Hi,
das hier ist meine erste FF. Von daher freue ich mich über jeden Verbesserungsvorschlag und natürlich auch über jedes Lob. Auch wenn sie noch ein wenig holprig ist, gefällt sie vielleicht dem ein oder anderen :)
Die Geschichte basiert auf einer großartigen Szene aus "Doctor Who" (War Speech). Ich habe einige Sprüche übernommen, aber auch viele abgewandelt, um sie diesem Fandom anzupassen.
Wahrheit oder Konsequenzen
Bedächtigen Schrittes wandert Lord Voldemort in dem kahlen Raum hin und her.
Es mochte dumm gewesen sein erneut ins Ministerium zu kommen, doch er musste es einfach wissen! Seit Monaten berichteten ihm seine Spione von einem mächtigen Zwillings-Artefakt, das den Krieg beenden könnte und dennoch tief in den Eingeweiden des Ministeriums versteckt vor sich hin moderte. Angeblich entwickelt von Dumbledores Goldjungen. Doch er setzte es nicht ein. Gerüchten zu Folge sei es so schrecklich, dass er sich weigere seine eigene Erfindung zu benutzen. Und auch sonst niemand würde sich trauen das Artefakt zu verwenden, verstehe doch niemand wie es funktioniert.
Einfältige Narren. Er war nicht umsonst der mächtigste Magier der Geschichte, ein Artefakt würde ihn wohl kaum an seine Grenzen bringen. Er befahl seinen Leuten es zu stehlen, doch ein Bannkreis verhinderte stets dass man den Raum mit dem Objekt verlassen konnte. Und so kam es dazu das Lord Voldemort persönlich eines Nachts ins Ministerium marschierte und ungehindert den unauffälligen Raum betrat.
Einzig ein langer Holztisch füllt die Leere. Auf ihm steht der Grund für Voldemorts spürbare Verzweiflung. Zwei Obsidianschwarze Kisten, jeweils eine an einem Ende des Tisches. Jede Kiste besitzt zwei Öffnungen, grade groß und tief genug für einen Zauberstab. Auf dem Deckel steht in geschwungenen goldenen Lettern "Wahrheit und Konsequenzen". Bereits seit gut zwanzig Minuten grübelt er darüber nach was das bedeuten könnte. Und welche Zauberstaböffnung zu welchem Wort gehört. Doch er kommt einfach nicht darauf, es gibt einfach zu viele Möglichkeiten.
Auf einmal kracht die Wand gegen die Tür und eine Handvoll Auroren flutet den Raum, Dumbledore an der Spitze. Die vier Todesser, die Voldemorts Leibwache bilden, verteilen sich augenblicklich. Die Masken glänzen im einfallenden Licht. Mit gezückten Zauberstäben stehen sich die Feinde gegenüber.
Die bedrohliche Stille wird von einem Jungen unterbrochen, der sich durch die Tür quetscht und unangebracht unbesorgt aussieht. Potter. Was für eine Pestbeule. Was bei Slytherins Zauberstab wollte der Bengel hier schon wieder?
"Hört zu, lasst euch von mir nicht stören, ich werden einfach die Kisten mitnehmen, wir werden vergeben und vergessen und der Waffenstillstand hält an." Ernst starren grünen Augen in rote.
Voldemort schnaubt. "Nein." Mehr braucht es nicht. Ein einziges, verächtliches Wort und die Raumtemperatur sinkt spürbar. Bewegung kommt in den Raum. Dumbledore hastet zu der einen Kiste, Voldemort zu der anderen.
"Harry, mein Junge, was muss ich auswählen?", erklingt die drängende Stimme des Alten. "Wahrheit oder Konsequenzen?"
"Ja, Potter", zischt Voldemort. "Wahrheit ... oder Konsequenzen." Es klingt wie eine Drohung.
Die Spannung steigt. Die Luft ist zum zerreißen gespannt. Harry blickt von einem zum anderen. Von Dumbledores angespannter Miene zu Voldemorts wütender. Von den zunehmend nervös werdenden Auroren, zu den steif in Angriffspose verharrenden Todessern.
"Der Moment auf den wir alle gewartet haben, der "bilden Sie sich eine Meinung"-Moment!", platzt es aus Harry heraus, bevor er sich zurückhalten kann. Er ignoriert die irritierten Blicke und wandert, wie Voldemort eine halbe Stunde zuvor, von einer Wand zur anderen. "Wahrheit", erklärt er, "sorgt dafür dass keine Lügen mehr erzählt werden können in Bezug auf schwarze und weiße Magie. Es ist beides schlicht und einfach Magie, es gibt dabei kein Gut und Böse, der Zauberer entscheidet wofür er die Magie einsetzt. Es ist das Ministerium, welches die Magie in Schwarz und Weiß unterteilt hat. Die Bücher werden dahingehend magisch korrigiert und Lügen lassen sich nicht mehr aufs Papier bringen." Er unterbricht sich, als die Proteste der Auroren laut werden, die offensichtlich anderer Meinung sind. Auch Dumbledore setzt zu einer eindringlichen Erwiderung an.
"Das mag lieb gemeint von dir sein, mein Junge, aber Tatsache ist nun mal das die Todesser Blutmagie und Schmerzflüche benutzen, das kann man doch kaum zu normaler Magie zählen." Mit einem Blick voller Enttäuschung und Tadel sieht er Harry an.
Harry verschränkt die Arme. "Was ist denn bitte böse an Blutmagie wenn man freiwillig sein eigenes Blut nimmt um einen stärkeren Zauber zu wirken? Und der Cruciatus war ursprünglich dafür da das Herz durch Schocks des Nervensystems zum weiterschlagen zu bringen. Man kann ihn also auch für gutes verwenden." Er räuspert sich. "Weiter im Text. Konsequenzen enthüllt alle Todessermale. Kein Verstecken mehr, keine Täuschungen. Wenn man so sehr an eine Sache glaubt, kann man auch dazu stehen."
"Das ist ungerecht", zischt Voldemort wütend Harry zu, über das entsetzte Schreien der anderen hinweg.
"Nein, ist es nicht", erwidert Harry trotzig.
"Du wirst verantwortlich sein für all die Schmerzen, all die Gewalt, wenn die Leute auf meine Todesser losgehen und sie sich wehren."
Harry bestreitet das mit hochgezogener Augenbraue und verächtlichem Schnauben.
"Du hast uns in diese Situation gebracht, dies ist deine schuld!"
"Bin ich nicht. Du bist es doch der unschuldige Leute angreift."
"Ich habe nur getan was ich tun musste", knurrt Voldemort.
"Ich auch", erwidert Harry, ungerührt von den verzweifelten Mienen um sich herum.
"Ich wurde wie Abschaum behandelt!" wütet Voldemort. "Ich wurde mir selbst überlassen."
Harry zuckt die Achseln. "Wie jeder."
"Es ist nicht fair", knurrt Voldemort. "Nur weil wir dunkle Magie und eine Trennung der Arten wollen, werden wir gejagt und eingesperrt!"
Harry stöhnt dramatisch auf. "Oh, es war nicht fair!" Dann schreit er: "Nicht fair?!" Er lacht leicht hysterisch. Dann wendet er sich wieder dem Thema zu. "Du warst grausam zu Leuten, die zu dir grausam waren. Ihr seid einfach nur ein Haufen neuer grausamer Leute. Ihr seid grausam zu Menschen, die daraufhin wieder grausam zu euch sind. Der einzige Weg in Frieden zu leben, ist, zu vergeben. Warum brichst du nicht den Kreis?" haucht er zum Schluss.
Voldemorts Maske bricht für ein paar Sekunden. Dann ist sie wieder da. "Warum sollten wir?"
Harrys Miene, erst hoffnungsvoll, erstarrt in einem seltsamen Lächeln. Langsam wendet er sich ab, sieht zu Dumbledore, der sie mit funkelnden Augen beobachtet.
Harry atmet tief durch, tritt ein paar Schritte zurück und sieht dann langsam wieder auf. Voldemort direkt in die Augen. "Was ist es, das ihr wirklich wollt?"
Schweigen. Voldemort sieht Harry an, seine Todesser, die Auroren, Dumbledore. Alle sehen verwirrt aus. Voldemort überspielt seine Unsicherheit, seine Antwort hallt kalt durch den kleinen Raum.
"Krieg."
Harry sieht aus als wisse er nicht ob er lachen oder weinen soll. Er marschiert durch den Raum und wendet sich dann abrupt wieder um.
"Und wenn dieser Krieg vorüber ist, wenn ihr das Land habt, frei von Ordensmitgliedern und anderen Weißmagiern - was denkst du, wie wird es sein? Habt ihr darüber nachgedacht? Habt ihr irgendwelche Überlegungen angestellt? Denn ihr seid nahe dran zu kriegen was ihr wollt. Wie wird es sein?", wiederholt er. "Gib mir eine Vorstellung davon. Wird es Feiertage geben? Wochenende? Was für Musik wird es geben? Wird den Leuten erlaubt sein ... keine Ahnung ... Violine zu spielen? Wer wird die Violinen machen? Nun? Oh, du weißt es nicht, nicht wahr?" Harry spielt den Überraschten. Dann wird er wieder ernst. "Wie jedes Kind in der Geschichte, Voldemort, weißt du eigentlich gar nicht was du wirklich willst. Also, lass mich dir eine Frage stellen, zu dieser wunderbaren neuen Welt von dir: Wenn ihr alle Widersacher getötet habt und alles perfekt und richtig und fair ist, wenn es endlich exakt so ist, wie du es immer wolltest - was werdet ihr tun, mit den Leuten wie dir? Den Unruhestiftern. Wie wollt ihr eure ruhmreiche Revolution beschützen, vor der nächsten?"
Voldemort sieht ihn an, voller Stolz und Arroganz. "Wir gewinnen."
"Oh. Ja, vielleicht werdet ihr gewinnen." Harry klingt freundlich, wie eine zuversichtliche Mutter. Dann beugt er sich vor, bis er nur noch Zentimeter von Voldemorts Nasenlosem Gesicht entfernt ist. "Doch niemand gewinnt lange. Das Rad wird sich weiterdrehen. Also komm schon! Brich den Kreislauf!"
Voldemort schnaubt hochmütig. "Warum redest du noch immer?"
"Weil ich will das du die Augen öffnest und ich bin fast so weit."
"Weißt du was ich sehe, Potter? Eine Box." Er wendet sich Dumbledore zu, mit vor Entschlossenheit glühendem Blick. "Eine Box mit allem was ich brauche: einer Fünfzigprozentigen Chance." Er hebt seinen Zauberstab und hält ihn vor die Öffnungen.
Eilig holt auch Dumbledore seinen Zauberstab heraus und kopiert Voldemorts Geste. "Für uns auch."
Harry erstarrt, ebenso wie die Todesser und Auroren. Dann löst Harry sich aus der Starre und wie ein großer Moderator kommentiert er lautstark das Geschehen. "Und los geht's, die Zauberstäbe bereit, glauben Sie an Ihr Glück, seien Sie bereit zu spielen! Wer wird der Schnellste sein, wer hat das meiste Glück?!"
Dumbledore verliert nun doch die Fassung. "Wir spielen doch hier nicht!"
Voldemort starrt Harry musternd an. "Warum tust du das hier?"
Dumbledores Augen weiten sich verblüfft. Dann fokussiert auch er Harry. "Ja, das würde ich auch gerne wissen, mein Junge. Du hast diese Artefakte erschaffen, du hast uns hier her gelockt. Du hast das arrangiert, warum?"
"Weil das hier eben kein Spiel ist, Dumbledore!", ruft Harry verzweifelt. "Es ist immer dasselbe! Wenn Sie den ersten Schuss abfeuern, egal wie sehr Sie sich im Recht fühlen, Sie wissen nie wen Sie damit in den Tod schicken. Sie können garnicht wissen, wessen Kinder schreien werden. Oder wie viele Herzen daran zerbrechen. Wie viele Leben Sie zerstören. Wie viel Blut vergossen wird, bis alle endlich das tun, was sie gleich von Anfang an hätten tun sollen. Hinsetzen und sich aussprechen!"
Er hastet zu Voldemort, mit flehender Miene. Dieser weicht misstrauisch zurück.
"Ich will doch nur dass ihr nachdenkt. Wisst ihr beide was nachdenken ist? Es ist ein schickes Wort für Ich überlege es mir anders."
"Ich werde es mir nicht anders überlegen", faucht Voldemort und merkt garnicht, wie sehr er dabei wie ein trotziger Teenager klingt.
"Dann wirst du dumm sterben", erwidert Harry resolut. "Dabei könntest du alternativ ... von dem Artefakt weg gehen. Du kannst ungehindert zur Tür hinaus gehen und dann sagst du deine Revolution einfach ab."
"Nein!" brüllt Voldemort zornentbrannt. "Ich sage sie nicht ab." Sein Blick zuckt zwischen den Anwesenden hin und her. "Ich habe es angefangen, ich bringe es zu Ende. Glaubst du die lassen mich gehen, nach allem was ich getan habe?"
"Hier ist das Unvorhersehbare: Ich verzeihe dir. Nach allem was du getan hast. Ich verzeihe dir." Harrys Blick ist voller Tränen, aber aufrichtig.
Voldemort starrt ihn an. Lange Zeit herrscht Stille. Niemand wagt es auch nur einen Ton von sich zu geben.
"Du verstehst es einfach nicht", haucht Voldemort irgendwann. "Du ... wirst das niemals verstehen."
Harrys fassungsloses Grinsen mit den verheulten Augen sieht beinahe wahnsinnig aus.
"Ich verstehe nicht? Wenn ich die Augen schließe, dann höre ich so viele Schreie. Und was macht man mit all dem Schmerz? Man hält ihn fest. Es verbrennt dir die Hand und dann sagst du dir Niemand soll je wieder auf diese Art leben müssen, niemand soll diesen Schmerz erleiden müssen! Nicht wenn ich Wache halte!".
Mit zitternder Hand lässt Dumbledore seinen Zauberstab sinken und schließt die Kiste. In diesem Moment sieht man ihm jedes einzelne seiner Jahre an. Er schafft es nicht in Harrys dankbares Gesicht zu blicken. "Es tut mir Leid, mein Junge", flüstert er mit gebrochener Stimme.
"Ich weiß", erwidert Harry sanft und unter den Augen der fassungslosen Todesser und Auroren wendet er sich wieder Voldemort zu.
Voldemort sieht ihn an, starrt ihm in die tränenverschmierten, aber entschlossenen Augen und dringt in seine Gedanken ein. Und Harry wehrt sich nicht. Er zeigt Voldemort sein ganzes Leben, seinen ganzen Schmerz, all die Verluste die er durchlitten, die Trauer die ihn fast zerrissen hat.
Anschließend schweigen sie eine Weile. Dann meint Voldemort: "Es ist gar nichts drin, nicht wahr, Potter? Die Artefakte, sie sind nur Attrappen."
Ein Lächeln breitet sich über Harrys Gesicht aus. "Natürlich. Und weißt du woher du das weißt? Weil du angefangen hast zu denken wie ich. Es bringt nichts alle zu bestrafen für die Tat einzelner, das würde ich nie tun. Ich habe auch keine Ahnung wie das funktionieren soll", gibt er beschämt zu. "Es geht einzig und alleine darum alle an einen Tisch zu kriegen und zum nachdenken zu bewegen."
"Schön und gut, aber wir wissen nun dass es nur Täuschungen sind", unterbricht Dumbledore den friedlichen Moment. Er klingt verärgert. "Was soll Tom nun noch davon abhalten einfach weiter zu morden?"
"Mich interessiert viel mehr wie du dir so sicher sein kannst", wendet sich Voldemort an den Gryffindor. "Wie kannst du daran glauben dass du wirkliche etwas bewirken kannst? Friedlich, ohne Druckmittel, ohne Gewalt?"
"Weil du die letzten Fünfzehn Male nicht gefragt hast." Mit diesem Satz wirbelt er herum, schwenkt den Zauberstab und ruft: "Obliviate!" Die Gesichter der Anwesenden werden leer. Ein wenig dümmlich sehen Dumbledore, die Auroren und die vier Todesser sich um.
"Warum hast du nicht auch mein Gedächtnis gelöscht?" Verwirrt steht Voldemort vor dem Tisch, den Zauberstab gesenkt.
"Nun, du bist nicht länger ein Feind, oder? Deine Gefolgsleute müssen nicht wissen was dein Entschluss war. Oder besser gesagt, auf wessen Rat du - hoffentlich - hörst."
"Du beschützt mich."
Harry lächelt nur. "Setz einen Vertrag auf, Tom. Es ist Zeit Frieden zu schließen."
