AN: Hallo zusammen! Mit einer Wartzeit von etwa einem Monat, hier das neue Kapitel!
Danke wie immer an meine wundervolle Beta Anne fürs Korrekturlesen!
Disclaimer: Harry Potter und seine Charaktere gehören JKR. Diese Geschichte gehört Jewels5. Dies ist eine genehmigte Übersetzung.
Vorher: James hat vierundsiebzigmal nachsitzen müssen und wenn er das noch einmal tun muss, könnte er rausgeworfen werden. Der gemeine Nicolai Mulciber aus Slytherin greift Mary Macdonalds mit einem Imperius an, was vage an Snapes verdeckte Cruciatus-Attacke von Marlene ein wenig früher im Jahr erinnert. Frank und Alice lieben sich und Adam sagt Marlene, die nur eine platonische Freundin war, dass er sie liebt, aber sie… tja, später mehr dazu. Donna schläft mit diesem Ravenclaw namens Charlie, der eine Freundin namens Cassidy hat und Donnas Schuld plus generelle Wutprobleme lassen sie den Tod von Lilys Vater klein reden, worüber Lily nicht glücklich ist. Sie enden ihre Freundschaft, Sirius ist wütend auf Snape, da dieser womöglich Regulus verdirbt und Snape hasst einfach die Rumtreiber, also erzählt Sirius, wie er in die Peitschende Weide kommt um Wolf!Remus während des Vollmonds zu sehen. Snape geht dorthin, James findet es heraus, James rettet Snape, aber Snape sieht Remus und niemand ist glücklich mit Sirius. Er träumt vom Ertrinken. Lily bittet James, sie die Karte der Rumtreiber benutzen zu lassen, sodass sie ihrem Exfreund Luke nach Hogsmeade folgen kann, da Luke zu seinem Todesserbruder will, der sobald von Auroren angegriffen werden sollte (unter anderem auch dem allgegenwärtigen Lathe). Lily stoppt Luke, aber sie findet heraus, dass er seinem flüchtigen Bruder geholfen und ihn unterstützt hat, was problematisch sein könnte. Während sie zurück ins Schloss schleicht, trifft sie auf das Werwolf-Snape-Peitschende-Weide-James-als-Hirsch-Fiasko und darüber ist auch niemand sehr glücklich.
Kapitel 16 - „Raus"
Oder
„Sonnenfinsternis"
Lily konnte sich nicht daran erinnern, zu ihrem Schlafsaal hochgegangen zu sein. Sie wusste nicht mehr, ob sie darauf Acht gegeben hatte, Filch zu vermeiden, ob sie jemanden auf dem Weg nach oben getroffen hatte oder ob da irgendjemand im Gemeinschaftsraum war. Sie hatte einfach eine Art Black-Out und bemerkte plötzlich, wie sie in den Schlafsaal der Sechstklässler kam und erkannte, dass sie noch immer die Karte der Rumtreiber hatte.
Ich muss James seine Karte geben, dachte sie und es war wortwörtlich die einzige Sache, die ihr Gehirn registrierte.
Sie war so verdammt müde. Sie brauchte eine Dusche - ihre Haare waren feucht vom Regen und ihrem eigenen Schweiß und ihre Kleider waren wahrscheinlich die ungemütlichsten Dinge in der Welt, aber, Agrippa, war sie erschöpft und sie hatte nicht einmal Lust, ihre Zähne zu putzen.
Ich muss James seine Karte geben.
Vielleicht war es ein Abwehrmechanismus, aber sie war physisch nicht in der Lage über irgendetwas sonst nachzudenken, als sie ihre Umhänge abrollte und sie über einen Stuhl warf. Sie konnte nicht über Luke nachdenken. Sie konnte nicht über Severus nachdenken. Sie konnte nicht über irgendetwas nachdenken. Nur - ich muss James seine Karte geben, immer und immer wieder, wie eine kaputte Schallplatte.
Lily schleppte sich zu ihren Nett, im vagen Bewusstsein, dass sie Marys Schnarchen hören konnte - dass die Vorhänge um Donnas, Shelleys, Carlottas und Marlenes Bett geschlossen waren, was darauf hinwies, dass sie wahrscheinlich schliefen und dass sie deshalb sozusagen alleine war, aber hauptsächlich, muss ich James seine Karte geben.
Sie war in einem Schockzustand - das war ihr auch bewusst.
Sie zog die Vorhänge um ihr Bett auf und dachte für einen Moment, dass sie so müde gewesen sein musste, dass sie sich das falsche Bett ausgewählt hatte, da jemand anderes bereits drin lag. Aber ein Blick um sie herum um sicherzugehen sagte ihr, dass dies in der Tat ihr Bett war und Lily schaute genauer hin.
„Marlene?" wisperte sie.
Marlene war wach, ausgestreckt in Lilys Bett über der Decke, aber ein Kissen mit ihren Nachthemd-bekleideten Körper umklammernd. Es dauerte ein paar weitere Sekunden, bis Lily realisierte, dass Marlene weinte. Dann klickte etwas in ihrem Gehirn. Mit einem kräftigen, symbolischen Kraftaufwand schob Lily die Erschöpfung und Verwirrung und den Schock aus dem Weg und sie kletterte ins Bett neben ihre Freundin.
„Marlene, Liebes, was ist los?" flüsterte sie.
Marlene schniefte und wischte sich Tränen aus ihren roten Augen. „I-ich ha-ha-hab auf dich gewartet," krächzte sie unwichtig. „I-ich wo-wollte bloß…" Dann brach sie erneut ihn Tränen aus. Lily legte einen Arm um die Schultern der Blonden, zog sie näher, während sie beide halb auf dem Bett saßen, halb lagen.
„Mar, es ist okay. Alles ist okay. Was ist passiert?"
Fast eine Minute ging um, bis Marlene sich so weit zusammengerissen hatte, dass sie sprechen konnte. „A-Adam," stammelte sie. „Er - er hat gesagt, dass er mich liebt."
Lilys Griff wurde fester. „Was hast du gesagt?" atmete sie, aber die Antwort war offensichtlich. Marlene sah hoch und sah ihr in die Augen und Lily nickte. „Es ist okay," flüsterte sie wieder. „Es wird okay sein."
Marlene drehte ihren Kopf und beginn in Lilys (zu dieser Zeit durch und durch ekligen) Pullover zu weinen und keiner von ihnen bewegte sich oder sagte viel, bis Marlene in einen Schlaf fiel und dann - viel später - folgte Lily ihr.
Das Büro des Schulleiters war nie komplett still. Abgesehen von den leisen Schnarchern von den Portraits der früheren Schulleitern, war da immer der surrende Klang von Professor Dumbledores Kram und wenn Fawkes - Dumbledores Phönix - anwesend war, machte er normalerweise Geräusche. Das Büro war nie komplett still, aber als James und Sirius vor Dumbledores Schreibtisch standen, war es sicherlich so nahe an still, wie James es je erfahren hatte.
Der Schulleiter beobachtete sie beide sorgfältig für eine ewig dauernde Minute; Professor McGonagall und Professor Slughorn standen an der Seite. James hatte seinen Teil gesagt und Sirius war still geblieben und jetzt schien jeder auf etwas zu warten, was niemand sehen wollte.
„Nun gut," sagte Dumbledore schließlich. Er lehnte sich über seinen Schreibtisch, Freude ganz aus seinen blauen Augen verschwunden, noch immer auf James oder Sirius oder beide blickend. „Professor McGonagall, Professor Slughorn," wendete sich der ältere Zauberer gegenwärtig an die Lehrer. „Bitte eskortieren Sie Mr. Potter für den Moment nach draußen. Ich hätte gerne ein Wort mit Mr. Black."
Sirius wurde bleich, als James aus dem Büro eskortiert wurde. Die zwei Hauslehrer sagten nichts, aber führten den Weg die Treppe hinunter und in den Gang. Sie fuhren fort zu schweigen, während sie warteten.
James war sich nicht sicher, wie er sich gerade dann fühlte. Er hatte Angst - Sirius würde sicherlich herausgeworfen werden. Es war unausweichlich und James wusste, dass er dies nicht wollte, aber zur selben Zeit wusste er nicht warum. Er war auch fuchsteufelswütend. Wut ließ sein Blut kochen und er konnte Sirius nicht einmal ansehen - wollte es nie wieder. Er war verletzt und verraten, er machte sich Sorgen um Remus, machte sich Sorgen darum, was Snape tun oder sagen würde, wenn Madam Pomfrey mit ihm fertig war. Er war ein brodelnder Cocktail von Emotionen, keiner von ihnen stark genug um die anderen zu besiegen, und so kämpften sie in seiner Magengrube, während er darauf wartete, dass Dumbledore ihn zurück ins Büro rufen würde.
Dies geschah einige Minuten später, als Sirius auf der Treppe erschien und kaum James in die Augen blickend sagte: „Er will mit dir reden." Sirius wartete dann mit McGonagall und Slughorn, während James zum Büro des Schulleiters zurückkehrte.
Dumbledore saß noch immer an seinem Schreibtisch. Er sah ernst und müde aus, was James zum ersten Mal erkannte.
„Hallo, James," grüßte er leise.
„Professor."
Dumbledore seufzte. „Ich denke, du erkennst den Ernst der Situation. Madam Pomfrey sagt, dass Mr. Snape sich vollkommen erholen wird…" James wäre (um Remus Willen) erleichtert gewesen, wenn er es nicht bereits gewusst hätte. „Aber es wird Folgen geben müssen."
„Ich verstehe," sagte James. Hier kam ein weiterer großer Part - würde er herausgeworfen werden? Natürlich hatte er Snape gerettet, aber er war auch nach der Sperrstunde draußen gewesen… und das in einer Nacht, die, wie er so langsam begriff, alles andere als ruhig gewesen war. Da waren Auroren, die um… etwas, das im Dorf passiert war (er wusste noch immer nicht, was) herumschwirrten und auf Schloss lag eine generelle Note von Panik. Außerdem hatte er Remus' Geheimnis gewusst und obwohl der Teil der Geschichte, in der James einen Auftritt als illegaler Animagus hatte, praktischerweise übersprungen wurde, gab es gewisse Implikationen der ganzen Sache… dass er den Weg zu der Heulenden Hütte wusste, zum Beispiel… da schon mal gewesen war. Und um der Sache die Krönung zu verleihen, war da die sich abzeichnende Bedrohung des Nachsitzens… nur eine würde reichen um James' Rekord die bedrohliche Nummer fünfundsiebzig erreichen zu lassen.
„James, was denkst du, waren Mr. Blacks Intentionen?" fragte Dumbledore still, was James komplett überraschte.
„Ich weiß es nicht," gab er zu, nicht sicher, ob er damit Sirius schützte oder nicht. „Er - er denkt nicht, häufig Aber ich könnte nicht sagen, ob er vorhatte…" Snape zu ermorden. „Ich kann es einfach nicht sagen, Professor."
Dumbledore nickte. Fawkes, der Phönix, schüttelte seine Federn. „Wie hast du den Pfad zu der heulenden Hütte gefunden?"
Er fragte sich, ob dies ein Test war - ob Sirius etwas erzählt hatte und jetzt er, James, gefragt wurde, ob er dem zustimmte. Aber er konnte nicht wissen, was Sirius potenziell gesagt hatte und so blieb er bei der Wahrheit (oder bei etwas, das dem nahe kam). „Wir haben es alle im zweiten Jahr herausbekommen Wir - Peter, Sirius und ich - haben bemerkt, dass alle Abwesenheiten von Remus mit dem Vollmond übereinstimmten und wir…"
„Seid ihm gefolgt?" fügte Dumbledore hinzu.
James nickte. Das ähnelte zumindest der Wahrheit und was nah genug für den Zweck.
Dumbledore nickte. „Und… vor diesem Abend, hast du jemals Mr. Lupin in seiner anderen Form gesehen?"
Wieder Zögern und dann - „Ja."
„Oft?"
„Nein."
„Und Mr. Black und Mr. Pettigrew?"
„Sirius auch, ja." Er würde Peter nicht hier mit hineinziehen, wenn er es vermeiden konnte. Dumbledore schien dies zu verstehen. Seine Augen verblieben für einige Zeit auf James und dann rutschte er auf seinem Stuhl herum und blickte auf seinen Schreibtisch.
„James, was du heute Nacht getan hast, war sehr mutig."
Was auch immer James erwartet hatte, das war es nicht.
„Du hast dich einem Werwolf entgegen gestellt, um jemanden zu retten, mit dem deine Beziehung…. weniger als freundschaftlich ist. Du hast ihn in den Krankenflügel gebracht, obwohl du wusstest, dass es zu der Bestrafung deines Freundes führen würde. Kurzgesagt, hast du trotz hoher persönlicher Risiken nach den besten Interessen von Mr. Snape gehandelt." Er sah den jungen Zauberer an und erwartete anscheinend eine Antwort.
„Oh," war alles, was James sagen konnte.
„Und so, im Rahmen dessen, habe ich entschieden, Gryffindor fünfzig Punkte zu verleihen."
Überhaupt nicht erwartet.
„Was?" fragte James, bevor er sich stoppen konnte.
„Ich versichere dir," sagte Dumbledore, „beachtet man die Punkte, die dein Haus gerade verloren hat, ist diese Menge nicht so groß."
Punkte gerade verloren… aber das bedeutete…
„Also - ist Sirius nicht von der Schule verwiesen?" fragte James geschockt.
Der Schulleiter antwortete nicht direkt. „Sein Fall wird noch weiter überprüft werden, nachdem ich ausführlicher mit Mr. Snape gesprochen habe. Aber für jetzt ist er nicht verwiesen, nein."
James hatte keinen Erfolg dabei, herauszufinden, ob er sich erleichtert oder wütend fühlte, also versuchte er es nicht zu sehr. „Was ist mit Remus?" fragte er.
„Mr. Lupin ist nicht verantwortlich für seine Handlungen in dieser Nacht," sagte Dumbledore. „Ich denke nicht, dass es fair wäre, ihn wegen ihnen leiden zu lassen. Jedoch ist die Politik nicht immer fair…" James' Augen wurden weit und er öffnete seinen Mund um zu protestieren. „Weshalb," fuhr der andere fort, „ich warten werde, bis ich mit Mr. Snape gesprochen habe, bevor ich irgendeine Entscheidung fälle, die auch Mr. Lupin betrifft." James unterstand dies nicht, aber in Dumbledores Ton lag eine Endgültigkeit, die ihm sagte, das die Unterhaltung beendet war. „Du solltest jetzt ins Bett."
„Ja, Professor." Er drehte sich um um zu gehen, aber hielt an der Tür inne. „Professor… ich weiß, Sie können es mir wahrscheinlich nicht sagen, aber - was hat Sirius gesagt?"
Dumbledore seufzte wieder. „Sehr wenig, tatsächlich. Er bestand hauptsächlich darauf, dass du kein Wissen von seinem Handeln hattest.
„…Oh."
„Gute Nacht, Mr. Potter."
„Gute Nacht, Professor."
Sirius war noch immer im Gang mit Professor McGonagall und Professor Slughorn, als James ankam. Zuerst dachte er, dass der andere Rumtreiber auf ihn wartete, aber dann begann Sirius McGonagall zurück in Dumbledores Büro zu folgen und James erkannte, dass der Schulleiter ihn gebeten haben musste, zu bleiben.
„Warten Sie, Professor," sagte James dringlich und beide Lehrer sahen ihn an. „Könnte ich nicht bleiben? Bloß - ich muss wissen, dass Remus…"
„Nein, Potter," sagte McGonagall, die bleicher und ernster als sonst war. „Sie müssen jetzt zu Bett gehen."
Aber es war zu unfair. Sirius würde es vor ihm herausfinden… Sirius, der sich einen Dreck darum…
„Bitte, Professor, ich konnte sowieso nicht schlafen und…"
„Sie haben morgen früh Unterricht, Potter," sagte Slughorn. „Sie müssen ins Bett."
„Professor McGonagall," flehte James, aber sie schüttelte entschlossen ihren Kopf. Dann, für den kleinsten Moment, wurde ihr Ausdruck weicher.
„Ich werde Ihnen die Details morgen früh berichten," versprach sie. „Jetzt müssen Sie zurück in ihren Schlafsaal."
Unbefriedigt, aber besiegt im Wissen, dass dies das Beste war, das er kriegen konnte, nickte James. Er drehte sich um und ging düster zurück in den Gryffindor Gemeinschaftsraum.
Das Porträt der Fetten Dame war im selben Stock, aber in einem anderen Flügel des Schlosses und James beeilte sich nicht auf seinem Weg. Für eine lange Zeit war er alleine in den Gängen, abgesehen von den schlafenden Porträts und den polierten Rüstungen, aber als er sich dem Korridor zum Eingang des Gryffindorturms näherte, gesellte sich ein anderer zu James. Lathe.
Der Auror ging in die andere Richtung und er hielt eine Hand über seinen Arm, der blutete.
„Geht es Ihnen gut?" fragte James, als Lathe sich näherte. Der Auror nickte.
„Nichts zu schlimmes," murmelte er. „Bin zum falschen Raum gefloht, verdammt. Solltest du nicht im Bett sein?"
„Ich war bei Dumbledore," antwortete James apathisch. Dann erinnerte er sich daran, was Lily ihm gesagt hatte. „Haben Sie ihn gefangen? Haben Sie Logan Harper gefangen?"
Lathe atmete tief aus. Auf seinem Gesicht war Schmutz und der Auror sah erschöpft aus. Er schüttelte seinen Kopf. „Nicht direkt," sagte Lathe grimm. „Er ist tot."
(Der Morgen)
Überraschenderweise war es Peter Pettigrew, der für Lily viele Lücken schloss.
Sie erwachte sehr früh und hatte sich geduscht und angezogen, bevor irgendjemand (selbst die Frühaufsteherin Carlotta) aufgetaucht war. Marlene war noch in Lilys Bett, als der Rotschopf ohne klare Zielvorstellung aus dem Schlafsaal schlüpfte. Sie ging ein paar Minuten vor halb sieben hinunter in den Gemeinschaftsraum und er war leer, also saß sie für eine Weile ziellos auf dem Sofa, bis Peter Pettigrew auf den Treppen vor dem Schlafsaal der Jungs erschien, genauso müde und angespannt aussehend, wie Lily sich fühlte.
„Oh - guten Morgen, Lily," grüßte sie der Rumtreiber verlegen. Er ging zum Porträtloch, offensichtlich im Versuch, sich schnell vom Acker zu machen, aber Lily folgte ihm.
Er schlug sich tapfer, wenn es um Ausweichen ging und selbst konfrontiert mit einer unnachgiebigen Lily, gab er erst ein, nachdem sie alles gesagt hatte, was sie bereits wusste oder sich von der letzten Nacht abgeleitet hatte.
„Sirius hat Snape gesagt, wie er zu Remus kommt," seufzte Peter, als sie ihm durch den Flur des siebten Stocks folgte. „James ist nicht glücklich - ehrlich gesagt weiß ich nicht mehr."
„Fliegt jemand von der Schule?" beharrte Lily, aber Peter wiederholte nur sein Unwissen über das Thema. „Wohin gehst du?" fragte sie, als sie erkannte, dass sie keine Ahnung hatte, wo sie selbst hinging.
„Ich muss den Umhang holen. James hat ihn ihm Tunnel gelassen."
„Und du kannst ihn einfach wieder holen," erkannte Lily. „Wegen deiner… du weißt schon… Fähigkeit."
„Richtig."
„Wo ist Remus jetzt?"
„Ich weiß nicht. Krankenflügel, wahrscheinlich, oder auf seinem Weg dahin mit Heiler - äh - Madam Pomfrey."
„Ist James okay? Seine Schulter, ist sie…?"
„Er kommt in Ordnung. Er hatte schon viel Schlimmeres."
Lily nickte. „Ihr macht das jeden Monat, oder?" fragte sie, aber es war mehr eine Aussage. „Ihr geht mit Remus als Tiere mit, weil er euch so nicht verletzten kann. Stimmt das?"
Peter nickte stumm und Lily versuchte, das alles zu verstehen.
„Aber warum würde Sirius das Snape sagen?"
Der Rumtreiber zögerte und sie kamen zu der Treppe. „Lily," war alles, was er sagte, aber es schwangen dutzende Dinge mit - Dinge, wie, dass sie die Antwort zu dieser Frage bereits wusste und bitte frag ihn nicht noch mehr und wirklich, er musste sich beeilen. Sie nickte forsch.
„Danke, Peter."
Und mit einem letzten, freudlosen Lächeln ging Peter die Treppe hinunter und Lily kehrte zum Gemeinschaftsraum zurück.
Alle Morgen sollten so herrlich sein. Sich streckend und gähnend fühlte Alice, wie ihr Gesicht in dem Sonnenlicht, dass durch die Fenster des Schulsprecher-Schlafsaals hineinströmte, lächelte. Alle Morgen sollten so herrlich sein, dachte sie wieder, warm unter den Laken und in der Sonne, als sie sich auf ihre Seite rollte.
Frank regte sich neben ihr und Alice lächelte.
Er gähnte, seine Arme ausstreckend und drehte seinen Kopf zu dem strahlenden Mädchen neben ihm. „Guten Morgen," murmelte er heiser und zog sie näher. Sie ruhte ihren Kopf auf seiner Brust, hochreichend und ihre Hand über seine Haare streichend.
„Guten Morgen," atmete sie. „Lass uns nie mehr bewegen, okay?"
„Von diesem Platz hier?"
„Mhm."
Frank stöhnte. „Wie viel Uhr haben wir?"
„Ist egal - wir bewegen uns nicht mehr."
„Nie mehr?"
„Nie mehr."
„Mmm-okay." Nichtsdestotrotz reckte sich der Schulsprecher um den Wecker auf seiner Kommode zu sehen, bevor er seinen Kopf zurück auf die Kissen fallen ließ. „Wir haben Zeit," verkündete er schläfrig.
„Die ganze Zeit der Welt?"
„Nein - ungefähr fünfzehn Minuten aber." Alice war für einen Moment still und sah dann grinsend zu Frank hoch. „Ich dachte, du würdest dich nie mehr bewegen wollen," erinnerte er sie und spiegelte ihren Gesichtsausdruck.
„Ich könnte eine Ausnahme machen."
„Oh, wirklich?"
„Ja."
„Tja, in Ordnung."
Alice stütze sich auf ihre Hände und küsste ihn langsam und sanft auf den Mund. Er zog sie auf sich, was sie gegen seine Lippen lachen ließ, als sie murmelte: „Weißt du, ich denke, ich liebe dich immer noch."
„Ist das eine Tatsache?"
„Mhm."
„Dann schätze ich, sind wir beide verdammt."
„Liebst mich auch?" zwitscherte Alice.
Frank nickte ernst. „Immer."
Schlaf tat seltsame Dinge zum Gehirn, reflektierte Donna. Zum Beispiel lag sie in diesem Morgen in ihrem Bett, halb am Schlafen und als ihre Augen aufflogen, hätte sie schwören können, dass die Vorhänge um ihr Himmelbett blau statt rot waren. Aber natürlich machte dies keinen Sinn. Die Umhänge waren rot - sie waren immer rot, es war bloß ihr verschlafenes Gehirn, dass sie blau machte.
Sie starrte für eine Weile nach oben und wartete darauf, dass die Vorhänge zu ihrer normalen scharlachroten Farbe zurückkehrten. Doch sie blieben in diesem Ton von dunklen, königlichen, Ravenclaw-Blau.
…
Scheiße.
Donna setzte sich auf und sah zu Charlie Plex hinüber, der neben ihr lag. Wach.
„Du Idiot," bellte sie und trat ihn. „Warum hast du mich nicht wach gemacht?"
„Du sahst so friedlich aus," machte sich Charlie über sie lustig und Donna trat ihn wieder. Sie kramte nach ihrem Zauberstab und sprach einen Muffliato-Zauber für das geschlossene Bett.
„Wie genau soll ich es in den Unterricht schaffen ohne dass mich jemand in der geschäftigsten Zeit des Tages sieht?" wollte sie wissen.
„Oh, wen kümmert's?" leierte Charlie gelangweilt. Donna verdrehte ihre Augen.
„Deine Freundin vielleicht. Jedenfalls tue ich es."
Charlie zuckte nur mit den Schultern. „Ich schätze nicht, dass du einen guten Tarnzauber kennst?" Er begann die Vorhänge zu öffnen, aber Donna packte seinen Arm.
„Wie konntest du das zulassen?"
„Du warst diejenige, die eingeschlafen ist."
„Du warst derjenige, der mich die ganze Nacht bleiben lassen hat!"
„Nichtsdestotrotz will ich Frühstück, als überleg dir entweder was oder komm damit klar, dass die Leute herausfinden werden, wo du die Nacht verbracht hast." Und damit schlüpfte er aus dem Bett, obwohl er seine Vorhänge hinter sich geschlossen ließ. Donna atmete wütend aus und legte sich wieder zurück, mit ihren Hände frustriert durch ihr Haar fahrend.
(Nicht Erwiderte Liebe Level Eins)
Lily hatte die volle Absicht mit James, Sirius, Remus, Sev und Luke (in keiner besonderen Reihenfolge) als allererstes am Morgen zu sprechen, aber ihr Leben hatte andere Pläne. Sobald sie hastiges Frühstück beendet hatte, erschien Marlene - bleich und mit Schlafentzug - und Lily hatte andere Pflichten.
„Okay, Liebes," beruhigte der Rotschopf sie, als Marlene gewaltsam ihr Rührei attackierte. „Kannst du einfach erklären, was passiert ist?"
Marlene seufzte. Da es noch so früh war, waren sie ein paar der einzigen Gryffindors am Tisch und so fühlte sie keinen hohen Bedarf an Vertraulichkeit. „Also letzte Nacht," begann die Hexe niedergeschlagen. „bin ich runter zum Quidditchfeld, weil Reg Cattermole meinte, dass Adam da wäre und wir vor hatten zusammen Verwandlung zu lernen."
„Das Quidditchfeld?" fragte Lily. „Wie viel Uhr war es?"
„Ähm - ich weiß nicht… sieben oder acht vielleicht? Ich weiß nicht. Warum?"
„Oh. Nichts. Egal. Mach weiter…"
„Also bin ich runter zum Quidditchfeld und Adam saß da einfach und er sagte, er würde über etwas nachdenken." Sie nahm einen düsteren Schluck vom Kürbissaft. „Also habe ich ihn gefragt, was los wäre und…" Ihr Frühstück lustlos anstarrend, „er hat es einfach gesagt. Er hat einfach gesagt, dass er… du weißt schon…"
„Dich liebt."
Marlene zuckte zusammen. „Richtig."
„Und was hast du gesagt?"
Die Blonde antwortete nicht sofort, und nahm stattdessen einen Bissen Eier.
„Marlene, was hast du gesagt?" wollte Lily wissen. „Du musst es mir sagen - es muss ziemlich schlimm gewesen sein, wenn du so fertig deswegen bist."
„Oh, Lily," stöhnte Marlene und legte ihren Kopf auf Lilys Schulter. „Ich hab das Schlimmste gesagt, was man sagen kann."
„Und das ist…?"
„Guten Morgen!" sang Mary, als sie ankam. „Ihr seid aber früh auf. Ich habe fantastisch geschlafen. Solch ein wunderschöner Morgen. Hat es letzte Nacht geregnet? Ist Mai nicht himmlisch? Ich bin ausgehungert. Schlaftrunks sind wunderbar." Sie setzte sich ihnen gegenüber und überblickte die Szene. „Also - was hab ich verpasst?"
Lily warf einen Blick auf Marlene, die nickte. „Adam hat Mar gesagt, dass er sie liebt," sagte die Rothaarige. Mary schrie beinahe auf und begann aufgeregt zu klatschen.
„Oh, yay! Ich liebe neue Pärchen! Und darf ich gerade sagen, dass ich wusste, dass ihr zwei p…" Dann bemerkte sie Marlenes Gesichtsausdruck. „Warte - Adam hat Mar gesagt, dass er sie liebt? Warum sieht sie aus, als ob jemand ihre Niere gestohlen hätte?" Verständnis deutete sich auf dem Gesicht der Brünette ab und ihre Kinnlade klappte runter. „Du hast ihn abgewiesen!?" warf sie ihr vor. „Marlene Price, bist du verrückt?"
Marlene vergrub ihr Gesicht auf ihren Armen auf dem Tisch und Lily blickte finster. „Das hilft nicht, Mary."
„Jetzt ist nicht die Zeit für Mitleid!" protestierte die andere. „Jetzt ist die Zeit für Schuld und Scham! Schuld und Scham!"
„Vielleicht könntest du nicht schreien?" grummelte Marlenes gedämpfte Stimme.
„Du hast Adam abgewiesen?" wollte Mary in einem harschen Flüstern wissen. „Warum in Merlins Namen würdest du so etwas tun? Warum? Er liebt dich offensichtlich und wichtiger noch, du…"
„Mary, stop," beharrte Marlene, die sich aufsetzte. „Wirklich, bitte, ich will das jetzt nicht hören."
Mary blickte ihre Freundin genau an und seufzte dann. „Na gut." Sich über den Tisch lehnend tätschelte Mary Marlenes Hand und lächelte irgendwie ermutigend. „Schau nicht so traurig, Price. Es wird in Ordnung kommen. ich weiß, es scheint jetzt wie das Ende der Welt, aber irgendwann…."
„Er wird mir nie verzeihen," unterbrach Marlene niedergeschlagen.
„Warum sagst du das?" fragte Lily.
„Weil…. weil ich schrecklich war."
„Was hast du getan?" fragte Mary nach. „Was hast du gesagt?"
„Das schlimmste, was man sagen kann," wiederholte Marlene. Die anderen zwei warteten darauf, dass sie dies ausführte. „Okay, stellt euch vor, dass euer bester Freund…"
„Entschuldigung…"
„Na gut, Mary, stellt euch vor, dass euer bester männlicher Freund euch sagt, dass er auf euch steht und ihr sitzt da, zu Tode erschrocken und ihr antwortet… sehr, sehr ungeschickt - was ist das schlimmste, verletzendste, was ihr tun könntet?"
Lily und Mary waren für eine Minute still, nachdenkend. Dann fast zur gleichen Zeit kam ihnen die Erkenntnis. Lily stöhnte und Mary sah geschockt aus. „Mar, du hast nicht…" Marlene ließ ihren Kopf wieder auf den Tisch fallen. „Marlene…" begann Lily wieder, „nur um klar zu stellen, du - du hast ihn beschuldigt, oder?"
„Ja!" murmelte Marlene, aber es hörte sich mehr wie „J-äh-ah-a." an.
„Aber… aber Marlene, wie konntest du nur? Das - das ist Nicht Erwiderte Liebe Level Eins Stoff!"
„Sie hat Recht," stimmte Mary erschrocken zu. „Egal, wie gruselig der Typ ist oder wie sehr es nicht deine Schuld ist, wenn er seine Liebe gesteht, ist es deine traurige Aufgabe als Mädchen dankbar zu sein und dich zumindest so zu verhalten, als ob er eine Chance gehabt hätte."
„Wir reden hier über Marlene, Mary," erinnerte Lily sie.
„Ich rede über Marlene! Wie konntest du den armen Adam beschuldigen? Wie konntest d- was genau hast du gesagt, Marlene? Wie schlimm war es?"
Marlene erschien schmollend. „Ich will nicht mehr darüber reden," bestand sie darauf. „Ich will nicht darüber nachdenken. Ich will bloß…"
„Dein Gedächtnis löschen?" schlug Mary vor. „Dich in einem Sarg voll mit Eis begraben? Ja, das wissen wir… aber Liebes, du kannst uns nicht so hängen lassen!"
„Mary, wirklich," fuhr Marlene fort, „ich kann jetzt nicht darüber reden." Damit stand sie auf und ging schnell aus der Halle. Lily seufzte.
„Ich stell sicher, dass sie okay ist," sagte der Rotschopf resigniert, aber als sie vom Tisch aufstand, sprang Mary auch auf.
„Ich gehe mit dir," sagte sie.
„Aber du hattest noch kein Frühstück…"
„Was ist Nahrung im Vergleich zu Herzschmerz und Drama?" Aber Marys Halblächeln war etwas wenig überzeugend, als sie Lily aus der Halle folgte.
Als sie in der Eingangshalle Donna über den Weg liefen - die auf ihrem Weg zum Frühstück war - schien Lily sie überhaupt nicht zu bemerken und obwohl Mary halbherzig winkte, reagierte ihre Mitbewohnerin nicht und weder Lily noch Mary sahen, wie sie düster hinter ihnen hersah.
(Wieder aufwachen)
Schlag.
Scheiße.
Schlag.
Nein.
Schlag.
Schlag.
Schlag.
Mit rasendem Herzen flogen Remus Lupins Augen auf. Er saß sich auf - ein Bett im Krankenflügel - und er schrie.
Er war am Beben, überall kalter Schweiß und James und Peter konnten ihn gerade davon abhalten, aus dem Bett zu rauschen. Seine Augen waren groß, rund und für ein paar Sekunden erweitert - ein Blitz von Gelb und dann waren sie wieder normal braun, aber ängstlicher, als James sie je gesehen hatte.
„Heilige Scheiße," fluchte er aufgelöst, nach Luft keuchend, als ob er gerade gewürgt worden wäre. „Heilige Scheiße," wiederholte der Werwolf. „Ich- ich hab was gemacht? Etwas ist passiert… Lily… sie war… und James - James, ich habe dich gekratzt, Gott, ich weiß nicht… scheiße, Prongs, etwas ist schief gelaufen… was ist schief gelaufen?" Er war hysterisch: manisch und roh, wie nur der Vollmond den normalerweise ruhigen, gelassenen Remus machen konnte. James sah seinem Freund nicht in die Augen und Remus fürchtete das Schlimmste. „Habe ich jemanden gebissen?" flüsterte er. „James… habe ich…? Um Gottes Willen, antworte mir!"
„Du hast niemanden gebissen," sagte Peter unerwarteterweise. „Dir geht es gut, in Ordnung?"
„Was ist passiert?" fuhr Remus fort, James zu befragen. Dann bemerkte er etwas. „Wo ist Sirius?" Selbst Peter konnte das nicht beantworten. „Wo zur Hölle ist Sirius? Was ist mit ihm passiert? Ich kann mich nicht erinnern… ich kann mich nicht erinnern, ihn zu sehen - war er…? James - um Agrippas Willen, steh nicht einfach nur da wie ein pathetischer…"
„Sirius hat es Snape gesagt," sagte James.
Klirrende, brüllende, ohrenbetäubende Stille.
„Er hat ihm gesagt, wie er in die Peitschende Weide kommt. Snape ging runter und hat dich gesehen."
„Ich erinnere mich," flüsterte Remus dumpf. „Ich erinnere mich - ich habe Snape angegriffen und… du. Du hast ihn gerettet." Angst - kalte, unheilige Furcht - überschwemmte ihn wieder einmal. „Snape weiß es…" murmelte er fieberhaft. „Snape weiß es - er wird es sagen - ich bin raus. Ich bin raus. Dumbledore kann nicht… ich hätte ihn töten können. Ich hätte ihn verwandeln können! Es ist zu - ich bin raus." Er fuhr mit seinen Händen durch sein braunes Haar, die kreidebleiche Haut seines Gesichtes zurückziehen, die mit Schweiß und fieberhaften Tränen glänzte. „Heilige Scheiße, wie konnte das… wie konnte das passieren? Ich bin raus aus der Schule… ich muss… hätte ihn töten können…"
„Du bist nicht von der Schule geworfen worden," sagte James leise. „McGonagall hat es mir diesen Morgen gesagt. Dumbledore hat es gerichtet. Dumbledore hat alles gerichtet - mit Snape, mit allen. Du bist sicher. Snape ist dahinten am schlafen…" Er nickte zu einer anderen Ecke der Krankenstation „Aufgrund eines Schlaftrunks. Dumbledore hat alles für dich gerichtet."
„Aber - wie konnte Dumbledore das richten?" Und dann erkannte Remus etwas anderes. Seine Hände fielen. „Sirius hat es gesagt? Warum würde er das tun? Warum würde er das Snape sagen? James, warum würde er…?"
„Rechne zwei und zwei zusammen, Remus," unterbrach James abrupt. Er konnte die Worte nicht selbst sagen. Er konnte es nicht ertragen, sie zu denken.
Remus' Ausdruck wurde steinern. „Er wollte, dass ich Snape beiße. Er wollte, dass ich… Er hat mich benutzt. Er hat das Ding, das ich werde, benutzt um…" Remus' Körper verzerrte sich, als er begann, zu würgen und James packte einen Trank vom Nachttisch.
„Lupin - Remus, trink das. Es wird helfen, komm schon…" James schaffte es das meiste des Tranks die Kehle seines Freund hinunter zu bekommen und ein paar Minuten später hörte Remus fast komplett auf zu zittern. Er fiel in sein Bett zurück, zerbrochen und erschöpft.
„Was - was passiert jetzt?" schaffte er nach einiger Zeit zu murmeln.
„Dumbledore hat es für dich gerichtet," sagte Peter. „Du wirst in Ordnung sein und… er scheint sicher zu sein, dass Snape es nicht erzählen wird."
Remus machte ein abfälliges Geräusch. „Und Sirius?"
„Er ist nicht von der Schuld geflogen," fuhr Peter fort. „Er hat jede Menge Punkte verloren - Gryffindor wird nicht den Schulpokal gewinnen - und er kann kein Quidditch mehr spielen, solange er hier an der Schule ist. Außerdem gibt es einiges Nachsitzen. Ich bin mir nicht sicher, was die Details sind, aber…"
„Er ist raus," unterbrach James kalt. „Ich meine - bei uns. Er ist dieses Mal zu weit gegangen und er ist - wir können ihm nicht einfach vergeben und es vergessen." Die anderen waren still. „Ich bin fertig mit ihm. Können wir alle dem zustimmen? Dass Sirius nicht mehr… dass er keiner von uns mehr ist… dass er raus ist?"
Eine lange Stille folgte und dann sprach Remus: „Ich stimme zu," murmelte er, seine Stimme rau. „Sirius ist raus."
Sie sahen Peter an. „Bist du dir sicher?" fragte der letzte Rumtreiber. „Er ist dein bester Freund."
„Er ist nicht mein bester Freund," sagte James. „Er ist ein Möchtegern-Mörder."
„Er hat mich benutzt," sagte Remus.
Peter sah ein wenig traurig aus, aber er nickte. „Ihr habt Recht… Sirius ist raus."
„Richtig," flüsterte James. „Für ein und alle mal."
(Wie es mit Sev läuft)
Severus würde es nie herausfinden. Dies entschied Lily während ihres ersten Zusammentreffens mit ihrem Slytherin-Freund - ein Ereignis, dass erst zur Mittagsessenzeit am Tag nach dem Vollmond stattfand.
Irgendwann zwischen Frühstück und Mittagessen hatten sich die Neuigkeiten herumgesprochen und danach verbreitete es sich wie ein Waldbrand. Wie genau es herauskam, wusste Lily nicht. Es gab Stückchen und Teile, dass die allgemeine Öffentlichkeit bestätigen konnte - zum Beispiel, dass das Stundenglas mit den Gryffindor-Hauspunkten in der Eingangshalle etwa ein Drittel seiner glitzernden roten Rupien verloren zu haben schein und dass Severus Snape die Nacht im Krankenflügel verbracht hatte. Jedoch fand Lily nie heraus, wer verbreitet hatte, dass Severus Snape in der Nacht zuvor eine Art Monster in der Heulenden Hütte konfrontiert hatte und dass James Potter ihn gerettet hatte.
Sie war außergewöhnlich erleichtert, dass Remus' Beteiligung noch immer ein Geheimnis war (jedoch, wie Dumbledore Severus überzeugt hatte, es geheim zu halten, war immer noch ein Mysterium), und genauso sehr überrascht, dass auch Sirius' Beteiligung nicht erwähnt wurde.Während die Gerüchteküche von Hogwarts normalerweise im Minutentakt Details brachte, schienen sie das deutlich Offensichtliche zu übersehen: dass James und Sirius im Konflikt waren. Sie hatten den morgendlichen Unterricht verpasst, die beiden saßen nicht nebeneinander, sprachen nicht miteinander und schienen beide sporadisch gestresst und wutentbrannt.
Sev war noch nicht aus der Krankenstation entlassen worden, als Lily zur Mittagsstunde mit einer Liste von Hausaufgaben ankam.
„Normalerweise würde ich unter diesen Umständen keinen Besuch zulassen," informierte Madam Pomfrey die Gryffindor, „aber du bist die erste, die auch nur fragt, ihn zu sehen und - na ja…"
Lily fühlte, wie bei dem Wissen, dass sie Severus' erster Besucher war, Verachtung in ihrem Magen kochte (warum waren diese Idioten aus Slytherin nicht aufgetaucht?), aber nickte nur, als Madam Pomfrey ihr den Weg zu dem geschlossen Bett ihres Freundes führte. Sie fragte sich vage, ob eins der anderen geschlossenen Betten Remus gehörte.
Snape war wach, als Madam Pomfrey Lily brachte und er sah überrascht von ihrer plötzlichen Ankunft auf. Er legte das Buch, was er am lesen war, nieder, schob es unter die Laken und fügte hinzu: „Was tust du hier?"
„Ich wollte dich sehen," antwortete Lily, und entschied sich, nicht nach dem Buch zu fragen. „Sicher gehen, dass es dir gut geht." Madam Pomfrey ging zurück zu ihrem Büro.
„Warum? Was sagen denn die Leute?"
„Tja - ähm… es ist nicht wirklich klar. Sie sagen viele verschiedene Dinge." Weil sie hören wollte, was Sev darüber zu sagen hatte.
„Oh."
Lily wartete auf mehr und beharrte dann: „Also, was ist passiert?"
Severus zögerte. „Nichts. Es war nichts. Keine große Sache."
Lily hob ihre Augenbrauen, ehrlich überrascht von seinem Zögern ihr irgendwas zu sagen. Vielleicht hatte er versprochen nichts zu sagen. „Sirius Black wird für irgendetwas bestraft…." testete sie aus. „Hat das irgendwas mit dir zu tun?"
Severus zuckte nur mit den Schultern. „Wer weiß? Black ist ein Idiot. Er muss immer Nachsitzen."
Lily war kurz davor, ihr eigenes tiefes Wissen bekanntzugeben, als sie etwas bemerkte. Sev sah ihr nicht in die Augen. Er sah irgendwie seltsam aus und in seinen Wangen war ungewöhnliche Farbe.
Und das war, als Lily sich fest entschied, dass Severus nicht wissen würde, dass sie in der Nacht zuvor an der Weide gewesen war. Er musste es nicht wissen und vielleicht war ein wenig Gehässigkeit mit dabei und es würde sicherlich besser für Black und Potter und Remus sein, wenn so wenig Leute wie möglich wussten, dass eine weitere Schülerin in Gefahr gewesen war, aber zum größten Teil bemerkte Lily, dass etwas in Severus' Ausdruck… beschämt war, wirklich. Es war schlimm genug, dass James Potter ihn in seiner verletzlichsten, machtlosesten From gesehen hatte - es war schlimm genug, dass seine angeblichen Freunde aus Slytherin nicht aufgetaucht waren um sicherzugehen, dass er okay war… sie hatte Mitleid mit Sev und sie wusste, dass wenn er auch nur eine Ahnung von dieser Tatsache hätte, seine Demütigung unberechenbar sein würde. Und Lily hatte in erster Hand gesehen, was Demütigung mit Severus Snape tat. Also würde er es nie wissen.
„Okay…" sagte sie langsam. „Aber du bist nicht - nicht verletzt oder so? Du fühlst dich gut und alles?"
„Sie…" Severus nickte zu Madam Pomfreys Büro. „will, dass ich noch eine Nacht bleibe, aber das brauche ich nicht. Mir geht es gut."
„Das ist gut. Oh - ich hab dir deine Hausaufgaben mitgebracht…"
Lily blieb für eine weitere halbe Stunde und in dieser Zeit sprachen die beiden locker genug, hauptsächlich über den Unterricht, den Severus an diesem Morgen verpasst hatte. Sie besprachen nichts wichtiges und stritten sich deshalb nicht einmal.
Sie hatte das Mittagessen ausfallen lassen, also war Lily - nachdem sie den Krankenflügel verlassen hatte - hauptsächlich alleine in den Fluren. Ihr erster Instinkt war es in die Große Halle hinunterzugehen und etwas dringend benötigte Nahrung zu besorgen, aber ihr Magen drehte sich zwickend um und sie war sich nicht sicher, ob sie irgendetwas unten behalten könnte. Sie musste auch Luke sehen und sprechen und während er vielleicht in der Großen Halle war, hatte sie ihn nicht beim Frühstück gesehen und so fragte sie sich, ob er vielleicht auch die zweite Mahlzeit ausfallen lassen würde. Dann erinnerte sich Lily an die Karte der Rumtreiber, die noch immer in ihrem Besitz war (James war an diesem Morgen nicht in der Nähe gewesen um sie zurückzugeben) und sie entschied sich, stattdessen ihren Ex aus Ravenclaw zu finden.
Es dauerte einige Minuten, durch hunderte von benannten Punkten zu suchen, bis Lily Luke Harpers Kartenmanifestation lokalisierte und - wie erwartet - war er nicht in der Großen Halle. Zu ihrer Bestürzung war er im Büro von Professor Dumbledore.
(So genannte Moral)
In einem anderen Universum, reflektierte Donna, hätte sie mit Lily Mittag gegessen. Sie hätten vermutlich den Skandal mit Severus Snape und James Potter besprochen oder vielleicht hätten Mary und Marlene über etwas geplaudert, während Donna sie angemeckert hätte, bitte die Klappe zu halten. Marlene hätte über das Essen gejammert und Mary hätte von einem neuen Jungen geschwärmt und Lily hätte wissend gelächelt oder sardonische Kommentare gemacht. Oder vielleicht wären Mary und Marlene alleine unterwegs und es wäre nur Lily und Donna und sie hätten über Unterricht oder Bücher oder Quidditch oder irgendwas geredet.
Wenigstens hätte sie geredet.
Donna erkannte, dass die einzigen Menschen, mit denen sie in den letzten 24 Stunden tatsächlich gesprochen hatte, Charlie und Professor Flitwick gewesen waren. Niemand hatte sie wegen Quidditch angesprochen (tatsächlich hatte sie Potter den ganzen Morgen nicht gesehen) und niemand hatte sie sonst angesprochen.
Nicht ein „Guten Morgen". Nicht ein „Hey, Shack, was hast du gehört?". Nicht einmal ein unhöfliches „Rutsch ein Stück rüber, ja?"
Nichts.
Abgesehen von dem Getöse der Allgemeinheit um sie herum in der Großen Halle, war Donnas Welt jetzt still und so war es jetzt - seit Wochen. Niemand war richtig unfreundlich… sie hatten nur einfach nichts zu Donna Shacklebolt zu sagen.
Zwischen Bissen in ihr Sandwich fühlte sich Donna plötzlich sehr, sehr alleine. Sie sah sich um, panisch und bemerkte Adam McKinnon nicht sehr weit weg.
„McKinnon!" sagte sie, ziemlich laut und verzweifelt. Adam sah erschrocken von seinem eigenen Essen auf. Er hob seine Augenbrauen und Donna erkannte, dass sie nicht wirklich was zu sagen hatte. „Hi," endete sie schwach.
Unerwarteterweise verdrehte Adam seine Augen. Donna bemerkte, dass er nicht zu gut aussah - er sah eher aus, als ob er ein Jahr nicht geschlafen hatte. „Lass gut sein, Shack. Ich will es nicht hören."
Und bevor Donna fragen konnte, was er nicht hören wollte, stand Adam auf, ließ sein Essen stehen und ging schnell aus der Halle.
Heilige Scheiße - selbst Adam McKinnon mochte sie nicht! Adam McKinnon mochte jeden!
Sie konnte sich auch nicht daran erinnern etwas schreckliches zu ihm gesagt zu haben. Sie konnte sich nicht erinnern, irgendwas zu ihm gesagt zu haben, aber es war ziemlich wahrscheinlich, dass sie einfach ausversehen, was Lily ‚taktlos' während eines Unterrichts genannt hatte, zu ihm gewesen war. Wenn Adam wütend auf sie war, gab es wahrscheinlich einen Grund (sie kam nicht auf die Idee, dass Adams schlechte Laune generell war und nicht auf sie gerichtet). Oder vielleicht, wollte er einfach nicht mit ihr reden. Vielleicht hatte er nichts zu ihr zu sagen, wie sie in den letzten sechs Jahren nichts zu den meisten anderen Leuten zu sagen hatte. Vielleicht dachte er nach ihrem peinlichen emotionalen Zusammenbruch an dem anderen Tag, dass sie ihn nur anmeckern wollte oder heulen wollte oder… vielleicht war sie ihm einfach egal.
Donna starrte wütend in ihren Kürbissaft. Natürlich wollte Adam McKinnon nicht mit ihr reden, wenn er schlechte Laune hatte - er war schließlich nicht ihr Freund. Niemand - nicht eine einzige Person in dieser verdammten Großen Halle - war ihr Freund… sie war immer recht offen damit gewesen: Lily war ihre Freundin, nur Lily. Sie brauchte sonst niemanden.
Nur hatte sie Lily verloren und sie hatte niemanden.
Sie hatte Lily verloren - und für was?
In diesem Moment fiel ein gefaltetes Stück Papier auf ihren Teller.
Überrascht blickte sich Donna um um zu sehen, wer es vielleicht fallen gelassen hatte, aber eine große Gruppe Ravenclaws ging vorbei und sie konnte es nicht sehen.
Donna faltete das Papier auf und ein paar Wörter waren hinein gekritzelt.
Shacklebolt,
6 Uhr abends - unbenutzter Klassenraum, vierter Stock, neben dem Wandteppich von Hildebrand der Haarigen.
-Charlie
Eine Lily-Stimme in ihrem Kopf sagte ihr, dass sie nicht gehen sollte, aber ein viel stärkeres Argument hatte die gegenteilige Meinung. Sie hatte niemanden, aber sie hatte irgendwie Charlie, richtig?
Cassidy hat Charlie, sagte die Lily in ihrem Kopf.
Aber das war es doch. Deshalb fühlte sich Donna nicht schuldig (nicht wirklich). Cassidy war Charlies Freundin. Cassidy, nicht Donna, hatte Charlie. Am Ende sorgte sich Charlie nur um Cassidy. Charlie stand auf Cassidy und wollte mit Cassidy zusammen sein. Er wollte Donna nicht, und mit ihr zu sein, ließ ihn Cassidy besser behandeln, wenn überhaupt. Also bedeutete Lilys so genannte Moral am Ende nichts.
Da waren keine Gefühle, da war keine Untreue, es bedeutete nichts. Niemand wurde verletzt und Donna - sie brauchte das. Charlie liebte sie nicht; Charlie liebte seine Cassidy. Niemand wurde verletzt. Sie wurde um sechs Uhr auftauchen und sie würde sich nicht schuldig und verräterisch fühlen. Sie würde nicht über Cassidy nachdenken, weil sie es wollte und es nichts bedeutete und - was auch immer Lily sagen würde - niemand verletzt wurde.
(Wie es mit Luke läuft)
„Luke!"
Luke Harper schien ehrlich überrascht, Lily nicht weit von dem Büro von Professor Dumbledore auf sich warten zu sehen. Abgesehen davon sah er auch schrecklich aus. Er war bleich und unter seinen Augen waren dunkle Ringe.
„Lily," antwortete er monoton in einer leisen, krächzenden Stimme.
Sie näherte sich ihm, Sorge über ihr Gesicht und in ihre Stimme geschrieben. „Was ist passiert? Warum hast du Dumbledore getroffen? Hat er herausgefunden, dass du im Dorf warst?"
Luke schien nicht zu verstehen. „Machst - machst du Witze?"
„Witze? Nein. Warum?"
Verständnis - „Du hast es nicht gehört, oder?"
Sie hatte fast Angst zu fragen. „Was gehört?"
„Du hast heute Morgen nicht den Tagespropheten gelesen." Er lächelte freudlos. „Logan ist tot, Lily."
„W-was?"
„Dieser Auror - Lathe. Er hat ihn getötet. Er hat meinen Bruder getötet."
„Luke…" Sie streckte sich um seine Schulter zu berühren, aber der Ravenclaw bewegte sich weg. „Luke, bitte…"
„Bitte, was?" rief er beinahe. „Ich hätte ihn retten können, Lily, und du hast mich aufgehalten. Du und Lathe und ich und jetzt - und jetzt ist Logan tot." Da waren Tränen in seinen braunen Augen. „Wir haben ihn getötet. Ich habe ihn…"
„Luke, das ist nicht deine Schuld!" sagte Lily, sie fühlte ihre eigenen Tränen. „Nichts davon ist deine Schuld. Du…"
Aber als sie wieder versuchte, ihn zu berühren, wich Luke ihr wieder aus. „Bleib bitte von mir weg," murmelte er, bevor er sich umdrehte um zu gehen.
„Luke!"
Luke hielt mehrere Schritte entfernt an. „Ich muss packen, Lily," fuhr er sie an.
„Packen? Für was packen?"
„Ich gehe," antwortete der Zauberer dunkel. „Ich muss nach London gehen. Sie wollen, dass ich vor das Zaubergamot trete - um zu entscheiden, ob sie mich belasten können oder nicht."
Lily fühlte sich, als ob die Luft aus ihr entwichen war. Sie schritt nach vorne um ihm zu folgen - etwas zu sagen, irgendwas… um die Wut, den Hass, die Angst, die Schuld und die Trauer in Lukes Augen zu beschwichtigen… dies irgendwie zu reparieren… wenn sie dies nur in Ordnung bringen konnte… ihn in Ordnung bringen konnte…
„Lily, ich…" Begann Luke zu sagen, aber er wurde unterbrochen. Professor McGonagall, Professor Flitwick und Lathe erschienen aus der Statue des Greifen, der den Eingang zu Dumbledores Büro darstellte.
„Miss Evans," sagte Professor McGonagall. „Ich glaube, Sie haben jetzt Unterricht."
„Aber Professor…"
„Keine Diskussion," unterbrach sie die Verwandlungslehrerin kurz angebunden; „egal, wie es die letzten Tage vielleicht ausgesehen hat, ist dies immer noch eine Schule und es gibt immer noch Regeln, an die man sich halten muss. Zum Unterricht, Miss Evans."
Professor Flitwick gesellte sich zu Luke, vermutlich, da die beiden zum Ravenclaw Gemeinschaftsraum gingen und Lily blieb hilflos bei McGonagall und Lathe zurück. „Muss ich Sie begleiten?" fragte erstere kühl. Lily sah zu, wie Luke und Flitwick um die Ecke verschwanden, seufzte dann und schüttelte ihren Kopf.
„Nein, Professor."
„Sehr gut."
Die Lehrerin und der Auror begannen zu gehen. „Warten Sie," rief Lily ihnen hinter her. „Wie lange wird Luke weg sein?"
McGonagall sah zu Lathe, der nur seinen Kopf schüttelte und damit zeigte, dass er es nicht wusste. Dann drehten sie sich und waren weg.
Die Wut hatte gewonnen. In dem tobenden Kampf der Emotionen, aus dem James bestand, hatte Wut gegen Angst und Trauer und Reue und all dem anderen gewonnen und jetzt war er bloß wutentbrannt.
Leute redeten, aber James hörte sie nicht. Er wollte es nicht. Beim Abendessen sahen die anderen Schüler ihn an und flüsterten, aber James achtete nicht auf sie, weil, obwohl die meisten ihrer Worte bewundernd waren, er nicht wissen wollte, was sie dachten, was sie sagten. Sie wussten nichts, nichts wirklich und er wollte nicht wissen, was sie sich vorstellten, das sie wussten.
Er wollte eigentlich nichts machen. Er wollte irgendwo sitzen, alleine und alles vergessen - seinen Kopf leeren… vergessen, dass Sirius sie verraten hatte (Remus verraten hatte), vergessen, dass Snape es wusste und vergessen, dass er falsch gelegen hatte. Komplett, vollständig und unverzeihlich falsch über Sirius, über die Rumtreiber, über alles.
Remus war noch nicht von dem Krankenflügel zurückgekehrt, und Peter saß ihm am Gryffindortisch gegenüber, aber beide aßen in Stille. Peter sah erbärmlich aus, und James versuchte, sich dafür zu interessieren, aber er konnte es nicht. Er versuchte sich zu erinnern, dass im Endeffekt, alles okay war. Dumbledore hatte die Sache mit Snape gerichtet - er hatte die Dinge für Remus gerichtet. Er hatte sogar die Dinge für Sirius gerichtet.
Aber irgendwie, half das alles nichts. Der Schaden war bereits angerichtet. Sirius hatte es gesagt… er hatte es Severus Snape gesagt. Er hatte versucht, jemanden zu ermorden. Er hatte alles missachtet (Remus' Gefühle, Remus' Sicherheit, alles…) für einen Rachefeldzug und nichts - niemals - konnte dies rückgängig machen.
Sirius war raus.
„Ich gehe hoch," sagte James Peter, der nickte und antwortete, dass er bald nachkommen würde. Der Rumtreiber ging lethargisch aus der Großen Halle, Flüstern und Starren, das von allen Richtungen kam, ignorierend. Er hatte die volle Absicht zu dem Schlafsaal der Gryffindorjungs zurückzukehren - vielleicht seinen Nimbus nehmen um eine Runde um das Feld zu fliegen, aber als James den vierten Stock erreichte, hatte er eine andere Idee. Er ging stattdessen zum Krankenflügel.
„Mr. Lupin wurde schon entlassen," informierte Madam Pomfrey James bei seiner Ankunft. „Er sollte jetzt zu Ihrem Schlafsaal zurückkehren."
James nickte und begann zu gehen, als er ein anderes von Vorhängen umschlossenes Bett am Ende der Krankenstation sah. Madam Pomfrey ging zurück in ihr Büro, aber statt zu gehen, lief James zu dem verschlossenen Bett. Dort drin war Snape am Lesen.
Schock, Wut - eine Vielzahl von negativen Ausdrücken spielte sich auf Snapes Gesicht ab, als er James sah. „Was willst du?" wollte er wissen. „Raus hier, Potter." Seine übliche Verachtung von James schien sich verzehnfacht zu haben.
„Was hat Dumbledore zu dir gesagt?" fragte James, ruhig und dunkel. Sein Magen drehte sich um, sein Kopf schmerzte - den sich erholenden Snape zu sehen, war schlimmer als erwartet. Die normale Abneigung raste durch James' Blut, nur noch verstärkt durch die hinterhältige Natur der Absichten des Slytherins bezüglich Moony in der Nacht zuvor, aber abgewandt und ungültig gemacht durch die noch abscheulicheren Absichten von James' besten Freund. In all seinen Jahren in Hogwarts hatte sich James noch nie so schuldig gefühlt, Snape zu hassen.
„Was interessierst du dich dafür?" fuhr der andere ihn an, mit blitzenden schwarzen Augen. „Es geht dich nichts an."
„Was hat er zu dir gesagt?" wiederholte James wütend, lauter. „Wie hat er dich davon überzeugt, nicht über Remus zu sagen?"
Severus legte sein Buch hin. Sein bleiches Gesicht war jetzt ruhig. „Warum willst du das wissen?" wiederholte er. „Welchen Unterschied würde es machen?"
James hatte keine Antwort darauf. Er musste es einfach wissen. Er musste wissen, dass welchen Grund auch immer Dumbledore Snape gegeben hatte, um seinen Mund zu halten, halten würde - dass Remus sicher war. „Das tut es einfach. Was hat er zu dir gesagt?"
Snape lächelte. „Ich hoffe, es lässt dich nachts nicht schlafen."
James ballte seine Faust, die gleichzeitigen Dränge, seinen Zauberstab zu ziehen oder Snape mit aller Kraft zu schlagen, bekämpfend. „Ich hasse dich," sagte er leise, giftig, ehrlich.
Snape nickte. „Ich weiß."
Mehr als alles andere, was Remus Lupin befürchtet hatte, war die Möglichkeit, dass Sirius im Schlafsaal sein würde, als er vom Krankenflügel zurückkehrte. Und das war er.
Remus ließ seine Kleidertasche auf den Boden fallen und Sirius - der sich auf seinem Bett ausgestreckt hatte - setzte sich sofort auf. Die beiden Zauberer starrten sich für einen langen Moment an; Remus' Gesichtsausdruck war steinern, Sirius' gequält.
„Moony…" begann letzterer, aber Remus unterbrach ihn.
„Nenn mich nicht so," fuhr er ihn an. „Denk nicht mal - mach es einfach nicht." Er bewegte sich zur Kommode und Sirius stand auf.
„Remus, es tut mir leid," flehte er.
„Ist mir egal."
„Und du hast jedes Recht, wütend auf mich zu sein, aber…"
„Aber was?" schrie Remus, sich gegen ihn wendend. „Was genau denkst du, dass du sagen kannst, um all das hier besser zu machen? Wie kannst du dir auch nur vorstellen, dass dir auch nur ein Wort zu höre, dass du zu sagen hast?"
„Das weiß ich," sagte Sirius erstickt. „Das tue ich, glaub mir. Ich will - ich will einfach nur mit dir reden. Ich will erklären…"
„Du musst nichts erklären," spuckte Remus. „Es gibt nichts in dieser Welt, das du sagen kannst, das verändern würde, wie ich mich gerade jetzt fühle."
„Ich wollte dich nicht verletzen…"
„Natürlich wolltet du das nicht." Remus lachte bitter. „Weil du nie - du hast nie verstanden, dass das Ding, das ich einmal im Monat werde, immer noch ich bin! Und was auch immer dem Werwolf - Moony… zustößt, das stößt mir zu. Wenn das Ding in der Heulenden Hütte Snape getötet hätte, hätte ich Snape getötet. Ich würde dafür ins Gefängnis gehen und ich wäre derjenige, der das sein ganzen Leben mit sich rumschleppen müsste! Aber darüber hast du nicht nachgedacht - ich war bloß dein Spielzeug, oder? Der Vollmond war etwas, was dich unterhalten hat, wenn du gelangweilt warst!"
„Das stimmt nicht, Remus! Darum ging es nie und du…"
„Das ist genau das, worum es dir ging, Sirius!"
Sirius konnte nicht antworten, da sich die Tür öffnete und James erschien. Er schloss die Tür hinter sich und sah zwischen Sirius und Remus hin und her, im Versuch, herauszufinden, was hier geschah.
„Was ist los?" Keiner der Zauberer antwortete. „Was tust du hier, Black?" fuhr James fort.
„Das - das ist mein Schlafsaal…"
„Wirklich?" fragte James kalt.
Sie waren alle still und dann sagte Sirius. „Also das ist es? Einfach so? Ich bin raus."
„Ja," sagte James. „Du bin raus."
„Nach allem?"
„Da war nie was," murmelte Remus. „Da waren nie Rumtreiber. Wir waren nie Brüder oder Kumpel oder irgendwas, was wir dachten, das wir es waren. Es war alles eine Lüge, weil es nur ein Spiel für dich war, Sirius."
Sirius sah zu James für Widerspruch, aber Prongs gab keine.
„Es war alles eine Lüge," stimmte er zu.
„Das war es nicht."
„Natürlich war es das," fuhr Remus fort. „Du denkst, weil du in Gryffindor bist, bist du nicht so wie deine fanatische Familie? Die Wahrheit ist, du bist genau wie sie. Sie denken, dass Muggel und Muggelstämmige niedriger sind als sie und egal, was du sagst, du siehst mich nicht als eine Person - als einen Menschen, weil ich ein Werwolf bin und es ist dein Geburtsrecht zu denken, dass du besser bist… dass du tun kannst, was zur Hölle du auch machst, weil ich weniger bin. Du bist ein Black. Du bist so geboren - so gebaut. Ein herzloser, grausamer Mörder. Und du wirst nie mehr sein als das… weil du dich nicht verändern kannst. Wir waren bloß so blöd zu denken, dass du das könntest."
Sirius fixierte seine grauen Augen auf Remus. „Das stimmt nicht," flüsterte er. „Ich habe nie gedacht…"
„Es ist wahr," sagte James. „Du bist raus."
Die Bitterkeit auf Remus' Gesicht bestätigte es. Sirius atmete uneben - er wusste nicht, wo er hinsehen sollte, hingehen sollte, außer, dass er raus musste. Er begann zur Tür zu laufen, als sie sich öffnete und Peter hineinließ.
„Dumbledore will euch beide sehen" sagte der letzte Rumtreiber, Sirius und James zu nickend.
Wie von der Karte der Rumtreiber vorhergesagt (noch immer in ihrem Besitz - Agrippa, sie musste sie wirklich zurückbringen), war Lathe in seinem früheren Büro, als Lily ankam. Er schien Formulare in Boxen zu ordnen und Lily erkannte fast sofort, warum.
„Sie gehen?" fragte sie.
Lathe nickte, seinen Zauberstab schwingend und ein paar Kisten verschließend. „Die Sicherheitsmannschaft bleibt zurück, aber Belby wird der Befehlshaber sein. Jeder, der direkt in die Jagd letzte Nacht involviert war, wurde zum Ministerium zurückgerufen."
„Warum?" Sie ging ein wenig mehr in den Raum, sich gegen die Wand neben der Tür lehnend.
„Drei Auroren und zwei Verdächtige sind tot," erklärte Lathe ruhig. „Beide Verdächtige waren Mitglieder von bekannten Familien. Es wird eine Untersuchung geben um sicher zu gehen, dass die Tode der Verdächtigen nicht zu vermeiden waren - dass sie keine Rachetaten waren."
„Das waren sie nicht, oder?" fragte Lily sanft. Lathe sah von seinem Packen hoch.
„Mir macht Töten kein Spaß," sagte er. Sie waren beide für ein paar Sekunden ruhig, während Lathe fortfuhr, Stapel von Pergament und andere Dinge in Kisten zu packen. Dann, ohne sie anzusehen, beantwortete der Auror die Frage, die sich Lily nicht getraut hatte, zu fragen: „Luke war beteiligt, Evans."
Lily fühlte sich nicht danach, Spielchen zu spielen und so fragte sie bloß: „Könnt ihr es beweisen?"
Der ältere Zauberer sah bei dieser Antwort etwas überrascht aus. „Wir werden sehen. Er ist jung und ich glaube nicht, dass er tatsächlich an der Szene war. Schlimmstenfalls wird er beschuldigt, einem Flüchtigen geholfen zu haben, was - tja, es kommt darauf an."
„Logan ist tot," bemerkte Lily. „Welche Hilfe ist Luke jetzt für euch?"
„Keine," gab Lathe zu. „Und ich weiß, dass er kein Todesser ist, aber es liegt nicht an mir. Meilencamp… Prewett… Diggory… drei tote Auroren, Evans und Meilencamp war Robards Partner - er wird nicht ruhen, bis jeder, der an ihrem Tod beteiligt war, vor dem Zaubergamot steht."
Lily nickte im Wissen, dass er Recht hatte. „Denken Sie, dass Luke verhaftet wird?" konnte sie sich nicht abhalten zu fragen.
Lathe zögerte. „Ich weiß es nicht. Aber die Harpers haben Geld und Einfluss - er wird nicht alleine sein. Und ich bin mir sicher, dass es jetzt wenig Trost für dich ist, aber ich werde für ihn tun, was ich kann. Ich sage nicht, dass ich lügen werde, aber - ich glaube, dass er nur Teile davon verstand, was er tat. Natürlich wäre es am besten für ihn, wenn er kooperiert - ich schätze nicht, dass du es ihm sagen würdest?"
„Ich bezweifle, dass das einen Unterschied machen würde."
Lathe hob eine nachfragende Augenbraue.
„Ich - ähm - ich habe ihn überzeugt, letzte Nacht nicht zu Logan hinunterzugehen," erklärte die Hexe. „Er denkt, er hätte seinen Bruder retten können, wenn er da gewesen wäre."
„Vielleicht," sagte Lathe leise. „Vielleicht hätte er drei weitere Auroren getötet." Er hörte auf mit dem Aktenwegpackend und murmelte: „Ich hasse Papierkram. Es gibt nichts, was ich mehr hasse, als Papierkram."
Lily zupfte mit dem Rand ihres Pullis, unsicher, ob es noch mehr gab, was sie zu Lathe zu sagen hatte. „Es tut mir leid," murmelte sie schließlich. „Wegen Ihren Freunden, den drei Auroren. Und es tut mir leid, dass Sie jemanden töten mussten." Denn seltsamerweise konnte sie erkennen, dass dies ihn störte.
„Es tut mir leid wegen Harper," antwortete er.
„Logan war ein Todesser."
„Ich rede nicht über Logan."
Lily nickte wieder. „Richtig. Tja… es war nett, Sie kennen zu lernen, Mr. Lathe."
Lathe neigte seinen Kopf, als ob er „Ebenfalls" sagen wollte und dann ging Lily.
Es war dieses Mal nicht McGonagall und Slughorn, die in dem Büro des Schulleiters saßen, als die zwei Rumtreiber ankamen. Eine große, dünn Hexe mit kurzen, dunklen Haar und haselnussbraunen Augen saß in einem der drei Stühle. Bei dem Eintreffen der Jungs stand sie mit Sorge in ihrem Gesicht auf.
„Mum?" sagte James verwirrt. „Was tust du hier?"
„Albus - also, Professor Dumbledore hat mir eine Eule geschickt," antwortete sie und ging sofort zu den zwei Zauberern hinüber. Dumbledore stand auch von seinem Stuhl auf, aber blieb hinter seinem Tisch. Mrs. Potter umarmte sowohl James als auch Sirius und gab Letzterem einen traurigen, kleinen Blick, bevor sie sich wieder zu Dumbledore wandte. „Dürfte ich einen Moment mit den Jungs haben?" fragte sie und der Schulleiter nickte.
„Natürlich."
Als sie alleine waren, inspizierte Mrs. Potter sie, als ob sie nicht über einen, sondern zwei ihrer Söhne sehen würde. „Geht es euch gut?" fragte sie besorgt. „Keiner von euch verletzt?"
Sie schüttelten beide ihre Köpfe. „Uns geht es gut, Mrs. Potter," murmelte Sirius, nicht in der Lage, ihr in die Augen zu gucken. Sie sah ihn mitleidig an.
„Oh, Sirius, mach dir nicht so viele Sorgen. Es war ein Fehler. Menschen machen Fehler…"
„Mum!" unterbrach James wütend.
„Du hast selbst schon einige Fehler gemacht, James Potter," erinnerte ihn seine Mutter. „Nicht zuletzt es nicht zu schaffen, bei deiner Mutter und deinem Vater zu erwähnen, dass einer deiner besten Freunde ein Werwolf ist."
„Du hast Recht, Mum," erwiderte James. „Weil diese Auslassung definitiv gleichzustellen ist mit versuchtem Mord."
„James…"
„Mum, verteidig ihn nicht!"
„Ich bin überrascht, dass ich das muss. Er ist dein bester Freund, James!"
„Nein, das ist er nicht."
„James - nein, Sirius, du musst nicht gehen. James, was Sirius getan hat, war - schrecklich. Es war ein schrecklicher, zu bereuender Fehler. Aber er ist dein bester Freund, seit ihr Kinder wart…. er lebt bei uns, um Merlins Willen…"
„Tut er das?" spuckte James.
Sirius wandte sich.
„Natürlich tut er das," sagte Mrs. Potter fest. „James, ich verstehe, dass du wütend bist, aber Sirius ist Familie."
„Nein, das ist er nicht," wiederholte James durch zugebissen Zähne. „Er ist nicht meine Familie." Er sah Sirius an. „Das bist du nicht. Ich kann dir nicht sagen, ob es dir erlaubt ist, in dem Haus meiner Familie zu bleiben oder nicht, aber ich kann sagen, dass du nicht meine Familie bist."
„James…."
Aber James war bereits auf seinem Weg aus dem Büro heraus.
Mrs. Potter verließ ein großer Seufzer und sie drehte sich zu Sirius. „Es tut mir so leid," murmelte sie. „Du kennst James - er ist dickköpfig und…"
„Er hat Recht," flüsterte Sirius. Seine Hände zitterten. „Er hat Recht über mich. Mrs. Potter, ich bin sehr dankbar für alles, was Sie für mich getan haben… dass Sie überhaupt hier heute aufgetaucht sind, aber - ich kann nicht mit euch diesen Sommer nach Hause gehen."
„Quatsch. Natürlich kannst du. Nur weil James jetzt gerade sauer ist…"
„Nein, das kann ich nicht. Es ist nicht, dass ich nicht will, aber ich - ich könnte das nicht tun."
„Aber wohin würdest du gehen? Du hast kein Geld…"
„Ich überleg mir was."
„Sirius, das ist Quatsch. Wenn es wegen James ist…"
„Das ist es," sagte Sirius.
Mrs. Potter sah ihn traurig an und ließ eine tröstende Hand auf seiner Schulter ruhen. „Du bist ein guter Mensch, Sirius Black."
Und es brach sein Herz, dass er wusste, dass sie falsch lag.
(Wie es mit James läuft)
Lily holte James im dritten Stock ein. Sie wischte die Karte leer und rief nach dem Quidditchkapitän. Er hielt bei dem Klang seines Namens an und drehte sich um um Lily auf ihn zu eilen zu sehen, aber er registrierte kaum irgendwas, was sie am Anfang sagte.
„Ich bin dir über zwei Etagen hinterher gelaufen," sagte sie ihm. „Ich wollte dir deine Karte zurückgeben."
„Was?" fragte James, seine Stirn reibend und versuchend, sein Kopfweh in Schach zu halten.
„Die Karte," wiederholte Lily und hielt deutend das Pergament hoch.
„Du hast sie noch," bemerkte James. „Richtig. Ich habe sie dir ausgeliehen."
Lily sah ihn neugierig an. „Geht es dir gut?" Aber er schien sie nicht zu hören. „James? Geht es dir gut?"
Der Zauberer befreite sich aus seiner Starre. „Nein, mir geht es nicht gut. Warum zur Hölle sollte es mir gut gehen?"
„Richtig. Sorry." Lily gab ihm die Karte. „Wie geht es Remus?"
Aber wieder schien James kurzzeitig taub geworden zu sein. „Nett von dir, sie zurückzugeben," murmelte er sarkastisch. „Bist du fertig damit, ins Dorf zu schleichen oder hast du noch andere Exfreunde, die du verfolgen musst?"
„James," seufzte Lily und verschränkte ihre Arme.
„Du hast mich angelogen," fuhr er sie an.
„Was?"
„Du hast nicht erwähnt, dass du Harper verfolgst um ihn davon zu stoppen, seinen Todesserbruder zu treffen. Du hast auch die Auroren in Hogsmeade nicht erwähnt!"
„Ich weiß," antwortete sie. „Es tut mir leid. Das hätte ich nicht auslassen sollen."
Sie sah aufrichtig entschuldigend aus, dachte James. Sie sah aus, als ob ihre kleine Lüge ihr tatsächlich leid tat und sie gab ihre Schuld zu, was anständig von ihr war, schätzte er. Aber er war wütend - wütend auf Sirius und auf seine Mutter und vielleicht auch ein bisschen auf Lily und er wollte wütend sein.
„Du hast mich manipuliert," warf James ihr vor. „Und du hattest nicht mal die Güte, die einzige Bitte zu befolgen, um die ich dich gebeten hatte! Was zur Hölle hast du draußen gemacht? Ich habe dir gesagt, dass du den Tunnel nehmen sollst - ich habe dir gesagt, dass du den Tunnel vor Sonnenuntergang nehmen sollst! Das war die einzige Bedingung, die ich hatte und du hast nicht einmal das gemacht!"
„Er war blockiert! Was hätte ich machen sollen? Im Dorf bleiben?"
„Tja, dir war das einfach egal, oder? Ich meine, Versprechen sind in deinem Kopf anscheinend bedeutungslos."
„Das ist nicht fair!" entgegnete Lily erhitzt. „Lass deine Wut nicht an mir aus… wir wissen beide, was hier passiert." Sie versuchte um ihn herum zu gehen, aber James packte ihren Arm. Sie sah ihm überrascht und wütend in die Augen.
„Lass mich gehen!"
„Du hast mich manipuliert," wiederholte er kalt. „Du hast mich manipuliert um an die Karte zu kommen."
„Hab ich nicht."
„Ja, das hast du. Du bist da hochgekommen und mich für deine eigenen Zwecke manipuliert!"
„Ich habe dich gefragt, ob ich die Karte benutzen darf, James! Das ist nicht manipulativ! Ich habe dir gesagt, wohin ich gehe - Agrippa, lass mich los!" Sie riss ihren Arm frei.
„Du bist zu mir gekommen, weil du wusstest, dass ich zustimmen würde!" protestierte James sauer. „Du hättest zu Sirius oder Peter gehen können, aber du bist zu mir gekommen, weil du wusstest, dass du mich dazu bringen könntest, dir die Karte zu geben, ohne mir die Wahrheit zu sagen!" Er würde dies bereuen und er wusste es. „Und dir ist es einfach egal! Du fühlst aufrichtig keine Reue dabei, dass du mich benutzt hast um deinen Exfreund zu verfolgen! Und dann fühlst du dich frei dabei, herumzuwandern….!"
„Ich habe dich nicht benutzt um zu Luke zu kommen, Potter!" rief Lily. „Außerdem habe ich keine Ahnung, über was du redest!"
„Du weiß genau, über was ich rede!" Er passte sich ihrer Lautstärke an. „Ich hasse es, zu fragen, James, ich habe wirklich gar kein Recht dazu." Als ob du nicht wüsstest, dass du nicht genau das kriegst, was du wolltest! Du wusstest, dass du auftauchen konntest, verzweifelt und hilflos schauend und ich konnte nicht widerstehen, dir zu helfen!"
„Ich war verzweifelt, James! Ich war verzweifelt genug um zu dir zu gehen, oder?"
„Das war keine Verzweiflung! Das war Kunstfertigkeit!"
„Was?"
„Du wusstest, dass ich nicht Nein sagen würde!"
„Worüber redest du?"
„Ich rede darüber, wie du keine Reue fühlst, meine Gefühle dazu zu benutzen um das zu kriegen, was du willst!"
Und dann waren sie beide für mehrere Sekunden still. Lilys Herz raste und ihr Gesicht war errötet und sie fragte sich, warum sie sich plötzlich… angsterfüllt fühlte. James jedoch schien keine Reue zu spüren. Seine Wangen waren rot vor Wut und sein Atem schwer, aber als Lily versuchte zu sprechen, unterbrach er sie ohne zu Zögern.
„Schau nicht so verdammt ungläubig."
„James," begann sie jetzt weicher, „ich habe nicht…"
„Wirklich?" fragte er sarkastisch. „Du hast was nicht, genau?" Du hast es nicht gewusst? Natürlich hast du das! Agrippa, ich habe dich Ewigkeiten jede Woche auf ein Date eingeladen!"
„Das w-w-war vor einem J-Jahr!" schaffte Lily zu stammeln.
„Du wusstest es genau," spottete er. „Mädchen wissen das immer."
„James, ich schwöre es, ich hatte nicht vor…"
„Natürlich hattest du das!" Er sprach wieder laut. „Lily, du benutzt immer Leute! Du hast Harper benutzt um darüber wegzukommen, dass du Schniefelus verlierst! Du hast meine Einladungen als Möglichkeit benutzt, mich runterzumachen… um Snape etwas zu beweisen…"
„Schreib die Geschichte nicht neu, James," unterbrach Lily und die Hitze kehrte in ihre Stimme zurück. „Deine ‚Einladungen' waren aufmerksamkeitsheischende Stunts und ich habe sie abgelehnt, weil ich nicht auf dich gestanden habe!"
„Du hast mich abgelehnt, damit du Snape nicht verlierst! Und du hast ihn trotzdem verloren!"
Lily schüttelte ihren Kopf und starrte ungläubig auf den Zauberer vor ihr. „Du hast dich überhaupt nicht verändert, James Potter," murmelte sie schließlich. „Du bist wirklich so arrogant. Ist das wirklich was du denkst? Dass ich dich wegen Snape abgelehnt habe? James, ich habe dich wegen dir abgelehnt. Weil du ein Tyrann und ein Arsch warst. Und im letzten Jahr dachte ich, dass du dich tatsächlich veränderst…. erwachsen wirst, reifer, dich ein bisschen mehr wie ein menschliches Wesen verhält! Und jetzt bist du hier, widerlegst meine Theorie und ich - ich kann ehrlich nicht glauben, dass ich so dumm gewesen bin! Ich habe dich nicht manipuliert und der einzige Grund, warum du denkst, dass ich das getan habe, ist, weil das etwas ist, was du tun würdest."
„Bullshit."
„Oh, halt die Klappe."
Sie schob sich an ihm vorbei, schnell mit verschränkten Armen und wütendem Ausdruck gehend. Trotzdem war Wut nicht das einzige, was in ihr tobte und es war auch nicht die einzige Quelle der brennenden Tränen in ihren Augen, als sie auf die Treppe zu stürmte. Sie fühlte sich verraten.
James sah nicht zu, wie sie ging. Er stand für mehrere Sekunden still, wutentbrannt - wütend auf alles. Adrenalin pulsierte durch ihn und er musste etwas tun… er musste sich bewegen… rennen, gehen, etwas tun…. Als seine Faust die steinerne Wand des Korridors traf, hörte er Knochen krachen und Schmerz schoss durch seine Hand.
(Eine Woche später)
Es war der gleiche alte Streit und ehrlich gesagt, hatte Lily es satt. Sie kannte den Ablauf auswendig - sie wusste, wo Sev den Streit hinlenken würde, wie sie am Ende über nichts einig sein würden, während einer den anderen erinnerte, dass sie Freunde seien sollten.
Es war der gleiche alte Streit, aber es schien wie Ewigkeiten, dass sie ihn wirklich gehabt hatten, Sev und sie. So lange, waren ihre Konversationen so… unpersönlich gewesen, dass Streit (von irgendeiner Sorte) mehr als selten gewesen war. Seit seiner Entlassung aus der Krankenstation jedoch und im Lichte des Geflüsters über James und ihn, war seine Laune streitlustiger als sonst gewesen.
Die Gryffindor und der Slytherin gingen auf ihrem Weg zu Kräuterkunde am Freitagnachmittag über den Hof.
So weit war der Streit durch die üblichen Bereiche getanzt: warum war er immer so negativ über ihr Haus? Sev sollte ihr Freund sein, Mulciber und Avery waren Arschlöcher… sie näherten sich nun gefährlichen Pflaster, da Lily Mulcibers Angriff auf Mary ins Gespräch brachte… Dunkle Magie war immer das Thema, das Sev am unbehaglichsten fühlen ließ…
Es war der gleiche alte Streit und ehrlich gesagt, hatte Lily es satt.
„Es ist dunkle Magie und wenn du denkst, dass das lustig ist -" begann Lily zu sagen, ihre grünen Augen eng wie Schlitze, als sie über den Hof stürmte.
„Was ist mit dem Zeug, was Potter und seine Kumpel immer so treiben?" wollte Snape wissen, überwältigt von Abneigung, die, wie Lily schätzte, nur noch zur Erregung beitrug, die sie mit Anstrengung versuchte, bei Potters Namen zu unterdrücken.
„Was hat Potter mit allem zu tun?" fragte sie und verdrehte ihre Augen.
„Sie schleichen nachts raus. Da ist was Seltsames mit Lupin. Wohin geht er?"
Lily erinnerte sich an ihren Entschluss, über ihr Wissen von Lupins Zustand still zu bleiben und sie wusste (oder nahm an), dass Snape irgendeine Art von Versprechen zu Dumbledore gemacht hatte, dass er es niemanden sagen würde. Deshalb war die Tatsache, dass er ihr weiterhin unsubtile Hinweise machte, frustrierend.
„Er ist krank," beharrte sie. „Sie sagen, er ist krank-"
„Jeden Monat beim Vollmond?"
„Ich kenne deine Theorie. Warum bist du überhaupt so besessen von ihnen? Warum machst du dir Gedanken darüber, über das, was sie nachts tun?" Gewohnteres Territorium und Lily dachte, dass sie wusste, was jetzt kam… Sev antwortete diese Frage nie zu ihrer Zufriedenheit.
„Ich will dir bloß zeigen, dass sie nicht so wundervoll sind, wie jeder immer zu denken scheint," sagte er zu Lilys Überraschung.
Die Unterhaltung hatte eine ungewöhnliche Wende genommen und er starrte sie mit seinen schwarzen Augen an - seltsam starrend, wie… wie…
Sie brach den Augenkontakt ab. „Sie verwenden aber keine schwarze Magie. Und du bist wirklich undankbar." Weil sie einfach so… verärgert war… und weil Sev nicht wirklich glauben konnte, dass sie den Klatsch nicht gehört hatte: „Ich habe gehört, was in der einen Nacht passiert ist. Du bist diesen Tunnel bei der Peitschenden Weide hinuntergeschlichen und James Potter hat sich von… was auch immer da unten ist, gerettet…"
Er reagierte genau, wie sie es vorhergesagt hatte. „Gerettet? Gerettet?" Wütend. „Du denkst, dass er den Held gespielt hat? Er hat seine eigene Haut und die seiner Freunde gerettet! Du wirst nicht - ich werde dich nicht lassen…"
„Mich lassen?" rief Lily beinahe. „Mich lassen?"
Was war los mit Männern? Potter, der ihren Arm packt… Sev, der versucht ihre Freundschaften zu Kontrollören, während sie kein Mitspracherecht in seinen hatte…
„Ich hab es nicht so gemeint - ich will einfach nur nicht, dass du verarscht wirst…" Lily wollte ihn gerade informieren, dass so eine Sache außerhalb des Bereichs des Möglichen lag und dass sie mehr als in der Lage war, auf sich selbst aufzupassen, als er unerwarteterweise sagte: „Er steht auf dich! James Potter steht auf dich!"
Er hatte das nicht sagen wollen.
„Ich rede darüber, wie du keine Reue spürst, meine Gefühle für dich dafür zu verwenden, das zu bekommen, was du willst!"
LIlys Atem stockte und sie hob ihre Augenbrauen.
„Du hast Harper benutzt um darüber wegzukommen, dass du Schniefelus verlierst! Du hast meine Einladungen als Möglichkeit benutzt, mich runterzumachen… um Snape etwas zu beweisen…du hast mich abgelehnt, damit du Snape nicht verlierst! Und du hast ihn trotzdem verloren!"
„Ich weiß, dass James Potter ein arroganter Schleimbeutel ist. Das musst du mir nicht sagen."
Sie steuerte die Unterhaltung weg von James - zurück zur Vertrautheit, zu Mulciber und Avery und Gott, warum war er mit ihnen befreundet?
Snape beruhigte sich jedoch. Der Streit war vorbei und sie wusste nicht warum, aber er nahm ihre Kritik an seinen Slytherin Hauskameraden überraschend gut. Sie ließ das Thema fallen, als sie die Hügel runter zu den Gewächshauses gingen und die Diskussion endete, als sich ihre Wege im Klassenzimmer trennten.
Luke kehrte am Samstagmorgen nach Hogwarts zurück. Lily hätte es vielleicht für eine Weile nicht herausgefunden, wäre er nicht gerade dann angekommen, als sie auf ihrem Weg zum Frühstück vorbeilief. Er war auch nicht alleine, sondern begleitet von einer zierlichen, älteren Frau. Lily erkannte die Hexe sofort als Lukes Mutter. Sie war plump, aber hübsch (oder trug zumindest Spuren davon, einmal ziemlich hübsch gewesen zu sein) und kleidete sich geschmackvoll in himmelblauen Gewändern. Ihr Haar war lockig, kurz und blond und ihre Lippen waren in einem strahlenden Rot bemalt. Sie war elegant, modisch und - in diesem Moment - in offensichtlichem Schmerz. Mutter und Sohn waren in der Eingangshalle tief in ein Gespräch vertieft. Sein Koffer lag zu seinen Füßen und er trug einfache grüne Umhänge, anstatt seiner Hogwartsuniform.
Luke sah ihr in die Augen, als Lily die marmorne Treppe hinabstieg und sie wog für einen Moment ab, ob sie mit ihm sprechen sollte oder nicht. Schließlich gewann ihr Bedürfnis, sein Schicksal zu wissen und sie bat Mary und Marlene ohne sie weiterzugehen.
Mrs. Harpers braune Augen verengten sich auf Lily, als der Rotschopf sich näherte und sie wurde unbehaglich rot.
„Hallo, Mrs. Harper," grüßte sie sanft. „Luke." Luke nickte und Lily erkannte, dass er überhaupt nicht mit ihr sprechen wollte. „Ähm - ich wollte nur… bist du zurück? Endgültig?"
„Sie erheben keine Anklage," erwiderte Luke kühl. „Sie haben keine echten Beweise."
„Also bist du zurück?" fragte Lily erleichtert. „Das ist gut. Und du hast nur eine Woche verpasst, also sollte es nicht zu schwer sein, den Stoff aufzuholen."
„Ich bin nicht zurück," sagte Luke. „Ich bleibe nicht hier. Ich bin nur gekommen um den Rest von meinem Besitz abzuholen."
„Du bist nicht… du bist nicht rausgeworfen worden, oder?"
„Natürlich nicht," mischte sie Mrs. Harper ein. „Sie würden niemals meinen Sohn rauswerfen."
„Dann… verstehe ich nicht…"
„Ich gehe," sagte Luke. „Ich breche die Schule ab."
„Luke…" Sie warf Mrs. Harper auf der Suche nach Unterstützung einen Blick zu, aber die ältere Hexe sah apathisch aus. „Das kannst du nicht! Du hast deine Z.A.G.S in ein paar Wochen! Du musst über deine Zukunft nachdenken…"
„Und was ist mit der Zukunft meines Bruders?" fuhr der Ravenclaw sie an. „Was ist mit Logans Zukunft? Lathe hat ihn ermordet, Lily und ihm wurde erlaubt, hier zu bleiben… durch die Hallen zu laufen, in einem Büro zu sitzen… wenn solche wie Lathe der Schutz von Hogwarts sind, dann will ich nicht hier sein."
„Aber Lathe ist weg!"
Luke schnaubte bitter. „Du weißt, dass ich nicht hier bleiben kann, Lily. Nicht einen weiteren Tag."
„Luke…"
„Lily, ich bitte dich, meinen Sohn nicht weiter aufzuregen," fuhr Mrs. Harper abfällig dazwischen. „Ich glaube, er hat es sehr klar gemacht, dass er kein Interesse mehr an dir hat. Du musst ihn wirklich loslassen. Er gehört jetzt zu seiner Familie."
Luke widersprach dem offensichtlichen Missverständnis seiner Mutter bezüglich ihrer Beziehung nicht und Lily starrte erstaunt zwischen den beiden hin und her. Da waren ein dutzend Sachen, die sie gerne Mrs. Harper zu rufen würde, aber alles, was sie sagte, bevor sie sich umdrehte und in die Große Halle ging, war: „Sie lassen Ihren Sohn sich seine Zukunft ruinierten, Mrs. Harper. Ich hoffe, Sie sind stolz auf sich."
Da Marlene die meiste ihrer Zeit in einem Ausweichmodus in dem Mädchenschlafsaal verbrachte, fand sich Lily im vergeblichen Versuch wieder, ihren großen Stapel von Hausaufgaben am Samstagabend in der Bibliothek zu erledigen, begleitet nur von Mary.
Jedoch schwamm in Lilys Kopf Luke und Snape und Potter und sie konnte sich auf nichts konzentrieren, viel weniger noch Hausaufgaben. Sie bemerkte, wie ihre Aufmerksamkeit wanderte.
„Ich bin überrascht, dass du überhaupt hier hinkommen wolltest," bemerkte die Vertrauensschülerin beiläufig zu ihrer Freundin, und drehte den Stift zwischen ihren Fingern.
„Was meinst du?" fragte Mary.
„Du hasst die Bibliothek," erinnerte Lily sie.
„Oh. Richtig. Tja… Menschen verändern sich, richtig?"
„Also - magst du die Bibliothek jetzt?"
„Liebe sie."
Lily hob ihre Augenbrauen. „Lügnerin. Was ist los?"
„Nichts."
„Mary."
„Was? Nichts ist los. Mir geht es gut!"
„Mary."
„Mir geht es gut, Lily."
„Mary."
Mary blickte finster. „Na gut." Sie sah bitter aus und lehnte sich näher um Lauscher zu vermeiden. „Ich will wirklich - ich will nicht alleine sein."
„Was meinst du?" fragte Lily verwirrt.
Die Brünette schien von ihrer Beichte peinlich verlegen. „Seit Mulciber mich angegriffen hat, will ich nicht alleine sein."
„Oh, Mary." Lily legte ihre Hand auf die Schulter ihrer Freundin. „Es tut mir leid, natürlich, wie dumm von mir!"
„Nein, nein… ich habe nicht direkt darüber geredet. Es ist einfacher, sich einfach so zu verhalten, als wenn nichts passiert wäre… der Klatsch hat sich schon gelegt. Ich hasse einfach - ich hasse mich zu fühlen, als ob ich jeden Moment…"
„Mary, dir wird nichts passieren," versprach Lily. „Das werde ich nicht zulassen und Marlene wird das nicht und wenn irgendjemand jemals versucht, dir einen Zauberstab entgegenzurichten, verspreche ich, bin ich die erste, die sie zum Quidditchfeld verhext."
Mary lächelte schwach. „Ich mag es nicht, Angst zu haben," sagte sie. „Aber das habe ich. Ich gehöre nicht in Gryffindor, oder?"
Lily schüttelte sofort ihren Kopf. „Mary, von dem Moment an, in dem ich dich getroffen habe, war ich neidisch darauf, wie mutig du bist. Du kannst dich mit jedem anfreunden… dir macht es nichts aus, mit irgendjemanden zu reden - du kannst einfach zu einem kompletten Fremden hingehen und ein Gespräch anfangen. So sind wir Freunde geworden, oder?"
„Das ist nicht mutig sein…"
„Du bist immer bereit, neue Dinge auszuprobieren, du sagst, was du denkst, dir ist es egal, was andere Leute von dir denken. Du bist mutig und stark und Mulciber kann dir das nicht wegnehmen. Du kannst ihn nicht lassen."
Mary blieb für eine Weile still. Als sie wieder sprach, war es leise und besorgt: „Lily, als Mulciber den Imperius auf mich ausgeübt hat, konnte ich - ich habe eine Stimme gehört, die mir gesagt hat, was ich tun soll und ich konnte nicht… ich meine, ich musste dem gehorchen. Sie hat mich gesteuert, aber ich hatte keine Wahl." Lily lehnte sich näher, da sie den Punkt erwartete, den die andere Hexe versuchte zu machen. „Aber ich habe auch eine andere Stimme gehört. Nein, das stimmt nicht. Ich - ich habe etwas anderes gefühlt. Ich habe Mulcibers Gedanken gehört, seine Befehle an mich, aber ich habe gefühlt… ich denke, ich habe gefühlt, was er fühlte."
„Und - was war das?"
Die Brünette schüttelte ihren Kopf. „Ich weiß es nicht - aber… es hat mir Angst gemacht."
„Mary…"
„Lily, ich denke, dass Mulciber ein Todesser ist." Sie sah Lily direkt in die Augen, ihre Stimme und Ausdruck härter, als Letztere je gesehen hatte.
„Er ist bloß ein Sechstklässler in Hogwarts," bemerkte Lily. „Was würde Du-weißt-schon-wer von ihm wollen?"
„Ich weiß es nicht, aber ich denke, er ist es. Ich denke, er ist ein Todesser."
Mary kehrte mit Frank und Alice eine Stunde später zum Gemeinschaftsraum zurück, aber Lily blieb in der Bibliothek, nicht, weil sie besonders an ihren Hausaufgaben interessiert war, sondern, weil sie eine andere Aufgabe zu erledigen hatte. Aus ihrer Büchertasche zog sie das Notizbuch, dass Severus ihr zu Weihnachten geschenkt hatte und auf der ersten freien Seite, kritzelte sie eine Notiz.
„Hi," begann Lily verlegen.
Snape schien ein wenig verwirrt von ihrer momentanen Umgebung - der verlassene Klassenraum im zweiten Stock - und wartete erwartungsvoll auf eine Erklärung, warum Lily um seine Anwesenheit hier gebeten hatte.
„Ist was los?" fragte er.
„Nein." antwortete sie. „Ich wollte aber mit dir alleine reden."
„O-okay."
„Es geht um Mulciber." Snapes Sorge verschwand wie Rauch und er sah nun ein wenig müde aus. Eine Diskussion vorhersehend, beeilte sich Lily: „Ich will mich nicht streiten, Sev. Ich will nur etwas fragen." Er hob seine Augenbrauen. „Ist - denkst du, dass Mulciber in etwas… gefährliches involviert ist?"
„Lily…"
„Er hat einen Unverzeihlichen Fluch verwendet, Sev. Das muss ein Zeichen von etwas sein, richtig! Es scheint,als ob er… vielleicht ist er ein Todesser."
Snape schnaubte. „Lily, was würde… was würde er mit einem Sechstklässler in Hogwarts wollen? Und Mulciber ist nicht einmal Vertrauensschüler."
„Ich mache keine Witze."
„Das tue ich auch nicht. Du übertreibst mit dieser Mary Macdonald Sache."
„Ich übertreibe nicht! Es war Dunkle Magie, die er verwendet hat!"
„Es war der Imperius - so schlimm ist der gar nicht!"
„Was ist mit Marlene? Jemand hat sie mit etwas viel schlimmeren attackiert als mit dem Imperius!"
Severus wurde ein wenig rot. „Nick Mulciber ist kein Todesser," sagte er fest. „Wirklich, Lily. Vertrau mir."
Lilys grüne Augen trafen Severus schwarze und sie erkannte etwas - etwas Angsteinflößendes, dass sie schon zuvor erkannt hatte, aber für eine lange Zeit unterdrückt hatte. Sie vertraute ihm nicht.
(Verletzt)
Donna erschien samstags ein paar Minuten nach neun in dem leeren Klassensaal bei der Eingangshalle und wie vermutet, wartete Charlie schon. Er hatte auch dieses Treffen arrangiert - genau wie die letzten drei und es schien Donna seltsam, weil sie normalerweise diejenige war, die verantwortlich dafür war, „Termine" zu machen. Nicht, dass sie die verringerte Verantwortung nicht mochte.
Doch, als sie den Klassensaal betrat, hätte sie spüren müssen, dass etwas los war. Charlie trug nicht sein typisches Grinsen; er räkelte sich nicht auf einem Stuhl, er machte keine spöttische Bemerkung bei ihrer Ankunft. Eigentlich sah er irgendwie unwohl aus. Er lehnte sich unsicher gegen den verlassenen Lehrertisch und zuckte bei dem Geräusch der sich öffnenden Tür zusammen.
Donna hob ihre Augenbrauen. „Ist was los?" fragte sie amüsiert.
Etwas der natürlichen Farbe kehrte in Charlie Gesicht zurück. Er lächelte ein bisschen und schüttelte seinen Kopf. „Nein. Alles ist gut."
„Gut."
Sie verschloss die Tür mit ihrem Zauberstab und ging dann auf Charlie zu. Sie lehnte sich nah, fuhr mit ihren Lippen über seine und spielte nur zum Spaß die Verführerin. Sein Atem veränderte sich und sie lächelte, einen Finger von seinem Ohr zu seinem Schlüsselbein streichend, während der andere Formen auf ihrem Bein zeichnete. Dann küsste sie ihn, langsam und grob, seine Unterlippe beißend, als er ihre Taille packte und sie näher zog.
Er nahm sich nicht ihres Hemds an, wie sie es erwartete hatte, aber seine Hände fanden sich stattdessen in ihren Haaren wieder. Seine Lippen bewegten sich zu ihrem Hals und Donna schloss ihre Augen. „Vorspiel? Wirklich, Plex?" witzelte sie und begann seinen Kragen zu öffnen. Charlie kehrte mit seinen Lippen zu ihren zurück und es dauerte fast eine Minute, bis er sich zurückzog, vermutlich um Luft zu schnappen. Er grinste.
„Ich wusste, du magst das letzte Stück," bemerkte Donna selbstsicher.
Charlie war für ein paar Sekunden still. Dann - „Ich mache mit Cassidy Schluss."
Donna starrte ihn an. „Okay. Glückwunsch. Ist das alles oder war da etwas, das mir tatsächlich nicht egal sein könnte?"
Der Ravenclaw verdrehte seine Augen. „Ich mache mit Cassidy Schluss," wiederholte er. „Ich will mit dir sein."
…
Scheiße.
„Wie zur Hölle meinst du das, du willst mit mir sein?" wollte Donna wissen, so viel Entfernung zwischen sich und Charlie bringend, wie möglich war. „Das ist nicht lustig, Charlie Plex!"
„Es ist kein Witz," beharrte Charlie, sich aufrichtend. „Hör zu, Donna, ich mag dich. Du bist witzig, du bist schön - du bist ein fantastische Küsser. Und du bist irgendwie eine Bitch, was mich seltsam anmacht. Ich mag dich. Ich will mit dir zusammen sein. In… einer normaleren Art."
Er schloss die Entfernung zwischen ihnen und versuchte sie zu küssen, aber Donna stoppte ihn. Sie klatschte ihm eine.
„Bist du verdammt noch mal verrückt?" fragte sie und schritt zurück. „Um Agrippas Willen, bist du wahnsinnig geworden?"
„Nein," betonte Charlie. „Ehrlich, Shacklebolt, ich mag dich und ich glaube, du magst mich auch."
Und in diesem Moment hatte Donna zwei Erkenntnisse. Die erste war eine seltsame Art von Erkenntnis - die Art, wo man plötzlich etwas anerkennt, was man glaubte, dass man es schon wusste. Donna mochte Charlie nicht. Sie fühlte aufrichtig nichts Romantisches ihm gegenüber.
Die zweite Erkenntnis war etwas unerwarteter: sie hasste Charlie nicht. Sie wollte ihm nichts Böses. Sie sorgte sich vielleicht sogar ein wenig um ihn.
„Charlie…" begann sie uneben. „Ich kann mit niemanden normal zusammen sein. Das bin ich nicht."
„Na gut," Charlie zuckte mit den Achseln, aufrichtig unbekümmert. „Es muss sich nichts ändern. Wir können einfach so weiter machen. Glaub mir, das ist okay für mich. Wir können…" Er redete weiter, aber Donna passte nicht gut auf. Sie war zu sehr damit beschäftig, zu Sinnen zu kommen.
Sie hatte, in verschiedenen Zeiten ihrer „Beziehung" die Möglichkeit betrachtet, dass sie vielleicht schlimm endet. Sie hatte die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass ihr Herz vielleicht gebrochen wird… dass Cassidy am Boden zerstört werden würde, wenn sie es je herausfinden würde… aber nie war es Donna in den Sinne gekommen, dass - abgesehen von der potentiellen physischen Gewalt von seiner verratenen Freundin - Charlie vielleicht verletzt werden würde.
Außer, dass er das würde. Und sie, Donna, würde ihn verletzen. Denn am Ende, würde immer jemand verletzt werden.
„…nichts muss sich ändern," sagte Charlie. „Aber ich wollte einfach nur, dass du weißt, dass ich…"
„Charlie, hör auf." unterbrach Donna, tief atmend. „Bitte hör auf."
„Was ist los?"
Jetzt war ihre letzte Chance. Hier war ihre Möglichkeit, den einfachsten Weg zu nehmen - Charlie für sie schwärmen lassen, während sie es nicht erwiderte. Jetzt war die Zeit gekommen, dieses überraschende einfache Ende für ein schmutziges Geschäft auszunutzen. Lass ihn mit Cassidy Schluss machen, lass ihn die Dinge einfach für sie machen, vermeid die Konfrontation, geh in eine Beziehung, die nichts riskierte (jedenfalls für sie), dass wäre sogar nett genug, dass Lily zufrieden wäre. Jetzt war es an der Zeit.
„Ich will dich nicht," sagte sie und ihre Stimme brach ein wenig. „Ich habe keine Gefühle für dich. Das war - das war bloß ein Fehler." Der Enthusiasmus war noch nicht ganz aus Charlie Gesicht verschwunden, er starrte sie an, anscheinend diese Antwort nicht erwartend. „Ich weiß, dass das sich jetzt nicht nach mir anhört, aber ich - ich will dich wirklich nicht verletzen, Charlie. Ich habe - ich habe einfach keine Gefühle für dich."
Charlie blieb für eine Weile still, als er seine Gedanken ordnete. Donna war sich nicht sicher, ob sie bleiben sollte oder wegrennen sollte und dann sprach er: „Also, die ganze Zeit - du warst wirklich… du warst wirklich genauso so eine Bitch, wie du immer schienst zu sein. Dir war es egal, dass du meine Beziehung gefährdest - meinen Kopf verdrehst… und du mochtest mich nicht einmal?"
„Charlie…"
„Gott, du bist eine herzlose Schlampe."
Und damit ging Charlie, die Tür hinter sich zu knallend.
(Wie es mit Sirius läuft)
Lily kehrte nach Ausgangssperre in den Gemeinschaftsraum zurück. Abgesehen von dem sterbenden Feuer, war der Raum ziemlich dunkel, als sie ankam, vermutlich andeutend, dass er leer war. Jedoch, als sie hinein schritt und die Fackeln am Rand des Raumes sich anzündeten, bemerkte Lily, dass sie tatsächlich nicht alleine war. Sirius Black lag auf einer der Sofas mit einem Kissen aus den Schlafsäalen unter seinem Kopf und einer dünnen Decke über ihm ausgebreitet. Er trug seinen Schlafanzug und obwohl er sehr ruhig lag, war er noch wach.
„Du schläfst hier unten?" fragte Lily und näherte sich dem Sofa.
Sirius sah sie überrascht an. Er musste sehr in seine Gedanken vertieft gewesen sein, da nicht einmal bemerkt hatte, dass die Lichter angingen. „Schlafen?" wiederholte er, sich ein wenig aufrichtend und verlegen aussehend. „Nur in einer sehr weiten Interpretation des Wortes. Ich… liege hier und mache so, wenn jemand vorbeikommen sollte."
Lily schob die Decke weg und setzte sich neben ihren Klassenkameraden, in der Nähe seiner Füße. „Ist es so schlimm im Schlafsaal? Willst du nicht einmal dort schlafen?"
„Oh, nein," antwortete Sirius und setzte sich ganz auf. „Was ich wollte, hatte damit nichts zu tun. Ich wurde rausgewählt."
„Rausgewählt?"
„Nicht offiziell, natürlich. Aber so ist James eben… er kann so geheimnisvoll sein, wie er will oder er kann dir nur mit einem Blick mitteilen, was er denkt. Und es war letzten Freitag ziemlich offensichtlich, dass ich in diesem Schlafsaal nicht willkommen war."
Lily nickte, verstehend mit ihrer schmerzhaften Erinnerung an ihr eigenes letztes Zusammentreffen mit dem betroffenen Zauberer. „Du… du kannst es ihnen nicht wirklich vorhalten, oder?"
„Gott, nein." Sirius sah ihr zum ersten Mal in die Augen. „Nein, niemals, ich… also, denk nicht, dass ich mich darüber beschwere. Es… wegen mir wäre James vielleicht gestorben, Remus beinahe rausgeworfen, verhaftet und verletzt worden… natürlich bin ich nicht…" Er brach ab. „Hör zu, Lily, du - du bist eine Haltestelle auf der Sirius Black Entschuldigungstour, also schätze ich, dass ich es einfach jetzt abhaken sollte. Es - es tut mir so, so verdammt leid."
„Ich weiß das," antwortete Lily leise. „Ich weiß, dass du all das nicht gemeint hast."
„Du - du weißt, dass ich all das nicht gemeint hab, ja? Wie zur Hölle weißt du das? Ich weiß das nicht mal." Er machte einen halbherzigen Versuch eines Lachens.
„Tja," begann Lily langsam. „Du willst nicht, dass Remus ins Gefängnis muss. Du willst nicht, dass James verletzt wird und du willst sicherlich nicht, auf diesem Sofa schlafen - oder so machen, als ob du schläfst, oder?"
„Aber der andere Teil… bist du dir sicher, dass ich das nicht gemeint hab, ja?"
Lily nahm sich bei dieser Antwort etwas mehr Zeit. „Du willst kein Mörder sein," sagte sie schließlich. „Und wenn du diesen albernen Kopf von dir für eine Minute verwendet hättest, denke ich, hättest du erkannt, dass du tief unten Severus auch nicht tot wolltest… nicht durch dich, jedenfalls."
Sirius lehnte sich gegen den Sofarücken zurück, bitter grinsend, er schien nicht zu wissen, wie er direkt die Stirn runzelnd sollte. „Du bist ein Optimist. Ich weiß nicht, was ich gewollt hätte, wenn ich mir die Zeit genommen hätte um nachzudenken, aber es scheint mir, dass die Tatsache, dass ich es getan habe - ihn versucht habe, zu ermorden, ohne einen zweiten Gedanken… zeigt, was ich wollte."
„Alles, was das zeigt," widersprach Lily, „ist, dass du egal wie nicht nachgedacht hast."
„Ich weiß nicht." Er griff über den Beistelltisch, wo ein Pack Zigaretten lagen. „Stört es dich?" fragte sie und sie schüttelte ihren Kopf. „Ich bin einfach - ich bin durch den Flur gegangen… mein Onkel ist gerade - nicht, dass es eine Entschuldigung ist, ich bin einfach… ich habe Snape in Hogsmead mit Regulus gesehen und ich wusste, dass er etwas vorhatte. Und er war einfach - so eine kleine Schlampe… sorry… aber… Schnief- Snape war hinter Moony hergegeben - hinter Remus her, seit Jahren und… es war wie - wie jeder andere Streich für mich, weißt du? Wie, jedes Mal, wenn wir was gemacht haben, würden wir Sachen tun, die… die passen. Wie Bertram Aubrey Kopf aufblasen, weil er so ein arroganter Trottel ist. Oder Melinda Kettlegroves Ohren gigantisch machen, weil sie überall am lauschen ist. Und Snape… er wollte immer zu Moony und es kam mir einfach. Ich würde ihm genau das geben, was er immer wollte. Ich würde ihm sagen, wie er zu Remus kommt und -" mit mehr Ironie, „es würde perfekt sein."
Da war eine lange Stille, er zündete die Zigarette an. „Ich vergebe dir," sagte Lily nach einer Zeit. „Du hast gesagt, dass es dir leid tut und ich vergebe dir."
„Dass du beinahe gestorben wärst?"
„Ja."
„Und dass ich beinahe deinen Freund getötet hätte?"
„Ja."
„Und dass ich beinahe einen anderen deiner Freunde ins Gefängnis gebracht hätte?"
„Ja."
Sirius begann zu lachen, ein wenig aufrichtiger. „Das ist ziemlich viel, was du vergibst. Du denkst wirklich, dass jeder eine zweite Chance verdient, oder?"
„Nein," Lily schüttelte ihren Kopf. „Aber warum sollte ich sagen dürfen, wer eine verdient und wer nicht?"
Sirius atmete den Zigarettenrauch aus, mit einem ungläubigen, aber amüsierten Ausdruck auf seinem Gesicht. „Du bist fantastisch, weißt du das? Ich denke, du bist gerade die einzige Person auf der Welt, die mich in diesem Moment nicht verabscheut."
„Sie haben gute Gründe," stimmte Lily seufzend zu. „Aber du wirst irgendwann wieder in einem echten Bett schlafen. Sie werden dir irgendwann verzeihen."
Nach einem langen Zug: „Was macht dich so sicher?"
„Sie sind deine Freunde," sagte sie, als ob es offensichtlich wäre. „Du bist ihnen nicht egal, sie wollen dir vergeben und wenn es sich in Ordnung anfühlt, werden sie es."
„Verdammt optimistisch," murmelte Sirius gedämpft. Dann fuhr er im normalen Ton fort: „Ich bin mir nicht so sicher. Es ist ziemlich viel zu verzeihen und… ich habe ein paar Dinge zu James in dieser Nacht gesagt… Dinge, die schwer zu vergessen sind. Außerdem denkt er…" Sirius hielt inne, und beschäftigte sich stattdessen mit seiner Zigarette.
„Was denkt er?" wollte Lily wissen.
Der Rumtreiber wandte seine Augen ab, in die glühenden Kohlen der Feuerstelle starrend. „Er sieht es nicht so wie du, Evans. Er ist da mehr in meinem Lager. Er denkt, dass…"
„Sirius?"
Aber er antwortete die Frage nicht direkt, stattdessen begann er ein neues, scheinbar nicht verwandtes Thema: „Weißt du, dass es bloßer Zufall ist, dass ich hier gerade sitze?" Ich meine, wenn ich an diesem ersten Schultag ein anderes Abteil gewählt hätte… vor sechs Jahren, wenn ich da nur fünf Schritte mehr gemacht hätte und in das nächste Abteil gegangen wäre, wäre ich jetzt nicht hier. Ich wäre nicht im Zug James' Freund geworden, ich wäre wahrscheinlich Slytherin zugewiesen worden und - und alles wäre anderes gewesen."
„Ich bezweifle, dass du nach Slytherin gekommen wärst," bestritt Lily nachdenklich. „Du scheinst mir nicht wie der ehrgeizige Typ."
„Das wäre egal gewesen… meine ganze Familie war in Slytherin gewesen. Selbst Cousine Andromeda und… und Professor Black und sie waren nicht gerade gute und ehrenwerte Mitglieder des Noblen Haus Black gewesen. Sie waren alle in Slytherin, denn von dem Moment an, in dem uns klar ist, dass etwas wie Hogwarts existiert, wird uns gesagt, dass wenn wir da hingehen, wir in Slytherin sein werden. Genau wie James gesagt wurde, dass das Slytherinhaus für Mörder und Verräter ist, wurde mir gesagt, dass es das Haus ist, in das die Blacks kommen. Und das war's. Es… es ist wie eine Religion. Aber als James anfing, über Gryffindor zu reden -" Sirius schien nur halb bewusst, dass er gerade mit Lily redete, „- ließ er es wie… den verdammten Himmel anhören. Meine Mum, sie hat es immer so scheinen lassen, als ob ich um ein Black zu sein, in Slytherin sein musste, aber James ließ Gryffindor so… anhören, als ob man da menschlich war und am Leben und… mal Spaß hatte. Und wenn er das nicht gemacht hätte… wenn ich fünf Schritte mehr gemacht hätte und zur nächsten Tür gegangen wäre, was ich genauso gut hätte machen können, wäre ich nie hier gewesen…. mir war Politik und Blut und Familie damals egal. Ich wollte einfach… Spaß haben. Und wenn ich nicht in das Abteil gegangen wäre, wo James war, hätte ich den Sprechenden Hut aufgesetzt und gebeten, nach Slytherin statt nach Gryffindor zu kommen und ich wäre - ich wäre genau wie sie, Muggelstämmige am Foltern und dich ‚Schlammblut' nennend und mich besser fühlend, weil ich…" mit mehr Bitterkeit, „verdammt nochmal Sirius Black bin." Er aschte die Zigarette abwesend ab. „Stellt sich heraus, nicht einmal James' Enthusiasmus kann das Schicksal abwenden. Ich trage vielleicht die gold-rote Krawatte, aber ich bin genau wie sie."
„Das bist du nicht," sagte Lily überzeugt. Sie dachte an Mulciber und wiederholte: „Du bist nicht wie sie."
„Was ist los?" (Das gleiche bittere Grinsen, als er seine grau blauen Augen ihr zu wendete.) „Glaubst du nicht an Schicksal? Glaubst du nicht, dass es möglich ist, dass mein Schicksal ist, in Slytherin zu sein, egal, welche Farbe meine Krawatte hat?"
„Nein, das glaube ich nicht," sagte Lily fest. „Jedenfalls den zweiten Teil. Ich denke, dass - dass die einzigen Dinge, die wir bestimmt sind zu tun, gut sind und wir wählen, ob wir das tun wollen oder nicht. Und du… du hast die halbe Wahl gemacht. Du hast dich entschieden, Muggel nicht zu hassen und die zu verteidigen, die sich nicht verteidigen können. Aber du hast dich auch entschieden…"
„Snape zu ermorden."
„Du hast Fehler gemacht. Jeder macht Fehler, aber… aber du bist verdammt noch mal Sirius Black, also sind deine Fehler nur… auf einer größeren Skala."
„So verdammt optimistisch," murmelte Sirius wieder. „Lily, ich hatte jede Möglichkeit in der Welt eine so genannte ‚gute Person' zu sein. Ich bin in Gryffindor. Ich habe - ich hatte loyale Freunde. Ich hatte meinen Onkel und meine Cousine. Ich hatte die Potters. Ich bin schlau und talentiert und gut aussehend…"
„Und bescheiden."
„Was ich sagen will," fuhr Sirius fort, „ist, dass ich jede Möglichkeit hatte, um normal zu werden und du kannst es nicht darauf abwälzen, dass ich ein dummer Teenager bin, weil James - James ist in der selben Situation wie ich und er war derjenige, der Snape gerettet hat. Du musst zugeben, dass da etwas ist, was bei mir grundlegend falsch ist."
Er beendete die Zigarette und warf sie ins Feuer. Lily war für eine lange Zeit still.
„Ich habe gute und schlechte Neuigkeiten," fuhr sie schließlich for. „Die guten Neuigkeiten sind, dass es nichts grundlegendes Falsches bei dir gibt. Du hast es einfach schwieriger, gut zu sein. Und das haben viele Leute, also sind das die schlechten Nachrichten. Nur weil deine Familie… verkorkst ist, heißt das nicht, dass du eine Ausrede hast, aufzugeben und zu tun, was zur Hölle du willst. Du hast eine Verantwortung, das richtige zu tun, selbst, wenn du es nicht willst und selbst, wenn es schwierig ist. Das ist alles. Du hast eine Wahl - du hast immer eine Wahl."
„Also," sagte Sirius. „habe ich gewählt, Snape zu töten."
„Vielleicht," sagte Lily ehrlich. „Du hast sicherlich gewählt, einen dummen Streich zu spielen. Aber Potter war da, um aufzuräumen. Keiner ist gestorben. Du bist nicht von der Schule geflogen. Remus ist nicht von der Schule geflogen oder eingesperrt worden. Dumbledore hat nicht von… von der Animagus Sache erfahren. Du hast eine weitere Chance, Sirius."
„Nicht, wenn sie mir nicht vergeben," erinnerte der Rumtreiber sie. „Nicht, wenn Lupin und James und selbst Peter mir nicht vergeben und vergessen können, wie du das kannst, Evans, was höchst unwahrscheinlich ist."
„Ich sage nicht, dass es nicht dauern wird, Sirius, aber… sie werden dir vergeben. Ihr seid… ihr seid die verdammten Rumtreiber! Ihr seid beinahe Mädchen, so nah, wie ihr vier seid."
Sirius lächelte, ein wenig aufrichtiger. „So verdammt optimistisch."
„Realistisch," korrigierte Lily streng. Sie wollte gerade Gute Nacht sagen, als sie einen Brief bemerkte, an Sirius adressiert, der vor ihnen auf dem Tisch lag. „Was ist das?"
Sirius zuckte mit den Achseln. „Keine Ahnung. Er ist vom Ministerium. Ich hab ihn heute Morgen bekommen, aber ich habe Angst ihn zu öffnen."
Lily schüttelte ihren Kopf und stand vom Sofa auf. „Versuch zu schlafen."
„Ich werde es versuchen."
„Gut."
Sie lächelte müde und verschwand dann hoch zu den Mädchenschlafsälen. Sirius saß alleine, lange ins Feuer starrend. Schließlich griff er nach vorne und nahm den Pergament-Umschlag mit seinem Ministeriumssiegel. Ihn aufreißend, las er die erste der beiden Seiten.
Sehr geehrter Mr. Black,
aufgrund ihres momentanen Aufenthaltes in der Hogwarts Schule für Zauberei und Magie, waren Sie nicht in der Lage, dem Lesen des Testaments von Alphard Black beizuwohnen, welches am Freitag, den 21. Mai stattfand. Als Vollstrecker des Testamentes, entschuldige ich mich für die Verspätung der Lesung, aber es gab einige Verwirrung über den Ort des Testamentes. Jedenfalls ist es meine Pflicht, Ihnen als Erbe von Mr. Black folgende Informationen zu übermitteln. Beigelegt ist eine Kopie des Teil des Testaments, der Sie direkt betrifft. Alle erwähnten Güter werden nicht später als Freitag, den 28. Mai zu den Gringotts-Verließen übertragen werden, die Ihr Onkel aufgelistet hat.
Mein herzliches Beileid aufgrund des Hinscheidens Ihres Onkels und senden Sie mir bitte eine Eule, sollten Sie noch Fragen bezüglich der letzten Bitten von Alphard haben.
Mit freundlichen Grüßen,
Edmond Prewett
Abteilung für Magische Strafverfolgung
Unterabteilung des Rechts
Komitee für Magische Währung
Die zweite Seite hatte das Zeichen eines Duplikationszauber in der Ecke, war auf Ende März datiert und war in Alphards Handschrift geschrieben.
Meinem Neffen, Sirius Orion Black, hinterlasse ich den Großteil meiner monetären Mittel zur Menge von vierhundertfünfundsiebzigtausend Galleonen, um bei meinem Tod ausgezahlt zu werden. Mit Liebe und besten Wünschen an meinen mutigen und würdigen Neffen.
Selbst, wenn er nicht ohne Zweifel gewusst hätte, dass Sirius' Bett leer war, dachte James, dass er es hätte sagen können. Er lag in seinem eigenen Bett, lustlos nach oben starrend und reflektierend, dass sechs Jahre im selben Schlafsaal ihm eine seltsame Vertrautheit mit den typischen nächtlichen Geräuschen gegeben hätte. Wenn er sich konzentrierte, konnte James isolieren, welcher seiner Zimmernachbarn schnarchte, welcher zu laut atmete, welche sein Bett beim Rollen auf die Seite quietschen ließ und welche übliche Addition zu der nächtlichen Symphonie fehlte. Es hörte sich - es fühlte sich - anders an. James hatte zu viele schlaflose Nächte in diesem Schlafsaal verbracht um es nicht zu bemerken.
Die Uhr auf seinem Nachttisch gab an, dass es sechs Minuten nach drei Uhr war, er hatte bereits Lesen, Knieselzählen, seine Kräuterkundehausaufgaben und Erinnern an seine Geschichte der Zauberei-ZAG Prüfung versucht und doch konnte James einfach nicht schlafen. Alles, was er wollte, war in Bewusstlosigkeit zu gleiten, wie seine Bettnachbarn es getan hatten (selbst Remus schaffte es zu schlafen, verdammt noch mal) und doch begann sein Bett sich unbequem anzufühlen und er dachte, dass sein Hals hinten unglaublich juckte.
Wenn er es bloß schaffen könnte, dass sein Kopf die Klappe hielt, dann würde vielleicht der Rest seines Körpers ebenfalls abschalten. Aber er konnte nicht aufhören zu denken und er konnte nicht aufhören, sich schrecklich zu fühlen.
Sirius. Ja, Sirius war da (in seinem Kopf) natürlich. Sirius, der sie verriet, der es Snape sagte, der aus dem Quidditchteam raus war, der aus den Rumtreibern raus war…
„Er wird da runter gehen, durch die Weide kommen, Moony sehen und - kannst du dir das vorstellen?"
Diese Nacht wieder zu durchleben war schlimm genug, aber das Schlimmste waren unvermeidliche Gedanken an, was gewesen sein könnte… wenn er zu spät gewesen wäre… wenn Remus Snape gebissen hätte oder wenn er ihn getötet hätte…
In der letzten Woche hatte James viele Dinge angezweifelt - seine Freundschaften… die Rumtreiber… jeder Streich, den er je gespielt hatte… alles, was er mit Sirius in den letzten sechs Jahren getan hatte… aber er hatte nicht, nicht einmal, die Klarheit bezweifelt, zu der er direkt nach dieser Nacht gekommen war. Nicht einmal hatte er die Tatsache bezweifelt, dass Sirius raus war - raus sein musste. Aus den Rumtreibern, aus seiner Familie…
Also warum konnte er dann nicht schlafen?
„Mach nicht so, als ob du dich auch nur ein bisschen um Snape sorgen würde, wenn sie nicht gewesen wäre…"
James wusste, dass das nicht stimmte. Aber er wusste auch, dass er ein unerklärliches Bedürfnis fühlte zu beweisen, dass es nicht stimmte. Und er war so wütend auf alles und jeden. Er brauchte ein anderes Ziel und Merlin hilf ihm, er hatte alles (oder fast alles) so gemeint, was er zu Lily gesagt hatte. Alles über Snape jedenfalls.
Trotzdem hätte er es nicht sagen sollen und es bereuend, als er da so lag, drehte sich James auf seine Seite und schloss seine Augen, und versuchte die Erinnerung zu löschen.
Lily hasste ihn jetzt. Sie hasst ihn wirklich, wahrhaftig, wahrscheinlich mehr als immer. Sie dachte, er hätte sich verändert (das hatte er wirklich nicht), sie dachte, dass vielleicht… aber es war egal, oder? Sirius war raus, er war nicht länger eine Schlüsselfigur in James' Leben. Ohne Hoffnung auf Erlösung würde Sirius in der Peripherie von James' Bewusstsein schweben, schließlich seine Bemühungen, verziehen zu werden, aufgebend und dann ganz verschwindend. Das (der Gedanke) war unschön… schmerzhaft schon. Genauso schmerzhaft war der Gedanke, dass er, James, dasselbe getan hatte. In Bezug auf Lily, wusste James, dass er, genau wie Sirius in den Rumtreibern, raus war.
Lily hasste James nicht.
Um sechs Minuten nach drei Uhr morgens, erkannte Lily diese Tatsache. Sie hasste ihn nicht. Einfach nicht.
Sie war immer noch ziemlich wütend, natürlich und sie konnte nicht an das Ereignis denken ohne zusammenzuzucken, aber sie hasste ihn nicht.
Und zur selben Zeit erkannte sie zwei unvereinbare Wahrheiten.
Erstens würde sie nie mit James Potter befreundet sein.
Es war unmöglich. Im letzten Jahr hatte sie gedacht, dass sie vielleicht irgendwie befreundet sein konnten, auf eine Weise. Sie hatte gedacht, dass James jemand wäre, dessen Freundschaft sie auf jeden Fall nicht abwehren würde. Aber das war zuvor - jetzt hatten sie sich gestritten und er hatte diese Dinge gesagt und es war alles offen gelegt worden, wie eine hässliche Wunde, die sie erfolglos versucht hatte, mit Verbänden abzudecken.
Es hatte immer Tabu-Themen in ihren Interaktionen mit James gegeben: Snape als Nummer eins und James frühere (oder anscheinend nicht so frühere) Zuneigung zu ihr als Nummer zwei. Aber wütend und ohne Reue waren beide diese Themen aufgedeckt und ausgearbeitet worden und sie konnten es nicht rückgängig machen. Sie hatten alles gesagt - alles.
Und so, die zweite Wahrheit:
Mit James blieb unglücklicherweise nichts zu sagen.
