Diese Geschichte wurde ursprünglich in englischer Sprache veröffentlicht und nach Rücksprache mit der Autorin von mir übersetzt, um sie einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Obwohl ich nur als Übersetzerin fungiere, sind Reviews natürlich trotzdem mehr als willkommen. Alexandra, die Autorin, schreibt unter dem Namen madame. alexandra und ist hauptsächlich hier auf fanfiction. net unterwegs.
Autorin: madame. alexandra
Originaltitel: Constellations
Sternbilder
Es war spät, so spät am Abend, dass Leia nicht mehr wusste, wie spät es genau war – auf den Chronometern von Hoth oder auf den Chronometern, die die galaktische Standardzeit anzeigten. Sie wusste nur, dass es kalt war und doch fühlte sie sich wohl damit – der Mond war aufgegangen und die Sterne atemberaubend, hell und strahlend, ohne Lichter einer Stadt, die ihnen Konkurrenz machen würden – dem Personal war es nicht erlaubt, nach Beginn der Nachtruhe noch draußen zu sein und darüber hinaus war es dem Personal wegen der Lawinengefahr und den drohenden Erfrierungen nicht erlaubt, sich alleine draußen aufzuhalten.
An manchen Abenden konnte sie allerdings nicht anders. Sie fühlte sich in der Eisbasis so gefangen und eingeengt und die natürliche Außenwelt – sogar an einem so leblosen Ort wie Hoth – zog sie an wie das Licht die Motte. Ihre Kultur war immer für die Erhaltung und Wertschätzung der Natur eingetreten und hin und wieder war es für sie einfach notwendig, draußen zu sein.
Sie stand direkt neben einem der schweren Tore, eingepackt in zwei Thermojacken, die Nase in einem Schal vergraben und den Kopf durch eine Fellkapuze geschützt, und starrte hinauf in den Himmel – die Formationen der Sterne in dieser Region waren ihr unbekannt und sie gab ihnen Namen, die ihr etwas bedeuteten – sodass sie sich, wenn sie nachts nach oben sah, daran erinnerte, wofür sie kämpfte –
Das kleine Sternbild mit den vier hell leuchtenden Sternen und dem kleineren, roten Stern – das ist Breha; es erinnert mich an sie, dachte sie, und das große – direkt neben Breha – das ist Bail –
Ihre Lippen bewegten sich lautlos, als sie ihre Gedanken ordnete, und sie schlang die Arme um sich selbst, während sie für einen Moment die Augen schloss – sie wurde durch das Zuschlagen der Metalltür neben ihr aufgeschreckt und verzog das Gesicht. Sie war sich sicher, dass, wer auch immer gerade Wachdienst hatte, kurz davor war, sie wieder hineinzubeordern –
„Hey."
Die Stimme klang vorsichtig und Leia drehte den Kopf und machte einen Schritt von der Eiswand weg, an die sie sich gerade noch gelehnt hatte –
Han stand da und sah sie wachsam an, in ungefähr genauso viel Kleidung eingepackt wie sie. Mit den Händen formte er vor dem Gesicht einen Trichter und blies warme Luft hinein, die er in Richtung seiner Augen und seiner Nase wedelte. Über seine Hände hinweg sah er sie an.
„Was machst du hier draußen?", fragte Leia leise – wenn sie ihn so etwas fragte, war sie normalerweise kühl und ihr Ton giftig und herausfordernd – aber heute Nacht fehlte dieses Element; sie wollte die friedliche Atmosphäre nicht stören und irgendwie haftete seinem Gesichtsausdruck etwas Seltsames an – und sein Tonfall war so – so besorgt –
„Ich habe Wachdienst", sagte Han schroff.
Leia lächelte schief.
„Du machst überhaupt keinen Wachdienst", erwiderte sie. „Du bist kein eingetragenes Mitglied."
Han zuckte die Achseln.
„Ich habe Lukes Schicht übernommen", entgegnete er.
„Oh?", murmelte Leia. „Und wo ist Luke?"
„Mit einer Frau zusammen", antwortete Han flapsig.
„Ah." Leia nickte, während ihr Gesicht leicht errötete.
Sie lehnte sich wieder gegen die Wand und hob den Blick zum Himmel.
„Hey, geht's dir gut?", fragte Han. Er verlagerte sein Gewicht. „Ich habe dich hier hinausgehen sehen, als ich meine erste Runde gedreht habe", erklärte er. Er hob die Hand und rieb sich durch die Fellkapuze den Nacken. „Und, äh, du bist jetzt schon…eine ganze Weile hier draußen."
„Acht Minuten", erwiderte Leia mit einem leichten Achselzucken.
„Bei dieser Kälte ist das eine ganze Weile", bemerkte Han trocken.
Leia nickte – da lag er nicht falsch. Sie blinzelte ein paar Mal.
„Es ist hübsch hier draußen", sagte sie und ihre Stimme wurde schwächer. „Ruhig."
Han sagte nichts. Er verlagerte sein Gewicht noch einmal und scharrte mit dem Fuß. Er entfernte sich ein paar Schritte von der Tür und lehnte sich wortlos neben ihr gegen die Wand aus Schnee. Er folgte ihrem Blick hinauf zu den Sternbildern und räusperte sich.
„Was denkst du, wie lange braucht das Imperium, um uns zu finden?", murmelte er vorsichtig.
Leia seufzte.
„Ich habe sie nie abschütteln können", antwortete sie vage.
Sie bewegte ihre Schultern – etwas an der kalten und lautlosen Nacht war schuld daran, dass sie sich entblößt fühlte, und sie hatte nicht das Bedürfnis, zu lügen oder sich selbst wie aus Stein erscheinen zu lassen. Sie hob die Hände und ahmte einen Würgegriff um ihren Hals nach. „Ich fühle mich immer…als wären sie bereits hier", wisperte sie, „als würden sie mich ersticken."
Einen Augenblick lang sagte Han nichts.
Dann –
„Schläfst du überhaupt jemals?", fragte er leise.
„Nein", erwiderte Leia geradeheraus.
Sie ließ die Hände sinken und schlang die Arme um sich selbst. Sie zitterte. Er hob die Hand und bürstete den Schnee von ihren Schultern; für einen Moment ließ er seine Hand dort ruhen, dann legte er den Arm um ihren Körper und umfasste leicht ihren Oberarm.
Sie protestierte nicht und rückte auch nicht von ihm ab; sie wandte ihm ein wenig den Kopf zu –
„Wer hält dann Wache?", fragte sie – wenn du mit mir hier draußen bist? – ergänzte sie in Gedanken nervös.
Der Schnee, die Nacht und die Leere des Planeten außerhalb der Wände der Basis gaben ihr das Gefühl, als ob Handlungen, Zeit und Emotionen nicht real waren, während sie hier draußen stand, alles Mögliche könnte passieren und wäre am Morgen ausgelöscht –
„Die Wache ist sinnlos", verkündete Han geradeheraus. „Wir sehen jeden, der sich uns nähert, aus einer Meile Entfernung."
„Die Wache dient dazu, sicherzustellen, dass keiner der Rekruten etwas von den rationierten Vorräten mitgehen lässt", murmelte Leia.
Han spannte sich ein wenig an.
„Wenn du deinen eigenen Leuten nicht trauen kannst, bist du in keiner guten Position", teilte er ihr entschieden mit.
„Han", erwiderte Leia sanft, „Aufstände bestehen nicht aus Heiligen."
„Du musst kein Heiliger sein, damit man dir vertrauen kann", gab er schroff zurück.
Leia war still. Gedankenverloren neigte sie den Kopf von einer auf die andere Seite – er hatte Recht. Han war selbst kein Heiliger – aber sie vertraute ihm, auch wenn er sie zur Weißglut brachte – sogar wenn er ihr auf die Nerven ging und sie verärgerte; weil sie besorgt war, dass, wenn sie auf seine Avancen mit mehr Flirtereien reagierte, sich alles bald in etwas verwandelte, dass nie so ernst sein könnte, wie sie sich das wünschte, weil er so –
Sie sah zu ihm auf und ihre Gedanken überschlugen sich –
Aber manchmal –
„Han", begann sie mit gedämpfter Stimme, von dem Ausdruck auf seinem Gesicht angezogen – dem himmlischen Gefühl, dass hier draußen nichts real war; die Zeit stand still, eingefroren in Schnee und Eis – konserviert, und alles, was diese Schneewehen und die eisigen Sterne beobachteten, war ein Geheimnis, das Phantom eines Geschehens.
Er blinzelte ein paar Mal und verzog das Gesicht, als ob man ihn bei etwas Verbotenem erwischt hätte – aber da war nichts Verbotenes, sie hatte ihn nur dabei erwischt, wie er sie anstarrte, so wie er sie immer anstarrte, wenn sie nicht hinsah, und es war so ein unbeschreiblicher Ausdruck von – es war einfach unbeschreiblich –
„Ich", flüsterte sie, „mag es wirklich sehr, wie du mich anschaust."
Sie gab es zu und er sah erschrocken aus, unvorbereitet. Er schluckte schwer und wandte sich ihr zu, sein Arm zog sie unbeabsichtigt näher an ihn heran, ein Resultat seiner Bewegung.
„Ich mag es, wie du aussiehst", sagte er heiser.
Er sah sie wortlos an und Leia fühlte, wie sich ihr Herz schmerzhaft zusammenzog und gegen ihre Rippen pochte wie etwas Wildes und Ungezähmtes – sie wollte, dass er sie küsste, aber sie hatte den absurden Gedanken, dass sie, wenn er es jetzt tat, vielleicht anfangen würde zu weinen, und welch eine schreckliche Bürde wäre das für ihn, wenn er gerade dachte, sie hätte alles im Griff –
Han schlang seinen anderen Arm ebenfalls um sie und trat nah an sie heran, dann beugte er sich herunter, um sie zu küssen – ihr Herz machte einen Satz und sie machte auch körperlich einen Satz, nicht aus Angst, aber aus Nervosität oder Vorfreude heraus und ihr Fuß traf auf die eine Stelle aus Eis, die sie die ganze Nacht gemieden hatte –
Sie versuchte, ihr Gleichgewicht zu halten, indem sie den Fuß zwischen seine stellte, aber er trat überrascht zur Seite und sie stolperte über ihre eigenen Füße und fiel auf den verschneiten Untergrund – von den Füßen gerissen, mit dem Steißbein auf dem Boden aufschlagend – und mit einem erschreckten Aufkeuchen vergrub sie ihr errötendes Gesicht in den Armen.
Als sie den Kopf wieder hob und unter ihren Armen hervorschaute, hockte Han mit einem kleinen Grinsen auf dem Gesicht vor ihr. Er reichte ihr die Hand und sie setzte sich mit brennenden Wangen auf und entschloss sich dazu, stattdessen alleine aufzustehen.
Sie sah ihn perplex an – was sollte sie jetzt tun, dort weitermachen, wo er aufgehört hatte? Aber – sie schüttelte den Kopf.
„Wenn du mich nicht küssen wolltest, hättest du mich auch einfach schlagen können", scherzte er trocken. „Du hättest nicht auf den Hintern fallen müssen."
Leia wurde wieder rot.
„Naja, ich", stammelte sie, „ich bin ausgerutscht."
„Das habe ich gesehen", sagte Han.
„Ich wollte dich nicht schlagen", versprach sie.
„Also", erwiderte Han gedehnt. Er hob die Augenbrauen und neigte den Kopf nachdenklich zur Seite. „Du wolltest mich küssen?"
Leia umfasste ihre Ellenbogen mit den Händen und sah weg, unsicher, was sie antworten sollte. Sie biss sich auf die Lippe und lächelte dann hilflos – während die Unsicherheit sich einschlich und sie dachte – zur Hölle, sie wusste nicht, was sie mit einem Kuss anfangen sollte; sie war eine zurückhaltende, aber keine schüchterne Person – für sie gab es entweder alles oder nichts und es würde nicht nur bei einem Kuss bleiben – obwohl es sich hier draußen anfühlte, als wäre die Zeit eingefroren – wenn sie sich den Kopf verdrehen ließ und ihn küsste, würde sie sich bald in seinen Laken wiederfinden, in seinen Armen, sie würde in ihm ertrinken, mit allem, was sie hatte –
„Vergiss es", erwiderte sie und die kalte Luft formte eine Wolke vor ihren Lippen, als sie ausatmete. „Der Moment ist vorbei", scherzte sie.
Han sah enttäuscht aus, aber auch amüsiert – und akzeptierend. Er schob die Hände in die Taschen und zuckte die Achseln.
„Hey, wenn du mich fragst, Prinzessin, dann habe ich dich von den Füßen gerissen", bemerkte er sanft.
Leia lachte, ein leises, besorgtes und zartes Geräusch. Sie zuckte die Achseln und nickte dann. Han zog die Hände aus den Taschen und verschränkte die Arme.
„Leia", sagte er leise, „was willst du von mir?"
Sie presste schmerzhaft die Zähne aufeinander und hielt ihm die Hände mit den Handflächen nach oben entgegen – aber sie sagte nichts, weil sie nicht wusste, was sie sagen sollte – konnte sie sagen, dass sie wünschte, sie wäre ihm auf Alderaan begegnet, als sie sechzehn war und es sie in den Fingern gejuckt hatte, aus dem Palast zu schleichen, wo es keine richtigen Männer gab, mit denen sie etwas anfangen konnte –
Sie kaute leicht auf ihrer Unterlippe –
Nein, das konnte sie nicht – ein Schmuggler, ein Einsiedler, dieser Mann, der ständig drohte, fortzugehen, der den einen Tag hier war und den anderen Tag wieder nicht. Ah, sie konnte ihm nicht sagen, dass sie ihn ansah und sich ein lebenslanges Märchen mit ihm wünschte – sie würde sich anhören wie ein kleines Mädchen und in Bezug auf das Große und Ganze, was sie in diesem Krieg, in dieser Revolution zu erreichen versuchte, würde sie selbstsüchtig und unkonzentriert klingen.
Die Pflicht band sie; die Verluste der vergangenen Jahre hatten sie hart werden lassen, eine Schale um sie herum entstehen lassen, die sie nicht aufbrechen konnte, sogar in diesem verlorenen, eingefrorenen Moment unter den Sternen von Hoth.
Während sie noch mit sich haderte, öffnete sie die Lippen –
„Nun", sprach sie sanft, „was willst du von mir?"
Sie gab die Frage an ihn zurück, eine Technik, die sie in Vollendung beherrschte, und doch biss Han nicht an, er war zu schlau dafür. Er schaute sie aufmerksam an, seine Lippen zuckten leicht, nachdenklich und überaus reizend.
„Ich habe dich zuerst gefragt, Prinzessin", scherzte er. Er lehnte sich näher an sie heran und rückte ihren Schal zurecht – er zog ihn dichter um ihre Haut, isolierte sie, während sein Blick ihrem kurz begegnete, warm und verlockend, und sie fühlte seinen Atem in ihrer Nase und auf ihrer Stirn, als er mit leiser Stimme sagte: „Lass es mich irgendwann wissen."
Ein unerwartetes Lächeln breitete sich auf Leias Gesicht aus, sie senkte ihre Augen ein wenig – ihre Wimpern berührten sich, und sie legte den Kopf zurück und lachte leise vor sich hin –
„Oh, irgendwann", zitierte sie ihn. „Irgendwann", flüsterte sie, „werde ich es dich wissen lassen."
Sie sprach halb zu sich selbst, ermahnte sich selbst, stark zu bleiben – sie konnte sich ihm noch nicht öffnen; sie konnte einfach nicht – sie war noch nicht so weit.
„Brauch nicht zu lange", murmelte Han behutsam und richtete sich auf – er blickte über die verschneiten Hänge, kalt und bedrohlich, ausgedehnt und unerforscht, und ging zurück zum Eingang der Basis, von wo aus er ihr einen fast unergründlichen Blick zuwarf. „Komm wieder rein, Leia", drängte er sie leise. „Deine Augen werden zufrieren."
Er verschwand; sie nahm an, um ihr einen Moment alleine zu gewähren – sie lachte immer noch leise in sich hinein, erfreut, dass er so harmlos mit ihr flirtete, darüber zerrissen, dass sie nicht dazu in der Lage war, auf die Art zu reagieren, wie sie es gerne getan hätte, wenn sie eine andere Frau gewesen wäre, vor dem Krieg, der Folter, der – der Verzweiflung –
Sie hob die Hand, um mit den Fingern über ihre Augen zu fahren und die kalten, stechenden Tränen abzuwischen – also hatte er sie bemerkt und er hatte Recht – wenn sie noch länger hier draußen blieb, würde die beißende Luft ihre Wimpern mit den Tränen in ihre Haut brennen und sie müsste nach innen stolpern, während sie nur auf ihr Gefühl vertraute, aber dieses Vertrauen war ein Luxus, den sie mit neunzehn verloren hatte.
Leia sah nach oben in den tintenschwarzen Himmel, auf die kristallenen Sterne und atmete tief ein; die kalte Luft brannte in ihrer Kehle und reinigte ihre Lungen – es stach, es schmerzte, aber es fühlte sich gut an, etwas zu fühlen. Sie fragte die Sternbilder, ob sie sie leiten könnten – in eine Zukunft, in der sie fähig war, etwas wie Liebe, Freude und Mädchenhaftigkeit zu erleben – irgendetwas anderes als Schmerz – ohne gleich in eine Mauer aus Schuld zu rennen, angesichts all der Seelen, die sie im Stich gelassen hatte – die Seelen von Alderaan, die all diese Dinge nie mehr erleben würden.
Sie fuhr mit der Zunge über ihre Lippen, biss die Zähne zusammen und bereitete sich darauf vor, wieder hineinzugehen – ihre Patrouille zu übernehmen, Wache zu halten, eine stoische Fußsoldatin zu sein. Sie würde sich einen kleinen Moment genehmigen, um das Gespräch mit Han noch einmal durchzugehen und sich vorzustellen, was sie in einer besseren Welt geantwortet haben könnte, als er gefragt hatte –
Leia, was willst du von mir?
Wenn sie auf Alderaan gewesen wäre und kein Krieg herrschen würde, hätte sie vielleicht gesagt –
Liebling, alles.
Sie erstickte fast an ihren eigenen zuckersüßen Gedanken – sie ging zurück hinein und schloss die schwere Tür zur Außenwelt hinter sich. Das ungezähmte Meer der Sterne war nun ausgesperrt, aber die Kälte blieb und ihr Augenblick der Zeitlosigkeit war vorüber.
