Das Spiel Slytherin gegen Ravenclaw war vor weniger als zehn Minuten abgepfiffen wurden, als Draco Malfoy, der Sucher der Mannschaft Slytherin, den Schnatz gefangen hatte. Die Menschenmassen strömten von den Tribünen des Quidditchfeldes wieder zurück in Richtung Schulgebäude. Ihre Mienen spiegelten gegensätzliche Gefühle wider: Zum einen waren da die Slytherins, die nun in Feierlaune waren, da sie das Spiel zweihundertdreißig zu hundertvierzig für sich gewinnen konnten – dem Hauspokal kamen sie somit wieder ein großes Stückchen näher –, auf der anderen Seite waren da die Ravenclaws. Gemeinsam mit den Schülern der beiden übrigen Häuser, Gryffindor und Hufflepuff, waren ihre Gesichter getrübt und frustriert. Die drei Häuser waren einer Meinung: Es war egal wer von ihnen gewann, solange Slytherin verlor.

Die sieben Quidditchspieler in den grünen Roben stolzierten den Weg zu den Umkleideräumen entlang, grölten und johlten vor Freude. An diesem Abend würde es ihnen zu Ehren eine große Siegesfeier im Gemeinschaftsraum geben. Doch vorher wollten sie sich eine erfrischende Dusche gönnen.

Vor den Umkleideräumen stand ein Mädchen, mit dunkelbraunem, fast schwarzem Haar. Sie ging nicht wie die anderen Zuschauer zurück zum Schluss, sondern schien auf jemanden zu warten. Das Abzeichen auf ihrem schwarzen Schulumhang zeigte die Schlange, die das Haus Slytherin symbolisierte; direkt daneben prangte das auf Hochglanz polierte Vertrauensschülerabzeichen. In ihren Händen hielt Pansy Parkinson einen Becher umklammert, gefüllt mit gekühltem Kürbissaft und einem winzigen Spritzer einer ganz besonderen Extrazutat. Lange hatte es gedauert, doch endlich hatte sie den Trank fertigbrauen können: Amortentia, auch bekannt als der mächtigste Liebestrank der Welt.

Obwohl den Schülern in Hogwarts das Brauen eines Liebestrankes untersagt wurde, hatte Pansy es geschafft ihn trotz ihrer dilettantischen Braukünste herzustellen. Gleich würde sie seine Wirkung testen. Ein schlechtes Gewissen hatte sie deswegen nicht. Sie war nicht der Typ für Gewissensbisse. Sie wollte ihrem Glück einfach nur ein klein wenig auf die Sprünge helfen.

Pansys Blick war auf den Sucher der Mannschaft fixiert. Er war seit der ersten Klasse ihr Schulkamerad, der bestaussehendste, begabteste und klügste Schüler Hogwarts, die Liebe ihres Lebens und der zukünftige Vater ihrer Kinder. Dass Draco Malfoy für sie bestimmt war, wusste sie seit ihrer ersten Begegnung. Nur er selbst schien sich seine Gefühle noch nicht eingestehen zu wollen.

Amortentia würde ihm schon noch die Augen öffnen und endlich die Wahrheit erkennen lassen.

Die Mannschaft kam nun bei den Umkleidekabinen an und als Pansy den Blick des Blonden einfing zeigte sie ein strahlendes Lächeln.

„Oh, Draco! Du hast großartig gespielt", flötete sie, während sie sich an seinen linken Arm klammerte und es dabei schaffte nicht einen winzigen Tropfen des Saftes zu verschütten. Die übrigen Mannschaftsmitglieder gingen ihren Weg weiter und verschwanden in die für sie vorgesehenen Räume, ohne Pansy zu beachteten. Ihre offen zur Schau gestellte Schwärmerei waren sie bereits gewohnt. Während Draco versuchte sie mit sanfter Gewalt abzuschütteln verstärkte sich ihr Klammergriff um seinen Arm nur umso mehr, sodass eine Teufelsschlinge wahrhaftig eifersüchtig werden konnte. Als er zu ihr hinabsah, blickte er in funkelnde grüne Augen, in denen er pure Entschlossenheit erkennen konnte.

„Es war so beeindruckend wie du den Schnatz gefangen hast", hauchte Pansy mit samtweicher Stimme. Sie klimperte mit ihren langen, geschwungenen Wimpern, warf ihm einen verführerischen Blick zu, doch das alles ließ den Sucher unbeeindruckt. Komplimente bekam er jeden Tag zu hören. Schmeicheleien zu erhalten gehörte schon beinahe zu seinem Tagesablauf.

„Wir können nachher im Gemeinschaftsraum über das Spiel reden", entgegnete Draco genervt, um von sich abzulenken, während er abermals versuchte ihrem festen Griff zu entkommen – ohne Erfolg. „Jetzt lass mich gefälligst los, Pansy!"

„Du bist ja ganz verschwitzt. Es ist ja auch so furchtbar warm heute. Fünfundzwanzig Grad – und das im März! Wer hätte das gedacht?" Nun hielt sie ihm den Becher unter die Nase. „Möchtest du vielleicht etwas trinken? Ich habe hier gekühlten Kürbissaft aus der Großen Halle. Die Erfrischung wird dir sicherlich gut tun."

„Vergiss es, Pansy!", murrte Draco, der ihr den Becher kurzerhand mit einer simplen Bewegung aus der Hand schlug. In hohem Bogen fiel er zu Boden und zerbarst in tausend Teile. „Wer weiß, was du da schon wieder hineingemischt hast. Noch einmal falle ich nicht darauf herein." Draco nutzte Pansys Überraschung aus und entzog sich ihrem besitzergreifenden Klammergriff. Mit schnellen Schritten verschwand er in der Umkleide und schlug die Tür zu, bevor sie ihm folgen konnte.

Pansy sah auf den zerbrochenen Becher sowie den ausgelaufenen Saft herab, der in dem Erdboden langsam versickerte. Wie gut, dass sie einen Vorrat angelegt hatte. Es zahlte sich bereits aus, mehrere Tränke gebraut zu haben und irgendwann würde sie schon den richtigen Moment finden und ihn Draco verabreichen können.

Amortentia war der erste Trank, den Pansy in Hogwarts jemals außerhalb des Unterrichts gebraut hatte. Schon damals in der ersten Klasse hatte sie Draco dazu bringen wollen sich in sie zu verlieben, doch rückblickend waren ihre damaligen Braukünste ziemlich stümperhaft gewesen, und der Trank hatte die gewünschte Wirkung nicht erreicht, sodass Draco den ganzen Tag über nur sehr gut gelaunt gewesen war. Draco hatte allerdings herausgefunden, was Pansys eigentlicher Plan gewesen war und somit war der Slytherin seitdem äußerst vorsichtig geworden.

Aber Pansy kannte inzwischen genügend Tricks, wie sie ihn dazu bringen konnte den Liebestrank einzunehmen. Noch würde sie sich nicht geschlagen geben. Die Liebe stellte sie anscheinend auf eine besonders harte Probe. Und Pansy war mehr als bereit diese Herausforderung anzunehmen.

• • • •

Wenig später war die Siegesfeier bereits in vollem Gange. Der Gemeinschaftsraum war geschmückt worden; mehrere Banner hingen an den Wänden, geziert mit den Abbildungen einer Schlange und Siegesparolen; eine lange Tafel war aufgestellt, überfüllt mit köstlichen Speisen und Getränken, aus der Küche von den Oberschülern stibitzt. Selbst einige Flaschen Alkohol hatte man beschaffen können.

Goyle kam gerade vom Buffet und ließ sich neben Crabbe und Draco auf einem der schwarzbezogenen Sofas am Kamin nieder. Auf seinem Schoß lag eine Schachtel Pralinen, verpackt in rosa Karton und mit einer knallroten Schleife auf dem Deckel. Als er diesen anhob betrachtete er zahlreiche, köstlich verzierte Pralinen umhüllt mit weißer, brauner und schwarzer Schokolade.

Bei dieser Auswahl konnte er sich gar nicht entscheiden, welche er zuerst essen sollte.

„Was hast du da, Greg?", fragte Draco, der das Präsent neugierig betrachtete.

„Schokopralinen." Goyle griff bereits nach der ersten. Die weiße Praline war mit dunklen Schokoladenstreifen verziert und eine halbierte Pistazie saß oben drauf. Er hielt sie sich dicht vor Augen, um sie ausgiebig von allen Seiten zu betrachten. Ihm lief schon das Wasser im Munde zusammen.

„Woher hast du die?", wollte Draco skeptisch wissen, da Pralinen nicht zum sonstigen Kalorienhaufen gehörten, die sein Mitschüler ständig in sich hineinstopfte. Dazu gehörten eher Chips, Törtchen und Würstchen. Nicht so etwas Extravagantes. Noch dazu konnte er sich nicht vorstellen, dass seine Mitschüler so etwas auf einer Siegesfeier servierten.

„Weiß nich", antwortete Goyle schulterzuckend Es schien ihn aber auch nicht wirklich zu interessieren. „War ein Geschenk."

„Wer soll dir denn Pralinen schenken?" Draco griff über Crabbe hinweg nach der Schachtel und riss sie ihm aus der Hand. „Gib die her, die sind sicher für mich!"

„Aber auf der Schachtel steht …" Goyle griff nach dem Deckel der Pralinenschachtel, die auf seinem Schoß lag, und las das Kärtchen, das daran befestigt war, laut vor: „… für den weltbesten Treiber."

Draco schnaubte nur und schnappte ihm auch die einzelne Praline aus der Hand, die er sich prompt in den Mund steckte. Goyle japste empört nach Luft, während Crabbe dazwischenrief: „Moment mal, ich bin auch Treiber!" und gierig auf die Pralinenschachtel in Dracos Händen stierte.

„Alter!" Goyle ballte die Hände zu Fäusten und ließ sie bedrohlich knacken, aber das ließ Draco genauso kalt, wie die vor Zorn zusammengekniffenen Augen, die ihn mit Blitzen zu durchbohren versuchten.

„Ich meine es doch nur gut, Greg", redete er sich schmatzend raus und steckte sich die zweite Praline in den Mund. „Sieh dich doch an. Du müsstest mir dankbar sein, dass ich dich von den Fettmachern fernhalte. Es ist ein Wunder, dass dein Besen dich überhaupt noch trägt. Hm, die schmecken aber gut."

Draco gönnte sich auch noch eine dritte Praline und ignorierte die gierigen Blicke seiner beiden sogenannten besten Freunde. Diese Köstlichkeiten waren wenn schon für den weltbesten Sucher vorgesehen. Wenn jemand ein Geschenk bekam, dann ja wohl er. Draco konnte sich nicht vorstellen, wer bei Merlins Bart wohl ausgerechnet Goyle – oder Crabbe – etwas schenken wollte. Aber von wem diese leckeren Süßigkeiten kamen war ihm ohnehin egal.

„Na, schmecken dir meine Pralinen?"

Pansy tauchte aus der Menge auf und stand plötzlich vor ihnen. Die ganze Zeit über hatte sie von ihrem Platz aus die drei Jungs beobachtet. Die Pralinen hatte sie auf den Buffettisch gelegt und mit Argusaugen darauf geachtet, dass sich sonst niemand daran vergriff. Sie waren eine Eigenkreation mit einem winzigen, vielleicht doch nicht ganz so unschuldigen Schuss Liebestrank. Zufrieden sah sie zu Draco und die Pralinenschachtel in seinen Händen. Ihr Plan hatte bestens funktioniert.

Dracos Gesichtszüge erstarrten. „Die sind von dir?", würgte er hervor. Seine Alarmglocken begannen heftig zu läuten. Wenn er die Praline nicht schon runtergeschluckt hätte, dann hätte er sie jetzt wohl wieder ausgespuckt und zwar seiner Mitschülerin direkt vor die Füße. Mit großen, vor Schock geweiteten Augen sah er das hinterlistige Mädchen an. In Gedanken suchte er schon nach einem passenden Fluch; einer grausamer als der andere.

Doch dann veränderte sich sein Blick. Er wurde weicher. Liebevoller.

„Sie schmecken hinreißend, Pancake", säuselte Draco plötzlich mit ungewohnt klingender Stimme. Der kalte, schneidende Ton war verschwunden, stattdessen klang er jetzt … freundlich? Crabbe und Goyle tauschten einen verwirrten Blick. „Du machst mir so ein schönes Geschenk", fuhr Draco fort und seufzte theatralisch. „Das habe ich doch gar nicht verdient."

„Ey", rief Goyle dazwischen. „Das waren meine Pralinen!" Er griff nach der Schachtel, doch ehe seine Finger sie erreichen konnten, bekam Pansy sie zu fassen. Schließlich wollte sie nicht riskieren, dass noch jemand anderes von ihrem kleinen Experiment naschte. Die Vorstellung von Goyle, der wie ein liebesbesessener Inferi auf sie losging, war schlichtweg grauenvoll.

„Waren sie nicht! Die waren für Draco", schimpfte Pansy, während sie das Kärtchen mit der Widmung in ihrer Hand zerknüllte und in den Kamin warf. Glücklicherweise herrschten in den Kerkern niedrige Temperaturen, sodass das Feuer trotz des milden Wetters außerhalb des Schlosses nach wie vor brannte. „Ist doch wohl logisch!" Dieser Plan war zwar riskant gewesen, aber letztendlich war es so gekommen, wie sie es geplant hatte. Ob Goyle oder Crabbe, wer von den beiden Flachpfeifen letztendlich die Pralinen nahm, war egal, denn sie wusste, Draco würde sie demjenigen nicht überlassen, immerhin war er ebenso gierig nach Süßigkeiten wie seine beiden Kumpanen, nur dass man ihm diese Vorliebe körperlich nicht ansah.

„Hmpf", machte Goyle. Er verschränkte die Arme vor der Brust und sah beleidigt zur Seite, wodurch er eher wie ein Kleinkind wirkte, als ein Zauberer, der Ende dieses Jahres noch volljährig wurde.

„Was ist los mit dir, Draco? Du benimmst dich irgendwie komisch", meinte Crabbe, dessen misstrauischer Blick zwischen ihm und den Pralinen in Pansys Händen hin und her ging.

Draco ignorierte ihn, hatte nur noch Augen für Pansy. Er stand vom Sofa auf und nahm ihre Hand in seine, streichelte mit der anderen zärtlich darüber. „Mir ist noch nie aufgefallen wie hübsch du bist", raunte er ihr zu. Pansy wurde schlagartig rot im Gesicht und kicherte verlegen hinter vorgehaltener Hand.

Allem Anschein nach war ihr Vorhaben diesmal erfolgreich.

Endlich!

Schließlich stand Crabbe auf und versuchte nach der Schachtel Pralinen zu greifen, aber Pansy hielt sie in die Höhe und somit aus seiner Reichweite. „Wag es nicht davon zu essen, du Fettklops!"

„Ich denk ja nicht dran!", knurrte Crabbe wütend. „Du hast da was reingemischt!"

„Blitzmerker!", zischte Pansy leise, während sie die Schachtel in den Kamin warf, um das Beweismaterial schnellstmöglich zu verbrennen. Sie sah sich kurz um. Nun wurden auch schon einige andere Slytherins hellhörig und widmeten dem Vertrauensschülerpärchen ihre Aufmerksamkeit. „Wehe, du verpfeifst mich, Vince!"

Während sich Pansy und Crabbe angifteten war Draco damit beschäftigt Pansys Hand zu streicheln. Wie in Trance strich er immer wieder darüber, als würde er mit seinen Fingern über das plüschig weiche Fell eines Kätzchens streichen, von dem man nicht die Finger lassen konnte, und schien alles andere um sich herum auszublenden.

„Wie lange wird dieser Trank anhalten?", fragte Goyle, der sich nun zu den Dreien dazugesellte.

„Ach …" Pansy wank betont locker ab. „Ich weiß nicht genau", flunkerte sie. „Vielleicht ein paar Stunden." Wenn sie Glück hatte, dann war beim Brauen irgendetwas schiefgelaufen und der Trank wirkte für immer …

Crabbe und Goyle tauschten einen angestrengten Blick und überlegten, was sie tun sollten. Als Dracos Freunde wäre es selbstredend ihre Aufgabe dies zu unterbinden und ihn aus Pansys Klauen zu befreien. Aber andererseits war es auch mal ganz angenehm ihn so zu sehen. Dieser Spaß ging diesmal nicht auf ihre Kosten. Außerdem war er nur auf Pansy fixiert und hatte somit keine Zeit sie runterzumachen. Das war doch mal eine nette Abwechslung.

„Wenn ihr die Klappe haltet", raunte sie ihnen zu, „dann gebe ich jedem von euch zwanzig Galleonen!"

Crabbe und Goyle dachten über das Angebot nach. Waren das zwanzig Galleonen wert? Draco würde sicher ziemlich wütend werden, wenn er erfuhr, dass sie zwar Bescheid gewusst, aber nichts unternommen hatten, um ihm zu helfen. Andererseits waren zwanzig Galleonen eine Menge Gold. Davon konnte man sich viele Törtchen kaufen.

Als sich die beiden immer noch nicht von ihrem Angebot verzücken ließen, fügte Pansy ungeduldig hinzu: „Und ihr dürft meinen Hintern betatschen!" Ein unwiderstehliches – und einmaliges – Angebot.

„Abgemacht", sagten beide wie aus einem Mund.

Sie streckten schon vorfreudig ihre Hände aus, als Pansy sich augenrollend von ihnen abwandte. „Später, versteht sich!" Sie hatte nicht vor, diese Abmachung einzuhalten.

Sie zog Draco am Arm mit zum Ausgang des Gemeinschaftsraumes. Eben gerade hatte sie Notts argwöhnische Augen auf sich gerichtet gesehen. Der würde sich im Gegensatz zu den beiden Trollen nicht so einfach bestechen lassen und Pansys Plan schneller durchkreuzen, als Snape den Gryffindors Punkte abzog.

„Komm, Draco." Sie öffnete die Tür und schubste Draco hindurch, folgte ihm und schloss den Eingang wieder, sah davor noch wie ihr Nott misstrauisch hinterher blickte. „Wir gehen jetzt zum Abendessen."

„Was immer du willst, Pancake."

• • • •

Es war einfach herrlich. Pansy schwebte im siebten Himmel. Gemeinsam gingen sie Hand in Hand durch die Kerker, die nun ein wenig heller, ein wenig wärmer wirkten, als zuvor. Den Schülern, die ihnen dabei begegneten, und ihnen irritierte Blicke zuwarfen, schenkte sie ein stolzes und selbstbewusstes Lächeln. Wir oft hatte sie schon davon geträumt mit Draco händchenhaltend durchs Schloss zu laufen, sodass jeder Zeuge ihrer unbestreitbaren Liebe werden konnte? Seine Hand war so schön warm und passte perfekt in ihre. Seine Finger waren einerseits weich und zärtlich, aber andererseits schlossen sie sich besitzergreifend und beschützend um ihre.

Der Weg in die Große Halle erschien ihr viel zu kurz. Fast alle Slytherins befanden sich im Gemeinschaftsraum und aßen innerhalb ihrer Siegesfeier, statt am Abendessen in der Großen Halle teilzunehmen, sodass der Slytherin-Tisch bis auf ein paar vereinzelte Schüler, die dem wilden Trubel entgehen wollten, komplett leer war.

Bei Draco nun im Arm eingehakt stolzierte sie geradezu an den anderen Haustischen vorbei. Pansy fühlte sich wie ein hinreißendes Model auf einer dekadenten Modenshow, da ihr jeder Anwesende seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkte – was wohl eher daran lag, dass sie Draco beobachteten und hinter vorgehaltenen Händen über ihn und sein absonderliches Benehmen tuschelten. Das Tuscheln nahm zu, als er anfing sie nachdem der Nachttisch den Hauptgang ablöste füttern zu wollen.

„Noch etwas Götterspeise für meine Göttin?"

Pansy kicherte. „Du Schmeichler." Dabei tat sie nur verlegen, denn dieses Kompliment ging runter wie Öl und sie hoffte, dass es jeder in dieser Halle gehört hatte. Draco hielt ihr den kleinen Löffel mit dem wackelnden Nachtisch vor das Gesicht und sie öffnete schnell den Mund, damit er auch sein Ziel erreichte, statt Bekanntschaft mit dem Tisch zu machen. Er lächelte und sie lächelte zurück, während sie zufrieden kaute, ohne den Blickkontakt zu brechen. Wer hätte gedacht, dass Wackelpudding so gut schmecken könnte? Blitzschnell hielt er ihr den zweiten Löffel entgegen.

Draco war so liebevoll und aufmerksam. Sie wusste doch, dass hinter seiner harten Schale ein weicher Kern steckte. Es war herzzerreißend wie fürsorglich er sich um sie kümmerte und auch der glasige, leicht abwesende Blick störte sie nicht im Geringsten. Pansy seufzte. So könnte es jeden Tag sein.

Doch dann fing sie plötzlich den Blick von Professor Snape auf. Zwei schwarze Augen bohrten sich in ihre und es schien, als würde die Temperatur im Raum um einige Grade sinken. Sein Blick glich beinahe dem von Nott, nur dass ihr Hauslehrer dabei viel einschüchternder wirkte, als der fünfzehnjährige Slytherin. Ihm fiel das absonderliche Verhalten seines Lieblingsschülers natürlich ebenfalls auf, nur dass er im Gegensatz zu den anderen Schülern nicht einfach nur zuschauen würde. Nein, Snape würde Fragen stellen. Und ganz sicher auch etwas unternehmen. Wenn einer in der Lage war, einen Liebeszauber zu erkennen, dann ganz sicher der Professor für Zaubertränke.

Pansy schluckte ertappt, wandte sich wieder zu Draco, wobei sie prompt einen weiteren Löffel mit Wackelpudding ins Gesicht bekam, der dadurch herunterfiel und in ihrem Schoß landete.

„Verzeihung!" So schnell wie seine Hand mit der Servierte plötzlich zwischen ihre Beine gelangte konnte sie noch nicht einmal blinzeln. Diese simple Berührung sowie das Wissen, wo Dracos Finger gerade herumfummelten, um sie von dem klebrigen Nachtisch zu befreien, ließ sie erröten. Und diesmal war es nicht gespielt. „Moment. Ich hab's gleich, Pancake."

Lass dir Zeit, schoss es ihr durch den Kopf, alle Gedanken an Professor Snape vergessend.

Doch nur wenige Sekunden später hielt er ihr stolz die matschigen Überreste des Wackelpuddings unter die Nase, um ihr zu demonstrieren, dass es ihm gelungen war das Unheil zu beseitigen. Dass ihr Rock allerdings ruiniert war und sie sich schnellstmöglich umziehen sollte ignorierte sie. Draco wollte ihr den Wackelpudding ebenfalls in den Mund stecken, doch sie schüttelte mit gerümpfter Nase verneinend den Kopf und er ließ die Reste auf einen der Teller fallen. Pansy reichte ihm eine frische Serviette, damit er sich die Hände säubern konnte, wofür er sich dankbarer zeigte als Cornelius Fudge bei seiner Wiederwahl.

„Ich verlange eine Erklärung!"

Die unheilverkündende, gänzlich in Schwarz gehüllte Gestalt von Professor Snape baute sich bedrohlich vor ihnen auf und Pansy wusste nicht, ob es daran lag, dass sie saßen und er stand, aber er wirkte in diesem Moment noch größer, noch furchteinflößender, als sonst. Snape war definitiv der einschüchterndste Mensch, den sie kannte.

Doch wenn Pansy eins konnte, dann war es lügen ohne rot zu werden. „Ich verstehe nicht, was Sie meinen, Professor." In Gedanken schlug sie sich selbst lobend auf die Schulter, ob ihres unschuldig und ihrerseits sehr glaubhaft klingenden Tonfalls. „Es gab nur einen kleinen Unfall mit dem, äh, Wackelpudding."

Snapes Augenbrauen zogen sich so weit zusammen, dass sie eine schmale Linie bildeten, ebenso wie sein Mund. Diesmal sprach er das Objekt seiner Besorgnis direkt an, da er bei Pansy anscheinend nicht weiterkam. „Ist alles in Ordnung mit Ihnen, Mister Malfoy?"

Ohne ihn auch nur eines Blickes zu würdigen, antworte Draco mit einem Lächeln, das beinahe von einem bis zum anderen Ohr reichte: „Es geht mir hervorragend, Professor. Um ehrlich zu sein bin ich so glücklich wie noch nie", fuhr Draco fort. Er legte seinen Arm um Pansys Schultern und drückte ihr einen Kuss auf die Wange.

Snapes Gesicht verlor ein wenig an Farbe, was ihn leicht kränklich aussehen ließ. Er fühlte sich äußerst unwohl in seiner Haut und versuchte das Verhalten seines Lieblingsschülers zu analysieren. Nicht nur sein Bauchgefühl, sondern auch die Logik (Draco verhielt sich nie so!) teilten ihm mit, dass hier etwas faul war. Fauler als faul. Etwas ging nicht mit rechten Dingen zu und er vermutete, dass der Strippenzieher direkt vor seiner Nase saß und ihn gerade aus gespielt unschuldigen großen grünen Augen ansah.

Andererseits …

Draco war ein Teenager. Und Teenager taten für gewöhnlich unlogische Dinge. Er selbst war selbstverständlich stets die Ausnahme gewesen und hatte sich während seiner jungen Jahre niemals solche Blöße gegeben. Snape war auch bewusst, dass Hormone ebenfalls die Ursache von solcherlei Verhalten sein konnten. Tag ein Tag aus sah er es auf dem Pausenhof, in den Gängen, oder aber, bei besonders viel Pech, in den Besenkammern und den leeren Klassenräumen. Es schüttelte ihn innerlich bei dem Gedanken daran, wobei er während mancher nächtlichen Kontrollgänge Zeuge geworden war.

„Ist sie nicht hinreißend?", säuselte Draco, der seine Sitznachbarin so verliebt ansah, dass Snape beinahe sein eigenes Abendessen wieder hochkam.

„Ähm …" Snape schloss für einen Moment die Augen, um sich wieder zu sammeln, was fast alle Selbstbeherrschung benötigte, die er besaß. „Ja, ganz … entzückend."

Jedoch würde er nicht gehen ohne eine Warnung. Snape stemmte seine Hände auf den Tisch und beugte sich über die zahlreichen Schüsseln an Nachtisch. „Wenn ich in Erfahrung bringen sollte, dass Sie für Mister Malfoys fragwürdiges Verhalten verantwortlich sind", zischte er Pansy bedrohlich zu, die bei jedem seiner Worte zu schrumpfen schien, „dann erhalten Sie mehr als nur Punktabzug oder Strafarbeiten. Haben Sie das verstanden, Miss Parkinson?"

Draco knallte die flache Hand auf den Tisch, womit er nicht nur alle Schüsseln zum Klirren, sondern auch Snape zum Zusammenzucken brachte. „Es ist vollkommen inakzeptabel, dass Sie so mit meiner Freundin sprechen! Noch ein weiteres Wort und ich lasse Sie ihres Postens entheben. Sie wissen, dass ich das kann. Ein Brief an meinen Vater genügt", drohte Draco finster.

Er und Snape besaßen nun die Aufmerksamkeit der kompletten Großen Halle. Jetzt wirkte Pansys Schwarm wieder vielmehr wie er selbst: arrogant, kompromisslos und einschüchternd. Und irgendwie gefährlich. In ihrer unteren Magengegend fing es leicht an zu kribbeln. Eine Anspannung hing in der Luft, die sie den Atem anhalten ließ. Draco verteidigte sie, kämpfte wie der Ritter im Märchen gegen den furchterregenden Drachen, der die hübsche Prinzessin fressen wollte.

Ihr Ritter hielt ihr mit emporgerecktem Kinn die offene Hand entgegen. „Komm, Pancake. Wir gehen." Sie nahm seine Hand und sie verließen gemeinsam die Große Halle, ohne sich noch einmal umzudrehen.

Snape starrte ihnen mit offenem Mund hinterher. Sprachlos.

• • • •

Als Draco durch die geheime Tür in der Steinwand trat, die den Zugang zum slytherin'schen Gemeinschaftsraum verbarg, beschwerte er sich immer noch darüber, wie Snape es nur wagen konnte, seiner liebreizenden Freundin zu drohen. In Gedanken machte sich Pansy eine Notiz schleunigst mehr von dem Liebestrank zu brauen sobald ihr Vorrat aufgebraucht war. Sollte Draco jemals wieder bei klarem Verstand sein und zu Ohren bekommen, wie er ihretwegen mit seinem Professor, seinem Vorbild gesprochen hatte, und die eventuell daraus resultierenden Konsequenzen fürchten musste, würde er ihr das niemals verzeihen.

Die Siegesfeier war inzwischen in die nächste Runde übergegangen. Der Büffettisch war verschwunden, stattdessen hatte jemand ein magisches Radio aufgestellt, durch das fetzige Musik drang, die einige Slytherins zum Tanzen animierte. Zahlreiche leere Butterbierflaschen und lautes Lachen deuteten auch schon auf die ersten Hinweise von Angetrunkenheit hin. Der ein oder andere würde sich am nächsten Morgen vermutlich im Krankenflügel einfinden, um Madam Pomfrey um einem Heiltrank gegen Kopfschmerzen zu bitten.

Das Auftauchen des händchenhaltenden Vertrauensschülerpärchens erntete erneut seltsame Blicke.

„Was ist nur mit ihm los?"

„Wie hat die das denn geschafft?

„Liebeszauber. Jede Wette."

„Draco-Schätzchen?" Pansy schmiegte sich an ihren Liebsten und strich ihm mit den Fingerspitzen zärtlich über die Brust. „Was hältst du davon, wenn wir, uhm, irgendwo hingehen, wo wir, naja … mehr unter uns sind?" Ihre Wimpern klimperten verführerisch, um ihr Vorhaben zu verdeutlichen. Der Wunsch mit ihm ungestört zu sein wurde von dem Drang begleitet den aufdringlichen Blicken zu entfliehen, und zu verhindern, dass sich jemand in ihr Vorhaben eimischte und den Liebeszauber womöglich sogar aufhob. Dafür gab es soweit sie wusste einen Zauberspruch, aber sie hoffte, dass ihn keiner ihrer Mitschüler beherrschte. Wenn sie könnte, würde sie ein magisches Tabu dafür aussprechen.

Draco hob ihre Hand und küsste ihre Fingerknöchel. „Alles was du willst, Pancake. Wo möchtest du hin?"

Pansy dachte nach. Wo war der beste Ort um ungestört zu knutschen? Sie würde sich mit Sicherheit nicht in eine verstaubte Besenkammer quetschen oder Gefahr laufen in einem verlassenen Klassenzimmer von Peeves erwischt und ausgelacht zu werden. Draußen war es mittlerweile viel zu dunkel und wenn sie ehrlich war hatte sie auch keine Lust zu einem der Gewächshäuser (Iiiih, giftige Tentakelpflanzen!) oder zur Eulerei (Iiiih, widerlicher Eulenkot!) zu laufen. Der Astronomieturm sowie das Bootshaus waren ebenfalls viel zu weit weg. Noch dazu war es dort abends sicherlich kalt. Brrr …

Entschlossen verstärkte sich ihr Griff um seine Hand. Vorfreudig zog sie ihn mit in Richtung der Schlafsäle. Auf dem Weg dorthin schritt sie stolz und siegessicher, das Kinn auf die gleiche Art und Weise emporgereckt, wie Draco es gerne tat, an Astoria Greengrass vorbei. Ihr Blick war unbezahlbar. Jetzt hatte Pansy es dieser dämlichen Drittklässlerin aber gezeigt, die es wagte ihren Draco anzuhimmeln. Pah, als ob die jemals eine Chance bei ihm hätte! Auch wenn manche behaupteten, dass Männer irgendwann einmal ihre Mütter heiraten würden, und Astoria ebenso hellblondes Haar besaß, wie Narzissa Malfoy, so fand Pansy, dass Draco sicherlich nicht auf Blondinen stand. Sie fuhr sich durch ihr dunkles Haar. Jeder wusste, dass Gegensätze sich anzogen. Draco und Pansy würden eines Tages heiraten, das war ja wohl klar!

Da die Türen zu den Mädchenschlafsälen so verzaubert waren, dass Jungs nicht hindurchtreten konnten, blieb ihr nur eine Wahl. Pansy öffnete die Tür zum fünften Jahrgang der Jungen.

„Blaise, was bist du nur für eine Lusche?!" Als sie den Dunkelhaarigen auf seinem Himmelbett sitzen sah musste sie kopfschüttelnd mit den Augen rollen. „Nebenan steigt eine Party und du sitzt hier und lernst?!", fragte sie ungläubig, während sie Draco durch die Tür zog, der das ohne Wiederworte mit sich machen ließ.

Über den Rand des Buches – „Magische Hieroglyphen und Logogramme" – sah Zabini sie mit einer hochgezogenen und feingeschwungenen Augenbraue skeptisch an. „Das ist der Jungenschlafsaal. Du hast hier nichts zu suchen."

Doch Pansy ließ sich so kurz vor dem Erreichen ihres Ziels nichts sagen. Stattdessen befahl sie streng: „Raus hier! Draco und ich wollen ungestört sein." Und mit einem viel lieblicheren und charmanteren Ton fragte sie Draco: „Draco-Schätzchen, welches Bett ist deins?" Auch wenn sie sich ziemlich sicher war, dass Crabbe und Goyle nicht zu den Menschen gehörten, die morgens nach dem Aufstehen ihr Bett machten, Geschweige denn das Zimmer aufräumten, so gehörte es sich in Hogwarts, dass die Hauselfen unbemerkt für Ordnung sorgten, damit kein heilloses Chaos entstand. Von daher sahen alle Betten gleich aus. Nur auf manchen Nachttischen stand der ein oder andere persönliche Gegenstand, aber keiner von ihnen war aussagekräftig genug, um Dracos Bett ausfindig zu machen. Und Pansy wollte nicht das Risiko eingehen sich in das Bett irgendeines anderen pubertären Jungens zu setzen. Würg.

Draco deutete auf das Bett neben dem von Zabini, der augenblicklich das Gesicht verzog, als er begriff, worauf Pansy es hinauslaufen lassen wollte. „Igitt!"

„Tze, du bist doch nur neidisch", erwiderte Pansy hochnäsig, während sie Draco zum Bett zog und ihn kurzerhand draufschubste. Vermutlich hatte Zabini noch keine Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht gesammelt. Sie zwar auch nicht, aber das würde sich bald ändern. Über ihre Schulter schauend sagte sie wissend zu ihm: „Wo wir gerade beim Thema sind. Daphne wirkt schon ziemlich angeheitert. Wie wär's? Geh doch mal zu ihr und versuch dein Glück."

Etwas in seinem Blick veränderte sich. „Du bist unmöglich", meinte er kopfschüttelnd, schlug allerdings beinahe augenblicklich sein Lehrbuch zu, stand auf, strich Kleidung und Frisur glatt und verließ mit zügigen Schritten den Schlafraum.

Endlich.

Was für ein Glück dass Dracos Freunde ihn anscheinend so wenig mochten, dass sie mit ansahen, wie er sich blamierte, statt diesen Zauber von ihm zu nehmen. Bei solchen Freunden brauchte man keine Feinde mehr.

„Jetzt sind wir ungestört", säuselte Pansy verführerisch in Dracos Ohr. Er hmmmmte zustimmend, während seine Augen den Eindruck machten, als würde er leicht schielen. Pansy spürte, wie ihr Herz anfing schneller zu klopfen. Zaghaft setzte sie sich rittlings auf seinen Schoß.

„Du bist so wunderschön, Pancake", säuselte er, wobei er klang wie einer der Angetrunkenen im Gemeinschaftsraum. „So wunder-wunderschön."

„Auf diesen Moment warte ich schon mein halbes Leben", gestand sie.

Hier waren sie nun. Allein in seinem Schlafraum. Auf seinem Bett. Er war ihr nahe und vollkommen verfallen. Natürlich hatte sie nicht vor bis zum Äußersten zu gehen, Salazar bewahre. Nein, dafür waren sie noch viel zu jung. Und wenn es geschah, dann sollte es aus freien Stücken heraus geschehen und nicht unter dem Bann eines Liebestrankes. Aber gegen ein wenig Fummeln hatte sie nichts einzuwenden …

Sie nahm seine Hände und legte sie an ihre Hüften, um ihm eindeutige Signale zu senden. Anschließend fanden ihre Finger ihren Weg zu seiner Krawatte. Langsam begann sie den Knoten zu lösen. Seine Schuluniform stand ihm wirklich ungeheuer gut, aber sie würde nur zu gern erfahren, wie es darunter aussah. Deshalb löste sie die Krawatte und ließ sie achtlos neben dem Bett fallen.

Ihre Augen betrachteten sehnsüchtig seinen Mund. „Ich würde dich so gerne küssen."

Oft hatte sie sich ausgemalt, wie ihr erster Kuss ablaufen würde. Während des Weihnachtsballs hatte sie darauf gehofft, als er mit ihr tanzte, dass er einfach den romantischen Moment nutzen und sie küssen würde. Aber er hatte es nicht getan. Während der unzähligen Patrouillengänge in den Gängen, die sie als Vertrauensschüler ausführen mussten, hatte sie gehofft, er würde sie einfach packen und in einen Geheimgang ziehen, ihr seine Liebe gestehen und sie küssen. Aber er hatte es nicht getan. Während sie im Bad der Vertrauensschüler in der riesigen Badewanne saß hatte sie sich vorgestellt, wie er plötzlich durch die Tür treten, ihr im wohlig-warmen Schaumbad Gesellschaft leisten und sie leidenschaftlich küssen würde. Aber er hatte es nicht getan.

Selbst jetzt unter dem Liebeszauber ergriff er nicht die Initiative. Er sah sie nur verliebt lächelnd an und streichelte mit seinen Händen leicht über ihre Hüften. Aber Pansy wollte mehr.

„Alles was du willst, Pancake."

Also nahm sie sich mehr.

Pansy beugte sich vor und küsste ihn. Gespannt hielt sie die Luft an. Einige Sekunden verharrten ihre Lippen auf seinen, dann löste sie sich von ihm, sah ihm in die grauen Augen und wartete auf seine Reaktion. Sie spürte, wie ihr die Röte in die Wangen schoss. Das war ihr erster Kuss gewesen! Hatte sie es richtig gemacht?

„Hmm", seufzte Draco genießerisch, mit halb geschlossenen Augen, hochgezogenen Augenbrauen und einem leichten Lächeln, das ihn abermals wie einen Betrunkenen aussehen ließ. „Das war herrlich."

Stürmisch überbrückte sie erneut die Distanz und kam ihm diesmal mit so viel Schwung entgegen, dass sie ihn bei ihrem nächsten Kuss nach hinten drückte, woraufhin er mit einem erschrockenen „Uff" mit dem Rücken auf dem weichen Bett landete, sodass sie auf der weichen Matratze leicht auf und ab wippten. Sie hielt sich mit einer Hand an seiner Schulter fest, die andere fand den Weg an seine Wange. Mit geschlossenen Augen küsste sie ihn, versuchte sich dieses berauschende Gefühl genauestens einzuprägen. Ihr wurde ganz warm. Durch die stürmische Bewegung lagen seine Hände nun nicht mehr auf ihren Hüften, sondern weiter unten auf ihren Oberschenkeln, genau dort, wo der Saum ihres Rockes endete. Noch dazu saß sie breitbeinig auf seinem Schoß. Dies bescherte ihr ein Gefühl, dass sie sonst nur aus einsamen Nächten kannte, in denen die Fantasie mit ihr durchging.

Ihre Fingerspitzen fingen an seinen Körper zu erkunden; erst fuhren sie durch sein blondes Haar, dann weiter, hinter seinem Ohr hinab zu seinem Hals, an dem sie sanften Druck ausübte, und noch weiter hinab zu seiner Brust, über die sie nun sehnsüchtig strich. Unter dem Stoff seines Hemdes spürte sie seinen warmen Körper und seine starken und festen Bauch- und Brustmuskeln. Pures Verlangen breitete sich in ihr aus.

„Ich liebe dich", hauchte sie zwischen zwei Küssen. Sie war sich sicher, dass er es wusste, oder zumindest eine Ahnung hatte, aber sie wollte es ihm sagen, wollte ihm hier und jetzt ihre bedingungslose Liebe gestehen. Dieser Kuss, dieser Moment, war alles, was sie sich immer gewünscht hatte. „Ich liebe dich so sehr."

Draco erwiderte gedämpft gegen ihre Lippen: „Ich li–", doch sie küsste ihn so heftig, dass er kaum etwas sagen konnte. Sie fühlte sich so berauscht, als hätte sie ein Billywig gestochen.

Gerade als ihre Hand ungeduldig an seinem Hemd zupfte und es schaffte ein Stück davon aus seinem Hosenbund herauszuziehen, flog die Tür vom Schlafsaal auf und donnerte krachend gegen die Wand.

„Miss Parkinson! Was in Merlins Namen treiben Sie da?" Mit einer schnellen Armbewegung und einem ungesagten Zauber wurde Pansy wie von unsichtbarer Hand gepackt und mit Wucht von Draco heruntergezogen.

Ächzend landete sie alle Viere von sich gestreckt schmerzhaft auf dem harten Boden. Für einen Moment schwirrte ihr der Kopf und sie sah Sterne. „Was zum …" Dann sah sie die Gestalt ihres Hauslehrers mit erhobenem Zauberstab bedrohlich auf sie zukommen. „Professor? Was machen Sie hier?", sprach sie ihre verblüfften Gedanken laut aus. War ihr Professor ihnen gefolgt, weil er gemerkt hatte, dass mit Draco etwas nicht stimmte? Oder hatte einer der anderen Schüler sie verpetzt? Aber wer? Crabbe und Goyle werden es wohl kaum gewesen sein. Vielleicht Zabini? Nott? Oder womöglich sogar die kleine Greengrass? Wenn sie herausfinden würde, wer es war, dann würde Pansy denjenigen –

„Die Frage lautet wohl eher, was machen Sie hier? Was erlauben Sie sich eigentlich?" Snapes zorniges Gesicht war so rot wie die Augen eines Hodags. „Nicht nur, dass Sie unerlaubt den Schlafraum der Jungen betreten", zischte Snape wütend, während Pansy sich auf dem Boden und Draco auf dem Bett aufrichteten, „Sie versuchen auch noch den unschuldigen Mister Malfoy mit einem Liebeszauber zu verführen. Ich bin überaus enttäuscht von ihnen, Miss Parkinson. Bei einigen Schülern würde mich ein derart frevelhaftes Verhalten nicht verwundern, aber bei Ihnen–"

„Aber ich–"

„Ich will keine Ausreden hören!", fuhr Snape dazwischen. Und da er den Zauberstab nach wie vor drohend auf sie gerichtet hielt wagte Pansy es auch nicht ihm zu widersprechen. „Es reicht, dass Sie mich in der Großen Halle vor der versammelten Schülerschaft zum Narren gehalten haben! Schämen Sie sich!"

Das tat sie auch, aber nicht wegen des verbotenen Einsatzes eines Liebestranks, sondern wegen des intimen Moments, in den ihr Hauslehrer soeben hineingeplatzt war. Das was sie und Draco geteilt hatten war etwas Privates gewesen, nur für sie beide bestimmt. Ein Moment, den sie für immer in ihrem Herzen bewahren wollte. Doch Snape hatte alles versaut.

Draco, mit unordentlicher Frisur und zerknittertem Hemd, wollte gerade vom Bett aufstehen, und den Mund öffnen, um Pansys Ehre abermals zu verteidigen, doch Snape war in wenigen Schritten bei ihm und schubste ihn zurück aufs Bett. „Beenden wir diese Farce!" Er zog aus seinem schwarzen Umhang ein kleines Fläschchen, entkorkte es blitzschnell und drückte es Draco direkt in den Mund. Der war so überrascht, dass ihm gar nichts anderes übrig blieb, als die klare Flüssigkeit widerstandslos zu schlucken.

„Nein!", schrie Pansy verzweifelt, als sie mit ansehen musste, wie Snape ihn zwang alles zu trinken, bis auf den letzten Tropfen. Sie wäre eingeschritten, würde er nicht mit der anderen Hand weiterhin drohend mit dem Zauberstab auf sie zeigen.

Die Veränderung trat augenblicklich ein: Stück für Stück wurde Dracos Blick immer klarer, der realitätsfremde Ausdruck immer härter und ihre Hoffnung immer kleiner. Es vergingen einige Sekunden der Stille, in denen sie spüren konnte, wie ihr Herz kräftig in ihrem Brustkorb schlug. Es tat beinahe weh und sie glaubte es kämpfte bereits an, gegen den Schmerz, der ihm nun bevor stand.

Draco betrachtete mit gerunzelter Stirn seinen Lehrer, der nun mit einem erschöpften, aber zufriedenen Seufzer von ihm abließ. Seine Mundwinkel wanderten weiter nach unten, als er das leere Fläschchen in den Händen seines Professors sah. Dann, ganz langsam, wanderten seine Augen zu ihr und Pansy musste feststellen, dass es doch noch jemanden gab, der einschüchternder aussehen konnte, als Severus Snape.

• • • •

Natürlich beließ Snape es nicht dabei, dass er sie nur aus dem Jungen-Schlafsaal warf. Nein, er zerrte sie höchstpersönlich und vor den Augen aller anwesenden Schüler zeternd in ihren eigenen Schlafsaal, wo er all ihre persönlichen Sachen durchstöberte, bis er ihren kompletten Vorrat an selbstgebrauten Liebestränken fand, die er mithilfe von Evanesco mühelos verschwinden ließ.

Zur Strafe hatte er ihren Kessel konfisziert. Sie würde ihn nur noch zum Zaubertränkeunterricht ausgehändigt bekommen, damit sie keine weiteren Liebestränke brauen konnte. Das war in der Tat abzusehen gewesen, doch Snape hatte dabei offen gehalten, ob diese Bestrafung nur für dieses Schuljahr oder bis zu ihrem Abschluss galt. Das Nachsitzen bei Filch kam ebenso wenig überraschend. Die Aussage er würde ihren Eltern schreiben allerdings schon. Dabei verspürte Pansy die ersten Anzeichen von Panik, die sich noch verstärkte, als Snape während seines wütenden Monologs davon sprach in Erwägung zu ziehen ihr das Vertrauensschülerzeichen abzuerkennen. Das würde nicht nur an ihrem Stolz kratzen, sondern auch weniger Zeit mit Draco bedeuten. Und das durfte sie auf keinen Fall zulassen! Deshalb beschloss sie sich in Zukunft vorbildlich zu benehmen.

Inzwischen waren einige Tage vergangen. Pansy lag auf ihrem Bett, die Vorhänge zugezogen, die Arme unter ihrem Kopf auf dem Kissen verschränkt und den Blick gen Decke gerichtet. Die größte Strafe allerdings war Draco selbst gewesen. Hinfort waren alle Zeichen von Verliebtheit und Ehrerbietung. Bereits bei ihrer nächsten Begegnung hatte Draco sie beinahe ebenso wütend zusammengestaucht wie ihr Hauslehrer. Die Flüche und Beschimpfungen hatte sie allerdings kaum gehört, denn sie hatte nur auf seine hinreißenden Lippen starren und daran denken können, wie sie sich auf ihren eigenen anfühlten. Sie zog den rechten Arm unter ihrem Kopf hervor, berührte mit dem Zeigefinger ihre Unterlippe und fuhr mit der Fingerspitze sanft darüber. Die Augen schließend ging sie in Gedanken noch einmal die wenigen Minuten durch, die sie mit ihm ungestört genießen durfte. Diese Erinnerungen waren kostbar und würden sobald sie in den Sommerferien nach Hause kam sorgfältig aufbewahrt werden, damit sie diesen Kuss immer und immer wieder erleben konnte – sobald sie wusste wo bei Dumbledores karierter Unterhose sie ein Denkarium herbekam.

Pansy seufzte wehmütig. Sie würde jetzt nicht aufgeben. Ganz im Gegenteil. Sie war viel zu stolz, um eine Niederlage einzugestehen. Deshalb konzentrierte sie sich lediglich auf ihren Erfolg. Nachdem sie eine kleine Kostprobe davon erhalten hatte, wie es sich anfühlte, Dracos Freundin zu sein, würde sie sich noch mehr anstrengen, seine Gunst zu gewinnen. Vorerst würde sie ihm jedoch Zeit geben, um sich abzureagieren.

Liebestränke würde sie nicht mehr einsetzen, aber Pansy Parkinson verfügte noch über weitere Ideen, wie sie ihren Schwarm für sich gewinnen konnte. Es würde nicht einfach werden, aber am Ende würde es sich lohnen.

Der Sprechende Hut hatte sie nicht ohne Grund nach Slytherin geschickt. Sie war ehrgeizig, listig und erfolgsorientiert. Und Draco Malfoy würde eines Tages ihr persönlicher Erfolg werden.