AN: Es tut mir wirklich leid, dass ihr so lange auf dieses Kapitel warten musstet. Das letzte Semester hatte mich einfach zu fest im Griff. Die nächsten Kapitel sollten auch bald kommen. Ich hoffe, euch gefällt dieses Kapitel trotzdem gut und macht euch bereit für etwas Drama!

Vielen Dank, wie immer, an meine Beta Anne für das Korrekturlesen!

Disclaimer: Harry Potter und seine Charaktere gehören JKR. Diese Geschichte gehört Jewels5. Dies ist eine genehmigte Übersetzung.

Zuvor: Snape greift Marlene für verschiedene, verworrene Gründe, die zu komplex sind, um sie hier zu erklären, mit dem Cruciatus an, aber Marlene stimmt zu, Snape nicht zu melden, (für verschiedene, verworrene Gründe, die zu komplex sind, um sie hier zu erklären) unter der Bedingung, dass er sicherstellt, dass Marlenes Freunden nichts passiert. Lily hilft dabei, Lukes Todesserbruder Logan zu retten und dann rennt Logan davon, aber nicht ohne Luke eine Art Job anzubieten, den Luke ablehnt. Frank und Alice gehen eine zögerliche Pseudo-Beziehung ein. Snape und Mulciber wollen einige jüngere Schüler für die Sache rekrutieren, unter anderem Regulus Black. Eine gestresste und schuldgeplagte Donna streitet sich mit Lily. Alphard Black stirbt.

Kapitel 20 - „Momente"

Oder

„Hals über Kopf"

Zwischenmenschliche Beziehungen bestehen hauptsächlich aus Momenten und Konversationen.

Momente sind die Dinge, an die wir uns erinnern: die stillen Blicke, die zu interpretieren oder zu missinterpretieren sind, das Lächeln, das später immer wieder analysiert wird, die unbeschreibbare Emotion, die in einer Berührung oder Geste liegt. Momente sind die Dinge, die einen plagen und bestehen bleiben, denn obwohl tausend Worte einer Erklärung im Gespräch geopfert werden, es die Momente sind, denen wir vertrauen. Es sind die Dinge, die du in deinem Kopf all die Jahre später sehen kannst, wenn die Konversationen in die Vergessenheit von Millionen und Millionen von Worten verblasst sind.

(Amsel)

Sirius war plötzlich sehr kalt.

Die Sonne schien und der Himmel hatte einen fröhlichen Blauton, während wabernde weiße Wolken über ihn hinwegzogen. Die Szene gab den Anschein, sehr warm zu sein und trotzdem war es Sirius kalt.

Eine freundliche Brise bewegte die Halme des saftig grünen Grases unter seinen Füßen und es kam ihm in den Sinn, dass er ziemlich alleine war auf der riesigen Wiese. Die Brise wurde stärker, bis sie ein milder Wind war, der gegen den großen Weidenbaum, nicht weit entfernt, fuhr. Seine Äste pfiffen und stöhnten, sich dramatisch vor- und zurückbewegend.

Unerklärbarerweise mit Angst vor dem, was er sehen könnte, drehte sich Sirius um…

niemand. Nichts. Er war ganz alleine.

Das Gras breitete sich in diese Richtung eine kurze Entfernung aus und dann hörte es auf, endete an einer Klippe. Vielleicht erklärte das die Kälte… er war auf einer großen Höhe. Nicht länger ängstlich ging Sirius zum Rand der Klippe. Den grauen und weißen steinigen Abhang spähte er hinunter und er konnte tief unter sich den Boden ausmachen. Dreck: ein See von sandfarbenen Dreck breitete sich aus… er hatte auf Wasser gehofft, aber da war nur der Dreck.

Sirius richtete sich wieder auf und blickte dann auf seine Füße hinunter: er trug seine einfachen schwarzen Schulschuhe - tatsächlich trug er noch seine Hogwartsuniform, aber sie war farblos. Auf seinem Umhang war kein Haussymbol und seine Krawatte war nur schwarz.

Das Pfeifen des Windes wurde lauter und betonter, bedrohlicher: jedoch merkte Sirius, dass je länger er über den Abgrund starrte, die Distanz zwischen seiner Position oben und dem Sand am Boden immer kürzer wurde, bis es schließlich nicht mehr als fünfzehn Meter sein konnten.

Es war die seltsamste Sache, aber während er dort hinunterschaute (und es machte ihn überhaupt nicht schwindelig), fühlte er einen Drang… einen einzelnen Schritt von der Klippe zu machen. Das war alles, was nötig wäre, erkannte er: bloß einen Schritt. Eine unbedeutende Bewegung - schnell, leicht, selbstzufrieden durchgeführt und er wäre über dem Rand. Wie leicht das sein würde, wie mächtig er sich dann fühlen würde… diese Kontrolle… er war alleine. Er war der einzige, der das tun konnte.

Und deshalb machte er ohne zu denken diesen Schritt.

Sofort war die Welt auf den Kopf gestellt. Sirius fühlte, wie er fiel, fallend, sein Herz pochend in seiner Brust. Er fragte sich, wie es sich anfühlen würde, den Boden zu berühren und als der Wind seine Ohren füllte, erkannte er, dass der Berg höher gewesen war, als er geschätzt hatte. Er fuhr fort für eine Zeit, die sich sehr lange anfühlte, zu fallen, die Landschaft raste mit verschwommenen Farben und Tönen an ihm vorbei: durch den Wind konnte er Stimmen hören - Flüstern und Murmeln, das er nicht ganz wahrnehmen konnte, bis eine Stimme - schärfer und klarer als der Rest - rief: „Sirius!" Und er schlug mit einem Krachen auf dem Boden auf.

Er lebte, auf seinem Rücken liegend und schwer atmend, der Boden unter ihm war kein rauer, trockener Dreck, wie er gedacht hatte, sondern kühles Grass. Er musste lange gefallen sein, weil es jetzt dunkel war. Ein großer, weißer Mond hing bedrohlich über ihm zwischen grauen, tanzenden Wolken und einem stellenlosen, schwarzen Himmel. Er hatte nicht mehr Schmerzen, als wenn er einfach auf Bodenebene nach hinten gestolpert wäre, außer an einer Stelle an seinem linken Auge. Es pochte schrecklich und Sirius hatte keine Ahnung, warum. Sonst tat nichts so sehr weh: bloß diese Stelle in seinem Gesicht.

Er lag für mehrere Sekunden da - und gerade als er entschieden hatte, dass er sich bewegen sollte - wurde Sirius etwas Nasses an seinem Hinterkopf bewusst. Blut, vielleicht (er war so weit gefallen). Aber die Flüssigkeit begann langsam sich auszubreiten, zu seinem Hals hinunterzutröpfeln und er erkannte, dass es Wasser war

Die Pfütze, die von dem Punkt herrührte, an dem sein Kopf in Kontakt mit dem Boden war, fuhr fort zu wachsen. Sie hatte seine Fingerspitzen erreicht, bis Sirius bemerkte, dass sie nicht nur in der Fläche wuchs - das Wasser wurde auch tiefer. Er erkannt dies und der Fortschritt wurde schneller, er würde sich bewegen müssen oder der Wasserpegel, der jetzt über seine Hände gewachsen war, würde ihn komplett bedecken. Er versuchte sich aufzusetzen, sich aus dem Gras zu drücken, aber - und bei dieser Erkenntnis durchschoss ihn Angst wie ein Blitz - er konnte es nicht. Er war gelähmt und das Wasser stieg.

Nach einem Moment umgab es ihn. Der Boden unter ihm war verschwunden und während er nahe der Oberfläche schwebte, konnte Sirius noch immer auf den verschwommenen Mond sehen, der auf ihn hinunterstürzte.

Dann fühlte er, wie eine Kraft an seinem Bein zog, dann an seinem Arm und dann seinen ganzen Körper hinunterzog. Er konnte nicht atmen und er wurde weiter hinuntergezogen, das Licht über der Oberfläche wurde immer schwächer und schwächer. Er würgte, unterdrückte Tränen (warum tat sein Auge so weh?) und schlug vergebens wild um sich und gegen das Wasser.

Er war am Sinken. Der Druck des Wassers wurde stärker und drückte schmerzhaft gegen ihn. Er öffnete seinen Mund um zu schreien und Wasser füllte seinen Lungen. Seine Energie schwand. Das Glühen des Mondes im Himmel war so gut wie weg und er bemerkte, dass seine Arme zu schwer waren um gegen die Kraft zu kämpfen, die ihn nach unten zog.

Er würde sterben. Er würde in dieser großen, dunkelblauen Leere ertrinken. Das Wasser wurde schwärzer, als er tiefer und tiefer gezogen wurde, der Druck auf jedem Zentimeter seines Körpers stieg an. Er sank weiter und weiter in die Dunkelheit…

Sirius Black erwachte mit einem Schrecken. Er schnappte nach Luft und obwohl er wusste, dass er in der Sicherheit des Schlafsaals der Gryffindor Sechstklässler war, tastete er um sich um sicherzugehen. Seine warmen Decken umgaben ihn noch, sein Zauberstab verblieb sicher unter seinem Kopfkissen, die Vorhänge waren zugezogen… alles war normal.

Es war die vierte Nacht hintereinander, in der er diesen Traum vom Ertrinken hatte. Sirius rieb sich mit seinen Fingerspitzen die Augen und stöhnte dann über die Ungemütlichkeit, so unangenehm aufgeweckt worden zu sein. Ein schneller Blick auf den Wecker auf seinem Nachttisch sagte ihm, dass es kurz nach drei am Morgen war.

Er sank zurück auf die Kissen.

Vier Nächte hintereinander. Guter Gott. Das musste aufhören.

(Gestern)

Alphard Black starb am 1. Mai.

Er ging in der Nacht: ein ruhiger, friedlicher Tod. Heiler Holloway fand ihn - er hatte es sich angewöhnt, an Wochenenden, nach dem Professor zu sehen. Black lag in seinem Bett, bequem und ruhig, als ob er schliefe. Der Verteidigungsunterricht fiel in dieser Woche aus.

„Kommst du?" fragte James leise. Der Quidditchkapitän trug komplett schwarze Umhänge und einen grimmigen Ausdruck, aber Sirius' Rücken war seinem besten Freund zugedreht und er sah nichts davon.

„Nein," antwortete er bitte.

Es war der Donnerstag danach (der Sechste) und die zwei Jungs waren alleine im Schlafsaal. „Padfoot," versuchte James es noch einmal. „Er würde wollen, dass du da bist."

Sirius verdrehte seine Augen. „Und woher zur Hölle würdest du das wissen, Prongs? Du kanntest ihn kaum. Er war bloß dein Professor Black."

„Also, was du mir sagen willst," entgegnete James, „ist, dass dein Onkel es vorziehen würde, wenn du nicht zu seiner Beerdigung gehen würdest?"

Sirius drehte sich zu ihm um. „Ja, James. Das will ich dir sagen."

James setzte sich auf das nächste Bett. „Ich bleibe hier," verkündete er. „Ich lasse dich nicht hier alleine im Schloss."

„Ich bin nicht alleine in diesem Schloss und du bleibst nicht," seufzte Sirius. „Hör zu, James, geh einfach. Ich will in Ruhe gelassen werden… mir hängen das Mitleid und Leute, die mir sagen, wie leid es ihnen gut, zum Hals raus… als ob sie es in irgendeiner Art und Weise verstehen."

„Ein paar von ihnen tun das, Padfoot."

„Nein. Das tun sie nicht."

„Viele Leute haben im Krieg Familie verloren. Das weißt du."

„Ja, wie viele haben die einzige Familie verloren, die sie hatten?"

„Sirius, du hast Familie. Du hast Andromeda, du hast mich, du hast…"

„Ich hab' gar nichts, Potter." sagte Sirius apathisch. „Jetzt hau ab. Geh mit dem Rest der Schule nach Hogsmead deinen Respekt zollen und lass mich in Ruhe."

„Padfoot, es wäre vielleicht gut für dich, wenn du gehen würdest um dich zu verabschieden."

„Von was verabschieden? Einem Hügel kaltem Fleisch in einer hölzernen Kiste? Ich muss mich nicht verabschieden. Und wenn du ein Idiot sein willst, mach einfach die Tür auf dem Weg nach draußen zu." Er zündete sich eine Zigarette an.

James war für eine lange Zeit still. „Ich lasse dir den Umhang und die Karte hier, falls du deine Meinung änderst." sagte er schließlich, stand von dem Bett auf und lief auf den Ausgang zu. „Und später, wenn du dich dafür fertigmachst, dass du so ein Trottel warst, schlag dich einmal von mir, ja?" Er schloss die Tür hinter sich.

Die Andacht in Hogsmead war nicht Blacks Beerdigung. Es war bloß ein Gottesdienst, hauptsächlich für Schüler, obwohl sie bei weitem nicht die einzigen waren, die teilnahmen. Als es vorbei war, folgten die Schüler dem polierten schwarzen Sarg ihres Lehrers, als er die Hauptstraße hoch zu einem dunklen, pferdelosen Leichenwagen geschwebt wurde.

Lily ging mit Severus im selben schleppenden Schritt, ihre grünen Augen feucht, aber ihre Wangen trocken. Die einzigen Geräusche, scheinbar im ganzen Dorf, waren die von vielen schlurfenden Füßen auf dem Boden.

„Was wirst du tun, wenn du zurück ins Schloss kommst?" fragte Severus flüsternd, als Blacks Sarg sein Ziel erreichte. Lily sah den Slytherin an, überrascht von Sprache an sich; es schien eine Ewigkeit, seit sie eine menschliche Stimme gehört hatte (obwohl es in Realität gerade mal zwanzig Minuten gewesen waren).

„Ich weiß es nicht," antwortete sie ehrlich. „Ich habe noch nicht darüber nachgedacht."

„Hast du den Zauberkunst-Aufsatz fertig?" beharrte Severus. „Der letzte Teil war ein wenig…" Er bemerkte Lilys Gesichtsausdruck. „A-aber wir können später darüber reden."

„Ja," antwortete sie kurzangebunden. „Das können wir."

Severus schlüpfte davon, als sie sich dem Ende des Marsches annäherten und Lily begann zu Marlene und Mary zu gehen. Sie bemerkte, dass James, Remus und Peter ein wenig entfernt unter sich bleiben, aber Sirius war auffällig abwesend.

„Alle gehen rüber zu den Drei Besen für ein Butterbier," sagte Mary, als Lily sich ihnen näherte. „McGonagall hat es erlaubt. Kommst du mit?"

„Ich schätze."

Die Menge begann sich zu verteilen, und die Mehrheit der Hogwartsschüler bewegte sich zu den Drei Besen. Sie waren eine ruhige Gruppe, eine schwarzmäntelige Masse, die sich durch die düstere Straße schob. Der graue Himmel drohte mit Regen und ein bitterkalter Wind ließ alle ihre Umhänge etwas enger fassen. Selbst das Wetter schien zu trauern.

Lily starrte apathisch durch die Menge auf die trauernden Gesichter ihrer Klassenkameraden. Professor Black war von so gut wie jedem gemocht geworden und dass er so plötzlich gehen sollte… es war einfach nicht fair. Es war nicht richtig. Und armer Sirius…

Ihre Augen landeten auf Severus, der sich jetzt seinen Klassenkameraden angeschlossen hatte. Sie murmelten unter sich - Sev, Mulciber, Avery und Hester - und sie fragte sich vage, über welches Thema. Sie fand Alice und Frank, die mit anderen Siebtklässler gingen und widerstand dem Drang, Donna zu finden (es würde sie schließlich nur wütend machen). Sie überblickte abwesend die Menge vor dem Pub (ein paar tränenüberströmte Drittklässler, einige ernste Ravenclaws), als sie, Mary und Marlene der Masse nach drinnen folgten.

Die kleine, bronzene Glocke über der Tür klingelte, als Marlene die sich schließende Tür für sich und ihre zwei Freundinnen aufschob; die warme Luft und die Farben des Pubs waren ein scharfer Kontrast zu der Kälte der Straße und Lily wollte hastig die Tür hinter ihr schließen. Sie drehte sich um, drückte sanft gegen die Tür, so dass kurz bevor sie schloss, sie einen Blick auf die Straße warf.

Ladenbesitzer, die herausgekommen waren, um zu schauen, fuhren nun mit ihrem normalen Tagesablauf fort; Hexen und Zauberer, die an dem Gottesdienst teilgenommen hatten, hingen an Straßenecken herum, ernst redend oder sonst stillschweigend. Professor McGonagall und Hagrid, der Wildhüter, waren in der Nähe der Kutschen, die die Schüler wieder hoch zur Schule bringen würden, im Gespräch und eine große, gefleckte Katze lief über das Fensterbrett eines Ladenfensters unten in der Straße.

Und für den kürzesten Moment, in der Nähe eines offenen Fensters gegenüber, erspähte Lily ein Paar dunkle Augen, sitzend in einem bekannten Gesicht, dass sie nicht registrierte, bis eine Sekundenbruchteil später die Tür zufiel. Ihr Herz beschleunigte und - mit vor Schock weit geöffneten Augen - öffnete Lily wieder die Tür. „Wohin gehst du?" fragte Marlene, aber Lily war schon draußen auf der Straße.

„Frank, würdest du vorgehen?" fragte Alice, und warf einen Blick auf die drei Rumtreiber, die etwas entfernt standen. „Ich treffe dich drinnen."

Der Schulsprecher nickte, ihre Hand kurz drückend, bevor er ohne sie die Drei Besen betrat. Alice zog in der Zwischenzeit ihren Mantel etwas höher und beschleunigte ihren Schritt um James, Remus und Peter einzuholen, die in die entgegengesetzte Richtung liefen. Sie wurde beinahe von einer komplett zerzausten Lily Evans über den Haufen gerannt, aber erreichte die drei Zauberer gerade, als sie sich von der größeren Gruppe lösten.

„James… Remus… Peter, wartet eine Minute…"

Das taten sie. Sie sah zwischen ihnen her. „Wie geht es ihm?" fragte der Siebtklässler weich.

„Nicht fantastisch," antwortete Remus. „Wir gehen jetzt hoch zum Schloss um ihn zu sehen. Er hat sich geweigert herunterzukommen."

Alice nickte. „Hört zu, ich weiß, ihr seid seine besten Freunde, aber wenn ihr denkt, dass es irgendwie hilft, kommt mich suchen und ich rede auch mit ihm, ja?"

Remus lächelte schwach. „Danke, Alice. Das werden wir."

Die Siebtklässlerin drehte sich um und ging langsam zurück, irgendwann in die Drei Besen verschwindend. Die Rumtreiber gingen dann weiter zu den Kutschen.

„Ich weiß nicht," sagte Peter, als sie liefen. „Padfoot hat mich gebeten, den Feuerwhiskey zu holen… er wird richtig sauer sein, dass ich es nicht getan habe."

„Da ist eine Flasche in meinem Koffer, die er noch nicht gefunden hat," sagte James. „Und du solltest Sirius dich nicht rumkommandieren lassen, Wormtail." Remus verdrehte die Augen. „Moony, was denkst du? Wie lange geben wir ihm Zeit, bis wir ernsthaft eingreifen?"

Bevor Remus antworten konnte, unterbrach eine neue Stimme. „James?"

Die Rumtreiber drehten sich um, um eine liebliche, dunkelhaarige Hexe sich nähernd zu sehen. Sie hatte ein langes, dünnes Gesicht, mit vertrauten grauen Augen und einem großen, gertenschlanken Körperbau. Sie trug einen schwarzen Mantel mit einer silbernen Schnalle und der Ausdruck auf ihren elfenbeinfarbigen Gesicht war trauernd. James atmete tief aus.

„Andromeda," antwortete er als Begrüßung.

Sie lächelte traurig. „Er ist nicht gekommen?"

James schüttelte seinen Kopf. „Er… nimmt es nicht gut auf."

Die Hexe, Andromeda Tonks (geborene Black) beachtete zu ersten Mal die zwei anderen Rumtreiber. „Remus. Peter."

„Hallo, Andromeda," sagte Remus und Peter nickte.

Aufgrund des Altersunterschieds von ein paar Jahren war Andromedas Bekanntschaft mit den Rumtreibern hauptsächlich durch ihren Cousin, ihrem vierten Mitglied, weniger durch Hogwarts. Sie war eine Sechstklässlerin gewesen, als die Rumtreiber begonnen hatten und - noch wichtiger - ein Mitglied des Slytherinshauses, sodass ihr Kontakt während ihrer gemeinsamen Jahre minimal gewesen war. Jedoch, seit Andromedas Heirat zu einem muggelstämmigen Zauberer und ihrer folgenden Enterbung durch die Black Familie, hatte Sirius seine Lieblingscousine häufig in den Sommerferien besucht, James und manchmal auch Remus und Peter mit sich bringend.

Jetzt mit 23 war Andromeda so schön, wie sie in Hogwarts gewesen war, aber ziemlich anders. Ihre noch immer schlanke Figur war etwas voller, wahrscheinlich die Folge davon, ein Kind bekommen zu haben und die Winkel ihres Gesichtes wirken sanfter, weniger einschüchternd. Ihre Augen - fast identisch zu Sirius' - waren jedoch genau dieselben. Welche Gewalt Sirius und Regulus Black mit gutem Aussehen beschert hatte, hatte Andromedas Familienzweig ebenso beeinflusst. Nicht nur sie war ziemlich hübsch, sondern auch ihre zwei Schwestern waren wohl bekannt für ihr Aussehen.

Wenn man gerade davon sprach...

„Ist es sicher für dich, hier zu sein?" fragte James und sah durch die Menge in der Straße.

„Die Familie ist nicht hier," antwortete Andromeda traurig. „Sie werden bei der richtigen Beerdigung sein, schätze ich… und ich glaube nicht, dass ich an dieser teilnehmen werde."

„Ist Ted hier? Und deine Tochter?" fragte Peter, woraufhin Andromeda ihren Kopf schüttelte.

„Ted ist mit Nymphadora zuhause geblieben. Ich dachte, sie sei etwas zu jung für das hier, und um die Wahrheit zu sagen, war ich mir nicht sicher, dass es komplett sicher ist." Andromedas Ausdruck wurde besorgt. „Aber… wie geht es ihm?"

Es gab keinen Zweifel, dass sie über Sirius sprach. James runzelte die Stirn. „Wütend, hauptsächlich."

„Das hört sich nach Sirius an," seufzte die Hexe. „Könntet - könntet ihr mich zu ihm bringen?"

James sah zu Remus, der dachte, dass dies eine gute Idee war. „Natürlich," sagte ersterer, und deutete zu eine der Kutschen in der Nähe. „Wir nehmen dich mit."

Andromeda stieg in die Kutsche, direkt gefolgt von den drei Rumtreibern. Als die Tür magisch schloss und ihr Wagen sofort die Straße hoch startete, fühlte sich Remus dazu veranlasst, die Stille zu füllen. „Es tut mir so leid wegen deinem Onkel, Andromeda. Er war der beste Verteidigungslehrer, den wir je hatten."

„Jeder hat Onkel Alphard geliebt," stimmte die Hexe ruhig zu. „Sie konnten nichts dagegen tun, schätze ich."

Die Gruppe erreichte bald das Schloss und James führte sie durch die Eingangshalle zu einer großen marmornen Treppe. Es fühlte sich seltsam an, eine Nichtschülerin - und dazu noch eine frühere Slytherin - zum Gryffindor Gemeinschaftsraum zu fahren und doch, als Andromeda höflich anbot, weg zu gehen, während er der Fetten Dame das Passwort sagte, bestand er darauf, dass dies nicht nötig war und meinte es auch.

„Wir lassen dich zuerst mit ihm alleine," bot Peter an, als sie die Treppe zu den Jungenschlafsäalen erreichten.

„Ich zeige dir nur die Tür," sagte James. Er ging die Wendeltreppe zuerst hoch, und hielt am zweithöchsten Stock an und klopfte dort an die Tür.

Verpiss dich," kam Sirius gedämpft, angesäuerte Antwort.

Andromeda drehte sich zu James um. „Dankeschön," flüsterte sie, emotionaler.

Dann, die Tür aufschiebend, schritt sie in den Schlafsaal.

Donna fiel auf die blauen Laken zurück, nach Luft keuchend und in der glückseligen Leere ihres Kopfes schwelgend.

Jeder Zentimeter ihres Körpers schien zu brennen und sie zog die Laken um sich herum hoch, teilweise als unbewusste Geste um sich zu bedecken, teilweise, weil die sanfte Baumwolle im Vergleich kühl war. Sie konnte nicht denken - ihr Gehirn war Matsch und ihr Herz hatte sich noch nicht zu einer normalen Rate verlangsamt, so dass alles, was sie fühlen konnte, gemütliches, karthagisches Nichts war. Wenn sie sich bloß immer so fühlen konnte. Wenn sie sich bloß immer so…

„Verdammt," atmete Charlie von irgendwo neben ihr. Plötzlich kehrte die Welt in scharfem Fokus zurück und Donna wollte etwas verhexen.

Sich einen Moment oder zwei geben um zu etwas Normalität zurückzukehren (physisch gesprochen), setzte sich Donna dann im Bett auf - Laken immer noch unter ihr Schlüsselbein gehalten - und sah sich nach ihrer Kleidung um. Sie fand ihre Unterhosen am Ende des Bettes und da sie gezwungen war, die Laken fallen zu lassen um sich anzuziehen, drehte Donna ihrem Begleiter den Rücke zu, bevor sie in ihre Unterwäsche schlüpfte.

„Gehst du schon?" fragte Charlie. „Wirklich, Shack, du lässt mich billig fühlen." Donna verdrehte die Augen, obwohl der Ravenclaw dies in ihrer momentanen Position nicht gesehen haben konnte. Er lag noch immer mit seinen Händen hinter seinem Kopf, eingenistet zwischen Kissen und Decken. „Du musst nicht gehen, weißt du," fuhr er fort. „Ich schätze, jeder wird noch für zwei weitere Stunden oder so unten im Dorf sein."

Donna überlegte es sich, aber das Nerven von Charlie überwog die Versprechungen von Sex. „Ich bin nicht in der Laune für ein weiteres Mal," sagte sie einfach und schlüpfte in ihren Rock.

„Wir müssen nicht," fuhr Charlie fort und Donna beobachtete, dass in seinem Ton sein übliches arrogantes Amüsierten fehlte. „Ich meine - du könntest schlafen, wenn du willst."

Donna fand ihren BH und wollte ihn befestigen, aber sie hatte ein paar Schwierigkeiten mit dem Verschluss. „Ähm… nein."

„Okay," sagte Charlie.

Plötzlich fühlte Donna Finger auf ihrem Rücken, was sie zusammenzucken ließ. „Hör auf damit," befahl sie, aus der Fassung gebracht.

„Ich wollte bloß helfen," grummelte der Ravenclaw und jetzt, da sie den Verschluss geschlossen hatte, drehte sich Donna zu ihrem Begleiter um und starrte ihn wütend an.

„Ich brauche deine Hilfe nicht. Was ist heute los mit dir?"

„Ich weiß nicht!" fuhr Charlie sie verteidigend an. Donna schnappte ihre Bluse und riss ihre Arme durch die Ärmel, die Knöpfe rasch attackierend. „Ich - ich denke bloß, diese ganze Sache… dass Professor Black gestorben ist und alles…" Er sah ihr nicht in die Augen. „Es hat mich einfach zum Nachdenken gebracht, das ist alles…"

Donna beendete das Zuknöpfen, aber hob kein weiteres Kleidungsstück auf, da sie zu beschäftigt damit war, den Zauberer vor ihr ungläubig anzustarren. „Was zur Hölle soll das bitte bedeuten?"

„Ich weiß nicht," wiederholte er. „Ich habe einfach nachgedacht."

Donna entschied sich, nicht zu fragen, was er mit dieser Aussage meinte und befahl: „Tja, hör damit auf."

Charlie blickte finster. „In Ordnung."

Sie zog sich fertig an, hielt vor einem Spiegel um nachzuprüfen, dass ihr Spiegelbild makellos war, bevor sie den Schlafsaal verließ. Charlie blieb im Bett, halb von Laken bedeckt, mit seinen Armen nun verärgert über der Brust verschränkt. Ohne mehr als ein kurzes Nicken verließ Donna den Schlafsaal und nahm beim Heruntergehen der Treppe zwei Stufen auf einmal. Als sie den verlassenen Ravenclaw Gemeinschaftsraum durchquert hatte, war sie minimal weniger aufgebracht.

Charlie Plex hatte die philosophische und emotionale Kapazität eines Fingerhuts. Um Gottes Willen, er fühlte überhaupt keine Schuld dabei, seine Freundin drei bis vier Mal die Woche zu betrügen, sogar während des Gottesdienstes für einen verstorbenen Verteidigungslehrer. Der Junge (und sein „Nachdenken") war harmlos.

Donna fühlte sich ein wenig besser, als sie ganz aus dem Gemeinschaftsraum raus war, die Treppe vom Ravenclawturm hinuntergehend, die sie auf dem fünften Stock raus ließ. Sie ging zu ihrem eigenen Gemeinschaftsraum und war halb dabei, eine Geschichte zu entwerfen, warum sie Professor Blacks Gottesdienst verpasst hatte, als sie sich erinnerte, dass dies vollkommen unnötig war. Sie würde nicht um Lilys Willen lügen müssen. Niemand würde fragen, wo sie gewesen war.

Da war ein kurzes Hochgefühl von befreiter Erleichterung, gefolgt von einem deprimierten Zwicken von Einsamkeit. Aber wirklich, das war eine gute Sache. Niemand, für den man Ausreden machen muss, niemand, der wissen wollte, warum sie eine schlechte Laune hatte, niemand, der sie mit Fragen und Gespräche nerven würde, wenn sie nur in Ruhe gelassen werden wollte. Zusammengefasst, keine Lily.

Der tote Professor driftete durch ihre Gedanken. Professor Black, unten im Dorf mit ein paar hundert Leuten, die gekommen waren um sich zu verabschieden. Professor Black, kalt und tot und gegangen. Bis Donna den Gemeinschaftsraum erreicht hatte, war jede Begeisterung, die von ihrem Treffen geblieben war, komplett verschwunden.

Sirius erschrak beim Anblick seiner Cousine. Er stand sofort vom Himmelbett auf. „Andromeda! Was tust du hier?"

Andromeda hob ihre Augenbrauen. „Ist das die Art, seine Lieblingscousine zu begrüßen? Besonders, wenn du mich gerade so angeflucht hast…"

Sirius wurde leicht rot und durchquerte in einer halben Sekunde den Raum, seine Cousine kurz umarmend. „Es tut mir leid… ich wusste nicht, dass…"

„Ich weiß."

Sirius zog seinen Zauberstab und deutete ihn auf einen Schreibtischstuhl hinten im Raum. Die Kleider, Bücher und das Pergament, das sich auf ihm sammelten, fielen sofort zu Boden, bevor der Stuhl sich selbst zu Sirius Bett schob. Er deutete Andromeda an, sich auf den Stuhl zu setzen und setzte sich selbst auf das Bett. „Warum bist du nicht zum Gottesdienst gekommen?" fragte die Hexe, als sie beide Platz genommen hatten.

„Ist das eine Art, deinen Lieblingscousin zu begrüßen?" entgegnete Sirius trocken. Andromeda verdrehte ihre Augen.

„Wirklich, Sirius."

Der Rumtreiber zögerte und antwortete dann leise: „Ich hab' den Sinn darin nicht gesehen." Er erwartete aufgefordert zu werden, seine Position zu verteidigen, aber Andromeda nickte nur. „Warum bist du gekommen? Es ist nicht sicher… irgendjemand aus der Familie hätte hier sein können und…"

„Sie werden bei der Beerdigung sein," antwortete Andromeda. „Die ist am Samstag. Aber ich wusste, dass sie sich nicht dazu erniedrigen würden, an so einer gemeinen Veranstaltung in Hogsmead teilzunehmen." Ihre Lippen zuckten sardonisch. „Jedenfalls," fuhr sie fort. „Ich musste einfach kommen, wenn ich es konnte. Ich schulde das Onkel Alphard."

Sirius zuckte bei dem Namen zusammen, eher als ob es Voldemorts gewesen wäre, als der eines geliebten Verwandten. „Es ist nicht fair, murmelte er. „Es hätte nicht er sein sollen."

„Nein," stimmte Andromeda zu. „Aber es war er. Und wenn nichts anderes, hast du zumindest in seinem letzten Jahr Zeit mit ihm verbringen können."

„Ich wünschte, ich hätte es nicht."

„Nein, das tust du nicht. Natürlich, wenn ihr nicht so nah gewesen wärt, würde es jetzt weniger weh tun, aber… du musst wissen, dass du etwas verpasst hättest, was du lieber nicht verpassen würdest. Oder, Sirius?"

Er entschied sich dafür, nicht zu antworten und die Cousins waren für einige Zeit still. Während er den Grund für Andromedas Besuch sehr gut erkannte, aber es wählte, eben diesen zu ignorieren, wechselte Sirius das Thema. „Also ist Cissy verlobt."

„Mit Lucius Malfoy," bestätigte die andere. „Ziemlich ironisch."

Sirius schnaubte. „Und wenn man bedenkt, dass ich vor ein paar kurzen Jahren dachte, dass ich an eurer reinblütigen Märchenhochzeit teilnehmen würde…"

„Kannst du dir das vorstellen?" spottete Andromeda. „Weißt du, ich kann mir nicht vorstellen, wie mein Leben sein würde, wenn ich das durchgezogen hätte. Ich schätze nicht, dass ich das jemals hätte tun können, obwohl ich das für eine Weile gedacht habe. Aber nachdem ich Ted getroffen habe, war das unmöglich, ob ich das nun wusste oder nicht. Trotzdem ist es seltsam vorzugeben, dass ich es vielleicht getan haben könnte."

„Und ich wäre vielleicht in Slytherin gewesen, wenn ich nicht James getroffen hätte," sagte Sirius düster. „Du hast Recht. Es ist schwierig sich das vorzustellen."

Eine weitere Stille und dann fuhr Andromeda fort: „Er hat mir Geld gegeben, weißt du. Als ich mit Ted davongelaufen bin, hat Onkel Alphard mir Gold gegeben. Wir waren zu der Zeit ziemlich pleite - ich weiß nicht, was wir getan hätten, wenn nicht."

Sirius war plötzlich sehr wütend auf seine Cousine dafür, dass sie das Thema aufleben ließ, was er wünschte zu vermeiden. Er hatte vor, sie anzufahren, aber er sah ihr in die Augen und wusste, dass er es nicht konnte. Es waren die typischen Black-Augen: grau, bewölkt, eingerahmt von dichten, dunklen Wimpern und durchzogen von einer gewissen Steineinheit, die nie komplett ausgelöscht werden konnte. Trotzdem war Andromeda die einzige Verkörperung dieser Familieneigenschaft (mit ein paar namhaften und schmerzhaften Ausnahmen), die ihm je Mitgefühl oder Verständnis gezeigt hatte. Von seiner Mutter, manchmal seinem Vater, von Regulus, von Cissy und selbst Bella hatte er einst Zuneigung erhalten - obwohl er es nicht gerne zugab - aber nur von Andromeda Mitgefühl und das konnte er nicht hintergehen, also sagte er stattdessen: „Ja, er hat auch mir Geld gegeben, als ich weggerannt bin. Mum hat es wohl nie herausgefunden, sonst hätte sie sicher seinen Namen vom Wandteppich gesprengt."

Andromeda stimmte zu. „Du wirst ihn nicht vergessen, oder, Sirius?" fragte sie bedeutungsschwer. „Er hat uns nie vergessen. Er war der einzige."

Sirius wusste genau, was sie mit „uns" meinte: nicht bloß sie beide, sondern alle von Alphards Nichten und Neffen. Regulus, Narzissa und Bellatrix waren alle treue Mitglieder des Hauses Black, aber alle von ihnen waren irgendwie vernachlässigt wurden - vielleicht nicht misshandelt wie Meda und Sirius, aber auf irgendeine Art und Weise trotzdem vergessen worden.

„Ich werde ihn nicht vergessen," versprach Sirius.

Andromeda blieb etwa eine weitere halbe Stunde bei ihm, während sie über verschiedene Themen sprachen, die alle zu den Blacks oder ihrem Onkel zurückführten. Dann sagte sie, dass sie besser gehen sollte, da sie Nymphadora - ihre Vierjährige - bei Ted gelassen hatte und er sich Sorgen machen würde.

„Er wollte auch nicht, dass ich nach Hogsmeade gehe," bemerkte sie. „Nicht, dass er das gesagt hätte, natürlich, aber ich habe es gemerkt."

Sirius fühlte ein Stechen von Eifersucht. Zunächst schätzte er, dass es war, weil Ted und Dora Andromeda haben würden und dann dachte er, dass es sein könnte, dass er eifersüchtig auf Andromeda war, weil sie Ted und Dora haben würde. Es gab einen Teil in Andromeda und Sirius, der immer Black sein würde, aber ihr Teil war kleiner. Sie hatte einen Ehemann, sie konnte einen neuen Namen annehmen und Teil einer neuen Familie werden. Sirius würde seinen Namen immer mit sich schleppen.

„Ich liebe dich, Sirius," sagte Andromeda, zögernd nahe der Tür. Sirius umarmte sie schroff noch einmal.

„Liebe dich, Meda."

Sie drehte sich um, aber ihre Hand blieb auf der Türklinke liegen. „Vergiss auch deine Freunde nicht," sagte sie. „Ich hatte nie solche Freunde. Ich denke nicht, dass ich das je haben werde. Vergiss - vergiss sie einfach nicht."


Sie war dabei, verrückt zu werden. Das war die einzige plausible Erklärung. Es war einfach nicht möglich. Es konnte einfach nicht sein.

Während sie sich gegen die äußere Wand von Die drei Besen lehnte, fuhr sich Lily mit beiden Händen durch die Haare, schloss ihre Augen und versuchte zu entscheiden, ob sie das wirklich glaubte. Es war bloß ein Moment gewesen - weniger als eine Sekunde, in der sie gedacht hatte, dass sie dieses Gesicht gesehen hatte… dieses schrecklich vertraute Gesicht und vielleicht hatte sie sich die ganze Sache nur vorgestellt. Halluziniert.

Vielleicht hatte sie an ihren letzten Hogsmeadebesuch gedacht und versunken in Erinnerungen, ein Bild projiziert, was gar nicht gegenwärtig war.

Wirklich, was würde er hier machen? Was würde er im Dorf machen, in der mitten einer geschäftigen Straße, wo jeder ihn erkennen könnte? Und sie war sich sicher, dass sie gesehen - oder halluziniert hatte - dass er ihr in die Augen geblickt hatte: was in der Welt würde ihn dazu bringen, so etwas Dummes zu tun? Die Aufmerksamkeit der einen Person auf sich zu lenken, von der er wusste, dass sie ihn definitiv identifizieren konnte.

Trotzdem konnte sie in ihrem inneren Auge seine Gesichtszüge sehen, und ein kleiner Teil von Lily war ernsthaft überzeugt, dass sie ihn in der Tat gesehen hatte.

Tief atmend öffnete Lily wieder ihre Augen zur vollen Straße. Eine Mischung von bekannten und unbekannten Gesichtern zog an ihr vorbei, keine von ihnen das, was sie suchte.

Es war verrückt. Es war alles in ihrem Kopf. Sie hatte es sich nur vorgestellt.

Es war die einzig logische Erklärung.

Denn was würde Logan Harper in Hogsmeade machen?


Mary saß in einer Ecke einer Sitzgruppe in die drei Besen, während Marlene zu ihrer linken und Adam ihnen direkt gegenüber saß. Ihr Tisch war der einzige, der nicht vollkommen besetzt war und die große Mehrheit der Gäste waren Hogwartsschüler. Das Radio war aus und der Geräuschpegel des Pubs war nicht höher gestiegen als ein ödes, entferntes Getöse, das hauptsächlich aus trübsinnigen Gesprächen über alles bestand, vom aktuellen Thema (Professor Black) zu belanglosem, apathisch wiederholtem Klatsch.

Marlene und Adam redeten über etwas Philosophisches, was Mary kaum hörte. Ihr Gehirn und ihre Augen drifteten ab. Sie wollte nicht darüber nachdenken, dass Professor Black tot war oder über die Plötzlichkeit von Sterblichkeit oder über irgendeins der Dinge, von denen seit letzter Woche jeder besessen war. Sie wollte überhaupt nicht denken.

Ihre Freunde wussten das, aber Mary hatte das Gefühl, dass keiner von ihnen wirklich verstand, warum. Sie schätzten, es war, weil sie Mary war - Mary, die Lustige, die Glückliche, die Sorgenlose, die manchmal Unzuverlässige. Und alles davon stimmte natürlich. Sie würde es nicht abstreiten. Aber das war nicht wirklich der Grund, warum sie ihren Kopf zu anderen Themen zwang. Schließlich war Mary von ihren Zimmerkameradinnen die einzige, die Thestrale sah.

Am nächsten Tisch fragte sich eine Gruppe von Siebtklässlerin ernst, was Dumbledore wegen einer Vertretung plante. Ein paar der Ravenclaws an der Bar bemerkten, dass Professor Black der beste Verteidigungslehrer gewesen war, den sie in Hogwarts gehabt hatten. Eine Drittklässlerin nahe der Tür erzählte ihren Freundinnen, dass sie zuvor niemanden gekannt hatte, der gestorben war (selten, wenn man die momentane Lage und Du-weißt-schon-wen beachtete).

Marys Augen drifteten zu einem Tisch in ihrer Nähe, der von ein paar Slytherins aus ihrem Jahr belegt war. Es war sehr seltsam: als sie hinüberschaute, war sie sich sicher, dass sie bemerkte, wie mehrere von ihnen sich plötzlich bewegten, ihre Köpfe von ihr wegdrehten, als ob sie diesen Tisch beobachtet hätten. Sie wurde rot. Bei Avery und Snape konnte sie sich nicht sicher sein, aber sie war fast überzeugt, dass Mulciber sie beobachtet hatte - oder zumindest ihren Tisch.

Das war seltsam.

Mary sah Marlene und Adam an, aber keiner von ihnen schien etwas bemerkt zu haben und keiner von ihnen schien gerade etwas so Besonderes zu tun, das Argwohn von ein paar Slytherin verdient hätte. Sie war es auch nicht - ihre Umhänge waren nicht besonders freizügig und es waren keine Rumtreiber in der Nähe: die Rumtreiber (und Lily) waren die einzigen Gryffindors in ihrem Jahr, die die Slytherins typischerweise beschäftigten. Vielleicht suchten sie nach Lily. Aber warum sollten sie sich dann so abrupt wegdrehen?

Mary war es recht gewöhnt, dass Mitglieder des anderen Geschlechtes sie ansahen: es war der Fluch von Kurven und einer guten Knochenstruktur. Es war nicht einmal ein neues Konzept für sie, dass eine Gryffindor-hassende Schlange wie Mulciber sie anschauen könnte. Aber da war ein Unterschied zwischen angeschaut zu werden und beobachtet zu werden und sie fühlte, dass gerade jetzt letzteres zutraf. Das machte ihr Sorgen.


Erst zum Abendessen an diesem Abend schaffte Lily es, Luke ausfindig zu machen und selbst dann musste sie warten, bis das Essen beendet war, bis sie wirklich mit ihm sprechen konnte. Dann, endlich, als der Ravenclaw vom Tisch aufstand - glücklicherweise alleine - und zur Halle losging, ließ Lily sofort ihre Gabel fallen und stand auf um ihm zu folgen. Sie war einige Schritte vom Gryffindortisch entfernt, als ihr klar wurde, dass sie nicht die geringste Ahnung hatte, was sie sagen würde: „Hallo Exfreund. Dachte, ich habe heute deinen Todesserbruder im Ort gesehen - hast du eine Ahnung, was das war?"

Tja, das würde ausdrücken, was sie dachte, aber es würde auf keinen Fall gehen.

„Luke!" rief sie dem Ravenclaw hinterher und er hielt auf der ersten Stufe der marmornen Treppe in der Eingangshalle an. Er sah aufgeregt und verwirrt aus, als sie sich näherte, aber Lily hatte nicht die Zeit, das zu analysieren.

Einen Blick in die Halle werfend um sicherzugehen, dass sie relativ privat reden konnten, erklärte Lily sich - ineloquent und nervös. Am Ende ihrer kurzen Geschichte sah Luke ausreichend geschockt aus, sodass Lily sich ziemlich sicher über die Antwort zu ihrer nächsten Frage war.

„Ich weiß, es ist lächerlich," fuhr sie fort. „aber - du… hast ihn nicht gesehen, oder?"

„Ähm, nein." Er schüttelte seinen Kopf energisch. „Nein. Logan würde jetzt nicht zu mir kommen, naja… nicht wieder. Er ist nicht blöd."

Lily zögerte, bevor sie ihre nächste Frage stellte. „Weiß er… weiß er, dass Lathe hier nach ihm gesucht hat?" Aber was sie meinte war: Hast du es ihm gesagt?

Luke runzelte die Stirn. „Wahrscheinlich," sagte er. „Ich weiß es nicht. Ich bin mir sicher, dass er auf diese Art von Sache aufpasst. Jedenfalls versuche ich so gut wie möglich nicht darüber nachzudenken."

„Richtig." Lily nickte Unbehagen, sie war sich noch immer nicht sicher, was sie denken sollte. „Tja, ich schätze… wenn du nichts gehört hast…"

„Ich schwöre es," antwortete Luke, „das habe ich nicht."

Sie nickte wieder. „In Ordnung. Pass auf dich auf, Luke."

„Du auch."


James, Remus, Peter und Adam überließen Sirius an diesem Tag und bis in den Abend den Schlafsaal. Jeder war schon lange aus dem Dorf zurückgekehrt und das Abendessen beendet, bis der vierte Rumtreiber eine Erscheinung im Gemeinschaftsraum machte, der bis dann geschäftig war, da die Schüler entweder die schwindenden Stunden ihres freien Tages genossen oder stattdessen sich beeilten, die Hausaufgaben, die sie diesem zugunsten aufgeschoben hatten, fertig zu machen. Sie hatten am nächsten Tag schließlich wieder Unterricht.

Sirius schlenderte lustlos die Treppe hinunter, ließ sich in einen leeren Stuhl neben seinen Freunden fallen, die alle überrascht über seiner Ankunft aufschauten.

„Es tut mir leid, dass ich so ein Idiot war," murmelte Sirius mir den Händen in seinen Taschen und niemandem wirklich in die Augen blickend.

„Es tut mir leid, dass ich so genervt habe," antwortete James dem Kamin.

„Ich auch," sagte Remus.

„Es tut mir leid, dass ich dir keinen Feuerwhiskey besorgt habe," sagte Peter.

Unerwarteterweise grinste Sirius - ehrlich, wenn auch nicht ganz. In seinen Augen war noch immer etwas Bitterkeit, jedoch war diese komplett aus seinem Ton verschwunden. „Ich denke, ich werde okay sein," sagte er, als ob er eine Sünde gestand. „Jedenfalls bin ich fertig mit Schmollen."

Peter und Remus sahen erleichtert aus. James zögerte jedoch. „Keiner erwartet, dass du fröhlich bist," sagte er.

Sirius schnaubte. „Gut."

Später an diesem Abend, als sie von den Küchen zurückkehrten - wohin sie gegangen waren um für Sirius Abendessen zu besorgen - blieb James mit seinem besten Freund etwas zurück, während Remus und Peter automatisch und ohne Nachfragen weiterliefen. „Ich weiß, dass du denkst, dass du deine einzige Familie verloren hast," sagte James, etwas verlegen. „Aber das hast du nicht. Egal was, wir sind deine Brüder. Egal was."

Sirius nickte langsam. „Ich weiß," sagte er. „Danke."

(Hey, Jude)

Bis Samstag hatte sich das Wetter verbessert.

Wie durch Frank Longbottoms etwas geheime Anfrage war das Hogsmeade Wochenende auf diesen Tag verschoben worden und die älteren Schüler von Hogwarts reihten sich wieder einmal in der Eingangshalle ein um auf die Kutschen, die sie zum Dorf hinunterbringen würden zu warten. Lily stand bei Mary, die meiste Zeit still, entweder aufgrund der frühen Stunde oder schlechten Laune.

„Lily," sagte ihre Freundin, und brach die Stille, als die Schlange sich langsam auf Filch zu bewegte.

„Hmm?"

„Hast du irgendetwas seltsames an den Slytherins bemerkt?"

Lily warf einen Blick auf eine Gruppe der besagten Hausmitglieder, die in einiger Entfernung in der Schlange standen. „Nicht seltsamer als sonst," antwortete der Vertrauensschüler. „Warum? Hast du?"

Mary runzelte die Stirn. „Ich bekomme die ganze Zeit das seltsamste Gefühl, dass sie mich ansehen."

„Das tun sie wahrscheinlich," sagte Lily düster. „Stell dir vor, Dumbledore lässt Abschaum wie dich in diese Schule. Hogwarts geht diese Tage noch vor die Hunde."

„Vielleicht ist es nur das übliche," murmelte die Brünette, ihren Kopf schüttelnd. „Vielleicht stelle ich mir einfach nur Dinge vor."

„Muss ansteckend sein," murmelte Lily, aber Mary hörte sie nicht. Die Schlange fuhr fort sich um Zentimeter nach vorne zu bewegen.

Himmelherrgott, das dauert ja ewig," grummelte Mary nach ein paar Minuten. „Ich muss aufs Klo. Halt mir meinen Platz frei, ja?" Lily nickte und Mary hüpfte davon. Die Rothaarige war für einen Moment alleine, bis sich eine andere aus ihrem Schlafsaal sich zu ihr gesellte.

„Lily?" Und sehr zur der Verwunderung der Vertrauensschülerin, war es Donna. Lily antwortete nicht, sondern hob stattdessen nur erwartungsvoll ihre Augenbrauen, auf den Zweck dieses Besuchs wartend. „Ich muss mir dir sprechen," fuhr Donna fort. „Ähm… weg von allen anderen."

„Ich stehe seit zehn Minuten in dieser Schlange," antwortete Lily. „Ich werde nicht meinen Platz dafür verlieren. Wenn du etwas zu sagen hast, sag es hier.

Aber das schien keine mögliche Option für Donna zu sein. „Hey, du," bellte sie zu einem großen Hufflepuff hinter ihnen in der Schlange.

„Ich heiße Liam," sagte der Junge. „Liam Lyle."

„Jaja, freut mich…" begann Donna ungeduldig.

„Wir haben uns schon mal getroffen," fuhr der Hufflepuff fort. „Ungefähr zwei hundert Mal…. wir haben ungefähr fünf Kurse zusammen… waren in der vierten Klasse Projektpartner… gegeneinander Quidditch gespielt… klingelt da nicht irgendwo etwas?"

„Ja, ja." Sie wedelt unbeeindruckt mit einer Hand. „Kannst du Lilys Platz für eine Minute freihalten?"

„Liam, du musst das nicht…" versuchte Lily zu sagen, aber Liam zuckte mit den Schultern und unterbrach sie.

„Nein, geht klar."

Also folgte Lily Donna seufzend in eine Ecke der Eingangshalle, in einiger Entfernung zu den anderen. „Also, hör zu," fuhr Donna fort, als sie einen akzeptablen Grad von Privatsphäre hatten. „Ich hatte in letzter Zeit eine schreckliche Laune, wie du unzweifelhaft bemerkt hast und… an diesem einen Tag, als wir uns gestritten haben, war ich nicht wirklich wütend auf dich. Ich war wütend auf mich selbst und mit… einigen meiner jüngsten Entscheidungen und… ich hab' es an dir ausgelassen. Und das war falsch."" Sie sah fast stolz auf sich aus und wartete erwartungsvoll auf Lilys Antwort.

Als Lily erkannte, dass Donna fertig war mit Reden, verschränkte sie ihre Arme und verlagerte ihr Gewicht. „Das ist alles?"

„Muss ich es wirklich sagen?" flehte die andere. „Gut. Ich mache es. Es tut mir leid."

Das war groß und sie wussten es beide. Eine Entschuldigung von Donna Shacklebolt war selten, wenn man es milde ausdrückte. Unter anderen Umständen, wäre Lily vielleicht berührt gewesen. Jedoch….

„Das ist alles?" wiederholte Lily. Sie schüttelte ungläubig den Kopf. „Wirklich, Donna, das… das ist… beeindruckend. Wirklich. Du denkst, du kannst einfach hier rüberkommen, mir Dinge sagen, die ich schon wusste und erwartest, dass ich einfach alles vergesse, was du gesagt hast?"

„Aber..."

„Ja, du hattest eine schreckliche Laune. Ja, du hast einiges durchgemacht. Aber das habe ich auch, okay?" Je mehr sie sagte, desto mehr dachte sie über diesen Abend nach und desto wütender wurde sie. „Du hast mich selbstgerecht und kalt genannt, als ich durch ein paar der schwierigsten Erlebnisse meines Lebens gegangen bin. Du warst unnachgiebig und du warst grausam und…"

„Aber…"

Lass mich ausreden," Lilys Augen blitzten. „Du hast dich über mich und meinen verstorbenen Vater lustig gemacht. Und das, Donna, verschwindet nicht, nur, weil du „Sorry" sagst. Vielleicht interessiert es dich zu wissen, dass der Rest der Welt die Fähigkeit sich zu entschuldigen sehr viel früher als im Alter von siebzehn entwickelt hat, als verhalte sich nicht so, als ob es ein unglaublicher Erfolg wäre. Ich bin kein Fußabtreter, über den du einfach drüber laufen kannst. Ich werde nicht einfach grinsen und es ertragen, wenn du schlechte Laune hast. Ich bin damit fertig. Ich bin fertig damit, deine Stimmungsschwankungen und deine Unfähigkeit, Mitgefühl oder Empathie oder menschliche Emotionen irgendeiner Art auch nur vorzutäuschen. Ich bin fertig damit, es zu versuchen und ich bin fertig mit dir. Ich habe gesagt ‚Rede nicht mit mir' und ich habe es auch so gemeint, weil ehrlich gesagt, bin ich noch verdammt wütend auf dich. Und wenn ich fertig damit bin, wütend zu sein, meine ich es immer noch, weil du Recht hattest. Du hast es selbst gesagt: wir waren nie Freundinnen; niemand, der je meine Freundin war, könnte mich so behandelt haben, egal welche ‚schreckliche Laune' sie hatten. Während ich also die Anstrengung zu schätzen weiß, hättest du dir genauso gut deine Worte sparen können. Du schuldest mir keine Entschuldigungen mehr. Ich bin fertig. Ich bin drüber weg."

Donna war still. Lily wartete einen Moment länger und dann, als sie sah, dass nichts mehr zu sagen war, kehrte sie zu ihrem Platz in der Schlange zurück. Noch immer still sah Donna zu, wie Mary ebenfalls zurückkehrte, sie sah, wie die kleine Brünette die Wut auf dem Gesicht ihrer Freundin beobachtete und nachfragte, woraufhin Lily etwas als Antwort murmelte. Mary sah mitleidig aus und lehnte sich an Lilys Schulter, tröstend ihre Schulter tätschelnd.

Zum ersten Mal in einer sehr langen Zeit fühlte Donna ihre Augen seltsam prickeln. Sie fühlte, wie ihre Brust schmerzte und ihre Haut brannte und ohne eine klare Idee zu haben, dass sie das täte, drehte sie sich um und hastete die marmorne Treppe hinauf.


Pop.

„Sehr gut, Mr. Black," sagte der kleine, runde Zauberer, dessen Name sie alle bereits vergessen hatten und die drei anderen Rumtreiber klatschten laut. Der Zauberer inspizierte Sirius sehr genau, als ob er sichergehen wollte, dass keine Teile fehlten und schrieb dann etwas auf ein Notizbrett. „Und wie fühlen Sie sich?"

Sirius gab vor nachzudenken. „Ich weiß nicht. Ich denke, dass mein Spleen fehlen könnte."

James und Peter kicherten und Remus versuchte missbilligend zu schauen, während Sirius ein Grinsen unterdrückte. Der Zauberer sah geschockt aus. „Oh nein! Ich rufe sofort den Heiler!"

„Nein, er macht Witze," sagte Remus schnell einschreitend. „Ich denke nicht, dass er überhaupt weiß, was ein Spleen ist."

Der runde Zauberer sah forschend zu Sirius, der nickte. „Ja, bloß ein Witz, Kumpel. Und, habe ich bestanden? Sagt das Zauberer-England, dass ich das Recht habe, zu apparieren?"

Noch immer misstrauisch beäugte der Zauberer sein Notizbrett. „Es scheint so…"

„Wunderbar," sagte Sirius strahlend. „Also, gehe ich bloß zum Schalter um das Formular auszufüllen?"

„Tja…"

„Wunderbar."

Sirius hüpfte praktisch zum Schalter um offizielle Papiere für seinen erfolgreichen Apparitionstest zu bekommen. „Äh… sehr gut…" ächzte der Prüfer und wurde rot. „Wer ist als nächstes?" Er sah die Rumtreiber erwartungsvoll an, aber James schüttelte seinen Kopf.

„Sirius war der letzte," sagte er. „Kleiner Petey hier wird erst in zwei Wochen siebzehn."

„Musst du mich so nennen?" seufzte Peter und James lachte nur.

„Sehr gut," fuhr der Prüfer fort. „Dann lasse ich Miss Petree den nächsten Prüfling hineinschicken." Miss Petree - eine von zwei Hexen, die an dem Schalter saßen - trippelte in das Wartezimmer um die nächste Person, die sich für ihre Apparitionslizenz bewarb, hineinzubringen, während die Rumtreiber darauf warteten, dass Sirius mit seinen Formularen fertig wurde.

„Wenigstens ist er besser drauf," beobachtete Peter ihren Freund leise. „Es war gut, dass wir Andromeda mit reingenommen haben, damit sie ihn sehen konnte."

„Ich weiß nicht," sagte Remus unsicher. „Denkt ihr, dass hält an?"

James zuckte mit den Schultern. „Er hat heute Morgen etwas Kitschiges über ‚Leben auskosten' gesagt." Er seufzte. „Aber selbst wenn Padfoot es nur vortäuscht, können wir ihn hoffentlich so lange ablenken, bis es ihm wirklich besser geht."

„Das ist keine zu schreckliche Idee." stimmte Remus zu.

„Und wenigstens hat der den Test bestanden," murmelte Peter. „Ich denke nicht, dass er mit Durchfallen sehr gut klar gekommen wäre."

In diesem Moment drehte sich Sirius um und näherte sich ihnen, ein viereckiges Pergamentstück, identisch zu denen, die James und Remus erhalten hatten, haltend und grinsend. „Fantastisch. Jetzt kann ich das legal tun, was ich seit zwei Jahren mache." Er faltete die Lizenz und steckte sie in seine Tasche, wie es die anderen getan hatten.

„Das hört sich irgendwie vertraut an," bemerkte Peter, als die Jungs ihren Weg aus dem Apparitionsbüro machten. „Vielleicht, weil du das gleiche an deinem Geburtstag über das Trinken gesagt hast…"

Als sie gingen, kehrte Miss Petree mit Marlene Price im Schlepptau auf. „Viel Glück, Price," sagte Sirius. „Vermasselt es nicht!"

Marlene, die ein wenig krank vor Sorge wirkte, zog eine Grimasse. „Klappe, Black."

„Ignorier ihn," sagte Remus. „Du schaffst das."

Marlene lächelte schwach und die Bürotür schloss, sie trennend. Die Rumtreiber machten sich draußen auf der Straße auf ihren Weg. Das Dorf hätte nicht unterschiedlicher aussehen können im Vergleich zu vor zwei Tagen, als sie (oder zumindest drei von ihnen) durch die selben Straßen bei Professors Blacks Messe gelaufen waren. Jetzt war der Himmel blau und die Sonne schien. Hexen und Zauberer bewegten sich lärmend durch die Straßen und die Schüler von Hogwarts zeigten wieder mal Interesse an Hogsmeads vielen Freuden.

„Wohin als nächstes?" fragte Peter. „Honigtopf? Drei Besen?"

„Ich stimme für Zonkos," sagte James. „Angeblich haben die etwas Neues, was sich „Nasenbeißende Teetasse" nennt."

„Nur du würdest das witzig finden," sagte Remus seine Augen verdrehend. „Tja, und Padfoot."

Was zur Hölle macht er da?" bellte Sirius plötzlich. Er war stehen geblieben.

„Wer?" fragte Peter.

Schniefelus," spuckte Sirius. Die anderen folgten seinem Starren über die Straße, wo Snape stand, vertraulich zu einem jüngeren Slytherin murmelnd. Aber es war nicht irgendein junger Slytherin, wie James einen Moment später realisierte. Es war Regulus Black.

„Als ob mein Idiot von einem Bruder nicht wertlos genug ist," atmete Sirius wutentbrannt (er hatte seinen Zauberstab gezogen), „jetzt hat er auch noch Snape, der ihn vergiftete. Ich töte ihn." Er sah auch dazu bereit aus.

Remus packte seinen Arm. „Padfoot, nein. Nicht hier, nicht jetzt. Sie nehmen dir deine Hogsmead Privilegien weg."

„Moony hat Recht," sagte James. Snape und Regulus fuhren fort, miteinander zu flüstern, dabei immer wieder vorsichtige Blicke um sich werfend, als ob sie Angst hatten, belauscht zu werden. „Er ist es nicht wert. Wir rächen uns später an Schniefelus."

Sirius schien darüber nachzudenken und dann steckte er seinen Zauberstab wieder zurück in seine Tasche. „Ihr habt Recht," stimmte er zu, tief ausatmend. „Wir rächen uns später an ihm."

Remus sah behutsam zu James, aber dieser schüttelte nur hilflos seinen Kopf. „Kommt schon," sagte er, entschlossen, seinen Freund direkt abzulenken. „Zonkos."

„Zonkos," stimmte Sirius bei, aber jetzt schien sein Grinsen definitiv gezwungen.


„Ich hab' bestanden!" sang Marlene, zu dem Drei Besen Tisch hinüber hüpfend, an dem Adam McKinnon saß. Der Zauberer grinste.

„Ich habe dir gesagt, dass du das schaffst," bemerkte er. „Es war im Endeffekt nicht zu schwer, oder? Und schau," er hielt eine von zwei Flaschen von dem Tisch hoch, „ich hab dir bereits ein Butterbier zur Feier des Tages gekauft."

„Das," sagte Marlene und nahm Platz, „ist, weil du der Beste bist." Sie nahm einen großen Schluck vom Butterbier. „Also, was machen wir heute?"

„Es ist fast zwei Uhr," bemerkte Adam.

„Tja, ja. Aber ich war den ganzen Morgen zu sehr von dem Test abgelenkt um mich über Hogsmead zu freuen. Jetzt, wo das Ministerium für Magie meine Brillanz in Form einer Appariationslizenz gewürdigt hat, scheint alles viel besser."

„Hast du Hunger?"

„Am Verhungern!"

„Tja, warum essen wir nicht was? Und dann können wir uns über die Leute lustig machen gehen, die in diesem geschmacklosen Laden neben Gladrags einkaufen."

Marlene keuchte. „Du kennst mich zu gut, Adam McKinnon."

Adam grinste. „Komm schon. Lass uns dir Essen besorgen. Mit leerem Magen geht das Spotten schlechter."

„Das, mein Freund, ist sehr wahr."

Als sie ihr spätes Mittagessen beendet hatten, verblieben Adam und Marlene noch einige Zeit in die Drei Besen, Butterbier schlürfend und die Vor- und Nachteile von Mugglesportarten diskutierend.

„Ich sehe einfach nicht wirklich den Sinn darin, wenn niemand am Fliegen ist," argumentierte Adam.

„Das ist lächerlich," protestierte Marlene. „Ich könnte genauso gut sagen, dass ich keinen Sinn in Quidditch sehe, nur weil niemand am Laufen ist."

„Aber Laufen ist so alltäglich! Eine Sportart, die kein Fliegen beinhaltet, hat einfach keine Substanz."

„Natürlich hat sie das! Denk an all die athletischen Fähigkeiten, die dafür gebraucht werden! Die physische Anstrengung von Muggel-Athleten ist wirklich ziemlich beeindruckend."

„Ich weiß nicht. Aber es muss ein schrecklich langsamer Sport sein, dieses ‚Fußball'."

Marlene versuchte zu erklären, dass es alles außer langsam war, aber Adam schien nicht überzeugt. Schließlich gab er nach, „Tja, ich muss dich einfach bei deinem Wort nehmen, da ich nie wirklich ein Spiel gesehen habe. Die Uniformen sind aber ziemlich lächerlich."

Marlene schnaubte. „Oh, bitte. Zauberer tragen Umhänge, um Gottes Willen."

Adam verdrehte seine Augen. „Ich werde nie deine Vorurteile gegen Umhänge verstehen, Price."

„Es ist ein Muggel Ding." gab sie zu und zuckte die Achseln. „Jedenfalls stimme ich zu, einig zu sein, dass wir uns bei Football uneinig sind, so lange wie du weißt, dass ich Recht habe."

„Tja, Menschenskind, da kann ich ja nichts mehr sagen," antwortete er sarkastisch.

Marlene grinste schief und wickelte eine Strähne von blondem Haar um ihren Zeigefinger. Sie saßen, für einen Moment nichts sagend, bevor sie beobachtete: „Ist es komplett armselig, dass ich dieses Lied liebe?" in Bezug auf den Aphrodite Belltone Song („The Ballad of the Memory Charm"), der gerade im Radio im Hintergrund lief.

„Ein bisschen."

„Oh, halt die Klappe," antwortete sie lachend. „Der Songtext ist ganz nett, wenn du genau zuhörst."

„Sie reimt ‚met' mit ‚obliviate'"

„Ja, aber sie ist Amerikanerin. Sie wissen sowieso nicht, wie man richtig spricht." Marlene nahm einen großen Schluck Butterbier und als sie ihre Flasche hinstellte, bemerkte sie, wie Adam sie genau beobachtete. „Oh, ich weiß, dass das meine dritte Flasche ist, mach dich nicht über mich lustig - ich bin mir ziemlich sicher, dass das deine vierte ist."

„Nein, das ist es nicht." Sein Ton hatte sich verändert; er hörte sich plötzlich ernster an - sogar ein wenig unsicher. „Da - Marlene, da ist etwas, über das ich mit dir reden möchte…"

„Mhm?"

„Es ist bloß…" (Seine Augen waren auf sein Butterbier gerichtet) „… ich meine, für eine Weile jetzt…"

„Hallöchen, alle!" zirpte Mary Macdonald und erschein aus dem Äther (oder sonst irgendwoher) mit ihrem Hufflepuff-Date, Stebbins, am Arm.

„Hey, Mare," antwortete Marlene.

„Was dagegen, wenn wir euch anschließen?" fragte die Brünette und bevor einer von ihnen antworten konnte, rutschte sie auf den Platz neben Adam, während sich Stebbins neben Marlene setzte. „Stebbins und ich waren gerade bei der Heulenden Hütte," fuhr sie fort, den unwohlen Ausdruck von Adams nicht bemerkend; „so still wie ein Grab. Ich denke, Madam Rosmerta hat sich das mit dem Spuk nur ausgedacht."

„Ich habe gehört, es ist nur bei Nacht bespikt," sagte Marlene. „Und auch nicht einmal jede Nacht."

„Die Toten müssen schrecklich temperamentvoll sein," seufzte Mary. „Jedenfalls, Stebbins, wärst du so lieb und würdest du uns ein paar Butterbier besorgen?" Der Hufflepuff sprang auf seine Füße und war schon halb am dem Weg zur Theke, als sie hinter ihm herrief: „Und noch zwei für Adam und Marlene, bitte!" Lächelnd drehte sie sich wieder zu ihren Hauskameraden um. „Also, was führt ihr zwei so im Schilde?"

Marlene sah Adam an, als ob sie sich gerade daran erinnert hätte, dass er gerade dabei gewesen war, etwas zu sagen. „Oh, Adam, du wolltest…"

„Es ist nicht so wichtig," bestand er. „Wir können später darüber reden."

„Ich unterbreche hier nichts, oder?"

„Nein," sagte Adam. „Nein, wir haben bloß… über Fußball diskutiert."

„Kein Wunder, dass du noch nicht eingeschlafen bist," antwortete die andere. „So langsam, wie Mugglesportarten sind. Quidditch ist viel besser."

Adam warf einen siegreichen Blick in Marlenes Richtung und sie verdrehte bloß ihre Augen. Jedoch, als Stebbins mit den Butterbieren zurückkam und die Unterhaltung sich zu Fußball-versus-Quidditch zurückwendete, konnte Marlene nicht anders als sich zu fragen, was es war, was Adam gerade sagen wollte.


„Alles Liebe zum Geburtstag," sagte Frank, zog eine quadratische, goldverpackte Box von hinter seinem Rücken hervor und überreichte sie Alice. Die Hexe hob ihre Augenbrauen, trotzdem lächelnd.

„Du hast mir schon ein Geschenk gegeben," bemerkte sie, aber sie begann das goldene Papier aufzureißen. Das Paar stand in einem sehr vollen Honigtopf-Süßigkeitenladen kurz nach drei am Nachmittag.

„Ja," gab Frank zu. „Aber das war dein Geschenk Teil eins. Das hier ist Teil zwei."

„Wie viele Teile gibt es denn?"

„Siebzehn."

„Vorsicht, Longbottom. Daran werd' ich dich erinnern." Alice beendete das Auspacken und hob den Deckel. Sofort lächelte sie breit auf die Reihen von rosa und weißer Süßigkeiten in der Box.

„Weiche Erdbeeren," sagte sie strahlend. „Das sind meine Lieblings…" Aber natürlich, erkannte sie, war das die Absicht gewesen. „Hey, kannst du dich daran erinnern, wie wir versucht haben, die in London zu finden?"

Frank lachte. „Du meinst, das eine Mal, als wir durch jeden Zentimeter von London gelaufen sind im Versuch einen Laden zu finden, der sie verkauft und wir endlich einen gefunden haben…"

„In diesem gruseligen Ort in Chelsea!" endete Alice enthusiastisch. „Das waren aber gute Weiche Erdbeeren…"

„Ally," sagte Frank, „dir wurde es schlecht! Du hast dich eine Stunde lang übergeben!"

Alice lachte. „Ja, aber sie haben gut geschmeckt. Oh, das war aber der schlimmste Nachmittag. Mir war so verdammt schlecht und ich sollte deine Mum zum ersten Mal treffen…"

„Und du hast dich in unserem Vorgarten übergeben."

„Und sie dachte, ich hätte was getrunken! Was, wenn man darüber nachdenkt, eine gute Idee gewesen wäre."

„Es hätte sicherlich die Nerven beruhigt," stimmte Frank zu. Alice grinste und, eine Weiche Erdbeere wählend, warf sie in ihren Mund.

„Willst du eine?"

„Nö, ich glaub, da sind immer noch Stücke in meinem Vorgarten…"

„Oh, psst!" Sie lachte und versucht ihn zu schubsen, aber er wich aus und legte einen Arm um ihre Schultern. Sie legte ihr neu erworbenes Geschenk in ihre Handtasche und sie liefen einen neuen Gang hinunter, die verschiedenen Gegenstände in den Regalen betrachtend. „Frank?"

„Mhm?"

„Sie verwenden kein menschliches Blut für die Blutlollipops, oder?"

„Ich weiß nicht."

„Das wäre eklig."

„Definitiv."

Sie erreichte das Ende des Ganges und Alice bemerkte eine kleine Tür zwischen zwei Gängen. Ein kleines goldenes Schild verkündete „Nur für Mitarbeiter". „Frank?"

„Mhm?" Er untersuchte gerade eine Schachtel mit Eismäusen.

„Hast du je im Hinterzimmer eines Ladens geknutscht?"

„Nein. Und du auch nicht."

Alice grinste. „Willst du?"

Frank stellte die Eismäuse ab und sah sie an. „Ernsthaft?"

Sie nickte, und deutete auf die Tür. Bevor Frank antworten konnte, packte Alice seine Hand und - mit einem kurzen Blick auf den vollkommen beschäftigten Ladenmitarbeiter - zog ihn hinter ihr durch.

Die Tür - die glücklicherweise unverschlossen war - führte zu einem kurzen, engen Korridor, von dem aus zwei weitere Türen (wahrscheinlich von Büros) abgingen, die beide verschlossen waren.

Verschmitzt lächelnd drehte sich Alice zu Frank um und schloss die Distanz zwischen ihnen, ihn langsam küssend, während sie sie langsam zu der Wand hinter ihnen steuerte. Sie ließ ihre Handtasche hinunter zum Boden gleiten, bevor sie ihre Arme um seinen Hals wickelte. Seine rechte Hand griff ihr Hemd hinten am Rücken, seine linke ruhte auf ihrer Hüfte und ihre Lippen bewegten sich in einem Rhythmus, den sie vor so langer Zeit gelernt hatten, dass keiner von ihnen genau wusste, wann.

Schließlich tauchten sie auf um Luft zu schnappen und Alice grinste gegen seine Lippen. „Du schmeckst wie Butterbier," bemerkte sie einfach so.

„Du schmeckst wie Weiche Erdbeeren," antwortete er, was sie zum Kichern brachte. Sie sahen sich für mehrere Sekunden in die Augen, taub zu dem Summen des Ladens draußen. Dann, ohne zu denken, als ob ihm gerade etwas eingefallen wäre, schnitt Frank in die Stille mit: „Ich liebe dich."

Alice, die auf ihren Zehen gestanden hatte, fiel auf ihre Fußsohlen zurück. Frank schien seinen Fehler zu realisieren.

„Oh, Al, es tut mir leid," sagte er schnell. „Ich weiß, du hast gesagt, dass wir nicht…"

„Nein, Frank, es ist okay," sagte sie, im Versuch, ihre Gedanken zu ordnen, während sich ihr Magen unruhig umdrehte. Sie ließ ihn los, mit ihren Händen durch ihr geglättetes Haar fahrend. „Es… es ist okay. Ich hab' bloß…"

„Nein, ich sollte dir keinen Druck machen. Es ist… einfach rausgerutscht. Es tut mir leid. Wirklich. Es tut mir leid."

„Hör auf dich zu entschuldigen. Bitte. Es ist okay."

Sie waren beide für eine Minute still und dann sagte Frank: „Können wir einfach… vergessen, was passiert ist? Wir könnten - äh - noch ein Butterbier holen gehen oder die Heulende Hütte sehen gehen…"

Alice atmete aus. „Ja. Ja. Ja, das ist eine gute Idee. Lass… uns das machen."

„Okay."

Frank begann zur Tür zur gehen, die sie zurück in den Geschäftsbereich bringen würden und Alice schloss ihre Augen, in der Hoffnung, das panische Rasen ihres Herzens zu verlangsamen.


Wenn es um Quidditch ging, war James Potter ein sehr engagierter Kapitän. Manchmal dachten seine Teamkameraden, war er ein wenig zu engagiert. Schließlich war das letzte, was das Gryffindor-Team nach einem sehr langen Tag in Hogsmead machen wollte, sich die Quidditch-Uniform anzuziehen und ein langes, potentiell qualvolles Training zu absolvieren. Jedoch hatte James, da das Finalspiel nur ein paar Wochen entfernt war, Training an so vielen Abenden angesetzt, wie er das Feld bekommen konnte und dazu noch an ein paar Morgen.

So kam es, dass sich direkt nach dem Abendessen - gegen sechs Uhr zwanzig, Adam McKinnon mit seinem Besen und seiner Sporttasche in den Umkleideraum der Gryffindors schleppte, hoffend ohne Hoffnung, dass Potter in einer großzügigen Laune sein würde und sie vor neun entlassen würde.

Als er den Umkleideraum erreichte, dachte Adam - zuerst - dass er der erste wäre. Jedoch zeigte ihm ein zweiter Blick, dass er falsch lag. In eine Ecke gepresst war vielleicht der schockierendste Anblick, den er je gesehen hatte.

Jetzt, wo er fast zwei Jahre lang mit ihr in der Quidditchmannschaft gespielt hatte, hatte Adam Donna Shacklebolt wütend gesehen. Er hatte sie richtiggehend wutentbrannt gesehen. Er hatte gesehen, wie sie tobte, schmiss, drohte und verhexte. Er hatte sie nach einem langen Training mürrisch gesehen, deprimiert nach einer Niederlage und kotzend nach einer Siegesfeier. Aber in den sechs Jahren, in denen Adam McKinnon Donna Shacklebolt kannte, hatte er sie nie weinend gesehen.

Bis jetzt.

Und das seltsamste dabei war, dass es ihr egal zu sein schien. Ihr schien es egal zu sein, dass Adam sie anstarrte, auf der Stelle erstarrt mit seinen Augenbrauen unsichtbar unter seinen Haaren und seinem Mund weit offen, ein optimales Ziel für Fliegen. Ihre Schultern bebten weiter, Tränen ihr nasses Gesicht unterströmend, während ihre Fingerspitzen vergeblich ihre Schläfen massierten. Und schlimmer als ihre Tränen war ihr Gesichtsausdruck; sie schien so komplett verloren. Außer Kontrolle und machtlos - das Gegenteil von allem, was Donna repräsentierte.

Es kam Adam in den Sinn - während er dort in geschockter Stille stand - dass Donna Shacklebolt wirklich sehr schön war.

Oh, nicht so. Sie war nicht sein Typ (natürlich war Adams Typ ziemlich exklusiv, und beinhaltete nur eine Person). Aber sie hatte großartige Konturen - ein Gesicht, dass in Marmor gehauen sein könnte und mit großen, glasigen bernsteinfarbenen Augen.

Und ihr Haar fiel in einem unheiligen Chaos von kohlenschwarzen Locken, unkontrolliert selbst in den besten Zeiten, und jetzt noch weniger. Sie war groß gebaut, mit breiten Schultern und dünnen, starken Armen, die sie zu einer ausgezeichneten Jägerin machten. Und weil jeder Teil von Donna aus dunkeln Stein gemeißelt schien, hatte Adam nie bemerkt, dass die Hexe wirklich ziemlich bemerkenswert war, bis jetzt, da sie ein unansehnliches Wrack war.

„Shack, was ist los?" schaffte er schließlich zu stammeln.

„Scheiße," stöhnte Donna, ihre Augen mit einer Hand verdeckend. „Oh, scheiß auf alles."

„Was ist los?" fragte Adam wieder, näher schreitend.

„Ich hab' alles ruiniert," atmete sie bitter. „Ich hab' Scheiße gebaut." Sie schniefte und schüttelte ihren Kopf. „Ich hatte nur eine Freundin - eine Person auf der ganzen Welt, die mich ertragen hat, weil sie es wollte und nicht, weil sie mit mir verwandt war oder weil sie es musste und ich - ich hab sie weggestoßen…" (Ungläubig) „ich hab die einzige Freundin beseitigt, die ich hatte. Und Professor Black ist tot. Er ist tot und ich bin nicht einmal zum Gottesdienst gegangen. Ich konnte nicht einmal das tun. Sie hat Recht. Ich bin herzlos. Ich bin nichts. Jeder hasst mich oder hat Angst vor mir und ich… bin müde. Ich hab' mich so satt." Mit ihren Ellbogen auf ihren Knien, verirrten sich ihre Hände in ihrem zerzausten Haar, als sie ihre Augen schloss und mehr Tränen erlaubte ihnen zu entkommen.

Ein verzweifeltes, schluchzendes Mädchen ist nicht die Vorstellung von Spaß von irgendeinem jugendlichen Jungen, und eine verzweifelte, schluchzende Donna Shacklebolt würde mit hoher Wahrscheinlichkeit für jegliche Zeugen gefährlich werden, also war es ein Beweis von Adams Charakterstärke, dass er sich nicht umdrehte und genau dann wegrannte. Als der Schock von all dem ein wenig gewichen war, ging er hinüber zur Hexe und setzte sich auf eine Bank in der Nähe. Er war sich nicht ganz sicher, was er sagen wollte - er hatte ehrlich gesagt, absolut keine Ahnung - sodass er für eine Weile gar nichts sagte. Sie fuhr fort zu weinen mit einem unregelmäßigen Schluckauf, aber sagte nichts weiter.

Schließlich wurde Donna ruhiger. Ihr Atem wurde ein wenig stabiler und es kamen keine neuen Tränen. Sie starrte apathisch ins Leere, als ob sie nicht realisierte, dass Adam überhaupt da war. Er lehnte sich nach vorne und faltete seine Hände; er war sich immer noch nicht sicher, ob es das richtige war, aber er fühlte sich verpflichtet, etwas zu sagen.

„Alles wird in Ordnung kommen, weißt du," sagte er überzeugt. Donna schüttelte dickköpfig ihren Kopf, aber er unterbrach sie fest: „Das wird es."

Darauf antwortete sie nicht. Stattdessen find sie an, sich selbst in Ordnung zu bringen, ihr Gesicht trocknend und versuchend, ihr Haar zu zähmen. Als sie fertig war - und ihre Augen waren immer noch blutunterlaufen und geschwollen, aber dagegen konnte sie nichts tun - sah sie dem starrenden Adam in die Augen und stellte fest: „Du liebst Marlene."

Das brachte ihn vollkommen aus dem Konzept. „Ähm… nein, ich…"

„Aber das bist du," wiederholte Donna, ähnlich seiner früheren Überzeugung. Sie drückte sich tief seufzend hoch. „Ich muss mich waschen, bevor die anderen kommen. Du…solltest Marlene sagen, was du fühlst."

Damit drehte sie sich um und ging zu den Waschbecken. Adam, sprachlos und verwirrt, bewegte sich nicht, bis James Potter und Sirius Black ankamen und es Zeit für das Training war.

(Let it be)

Alice verabscheute Zaubertränke. Es war eine dieser Sachen, bei denen sie, egal wie hart sie arbeitete, sie nie wahrlich exzellent sein würde. Es würde ihr nie leicht von der Hand gehen. Klar, sie schaffte es, gute Noten abzustauben (in Ordnung, Noten über dem Durchschnitt), aber sie schaffte es nie, „den Dreh rauszukriegen", wie sie es in Zauberkunst oder Verwandlung hatte. Jeder Trank war ein neuer Kampf.

Zaubertränke am Dienstag war besonders frustrierend, da Professor Slughorn entschieden hatte, die Siebtklässler U.T.Z. Schüler in Paaren aufzuteilen, während jedes Paar an einem unterschiedlichen Projekt arbeitete. Alice hatte einen Tisch mit Frank geteilt und dachte, dass - da Slughorn sie beide mochte - der Zaubertrankmeister sie zu einem Paar erklären würde. Jedoch, als er ihren Nachnamen „Griffiths," rief, war dieses mit „Skively" gepaart und Alice konnte nicht sagen, das sie nicht zumindest ein wenig erleichtert war.

Sie hatten beide zugestimmt Franks Verkündung im Honigtopf zu vergessen und Frank war mehr oder weniger zum Normalen zurückgekehrt, aber Alice hatte damit ihre Probleme. Sie konnte weder die Erinnerung daran nicht auslöschen, noch konnte sie das Unbehagen, das sie fühlte, wenn die Erinnerung sie erwischte, ersticken. An diesem Punkt erwischte sie die Erringung jedes Mal, wenn sie den Schulsprecher sah und folglich begann sie Freiraum zu begehren.

Jeffrey Skively, Alices Partner, war ein Hufflepuff Siebtklässler mit keinen besonderen Talenten in irgendeinem Gebiet, außer dass er gut aussah und zwei Jahre lang - mit mittleren Erfolg - Treiber gespielt hatte. Er war jetzt allerdings nicht mehr im Quidditchteam, nachdem ein Sturz vom Besen in der letzten Saison seine Mutter dazu veranlasst hatte, jede weitere zukünftige Beteiligung zu verbieten. Jedenfalls war das, was die Leute sagten.

„Bis in einer Stunde," sagte Alice zu Frank, hob ihre Tasche auf und trottete durch den Raum. Trotz ihrer Erleichterung war Alice ein wenig eifersüchtig auf Frank: zuallererst liebte er Zaubertränke und dann war seine Partner auch noch ihre Freundin Hestia (eine der besten der Klasse).

„Hallo," sagte Jeffrey fröhlich. Alice nahm am Tisch neben ihm Platz.

„Hallo," antwortete sie so höflich wie möglich. Ihnen war aufgetragen worden, Murtlap-Essenz vorzubereiten. Glücklicherweise war Murtlap-Essenz nicht wirklich ein Trank. Ihre Arbeit heute würde hautsachlich daraus bestehen, das Beizen der Murtlap-Tentakel magisch zu beschleunigen und Alice dachte, sie würde das ziemlich schnell schaffen. Sie legte ihre Zaubertränkezutaten auf den Tisch. Jeffrey tat das selbe.

„Ich hasse Zaubertränke, du nicht auch?"" fragte er, während er die Zutatenliste überflog.

„Oh, Merlin, ja," antwortete Alice, dankbar, dass er das gleiche fühlte. „Ich gehe gerade mal den Murtlap-Tentakel vom Zutatentisch holen."

„Oh, nein, ich mach das," sagte Jeffrey, schnell auf seine Füße kommend. „Nur ein Moment." Er kehrte ein paar Momente später wieder, einen Teller von etwas Zylindrischem, Gelben und Schleimigen tragend, das Alice ihre Nase aus Ekel rümpfen ließ. „Riecht eklig, oder?"

„Verfault," stimmte sie nickend zu.

Jeffrey schmunzelte und legte den Teller mit dem Murtlap-Tentakel hin. „Also…" Er klatschte in die Hände. „Was kommt als nächstes?"

Eine Viertelstunde später, während der Rest der Klasse geschäftig arbeitete, hatte Alice nichts zu tun. Der Gärungszauber dauerte eine halbe Stunde und so saß sie an ihrem Tisch, das verschlossene Glas des fauligen Murtlap-Tentakel im Essig anstarrend. Jeffrey wurde fertig damit, seine Sachen wegzupacken und setzte sich neben sie.

„Also Alice," begann er locker, „du magst Zaubertränke nicht, das ist klar. Was magst du dann?"

„Kräuterkunde, Zauberkunst, Verwandlung, Verteidigung," antwortete Alice faul und als Antwort auf seinen amüsierten Blick, fuhr sie weiter aus: „Ich mag Fächer mit viel praktischer Anwendung. Ich werde Auror werden."

Ich werde Auror werden. Sie mochte das - wie es sich anhörte. Nicht, ich will Auror werden oder ich würde gerne Auror werden, sondern ich werde einer werden. Bei Frank oder Lily oder Hestia war Alice verpflichtet, ehrlicher zu sein und eine der anderen Phrasen zu verwenden, aber sie kannte Jeffrey Skively nicht und es war viel einfacher (und schöner) „sein werden" zu sagen.

„Oh, wirklich? Großartig. Jede Menge harte Arbeit aber. Ich denke nicht, dass ich das schaffen würde."

„Mmm. Ja, es ist schwer."

„Ich schätze, ich werde in die Quidditch-Richtung gehen - wahrscheinlich nicht spielen. Du musst brillant sein um professionell zu sein, aber es gibt viel im Quidditchgeschäft zu tun."

„Hört sich interessant an," sagte Alice höflich.

„Also - warum willst du ein Auror sein?" wollte Skively wissen.

„Weil es der absolut wichtigste Beruf unserer Zeit ist," antwortete Alice sofort. Skively lächelte. „Ernsthaft. Wer soll sonst die Todesser loswerden?"

„Oh, nein, ich war nicht anderer Meinung." Er lächelte sie immer noch an. Alice fühlte sich ein wenig unbehaglich und richtete ihre Aufmerksamkeit zurück zum Beizglas.

„Alice," begann Skively nach einer kurzen Stille. „bist du und Frank Longbottom…?"

„Ja," sagte sie schnell. „Ich meine, nein, nicht direkt. Was ich meine ist…" (Was meinte sie denn? Merlin, selbst sie war sich nicht sicher… so viel zu Definitionen), „so halb," endete sie lahm.

„So halb?" wiederholte Skively. „Ist das ein Ja oder ein Nein?"

„Weder noch. Es ist ein „so halb"."

„Also du bist so halb mit Frank Longbottom zusammen?"

„Ja."

„Okay."

Sie waren beide still und dann fuhr Skively fort: „Also… wenn dich jemand anderes auf ein Date einladen würde, würdest du sagen…?" Er brach ab.

Alice wurde rot und lächelte höflich. „Es tut mir leid, Jeffrey. Du scheinst echt nett, aber ich - äh - denke nicht, dass das eine gute Idee wäre."

Skively nickte. „Okay. Das ist nur dein Recht." Er verschränkte seine Arme. „Also bist du mir Frank Longbottom zusammen."

„So halb. Merlin, du bist schlecht in diesem Spiel."

Darüber lachte er. Zwanzig Minuten und ein extrem schwieriges Entsaften später, war die Murtlap Essenz ordnungsgemäß extrahiert, eingekorkt und bei Professor Slughorn abgegeben, genau wie die Zaubertränke der anderen Siebtklässler. „Sehr gute Arbeit heute, Schüler," sagte der Zaubertränkemeister, zufrieden mit der Sammlung von Flaschen, die vor ihm standen. „Jetzt ist Ihre Aufgabe jedoch nicht fertig. Ich möchte, dass Sie zwei Fuß Pergament über den Trank schreiben, den Sie gerade abgegeben haben. Zum hundertsten Mal, das bedeutet nicht, dass ich will, dass Sie die Zusammenfassung aus „Fortgeschrittenes Tränkebrauen" abschreiben. Ich möchte eine Beschreibung des Tranks, einen kurzen geschichtlichen Überblick, eine Zusammenfassung des Prozesses und eine persönliche Analyse."

Mehrere Schüler stöhnten.

„Jammern Sie noch nicht," fuhr Slughorn fort. „Damit ich nicht zwei Aufsätze über jeden Trank lesen muss, dürfen Sie alle mit Ihrem Partner arbeiten und die Arbeit entsprechend aufteilen. Bis Dienstag. Sehr gut, Sie dürfen gehen."

Alice unterdrückte einen frustrierten Schrei, aber Skively lächelte sie verlegen an. „Das wird peinlich werden, weil ich dich vorhin abgebaggert habe, oder?" sagte er, während sie ihre Sachen zusammenpackten. Alice seufzte.

„Nein," sagte sie. „Es wird okay sein. Hast du morgen irgendwann freie Zeit, damit wir daran arbeiten können?"

Der Hufflepuff überlegte. „Ich habe keine Freistunden, aber vielleicht gegen fünf Uhr?"

„Fünf Uhr in der Bibliothek?" bot Alice an und er nickte.

„Hört sich perfekt an."

„In Ordnung. Bis dann."

„Tschüss, Alice."

Sie nickte und kehrte dann zu Frank und Hestia zurück, die bei der Tür auf sie warteten. „Wie war es mit Skively zu arbeiten?" wollte Ersterer wissen.

„Er hat es nicht wie ein Hufflepuff ruiniert, oder?" fragte Hestia.

„Nein… es war in Ordnung." Alice zuckte die Achseln. „Unereignisreich."


Remus stöhnte und rollte auf seine Seite. Seine Laken waren ein verworrenes Chaos von seinem Herumwerfen und Drehen und obwohl es lange nach zwei Uhr morgens war, konnte er nicht einschlafen. Es war auch nicht wegen einem Fehlen von Erschöpfung; der zunehmende Mond im Himmel sagte voraus, das er sehr bald sein „kleines Problem", wie James es nannte, konfrontieren würde und er fühlte sich häufig so (übel, schmerzend, fieberhaft), wenn der Vollmond nah war.

Er drehte sein Kissen für die kalte Seite um und versuchte, es sich bequem zu machen - versuchte zu ignorieren, dass jeder Zentimeter seines Körpers schmerzte.

„Moony," flüsterte eine Stimme und Remus sah sich um, um Sirius zu sehen, der die Vorhänge um sein Bett wegzog. „Komm schon, Kumpel," fuhr Padfoot in einer rauen, gerade-erst-wach Stimme fort. „Du gehst zum Krankenflügel."

„Nein," murmelte Remus. „Es ist in Ordnung. Ich werde einfach…"

„Moony," unterbrach James, an Sirius' Seite erscheinend. Er zog ein T-Shirt an und gähnte. „Komm schon. Du musst heute Nacht ein bisschen Schlaf bekommen. Heiler Holloway wird einen Trank haben."

Peter erschien ebenfalls und da er sah, dass er in der Unterzahl war, nickte Remus schwach. Er kam unsicher auf seine Füße und nahm den Mantel, den Peter ihm reichte.

„Es ist diesen Monat schlimm," sagte Remus ihnen, als die vier Rumtreiber schläfrig in den Gemeinschaftsraum hinunterstiegen. „Ich fühle mich, als ob ich mich übergeben müsste."

„Es wird bald alles vorbei sein," sagte James, ihm auf die Schulter schlagend. Remus würgte den Widerspruch auf seiner Zunge hinunter. Es würde nicht bald alles vorüber sein. Klar, in drei Tagen würde er sich wieder einmal wie er selbst fühlen, aber dann, in einem Monat, würde es alles wieder anfangen. Und den nächsten Monat und den nächsten Monat und den Monat danach, so lange, wie er lebte, würde es immer wieder kommen. Es würde nie „vorbei" sein.

Sie trafen niemanden in den Fluren, aber James bemerkte, dass es egal wäre, wenn. Die Rumtreiber hatten in dieser Nacht einen legitimen Grund dafür, durch die Korridore zu wandern. Die Türen der Krankenstation waren verschlossen, als sie ankamen und Sirius holte schwungvoll aus und hämmerte gegen sie.

„Heiler Holloway wird etwas für dich haben," wiederholte Peter schläfrig und Remus nickte einfach nur, zu erschöpft um verbal zu antworten.

Jedoch, als die Türen sich öffneten, war es nicht Heiler Holloway, der auf der anderen Tür stand. Stattdessen war dort eine Hexe. Sie sah aus, als wäre sie etwa 30 und sie trug ein Nachthemd, als ob sie ebenfalls geschlafen hatte.

„Wer sind Sie?" fragte Sirius.

„Poppy Pomfrey," antwortete die Hexe streng. „Wer seid ihr?"

„Wo ist Heiler Holloway?" wollte Peter wissen.

„Er ist in den Ruhestand gegangen."

„Mitten in der Nacht?"

Poppy Pomfrey schien nicht belustigt. „Nein. Er ist diesen Morgen gegangen. Ich schätze, dass Professor Dumbledore am Morgen die Ankündigung machen will. Jetzt, Gentlemen, habe ich euch gesagt, was ich hier mache, vielleicht könnt ihr mir erklären, was euch hier herbringt."

Die Rumtreiber tauschten unsichere Blicke und dann sagte James. „Das… das ist Remus Lupin…" begann er, die Lage sondierend. Die Hexe schien sofort zu verstehen.

„Ja, natürlich," sagte sie schnell. „Bringt ihn rein."

Erleichtert, dass diese Pomfrey Frau von der Situation in Kenntnis gesetzt worden war, rutschte Remus, halb auf Sirius und James lehnen - nach drinnen. Er sackte auf einer Liege nicht weit von der Tür entfernt zusammen, während Pomfrey hastig in das hintere Büro verschwand, vermutlich um einen Trank zu holen, obwohl Remus nicht sicher war, wie sie wusste, welchen er brauchen könnte.

Als sie mit zwei Violen zurückkehrte, fühlte die Hexe die Stirn und den Puls des jungen Werwolfs. „Weniger als vierundzwanzig Stunden bis zur Verwandlung," murmelte sie. „Ist dir übel?" Remus nickte. „Du hast auch Fieber. Hier…" Sie gab ihm eine der Flaschen. „Die hier wird dir helfen, zu schlafen." Während Remus den Trank nahm, verschwand Pomfrey wieder im Büro und kehrte wenige Momente später mit einem Stück Pergament zurück. Sie reichte ihn James.

„Ihr Jungs solltet zu eurem Schlafsaal zurückkehren," sagte sie ihnen. „Wenn ihr irgendjemanden auf dem Weg trefft, könnt ihr ihnen diesen Zettel geben."

„Oh." James schaute ein wenig überrascht über die nette Geste. „Dankeschön."

Sie nickte.

James, Sirius und Peter sahen noch einmal zu Remus. „Wir sehen dich bald, Kumpel," sagte Sirius, ermutigend lächelnd. Remus nickte bloß. „Gute Nacht, Poppy," fügte Padfoot für die Hexe hinzu. Sie hob eine Augenbraue.

Madam Pomfrey, wenn ich bitten darf," antwortete sie.

„'Türlich, Poppy."

Und damit machten die drei Rumtreiber mit Schlafentzug ihren Weg aus der Krankenstation, während eine empörte Madam Pomfrey ihnen stirnrunzelnd hinterher blickte.

(Strawberry Fields Forever)

„Oh, ich weiß nicht," sagte Mary achselzuckend, als sie am Mittwoch mit ihrem Freund, David Sterins, durch die Zauberkunstabteilung lief. „Dearborn scheint nicht zu schlimm… Dumbledore hatte schließlich nicht viel Zeit für uns einen Ersatz-Verteidigungsprofessor zu finden."

„Ich denke, er bevorzugt Potter, also Dearborn," antwortete Stebbins beharrend. „Ich habe gehört, dass sie verwandt sind."

„Jeder bevorzugt Potter," bemerkte Mary. „Er ist unglaublich talentiert. Jedenfalls hatten wir erst zwei Stunden mit Dearborn. Es ist zu früh um das zu sagen."

„Trotzdem." Sie erreichten die Treppe und Stebbins beugte sich runter um ihr auf die Wange zu küssen. „Ich gehe noch schnell zu meinem Gemeinschaftsraum vor dem Abendessen. Ich treffe dich dann in der Großen Halle?"

Mary nickte fröhlich. „Bis später."

Sie bewegten sich in gegensätzliche Richtungen, Mary nach unten und Stebbins nach unten. Für einen Hufflepuff, dachte Mary, als sie nach unten schlenderte, war Stebbins kein schlechter Kerl. Er war kein Weichei, wie einige seiner Hauskameraden und er war schrecklich süß. Sie lächelte glücklich vor sich hin und erreichte den Treppenabsatz des unteren Stockwerks. Ungefähr ein Dutzend anderer Schüler standen dort rum, unter anderem eine Gruppe Slytherins, mit denen Mary bewusst Augenkontakt vermied. Trotzdem, als sie vorbeiging, merkte sie instinktiv, dass jemand sie ansah und ein schneller Blick zu den Slytherins sagte ihr, dass Mulciber unter ihnen war. Sie beschleunigte ihren Gang.

Als sie ein paar Meter von der nächsten Treppe entfernt war, atmete Mary freier (unsicher, warum sie überhaupt nervös gewesen war) und tadelte sich selbst dafür, sich Dinge einzubilden. Dann überkam sie ein seltsames Gefühl.

Zuerst fühlte sie sich benommen und dann ein wenig schwindelig. Sie musste sich hinsetzen. Und doch, als Mary versuchte, sich zu der Wand zu bewegen um sich zu stützen, bemerkte sie, dass ihre Beine nicht richtig funktionierten. Sie bewegten sich nicht. Ihr war vage bewusst, dass dies sie stören sollte, aber das tat es nicht. Tatsächlich fühlte sie nichts. Ihre Gedanken waren plötzlich schwammig, und sie schien schwerelos.

„Dreh dich um," sagte eine Stimme (das einzige erkennbare Geräusch, das sie hören konnte) und ohne es zu hinterfragen, gehorchte Mary. Sie drehte sich um und der Flur, der sich vor ihr ausstreckte, war verschwommen. „Komm her," sagte die Stimme und das tat sie. Sie folgte der Stimme zu ihrer Quelle und bemerkte, wie sie vor jemanden stand - einem Zauberer - dessen Zauberstab direkt auf sie gerichtet war. „Gib mir deinen Zauberstab."

Mary zog ihren Zauberstab von der Tasche ihrer Büchertasche, wo sie ihn immer hatte und legte ihn in die ausgestreckte Hand.

„Was soll ich sie als nächstes tun lassen?" fragte die Stimme lachend. Mulcibers, dachte sie. Für eine Sekunde war ihr Kopf frei genug um zu erkennen, dass sie Angst haben sollte.

Ich bin unter dem Imperius, erkannte sie, bevor ihre Konzentration von einer weiteren entfernten Stimme gebrochen wurde.

„Ich hätte da ein paar Dinge…"

Da war Gelächter und dann sagte Mulcibers klare, kommandierende Stimme: „Komm näher."

Sie wollte nicht, aber ihr Wille war schwach im Vergleich zu der Kraft, die anstrengungslos ihr Beine dazu brachte, dem Befehl zu gehorchen, und sie ziemlich nah zu der Gruppe Slytherins brachte. Mehr Gelächter. Ihr Sichtfeld wurde noch verschwommener und ihr Kopf weniger ihr eigener. Mulciber gab einen weiteren Befehl und sie hatte keinen widerstrebenden Befehl. Sie würde gehorchen, als eine neue Stimme (weit weg und leise, wie die anderen) durchbrach.

„Was geht hier vor?"

Dann, wie ein Spritzer kaltes Wasser, kehrte die Realität zu ihr zurück.


„Sorry, dass ich zu spät bin," sagte Skively gut gelaunt, als er sich am Bibliothekstisch Alice gegenübersetzte. Sie nickte bloß, ihre Konzentration auf mehrere Blätter von Zaubertranknotizen gerichtet, die sie gerade zu ordnen schien.

„In Ordnung," sagte die Hexe nach einem Moment. „Also, ich dachte mir, dass wir die Arbeit in zwei Teile aufteilen könnten: Zusammenfassung und Geschichte des Tranks und Beschreibung des Prozesses mit persönlicher Analyse. Das sind die vier Punkte, die Slughorn haben will. Würdest du lieber die Zusammenfassung und Geschichte machen oder die Beschreibung und Analyse?"

Skively schien überrumpelt. „Ich bin bloß drei Minuten zu spät und du hast all das gemacht?"

„Ich habe mir das gestern Nacht überlegt," sagte Alice ihm in einem geschäftsmäßigen Ton. „Ist das okay für dich oder hattest du eine andere Idee?"

„Nein, das geht klar für mich," sagte der Hufflepuff achselzuckend. „Welche Hälfte würdest du lieber machen?"

Alice würde viel lieber die Zusammenfassung und Geschichte machen, da sie es verabscheute Dinge aus ihrer eigenen Perspektive zu schreiben, aber sie dachte, es wäre unhöflich, das zu erwarten und sie schüttelte neutral ihren Kopf. „Wie du willst. Ich komm mit beidem zurecht."

„Das glaub ich dir."

„Was war das?"

„Nichts, nichts." Er lächelte sie an. „Es war schrecklich nett von dir, dir das alles im Voraus zu überlegen, Alice. Obwohl, wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass du es vermeidest, tatsächlich mit mir zu arbeiten."

Alice hob ihre Augenbrauen. „Und warum würde ich das tun?"

„Ich weiß nicht… sag du es mir."

Sie verdrehte ihre Augen. „Hör zu, Skively…"

„Jeffrey," korrigierte er.

„Richtig. Jeffrey. Ich bin eine der besten unseres Jahrgangs und das ist so, weil ich hart arbeite, nicht prokrastiniere und die Dinge auf ordentliche Art gemacht bekomme. Es ist nichts Persönliches… bloß die Art, auf die ich arbeite."

„Okay," sagte Skively, immer noch lächelnd. „Ich nehme den Zusammenfassung- und Geschichtsteil."

„Super." Alice begann ihre Sachen zusammenzupacken.

„Wohin gehst du?"

„Abendessen," antwortete sie, als ob es offensichtlich wäre. „Wir haben unsere Aufgaben. Wir können einzeln daran arbeiten und sie morgen früh vor dem Unterricht zusammensetzen."

Skively verschränkte seine Arme über dem Tisch. „Ich dachte, wir arbeiten jetzt daran."

„Das haben wir. Und jetzt sind wir fertig."

„Warum bist du so in Eile? Hast du ein Date?"

Nein."

Tja, nicht wirklich. Sie hatte Frank gesagt, dass sie ihn zum Abendessen sehen würde, wenn sie schnell aus dem Treffen rauskommen würde, aber das war kein Date per se. Trotzdem, er hatte Schulsprecherarbeit zu tun, sodass sie nicht viel Zeit nach dem Abendessen hatten.

„Tja, dann, warum machen wir das nicht jetzt fertig?" fuhr Skively fort. „Schließlich finde ich es am besten, Prokrastination zu vermeiden." Er grinste.

Alice seufzte. „Na gut. Eine halbe Stunde und dann gehe ich zum Abendessen."

„In Ordnung," zirpte Skively und packte seine Büchertasche aus. Alice zog wieder ihre eigenen Notizen heraus und legte sie hin, neben leeres Pergament, einer Feder und etwas Tinte. Sie wollte gerade mit dem Arbeiten anfangen, als Skively hinzufügte: „Ich schätze nicht, dass du dir letzte Woche Notizen gemacht hast, oder?"

„Natürlich habe ich das," antwortete sie, ihren Namen und das Datum oben auf das Pergament schreibend. „Slughorn hat uns gesagt, dass wir die Informationen für unsere Aufgabe diese Woche brauchen würden." Skively war still und Alice sah hoch. „Du hast dir keine Notizen gemacht, oder?" fragte sie, die Antwort bereits wissend. Skively lächelte bloß. Alice seufzte.

„Na gut. Hier." Sie reichte ihm die Notizen und nahm Fortgeschrittenes Zaubertränkebrauen heraus. „Ich arbeite zuerst am Prozess-Teil… dafür brauche ich nur das Buch."

„Äh - danke."

„Mhm."

Die beiden arbeiteten für mehrere Minuten in Stille, bevor Skively wieder sprach. „Also, was ist da jetzt mit dir und dem Schulsprecher?"

Alice sah nicht von ihrem Artikel hoch. „Zweiundzwanzig Minuten und dann gehe ich zum Abendessen und nehme meine Notizen mit," erinnerte sie ihn in einer singenden Stimme.

Bitte, ich bin schon zur Hälfte fertig," antwortete Skively. Alice hob ihre Augenbrauen. „Keine Sorgen, es ist nicht grottenschlecht. Also, was ist da mit dir und Longbottom?"

„Was interessiert es dich?"

„Weil ich denke, dass du süß bist."

Alice seufzte und legte ihre Feder hin. „Danke. Das ist süß. Wirklich. Aber - nein. Also einfach… nein. Danke."

„Wegen Longbottom?"

„Nein, weil nein."

„Gut."

Alice verschränkte ihre Arme. „Was meinst du mit ‚gut'?" wollte sie wissen.

„Ich weiß nicht. Es ist bloß… er ist Frank Longbottom."

„Unglaubliche Beobachtung."

„Oh, komm schon, Alice. Denkst du wirklich nicht, dass du jemand besseres finden könntest, als Longbottom?"

Alice lachte tatsächlich laut darüber, was Mrs. Sevoy dazu veranlasste, ihre Augenbrauen hochmütig in ihre Richtung zu heben. Sie schien bereit, zu ihrem Tisch herüberzukommen und sie zu tadeln, aber Skively schickte ihr ein entschuldigendes Augenrunzeln und sie kehrte zu ihrer Arbeit zurück. „Ernsthaft, Skively," flüsterte Alice, sich über den Tisch lehnend. „Frank ist Schulsprecher. Er ist einer der besten in unserem Jahr. Ich glaube ernsthaft nicht, dass er unter meinem Niveau ist."

„Vielleicht," sagte Skively achselzuckend. „Aber er ist nicht so süß wie du."

Alice verdrehte ihre Augen. „Und was macht dich besser als Frank?"

„Tja," begann der Hufflepuff nachdenklich. „Wenn du meine Freundin wärst, würde ich nicht wollen, dass du lange Stunden in der Bibliothek mit einem gut aussehendem Hufflepuff verbringst, der dich in Zaubertränke angegraben hat." Alice blickte finster. „Außer… du hast Longbottom nicht gesagt, dass ich dich in Zaubertränke angegraben habe…" Er ließ dies ausklingen, als ob es etwas bedeuten würde.

„Nein, das habe ich nicht," antwortete sie ruhig. „Es war von so geringer Bedeutung für mich, dass ich es komplett vergessen habe. Und außerdem, das würde nur Sinn machen, wenn du mit „langen Stunden" tatsächlich „genau dreißig Minuten" gemeint hast. Und außerdem, bin ich kein Besitztum, dem gesagt werden kann, mit wem ich meine Stunden - lang oder kurz - in der Bibliothek oder sonst wo verbringen darf. Also schätze ich, ist es eine gute Sache, dass ich nicht deine Freundin bin." Sie lächelte.

„Vielleicht," stimmte er zu. „Aber, weißt du, wenn du es wärst, würde ich nicht Carlotta Meloni küssen."

Alice erstarrte, ihr Lächeln verflogen. Dann begann sie ganz ruhig ihre Dinge einzupacken.

„Wohin gehst du?"

„Du machst Witze, oder?"

„Alice, so hab' ich es nicht gemeint," sagte Skively schnell. „Es tut mir leid. Ich verspreche, dass ich mich benehme."

„Du kannst die Notizen behalten," erwiderte Alice kühl. „Ich gehe."

„Nein, Alice," Er packte sanft ihren Arm. „Komm schon, so habe ich es nicht gemeint."

Alice zog ihre Hand weg. „Was hast du dann gemeint?"

„Tja…" Skively zögerte. „Was ich nur meinte war - was tut so ein hübsches Mädel wie du, das vermutlich jeden Kerl in der Schule daten könnte, mit einem Kerl, der mit Carlotta Meloni hinter deinem Rücken geschlafen hat?"

„Frank hat nicht mit Carlotta geschlafen," korrigierte Alice. „Ich verteidige nicht, was er getan hat, aber du hast keine Ahnung, worüber du redest."

„Und er wollte nicht mit ihr schlafen?"

Sie verdrehte wieder ihre Augen. „Sie ist verdammt noch mal Carlotta Meloni! Jeder will mit ihr schlafen! Verdammt, wenn diese Bitch nicht versucht hätte, meinen Freund zu stehlen, hätte ich vermutlich überredet werden können, mit ihr zu schlafen. Und hör auf, dir das vorzustellen, Skively."

Okay."

„Du hast genau siebzehn Minuten, bevor ich zum Abendessen losgehe," fuhr sie fort. „Also schlage ich vor, dass du jetzt die Notizen gut verwendest."

„In Ordnung, in Ordnung."

Skively gehorchte für weitere zehn Minuten oder so, bis er die Stille wieder einmal brach: „Alice?"

„Um Merlins Willen, was ist los?"

„Oh… sorry. Ich habe eine Frage zu den Notizen…"

„Oh." Alice setzte sich auf. „Was ist es denn?"

Skively schob seinen Stuhl um den Tisch, sodass er auf derselben Seite stand wie Alices. Er hielt ein Stück Pergament hoch und fragte: „Dieser Teil hier… über die Regulationen bezüglich dem Jagen von magischen Kreaturen… du hast gesagt, dass sie in den 1850er angefangen haben, aber ich denke, du hast die 1950er gemeint…"

Alice runzelte die Stirn. „Die 1950er? Nein, ich bin mir ziemlich sicher, dass es früher war. Hier…" Sie packte ihre Tasche und zog ein Buch heraus. „Guck mal nach."

„Du trägst einfach eine Ausgabe von Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind mit dir herum?"

„Ich tue das, wenn ich Hausaufgaben damit mache." antwortete sie und reichte sie ihm. Skively blätterte auf der Suche nach einer Antwort durch die Seien, während Alice wieder mit ihrem Teil des Aufsatzes fortfuhr. Einen Moment später fand er, wonach er gesucht hatte und gab Alice das Buch zurück.

„1890," sagte er ihr. „Wir lagen beide falsch."

„Na gut," sagte Alice. „Obwohl, du warst mehr falsch."

„Wie kommst du darauf?"

„Du lagst sechzig Jahre daneben, und ich bloß vierzig. Außerdem war ich im richtigen Jahrhundert."

„Ich denke nicht, dass es ein ‚mehr' falsch gibt," entschied Skively. Alice sah von ihrem Aufsatz hoch um ihn böse anzublicken und erst dann erkannte sie, wie nah er saß. Seine Nase war vielleicht bloß drei Fingerbreiten von ihrem entfernt und seine Augen - die, wie sie erkannte, braun waren - bohrten sich intensiv in ihre.

„Du solltest… ähm…" Sie räusperte sich. „Zurück zu… deiner Seite des Tisches… gehen."

Skively bewegte sich nicht. „Komm schon, Alice," murmelte er und sie konnte seinen Atem auf ihrem Gesicht spüren, wenn er sprach. „Du magst mich gar kein Stück?"

„Ähm…" Aber ihre Hormone hatten die Steuerung übernommen und ihre Zunge unfähig gemacht, zu artikulieren, was sie sagen wollte. „Tja, ich - ähm…"

Er lehnte sich näher, die Distanz zwischen ihren Lippen wurde immer und immer bedeutungsloser. Alice war sich nicht sicher, ob sie auf der Stelle erstarrt war oder ob sie sich in eine Richtung lehnte oder die andere. Sie war sich gar nicht sicher.

Er wird mich küssen.

Skively war bloß eine Haaresbreite entfernt, als - wie ein Spritzer kaltes Wasser - die Realität zu Alice zurückkehrte.

Ihre Augen - und ihr war nicht klar gewesen, dass sie sie geschlossen hatte - flogen auf und sie zog sofort zurück. „Stopp."

„Es tut mir leid," entschuldigte Skively sich verlegen, sich aufsetzend. „Ich wollte nicht…"

„Ich muss gehen," sagte Alice schnell, ihre Bücher packend und sie unsanft in ihre Tasche schiebend. „Du kannst die Notizen behalten… einfach… äh… bis zum Unterricht."

„Warte, Alice…"

Aber sie warf bereits ihre Büchertasche über ihre Schulter und eilte aus der Bibliothek.


Wünschend, dass sie wüsste, wo Mary und Marlene waren, setzte sich Lily alleine zum Abendessen an den Gryffindortisch. Natürlich war sie nicht wirklich alleine; da waren etwa zwanzig andere Gryffindors am Tisch. James, Sirius und Peter saßen nicht zu weit weg und Frank Longbottom war bloß ein paar Plätze entfernt mit einem Buch, das gegen einen Krug Kürbissaft gelehnt war und intensiv gelesen wurde. Trotzdem hätte Lily gerne etwas Gesellschaft gehabt.

Als sie sich etwas Essen auf den Teller gelegt hatte, zog die Vertrauensschülerin ihre bis jetzt noch ungelesene Kopie von Der Tagesprophet raus und warf einen Blick auf die Schlagzeilen. Einen Todesserangriff in Bristol - niemand ermordet, Merlin sei Dank - und das Verschwinden einer muggelstämmigen Ministeriumsmitarbeiterin: in anderen Worten, immer dasselbe.

Da war eine weitere Geschichte, die ebenfalls Lily ins Auge fiel. Ein Auror war in dem Versuch gestorben, etwas zu verhindern, was vage „Todesseraktivität" in London genannt wurde. Lily seufzte und fragte sich düster, ob Logan Harper involviert war. Logan Harper, der Zauberer, den sie vor drei Monaten getroffen hatte, verblutend auf einem Sofa.

Lily warf einen Blick zum Ravenclawtisch und obwohl sie ein paar von Lukes Freunden entdeckte, war der Zauberer selbst abwesend. Sie faltete das Papier um die nächste Seite zu lesen, aber wurde von der Ankunft von Shelley Mumps und Carlotta Meloni abgelenkt. Sie stritten sich spielend.

„Wirklich, Shell," sagte Carlotta gerade, als sie auf den Platz auf der gegenüberliegenden Seite des Tisches rutschte. „Du kannst nicht abstreiten, dass er heiß ist."

„Na gut," gab Shelley nach, als sie den Platz neben Lily nahm. „Ich gebe zu, dass er schöne Augen hat - sehr blau. Du könntest dich in ihnen verlaufen."

„Ich hätte nichts dagegen, mich in ihnen zu verlaufen," stimmte Carlotta heiser zu, was Shelley zum Kichern brachte.

„Aber," fuhr die andere fort, „er ist nicht mein Typ. Ich bevorzuge Kerle mit dunklen Haaren."

„Du meinst, du bevorzugst Kerle, die James Potter sind," korrigierte Carlotta und Shelley wurde rot.

„Ruhig! Er hört es!"

„Er sitzt ganz da hinter," sagte die Brünette, achtlos mit ihrer Hand wedelnd. „Wirklich, Shelley, ich werde nie deine Besessenheit mit James verstehen. Ich meine, er ist verdammt hinreißend, natürlich, und er ist auch ein verdammt guter Küsser. Aber, Liebes, du redest nie wirklich mit ihm… und da sind noch jede Menge andere Schnatze, die du verfolgen könntest."

Shelley sah entrüstet aus. „Lily, hilf mir," flehte sie und Lily legte ihre Zeitung hin.

„Ich hoffe, du bittest mich nicht, für James Potter zu argumentieren," witzelte sie.

„Aber du verstehst, warum er so fantastisch ist, oder?" flehte Shelley halb.

Carlotta schnaubte, bevor Lily antworten konnte. „Du stehst bloß auf ihn, weil er attraktiv ist, Shell."

„Nein. Das ist es überhaupt nicht." Sie sah zu Lily in Hoffnung auf Unterstützung. „Ist es nicht. Jeder kann sagen, dass James…" Sie sagte seinen Namen fast fanatisch. „gut aussieht. Aber ich mag die Dinge, die niemand sonst an ihm bemerkt - die kleinen Dinge, weißt du?"

Lily hob ihre Augenbrauen. „Wie was?"

„Tja… die Art, wie er seinen Haare verwuschelt," sagte Shelley glühend. „Sein Lächeln, und sein Lachen und die Art, wie er bei seinen Freunden ist."

Merlin, du brauchst einen Fick," murmelte Carlotta."

Still, du," entgegnete Shelley, eine Strähne von dreckig blondem Haar um einen Finger zwirbelnd. „Weißt du, was ich meine, Lily?"

Lily schüttelte ihren Kopf. „Shelley, das sind nicht die kleinen Dinge. Das sind die große Dinge. Das sind die grundsätzlichen James Potter Dinge. Die kleinen Dinge sind eher wie - wie er zappelt, weil er nicht länger als eine Sekunde still sitzen kann oder wie er in einem Stuhl sitzt, als ob es ein Sessel wäre oder wie er seinen Zauberstab seltsam hält - mit seinem Zeigefinger oben drauf, obwohl es scheint, als ob das nicht stabil genug für einen starken Zauber wäre. Oder wie - wie jeder, der je seine Notizen gesehen hat, dir sagen kann - er neunzig Prozent der Zeit im Unterricht damit verwendet, den Rand zu verkritzeln. Oder, ihr wisst schon, dass er viel summt, aber wahrscheinlich komplett ton taub ist, weil er sich schrecklich anhört. Ich meine, ja, er verwuschelt seine Haare - aber er macht es, damit er aussieht, als ob er gerade von einem Besen abgestiegen ist. Und ja, jeder weiß von seinem Lächeln und seinem Lachen und all diesem Müll, aber das wirklich witzige ist, dass er über die lächerlichsten, unlustigen Witze lacht. Und mit seinen Freunden… wisst ihr, wie er in einen Raum tritt und ihn überblickt um zu sehen, wer da ist, als ob er seinen Optionen abwiegt… Oder…" Lily hielt inne, als sie bemerkte, dass Carlotta und Shelley sie beide anstarrten. „Ich bin ein Beobachter von menschlichem Verhalten," sagte sie ihnen würdevoll.

Carlotta schüttelte ihren Kopf. „Ihr braucht beide einen Fick." Sie kehrte zu ihrem Abendessen zurück und Shelley warf einen Blick den Tisch hinunter zu James, als ob sie ihn in einem neuen Licht sah. „Aber wirklich, Shell," wärmte die Brünette das Thema gerade wieder auf, „du kannst nicht sagen, dass bloß, weil Lathe helles Haar hat, er nicht verdammt lecker ist."

„Lathe?" warf Lily neugierig ein.

„Mhm, der Auror," sagte Carlotta. „Shelley denkt, er wäre bloß in Ordnung, während ich sage, dass er verdammt fickbar ist."

„Wie kam dieses Thema aus?" fragte der Rotschopf.

„Oh, er ist zurück," sagte Shelley vage. „Wusstest du das nicht? Es sind ungefähr ein Dutzend Auroren an der Schule… anscheinend sind sie zur Sicherheit hier, wegen all diesen schlimmen Ereignissen mit den Todessern." Sie schüttelte die morbiden Neuigkeiten rasch ab. „Ich hätte gedacht, dass du das wüsstest, Lily," fuhr die Blonde fort, „da Lathe derjenige war, der Mary gerettet hat."

Lily erstickte beinahe an der Kartoffel. „Mary gerettet? Mary Macdonald? Von was gerettet? Was ist passiert?"

„Ich habe mich schon gefragt, warum du nicht mit ihr und Marlene oben im Schlafsaal warst," sagte Carlotta vage. „Du hast es nicht gehört?"

„Was ist passiert?" fragte Lily nach.

Carlotta lehnte sich vertraulich zu ihr. „Anscheinend hat Mulciber sie verhext. Ich habe gehört, er hat den Imperius verwendet."

„Lathe ging gerade vorbei und hat es gestoppt - hat Mulciber auch zusammengestaucht, diesen Arsch," fügte Shelley hinzu, „Mary ist jetzt oben im Schlafsaal."

Lily dankte ihnen und hastete dann ihr Abendessen und ihre Zeitung vernachlässigend aus der Großen Halle. Sie war halb aus der Eingangshalle gesprintet, als eine Stimme ihren Namen rufe. Sie hielt lange genug an um zu sehen, wie einer von Lukes Freunden - ein stämmiger Siebtklässler aus Ravenclaw - auf sie zukam.

„Es tut mir leid," entschuldigte sie sich schnell, „Ich habe keine Minute Zeit. Meine Freundin war gerade…"

Aber der Ravenclaw scheint nicht zuzuhören. „Lily, du hast Luke nicht gesehen, oder?" fragte er. „Er hat Unterricht geschwänzt und er macht das fast nie, also dachte ich…"

„Luke?" wollte Lily verwirrt wissen. „Nein. Wir haben Schluss gemacht, Gerry. Ich habe ihn nicht gesehen. Ähm… hör zu, ich muss gehen…"

„Aber…"

Aber Lily nahm bereits zwei Stufen auf einmal die marmorne Treppe hoch und sie hatte nicht die emotionale Energie um sich darüber Sorgen zu machen, warum Luke Unterricht verpasst hatte. Sie erreichte den Schlafsaal der Gryffindormädchen in Rekordzeit und fand Mary sitzend auf ihrem Bett neben Marlene.

„Gott, ich habe es gerade erst herausgefunden," keuchte Lily sehr schnell. „Bist du okay? Wie fühlst du dich? Musst du zum Krankenflügel? Brauchst…?"

„Lily, mir geht es gut," unterbrach Mary. „Beruhig dich, mir geht es absolut gut. Ich war bloß eine Minute oder zwei darunter…"

„Dem Imperius?" fragte Lily nur um sicher zu gehen und Mary nickte.

„Das Ekel hat mich angegriffen, als ich gerade auf dem Weg runter zum Abendessen war."

„Er hat dich nicht irgendetwas Schreckliches machen lassen?" fragte die Rothaarige ängstlich nach.

„Ich denke nicht, nein," antwortete Mary, „Wie ich gesagt hatte - es war bloß eine Minute oder so und dann war Lathe da. Wirklich, Lily, es ist keine große Sache…"

„Keine große Sache!" rief Marlene entrüstet. „Mulciber verdient sehr viel Schlimmeres als von Lathe angeschrien zu werden. Er sollte von der Schule fliegen."

„Sie hat Recht," stimmte Lily zu. „Das ist dunkle Magie."

Mary sah niemandem in die Augen und spielte mit dem Rand ihres Rocks. „Es ist in Ordnung. Ich bin in Ordnung. Niemand wurde verletzt. Ich würde es am liebsten einfach vergessen."

„Aber bist du dir sicher, dass es dir gut geht?" fragte Lily wieder. „Du hast absolut gar keine Schmerzen? Vielleicht solltest du einfach zur Sicherheit in den Krankenflügel gehen…"

„Mir geht es gut," beharrte Mary, aber Lily war nicht überzeugt. Für fast zehn Minuten fuhr sie fort jede mögliche Nebenwirkung des Imperius aufzulisten, von dem sie je gelesen hatte, bis Mary schließlich seufzte und nachgab.

„Tja, ich habe ein leichtes Kopfweh… obwohl das vielleicht nicht was mit der Attacke zu tun haben muss…" fügte sie leise hinzu. Lily sprang sofort auf.

„Ich hole einen Trank für dich aus dem Krankenflügel," meldete sie sich freiwillig und Mary lächelte dankbar.

„Danke, Süße."

Lily warf ihr einen aufrichtigen, beruhigenden Blick zu, bevor sie aus dem Schlafsaal hastete. Mary schüttelte ihren Kopf und lehnte ihn dann auf Marlenes Schulter.

„Ich bin erschöpft," sagte sie.

„Es ist erst sieben," bemerkte Marlene. „Und du hattest noch kein Abendessen."

„Ich bin nicht hungrig."

„Mare, du solltest etwas essen…"

Mary runzelte die Stirn. „Tja dieser Lathe Typ hat empfohlen, dass ich ein bisschen Schokolade esse…"

„Ich habe welche in meinen Koffer."

Die Blonde stellte eine dicke Tafel von Honeydukes Feinster zur Verfügung und die zwei Mädchen aßen sie still. „Wie ist dein Kopfweh?" fragte Marlene nach einer Weile.

„Ich habe kein Kopfweh. Lily hat mich nur gestresst."

Marlene lächelte und legte einen Arm um die Schulter ihrer Freundin. „Du bist aber nicht okay, oder?" murmelte sie wissend. Mary seufzte.

„Ich habe es gehasst," sagte sie weich. „Ich habe es gehasst, so kontrolliert zu werden. Ich habe es gehasst, mich so schwach zu fühlen. Ich habe es gehasst, Mulciber so ausgeliefert zu sein - es war… schrecklich. Ich kann es nicht beschreiben."

Marlene war für eine lange Zeit still. „Es wird nicht wieder passieren," versprach sie schließlich. „Niemals wieder, okay?"

„Okay." Aber sie hörte sich nicht so an, als ob sie es glaubte. „Ich denke, ich gehe jetzt ins Bett," verkündete die Brünette gegenwärtig, stand von dem Bett auf und bewegte sich zur Kommode, wo sie die oberste Schublade öffnete und eine kleine Flasche rauszog. „Schlaftrunk," erklärte sie einer neugierigen Marlene. Sie sammelte ihre Nachtkleider und bewegte sich in das Bad.

„Wenn du sonst nichts brauchst," rief Marlene durch die Tür. „sollte ich Adam treffen um an Verwandlung zu arbeiten."

„Geh ruhig," antwortete Mary. „Gute Nacht."

„Gute Nacht, Mary."

Marlene schlüpfte aus dem Schlafsaal und ging die Treppe hinunter zum Gemeinschaftsraum. Sie sah sich jedoch nicht nach Adam um. Stattdessen bewegte sie sich schnell aus dem Gryffindorturm raus, halb die Korridore und Treppen hinunterrennend, bis sie die Bibliothek erreichte.

Sie konnte sich natürlich nicht sicher sein, dass er hier sein würde, aber sie wusste, dass er oft hier seine Abende verbrachte und selbst, wenn nicht, könnte sie vielleicht jemand Kooperativen aus seinem Haus finden, der zu ihrem Gemeinschaftsraum gehen würde und ihn für sie suchen würde. Jedoch schien Marlene an diesem Abend Glück zu haben, da an einem Tisch nahe der Regale der Zauberer saß, den sie sehen musste.

„Snape," sagte die Blondine scharf, und sich selbst einlud, in dem leeren Stuhl ihm gegenüber zu sitzen.

Der Slytherin sah von seinem Buch auf. „Was willst du?" fuhr er sie an.

Marlene lehnte sich über den Tisch und sprach ruhig. „Du weißt genauso gut wie ich, warum ich hier bin," antwortete sie wutentbrannt. „Mulciber hat Mary angegriffen."

Snapes Ausdruck war unlesbar, aber etwas an dem Blitzen seiner schwarzen Augen ließ vermuten, dass er es nicht gewusst hatte. „Ich war nicht dabei," war alles, was er sagte.

„Wir hatten eine Abmachung," sagte Marlene bissig. „Du solltest deine Freunde von meinen feenhaften…"

„Ich war nicht da," wiederholte Snape. „Ich kann nicht jeden in meinem Haus die ganze Zeit kontrollieren."

Aber Marlene war das egal. „Wenn noch einmal etwas meinen Freunden wegen einer von deinen zustößt, gehe ich zu Dumbledore."

Sie begann vom Tisch auszustehen, aber Snape sprach in einer dunklen und gefährlichen Stimme: „Droh mir nicht," warnte er. Marlene blitze ihn an. „Gib mir keinen Grund dazu," erwiderte sie.


„Äh - Entschuldigung…" begann Lily, vorsichtig die Krankenstation betretend, als ob es unbekanntes Terrain wäre. Die Hexe, die Dumbledore an diesem Morgen als die neue Heilerin der Schule bekannt gemacht hatte, sah von dem Bett auf, das sie gerade per Zauberstab machte.

„Ja, Liebe?"

„Ich habe mich gefragt, ob ich vielleicht ein bisschen Kopfschmerz-Trank bekommen könnte."

„Ja, natürlich," sagte die Hexe, deren Titel, glaubte Lily, Madam Pomfrey war. „Aber Sie werden ihn in meiner Anwesenheit einnehmen müssen. Schulregeln, wissen Sie…"

„Oh." Lily runzelte die Stirn. „Aber Heiler Holloway hat da nie darauf geachtet."

„Anscheinend nicht," stimmte Madam Pomfrey zu, „da Sie die vierte Person sind, die die Regel in Frage stellt. Aber leider ist es eine Regel der Schulbehörde, Miss…?"

„Evans. Lily Evans."

„Miss Evans. Sie sehen, Liebe, sie ist da um zu verhindern, dass Studenten Tränke, die in großen Mengen gefährlich wären, sammeln - oder sie zu anderen Schülern tragen, wissen Sie." Sie sah plötzlich recht ernst aus. „Dieser Kopfschmerztrank ist für Sie, oder, Miss Evans?"

Lily räusperte sich nervös. „Na-natürlich."

„Sehr gut," Madam Pomfrey entspannte sich ein wenig. „Ich bin in einem Moment da." Sie ging rasch in ihr hinteres Büro und Lily seufzte.

„So viel dazu…" Sie verschränkte ihre Arme und blickte müßig durch die Krankenstation. Da war eine junge Hexe in einem Bett, die aussah, als ob sie einen bösen Unfall in Zauberkunst gehabt hatte und ein älterer Zauberer, der auf einer Liege in einer Ecke saß, der keine sichtbaren Zeichen von Krankheit zeigte. Es dauerte einen Moment, bis Lily verarbeitet hatte, wer dieser Zauberer war.

„Luke?" Sie ging schnell nach dort, wo der Zauberer saß. „Geht es dir gut? Was ist passiert?"

„Lily," grüßte Luke, anscheinend ein wenig verlegen. „Ähm - mir geht es gut. Ich habe meinen Arm verletzt."

„Was ist los mit dem Arm?"

„Oh, nichts Ernstes. Ich hab' - ihn bloß ein wenig gebrochen."

„Du hast deinen Arm ein wenig gebrochen?" fragte Lily skeptisch. „Hat die Hexe ihn repariert?"

„Ja, er ist jetzt geheilt," sagte Luke, „Madam Pomfrey meinte nur, dass ich für ein paar Minuten hier sitzen soll um sicherzugehen, dass es keinen nachklingenden Schmerz gibt… anscheint kann manchmal das Reparieren eines gebrochenen Knochens so etwas verursachen. Ich weiß nicht."

„Wie hast du ihn gebrochen?" fragte die Hexe nach und setzte sich auf das Bett gegenüber von ihm.

„Ich äh - Ich bin einfach gefallen," antwortete Luke, gezwungen locker. „Keine große Sache."

Aber Lily glaubte ihm nicht. „Dein Freund Gerry hat nach dir gesucht," sagte sie ihm. „Er hat mich nach dem Abendessen gefunden - sagte, dass du Unterricht geschwänzt hast. Hat das irgendwas damit zu tun?"

Bevor Luke antworten konnte, kehrte Madam Pomfrey mit Lilys Trank zurück und einem Klemmbrett. „Keine zusätzlichen Schmerzen, Mr. Harper?" fragte sie und gab Lily die Flasche. Luke schüttelte seinen Kopf. „Sehr gut, Sie dürfen gehen…" Luke musste das nicht zweimal gesagt werden. Er rutschte vom Bett und eilte zur Tür. Lily nahm ihren Trank in einem Schluck und versuchte ihm zu folgen. „Miss Evans, wenn Sie dies unterschreiben würden…" sagte Madam Pomfrey. Sie hielt ihr das Klemmbrett hin, „um zu bestätigen, dass Sie gerade den Trank genommen haben."

„Was? Oh… klar."

Lily schnappte sich die Feder und kritzelte ihren Namen auf die erste Linie. Luke war bereits durch die Krankenstationstüren verschwunden, also joggte Lily - nachdem sie Madam Pomfrey gedankt hatte - hinterher.


Die drei Nichtwerwolf-Rumtreiber saßen in ihren Lieblingsstühlen vor dem Kamin im Gryffindorgemeinschaftsraum. Peter und James spielten Karten und Sirius blätterte faul durch eins von James' Quidditchheften.

„Ich hab' Hunger," grummelte Padfoot gerade und Peter schnaubte.

„Wir haben vor dreißig Minuten gegessen," bemerkte er trocken.

„Ja, aber ich will noch mehr von der Siruptorte," bestand Sirius. „Lass uns runter zur Küche gehen."

„Ich will nicht," jammerte James. „Kannst du nicht warten?"

„Nein," sagte Sirius. Er fügte leiste hinzu: „Wir gehen heute raus."

„Dann geh doch selbst," schlug James vor. „Ich bin gerade dabei Wormtail abzuziehen."

„Tust du nicht."

„Tu ich wohl."

„Na gut," sagte Sirius und kam auf seine Füße. „Ihr seid allerdings grottenschlecht Freunde."

„Mhm," antwortete James vage. „Sei aber nicht zu lange weg," fügte er mit einem bedeutungsvollen Blick hinzu. „Die Sonne geht in einer Stunde unter."

„Ja, ich weiß," Sirius wedelte James Warnung weg und schlüpfte durch das Porträtloch.


Im Schulsprecherbüro auf und abgehend, knetete Alice angespannt ihre Hände. Frank war nirgendwo zu sehen, aber sie hatte entschieden, hier auf ihn zu warten. Er musste schließlich irgendwann zurückkommen.

Oh Gott, was würde sie tun? Sie fürchtete die Vorstellung, es ihm zu sagen, aber sie wusste ohne einen Zweifel, dass sie es tun würde.

Skively hatte sie beinahe geküsst.

Aber sie hatte es nicht gewollt.

Oder?

Nein, das hatte sie nicht. Da war sich Alice ziemlich sicher. Sie hatte nicht geküsst werden wollen. Das war das seltsamste überhaupt - sie hatte es nicht gewollt, aber sie hätte es beinahe zugelassen. Sie hatte beinahe zugelassen, dass dieser dahergelaufene Hufflepuff sie geküsst hätte. Und warum? Weil er ihr geschmeichelt hatte. Und weil er ganz einfach da gewesen war.

Weil er sie nicht liebte.

Alice setzte sich auf das Bett, schloss ihre Augen und stöhnte. Warum, oh, warum hatte Frank das gesagt? Warum hatte er diese verfluchten drei Worten geäußert? Waren sie nicht ohne all das glücklich genug gewesen? Waren sie nicht glücklich genug damit einfach Frank und Alice zu sein, ohne dass es so offiziell war? So etikettiert? Warum musste er das Ganze mit Ich liebe dich ruinieren?

Wieder nervös, stand Alice von ihrem Bett auf und fuhr ihr Auf- und Ablaufen fort. Sie machte das für mehrere Minuten, bevor sie wieder von sich selbst genervt wurde und sich an den Tisch setzte. Der ganze Tisch war von Papieren bedeckt, hauptsächlich in ordentlichen Stapeln, aber ein paar Blätter durcheinander. Sie sah seinen Zauberkunstaufsatz von letzter Woche - er hatte ein E bekommen - und seine Notizen von Zaubertränke. Auf diesen lag ein kleines Viereck von dickerem, teurem Papier; es war zugefallen und Alice hob es faul auf, bog es auf und las die ersten paar Zeilen.

Es war eine Notiz von Professor McGonagall, von vor ein paar Wochen. Alice las den Rest.

Mr. Longbottom,

ich habe Ihre Notiz erhalten und nachdem ich mich mit dem Rest der Lehrerschaft und Schuldirektor Dumbledore ausgetauscht habe, haben wir entschieden, dass es akzeptabel ist, das Datum des Hogsmead-Wochenendes der Schüler vom Samstag, dem 15. auf den Samstag den 8. zu schieben. Bitte informieren Sie die Vertrauensschüler über die Änderung beim nächsten Treffen, sodass sie die Informationen, die in den Gemeinschaftsräumen aushängen, ändern können. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit in dieser Angelegenheit.

Mit freundlichen Grüßen,

M. McGonagall

Alice runzelte die Stirn. Frank hatte dies überhaupt nicht erwähnt… sie hatte noch bemerkt, wie vorteilhaft die Änderung des Datums für sie war (wegen ihrem Geburtstag) und er hatte kein Wort gesagt. Es war seltsam, da…

Und dann erkannte Alice, was sie, vielleicht schon direkt erkannt haben sollte.


Lily holte Luke am Ende des Flurs ein und er sah nicht zu glücklich aus. „Hör zu, Lily," begann er und fing an die Treppe hinunterzugehen, „ich bin wirklich müde… ich gehe einfach ins Bett. Das hier ausschlafen…"

„Wirklich?" antwortete Lily und folgte ihm eng. „Das ist witzig, weil das letzte Mal, das ich nachgeschaut habe, war dein Gemeinschaftsraum oben." Luke antwortete nicht und sie wollte wissen: „Luke, was ist los mit dir?"

„Das geht dich nichts mehr an," fuhr der Ravenclaw sie an, uncharakteristisch harsch.

Luke…" Er verließ die Treppe im Flur des zweiten Stocks und Lily fuhr fort ihn zu verfolgen. „Wie hast du deinen Arm gebrochen? Wo warst du den ganzen Tag gewesen? Deine Zimmergenossen haben dich nicht gesehen und jetzt bist du…" Sie hielt inne, als sie sich an den Artikel im Tagespropheten erinnerte. „Hat das mit Logan zu tun?"

„Nein," sagte der Ravenclaw fest.

Lily blieb für ein paar Sekunden still, und versuchte, die einzelnen Stücke ihrer Erinnerung zusammenzusetzen. Etwas war falsch und sie fühlte sich, als ob sie wissen sollte, was, wenn sie sich nur so lange konzentrieren konnte, bis sie es erinnerte.

„Hast du über mein Angebot nachgedacht?"

Lilys Augen flogen aus und ihr Herz beschleunigte bei dieser Erinnerung an diese Worte. Sie waren von Logan Harper geäußert worden, genau vor drei Monaten in Hogsmead, als Lily geblieben war und an der Tür gelauscht hatte.

„Hast du über mein Angebot nachgedacht?"

„Nein, das habe ich nicht."

„Du hast noch Monate… gute Gelegenheit… wir werden einen weiteren Zauberstab brauchen…"

„Luke," begann sie, seinen Arm packend um ihn zu stoppen. Wie es sich herausstellte, war dies unnötig, da Luke in einem Flur innehielt und sich nahe zur Wand lehnte, anscheinend versuchend einen Blick darauf zu werfen, was im nächsten Flur war, ohne selbst gesehen zu werden. Lily war zu abgelenkt um dies überhaupt zu hinterfragen. „Es hat mit Logan zu tun, oder?" wollte sie wissen, aber Luke deutete ihr zu schweigen. „Logan wollte deine Hilfe für etwas," fuhr sie flüsternd fort, „mit einem Job."

Luke atmete tief aus. „Ich habe nichts falsch gemacht," sagte er bloß und kehrte dann zu seinem um die Ecke spionieren zurück.

„Luke…"

Bitte, Lily," bettelte er sie an. „Bitte sei nur für einen Moment still."

„Wonach schaust du?" wollte Lily wissen und sie lehnte sich um Lukes Schulter um zu sehen, was er sah. Drei Zauberer - Erwachsene, keine Schüler - standen etwas entfernt, herumlungernd und nichts besonders Interessantes tuend. Aufgrund ihrer schwarzen Umhänge und bronzenen Abzeichen erkannte Lily sofort, wer sie sein mussten: Auroren, die, der die Shelley und Carlotta beim Abendessen gesprochen hatten… die, die zur Sicherheit des Schlosses gerufen worden waren. Lathe war nicht unter ihnen, aber sie standen vor dem Raum, das vorher sein Büro gewesen war, als er für die Untersuchung am Anfang des Jahres hier gewesen war. Die Zauberer sagten nichts und Lily sah keinen Grund für ihre Stille mehr. „Luke," flüsterte sie giftig, „hast du deinen Arm gebrochen, als du Logan bei einem Job geholfen hast?"

Luke seufzte wieder. „Wenn ich das getan hätte, denkst du wirklich, ich wäre zum Krankenflügel gegangen um ihn heilen zu lassen, Lily?"

Tja, das war ein Argument.

„Wie hast du ihn dann gebrochen?"

„Ich bin gefallen."

„Hör auf zu lügen."

„Ich lüge nicht."

Lily packte Lukes Arm und zog ihn so, dass er sie ansehen musste. „Ich weiß, dass ich nicht mehr deine Freundin bin, aber du schuldest mir eine Erklärung. Sag mir die Wahrheit - war Logan während Blacks Wache in Hogsmead? Hat er mit dir gesprochen?"

Für einen Moment schien die vorsichtige Miene, die Luke schockierenderweise während des ganzen Gesprächs aufrechterhalten hatte, zu verrutschen. Er wendete abgelenkt seinen Blick ab und Lily wusste die Antwort, bevor er sie aussprach. Luke nickte langsam.

„Ich habe auch bei allem anderen Recht, oder?" fragte sie in einer leisen Stimme.

„Nein," sagte Luke weich. „Logan hat mich gebeten, ein zusätzlicher Zauberstab bei dem Job zu sein, aber ich habe es nicht gemacht."

„Wie hast du dann deinen Arm gebrochen?"

Casey… Saroyan…" unterbrach eine Stimme vom nächsten Korridor und Lily und Luke sahen beide um die Ecke um niemanden anderen als Lathe von dem Büro auftauchen zu sehen. Er sprach zu zwei der vier Auroren dort. „Was habt ihr gehört?"

„Das Tor ist sicher," sagte einer der Zauberer. „Benton und Towler sind nicht mehr Bahnhofssicherheit, sondern jetzt auf dem Weg zum Dorf. Aber Shacklebolt ist bereits da." Lily erschrak über den bekannten Namen - es musste Donnas Auroren-Bruder sein.

„Alleine?"

„Er läuft nur das Gelände ab."

„Die Antiapparierzauber sind an Stelle und die Gebäude daneben sind evakuiert," fügte ein anderer Zauberer hinzu.

„Haben wir die Bestätigung, dass Harper drinnen ist?" fragte Lathe. Lily hörte, wie Luke scharf einatmete.

„Mit zwei anderen, ja."

Lathe nickte. „Kommt mir. Wir werden jetzt flohen."

Die vier Zauberer verschwanden wieder einmal ins Büro und Luke verschwendete keine Zeit damit, sich umzudrehen und in die Richtung zu sprinten, aus der er und Lily gerade gekommen waren. Lily folgte, aber der Ravenclaw sprintete vor.

„Luke, bleib stehen…" Luke hielt inne, als er die Treppe erreicht hatte, und Lily noch eine kleine Entfernung zurücklag. „Wenn du zu deinem Bruder gehst…"

„Ich kann nicht reden, Lily. Ich muss… ich muss gehen." Dann hastete Luke nach oben und als Lily die Stufen erreichte, hatte er bereits den Treppenabsatz darüber erreicht und verschwand in den Flur. Sie folgte wieder einmal, nahm zwei Stufen auf einmal und kam eine Minute später auf dem vierten Stock an. Jedoch konnte Luke nirgendwo gesehen werden. Sie rief seinen Namen und bekam keine Antwort.

„Luke?" wollte sie wieder einmal von der dünnen Luft wissen. Aber da war nicht viel in diesem Flügel des vierten Stocks und Luke war verschwunden.

Lily pausierte für einen Moment um ihre Gedanken zu sammeln. Wohin ging Luke? Sicherlich würde er nicht nachts aus dem Schloss rauskommen. Besonders mit den Auroren als Wachen… wie hatte er wissen können, wo sie gerade waren? Wie hatte er seinen Arm gebrochen? War Logan in dem Angriff, der in der Zeitung erwähnt wurde, involviert gewesen? War Luke das?

Und trotz all dieser unbeantworteten Fragen, hatte Lily das seltsamste Gefühl, dass sie die Antwort zu einer, wichtigen Frage wusste… sie dachte, dass sie genau wusste, wohin Luke gerade unterwegs war. Aber wie? Und wie konnte sie ihn stoppen?

Darauf hatte Lily eine eigene Antwort.

James.


Mit erleuchteter Zigarette ging Sirius den Korridor im zweiten Stock des Ostflügels des Schlosses entlang. Er ging langsam um ein wenig Zeit zu vertreiben - es waren immer noch fünfundfünfzig Minuten oder so bis zum Sonnenuntergang (dann machte die Ausgangssperre es sicher für Remus um zur Peitschenden Weide gebracht zu werden) und in der Zwischenzeit sehnte sich Sirius nach etwas, das ihn beschäftigen könnte. Er war dankbar für die Ablenkungen durch den Vollmond, aber er wünschte sich, dieser würde sich ein bisschen beeilen.

Die meisten Schüler waren mittlerweile bereits hoch zu ihren Gemeinschaftsräumen gegangen und die Flure waren still. Er mochte es, so durch die Flure zu laufen. Es war so viel gemütlicher, so durch die Hallen zu laufen, ohne sich unter dem Unsichtbarkeitsmantel zu verstecken (der für später unter seinen Umhängen gefaltet war).

Die anderen verstanden es einfach nicht - dachte er, hielt inne und lehnte sich gegen eine der Korridorwände. Er nahm einen langen Zug von der Zigarette und atmete aus. James, Remus, Pete - keiner von ihnen verstand, dass er nicht einfach rumsitzen und Karten spielen konnte. Er wollte nicht alleine gelassen werden. Selbst jetzt, wenn er sich entschieden hatte, alleine rumzuziehen, verabscheute Sirius die ohrenbetäubende Stille. Er verabscheute die seltene Möglichkeit, sich selbst denken zu hören.

Schritte waren von dem nächsten Raum zu hören und Sirius löschte seine Zigarette an einer Ritterrüstung. Er zog seinen Unsichtbarkeitsmantel heraus und warf ihn über sich, weil das einzige, was schlimmer als Einsamkeit war, war nervende Begleitung.

Der Neuankömmling erschien einen Moment später, wahrscheinlich von der Bibliothek, urteilte man von seiner Richtung und dem großen Buch, das er unter einem Arm trug. Sirius fühlte, wie sein Blut anfing zu kochen. Seine Hand flog sofort zu seiner Umhangtasche und er zog seinen Zauberstab heraus. Es dauerte einen Moment, bis Sirius sich daran erinnerte, dass der andere Zauberer ihn nicht sehen konnte und deshalb einfach an ihm vorbeilief, als ob er alleine im Gang wäre.

Sirius hatte keinen klaren Plan oder Vorhaben, außer Strafe und deshalb zog der Rumtreiber, als der Zauberer ein wenig weiter an ihm vorbeigelaufen war, den Umhang von sich. Er wedelte einmal mit seinem Zauberstab und er faltete sich kompakt in die Tasche seiner Umhänge. Und dann, mit Regulus in seinen Gedanken, rief Sirius den Zauberer.

Snape."


Lily platzte in den Gemeinschaftsraum, der sich als gefüllt und laut herausstellte, geschäftig mit den normalen Mittwochabend-Aktivitäten, die die Gryffindors veranstalteten. Sie überblickte den Raum und fand ihr Ziel fast sofort auf einem Platz nahe des Feuers.

„James," begann sie und eilte zu ihm. Der Rumtreiber war mitten in einem Kartenspiel mit Peter Pettigrew und sah überrascht zu ihm hoch. „Äh… kann ich dich für einen Moment ausleihen?"

„Äh, okay…" Der Rumtreiber kam auf seine Füße und sagte: „Bin gleich zurück, Pete," bevor er Lily folgte, die bereits die Schlafsaaltreppe hochhielte. Sie nahm die Treppe, die zu den Jungsräumen hochging, und hielt an, als sie den Schlafsaal der Sechstklässler erreichte und ging dann als erste hinein. „Was ist los, Keks?" fragte James neugierig und setzte sich auf seinen Schreibtisch, während Lily das Zimmer überprüfte um sicherzugehen, dass keiner da war. „Alle sind weg," fügte er hinzu. „Was kann ich für dich tun?"

Lily atmete tief aus. „Ich hasse es zu fragen," sagte sie. „Weil ich wirklich absolut kein Recht dazu habe. Aber ich muss deine Karte ausleihen."

„Meine Karte?" James hob seine Augenbrauen. „Warum?"

„Das - kann ich nicht wirklich sagen." Sie biss sich angespannt auf die Lippe.

James schnaubte. „Dachtest du wirklich, dass das klappen würde?"

„Ich habe halb darauf gehofft," Lily seufzte. „Hör zu, ich muss Luke finden. Er ist auf dem vierten Stock verschwunden. Ich weiß nicht, wo er hingegangen ist, aber ich denke, er ist in irgendwelchen Schwierigkeiten."

James blickte Lily sorgfältig an, mit seinen Armen über seiner Brust verschränkt; dann stand der Rumtreiben auf und lief zu seinem Koffer hinüber. Er öffnete ihn und zog ein gefaltetes Stück Pergament heraus, dass Lily als die Karte der Rumtreiber erkannte. Trotzdem gab James sie ihr nicht direkt.

„Vierter Stock, sagtest du?" fragte er und Lily nickte. James zog seinen Zauberstab, tippte auf das Pergament und murmelte das Passwort. Dann faltete er die Karte in einer speziellen Art auseinander, wahrscheinlich um den richtigen Teil des Schlosses zu enthüllen, und betrachtete sie vorsichtig. „Ja, ich sehe ihn."

Wirklich?" fragte Lily überrascht. „Wo?" James hielt ihr die Karte hin. Der Punkt, der mit Luke Harper beschriftet war bewegte sich schnell durch einen engen Gang, den Lily nicht erkannte. „Wo ist er?" wollte sie wissen.

„Geheimgang," antwortete James locker und auf Lily geschockten Blick hin fügte er hinzu: „Das hatte ich erwartet, als du gesagt hast, dass er im vierten Stock verschwunden ist. Dieser Gang führt nach Hogsmead. Nicht sehr effizient, möchte ich hinzufügen. Es gibt viel bessere Routen, aber ich schätze, dass Harper nicht von ihnen weiß. Der hier beginnt im vierten Stock, hinter der einen Steintrollstatue, aber es dauert ewig, bis man von dort ins Dorf kommt und Filch weiß auch davon, deshalb haben er und Mrs. Norris immer ein Auge darauf. Er ist jedoch ziemlich leicht zu finden. Ich bin nicht überrascht, dass Harper davon weiß."

Aber Lily hörte kaum zu. „Dankschön, James. Ich muss gehen…" Sie begann zur Tür zu laufen.

„Warte. Warte 'ne Sekunde." James bewegte sich vor sie um sie aufzuhalten. „Wohin gehst du?"

„Ich muss Luke einholen," sagte Lily. „Bitte beweg dich."

„Nein. Du kannst nicht heute gehen."

„Worüber redest du? Ich muss gehen - Luke… er ist kurz davor einen großen Fehler zu begehen und ich kann ihn das nicht tun lassen. James, beweg dich!"

„Du kannst nicht gehen," wiederholte James und er sah ehrlich panisch aus. „Ernsthaft, Keks, es ist nicht sicher."

„Genau," stimmte Lily zu, obwohl sie keine Ahnung hatte, welche Gefahr James meinte. „Ich muss ihn einholen, bevor er nach Hogsmead kommt."

„Du wirst es nicht pünktlich schaffen… nicht pünktlich genug um vor ihm da zu sein."

„Tja, ich muss es versuchen." Lily versuchte um den Rumtreiben rumzulaufen, aber er bewegte sich wieder in ihren Pfad.

„Was macht Harper überhaupt in Hogsmead?" wollte er wissen und als sie nicht antwortete, fügte James hinzu: „Ich habe dich gerade die Karte benutzen lassen, erinnere dich…"

Lily seufzte. „Er ist… das ist…" Natürlich wusste sie es nicht sicher, aber sie hatte eine grobe Idee. Sie war sich fast sicher, dass Luke zum Dorf ging um seinem Bruder gegen die Autoren zu helfen und falls das der Fall war, konnte Lily es unmöglich James sagen. Er hatte bereits gemeint, es wäre zu gefährlich und er wusste nicht einmal von Logan Harper. Also, sie hatte keine Wahl, sie musste lügen: „Wir hatten einen Streit," sagte sie vage. „Er wurde wütend und er… geht runter nach Hogsmead um… die Nacht in dem alten Geschäft der Familie zu verbringen."

„Dann lass ihn," bestand James. „Er wird morgen sich abgeregt haben und zurückkommen. Und ich dachte, ihr zwei hättet Schluss gemacht."

„Aber - es ist komplizierter als das," argumentierte Lily, schnell denkend. „Die… die Auroren sind zurück im Schloss und im Dorf um für Sicherheit zu sorgen. Wenn sie Luke fangen, könnte er rausgeworfen werden. James, bitte, ich muss jetzt gehen."

James beobachtete sie sehr vorsichtig für einen Moment. Dann begann er seufzend sich aus dem Weg zu bewegen. Lily reichte nach der Türklinke, aber James fing ihre Hand.

„Warte. Wenn du gehst - stell sicher, dass du zurück bist, bevor die Sonne untergegangen ist."

Lily warf einen Blick auf ihre Uhr. „Sonnenuntergang ist in… was? Fünfundvierzig Minuten? Ich soll es in fünfundvierzig Minuten runter ins Dorf schaffen, Luke finden, ihn überzeugen mit mir zurückzukommen und dann es wieder zurück zum Schloss finden?"

Der Rumtreiber runzelte nachdenklich die Stirn und zog dann wieder die Karte heraus. Er hob eine Falte im Papier um einen anderen Teil des Schlosses zu zeigen. „In Ordnung, schau hier," sagte er rasch. „Es ist der fünfte Stock. Siehst du das hier? Das ist die Statue von Gregory dem Verrückten. Das ist ein Gang zu Hogsmead, der dich in der Hälfte der Zeit hinbringen wird, verglichen zu Harpers."

„Wie?"

„Tja… ein Teil davon ist eine Rutsche - es ist ein wenig düster, aber es wird dich hinbringen. Der Gang endet unter einer Bank im Garten einer Apotheke, was bedeutet, dass du über einen Zaun hüpfen muss, okay? Jetzt, der Pfad, den Harper nimmt, führt zu dieser steinernen Gegend die Hauptstraße hoch… da ist eine kleine Höhle, ein paar Bäume - weißt du, welchen Ort ich meine?" Lily nickte. „Wenn du jetzt gehst und dich beeilst, könntest du es schaffen, vor Harper da zu sein. Um die Statue von Sir Gregory zu bewegen, musst du ihm einmal auf den Kopf tippen und „Patefacio" sagen. Das selbe am anderen Ende um aus dem Eingang in Hogsmead rauszukommen. Hast du es?" Sie nickte wieder. James fuhr sich mit einer Hand durch sein Haar und sah aus, als ob er es schon bereute.

„Dankeschön," wiederholte Lily fest. Sie versuchte wieder einmal zur Tür zu kommen, aber James hielt sie wieder auf.

„Pack' Harper und geh so schnell wie möglich wieder in den Gang," warnte er ernst. „Ich meine es ernst, Evans. Stell sicher, dass du bei Sonnenuntergang wieder im Gang bist. Okay?"

„Okay."

„Versprochen?"

„Ja, ich verspreche es. Aber wovor hast du solche Angst?"

James antwortete nicht. Stattdessen rechte er ihr die Karte der Rumtreiber. „Nimm das. Du wirst sie brauchen."

„Bist du dir sicher?"

„Hundertprozentig."

Lily steckte die Karte in ihre Tasche. „Danke, James."

Er nickte bloß und ging von der Tür weg. „Du solltest dich beeilen. Denk dran: bevor die Sonne untergeht."


„Adam?" rief Marlene von halb über dem Quidditchfeld entfernt. Er saß nahe der Mittellinie, die Beine verschränkt, während er einen Grashalm zwischen seinen Fingern drehte. Er sah beim dem Klang seines Namens auf.

„Marlene?" Adam setzte sich ein bisschen gerader hin und sie lief zu ihm.

„Reg Cattermole sagte, dass ich dich hier finde," erklärte die Blondine und setzte sich neben ihren Hauskameraden. „Was tust du hier draußen? Wir wollten doch an..."

„Verwandlung arbeiten! Himmel, es tut mir leid, Mar, ich hab' es komplett vergessen. Oh - wie geht es Mary?"

„Ihr geht es gut," winkte Marlene ab. „Hat einen Schlaftrunk genommen, sie wird morgen vermutlich das Frühstück verpassen." Ihr ironisches Lächeln wurde schnell von Sorge ersetzt: „Ist alles okay mit dir? Es ist nicht direkt typisch für dich, alleine mitten auf dem Quidditchfeld zu sitzen? Und, tatsächlich, glaube ich, dass bald die Ausgangssperre beginnt."

Adam zögerte. „Ich hab' nur… über ein paar Dinge nachgedacht."


Für eine Sekunde sah Snape überrascht aus. Dass Sirius überhaupt seinen Namen gerufen hatte - statt einfach die Unwissenheit des Slytherins über seine Position zu seinem Vorteil zu nutzen - machte wenig taktischen Sinn. Sirius dachte allerdings nicht über Taktik nach. Er dachte an all die Dinge, die er zu diesem Arsch sagen wollte, den er in Hogsmead mit seinem Bruder gesehen hatte…

Beinahe sofort, wurde Snape Ausdruck wieder neutral und er höhnte über den Gryffindor. „Ganz alleine, Black? Hast du dich mit deinen idiotischen Kumpels gestritten?"

Und später würde Sirius nicht mehr wissen, welche Kraft den Gedanken in ihm inspiriert hatte. Er wusste nicht, welchen Vorteil es ihm geben würde, er wusste nicht, warum er es überhaupt sagte, aber er tat es. „Was, wenn das so ist?" erwiderte Padfoot. „Es geht dich nichts an."

Snape grinste, seine Hand über seiner Tasche (seinem Zauberstab). Er begann zu Sirius zu laufen. „Werden sie in der Lage sein, ohne dich auszukommen, heute beim Herumschleichen, wie sie es immer tun? Wird…" (und hier wurde sein Lächeln manisch) „Lupin in der Lage sein, ohne dich auszukommen?"

Sirius brannte vor Wut, aber er hielt seinen Ausdruck eben. Snape dachte bloß, dass er hier die besseren Karten hatte. Er hatte keine Ahnung… keine Idee

„Das ist mir recht egal," sagte der Rumtreiber ruhig.

„Tatsächlich?"

„Tatsächlich."

„Oder vielleicht," fuhr Snape fort, „werden sie nicht rausgehen, da die Auroren um das Schloss schleichen."

Es war brillant. Perfekt. Passend. Der Plan formte sich in den Wolken von Sirius Kopf und er fühlte, wie er begann zu grinsen.

„Sie werden rausgehen," sagte er. Er würde Snape genau das geben, was er immer wollte. „Und das kannst du auch, wenn du möchtest."

„Worüber redest du?"

„Oh, komm schon, Schniefelus. Bist du nicht neugierig?"

Snape blickte zweifelnd. „Warum sollte ich dir glauben?"

Sirius zuckte mit den Schultern. „Keiner zwingt dich. Aber ich will mich an Potter rächen…" Brillant, perfekt, passend. „…Und wir alle wissen, was du von Tag eins an wolltest."

„Was was ist?" wollte Snape wissen, aber die Erwartung in seiner Stimme war nur schlecht maskiert.

Sirius kam einen Schritt näher. „Herauszufinden, wo wir hingehen und wie man dahinkommt."


Erschöpft nach einem langen Abend voll Arbeit schleppte sich Frank Longbottom die Treppe zu dem Schlafsaal des Schulsprechers hoch. Er öffnete die Tür und war überrascht zu sehen, dass die Lichter bereits an waren, bis er Alice bemerkte, die in einem Stuhl am Schreibtisch saß.

„Hey," sagte er. „Wie war dein Zaubertränketreffen?" Dann bemerkte er ihren Gesichtsausdruck und begann zu fragen, „ist etwas l…?" Aber Alice schnitt ihn ab.

„Warte, Frank, bitte warte. Bitte." Sie kam auf ihre Füße.

„Okay…" Frank legte seine Büchertasche hin und näherte sich ihr.

„Ich habe drei Dinge zu sagen," fuhr Alice unsicher fort, ihm nicht in die Augen blickend. „Als allererstes: Es tut mir leid."


Die Sonne stand tief im Himmel - das Feld in orange und rosa Licht malend. Marlene, mit ihrem blonden Haar und ihrer bleichen Haut, schien dutzende Töne von Gold zu sein. Selbst ihre Augen reflektierten die glühende Abendsonne.

„Tja, worüber hast du nachgedacht?" fragte sie.

„Du solltest Marlene sagen, was du fühlst," Donnas Ratschlag echote in Adams Kopf. Er konnte nicht geradeaus denken - das konnte er nie bei Marlene. Sie sah ihn einfach an mit ihren blauen Augen oder lachte ihr einfaches, kindisches Lachen oder ließ ihr weites, jungenhaftes Lächeln blitzen und sein Kopf wurde schwammig von einer Million ungesagten Gefühlen.

Er war still gewesen und Marlene hob ihre Augenbrauen. „Ähm… Adam?"

„Zuallererst," sagte Alice, „es tut mir leid."

„Was tut dir…"

„Bitte, Frank, lass mich einfach ausreden," unterbrach sie ihn wieder. Frank nickte, aber jetzt sah er nervös aus. „Mir tut es leid, dass ich mich so letztens in Hogsmead verhalten habe… als du gesagt hast, dass du mich liebst. Ich bin in Panik geraten. Ich weiß nicht, warum ich da - ich dachte, es wäre, weil die Dinge wieder ernster würden und ich nicht damit umgehen könnte. Aber die Wahrheit ist, die Dinge waren bereits ernst… Dinge werden immer zwischen uns ernst ein. Das ist einfach, wie wir sind. Es ist, wie wir gebaut sind und egal, wie sehr ich es bestreiten will, wird unsere… Beziehung nie locker und unbedeutend oder… leicht sein. Es tut mir leid, dass ich mich verhalten habe, als ob es das sein könnte. Es tut mir leid, dass ich diese gemischten Signale gesendet habe und es tut mir leid, wie ich mich in Hogsmead verhalten habe. Das war… unentschuldbar."

„Alice, du hast nichts, wofür du dich entschuldigen musst."

„Nein, Frank, das tue ich. Das tue ich wirklich." Er machte dies nicht gleich. „Das ist die erste Sache. Die zweite Sache geht… geht um Jeffrey Skively und… mich. Er hat heute versucht mich zu küssen."


„Ähm… Adam?"

„Was? Oh. Nichts. Ich habe bloß, äh… an etwas gedacht, was ich vorhin gehört habe."

Marlene blickte misstrauisch. „Was?"

„Oh... es ist nicht so wichtig." Er konnte es ihr nicht sagen.

„Adam…" lockte die Hexe trocken. „Um Agrippas Willen, ich bin es. Du kannst mir alles sagen. Das weißt du."


„Alice…"

„Bitte, lass mich einfach zu Ende reden," flehte sie. „Es ist so hart genug. Skively hat mich heute Nachmittag beinahe geküsst, als wir an Zaubertränke gearbeitet haben und ich habe es beinahe zugelassen. Ich stehe nicht auf ihn. Ich wollte nicht einmal wirklich, dass er mich küsst, aber ich hatte… Angst, schätze ich - weil du gesagt hast, dass du mich liebst. Ich dachte - ich dachte, wenn Skively mich küsst, wäre es ein Fluchtweg. Aber das war nicht alles. Ich dachte an Carlotta und wie das mich zerrissen hat, als du sie geküsst hat. Es ist nicht so, als ob ich versucht hätte, mich zu rächen oder so, aber ich habe zum ersten Mal verstanden, was du letzten Sommer gefühlt hast. Wir sind seit unserem dritten Jahr zusammen und wir waren bloß - bloß Jugendliche und es… es ist bloß natürlich, dass du Zweifel hattest."

„Ich hatte keine Zweifel, Alice. Ich war einfach blöd."

„Nein, du hattest Zweifel. Manchmal ist es unmöglich, keine Zweifel zu haben. Merlin, ich war den letzten Monat ein Korb voll Zweifel. Es bedeutet nicht, dass du mich nicht geliebt hast, du hattest bloß Angst, genau wie ich heute Angst hatte. Und es ist okay, Angst zu haben, so kannst du vermeiden, dass du große Fehler begehst - Dinge tust, die du später bereust. Und das bringt mich zu der letzten Sache, die ich zu sagen habe…"


„Komm schon," sagte Marlene. „Du kannst mir alles sagen. Du weißt das."

Adam fragte sich vage, ob sie das so meinte oder was sie sagen würde, wenn sie eine Ahnung hatte, was er sagen wollte. Oder vielleicht wusste sie es… vielleicht belog er sich selbst mit dem Gedanken, dass Marlene das verpasst hatte, was anscheinend so offensichtlich war, dass selbst Donna Shacklebolt es ohne einen Zweifel gewusst hatte.

„Adam?" sagte sie wieder.


Brillant. Perfekt. Passend.

Du würdest es mir sagen?" sagte Snape misstrauisch. „Einfach so? Nach all dieser Zeit würdest du einfach so das Geheimnis aufgeben? Was immer sie getan haben, diese Freunde von dir, es muss dich wütend gemacht haben."

„Das hat es," log Sirius leicht.

Brillant. Perfekt. Passend.


„Ally, tu es nicht…"

„Frank, bitte, ich bin fast fertig," atmete Alice. Sie zog aus ihrer Tasche das rechteckige Pergament, das sie vorhin auf seinem Tisch gefunden hatte. „Ich habe das hier gefunden. McGonagalls Notiz - dass du das Datum für Hogsmead geändert hast. Das - das hast du für mich getan, oder?" Sie nahm seine Stille als Bestätigung. „Es ist so süß, Frank. Es ist so schrecklich gut von dir. Du versucht nicht, mich zu beeindrucken, du versuchst einfach nur mich glücklich zu machen und das verdiene ich wirklich nicht… ich war so schrecklich. In Hogsmead in Panik ausbrechen, beinahe Skively küssen - ich hatte… Angst, während du nichts getan hast, außer zu beweisen, dass ich dir wieder vertrauen kann. Und… das ist, was dies wieder so schwierig macht…"


Marlene wartete, ihn intensiv beobachtend.

Das Blut dröhnte in seinen Ohren. Er konnte es nicht. Es konnte alles ruinieren.

Aber Adam wusste, dass das alles Quatsch war, weil bereits alles ruiniert war. Es war immer ruiniert gewesen und um Merlins Willen, er konnte es nicht nicht tun. Er hatte sich zu lange auf die Zunge gebissen und sie rebellierte endlich gegen seinen Kopf - genau das machend, was sie wollte.

Also sagte er es, ohne zu denken.


„Und… das macht das jetzt so schwierig."

„Bitte sag es nicht," platze Frank heraus. „Tu das bitte nicht, Alice, bitte. Ich hätte dir von der Hogsmeade-Veränderung erzählen sollen, ich weiß, aber ich dachte einfach, dass du vielleicht denken könntest, dass ich… tja, ich weiß nicht, was ich dachte. Es war dumm, ich weiß. Und im Honigtopf - das war… du kannst vergessen, dass es je passiert ist, wenn du möchtest, nur bitte, mach das nicht…"

Er fragte sich, warum sie plötzlich lächelte. Unter Tränen, aber warm. „Du begreifst das Wesentliche nicht, Frank," unterbrach sie ihn. „Das letzte, was ich zu sagen habe ist, dass… ich dich liebe."


Ohne zu denken, sagte er es. „Marlene, ich liebe dich."


„Ich liebe dich, Frank. Ich kann nichts dagegen tun. Es ist einfach ein Teil von mir. Ich habe dich immer geliebt und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das immer tun werde…"


„Adam, warte…"

„Nein, das kann ich nicht," sagte er, sehr schnell. „Du verstehst nicht - ich habe ewig gewartet. Ich kann nicht länger warten. Ich liebe dich. Ich meine, ich bin verliebt in dich. Ich bin seit dem vierten Jahr in dich verliebt und… und ich weiß, wir sind Freunde, aber Marlene, es ist… unmöglich für mich, mich weiter so zu verhalten, als ob das alles ist, was ich will. Ich kann das nicht länger machen… ich will mir dir zusammen sein."


„…Also, wenn es irgendwie möglich ist, dass du mir dafür vergeben kannst, dass ich so verdammt langsam war, das zu kapieren, wäre ich gerne wieder mit dir zusammen, Frank. Kein ‚so halb'. Kein ‚vielleicht'. Einfach… zusammen…"


Es war irgendwie, als ob man sich zu einem bekannten Abendessen hinsetzte. Es war, als ob man so hungrig war und sich an den Tisch setzte, auf dem das Essen ganz vor ihm ausgebreitet war: eine Mahlzeit, die er fünfhundert Mal gegessen hatte. Und als er das Essen auf seinen Teller legte, konnte er es bereits schmecken. Der erste Bissen war bereits in seinem Mund, bevor er die Gabel überhaupt aufgehoben hatte.

Er wusste - auf einer unbewussten Ebene - was als nächstes kam und doch konnte er vor Erwartung nicht atmen.

Marlene war still. Sie starrte ihn einfach nur an und Adam konnte ihren Gesichtsausdruck nicht lesen, aber sie war klar geschockt. Er hatte diese Szene tausend Mal in seinem Kopf abgespielt, aber jetzt, wo es passierte, war die Realität der Sache angsterregend. Es war deutlich peinlicher im echten Leben. Adams Brust wurde eng und er bat leise: „Bitte sag etwas, Marlene."


Frank sagte für ein paar Sekunden nichts. Alice hob ihre Augenbrauen.

„Frank?" fragte sie unsicher nach.


Vor Aufregung nicht in der Lage, zu atmen, zog Lily ihren Zauberstab. Sie warf ein weiteres Mal einen Blick auf die Karte, nur um sicherzugehen, dass sie in der Tat, alleine im Gang war. Das war sie.

Sie sah der Statue von Sir Gregory in die Augen und tippte ihm einmal mit dem Zauberstab auf den Kopf. „Patefacio," murmelte sie, wie James sie angewiesen hatte. Einen Moment vergiss und nichts passierte. Dann begann die Statue zu zittern, bevor sie langsam nach rechts rutschte. Als sie aufgehört hatte, sich zu bewegen, streckte sich ein pechschwarzer Tunnel von seiner vorherigen Position aus.

Tief ausatmend, griff Lily ihren Zauberstab und die Karte etwas fester und sie schritt in den Gang.


„Es tut mir leid," begann Frank langsam. „Ich…" Dann begann er seine Meinung zu ändern, als ob dies nicht wirklich die Zeit für Erklärungen war. Stattdessen ging er direkt zu ihr, zog sie zu ihm und küsste sie.


„Da ist ein Knoten," sagte Sirius. Seine Stimme war leer und kalt nun. Brillant. Perfekt. Passend. „Unten am Baum, ist eine Öffnung in den Wurzeln und da ist ein großer Knoten im Holz… unmöglich zu übersehen."

Snapes schwarze Augen brannten wundernd.

„Berühr den Knoten auf der Wurzel und der Baum will einfrieren. So kommst du rein. So siehst du, was innen ist."


Adams Brust wurde eng und er bat leise: „Bitte sag etwas, Marlene."

Sie zögerte. „Es - es tut mir leid, ich…"