Vorher: Mary datet gerade einen Jungen namens Umbert Stebbins. Adam McKinnon hat Marlene im Mai gesagt, dass er sie liebt, aber Marlene wollte es platonisch halten. Donnas älterer Bruder Kingsley ist ein Auror und sie hat eine jüngere Schwester namens Bridget und zwei jüngere Brüder Isaiah und Brice. Ihre Eltern wurden in den ersten High-Profil-Morden von Voldemorts getötet. Sirius wurde wegen seinem Streich gegen Snape von den Rumtreibern ausgeschlossen, aber Remus und Peter entschieden sich, ihm zu vergeben. James tut dies entschlossen nicht. Sirius und Donna arbeiten beide im Tropfenden Kessel. Petunia Evans wird bald heiraten und Lily ist eine Brautjungfer, aber Lily ist frustriert, weil Petunia Vernon noch immer nicht gesagt hat, dass Lily eine Hexe ist. Sie denkt, dass Petunia dem ausweicht um eine Mauer zwischen ihnen zu halten.
Kapitel 25 - „Die Woche der Forderungen"
Oder
„Hey Jude"
Phillip Stoake, zweiunddreißig Jahre alt, war niemand Besonderes. Seine Freunde sagten, dass er keiner Fliege was zu Leide tun würde.
Er war in Newcastle geboren, hatte zwei Muggeleltern und eine jüngere Schwester, magisch wie er selbst. In Hogwarts war er ein Hufflepuff und alles, was das bedeutete. Seine Noten waren nicht besonders, aber er hatte einen Ruf, ein guter Kerl zu sein.
Er heiratete seine Freundin aus Hogwarts-Zeiten, Louise, zwei Jahre, nachdem er sein siebtes Jahr beendet hatte und arbeitete als Aufseher im Ministerium für Magie.
In den kommenden Tagen würden die Leute realisieren, dass es sein Job war, der ihn zu dem perfekten Kandidat machte… tja, sein Job und sein Blutstatus. Denn, abgesehen davon, war Philip Stoake niemand Besonderes - seine Freunde sagten, dass er keiner Fliege was zu Leide tun würde.
Es machte einfach keinen Sinn, dass er an einem unwichtigen Montag in die Abteilung der Magischen Strafverfolgung gehen sollte, das Passwort geben sollte, dass ihm Zugang zu den Büros der Ranghöchsten gab und Alexander Potter, Chef der AMS, mit einer Nachricht ansprechen sollte, von der Phillip angab, dass sie vom Dunklen Lord kam.
Seine Augen waren leer und trübe. Seine Stimme war ruhig und emotionslos. Sein Gesicht war todbleich. Blaue Flecken waren über seinen Körper verteilt, verdeckt von seiner Hausmeister-Kleidung, aber später entdeckt; diese zeigten, dass er sich dem Druck der Todesser widersetzt hatte. Aber schließlich war er eingeknickt, hatte ihren Befehlen nachgegeben und wurde gezwungen, seine Mission auszuführen.
Seine Mission.
„Ich habe eine Botschaft vom Dunklen Lord für das Ministerium für Magie," sagte Phillip Stoake, zweiunddreißig Jahre alt, an diesem warmen Julinachmittag (der erste Tag in der Woche der Forderungen). Alex Potter stand von seinem Schreibtisch auf, seine Hand bereits in der Tasche seiner Umhänge, in der sich sein Zauberstab befand. Zwei Assistenten aus der äußeren Halle, die scheiternd versucht hatten, Philipp abzuhalten, Mr. Potters Büro zu betreten, eilten hinter ihm hinein, Zauberstäbe bereit um anzugreifen, wenn nötig, aber Potter hielte eine Hand hoch um sie zu stoppen.
„Wer sind Sie?" fragte er angespannt.
„Ich habe eine Botschaft vom Dunklen Lord für das Ministerium für Magie," wiederholte Phillip Stoake, zweiunddreißig Jahre alt. Selbst ein Erstklässler hätte erkannt, dass er verhext war. „Ich trage die erste Botschaft. Andere werden folgen. Wenn die Forderungen nicht sofort erfüllt werden, wird es Vergeltung geben."
Die zwei Sekretärinnen sahen angsterfüllt zu Mr. Potter, aber er sah nur Phillip. „Wir gehorchen keinen Drohungen dieser Art," sagte er. „Sag mir deinen Namen."
„Ich habe eine Botschaft vom Dunklen Lord für das Ministerium für Magie. Ich trage die erste Botschaft. Andere werden folgen."
„Was ist deine Botschaft?" fragte Potter.
„Allen Zauberer mit zwei Muggeleltern muss der Zauberstab gebrochen werden und ihre Erinnerung an die magische Welt gelöscht werden. Minderjährigen Schlammblutkindern werden von Hogwarts verwiesen und ihre Erinnerungen gelöscht. Kein Schlammblut soll je wieder erlaubt werden, Magie in England zu praktizieren." Phillip pausierte. „Dies ist die erste Forderung."
„Was ist dein Name?" beharrte Mr. Potter. „Bitte, versuch dich zu erinnern…"
Aber Phillip Stoake, zweiunddreißig Jahre alt, hatte seine Mission erfüllt. Er zog seinen Zauberstab sehr schnell, zu schnell, dass jemand im Büro noch reagieren konnte und schnitt seine eigene Kehle durch.
(Montag)
„Hast du das gehört?" fragte Lily ins Telefon, die Lautstärke des magischen Radios lauter drehend, als eine weitere Meldung über den Tod von Phillip Stoake begann. „Das ist einfach schrecklich."
„Oh," antwortete Mary am anderen Ende. „Dieser Stoake Kerl? Ich weiß! Wer denkt er, wer er ist, versucht uns alle aus der magischen Welt rauszuwerfen?"
„Mare, er war unter dem Imperius," sagte Lily.
„Nein, nicht er. Die Todesser und… Du-weißt-schon-wer."
„Oh. Richtig."
Es war für eine Minute still in der Leitung. „Es wird schlimmer, oder?" fragte Marys Stimme schließlich. „Der Krieg."
Lily, die ihr Frühstück vorbereitete, seufzte und lehnte sich über die Küchentheke. „Ja, wird es."
„Hast du es deiner Mum gesagt? Ich habe meinen Eltern nichts gesagt…"
„Nein, ich hab es ihr auch nicht gesagt."
„Es ist wahrscheinlich besser so," sagte Mary. „Sie würden sich nur Sorgen machen."
Lily antwortete nicht. Ihr Toast sprang hoch und sie hielt das Telefon zwischen ihrer Schulter und ihrem Ohr. „Hör zu, Mary, ich sollte los."
„Ja, ich auch. Hab später ein Date mit Stebbins, weißt du, und ich hab noch nicht mal mit meinen Haaren angefangen."
„Okay. Ich ruf dich später an."
„Lieb dich."
„Ich dich auch. Oh, und Mary…"
„Ja, Liebes?"
„Sei vorsichtig, ja?"
„Natürlich, Liebes. Tschau."
„Tschau."
Lily legte auf und wechselte den Sender, so dass nur ein harmloses Celestina Warbeck Lied spielte, als ihre Mutter mit den Einkäufen nach Hause kam.
Das Gute daran, mit Remus und Peter Quidditch zu spielen (oder jedenfalls eine schnatzlose Variante davon), war, dass sie in Bezug auf ihre Fähigkeiten, James unterlegen waren. Nicht, dass es eine Sache des Egos war oder so was Unreifes. Eher war es so, dass weniger erfahrene Spieler sich viel stärker konzentrieren mussten als James und - folglich - konnte sich nur wenig unterhalten werden.
James wollte sich mit keinem der verdammten hinterhältigen, verräterischen Moralaposteln unterhalten.
Er wollte sie aber auch nicht alleine lassen, was bedeutete, dass er so tun musste, als ob es ihm egal wäre, dass sie hinterhältige, verräterische Moralaposteln waren und am einfachsten, das überzeugend zu schaffen, war es, wenn er einfach vermied, mit ihnen zu reden… oder jedenfalls vernünftig zu reden - deshalb war es auch so, dass er in der Sekunde, in der er die anderen nicht mehr überreden konnte, dieses listige Quidditchspiel weiterzuführen, vor hatte, volle Kanne besoffen zu werden.
Genie, dachte er und verpasste absichtlich Remus' mittelmäßigen Wurf zu seinem Tor.
Die angreifende Quaffel holend, flog James zur Mitte des fast normal großen Feldes der Potters. Über die Jahren hatte die Rumtreiber ein System entwickelt, wie sie mit nur vier Spielern Quidditch spielen konnten - Sirius hatte es „Fake-ditch" genannt. Die Teams waren Zweier-Paare, von denen einer jeweils Sucher spielte und die anderen zwei die Rollen von sowohl Jäger, als auch Hüter übernahm. Die Sucher wechselten sich mit den Jäger-Hütern alle halbe Stunde oder so ab, und Sirius und James mussten in unterschiedlichen Teams spielen, da sie am meisten Übung und Können hatten. In diesem Sommer hatten die drei Rumtreiber versucht, das Spiel auf drei Spieler anzupassen, so dass James gegen Remus und Peter spielte. Obwohl die Spiele genug Spaß machten, ähnelten sie Quidditch überhaupt nicht mehr.
Für jeden Spielzug flogen alle drei zur Mitte des Feldes, wo entweder Remus oder Peter die Quaffel zu den anderen zwei warf, die dann um den Ballbesitz kämpften.
Als sich James und Remus in der Mitte des Feldes trafen, sah Remus jedoch nicht glücklich über sein letztes Tor aus.
„Du bist sauer auf mich," warf er ihm vor.
James hob seine Augenbrauen. „Nein, bin ich nicht," sagte er entschieden und versuchte, die Quaffel weiterzureichen.
Remus ignorierte die Geste. „Ja, das bist du. Du hast mich dieses Tor gerade gewinnen lassen."
„Habe ich nicht!"
„Prongs…"
Peter gesellte sich zu ihnen.
„Was ist los?"
„Prongs ist wütend auf uns."
„Bin ich nicht."
„Hat er deshalb den letzten Wurf extra durch gelassen?"
„Offensichtlich."
„Selbst," sagte James beleidigt. „wenn ich diesen Wurf absichtlich durchgelassen hätte - und blicken wir den Tatsachen ins Gesicht, es ist zwei-gegen-eins und ich bin trotzdem am gewinnen, ich sehe nicht, warum ihr denkt, dass ich wütend auf euch bin! Ihr seid beide verrückt. Hier, nimm jemand…" Er versuchte mal wieder, die Quaffel weiterzugeben, aber keiner seiner Freunde schien noch besonders interessiert daran, weiterzuspielen.
„Lass uns landen," sagte Remus, eher als Aussage, darüber, was er wollte statt einem bloßen Vorschlag. Peter folgte ihm zum Boden, aber James zögerte, fluchend, bevor er nach unten abtauchte und die anderen zwei auf dem Gras traf. Sie sahen ihn erwartungsvoll an.
„Was?"
Remus seufzte. „Du bist wütend auf uns, weil wir Sirius vergeben haben."
„Ist mir egal," sagte James, mit den Achseln zuckend.
„Nein, ist es dir nicht."
„Ist es mir doch."
„Nein, ist es…"
„Ist es doch, okay? Lass mich einfach in Ruhe."
James verschränkte verärgert seine Arme; er wusste, es war ein Fehler… er stieß sie mit seiner Dickköpfigkeit weg und er sollte das nicht tun… er sollte vorsichtiger sein.
Remus blickte finster. „Wenn du wütend bist, lass uns darüber reden, ja?"
„Nein."
„Weil du wütend bist!"
„Weil ich nicht darüber reden will!"
„Quatsch."
Mit dem Ziel, nicht zu streiten, biss sich James auf seine Zunge und versuchte, locker auszusehen. „Lass uns reingehen," schlug er forsch vor, drehte sich um und ging los in Richtung Haus.
„Prongs," rief Remus ihm nach und er und Peter folgten ihm. James hielt inne, denn er konnte es nicht zulassen, dass sie wirklich wütend auf ihn waren, oder? Er konnte sie nicht gehen lassen, denn dann würden sie nur zu Sirius gehen und dann…"
James erkannte zum ersten Mal an, dass dies eine Sache der Obhut war. Er spielte Tauziehen und war am Verlieren.
„Was?" fragte er, zu scharf, sich zu ihnen umdrehend.
Remus zögerte. „Ich habe ihm vergeben, Prongs, und ich war derjenige, auf den er Snape losgelassen hat. Ich weiß, er ist dein bester Freund und du fühlst dich verraten oder so, aber… es ist Zeit, es…"
Er konnte sich nicht davon abhalten
„Wie?" unterbrach James laut. „Wie konntest du ihm einfach vergeben? Wie konntest du es einfach vergessen? Es macht keinen Sinn!"
Remus hatte am Anfang keine Antwort; Peter jedoch hatte eine. „Er ist Sirius." Sie sahen beide Wormtail an. „Es war ein dummer Fehler, aber…er würde uns eine weitere Chance geben."
James Ausdruck blieb jedoch entschieden und er drehte sich wieder zu Remus. Remus sah James für ein paar Sekunden mit einem intensiven, starrenden Blick an und sagte dann: „Wenn mir jemand vergeben kann, was ich bin… was ich getan habe um so zu werden und alles, was das beinhaltet… schätze ich, dass ich Sirius für seine Fehler vergeben kann."
Nur für einen Moment wurde James' Blick weicher, sodass Remus dachte, er wäre vielleicht durchgebrochen… dann kehrte die Wut in seine haselnussbraunen Augen zurück und James schüttelte seinen Kopf. „Das ist nicht gut genug."
Aufgebracht verdrehte Remus seine Augen. „Ich gehe jetzt," verkündete er.
„In Ordnung," fuhr James ihn an. Peter blieb. Remus dagegen ging schnell zurück in Richtung Haus. Er ließ den Besen - einen von James' Ersatzbesen - auf der Hintertreppe liegen und nahm den Eingang, der in die Küche führte. Erst dann erinnerte er sich, dass Mrs. Potter noch zuhause war.
„Hallo, Remus," sagte sie abgelenkt. Sie stand über der Theke und kritzelte eine Notiz mit einer Feder.
„Oh - hi, Mrs. Pot…"
Aber sie hatte ihn vermutlich nicht einmal gehört. „Kommt James rein?"
„N-nein, ich denke nicht…"
„Gut, ich will keinen Streit."
Remus öffnete seinen Mund um nachzufragen, aber sie fuhr forsch fort.
„Du hast gehört, was heute morgen im Ministerium passiert ist?"
„Was? Oh, ja, dieser Kerl mit der ‚Forderung'…"
„Tja, der Ministeriumsbeamte - der Zeuge - den die Zeitungen erwähnt haben… ich hatte gerade eine Eule…"
„Es ist nicht… Mr. Potter…?" begann Remus, das Schlimmste befürchtend.
„Es geht ihm gut," warf Mrs. Potter schnell ein. „Es geht ihm gut; keiner hat ihn angerührt, aber ich muss… ich muss jetzt gehen und…" Sie zerknüllte das Pergament und Remus erkannte, dass es eine Erklärungsnachricht gewesen sein musste. „Du sagst es James, ja? Ich habe keine Zeit und er wird argumentieren und…"
Remus nickte langsam. „Ja, natürlich."
„Danke, Remus." Sie lächelte ihn warm an und drehte sich dann um, die Küche mit klackernden Schuhe auf dem Fliesenboden verlassend. Remus war für eine oder zwei Minuten in der Küche alleine, bevor er das Quietschen der Küchentür hörte und James und Peter erschienen.
„Noch hier?" spuckte James, zwei Flaschen Butterbier aus der verhexten Eisbox packend - eine für sich und eine für Peter.
„Ich denke doch nicht mehr, dass ich gehen werde." Remus blickte ihn an und James bemerkte seine grimmige Fassung.
„Was ist passiert?"
Manche Dinge, entschied Remus, waren wichtiger als Groll. „Vielleicht willst du dich hinsetzen."
Da war diese vierköpfige Familie (ein Vater, eine Mutter und zwei kleine Jungs), die in einer Ecke des Pubs saßen und jede Menge Lärm bei ihrem Mittagessen machten. Der Vater sah gelangweilt und müde aus, die Mutter gequält, und die Kinder schienen verwöhnt und unordentlich. Da war ein älterer, professionell aussehender Zauberer, der in der Nähe der Tür saß, der durch eine große Rolle Pergament, die wahrscheinlich seine Arbeit war, von seinen Würstchen und Püree abgelenkt wurde, weil er murmelnd darüber brütete und Dinge mit einer Feder durchstrich. Da war auch eine ältere Hexe, die nach Tabak roch, und sich mit einem großen Whiskey (ihrem zweiten) an einem Tisch am Fenster beschäftigte. Sie summte eine bekannte Melodie mit einem traurigen, abwesenden Blick in ihrem Augen.
Der Tropfende Kessel um drei Uhr an einem Montagnachmittag war ein niederschlagender Ort.
Donna wisch die bereits makellose Theke zum sechzehnten Mal ab, einfach, weil es nichts zu tun gab. Der Mittagsessens-Andrang war seit ein oder zwei Stunden vorbei und ein weiterer Andrang würde in einer Stunde kommen, aber genau jetzt, waren die meisten Leute, die durch den Laden liefen, nur hier um zu ihren Zimmern oben zurückzugehen oder um den Durchgang zur Winkelgasse zu verwenden.
Das Klingen der Glocke über der Tür schien fast im Raum zu widerhallen, als sich der Straßeneingang öffnete, aber Donna war die einzige der sieben Hexen und Zauberer im Raum, die aufsah.
Es war Pip, ein weißhaariger, flachnasiger Zauberer von etwa siebzig Jahren; er verbrachte die meisten seiner Nachmittage mit Trinken (wenn nicht im Tropfenden Kessel, dann woanders) und an ihrem allerersten Tag im Kessel, war Donna angewiesen worden (von Tom, ihrem Chef), ihn früher nichts mehr zu geben, als er es wollte. Pip war kein schlechter Kerl, wirklich. Er war kein stiller Betrunkener (das waren immer die Traurigsten), aber er war nicht zu laut. Er wurde nie wirklich zu betrunken. Er trank sein Met langsam und gleichmäßig, und saß am Ende der Bar und erzählte jedem Geschichten, der zuhören wollte. Donna lieh ihm normalerweise ein Ohr, einfach weil er da war.
„Tach, Miss," grüßte Dip, sein rötliches Gesicht hellte sich bei beim Anblick von Donna auf.
„Hallo," antwortete Donna.
„Mr. Black heute hier, Miss?"
„Er wird heute Abend hier mit Tom sein," sagte die andere. Tom, der Gastwirt (Donna war sich nicht sicher, dass sie seinen Nachnamen kannte) hatte Donna und Sirius angestellt, damit sie im Tropfenden Kessel aushalfen, während zwei seiner normalen Aushilfen (zwei Schwestern, Adelaide und Leona) für den Sommer weg waren. Tom arbeitete abends, wenn es am vollsten war, und Donna und Sirius wechselten sich damit ab, ihn zu unterstützen. Wer am Abend nicht arbeitete, kümmerte sich normalerweise am Nachmittag oder Morgen um die Bar und die Gaststätte (obwohl Tom nie weit entfernt war). Donna hatte sogar mal eine Nachtschicht gearbeitet, von elf bis neun Uhr, obwohl die Bar dann geschlossen war und sie nur wach bleiben musste, falls jemand einen Raum oben mieten wollte. Selbst das war besser als die endlose Nachmittagsschicht. Obwohl der Pub kühl und dunkel war, wenn sich die Tür öffnete, ließ das eine Schub heißer, schwüler Juliluft durchfegen und obwohl die Kunden zu dieser Zeit selten waren, waren Dutzende Zauberer und Hexen erpicht darauf, zu Gringotts und Flourish und Blotts und Florean Fortescues und allen anderen Winkelgassenläden zu gehen.
Pip nahm seinen üblichen Platz an der Bar ein und bestellte einen Humpen Met, den Donna schnell lieferte.
„Der Teufel is' da draußen," informierte der Zauberer sie, nachdem er einmal einen tiefen Schluck von dem Glas genommen hatte. „Un' mein Kühlzauber is' nich' mehr, was er mal war."
Donna nickte. „Das kann passieren. Sie könnten versuchen, weniger zu trinken, wissen Sie. Zu viel Alkohol im Alter kann manchmal die magische Fähigkeit abstumpfen."
„Hühnerkacke," spottete Pip. „Is' nich' das Trinken, das das mit mir macht. Sin' die Ministeriumsidioten. Vergiften uns in uns'rem Schlaf, die Minister. Trau' ihn' nich', Miss. Trau ihn' kein Stück."
Donna lehnte sich über die Bar. Sie wusste, dass sie mitspielen sollte oder ihn zumindest gewähren lassen, aber manchmal konnte sie sich nicht stoppen. „Das Ministerium für Magie hat Sie vergiftet, damit Ihre Kühlzauber nicht mehr funktionieren?" fragte sie skeptisch.
„Ganz richtig."
„Warum in aller Welt würde es das Ministerium kümmern, ob Ihre Kühlzauber funktionieren oder nicht?"
Aber Pip weigerte sich vorhersehbar, es so zu sehen. Er blickte sie finster an, kurzzeitig unfreundlich und nahm einen weiteren Schluck Met. „Wenn du's nich' weißt, kann ich dir's nich' sagen, Miss," sagte er einfach. Donna erkannte, dass sie ihre einzige Hoffnung auf eine Unterhaltung für die nächste Stunde verbockt hatte und so bewegte sie sich zurück zu der Mitte der Bar und setzte sich auf ihren Hocker.
Der Zauberer an der Tür bezahlte seine Rechnung und ging, vermutlich um zur Arbeit zurückzukehren; die ältere Hexe fuhr fort, verträumt zu summen und Donna war fast fertig damit, alle Beschriftungen des Alkohols auf dem zweiten Regalbrett zu lesen, als die goldene Glocke über der Tür wieder klingelte. Sie sah dieses Mal nicht hoch, im Wissen, dass es fast sicher ein Winkelgassen-Kunde war. Sie war deshalb überrascht, als sich ein Zauberer an die Bar setzte, in der Nähe der Wand auf der anderen Seite von Pips Ecke. Sie war noch überraschter, als sie feststellte, dass es jemand war, den sie wiedererkannte.
Bekleidet in schwarzen Ministeriumsumhangen mit einem glänzenden goldenen Abzeichen lustlos an seinen Kragen gepinnt, war da Lathe. Er massierte sich seine Stirn müde - seine blauen Augen waren geschlossen - als er bestellte: „Feuerwhisky, pur."
Donna packte zwei Flaschen aus einem Regal. „Odgens oder Belledone?"
„Odgens." Sie goss die Flüssigkeit aus und Lathe schüttete sie schnell runter. „Noch einen, bitte." Sie gehorchte und dieses Mal, trank der Auror ihn langsamer. Er setzte sich auch gerade hin und öffnete schließlich seine Augen und blickte zum ersten Mal auf Donna.
„Kenne ich dich von woher?" fragte er.
„Solltest du während der Arbeitszeiten trinken?" entgegnete Donna. Sie brachte die Flaschen zurück zu ihren Regalen und Lathe grinste. Er nahm sein Abzeichen von seinen Umhängen und ließ es auf der Theke vor ihm kreiseln.
„Es ist nicht Arbeitszeit für mich, Kumpel. Es sieht aus, als ob es das auch nicht so bald wieder sein wird."
„Haben sie dich gefeuert?"
„Nein. Suspendiert wegen einer Untersuchung. Merlin, ich kenne dich von woher… Habe ich dich je verhaftet?"
„Nein," antwortete sie, beleidigt. „Ich war letztes Jahr in Hogwarts."
„Du musst die Schule nicht besonders gemocht haben," sagte Lathe, belustigt einen Blick in den Pub werfend. Donna verschränkte noch beleidigter ihre Arme.
„Du solltest wissen, dass ich fünf O's in meinen Z.A.G.s hatte. Ich bin gerade mit meinem sechsten Jahr fertig, das ist alles. Es ist ein Ferienjob."
Lathe nickte. „Tja, das ist gut. Also, bist du eine Hogwartsschülerin, ja? Und eine Siebtklässlerin? Ein bisschen jung um an der Theke zu bedienen…"
„Du bist ein bisschen jung um Auroruntersuchungen zu leiten."
„Ich habe ein besonderes Talent."
„Das habe ich auch."
„Für Alkohol?"
„Für alles, was mich interessiert."
„Zum Beispiel Alkohol."
„Zum Beispiel bezahlt werden."
Lathe lachte. „Du gewinnst. Noch einen, bitte." Sie bediente ihn und setzt sich wieder auf ihren Hocker. „Ich schätze nicht," begann er gegenwärtig, „dass du so ein komisches Mädel namens Evans kennst, oder?"
„Sie ist in meinem Haus und Jahr."
„Ahh…" Ein großer Schluck Feuerwhisky: „Also bist du eine Gryffindor. Hab die Gryffindors nie besonders gemocht, als ich in der Schule war. Bin selbst Ravenclaw. Du sieht so extrem vertraut aus…"
„Du hast mich an deinem ersten Tag im Schloss beschuldigt, jemanden verhext zu haben," sagte Donna und erinnerte sich sauer wieder an den Vorfall. „Abgesehen davon glaube ich nicht, dass ich dich seit dem mal gesehen habe."
Lathe blickte stirnrunzelnd in sein Glas. „Und du bist dir sicher, dass ich dich noch nie verhaftet habe? Ich hab warum auch immer ein Bild von dir im Aurorabteilung im Kopf."
„Vielleicht denkst du dann an meinen Bruder."
„Habe ich ihn verhaftet?"
„Nein, er ist einer von euch."
„Ein Auror? Wie heißt er?"
„Kingsley… Kingsley Shacklebolt."
Erkennen breitete sich sofort auf Lathes Gesicht aus. „Das stimmt - du bist dann Kingsleys Schwester. Er hat ein Foto von eurer ganzen Bande auf seinem Schreibtisch… sein Tisch stand zuletzt direkt neben meinem. Natürlich bist du jetzt viel älter."
Donna stimmte dem zu, da sie genau wusste, welches Bild Lathe meinte. Es war das letzte der ganzen Familie…
„Also bist du Kingsleys Schwester? So wie er über die redet, habe ich mir dich als Halbriesin, Halbdrachen vorgestellt. Nicht auf eine schlechte Art…" fügte Lathe schnell hinzu. „Bloß als eine ernstzunehmende Kraft."
Da ihr diese Beschreibung von ihr gefiel, ging Donna nicht näher auf diesen Punkt ein. Stattdessen fragte sie: „Also, warum hast du eine Untersuchung am Hals? Hast dich nicht bestechen lassen, oder?"
„Nichts so Schlimmes," war Lathes einzige Antwort und da war eine Härte in seiner Stimme, die Donna sagte, dass sie das Thema fallenlassen sollte. Er nahm einen weiteren Schluck Feuerwhiskey. „Ich hätte ein Barkeeper werden sollen," überlegte er schließlich und schaute sich abwesend im Pub um. „Es ist ein sehr praktischer Job."
„Warum denkst du das?" wollte Donna wissen.
„Tja, niemand versucht dich auf täglicher Basis zu töten, oder?"
„Schlimmer noch. Sie wollen mit mir reden."
Lathe sah amüsiert aus. „Magst du es nicht mit Leuten zu reden?"
„Ich mag es nicht, wenn sich Leute hier hinsetzen und annehmen, nur, weil ich ihnen Alkohol ausgieße, will ich alles über ihre Probleme hören. Ihre Probleme sind meistens sowieso blöd. Ich meine - warum in Merlins Namen würde ich mich darum kümmern, wenn ein Kerl denkt, dass seine Frau ihn betrügt? Und warum darf er hingehen und ihr einen Vortrag halten, wenn ich ihn dabei sehe, wie er kleinen schlampigen blonden Huren die ganze Zeit Getränke ausgibt?"
„Ich schätze, das war ein „nein"."
Donna runzelte die Stirn. „Ich hab nichts dagegen mit intelligenten Leuten zu reden," korrigierte sie streng. „Aber man trifft sehr wenige von den in der Nachmittagsschicht in einem Pub."
Der Auror hob seine Augenbrauen. „Beleidigst du mich gerade, Miniatur-Shacklebolt?"
Verwirrt. „Nein…"
„Und aus welchem Grund auch immer, glaube ich dir." Er klopfte mit einem Ring auf seinen kleinen Finger abgelenkt gegen sein fast leeres Glas. „Du bist ein seltsames Kind, weißt du."
Donna verschränkte ungeduldig ihre Arme. „Ich kann dir jederzeit Nachschub verweigern, weißt du."
„Aber du würdest meine kostbare Kundschaft verlieren!"
„Vielleicht ist das mir egal."
„Aber ich kenne Tom…"
„Jeder kennt Tom. Es ist der verdammte Tropfende Kessel."
„In Ordnung, hast ja Recht." Lathe zuckte mit den Schultern. „Aber ich bleibe bei meiner Meinung."
Donna machte eine Grimasse, aber hatte keine Möglichkeit, etwas zu erwidern, da Pip in dem Moment die Bitte hatte, dass sie das Radio hinter der Bar lauter machte. Sie tat dies mit einem Wedeln ihres Zauberstabs und sofort füllte ein weitere Nachrichtenbericht über Phillip Stocke den relativ stillen Pub. Donna drehte sich wieder zu Lathe. „Warst du da? Heute Morgen - als es passier ist?"
„Gleiche Etage, anderer Flügel," sagte Lathe in einer trockenen Stimme. Er gestikulierte nach einem weiteren Feuerwhiskey. „Ich war drüben in den Büros der Auroren. Drake - jemand vom D.M.L.E - kam rufend rein und eine Gruppe von uns lief hinüber, aber Stoake war schon tot."
„Was werden sie machen?" fragte Donna. Lathe zuckte wieder bloß mit den Schultern.
„Ich bin ‚beurlaubt'," erinnerte er sie trocken. „Und ich bin mir auch nicht sicher, dass da viel ist, was sie tun können."
„Du aber glaubst nicht, dass sie der Forderung Gehör schenken werden…?"
„Wir sind noch nicht so schlimm dran." Er schüttelte seinen Kopf und schluckte den Rest seines letzten Getränkes. „Ich kann aber dir eine Sache sagen - es ist keine gute Zeit um Auroren zu suspendieren. Stoake hat gesagt, dass seine ‚Forderung' die erste war, also schätze ich, dass das noch nicht vorbei ist."
Donna verfluchte innerlich ihren idiotischen Bruder dafür, dass er wortwörtlich die gefährlichste Karriere ihrer Generation verfolgte und wollte das gerade laut sagen, als eine große Gruppe von Hexen und Zauberer in den Pub schwärmten und sie sie bedienen musste. Wie sich herausstellte schien die Gruppe nur der Anfang der Spätnachmittagsmenge und da Donna für die nächste Stunde oder so sehr beschäftigt war, sprach sie für den Rest seines Besuchs nicht mehr viel mit Lathe.
(Dienstag)
„-Hättest getötet werden können! Das Ministerium muss die Sicherheit erhöhen! Sie schließen mittlerweile einfach die Augen vor der Realität! Ich spreche heute zuallererst mit Victor…"
James wechselte einen Blick mit seinem Vater über den Frühstückstisch, während Grace Potter fortfuhr, was der selbe, endlose Monolog zu sein schien, der am Abend zuvor um elf Uhr begonnen hatte - da wurde ihr endlich erlaubt, mit ihrem Ehemann zu sprechen - und sie hatte noch nicht einmal fünf Minuten Pause gemacht.
„… Es gibt absolut keinen Grund, warum so etwas passieren dürfte! Das Ministerium für Magie! Es hätte dem Minister etwas passieren können oder irgendjemandem! Und zu denken…"
„Mum!" unterbrach James laut. „Wirklich, ich denke, deine Wut wäre besser gegen jemand anderes gerichtet."
Mrs. Potter stellte ihre Teetasse ab und verschränkte ihre Arme. „Du bist schrecklich locker dafür, dass dein Vater fast gestorben wäre, James Alexander."
„Grace…" begann Mr. Potter, aber James unterbrach wieder.
„Mum, er sitzt am Frühstückstisch, klaut wie immer das ganze Toast, ihm geht es perfekt - völlige Gesundheit. Was? Ich wäre traurig, wenn er tot wäre!"
Seine Mutter drehte sich zu Mr. Potter. „Du schimpfst mit ihm, Alex."
„Warum muss ich das machen?"
„Weil ich es mag, das nette Elternteil zu sein."
James verdrehte seine Augen und hüpfte vom Stuhl. „Ich gehe mal schauen, ob die Zeitung schon da ist." Er hielt neben der Tür inne. „Dad, ich bin sehr glücklich, dass du nicht tot bist."
„Danke sehr, James."
„Ihr zwei seid Idioten," grummelte Mrs. Potter.
Seinen Kopf schüttelnd machte sich James auf seinen Weg in die Eingangshalle und dann in einen kleineren Raum neben der Küche, in den die Eulen normalerweise die Morgenpost brachte. Elizabeth, die Zweite saß auf ihrer Stange und die Zeitungseule ruhte sich auf der Fensterbank aus, während der Tagesprophet auf dem Tisch lag. James bezahlte den Vogel mit zwei Knut und nahm die Zeitung. Er suchte jedoch nicht direkt nach dem Kreuzworträtsel, die vorderste Schlagzeile fiel in sein Auge.
„Scheiße."
Er eilte zurück in das Frühstückszimmer, wo seine Mutter noch immer die Sicherheitsvorkehrungen des Ministeriums beklagte und ließ den Propheten auf den Tisch vor seinen Dad fallen.
„Was ist…?" Aber Mr. Potter las den fettgeschriebenen Text und brach ab.
Dunkler Lord fordert „Ministeriumssäuberung"
Nach der gestrigen Forderung, die durch einen Ministeriumsarbeiter unter dem Imperius geäußert wurde, hat der Dunkle Lord eine Säuberung des Ministeriums für Magie von allem „beflecktem Blut" gefordert. Dabei hat die Todesserbewegung ein weiteres Opfer gefordert.
Die muggelstämmige Ava Lescano, 40, war vor zwei Wochen als vermisst gemeldet worden; ihre Familie glaubte, sie sei aufgrund ihrer Beteiligung in der Pro-Muggel-Organisation Magie Für Frieden, M.F.F, gekidnappt worden. Früh heute Morgen ist Ms. Lescano wieder aufgetaucht, nur um eine zweite Forderung des Dunklen Lords auf die Außenwand der für Muggel sichtbaren Fassade des Ministeriums für Magie zu schreiben. Die Botschaft wurde kurz nach Sonnenaufgang geschrieben und hatte nur zwei Zauberer-Zeugen; Ministeriumszauberer koordinieren jetzt mit den Muggelautoritäten um die Gegend abzusperren und alle möglichen Muggel-Zeugen zu oblivieren.
Die Forderung, die vermutlich mit einem Logos-Zauber gemeißelt wurde, liest sich folgendermaßen:
„Dies ist die zweite Botschaft. Die anderen werden folgen. Das Ministerium für Magie wurde von beflecktem Blut infiltriert und soll von all dieser Beschmutzung gereinigt werden. Halbblut- und Schlammblut-Mitglieder des Ministeriums sollen von ihren Positionen entfernt werden und von Zauberern mit würdigem Blut und Geist ersetzt werden. Dies ist die zweite Botschaft. Wenn diese Forderung nicht sofort erfüllt wird, wird es Vergeltung geben."
Nachdem sie ihre „Botschaft" abgeliefert hatte, nahm Ms. Lescano ihr eigenes Leben, vermutlich handelte sie unter dem Einfluss des Imperiusfluchs.
Da war noch mehr, aber James hatte keine Zeit es über die Schulter seines Vaters zu lesen, bis Mr. Potter abrupt aufstand.
„So höre ich davon?" fuhr er niemand spezielles an. „Verdammte Hurensöhne - ich muss gehen."
„Alex…"
Aber er war aus dem Raum gestürzt, bevor noch etwas anderes gesagt werden konnte. Mrs. Potter war sehr bleich geworden und James wusste, was sie sagen würde, bevor sie die Worte geformt hatte.
„Ich muss auch gehen."
„Mum, du arbeitest in der Finanzabteilung…"
„James," sagte seine Mutter weich. „du weißt, dass das nicht der Grund ist."
Das tat er. „M.F.F," murmelte er. „Du bist auch ein Mitglied."
„Phillip Stoake," sagte Mrs. Potter langsam, „ich wusste, dass ich den Namen kannte. Seine Frau, Louise, ist ein Mitglied…"
James nickte langsam. „Dann geh."
„Für dich ist das in Ordnung, hier alleine zu sein?"
Das ist es immer. „Natürlich. Geh schon."
James folgte ihr in den äußeren Saal und Mrs. Potter hielt bei der Tür inne. „Floh deinen Cousin Sam an, ja? Er ist auch M.F.F.. Einfach um sicherzugehen…"
„Mach ich."
Mrs. Potter nickte eilig. „Lieb dich."
„Lieb dich auch."
Dann war sie weg. James setzt sich auf die unterste Stufe der Haupttreppe und sah sich im großen, leeren Raum um. Er seufzte und fuhr mit einer Hand durch sein Haar.
„‚Nachdem sie ihre „Botschaft" abgeliefert hatte, nahm Ms. Lescano ihr eigenes Leben, vermutlich handelte sie unter dem Einfluss des Imperiusfluchs.' Mary, hörst du das?"
Mary sah von dem Spiegel auf ihrem Tisch weg nach da, wo Marlene auf ihrem Bett saß, Zeitung in der Hand und über der Nachricht brütete, die den ganzen Tag die Zeitungen und Radios flutete. „Du hast es zweimal gelesen," bemerkte die Brünette, drehte sich zurück zum Spiegel und trug Lipgloss auf. „Ich konnte nicht anders als zuhören."
„Und du gehst heute trotzdem weg?" fragte Marlene unglücklich nach. „Es ist nicht sicher."
„Ich bin gestern weggegangen und bin nicht gestorben," antwortete Mary. „Außerdem werde ich Stebbins an meiner Seite haben."
„Es ist immer noch seltsam, dass du ihn mit seinem Nachnamen anspricht."
„Und welchen Teil von ‚Er heißt Umbert'? verstehst du nicht?"
„Hast ja Recht," gab Marlene achselzuckend zu. „Aber ich wünschte, du würdest heute nicht weggehen."
„Mir wird es schon gut gehen. Was tust du heute, Liebes?"
„Deinen Eltern helfen," antwortete Marlene, ihr Ton wurde müde. „Ich könnte das Geld benötigen."
„Da war ein bildhübscher Muggel gestern im Laden," sagte Mary ihr, vermutlich mit der Absicht, sie zu trösten. „Er hat auch schamlos geflirtet. Vielleicht ist er heute wieder da."
„Da verzichte ich, nein, danke. Nebenbei… ‚bildhübsche Muggel' reagieren auf mich anders als auf dich. Du hast deinen Zauberstab, richtig?"
„Natürlich habe ich meinen Zauberstab. Und worüber redest du? Deine Beine sind Millionen Meter lang und du bist blond. Kerle lieben das."
„Guck dir noch mal ein paar gute Verteidigungszauber an, ja? Und ich bin nicht du. Ich wiege nicht ein halbes Kilo und ich werde rot, wenn ich flirte. Außerdem bin ich genau die falsche Art von feminin."
Mary stand von ihrem Stuhl auf und begann durch ihren Kleiderschrank zu wühlen.
„Was soll das bedeuten?"
„Oh, du weißt schon," sagte Marlene betrübt, rutschte vom Bett und bewegte sich zum Schreibtisch, wo sie begann, durch Marys zahlreiche und unordentlich zusammengestellten Besitz zu wühlen, der von Kleidern zu Magazinen reichte. „Ich bin da jungenhaft, wo ich mädchenhaft sein sollte und feminin da, wo Kerle ein Mädchen lieber jungenhaft haben." Mary warf ihr einen verwirrten Blick zu und Marlene führte aus: „Ein Mädchen darf Kleider und Make-up und feste Beziehungen mögen, solange sie irgendwie ‚zierlich' und ‚süß' ist, oder sie darf laut und herausfordernd sein, solange ihr Make-up egal ist, sie kein Make-up braucht und eine Schlampe ist. Aber ich brauche eine Stunde um mich morgens fertig zu machen und vertrage Feuerwhiskey zu gut. Es ist die falsche Kombination. Die Welt ist so unfair."
„Ich habe keine Ahnung, von was du sprichst," beharrte Mary, die noch immer mit ihrem Kleiderschrank beschäftigt war. Marlene seufzte und setzte sich an den Schreibtisch, gelangweilt einen Brief in die Hand nehmend, der dort lag.
„Von wem ist der?"
„Von wem ist was?"
„Dieser Brief."
„Auf dem Schreibtisch?"
„Ja."
Mary blickte über ihre Schulter. „Adam."
„Er ist immer noch in San Francisco, oder?"
„Mhm."
In diesem Moment war wortwörtlich nur eine Sache in Marys Kopf. Sollte sie den blauen Cardigan oder den blauen tragen? Sie sahen beide fantastisch an ihr aus und sie passten beide zu ihrem Sommerkleid. Der blaue war aus einem lockereren Material, aber wenn sie den grünen tragen würde, könnte sie ihre grünen Sandalen anziehen und die ließen ihre Beine besonders dünn aussehen. Aber sie mochte den blauen so sehr und der ließ ihre Augen so hervorstechen… nicht, dass Jungs besonders viel Zeit damit verbrachten, in ihre Augen zu sehen, aber trotzdem… Stebbins Lieblingsfarbe war blau, also war das auch noch ein Punkt.
Blau oder grün: das große Dilemma der Stunde.
Aber wenn Marys Konzentration etwas besser im Multitasking gewesen wäre, hätte sie sich vor ein oder zwei Minuten daran erinnert, was in dem Brief von Adam McKinnon - der Brief, der sich gerade in den Händen ihrer besten Freundin befand - tatsächlich stand.
Unglücklicherweise erinnerte sich Mary nicht vor ein oder zwei Minuten. Sie erinnerte sich eher etwas zu spät.
Die Brünette drehte sich gerade rechtzeitig rum um zu sehen, wie Marlene das Pergament auf den Schreibtisch fallen ließ und aufstand.
„Scheiße," fluchte Mary.
„Prudence Daly?" fragte Marlene ziemlich laut. „Er ist mit verdammt noch mal Prudence Daly zusammen? Ich hasse Prudence Daly!"
„Warum hasst du Prudence Daly?" wollte Mary wissen.
Marlene zögerte. „Tja - sie ist… du weißt schon… winzig. Und mädchenhaft. Und wahrscheinlich schlauer als ich. Ich weiß nicht, ich hab sie nie gemocht, das ist alles!" Marlene setzte sich wieder auf das Bett. „Und warum hat er mir nicht gesagt, dass er mit Prudence Daly zusammen ist? Warum hat er überhaupt dir geschrieben?"
„Du hast den Brief doch gelesen, oder? Er wollte wissen, was…"
„Ich kann nicht glauben, dass er mit Prudence verdammt noch mal Daly zusammen ist! In Amerika auch noch!"
„Jetzt, Marlene," beruhigte sie ihre Freundin, die sich neben sie setzte. „Sie haben sich bei einer Hochzeit getroffen - einer dieser ‚Mein Cousin heiratet deine Schwester'-Szenarien, die im Sommer passieren und am ersten September vorbei sind. Sommerdinge, du weißt doch." Marlene schien ein wenig getröstet, aber nicht ganz zufrieden. „Natürlich," fuhr Mary absichtlich fort, „hört sich das fast so an, als ob du ein bisschen eifersüchtig bist…"
„Ich bin nicht eifersüchtig!" protestierte Marlene wie vorhergesehen. „Ich bin nicht eifersüchtig. Ich mag es einfach nur, informiert zu werden, wenn mein bester… na gut, zweibester Freund eine Freundin bekommt."
„Tja, wenn du…"
„Und ich finde es interessant, dass er so schnell drüber weg gekommen ist."
„Tja, Liebes, es waren zwei Mona-…"
„Nicht, dass mich die Tatsache stört, dass er drüber weg ist. Ich will, dass er drüber weg ist."
„Das solltest du auch…"
„Aber Prudence? Verdammte Prudence Daly? Wirklich."
Mary versuchte nicht noch etwas anderes zu sagen, sondern zog mit einem wissenden Gesichtsausdruck die blaue Weste von seinem Kleiderbügel und zog sie an. Sie betrachtete sich im Spiegel und in einem blumenbedruckten Sommerkleid, das mehr Oberschenkel zeigte, als es verbarg, einem netten, blauen Cardigan und einem komplizierten Styling, sah sie wirklich recht hübsch aus.
„Ich wünschte immer noch, dass du nicht weggehen würdest," grummelte Marlene und nahm wieder die Zeitung in die Hand. „Stebbins ist ein Hufflepuff… ich wüsste nicht, dass er in einem Kampf besonders gut wäre."
Mary verdrehte ihre Augen und drehte sich zu ihrer besten Freundin um, tröstend lächeln. „Würdest du dich besser fühlen, wenn ich Stebbins einlade, stattdessen den Nachmittag hier zu verbringen?"
Deutlich glücklicher nickte Marlene.
„In Ordnung. Aber du schuldest mir was, Price."
„Danke, Liebes."
Ihren Kopf schüttelnd blickte Mary wieder prüfend in den Spiegel - bloß um sicher zu gehen, dass ihr Eyeliner perfekt war - während Marlene, die scheinbar immer noch in die Zeitung vertieft war, etwas über Verdammte Prudence Daly murmelte.
„Lily," schimpfte ihre Mutter von der anderen Seite der Küche; „dreh den Wasserhahn ab - du weißt, wir haben eine Dürre."
Lily gab nach, aber unglücklich und fügte hinzu: „Wenn du mich machen lässt, könnte ich einen einfachen Aguamenti-Zauber verwenden und…"
„Nicht jetzt, Lily," unterbrach Mrs. Evans. „Vernon ist im anderen Zimmer."
Die Rothaarige, die ihren Mittagessensteller gewaschen hatte, legte diesen hin und drehte sich zu ihrer Mutter. „Er muss es irgendwann rausfinden, oder?"
Mrs. Evans schüttelte bloß ihren Kopf, kehrte zu dem Stapel Rechnung zurück, den sie betrachtete und zu den zwei Frauen gesellte sich eine dritte, bevor etwas anderes gesagt werden konnte.
„Vernon bleibt für das Abendessen," verkündete Petunia. „Wir haben genug, oder?"
Zu leicht, dachte Lily, also hielt sie sich davon ab, einen offensichtlichen „Vernon isst wie ein Wildschwein" Witz zu machen und setzte sich wortlos an den Küchentisch.
„Jede Menge," antwortete Mrs. Evans, die dieses Situation wahrscheinlich vorhergesehen hatte. Vernon blieb üblicherweise zum Abendessen.
„Gut." Petunia ging zum Spülbecken, wo sie begann, die Teller, die sie gerade aus dem Wohnzimmer mitgebracht hatte, abzuspülen und in der Zwischenzeit warf Lily Ms. Evans einen bedeutungsvollen Blick zu. Die ältere Frau schüttelte wieder ihren Kopf, dieses Mal mit einer sehr speziellen Bedeutung und für einen Moment trugen die beiden einen stillen Kampf aus. Dann drehte sich Lily in ihrem Stuhl um um Petunia anzusehen, die - noch immer beim Waschen der Teller - ihren Rücken zu ihrer Familie gerichtet hatte.
„Petunia," begann sie mutig und Mrs. Evans seufzte.
„Mmm?"
Mit einem vorsichtigen Blick zu der geschlossenen Tür, die sie von Vernon trennte: „Ich - also, wir haben uns gefragt, wann du vorhast, mit deinem Verlobten zu sprechen."
Petunia wurde für einen Moment sehr still, aber nur einen Moment und fuhr dann mit dem Abwasch fort. „Ich weiß nicht, was du meinst."
„Über mich," sagte Lily betont. Petunia sagte nichts. „Tuney."
Die Blondine stellte die Teller ab und drehte sich zu den anderen zwei. „Habt über mich geredet, ja?" fuhr sie sie bissig an. Ihr Gesicht war gerötet.
„Nein," sagte Lily laut. „Wir haben über mich geredet. Weißt du, irgendwann wird er sich anfangen Fragen zu stellen und du kannst nicht für immer diese ‚mental verwirrt' Sache laufen lassen."
„Lily…"
„Oh, Mum, du weißt, dass es stimmt," unterbrach Lily, einen Blick zu ihrer Mutter werfend. „Marge hat mir all diese seltsamen Dinge erzählt, die sie über mich denkst und das muss von woher kommen…"
„Es geht dich gar nichts an, was ich mit meinem Verlobten besprechen will," fuhr Petunia sie an. „Und ich würde mich sehr freuen, wenn du nicht hinter meinem Rücken über mich redest!"
„Das haben wir nicht," bestand Lily darauf, aufstehend. „Aber er sollte…"
„Oh, red nicht so laut!"
Lily sprach in einem lauten Flüstern. „Er sollte es wissen. Ich bin eine Brautjungfer, um Merlins Willen!"
„Und?"
„Petunia…"
„Mädchen," unterbrach Mrs. Evans. „Lily, lass es sein. Es ist Petunias Entscheidung."
„Aber…"
„Ja, Lily, es ist meine Entscheidung…"
„Aber…"
„Lily."
Besiegt setzte sich Lily wieder hin. Petunia blickte böse, als sie aus der Küche fegte. Mrs. Evans seufzte tief. „Du wirst sie nicht so nicht für dich einnehmen."
„Sie für mich einnehmen?" wiederholte die Tochter skeptisch. „Dafür ist es ein bisschen spät, denkst du nicht?"
„Es ist schwierig für sie, Lily."
„Aber warum sagt sie es Dursley nicht?"
Mrs. Evans warf ihr einen Blick zu. „Wie genau würde du diese Unterhaltung beginnen, Miss Lily?"
„Das ist nicht das P…"
„Und schätzt du, dass Vernon diese Idee besonders gut aufnehmen wird?"
Lily verschränkte ihre Arme und legte sich halb auf den Tisch. „Also denkst du auch, dass er Petunia nicht heiraten wird, wenn er es herausfindet."
„Auch?"
„Tja - das ist das, was Tuney denkt, oder?"
Mrs. Evans zögerte. Ihr Gesichtsausdruck war unlesbar, aber Lily dachte, dass ihre Mutter eher nicht zustimmend blickte. „ Trau deiner Schwester ein bisschen mehr zu."
„Was soll das heißen?"
„Nur - nur, dass du Petunia nicht so drängen solltest, dein Geheimnis Vernon zu verraten. Es ist eine komplizierte Sache."
Lilys Augen wurden eng. „Sie hat etwas zu dir gesagt, oder?"
„Ich werde es nicht besprechen…"
„Mum…"
„Lily." Und in ihrer Stimme war eine unbestreitbare Endgültigkeit, also gab Lily sich damit zufrieden, ihre Augen zu verdrehen und zu schmollen. Mrs. Evans hob ihre Augenbrauen und fragte dann in einem resignierten Ton: „Hast du noch Hunger?"
„Ja, aber in diesem Haus ist kein Essen.." (Dank Petunias imperialistischer Diät…)
„In dem Schrank neben der Kühltruhe ist Schokolade."
Lily blickte finster. „Versuchst du mich mit Schokolade zu besänftigen?"
„Ja."
„Tja, es funktioniert nicht." Trotzdem machte sich der Rotschopf fast sofort auf zum besagten Schrank und fühlte sich, nachdem sie die besagte Schokolade fand, etwas besser. Aber nur ein bisschen.
Vernons Trauzeuge - ein Kerl mit grobem Gesicht und dem stereotypischen Namen Rex - tauchte ebenfalls zum Abendessen aus. Mit dieser unangenehmen Ablenkung hatte Lily für den größten Teil des Nachmittags keine Möglichkeit mehr mit Petunia zu sprechen und sie versuchte es auch nicht. Tatsächlich war es Petunia, die nach dem Abendessen an diesem Tag die Unterhaltung begann.
Die zwei Mädchen waren kurz alleine im Wohnzimmer, da ihre Mutter in der Küche war und Vernon gerade Rex rausbrachte. Lily wollte sich gerade in ihr Schlafzimmer zurückziehen, als Petunia sprach.
„Lily."
„Hmm?"
Petunias Gesicht sah bleich aus und in ihren stählernen Augen war eine bestimmte Ernsthaftigkeit. „Vernon und ich werden heute Abend noch wohin fahren." Lily wartete auf den Rest. „Ich werde ihm heute Nacht von dir erzählen."
Lily hätte nicht überraschter sein können, wenn ihre Schwester gerade verkündet hätte, dass sie vorhatte, nach Bermuda durchzubrennen. „Oh. Ich - oh." Und, weil sie dachte, dass sie etwas anderes sagen musste: „Tja, das ist eine gute Sache, oder?"
Aber Petunia gab keine verbale Antwort; ihr Ausdruck veränderte sich nur so viel, dass sie zeigte, dass sie Lilys Frage gehört hatte und dann, ihre Absicht verkündend, dass sie einen Cardigan holen wollte, bevor sie ging, schlüpfte ihre ältere Schwester aus dem Raum.
(Mittwoch)
Sirius betrat den Tropfenden Kessel gerade rechtzeitig um zu hören, wie Donna zischte „Scheiße,", und sofort das Radio hinter der Bar ausschaltete. Der Zauberer hob seine Augenbrauen und bewegte sich in den Hauptraum hinein.
„Guten Morgen?" schlug er vor und Donna verschränkte ihre Arme über ihrer Brust, sich gegen die Bar lehnend.
„Hast du die neuste ‚Botschaft' gehört?"
„Das Ministerium zu ‚säubern'? Ja."
„Nein, es gibt eine neue," sagte Donna ungeduldig. Sie setzte sich gerade hin, suchte nach etwas, was sie schließlich auf dem hinteren Regal neben einer Flasche Wein fand. Es war der neuste Tagesprophet. Donna warf ihn auf die leere Bar und Sirius ging rüber um die Schlagzeilen zu lesen.
„Voldemort will, dass alle Halbblüter sich beim Ministerium registrieren," vermutete er verärgert. „Verdammtes Arschloch. War da noch ein…?"
„Opfer?" schlug Donna vor. Sie nickte. „Halbblut, dieses Mal. Er dehnt es aus. Übrigens bist du zu spät."
Sirius packte eine Schürze und seufzte. „Nur eine Minute."
„Zwei Minuten," korrigierte sie ihn.
„Ist die Welt in meiner Abwesenheit untergegangen?"
„Nein, aber die Mittagsessens-Meute beginnt bald und ich will das nicht ganz alleine…"
„Shack."
„Was?"
„Entspann dich."
Für einen Moment schien Donna durch den Befehl beeinflusst; dann zuckte sie mit den Achseln und erwiderte: „Verpiss dich."
Sirius verdrehte seine Augen.
Lily war eingeschlafen, bevor Petunia Dienstagnacht heimkam und Petunia war wieder weg, bis Lily am Mittwoch erwachte, sodass die zwei Schwestern sich nicht wirklich trafen, bis Petunia Mittwochabend von einem Tag in der Stadt zurückkehrte. Mrs. Evans war aus und Lily saß in ihrem Zimmer, hörte The Five Keys und verschlang Victor Hugo in einer leidenschaftlichen Prokrastination ihrer Sommerhausaufgaben. Folglich hörte die jüngere Evans Tochter ihre Schwester nicht im Haus, bis Petunia an ihre geschlossene Schlafzimmertür klopfte.
„Komm rein?"
Petunia trat ein; sie sah müde aus, aber makellos wie immer in einem Blumenkleid und flachen Schuhen - überhaupt nicht so, als ob sie den ganzen Tag Erledigungen in der Hitze getätigt hatte.
„Tuney," grüßte Lily sie, sich sofort aufsetzend und sich für einen kurzen Moment in ihren Baumwollshorts und einem T-Shirt erbärmlich unterlegen fühlend. Der Ausdruck ihrer Schwester sagte ihr sofort, dass sie gekommen war um eine ernste Nachricht zu übermitteln und es gab wenig Zweifel über ihren Inhalt. „Du bist zurück…"
Petunia nahm sich jedoch viel Zeit um etwas zu sagen. Sie schloss die Schlafzimmertür hinter ihr, ignorierte Lilys Angebot sich zu setzen und kaute angespannt auf ihren Lippen. Eine Reihe von potentiellen Katastrophen rasten währenddessen durch den Kopf des jüngeren Mädchen, als sie sich jede mögliche Reaktion von Vernon vorstellte. Aber er würde sicherlich nichts zu Drastisches tun…
Und in einem Moment wilder Fantasie stellte sich Lily vor, wie Dursley die Hochzeit absagte. Sie stellte sich eine Petunia mit gebrochenen Herzen vor, die ihre kleine Schwester verteidigte trotz ihrer eigenen offensichtlichen Zurückhaltung…
Lily hielt erwartungsvoll ihren Atem.
„Ich habe es ihm gesagt," sagte Petunia in einer steinernen Stimme.
Lily brauchte einen Moment um das zu verdauen und antwortete dann: „Tja, das ist gut, oder? Ich meine, wenn er mein Schwager sein wird, ist es besser, dass er…"
„Vernon will dich nicht bei der Hochzeit dabei haben."
„W-was?" stammelte das jüngere Mädchen. „Was hast du ihm gesagt?"
„Du kannst trotzdem teilnehmen, wenn du willst," fuhr Petunia fort. „Es gibt allerdings fünf Trauzeugen; Rachel Richards sollte in dein Brautjungfernkleid passen, aber ich will es zurück. Und du wirst während der Zeremonie und beim Empfang bei Mutter sitzen. Ich werde Onkel Donald an einen anderen Tisch setzen und…"
„Petunia," unterbrach Lily laut. „Du kannst… du kannst ihn doch nicht dir sagen lassen, was du tun sollst! Es ist nicht seine Entscheidung!"
„Ich weiß," sagte Petunia; ihr Ton wurde minimal weicher. „Aber er hat Recht. Du gehörst hier nicht hin, Lily. Seit du zu diesem Ort gegangen bist…"
„Das hat nichts mit Hogwarts zu tun!" schrie Lily. „Wie kannst du ihn das tun lassen?"
„Vernon tut das nicht," fuhr die andere sie an.
Lily sprang vom Bett und eilte zu ihrer Schwester. „Worum geht's hier überhaupt? Was hast du damit gemeint, dass ‚Vernon mich nicht bei der Hochzeit dabei haben' will? Was hast du gesagt?"
„Ich habe ihm von dir erzählt…" Als ob es offensichtlich wäre; „Ich habe ihm nur die Wahrheit erzählt."
„Aber warum würde…?"
„Oh, Lily," unterbrach Petunia zornig, „natürlich ist das passiert! Natürlich will er dich nicht bei der Hochzeit dabei haben! Warum würde er wollen…? Aber…" Und Gefühle flackerten in ihren Augen, „ich habe gewusst, dass das passieren würde!"
„Du…?"
„Ja, natürlich! Was hätte sonst passieren können?"
„Tuney…"
„Ich wusste - ich habe immer gewusst, dass das passieren würde, wenn ich Vernon von dir erzähle! Aber Mum - Mum hat darauf bestanden, dass du bei der Hochzeit dabei bist und du hast immer wieder gesagt, dass ich Angst hätte und du hast einfach… einfach weiter gestichelt und gestoßen! Du konntest es einfach nicht in Ruhe lassen!"
„Das ist meine Schuld, ja?"
„Natürlich ist es deine Schuld!" rief Petunia.
„Also, was hat er gesagt?" wollte Lily wissen. „Er würde dich nicht heiraten, wenn ich Brautjungfer wäre?"
„Vernon würde mich heiraten, egal, was. Er liebt mich."
„Dann…"
„Ich habe nichts mehr mit dir zu tun, Lily! Du bist das ganze Jahr in der Schule… du warst nie hier. Als ich mit der Schule fertig war, warst du noch nicht zuhause… du hättest hier sein sollen für bestimmte Dinge - um mit mir nach meinem ersten Date zu reden, um mich nach einer Trennung zu trösten… als Dad gestorben ist…"
„Wag es nicht, Petunia…"
„Der Punkt ist," fuhr Petunia beharrlich und hasserfüllt fort, „wir sind keine Schwestern, Lily. Wir sind nicht mal Freundinnen. Du bist gegangen und ich habe nichts mehr mit dir zu tun! Und das sollte auch Vernon nicht. Ihr könnt nicht beide in meinem Leben sein und…"
„Und du wählst ihn?"
Petunia antwortete nicht sofort. Schließlich murmelte sie: „Du bist gegangen."
Lily starrte ihre Schwester ungläubig an, komplett ohne Worte.
Was hätte sonst passieren sollen?
Darauf hatte Lily hundert Antworten; sie hatte eine spezielle, aber sie hielt sie zurück und sie war sich nicht sicher, ob dies war, weil sie ihre Schwester nicht verletzen wollte oder weil sie Angst hatte, dass es ihr egal sein würde.
„Also, ich brauche das Kleid," sagte Petunia.
Es war fast, als wüsste sie nicht, dass Lilys Herz gerade brach.
„… Bis morgen, spätestens."
Fast.
Sie drehte sich um zum gehen, aber Lily fand ihre Stimme, bevor Petunia den Raum verlassen konnte. „Petunia," flehte sie. „Warum bist du…? Ich weiß, dass du - dass du das nicht tun würdest, wenn du es nicht…" („wollen würdest," sagte sie fast).
Petunias Hand zögerte an der Klinke, ihr Rücken noch immer zu Lily gerichtet. Als sie sich schließlich umdrehte, glitzerten ihre stählernen Augen. „Das ist deine Schuld." Dann, fast, als ob sie nicht wüsste, dass Lilys Herz gerade brach, ging Petunia.
(Donnerstag)
Der Dunkle Lord fordert den sofortigen Rücktritt des Ministers
Von Julian Jones
Am Donnerstagmittag war der Tropfende Kessel die unwahrscheinliche Kombination aus voll und leise. Jeder Tisch war besetzt und die Bar vollbesetzt; Tom hatte sogar eine der Wände magisch verlängert um den Stehraum zu vergrößern und doch sprach kaum jemand. Stattdessen hörten sie dem neustem Bericht im magisch verstärkten Radios; drei Tote in Bristol und eine weitere Forderung von Lord Voldemort.
Es war die Sorte von Ding, die du nicht alleine hören wolltest.
Donna arbeitete mit Tom, und Lily, Marlene und James waren unter den vielen Hexen und Zauberern im Pub. Lily saß mit Marlene in der Mitte des vollgepackten Raumes, aber James saß bei einem Zauberer, den Lily nicht kannte, etwas weiter entfernt.
Der Zauberer im Radio hatte eine tiefe, volle, traurige Stimme, von der Lily dachte, dass sie sich an sie erinnern würde, solange sie lebte. Es war nicht nur die Botschaft und es waren nicht bloß die drei toten Zauberer - es war, dass endlich Voldemorts echte Botschaft angekommen war. Seine kleinen Forderungen waren im Vergleich bedeutungslos: er musste wissen, dass der Minister nicht zurücktreten würde, dass Muggelstämmigen nicht der Zauberstab gebrochen würde und dass Halbblüter sich nicht registrieren würden. Aber es war ihm egal, oder?
Das war nicht der Punkt und am Donnerstag, mit drei weiteren Todesfällen, dachte Lily, dass sie es endlich alles verstand.
Seine echte Botschaft war, dass er jeden töten konnte; dass er alles tun konnte und dass es nichts gab, was jemand tun könnte um ihn zu stoppen. Er machte keine Forderungen; er gab an.
Es war angsterregend.
„… London scheint an diesem Nachmittag, an dem der Dunkle Lord eine weitere Forderung an das Magische England gestellt hat, ruhig,…"
Manche nannten es einen Krieg, reflektierte Marlene, aber das war es nicht - nicht wirklich. Im Krieg - zumindest in denen der Muggel - gab es Grenzen; es gab Armeen und Uniformen. Es gab Schlachten: Leute tauchten auf und kämpften und töteten sich gegenseitig und sie sagten, dass es die Hölle war, aber zumindest war da - Konsistenz. Zumindest kannten sie den Feind.
Diese Feigheit war kein Krieg; es war gewöhnlicher, hässlicher Mord.
„… Drei Mitglieder der M.F.F, ein Bündnis von Hexen und Zauberern, das der friedlichen Existenz und Gleichheit zwischen Personen mit unterschiedlichem Blutstatus gewidmet ist…"
Sam Dearborn war ein interessanter Kerl.
Er hatte Hogwarts genau zwei Tage lang besucht, aber der Sprechende Hut hatte ihn nach Hufflepuff gesteckt und seine Reinbluteltern, die sich bloßgestellt fühlten, hatten ihn nach Hause geholt. Zumindest war das, wie Sam die Geschichte immer erzählte.
James bewunderte seinen schrulligen Cousin irgendwie; er hatte vor kaum etwas Angst, nicht einmal der der einschüchternden Wut seiner Mutter und das warf ein gutes Licht auf ihn. Über die Jahren hatte James Sam ekstatisch glücklich gesehen, er hatte Sam verliebt und ihn zu Tode gelangweilt gesehen. Er hatte ihn fuchsteufelswild und enttäuscht und hoffnungsvoll und verunsichert gesehen.
Aber James dachte nicht, dass er Sam Dearborn vor diesem Nachmittag je traurig gesehen hatte.
Der ältere Zauberer (da Sam sechs Jahre älter als James war) sah niemandem in die Augen. Er machte keine Witze; in seinem langen, dünnen, sommersprossigen Gesicht war kein Enthusiasmus. Er sah einfach nur traurig aus, während er ein rundes goldenes Abzeichen; nicht größer als eine Galeone auf dem Tisch kreisen ließ. Die Buchstaben M.F.F. waren in die Oberfläche des Steckers eingraviert.
„Das waren gute Leute," hatte Sam zuvor gemurmelt. „Die haben das nicht verdient."
James bezweifelte das nicht.
Lily war im Raum. James hatte dies in dem Moment gemerkt, in dem sie hereingekommen war, obwohl er nicht bewusst gesehen hatte, wie sie mit Marlene reinkam. So schuldig, wie er sich fühlte, in einer solchen Zeit darüber nachzudenken, konnte James sich jedoch nicht stoppen, ab und zu in ihre Richtung zu blicken. Sie trank Butterbier und sah besorgniserregend ernst aus, bleicher als normalerweise, was das Rot ihrer Lippen und das Grüne ihrer Augen in einen scharfen Kontrast brachte.
„… die Auroren versuchen verzweifelt mögliche Hinweise oder Muster zu entdecken, die dabei helfen könnten, die weitere, gewalttätige Übermittelung von irgendwelchen neuen „Botschaften"…"
„Auroren versuchen verzweifelt," dachte Donna bitter, die einer älteren Hexe an der Bar Gin einschenkte. Die Aussage hörte sich einfach genug an, aber da war so viel mehr dahinter… Auroren versuchen verzweifelt… sie verließen ihr Haus für mehrere Tage, arbeiteten wahnsinnigen Zeiten, wenn sie heimkamen, versuchten eine Lösung zu suchen, die nicht zu existieren schien…
Natürlich war es einfacher, sie inkompetent oder ahnungslos klingen zu lassen - versuchen verzweifelt - es war schließlich einfacher für jeden; weil niemand hören wollte, dass es nichts gab, was man tun konnte. Selbst Donna wollte sich das nicht vorstellen.
„… Der Minister für Magie gibt an diesem Nachmittag seine Stellungnahme ab…"
Als Sirius den Pub gegen halb eins betrat, war dies nur, um einen Blick auf Schichtplan hinten zu werfen, aber die unübliche Menge, grimm und nachdenklich, packte seine Aufmerksamkeit und er blieb für ein paar Minuten mehr mit Donna hinter der Bar stehen.
„Dein Kumpel ist hier," informiert sie ihn, als ein dumpfes Murmeln zwischen den vielen Hexen und Zauberern im Tropfenden Kessel anstieg.
„Ich weiß nicht, ob du es bemerkt hast," entgegnete Sirius kühl, „aber er ist nicht mehr wirklich mein Kumpel."
Donna zuckte bloß mit den Schultern. „Bloß für den Fall, dass du ihm aus dem Weg gehen willst."
Sirius hob seine Augenbrauen. „Warum das?"
„Heute wird schnell mal die Beherrschung verloren - es gab seit heute Morgen zwei Prügeleien."
„Kein Quatsch," grinste Sirius bitter. „Dann gehe ich wohl besser. Bis in ein paar Stunden, Shack."
Donna antwortete nicht, sondern goss einen Feuerwhiskey nach.
James hatte Sirius eintreten gesehen; er hatte bemerkt, wie sein früherer bester Freund hinter die Bar ging, im Hinterraum verschwand und ein paar Minuten später wieder erschien, düster ein paar Worte mit Tom und Shacklebolt wechselnd. Der Sprecher im Radio wiederholte sich jetzt nur noch und ruhige Konversationen begannen in der Menge. Sam sagte etwas untypisch Zynisches und ein Zauberer in der Nähe schlug wütend vor, dass der Minister doch zurücktreten sollte, nur um dem ein Ende zu bereiten.
Sirius begann zur Hintertür, die zur Winkelgasse führte, zu gehen.
„Denk mal drüber nach, Prongs! Er wird da runter gehen, durch die Weide kommen, Moony sehen…"
James hörte Sirius enthusiastische Vorstellungen, Monate alt, doch noch immer brennend, wie eine frische Wunde…
„Mach nicht so, als ob du dich nur ein bisschen um Snape sorgen würdest, wenn es nicht um sie ginge…"
Brennend und stechend und schmerzend und sein Blut zum Kochen bringend…
Die Todesserbewegung hat bereits ein weiteres Opfer gefordert…
Für dich ist das in Ordnung, hier alleine zu sein?
Drei Tote in Bristol…
Sie haben das nicht verdient.
James brachte fast sein Getränk zu Fall, als er auf seine Füße kam. Sirius war wieder gegangen, so diskret, wie er gekommen war.
„Bin gleich zurück," murmelte James einem abgelenkten Sam zu, der bloß nickte.
Lily hatte gesehen, wie James nach Sirius den Pub verließ und sie teilte diese Tatsache Marlene mit, als die Blonde mit einer weiteren Runde Butterbier zu ihrem vollen Tisch zurückkam. Malrene runzelte die Stirn.
„Sollten wir…?" begann Lily, aber ihre Begleiterin schüttelte ihren Kopf.
„Ihre Sache, nicht unsere."
„Aber…"
„Lily." Marlene seufzte tief. „Du kannst nicht alles reparieren."
James schritt raus in die erdrückende Hitze und den grauen Himmel einer trostlosen Winkelgasse. Ein paar Hexen und Zauberer bewegten sich durch die Straße, aber insgesamt hatte James diesen Ort noch nie so verlassen gesehen. Sirius war einfach zu erkennen, leicht gekrümmt und mit den Händen in den Taschen auf dem Weg davon.
„Black!"
Der Zauberer hielt bei dem Klang seines Nachnamens, der neutral von irgendwo hinter ihm gerufen wurde, inne. Er drehte sich um und sah James, der sich ihm schnell näherte. Zu geschockt um zu antworten, wartete Sirius darauf, dass James wieder sprach.
Sein Gesichtsausdruck war im Konflikt, als ob er sich unsicher wäre, was er als nächstes sagen wollte oder warum er Sirius überhaupt gerufen hatte. Schließlich sah James Sirius jedoch in die Augen und da war etwas Erbittertes.
„Mir ist es egal, was Remus sagt," sagte James ihm grob; „ich werde dir nicht vergeben."
Erst, als er erkannte, dass er enttäuscht war, bemerkte Sirius, dass er überhaupt hoffnungsvoll gewesen war. „Ist das so?" murmelte er ohne Leidenschaft.
„Ja."
„Tja… Glückwunsch." Sirius begann zu gehen, aber James war noch nicht fertig.
„Du bist ein Lügner, weißt du."
Sirius hielt inne.
„Das bist du. Du bist ein Lügner und ein egoistischer Feigling. Ich denke nicht, dass du jemals etwas für jemand anderen als dich getan hast…"
„Verpiss dich."
James schritt näher und forderte ihn in einem angespannten, bitteren Ton heraus: „Dann bring dazu."
Sirius' Fäuste ballten sich an seinen Seiten, aber er bewegte sich nicht. Er entgegnete James' festem Starren mehrere Sekunden lang. James war jetzt größer als er (aber das war schon lange im Kommen gewesen) und er trug ein neues Brillengestell - seltsam. Sirius hatte sich irgendwie vorgestellt, dass James in den letzten Monaten konstant geblieben wäre.
„Ich werde nicht mit dir kämpfen, Prongs," sagte er schließlich. Das war alles, was James jetzt wirklich wollte - ein Kampf. „Du verschwendest deine Zeit."
„Haste Angst?"
„Verpiss dich."
Er drehte sich wieder um zu gehen und wieder einmal stoppte ihn James' spöttische Stimme. „Schätze, du hast Angst, Sirius. Ich frage mich, was ich tun müsste … ich könnte dich einen Blutsverräter nennen… das würde zumindest Regulus zum Kämpfen bringen, oder?"
Sirius drehte sofort sich wieder um, sein Zauberstab war jetzt gezogen. „Du würdest das nicht tun wollen," fuhr er ihn an und schritt wieder zu James. „Ich weiß auch, wie ich dich verletzen kann, Prongs."
„Aber du hast Angst," höhnte James.
„Habe ich nicht."
„Hast du doch."
Sirius grinste gehässig. „Wenigstens verliere ich nicht immer gegen Schniefelus."
James' Augen wurden dunkler. Er zeigte auf Sirius' Zauberstab, der zwischen weißen Fingern gepackt wurde. „Machen wir so, als ob du den wirklich verwenden würdest?"
„Verleite mich nicht."
Aber natürlich war das die ganze Zeit James' Absicht gewesen. Er stieß gegeben Sirius' Schulter, „Etwa so?" stachelte er ihn an und schubste ihn dann wieder.
James und Sirius zu finden war für Lily und Marlene nicht besonders schwierig, sobald sie in der Winkelgasse waren. Ein paar Zuschauer hatten sich versammelt und jemand hatte diese zeitlose und kreative Ankündigung gemacht, die vorbestimmt war, andere anzuziehen: „Prügelei!"
Lily und Marlene wechselten einen Blick. „Hab dir gesagt, dass es eine gute Idee ist," bemerkte Erstere.
„Sei kein Idiot," antwortete die andere und beide eilten zu der kleinen Versammlung.
Mit abgelegten und vergessenen Zauberstäben rollten sich James und Sirius hauptsächlich in dem Dreck der Backsteinpflaster-Straße, sich dort hauend, wo sie nur konnten. Sie bluteten beide.
„Jungs!" schrie Marlene, da niemand sonst besonders viel zu tun schien, um die Situation zu verbessern. James und Sirius ignorierten sie, sich noch immer schlagend und die Blonde zog ihren Zauberstab.
Lily war jedoch schneller. Gerade als James die Überhand in der Schlägerei zu bekommen schien und seine Faust gegen Sirius erhob, schritt Lily nach vorne und packte die erhobene Hand, ihn mit all ihrer Kraft wegziehend. Sie schaffte es nicht wirklich ganz, James rauszuziehen, da er deutlich größer war als sie, aber sie wandte den direkten Schlag ab, was ihn dazu führte, sich zu der neuen, dritten Partei umzudrehen.
„Verpiss dich, Kumpel," begann er zu sagen, aber hielt inne, als er sah, wer es war. Lily hob ihre Augenbrauen und zog weiter an James Arm. Sirius erlangte so seine Freiheit und setzte sich mit einer Hand an der blutenden Lippe auf, während James auf seine Füße kam. „Das geht dich nichts an," sagt er, weniger heftig, aber nicht weniger ernst.
„Ihr zwei seid erbärmlich," fuhr Lily sie an. „Drei weitere Menschen sind seit heute Morgen tot und ihr zwei hier kämpft hier draußen wie ein Paar Fünfjährige!"
„Das geht dich nichts an, Lily," wiederholte James fest. Sie bemerkten beide, dass sie noch seinen Arm hielt und er zog ihn gerade dann weg, als sie ihn losließ, verlegen.
„Natürlich geht es mich was an," antwortete sie. Sirius stand ebenfalls auf und mit einem letzten, dunklen Blick zu James, drehte er sich um und ging zurück zu seiner Wohnung. James ging in die entgegengesetzte Richtung, leise murmelnd. Lily drehte sich zu Marlene, die ihre Augen verdrehte.
„Ich übernehme James, du Sirius," sagte Marlene seufzend. Lily nickte und lief dem früheren Rumtreiber hinterher, während Marlene James verfolgte.
Lily holte Sirius gerade vor der Apotheke ein und wie sie jetzt sah, war er ziemlich zerstört.
„Du hättest uns kämpfen lassen sollen," sagte er ihr, sich an eine Mauer des Ladens lehnend, während Lily ein nasses Tuch beschwor um sein Gesicht zu säubern. „Wir haben es beide verdient."
Lily verdrehte ihre Augen. „Was ist passiert?"
Sirius zuckte bloß mit den Schultern und nahm das Handtuch, das ihm angeboten wurde. „Er wollte kämpfen, schätze ich, also haben wir gekämpft."
„Was hat er gesagt? Merlin, dein Auge beginnt zu schwellen… hier…" Sie kümmerte sich um den wachsenden dunklen Kreis um Sirius' Auge und er wartete mit dem Reden, bis sie fertig war. „Und?"
„Er hat gesagt, dass er mich hasst."
Davon ehrlich überrascht weiteten sich Lilys Augen. „Er hat das gesagt? Diese genauen Worte?"
Sirius lächelte freudlos. „Nein," sagte er, seinen Kopf schüttelnd. „Nein, nicht so. Aber trotzdem, er hat es gesagt."
„Ich weiß nicht, was das bedeutet."
„Es bedeutet, dass…" Sirius suchte nach dem besten Weg, das zu artikulieren. „Es bedeutet, dass James und ich uns zu gut kennen um einfach nur - zu kämpfen. Es gibt bestimmte… Grenzen, die man nicht überschreiten darf und es gibt bestimmte Themen, die man nicht anschneiden darf - Dinge, die man nicht sagen darf und wenn man es tut, dann… dann kann man nicht mehr zurück."
Lily runzelte die Stirn. „Und dieses Ding - er hat es zu dir gesagt?"
Sirius nickte. „Und ich habe es auch zu ihm gesagt."
„Oh."
Sie waren beide für einen Moment still und dann fügte Sirius mit trockener Belustigung hinzu: „Wirst du mich nicht fragen, was wir gesagt haben?"
„Bitte." Lily sah weg, in der Hoffnung, dass er ihre offensichtliche Neugier nicht ansehen würde. „Das geht mich wirklich nichts an."
Sirius entfernte das Tuch von seinem Gesicht und sah seine Hände an, zweifellos innerlich etwas debattierend. „Vielleicht nicht," sagte er schließlich. „Ich sollte reingehen," fügte er hinzu, zu dem oberen Geschoss des Gebäudes nickend, wo seine Räume waren. „Ich will noch vor der Arbeit duschen."
„Okay."
Sirius schritt durch die Tür. „Tschüss, Lily."
Lily winkte, aber rief ihm hinterher, bevor er verschwand. „Er wird es noch einsehen," sagte sie aufrichtig und sie erkannte, dass sie sich genauso wie Sirius überzeugen wollte. Der Zauberer schüttelte seinen Kopf.
„Ich denke nicht."
Sein Gesichtsausdruck, kurz bevor er ging, war düster und müde. Da waren Falten, die Lily noch nie bemerkt hatte und seine grauen Augen waren gealtert.
Marlene erreichte in der Zwischenzeit James, als er eine dunkle Gasse neben Florean Fortescues runterging. Es dauerte einen Moment, bis sie genau erkannte, wohin er ging und sie beschleunigte, ihren Arm ausstreckend um ihn zu stoppen.
„Nockturngasse, Potter? Wirklich?" Seinen Arm loslassen verschränkte Marlene ihre Arme. James schien überrascht, Marlene hier zu sehen und sie dachte, sie wüsste, warum. „Du hast Lily erwartet."
James ignorierte ihre Aussage und antwortete stattdessen. „Da ist ein Pub, den ich mag. Du solltest besser gehen, Price."
„Deine Nase blutet," bemerkte Marlene.
„Ich komm damit klar."
„Ich auch." Und bevor James protestieren konnte, schnippte sie ihren Zauberstab und er fühlte seine Nase krachen, als ob sie zurück an ihren Platz rückte.
„Hey, gar nicht schlecht, Price."
„Ich bin eine Hexe mit vielen Talenten," antwortete Marlene trocken.
James schob seine Hände in seine Taschen und lehnte seinen Rücken gegen die Außenwand des nächsten Gebäudes - einem ominösen, schlecht beleuchteten Laden mit einem Schild im Fenster, das Werbung für „Spinnenaugen im Zwölferpack" machte.
„Was machst du hier?" fragte er. „Ich verspreche, dass ich mich nicht in weitere Kämpfe verwickeln lasse, wenn das hilft."
„Ich verstehe immer noch nicht, worum es hier eigentlich geht," jammerte Marlene.
„Das musst du nicht wissen," murmelte James. „Es genügt zu sagen, dass Black ein Arschloch ist und ich mir das nicht gefallen lasse."
„Oh," sagte Marlene. „Das ist cool."
James warf ihr einen Blick zu.
„Tja, was hast du erwartet, dass ich sage?"
„Ich dachte, du hättest irgendeine kluge Weisheit, wenn man bedenkt, dass du aus irgendeinem Grund mir hierher gefolgt bist…"
„Oh. Tja…" Marlene dachte einen Moment lang darüber nach. „Ich schätze, dass ich verliebt bin," sagte sie schließlich. James starrte sie bloß an. „Das tue ich - das tue ich wirklich. Zum ersten Mal. Und weißt du… ich glaube, ich war die ganze Zeit verliebt, nur habe ich es nicht wirklich bemerkt, bis… vor kurzem." James fuhr fort, die Hexe anzustarren, als ob sie verrückt wäre und ihm in die Augen sehend, grinste Marlene. „Was? Du darfst dich in deinen kleinlichen emotionalen Dilemmas in solchen Zeiten suhlen, aber ich nicht?"
James zuckte mit den Schultern. „McKinnon?"
Marlene antwortete nicht wirklich, aber sie bestritt es auch nicht und das war Bestätigung genug. „Du bist die erste Person, bei der ich das tatsächlich zugegeben habe," fuhr sie stattdessen fort. „Aber ich schätze, dass es sowieso jeder weiß." Sie hatte ein paar Sekunden lang einen traurigen, weit entfernten Ausdruck in ihrem Gesicht, dann schüttelte sie es ab und fuhr in einem geschäftsmäßigeren Ton fort: „Er hat jetzt eine Freundin. Prudence Daly."
James versuchte ein Bild zu dem Namen zu finden: „Oh - das heiße indische Mädel aus Ravenclaw?" Marlene blickte ihn finster an und James räusperte sich: „Richtig. Sie ist… schrecklich."
Lachend schüttelte Marlene ihren Kopf. „Das ist sie aber nicht," seufzte die Blonde. „Jedenfalls will ich auf etwas hinaus und hier ist es."
„In Ordnung…?"
„Es ist nicht immer die Zeit da, die Dinge zu tun, die du tun willst… Dinge zu reparieren. Und ich weiß nicht, was er dir getan hat - also Sirius. Vielleicht ist es unverzeihlich, aber ich persönlich, würde nicht warten wollen um das herauszufinden."
„Das hat nichts mit der Zeit zu tun, Marlene."
„Natürlich ist es das. Alles hat damit zu tun. Ich meine - denkst du wirklich, ehrlich, dass du nie wieder mit Sirius befreundet sein willst?"
„Nein, ich…"
„Und," fuhr sie beharrlich fort, „denkst du, er wird herumsitzen und warten, bis du dich umentscheidest? Irgendwann wird es ihm nicht mehr leid tun und er wird anfangen, die Schuld genauso bei dir zu sehen, wie du sie bei ihm siehst und dann wird es wirklich zu spät sein." Marlene seufzte und schob eine Haarsträhne, die von ihrem Pferdeschwanz abgehauen war, zurück. „Leute warten nicht ewig, James. Das tun sie einfach nicht."
Marlene ging kurz danach und James blieb alleine in der schattigen Straße zurück. So verlassen, wie die Winkelgasse sicherlich war, die Nockturngasse war nur halb so belebt an diesem Nachmittag.
„Sirius geht es gut, falls du dich fragst."
Dieses Mal war es Lily und ihre Stimme war bissig genug, dass James zu ihr hoch sah. Irgendwann, nachdem sie ihn von Sirius gezogen hatte und jetzt, hatte die Hexe ihre Haare in einen tiefen Pferdeschwanz gezogen, der über ihrer rechten Schulter hing. Die kurzen Haare, die ihr Gesicht einrahmten, klebten an ihrer Stirn und ihre Wangen waren von der Tageshitze gerötet. Zusätzlich sah sie nicht besonders glücklich mit ihm aus, ihre Hände auf ihren Hüften, in die Baumwolle des lila Rocks, den sie trug, gekrallt. Der violette Rock hörte etwa auf dem halben Weg ihrer Oberschenkel auf und…
James schüttelte sich.
Mädchen waren so selbstgerecht.
„Ich habe mich nicht gefragt," entgegnete er.
„Richtig," fuhr Lily ihn sarkastisch an. „Weil du ihn jetzt hasst."
James seufzte. „Ich dachte, du bist auf keiner Seite."
„Bin ich nicht."
„Ich dachte, du würdest mir nicht sagen, wann ich ihm vergeben müsste."
„Habe ich nicht." Lily verlagerte ihr Gewicht und verschränkte ihre Arme vor ihrer Brust. „Aber das tue ich jetzt, weil - weil das jetzt einfach blöd ist."
„Ich verstehe," murmelte er. „Also langweilt dich das Drama, ja? Nur weil es Remus jetzt egal ist, heißt das nicht, dass ich bereit bin, mich da einfach anzuschließen…"
„Oh, Quatsch…"
„Was?"
„Ich habe Quatsch gesagt! Das ist Unsinn und du weißt es!"
„Warum ist das dir so wichtig?" wollte James erhitzt wissen.
„Weil, du Idiot…" Sie zog ihren Zauberstab und eine Sekunde lang dachte James lächerlicherweise, dass sie ihn verhexen wollte. Stattdessen schwang sie ihn einmal und ein Stück weißes Stoff erschien an seinem Ende. Es war ein kühles, feuchtes Tuch, das sie ihm reichte, vermutlich für den Schmutz und das Blut, das anfing, auf seinem Gesicht zu trocknen. „… weil, warum auch immer, ihr mir beide wichtig seid und ich nicht will…"
„Dass ich meine Chance verpasse?" fügte James für sie ein. „Merlin, du hörst dich an wie Marlene."
„Tja, es stimmt. Oh, gib her…" Sie packte das Tuch, das James nicht benutzte und begann grob sein Gesicht zu säubern. Er wehrte sich, jammernd, aber Lily achtete nicht auf ihn. „Ich schwöre, du bist manchmal wie ein Dreijähriger."
„Danke, Mum," entgegnete James, als sie schließlich fertig war, aber er musste zugeben, dass das kühle Tuch auf seinem Gesicht eine signifikante Verbesserung war. Das Tuch in ihrer Faust ballend, richtete Lily seine Brille und schritt dann zurück, als ob sie ihr Werk betrachtete.
„Jetzt siehst du wenigstens irgendwie menschlich aus," bemerkte sie. „Wenn du jetzt nur anfangen würdest, dich auch so zu verhalten."
„Woher kommt überhaupt all diese Feindseligkeit?" wollte James wissen.
Lily spottet. „Wirklich, Potter, in der Nockturngasse umherschleichen, in Kämpfe geraten - und Sirius ist dein bester…"
„Black war mein bester Freund…"
„… Und ihr seid beide so verdammt lächerlich über diese ganze Sache, als ob es immer einen anderen Zeitpunkt gäbe, um es zu richten…"
„… Also willst du, dass ich mit einem Möchtegern-Mörder befreundet bin…"
„… Wenn die letzten Tage wirklich irgendetwas bewiesen haben, ist das, dass es keine Zeit gibt…"
„… Und wieder mit dieser Zeit…"
„… Jeder andere ist auf ihn zugegangen, warum kannst du nicht…?"
„…Also soll ich einfach vergeben und vergessen, weil alle anderen das haben…?"
„… Wenn du auch nur ein bisschen vernünftig wärst, würdest du deinen verdammten Stolz herunterschlucken und einfach sagen, was du sagen willst!"
„Was was ist?"
„Dass es dir leid tut!"
Sie hatte das fast geschrien und James starrte geschockt sie an. „Leid tut? Dass es mir leid tut?"
„Ja," sagte Lily aufrichtig. „Du fühlst dich schuldig dafür, was Snape hätte passieren können, weil du weißt, dass es nicht bloß Sirius war. Für ihn war es nur ein weiterer Streich und du glaubst, dass der Grund, warum er das dachte, sei, dass du all die Jahre Ausreden gefunden hast und dich so verhalten hast, als ob es egal wäre, was du anderen getan hast - Snape oder wem auch immer… und dass er deshalb nicht den Unterschied gesehen hat… dass ihm nicht eingefallen ist, dass dies irgendwie anders war, als… Bertram Aubreys Kopf zu vergrößern oder Kevin Sherbatskys Haare verschwinden zu lassen oder… all das! Du hast immer gesagt - zu mir und allen anderen - dass es bloß Spaß war, dass du wirklich nichts falsch gemacht hast und dann kam Sirius und hat das getan und du fühlst dich schuldig!"
„Also ist es meine Schuld, ja?"
„Nein!" rief Lily. „Das sage ich nicht! Hörst du mir überhaupt zu? Ich sage, es ist nicht deine Schuld und dass du erkennen musst, dass Sirius einen dummen, schrecklichen Fehler getan hat, aber das das nicht bedeutet, dass du eine schreckliche Person bist!"
Zuerst dachte Lily, dass James es abstreiten würde, aber die Worte schienen auf seinen Lippen zu sterben und er zögerte. „Ich hätte es stoppen können," sagte er unerwartet. Lily seufzte.
„Du hast es gestoppt."
„Nein, das habe ich nicht." James schüttelte seinen Kopf. „Ich habe nicht… ich habe bei Sirius nicht komplett falsch gelegen - aber ich lag falsch genug, dass ich das nicht kommen sehen habe."
„Er will einfach nur, dass du ihm verzeihst," flehte Lily. „Alle anderen haben es schon."
James sag seine Füße an. „Ich kann nicht."
Lily schnaufte. „Dickköpfiger Idiot." Er zuckte bei der Beleidigung zusammen.
„Besserwisserin."
Sie verzog ihr Gesicht und schob dann ihr verschwitztes Haar zurück. „Es ist heiß hier draußen," beschwerte sie sich. „Ich gehe." Bevor sie ging, murmelte sie jedoch wieder. „Idiot."
„Besserwisserin," antwortete er mit Groll und dann schlüpfte Lily durch einen Gang in die Winkelgasse und verschwand.
Es war fast Abendbrotzeit, als Lily zu ihrem Haus zurückkehrte und es in einem Zustand nahe des Chaos fand. Kurz bevor Lily die Tür hinter sich zugezogen hatte, näherte sich Mrs. Evans ihr wutentbrannt.
„Was höre ich da über dich, dass du nicht bei der Hochzeit involviert bist?" wollte sie wissen. „Gestern ist noch alles gut und jetzt bist du nicht in der Hochzeit und Tuney geht gerade Rachel Richards abholen um ihr dein Kleid zu geben und…"
„Mum, bitte," seufzte Lily. „Lass mich kurz mal atmen, bevor wir in das Thema einsteigen."
„Quatsch! Du hast gesagt, du gehst mit Marlene Mittagessen und jetzt ist es praktisch fünf Uhr und Petunia sagt mir nichts…"
„Mum, ich…" Aber es war zu heiß um zu streiten und alles (der Krieg, Petunia, James und Sirius, die Hochzeit und einfach alles andere…) türmte sich auf das viel zu schnell für Lily, also bevor sie überhaupt eine Ahnung hatte, dass es passierte, brannten Tränen in ihren Augen und alles, was sie tun wollte, war in ihr Bett zu klettern und ihr Gesicht unter der Decke zu verbergen und nie mehr zu denken oder zu sprechen oder sich zu bewegen…
Mrs. Evans Gesichtsausdruck wurde sofort weicher. „Oh, Lily," seufzte sie.
Sie zog Lily zu sich, Arme um ihre jüngste Tochter und Lily begann zu weinen.
(Freitag)
Das allererste, das Donna Shacklebolt am Freitagmorgen tat, war, das Radio anzuschalten. Sie war - oder dachte, sie wäre es - für das Schlimmste vorbereitet, aber als es kam, waren die Nachrichten nicht weniger verstörend.
Eine neue Botschaft war überbracht worden, dieses Mal dem Tagespropheten. Ein Journalist war getötet worden und der Dunkle Lord forderte jetzt, dass alle Todessern in Haft oder im Gefängnis sofort und lobend entlassen werden. Die Hexe, die diese Botschaft über das magische Radio verkündete, hörte sich nicht überrascht an, aber in ihrer Stimme war eine Dringlichkeit und sie wusste, was Donna dachte, dass sie alle mittlerweile wussten - dass dies aufhören musste… dass, wenn dies so weiterginge… tja, es musste jedenfalls aufhören.
Donna zog sich aus dem Bett und begann sich anzuziehen, als es an ihrer Tür klopfte. Sie knöpfte ihre Bluse schnell zu und machte auf. Es war Kingsley.
„Ich gehe zur Arbeit - die Kids schlafen, aber Aubrey wird bald hier sein."
Audrey McKinnon - Adams älteste Schwester - war die neuste bezahlte Hilfe im Haus der Shacklebolts.
„Ich dachte, du bleibst heute zuhause," protestierte Donna. „Ich muss heute Morgen arbeiten und…"
„Ich kann nicht einfach nicht gehen; wir sind so knapp besetzt…"
„Wir sind hier auch knapp besetzt, Kingsley!"
„Tja, warum bleibst du nicht zuhause?"
„Weil ich Geld verdiene und wir das brau…"
„Wir brauchen das Geld nicht, uns geht es gut."
Donna starrte ihn böse an. „Nur, wenn du darauf baust, dass Isaiah nächstes Jahr nicht nach Hogwarts geht… es ist kaum noch genug von dem, was Mum und Dad zurückgelassen haben, um mich und Bridge dieses Jahr abzudecken und ich schätze, dass ihr anderen auch gerne was essen würdet…"
„Dann geh arbeiten," entgegnete Kingsley. „Audrey kommt."
„Kingsley."
„Was?"
Sie seufzte, sich den Schlaf aus den Augen wischend. „Brice und Isaiah brauchen dich hier… ich kann nicht gut mit ihnen umgehen - nicht bei solchen Sachen."
Kingsley legte eine sehr großen, schweren Hände auf die Schulter seiner Schwester. „Du denkst bloß, dass du das nicht kannst. Sie beten dich an."
„Kings…"
„Ich bin früh zurück," versprach er. „Wirklich, dieses Mal."
Es brachte nichts, sich mit ihm darüber zu streiten, das wusste Donna und so nickte sie nur. „Okay."
„Bis heute Abend."
„Tschüss."
Donna hatte bis acht Uhr Frühstück gemacht - nichts besonderes, bloß Tee und Toast und Eier - und dann ging sie hoch um Brice zu holen, ihren jüngsten Bruder; Bridget, ihre Schwester, war jedoch schon da, den Sechsjährigen anziehend und mit ihm über seine Pläne für den Tag plaudernd.
„Musst du heute arbeiten?" fragte Bridget, als Donna das Schlafzimmer betrat.
Die ältere Schwester nickte. „Ich bin aber früh zuhause. Und Kings auch."
„Das sagt er so," sagte Bridget mit einem wissenden Lächeln. „Lass uns deine Zähne putzen, Brice."
„Können wir die Zahnbürste es machen lassen?" fragte Brice in seiner quietschen Stimme und Bridget nickte lachend. Donna folgte den beiden neugierig ins Badezimmer, wo Bridget ihren neu besorgten Zauberstab zog und ihn einmal in Richtung Brice' blauer Zahnbürste geschwungen. Sofort sprang sie in die Luft, schwebte pflichtbewusst vor Bridget, während sie Zahnpasta auftrug. Dann flog die Bürste zu Brice' Mund und begann mit überraschender Genauigkeit seine Zähne zu schrubben.
„Wo hast du gelernt, das zu tun, Bridget Cecelia Shacklebolt?" wollte Donna wissen. „Weißt du, ich hätte dir diesen Zauberstab nicht so früh gekauft, wenn ich gewusst hätte, dass du das Gesetz brechen würdest."
„Audrey hat es mir beigebracht und niemand kümmert sich um ein wenig Minderjährigen-Magie in einem magischen Haushalt," wehrte Bridget weise ab. Die Zahnbürste fuhr seine Arbeit an Brice' Zähnen fort und Donna, die ihre Schwester dabei beobachtete, wie sie die Szene mit so einer Ruhe überblickte, konnte nicht anders, als zu reflektieren, dass Bridget viel besser in solchen Dingen war, als sie es je hoffen konnte zu werden. Es war nicht nur, wie sie mit Brice umging (oder auch Isaiah), sondern ihre generelle Intelligenz - wie sie kommunizierte, die Würde, mit der sie handelte… sie war deutlich weiser, als Donna mit elf gewesen war - vielleicht weiser, als sie mit siebzehn war…
„Spucken, bitte," bat Bridget und während Brice ihr gehorchte, spülte sie die Zahnbürste ab und kehrte sie zu seinem Becher zurück.
Brice hatte wie Donna dickes, lockiges Haar, also versuchte Bridget nicht einmal, es zu bezähmen, sondern ließ etwas Wasser über ihre Hände laufen und fuhr mit ihnen durch seine schwarzen Locken. „Du wirst heute zum Abendessen da sein, oder, Donna?"
„Das werde ich."
„Und wann kaufen wir den Rest meiner Schulsachen?"
„Erst, wenn dein Brief da ist, Bridge."
„Und bist du dir sicher…?"
„Um Agrippas Willen, Bridge, du verhext schon Zahnbürsten, natürlich bekommst du einen Brief."
„Ich will auch einen Brief!" meldete sich Brice zu Wort und Bridget küsste ihn auf die Wange.
„Erst wenn du elf bist, Mr. Brice. Und du hast in der Zwischenzeit Miss Flowers in der Grundschule." Grinsend fügte Bridget für Donna flüsternd hinzu: „Er ist in sie verliebt." Dann nahm sie Brice' Hand, führte ihn von dem kleinen Hocker herunter, den er verwendete, um an die Spüle zu kommen und ging mit ihm runter in die Küche. Donna folgte ihnen.
„Aus Respekt für den ermordeten Korrespondenten Cary Young, hat sich der Tagesprophet entschieden, die Botschaft des Dunklen Lords nicht so zu übermitteln, wie sie heute morgen überbracht wurde," sagte der Radiosprecher des WWN, seine Stimme gezeichnet von Ernst. „Jedoch haben wir heute morgen eine von Youngs Kolleginnen, für den Tagespropheten bei uns, die Autorin und besondere Korrespondentin Dorothea Grey. Miss Grey…"
„Danke, Malcolm."
„Natürlich - ich wünschte nur, die Umstände, dass ich heute mit Ihnen spreche, wären weniger… tragisch…"
„Alle bei der Zeitung sind einfach niedergeschmettert… Cary war dort so beliebt…"
„Natürlich, natürlich. Und auch ein innovativer Reporter…"
„Ohne Zweifel…"
„Miss Grey, waren Sie im Raum, als Mr. Young heute Morgen reinkam…?"
„Das war ich, ja."
„Können Sie uns sagen, was passiert ist?"
„Tja…" Zögerlich: „Tja, Cary kam in den Nachrichtenraum… früh, gegen sieben… es waren schon viel von uns dort, natürlich, weil wir darauf gewartet haben, zu hören, ob… natürlich in der Hoffnung, dass es keinen neuen Angriff geben würde, aber in der Erwartung, es herauszufinden… und dann kommt Cary rein - er hat nicht mit mir gesprochen, aber mit Mitchell - Mitchell Letterer, der vorne sitzt, schreibt den Gastkommentar - und ich weiß nicht, was er genau zu Mitch gesagt hat, aber ich weiß, dass er sagte, dass er eine Botschaft hätte, die an diesem Morgen im Prophet gedruckt werden sollte… und dann hat Mitch versucht ihn da raus zu reißen und wir haben alle irgendwie den Tumult gehört… Jillian - Jillian Jones, eine der Journalistinnen, hat versucht seinen Zauberstab zu finden, in der Hoffnung, dass sie es aufhalten konnte, aber es ist alles so schnell passiert…"
Dorthea Greys Stimme brach und der Interviewer, Malcolm, ließ ihr einen Moment, sich zu fangen.
„… Kurz… kurz bevor es passiert ist, hat Cary Mitchell einen Brief überreicht, der veröffentlicht werden sollte und es war bloß die selbe Botschaft - die selbe Forderung…"
„Und das ist das, was der Prophet nicht veröffentlichen möchte…?"
„Ja, sie wurde dem Ministerium abgegeben für eine Untersuchung…"
Dort, wo sie an ihrem Schminktisch saß, schaltete Mary das Radio aus und schauderte, da ihr plötzlich sehr kalt war, trotz der tyrannischen, feuchten Hitze. Sie äugte in den Spiegel und ihr müdes, nacktes Gesicht starrte zurück. Ihre Augen schienen ohne all den Eyeliner und Glitzer und Wimperntusche viel kleiner; ihre Haut war bleich und fehlerhaft. Mary mochte es nicht, sich so anzusehen, obwohl es ein natürlich ein typischer Teil ihrer Routine war - jeden Morgen sah sie über dem Waschbecken in den Spiegel, fand alle Imperfektheiten, die sie ärgerten und wusch dann und schrubbte und trug den Bobutuber Blast auf, ein pinkes, streng riechendes Mittel, das für ihren Teint Wunder wirkte, bevor sie sich abtrocknete und mit dem Schminken begann.
Mit Kosmetika war sie ein Künstler - eher Titian als Leonardo. Es war eine organische Bewegung. Dort, wo Farbe benötigt war, trug sie sie auf - nicht immer in dem erwarteten Ton, aber immer knallig und unübersehbar. Ihre Mutter sagte immer, dass sie ohne all das hübsch aussah, aber sie hatte eine Tante, die ihr einmal gesagt hatte, dass sie mit dem Augen-Make-Up „weniger langweilig" aussah und jedenfalls liebte sie es aufzutragen. Sie liebte die Verwandlung und den Vorgang und die Farbe und sie mochte nicht, wie sie jetzt aussah, ohne es.
Langweilige, unsichere, gewöhnliche Mary Macdonald.
Es war einfach nicht sie.
Also, ihre kurzzeitigen Zweifel beiseite legend, nahm Mary die erste Flasche und begann zu malen.
Als sie fertig war, verließ sie ihr Zimmer und ging mit einem beiläufigen „Tschüss" zu ihrer Mutter hinunter in das Treppenhaus, runter und zu der so vertrauten Tür mit der Nummer 12, wo Marlene lebte.
„Hey, Mare" grüßte sie ihre Freundin, als sie die Tür öffnete. „Ich dachte, du bist heute bei Stebbins."
Mary zuckte mit den Schultern. „Ich - hatte irgendwie mehr Lust, heute mit dir rumzuhängen…"
Marlene schien zu verstehen. Sie nickte. „Es ist zu heiß um rauszugehen," stimmte die Blonde zu, schritt beiseite und ließ Mary in die Wohnung hinein. „Wir bleiben drin."
James war nicht wirklich der schlauste, dachte er. Oh, sicher, er war clever genug, aber wirklich, clever zu sein war so viel einfacher, wenn alle Lehrer es von einem erwarteten. Der Trick war, alle dazu zu bringen, es über einen zu denken und dabei hatte James einen Vorteil - der Vorteil in einem großen leeren Haus aufzuwachsen: in einem großen leeren Haus mit jede Menge Büchern und nur deutlich ältere, deutlich weisere Zauberer als Freunde zu haben.
Ihm war seine Einsamkeit vor Hogwarts nicht bewusst gewesen und Langweile war wie seine zweite Heimat. Seine Mutter versuchte oft zuhause zu sein, aber es hatte nicht immer geklappt und nicht alle Hauselfen waren besonders spannende Kameraden. Also lernte James früh zu lesen und er begann mit der Zauberkunstecke der Bibliothek der Potters. Von da aus wechselte er zu Flüchen und Verwandlungsmagie; magische Theorie war interessant, aber Geschichte langweilte ihn, genau wie Zaubertränke. Er mochte die Bücher mit den magischen Kreaturen. Sein allerliebstes Thema war jedoch immer Quidditch.
Und so hatte James, als er nach Hogwarts ging, mehr Hintergrund als die meisten der anderen Erstklässler. Er bekam diesen Ruf und ein Ruf, intelligent zu sein - zusammen mit einem guten Gedächtnis - war alles, was man brauchte, dachte er, um in Hogwarts erfolgreich zu sein.
Es war seltsam, überlegte James, dass die selben Wälzer, die er nun abstaubte und genauer unter die Lupe nahm, einmal so fortgeschritten, so komplex auf ihn gewirkt hatten. Er lächelte einen Geschichtstext an… als er gerade seinen Zauberstab neu gekauft hatte, hatte er diesen direkt auf Mutters Kopf schweben lassen… aus Versehen, natürlich.
Und da war ein Buch von Verhexungen, das er einst gierig verschlungen hatte, bis er erkannte, dass es leider Jahre und Jahre dauern würde, bis er in der Lage wäre, diese Art von Magie auszuführen (tatsächlich nur etwa sechs Monate). Es gab auch ein Buch namens Stokstads Magische Ethik, Band Eins, das er kaum verstanden hatte und hauptsächlich überflogen hatte, abgesehen von dem Kapitel über Inferi.
Dieses Buch hatte James schließlich an diesem Morgen ausgewählt, da er das Kreuzworträtsel des Propheten fertig hatte und nicht viel Lust hatte, die Schlagzeilen zu lesen. Er wusste bereits, was dort stehen würde. Seine Mutter und sein Vater waren beide wieder ins Büro geeilt, so früh, dass James nicht wach gewesen war, bis Mrs. Potter in sein Zimmer geschlichen war um sich zu verabschieden und ihm zu sagen, dass das Frühstück fertig wäre, wenn er etwas wollte.
James setzte sich auf das nächstgelegene Sofa und öffnete das große Buch der Wahl auf der ersten Seite. Er hatte oft die Beschwerde gehört, dass der Gemeinschaftsraum der Gryffindor viel zu laut war um Hausaufgaben fertigzustellen, aber James fand die klirrende Stille in seinem großen, leeren Haus viel schlimmer.
Er war nicht einsam. Das war er nicht.
Es war nur - tja, an Morgen wie diesem… mit diesem ermordeten Journalisten und einer neuen Forderung von Voldemort… es war einfach die Art von Morgen, die man lieber mit jemand anderem verbrachte. Es wäre nett gewesen, seine Mum oder Dad in der Nähe zu haben, das war alles.
Natürlich hatten sie etwas zu tun und er konnte ihnen ihre offensichtlich Pflicht nicht übel nehmen… es kam ihm bloß, dass er vielleicht glücklicher gewesen wäre, wenn sie normale Hexen und Zauberer in ihrem Alter gewesen wäre… ruhig in Rente gegangen, friedlich, sicher.
Blöd.
Wirklich blöd.
Es ging ihm gut.
Die Tür zu dem kleinen Arbeitszimmer öffnete sich und ließ einen Zauberer in schwarzen Umhängen rein. Er warf einen Blick auf James. „Alles in Ordnung, Mr. Potter?"
Das war der Auror, der seit dem ersten Vorfall am Montag in ihrem Haus für ihre Sicherheit stationiert war. James hatte den Kerl fast vergessen; er war praktisch die meiste Zeit unsichtbar.
„Alles gut," versicherte James. Der Zauberer - Chesky - nickte und verschwand wieder aus der Tür.
Wirklich, James ging es gut.
Er blätterte zur nächsten Seite in Magische Ethik und begann mit dem Kapitel eins.
Es war etwa gegen drei Uhr, der Beginn der letzten halben Stunde von Donnas Schicht, als Lathe den Tropfenden Kessel betrat, sein typischen „Feuerwhiskey, pur" bestellte und am Ende der Bar Platz nahm.
„Etwas früh dran, oder?" bemerkte sie, eher um ihn zu ärgern als sonst irgendwas.
„Was habe ich sonst zu tun?" antwortete er gleichmütig. Er schluckte jedoch die Flüssigkeit nicht komplett auf einmal. Abgesehen von dem all-gegenwärtigen Pip und einer Hexe von dem Gasthof war der Pub leer. Niemand wollte heute draußen unterwegs sein.
Donna setzte sich auf ihren üblichen Stuhl hinter der Bar und zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht - hast du keine Familie? Scheint, was alle anderen diese Woche tun, ist… sich einzuigeln, bis all dies aufhört…"
„Das war die letzte Forderung," sagte Lathe mit unerwarteter Sicherheit und Donna hob ihre Augenbrauen.
„Woher weißt du das?"
„Das hat er so gesagt. Dieser Kerl - Young. Alle anderen Botschaften hatten so… eine Warnung dabei, dass mehr Botschaften kommen würden, aber diese nicht."
„Woher weißt du das?" wiederholte Donna. „Der Tagesprophet hat die genauen Worte nicht veröffentlicht und ich dachte, dass du vom Ministerium suspendiert bist."
„Das bin ich. Hab aber immer noch Freunde da."
„Oh."
Lathe trank seinen Whiskey aus und Donna wartete nicht damit ab, ihn neu zu füllen. „Woher wusstest du, dass ich nicht für diesen Nachmittag fertig bin?" witzelte er und Donna verdrehte bloß ihre Augen. „Na gut."
„Wann kannst du zurück zur Arbeit?" fragte sie. „Hast du irgendeine Ahnung, wann sie die Suspendierung aufheben?"
„Nope," antwortete der Auror bloß, aber Donna dachte, dass er aussah, als ob ihn das mehr störte, als er zugab. Sie stellte sich vor, wie es wäre, wenn Kingsley für etwas suspendiert würde und wünschte sich dann irgendwie, dass es passieren würde. Als sie dies äußerte, lachte Lathe tatsächlich. „Du weißt, dass man dabei nicht bezahlt wird, richtig?"
„Tja, ich will nicht, dass er wochenlang suspendiert ist so wie du… nichts gegen dich…"
„Nicht so verstanden."
„…Nur für ein paar Tage. Ein Wochenende, vielleicht."
Lathe lachte wieder.
„Ich denke nur, dass es schön für meine Brüder und Schwester gewesen wäre, wenn sie diese Woche jemanden bei ihnen gehabt hätten, der mit ihnen verwandt ist," verteidigte Donna sich, die Arme verschränkend. „Das scheint jedenfalls jeder andere zu tun, jedenfalls.."
„Was ist mit dir? Sicherlich würde Tom dir den Morgen freigeben?"
Donna zuckte mit den Schultern. „Ich mag es aber bezahlt zu werden. Sag mal… wenn du gefeuert wirst, denkst du, dass sie dann Kingsley eine Gehaltserhöhung geben würden?"
Lathe hob seine Augenbrauen und Donna erkannte, dass dies vielleicht falsch rüberkam.
„Unsensibel?" riet sie.
„Nur ein bisschen."
Pip, an der gegenüberliegenden Seite der Bar, bestellte ein weiteres Bier und Donna war kurz damit beschäftigt, aber sie kehrte danach wieder zu Lathes Seite des Pubs zurück. „Wie lange bist du schon ein Auror?" wollte sie wissen.
„Drei Jahre lang," sagte Lathe. „Und davor war drei Jahre lang Training." Donna nickte nachdenklich; sie überlegte hin und her, ob sie die Frage stellen sollte, die ihre Neugier weckte, aber entschied sich dagegen, nur um danach Lathe sie für sie beantworten zu haben: „Ich kannte ihn ein wenig."
„Wen?"
„Deinen Dad. Du hast gerade gerechnet, oder?"
„Nein."
Lathe zuckte mit den Schultern. „Jedenfalls habe ich in meinem letzten Trainingsjahr ein wenig mit ihm gearbeitet."
Donna wünschte sich plötzlich, dass sie über etwas anderes reden würden. Über ihre Eltern zu reden war nicht zu schmerzhaft oder so - was passiert war, war passiert und das alles - aber über ihren Vater zu sprechen erinnerte sie immer unangenehm daran, dass Kingsley in größtenteils der selben Situation war, in der ihr Vater damals war…
„Wie alt warst du?" fragte Lathe plötzlich.
„Vierzehn."
Er nickte. „Du willst es vermutlich nicht hören, aber… er war ein großartiger Auror, dein Vater. Und dein Bruder ist auch ziemlich schnell."
Nein, sie wollte es nicht hören.
„Ja, meine Eltern waren echte Helden," murmelte Donna sarkastisch. Lathe sah ein wenig überrascht aus und sie fügte hinzu: „Ich werde sie nicht romantisieren, nur weil sie tot sind. Dad hätte nicht… er hätte nicht so offen gegen…" Sie brach ab.
„Voldemort reden sollen," fügte Lathe hinzu und Donna nickte.
„Ich schätze, sie haben für das, an das sie glaubten, eingestanden," fuhr sie dunkel fort, „aber es hat dazu geführt, dass sie getötet wurden. Und wenn sie ihre Köpfe unten gelassen hätten, dann müsste ich nicht fast jeden Tag meiner Sommerferien damit verbringen, in einem verdammten Pub zu arbeiten und mein Bruder müsste sich nicht für das Ministerium versklaven nur um sicherzustellen, dass wir uns Hogwarts leisten können und Brice würde sich tatsächlich an seine Eltern erinnern und Isaiah wäre nicht zweimal von der Muggel Grundschule geflogen und Bridget müsste nicht Mutter für sie alle spielen." Donna wusste nicht, woher das alles kam, aber bevor sie etwas dagegen tun konnte, kam der Rest aus ihr gesprudelt: „Leute sagen mir, dass meine Eltern eine großartige Hexe und ein großartiger Zauberer waren und dass sie ehrenvoll gestorben sind und dass ich stolz sein wollte, aber die Wahrheit ist… dass sie gegenüber fünf Menschen, die sie in die Welt gebracht hatten, verpflichtet waren und dass sie diese Verpflichtung nicht erfüllt haben, weil sie mutig waren." Bitter: „Vergib mir, wenn ich mich nicht besonders darüber freue, dass mein Bruder ein brillanter Auror ist - mir wäre es mittlerweile lieber, wenn er einfach ein lebendiger Zauberer ist."
Lathe sah über Donnas Geständnis weder besonders geschockt noch entsetzt aus und das ärgerte sie ein wenig. „Ich habe gesagt, dass Shacklebolt ein schneller Auror ist," informierte sie der Zauberer ruhig, „aber er ist auch schlau. Er hält seine Nase aus der Politik."
„Er riskiert immer noch sein Leben," bemerkte Donna.
„Sein Leben war sowieso schon riskiert - alle eure Leben sind das, wegen euren Eltern."
„Ah, die Helden."
Lathe zuckte mit den Schultern. „Vielleicht hast du Recht. Vielleicht war es falsch, dass dein Dad so gesprochen hat, aber - ich denke, dass er es getan hat, weil… er dachte, dass ihr am sichersten in einer Welt komplett ohne Voldemort und seine Todesser wärt und dass, wenn er eine Chance hätte, zu helfen, das zu erreichen, müsste er sie ergreifen."
„Aber er hat es nicht erreicht."
„Nein," gab Lathe zu; er bot keine hoffnungsvollen Ausblick oder Erklärung dafür an, obwohl Donna halb eine erwartet hatte. Er nahm bloß einen weiteren Schluck Feuerwhiskey.
Donna kam auf ihre Füße, suchte sich ein sauberes Glas und poliertes es nebenbei. „Was ist mit dir?" fragte sie. „Bist du deshalb ein Auror? Um jemanden zu beschützen?"
Lathe antwortete nicht sofort und als er es tat, war es ausweichend. „Ich habe keine Familie," sagte er.
„Keine?"
„Tja… technisch gesehen Eltern, aber die sind Muggel und sie denken, dass ich tot bin."
„Sie - was?"
„Es… ist besser für alle, wenn meine Eltern unter der falschen Annahme halten, dass ich verstorben bin," sagte Lathe, als ob es die natürlichste Sache in der Welt wäre. Donna atmete ungläubig aus.
„Du bist verrückt," sagte sie ihm. „Seltsamer, als ich es bin."
„Na, das ist jetzt aber gemein."
Donna lehnte sich ein paar Schritte von dem Auror entfernt über die Bar. „Was passiert, wenn jemand suspendiert ist?" fragte sie neugierig. „Ich meine - du warst diese Woche zwei oder dreimal da, und das war nur meine Schicht. Ich weiß, dass du auch da warst, als Tom und Black hier waren. Kommst du einfach… um rumzusitzen und zu trinken?"
„Hauptsächlich," sagte Lathe fröhlich. Donna blickte ihn finster an und er verteidigte sich: „Es ist mir nicht erlaubt, im Dienst zu trinken und ich bin immer im Dienst. Mir sollte wenigstens erlaubt sein, von dem hier irgendwie zu profitieren."
„Aber musst du nicht… ich weiß nicht - deine Unschuld beweisen oder so?"
„Aber ich bin nicht unschuldig," antwortete Lathe ruhig. Er trank den Feuerwhiskey aus, verzog das Gesicht und gestikulierte für einen weiteren.
„Du wirst betrunken werden," warnte Donna. Als sie die Flüssigkeit ausgeschenkt hatte, stützte sie sich auf, Handflächen gegen die Baroberfläche, und schüttelte ihren Kopf. „Ich verstehe dich überhaupt nicht."
Lathe nahm einen großen Schluck. „Sie untersuchen gegen mich, weil ich ein Todesser getötet habe; ich habe einen Todesser getötet. Da kann ich nicht viel tun um meine Unschuld zu beweisen."
So viel (und ein wenig mehr) hatte Donna sich schon aus den Zeitungen und ihrer Verbindung mit Lily zusammengereimt. „Logan Harper?" fragte sie und Lathe zuckte beim Klang des Namens fast zusammen. Er nickte.
„Aber er war ein Todesser. Ich verstehe das nicht."
„Versuch am besten nicht, das Ministerium für Magie zu verstehen, Miniatur-Shacklebolt. Selbst das Ministerium versteht das Ministerium nicht."
Donna verdrehte ihre Augen. „Aber wenn du ihn getötet hast und du deshalb in Schwierigkeiten bist, warum untersuchen sie das überhaupt? Warum feuern sie dich nicht einfach?"
Lathe atmetet verärgert aus; offensichtlich war dies nichts, was er besonders gerne diskutierten wollte - vor allem mit der Barkeeper-Schwester eines Kollegen - aber Donna war das egal. Sie wartete gespannt auf ihre Antwort… wenn sie schon den ganzen Tag den Lebensgeschichten ihrer Kunden ausgesetzt war, wollte sie zumindest ein paar Antworten bekommen, die sie tatsächlich wollte. „Die denken," fuhr Lathe fort, „dass ich ihn getötet habe, weil er ein Reinblut war. Dass er gerettet werden konnte. Verhaftet. Registriert und alles."
Die Frage hing für ein paar Sekunden in der Luft, bevor Donna sie stellte. „Konnte er das?"
Lathe ließ seinen Blick zum Feuerwhiskey fallen. „Wir werden sehen müssen, schätze ich." Er schluckte den Rest seines Glasinhalts und begann aufzustehen. „In Ordnung, dann - noch einen für die Heimreise?" Er klopfte mit seinem Ring an seinem kleinen Finger gegen das leere Glas. Donna öffnete Odgens, während Lathe das Geld für die Rechnung zusammensuchte. Er trank den Feuerwhiskey schnell und dann begann er mit einem kurzen Nicken zu Donna zu dem Eingang der Winkelgasse zu gehen. Er zögerte jedoch in der Nähe der Tür. „Hör zu…" begann der Auror, „ich würde… ich meine, ich würde es Shacklebolt nicht zu… ich meine, dein Bruder, es ist in diesen Tagen eine schwere Zeit - es geht mich nichts an, ja, aber ihr seid alles, über das er redet, ehrlich und…ich weiß nicht. Ein Auror zu sein, ist nicht so, wie man immer denkst."
„Aber warum willst du dann so unbedingt zurück?" wollte Donna wissen.
Lathe zuckte mit den Schultern. „Wer sagt, dass ich das will? Schlechte Bezahlung und scheiß Arbeitszeiten."
Donna schüttelte ihren Kopf. „Genau wie Kingsley. Ich verstehe es nicht, aber ihr seid alle so… besessen davon. Merlin weiß, dass es bessere Berufe gibt - sicherer, interessanter, besser bezahlt… aber für welchen verdammten Grund auch immer könnt ihr Auroren nicht anders."
Lathe grinste. „Keine schlechte Evaluation des Geschäfts, Miniatur-Shacklebolt." Er drehte sich wieder, um zu gehen und fügte in der Bewegung hinzu, „Bis dann".
Als der Auror gegangen war, zog Donna ihren Zauberstab, spülte das Glas, das er benutzt hatte, aus und ließ es zurück zu seinem üblichen Platz im Regal schweben. Sirius betrat ein oder zwei Minuten später den Pub.
„Du bist früh dran," bemerkte sie.
„Was könnte ich sonst tun?" entgegnete Sirius. „Hab Lathe auf dem Weg gesehen - war er lange hier?"
„Nicht wirklich. Warum?"
Sirius zuckte mit den Schultern. „Einfach so - er war die letzte Woche ziemlich oft da."
„Ich schätze."
Sirius frischte Pips Getränk auf. „Hat er dir ein paar seiner verrückten Aurorengeschichten erzählt?"
„Nein," Donna fühlte sie plötzlich sehr lahm; sie hatte eher geredet.
„Mhm, tja, du solltest ihn nach der in Kairo fragen." Sirius schnappte sich seine übliche Schürze. „Du weißt, warum er suspendiert ist, oder? Diese Harper Geschichte… Die Familie hat es geschafft, eine Untersuchung zu erwirken und jetzt ist die Aurorenabteilung knapp besetzt… und das zu so einer Zeit."
Aber Donna wusste alles darüber.
„Interessanter Typ," fuhr Sirius fort. „Lathe, meine ich. Ey, seine Muggelfamilie denkt, dass er tot ist - ziemlich cool, oder?"
Donna sah ihn nur an. „Männer sind so seltsam."
Mr. und Mrs. Potter kehrten am Freitag gegen sieben Uhr vom Ministerium zurück. Letztere hatte schon vor Stunden Schluss gehabt, war aber geblieben um mit ihrem Ehemann heim zu apparieren. Sie fanden ihren Sohn in der Bibliothek, vertieft in den letzten Seiten eines dicken Buches.
„Hast du gegessen?" fragte Mrs. Potter, die sich neben ihren Sohn setzt, während Mr. Potter hochging um sich umzuziehen. „Du siehst schrecklich blass aus, James."
„Ich hab vor einer Stunde gegessen."
„Wir sind heute nicht so spät dran," murmelte seine Mutter und fuhr mit ihren Finger liebevoll durch seine Haare. „Wir könnten vielleicht was gemeinsam essen, denkst du nicht?"
James legte sein Buch hin. „Klar, Mum."
„Was ist los, Schatz?"
„Nichts ist los; mir gehts gut."
„Was liest du da?"
Aber bevor James antworten konnte, erschien Mr. Potter an der Tür und sein Gesichtsausdruck war grimmig. „Entschuldigt…"
Mrs. Potter drehte sich um um zu sehen, wie ihr Ehemann den Raum betrat und James bemerkte, dass sie so verwirrt aussah, wie er war.
„Da ist etwas, was ich mit euch beiden besprechen will."
„Was ist, Alex?"
Mr. Potter setzte sich auf das Sofa ihnen gegenüber. Er krümmte sich nach vorne, Hände vor ihm gefaltet und Ellbogen auf seinen Beinen - uncharakteristisch entspannt in der Haltung. „Ich… ich habe diese Woche viel nachgedacht. Ich wollte nichts tun, bevor ich mich euch gesprochen habe, aber es… es gibt wenig Zweifel in meinem Kopf, dass dies das beste ist - für uns alle…"
„Alex…"
„Bitte," unterbrach Mr. Potter sanft. „Lass - mich einfach ausreden." Seine Frau nickte langsam, aber sie nahm James' Hand und ihr Griff verriet ihre Anspannung. „Ich habe entschieden… also, ich habe fast entschieden, dass - es das klügste wäre… zurückzutreten. Ich habe mich entschieden, das Amt als Chef der Magischen Strafverfolgung niederzulegen."
Mrs. Potter ließ James' Hand los und bewegte sich sofort durch den Raum um sich neben ihren Ehemann zu setzen, den sie in eine Umarmung packte. Da waren Tränen in ihren Augen, aber es waren Freudentränen. Sie hatte dies gewollt - sie hatte das seit Jahren gewollt, dachte James, seit Leute begonnen hatten, zu verschwinden und Voldemort sich dazu bekannt hatte…
Aber James wusste nicht, wie er sich fühlte. Sein Dad würde mehr da sein, klar, und es war nicht, als ob sie das Geld bräuchten, aber irgendwie…
„James?"
Mrs. Potter lehnte ihren Kopf nun auf Mr. Potters Schultern und letzteren sah ihr einziges Kind, das noch immer mit einem unlesbaren Ausdruck auf der anderen Couch saß, intensiv an.
„Jetzt?" hörte James sich fragen. „Jetzt, wo all das passiert?"
„Es würde nicht sofort passieren," erklärte Mr. Potter. „Ich bleibe noch mindestens einen Monat… Aber - die letzte Woche… ich bin dafür nicht gemacht, James. Sicherlich nicht jetzt, in meinem Alter…"
„Also - was? Die Arbeitszeiten sind zu lang?" wollte James ungläubig wissen.
„Nein, nein. Nicht das. Es ist… das Ministerium… also, jeder verdient jemanden, der - in der Lage ist, das zu stoppen."
„Dad…"
„James, hör zu. Diese Woche ist ein Mann in mein Büro gekommen und hat sich umgebracht… direkt vor mir. Ich war komplett unfähig, ihn davon abzuhalten. Und jeden Morgen in dieser Woche, mehr Tote, mehr Forderungen und ich war… ich habe nichts getan."
„Da war nichts, was du hättest tun können."
„Nein, das gab es nicht," stimmte sein Vater zu. „Aber jemand anderes hätte das vielleicht."
„Aber war, wenn es mehr Forderungen gibt? Du gehst jetzt einfach…"
„Es wird keine weiteren Forderungen geben."
„Woher weißt du das?"
Mr. Potter antwortete nicht sofort. „Es gibt viele Dinge, die wir bei dem, was kürzlich passiert ist, nicht verstehen, aber… wir glauben, dass die heute Botschaft die letzte sein soll."
James war nicht so leicht zufrieden gestellt. „Na gut, aber was ist mit dem, was als nächstes passiert? All die Forderungen haben gesagt, dass wenn das Ministerium nicht nachgibt, es Folgen gibt…"
„Die wird es geben," sagte Mr. Potter hohl. „Deshalb muss ich jemandem anderen erlauben zu versuchen, es zu stoppen… für alle anderen und für meine Familie…"
„Deine Familie? Uns? Dad, wer denkt an uns? Uns geht es gut. Dieser Ort hier ist eine verdammte Festung! Keiner kriegt uns hier…"
„Und denkst du wirklich, dass du sicher bist? Meine Position im Ministerium hat euch beide Jahre lang gefährdet und Phillip Stoakes Mord war… ziemlich persönlich… in seiner Ausführung. Ich kann dieses Risiko nicht länger tragen."
James war still, versuchte, alles zu verarbeiten - es zu verstehen. „Ich… ich sehe einfach nicht, wie ihr einfach so aufgeben könnt… aufhören könnt zu kämpfen…"
„Nein, James," sprach Grace Potter plötzlich. „Nicht das. Niemals das." Sie ließ ihren Ehemann los, stand auf und setzte sich wieder neben James, seine Hand wieder nehmend. „Es gibt andere Wege um zu kämpfen."
Langsam stand James auf. „Ich… ähm… ich geh spazieren. Nur um das durchzudenken…"
„James…"
„Nein, ich bin nicht wütend," sagte er schnell. „Das bin ich nicht. Wirklich. Ich muss.. ich muss einfach ein bisschen nachdenken. Luft schnappen, wisst ihr?"
Mrs. Potter kehrte zu der Seite ihres Ehemanns zurück. „Geh nicht zu weit."
James nickte.
Um acht Uhr an diesem Abend ging Sirius für seine Pause und eine Zigarette raus und ließ Tom mit einer kleinen Menge im Pub zurück. Es war eine weitere warme Nacht - es schien ewig, seit sie Regen hatten und der schwarze Himmel über ihnen hielt keine Wolken; eine ziemlich normale Nacht.
James Potter war fast die letzte Person, die Sirius erwartet hatte zu sehen; er stand hinter dem Tropfenden Kessel mit seinen Händen in seinen Taschen und einem leicht nervösen Aussehen. Doch da war er. Sirius hielt inne, gerade dabei seine Zigarette anzuzünden.
„Bist du schon fertig?" fragte James überrascht; „Lupin meinte, du würdest heute lang arbeiten…"
Sirius zündete sich seine Zigarette zu Ende an und schüttelte seinen Kopf. „Ich hab Pause." Er sagte es nicht genau, aber sein Gesichtsausdruck wollte eindeutig wissen, was James hier tat.
„Ich hab überlegt, ob ich reingesehen soll," erklärte James verlegen. „Aber - äh - ich schätze, das ist jetzt hinfällig…"
Sirius nahm einen langen Zug von der Zigarette. Dieses Mal gab es keine Hoffnung, die enttäuscht werden konnte, als er in einem zurückhaltendem, aber nicht anklagenden Ton fragte: „Was machst du hier?"
„Ich bin mir nicht sicher." James war, unerklärlicherweise nervös. Sirius entschied sich, auf mehr zu warten. „Ich schätze… ich meine - ich… Sirius, ich will, dass die Dinge wieder so sind, wie sie waren, aber… ich brauche… ich brauche einen Grund."
„Du meinst, dass du gekommen bist, damit ich bettele," antwortete Sirius bitter. „Das werde ich nicht tun. Ich hab bereits - du weißt, dass es mir leid tut. Du weißt, dass wenn ich es zurücknehmen könnte, ich es tun würde. Aber was passiert ist, ist passiert und du musst dir überlegen, was du jetzt tun willst."
James wurde wütend. „Also einfach so - ist… ist es dir egal."
„Das habe ich nicht gesagt…"
„Es stimmt aber, wenn du nicht mal bereit bist…"
„Zu was bereit bin? Zu betteln und flehen und mein Haar auszureißen?"
„Es zu reparieren!"
„Was genau zu reparieren?"
„Das hier! Die Rumtreiber! Uns alle!"
Sirius ließ seine nicht beendete Zigarette zu Boden fallen und stampfte sie mit seinem Fuß aus. „Es tut mir leid, Prongs. Okay? Es tut mir so verdammt leid, dass ich - dass ich Snape von Moony erzählt habe und es tut mir leid, dass du die Scheiße aufwischen musstest und mir tut alles andere leid, was passiert ist… oder hätte passieren können… es tut mir leid!" Er schritt nach vorne, aber James machte einen gegenwirkenden, verteidigenden Schritt zurück. Sirius schreckte wieder zurück. „Siehst du? Es ist dir komplett egal… es geht hier gar nicht mehr um mich oder was ich tun kann, oder?"
„Was soll das…?"
„Du willst mir nicht vergeben," sprach Sirius über ihn hinweg. „Du willst mich nur beschuldigen!"
„Natürlich will ich dich beschuldigen! Es ist deine verdammte Schuld!"
„Tja, was willst du dann von mir, Prongs?"
James zögerte; da war etwas, was er sagen wollte, aber tat es nicht. Stattdessen, leise: „Das war eine dumme Idee."
„Da hast du verdammt Recht."
Verärgert über Sirius' Tonfall fügte James hinzu: „Lily weiß nicht, worüber sie redet."
„Was meinst du?"
„Dich," spuckte James. „Du musst sie ziemlich gut um den Finger gewickelt haben um sie dazu zu bringen, dass sie zu mir kommt und sagt…"
„Oh, hau ab, ich hab ihr nicht gesagt, dass sie mit dir reden soll…"
„Warum würde sie sonst mich dazu bringen wollen, dir zu vergeben? Selbst nachdem…"
„Fuck, Prongs!" fluchte Sirius, die brodelnde Frustration in ihm fing an zu kochen. „Bist du wirklich so blind?"
Das verstand James komplett falsch. Er zuckte zusammen. „Du meinst… ihr zwei…?"
„Was? Nein - Merlin, nein, Prongs! Du bist ein Idiot! Denkst du wirklich, ich würde…?"
„Oh," spottete James, „soll ich denken, dass das unter deinem Niveau ist? Unter dem Niveau eines Möchtegern-Mörders, dessen Bruder ein Möchtegern-Todesser ist?"
Da konnte sich Sirius nicht mehr bremsen.
Er schritt nach vorn und warf seine Faust, James zurückwerfend und seine Brille zu Boden pfeffernd. James stolperte, aber blieb auf seinen Füßen. Er hielt seinen Atem an und hätte seine Zauberstab ziehen können, aber tat es nicht. Stattdessen waren beide Zauberer einen Moment später auf dem Boden, sich mit allem, was sie hatte, schlagend.
James bekam genau zwei gute Schläge auf Sirius' Nase hin, bevor letzterer es schaffte, ihn hinunter zu schieben, auf den Boden, wo Sirius einen Schlag unterbrachte, bevor er wieder auf den Steingassenboden getreten wurde.
In Büchern sind Kämpfe oft irgendwie eine glamouröse Sache - eine Ausdruck von Mut und Fähigkeit. In der Realität sind jedoch die meisten Kämpfe - zumindest die spontanen - bloß schmutzig und ungelenk. Oft sind die relativ unerfahrenen Teilnehmer nicht extrem begeistert über die Vorstellung, überhaupt zu kämpfen und tun dies bloß als letzten Ausweg oder aufgrund des Druck durch andere. Wie auch immer, die Auseinandersetzungen sind typischerweise kurz und ohne besonderes Können, da die zwei Teilnehmer bloß versuchen, den anderen wo auch immer zu schlagen.
Dieser war nicht anders, außer in einem Aspekt: Wut. Nicht die kurze Flamme, die aufgelodert und nach den ersten Schlägen niederbrennt, um mit Selbsterhaltung oder Angst ersetzt zu werden. Nein, diese war eine leise, langsam brennende Rage, die plötzlich und ohne Zurückhaltung freigelassen wurde.
Also, als Sirius es schaffte, auf seine Füße zu kommen, zog sich James nicht zurück und stand selbst auf, sondern packte stattdessen Sirius Fußgelenk und zog ihn wieder zu Boden. Sirius trat gegen sein Kinn, mehr Blut hervorbringend und dann fielen sie beide lange genug zurück um wackelig aufzustehen. Dann boxte James Sirius in den Bauch und Sirius schubste James gegen die Wand. Er schlug ihn ein paar Mal und dann traf James zwischen Sirius' Rippen, sodass Sirius sich vor Schmerz krümmte und James traf in ins Gesicht, bevor er sich bewegen konnte um sich zu bewegen.
Sirius stolperte zurück. James versuchte sein Gleichgewicht zu halten und Blut tropfte in seine Augen. Mit einem letzten Schwung Energie bewegte sich Sirius um James zu schlagen, aber Letzterer blockierte den Haken und obwohl er wieder gegen die Wand fiel, schaffte er es, Sirius auch zurückzuschieben. Dann griff er nach seinen Zauberstab.
Er richtete ihn auf Sirius, aber in dem Moment, in dem er aufsah, wurde James von der Spitze des Zauberstabs seines Gegners begrüßt.
Demoliert und blutig und schmutzig starrten sie sich einfach an. Mit dem Blut und dem Fehlen seiner Brille war James' Sicht nicht, was sie sein sollte, aber er sah Sirius in die Augen, die vor Wut brannten.
Für einen langen Moment bewegte sich keiner von ihnen.
Dann ließ James seinen Zauberstab fallen. Sirius blieb stur stehen.
James sank zu Boden, nach seiner Brille tastend und sie, nachdem er sie gefunden hatte, anziehend. Er rieb sich müde die Stirn, während Sirius ihn weiterhin anstarrte, verwirrt und nicht wirklich besänftigt.
„Wie sind die Dinge so verdammt kaputt gegangen?" fragte James mit heiserer Stimme. In seinem Haar war Blut. „Du und ich und die Rumtreiber und alles - wie ist all das passiert?"
Langsam ließ Sirius den Zauberstab sinken. „Ich weiß nicht," gab er weich zu.
„Ich bin müde," sagte James. „Es ist anstrengend."
Sirius ließ sich ebenfalls auf den Boden fallen; seine Arme auf seinen Knien aufgestützt, als er sich nach vorne fallen ließ. „Das ist es," stimmte er nickend zu. „Ich weiß nicht, wie das hier funktioniert."
James war für eine längere Zeit still. Schließlich begann er in einer rauen, weit entfernten Stimme, „Remus denkt, dass wenn jemand ihm für das, was er ist vergeben kann, kann er ihm für alles andere vergeben." Sirius sagte nicht. „Peter denkt, dass es nur ein dummer Fehler war." Noch eine Pause. „Lily… Lily denkt einfach, dass es das richtige ist…" Mit einem letzten, flehenden Atemzug: „Aber das reicht mir nicht; ich brauche etwas anderes… ich brauche einen Grund."
Sirius nickte. Er dachte, er verstand es jetzt. „Ich habe keine Grund. Es ist keine Vergebung, wenn da ein Grund ist."
„Tja, das ist nicht gut genug!" fuhr James ihn an. „Wo zur Hölle warst du? Mein Dad tritt zurück und er und meine Mum sind immer weg und all das passiert…" James' Hände verloren sich wieder in seinem Haar; es wurde jetzt lang, sein Haar, und seine Finger verschwanden jetzt fast ganz in den schwarzen Locken. „Du hättest - hättest für solche Dinge da sein sollen! Nichts davon hätte so passieren sollen!"
„Aber das ist es!" unterbrach Sirius. „Es ist passiert und ich kann es nicht rückgängig machen - ich würde es tun, wenn ich es könnte, aber ich kann es nicht und ich weiß nicht, was du von mir willst!"
„Ich weiß es nicht! Aber ich hatte gehofft, dass du es wüsstest!"
„Wie man das reparieren kann?"
„Ja!"
„Tja, ich hab keine verdammte Ahnung!" Sie schrieen beide wieder fast, aber dieses Mal wurden beide Jungs wieder leise und die Spannung ließ etwas nach. Sirius sprach zuerst.
„Dein Dad tritt zurück?"
James nickte und sah weg. „Er hat es mir und Mum vor einer Stunde gesagt."
Mehr Stille. Dann - „Hör zu, James," begann Sirius, „die Wahrheit ist, dass es nur einen Grund gibt und du weißt es." (Er wusste es.) „Weil es mir leid tut."
James hatte gegen Hoffnung gehofft, dass Sirius etwas anderes zu sagen hatte, aber erkannte jetzt, dass er auch die ganze Zeit gewusst hatte, dass es unmöglich war.
„Das ist nicht genug," murmelte er. „Es tut mir leid. Es ist bloß - ich kann es einfach nicht."
Sirius' Gesicht war bleich; all die Wut war verblasst. Er sah bloß traurig aus und er nickte. James drückte sich auf seine Füße und hielt dann seine Hand aus, Sirius auch hochziehend. Sie starrten sich für einen Moment an.
„Es tut mir leid, dass ich dich geschlagen habe," sagte James.
„Mir auch."
Dann drehte sich James mit einem kurzen Nicken um. Er öffnete den Bogen zur Winkelgasse und bewegte sich schnell hindurch, die Backsteine schlossen sich hinter ihm.
In Momenten der Verzweiflung können menschliche Wesen nicht auf ihrer Höhe sein.
Lily hasste sich selbst und sie hatte Angst, aber sie war auch verzweifelt und sie musste es tun - sie musste es versuchen.
Also klopfte sie an Petunias Schlafzimmertür und die Stimme ihrer Schwester antwortete abgelenkt: „Komm rein."
Lily ging hinein. Es war fast zehn Uhr und ihre Mutter war ins Bett gegangen, aber Petunia hatte offenbar vor, noch eine Weile wach zu bleiben. Hochzeitseinladungen bedeckten ihr Bett und die baldige Braut schaute sie durch. Lily schätze, dass es späte Antworten waren.
Petunia warf bloß einen Blick auf ihre Schwester, als sie in das Zimmer kam, bevor sie ihre Aufmerksamkeit schnell wieder zurück auf eine Einladung in ihrer Hand richtete.
„Was willst du?"
Wenn sie länger geschaut hätte, hätte Petunia die Tränen in den Augen des jüngeren Mädchen entdeckt.
„Tuney, bitte," flehte Lily und dass sie geweint hatte, war in ihrer Stimme offensichtlich, so sehr, dass Petunia überrascht wieder aufsah. „Bitte tu das nicht." Sie setzte sich auf die untere Ecke des Betts. „Bitte."
Lily hasste sich dafür, dass sie fragte, dass sie das sagte, dass sie diese Forderung stellte, wenn sie wusste, dass es falsch war, aber was konnte sie sonst tun? Tränen begannen wieder zu fallen und sie flehte: „Heirate ihn nicht."
Und Petunias Gesichtsausdruck, der fast weicher geworden war, wurde sofort wieder hart und kalt. „Lily, du blamierst dich."
„Das ist mir egal!"
„Es ist peinlich, dir zu zuhören."
„Tuney, ich wollte dich nie zurücklassen!" fuhr Lily rasch fort, „es tut mir leid! Aber du bist meine Schwester und ich liebe dich und ich will nicht, dass du - ich muss dir das sagen, weil, wenn ich es nicht tue, wirst du… werden wir nie wieder eine echte Chance haben, Schwestern zu sein… Freunde, wie wir es mal waren…"
„Lily, hör auf…"
„Nein, ich werde nicht aufhören!" Tränen kamen schneller. „Ich konnte dich nie ausstehen, weil ich immer dachte, dass du mich und was ich bin nicht ausstehen kannst, aber es ist noch Zeit, die Dinge zwischen uns zu reparieren! Es gibt noch eine Chance! Es… es tut mir leid, okay? Ich hätte dich nicht dazu drängen sollen, es Vernon zu sagen, a-a-aber ich hab es bloß getan, weil ich dachte, dass wenn du es ihm nicht sagst, du mich nie sehen würdest, nachdem du verheiratest bist. Und jetzt - es geht nicht darum, eine Brautjungfer zu sein. Mir ist das egal; ich will bloß…"
„Bloß was?"
„Ich will bloß - ich will bloß, dass es zwischen uns wieder okay ist!"
Petunia sagte nichts.
„Bitte," flehte Lily wieder einmal tränenreich.
Dann begann Petunia die Einladungen von dem Bett aufzusammeln. Sie ordnete sie in kleine ordentliche Stapel a sechs Stück und dann legte sie alle in einen, hohen Stapel zusammen, den sie auf ihren Nachttisch legte. Sie glättete ihre lavenderfarbene Damastdecke und dann, wie in der selben Bewegung, schob sie ihr bleiches Haar zurück. Sie sah nicht einmal zu Lily, sondern bewegte sich zu ihrem Schreibtisch, wo sie unnötigerweise ein paar der Gegenstände zurecht rückte - eine Porzellanstatue, eine Glasbox für Ohrringe, eine Flasche Parfüm…
„Petunia."
Aber es war, als ob Lily den Raum nie betreten hätte.
Petunia zog die Vorhänge zu.
„Petunia!"
Lily hatte aufgehört zu weinen, die Tränen hingen noch auf ihren geröteten Wangen; sie sah ihrer Schwester zu, die ihr makelloses Zimmer aufräumte. Petunia bewegte sich ohne zu pausieren, ohne Zögern oder Entscheiden; sie bewegte sich von Projekt zu Projekt - ihre nächtliche Routine. Es war entweder elegant oder roboterhaft.
„Tuney," würgte Lily ein letztes Mal heraus. Ihr Schwester hob einen Cardigan auf - das einzige freie Kleidungsstück im ganzen Schlafzimmer, über einen Schreibtischstuhl gehängt - und hing ihn in den Schrank. Lily stand auf und begann zur Tür zu gehen. Petunia glättete den Bereich des Bettes, auf dem Lily gesessen hatte, als ob sie nie da gewesen wäre.
Das jüngere Mädchen ließ ihre Schwester zurück, die sich um eine Vase Blumen auf der Fensterbank kümmerte.
(Samstag)
Am Samstag gab es keine neue Forderungen. Es schien einen universellen Seufzer der Erleichterung zu geben, selbst bei den Sprechern des magischen Radiosenders und die Hauptseite des Tagespropheten war vergleichsweise freudestrahlend. Der Morgen und der Abend verging still, ruhig; die Abendausgabe der Zeitung berichtete, dass das Ministerium für Magie einen vermuteten Todesser verhaftet hatte und der Rest der Geschichten drehten sich um die jetzt beendeten Forderungen und ihre Opfer. Wie auch immer, alle Geschichten trugen den selben, subtilen Unterton: keine neue Forderungen. Keine neuen Opfer.
Manchmal, wenn es keine echten Siege gab, mussten die Leute so tun.
Lily erwachte mit dem schrecklichen Gefühl, dass man hatte, wenn man sich in den Schlaf geweint hatte. Steif und schwer krabbelte sie zögerlich aus ihrem Bett und fand sich im Bad wieder, ohne dies wirklich vorgehabt zu haben. Sie spritzte sich kaltes Wasser in ihr salziges, dehydriertes, fleckiges Gesicht und lehnte sich über das Becken, ihr tropfendes Spiegelbild betrachtend.
Es war Samstag, erkannte sie. In einer Woche würde ihre Schwester verheiratet sein.
Marlene spülte ihr eigenes Mittagessensgeschirr. Sie hatte an diesem Morgen ausgeschlafen, also waren Mittagessen und Frühstück irgendwie vermischt, aber trotzdem war es zehn Minuten vor zwölf und das schien es zu Mittagessen zu machen, obwohl ihr Haar noch nass von der morgendlichen Dusche war und sie nur einen Bademantel und Laufshorts trug,
Als sie die banale Aufgabe beendet hatte, bewegte sich die Blondine aus der kleinen Küche durch das Wohnzimmer in ihr eigenes Schlafzimmer. Es gab genau zwei Schlafzimmer in der Wohnung der Prices - das ihrer Mutter und ihr eigenes und obwohl das Zimmer klein war, war Marlene zumindest froh, dass sie es ganz für sich alleine hatte. Als ihr deutlich älterer Bruder hier gelebt hatte, mussten sie es teilen.
Die Wände waren dunkelgrün, von Marlenes Poster und Fotos bedeckt - von denen sie manche bei Muggelbesuchern abnehmen musste, da sie sich auf die magische Art bewegten. Mary und Lily grinsten von ihrem Notizbrett auf sie hinunter und da war ein Foto von allen Mädels im Schlafsaal, in die Kamera winkend und Grimassen schneidend… das war vom vierten Jahr.
Und daneben waren ein paar zerfledderte Tickets von dem Konzert der Cleansweeps, auf das sie letzten Sommer gegangen war, da war das vertraute Foto von ihr und Adam, das mit ihrer Gryffindornadel an das Korkbrett geheftet war. Sie lachten über etwas und sahen beide so… jung aus. Und lächerlich. Sie waren Fünftklässler in dem Bild - Lily hatte es mit Adams Kamera gemacht, kurz nach dem Quidditchfinale. Adam war tropfend nass, weil das Gryffindorhaus es amüsant fand, den ganzen Abend Wasser auf alle Mannschaftsmitglieder zu gießen und Marlene hatte rote und goldene Streifen auf ihr Gesicht gemalt - jeweils einen an ihren Wannenknochen vorbei.
Es war, dachte Marlene, eins der wenigen Bilder von ihr, die sie mochte. Hatte vermutlich mit dem Kamerawinkel oder so zu tun…
Marlene sah das Foto fast eine ganze Minute gedankenverloren lang an. Dann ging sie rüber zu dem Tisch in der Zimmerecke, auf dem sie ihren Schallplattenspieler hatte. Sie musste heute nicht durch ihre Albums blättern, weil sie bereits wusste, was sie hören wollte. Sie legte die LP, die sie an Weihnachten bekommen hatte, auf den Spieler und begann das erste Lied.
Der vertraute, süße Riff begann und Marlene hätte vielleicht gelächelt, hätte sie nicht so sehr weinen wollen. Sich auf ihr Bett setzend nahm Marlene ein Kissen, das sie an ihre Brust packte, während die Stimme des Zauberers begann, die ersten Liedzeilen zu singen. Alle guten Lieder, dachte Marlene, handelten von Herzschmerz.
Alle guten Lieder, dachte James, handelten von Drogen.
Sie waren einfach ehrlich; unzeremoniös, aber passend sentimental und unglaublich gut seltsam. Die bloße Existenz des Lieds machte Täuschung unmöglich, da es bedeutete, dass wenigstens die Musiker kein Problem damit hatten zuzugeben, dass die Liedtexte von sozial verachteten Substanzen entsprungen waren. Das war irgendwie beruhigend.
„Woran denkst du?" fragte Mrs. Potter, die ihren Eistee in dem Stuhl trank, der James am Küchentisch am nächsten stand. Die Potters aßen normalerweise im Esszimmer zu Abend, aber da sie nur zu zweit waren, war die Küche passend genug.
„Drogen."
„James."
„Du hast gefragt."
Ihre Auge verdrehend kehrte Mrs. Potter zu der Zeitung zurück, die sie am lesen war. James grinste in der Zwischenzeit und lehnte sich auf den Küchentisch, mit seinem Löffel in der Suppe spielend.
Und während die braune Brühe auf das silberne Oval der Kuhle des Löffels spritzte, dabei das Metal trübend, als es unvermeidbarerweise wieder hinunter tropfte und Bewegung in den Rest der Flüssigkeit brachte, erlebte James eine überraschende Erkenntnis. Es war die Art von Gedankenblitz, die man hatte, nur um einen Moment später festzustellen, dass man das die ganze Zeit gewusst hatte und es nur nie richtig gefühlt hate: es intellektuell verstanden hatte ohne es emotional zu akzeptieren.
James erkannte nun, hier in der Küche mit seiner Suppe und Löffel und Brot mit Butter sitzend… jetzt und seit einiger Zeit, war er wirklich, wirklich, wirklich gelangweilt.
Nicht nur gelangweilt - lethargisch. Introvertiert. Uncharakteristisch uninteressiert, nicht leidenschaftlich…
Und gelangweilt.
Und für eine sehr lange Zeit, wie es ihm schien, hatte James nichts getan, um das zu beheben. Ehrlich gesagt war es ihm nicht wichtig genug gewesen um es zu versuchen.
„Er würde uns eine weitere Chance geben."
James' Atem stockte.
„Hey, ich bin auch für Armut bestimmt…"
Er ließ seinen Löffel fallen.
„Der Baum hat Sirius' Arm gebrochen."
„Es war eine leichte Verstauchung."
„Du hast geweint."
„Hab ich nicht!"
„Da waren Tränen."
„Es ist kein Weinen, wenn die Tränen das Auge nicht verlassen, Potter."
„Also gibst du zu, dass da Tränen waren?"
„Nein."
James versuchte den Löffel wieder aufzuheben, aber seine Finger schienen nicht zu funktionieren.
„Warum? Weil wir so berüchtigt werden, dass die Leute über uns so sehr reden werden und es unpraktisch wäre, nur unsere Namen aufzuzählen?"
„Genau."
Mrs. Potter sah von ihrer Zeitung auf, sie hatte anscheinend bemerkt, wie der Löffel in James Porzellanteller gefallen war.
„Du bist verdammt noch mal James Potter, Prongs, und ich wünschte, du würdest anfangen, dich auch so zu verhalten!"
„James, Schatz?" fragte seine Mutter.
„Jeder macht Fehler, James… Merlin weiß, dass du es hast…"
„James, was ist in dich gefahren?"
„Weißt du, Prongs, das war irgendwie heiß…"
„Nicht in der Stimmung, Sirius."
Mrs. Potter schüttelte seine Hand, was aus Versehen die Schüssel anstieß und ein paar Tropfen Suppe auf die weiße Tischdecke fallen ließ.
„Vielleicht werden wir erwachsen. Vielleicht ist das das, was sie immer Selbstbeherrschung nennen."
„Sei nicht doof."
„James, du machst mir Angst," tadelte Mrs. Potter.
„Prongs, wir sind schon immer Freunde. Wir sind schon Freunde, bevor einer von uns wusste, was ein Confundus-Fluch ist… schon seit der Zeit, in der wir noch so ahnungslos waren, dass wir tatsächlich wünschten, dass Hogwarts eine reine Jungenschule wäre. Wir haben einfach jede wichtige Lebenserfahrung gemeinsam gemacht…"
„Wenn jemand mir für das verzeihen kann, was ich bin… was ich getan habe um so zu werden… schätze ich, dass ich Sirius für seine Fehler vergeben kann."
„Ich sage, dass es nicht deine Schuld ist und dass du erkennen musst, dass Sirius einen blöden, schrecklichen Fehler gemacht hast, aber das nicht bedeutest, dass du eine schreckliche Person bist!"
„Sirius, du hast Familie. Du hast Andromeda, du hast mich, du hast…"
„Ihr seid gar nicht so schlecht, was Kumpels angeht, wisst ihr…"
„Es ist eins der Nachteile davon, ein menschliches Wesen zu sein. Du würdest das natürlich nicht wissen, Prongs…"
„Denk darüber nach, Prongs! Er wird darunter gehen, durch die Weide gehen, Moony sehen…"
„James, ich verstehe, dass du wütend bist, aber Sirius ist Familie…"
„…Sirius… er ist keiner von uns mehr… er ist raus…"
„Ich weiß auch, wie ich dich verletzen kann, Prongs."
„Du hättest - du hättest für solche Sachen hier sein sollen! Nichts hätte so passieren sollen!"
„Jeder andere ist zu ihm gegangen - warum kannst du das nicht?"
„Aber manchmal überraschen sie dich auch positiv…"
„James!" wiederholte seine Mutter lauter und James war irgendwie aus seinen Gedanken gerissen.
„Warte einen Moment, Mum," sagte er. „Ich habe einen Gedanken."
(Sonntag)
Am Sonntagmorgen saß Elisabeth, die Zweite - James' Eule - auf Lilys Fenster, mit einem Brief in ihren Klauen. Lily riss den Umschlag auf und was sie las, ließ sie lächeln.
Sonntag war etwas kühler. Die Sonne schien und es gab keine weiteren Forderungen von Lord Voldemort. In den kommenden Tagen würde die Reporterin Dorthea Grey den Namen für die letzte Woche münzen - die mit dem Tod von Phillip Stocke begann und mit Cary Young vom Propheten endete - und sie, vielleicht unoriginell, Die Woche der Forderungen nennen.
„Das ist das Schlimmste, was dieser Krieg hervorgebracht hat," behauptete sie und zu dieser Zeit, könnte sie Recht gehabt haben.
Viele Dinge waren in dieser Woche passiert. Es gab insgesamt sieben Opfer, fünf Botschaften des Dunklen Lord und die wenigen Reporter, die bis zu diesem Punkt weiterhin seinen Namen verwendet hatten, knickten nun ein und wechselten zu den beliebten Euphemismen. Es gab keine Zweifler mehr, die bestritten, dass überhaupt Krieg war oder zumindest wurde ihrer Perspektive kein Ohr mehr geschenkt.
Englands trockene Phase hielt an und in der Wetter-Abteilung des Ministeriums für Magie wurde über Streik gesprochen. Das Leben ging weiter und die, die sich an das Versprechen des Dunklen Lords von Vergeltung erinnerten, entschieden sich generell für das Beste zu hoffen. Zumindest für den Moment war die Woche der Forderungen zu Ende und im Vergleich wirkte das normale Leben ausgesprochen sicher.
Natürlich würden sie im November dieses Jahres alle schmerzhaft an diese Woche erinnert werden und an das, was in den Botschaften des Dunklen Lords versprochen wurde. Aber mehr davon später.
Die Winkelgasse schien mit dem Ende der Forderungen wie wiederbelebt. Es war bei weitem nicht so gefüllt wie früher einmal, aber die Leute bewegten sich locker am Sonntagmorgen durch die Geschäfte, sprachen mit zurückhaltender Höflichkeit und genossen das angenehmere Wetter. Sirius ging die kurze Entfernung von seiner Wohnung über der Apotheke zu dem Tropfenden Kessel und selbst er konnte gerade jetzt nicht komplett niedergeschlagen sein.
Er betrat den Pub durch die Hintertür, schnappte sich eine Schürze und band sie an der Hüfte, bevor er in den Hauptraum hinausschriet. Donna stand hinter der Bar und wartete mit einem Magazin in der Hand auf ihn und es waren fast ein Dutzend Gäste für das Frühstück anwesend.
„Du bist spät dran," sagte Donna trocken, nicht von ihrem Magazin aufsehend.
„Nur eine Minute."
„Zwei."
„Ist die Welt in meiner Abwesenheit untergegangen?"
Donna legte das Magazin ab und verdrehte ihre Augen. „Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen, Sirius Black. Du wärst klug, mich gerade jetzt nicht zu nerven."
„Geh heim, Shack," sagte Sirius.
„Mach ich," versprach sie und zog ihre Schürze aus. Jedoch zögerte Donna, bevor sie in das Hinterzimmer verschwand. „Dein Kumpel ist hier," sagte sie.
Sirius sah sich schnell um und tatsächlich war da James, an der Bar sitzend. Einen Moment lang erstarrte Sirius, dann rollte er kopfschüttelnd seine Ärmel hoch und schnappte sich einen Lappen um die Bar abzuwischen.
„Ich muss aufhören, Moony meine Schichten mitzuteilen," murmelte er, sodass James es hören konnte.
„Ich dachte, das wäre weniger seltsam, als an deiner Tür zu erscheinen," antwortete James.
„Nicht wirklich."
„Tja… sorry…"
Sirius legte das Tuch hin. „Du kannst mich hier nicht verhexen oder schlagen, Prongs. Ich arbeite. Also, wenn du nicht wirklich hier bist, um etwas zu bestellen…"
„Ich werde nicht sagen, dass es mir leid tut," unterbrach James. „Ich bin mir nicht mal sicher, dass das nicht ein riesen Fehler ist, aber - trotzdem…" Er schluckte. „Du bist mein bester Freund. Und… ich schätze, das ist genug."
Sirius starrte ihn nur an.
„W-was?"
„Muss ich es etwa wiederholen?"
„Ich denke darüber nach…"
„Es ist genug. Ich hab gesagt, dass es genug ist."
„Oh."
„Ja."
„Also - also sagst du…"
„Ja, das sage ich."
„Du sagst, dass du mir vergibst?"
„J-Ja."
„Hm." Sirius setzte sich auf seinen Hocker hinter der Bar und betrachtete James vorsichtig. „Du bist dir sicher?"
„Ja."
„Es… ist in der Vergangenheit?"
„Ja."
„Und ich bin…"
„Ja."
„Versprichst du es?"
„Was? Ja."
„Hm," sagte Sirius wieder und dann wurde er still. James wartete.
Er wartete noch ein bisschen und dann wurde ihm langweilig. „Hm? Hm-was? Bist du high, Padfoot?" wollte er ungeduldig wissen.
Nach einem Moment grinste Sirius. Er stand auf. „Nein. Nein, hab bloß nachgedacht."
„Bloß nachgedacht?"
„Jap."
„Und…" James hob seine Augenbrauen, „hast du irgendwas zu sagen, vielleicht?"
Sirius suchte herum und zog einen Moment später eine Flasche Butterbier hervor, die er vor einen verwirrten James stellte. „Ja," verkündete er. „Ich vergebe dir auch."
„Du - du vergibst mir auch?" wiederholte der andere, erstaunt.
„Jap."
James öffnete den Mund um etwas anderes zu fragen - wahrscheinlich was ihm anscheinend vergeben wurde - aber entschied sich nach einem Moment anders. Stattdessen nahm er das Butterbier, zog seinen Zauberstab heraus und zauberte den Deckel ab. Er nahm einen Schluck aus der Flasche.
„Du bist ein Idiot, Sirius Black," sagte er, als er die Flasche wieder abgestellt hatte.
„Hab dich auch vermisst, Kumpel."
James verdrehte seine Augen; Sirius grinste noch breiter. „Also," begann ersterer gegenwärtig, „du arbeitest in einem Pub…"
„Ziemlich cool, oder?"
„Warum haben wir da nicht früher dran gedacht?"
„Ich weiß - das Geld ist auch nicht schlecht. Kumpel, du hast eine neue Brille, die lenkt ab…"
„Die hält auch nicht richtig… verdammt nervig…"
„Ey, hab ich dir erzählt, dass ich überlegt hab, ein Motorrad zu kaufen…?"
„Du bist high, Padfoot. Wann genau sollst du mir das gesagt haben?"
„Punkt für dich. Aber konzentrier dich, Prongs - ein Motorrad…"
Liebe Besserwisserin,
Du gewinnst.
Prost,
Idiot
