Die letzten zwei Wochen gab es bei mir einen ER-Marathon. Und wenn ich nicht vor dem Fernseher saß, habe ich CORDANO-Fanfiction gelesen. Aber davon gibt es einfach zu wenige – also habe ich selbst eine geschrieben. Jedenfalls irgendwie.

Manchmal gibt es keine zweiten Chancen

Gedankenversunken und mit einem Hauch von Traurigkeit betrachtete Elizabeth die Fotos, die Blumen und die brennenden Kerzen vor dem Krankenhaus. Sie spürte den Schmerz in ihrem Inneren bei diesem Anblick. Sie konnte es immer noch nicht glauben. Er war tot.

Robert Romano war tot.

Und sie war wieder allein. Dabei hatte vor ein paar Wochen ihr Leben noch ganz anders ausgesehen. Vor ein paar Wochen, da hatte sie geglaubt, dass sie wieder glücklich werden könnte. Ihr Leben wieder mit einem Mann teilen würde. Das sie eine zweite Chance bekommen hatte. Das sie wieder einen Mann in ihr Leben lassen würde. Ihn. Robert.

Vor drei Monaten hatte er eines Abends einfach vor ihrer Tür gestanden. Es war ein Abend gewesen, an dem sie nur noch alles vergessen wollte. An dem sie alles was passiert war, vergessen wollte.

Elizabeth nahm eine geöffnete Flasche Wein aus dem Kühlschrank, bevor sie sich suchend nach einem sauberen Weinglas in ihrer Küche umsah. Aber da war kein sauberes Glas mehr.

Seufzend starrte sie auf das dreckige Geschirr, das sich im Waschbecken stapelte. Sie hatte heute keine Kraft mehr den Abwasch zu machen oder ihn in die Spülmaschine zu räumen. Die Arbeit im County und Ella forderten ihre ganze Kraft. Seitdem Robert nicht mehr operieren durfte, war die Arbeit noch mehr geworden. Viel mehr.

Vielleicht sollte sie den Wein einfach wieder in den Kühlschrank stellen und sich einen Tee kochen. Und dann eine heiße Dusche nehmen, bevor sie ins Bett ging.

Bevor sie jedoch weiter darüber nachdenken konnte, klopfte es an ihrer Tür.

Wahrscheinlich ein Nachbar, der sich etwas borgen wollte – Mehl oder so. Jedoch als sie die Tür öffnete, stand er draußen. Robert.

Robert", überrascht sah sie ihn an.

Hallo Lizzie."

Sie war überrascht ihn hier zu sehen. In Gedanken ging sie all die Gründe durch warum er hier sein könnte. Hatte sie vergessen ein Krankenblatt zu unterzeichnen? War eine ihrer Anweisungen wegen eines Patienten falsch gewesen und er wollte sie deswegen jetzt zur Rede stellen? Nach dem Tag, den sie gehabt hatte, war ihr alles egal.

Elizabeth hatte einer jungen Frau sagen müssen, dass ihr Mann es nicht geschafft hatte. Er war ein Vater gewesen, das Kind war in Ellas Alter. In dem Moment hatte Elizabeth an Mark denken müssen. An all die Momente in Ellas Leben, die er nicht mehr miterleben würde. Genau wie der junge Mann, der unter ihren Händen gestorben war.

Wenn sie ihre Augen schloss, dann konnte sie den Moment von damals vor ihrem inneren Auge sehen. Fragend hatte sie ihn angesehen gehabt. Und sie hatte ihn fragen wollen, was er hier machte, da war ihr Blick auf die Papiertüte in seiner Hand gefallen. Eiscreme. Es war dieselbe Sorte, die er ihr damals gekauft hatte. Nach der OP. Als sie mit Ella schwanger gewesen war.

Eigentlich hatte sie ihn damals wegschicken wollen, aber der Gedanke jetzt ein Eis zu essen war einfach zu verlockend gewesen. Und der Blick mit dem er sie ansah. Das stumme Gespräch, dass sie nur ihren Augen führten.

Elizabeth lächelte bei de Erinnerung daran. Dieser Moment damals, der hatte sich wie ein Anfang angefühlt. Er hatte sich so gut angefühlt. So richtig.

Elizabeth saß im Schneidersitz auf ihrem Sofa. In der Hand der Eisbecher und ein Löffel. Robert saß neben ihr auf dem Sofa.

Gut?" fragte er.

Ja, danke", Elizabeth lächelte ihn an. Sie hatte nicht gedacht wie dringend sie das gebraucht hatte. Das alles hier. Die Eiscreme. Die Gesellschaft. Einfach mal ein Moment der Stille.

Robert musterte sie. Sie sah müde aus. Fertig. Wie gerne würde er ihr etwas von der Last auf ihren Schultern abnehmen. Irgendetwas für sie tun. Mehr als ihr nur ein Eis kaufen. Er wusste das es nicht leicht war für sie – das Leben als alleinerziehende Mutter und Ärztin.

Und seitdem der Helikopter ihm einen Teil seines Lebens, die Fähigkeit zu operieren, genommen hatte, musste sie noch mehr arbeiten. Sie hatte noch weniger Zeit für ihre Tochter. Und für sich selbst.

Was hältst du davon, wenn du ein Bad nimmst und ich uns in der Zeit was koche", schlug er vor, als er hörte, wie ihr Magen knurrte. Vielleicht hätte er lieber eine Pizza mitbringen sollen, anstelle der Eiscreme.

Robert, ich-"

Lizzie", unterbrach er sie und griff mit seiner rechten Hand nach ihrer, „Nimm ein Bad. Entspann dich. Und wenn du fertig bist, wartet ein selbstgekochtes Essen auf dich."

Aber-"

Bitte Lizzie, ich . . . Lass mich das für dich tun", bat er sie leise, auch wenn er eigentlich andere Worte hatte sagen wollen. Auch wenn er eigentlich hatte sagen wollen, dass er für sie da sein wollte. Jetzt. Und auch später. Solange sie ihn ließ. Aber vielleicht war das jetzt nicht der Moment für diese Worte.

Nur kurz zögerte Elizabeth bevor sie nickte. Vielleicht war es an der Zeit Hilfe anzunehmen, wenn auch nur für heute Abend.

Und als sie eine halbe Stunde später wieder die Treppe hinunterkam glaubte sie für einen Moment im falschen Haus zu sein. Der Duft von frisch gekochtem Essen stieg ihr in die Nase. Das dreckige Geschirr aus dem Waschbecken war verschwunden und sie hörte das Geräusch der laufenden Spülmaschine. Robert hatte den Tisch in der Küche gedeckt und goss gerade etwas Wein in die Gläser.

Setz dich", sagte er, „Es gibt Lasagne a la Romano."

Ein Lächeln schlich sich auf ihre Lippen bei der Erinnerung daran. Der Abend hatte sich doch noch zum positiven gewandelt. Die Lasagne war großartig gewesen. Und auch das danach, dass angenehme Gespräch zweier Erwachsener. Auch etwas, dass Elizabeth so vermisst hatte. Als Robert an diesem Abend nach Hause gegangen war, hatte sie sich so gut wie seit langem nicht mehr gefühlt.

Und auch an den anderen Abenden als er vor ihrer Tür gestanden hatte. Als sie zusammen gekocht hatten. Als er ihr das Rezept für Lasagne a la Romano beigebracht hatte. Und nicht nur das.

Elizabeth konnte sich noch sehr gut an ihren ersten Kuss erinnern. An das Gefühl seiner Lippen auf ihren Lippen.

Elizabeth stand gerade am Herd, als Robert hinter sie trat. Er stand ganz dicht hinter ihr, so dass er sie fast berühren konnte.

Elizabeth spürte seinen warmen Atem im Nacken. Und dann spürte sie, wie seine Lippen ganz zart ihren Nacken berührten. Sie spürte, wie er sie küsste.

Und dann war da endlich seine Hand, die sich um ihre Taille legte und sie an ihn heranzog.

Elizabeth lehnte sich in seiner Umarmung zurück. Sie schloss die Augen und genoss einfach den Moment. Es war lange her, dass sie einem Mann so nah gewesen war.

Elizabeth drehte sich in seinen Armen um und sah ihn einen Moment lang an.

Zärtlich legte sie ihre Hand auf seine Wange. Elizabeth spürte die Bartstoppeln unter ihren Fingerspitzen.

Robert", flüsterte sie leise seinen Namen.

Und dann küsste er sie. Es war wunderschön, seine Lippen auf ihren zu spüren. Der Kuss wurde intensiver, ein wunderschönes Kribbeln erfüllte ihren ganzen Körper.

Atemlos trennten sie sich.

Wie in Trance hob Robert die Hand. Seine Finger gingen auf Erkundungstour über Elizabeths Brust, reizten dabei die empfindlichen Brustwarzen, die sich ihm durch den Stoff ihres Shirts hart entgegenreckten. Er presste seine Lippen fest auf die Haut an ihrem Hals und sog fest daran, dann hauchte er einen weichen Kuss auf die gerötete Stelle.

Elizabeth neigte den Kopf zur Seite um ihm mehr Raum zu geben. Die Erregung schwappte wie eine Welle durch ihren Körper. Es war lange her, dass ein Mann, dass er sie so berührt hatte. Und sie wollte ihn so sehr, dass ihr alles vor den Augen verschwamm und die Erregung fast die Luft zum Atmen nahm. Oh ja, sie wollte ihn genauso sehr, wie er sie wollte.

Komm mit", flüsterte sie und griff nach seiner Hand.

Elizabeth hatte damals keinen Moment gezögert, als sie ihn in ihr Schlafzimmer geführt hatte. Sie hatte es gewollt. Das alles. Jeden einzelnen Moment mit ihm. Jeden Kuss und jede Berührung. Und nur für einen kurzen Moment hatte sie sich schuldig gefühlt, weil es da plötzlich einen anderen Mann gab.

Für einen kurzen Moment spürte sie das schlechte Gewissen in sich aufsteigen. Das schlechte Gewissen, weil sie hier in ihrem Ehebett mit einem anderen Mann lag. Das schlechte Gewissen, weil sie es genoss. Weil sie diesen Moment mit einem anderen Mann, der nicht ihr verstorbener Ehemann war, genoss.

Aber dann, als sie ihn endlich zwischen ihren Beinen spürte, wie er in sie eindrang, waren alle Gedanken vergessen. Es gab kein richtig oder falsch. Es gab nur diesen Moment und diesen wunderbaren Mann. Es gab nur Robert und Elizabeth.

Elizabeth glaubte gleich zu schmelzen und ein wohliges, warmes Kribbeln durchströmte ihren Körper.

Das Gefühl wurde immer intensiver, bis sie glaubte innerlich zu verbrennen.

Und dann zog sie ihn mit sich über die Klippe. In dem Moment riss die Welle der Leidenschaft sie Beide mit.

Die ganze Nacht hatten Robert und Elizabeth kein Auge zugemacht. Sie hatten sich in den frühen Morgenstunden erneut geliebt. Ganz sanft und voller Leidenschaft. Sie hatten den Körper des Anderen erkundet. Jeden Zentimeter Haut berührt und geküsst.

Und in dem Moment hatten sie Beide gewusst, dass sich etwas zwischen ihnen Beiden verändert hatte.

Wobei, es war schon seit einer ganzen Weile irgendwie anders zwischen ihnen gewesen. Elizabeth war so glücklich, hier und jetzt mit ihm.

Elizabeth und Robert waren so glücklich gewesen in den Wochen die danach kamen. Das Leben das sie außerhalb des Krankenhauses geteilt hatten, es hatte sie glauben lassen, dass alles gut werden würde. Es hatte Elizabeth glauben lassen, dass sie endlich ihr Happy-End bekam.

Und dann war der Hubschrauber abgestürzt. Er war auf Robert gestürzt. Und hatte alle Chance auf bisschen Glück zerstört.

Unbewusst legte sie ihre Hand auf ihren Bauch. Eine Träne rann über ihre Wange und dann die nächste.

Dann kniete sie sich hin und legte die rote Rose, die sie in der Hand gehalten hatte, zu den anderen Blumen.

„Du wirst uns fehlen", flüsterte sie leise.

ENDE