelangweilt geworden. „Und deshalb bin ich hier," schloss sie trocken. „die Jungfrau in Nöten, die du vor dir siehst."

James konnte nicht anders, ein leichtes Lächeln schlich sich auf seine Lippen, als Lily ihm zum ersten Mal, seit sie ihre Geschichte begonnen hatte, in die Augen schaute.

„Was?"

„Evans," sagte James, amüsiert seinen Kopf schüttelnd, „an dir ist nichts Jungfrau-in-Nöten-mäßiges. Du hast einen Todesser betäubt. Nein, noch besser, du hast ihn betäubt, direkt, nachdem du verhindert hast, dass er verblutet. Du bist bei einem Kerl geblieben, weil sein Dad gestorben ist, selbst, obwohl er Familienmitglieder hat, die dich töten wollen und ich bin mir ziemlich sicher, dass du das alles getan hast ohne einen Hausaufgaben-Abgabetermin zu verpassen. An dir ist absolut nichts wie eine Jungfrau in Nöten... außer, dass du theoretisch gesehen ein Mädchen bist und dass du theoretisch in Not bist."

Lily lachte gegen ihren Willen. „Tja, dankeschön dafür."

Er nickte und sie waren beide wieder still, bis er fortfuhr: „Also was wirst du jetzt machen?"

„Ich weiß es nicht," antwortete Lily. „Ich bin mir nicht sicher, was ich tun sollte. Was richtig ist, ist falsch und anders herum."

„Was sagt Harper zu all dem."

Lily schnaubte. „Er sagt, "Ich liebe dich, Blume"," James verstand offensichtlich ihre Anspielung nicht, also erklärte sie es. „Ich bekomme nichts von Luke zurück. Das hört sich schrecklich an - was ich meine ist: Ich will nicht, dass er mich beruhigt oder mir hilft oder mit mir darüber sprichst. Ich bin mit ihm zusammen, weil er mich gerade jetzt braucht und ich ihn einfach nicht im Stich lassen kann. Aber ich will nichts von ihm. Ich wünschte, ich täte es! Er ist... er ist das Ideal, weißt du? Ich wünschte, ich könnte einfach... aber ich kann es nicht. Ich fühle nichts für ihn und es ist schrecklich."

James schätzte, dass er sich für die Saltos, die sein Magen zu absolvieren schien, schuldig fühlen sollte, aber er schaffte es einfach nicht. Nichtsdestotrotz schaffte er es jegliche Hinweise, dass ihm dies in irgendwelcher Weise gefiel, aus seiner Stimme fernzuhalten. Es war nicht schwer, weil er es ernsthaft hasste, Lily so zu sehen.

„Keks, du musst auch an dich denken."

„Nein, muss ich nicht," sagte Lily dickköpfig. „Ich bin gerade einfach nur doof. Diese ganze Sache ist doof. Ich kann das - wenigstens dachte ich, dass ich das kann. James, musstest du je mit jemandem Schluss machen? Diesen Blick in ihren Augen sehen... wie du sie enttäuschst und verletzt hast und jeder hat Luke enttäuscht. Ich kann das nicht tun."

„Und... jetzt? Wirst du mit ihm für immer zusammen bleiben?" fragte James ein wenig harscher, als er wollte.

Lily atmete tief aus. „Um die Wahrheit zu sagen, hatte ich irgendwie gehofft, dass wir zum Ende des Schuljahres uns einfach auseinanderleben, wenn er die Schule fertig hat..." Sie lachte bitter. „Okay, ich weiß, das ist schrecklich, so etwas zu sagen."

James zerzauste sein unordentliches Haar sogar noch mehr und setzet sich gerade hin. Lily imitierte seine Haltung unbewusst. „Okay, ich werde dir sagen, was ich denke, Keks und du wirst es nicht mögen."

„Schieß los."

„Ich denke nicht, dass du wegen Luke mit Luke zusammenbleibst. Ich denke, du bleibst wegen dir mit Luke zusammen."

„Oh ja," sagte Lily sarkastisch. „Weil ich ein Masochist bin, der auf lieblose Beziehungen steht. Ins Schwarze getroffen, Potter. Wirklich."

„Was ich meine," beharrte James. „ist, dass du Angst hast, die Sache mit ihm abzubrechen, wegen dem Gefühl, was du dann haben wirst."

„Ich verstehe, also bin ich auf einem rechtschaffenen Selbstlosigkeits-Trip. Danke. Ich liebe immer deinen Input."

„Versteh mich nicht absichtlich falsch," antwortete James sauer. „Ich sage nicht, dass du es tust, weil du die Vorstellung magst, selbstlos zu sein oder überhaupt, weil du Angst hast, egoistisch zu sein... ich sage, du tust es, weil du dich nicht fühlen willst, als ob du jemanden verletzt hast. Selbst obwohl sie zu verletzen das ist, was auf lange Sicht wahrscheinlich das Beste für euch beide ist."

Lily runzelte die Stirn, sie antwortete zuerst nicht und als sie es tat, überraschte die Antwort James, „Du hast Recht."

„Jetzt, siehst du, ich wusste, du würdest - warte... was?"

„Du hast Recht," wiederholte sie. „Hauptsächlich. Ein Teil von mir denkt, dass er es wirklich nicht verkraften kann, aber... jeder Tag vergeht und er beschäftigt sich immer mehr mit mir und weniger mit seinem Dad oder seinem Bruder und ein Teil von mir erkennt, dass ich das schnell beenden sollte. Aber ich habe Angst ihn noch mehr zu verletzen und ich fühle mich - für ihn verantwortlich."

„Natürlich ist dir klar, dass je länger du wartest..."

„Desto schlimmer wird es, ja" Mehr Stille, dann: „Ich kann nicht glauben, dass ich dir gerade das alles erzählt habe."

„Ich verarbeite die Tatsache auch immer noch."

„Ich hätte es wirklich nicht tun sollen," fügte Lily hinzu und versuchte es zu bereuen. „Es war einfach nur so schrecklich, alles so drin zu behalten. Aber..." Sie versuchte pragmatisch zu sein. „Es dir zu erzählen war unverantwortlich."

„Ich werde es niemandem erzählen." seufzte James.

„Nicht einmal den Logan Harper Teil?"

Er schüttelte den Kopf. „Du hast dafür sowieso schon alles erzählt, oder? Also selbst, wenn es…. mich stören würde, würde ich nicht... jedenfalls hast du es mir im Vertrauen erzählt... vermutlich."

Lily war es etwas unangenehm zu hören, dass sie James Potter etwas „im Vertrauen" erzählt hatte (obwohl sie wusste, dass er wohl Recht hatte). Sie wusste nicht, wie sie antworten sollte, also sagte die Hexe stattdessen: „Was machst du eigentlich hier draußen? Hast du mit deiner Karte da nachgeschaut, was eine Vertrauensschülerin nach Sperrstunde noch draußen macht?"

„Es ist noch keine Ausgangssperre," sagte James. „Und ich habe nicht einmal die Karte benutzt."

„Also war es einfach Schicksal," beobachtete Lily freudlos. „Aber daran glaubst du nicht, oder?"

„Nein, ich schätze nicht."

Lily runzelte die Stirn, tief in Gedanken versunken. James fragte sich vage, ob sie über Luke oder Donna nachdachte, ob sie die Vor- und Nachteile mit Harper Schluss zu machen abwog oder ob sie einfach über die potentiellen negativen Konsequenzen, all dies James Potter anvertraut zu haben, nachdachte. Folglich war der Quidditchkapitän angemessen verwirrt, als sie die Unterhaltung mit: „Aber was ist mit Geistern?" wiederbelebte.

James blinzelte: „Wie bitte?"

„Geistern."

„Nein, den Teil habe ich gehört, aber ich habe keine Ahnung, worüber du redest."

„Oh, richtig." Sie erkannte, dass er die letzten paar Minuten keinen Zugang zu dem Inneren ihres Kopfes hatte und nicht für diese Information verantwortlich gemacht werden konnte. „Wenn du nicht an Schicksal oder höhere Kräfte oder Sehen oder irgendwas glaubst, wie erklärst du dann Geister? Ihre Körper sind tot und in der Erde - sie müssen etwas sein, oder?"

James hob seine Augenbrauen. Redete sie wirklich über Geister? Jetzt? „Ich - ähm - ja, sie sind etwas..." Er sammelte seine Gedanken. „Aber ich dachte immer, dass sie irgendwie wie Bilder wären... Abklatsche, weißt du? Nicht wirklich empfindend, aber - du weißt schon - gute Imitationen."

Lily kaute unzufrieden auf ihrer Lippe. „Oh," war alles, was sie sagte, „Ähm..." Sie rieb ihre trockenen, aber fleckigen Wangen. „Ich schätze, ich sollte wieder nach drinnen. Ich denke, es fängt wieder zu regnen an." Aber James war vor ihr auf den Füßen.

„Komm," er nickte zu dem Torbogen, der sie zurückbringen würde. „Ich begleite dich."

„Das musst du nicht," merkte Lily an, die trotzdem an seiner Seite lief. „Du hast schon - ich meine, mir zugehört und alles..."

„Tja, was hätte ich tun sollen?" witzelte James halb. „Du hast mich gebeten zu gehen und ich könnte doch nicht das tun, was du willst, oder?"

„Es hätte einen schlechten Präzedenzfall schaffen können," stimmte Lily zu.

„Genau."

Selbst der vage düstere Unterton in der Unterhaltung ließ die Eigenartigkeit ihrer jetzt witzelnden Konversation nicht verschwinden, reflektierte James, als sie nicht unbehaglich auf ihrem Weg zum Gryffindorturm redeten. Die fette Dame war am Dösen, als die beiden das Porträt erreichten.

„Ich will runter zu den Küchen," sagte James. „Also lasse ich dich ab hier allein."

„Oh. Du hättest nicht..." Aber Lily hielt auf den Blick, den ihr Hauskamerad ihr sandte, inne. „Dankeschön," ersetzte sie stattdessen. „Für alles."

James zuckte die Achseln. „Tja, ich bin ziemlich fantastisch," gab er zu. Lily schüttelte ihren Kopf und verdrehte ihre Augen leicht lächelnd (aber andächtig, dachte James). „Und Lily," fügte er hinzu, bevor sie sich umdrehte um die fette Dame aufzuwecken. „Shack wird sich wieder einkriegen. Du bist die einzige Freundin, die sie hat. Sie ist nicht dumm genug, dass fallen zu lassen, nur weil sie in einer schlechten Stimmung ist."

Im warmen Fackellicht schienen James Augen mehr Gold in sich zu haben. Es ließ ihn sehr ehrlich aussehen, dachte Lily. Oder zumindest erklärte sie es sich so in ihre Kopf. Der Rotschopf nickte stumm und - dann schätzend, dass sie etwas sagen sollte - fügte sie hinzu: „Richtig. Dankeschön."

James nickte seinerseits und drehte sich um und ging, in einem leeren Klassenzimmer mehrere Etagen tiefer anhaltend. Dort zog er die Karte der Rumtreiber und seinen Zauberstab aus den Taschen seines Umhanges.

„Ich schwöre feierlich, dass ich ein Tunichtgut bin."

Der Lily-Evans-Punkt war im Gemeinschaftsraum mit den Marlene-Price-, Adam-McKinnon- und Mary-Macdonald-Punkten.

Aber du glaubst nicht daran, oder?" hatte sie ihn zum Schicksal gefragt. Er hatte zugestimmt, aber jetzt war er sich nicht mehr so sicher. Er glaubte - aufgrund jeder Menge Erfahrung mit Glück - war Schicksal sehr anders? Denn wenn die Dinge anders gekommen wären, wenn er die Karte früher an diesem Abend herausgezogen hätte, hätte er Lily Evans auf der Karte gesehen und er hätte sich einen anderen Hof für sein Vorhaben gesucht. Das erinnerte ihn an etwas...

James steckte die Karte wieder in die Tasche seines Umhangs zurück und zog aus der Tasche seiner Hose eine intakte Zigarette, die er geklaut hatte. Er ließ sie in einen Mülleimer auf den Weg nach unten in die Küchen fallen.


(Wahrscheinlichkeiten und Enden)


Samstag, 15. April 1976 (Ostersonntag)

Frühlingsferien fangen morgen an. Kaum jemand fährt aber nach Hause und Slughorn hält am Freitag einen Empfang für Celestina Warbeck, an dem ich vielleicht tatsächlich teilnehmen werde. Ich habe ihn in letzter Zeit entsetzlich vernachlässigt.

Frohe (ätzende) Ostern

-Lily


„Es tut mir so leid, Luke."

Der Blick in seinen dunklen Augen war so viel schlimmer, als selbst Lily erwartet hatte, als sie ihre schäbig gehaltene kleine Rede beendete und mit all ihrer Kraft Tränen zurückhielt.

„Es gibt nichts, was ich sagen könnte um deine Meinung zu ändern, oder?" fragte der Siebtklässler hilflos. Sie wünschte fast, er würde es versuchen, aber sie schüttelte ihren Kopf und er nickte stumm. „Ich schätze, dass ich vielleicht nicht überrascht sein sollte."

„Mir liegt so viel an dir," fuhr sie fort, „deshalb wäre ich gerne für dich da, solltest du irgendetwas brauchen. Aber mit dir zusammen zu sein - ist einfach nicht mehr das Richtige."

„Wegen dem, was mit Logan passiert ist?" fragte Luke.

„J-Ja." Das war nicht die ganze Wahrheit; es gab so viele Gründe, warum es nicht richtig war. Logan war einer von ihnen. Tatsächlich brachte der Versuch, sich an das letzte Mal zu erinnern, an dem es wirklich richtig zwischen ihnen war, sie so weit zurück, dass sie aufhörte zu suchen. Aber es war am Einfachsten, es einfach auf Logan zu schieben.

Luke nickte wieder. Er lehnte sich zu ihr und küsste sie weich auf die Wange, in ihr Ohr flüsternd: „Ich liebe dich wirklich, Blume." Dann ging er hastig davon.

Lily sah ihn davon gehen und nahm sich im Gegensatz dazu viel Zeit um die kurze Entfernung zum Porträt im Gryffindorturm zurückzulegen. Die fette Dame blickte sie böse an und zischte vermutlich eine Zurechtweisung, die Lily nicht wahrnahm.

„Asphodel."

Als Antwort auf das Passwort schwang das Porträt auf und Lily, ein wenig taub, schlüpfte hinein.


P.S. Ich habe mit Luke Schluss gemacht.


(Der verhexte Nachrichtenbringer)


Dienstag, 20. April 1976

Liebes Notizbuch,

ich wünsche mir eigentlich, dass wir diese Woche Unterricht hätten. Es würde die Dinge einfacher machen, diese Ablenkung zu haben, gerade da das Fehlen einer sinnvollen Aufgabe, die Schulgerüchteküche dazu antrieb, noch härter daran zu arbeiten, Gerüchte zu verbreiten und ich plötzlich interessant werde.

Habe den Nachmittag mit Sev in der Bibliothek verbracht. Habe Luke nicht gesehen.

-Lily


_ „Lupin ist zurück, wie ich sehe," beobachtete Severus Snape, als er mit Lily Evans an ihrem Lieblingsecktisch in der Hogwartsbibliothek saß. Der erwähnte Rumtreiber hatte gerade die Regale mit mehreren Büchern unter seinem Arm klemmend verlassen und obwohl er bleich und müde aussah, hatte sich sein Zustand minimal seit dem Vortag verbessert.

„Mmmm," antwortete Lily, gezwungen nonchalant. Selbst als Rumtreiber-Lästern mit Snape ihr nicht missfiel, hatte Lily es nie gutgeheißen, wenn ihr Slytherin - Freund intensives Misstrauen und Verdächtigungen Remus Lupin gegenüber hegte. Jetzt ging es mehr als je zuvor auf ihre Nerven.

„Seltsam, dass er so oft heimfährt," fuhr Snape skeptisch fort. Lily konnte seine schwarzen Augen auf ihr fühlen.

„Ja, seltsam."

„Und er sieht immer krank aus. Ich frage mich, ob, was auch immer seine Mutter hat, ansteckend ist."

„Möglicherweise."

„Er redet nicht mit dir darüber, oder?"

„Nein."

„Und diese idiotischen Freunde von ihm schleichen immer…"

„Sev," unterbrach Lily kurzangebunden und sah schließlich von ihrem Buch hoch. „Ich bin nicht in der Stimmung. Ich habe deine Theorien gehört und ich bin nicht in der Stimmung."

Severus war schlau genug, das Thema gut sein zu lassen.


(Das vierte Mal)


Mittwoch, 21. April 1976

Liebes Notizbuch,

ich bin mir nicht sicher, woher diese Schreibblockade herkommt, aber sie ist scheiße.

Mir fällt nichts ein, was ich schreiben könnte.

Verdammt.

Gute Nacht, schätze ich.

-Lily


„Lily?"

Ihre Augen von dem dunklen, sternbefleckten Himmel und dem Fenster, durch den sie ihn sah, wegreißend sah Lily, wie Carlotta Meloni von ihrem Bett aufstand, Verwirrung auf ihrem - selbst jetzt, um drei Uhr morgens makellosem Gesicht.

„Oh, hi," flüsterte Lily als Antwort, um nicht ihre anderen, schlafenden Zimmergenossinnen zu wecken.

„Du bist immer noch wach," bemerkte die Brünette rau und durchquerte den Schlafsaal. „Ist alles okay?"

„Oh… ja." Lily zuckte die Achseln. „Fit wie ein Turnschuh."

„Hast du einfach - hier gesessen, seit jeder ins Bett gegangen ist?"

„Nein..." Tja, theoretisch schon. „Ich meine, ich - ich habe ein wenig gelesen." Sie deutete zu dem lang vergessenen Pickwick Papers zu ihren Füßen auf der Fensterbank. Auf Carlottas erhobenen Augenbrauen hin füge sie hinzu: „Ich habe ein paar Probleme einzuschlafen, das ist alles."

„Oh." Carlotta, die ihr kleines Satin-Nachthemd glättete, zögerte, bevor sie sich auf den freien Platz auf der Fensterbank setzte. Lily - in einem übergroßen Miles-Daw-T-Shirt und karierten Pyjamahosen- versuchte sich nicht unsicher zu fühlen. „Ich habe gehört - ich habe gehört, dass du und Luke Harper Schluss gemacht haben."

„Ja."

„Du bist also nicht jemand, der weint, oder?"

Lily zuckte wieder die Achseln.

„Was ich meine," fuhr Carlotta fort, „ist, dass ich nicht gesehen habe, dass du dich mit Süßigkeiten vollstopfst oder traurige Lieder anhörst - ist das nicht, was Mädchen normalerweise tun?"

„Ich würde es nicht wissen." Sie waren still, dann fuhr Lily fort: „Du kannst wieder schlafen gehen. Mir geht's gut. Wirklich."

„Bist du dir sicher?"

Ja."

Carlotta seufzte und kam wieder auf ihre Füße. Sie hielt jedoch inne, bevor sie zu ihrem Bett zurückkehrte: „Hör zu, Lily," sagte sie leise. „ich weiß, dass wir nicht die besten Freunde sind und dass wir... unsere Meinungsverschiedenheiten dieses Jahr hatten. Aber wenn du mit jemand reden musst..."

„Mir geht es gut," wiederholte Lily. „Aber danke."

Nickend machte die Brünette einen Abstecher zum Klo für ein Glas Wasser. Lily hatte die Fensterbank verlassen, als sie zum Bett zurückkehrte.


(Ein harter Regen wird fallen)


Freitag, 23. April 1976

Liebes Notizbuch,

war bei Slughorn. Kein Kommentar.

-Lily


„Kein Snape heute Abend?" wollte Mary von ihrer Freundin wissen, als Lily sich ihr für ein Butterbier am Rand der dekorierten Halle anschloss, die früher als Slughorns Kammern bekannt waren. Mary war ein Stammgast bei Slughorns Partys, nicht, weil sie in irgendeiner Art ein Mitglied des Slug-Club war oder jemals eine Einladung von dem Zaubertränkemeister selbst ergattert hatte, sondern weil der „Plus Eins"- Zusatz auf verschiedensten Zauberereinladungen immer irgendwie auf sie zutraf. Dieses besondere Ereignis - ein Empfang für die Sängerin Celestina Warbeck - war keine Ausnahme.

„Er hat die Grippe," erklärte Lily stumpf; Severus war traditionell ihr Slug-Club-Begleiter. Donna hatte erst im dritten Jahr begonnen, Einladungen zu erhalten und sie war immer viel mehr an den besonderen Gästen interessiert als Lily es war. An diesem Abend hatte sie noch ihren Auftritt zu machen - was uncharakteristisch und schockend war, da sie typischerweise jede mögliche Gelegenheit für „Face to face" Zeit mit Letzteren nutzte. Selbst, wenn es anders wäre, war Lily nicht fantastisch auf Miss Shacklebolt zu sprechen, was sie ausgesprochen froh machte, dass Mary, Frank und Alice alle ihre Einladungen akzeptiert hatten.

„Oder vielleicht nimmt Snape bei den Toadies teil," schlug Mary trocken vor.

Lily schnaubte. „Richtig. Das ist es wahrscheinlich. Ich bin mir sicher, er witzelte gerade in diesem Moment mit Potter und Black herum."

Die Rumtreiber - manchmal mit; manchmal ohne Remus- fanden es amüsant, eine Gegenparty zur genau selben Zeit zu schmeißen, wie Slughorns Treffen. Sie hatten sie den „Toad Club" (AN: Kröten-Klub) genannt, als es im vierten Jahr begann, aber seitdem war es einfach zu „Die Toadies" abgekürzt wurden. Die, die eingeladen wurden, waren hauptsächlich die Mundungus Fletchers und Devang Patils der Schule: die unehrgeizige, leicht verrufene Horde, deren Namen Slughorn wahrscheinlich nicht wusste und doch ziemlich wahrscheinlich für ein bisschen mehr Spaß bei einer Party sorgen als die Anitole Gudgeons von Hogwarts, deren Slug-Club-Teilnahmerate perfekt war. Lily selbst nahm an den gelegentlichen Abendessen und den förmlicheren Partys - wie heute Abend - teil, weil sie, ehrlich gesagt, Slughorn mochte. Sicher war er ein bisschen zu sehr von sich selbst überzeugt und irgendwie ein Elitist, aber er hatte sich für Lily interessiert, bevor das irgendjemand sonst in Hogwarts getan hatte. Er hatte ihr Talent in Zaubertränke gefördert und alles getan um ihr akademisch zu helfen; sie konnten nicht anders als dankbar zu sein.

„Wenn wir von den Toadies reden," fuhr Mary fort und adjustierte die Spitze ihrer magentafarbenen Festumhänge, die ihr besonders gut standen. „Ich glaube, ich setze mich hier auch bald ab."

„Bitte nicht," bettelte Lily. „Ich muss bis mindestens neun Uhr bleiben und ich glaube nicht, dass ich es alleine tun kann. Jedenfalls, meinst du nicht, dass es dein Date stören wird, wenn du früher gehst?"

„Wer, Gus? Nö, glaube ich nicht," sie schüttelte ihr langes scheinend braunes Haar sorglos. „Du hättest selbst ein Date mitbringen sollen, weißt du."

„Fünf Tage, nachdem ich mit Luke Schluss gemacht habe?" antwortete Lily. „Ja, das wäre brillant."

„Hmm, du könntest Recht haben. Wie geht es dir eigentlich damit?"

„Gut, schätze ich."

Mary sah nicht überzeugt aus.

„Mir geht's gut, Mary. Wirklich." versprach Lily. „Natürlich kann ich auch etwas anderes sagen, wenn das bedeutet, dass du bleibst und mir Gesellschaft hältst..."

„Aber - aber Frank und Alice sind hier!"

Die zwei Siebtklässler waren in der Tat anwesend und standen am anderen Ende der Halle und unterhielten sich mit einem uralten Zauberer mit Krückstock. „Sie sind hier um Auroren anzuquatschen, die Schleimer," sagte Lily ihr. „Und ich weiß genau, dass sie zu den Toadies gehen, bevor der Gesang anfängt."

„Tja, ich bleibe noch für ein oder zwei Lieder," gab Mary nach. „Aber ich würde gerade für guten altmodischen Ale töten und sie schenken hier Sechzehnjährigen nichts aus, also werde ich heute zu den Toadies gehen und du wirst mich nicht stoppen können."

„Würde es mir nicht erträumen, Liebes. Du bist ein Lebensretter."

„Du sagst es. Oi - schau, Donna ist aufgetaucht."

Lily schaute dorthin, wo ihre Freundin hinzeigte und sah, dass Mary Recht hatte. In einem dunkelvioletten Kleid sah Donna sehr hübsch aus - und auch älter - als sie mit einem Ravenclaw-Jungen sprach, den Lily aus Alte Runen wiedererkannte. Tja, „sprach" im weitern Sinne: der Ravenclaw schien das meiste des Redens zu übernehmen.

Freude," grummelte der Rotschopf, und verschränkte ihre Arme. „Tja, wenigstens hat sie niemanden mitgebracht." Mary verstand die Charlie Plex Andeutung und verdrehte ihre Augen.

„Rote, warum redest du nicht einfach mit ihr? Ja, ich weiß, es ist komplett ihre Schuld, aber sie ist Donna und, sieh's ein, du bist praktisch die einzige Freundin, die sie hat."

„Wenn es komplett ihre Schuld ist, warum kann sie dann nicht zu mir kommen um zu reden?" wollte Lily wissen. „Und warum bist du auf ihrer Seite?"

„Bin ich nicht," beharrte Mary. „Aber wenn du nicht mit ihr befreundet bist, wer kommt dann bitte mit diesem Psycho klar?"

„Du könntest Recht haben," gab die Vertrauensschülerin zu.

„Das habe ich. Sie hat deine Katze gestern von ihrem Bett geworfen."

„Sie wirft Ira immer von ihrem Bett," merkte Lily an.

„Ja," gab Mary zu. „aber gestern hat sie sie wortwörtlich geworfen."

„Arme Ira. Warum muss Donna ihre Probleme an unschuldigen Kreaturen auslassen?"

„Genau. Außerdem, wenn du sie fragen könntest, ob sie diejenige ist, die meine Haarbürste verwendet, wäre ich dir sehr dankbar, weil die Bürsten krumm geworden sind."

„Das passt nicht zum Thema, Mary."

Rede mit ihr," sang Mary.

„In Ordnung."

Aber bevor Lily ihr Versprechen einlösen konnte, erschien Professor Slughorn, der sehr zufrieden mit sich selbst aussah. „Lily!" schwärmte er, „da ist jemanden, den ich dir sehr gerne vorstellen würde."

„Oh," sagte Mary schnell. „kann das zehn Minuten warten? Es gab da etwas, was Lily gerade t..."

Mary," zischte Lily, ihre Augen verdrehend. „Das kann warten."

„Meine Haarbürste!" antwortete Mary durch zusammen gebissene Zähne, Lily trat sie verstohlen, lächelte dann süßlich zum Zaubertränkemeister. „Tut mir so leid, Professor. Natürlich würde ich mich freuen, jeden zu treffen, den Sie vorstellen wollen..." Aber es wäre eine Lüge, wenn sie sagen würde, dass Teile ihrer Zustimmung nicht mit ihrem Zögern, mit Donna zu sprechen, verwandt war. Das änderte sich, als Slughorn wieder sprach.

„Sehr schön, sehr schön. Siehst du die Hexe dort hinten?"

Er deutete zu einer großen, dünnen Hexe mit stacheligen schwarze Haar und einem seltsamen Hut, von dem Lily vermutete, dass man ihn „schick" nennen würde. Jedenfalls hatte diese Frau etwas - ihre dünnen, dunkel gemalten Lippen und dünne Nase, ihre großen, violetten Augen und eindrucksvollen Ausdruck - das sehr vertraut war. Bevor Lily den Namen zuordnen konnte, fuhr jedoch Slughorn fort: „Dorothea Grey…"

Lily erstarrte vor Schreck: „Das ist Dorothea Grey?" keuchte sie. „Die Kolumnistin des Propheten? Sie ist - sie ist brillant!"

„Mir war bewusst, dass du so denkst," prahlte Slughorn. „Ja, sie war eine Schülerin von mir vor ein paar Jahren. Eine Ravenclaw - eine der besten in ihrem Jahr in Arithmetik… hat sieben O's in ihren ZAGS bekommen. Sie ist eine alte Freundin von Celestina…"

Lily hörte Slughorns Monolog nur halb zu; sie war plötzlich sehr unsicher wegen ihres eigenen Aussehens. Sie war nur aus Höflichkeit zu ihrem Zaubertränkelehrer zu der Party gekommen und hatte folglich nichts besonderes mit ihrem Haar oder Make-up gemacht. Ihr Kleid war kurz - überhaupt kein förmliches Abendkleid - und sie hatte aus Bequemlichkeit flache Schuhe gewählt. Und verdammt noch mal, sie würde Dorothea Grey treffen.


„Der bewegliche Raum", wie die Rumtreiber ihn nannten, war der größte der unbenutzten Klassenräume in Hogwarts. Weil der Ort sich so oft im Schloss herumbewegte, war es nicht praktisch, darin Unterricht zu halten und es war besonders schwer gewesen, ihn auf die Karte des Rumtreibers zu zaubern. Jedoch, seit die Zauberer es geschafft hatten, den Raum zu kartieren (wo auch immer er sein mochte), wurde er zu einem Liebling für die Rumtreiberpartys, wie die berüchtigten Toadie-Events. An diesen Abend war der Bewegliche Raum zufällig in einem Turm im sechsten Stock und komplett mit magisch verstärkter Musik, Geräuschabschirmungszauber, Feuerwhiskey und Ale im Überschuss und ungefähr siebzig Leuten, hätte das Ereignis alles sein sollen, was James Potter sich an einem Freitagabend wünschte.

Außer, dass das, was er sich wünschte, fehlte.

„Hey, Prongs!" rief Sirius, der an der Seite seines besten Freundes mit zwei dunklen Flaschen in der Hand erschien. Er reichte James eine und fuhr fort: „Meghan McCormack sucht nach dir."

„Meghan McCormack?" fragte James. „Haben wir die eingeladen?"

„Ist doch egal. Die ist heiß," lallte Sirius, der anscheinend schon ein paar intus hatte. „Sandblondes Haar, Sommersprossen… hüüüübsche kleine grüne Augen. Hufflepuff. Quidditchspielerin. Muss ich weitermachen?"

„Ja, sie hört sich perfekt für dich an," antwortete James grinsend.

„Nö, ich bevorzuge Brünetten."

„Oh, als ob dich das stört."

Sirius dachte darüber nach. „Du hast Recht. Tut es wirklich nicht. Aber Sheila Vane sieht heute mächtig, und ich meine mächtig, gut aus, also werde ich jetz' mal gehen und das-klar-machen."

Sirius ging, vermutlich um das mit Sheila Vane klar zu machen und James lachte, als er seinen Freund gehen sah. Er sah durch den Raum zu der jungenhaften, aber hübschen Hexe nahe neben dem Getränketisch, die sich halb zur Musik bewegte. Das Mädchen - Meghan McCormack - lächelte einladend, als sie sah, dass James zu ihr blickte und der Gryffindor durchquerte die Kammer zu ihr.

„Keine schlechte Party dafür, dass sie nach einem hässlichen, warzigen Reptil benannt ist," zog die Hufflepuff ihn lächelnd auf.

Kröten waren Amphibien, aber James korrigierte sie nicht.

Stattdessen sagte er mit einem halb bescheidenen Achselzucken. „Wir tun unser Bestes. Obwohl, ich denke, das etwas ernsthaft falsch sein muss, wenn du neben einem vollen Tisch stehst und du kein Getränk in deiner Hand hast." Er drehte sich um und packte einen Kelch mit einer erdbeerfarbenen Flüssigkeit. „Ich denke, sie haben vielleicht etwas Punsch in den Wodka gemacht für die Farbe, aber mach dir keine Sorgen, es gibt kaum einen Nachgeschmack."

Meghan grinste, aber schüttelte ihren Kopf. „Ich trinke nicht," informierte sie ihn.

„Trocken?" James gab vor, enttäuscht zu sein. „Verdammt. Jetzt wirst du über keinen meiner Witze lachen."

Im Gegenteil ließ Meghan ein süßes, klingendes kleines Lachen ertönen. „Du wirst dich wohl einfach anstrengen müssen, schätze ich." Aber James hatte das Gefühl, dass das nicht der Fall sein würde. Weit entfernt davon. Er sah durch den Raum und bemerkte, die Remus und Peter über irgendetwas lachten und erkannte, dass - so gut seine Chancen mit Meghan McCormack auch sichtlich waren - er lieber dort drüben mit seinen Kumpels wäre.

„Tja, Meghan," sagte er so gewinnend wie möglich. „Ich bin irgendwie der Gastgeber dieser kleinen Toadie-Treffen, also sollte ich ein paar Runden drehen. Aber es war gut mir dir zu reden - du weißt schon - genieß die Musik. Tu nichts, was ich nicht tun würde…"

Meghans Lächeln fiel, als ihr klar wurde, dass sie abgewiesen wurde. „Oh. Okay. Danke für die Einladung."

„Klar, jederzeit."

Die Punschmischung auf dem Tisch abstellend, hastete James durch die Menge zu den zwei verfügbaren Rumtreibern.

„Moony, Wormtail," grüßte er, als er einen weiteren Schluck von seinem eigenen Getränk nahm.

„Prongs," antwortete Peter. „Wir haben gesehen, wie du mit Meghan McCormack geredet hast." Er hob anzüglich seine Augenbrauen.

„Da wird heute Abend nichts passieren," sagte James ausweichend.

„Warum nicht?" wollte Remus wissen.

James zuckte die Schultern. „Keine Ahnung," sagte er ehrlich. „Sie ist einfach nicht das,… wonach ich heute Abend suche."


„Also, wenn du schätzen solltest, bei wie vielen Auroren haben wir uns heute Abend eingeschleimt?" fragte Alice, die ihre Arme schwang, als sie den Korridor im siebten Stock mit Frank Longbottom hinunter spazierte.

Er nahm ihre freie Hand - die andere trug ihre schwarzen Riemchenschuhe - und antwortete: „Mehr als fünfzehn, wenn ich schätzen müsste."

„Hört sich richtig an," stimmte die Hexe zu. „Es lässt einen irgendwie wundern, wer genau heute Nacht Dienst hat, wenn all diese Auroren sich die Mühe machen konnten zu einem Empfang für Celestina Warbeck zu kommen."

„Tja, das waren eben nicht alles aktive Auroren… ein paar von ihnen haben sich mittlerweile in die Bürokratie zurückgezogen."

„Es ist gut zu wissen, dass wir uns darauf freuen können," lachte Alice. Ernsthafter fügte sie hinzu: „Du denkst nicht, dass wir je so sein werden, oder?"

„Wie was?"

„Wie diese steifen, alten Auroren - nicht in Form, nicht informiert… nicht in der Lage, mir in die Augen zu schauen, weil ihre Aufmerksamkeit so auf mein Dekolletee fokussiert war…"

„Ich hatte mich schon gefragt, ob du das gemerkt hast… ich schwöre bei Merlin, ich hätte Appius Crouch beinahe verhext… schleimiger alter Sack."

„Tja, es ist vermutlich besser, dass du es nicht getan hast," seufzte Alice. „Es hätte uns beiden nicht gut getan. Eigentlich wäre es für uns beide ziemlich schlecht gewesen."

„Trotzdem…"

Alice lächelte und seufzte dann. „Ich hasse es einfach daran zu denken, dass ich vielleicht in vierzig Jahren gemein und selbstgefällig sein werde."

Ally," spottete Frank. „Du wirst in zwei hundert Jahren nicht so sein. Du hast nicht einen gemeinen oder selbstgefälligen Knochen in deinem Körper."

„Oh, ich weiß," antwortete Alice leicht. „Es sind die Hauptorgane um die ich mir Sorgen mache. Jedenfalls… ich weiß, dass die nicht alle so sind, die Auroren. Alastor Moody ist kein Teenager und er ist brillant."

„Genau. Es sind diejenigen, die sich in Zeiten wie diesen Freitagabende freinehmen um ihrer glorreichen Tage in Hogwarts wieder zu durchleben, bei denen man sich Sorgen machen muss."

„Richtig. Du hast Recht. Ich weiß. Ich hab… ich schätze, ich wünsche mir nur manchmal, dass es einen anderen Weg gäbe um zu kämpfen…"

Er sah sie verwirrt an. „Was meinst du?"

„Oh, es ist nicht so, dass ich die Autorenkarriere hinterfrage. Ich will das - ich will das mehr als alles andere. Aber es scheint, als ob es noch etwas anderes geben sollte, was man machen könnte. Abgesehen von den System… weißt du?"

Frank nickte. „Natürlich wäre es trotzdem schlimmer, wenn sie Voldemort schnell kriegen, bevor es schlimmer wird."

„Und es wird schlimmer werden, oder?" fragte Alice weich. Frank hielt ihre Hand ein wenig fester, aber er antwortete nicht. Sie waren beide für eine Weile still. „Frank, kann ich dich etwas fragen?" fuhr sie gegenwärtig fort, sie hielt an und drehte sich um um den Zauberer neben sich anzusehen.

„Ja, natürlich."

Alice spielte mit der Schlaufe ihrer ausgezogenen Schuhe. „Warum - ähm - warum hast du mich nicht zu dieser Party eingeladen? Als dein - du weißt schon, Date, meine ich." Frank öffnete seinen Mund um zu antworten, aber sie unterbrach: „Und sag nicht, dass es ist, weil du wusstest, dass Slughorn mich sowieso einladen würde, weil dich das vorher auch nie gestoppt hat."

„Al… du hast es selbst gesagt. Es ist nicht wie früher. Wir sind nicht… ich meine, wir sind nur so halb zusammen. Ich dachte, du - du willst vielleicht deine Optionen offen halten, das ist alles."

„Versucht du meine Worte gegen mich zu verwenden?" fragte Alice misstrauisch. Frank schüttelte seinen Kopf. „Versprochen?" Er nickte. „Aber zu Slughorns Party zu gehen… daran ist doch nichts Schlimmes."

Frank runzelte die Stirn. „Ich schätze, ich bin mir einfach nicht sicher, wo die Grenze ist."

„Und das ist nur fair," gab Alice mit gerunzelten Augenbrauen zu. „Ich war nicht sehr klar. Das ist meine Schuld. Aber ich, ähm… genieße es Zeit mir dir zu verbringen. Offensichtlich. Und ich genieße es auch, Zeit mit dir zu verbringen…" Sie räusperte sich und Frank lächelte, „also… ich schätze, für mich und… und ich will nicht, dass du etwas tust, was du nicht… möchtest, aber für mich, ich will mit dir zusammen sein, aber ich will nicht… Ich will nicht, dass es… einschränkende Definitionen gibt."

„Definitionen…" wiederholte Frank. „Okay."

„Okay?"

„Mhm. Okay."

„Versprochen?"

Er nickte.

Alice lächelte plötzlich, trat einen bedeutungsvollen Schritt näher und spielte mit dem Kragen des Zaubererumhangs. „Also - Frank," fuhr sie fort, „willst du, äh, noch ein wenig Zeit zusammen verbringen gehen?"

Frank gluckste. „Ich denke, ich könnte überredet werden…"

Lachend führte Alice ihn zum Porträt der Fetten Dame, aber hielt an, bevor sie das Passwort geben konnte. Sie drehte sich zu ihrem Begleiter um und fragte aufrichtig: „Du bist glücklich, oder, Frank?"

Frank antwortete nicht direkt. Stattdessen lehnte er sich hinüber und küsste sie sanft auf die Lippen. Als er sich zurückzog, sagte er: „Fast komplett." Dann fügte er für die Fette Dame hinzu: „Nieswurz." Und das Porträt schwang auf.


Oh, mein armes Herz, wohin ist es gegangen?

Es hat mich für einen Zauber verlassen…"

Celestina Warbeck, eine sehr hübsche, schwarze Frau in glitzernden goldenen Umhängen krähte ihre neuste Single zu einem hauptsächlich aufmerksamen Publikum in Slughorns Kammern, während Lily, die ihr Bestes gab um die Enttäuschungen des Abends abzutun, sich durch die Menge bewegte, bis sie schließlich ihr Ziel erreichte: eine entfernte Ecke, die gerade von Donna Shacklebolt belegt wurde.

„Hi," begann der Rotschopf in einem verlegenen Unterton.

Donna schien von dieser neuen Entwicklung - der Ankunft von Lily - überrumpelt und man merkte es ihr an ihrer Stimme an. „Hi…"

Es gab eine peinliche Stille und um sie zu füllen, witzelte Lily: „Mary will, dass ich sicherstelle, dass du nicht diejenige bist, die ihre Haarbürste benutzt." Donna lächelte nicht wirklich, weshalb Lily sich räusperte und ernst fortfuhr. „Hör zu… Wir sollten reden." Es kam ihr in den Sinn, dass sie ihre Trennung von Luke mit fast identischen Worten begonnen hatte. „Wegen letztens…" Keine Antwort… „Ich habe ein paar Dinge gesagt, die ich nicht so gemeint habe… ähm… es tut mir leid."

„Okay."

Lily wartete auf mehr, aber nichts kam. „Donna…" seufzte sie.

„Was?" wollte Donna lauter wissen, sodass ein paar Zauberer in der Nähe böse Blicke in ihre Richtung warfen. Leiser fuhr sie fort: „Ich weiß, was du tust, Lily. Du entschuldigst dich und hofft, dass alle Wogen sich glätten, selbst obwohl du nicht denkst, dass du etwas falsches getan hast."

„Tja… hab ich das?" fragte Lily ungeduldig. „Ich kann mich nicht erinnern, dass ich etwas besonders beleidigendes getan haben sollte, dass diese Art von… da mir kein besseres Wort dafür einfällt, Attacke, verdient haben könnte. Habe ich in meinem Schlaf deine Eule erwürgt oder was? Merlin…"

Donna verdrehte ihre Augen und verschränkte ihre Arme. „Nein, Lily, du hast nichts Falsches getan. Ich bin ausgerastet und du warst zufällig da. Bist du jetzt glücklich?"

„Nein, bin ich nicht. Don, was willst du von mir?

Nichts!" entgegnete die andere in einem leidenschaftlichen Flüstern. „Ich will gar nichts von dir, um Agrippas Willen, okay?"

Wo bist du hin?

Du hast mich für einen Zauber verlassen…"

„Tja, du machst momentan jeden verrückt, so wie du im Moment bist," murmelte Lily," also, warum es auch immer wirklich geht, du sagst es am besten einfach jetzt. Komm schon, Donna, was ist los? Ist es verdammter Charlie Plex, weil das ist mir egal! Ich bin nicht deine Mum, ich sage dir nicht, was du zu tun hast. Und wenn du das Gefühl hast, dass ich das tue, dann sag das mir. Rede mit mir! Wir sind doch Freunde, oder?" Donna war still und Lily erkannte, dass, obwohl sie gedacht hatte, dass es eine rhetorische Frage wäre, sie eine Antwort erwartete. „Oder?"

„Tja, sind wir das?" entgegnete Donna. „Ich meine, warum sind wir überhaupt Freunde geworden? Kannst du dich daran erinnern?

Lily konnte es in diesem Moment tatsächlich nicht sagen. Es war einfach passiert… „Ich weiß nicht. Wir sind einfach Freunde geworden… irgendwann im zweiten Jahr. Aber was hat das damit zu tun?"

„Lily, sei ehrlich, wir haben nichts gemein," sagte Donna düster.

„Donna, wir müssen keine eineiige Zwillinge sein um Freunde zu sein…"

„Ich rede nicht über eineiige Zwillinge. Lily, wir haben keine Gemeinsamkeiten außer dem Schlafsaal. Du bist fröhlich und optimistisch und jeder mag dich und ich - ich hab damit nichts zu tun. Und wenn wir nicht dem gleichen Haus zugeteilt worden wären, wären wir jetzt keine Freunde. Streit es nicht ab, Lily, du kannst nicht ehrlich sagen, dass wir das wären."

„Ich weiß nicht, aber ich sehe nicht, welchen Unterschied das macht. Wir haben Spaß zusammen. Das ist das Wichtigste. Wir leisten uns gerne Gesellschaft, oder? Donna."

„Ich sehe den Sinn einfach nicht," wich Donna ihr aus, ihre Augen auf Celestina Warbeck und nicht Lily gerichtet. „Nächstes Jahr sind wir mit Hogwarts fertig, gehen unsere getrennten Wege und ehrlich gesagt werden wir uns nie wieder sehen."

„Oh, hör auf, Donna," befahl die andere. „Ich weiß auch, was du tust. Du machst das immer… irgendwas regt dich auf und du gehst damit um, in dem du die Leute aus deinem Leben stößt. Aber das hier kannst du nicht mit mir machen - wir leben im selben Schlafsaal, verdammt noch mal."

„Da! Selbst du gibst es zu. Der Grund, warum wir Freunde sind, ist, dass wir im selben Schlafsaal sind!"

„Donna, sei nicht blöd. Das ist überhaupt nicht, was ich gesagt habe und kannst du mir bitte einfach sagen, was dich wirklich stört?"

Ein älterer Zauberer in Avocado grünen Umhängen drehte sich um und starrte die beiden an. „Wirklich, Mädchen," murmelte er. „Es ist ziemlich unhöflich."

Donna öffnete ihren Mund um eine säuerliche Entschuldigung zu äußern, aber bevor sie das konnte, packte Lily den Ärmel ihres violetten Umhangs und zog sie aus der Halle in den leeren Flur draußen. Dort verschränkte Lily ihre Arme und erwartete sauer eine Erklärung.

Donna verdrehte die Augen.

„Ist es dir je in den Sinn gekommen, Lily, dass ich vielleicht einfach nicht mit dir darüber reden will? Und nein, ich meine nicht, dass ich im geheimen doch darüber reden will, ich aber Angst habe und ich meine nicht, das ich nicht weiß, wie ich es sagen soll: Ich meine, dass ich einfach nicht mit dir darüber reden will."

„Tja, warum nicht?"

Weil ich es hasse, dir Dinge anzuvertrauen, wenn du nichts zurückgibst."

Lily starrte sie an.

„Warte - was?"

„Du denkst, ich bin kalt," sagte Donna, jetzt entschlossen, alles rauszubekommen, „aber du bist manchmal so verdammt emotionslos."

Lily hätte gerade über die Ironie lachen könnten. „Ich? Machst du Witze?"

„Tja, was genau zeigst du Leuten, Lily?" fuhr Donna stur fort. „Du bist entweder fröhlich und nett oder du bist wütend. Aber du hast vor einer Woche mit deinem Freund Schluss gemacht und hast du seitdem einmal geweint? Und warum hast du es getan? Weil nicht eine deiner angeblich besten Freundinnen eine Ahnung hatten, dass du es geplant hast oder dass ihr Probleme hattet! Hattet ihr das? Oder standest du einfach nicht mehr auf ihn? Egal, zwei Monate nachdem sein Dad gestorben ist, hast du einfach beschlossen, es zu beenden! Und als dein Dad gestorben ist…"

Donna."

Aber sie ignorierte die Warnung und fuhr laut fort: „…Alles, was du je gesagt hast, war ‚Mir geht es gut!' Als ob er einfach gegangen wäre und du dir keine Gedanken darüber machen würdest!"

Ohne zu denken hob Lily ihren Arm und schlug der anderen Hexe quer ins Gesicht. Aber weder das widerhallende, befriedigende Klatschgeräusch, noch Donnas offensichtliches Unbehagen, als sie sich widerwillig die Seite des Gesichts rieb, betäubte Lilys Wut. Ihr war es jetzt egal, was Donna wirklich störte, was der Kontext war oder warum diese blöde Sache begonnen hatte. Ihr war das alles egal, es gab bestimmte Dinge, die niemand - Freundin oder nicht - sagen durfte und das war eine davon.

„Du bist komplett herzlos, Donna Shacklebolt. Rede nicht mit mir."

Ohne sich umzudrehen ging Lily rasch durch den Flur und verschwand auf der Treppe. Als Donna später in dieser Nacht in den Schlafsaal zurückkehrte, war Lily schon sicher in ihrem eigenen Bett, in ihre Decke eingewickelt und gab vor, zu schlafen.


(Alles, was ich wirklich tun will)


Mittwoch, 28. April 1976

Tja, ich habe meine Ausgabe von „Geschichte Hogwarts'" zurück.

-Lily


„Und kann mir irgendjemand sagen, wer es war, der als Erster eine Hypothese darüber aufgestellt hat, wie die körperliche Patronusform mit dem Charakter des Zauberers zusammenhängt?"

Als Antwort auf Professor Blacks Frage schossen ein Dutzend enthusiastische Hände nach oben. Er zögerte, tigerte durch das Vordere des Klassenzimmers und rief dann Marlene auf.

„Titus Tigris!" sagte sie sehr schnell. Black grinste und nickte, zog eine folienverpackte Schokolade aus seiner Tasche und warf sie zu der Blonden, die auf ihre Füße sprang um sie zu fangen.

„Und, Miss Price, können Sie mir sagen, woher Titus seinen Spitznamen hat?"

„Ähm…" Marlene runzelte die Stirn. „Von seinem Patronus?"

„Exzellent." Black warf eine weitere Schokolade in ihre Richtung und Marlene fing sie ebenfalls. „In Ordnung, wer - lass uns sehen - wer kann mir sagen, für welche andere Patronusentdeckung unser Freund Titus verantwortlich war… Miss Mumps?"

„Äh…" begann Shelley, „hat er nicht herausgefunden, dass Patronusformen sich mit der Zeit verändern können?"

„Sehr gut, sehr gut," Er warf ihr eine rot verpackte Schokolade. „Und - weiß jemand, in welchem Jahr diese Theorie veröffentlicht wurde? Niemand? In Ordnung, gebt mir das Jahrhundert… Mr. Atwater."

„Vierzehntes?"

Eine Schokolade flog durch die Luft auf den Ravenclaw Sechstklässler zu. „Sind da Nüsse drin?"

„Haben Sie welche mit Nüssen?"

„Oh, setzen Sie sich, Atwater," sagte Black, was den Rest der Klasse zum Lachen brachte. Er zog eine weitere Schokolade aus seiner Tasche, eine kleine, blau verpackte und sagte: „Letzte Frage - okay. Ähm, lasst mich denken, muss eine gute sein. Oh, ich weiß. Wer kann mir sagen, für was der Patrons noch verwendet werden kann außer als Beschützer?"

Lilys Hand war eine der fünf, die sich hoben - James, Remus, Sirius und ein Ravenclawmädchen waren die anderen - aber da Lily schon drei Schokoladen bei sich auf dem Tisch liegen hatte und James, Remus und die Ravenclaw ebenfalls ein paar hatten, war sie nicht überrascht, als Black Sirius zu nickte.

„Sie funktionieren als Botschafter," sagte Sirius, der locker zurückgelehnt in seinem Stuhl saß. „Sie sind eine Form der Kommunikation."

Aber Black war seinem Neffen die Schokolade nicht sofort zu. „Und was ist der Unterschied zwischen dem Zaubern eines Botschafterpatronus und einem verteidigendem Patronus?"

Sirius grinste, als ob er ‚leicht' sagen wollte. „Ein Botschafterpatronus wird nonverbal beschworen."

„In Ordnung. Und wer…?"

„Crispin Hobday, 1734."

Professor Black grinste ebenfalls. „Okay, Schlauberger." Er warf Sirius die Schokolade, die der Rumtreiber grinsend fing. Dann läutete die Glocke und der Lehrer musste über die Geräuschkulisse der Hektik rufen: „Fangt mit den Patronusaufsätzen für Montag an! Vernachlässigt sie nicht! Sie werden euch bei eurer Abschlussprüfung helfen…"

Als sie den Klassenraum mit Mary und Marlene verließ, bemerkte sie, wie Donna schnell vorging. Verärgert seufzend warf Lily sich eine der Schokoladen in den Mund und ging los zu Zaubertränke. Sie ging gerade um eine Ecke, als sie fast mit jemandem zusammenstieß… jemand, der sich als Luke Harper herausstellte.

Lily wurde ein wenig rot, murmelte eine Entschuldigung und berechnete, wie viele Sekunden es dauern würde, bis sie die Treppe erreichen würde, als Luke sagte: „Hey Lily. Ich war gerade auf meinem Weg zu dir. Äh - hast du einen Moment Zeit?" Er sah bedeutungsvoll zu Marlene und Mary, die daraufhin zu Lily schauten. Sie nickte.

„Geht schon. Ich treffe euch da."

Weitere Begutachtung ihres Exfreunds zeigte, dass Luke zumindest okay schien. Er war ein bisschen bleich, aber sonst konnte man sich nicht über sein wie immer unfehlbares gutes Aussehen beschweren.

„Also - äh - wie geht es dir?" fragte Lily, als sie relativ alleine waren.

„Ich schätze, mir ging es schon besser," antwortete Luke. „Aber mach dir keine Sorgen, ich werde nichts Peinliches tun."

„Oh, ich hab mir keine Sorgen gemacht," log sie schnell.

Luke nickte und griff in seine Schultasche, ein braunes Lederbuch herausziehend. „Ich wollte eigentlich nur das hier zurückgeben. Es ist deins, glaube ich."

Lily nahm das Buch und erkannte es als das, was sie vor Wochen und Wochen dem Ravenclaw gegeben hatte. „Oh," sagte sie überrascht. „Dankeschön. Ich hatte das komplett vergessen. Dankeschön."

„Gar kein Ding. Es tut mir leid, dass ich so lange gebraucht habe um es zurückzugeben." Er seufzte. „Tja, ich sollte wahrscheinlich… ich habe Verwandlung in ein paar Minuten, also…"

„Ja, natürlich. Bin ich dir im Weg? Tut mir leid."

„Nein, nein, ist schon gut. Es ist gut, wirklich." Ein ungeschickter Tanz später waren die Hexe und der Zauberer beide in der richtigen Position um dahin zu kommen, wo sie hinmussten. „Tschüss, dann."

Und so schnell, wie er erschienen war, war Luke auch wieder verschwunden und ließ Lily ihr Buch tragend und potentiell zu spät für Zaubertränke im vollen Flur zurück.

Als sie sich daran erinnerte, schüttelte Lily ihre Überraschung ab, so angesprochen geworden so sein und drehte sich um und hastete zur Zaubertränke-Abteilung. Sie erreichte den Klassenraum kurz bevor die Glocke läutete und schlüpfte auf den freien Platz neben Marlene (Mary hatte sich neben einen Hufflepuff gesetzt).

„Was wollte Luke?" fragte die Blonde neugierig.

„Nichts - er hat nur ein Buch zurückgeben." Lily deutete zu dem erwähnten Band, den sie, wie sie jetzt bemerkte, immer noch recht fest umklammerte. Sie ließ ihn in ihre Büchertasche gleiten und räusperte sich in der Hoffnung, dass Marlene ihre Befragung nicht fortführen würde. Sie hatte kein solches Glück.

„Irgendwie ein seltsamer Ort und Zeitpunkt dafür, denkst du nicht?"

Lily zuckte nur mit den Achseln. „Ich schätze."

„Sah er okay aus? Glücklich, gesund, all das?"

„Ähm… ja. Fit wie ein Turnschuh."

Marlene beobachtete ihre Freundin vorsichtig. „Bist du okay, Lily?"

Zum gefühlten Millionsten Mal seufzte Lily und sagte: „Mir geht es gut."

„Aber…"

„Wirklich. Komplett. Total. Gut. Mit Luke Schluss zu machen war die richtige Entscheidung und mir geht es gut. Ich weiß nicht, warum jeder weiterhin annimmt, dass das nicht so ist, weil. Es. Mir. Gut. Geht." Marlene öffnete ihre Mund um zu antworten, doch glücklicherweise kam Professor Slughorn in diesem Moment heran und sie musste das Thema gut sein lassen.


(Für immer jung)


Freitag, den 30. April 1976

Liebes Notizbuch,

ein Zeitungsartikel hat eine Jagd auf Logan Harper auf ein halbes Dutzend andere erklärt.

Verdammte Donna.

Geh vorbei, Monat.

-Lily


„Würdest du dir das ansehen…" murmelte Sirius, der die Titelseite des Tagespropheten beim Frühstück am Donnerstagmorgen beäugte. Er schob James die Zeitung zu, der seine Aufmerksamkeit lange genug von seinem Apfelkuchen und Schinken abwandte um die Schlagzeile zu lesen, die sein bester Freund ausgewählt hatte.

Haftbefehl für sechs mutmaßliche Todesser."

„Anscheinend hatte das Ministerium jemanden Untercover bei den Todessern," sagte Sirius. „Sie haben nicht gesagt, wen, aber die Person hat Beweise für ein paar der anderen gesammelt. Sie haben drei verhaftet, aber die anderen drei sind auf der Flucht. Lies die Liste."

Und da, an zweiter Stelle, war ein sehr vertrauter Name.

James sah den Tisch hinunter auf der Suche nach Lily Evans, aber ihre Augen durchsuchten bereits den Ravenclawtisch, vermutlich nach ihrem Exfreund. James folgte ihrem Starren und fand schließlich Luke Harper, der zwischen seinen Freunden saß und still sein Frühstück aß. Er schien nicht glücklich, aber er schien nicht verzweifelter als am Tag zuvor oder den Tag davor oder davor… Nein, seine milde, gedämpfte Laune musste von dem Fehlen von Lily in seinem Leben herrühren. Er konnte die Zeitung noch nicht gesehen haben…

Der Quidditchkapitän sah zurück zu Lily, die zur selben Schlussfolgerung gekommen sein musste. Sie legte die Zeitung hin - ihre Lippen zu einer traurigen Grimasse verzogen - und fuhr mit ihrem Frühstück von Weizentoast und Marmelade fort.


„Halt die Klappe."

„Was?"

„Ich hab gesagt, halt die Klappe."

Mit einer Faust Charlie Plex' Umhang packend zog Donna ihn hinter ihr in den unbenutzten Klassenraum im ersten Stock. Sie schloss die Tür mit ihrem Körper, dann presste sie gewaltsam ihre Lippen gegen seine. Nach einer Sekunde erwiderte er es, seine Hände schlängelten sich um ihre Taille und tiefer. Sie fing an sein Hemd herauszuziehen.

„Warte - ich hab - wir haben Zauberkunst…"

Donna hörte lange genug auf ihn zu küssen um ihm in die Augen zu schauen und mit einem trockenem Gesichtsausdruck zu sagen: „Also sagst du mir gerade, dass du lieber auf Professor Flitwick starren willst, als mit mir hier zu bleiben?" fragte sie und war sich der Antwort sicher. Und Charlie enttäuschte sie nicht.

Er grinste und antwortete: „Was immer du sagst."

„Das stimmt."

Sie schlüpfte ihre Arme unter seinen Umhang, hob sie von Charles Schultern und presste sich dabei an ihn. Ihr Mund bewegte sie zu seinem Hals. Der Ravenclaw ließ ein tiefes Stöhnen hören und Donna grinste zufrieden gegen die Haut an seinem Kiefer.

Genau hier, gerade hier, hatte sie die Kontrolle.

Richtig.

Die Kontrolle.


„Äh… Professor?"

Professor Black drehte sich um um zu sehen, wie sein Neffe den sonst leeren Verteidigungsklassensaal betrat. „Guten Abend, Sirius."

Der jüngere Zauberer nickte als Antwort. „Ich habe einen Brief von Andromeda bekommen," fuhr er fort. „Sie wollte, dass ich dir einen Teil gebe: bloß Neuigkeiten von ihrer Tochter."

„Ah, Nymphadora," sagte Black, nickte und nahm das Pergament aus Sirius Händen. „Danke."

„Kein Problem."

Black warf einen Blick auf die Seite, die ihm gegeben wurde. „Sie ist eine gute Hexe, deine Cousine." Sirius wollte schon verwirrt zustimmen, als sein Onkel unerwartet fortfuhr: „Sie hat eine schwierige Wahl getroffen, weißt du."

„Ähm… Ja, ich weiß," sagte Sirius, überrumpelt von dem plötzlichen, düsteren Wende der Unterhaltung.

Black setzte sich an seinen Tisch, nachdenklich den Brief in seinen Händen drehend, ihn aber noch nicht lesend. „Sie hat ihren Namen und ihre Familie aufgegeben… wie du es getan hast." fuhr er in einer seltsamen, weit entfernten Stimme fort. „Ich denke - ich denke nicht, dass ihr klar ist, wie mutig das war. Ich konnte das nicht."

„Es war anders für dich," tröstete Sirius. „Andromeda… sie hatte Ted und…"

„Es war nicht anders," unterbrach Black. „Ich hatte auch mal jemanden vor einer langen Zeit… Wally, meine Eltern - jeder war natürlich dagegen. Ich musste eine Entscheidung treffen und ich habe die Familie gewählt. Ich habe eine andere Wahl getroffen - die falsche Wahl."

Sirius näherte sich dem Tisch seines Onkels. „Aber du bist nicht wie sie," sagte er beharrlich. „Das bist nicht du. Das warst du nie."

„Nein, aber das ist keine Ausrede." Er lächelte bitter. „Eigentlich macht es das vielleicht noch schlimmer. All diese Jahre, alles, was ich gesehen habe, alles, was ich ertragen habe und ich war nie kühn genug, das zu tun, was du und deine Cousine tun konnten, bevor ihr achtzehn wart. Ich habe keine Kinder - die einzige Art, auf die ich weiterleben werde ist als verblasster Name auf einem Wandteppich. Ich werde bald tot sein… und…"

„Bitte sag das nicht," unterbrach Sirius. „Es ist schlimm genug, ohne dass du darüber sprichst."

Black seufzte. „Natürlich, du hast Recht. Ich hätte dich nicht damit belästigen sollen. Es tut mir sehr leid."

„Du bist nicht wie sie. Das könntest du gar nicht," sagte Sirius fest. Black lächelte bloß und nickte. „Du hast das Black ‚Vermächtnis' nicht aufgegeben, aber du bist auch kein Teil davon. Und wenn du es aufgegeben hättest, hätte ich dich vermutlich nie gekannt. Und red nicht so darüber, zu sterben - Dinge passieren, Heiler liegen so oft falsch und Menschen erfinden neue Tränke und…"

„Sirius…"

„Du kannst nicht darüber reden, als ob es eine klare Sache ist. Nichts ist sicher… nicht komplett."

„Ich will nicht, dass du dir falsche Hoffnungen machst…"

„Das ist keine falsche Hoffnung. Ich bin hier vernünftig. Du weißt nicht, was passieren wird. Es ist möglich, dass du nicht sterben wirst… es ist möglich, dass noch etwas passiert und ich sage nicht, dass es endgültig ist, aber du kannst dich dem nicht einfach ergeben."

„Ich habe mich dem bereits ergeben," sagte Black leise. „Aber ich bin nicht bereit. Selbst jetzt - selbst bei dem hier bin ich ein Feigling."

„Bist du nicht. Nur, weil du nicht aufgeben willst, heißt das nicht, dass du ein Feigling bist."

„Ich denke, du setzt vielleicht mehr Glauben in mich, als ich es verdiene." Black seufzte. „Komm, lass uns nicht diese Dinge diskutieren."

„Aber…"

„Nein, Sirius." Und da war eine Schwere in seiner Stimme, die Sirius gehorchen ließ. „Jetzt," fuhr Black fort, mehr wie sein fröhliches Selbst, „hattest du schon Abendessen?"

„Nein…"

„Tja, dann komm mit." Der Professor hob seine Aktentasche auf und ging an seinem Neffen auf dem Weg zur Tür vorbei. „Du kannst mit mir gehen - mir alles von Medas Neuigkeiten erzählen…"

Sirius zögerte und zwang dann sein Gesicht zu einem lebhaften Ausdruck. „Natürlich," sagte er immer noch ein wenig steif und folgte dann seinem Onkel hinaus in den Korridor.


Lilys schmale Figur war der Wand gegenüber der Tür, durch die James gerade hineinkam, zugewandt und obwohl er ihr Gesicht nicht sehen konnte, war es sehr offensichtlich, dass sie wütend war. Der Rotschopf blätterte durch einen Stapel Pergament, als ob dieser daran Schuld wäre, einen geliebten Menschen umgebracht zu haben, wählte das benötigte Blatt aus und knallte die anderen böse auf einen Platz auf dem deckenhohen Regal mit den vielen Fächern und warf dabei noch ein verkorktes Tintenfass um.

Sie hielt inne und sah sich suchend auf dem Tisch nach etwas um.

„Brauchst du 'ne Feder?" fragte James, was Lily zusammenzucken ließ. Sie warf einen Blick über ihre Schulter auf den Neuankömmling und stellte sich dann so hin, dass sie leicht zu ihm gerichtet war.

„Nein," beharrte sie dickköpfig, bevor sie weiter den Tisch absuchte.

James hatte nicht viel Zeit in dem Schulsprecherbüro verbracht, außer wenn er Remus mal von einem Vertrauensschülertreffen abgeholt hatte oder sonst etwas gestohlen hatte. Folglich dachte er nicht, dass er mehr als vier oder fünf Mal in den letzten, beinahe sechs Jahren in diesem Raum gewesen war. Er war lang und rechteckig, wie das Lehrerzimmer, nur deutlich kleiner. Der enge Tisch, der an der Wand ihm gegenüber stand, stützte das Regal mit den vielen kleinen Fächern und war halb mit Pergamentstapeln, Tintenfässern, Tassen, die Federn halten sollten und Büchern mit Titeln wie „Der Hogwartsführer für Vertrauensschüler" oder „Eine komplette Sammlung der Hogwartsregeln". James dachte auch, dass er Filchs weniger kunstvoll gebundenes Werk „Verbotene Gegenstände" (von denen allein Dreiviertel in James Koffer gefunden werden konnte) entdeckt hatte. Neben dem Schreibtisch war ein Tisch, der lang genug war, damit ein paar Dutzend Leute Platz hatten - wahrscheinlich für Vertrauensschülertreffen. Die Wände waren mit einem Kalender, einer Uhr, einem Porträt oder zwei und Plänen für verschiedene Dinge dekoriert. In der Ecke, die am weitesten von James entfernt war, stand ein grünes Nadelstreifen-Sofa.

Der Quidditchkapitän nahm all dies wahr, während Lily ihre Suche nach einer Feder fortfuhr, die sie schließlich verborgen hinter „Die gutmütige Autorität: eine Anleitung um Respekt und Kontrolle zu erlangen." Mit unnötiger Kraft die Feder in das Tintenfass steckend flog Tinte durch die Luft, als ihre Hand über die Seite flog.

„Ist irgendwas los, Evans?" fragte James. Er lehnte sich mit den Händen in den Taschen an den Türrahmen.

„Was willst du?" antwortete Lily kurzangebunden. James runzelte die Stirn.

„Ähm… Jäger in die Nationalmannschaft fliegen."

Lily warf ihm einen verärgerten Blick zu. „Ich meine," elaborierte sie, während sie weiter auf das Pergament schrieb, „Kann ich dir irgendwie helfen?"

„Ähm… nicht, außer du kennst jemanden mit Verbindungen zur Nationalmannschaft…"

„Potter…"

„Was tust du überhaupt hier, Evans?" unterbrach James. „Es ist elf Uhr nachts. Ausgangssperre, weißt du."

„Ich fülle einen Punkteabzugsbericht aus," sagte Lily. „Ein paar Ravenclaws haben sich heute Nachmittag duelliert."

„Und das hätte nicht bis morgen früh warten können?"

„Ich konnte nicht schlafen und was genau tust du hier?"

„Ich war auf meinem Weg zurück in den Gemeinschaftsraum und habe dich auf der Karte gesehen. Es macht mich immer neugierig, wenn eine Vertrauensschülerin so spät noch aus dem Bett ist."

„Ich sollte Punkte abziehen," erinnerte Lily ihn. „Also solltest du vielleicht gehen." Sie richtete ihre ganze Aufmerksamkeit wieder auf die angefangene Aufgabe. James ignorierte sie und lief in den Raum.

„Gibt es einen Grund, warum du heute Abend so fröhlich bist?"

„Gibt es einen Grund, warum du hier bist?" James hob seine Augenbrauen und Lily seufzte. „Ich bin gemein, oder?"

James nickte. „Ziemlich."

Lily legte ihre Feder hin und schob den Bericht zur Seite. „Es tut mir leid," gab sie zu. „Ich hatte einen schlechten Tag. Nein, ich hatte eine schlechte Woche… streich das, ich hatte einen schlechten Monat."

„Ich schätze, du hast den Zeitungsartikel über Logan Harper gesehen," sagte James, der die Antwort wusste und Lily nickte.

„Ich habe beim Mittagessen mit einem von Lukes Freunden geredet… Luke ist gar nicht aufgetaucht. Ich kann nicht glauben, dass ich mit ihm Schluss gemacht habe - ich bin so eine Bitch." Lily drückte sich hoch um sich auf den Tisch zu setzen. James ging hinüber und lehnte sich gegen ihn.

„Komm schon, das meinst du nicht wirklich," entlockte er ihr. „Wenn du jetzt mit Luke zusammen wärst, würde es das besser machen?"

Lily dachte darüber nach. „Würde es nicht," sagte sie nach einer Weile. „Wahrscheinlich würde ich es nur schlimmer machen. Luke sitzt vermutlich bei seinen Freunden und streitet ab, dass sein Bruder an irgendetwas Schuld hat… ich denke nicht, dass ich das ertragen könnte."

„Tja, da hast du es."

„Natürlich, es ist Schwachsinn," gab die Hexe zu. „ich weiß, dass ich die richtige Wahl getroffen habe. Mit Luke Schluss zu machen war die richtige Wahl. Es war richtig, das zu tun."

„Also würdest du sagen, es war die richtige Wahl?" Lily blickte ihn böse an. James grinste. „Oh, komm schon, Keks, entspann dich."

„Es ist einfach… jeder fragt mich, ob es mir gut geht und ich versuche sie zu überzeugen, dass es mir gut geht, aber niemand scheint mir zu glauben. Aber das tut es. Es geht mir gut. Ich bin okay. Wirklich."

„Wirklich?" fragte der andere skeptisch.

„Ja! Wirklich. Warum glaubt mir das niemand?"

„Tja… vielleicht haben sie Recht."

„Aber das haben sie nicht."

„Aber vielleicht schon."

„Aber das haben sie nicht."

„Aber…"

„Potter."

James zuckte die Achseln. „Okay. Sie liegen falsch. Dir geht es absolut super."

„Überzeugend," sagte Lily trocken.

„Alles, was ich sage ist, dass es nicht schlimm wäre, wenn du… aufgebracht wärst."

Ich habe mit ihm Schluss gemacht. Ich darf nicht aufgebracht sein."

„Man darf immer wegen Trennungen aufgebracht sein. Deshalb werden sie auch Trennungen genannt anstatt… keine Ahnung, ein friedliches Auseinanderlaufen der Wege."

„Ein friedliches Auseinanderlaufen der Wege?"

„Copyright wird noch beantragt."

Lily lachte und dann waren sie beide für eine Weile still, während er ihr zusah, wie ihre Finger mit der Feder spielten, sie drehten, immer und immer wieder, während sie zwischen ihrem Zeigefinger und dem Daumen steckte.

James schüttelte sich und fuhr fort mit: „Also, was hält dich auf, dass du um 11 Uhr abends Punkteabzugsberichtsformulare ausfüllst? Der Zauberer, der früher als ‚Prinz Charming' bekannt war?"

„Zum Teil," seufzte Lily. Sie führte den Gedanken für fast eine Minute nicht weiter aus und sagte dann: „Ich habe Dorothea Grey getroffen."

„Wen? Oh - die Kolumnistin des Propheten?"

Lily nickte. „Am letzten Freitag bei Slughorn."

„O-kay…"

„Professor Slughorn wusste, dass ich ein Fan von ihr war und sie hatte mal als Internationale Korrespondentin gearbeitet, woran ich unter anderem auch interessiert bin, also… hat er mich vorgestellt."

James wartete auf die Pointe.

„Und sie war sehr hilfreich und sehr höflich und sie schien überhaupt nicht verärgert, dass sie mit einer Siebzehnjährigen reden musste…"

„Also, was war das Problem? Offensichtlich war da ein Problem…"

Lily runzelte die Stirn und blickte auf ihre Hände, die jetzt in ihrem Schoß gefaltet waren. „Sie war so zynisch. Ich meine, ich habe praktisch allem zugestimmt, was diese Frau in den letzten vier Jahren geschrieben hat und sie - sie hat einfach geradeheraus zugegeben, dass es einfach nur darum ging, das zu sagen, was sonst noch nie jemand gesagt hatte… weil, wenn man die Leute schockt, man Abonnements verkauft."

James blinzelte. „Oh."

„… Sie hat gesagt, dass es beim Schreiben für den Tagespropheten nur darum ging, dass die Leute mit der Welt unzufrieden werden, aber mit sich selbst zufrieden bleiben. Die Art, wie sie es gesagt hat, es war so… so verdammt poetisch, ich hätte heulen können. Es war wie herauszufinden, dass Einhörner nicht existieren…"

„Einhörner existieren aber…"

„Nicht für Muggel," sagte Lily düster. „Ich dachte immer, dass sie so brillant wäre, weil sie eine Perspektive zu den Geschichten brachte, die andere Leute ignorierten. Sie hatte keine Angst über die dunklen Seiten zu reden; sie sagte immer die Wahrheit, dachte ich. Jetzt stellt sich heraus, dass sie nicht die Wahrheit gesagt hat, sondern sie… ausgebeutet hat." Sie schnaubte bitter. „Ich wollte sie sein, seit ich dreizehn war."

„Tja," sagte James, „du wärst nie Dorothea Grey geworden."

Lily blickte ihn finster an. „Wow, danke."

„Du schreibst nicht, wie sie es tut," fuhr er fort. „Ich habe die Aufsätze gehört, die du im Unterricht vorliest… du benutzt bessere Worte. Nettere Worte, weißt du? Dorothea Grey - sie schreibt wie ein Kerl… kurz, direkt. Es ist nicht schlecht oder gut oder so… aber sehr anders." Er sagte es so sachlich, dass Lily ihn für eine gute Minute voll Staunen ansah.

„Du bist wieder nett," beschuldigte sie ihn schließlich. „Konsistenz, Potter."

James grinste. „Was kann ich sagen? Du bringst das Schlimmste in mit hervor." Lily lächelte schwach. Eine kurze Stille, dann: „Weißt du, Bevin Birch betrügt seine Frau."

„Wer ist Bevin Birch?"

„Jäger in der Stammaufstellung für den Puddlemore United," erklärte James. „Er ist mit der Ersatzsucherin von den Holyhead Harpies verheiratet. Als ich vierzehn war, hat mein Dad mich mit nach hinten genommen, damit ich nach dem Spiel ein paar Spieler kennenlernen und meinen Quaffel signieren lassen konnte. Und da war Bevin Birch, der eine blonde Hexe knutschte, die nicht die Ersatzsucherin der Holyhead Harpies war." Lily sah immer noch ein wenig verwirrt aus. „Puddlemore United ist meine Lieblingsmannschaft. Bevin Birch spielt die gleiche Position wie ich…"

„Also war er dein Held," schloss Lily. „Aber dann hast du herausgefunden, dass er ein Arsch ist."

James schüttelte seinen Kopf. „Er ist immer noch mein Quidditchheld. Er ist ein sagenhafter Jäger, warum sollte er es nicht sein? Er ist nicht mein persönlicher Held oder Vorbild für die Ehe, aber die Tatsache, dass er hinter den Kulissen ein Idiot ist, verändert doch nicht die Sache, die ich an ihm von Anfang an bewundert habe, oder?"

Lily zuckte die Achseln. „Das tut es für mich."

James betrachtete sie vorsichtig. „Ja…" Sie hatte auch Recht. „Hör zu, Keks, ich hab gehört - ich hab gehört, du und Shack hatte einen Streit…" Lily bestätigte es nicht, noch stritt sie es ab. „Denkst du, sie lenkt wieder ein?"

Lily schüttelte den Kopf. „Sie hat gesagt, ich wäre nicht traurig darüber, dass mein Dad gestorben ist." James' Augen wurden groß. „Ja, da kann man nicht wirklich wieder einlenken, oder?"

„Nein, ich schätze nicht. Tut mir leid."

„Ich will nicht darüber reden," sagte Lily entschieden. Sie nahm wieder einmal die Feder in die Hand und begann sie wieder zwischen ihren Fingern zu drehen.

James erinnerte sich an etwas. In seiner Umhängetasche fassend zog der Rumtreiber eine eingewickelte Stoffserviette hervor, die er entfaltete, um drei Kekse zu enthüllen.

„Butterkekse?" bot er an. „Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Libby, der Hauselfin. Sie liebt mich." Lily beäugte den Butterkeks misstrauisch und nahm dann einen Keks, trotzdem wartete sie, bis James einen Bissen genommen hatte, bis sie es ihm nachtat. „Was? Dachtest du, ich würde dich vergiften?" fragte er lachend.

Lily, die auf dem Keks kaute, zuckte die Achseln. „Jede Teenager-Hexe kennt zwei allgemeine Regeln: Nie Getränke von fremden Männern auf Partys akzeptieren, außer du siehst die Flasche, aus der es kam und nie Essen von einem Rumtreiber akzeptieren, außer er hat es auch probiert." Sie grinste. „Copyright muss noch beantragt werden."

„Touche."

Sie nahm einen zweiten Bissen von dem Keks. „Wenn wir gerade von Partys reden, wie war eure Kopie des Slug Clubs?"

James spottete: „Die Toadies sind keine Slug Club Kopie. Sie sind eine… Parodie."

„Tja, ihr hättet sie besser benennen sollen. Schnecken und Kröten sind nicht verwandt - Kröten sind Amphibien. Schnecken sind Weichtiere. Hast du nicht in Pflege magischer Kreaturen aufgepasst?"

Der Rumtreiber konnte nicht anders als zu grinsen, weil - natürlich - hatte sie Recht. „Im Unterricht aufpassen, wenn da überall Tiere mit Reißzähnen sind? Wieso sollte ich?"

Sie aßen den Rest der Kekse in relativer Stille. Als bloß die kleinste Ecke ihres Kekses übrig war, sprach Lily wieder. „Du hast nie gesagt, was genau du die andere Nacht getan hast. Draußen im Hof…"

James zögerte. „Ich wollte eine rauchen."

„Oh. Aber ich dachte, du…"

„Das hab ich," sagte er, während er sich wünschte, dass er diesen nervigen Drang nicht spürte, die Sache aufzuklären. „Ich hab sie nicht geraucht. Aber ich wollte. Aber das hab ich nicht. Ehrlich."

„Okay." Sie betrachtete ihren Keks. „Warum nicht?"

„Ich - ähm - ich weiß nicht. Hab einfach meine Meinung geändert… wollte nicht einen dreimonatigen Rekord brechen, schätze ich."

Lily nickte. „Gut für dich. Zu schade, dass du dir die Keks-Gewohnheit nicht abgewöhnen konntest, ja?"

„Ein Schritt nach dem anderen, Evans."

Die Hexe lächelte und aß ihren Keks auf. „Weißt du," sagte sie, „du kannst dich auch setzen, wenn du magst." Da James noch immer angelehnt an den Tisch stand.

„Eigentlich…" (Er bemerkte die Zeit auf der Uhr.) „Ich sollte wohl zurück zum Gemeinschaftsraum. Ich sollte… tja… es ist besser, wenn du es nicht weißt. Glaubwürdiges Abstreiten, du weißt schon…"

„Richtig." Lily nickte rege. „Natürlich."

James ging jedoch nicht sofort. „Kommst du mit?" fragte er.

Die Hexe überlegte es sich und schüttelte dann ihren Kopf. „Ich denke nicht. Ich sollte hier fertig werden - Punkteabzugsbericht, du weißt schon…"

„Ich bin mir sicher, die Punkte lassen sich morgen genauso gut abziehen," antwortete James. „Komm schon."

Aber Lily schüttelte ihren Kopf. „Ich komme bald nach. Geh du vor." Sie rutschte vom Tisch und drehte sich wieder zu dem Pergament und der jeder, die sie vernachlässigt hatte.

„In Ordnung." Enttäuschter, als er vorgab, fanden James Hände seine Taschen und er begann zur Tür zu gehen. Er hielt dort jedoch an und drehte sich zurück: „Hör zu, Evans,…"

„Mhm?" Sie sah über ihre Schulter zu dem Rumtreiber.

„Es tut mir leid, dass - dich Leute enttäuscht haben… aber das tun sie eben, weißt du."

Lily biss sich auf die Lippe. Sie sah nicht mehr sehr aufgebracht aus. „Ja, das tun sie," stimmte sie zu. „Aber manchmal überraschen sie dich auch positiv."

„Stimmt, aber wie oft passiert das?" fragte James trocken. Lily lächelte geheimnisvoll, zuckte die Achseln und kehrte wieder zu ihrem Vertrauensschülerprojekt zurück.

„Keine Ahnung," sagte sie, gleichermaßen zu dem Formular vor ihr, wie zu dem Rumtreiber hinter ihr gerichtet. „Aber mir ist das in den letzten zwei Wochen zweimal passiert."

Und das war der Teil der Unterhaltung, den James' Gehirn immer und immer wieder abspulte, viel länger, als er es je zugegeben hätte, selbst vor Sirius.


Lily erwachte mit einem Schrecken. Steif von mehr als einer Stunde Schlaf auf dem Fensterplatz schaute sie auf die Uhr und sah, dass es fast Mitternacht war. Sie musste weg gedöst sein, während sie ihr Notizbuch gelesen hatte… Es war fast Mai und dieser verfluchte April war fast vorbei.

Sie konnte nicht glauben, dass sie vor James Potter geweint hatte.

Sie konnte nicht glauben, dass sie nicht mehr mit Luke zusammen war.

Sie konnte nicht glauben, dass Donna… nein, sie wollte nicht daran denken.

Einen bösen Blick auf Donnas Bett werfend schloss Lily das Notizbuch und ließ es mit ihrer Feder und Tinte zum Schreibtisch schweben. Sie blickte ein weiteres Mal aus dem Fenster auf den weiten, mit Sternen übersäten Himmel und drehte dann ihre Füße herum, sodass sie den kalten, hölzernen Schlafsaalboden berührten. April war fast vorbei. So weit es um ihr Notizbuch ging, konnte sie es nächsten Monat wieder versuchen.

Sich so leise bewegend wie möglich schlich Lily auf Zehenspitzen in ihr Bett und kletterte hinein, die Decke bis zu ihrem Kinn hochziehend. Sie hatte gemeint, was sie zu James gesagt hatte… Menschen überraschten sie manchmal positiv, aber sie dachte, dass er auch Recht hatte. Leute waren Enttäuschungen. Sie dachte an Dorothea Grey und Donna und dann dachte sie an Petunia und Sev. Dann, als ihre Augen schwer wurden, dachte sie an Luke und jedes beharrliche „Mir geht es gut.", dass sie an diesem Tag verkündet hatte, jedes Mal, dass sie an ihn gedacht hatte, aber nichts gesagt hatte, jede noch rohe Emotion, die sie meisterhaft verborgen hatte, blutete durch und ein paar Tränen rollten ihre Wange hinunter - genau, wie sie es die letzten elf Nächte getan hatten.

Aber es war in Ordnung.

Sie konnte immer noch morgen mit dem Weinen aufhören.


In den frühen Stunden des ersten Tages im Mai, vor Sonnenaufgang und als der Himmel noch ganz dunkel war, pfiff ein kalter Wind durch die wenigen grünen Blätter, die begannen, auf der Peitschenden Weide zu sprießen. Die jadegrünen Gräser auf den Hogwartswiesen unterwarfen sich der Brise mit einem rauschenden Geräusch und Fang - der Doggenwelpe von Hagrid, dem Wildhüter - ließ ein mitleidserregendes Jaulen ertönen.

Abgesehen von dem herumziehenden Filch und Mrs. Norris waren die Hogwartskorridore leise und ruhig und in dieser Zeit, bevor es dämmerte, atmete Alphard Black das letzte Mal und sank friedlich in den Tod.