Vorher: Am Anfang des Jahres testet Nicolai Mulciber Snapes Loyalität zu Slytherin, indem er ihn Lily entwaffnen lassen will, aber James interveniert und boxt Mulciber. Auch versuchen sich Adam McKinnon und Carlotta Meloni umzubringen. Aber nicht wirklich. Adam sagt Marlene, dass er sie liebt; sie weist ihn zurück und versagt total im „Nicht Erwiderte Liebe Level 1". Donna und Lily sind keine Freundinnen mehr, seit Donna den Tod von Lilys Vater klein geredet hat. In der Zwischenzeit hatte Donna eine Affäre mit Ravenclaw Charlie Plex, der eine Freundin namens Cassidy hat, aber als Charlie erklärt, dass er tatsächlich Gefühle für Donna hat, entscheidet sie sich, das Richtige zu tun und ihn gehen zu lassen. Er ist sauer. Lilys Exfreund Luke ist am Boden zerstört, nachdem sein Todesserbruder Logan von Auroren getötet wurde, also entscheidet Luke sich, die Schule zu schmeißen, ohne seine UTZ-Prüfungen abzulegen. James wirft Sirius aus den Rumtreibern wegen seines Peitschende-Weide-Streichs gegen Snape. Lily und James haben einen schlimmen Streit, James sagt, dass Lily ihn benutzt hat, damit er ihr mit Luke hilft, weil sie wusste, dass er sie mag und dass sie ihn nur benutzt hat um dadurch, dass sie ihn ablehnt, Snape etwas zu beweisen. Lily sagt, dass sie ihn abgelehnt hat, weil er ein Arsch war. Lily schätzt, dass in ihrer Beziehung mit James nichts mehr zu sagen ist.

Kapitel 23 – «Ein Jahr beenden"

Oder

Eine Liebe"

Im Gryffindor-Jungsschlafsaal ihres Jahres lebten fünf Zauberer. Das waren James Potter, Sirius Black, Remus Lupin, Peter Pettigrew und Adam McKinnon.

Vom ersten Tag an waren James Potter und Sirius Black beste Freunde.

Das Schicksal geht oft seltsame Wege. Wenn sich Sirius Black an seinem ersten Schultag nicht ins Abteil B im ersten Wagen des Hogwartsexpresses gesetzt hätte... wenn er stattdessen ein paar mehr Schritte gemacht hätte oder wenn er in einen anderen Wagen geklettert wäre, hätte er an diesem Morgen nicht James Potter kennengelernt. Später hätte er vielleicht den Sprechenden Hut gebeten, ihn stattdessen nach Slytherin zu bringen (weil das schließlich war, wohin seine gesamte Familie gehörte) und James Potter und Sirius Black wären vielleicht nie beste Freunde gewesen.

Oder vielleicht wären sie das doch.

Denn Schicksal geht oft seltsamen Wege.

Aber die Wahrheit ist, dass Sirius Black James Potter in Abteil B getroffen hatte und er nach Gryffindor gesteckt wurde und sie beste Freunde wurden. Und das war der Anfang der Rumtreiber. Der frühste Anfang.

Es ist jedoch nicht die ganze Geschichte.

Und wieder: Im Gryffindor-Jungsschlafsaal ihres Jahres lebten fünf Zauberer und in ihrem zweiten April in Hogwarts waren James Potter und Sirius Black für ein bisschen mehr als ein Jahr beste Freunde gewesen. Peter Pettigrew schwebte am Rand von mehreren Freundeskreisen, gehörte aber zu keinem. Adam McKinnon war ein netter Kerl – entschieden James und Sirius – aber er war ziemlich brav und er hatte Freunde außerhalb des Schlafsaals. Remus Lupins war so ähnlich, außer dass er viel weniger normal war als Adam... da war definitiv etwas mit Remus los.

Er war still, er blieb unter sich. Wohin ging er jeden Monat? Warum sah er immer so krank aus und woher kamen seine gruseligen Kratzer?

Da war etwas mit Remus Lupin los, aber bis zum April ihres zweiten Jahres, wussten James und Sirius nicht, was.

„Er ist eigentlich ein ziemlich cooler Kerl," flüsterte Sirius eines Abends in Astronomie zu, während Professor Dawton irgendetwas von Eigenschaften einer Sternkonstellation erzählte. „Aber er ist ein bisschen seltsam, oder? Ich hab' ihm letzte Woche ein Koboldsteinspiel angeboten, aber er hat mich angesehen, als ob ich stattdessen versucht hätte, ihn zu verhexen."

„Er ist seltsam," stimmte James zu. „Aber er ist nicht so schlecht – er hat uns letzte Woche in Zaubertränke gedeckt, als wir Schniefelus' Kessel explodieren lassen haben."

Sie kicherten beide über die Erinnerung.

„Hey, Pettigrew," murmelte Sirius und stieß einen Ellbogen gegen den winzigen Zauberer am Teleskop neben ihnen. „Was denkst du, was mit Lupin los ist? Er verpasst wieder eine Astronomiestunde."

Peter zuckte die Achseln. „Er verpasst wirklich viel, oder? McGonagall sagt, dass er heimgeht um seine Mum zu besuchen."

Sirius schnaubte. „Er sieht so krank aus, wenn er zurückkommt, da scheint es mehr, als ob er meine Mum besuchen war."

„Tja, da hast du es," lachte James. „Wir haben unsere Antwort gefunden."

Bevor Sirius antworten konnte, unterbrach Professor Dawton die Unterhaltung. „Potter, Black, Pettigrew – ruhig dahinten." warnte er mit nicht überzeugenden, vorgespielter Strenge. Professor Dawton war einfach zu nett. Er kehrte zum Unterricht zurück und deutete auf verschiedene interessante Objekte im Nachthimmel hin. Die drei Zweitklässler nickten gehorsam und James bemerkte, wie Lily Evans nicht weit entfernt ihre Augen verdrehte. Ihr Teleskop war direkt neben das des Idioten Schniefelus. Was sah sie bloß in diesem schleimigen Ekel?

„Hör auf, Evans anzustarren," flüsterte Sirius, was James finster blicken ließ.

„Tu ich nicht," beharrte er und Sirius grinste.

Peter unterdrückte ein Gähnen. „Ich hasse Astronomie," grummelte er leise. „Warum müssen wir nachts Unterricht haben?"

„Weil wir dann die Sterne sehen können, Genie," erwiderte Sirius. „Außerdem, ist es gar nicht so spät. James und ich waren letzte Nacht noch viel später draußen... wir haben die Küchen gefunden."

Peters Augen wurden groß und so rund wie Untertassen. „Die Küchen?" flüsterte er, fast verehrend. „Ihr habt wieder diesen Umhang benutzt, oder?"

James und Sirius tauschten zufriedene Blicke aus und erstere nickte. „Vielleicht nehmen wir dich mal mit, ja?"

„Das wäre cool," atmete Peter.

Jungs," sagte Professor Dawton wieder. „Wirklich jetzt. Wenn ich euch nochmal zur Stille ermahnen muss, dürft ihr nicht mit dem Rest der Klasse früher gehen." Dawton ließ die Klasse am Vollmond immer früher gehen, weil, wie er sagte, die Helligkeit des Mondes das Sternebeobachten schwierig machte.

„Ja, Professor," sagten die drei Jungs im Chor. „Aber wir bekommen trotzdem Marshmallow Monde, oder?" fügte Sirius strahlend hinzu. Dawton – ein Enthusiast für Himmelereignisse – teilte an Voll- und Neumonden immer Süßigkeiten an seine Schüler aus. Dies war ersteres.

„Bitte, passt immer auf," sagte der Professor und er kehrte wieder zu seinem Vortrag zurück. Die drei Gryffindor waren für eine kurze Weile leise und dann sprach Peter wieder.

„Zu schade, dass Dawton nur Marshmallow Monde verteilt. Die hängen mir zum Hals raus."

„Jammer nicht," murmelte James. „Wenn du sie nicht magst, gib sie Lupin. Er liebt die und er kriegt nie welche, weil er nach Hause muss."

„Jetzt," fuhr Dawton fort, „wenn ihr bitte eure Teleskope nach Norden richtet..."

„Wisst ihr," sagte Sirius und spähte wie angewiesen durch die Linse seines Teleskops. „Ich denke nicht, dass er wirklich heimgeht. Letzten Monat ist er wie immer verschwunden und an seinem ersten Tag zurück bekam er zum Frühstück einen Brief von seiner Mum... warum würde sie ihm schreiben, wenn sie ihn gerade erst gesehen hätte?"

Weder James noch Peter antworteten jedoch, da Professor Dawton in ihre Richtung blickte und sie leise sein mussten. Kurz danach durfte die Klasse gehen und – mit mehreren Packungen von Marshmallow-Süßigkeiten in ihrer Hand – (James und Sirius hatten natürlich die Anweisung „Nehmt euch eins, bitte" ignoriert) – kehrten die Gryffindor-Jungs zu ihrem Schlafsaal zurück.

Adam McKinnon ging direkt schlafen und Peter ging mit derselben Absicht zu Bett. Jedoch wurde er sehr bald von Stimmen geweckt. James und Sirius saßen neben dem Fenster, auf ihren Marshmallow Monden kauend und in schlecht gedämpften Murmeln sprechend – wahrscheinlich Unheil planend.

„Pettigrew," grüßte Sirius ihn, der Peter entdeckte, als er durch die Vorhänge seines Himmelbetts schaute um die Quelle der Störung zu finden. „Komm her. Nimm dir einen Marshmallow Mond. Wir haben jede Menge."

Benommen, aber entschlossen, eine Einladung von James Potter und Sirius Black nicht abzulehnen, stolperte Peter zu der Fensterbank. Er packte eins der Süßigkeiten aus, die in einem kleinen Haufen zwischen James und Sirius saßen und setzte sich dann auf den Boden. James nahm sich selbst ein paar und warf sie auf den Tisch in seiner Nähe. „Für Lupin," erklärte er. „Er sieht immer so glücklich aus, wenn man ihm welche gibt. Es ist, als ob man einem Baby Süßigkeiten gibt."

Sirius kicherte. „Wenn er sie will, sollte er mal zum Unterricht kommen."

James zuckte bloß mit den Achseln. Er lehnte seinen Kopf gegen die Wand und starrte faul aus dem Fenster in den Himmel. „Seltsam, oder?" überlegte er vage. „Lupin scheint immer die Stunden zu verpassen, in denen Dawton Süßigkeiten verteilt..."

Es folgte ein langer Moment der Stille und dann –

„Oh mein Merlin," sagten Sirius und James genau zur gleichen Zeit. Peter sah sie verwirrt an.

Was?"

Aber sie ignorierten ihn.

„Oh mein Merlin!"

„Verdammt noch mal!"

„Du denkst nicht...?"

„Es macht Sinn, oder?"

„Aber Dumbledore würde nicht..."

„Vielleicht weiß Dumbledore es nicht..."

„Natürlich weiß Dumbledore das! Dumbledore weiß alles!"

„Aber wie könnte...?"

„Die Lehrer müssten...?"

„Aber wohin...?"

„Ich weiß nicht – aber ich wette, wir könnten..."

„Es herausfinden. Wenn wir den..."

„Umhang, genau."

„Oh mein Merlin."

„Oh mein Merlin."

Peter starrte sie an. „Worüber redet ihr zwei?"

Aber wieder antwortete ihm keiner – jedoch nicht direkt. Irgendwann erholten sich James und Sirius lange genug um ihren dritten Mitbewohner einzuweihen. In der Zwischenzeit brach ein riesiges Grinsen auf Sirius' Gesicht aus, was sofort auf James' Gesicht gespiegelt wurde.

„Das ist so cool."

(Gegenwart)

Und so verging die Zeit, wie sie es üblicherweise tat. In verschwommener Lethargie und Leere rieselten die Tage vorbei. Lily hätte nie gedacht, dass die Laune einer Person die ganze Schule beeinflussen konnte und doch wurde James Potters Müdigkeit allem und jeden gegenüber plötzlich ansteckend. Noch nie war ein Mai mit so wenig Aufregung verflogen – selbst der Gedanke an die bevorstehenden Prüfungen hatte insgesamt wenig Effekt auf die Schüler. So beschäftigt wie sie alle waren, schien doch keiner wirklich was zu tun.

Sirius hörte auf, im Gemeinschaftsraum zu schlafen, aber er kehrte nicht zu seinem Schlafsaal zurück. Lieber bewegte er sich zu einem anderen Ort, den er Lily nicht offenbaren würde, obwohl er auf ihre vielen Nachfragen antwortete, dass er keinem kalten Steinboden ausgeliefert war – außer er wollte es. Lily hatte absolut keine Ahnung, was er damit meinte, aber Sirius blieb entschlossen verschlossen.

Luke Harper war natürlich weg und ein Zeitungsartikel über Logan sagte, dass Luke mit seiner Familie und einem seiner Brüder Zeit im Ausland verbringen würde. Jedoch erschien nur Tage später ein neuer Artikel über die Harper. Sie waren nach London zurückgekehrt mit Plänen, eine Untersuchung über die Auroren, die in der Hogsmead-Attacke involviert waren, zu fordern. Lathe hatte darüber anscheinend auch Recht gehabt.

Das Quidditch-Finalspiel fand am letzten Wochenende des Mai statt – Gryffindor gegen Slytherin. Sirius durfte natürlich nicht spielen und Lily fühlte Mitleid für den Ersatz-Jäger: er hatte einfach keine Chance. Vielleicht war es die ansteckende schlechte Laune ihres Kapitäns oder vielleicht ihre eigenen persönlichen Dramen, die sie störten, aber die Gryffindormannschaft spielte scheinbar mit null Motivation um zu gewinnen. Jeder in der Mannschaft hatte anscheinend einen Grund um unglücklich zu sein, und das, kombiniert mit einem Ersatzjäger, dessen Anweisung bestenfalls war, apathisch zu sein, resultierte in Gryffindors schlimmsten Niederlage gegen Slytherin in der jüngsten Geschichte. Es war ein dunkler Tag im Gemeinschaftsraum der Gryffindors. James' Laune wurde schlechter und die Gryffindors begannen, Quidditch bloß „Das Q-Wort" zu nennen.

Prüfungen schienen ein so entferntes, unsicheres Konzept zu sein und doch, sehr plötzlich, ging die erste Woche des Junis zu Ende und sie waren nur Tage entfernt. Die ZAG und die UTZ Schüler waren zu ihren Büchern versklavt und Lily tat ihr Bestes, ebenso hart für ihre eigenen Tests zu lernen, aber ihre Aufmerksamkeit wanderte. Sie konnte sich nicht konzentrieren. Das Wetter wurde wärmer und sie begann an ihre eigenen ZAGS zu denken - an das, was an einem Junitag genau vor einem Jahr am See passiert war – und verschiedene andere, unglückliche Gedanken, die oft Luke Harper, Logan Harper oder James Potter involvierten.

Es war alles sehr verwirrend und seltsamerweise war der einzige ihrer Freunde, der sich von dem relativen Melodrama, das gerade ihr Leben war, fernhielt, Severus Snape. So kam es, dass sie das meiste ihres Lernens für die Zaubertränke-Abschlussprüfung mit dem Slytherin machte, was der Hexe noch mehr böse Blicke von James erntete.

„Du passt nicht auf," warf Snape ihr unaufgeregt vor, als Lilys Blick mal wieder zum Bibliotheksfenster wanderte. Es war ein Freitagabend und die Prüfung war am Montag.

„Nein," stimmte Lily zu. „Alles ist blöd. Außerdem..." Ihr Buch „Fortgeschrittenes Tränkebrauen, Level 6" schließend, „weiß ich alles." Das – während es nicht wirklich stimmte – näherte sich der Wahrheit und sie hatte wirklich keine Lust auf Lernen. Sie wollte reden und es war ihr großes Unglück, dass jedes Thema, das es wert war, diskutiert zu werden, bei Snape nicht erwähnt werden durfte.

Wann war das passiert?

„Willst du dann Verteidigung versuchen?" bat der Slytherin an, ein wenig gelangweilt.

Lily schüttelte ihren Kopf. „Ich will nicht lernen. Ich will nicht denken."

„Was soll das bedeuten?"

„Ich weiß nicht. Ich will mich einfach nur hinlegen und verschwinden."

Severus seufzte. „Ich weiß nicht, wie ich mit dir reden soll, wenn du so bist, Lily." Er hörte sich müde an... und er hörte sich bei Lily nie müde an. Sie sah ihn an. „Können wir einfach Zaubertränke zu Ende machen?"

Der Rotschopf zuckte die Achseln. „Na gut. Zaubertränke." Sie öffnete ihr Buch, aber eine zufällige Seite und sie las die Worte nicht.

„Du passt nicht auf," sagte Snape wieder.

„Nein," stimmte Lily zu.

(Cassidy, Teil 1)

Cassidy Gamp hatte jede Menge scheinendes, lockiges Haar, etwa in der Farbe von Käsenudeln. Sie war klein, lieb und feminin mit großen Rehaugen, einem zarten Kinn und einer Stupsnase. Sie war genau die Art von Mädchen, auf die Jungs in ihrem Alter standen: mit süßem Temperament, jungfräulich, bedürftig, intellektueller Durchschnitt und sehr gut in der Lage, ein Mitglied des anderen Geschlechts sich durch und durch maskulin fühlen zu lassen. Sie war, ohne Zweifel, Donnas absolutes Gegenteil.

Diese Erkenntnis war jetzt nicht besonders neu für Donna, die sich nicht davon abhalten konnte zu bemerken, dass Cassidy am anderen Ende der Großen Halle erfolgslos versuchte die Aufmerksamkeit ihres Freundes zu erhalten. Charlie Plex war zu sehr damit beschäftigt sein Abendessen anzuschmollen um Cassidys verzweifelten Geplapper Aufmerksamkeit zu schenken.

Auf eine Art war Cassidys Existenz abscheulich für Donna. Sie war hübsch und obwohl nicht direkt dumm, auch nicht wirklich schlau. Außerdem war sie nicht die Art Mädchen, die nachts nicht schlafen konnte, weil sie über Todesser nachdachte. Sie war nicht die Art Mädchen, die Albträume hatte (echte Albträume) oder wirkliche Sorgen oder komplexe Probleme. Sie war unkompliziert. Sie würde Hogwarts mit guten Noten abschneiden und vielleicht eine Karriere beginnen oder auch nicht, aber sie in ein paar Jahren aufgeben, wenn sie einen Zauberer gefunden hatte, der sie heiraten würde. Unkompliziert.

Auf eine andere Art wusste Donna, dass sie absolut kein Recht hatte, Cassidy nicht zu mögen, da egal wie einfach oder naiv das Mädchen war, sie schrecklich behandelt worden war – von Charlie und von Donna selbst und das machte Cassidy nicht verachtungswert. Das machte sie bemitleidenswert.

Als sie am Gryffindortisch saß und ihr Abendessen alleine aß, fragte sich Donna, was genau Cassidy tun würde, falls sie das mit Charlie je herausfinden würde. Sie würde bestimmt ein großes Drama daraus machen, sie würde vermutlich ihren Stolz vergessen und die Aufmerksamkeit auf sich ziehen; sie würde vermutlich Charlie verhexen oder es zumindest versuchen und sie würde sicherlich jedes Mädchen in der Schule gegen Donna richten. So wusste Donna, dass Charlie es noch nicht seiner Freundin gesagt hatte, wenn er es je tun würde, würde sie es sehr bald wissen.

Charlie sah lang genug von seinem Abendessen weg um in Donnas Richtung zu blicken und er erwischte sie beim Starren. Sie sah schnell weg, aber nicht bevor sie gesehen hatte, wie Charlies Augen wütend blitzten. Danach vermied sie den Ravenclawtisch ganz.

(Fünftes Jahr, Teil 1)

„Ich bin durchgefallen," meinte Donna. „Ich bin durchgefallen. Das weiß ich einfach. Ich habe jede Frage falsch beantwortet. Ich bin durchgefallen. Sie werden eine neue Note erfinden müssen, so schlecht war ich."

Mary, Marlene und Lily verdrehten alle ihre Augen. „Du bist nicht durchgefallen," versicherte Lily ihr, als die Mädchen durch die volle Eingangshalle liefen. „Das sagst du immer und du bist noch nie irgendwo durchgefallen."

„Dieses Mal aber!" protestierte Donna. „Ich bin einfach durch meine Verteidigung gegen die dunklen Künste Z.A.G-Prüfung gefallen!"

„Bist du nicht," bestand Marlene. „Und hör auf, nach Komplimenten zu angeln. Du weiß bereits, dass du im Unterricht brillant bist, wenn auch ein wenig blöd im wirklichen Leben. Gehen wir raus?"

„Es ist zu heiß um drin zu bleiben," sagte Lily. „Und ich könnte jetzt einfach nicht für Verwandlung lernen."

„Ich stimme zu," sagte Mary, die jetzt, wo die Prüfung vorbei war, fröhlich war. „Lass uns rausgehen. Wir können am See sitzen."

Und so, lockte das Schicksal – mit der Stimme einer von Hitze geplagten Mary Macdonald – die Mädchen mit den meisten der anderen Fünftklässler nach draußen. Als sie an dem Ufer des schwarzen Sees saß, trat Lily ihre Schuhe aus, schob ihre Socken weg und ließ ihre Füße im Wasser hängen. Mary und Marlene machten es ihr nach, obwohl Donna sie mit „Agrippa weiß, was in diesem Wasser ist" warnte.

„Liam Lyle hat mich letzte Woche auf ein Date gefragt," erzählte Mary ihnen alle, als sie sich sonnten. „Um zu dem Hogsmead Wochenende zu gehen," stellte sie klar. „Vielleicht sage ich ‚ja', aber ich habe mich noch nicht entschieden."

„Spiel nicht mit Liam Lyle," ermahnte Lily sie beinahe automatisch, und blickte über die Wiesen zu einer einsamen Figur, die unter einem Baum las. „Er ist ein netter Kerl."

„Ich spiele nicht mit Kerlen..."

Marlene schnaubte. „Mary, Liebes, du bist meine beste Freundin, aber ich habe zwei Worte für dich: Devang Patel."

„In Ordnung, ich habe ein wenig mit Devang gespielt," gab Mary zu. „Aber nur, weil er so überzeugt war, dass ich eine sichere Sache bin."

„Bist du das nicht?" sagte Donna trocken, was sie einen Ellbogen von der winzigen Brünette ernten ließ.

Nein."

„Wenn man von Kerlen spricht, die in bestimmte Hexen verschossen sind..." sagte Marlene und folgte Lilys Blicken.

„Wer?" fragte Donna, bevor sie erkannte, über was die Hexe sprach. „Oh. Snape."

Lily zuckte bei seinem Namen zusammen. „Haltet die Klappe," erwiderte sie mit Würde. „Er ist nicht in mich verschossen, eigentlich hatten wir einen Streit."

„Natürlich hattet ihr das," sagte Mary. „Deshalb bist du hier mit deinen lieblichen Freunden, anstatt dahinten vor Langweile mit einem Verwandlungsbuch zu sterben."

„Richtig," murmelte Marlene ein wenig dunkel. „Ich bin mir sicher, dass das bloß ein einfaches Verwandlungsbuch ist."

„Ruhig," befahl Lily. „Er ist noch immer ein Freund von mir."

„Merlin weiß warum," fügte Donna hinzu.

Lily warf ihnen alle warnende Blicke zu und sie wussten es besser, als die Diskussion fortzufahren. „Tja," sagte Mary, während ihre Augen zu einem anderen Baum wanderten, wo andere Zauberer sich vergnügten. „Was ist mit James Potter? Er steht auf dich, Lily."

„Ich hoffe, das ist ein Witz," antwortete die Vertrauensschülerin und warf den Rumtreibern einen Blick zu. James Potter, Sirius Black, Remus Lupin und Peter Pettigrew saßen im Schatten eines großen Baumes; Sirius und Peter schienen über etwas zu lachen, Remus las und James spielte mit einem Schnatz, den er unbezweifelbar von der Schule geklaut hatte.

„Er ist süß," sang Mary und es war eine vertraute Unterhaltung. Mary erinnerte Lily immer an James' unleugbar (obwohl Lily es entschieden leugnete) gutes Aussehen. Donna war die nächste.

„Und er ist ein ziemlich guter Quidditchkapitän," steuerte Donna wie vorhergesagt bei. Marlene würde folgen.

„Und er steht unglaublich auf dich," fuhr Marlene fort. „Wie oft hat er dich diese Woche auf ein Date eingeladen?"

„Zweimal," antwortete Lily. „Es war eine nette, langsame Woche."

Marlene und Mary lachten anerkennend. „Shelley Mumps würde töten um in deinen Schuhen zu stecken," bemerkte Letztere.

„Wenn ich ihr meine Schuhe geben könnte um Potter loszuwerden, gehe ich gerne barfuß," sagte Lily. „Leider haben bis jetzt nicht mal Stolpersprüche und konstante Ablehnungen funktioniert, also ist mein Glauben an Schuhlosigkeit ziemlich gering."

„Oh, wie sie leidet," sagte Donna sarkastisch.

„Armer Potter," überlegte Marlene. „Er hat keine Chance, oder? Nicht wirklich Lilys Typ."

„Gar nicht," stimmte Lily zu. „Ich mein, sieh ihn an, wie er mit seinem Schnatz angibt..."

„Tja, wir bekommen nicht Jay Gatsby oder Paul Newman," sagte Mary. „Also müssen Hogwartsjungs genügen."

„Es gibt Hogwartsjungs und es gibt Hogwartsjungs," bemerkte Lily. „Und ist es so verwerflich, einen Kerl zu wollen, der romantisch und gefühlvoll und vielleicht ein bisschen poetisch ist?"

„Oh nein," murmelte Donna und ihre Augen waren auf etwas hinten in den Wiesen gerichtet.

„Was?" fragte Lily.

„Nichts." Donna rutschte unbehagen herum. „Gar nichts. Was hast du gesagt? Gefühlvoll?"

Aber Lily ließ sich nicht beirren. Sie drehte sich um und sah die Szene, die sich in einer kurzen Distanz abspielte. James Potter und Sirius Black standen mit gezogen Zauberstäben und ihr Ziel war, natürlich, Severus Snape.

Die Hitze und die Wut stieg in Lilys Gesicht, fast automatisch stand sie auf, ihre sockenlose Füße in ihre flachen Schulschuhe rammend und auf die Gruppe zu gehend.

„Und es geht los..." murmelte Marlene.

„Lasst ihn in RUHE!"

James Potters Hand, die nicht damit beschäftigt war, seinen Zauberstab zu halten – der gerade dabei war, pinke Blasen in Snapes Mund erscheinen zu lassen – bewegte sich sofort zu seinem Haar, es unnötigerweise verwuschelnd. „Alles okay, Evans?"

„Lasst ihn in Ruhe," brodelte Lily. „Was hat er euch getan?"

„Tja... es ist eher die Tatsache, dass er existiert, wenn du verstehst, was ich meine..."

Andere lachten; Lilys Blut kochte. Eingebildeter Arsch...

„Du denkst, dass du lustig bist," sagte sie kalt. „Aber du bist bloß ein arroganter, gemeiner Schleimbeutel, Potter. Lass ihn in Ruhe."

James schien komplett ungerührt von ihren Beleidigungen, ohne das kleinste Anzeichen, dass er die Wut, den bloßen Abscheu, in ihrer Stimme und ihren Augen erkannte, witzelte der Zauberer ohne aus dem Takt zu kommen: „Wenn du mit mir ausgehst, Evans."

Lily wäre vielleicht überrascht gewesen, aber es schien, als ob James' Arroganz keine Grenzen kannte.

„Komm schon..." fuhr er fort. „Komm schon... geh mit mir aus und ich richte nie wieder

den Staub auf den ollen Schniefelus."

Angeekelt: „Mit dir würde ich nicht ausgehen, selbst wenn ich nur die Wahl zwischen

dir und den Riesenkraken hätte!"

Und dann, vielleicht für eine halbe Sekunde, schien James endlich die Tatsache zu registrieren, dass Lily Evans in diesem Moment seine Existenz verabscheute, genauso wie er Snapes verabscheute.

„Na, so ein Pech, Prongs," sagte der nahestehende Sirius, der offensichtlich von der Ablehnung weniger betroffen war als James. Jedenfalls hatte er größere Probleme. „Oh!"

Sirius' Warnung kam jedoch zu spät, ein blitzendes Licht und dann blutete James – eine große, tiefe Wunde war auf einer Seite seines Gesichts erschienen. Einen Moment später hing Snape falsch herum in der Luft. Mehrere Leute jubelten.

Lily sammelte ihre ganze Kraft. Es war nicht witzig. „Lasst ihn runter!"

Die Emotion – echte, ehrliche Emotion – die kurz über James' Gesicht gehuscht war, war verschwunden... bereits vergessen. Er grinste und neigte seinen Kopf. „Klar doch."

Snape krachte zu Boden, aber bevor er sich richtig erholen konnte, richtete Sirius einen Spruch in die Richtung des Slytherins und er beugte sich wieder einmal über, stocksteif.

LASST IHN IN RUHE!" schrie Lily, ihren eigenen Zauberstab ziehend. Ihre zwei Hauskameraden sahen sie unsicher an, anscheinend war die Vorstellung eine bewaffnete Lily Evans zu duellieren weniger angenehm als Snape zu attackieren.

„Ah, Evans," flehte James fast, „zwing mich nicht, dich zu verhexen."

Das würde er auch, dachte sie.

„Dann heb den Fluch von ihm!"

James seufzte. Er ließ Snape von dem Locomotor Mortis los, den Sirius gehext hatte. „Bitte sehr," sagte James verärgert, Snape stolperte auf seine Füße. „Du hattest Glück, dass Evans hier war, Schniefelus..."

Und dann passierte es. Snapes schwarze Augen blitzten, von James zu Lily zu den umgebenden Schülern flackernd. Da war noch immer Seife auf seinen Umhängen und sein normalerweise bleiches Gesicht war rot angelaufen. Und dann passierte es.

„Ich brauche keine Hilfe von dreckigen kleinen Schlammblütern wie ihr!"

Ein paar unendlich dauernde Sekunden vergingen, in ihrem Augenwinkel bemerkte Lily Marlene, Mary und Donna, die sich der Szene näherten. Die Zuschauer waren leise geworden. James schien vor allem verwirrt. Remus schaute tatsächlich von seinem Buch auf. Die Welt wartete auf Lilys Antwort, aber sie war noch nicht ganz bereit sie zu geben.

Schlammblütern wie ihr.

„Na gut," schaffte sie zu sagen, ziemlich kalt; Snape war wieder bleich geworden; „In Zukunft ist es mir egal."

Schlammblütern wie ihr.

„Und an deiner Stelle würde ich mir mal die Unterhosen waschen, Schniefelus."

James hatte sich wieder erholt. „Entschuldige dich bei Evans!"

Arroganter, hasserfüllter, eingebildeter Idiot...

Lily ging auf ihn los. „Ich will nicht, dass du ihn zum Entschuldigen bringst! Du bist genauso schlimm wie er...!"

„Was? Ich würde dich niemals ein..." Er zögerte verlegen. „Du-weißt-schon-was nennen!"

Aber Lily war so wütend, ihre Hände zitterten geradezu, als sie sie in Fäuste ballte und ihn anfuhr: „Verwuschelst dein Haar, weil du glaubst, es ist cool, wenn du aussiehst, als wärst du gerade vom Besen gestiegen, gibst mit diesem blöden Schnatz an, läufst durch die Flure und verhext jeden, der dich nervt, einfach nur, weil du es kannst - mich wundert's, dass dein Besen überhaupt abheben kann, bei so einem Hornochsen. Du machst mich KRANK!"

Sie drehte sich um und bewegte sich blindlings so schnell davon, wie sie es konnte.

Schlammblut, Schlammblut, Schlammblut, Schlammblut...

„Evans! Hey, EVANS!"

Aber Potter war Lichtjahre entfernt; sie hörte ihn kaum, das Blut dröhnte in ihren Ohren, der Schmerz und die Wut pulsierten durch ihre Adern, das Wort echote in ihrem Kopf... James Potter hätte nicht existieren können.

Schlammblut, Schlammblut, Schlammblut, Schlammblut, Schlammblut, Schlammblut...

„Lily."

Sie hatte die Schlosstore erreicht und jemand packte ihren Arm. Marlene.

„Lily," wiederholte die Blondine, sanfter. Donna und Mary standen in einiger Entfernung.

Aber Lily konnte nicht bleiben. „Nicht hier," murmelte sie. „Schlafsaal..."

Marlene nickte. „Lily. Es tut mir so, so leid..."

Sie wollte weinen. Nein, sie wollte etwas werfen. Sie wollte jemanden so hart, wie sie konnte, schlagen. Sie wollte...

„Es ist okay."

Sie drehte sich um und ging durch die Schlosstore... ihre Füße bewegten sich unter ihr, trugen sie durch Flure und Treppen hoch und nur ein Gedanke setzte sich fort.

Schlammblut.

(Gegenwart)

Es hatte eine überraschende Anzahl von bedeutenden Momenten in dieser Bibliothek gegeben, bedachte Severus Snape, als er an ihrem üblichen Tisch auf Lily wartete, ganz hinten in der letzten Ecke. Der jüngste, hässlichste davon war am Tag zuvor passiert...

Aber er hätte nicht wissen können, dass Lily in der Bibliothek war und sie hatte vielleicht nicht zu viel von seiner Unterhaltung mitbekommen...

Trotzdem, aus ihrem Blick, als sie davon gestakst war, hatte Severus erkannt, dass sie genug gehört hatte. Er war sich nicht einmal ganz sicher, dass sie überhaupt zu ihren zuvor festgelegten Lerntreffen kommen würde.

Lily erschien jedoch, nervös aussehend. „Ich kann nicht bleiben," informierte sie ihn. „Madam Pomfrey hat ältere Schüler gebeten, im Krankenflügel zu helfen, aufgrund all der stressbezogenen Probleme mit den Prüfungen und ich habe versprochen, ich würde für ein paar Stunden aushelfen..."

„Lily," unterbrach Sev frustriert. „Du bist wütend, oder?"

„Nein," beharrte Lily. „Ich komme nur zu spät."

„Ich weiß, dass du mich und Mulciber gestern gehört hast," fuhr der Slytherin fort und stand von seinem Stuhl auf. „Es hilft nichts, es zu leugnen."

„Ich leugne es nicht," entgegnete sie. „Ich vermeide es, weil ich ehrlich gesagt noch nicht weiß, wie ich darüber fühle – außer wirklich, wirklich sauer und wenn ich es jetzt diskutiere, werde ich am Ende wahrscheinlich jemanden anschreien. Aber das ist nicht, warum ich jetzt gehen muss... ich muss jetzt gehen, weil ich Madam Pomfrey versprochen habe, vor 30 Sekunden in der Krankenstation zu sein."

Lily," flehte Severus, als sie sich wieder zum Gehen umdrehte. Lily hielt inne, ihre Schultern fielen, als ob sie tief seufzen würde.

„Ja?" fragte sie und drehte sich langsam wieder zu ihm um.

Ihr Gesichtsausdruck war müde, ihre rosa Lippen mürrisch verzogen und ihre Augen auf Severus fixiert, als ob sie auf etwas wartete. Sie wartete und er wusste es. Sie wartete auf ihn, darauf, dass er etwas sagte, dass ihm Absolution erteilen würde, dass ihre Zweifel abwandte und das reparieren würde.

„Ich hab' das Wort nicht gesagt," murmelte er. „Mulciber hat das, aber ich nicht..."

Lily starrte ihn an, fast ungläubig, für einen Moment länger. Dann ihren Kopf schüttelnd, lächelte sie ziemlich freudlos. Sie war enttäuscht. „Du verstehst es einfach nicht, oder, Sev?"

Er hatte versagt, erkannte Severus, als Lily wieder einmal versuchte, die Bibliothek zu verlassen. Er hatte all ihre Hoffnungen enttäuscht, dass er in Lage sein würde, eine Begnadigung zu verdienen und jetzt – weil sie Lily war – würde sie ihm ohne Grund verzeihen müssen. Severus schritt vor sie.

„Geh nicht wütend," bat er.

„Ich bin nicht..." Aber Lily brach ab; sie fuhr mit einer Hand durch ihr dickes Haar, Augen zum Himmel gerichtet, als sie intern etwas durchdachte. „Ich bin nicht wütend, Sev," endete sie schließlich. „Ich kann – ich kann mich mit dir am Mittwoch treffen, okay? Hier, nach unserer Verteidigungsprüfung. Wir lernen für... Zauberkunst oder so. Okay?" Sev nickte. „Jetzt muss ich wirklich gehen."

Sie bewegte sich schnell an ihm vorbei, raus aus der Bibliothek. Severus setzte sich wieder an seinen Tisch, unzufrieden, aber zu der Tatsache resigniert, dass das alles war, was er gerade bekommen würde.

(Renn)

Das erste Mal, das er sich verwandelt hatte, hatte James es gehasst. Natürlich hatte er gelesen, dass das erste Mal, wenn ein Zauberer ein Animagus wurde, immer am schmerzhaftesten sein würde, aber er hatte es sich nicht so qualvoll vorgestellt. Er hatte sich gefühlt, als ob seine Muskeln reißen und auseinandergehen würden, als ob seine Knochen zerbrechen und sein Herz aufreißen würde. Und, wenn er darüber nachdachte, war das gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt.

Aber nach der ersten Verwandlung erinnerten sich die Muskeln und Knochen und Organe, wie sie sich neu formten und James konnte auf die Details achten – zum Beispiel, wie sich sein Herzschlag veränderte und wie unterschiedlich der Wind sich gegen seine Häute anfühlte und wie überraschend natürlich es sich anfühlte, vier Beine statt zwei zu koordinieren. Das Beste daran, Prongs zu sein, war jedoch das Galoppieren. James genoss es in seiner menschlichen Form zu laufen und er liebte es zu fliegen, aber keins davon war wirklich wie Galoppieren.

Was er genau am Fliegen mochte (die offene Leere, der Himmel) machte ihm auch in seiner Abwesenheit Spaß, wenn er sich in unmenschlicher Geschwindigkeit durch den Wald bewegte. Es war ein Reflex-Spiel, sich unter Bäumen zu ducken und Felsen aus dem Weg zu gehen. Die Geschwindigkeit, der Instinkt, die Konzentration, der Wind, der seine Ohren füllte – es war manchmal ziemlich wie Fliegen, aber es war auch sehr anders. Zum einen machte es ihn sehr schnell müde.

Wie er es sehr früh gelernt hatte, konnte Prongs deutlich mehr Anstrengungen als der gute, alte James es konnte, ertragen und normalerweise passte er auf, ersteren nicht zu erschöpfen, weil das typischerweise den letzteren träge machte. Padfoot und Wormtail wären sowieso nicht in der Lage, mitzuhalten. Diese Nacht war jedoch anders.

James landete nach einem Sprung mit einem Krachen, seine Hufen schlidderten über den rauen Pfad, der so tief im Wald war, dass er schätzte, dass selbst Hagrids Wissen von dem Gebiet eher schwammig war. Es war dunkel – tiefschwarz, da der zunehmende Mond noch immer dünn war und die über ihm hängenden Bäume das Sternenlicht abschirmte.

Als er rutschte, schloss James seine Augen und konzentrierte sich. Eine unsichtbare Kraft überkam ihn und zog seinen Körper in unterschiedliche Richtungen und – wie vorhergesehen und beabsichtigt – war das Adrenalin phänomenal. Das Blut, das in den Kopf strömte... das Kribbeln in seinen Fingerspitzen... die Schwerelosigkeit seines gesamten Wesens, die so groß war, dass es sogar den Schmerz, den er hätte fühlen sollen, überlappte, als sein jetzt menschlicher Körper auf den Dreck stolperte, seinen Hals gegen einen Stein schrammend und eins seiner Beine gegen einen Holzklotz, bevor er flach auf seinem Rücken zwischen Farnkraut und Staub endete.

James hätte genau da einschlafen können. Er hatte kaum die Energie, sein hochrutschendes T-Shirt über seinen Bauch zu ziehen. Er konnte kaum seinen Kopf zur Seite legen. Ein Käfer krabbelte auf dem Boden neben seinem Kopf und James lächelte ihn schwach an.

„Es muss ziemlich einfach sein, du zu sein," murmelte er, fast neidisch. „Ist das Leben des einen Käfers kaputter als das einen anderen?" Der Käfer blieb, wie man es vorhersehen konnte, still. „Das dachte ich mir."

Er würde einen solchen Muskelkater am Morgen haben und er war bereits schwach genug, dass es eine ziemliche reale Chance gab, dass er zusammenbrechen würde, bevor er es zum Schloss zurückschaffte und doch sammelte James Kraft von einer unbekannten Quelle und zog sich selbst hoch. Er schwankte für einen Moment unsicher auf seinen Füßen und musste sich ein durchschwitztes Haar aus seinen Augen streichen, aber die Erschöpfung... das war keine schlechte Sache. Um Agrippas Willen, das war der Grund, warum er überhaupt heute Nacht hier draußen war.

Ein Animagus zu werden, hatte James mehrere Dinge gelehrt; es machte bewusster, wie er sich bewegte, wie es sich anfühlte, Blut durch seine Adern pulsieren zu haben oder wie er die Dinge durch seine eigenen, wenn auch zugegebenermaßen imperfekten Augen sah. Es hatte ihn auch zwei weitere sehr wichtige Dinge gelehrt. Eins: dass er, egal wie erschöpft er war, immer ein bisschen stärker war, als er dachte. Egal, wie ermüdend eine Vollmondexkursion war, wenn er es wirklich versuchte, würde er am nächsten Morgen die Kraft auftreiben können, aufzustehen und sich so zu verhalten, als ob alles normal war.

Die zweite Sache war, dass seine Müdigkeit auch ein Vorteil sein konnte. Wenn man müde genug war, bekam Erschöpfung berauschend. Es verlangsamte das Gehirn, es betäubte die Sinne, es machte die Welt verschwommen. Und selbst, wenn jede Verwandlung so schmerzhaft wäre, wie beim ersten Mal (das waren sie nicht), würde es dieser Rausch wert machen. Abgesehen davon, dass es fast garantieren würde, dass er in dieser Nacht schlafen würde (und in letzter Zeit war das genug Anreiz), war ein leerer Kopf, dachte James, als er seine Füße über den Pfad zwang, ein seltenes Geschenk und eins, das nie lange genug anhielt.

(Astronomieturm)

Die Bibliothek und der Gemeinschaftsraum waren außer Frage, aufgrund des Risikos des Zusammentreffens und Mary war im Schlafsaal, was es unmöglich machte, dort zu lernen. Folglich fühlte sich Marlene verloren und obdachlos, als sie auf der Suche nach Einsamkeit und einem Ort zu lernen mit einer schweren Büchertasche durch die Korridore wanderte.

Vielleicht war der Astronomieturm aufgrund seinem Ruf als „sozialem" Ort nicht die offensichtliche Wahl, aber Marlene hatte an diesem Abend Glück. Anscheinend hatte die übliche Zahl der verliebten Pärchen, die diesen Ort heimsuchten, entschieden, sich bei den drohenden Prüfungen an die Bücher zu setzen und der Turm war leer.

Marlene setzte sich auf den Boden, ließ die Büchertasche neben sie fallen und lehnte ihren Rücken gegen die Wand. Der Nachthimmel bildete ihre Decke und vielleicht war der Platz ungemütlich – mit dem Steinboden und der schwülen Sommerluft – aber wenigstens war sie allein.

Sie öffnete ihr Zaubertränkebuch zu einem der Abläufe, die Slughorn versprochen hatte, in der Abschlussprüfung dranzunehmen (der Beruhigungstrank) und begann zu lesen. Innerhalb zehn Sekunden dachte Marlene an Adam. Sie hatten gemeinsam am Beruhigungstrank gearbeitet.

„Verdammt," fluchte Marlene laut und zu keinem speziell.

Natürlich erkannte sie, als sie die Sterne finster anblickte, dass das ziemlich sicher der falsche Platz war um zu vermeiden an Adam zu denken. Nicht ohne einen schmerzenden Stich dachte sie an das, was hier beinahe vor neun Monaten passiert wäre.

Marlene schob ihre Bücher auf den Boden und kam auf ihre Füße. Sie schlenderte zum Rand und sah über die Ländereien – Hagrids Hütte dahinten, der Verbotene Wald, die Türme und die Dächer des Schlosses... Sie schloss ihre Augen und versuchte sich vorzustellen, was er – was Adam – in dieser Nacht gesehen hatte, als er beinahe gefallen war. Sie verwendete das Wort „gefallen", weil es nicht wirklich als springen zählte, oder?

Sie hatte immer gut mit Höhen umgehen können, das war vermutlich auch, warum sie fliegen so sehr mochte und jetzt, als sie sich über die Wand lehnte und nach unten starrte, genoss Marlene das Gefühl einer kühlen Brise auf ihrem Gesicht und die vage Schwerelosigkeit so weit über dem Boden zu stehen, während es anderen vielleicht schwindelig geworden wäre. Ohne zu wissen, warum (und komplett erkennend, dass es vermutlich ziemlich dumm war), schwang Marlene ein Bein auf die Steinmauer und zog sich hoch.

Da stand sie, ihre Arme weit ausgebreitet hauptsächlich um ihr Gleichgewicht zu halten, der Schwerkraft ausgeliefert, als der Wind sanft an ihren Umhängen und ihrer Uniform zog. Wenn sie ein wenig vernünftiger wäre, dachte sie, hätte sie ein wenig mehr Angst und doch...

Marlene?"

Erschrocken öffnete Marlene ihre Augen und drehte ihren Kopf, wobei sie ein wenig ihr Gleichgewicht verlor und wankte.

„Marlene!"

Sie hatte kaum registriert, dass es Adam McKinnon war, der sie rief, als er schon ihre Hand gepackt hatte und sie zurück zum Boden zog.

„Was zur Hölle tust du da?" wollte Adam wissen.

„Ich wollte nur..." Marlene brach ab, da sie keine echte Erklärung hatte... „Das war nichts," winkte sie ab. „Was tust du denn hier?"

„Oh, du weißt schon... glückliche Erinnerungen an den Astronomieturm hegen."

„Sei nicht sarkastisch bei dem Thema."

„Sagt das Mädchen, dass sich auf einen Kopfsprung vorbereitet hat."

„Ich habe mich nicht auf einen Kopfsprung vorbereitet. Ich – äh – habe die Aussicht genossen."

Dann realisierten Adam und Marlene, dass er sie noch immer irgendwie in seinen Armen hielt und sie sprangen plötzlich und verlegen auseinander.

Adam räusperte sich. „Gibt – gibt es einen Grund, warum du das Bedürfnis gespürt hast, da hochzuklettern?" fragte er, während er sich hinten am Hals kratzte und ihr nicht ganz in die Augen schaute.

„Ich weiß nicht," antwortete Marlene, sie sah ebenfalls entschlossen weg. „Ich... hab es einfach getan. Ich dachte, ich sehe mal, wie es sich anfühlt."

Er hob seine Augenbrauen. „Und wie hat es sich angefühlt?"

Nach etwas Nachdenken: „Befreiend."

Adam schnaubte. „Richtig."

„Was machst du überhaupt hier?" fuhr Marlene fort, irgendwie anklagend. „Kommst du hier oft hoch? Ich denke nicht, dass das gesund ist. Schließlich, bist du fast... tja, du weißt schon und..."

„Ich bin hier hochgekommen um nachzudenken, das ist alles," unterbrach Adam. Er bemerkte ihre Bücher. „Machst du Hausaufgaben?"

„Versuche zu lernen. Erfolgslos."

„Und das hat dich zu deinem Suizidversuch gebracht?"

„Es war kein Suizidversuch!"

„Ja, wenn ich eine Minute später an gewesen wäre, wäre es ein Suiziderfolg gewesen."

„Ich habe eigentlich ein exzellentes Gleichgewicht."

„Du bist beinahe gefallen!"

„Nur, weil du mich erschreckt hast!"

Sie waren beide für mehrere Sekunden still; schließlich schüttelte Adam seinen Kopf und sprach. „Na gut. Ich – lasse dich in Ruhe lernen. Nur... klettere bitte auf keine weiteren Ränder mehr?"

Er begann zu gehen.

„Warte. Adam." Der Zauberer hielt inne und sah sie an und Marlene wusste, dass sie kein Recht hatte, es zu sagen, aber Merlin, sie musste es. „Ich vermisse dich."

(Vor dreieinhalb Wochen)

Die Sonne stand tief im Himmel und färbte das Quidditchfeld in einem orangen und rosa Licht. Trotzdem war da ein neugieriges Feuer in Adams blaugrünen Augen, dass nicht mit dem Sonnenuntergang erklärt werden konnte.

Und dann sagte er es.

„Marlene, ich liebe dich."

Automatisch: „Adam, warte..."

„Nein, das kann ich nicht," hastete er weiter. „Du verstehst nicht – ich habe seit Ewigkeiten gewartet. Ich kann nicht mehr warten. Ich liebe dich. Ich meine, ich bin verliebt in dich. Ich bin seit dem vierten Jahr in dich verliebt und... ich weiß, dass wir befreundet sind, aber, Marlene, es ist... unmöglich für mich, mich so zu verhalten, als ob das alles ist, was ich will. Ich kann das nicht mehr tun... ich will mit dir zusammen sein."

Mehrere Sekunden oder mehrere Minuten waren vielleicht vergangen. Marlenes Stimme hatte aufgehört zu funktionieren, da sie mehrere Male versuchte, sich zum Sprechen zu bringen und jedes Mal bemerkte, dass die Worte in ihrer Kehle erstickten. In der Zwischenzeit arbeitete ihr Gehirn so angestrengt, dass es genauso gut nicht arbeiten hätte können, da alle ihre vielen Gedanken und Emotionen und Impulse in der Panik ineinander verschwommen.

Sie fühlte, wie ihr die Hitze ins Gesicht stieg. Ihr war vage bewusst, dass sie Angst hatte. Ihr war mehr als nur vage bewusst, in welcher hastigen Art ihr Herz schlug. Sie hatte keine Ahnung, wie sie antworten sollte (oder wollte).

Bitte sag etwas, Marlene."

Aber sie konnte nicht, weil wenn sie nicht sagen konnte, dass sie ihn auch liebte, würde sie lieber nichts sagen. Und sie konnte einfach nicht sagen, dass sie ihn auch liebte. Sie konnte es einfach nicht.

Oh Gott, sie musste etwas sagen...

„Es – es tut mir leid, ich..." Mehr Zögern, dann, „ich weiß nicht, was ich sagen soll, Adam. Ich – ich wusste das nicht."

Aber das, erkannte sie plötzlich und mit Schrecken, war eine Lüge. Natürlich hatte sie es gewusst. Natürlich hatte sie gewusst, dass er sie liebte. Sie hatte es geleugnet und es unterdrückt und nette kleine Ausreden für Mary und für sich entworfen, aber sie hatte es gewusst. Mädchen – dachte sie – wissen es immer.

„Adam," begann sie, noch immer überrumpelt von ihrer unglücklichen Erkenntnis. „Ich kann nicht. Hör zu, d-d-du bist einer meiner besten Freunde..."

Er sah von dieser Zeile nicht überrascht aus (und es war eine Zeile), er sah auch nicht verletzt oder am Boden zerstört aus, aber etwas Undefinierbares veränderte sich in seinem Ausdruck und Marlene wusste, dass er genau verstand, was sie sagen wollte.

„Und das ist alles," unterbrach Adam, ohne Frage in seiner Stimme. „Nur Freunde."

Atemlos und mit einem seltsamen und schrecklichen Schmerz in ihrer Brust: „Ist das nicht genug?"

„Was meinst du?"

„Ich meine – ist Freundschaft nicht genug?"

„Ich weiß nicht," sagte Adam. „Aber ich – ich denke nicht, dass ich das weitermachen kann. Ich kann nicht so sein, wie wir es waren... es ist zu schmerzhaft für mich, Marlene."

„Wie meinst du das, du kannst ‚das' nicht mehr tun?" fragte sie alarmiert. „Du kannst nicht – nicht mit mir befreundet sein?"

„Mar, ich habe dir gerade gesagt, dass ich dich liebe. Denkst du nicht, dass das alles verändert?"

Marlenes Herz klopfte in ihrer Brust. Sie wusste, was passierte, sie war kurz davor, Adam zu verlieren... Nein, sie hatte ihn bereits verloren. Er hatte Recht, es veränderte alles. Er hatte alles verändert.

„Hör zu," sagte Adam, nachdem sie für eine Weile still war, „lass uns das Ganze einfach vergessen. Lass uns einfach die ganze Sache vergessen. Wenn wir uns einig sind, dass es nie passiert ist, dann ist es nie passiert, richtig? Und alles..."

„Das können wir nicht," unterbrach Marlene plötzlich. Sie kam unsicher auf ihre Beine und Adam machte ihr die Geste nach. „Wir können nicht zum Normalen zurückkehren! Ich kann das hier nicht vergessen! Es ist bereits passiert – es ist schon da draußen!" Tränen schwammen in ihren Augen und ihr Kopf bebte vor Schmerz, sie rieb ihre Schläfen mit ihren Fingerspitzen, im Versuch ihren Kopf zu beruhigen. „Wie können wir jetzt noch befreundet sein?"

Adam sah sie einfach nur geschockt an.

„Warum musstest du das tun?" sagte sie und dann wünschte sie sich, dass sie es nicht getan hätte. Oh Gott, lass sie es zurücknehmen. Bitte lass sie nie mehr Adam mit diesem Ausdruck sehen. Bitte, bitte, bitte, bitte...

„Es – es tut mir leid," sagte er leise.

Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein...

Da waren Millionen Dinge, die Marlene sagen wollte – irgendwas um das zu reparieren, irgendwas um es zurückzunehmen. Aber, Gott, sie wusste nicht, was sie sagen sollte und sie konnte ihn nicht so sehen, sie konnte es nicht ertragen, diesen Blick in seinen Augen nur eine weitere Minute zu sehen.

„Ich m-muss gehen," stammelte sie. Tränen schlüpften aus ihren Augen, als sie sich umdrehte und davoneilte und ihre Umhänge eng um ihre Mitte zog. Adam hielt sie nicht auf.

Adam liebt mich, dachte sie und es kam ihr zum ersten Mal, wirklich glasklar in den Sinn, dass sie ihn brauchte.

(Gegenwart)

Ich vermisse dich."

Adam starrte einfach nur. „Was?"

„Du warst mein bester Freund. Du bist mein bester Freund... mit Mary," ergänzte sie mit rollenden Augen. „Aber... jetzt reden wir nicht mehr? Wenn es meine Schuld ist, dann tut es mir leid..."

„Es ist nicht deine Schuld," seufzte Adam. „Es ist meine."

„Nein, sag das nicht. Es ist nicht deine Schuld. Ich hätte nicht sagen sollen, was ich gesagt habe."

„Ich hätte nicht sagen sollen, was ich gesagt habe."

Marlene nahm sich eine Minute um das zu analysieren. Was er gesagt hat? Er hatte nichts Unfreundliches gesagt... also bedeutete das... nahm er es zurück? Liebte er sie doch nicht? Aber warum nicht? Marlene ermahnte sich für diesen Gedanken und fuhr dann fort:

„Also, was sagst du jetzt?"

Ich sage gar nichts," bemerkte Adam. „Ich wollte gerade gehen, erinnerst du dich?"

„Ich will nicht, dass wir keine Freunde sind." Sie flehte jetzt geradezu.

„Du warst diejenige, die gesagt hat, dass wir das nicht können. Und ich denke, du hattest Recht."

„Nein!" Sie schritt nach vorne. „Nein, das hatte ich nicht! Wenn du noch immer Freunde sein willst..."

„Marlene..."

Was?"

Adam atmete tief aus, er schob sein schlaffes, hellbraunes Haar aus seinen Augen und verlagerte sein Gewicht. „Ich wünschte, du würdest dich entscheiden, was du willst."

„Ich auch," stimmte Marlene düster zu und er lächelte ein wenig, als ob er versuchen würde, es nicht zu tun.

„Ich will auch nicht, dass wir keine Freunde sind," gab er nach einer Weile nach.

„Wirklich?"

„Denkst du, wir können einfach vergessen, was passiert ist?"

„Kannst du das?" Sie wartete angespannt auf eine Antwort. Schließlich nickte Adam.

„Ich denke, das kann ich."

„Ehrlich?"

„Ja."

Sie sahen sich beide einfach an. „Okay," sagte Marlene schließlich. „Also – Freunde?"

Nur mit ein wenig Zögern: „Freunde," stimmte Adam zu. Aber da war etwas in seinen Augen – etwas in seinem Ausdruck und wie er sie ansah, als er das Wort äußerte – etwas, das ihr sagte, dass sich alles geändert hatte.

Freunde.

Die Tragödie der Sache war, dachte Marlene, als sie sich auf unelegante Weise Auf Wiedersehen sagten, war, dass sie beide wussten, dass es eine Lüge war.

(Und Remus)

„Also – das war mal eine Kräuterkundeabschlussprüfung, oder?"

Remus Lupin sah von seinem Verteidigung-gegen-die-Dunklen-Künste-Buch hoch und lächelte schwach, als Lily sich auf den freien Platz ihm gegenüber am Bibliothekstisch setzte.

„Wie denkst du, dass du warst?"

Remus zuckte bloß mit den Schultern. „In Ordnung, schätze ich. Du?"

„Auch, glaube ich." Sie saßen für einen Moment und dann fuhr Lily fort: „Ich habe dich kaum gesehen. Ich wollte seit Ewigkeiten mit dir reden, aber – du bist nie alleine. Ich sehe dich auch nie im Gemeinschaftsraum oder beim Essen... dich hier zu finden ist nur eine Folge meiner hartnäckigen Verfolgung."

„Ich esse die meisten meiner Mahlzeiten in den Küchen," sagte Remus sanft. „Und im Gemeinschaftsraum gibt es immer die Möglichkeit, dass ich Sirius treffe, also..." Er sah runter auf sein Buch. „Und um ehrlich zu sein, bin ich dir irgendwie ausgewichen."

Lily nickte. „Ja... das habe ich mir irgendwie gedacht."

„Ich... bin mir einfach nicht sicher, was ich zu dir sagen soll," fuhr Remus fort. „Abgesehen von den anderen – James, Peter, Sirius, du weißt schon – hat niemand... ich meine, es hat noch nie jemand das über mich ‚herausgefunden'. Dass Snape es weiß, verursacht andere Probleme, aber es ist nicht so, als ob mir seine persönliche Meinung von mir wichtig ist, weißt du? Aber ich – mit dir ist es ziemlich anders."

Lily nickte wieder. „Ich bin froh, dass ich es nicht wusste," sagte sie ihm. „Ich meine, davor. Es wäre sehr kompliziert mit Sev gewesen und ich verstehe, dass du es mir nicht sagen wolltest... da er mein bester Freund und dein schlimmster Feind war..." Sie seufzte.

„Richtig."

„Aber deshalb wollte ich nicht mit dir reden." Remus rutschte unbehagen herum. „Geht es dir gut? Ich meine, ich will nicht so machen, als ob ich eine Expertin in..." Sie senkte ihre Stimme. „...Lykanthropie bin, aber es kann nicht sehr angenehm sein. Ich habe gelesen, dass die lunaren Ereignisse schrecklich strapazieren und der nächste Vollmond nähert sich und... tja... du weißt das natürlich alles schon."

„Mir geht es gut," sagte Remus. „Und, Lily, glaub mir, ich versteh's."

„Du verstehst es? Du verstehst was?"

„Du schuldest mir nichts, Lily."

„Remus, ich habe keine Ahnung, worüber du redest."

Remus seufzte. „Ich habe dich angelogen und – das war nicht irgendwas kleines, Unwichtiges. Es ist die Art Geheimnis, die du hättest wissen sollen... das jeder, der überlegt, ob er mein Freund sein will oder Zeit mit mir verbringen will – rechtmäßig wissen sollte."

„Tja, um fair zu sein, hast du nie gesagt, dass du kein Werwolf bist," witzelte Lily, aber als Remus' Lächeln – bestenfalls – halbherzig war, fuhr sie ernster fort: „Remus, du musst dich nicht dafür entschuldigen, es mir nicht zu sagen. Und du musst dich sicher nicht dafür entschuldigen, dafür... dass du das hast."

„Was ist damit, dass ich dich zerfetzen wollte?"

„Äh. Ich hätte schlimmere Nächte." Remus sah weiter nicht amüsiert aus. „Oh, komm schon, du lachst über keine meiner Witze," beschwerte Lily sich. „Bist du auf mich wütend?"

„Nein, ich bin nicht auf dich wütend," seufzte er und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. „Ich – ich fühlte mich einfach schuldig, wenn ich in deiner Nähe bin."

„Tja, tu es nicht. Du hast nichts, über das du dich schuldig fühlen musst. Nichts davon ist deine Schuld."

„Das verändert nichts."

„Wie meinst du das?"

„Ich meine..." Er überlegte, fuhr dann fort: „ich meine, dass es nicht die Tatsache verändert, dass ich die Art von... Kreatur... bin, die vernünftige Leute meiden."

„'Kreatur', Remus? Wirklich?"

„Lily, die halten Vorträge über meine Sorte im Pflege von magischen Geschöpfen. Ich musste Fragen über mich in der Verteidigung gegen Dunkle Künste Z.A.G. Prüfung beantworten. Es ist nicht gut, mit mir befreundet zu sein. Einfach nicht."

„Was ist mit James und Sirius und Peter?"

Remus warf ihr einen spitzen Blick zu.

„Tja, James und Peter dann?" änderte sie aufrichtig. „Was ist mit ihnen? Sie sind deine Freunde."

„Das ist anders. Sie wissen es seit dem zweiten Schuljahr."

„Und in vier Jahren werde ich es so lange wissen, wie sie es jetzt tun!"

„Ich weiß, es ist nur..."

„Nur was?"

Er zögerte. „Wenn du es irgendwie anders herausgefunden hättest... wenn Sirius es nicht – nicht Snape gesagt hätte – dann wären die Dinge anders. Es wäre genug gewesen, dass du gesagt hättest, dass es für dich okay ist. Ich wäre wahrscheinlich sogar erleichtert gewesen, dass du es weißt."

Aber?"

„Aber Sirius hat es gesagt," antwortete Remus achselzuckend. „Mein bester Freund hat mich in einem Rachezug als Spielfigur benutzt und gerade jetzt traue ich niemandem mit dem Geheimnis. Nicht einmal James und Peter und das ist schrecklich, aber einfach, wie ich mich fühle. Zum ersten Mal seit Jahren wünschte ich, dass sie es nicht wüssten. Ich wünschte, niemand wüsste es. Bevor Sirius es gesagt hat, war mir nicht klar, wie verzweifelt ich gewollt hatte, einfach vor allen zu stehen und ihnen die Wahrheit zu sagen, weil ich es gehasst habe dieses blöde Geheimnis geheim zu halten und ich habe die Tatsache geliebt, dass da jemand war – drei Jemande, um genau zu sein – der die Wahrheit wusste. Aber jetzt weiß ich, warum ich es niemandem sagen kann. Ich würde lieber dieses beißende Geheimnis behalten, als... als die Alternative."

Lily nickte langsam und bot nach etwas Zeit halb im Witz an: „Willst du meine Erinnerung löschen?"

Remus schnaubte. „Ich fühlte mich schuldig genug, dass ich dir nicht vertraue... danach zu handeln, würde es nur schlimmer machen."

„Du kannst mir vertrauen, Remus."

„Ich weiß das... es ist einfach... schwierig."

„Okay." Lily stand vom Tisch auf. „Wir sind aber noch Freunde... oder?"

„Das würde mir gefallen," antwortete Remus. „Wenn du auch willst..."

„Natürlich." Lily biss auf ihre Lippe, bevor sie hinzufügte: „Wenn du irgendwas brauchst, bin ich da für dich."

„Danke." Die Hexe begann zu gehen. „Lily." Rief Remus ihr leise hinterher und sie hielt inne. Um zu vermeiden, dass irgendjemand mithörte, stand er auf und näherte sich ihr und lehnte sich näher, als er sprach. „Ich weiß, dass du Zeit mit Sirius verbracht hast..."

„Remus, er hat keine Freunde..."

„Nein, das ist es nicht," unterbrach die andere. „Ich wollte – ich wollte dich nur warnen. Ich weiß, dass du denkst, dass du ihm vertrauen kannst – dass sein Herz am rechten Platz ist. Das habe ich immer gedacht. Aber du kannst das nicht. Du kannst Sirius Black nicht vertrauen."

Lily sah ihm in die Augen. „Das tue ich aber."

Remus runzelte die Stirn, Schmerz zeichnete sich auf seinem bleichen, müden Gesicht ab. „Sei vorsichtig, Lily."

Sie wusste, dass er diese als Abschiedsworte gemeint hatte, aber Lily schritt näher, die Entfernung zwischen ihnen schließend, und umarmte Remus fest. Als sie ihn losließ, sagte sie: „Es wird alles okay sein, weißt du. Sirius, Potter... alles. Versprochen."

Dann drückte Lily Remus Hand ein letztes Mal beruhigend und ging, weil Ms. Sevoy ihnen seltsame Blicke zu warf.

(Mit Sicherheit)

Selbst die Euphorie mit Frank zusammen zu sein, war nicht genug um Alices Laune nach dem ersten Tag ihrer UTZ Prüfungen zu heben. Am Montagabend lag die Hexe ausgebreitet auf Franks Bett, umgeben von Büchern und Unterrichtsnotizen, für die sie keine Energie mehr hatte, sie zu verfolgen.

„Ich werde durch meine Zauberkunst U.T.Z fallen," informierte sie ihren Freund. „Das werde ich einfach. Hoffe, du hast viel Spaß mit den Auroren, Frank, weil ich als eine Kellnerin enden werde."

Der Schulsprecher, der zusammengesackt an seinem Schreibtisch saß, während er vergeblich versuchte ein weiteres Kapitel über Pflanzenwachstum zu lesen, schüttelte seinen Kopf. „Du schaffst das schon. Du bist gut in Zauberkunst."

„Nein, bin ich nicht. Ich bin bloß eine überzeugende Hochstaplerin."

„Oh, das bezweifle ich stark." Lächelnd stand Frank von dem Tisch auf und schaltete das Radio an, bevor er sich zum Bett bewegte und sich neben Alice legte. Sie blieben ruhig und still für eine Weile, während ein altes Lied mit Versprechen von unsterblicher Liebe und endloser Hingebung durch den Raum schwebte.

„Ally," murmelte Frank gegenwärtig. „Was wenn – was, wenn wir keine Auroren wären?"

Alice sah zu ihm auf. „Wie meinst du das?"

„Ich meine, was, wenn wir es nicht ins Programm schaffen? Oder wenn wir – uns entscheiden, stattdessen etwas anderes zu machen?"

„Warum würden wir uns entscheiden, stattdessen etwas anderes zu machen?" hakte Alice nach. „Ist da etwas anderes, über das du nachdenkst?"

„Nein," gab er zu. „Nein, ich weiß nicht."

„Frank, wovon redest du?"

Der Schulsprecher seufzte. Er zog Alice näher und überlegte sich seine Antwort genau, bevor er sie gab. „Ich wollte immer ein Auror sein," begann er langsam. „Ich hätte nie daran gedacht, etwas anderes mit meinem Leben zu machen. Aber das – das war, als ich dich hatte."

„Du hast mich immer noch," bemerkte Alice. „Und ich habe dich."

„Ja, ich weiß. Aber ich... ich hatte dich nicht jetzt; ich weiß, wie das ist. Und ich will es nicht wieder erleben und wenn – wenn wir keine Auroren wären, wenn wir irgendwie einfach weggehen könnten..."

„Frank," unterbrach Alice sanft. „ich weiß. Ich habe auch darüber nachgedacht."

„Und...?"

„Und ich habe keine Antwort für dich. Ich habe keinen Grund, hier zu bleiben, außer dass ich weiß, dass ich hierbleiben muss – dass ich ein Auror sein muss... dass ich kämpfen muss. Und ich kann mir nicht sicher sein, aber ich denke, du wirst herausfinden, dass du dasselbe fühlst."

Frank antwortete nicht. Das Lied im Radio endete und der Moderator las eine kurze Nachrichtenmeldung: ein Todesserangriff in Wales, zwei muggelstämmige Hexen tot, eine kurze Nachricht von Mrs. Scowers Magische Fleckenentferner für alle Zwecke und dann zurück zur Musik...

„Frank?"

Der Zauberer kam aus seiner Trance und lächelte Alice an, bevor er sich aufsetzte. „Ich schätze, wir fangen besser wieder an zu lernen."

Alice spiegelte sein Lächeln und nickte. „Ich schätze."

Frank lehnte sich hinüber und küsste sie sanft auf die Lippen. „Ich liebe dich, Alice Griffiths."

„Ich liebe dich auch."

(Das Ende)

Das seltsamste an der ganzen Situation war das vollständige Fehlen von Zeremonie. Es war der Mittwoch der Prüfungswoche und Lily endete ihre Verteidigungsprüfung nur Minuten nach Severus Snape. Sie hatten sich verabredet, sich in der Bibliothek zu treffen um ein wenig für die Zauberkunstprüfung zu lernen, die an diesem Nachmittag war, aber Sev ließ sie warten.

Schließlich kam er an und nahm an einem der wenigen freien Tische Platz, aber es war nicht der übliche, hintere versteckte Tisch in der Ecke, sondern einer der zentralen, umgeben von dutzend anderen, fleißig paukenden Schülern.

„Können wir nicht woanders sitzen?" fragte Severus und Lily verpasste nicht den misstrauischen Blick zu einem Tisch von Fünftklässler-Slytherins.

„Warum?"

„Zu laut hier," murmelte der andere. Offensichtlich eine Lüge – jeder war viel zu sehr damit beschäftigt, sich auf die letzten Tage der Prüfungen vorzubereiten um zu plaudern.

Lily sah verärgert aus, nein, sie sah mehr als verärgert aus. Sie sah wütend aus. „Nein," sagte sie einfach und fuhr fort, ihre Zauberkunstnotizen zu wiederholen.

Frustriert mit der Dickköpfigkeit der Hexe beharrte Severus: „Warum nicht?"

„Deshalb."

„Weshalb?"

Deshalb."

Snape blickte finster. „Das ist kein Grund."

Lily verschränkte ihre Arme über ihren Unterlagen und sah entschlossen in Snapes schwarze Augen. „Abgesehen von ein paar Leuten in diesem Raum, die gerade in diesem Moment das Wort ‚Schlammblut' denken, sehe ich keinen Grund dafür, dass wir umziehen sollten."

„Ich verstehe," sagte der Zauberer höhnisch. „Also testest du mich?"

Sie stritt es nicht ab. „Wie denkst du, dass du abgeschnitten hast?"

„Lily," begann der Zauberer, „wir sollten Freunde sein..."

„Aber das sind wir nicht," unterbrach sie plötzlich. „Sind wir nicht, oder?"

Endlich wachgerüttelt: „W-was meinst du damit?"

„Wir hatten uns früher Dinge erzählt," fuhr Lily fort. Ihre Stimme war hohl – nicht ohne Gefühl, aber irgendwie kahl. „Wir wussten früher, was bei dem anderen los war. Du hattest mich nicht versteckt und du hast unsere Freundschaft nicht genutzt um deine Meinung durchzusetzen – wie ein jammernder Fünfjähriger... oder vielleicht warst du damals einfach besser darin und ich habe es nicht gemerkt." Da war jetzt eine Spur von Wut in ihrem leicht wackeligen Ton. „Wir sind keine Freunde, Sev – wann waren wir das letzte Mal wirklich, aufrichtig befreundet?"

„Lily..."

„Ich weiß nicht, was du da letztens zu Mulciber gesagt hast," fuhr sie fort. „Ich weiß nicht, ob du ihm beim Thema Blutstatus und Todesser zu stimmst... aber ich vertraue dir nicht, Sev, und du vertraust mir nicht."

„Ich vertraue d..."

„Du erzählst mir nichts mehr. Ich weiß nicht, was in deinem Leben vorgeht... was passiert, wenn ich nicht da bin und du weißt sicherlich nicht, was in meinem vorgeht – und der Teil ist so sehr meine Schuld, wie es deine ist, weil ich dir auch nichts erzähle. Wir reden manchmal, aber wir sagen nichts. Wir vermeiden Dinge und tanzen um Themen... wir lügen uns an..." Sie dachte an den Vollmond-Vorfall und an Severus' Meinung zu Mulcibers Angriff gegen Mary. „Wir sind keine Freunde," endete sie flüsternd. „Wir sind seit einer langen Zeit keine Freunde mehr." Eine einsame Träne fiel ihre Wange hinunter und Lily ihre Lernsachen in ihre Büchertasche.

Sie war draußen im Flur, bis Severus ihr folgte.

„Einfach so?" fuhr er sie an, als er sie einholte. „Einfach so, sind wir keine Freunde?"

Einfach so?" wiederholte Lily ironisch. „Das ist nicht ‚ganz plötzlich', Sev. Vor einem Jahr hast du mich vor unserer ganzen Stufe ‚Schlammblut' genannt..."

„Das war ein Ausrutscher und du hast gesagt, dass du mir vergeben hast..."

„Natürlich war das ein Ausrutscher!" unterbrach Lily ihn laut. „Es ist einfach rausgerutscht, ich weiß, weil wir uns gestritten haben und weil du dich blamiert hast und weil du wütend warst, ist es einfach rausgerutscht! Und ich habe gesagt, dass ich dir vergeben habe, das stimmt, aber das habe ich nicht! Ich habe es versucht – ich dachte manchmal, dass ich das hätte... Aber es gibt einen Grund dafür, dass ich dich wegen deinen nicht sehr subtilen Versuche unsere Freundschaft zu verstecken, bis jetzt nicht konfrontiert habe und das ist, weil ich wusste... ich wusste seit unserem Tag nach den Z.A.G.s, dass du dich nicht für mich entscheiden würdest! Und in dieser Nacht in der Eingangshalle – der erste Schultag, als Mulciber dich entscheiden ließ... wenn James ihn nicht geschlagen hätte, hättest du ihre Seite gewählt, oder? Du hättest meinen Zauberstab genommen..."

Aber Snape schien irgendwie taub geworden zu sein. „Also ist er jetzt James?"

„Oh, Gott, halt die Klappe!" schrie sie halb. „Was denkt ihr zwei überhaupt von mir? Dass ich unglaublich dumm bin? Dass ich nicht wütend auf den einen sein kann, ohne dass der andere mir dazu angestiftet hat? Warum auf Erden denkst du, dass irgendwas, das Potter tut, alles rechtfertigt, das du tust?"

„Es kommt immer auf ihn zurück bei dir..."

„Weil du es immer dahin zurückbringst!"

Snapes Augen blitzten wütend. „Ich muss das hier nicht tolerieren..." murmelte er und drehte sich um zu gehen. Alles, was Lily registrierte, war, wie sehr er sich verändert hatte... Wie anders er war, als der kleine Junge im Nachbarpark, der ihr gesagt hatte, dass sie magisch war...

„Ich hatte Recht, oder?" sagte sie sanft, als er eine kurze Entfernung weg war und Severus hielt inne um ihren Gedanken zu hören. „Ich habe gesagt, dass wir beide unsere Wege gewählt hatten und ich hatte Recht. Wir hatten beide schon gewählt, wir konnten nicht zurück..."

Ohne zu schauen und ohne ein Wort zu sagen fuhr Snape mit seinem flotten Abgang fort. Lily sah zu, wie er ging, dann, die Tasche auf ihrem Arm hochschiebend, drehte sie sich um und bewegte sich langsam in die andere Richtung.

(Fünftes Jahr, Teil 2)

Schlammblut.

Das Wort hallte wie vor Stunden in ihrem Kopf wieder.

Du hast deinen Weg gewählt und ich meinen.

Lily fasste ihr Nachthemd eng um ihre Mitte. Angst tränkte ihr Gesicht und ihr Haar war eine Katastrophe.

Sev war weg. Weg, weg, weg. Sev hatte sie ein „Schlammblut" genannt. Sev hatte sie gewählt. Sev war weg.

Lily würgte und keuchte, dankbar, dass sie zumindest aus dem Schlafsaal draußen war. Sie konnte Marys und Marlenes Mitleid oder Donnas Drohungen, „diesen wertlosen Slytherinschleim" zu erwürgen nicht ertragen. Gerade jetzt wollte sie einfach alleine sein und während das Sitzen in einer Ecke im Korridor des fünften Stockes um neun Uhr nachts ihr sehr gut Nachsitzen einbringen konnte, dachte Lily, dass es ein Risiko war, dass sie eingehen wollte.

Schlammblut, sagte der Severus in ihrem Kopf wieder und ihr Herz brach wieder von vorne.

„Lily Evans?"

Lily zuckte bei dem Klang ihres Namens ziemlich stark zusammen. Ein Ravenclaw Sechstklässler stand ziemlich nahe (wie hatte sie ihn nicht bemerkt?) und sah die tränenüberströmte Fünftklässlerin vor ihm überrascht an. Der Zauberer war ziemlich gutaussehend, mit ordentlich gekämmten goldbraunem Haar, tiefen, dunklen Augen und einem ernsten, intelligenten Auftreten. Lily kannte ihn kaum – sein Name war Luke und sie dachte, dass sein Nachname vielleicht „Harper" war.

„Du verrätst mich nicht an Filch, oder?" fragte sie mit einer heiseren Stimme vom Weinen. Luke sah nur von der Idee entsetzt aus.

„Natürlich nicht. Geht es dir gut?"

„Geht – geht es mir gut?" stammelte sie. „Sehe ich so aus?"

Andere Jungs hätten sich angegriffen gefühlt oder dies als Andeutung verstanden, dass sie ziemlich verrückt war und sie besser auf Abstand bleiben sollten; James Potter hätte vermutlich kommentiert, dass sie immer ziemlich gut aussah, aber Luke Harper sah einfach nur entschuldigend aus. „Es tut mir leid." Dann setzte sich der Ravenclaw zu Lilys großer Überraschung neben sie. „Ist – ist jemand gestorben?"

„Was? Oh, nein." Lily schüttelte ihren Kopf. „Nein, nicht so was. Es ist mein Freund Severus... er..."

„Oh, ja, davon habe ich gehört. James Potter und die anderen Sechstklässler..."

„Richtig."

„Willst du – willst du darüber reden?"

„Nicht wirklich," seufzte der Rotschopf. Mit Mitleid in seinen melancholischen braunen Augen, legte Luke eine Hand auf ihre Schulter. Dann, ziemlich unbeabsichtigt, bemerkte Lily, wie sie anfing zu sprechen. „Er sollte mein bester Freund sein," begann sie verzweifelt. „Er hätte – wir hatten uns ein paar Stunden zuvor gestritten und er war sauer auf mich... er war sauer wegen den Rumtreibern, verlegen wegen Potter und er... er hat... er hat es einfach gesagt... er sollte mein bester Freund sein und egal – egal, wie wütend du bist, gibt es einfach bestimmte Dinge, die du nicht tun kannst... nicht zu deiner besten Freundin... nicht zu jemanden, der dir wirklich, ehrlich am Herzen liegt. Was sagt das über ihn? Was sagt das über mich?" Sie schniefte und fuhr fort: „Wir waren beste Freunde seit – seit Hogwarts... er war derjenige, der mir gesagt hat, dass ich eine Hexe bin... Er war da, als meine Schwester anfing, mich zu hassen – er war mein erster Freund, abgesehen von ihr... mein erster Hogwartsfreund... ich hätte alles für ihn getan, aber er kann nicht – er wird nicht... er würde nicht dasselbe für mich tun. Aber wir waren beste Freunde seit ich neun war... was... was soll ich eigentlich machen, wenn er nicht mehr da ist...?"

Lily zuckte zusammen, als ob sie sich plötzlich erinnerte, dass sie nicht wirklich alleine war und mit sich selbst redete. „Es tut mir leid. Ich sollte nicht – ich sollte dich nicht damit nerven. Ich kenne dich nicht mal."

Luke lächelte verständnisvoll; er hatte ein nettes Lächeln – ein klassisch schönes, ebenmäßiges Lächeln. „Lucas Xavier Harper," stellte er sich vor und streckte seine Hand aus.

Lily entgegnete das Lächeln (ihres war ziemlich wässrig) und nahm seine Hand. „Lily Marie Evans."

Sie schüttelten ihre Hände. „Also," fuhr Luke fort. „Was ist da noch?"

„Wie meinst du das?"

Der Ravenclaw griff in seine Tasche und zog ein gefaltetes Stück Stoff heraus. Ein Taschentuch. Er gab es Lily. „Was ist da noch, mit dem du andere Leute nicht nerven willst?"

Lily starrte ungläubig von dem Taschentuch zu Luke.

„Ich bin ein sehr guter Zuhörer," sagte er ihr.

„Wirklich?"

„Ja."

Sie wischte sich die Tränen von ihren Wangen, aber hielt sich an dem Taschentuch fest, als sie mit ihrer Geschichte fortfuhr (so wie sie war). Es war leicht mit Luke zu reden; er hatte keine Meinung über Severus Snape, keine spezielle Vorliebe für James Potter... er hörte aufmerksam zu. Sie schwelgte, sie trauerte, sie schimpfte und – sie dachte – dass da was an Luke Harper war... etwas, das einen zweiten Blick verdiente.

(Gegenwart)

„Das ist einfach traurig," grummelte Alice. „Ich bin seit sieben Jahren in Hogwarts und ich finde erst jetzt in meiner letzten Woche heraus, dass es diesen Raum gibt?"

Sie saß mit Lily auf einem großen, gemütlichen Sofa, während sich Sirius Black um das Feuer kümmerte. Die drei Gryffindors waren in einem ordentlich großem Raum mit leeren weißen Wänden, ein paar Teilen nicht zueinanderpassender Möbel und einem gemütlich aussehenden Bett. Sirius hatte schließlich nachgegeben und zugestimmt, Lily zu zeigen, wo er in den letzten Wochen geschlafen hatte und Lily hatte Alice für eine sehr benötigte Lernpause mitgebracht.

„Die Hauselfen nennen ihn den Da-und-fort-Raum," erklärte Sirius. „James und ich haben ihn im vierten Jahr gefunden. Wir haben versucht einen Ort zu finden, in den wir Mrs. Norris stecken können und der hier ist einfach erschienen... ihr könnt euch vorstellen, es hat drei Stunden gedauert, bis wir sie wiedergefunden haben, also das war weniger schön."

„Du hättest das einem Mädchen früher erzählen können," murmelte Alice, die bewundernd ihre Umgebung in Auge nahm. „Das hier wäre ein paar Mal bestimmt praktisch gewesen..."

„Ich will wirklich nicht wissen, wohin deine Gedanken gerade führen," unterbrach Sirius. „Besonders, weil ich mir ziemlich sicher bin, dass es deinen Freund involviert."

„Es macht mir Angst, dass meine Gedanken den gleichen Weg genommen haben, wie deine, Sirius Black," sagte Alice. Sirius grinste und bewegte sich zu einem der Beistelltische, wo er eine Papiertüte schnappte.

„Kürbispastete?"

„Oh, ja bitte."

Sirius warf ihr die Tüte, bevor er sich in einen großen braunen Stuhl setzte.

„Auch eine, Lily?" bot Alice an und hielt dem Rotschopf die Tüte hin. Lily starrte jedoch ins Feuer und schien es nicht zu hören. „Hallo, Lily?"

Sie zuckte zusammen, als ob sie aufwachte. „Was? Oh, nein, danke."

„Alles klar, Evans?" fragte Sirius. „Du bist heute Abend ziemlich still."

Lily lächelte schwach und schüttelte ihren Kopf. „Nein, mir geht es gut. Was ist mit dir? Wie laufen deine Prüfungen?"

Sirius zuckte die Achseln. „Ich habe mehr Zeit um zu lernen, aber ich habe keinen Lupin, der mich zwingt, es zu machen... also ungefähr ähnlich wie immer."

„Ich wünschte, du würdest mir einfach sagen, worum das Ganze geht," jammerte Alice und biss nachtragend in eine Kürbispastete. „Es ist so seltsam die anderen Rumtreiber ohne dich zu sehen, Sirius. Was genau war dieser Streich, über den die anderen so verärgert sind?"

„Vertrau mir," wehrte Sirius locker ab. „Es ist besser, wenn du es nicht weißt."

„Kannst du es aus ihm rauskriegen, Lily?" fragte Alice hoffnungsvoll, aber Lily schüttelte nur ihren Kopf.

„Ich schätze nicht, dass das irgendjemand kann."

„Tja, dann musst du es aus James rauskriegen," beharrte die Siebtklässlerin. „Oder Remus."

Sirius sah Lily intensiv an, als sie sich dafür eine schlechte Ausrede einfallen ließ. „Jedenfalls," fügte sie hinzu, „sind Potter und ich gerade nicht auf einem besonders guten Stand."

„Tja, seid ihr das je?" bemerkte Alice. „Das ist doch eure Art. Ihr zofft euch, dann habt ihr einen riesen Streit, alles geht in die Luft, dann ist alles ein wenig ruhig, ihr beginnt miteinander klarzukommen, bewegt euch wieder ins Zoffen und so weiter und so fort. Teufelskreis."

„Vielleicht dieses Mal nicht," sagte Lily. „Ich denke, Potter und ich haben dieses Mal den Kreislauf effektiv durchbrochen." Da war etwas in ihrer Stimme, das Alice sagte, dass die Unterhaltung ernst geworden war. Der Siebtklässlerin kam eine seltsame Idee, als sie das stille Verständnis zwischen ihren zwei Begleitern bemerkte. Alice stand abrupt auf.

„Ich soll Frank in ein paar Minuten treffen – ich sollte wirklich los."

Mit einem ermutigenden Lächeln zu Sirius und einem Versprechen, Lily später zu sehen, ging Alice aus dem Da-und-fort-Raum und die anderen zwei waren alleine.

„Also, Evans," sagte Sirius und zündete sich eine Zigarette an. „Lass hören. Was ist los?"

„So gut wie alles," antwortete. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich durch Zauberkunst gefallen bin."

„Quatsch – du bist in unserer Stufe die Beste in Zauberkunst."

„Abgesehen von Potter," fügte Lily fast nachtragend hinzu. „Hast du überhaupt mit ihm gesprochen?"

„Was denkst du?"

„Na gut." Sie beobachtete den Rauchfaden, der aus Sirius' Zigarette aufstieg und erinnerte sich an etwas, das James ihr einmal gesagt hatte. „Du musst zugeben, da ist etwas Faszinierendes an dem Rauch."

Es schien eine Ewigkeit her zu sein, seit sie mit James Potter in der Großen Halle gesessen hatte, während er rauchte und sie über ihre Eltern gesprochen hatten. Sie wollten damals versuchen, Freunde zu sein; James gab ihr Ratschläge über Frank und Alice und Carlotta...

... Wenn diese beiden so füreinander bestimmt sind, wie du es zu denken scheinst, werden sie überleben..."

Sie hatte sich damals gerade mit Sev vertragen... sie war noch immer mit Luke zusammen... noch immer glücklich mit Luke... und Donna: sie hatte noch immer Donna...

„Woran denkst du gerade?" unterbrach Sirius ihre Erinnerungen und nahm einen langen Zug von seiner Zigarette.

Lily antwortete nicht wirklich. Sie lehnte sich nach vorne und starrte ins Feuer. „Denkst du, dass du dich je mit ihnen vertragen wirst?"

Sirius grinste bitter. „Du warst diejenige, die gesagt hat, dass ich das würde," bemerkte er. „Hast den Optimismus verloren, oder?"

„Nein. Ich weiß nicht." Sie biss sich nachdenklich auf die Lippe. „Ich denke, dass sie dich vermissen, weißt du."

Sirius schüttelte seinen Kopf. „Nein, ich denke nicht, dass sie das tun."

„Nur, weil sie es nicht zeigen, heißt das nicht, dass sie dich nicht vermissen," sagte ihm Lily fest. „Es ist einfach schwieriger, das ist alles."

„Wir reden nicht mehr über mich, oder?" fragte Sirius, ehrlicher amüsiert. Lily sah im kurz in die Augen und sah dann weg. „Es ist Snape, oder? Ich habe gehört, dass ihr beiden euch gestritten habt."

„Wie hast du das gehört?" fragte sie überrascht.

„Die halbe Bibliothek hat das gehört und du weißt, wie schnell sich hier Neuigkeiten verbreiten."

„Richtig." Lily seufzte. „Richtig."

„Vermisst den Idioten schon, oder?" murmelte Sirius missmutig.

Lily lehnte sich auf der Couch zurück. „Ein bisschen," antwortete sie. „Aber nicht so sehr wie letztes Mal. Ich vermisse den alten Severus... ich kenne den, der jetzt da ist, gar nicht. Aber eigentlich dachte ich gerade gar nicht an ihn..."

„Wer dann? Nicht Harper, sicherlich..."

„Nein, nicht Luke."

Sirius hob seine Augenbrauen. „An wen hast du dann gedacht?"

(Cassidy, Teil Zwei)

Donna Shacklebolt bewegte sich lethargisch durch den vollen Korridor (alleine, wie üblich in diesen Tagen), nachdem sie gerade ihre Alte Runen Prüfung beendet hatte. Sie wusste nicht, wie sie in der Prüfung gewesen war... konnte sich tatsächlich kaum an eine einzige Frage erinnern, die sie beantwortet hatte und war seltsam apathisch über die ganze Sache.

Ich meine, warum sind wir überhaupt Freunde geworden? Kannst du dich erinnern?"

Lily war auch in der Prüfung gewesen, voll und ganz auf den Test fokussiert, glaubte Donna, sodass sie nicht bemerkte, wie ihre frühere Freundin ein paar Tische weiter mit Mühe versuchte, ihre bernsteinfarbenen Augen und zerstreuten Gedanken auf dem Papier zu halten. Donna fragte sich, ob Lily erkannt oder erraten hatte, dass sie Charlie Plex nicht mehr sah. Mary hatte es herausgefunden und kurz versucht sie zu trösten, bis Donna ihr riet, „einen Besen zu vögeln". Also, wenn Mary es wusste, wusste Lily es fast sicherlich auch und da es von dem Rotschopf keinen Versuch der Kommunikation gab, konnte Donna nur annehmen, dass es Lily einfach egal war.

Du bist absolut herzlos, Donna Shacklebolt. Rede nicht mit mir."

Und Donna konnte es ihr nicht übelnehmen.

Sie erreichte die Treppe runter zu dem dritten Stock und war kurz davor, sie hinunterzugehen, als eine Stimme das gedämpfte Geplapper der Dutzend anderen oder so im Flur durchbrach und Donna hielt an.

Donna Shacklebolt!" schrie jemand – ein Mädchen. Donna drehte sich um um sich demjenigen, der ihren Namen gerufen hatte, gegenüberzustellen, aber sie hatte sich noch nicht ganz umgedreht, nicht die gelben Locken oder wütend erröteten Wangen gesehen, nicht wirklich geantwortet, als ein Lichtblitz den Korridor erhellte, Schmerz durch Donnas Magen schoss und alles entschieden schwarz wurde.

(Drittes Jahr)

Eine dreizehnjährige Donna setzte sich an einen freien Tisch in der ersten Reihe des Alte-Runen-Klassenzimmers. Sie war mehr als zehn Minuten zu früh für den Unterricht, aber sie mochte es, vorbereitet zu sein und ein guter Lehrer, dachte sie, würde das erkennen und wertschätzen.

Ihren Stundenplan aus ihrer Büchertasche ziehend, glättete Donna das Pergament auf ihrem Tisch und las ihn wieder durch. Sie hatte Alte Runen, Arithmetik und Pflege Magischer Geschöpfe gewählt, Wahrsagen weggelassen, weil in ihrem Plan einfach nicht die Zeit dafür war und weil ihr Bruder Kingston meinte, es wäre nur Quatsch.

Leider war Kräuterkunde mit den Hufflepuffs als nächstes und Donna verabscheute sowohl Kräuterkunde als auch Hufflepuffs. Tatsächlich verabscheute sie die meisten Häuser, wenn man darüber nachdachte. Die Slytherins waren Arschlöcher, die Gryffindors kindisch und die Hufflepuffs waren alle dämlich. Ravenclaw war in Ordnung – sie hätte in Ravenclaw sein sollen. Sie wusste es und jeder andere wusste es und sie fragte sich vage, ob es irgendwie möglich war, neu eingeteilt zu werden.

Am Gryffindorhaus war nichts wirklich falsch, natürlich, aber es hatte Donna Shacklebolts Erwartungen sicherlich nicht erfüllt, welche natürlich hauptsächlich an ihrem älteren Bruder orientiert waren, ein junger Hogwartsabsolvent und ebenfalls Gryffindor. Es war auch nichts wirklich falsch an ihren Hauskameraden – James Potter und Sirius Black waren unreife Idioten, aber nervig brillant in allen Fächern. Remus Lupin und Adam McKinnon waren in Ordnung, aber Donna war sich nicht sicher, ob sie mit ihnen mehr als „Reich mal das Salz" beim Abendessen und „Hast du Notizen zu dieser Zauberkunst-Stunde?" im Gemeinschaftsraum gesprochen hatte. Peter Pettigrew hatte vor allem Angst vor ihr (das hatten aber die meisten Leute), als war die Interaktion zwischen ihnen eher beschränkt.

Und bei ihren Schlafsaalnachbarn war Carlotta Meloni ein schwachköpfiger Hippie, Shelley Mumps hätte genauso gut ein verlorener Welpe sein können (so wie sie Carlotta hinterherlief), Mary Macdonald und Marlene Price waren unzertrennlich (und nervig), und Lily Evans, obwohl sie recht schlau war, hing mit diesem gruseligen Snape Typen herum, was einfach schlechtes Urteilsvermögen zeigte. Wenn man Donna fragte, war sie die einzige Vernünftige von ihnen allen.

Ein paar Ravenclaws tröpfelten in den Klassenraum und Donna wünschte sich wieder einmal, dass sie gebeten hätte, in dieses Haus zu kommen. Sie wäre sehr überrascht, wenn irgendein anderer Gryffindor in ihrem Jahr sich die Mühe machen würde, so etwas Schwieriges wie Alte Runen zu wählen.

Sie hatte nicht direkt Freunde in Hogwarts. Sie war zu ruppig und tendierte dazu, Leuten Angst einzujagen (vor allem Mädchen), dadurch, dass sie war, was sie „ehrlich" nannte und die meisten Leute „fies". Aber niemand war unfreundlich zu ihr; niemand ärgerte sie und die Leute respektierten sie irgendwie, dachte sie. Jedenfalls nervten sie sie nicht.

„Hey, Donna, kann ich mich hier hinsetzen?"

Überrascht sah Donna auf um Lily Evans zu sehen, die zögerlich neben ihr stand, mit einer Büchertasche über der Schulter und Erwartung auf ihrem sommersprossigen Gesicht.

„Ähm – was?"

„Kann ich hier sitzen?" wiederholte Lily.

„Oh. Richtig. Klar."

„Ich war mir nicht sicher, ob du ihn für irgendjemand freihältst," sagte Lily, die sich an der anderen Tischhälfte niederließ. „Weißt du, wir sind die einzigen zwei Gryffindors in diesem Fach, abgesehen von Remus Lupin, aber er musste nach Hause gehen... seine kranke Mum besuchen oder so. Seltsam, da es in der ersten Woche ist, aber naja."

Das war eine andere Sache, die Donna an Lily hasste (oder nicht mochte, jedenfalls): sie war so verdammt gesprächig.

„Richtig," war die einzige Antwort der Hexe und jeder andere wäre von dem offensichtlichen Fehlen von Interesse zurückgenommen gewesen.

„Jedenfalls kam es bei mir dazu, dass ich mich zwischen Alte Runen und Wahrsagen entscheiden musste und Wahrsagen sieht ein wenig verrückt aus, wenn man mich fragt. Ich meine, entweder bist du ein Seher oder nicht, von dem was ich gelesen habe, und Teeblätter anzustarren wird keinen Unterschied machen, wenn du es nicht bist. Und ich bin das definitiv nicht, Merlin, ich kann mich kaum daran erinnern, in welche Schublade ich meine Socken getan habe; da liegt in die Zukunft sehen außerhalb der Reichweite. Was ist mit dir? Für welche Fächer hast du dich entschieden?"

Donna sagte es ihr.

„Du wirst viel zu tun haben," bemerkte Lily. Donna antwortete nicht und der Rotschopf war für eine Zeit still. „Kann ich dich was fragen, Donna?" fragte sie schließlich.

„Habe ich eine Wahl?" grummelte die andere.

„Natürlich hast du das," antwortete Lily. „Du hast immer eine Wahl, oder?" Donna starrte sie nur an. „Also darf ich?"

„Na gut."

„Super. Also... warum bist du immer so... tja, so eine Bitch?"

Donna sah sie mit großen Augen an. „Entschuldigung?"

„Tja, das bist du," sagte Lily achselzuckend. „Oh, komm schon, es kann dich nicht beleidigen. Du machst es doch offensichtlich extra."

„W-was?" stammelte Donna.

„Ich meine, du versucht doch immer, dass jeder vor dir Angst hat und du hast ziemlich Erfolg damit, aber ich habe mich nur gefragt, warum?" Lily sah sie mit großen, neugierigen Augen an und Donna hätte nicht überraschter sein können, wenn die dürre Rothaarige sie gerade gebeten hätte, auf dem Tisch einen Stepptanz zu machen.

„Leute haben keine A-Angst vor mir," schaffte Donna schließlich zu sagen, im Wissen, dass es eine Lüge war.

„Natürlich haben sie das," sagte Lily. „Du hast Billy Betwy verhext, weil er dich komisch angeguckt hat. Leute haben riesige Angst vor dir."

„Billy Betwy ist ein Idiot."

„Nicht das Thema."

Donna nahm sich einen Moment um sich zu sammeln. „Tja, du hast offensichtlich keine Angst vor mir."

Lily lächelte verschmitzt. „Ich habe vor niemandem Angst."

Und seltsamerweise glaubte Donna ihr. „Ich weiß es nicht," sagte sie nach einer Weile. „Ich schätze, ich bin es einfach gewöhnt, das ist alles."

„Zu schade, dann," antwortete die Rothaarige locker und zog ihr Alte Runen Buch raus. „Du hast einen guten Buchgeschmack, habe ich bemerkt."

Donna war davon ziemlich verblüfft und sie gab vor, sich auf ihr eigenes Alte Runen Buch zu konzentrieren, als sich mit der Tatsache zu beschäftigen. Professor Babble – der Lehrer – war noch nicht angekommen, als der letzte Tisch in der ersten Reihe von ein paar Slytherins, Zabini und Mulciber, belegt wurden.

Letzterer saß direkt zu Donnas rechten und als er die Gryffindor bemerkte, stieß er seinem Begleiter den Ellbogen in die Seite und murmelte etwas. Lily und Donna bemerkten es beide, aber gaben bis zum letzten Moment vor, es nicht zu sehen. Dann lehnte sich Mulciber über den schmalen Spalt zwischen den Tischen und sprach.

„Pass besser auf, Shacklebolt," murmelte er. „Ich hab' von deinem alten Herr gehört."

„Glückwunsch," erwiderte sie in einer leisen, gleichmäßigen Stimme. „Das habe ich auch."

„Er sollte besser aufpassen, über was er quatscht," fuhr Mulciber fort. „Solche Dinge über... über na ja, du weißtwen, zu sagen. Er erwärmt sich da nicht so dafür. Oder hast du nicht gehört, was mit Jonah McKinnon passiert ist?"

„Halt die Klappe, Mulciber," fuhr Lily ihn an. „Und ernsthaft, wen versuchst du zu veräppeln? Du nimmst Alte Runen? Du wirst noch vor Weihnachten durchfallen."

Mulciber blickte sie finster an. „Dreckiges Schlammblut," murmelte er, bevor er mit seinem Hauskameraden zu einem weiter entfernten Tisch abzog.

Donna blickte Lily finster an. „Du musst nicht für mich in die Bresche springen," sagte sie. „Ich bin nicht so wie dieser Snape Freund von dir."

Lily schnaubte. „Ihr seid euch ähnlicher, als du dir vorstellen kannst," antwortete sie. „Jedenfalls bin ich nicht für dich in die Bresche gesprungen. Ich habe gelesen, was dein Dad über diesen – diesen Voldemort Zauberer gesagt hat und ich stimme ihm zu. Also, technisch gesehen, bin ich für deinen Vater in die Bresche gesprungen." Sie grinste bei Donna vorgespieltem Ärger und dann kam Professor Babble herein und beide Mädchen mussten still sein.

Eine Stunde später läutete die Glocke und die Drittklässler begannen ihre Sachen zusammenzupacken. „Ich werde mit Marlene Price und Mary Macdonald Mittag essen," sagte Lily Donna, während sie ihre drei Blätter von Unterrichtsnotizen in einen Ordner packte. „Ich weiß, dass du Leute irgendwie hasst, aber wenn du willst... kannst du auch kommen."

Donna hatte nicht die leiseste Ahnung, warum dieses Angebot verführerisch war, aber in ihrer Antwort fehlte die übliche Überheblichkeit: „Marlene Price mag mich nicht."

Lily runzelte die Stirn. „Nein," stimmte sie unbehagen zu. „Obwohl ich denke, dass das mit der Tatsache zusammenhängen könnte, dass du sie immer eine Spinnerin nennst. Natürlich weiß ich nicht, wie du sie je überzeugen wirst, dass du kein kompletter Fiesling bist, wenn du nicht kommst."

„Mir ist es egal, was sie von mir denkt," sagte Donna aufsässig.

„Nein? In Ordnung." Lily begann zu gehen, aber hielt in der Tür inne. Sie drehte sich um und verschränkte ihre Arme. „Kommst du oder nicht?"

Donna überlegte es sich. Dann, ihre Büchertasche aufhebend und sie über ihre Schulter werfend, durchquerte sie den Raum und gesellte sich zu Lily. „Tja, wenn du mich schon so nervst, sehe ich nicht, dass ich viel Wahl habe..."

Amüsiert verdrehte Lily ihre Augen, aber widersprach nicht und die beiden Hexen gingen runter zur Großen Halle.

(Gegenwart)

Shelley Mumps warf die Tür des Schlafsaals der Gryffindor Sechstklässler mit viel Enthusiasmus auf, was Lily komplett überrascht.

„Shelley," fragte Lily, die sich auf ihrem Bett aufsetzte, wo sie von Verwandlungsnotizen eingemauert war. „Was ist los?"

„M-M-Marlene hat mich geschickt um dich zu h-holen," keuchte Shelley. Schweiß glitzerte auf ihrem Gesicht und ihr dreckig blondes Haar klebte an ihrer Stirn. Lily kam auf ihre Füße und ging schnell zu ihrer Bettnachbarin.

„Was ist los? Ist sie okay?"

Shelley nahm sich einen Moment um sich zu erholen. „Sorry," atmete sie. „Ich bin den ganzen Weg hierher gesprintet, weißt du."

„Ist Marlene okay?" beharrte Lily.

„Marlene? Oh, Marlene geht es gut. Es ist Donna."

„Donna?"

Shelley nickte. „Marlene und Mary sind jetzt da..."

„Marlene und Mary sind jetzt wo?"

„Oh. Richtig. Krankenflügel. Donna ist in der Krankenstation. Sie..." Aber Shelley hatte den Gedanken noch nicht beendet, da war Lily schon aus der Tür.

Donnas Augen flackerten auf und sie stöhnte laut. „Was zur Hölle ist passiert?"

Und sie ist wach," sagte eine Stimme, die sich wie Marlene Prices anhörte. Donna stöhnte wieder, als sie herum schaute um ihre Umgebung zu untersuchen (ihr Hals schmerzte schrecklich). Sie war in einem Krankenbett; Marlene und Mary saßen am Ende des Bettes, mit Belustigung in ihren Gesichtern, als sie sie beobachteten. Lily stand in der Nähe, mit gefalteten Armen und einem eigenen verzogenen Gesicht.

„Was ist passiert?" stöhnte Donna, als sie sich aufsetzte; es schien eine ‚taktvollere' (wie Lily sagen würde) Frage als „Was macht ihr hier?".

Mary und Marlene wechselten ein Lächeln aus. „Cassidy Gamp hat dich verhext," sagte Letztere. „Es scheint so, dass sie herausgefunden hat, dass du ihren Freund gevögelt hast."

„Und mit ‚herausgefunden' meint Marlene, dass Charlie Plex' ihr gebeichtet hat," fügte Mary hinzu. „Ich glaube, er meinte es als Art Rache an dir, Liebes, aber er hatte am Ende ein wunderschönes Paar lila Tentakel... Madam Pomfrey hat ihn gerade weggeschickt."

Donna versuchte, dies alles zu verstehen, als sie sich ihren schmerzenden Kopf massierte. „Ich beginne, mich zu erinnern... ich bin im vierten Stock gegangen..." Sie erinnerte sich klarer: „Diese Schlampe hat mich von hinten angegriffen!"

Lily schien ihr Lachen zu unterdrücken, aber Marlene und Mary zeigten solche Höflichkeit nicht, da sie beide in Kichern ausbrachen.

„Was zur Hölle ist so witzig?" fuhr Donna sie an. Dann besorgt, fügte sie hinzu: „Ich habe keine Tentakel, oder?"

„Nein, nein," gluckste Marlene. „Aber es ist einfach so witzig! Ich meine – Cassidy Gamp! Cassidy Gamp, diese winzige, schrullige kleine Hufflepuff hat die große Donna Shacklebolt in den Krankenflügel gebracht!"

„Wirklich – wer hätte gewusst, dass Cassidy Gamp so ein Knaller ist?"

„Tja, schön zu sehen, dass ihr besorgt wart," murmelte Donna sarkastisch.

„Beruhig dich," sagte Mary. „Wir waren aufrichtig besorgt um dich... bis wir die gesamte Geschichte gehört haben. Dann haben wir gelacht. Madam Pomfrey ist sich nicht ganz sicher, was genau Cassidy versucht hat, zu verwenden... anscheinend war es ein seltsamer Mischmasch aus Petrificus Totalus, einem Wabbelbeinfluch und einem Schockzauber... die Kombination hat nichts getan, außer dich für etwa eine Stunde auszuknocken."

„Und mir ein verdammtes massives Kopfweh zu verpassen," fügte Donna hinzu. „Diese idiotische Hufflepuff konnte mich nicht einmal ordentlich verhexen."

„Hab ein bisschen Nachsicht mit ihr," fügte Donna hinzu. „Du hast ihren Freund gevögelt..."

„Das hat vor Wochen aufgehört," erwiderte die Patientin mit Würde.

„Oh, tja, in dem Fall... war es so was von unangemessen von Cassidy wütend zu sein."

„Sei still, Price." Donna verzog der Blonden gegenüber das Gesicht und blickte dann unsicher zu Lily. „Hi..."

„Hi," antwortete Lily, gleichermaßen verlegen.

Mary grinste. „Lily war sehr besorgt, als sie gehört hat, dass du im Krankenflügel bist," sagte sie, was ihr einen bösen Blick von dem Rotschopf einbrachte.

„Ich war nicht so besorgt..."

Panisch wäre eine passende Beschreibung," meldete sich Marlene zu Wort.

„Bis ich gehört habe, dass du ein Duell mit Cassidy Gamp verloren hast," unterbrach Lily. „Und dann dachte ich mir, dass du wahrscheinlich verdienst, was du bekommen hast."

„Ich habe nicht in einem Duell verloren... Oh, Merlin, erzählen sich das die Leute?"

„Mach dir keine Sorgen," tröstete Mary. „Es gab dutzende Zeugen, die gesagt haben, dass Cassidy dich angegriffen hat. Durch sie hat Hufflepuff die Hälfte seiner Punkte verloren, was nicht viel sagt. Natürlich..." Mary sah zum ersten Mal ein wenig nervös aus. „weiß jetzt jeder in der Schule, dass du mit Charlie Plex gevögelt hast."

Donna fiel auf ihre Kissen zurück. „Fantastisch. Einfach fantastisch."

Marlene und Mary wechselten einen weiteren Blick. „Ich werde Madam Pomfrey sagen, dass du wach bist," sagte die Brünette, die aufstand. „Kommst du mit, Marlene?"

Die zwei gingen und ließen Lily und Donna alleine. Die Vertrauensschülerin bewegte sich ein wenig näher zu Donnas Platz.

„Bist du okay?" fragte sie locker.

„"Tja – ich habe ein stechendes Kopfweh, mein Ruf als eine Macht, mit der nicht zu spaßen ist, hat sich komplett aufgelöst und jedes Mädchen in der Schule wird gerade jetzt über mich hinter meinem Rücken flüstern, also – nein, nicht toll."

Lily lächelte und es wäre nervig gewesen, wenn Donna nicht so dankbar wäre, dass sie überhaupt hier war. „Sie werden darüber hinwegkommen. Das tun sie immer. Jedenfalls... dachte ich, dass es dir egal wäre, was andere über dich denken."

„Das ist es. Ich – du weißt schon, würde einfach gerne das Drama umgehen."

„Richtig."

„Richtig."

Lily schüttelte ihren Kopf und setzte sich auf den Rand von Donnas Bett. „Weißt du," begann sie langsam, „letztens hast du mir eine Frage gestellt – du hast mich gefragt, wie wir Freunde geworden sind und ich hatte keine Antwort. Aber ich erinnere mich jetzt."

„Ich mich auch," murmelte Donna. „Der erste Tag von Alte Runen."

Lily nickte. „Ich denke, dass du nur zugestimmt hast, mit uns zu Mittag zu essen, weil ich deinen Buchgeschmack gelobt habe."

Donna schnaubte und sah auf ihre Hände. „Nein," sagte sie. „Es war, weil du keine Angst hattest, mir zu sagen, dass ich eine Bitch war... und weil du es gesagt hast, ohne zu versuchen, mich zu beleidigen."

„Wirklich?"

„Wirklich." Stille, dann: „Warum hast du mich aber überhaupt zum Mittagessen eingeladen?"

Lily dachte über die Frage nach, bevor sie antwortete: „Ich werde oft richtig gesprächig bei Fremden... und obwohl wir schon seit zwei Jahren einen Schlafsaal geteilt hatten, waren wir ziemliche Fremde. Ich habe geredet und geredet und du... du hast mir nicht gesagt, dass ich die Klappe halten soll, wie ich es erwartet habe."

„Ich wollte es," gab Donna zu.

„Ich weiß."

Sie sahen sich beide für eine Minute an und dann fuhr Donna leise fort. „Es tut mir leid, was ich gesagt habe. Wirklich, das tut es."

„Ich weiß," sagte Lily wieder.

Da war ein Kloß, der in Donnas Kehle wuchs, aber – mit ihrem Stolz – schluckte sie ihn unter. „Ich vermisse es, mit dir befreundet zu sein."

Lily nickte. „Ich vermisse dich auch."

„Also... willst du nicht mehr, dass ich wegbleibe?"

Der Rotschopf lächelte wieder. „Was sagen die Leute immer? Das Leben ist zu kurz?"

„Ich schätze... aber da ist dieser Kerl... Nicolas Flamel... er ist etwa sechshundert Jahre alt und weißt du, eine gesunde Hexe oder ein gesunder Zauberer könnte leicht bis..."

„Donna."

„Richtig. Redewendung. Ich hab's."

Mary und Marlene kehrten zurück, Mary trug eine Flasche von einer Flüssigkeit, die ziemlich eklig aussah. „Madam Pomfrey ist mit ein paar panischen Z.A.G. Schülern beschäftigt," sagte Marlene. „Wir sollen dich das trinken lassen um ungemütliche Nebeneffekte von Cassidys Angriff abzuschirmen."

Mary reichte Donna die Flasche. „Habt ihr zwei euch vertragen? Oder sollen wir uns subtil für ein paar weitere Minuten verziehen?"

„Ich weiß nicht, worüber ihr redet," sagte Donna mit so viel Würde, die sie aufbringen konnte. Sie schluckte den Trank und sah aus, als ob sie würgen müsste.

„Ihr könnt bleiben," sagte Lily den anderen beiden. „Alles ist wieder beim Alten."

„Perfekt," sagte Marlene glücklich. „Weil ich nicht weiß, wie ich Donna ignorieren sollte, wenn es so viel Möglichkeiten gibt, sie aufzuziehen."

„Oh, nimm's nicht zu hart, Donna," tröstete Mary sie ernst. „Schließlich bin ich mir sicher, dass es ein paar Erst- oder Zweitklässler aus Hufflepuff gibt, die es nicht schaffen würden, dich zu erledigen."

„Vielleicht, wenn wir nächstes Jahr ein paar neue Erstklässler finden," schlug Marlene vor. „Weißt schon – in der Winkelgasse, bevor sie ihre Zauberstäbe gekauft haben..."

„Vielleicht ein unbewaffneter Muggel..." fügte Mary hinzu.

„Ein blinder, unbewaffneter Muggel vielleicht..."

„Oh, ja, ihr zwei seid so witzig," fuhr Donna sie an, aber selbst Lily war am Lachen. „Um Agrippas Willen... Cassidy Gamp. Ihr werdet mich das nie vergessen lassen, oder?"

„Oh, Donna," seufzte Marlene. „Nein. Werden wir nicht. Aber es ist so süß, dass du das denkst."

(Tasche)

„Mary?"

Mary Macdonald drehte sich um um den Hufflepuff Reginald Cattermole sich ihr nähern zu sehen. Er sah so aus, wie er es immer tat – klein und dünn, mit unscheinbaren braunem Haar, so geschnitten, wie bei den meisten Jungs in diesem Alter (in unterschiedlichen Stufen von Unterlegenheit zu und Imitation von David Cassidy).

„Hi," grüßte sie ihn, ehrlich erfreut den Hufflepuff zu sehen. Nur noch ein Tag der Prüfungen blieb schließlich und kurz danach würden sie alle nach Hause zurückkehren: sie würde sich gerne verabschieden. „Was tust du hier?"

„Ich war gerade oben um Professor Dawton wegen meiner Astronomieprüfung zu sehen."

Mary wartete, bis Reginald sie erreichte, bis sie antwortete: „Und wie warst du?"

„Ziemlich gut. Ich bin sehr gut in Astronomie."

„Ich war immer grottenschlecht darin," antwortete die Gryffindor. „Zu viel Arithmetik."

„Was tust du aber hier?" fragte Reginald, und seine grünen Augen wurden auf seltsame Art dunkler. „Ich dachte, du gehst nicht mehr alleine durch die Flure..."

Mary seufzte und hielt demonstrativ ihren bereits gezogenen Zauberstab hoch. „Babyschritte, schätze ich."

„Oh. Richtig."

Sie waren für einen Moment still und dann fügte Mary hinzu. „Natürlich, wenn du mich zum Gryffindorturm begleiten wollen würdest, würde ich nicht protestieren..."

„Nein?"

„Nö."

„Tja, in Ordnung."

Sie gingen weiter in die Richtung des Gryffindorturms und plauderten müßig über nichts Spezielles. „Stebbins nimmt mich im Juli mit zum Q-Wort-Spiel," sagte Mary fröhlich. „Nicht, dass ich mir viel aus dem Spiel mache, außer, wenn es um Hausmannschaften geht, aber er scheint aufgeregt und es ist eine nette Geste, oder?"

„Ich schätze," stimmte Reginald zu. „Aber, Mary, es ist ein wenig seltsam, dass du deinen Freund ‚Stebbins' nennst."

„Es wäre viel seltsamer, wenn ich ihn bei seinem Vornamen nennen würde."

„Warum?"

„Weil er Umbert heißt." Mary zuckte zusammen und so tat Reginald.

„Umbert?"

„Umbert."

„In Ordnung, ‚Stebbins' ist nicht so schlimm."

Mary lachte. „Sagt der Zauberer namens Reginald."

„Nach meinem Vater."

„Trotzdem."

Reginald zuckte mit den Schultern, die Hände in den Taschen. „Du hast noch immer nicht entschieden, wie du mich nennen wirst, weißt du."

„Ich weiß," seufzte Mary. „Es ist ein sehr schwieriger Prozess... ich mochte ‚Cat' eigentlich gerne, aber Potter scheint das ja schon besetzt zu haben. Gib mir Zeit, ich werde mich irgendwann entscheiden. Ich brauche ziemlich lange um mich zu entscheiden, aber ich komme irgendwann immer bei einer Entscheidung an." Sie zwinkerte ihm mit einem stark geschminkten Auge zu und fuhr dann fort: „Was ist mit dir, Reginald Cattermole? Irgendwelche romantische Entwicklungen?"

Reginald schnaubte. „Nein," antwortete und wurde rot.

„Mädels aus Hogwarts sind Idioten," tröstete ihn Mary wissend. „Aber ich wünschte, du würdest mir sagen, wer dieses Mädchen ist, auf das du stehst... ich sehe nicht, warum du das nicht solltest. Ich kann Geheimnisse behalten, wenn ich es versuche."

„Ich glaube es nicht."

„Es ist wahr! Ich habe Ewigkeiten ein sehr großes Geheimnis für Donna Shacklebolt behalten... bis Cassidy Gamp es der ganzen Schule erzählt hat..." Reginald sah noch immer zweifelnd aus und Mary blickte in finster an. „Komm schon – du musst es mir sagen. Es ist nicht fair!"

Sie schmollte ziemlich kindisch und Reginald gab nach. „Lily Evans," murmelte er und obwohl es kaum mehr als ein Husten war, verstand Mary den Namen.

Seltsamerweise störte es sie gewaltig. Sie nahm sich einen Moment um dies zu analysieren und kam zum Ergebnis, dass sie Mitleid mit Reginald Cattermole fühlte, da er ganz sicher nicht zu Lily Evans passte. Nein, gar nicht.

„Ich weiß, es ist idiotisch," fuhr Reg in einem unglücklichen, hastigen Unterton fort. „Ich hätte keine Chance, oder? Sie ist schließlich Lily Evans."

„Oh, das ist es nicht," sagte Mary schnell. „Aber Lily ist... tja... sie ist sehr kompliziert, weißt du."

„Ich stehe auch nur ein bisschen auf sie," schwor der Hufflepuff.

„Tja – was... was magst du denn genau an ihr?"

Reginald schien etwas überrascht von der Frage. „Sie ist perfekt, oder? Sie ist hübsch und brillant und clever... sie war auch immer sehr nett zu mit. Immer sehr höflich, selbst damals im vierten und fünften Schuljahr..."

Ich bin hübsch, konnte sich Mary nicht abhalten zu denken. Nicht unglaublich schlau, aber, das wusste sie... zumindest nicht im Unterricht. Sie war aber gut darin, Dinge zu machen und gut darin, sich um Leute zu kümmern und... tja, nicht wie Lily, natürlich. Reginald hatte Recht darin. Lily war perfekt. Und sie, Mary, war nicht immer besonders nett zu Reginald gewesen... nicht vor diesem Jahr. Mary erkannte, dass es sehr schlau von ihr (und auch von anderen) gewesen war, sich in den letzten sechs Jahren nie mit Lily verglichen zu haben... Warum auf Erden erkannte sie das erst jetzt?

„Tja, du hättest nicht besser wählen können," zwitscherte Mary schließlich. „Lily ist fantastisch, oder?" Und die Hexe wechselte schnell das Thema. „Ich überlege, meine Haare blond zu färben."

Das meiste des verbleibenden Gangs zum Porträt der Fetten Dame wurde damit gefüllt, dass Reginald versuchte, Mary zu überzeugen, ihre Haare nicht blond oder irgendeine andere Farbe zu färben.

„Hier muss ich hin," seufzte Mary, als sie am Eingang des Gryffindorturms ankamen. „Danke, dass du mich begleitet hast."

„Gerne."

„Schlaf gut."

„Du auch."

Sie lächelten beide und dann umarmte Mary den Hufflepuff kurz. „Hab einen guten Sommer, Reg."

„Du auch. Schreibst du mir?"

„Natürlich." Sie hielt inne, bevor sie der Fetten Dame das Passwort sagte. „Reg," wiederholte sie nachdenklich. „Ich schätze, so werde ich dich nennen."

Reginald lächelte. „Du hast ein Jahr gebraucht um dich auf Reg festzulegen?"

Mary zuckte bloß mit den Schultern. „Ich mag es, bei den wichtigen Dingen gründlich zu sein," verkündete sie. „Gute Nacht, Reg."

„Gute Nacht, Mary."

Er ging wieder in die Richtung zurück, aus der sie gekommen waren und Mary drehte sich zu der Fetten Dame um und gab ihr das Passwort: „Amathia."

Sie dachte nicht länger an ihre Unterhaltung mit Reg, als sie in den Gemeinschaftsraum schritt; sie war bereits drüber weg, aber sie hatte es nicht vergessen. Jedoch, wie bei allen Dinge, die Reginald Cattermole angingen, hatte Mary sie in ihre Tasche gesteckt um sie für später aufzubewahren.

(Zweites Jahr, Teil 2)

Der zwölfjährige Remus Lupin hatte einen sehr guten Grund, seine drei Bettnachbarn anzusehen, als ob sie verrückt wären, denn – ehrlich gesagt – verhielten sie sich ziemlich schwachsinnig.

„Lupin," grüßte Sirius geheimnisvoll.

„Äh... hi." Remus hielt einen Fetzen des Pergaments hoch, den er an diesem Nachmittag gegen sein Bett gepinnt gefunden hatte. „Habt ihr drei das geschrieben?"

„Das kommt darauf an," sagte Peter, der sich Sirius mysteriösen Ton anpasste. „Was steht darauf?"

Remus runzelte die Stirn. „Wie viele Notizen, denkt ihr, werden mir wohl jeden Tag aufs Kissen gelegt? Da steht... ‚Lupin', buchstabiert L-U-P-I-N-E nebenbei... ‚Lupine, wenn du weißt, was gut für dich ist, wirst du um neun Uhr heute Abend in dem leeren Klassenzimmer im ersten Stock vor der Großen Halle sein. Wenn du diesen Raum nicht finden kannst, solltest du jemanden nach dem Weg fragen. PS: Wenn du nach dem Weg fragst, sag der Person, die du fragst, nicht, warum du danach suchst. Am besten, du sagst es niemanden. Neun Uhr. Leeres Klassenzimmer. Erster Stock.' Und dann ist da ein Bild von etwas, was ein Einhorn sein könnte." Er verschränkte seine Arme.

„Okay, es ist ganz klar ein Drache!" protestierte Peter und Sirius und James blickten ihn böse an.

„Wenn du weißt, was gut für dich ist?" wiederholte Letzterer. „Wirklich, Pete?"

„Wir haben nicht versucht, ihn zu bedrohen!" stimmte Sirius zu.

„Und du hast meinen Namen falsch geschrieben," fügte Remus hinzu.

„Und wirklich, Pete, ein Einhorn?"

„Es ist offensichtlich ein Drachen! Schau! Schau dir es an – es ist ein Drache!"

„Wow, okay," Sirius verschränkte seine Arme. „Peter ist offiziell verbannt von Zettelschreibepflichten."

„Ihr habt mir nicht gesagt, was ich schreiben soll! Ich musste kreativ sein!"

„Ein Einhorn, Peter?"

Remus verdrehte seine Augen. „Okay, gut, wenn ihr hier nicht versucht, mich zu erpressen oder mein Geld zu stehlen, warum wolltet ihr mich dann hier treffen?"

Sirius und James schienen sich die gegenwärtige Aufgabe zu erinnern, während sich ein schmollender Peter an einen nahen Tisch setzte. „Tja, Remus Lupin," fuhr James ernst fort, „wir haben dich gebeten, hier her zu kommen, weil wir..." Er sah Sirius hilfesuchend an.

„Wir wollten dir sagen, dass... " Sirius sah zurück zu James.

Remus legte seinen Kopf zu einer Seite und wartete auf mehr Informationen. Keiner seiner Zimmergenossen sprach. „Tja?"

„Sorry," entschuldigte James sich seufzend. „Das hier ist im echten Leben viel schwieriger, weißt du? Also, hier ist die Sache, Lupin." Er warf Sirius einen weiteren bedeutungsschweren Blick zu und die zwei Jungs sagten im Chor: „Wir wissen es."

„Ihr... wisst was?" Aber Remus' Selbstsicherheit war sichtlich angeknackst.

„Wir wissen, wohin du jeden Monat gehst," führte Sirius weiter aus. „Wir wissen, dass du... dass du ein Werwolf bist."

Remus wurde sehr bleich. Seine grauen Augen wurden groß vor Angst und er musste mehrere Atemzüge nehmen, bis er wieder sprechen konnte. „W-woher... woher wisst ihr das?"

„Wir sind dir gefolgt," sagte Sirius, glühend vor Stolz.

„Nein, sind wir nicht," unterbrach James.

„Doch, sind wir!"

„Nein! Tja, schon, aber so haben wir es nicht herausgefunden. Wir sind ihm erst diesen Monat gefolgt. Wir haben es herausgefunden, wegen der Astronomiesache."

„Wir sind ihm trotzdem gefolgt."

„Nur bis zur Peitschenden Weide," fügte Peter hinzu und gesellte sich wieder zu den anderen. „Da konnten wir aber nicht durchkommen."

„Der Baum hat Sirius' Arm gebrochen," erklärte James und Sirius blickte finster.

„Es war eine kleine Verstauchung."

„Du hast geweint."

„Habe ich nicht!"

„Da waren Tränen."

„Es ist nicht Weinen, wenn die Tränen nicht aus den Augen sind, Potter."

„Also gibst du zu, dass da Tränen waren?"

Nein."

Leute," unterbrach Remus und die drei erinnerten sich plötzlich, warum sie hier waren. Der junge Werwolf schien geradezu verängstigt. „Was werdet ihr machen?" fragte er zitternd. Sirius runzelte die Stirn.

Tun?"

„Ja. Ihr habt gerade rausgefunden, dass ein Werwolf mit euch lebt... werdet ihr... euren Eltern schreiben? Mich rauswerfen lassen?"

Die anderen drei waren für eine Weile still. „Könnten wir das überhaupt?" wollte Peter wissen und James schoss ihm einen hochnäsigen Blick zu. „Was? Ich habe mich nur gefragt..."

„Natürlich werden wir dich nicht rauswerden lassen!" sagte Sirius. „Warum auf Erden würden wir das tun?"

„Weil – weil ich ein Monster bin!"

James verdrehte seine Augen. „Du bist dramatisch. Du faltest deine Socken, Remus. Vergib mir, wenn ich nicht bei deinem Anblick in Ohnmacht falle."

Remus sah sie alle ungläubig an. „Also habt ihr – habt ihr keine Angst vor mir?"

„Du faltest deine Socken," stimmte Sirius zu. „Und warum sollten wir Angst haben? Du hast doch keinen Grund uns zu essen, oder?"

Remus atmete tief aus. Er durchquerte das Klassenzimmer und setzte sich in einen Stuhl. „So ist es nicht. Wenn ich – ich mich verwandle, bin ich nicht ich selbst. Ich kann nichts kontrollieren."

„Kratzt du dich deshalb?" fragte Peter und setzte sich ebenfalls. James und Sirius machten es ihnen nach.

„Ich bin alleine," antwortete Remus leise. „Wenn ich mich verwandle, gehe ich zur Heulenden Hütte... nein, da spukt es nicht. Die Geräusche, die die Dorfbewohner hören, mache ich... einmal im Monat. Am Vollmond. Es gibt nichts anderes, was ich im Haus angreifen könnte, also kratze ich – ich mich selbst und beiße mich."

Da war eine lange, schwere Pause. Dann –

„Das ist so cool!" rief Sirius und Remus sah ihn an, als ob er verrückt wäre. „Nicht das kratzen und beißen natürlich," spulte Sirius schnell zurück. „Natürlich ist das... eher nicht cool. Aber, Kumpel, du verwandelst dich in einen Wolf. Einen verdammten Wolf! Und du bist unser Zimmergenosse!"

„Es ist ziemlich cool," stimmte James zu. „Also, nun, wenn du dich verwandelst, tust du...?"

„Warte eine Minute," unterbrach Remus sie und erhob sich abrupt. „Ihr drei – euch ist es egal, dass ich ein Werwolf bin?" Sie nickten. „Ihr... aber... aber, ich meine... Werwölfe, die sind nicht gerade... beliebt... Und, soweit ihr wisst, könnte ich gefährlich sein!"

Sirius atmete müde aus. „Wirklich, Lupin, welchen Teil von ‚du faltest deine Socken' hast du nicht verstanden? Wir haben keine Angst vor dir! Wir denken, dass es... cool ist."

„Tja, das ist es nicht," entgegnete Remus. „Es ist verdammt schrecklich. Die Verwandlung tut weh und das Kratzen und Beißen ist auch nicht gerade zum Lachen. Ich werde nie Freunde haben, weil ich ein Freak bin und ich werde immer Angst haben, dass es jemand herausfindet und mich rauswerfen lässt. Es ist verdammt schrecklich, ein Werwolf zu sein!"

Wieder Stille und dann sprach Sirius. „Wir sind deine Freunde," sagte er. „Wir drei. Wir sind deine Freunde. Wir werden es niemandem sagen und noch mehr, wir werden sichergehen, dass es auch niemand herausfindet."

„Genau," pflichtete ihm James bei. „Und hey, wenn du dich kratzt und beißt, vielleicht sollten wir mit dir kommen um dich zu stop-... "

„Wartet mal," unterbrach Remus wieder. „Seid ihr verdammt noch mal verrückt geworden? Werwölfe sind aus einem Grund so unbeliebt, wisst ihr! Ich kann mich nicht kontrollieren und ohne euch beleidigen zu wollen, ihr drei seid kein Gegner für mich an einem Vollmond. Ich hätte jeden von euch innerhalb von fünf Minuten gebissen, glaubt mir."

„Das ist okay für mich," sagte James. „Ich denke, es wäre cool, mich einmal im Monat in einen Wolf zu verwandeln."

„Du bist irre!" rief Remus. „Es ist kein Spaß! Und sowieso, ist es illegal für einen Werwolf jemanden zu verwandeln, selbst, wenn die das wollen würden. Außerdem musst du dich dein ganzes Leben jeden Monat verwandeln... du könntest keinen richtigen Job kriegen, wenn du mit Hogwarts fertig bist... ich weiß, dass du Quidditch magst, James; denkst du, dass sie einen Werwolf in die Nationalmannschaft lassen würden, ja?" Er sah James bedeutungsvoll an, der seufzte.

„In Ordnung. Uns in Werwölfe zu verwandeln ist raus," gab der Zauberer nach und Peter sah extrem erleichtert aus. „Und du wirst uns nicht mit dir kommen lassen... aber es ist verdammt unfair, dass du das ganz alleine machen musst und dich dann so zerfetzt. Kann auch nicht sicher sein. Es muss doch etwas geben, was wir tun können?"

„Das gibt es nicht," beharrte Remus. „Hör zu, es ist wirklich nett von euch, das zu sagen, aber..."

„Tja, es ist nicht wichtig," unterbrach Sirius, hüpfte auf seine Füße und wedelte Remus deprimierende Bemerkung weg. „Wir werden uns was ausdenken."

„Aber es gibt nichts."

James spottete. „Wirklich, Remus. Wir sind es. Es gibt immer etwas. Und glaub mir, es wird uns einfallen."

Remus schien nicht überzeugt, aber er versuchte nicht weiter zu diskutieren. „Hört zu," begann er gegenwärtig, „da ist etwas, was ich euch bitten muss. Ich verstehe, wenn ihr das nicht könnt, aber... wenn ihr das bitte für euch behalten könntet..."

„Um Himmels Willen, natürlich werden wir es niemandem sagen!" lachte James. „Wirklich, Lupin, wir sind nicht dumm."

„Du hast mich gerade gebeten, dich in einen Werwolf zu verwandeln..." bemerkte Remus. Sirius verdrehte seine Augen.

„Genau jetzt werden wir einen Pakt machen," sagte er und deutete James und Peter, von ihren Tischen aufzustehen und ihm zu folgen. Die vier Jungs trafen sich in der Mitte des dunklen und leeren Klassenzimmers. „Niemand von uns wird je sagen, dass Remus ein Werwolf ist. Egal, was. Nicht einmal, wenn sie uns mit eintausendundzehn Cruciatusflüchen foltern."

„Wir sollten einen unbrechbaren Schwur leisten!" schlug Peter vor. James und Sirius fassten die Idee mit Enthusiasmus auf, bis sie erkannten, dass niemand von ihnen auch nur die leiseste Ahnung hatte, wie sie den unbrechbaren Schwur leisten sollten.

„Tja, dann wird es wohl ein langweiliger normaler Schwur sein," gab Sirius nach. „Aber egal wie, es ist immer noch eine verdammt große Sache, in Ordnung?" Er streckte seinen Arm aus, sodass seine Hand in der Mitte des Kreises, der von den vier Jungs geformt wurde, schwebte. James klatschte seine Hand auf Sirius' und Peter folgte ihm.

„Du auch, Remus," wies James an. „Natürlich ist es dein Geheimnis, also kannst du es sagen, wem auch immer du willst, aber trotzdem, fühle ich, dass du ein Teil davon sein solltest."

„Absolut," stimmte Sirius zu. „Komm schon."

Zögerlich legte Remus seine Hand auf Peters und alle vier Jungs standen so für ein paar Sekunden, bis James sprach: „Wir vier Zauberer aus Gryffindor," begann er ziemlich feierlich, „schwören, das Geheimnis von Remus Lupins... Problem – seinem pelzigen Problem – wir schwören, es so lang, wie wir leben, geheim zu halten, außer Remus, der es sagen kann, wem auch immer er will. Aber, er muss uns ihm helfen lassen, wie auch immer wir können."

„Und der Rest von uns," fuhr Sirius fort, „schwören zu tun, was immer wir können, um ihm zu helfen, sodass er sich am Vollmond nicht kratzt und beißt, weil wir seine Freunde sind..." Er grinste in Remus Richtung, „egal, ob er ein Mensch oder ein Wolf ist."

„Ihr müsst nicht..."

„Psst, Lupin, wir schwören," sagte James. „Wie sollten wir ihn enden?"

Dies schwören wir," sagte Peter ernst. Sirius verzog sein Gesicht.

„Das ist kitschig. Wie wäre es mit... im Namen von Gryffindor..."

Das ist kitschig," sagte James.

„Wie wäre ‚einer für alle und alle für einen'?" schlug Remus vor. Die anderen sahen ihn an. „Es ist von einem Muggelbuch."

„Wie wäre es, wenn wir am Ende ‚Ich verspreche es' sagen und dann gehen wir auseinander," sagte James. Die anderen drei zuckten mit den Achseln und nickten. „In Ordnung. Wer zuerst?"

„Ich," sagte Remus. „Ich, Remus, verspreche, es."

„Ich, Peter, verspreche es."

„Ich, Sirius, verspreche es."

„Ich, James, verspreche es." Pause. „Auseinander."

Die vier Jungs zogen etwas verlegen ihre Hände auseinander. „Remus, Peter, Sirius und James," zählte Sirius amüsiert auf. „Das ist lang. Ich denke, wir sollten einen gemeinsamen Namen haben."

Remus hob seine Augenbrauen. „Warum? Weil wir so berüchtigt werden, dass Leute so sehr über uns reden, und es unpraktisch wird, nur alle unsere Namen aufzuzählen?"

„Genau," sagte Sirius.

Remus schnaubte. „Richtig. Also ob das je passieren wird."

(Gegenwart)

Die allerletzte Prüfung der Rumtreiber war Verwandlung am Freitag. Nach dem schriftlichen Teil der Prüfung ging auch jeder Schüler durch einen praktischen Teil und da Professor McGonagall ihre Namen in alphabetischer Reihenfolge aufrief, musste James bis fast zum Ende warten. Remus ging, sobald er konnte, zum Mittagessen, aber Peter wartete vor dem Klassenzimmer auf ihn.

„Gute Arbeit, Pete," sagte James, als sie gingen. „Deine Verwandlung hat sich sicherlich verbessert."

„Tja, wenn man ein Animagus werden kann, kann man das meiste in diesem Bereich," antwortete Peter. James nickte – er sah nicht so aus, als ob er zu genau zu hörte; seine Hände waren in seinen Taschen und er sah auf seine Schuhe, als er ging. Peter atmete müde aus. „Prongs, du kannst nicht für immer wütend sein."

James sah ihn überrascht an. „Worüber redest du?"

„Die Dinge müssen irgendwann wieder zum Normalen zurückkehren," fuhr Peter fort. „Aber du schiebst das immer weiter nach hinten und es macht alle verrückt."

„ich habe wirklich keine Ahnung, was du meinst," bestand James. „ich versuche nicht..."

Peter ging nicht weiter und sprach mit unerwarteter Leidenschaft: „Moony spricht kaum noch. Er ist nicht er selbst. Du verwendest die Spitznamen nicht mehr. Dir ist alles egal – nicht einmal das Quid – Q-Wort Endspiel! Wir haben gegen Slytherin verloren und alles, was du getan hast, war Bertram Aubrey anzuschreien!" James blickte finster. „Du musst dich zusammenreißen, Prongs, und das wieder hinkriegen!"

„Ich vertrage mich nicht mit ihm..."

„Das sage ich auch nicht!" antwortete Peter erhitzt. „Aber, komm schon, wir sind die Rumtreiber..."

„Wir sind nicht die Rumtreiber..."

„Das sind wir!" James starrte ihn nur an und Peter fuhr fort: „Sag nicht, dass die Rumtreiber nie existiert haben, weil sie das getan haben. Sie haben es und deshalb ist es so mies, dass Padfoot es Snape gesagt hat! Aber wir waren wirklich alle Freunde... das waren wir! Du kannst nicht sagen, dass wir das nicht waren, weil vor den Rumtreibern... vor den Rumtreibern, war ich bloß ein dürrer, kleiner Trottel, auf dem die Slytherins herumgehackt haben. Du und Sirius habt mich adoptiert und egal, was Sirius später gemacht hat, das kannst du nicht löschen! Wir waren beste Kumpel und Sirius war dein Bruder und das ist passiert und was du jetzt tun musst, ist das wieder hinzukriegen!"

„Du sagst immer wieder, Pete... na gut, Wormtail, was auch immer. Du sagst immer wieder, dass ich das wieder hinkriegen muss. Was genau denkst du, muss ich wieder hinkriegen?"

Das hier! Moony... Remus! Er ist nicht er selbst. Er verschließt sich wieder, wie vorher, wie früher, als wir Kinder waren... du und Sirius waren diejenigen, die es geschafft haben, ihn sich öffnen zu lassen! Du muss Remus wiederhinkriegen und du musst Gryffindor wieder hinkriegen und du musst auch jeden anderen wieder hinkriegen!"

„Jeden anderen?" wiederholte James. „Du willst, dass ich die gesamte Schule richte?"

„Ja!"

„Und wie genau stellst du dir vor, dass ich das mache?"

Zum ersten Mal stockte Peters Sicherheit. „Weißt du das nicht?"

James begann ernsthaft die geistige Gesundheit seines Freundes anzuzweifeln. „Was wissen?"

„Woher sollte ich das wissen? Ich weiß es nicht! Aber du bist James Potter! Jeder sieht dich an – deshalb haben wir das Q... verdammt, Quidditch-Endspiel verloren, als du niedergeschlagen warst... die Mannschaft konnte sich schließlich nicht zusammenreißen, wenn du nicht in der Laune warst um zu spielen, oder?"

„Hey, ich hab' mehr Punkte als jeder andere Jäger in diesem..."

„Aber es hat Gryffindor nicht geholfen, den Schnatz zu fangen, oder? Du bist eine der wenigen Personen, auf die die ganze Schule schaut... selbst die Slytherins, ob sie es mögen oder nicht. Aber du hast seit Wochen nichts außer schmollen und trübselig herumschleichen getan und ich hasse es verdammt noch mal! Du bist der verdammte James Potter, Prongs und ich wünschte, du würdest anfangen, dich so zu verhalten!"

Sie starrten sich beide einfach nur für ein paar Sekunden an. Dann schloss Peter „Ich gehe zum Mittagessen. Was auch immer es ist, das du tun musst, um wieder du zu sein... tu es." Und damit ging er.

Geschockt blieb James für fast eine Minute stehen. Peter sprach nicht so... er sprach sicherlich nicht so mit ihm. Dann, war es vielleicht doch möglich, dass Wormtail recht hatte – zumindest teilweise.

James betrat die Große Halle und setzte sich zwischen Remus und Peter, die beide in Stille aßen. Er sah zwischen ihnen hin und her und statt sich selbst zu bedienen, sprach er ersteren in einem ernsten Ton an: „Moony."

Remus blickte auf, etwas verdutzt von dem Verwenden des Tabu-Spitznamen.

James zögerte, dann – „Was auch immer du brauchst... für dein... pelziges kleines Problem... Pete – Wormtail und ich sind hier."

Unsicherheit in seinen grauen Augen, trotzdem nickte Remus. „Danke."

James lächelte halb und Peter sah glücklich aus, als er sich Kürbissaft eingoss.

Was immer es ist, was du tun musst, um wieder du zu sein... tu es."

Da war auch etwas anderes. James blickte den Gryffindortisch hinauf, dahin, wo Lily Evans saß, animiert mit Donna Shacklebolt und Marlene Price redend. Vielleicht würde sie ihm nicht vergeben... vielleicht wollte sie nichts mit ihm zu tun haben... vielleicht war er permanent und unwiderruflich raus... Aber vielleicht nicht.

Und er musste es versuchen, richtig? Es war schließlich das, was James Potter tun würde.

(Fünftes Jahr, Teil Drei)

Die sechszehnjährige Lily betrat den Gemeinschaftsraum, überrascht, dass sie sie nicht mehr absolut schrecklich fühlte.

Hauptsächlich schrecklich, ja, aber nicht absolut.

Luke Harper – er war kein schlechter Kerl, wirklich.

Leider war Lilys Entkommen aus dem Elend kurzlebig, da, als sie weiter hineinlief, erkannte, dass sie, in der Tat, nicht alleine war. Als er sie bemerkte, sprang James Potter – der auf der Couch gefläzt hatte – auf.

„Evans..."

„Geh weg," fuhr Lily ihn an, bevor er etwas anderes sagen konnte. „Ich meine es ernst, Potter, du willst mir heute Nacht nicht auf die Nerven gehen."

„Ich wollte mich bloß entschuldigen," antwortete James, er hüpfte über den Sofarücken um sie unten an den Treppen zu treffen, sich ihr typischerweise in den Weg stellend. „Wirklich, Evans..."

„Was stellst du dir vor, dass du sagen könntest, damit ich dir vergebe?"

„Tja, ich weiß nicht..." Er grinste halb. „Es tut mir leid?"

Lily verdrehte ihre Augen. „Du bist erbärmlich. Beweg dich."

Er bewegte sich, aber nur um weiter ihren Weg zu verstellen, als sie versuchte, um ihn herumzulaufen. „Komm schon, Evans," beharrte er. „In Ordnung – ich hätte netter sein können..." Lily ließ ein ungläubiges „Ha!" entfahren, bevor sie es schaffte, unter James ausgestrecktem Arm durchzuschlüpfen und auf die Treppe hinter ihm zu steigen. „Aber weißt du, ich habe genauso viel Grund, eine Entschuldigung zu erwarten, wie du es tust!"

Lily, die zu der Zeit schon die Treppe halb oben war, hielt inne, und drehte sich wieder einmal zu James um. „Du musst Witze machen."

Zufrieden mit sich, dass er eine solche Reaktion hervorgerufen hatte und die Stufen mit einem lockeren Schwung hochlaufend: „Tja, Evans... du warst nicht so höflich, mir so einen Korb zu geben. Und der Riesenkraken-Kommentar war richtig unfreundlich."

Für mehrere Sekunden konnte Lily nichts tun, als ungläubig den Zauberer vor ihr anzustarren. James Potter war eine evolutionäre Unmöglichkeit, dachte sie. Niemand konnte so arrogant; niemand konnte so ahnungslos sein. Und nein, sein blödes, billiges Grinsen, sein markanter Kiefer und glitzernden haselnussbraunen Augen kompensierten diesen Fakt nicht.

„Du bist verrückt," informierte sie ihn, als er auf der Treppenstufe genau unter ihr ankam. „Du bist verdammt verrückt, wenn du denkst, dass ich mich je bei dir entschuldigen würde. Ich erkenne, dass es schwierig für dich sein wird, das zu verstehen, Potter, aber versuch mal: Ich mag dich nicht. Und ich meine nicht, dass ich nicht auf dich stehe, was ich nicht tue, aber ich mag dich einfach kein bisschen. Ich mag dein aufgeblasenes Ego oder deine blöden Streiche oder dein idiotischer so genannter Humor nicht. Ich bin nicht davon beeindruckt, dass du Quidditchkapitän bist oder von deinen Noten oder von der Tatsache, dass du ein vollkommener und absoluter Depp bist." James sah nicht verletzt aus – eher verärgert, als sie fortfuhr: „Glaubst du ernsthaft, dass mir deine blöde Date-Einladung nicht vollkommen egal ist? Das... das ist einfach unglaublich, wirklich. Ich habe heute meinen besten Freund verloren..."

„Schniefelus ist ein..."

„Halt die Klappe, halt die Klappe, halt die Klappe!" schrie Lily, ihre Hände flogen vor Ärger durch ihre Haare. „Er war mein bester Freund – nicht, dass du eine Ahnung hast, was das bedeutet! – und wegen dir, habe ich ihn verloren!"

„Hey, ich habe ihn nicht gezwungen, dich – dich das zu nennen!"

Schlammblut, meinst du?" fuhr Lily ihn an. „Nein, das hast du nicht – aber du schikaniert ihn immer, stoßend und anstachelnd... lässt ihn nie in Ruhe und versuchst dann mich zu kriegen, nur um unter seine Haut zu gehen..."

„Ich will nicht..."

Lass es, Potter," unterbrach sie wütend. „Hast du heute nicht schon genug angerichtet?" Dann drehte sie sich auf ihrem Absatz um und verschwand die Treppe hoch.

James blieb für eine Minute stehen; er war froh, dass Sirius und Remus und Pete nicht hier waren; er war froh, dass er allein in dem schwach beleuchteten Gemeinschaftsraum war. Da unter all seinem Gerede, James Potter am Ende eben doch ein menschliches Wesen war und – in vielen Aspekten – waren Menschen recht sensitiv.

Er setzte sich wieder auf die Couch beim Feuer, seine Arme verschränkend und eine Kombination aus verärgert und – tja, ehrlich gesagt, verletzt fühlend.

Sie ist bloß eine Biene," würde Sirius sagen. „Kann man den Hasen geben, ehrlich."

Du warst wirklich ein wenig ein Idiot," würde Remus dann beisteuern, gefolgt von Peters ermutigendem „Mehr Glück beim nächsten Mal, Prongs."

Aber – erkannte James – es würde kein nächstes Mal geben. Nie mehr Lily Evans auf ein Date einladen – kein Flirten oder Provozieren oder irgendwas. Kein Lily Evans mehr. Er hatte sich dieses Versprechen bereits ein Dutzend Mal gegeben (und würde es sich ein Dutzend Mal nächstes Jahr geben), aber dieses Mal meinte er es so. Wirklich, ehrlich, komplett.

In diesem Moment, was James Potter von Lily Evans weg.

Die Wut, die Schuld, die Abneigung und Unzufriedenheit, die aus seiner Brust strömten, und einen wichtigen, ziehenden Schmerz produzierten waren genug um James zu überzeugen, dass dies die Wahrheit war... dass er wirklich und aufrichtig fertig war. Es würde zwei Monate und einen Haken auf Nikolai Mulcibers Kiefer brauchen um ihn das Gegenteil erkennen zu lassen.

Aber natürlich wusstet ihr das schon.

(Gegenwart: Koboldstein)

Drei Rumtreiber saßen am Kamin des Gryffindor Gemeinschaftsraums. Remus und Peter hatten Bücher, die sie ignorierten und James spielte mit dem Schnatz, den er vor einem Jahrhundert gestohlen hatte. Tja, vielleicht war ‚mit ihm spielen' der falsche Ausdruck, er hielt ihn jedenfalls, zog an seinen Flügeln und starrte den Ball an, als ob er ihn beleidigt hätte.

Das war die Szene, die Marlene beobachtete, als sie den Gemeinschaftsraum von dem Schlafsaal der Mädchen betrat und sich gemächlich in einen freien s

Stuhl neben Remus' setzte (James und Peter saßen auf dem Sofa).

„Hallo," grüßte die Blonde und sie murmelten ihre Antworten. „Also... freut ihr euch auf die Sommerferien?"

„Klar," sagte James.

„Ja, ich schätze," sagte Peter.

Remus zuckte bloß mit den Schultern.

„Ich kann sehen, dass ihr eine wundervolle Laune habt," fuhr Marlene trocken fort. „Warum streitet ihr euch überhaupt mit Sirius? Jeder sagt was anderes und ich glaube nichts davon." Die Rumtreiber sahen aus, als ob sie dies nicht diskutieren wollten, aber Marlene ignorierte diese Tatsache. „Tja – wann vertragt ihr euch wieder mit ihm über egal, was es war?"

Noch mehr Stille traf sie.

„Ich schätze, das bedeutet, dass ihr keine direkten Pläne habt..."

„Wann verträgst du dich wieder mit Adam McKinnon?" entgegnete Remus mit erhobenen Augenbrauen.

„Wir haben uns versöhnt," informierte sie sie. „Vor zwei Tagen."

„Ihr hättet das nicht früher tun können?" grummelte James. „Er hatte 'ne schreckliche Laune."

„Weil ihr hier nur die üblichen Sonnenstrahlen seid," gab die Blonde zurück.

Mary betrat in diesem Moment den Gemeinschaftsraum. Sie setzte sich fast sofort auf die Lehne von Marlenes Stuhl. „Hallo, ihr," sagte sie, fröhlich genug. „Worüber redet ihr?"

„Marlene ist die Schwatzhafte," sagte James leicht. „Frag sie."

„Sie haben alle schlechte Laune," sagte Marlene Mary entrüstet.

„Nichts Neues," erwiderte die Brünette. „Ich gebe dem Q-Wort die Schuld."

„Kein schlechter Tipp," gab James zu.

„Tja, lasst euch davon nicht unterkriegen," fuhr Mary fort. „Es ist unsere zweitletzte Nacht hier. Ich habe eigentlich auf eine Art Streich oder irgendwas von euch gehofft, bevor wir gehen. Ihr seid die Rumtreiber, oder?"

„Nein," sagte Remus.

„Ja," sagte James.

Mary verdrehte ihre Augen. „Jungs."

Abgesehen von den bedrückten Sechstklässlern am Feuer summte der Gemeinschaftraum mit Vorfreude, als die anderen Gryffindors fröhlich über ihre Sommerpläne und ihre Erleichterung über das Ende der letzten Prüfungen kundtaten. Carlotta Meloni und Shelley Mumps kamen durch das Porträtloch hinein, streitend.

„Oh, Shell, sei nicht so negativ," sagte Carlotta, die ihre fehlende Uniform mit einem Rock, der die große Mehrheit ihrer dünnen, unerklärbar gebräunten Beine und einer Bluse, die dasselbe für ihre Brust tat, ersetzte. „Natürlich will dich Raphael Walker morgen sehen. Es wird gut gehen."

„Er war nur höflich mit dem Date, weil du da warst," antwortete Shelley unglücklich. Carlotta verdrehte ihre Augen, bemerkte dann die Rumtreiber und ihre zwei Zimmergenossinnen beim Feuer.

„Danke für die Hilfe in Verwandlung, James," sagte sie, als sie sich der Gruppe näherte. „Ich wäre sonst mit Sicherheit durchgefallen."

„Kein Problem."

Bei der Sicht von James war Shelley blass geworden, aber Carlotta achtete nicht auf sie und nahm auf dem Sofa neben Peter Platz. „Setz dich doch," lud sie ihre Freundin ein, deren physische Unbeholfenheit im Vergleich mit der nymphengleichen Carlotta nur noch durch ihre steife Haltung neben der entspannten der anderen verstärkt wurde.

„Ich dachte, wir gehen hoch," murmelte Shelley mit einem bedeutsamen Blick zu James. Der Quidditchkapitän war jedoch wieder einmal mit dem Schnatz beschäftigt und bemerkte es nicht.

„Wir sind fast fertig mit Packen," bemerkte Carlotta. „Komm schon, Shell."

Jetzt rot werdend nahm Shelley auf dem Stuhl Mary gegenüber Platz und gab sich Mühe, James Potter nicht anzusehen.

„Also, was sind die Sommerpläne?" fragte Carlotta. „Ich bin im Juli zuhause, dann bestehen meine Eltern darauf uns alle zu dem Haus zur Küste zu schleppen."

„Oh?" sagte Marlene, falsch süßlich. „Ist das nicht da, wo du letztes Jahr versucht hast, Alice Griffiths Freund zu stehlen und gescheitert bist?"

Carlotta blickte sie böse an und Peter verdrehte seine Augen. „Wenn ihr Mädchen euch streiten müsst..."

„Werden sie nicht," intervenierte Mary. „Habt ihr euch zwei noch nicht Frieden gemacht?" fügte sie hinzu und blickte böse zwischen ihrer Freundin und Carlotta hin und her. „Es ist das Ende des Schuljahrs, wisst ihr und wir haben ein Ganzes vor uns. Das Mindeste, was ihr tun könntet, ist aufhören zu streiten, einfach für uns. Jetzt – Sommerpläne: das war ein gutes Thema. Ich werde in dem Laden meiner Eltern aushelfen. Shelley?"

„Oh, ich weiß nicht," seufzte Shelley. „Ich denke, meine Mum will nach Venedig. Sie ist Italienerin, wisst ihr."

„Tja, das sollte schön sein," sagte Mary, entschlossen, die Unterhaltung am Laufen zu halten. „Remus?"

„Keine Pläne," seufzte er. Sie waren still und dann sprach Peter um alle von der unbehaglichen Stille zu befreien.

„Ich bleibe ein bisschen bei James, oder?"

„Ja," antwortete der Quidditchkapitän. „Natürlich. Aber ich denke, wir werden in der ersten Woche in Godrics Hollow sein, also wärst du ein bisschen gelangweilt."

„Was ist Godrics Hollow?" wollte Marlene wissen.

„Das ist das Landhaus meiner Eltern," sagte James. „Da ist aber nicht viel im Ort."

„Ihr habt ein Landhaus?" fragte Mary. „Wie viele Häuser habt ihr?"

James zuckte die Achseln. „Drei oder vier. Da ist das Haupthaus, die Wohnung in London, Godrics Hollow, das eine an der Küste..."

„Oh, das, das ihr letztes Jahr die Longbottoms geliehen habt?" fragte Carlotta. „Oh, halt die Klappe, Marlene."

„Ich hab' nichts gesagt!"

„Ich hab' dein Gesicht gesehen – du hast es gedacht."

„Denken ist jetzt eine Straftat?" fragte Marlene. „Kein Wunder, dass du noch nie verhaftet worden bist, Car."

„Kein Streiten!" erinnerte sie Mary. „Ehrlich, ihr beiden." Sie blickte nachtragend die drei relativ leisen Rumtreiber an. „Warum scheinen die Jungs hier deutlich weniger begeistert zu sein?"

„Aus meiner Erfahrung ist es eher anders rum," murmelte Marlene und Carlotta schnaubte anerkennend.

„Fortschritt," seufzte Mary glücklich. Adam McKinnon kam die Treppe herunter, im Pyjama und mit einer kleinen Holzkiste in der Hand.

„Wem gehört dieses Koboldsteinset?" fragte er. „Weil alles ist eingepackt oder gehört jemandem und das hier hat einfach auf dem Tisch gelegen. Ist das von Sirius?"

„Er hat kein Koboldsteinset," sagte James. „ich denke, wir haben das von jemanden ausgeliehen."

„Wir sollten es zurückgeben," bemerkte Remus. „Von wem haben wir das ausgeliehen?"

„Frank Longbottom?" schlug Peter vor.

James schüttelte seinen Kopf. „Das war ein Schachspiel."

„Roger Diggory?" riet Remus.

James runzelte die Stirn. „Wer ist wieder Roger Diggory?"

„Du weißt schon – Hufflepuff... hat Mal Quidditch gespielt, aber aufgehört, damit er sich ‚auf das Lernen konzentrieren' kann." Noch immer sah der Quidditchkapitän verwirrt aus. Remus verdrehte seine Augen. „Flachgesicht."

„Ah, Flachgesicht!" sagte James mit Wiedererkennen in seinen Augen. Die Mädchen lachten. „Ja, ich erinnere mich. Aber nein, wir haben das nicht von Flachgesicht ausgeliehen. Ich habe mir mal ein wenig Besenpolitur von ihm ausgeliehen... Ich glaube nicht, dass er mich besonders mag."

„Vielleicht, weil du die ganze Besenpolitur aufgebraucht hast," sagte Peter.

„Vielleicht, weil du ihn Flachgesicht nennst," sagte Marlene.

Selbst James konnte seine Belustigung hier nicht unterdrücken. „Er hat sehr flache Gesichtszüge!"

„Du bist bloß neidisch auf sein perfektes Haar," sagte Mary. „Wisst ihr, ich denke, ich habe einmal mit ihm geknutscht."

„Ich auch," sagte Carlotta automatisch. Sie sahen sich an und eine kurze, aber verlegene Stille folgte. Adam legte die Koboldsteine auf den niedrigen Tisch zwischen Sofa und Kamin und setzte sich dann auf den Boden.

„Tja, das ist ungemütlich," bemerkte er gesprächig. Die Jungs, Marlene und Shelley lächelten, aber Carlotta schauderte.

„Neues Thema," schlug Mary vor.

Lily und Donna, die letzten der Gryffindorsechstklässler, abgesehen von Sirius, erschienen von der Treppe von dem Mädchenschlafsaal, Nachthemden tragend und beide mehrere Gegenstände tragend. Lily hielt zwei Platten, während Donna mehrere Bücher trug, die sie alle Remus hinhielten.

„Alles, was wir uns von dir ausgeliehen haben," erklärte Lily.

„Wann habe ich dir The Wailing Wailers ausgeliehen?" fragte der Rumtreiber, als er über eine der Alben sah, die Lily ihm gegeben hatte. Die Rothaarige wandte sich.

„Vielleicht Oktober?"

„Nett."

„Sorry."

„Das sind alle Bücher, die ich mir diese Woche für die Prüfungen ausgeliehen habe," informierte Donna Remus und legte den Stapel auf den Beistelltisch. „Ich denke, du wirst sehen, dass keins fehlt, aber nur für den Fall, dass du etwas anderes glaubst, habe ich die Liste, die du am Montag unterschrieben und der du zugestimmt hast." Sie zog ein Stück Pergament aus der Tasche ihres Nachthemdes und hielt es Remus hin. „Das ist deine Unterschrift, aber ich kann einen Verifikationszauber machen, wenn..."

„Es ist gut, Donna," sagte Remus. „Ich habe bloß unterschrieben, weil du darauf bestanden hast."

„Ich mag es gründlich zu sein," antwortete sie verteidigend.

Lily hatte neben Adam auf dem Boden Platz genommen und trommelte ihre Finger gegen die mysteriöse Koboldsteinkiste. „Wolltet ihr spielen? Ich bin nämlich ein Koboldsteinexperte."

„Nein, das war in unserem Schlafsaal," sagte Adam. „Wir versuchen herauszufinden, wessen Kiste es ist."

Lily untersuchte die Kiste, während sich Donna neben sie setzte.

„Vielleicht haben wir sie von Liam Lyle ausgeliehen," schlug Peter vor. „Ich denke wirklich, dass wir das haben."

„Wer?" fragte James.

Remus seufzte. „Frohes Haar," sagte er resigniert. James nickte wiedererkennend.

„Der gute alte Frohes Haar."

Lily sah die anderen an. „Will ich es wissen?"

„Nein," sagte Remus. „Vielleicht war es Malcolm Davies. Oder, wenn man James spricht, Ravenidiot."

„Nein, es war nicht Ravenidiot," sagte Lily.

„Woher weißt du das?" fragte Peter neugierig.

„Ich weiß es einfach. Die Aura der Kiste ist nicht die eines Ravenclaws. Das sind definitiv Gryffindorkoboldsteine. Tatsächlich..." Sie schloss dramatisch ihre Augen und hielt ihre Hände über das Spiel. „Ich würde sagen, dass diese... Damascus Weasley gehören."

„Ey, das stimmt!" sagte James, als er sich erinnerte. „Ja, wir haben die von ihm ausgeliehen, weil Si... jemand ausversehen mein Set in die Luft gejagt hat, im Versuch einen neuen Zauber zu üben."

„Aber woher wusstest du es?" fragte Carlotta Lily.

„Ich bin sehr mächtig."

Sie sahen sie alle skeptisch an und Lily hielt die Kiste umgekehrt herum, sodass sie alle sehen konnte. ‚Damascus Weasley' war deutlich in das Holz gekratzt.

„Tatsächlich kann ich lesen," sagte sie trocken. „Tja, kommt schon, dann: wer will gegen mich spielen?"

Adam zuckte die Achseln. „Ich würde."

„Ich auch," sagte Marlene und Carlotta setzte sich ebenfalls an ihre Seite des Tisches.

„Warum nicht?" sagte die Brünette achselzuckend. „Komm schon, Shelley."

Shelley folgte ihr gehorsam.

„Remus? Peter?" lud Lily sie ein und ignorierte James bewusst. Peter stimmte zu, aber Remus schien zögerlich.

„Ich bin nicht in der Stimmung für ein Spiel," sagte er. Er sah auch ziemlich blass aus.

„Komm schon. Ein Spiel," lockte Carlotta. „James, du auch."

Donna rutschte näher zum Tisch. „Wenn jeder spielt, schätze ich..."

James warf einen verlegenen Blick in Lilys Richtung, aber sie war damit beschäftigt, das Spiel aufzubauen und schien es nicht zu bemerken. Er rutschte zum Ende des Sofas, nah genug um am Spiel teilzunehmen.

„Ich werde gewinnen," verkündete Donna sachlich. „Wirklich, das tue ich immer."

„Tust du nicht," protestierte Lily.

„Lass uns einfach hoffen, dass du besser spielst als im Q-Wort Endspiel," sang Marlene. Donna blickte finster, aber die meisten der anderen lachten.

„Ich fange an," sagte Peter. „Niemand wird als allererstes angesprüht..."

Eine Stunde, drei Koboldsteinspiele und zwei Gänge hoch zum Jungsschlafsaal um Süßigkeiten zu holen später, hatte es kaum oder keinen unbehaglichen Zwischenfall gegeben. Genug Leute spielten das Spiel, dass Lily nicht direkt mit James sprechen oder interagieren musste und selbst Marlene und Carlotta schafften es, nicht zu streiten. Tatsächlich lief alles ziemlich gut, bis, gegen halb neun, sich das Porträtloch öffnete und den letzten Gryffindorsechstklässler hineinließ.

Sirius warf einen Blick auf die Gruppe, aber ging schnell zur Schlafsaaltreppe. Lily sah von Remus zu Peter zu James und entschied dann, dass es ihr einfach egal war.

„Sirius!"

Jeder sah sie an.

„Koboldsteinturnier. Willst du spielen?"

Lily," murmelte Remus.

„Wir sind nicht vollständig, wenn er nicht spielt," entgegnete Lily in einem Unterton. In einer lauteren Stimme fügte sie für Sirius hinzu: „Wir sind schon mitten im Spiel – du kannst bei mir mitspielen. Ich habe schon einmal gewonnen."

Sirius zögerte, schüttelte dann seinen Kopf. „Nein, danke. Ich wollte eigentlich nur gerade ein paar Sachen schnappen, die ich..."

„Quatsch, komm schon," meldete sich Marlene. „Spiel aber nicht mit Lily. Sie ist diese Runde schrecklich."

„Nicht so schlecht..."

„Du hast noch nicht einen rausgeworfen!"

„Komm schon, Sirius," fügte Carlotta hinzu. „Du kannst genauso gut spielen. Um das Ende der Prüfungen und all das zu feiern!"

„Drei attraktive Mädchen haben dich gefragt," fuhr Mary zu. „Es wäre verdächtig, wenn du jetzt ablehnst."

James hielt seinen Gesichtsausdruck absolut neutral, als sich Sirius auf den Boden setzte, zwischen Donna und Lily.

„Wundervoll," sagte Carlotta. „Wenn wir bloß Butterbier hätten..."

„Stimmt's?" stimmte Lily zu. „Das habe ich auch gerade gedacht." Sie duckte sich vor einer Attacke der Koboldsteine, aber nicht, bevor ein bisschen des grünen Schleims in ihren Haaren landete. „Ich denke nicht, dass das zählt..."

„Natürlich zählt es," grinste Remus. „Du bist raus, Evans."

„Aber Mädchen haben mehr Haare als Jungs! Es ist ein unfairer Vorteil!"

„Schlechter Verlierer," sagte Marlene. „Donna ist dran. Los..."

„Zwei Galleonen, dass Peter als nächstes getroffen wird," sagte James und warf Geld auf den Tisch.

„Carlotta wurde gerade erst getroffen," argumentierte Adam. „Es ist nicht möglich..."

„Ernsthaft," stimmte Mary zu, aber in diesem Moment stießen die Steine ihre grüne Säure aus und Peter Pettigrew konnte sich nicht schnell genug ducken.

„Gott, Potter," beschwerte sich Adam gut gelaunt, „du hast einfach verdammt zu viel Glück." Er warf James sein Geld.

„Wette nie gegen mich," sagte James mit einem Grinsen. Er nahm einen seiner Koboldsteine und warf ihn gegen einen anderen im Spielring und stieß ihn erfolgreich raus.

„Verdammt," fluchte Lily, die – mit James und Remus – eine der wenigen letzten im Spiel war. „Das sind sechs für Potter, oder?"

„Richtig," sagte Carlotta. Sie legte drei Galleonen auf einen leeren Fleck auf dem Tisch. „Ich wette, dass James gewinnt."

„Nö, Lily wird das," legte Sirius da. „Sie braucht nur noch einen und Potter hakt immer bei seinem siebten Stein." James gab vor, das nicht zu hören.

„Ich halte auch zu Lily," sagte Donna und legte ihr Geld hinzu. „Fünf Mal nacheinander ist eine Serie, auf die man wetten kann."

„Ich liebe dich, Lily, aber ich wette auf James," sagte Mary.

„Ich mag Außenseiter – drei auf Lupin," sagte Adam. Er legte sein Geld dazu. Lily war an der Reihe und sie stieß ihren sechsten Stein aus dem Ring. Remus folgte ihr und schaffte ebenfalls erfolgreich seinen sechsten Stein. Als er dies tat, versprühten die Steine ihre eklig riechende Säure, aber Remus schaffte es, sich unter den Tisch zu ducken, bevor ihn etwas traf.

„Nett, Kumpel," sagte James. Er zielte vorsichtig und warf dann und während es einen der wenigen Steine, die im Ring verblieben traf, rollte der Stein bloß zum Rand und entkam dem Kreis nicht. „Verdammt."

„Ich hab' es ja gesagt," flüsterte Sirius Carlotta zu.

Lily war wieder an der Reihe, sie hielt ihren eigenen Wurfstein in ihren Händen, als wäre es ein Paar Spielwürfel, aber als sie sich vorbereitete, sie in den Ring zu werfen, muckten die Steine wieder auf und spuckten ihre Säure in ihre Richtung. Lily duckte sich und entkam der Flüssigkeit erfolgreich, aber sie musste jetzt aussetzen.

Remus bereitete sich auf seinen Wurf vor, sie zielte vorsichtig, drehte den Koboldstein zwischen seinen Fingern und dann –

Ja!" rief Adam und boxte in die Luft. „Danke, Remus Lupin!"

Die anderen stöhnten, als Adam seinen Gewinn sammelte und Remus grinste über seinen kleinen Sieg.

„Gut gemacht, Kumpel," gratulierte James, sich an die Couch zurücklehnend (er hatte sich vor drei Spielen doch auf den Boden bewegt). „Hatte ich nicht Recht mit den blauen Steinen? Sie sind am besten zum Werfen."

Shelley streckte sich und gähnte und es kam den Sechstklässlern plötzlich in den Sinn, dass es spät wurde. Der Gemeinschaftsraum war dunkel, abgesehen vom Feuer und alle anderen waren ins Bett gegangen.

„Ich sollte gehen," sagte Sirius und kam auf seine Füße. „Bis morgen, ihr alle."

Die anderen Sechstklässler – abgesehen von James und Sirius, die entschieden wegsahen – sagten Sirius gute Nacht und mit einem nicht entgegneten Blick zu seinen zwei früheren Freunden latschte er aus dem Porträtloch.

„Wir sollten wirklich ins Bett gehen," beobachtete Lily langsam. „Es ist ziemlich spät..." Es folgte ein Moment der Stille und dann... „Noch ein Spiel?"

„Ich bin dabei," sagte Mary und richtete sich auf.

„Ich auch," sagte Adam.

„Ja, ich bin bereit," sagte James.

„Ich muss den Titel verteidigen, schätze ich," stimmte Remus zu.

Jeder sammelte sich nah um den Tisch und Lily setzte den Kreis wieder auf Anfang.

Donna war die nächste Person, die sich für den Schlafsaal verabschiedete, sie ging direkt nachdem das nächste Spiel beendet war. Peter ging eine Viertelstunde später ins Bett, dann Mary, Carlotta und Shelley, und dann Adam. Marlene gewann das letzte Spiel und gähnend kam sie unsicher auf ihre Beine.

„Ich bin fertig," verkündete sie. „Bis morgen, Lily. Nacht, James." Damit schlurfte die Blonde die Treppe hoch zu den Schlafsälen. Lily packte die Koboldsteine wieder in Damaskus Weasleys Kiste und stand dann selber langsam auf. Sie spielte halb mit der Idee James „Gute Nacht" zu sagen (oder vielleicht etwas anderes), aber entschied sich dann dagegen und ging los zu ihrem Zimmer.

„Hör zu, Lily..." begann James plötzlich. Sie drehte sich zu sich um. „Ich wollte nur..." Er zögerte und Lily unterbrach ihn.

„Es ist spät," murmelte sie. „Ich sollte etwas Schlaf kriegen." Dann drehte sie sich um und war weg.

(Wie es wieder mit James läuft)

Vielleicht fantastisch, wenn man die irrsinnige Anzahl an Ablenkungen beachtete, die ihnen präsentiert wurden, hatten alle Sechstklässler ihre Prüfungen bestanden. Lilys Note in Alte Runen war nicht so gut, wie sie es gerne gehabt hätte und Donna schwor, dass Professor McGonagall auf einem Rachezug gegen sie war, aber, allem in allem war der letzte Tage in Hogwarts nicht ganz so schlimm, wie er es hätte sein können.

Das Abschiedsfest war köstlich, wie es normalerweise war und Slytherin, unterstützt von ihrem Sieg in der Quidditchmeisterschaft, gewann ebenfalls den Hauspokal. Gryffindor wurde dritter, aber nur, weil Cassidy Gamps Attacke gegen Donna die Punkte von Hufflepuff ins bodenlose gerissen hatte.

Obwohl sie so lange prokrastiniere, wie sie es konnte, war Lily an diesem Abend irgendwann endlich mit dem Packen fertig und verbrachte die meiste Zeit der Nacht mit ihren Freundinnen im Schlafsaal. Da sie die letzte Nacht so lange aufgeblieben waren, gingen die meisten der Mädchen früh ins Bett, aber Lily war nicht müde – oder konnte zumindest nicht schlafen – und ging, nachdem sie sich das einzige Buch nahm, dass sie noch nicht eingepackt hatte, hinunter in den dann leeren Gemeinschaftsraum. Nach ein paar Minuten nach elf wurde Lilys Ruhe jedoch gestört.

„Würde es einen Unterschied machen, wenn ich mich entschuldigen würde?"

James Potter – in Flanellpyjamahosen und einem Puddlemore United T-Shirt, dass lockerer hätte sein können – ging auf sie zu und schaffte es gleichzeitig entschuldigend und apathisch auszusehen.

„Kommt darauf an," antwortete Lily, die nach einem kurzen Blick auf ihn wieder zu ihrem Buch zurückkehrte. „Gibst du mir die Erlaubnis, deinen Fuß mit einem scharfen Objekt zu durchbohren? Ich denke, das würde einen Unterschied machen."

Seufzend ließ sich James auf das Sofa neben sie fallen. „Es tut mir leid," sagte er so ehrlich, dass Lily aufsah. „Ich hätte nicht sagen sollen, was ich gesagt habe."

So müde wie sie war – von allem – würde Lily das trotzdem nicht akzeptieren. „Ist das alles? Du solltest Karten schreiben. Du solltest sie Keine-Schuld-Akzeptierende-Entschuldigungen von James nennen."

„Ich akzeptiere Schuld," antwortete James ruhig. „Ich habe gemeint, was ich gesagt habe, aber ich hätte es nicht sagen sollen."

Ineffektive Keine-Schuld-Akzeptierende-Entschuldigungen von James."

James antwortete nicht. Er saß nur eine lange Zeit da und sah auf seine Hände. Lily wollte ihn bitten, zu gehen (naja, oder es befehlen), als er fragte: „Was liest du?"

„Ein Buch."

„Welches Buch?"

„Dieses."

Er schnaubte. Mit einem Arm über dem Sofarücken hängend lehnte sich James hinüber um den Titel zu lesen und dabei streiften seine Haare – nass vom Duschen – Lilys Gesicht. Sie zog sich vom Geruch des Shampoos weg (so frisch und angenehm es auch war) und verzog ihr Gesicht, als ob sie etwas Ekliges gerochen hätte.

„Rutsch rüber. Du machst mich ganz nass." Warf sie ihm vor und James schnaubte wieder. „Oh, halt die Klappe."

James gehorchte in einem Aspekt; er lehnte sich zurück. „Emma?" fragte er, in Bezug zum Buchtitel. „Hab noch nie davon gehört."

„Es ist Muggel," informierte Lily ihn. „Es ist das einzige Buch, was noch nicht in den Tiefen meines Koffers verstaut ist und ich hatte Lust zu lesen."

„Natürlich hattest du das," murmelte James. „Tja, worüber geht es denn?"

Resigniert zu der Tatsache, dass James - mit seinem blöden Shirt und seinem blöden Haar – nirgendwo hinging, antwortete Lily nach einem kurzen Nachdenken: „Es geht um ein Mädchen, das alles falsch macht."

„Besser als ein Mädchen, das alles richtig macht, schätze ich."

„Tja, wer will das schon lesen?" Noch mehr unbehagliche, Shampoo-duftende Stille, dann: „Du hast meine Entschuldigung noch nicht angenommen."

„Du hast noch keine Entschuldigung gemacht, die es wert ist, angenommen zu werden."

„Na schön."

...

„Tja?"

„Tja, was?"

„Tja, wirst du dich nicht besser entschuldigen?"

„Nein."

Lily blickte finster. „Lässt du mich mit meinem Buch in Ruhe?"

„Nein."

„Wirst du hochgehen und mir ein paar der Süßigkeiten holen, von denen ich weiß, dass du die irgendwo verstaut haben musst, sodass deine Anwesenheit zumindest ein wenig mehr zu tolerieren ist?"

James grinste. „Ich bin gleich zurück."

„Beeil dich nicht."

Der Quidditchkapitän verschwand auf der Treppe und Lily versuchte erfolglos zu ihrem Buch zurückzukehren. Dann öffnete sich das Porträtloch und ließ Shelley Mumps herein.

„Hey, Shell," grüßte Lily sie, ein wenig verwirrt von der späten Ankunft der Hexe. „Wo warst du?"

„Du wirst keine Punkte abziehen, oder?" fragte Shelley ängstlich. Lily versprach, dass sie das nicht würde – und mühte sich nicht ihr zur erklären, dass Abzüge zu diesem Zeitpunkt im Jahr ziemlich bedeutungslos waren. „Ich bin in der Bibliothek eingeschlafen," erklärte Shelley und schleppte sich kläglich in den Gemeinschaftsraum. „Ich hätte jemanden treffen sollen, aber er ist nicht aufgetaucht."

„Wer?" wollte Lily wissen.

„Ein Junge. Raphael Walker."

„Der süße Siebtklässler? Hut ab, Shelley."

Shelley zuckte die Achseln. „Nicht wirklich. Wie ich gesagt habe – er ist nicht aufgetaucht. Carlotta hat versucht, uns zu verkuppeln... er hat wahrscheinlich gedacht, sie würde da sein und als er gesehen hat, dass sie es nicht war, hat er sich umgedreht und ist gegangen."

„Ich bin mir sicher, so war es nicht," sagte Lily und schüttelte entschieden ihren Kopf. „Weißt du, er ist ein Siebtklässler – es ist sein letzter Tag. Er ist wahrscheinlich dabei, sich auf seinen Abschied vorzubereiten." Shelley zuckte nur wieder mit den Schultern, eindeutig nicht überzeugt. „Mach dir keine Sorgen, Shell," tröstete Lily sie. „Kerle in Hogwarts sind deine Zeit nicht wert."

„Manche von ihnen schon," antwortete Shelley etwas wehmütig.

Wie um es zu unterstreichen erschien James wieder auf der Treppe, dieses Mal mit einer braunen Tüte von etwas, wovon Lily hoffte, dass es Gummischnecken waren. Er nahm zwei Stufen auf einmal und Shelley sah plötzlich aus, als ob sie eine echte Schnecke verschluckt hätte.

„Wie gewünscht," sagte James zu Lily, warf die Tüte auf den Beistelltisch und kehrte zu seinem alten Platz zurück. „Hallo, Michelle. Willst du eine? Gummischnecken, weißt du."

Lily unterdrückte ihr Lächeln über die Süßigkeitenwahl und Shelley wurde bleich. Sie schüttelte ihren Kopf.

„Warum gesellst du dich nicht zu uns?" bat Lily an, dankbar für die Möglichkeit, einen Puffer zwischen sich und James' Shampoo zu packen (Agrippa – was war heute Abend mit ihr los?" „Potter hat mir gerade von seiner neuen Grußkarten-Idee erzählt und weigert sich, ein Mädchen in Frieden zu lassen."

Shelley schüttelte wieder ihren Kopf.

„Bist du dir sicher?" fragte James. „Evans wäre sicher froh, jemanden zu haben, mit dem sie höflich reden kann, weil sie moralisch verpflichtet ist, mir nur Beleidigungen entgegenzuwerfen."

„Du kannst froh sein, dass das alles ist, was ich dir entgegenwerfe," antwortete Lily leicht.

Sie verzogen beide ihr Gesicht und Shelley schaffte es zu quieken: „Nein, danke. Gute Nacht.", bevor sie hoch zu dem Mädchenschlafsaal trottete. Lily nahm die Tüte Süßigkeiten und wählte eine strahlend blaue Schnecke.

Michelle?" zitierte sie abfällig. „Wirklich, Potter?"

„Was? Das ist ihr Name."

„Wenn du ihren Namen für die Einteilungszeremonie vorliest, ja. Jeder nennt sie Shelley."

„Woher weißt du, dass Michelle nicht mein Spitzname für sie ist?"

„Dein Spitzname für sie ist ihr echter Name? Kreativ."

„Es ist ironisch."

„Das ist es wirklich nicht."

„Tja, ich rede nicht wirklich viel mit Michelle... äh... Shelley. Ich denke nicht, dass sie mich mag... sie ist immer ganz still und starrend, wenn ich da bin."

Lily biss eine weitere Schnecke in zwei Hälften. „Du verwunderst mich manchmal wirklich, Potter," sagte sie seufzend und schüttelte ihren Kopf. „Und das nicht auf eine gute Art."

„Weißt du, ich habe gerade Süßigkeiten gebracht. Du musst nett zu mir sein."

„Nach allem, was du die letzte Nacht gesagt hast, muss ich nicht nett sein. Ich bin mir nicht sicher, dass ich menschlich sein muss." Als James keine schlaue Antwort gab, sah Lily von ihrem Buch hoch. Er sah sie an, offensichtlich gequält. „Was?"

„Ich habe wirklich deine Gefühle verletzt, oder?" fragte er leise.

Überrascht spielte Lily mit mehreren Antworten und entschied sich dann, Gnade zu zeigen. „Ich werde es überleben," sagte sie. „Und die Gummischnecken helfen." Sie hielt ihm die Tüte hin und James wählte eine neonpinke Süßigkeit.

„In Ordnung, Evans, lass mich nicht zu leicht vom Haken."

„Das habe ich nicht vor."

„Du hast auch Recht. Meine Entschuldigung war scheiße. Würde es einen Unterschied machen, wenn ich es wieder versuchen würde?"

Sie überlegte es sich. „Versuch es. Ich bezweifle, dass es deiner Chancen vermindern wird."

„Es tut mir leid," sagte James wieder. „Wirklich leid. Und ich habe ein bisschen was davon so gemeint, aber ich hätte es nicht sagen dürfen."

Lily hob ihre Augenbrauen. „Ist das nicht genau dieselbe Entschuldigung, die du beim letzten Mal gemacht hast?"

„Lass mich ausreden."

„Na gut."

„Ich weiß, dass du nicht – nicht versucht hast mich zu manipulieren, dich nach Hogsmead zu schaffen." Lilys Ausdruck veränderte sich (wurde weicher) bei dieser direkten Aussage. „Und ich weiß, dass du Luke nicht benutzt hast und ich hätte dich nicht anschreien sollen. Aber ich habe das gemeint, was ich über Snape gesagt habe."

Er sah sie sorgfältig an, versuchte vermutlich ihre Reaktion einzuschätzen, aber Lily saß sehr still da und sprach nicht direkt. Schließlich antwortete sie. „Das habe ich auch." Niemand wusste, was sie sagen sollten und um die Stille zu füllen, aß Lily eine weitere Gummischlange.

„Ich habe gehört, ihr zwei habt euch wieder gestritten," begann James schließlich wieder.

Lily nickte. „Du hattest bei einer Sache Recht – ich habe ihn sowieso verloren. Sev und ich haben... wir waren schon lange keine Freunde mehr. Wir haben... haben nur so getan."

„Das tut mir leid."

Sie sah ihn zweifelnd an. „Du hasst Snape."

„Ja, das tue ich," gab er zu. „Aber du tust das nicht, also... tut mir das leid."

Lily nahm sich sehr viel Zeit um das zu sagen, was sie fühlte, dass sie als nächstes sagen musste: „Ich habe dich nicht abgelehnt, wegen Snape. Wirklich und ehrlich, habe ich das nicht." Sie sah seinem Starren entschlossen entgegen. „Aber er hat sich immer... er hat sich immer sehr über die Art, wie du mich eingeladen hast, aufgeregt. Ehrlich, ich dachte, deshalb würdest du es überhaupt tun."

„Aber..."

„Ich habe dich ausreden lassen, Potter."

„Gut."

„Die Wahrheit ist – ich hätte auch sonst Nein gesagt... aber manchmal war ich – war ich ein wenig... äh... vehementer, als ich es sonst gewesen wäre..." Sie zögerte und sprang dann rein, weil, nach allem, hatten sie schließlich alles andere gesagt, oder? „Und das war wegen Snape. Weil ich seine Zweifel beseitigen wollte, schätze ich. Jedenfalls war das ein Teil davon... der andere Teil war einfach, weil du mich irgendwie verrückt gemacht hast."

James lächelte seine Hände an. Lily biss auf ihre Lippe.

„Was ich versuche zu sagen," fuhr sie fort, „ist – Entschuldigung angenommen."

Er sah sie an. „Selbst obwohl sie lahm war?"

Sie zuckte mit den Schultern. „Die Gummischlangen haben geholfen."

James sammelte wieder seinen Mut und fuhr so – mit dem Rand seines Puddlemore United Shirts spielend – fort: „Ich war dieses Jahr nicht sehr nett zu dir gewesen... die meiste Zeit."

„Ich hatte selbst ein paar niedrige Momente."

„Ja, aber ich war schlimmer. Ich meine..." Er schnaubte. „Ich habe Mulciber geschlagen, habe dich die Schuld auf dich nehmen gelassen und wurde dann dafür wütend auf dich."

Es schien so lang her, die Erinnerung ärgerte oder nervte Lily nicht mehr. Es war fast witzig.

„Es gab einen Grund dafür," fuhr James fort. „Es gibt einen Grund, warum ich dieses Jahr irgendwie fieser war." Lily wartete erwartungsvoll. „Ich habe versucht, über dich hinwegzukommen."

Lily fühlte sich plötzlich, als ob es ihr den Atem verschlagen hätte. Merlin, der Junge konnte einfach alles sagen, was er dachte, oder? Sie fühlte, wie die Röte ihr in die Wangen schlich, aber schaffte es zu fragen: „Und hast du das?"

Langes, angespanntes Nichts und dann – „Ja."

Lily atmete wieder. „Okay."

James betrachtete die Rothaarige neben sich vorsichtig – in ihrem dünnen grünen T-Shirt und weiten Schlafanzughosen, mit ihrem roten Haar schlampig an ihrem Hinterkopf festgeknotet und ihre Haut vom Feuerlicht eingefärbt.

„Du hast dich verändert," sagte sie, als ob sie seine Gedanken gelesen hatte.

„Du dich auch," antwortete er.

Lily nickte langsam, es nicht bestreitend, so wie er es erwartet hatte. „Es war ein langes Jahr," sagte sie. „Auch nicht immer ein Gutes."

„Nein," stimmte er zu. „Überhaupt nicht."

Sie fragte sich, an was er dachte – wahrscheinlich Sirius. „Nächstes Jahr wird besser werden," sagte sie ihm.

„Das kannst du nicht wissen."

„Wie könnte es schlimmer werden?"

James grinste schief. „Du könntest Recht haben. Trotzdem..."

„Trotzdem? Trotzdem was?"

„Ich weiß nicht. Ich – ich frage mich bloß, ob es überhaupt einen Grund gibt um nächstes Jahr wiederzukommen. Man brauch keine U.T.Z.e um Quidditch zu spielen und außerdem bin ich reich, als ist es nicht so, als ob ich mich anstrengen müsste, einen Job zu finden, wenn ich nicht spiele."

„Du musst nächstes Jahr zurückkommen!" protestierte Lily entsetzt. James hob seine Augenbrauen. „Wie kannst du das auch nur in Betracht ziehen?" fuhr sie fort. „Es ist Hogwarts. Du liebst es hier."

Er zuckte mit den Schultern. „Alles hier ist – Sirius. Fünf Betten im Schlafsaal... jeden Geheimgang in der Schule haben wir mit Sirius gefunden. Selbst auf der Karte – steht Moony, Wormtail, Padfoot und Prongs. Ich habe ihn an meinem ersten Tag getroffen und wir haben seitdem jeden Tag hier zusammen verbracht. Ich – ich weiß nicht, gerade jetzt. Ich will einfach davon weg sein."

„Aber du musst zurückkommen," Lily blieb standhaft. „Ehrlich, Potter, es ist... es ist Hogwarts! Und es war ein mieses Jahr, aber... aber... aber Hogwarts muss sich wieder rehabilitieren!"

„Sich rehabilitieren?" fragte der amüsierte Quidditchkapitän nach.

Ja!" fuhr sie leidenschaftlich fort. Dieses Jahr... ist Professor Black gestorben, Luke, Logan Harper, Roland Urquhart hat diese Purblutpropaganda aufgehängt... Carlotta und Adam am Anfang des Jahres... Marlenes Angriff, Marys... den Quidditchpokal an Slytherin zu verlieren... dein Streit mit Sirius, meiner mit Donna, Sev... James, das war ein verdammt miserables Jahr! Und wenn du jetzt gehst, dann wird dieses Jahr – von Mulciber bis Sirius – dein letztes sein! Das willst du nicht, oder? Wenn du nicht zurückkommst und ein siebtes hast, werden all deine Erinnerungen an Hogwarts beschmutzt sein, all die guten werden nicht mehr so viel wert sein! Du muss zurückkommen und versuchen, ein besseres zu haben... " James sah sie komisch an. Er antwortete nicht direkt und Lily kaute auf ihrer Lippe. „Ich habe Recht, oder?"

Langsam begann er zu lächeln. „Vielleicht hast du das."

Lily passt sich seinem Ausdruck an. „Natürlich habe ich das."

James schüttelte seinen Kopf. „Hör zu, selbst wenn ich jetzt das Schicksal herausfordere..."

„Freunde?" unterbrach sie. Er nickte.

„Richtig."

„Freunde," stimmte der Rotschopf zu. „Wurde auch mal Zeit."

James lehnte sich auf der Couch zurück, legte seine Beine auf den Tisch, auf dem sie am Abend zuvor Koboldstein gespielt hatten. „So kann man auch mal ein Jahr enden, ja?"

„Ja."

Eine kürzere, gemütlichere Stille folgte und dann schnappte sich James das Buch aus Lilys Schoß. „Also, erzähl mir was über diese Emma. Ist sie heiß?"

Lily lachte nur.

Es war ein paar Stunden später – fast ein Uhr nachts – dass sie tatsächlich ins Bett gingen. James ging mit Lily die Treppe hoch, bis sie zu dem Absatz kamen, der sich zu den Mädchen und den Jungsschlafsälen aufteilte.

„Gute Nacht dann, schätze ich," sagte James.

„Gute Nacht," antwortete Lily.

Sie sahen sich für einen sehr langen, verweilenden Moment an. Lily fragte sich nur vage, ob sie ihn in den Sommerferien sehen würde, da ihr Gehirn plötzlich weich geworden war... weich und still.

Natürlich konnte sie nicht genau wissen, was die nächsten paar Monate bringen würden. Sie konnte nicht von dem Protest wissen oder von Sam oder dass sie nicht an einer, sondern zwei Hochzeiten teilnehmen würde... Sie hätte nicht wissen können, dass sie, bevor sie den Hogwartsexpress wieder für ihr siebtes Jahr besteigen würde, sie die seltsamsten sechsunddreißig Stunden ihres Lebens bis jetzt erleben würde, die in James Potters Armen enden würden.

Nein, in der Tat, wusste sich nichts von dem und so, mit einem letzten Lächeln, sagte sie: „Ich schätze, ich sehe dich morgen."

„Schätze so," stimmte James zu. Und sie gingen getrennte Wege.

Erst als sie mit einem seltsamen, warmen Gefühl in ihrem Bauch ins Bett kroch, erkannte Lily etwas Wichtiges – es war am Ende doch nicht so, wie sie gedacht hatte, dass mit James nicht mehr zu sagen war. Es war so, dass nichts mehr geblieben war, was nicht gesagt werden konnte.