Erschrecken

Er war nach Hause gekommen und hatte sich in der Absicht aufs Sofa geworfen, noch einen kleinen Moment dort liegen zu bleiben, um sich von dem Schock zu erholen, tatsächlich den ganzen Tag gearbeitet zu haben. Sein Augenblick der Ruhe verwandelte sich versehentlich in ein ausgedehntes, spontanes Nickerchen, aus dem er mehrere Stunden später erwachte, in einer sehr viel dunkleren Wohnung und mit Muskeln, von denen jeder einzelne gegen die schreckliche Position protestierte, in der er sie zurückgelassen hatte, als er eingeschlafen war.

Han hob den Kopf von dem Kissen, in dem er ihn vergraben hatte und sah sich benommen um.

„Leia?", rief er rau – mit Sicherheit war sie zuhause gewesen, als er zurückgekommen war; sie hatte gesagt, dass sie da wäre.

Wie kam es dann, dass die ganze Wohnung schien, als wäre es mitten in der Nacht – es konnte nicht nach Mitternacht sein, oder? Er hob den Kopf ein Stück weiter an, kniff die Augen zusammen und sah sich um.

„Leiiiiiaaaa?", rief er lauter.

Nichts.

Er stemmte sich mit einem kleinen Zusammenzucken hoch, machte sich selbst einen Vorwurf, weil er mit dem Gesicht nach unten eingeschlafen war, ausgestreckt auf einem zu kleinen Sofa, und stand auf, wobei er sich gähnend mit der Hand durchs Haar und über den Kiefer fuhr. Er schob die Jacke, die er ausgezogen hatte, bevor er sich hingelegt hatte, mit dem Fuß beiseite, schlurfte um die Möbel herum und machte sich auf die Suche nach seiner Frau.

Er überprüfte das blinkende Chronometer auf dem Ofen und runzelte die Stirn – er hatte nur zwei Stunden lang geschlafen. War sie nicht zuhause gewesen, als er gekommen war? War sie ausgegangen, als sie ihn schlafen gesehen hatte? Was – ?

Er ging ins Schlafzimmer und sah, dass das Licht im Badezimmer brannte und die Schranktür offen stand – hinreichende Beweise dafür, dass Leia in den letzten Stunden hier gewesen war und gerade, als er kurz vor einer ausgewachsenen Panik stand, bemerkte er einen kleinen Fuß, der unter dem Bett hervorschaute.

Mit hochgezogenen Brauen kam Han näher, stand direkt über dem Fuß und starrte darauf hinunter.

Er gehörte definitiv Leia. Er legte den Kopf schief und stupste mit seinem Stiefel dagegen.

Leia", sprach er sie laut an.

Ohne Zeit zu verlieren, ging er in die Hocke, dann auf die Knie und streckte sich schließlich flach auf dem Boden aus, um in den kleinen Zwischenraum unter dem Bett schauen zu können – wo er Leia ausgestreckt fand, ihr Kopf war ihm zugewandt und ruhte auf ihrem Arm – sie schlief tief und fest.

Amüsiert grinste er.

Er streckte die Hand aus und piekste sie sanft in die Rippen, kitzelte sie. Leias Augen flogen auf und er grinste noch breiter.

„Hi, Schätzchen", begrüßte er sie und sie gab einen leisen, überraschten Schrei von sich, hob den Kopf und stieß ihn gegen die Unterseite des Bettes.

Han versuchte, das Lachen zu unterdrücken und rutschte ein wenig nach hinten; dann streckte er den Arm aus, um ihre Hand zu nehmen und ihr zu helfen, unter dem Bett hervorzukriechen. Er zwang sich dazu, nicht zu sehr zu lachen und rollte sich auf die Seite, wo er selbstgefällig den Kopf in die Handfläche stützte.

„Was zur Hölle tust du da unten?", fragte er gedehnt.

Leia wurde rot und unterdrückte ein Gähnen –

„Ich wollte – deinen Fuß festhalten, wenn du – ich wollte dich erschrecken!", stammelte sie.

„Du bist unter dem Bett eingeschlafen, während du mich erschrecken wolltest?"

„Warum hast du so lange gebraucht, um ins Schlafzimmer zu kommen?", erkundigte sie sich finster.

Han schnaubte.

„Ich bin, direkt nachdem ich hereingekommen bin, auf der Couch eingeschlafen", gab er zurück.

Leia warf ihm einen vernichtenden Blick zu und zog die Lippe zwischen die Zähne, um ein Lächeln zu unterdrücken.

„Du hast mich erschreckt!", warf sie ihm vor.

Er fing an zu lachen und versuchte dieses Mal erst gar nicht, es zurückzuhalten. Mit seinem freien Arm zog er sie an sich –

„Komm her", knurrte er spielerisch.

Leia rollte sich näher an ihn heran, prallte fest gegen ihn und versuchte, ihn zu überrollen. Er umfasste ihre Taille, drückte seine Fingerspitzen wieder in ihre Rippen und sie quietschte bei dem kitzligen Gefühl auf und versuchte, sich dramatisch aus seinem Griff zu befreien.

Er legte den Kopf zurück, tat so, als wäre es ihm ernst und fing ihren Blick auf.

„Es tut mir leid, dass ich dich erschreckt habe", sagte er und tätschelte ihren Hinterkopf. „Geht es deinem Kopf gut?"

Sie seufzte, stützte ihren Ellenbogen sanft auf seiner Brust auf, legte das Kinn in die Handfläche und schüttelte den Kopf, während sie mit der Zunge schnalzte.

„Nicht seit dem Tag, an dem ich mich in dich verliebt habe", neckte sie ihn.

Han warf ihr einen gespielt verärgerten Blick zu, rollte sich zur Seite und ließ sie los – er tat so, als würde er sie wieder unters Bett schieben, wobei sie kicherte und nach ihm trat, dieses Mal, um bequem zurück in seine Arme zu klettern.