Gut

Sein Kopf schmerzte; sie spürte es in dem Moment, in dem sie ihn sah. Er hatte Kopfschmerzen und eine hässliche, neue Verletzung und er war müde, und in ihrem Herzen und in ihrer Seele keimte der Wunsch auf, alles Schlechte von ihm wegzunehmen und es durch Licht und Frieden zu ersetzen.

Han arbeitete hart; er war unerbittlich, wenn er sich zu etwas verpflichtete und von seinen Bestrebungen im Kampf gegen das Imperium wusste sie, dass sein Engagement durch ihre Leidenschaft für die Sache angetrieben wurde.

Er liebte, was sie liebte, weil er sie liebte.

Sie verstand das und es berührte sie zutiefst. Es erfüllte sie mit solcher Zuneigung und einem heftigen Starrsinn, wenn es darum ging, ihn zu verteidigen – hier waren sie, an einem weiteren Tag, an dem Hans Vorliebe dafür, Probleme körperlich zu lösen, in den Augen von Leias elitären Landsleuten irgendwie jede aufopferungsvolle und schöne Tat zunichtemachte, die er für die Rebellion vollbracht hatte.

Sie wusste, dass es ihn zermürbte; sie bemühte sich nur, ihn aufzubauen.

Sie überfiel ihn, als sie ihn müde über den Dejarik-Tisch gebeugt dasitzen sah. Sie ließ die abfälligen Bemerkungen, die ihre Kollegen gemacht hatten, an der Türschwelle zurück und ließ ihre Augen über sein schmutziges Hemd, die Blutflecken an seinem Kragen, sein blaues Auge und das Schmierfett an seinen Händen schweifen.

Manchmal legte er Streitigkeiten gewaltsam bei und Leia verspürte lediglich Wut, wenn andere ihn deswegen erniedrigten, denn war ihr Aufstand nicht eine groß angelegte, gewaltsame Antwort auf die Unterdrückung durch das Imperium?

Han hob kaum den Kopf; stumm kniete sie neben ihm auf der Bank nieder und legte ihm sanft die Hände auf die Schultern. Anstatt ihn aus seiner Apathie zu reißen, begann sie, in einer entschlossenen, wohltuenden Massage seine Schultern zu kneten; sie löste die Verspannungen und den Stress, wobei sie die erhabenen, rauen Umrisse der Narben auf seinem Rücken selbst durch das dicke Material seines Hemdes hindurch spüren konnte.

Als sie das blaue Auge berührte, zuckte er zusammen und stöhnte leise.

„Es tut mir leid, Verehrteste", murmelte er knapp und mit schwerer Stimme. „Ich beweise immer weiter, dass ich nicht gut genug für dich bin", meinte er spöttisch, „ich habe keinen Anstand", zitierte er – es mussten die Worte einer anderen Person sein und sie brannten in Leias Ohren.

Zart berührte sie seine Wange.

„Wen hast du verteidigt?", fragte sie schlicht – und sah goldenes Licht in seinen Augen aufflackern, die Erleichterung, als er ihren sanften Tonfall hörte und wusste, dass sie nicht wütend war – Leia war die einzige Person, die er jemals gekannt hatte, die ihn genug verstand, um zu wissen, dass er immer zur Verteidigung kämpfte, immer nur kämpfte, um am Leben zu bleiben oder ein Unrecht wiedergutzumachen –

Sie wusste es; sie verstand es.

Han zuckte die Achseln.

Die Massage fühlte sich gut an und ihr Vertrauen fühlte sich sogar noch besser an und linderte seine Kopfschmerzen wie eine ganz eigene Medizin.

Leia rutschte näher an ihn heran und nahm seinen Kopf zwischen ihre Hände. Sie wandte seine Augen ihren zu, ihre Fingerspitzen lagen behutsam und zärtlich an der verletzten und empfindlichen Haut in der Nähe seines Auges.

„Han", sprach sie, deutlich und schlicht, „du bist der Einzige, der gut genug für mich ist."

Er warf ihr einen müden Blick zu – es gab Tage, an denen er unter den missbilligenden Blicken des Oberkommandos das Gefühl hatte, es sei ein Kampf, ihr zur Seite zu stehen und obendrein bekämpften sie immer noch das Imperium selbst.

Zu hören – zu sehen – wie sie ihre Missbilligung abschüttelte, als wäre sie nichts weiter als ein Staubkorn an ihrem Ärmel, belebte ihn wieder mit neuer Energie. Er wusste, dass er gut genug war. Er wusste, dass er ein guter Mann war. Er machte sich nur manchmal Sorgen, dass sie es ihr zu schwer machten – mit ihm zusammen zu sein –

Er nickte, wandte sich ihr zu und streckte die Hand aus, nicht um sie zu umarmen, sondern um von ihr umarmt zu werden. Sie hielt ihn fest und er ließ seinen Kopf schwer auf ihre Schulter sinken und atmete langsam aus.

„Du bedeutest mir so viel, Schätzchen", murmelte er heiser, seine Kehle war wie zugeschnürt.

Sie lächelte strahlend und ihre Fingerspitzen drückten sich an seinen Rücken, als sie ihn fester umarmte. Nach einem Augenblick löste er sich von ihr, das schiefe Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus, als er sich zurücklehnte und sie mit stiller Leichtigkeit ansah.

Han wusste – und auch Leia wusste – dass ihre Pseudo-Beschützer innerhalb der Elite sie für die Geisel einer schmutzigen, manipulativen Affäre mit einem rücksichtslosen Mann hielten, aber zwischen ihnen herrschte eine Ehrlichkeit, die sie nirgendwo sonst fand – die er nirgendwo sonst fand – und das war kostbar und es war manchmal das Bedeutsamste, was sie voneinander benötigten.