Diese Geschichte wurde ursprünglich in englischer Sprache veröffentlicht und nach Rücksprache mit der Autorin von mir übersetzt, um sie einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Obwohl ich nur als Übersetzerin fungiere, sind Reviews natürlich trotzdem mehr als willkommen. Alexandra, die Autorin, schreibt unter dem Namen madame. alexandra und ist hauptsächlich hier auf fanfiction. net unterwegs.
Autorin: madame. alexandra
Originaltitel: Great Expectations
Hohe Erwartungen
Jahre später würde Leia darüber lachen. Mehr als sie gelacht hatte, als ihr die Situation bewusst geworden war, wenn das überhaupt möglich war. Denn rückblickend wusste sie wirklich nicht, wie sie – oder Han – hatten erwarten können – dass dieser Moment, der Moment – irgendetwas anders als…absolut enttäuschend sein würde.
Nun ja, vielleicht nicht im wörtlichen Sinne. Andererseits…doch, eigentlich schon. Schließlich war es eine galaktische Tatsache, dass etwas, das sich steigerte und steigerte und steigerte – etwas so Unbeständiges, Hochexplosives und Emotionales wie diese Sache zwischen ihnen – seinen Höhepunkt erreichen und –
Enttäuschend sein würde (auf eine reizende Art). Würdelos. Eine unelegante Sache, die nicht ganz den Erwartungen entsprach.
Han würde ebenfalls darüber lachen, natürlich weniger als sie (denn er war ein Opfer leicht verletzten Stolzes), und immer mit einem gewissen Maß an Unglauben in Frage stellen, wie es möglich war, dass sie es auf diese Art hatten geschehen lassen, dass es so schlecht gewesen war.
Sie würde darauf hinweisen, dass sie es hatten kochen lassen wie Wasser in einem Kessel, das Pfeifen ignorierend, bis sie es mit siedendem Wasser anstelle von einer schönen Tasse Tee zu tun gehabt hatten – worauf Han immer erwiderte, dass das siedende Wasser sozusagen kein Problem gewesen wäre, wenn sie einfach mit ihm geschlafen hätte, bevor all die Emotionen involviert gewesen waren.
Sie konnten die Geschichte jedoch nicht umschreiben und dieser erste Moment, das große Crescendo, das erste Mal – war so ein völlig wirres Durcheinander gewesen, dass es die ersten Lachfalten in Leias Augenwinkel gegraben hatte, in ihre Stirn, ihre Mundwinkel – diese Lachfalten waren durch Han dorthin geraten und sie würden ihm bis in alle Ewigkeit gehören.
Sie konnte sich nie an die exakten Einzelheiten erinnern. Auch Han konnte das nicht, obwohl sie beide behaupteten, die richtige Version der Geschichte zu erzählen – nicht, dass sie sie irgendjemandem außer einander erzählten, in nostalgischem Flüstern, unter Lachsalven oder begleitet von Seufzern liebevollen Bedauerns.
Es war an Tag X dieses dummen, kriechend-langsamen Fluges nach Bespin gewesen. Gedankenlose Stunden der Langeweile, verstärkt von der Sorge, die knapp unter der Oberfläche brodelte, dass sie jeden Moment gefangen (gefoltert, getötet) werden könnten. Die Notlage hatte es erforderlich gemacht, dass sie ein wenig auftauten, aber das hatte nur dazu geführt, dass auf dem Schiff eine Anspannung herrschte, die zu dick und voluminös für den Falken war. Es gab nur begrenzt etwas zu kochen, zu reparieren oder zu inventarisieren und 3-PO und Chewbacca waren ebenso erpicht auf Aufgaben, die ihnen die Zeit vertrieben wie sie.
Es – es! – hatte mit einem Streit begonnen, jedoch keinem richtigen; es war eher Geplänkel gewesen, vertraut und vage, worüber, daran konnte Leia sich nicht mehr erinnern. Sie zankten sich immer, aber in letzter Zeit war es fast zärtlich gewesen, verlockend – und dieser besondere Streit fand am Ende eines langen Tages statt, vielleicht nach einer strittigen Partie Sabacc oder Dejarik – was auch immer es war, sie stritten sich im Türrahmen seiner Kabine, wie sie es auf den Fluren von Hoth getan hatten, allerdings mit weniger Publikum und mehr Atmosphäre.
Han sagte, sie hätte damit angefangen. Sie bestand darauf, dass er es gewesen war. Aber es war ungefähr so verlaufen – nun ja, sie hatte sich umgewandt, um sich davonzumachen, und er hatte ihren Ellenbogen genommen und –
„Du gehst immer weg, wenn wir streiten, weil es entweder das ist oder du steckst mir die Zunge in den Hals!"
„Was? Han, das hier ist kein Holo, die Leute fallen sich nicht auf dem Höhepunkt eines Streits in die Arme – "
„Das ist kein richtiger Streit – "
Da war noch ein bisschen mehr Hin und Her gewesen, aber an irgendeinem Punkt in diesem Hin und Her spielte es sich genau so ab wie in dieser Art von Holo. Leia gab Han die Schuld, aber er behauptete immer, dass sie den finalen Schritt gemacht hatte, und da waren sie nun und beendeten das kleine Geplänkel in einem Kuss, der – nun ja, ziemlich außer Kontrolle geriet.
Es fühlte sich einfach so gut an, ihn zu küssen. Die Art, wie er verzweifelt ihre Taille umfasste, als könne er plötzlich sein Glück kaum fassen, als würde er sich dagegen wehren, sie dieses Mal entkommen zu lassen (sie hatte seit dem letzten Kuss darüber nachgedacht, seit dem Kuss im Schaltraum stand jeder Teil von ihr in Flammen) – sie war müde und sehnte sich nach seiner Berührung und er war wie Wasser in einer glühenden Wüste.
So ging es weiter und weiter und das Nächste, was sie wusste, war, dass ihr Rücken gegen die Kabinenwand gedrückt wurde (sie wollte das), und ihre Füße den Boden nicht mehr berührten (sie hatte einen Schuh verloren, aber wollte das definitiv) und dass Hans Hände sie wirklich überall berührten, während seine Lippen ihre nur verließen, um ihr Kinn und ihren Hals zu küssen, bevor er sich wieder ihren Lippen zuwandte, und sie klammerte sich besitzergreifend und mit Entschlossenheit an seine Haare – jedes Mal, wenn er sie küsste, flüsterte sie seinen Namen, jedes Mal, wenn er sie an einer anderen Stelle berührte.
Ihr war schwindlig, ihr Herz raste, und sie hielt ihn fester, weil es irgendwie die einzige Möglichkeit war, wie sie nicht die Nerven verlieren würde, und sie bat ihn nie, aufzuhören, hielt niemals inne, um nachzudenken; sogar als seine Hände in ihre Hose glitten, in sie hinein – was sie immer wieder murmelte, war Han, Han, ja…ja – ein stetiger Strom der Ermutigung, fast eine Herausforderung – es war, als wollten sie sehen, wer zuerst nachgeben und dem Ganzen ein Ende bereiten würde, denn irgendjemand bereitete ihm immer ein Ende – !
Dieses Mal, in diesem Moment – stellten sie den anderen auf die Probe und taten es doch nicht. Sie spürte seine Hände an ihren Oberschenkeln, er fühlte, wie ihre Hand zu seinen Hüften glitt, ihn umfasste, ihn herausforderte, und die völlige Absurdität dessen, was sie da taten, entging ihnen, denn trotz der Ungeschicklichkeit war der Moment, in dem er endlich in sie eindrang, so schön, dass sie schreien wollte.
Sie wollte schreien, aber sie war sprachlos.
Er gab ein Geräusch von sich, das wie vollkommene Ekstase klang und Leia sah Sterne und trotzdem drang immer noch nichts davon ihr wirklich ins Bewusstsein (nun ja, zumindest im übertragenen Sinne; Han drang buchstäblich in sie ein), nicht direkt.
Sie wisperte ihm immer noch mit geschlossenen Augen seinen Namen ins Ohr, und er hielt sie immer noch fest und hantierte mit ihren Beinen herum, weil sie sich nicht wirklich in einer optimalen Position befand, und erst, als er halbherzig versuchte, ihre Hose weiter herunterzuziehen – was sich als unmöglich gestaltete, weil ihre Beine seine Taille umschlangen und sie in der Leistengegend miteinander verbunden waren – wurde ihr die gesamte…Situation wirklich bewusst.
Oder vielleicht war es der stotternde, unangenehme Aufprall ihres Kopfes (oder ihres Steißbeins) an der Wand hinter ihr – die leicht gewölbt war, weshalb es sich nicht gut anfühlte, dagegen gedrückt zu werden – nach dem sie die Stirn runzelte und ihr erschrocken klar wurde (wirklich klar wurde), dass sie Sex mit ihm hatte.
Plötzlich hörte sie sich selbst – war das sie? Keuchend wie ein Tier, seinen Namen wispernd? War das sein Knie, das hinter ihr gegen die Wand knallte? Fühlte sich das überhaupt – ? War das wirklich sie, die keuchte und stöhnte und dabei wie ein atemloses Flittchen klang, wie irgendein leichtfertiges Mädchen aus dem Blue Net?
„Han?", fragte sie laut und brach den Bann. „Han – !"
Er schien genauso schnell wieder zu sich zu kommen wie sie und…erstarrte. Leia umklammerte sanft seinen Nacken und zog die Nase kraus. Sie biss sich auf die Lippe.
„Das fühlt sich nicht gut an", wisperte sie ungläubig.
„Han…das…fühlt sich nicht gut an?"
Er zog sich ein wenig benebelt von ihr zurück und blinzelte sie an. Der Ausdruck auf seinem Gesicht war – schwer zu deuten; es schien, als würde er ihr zustimmen, aber wäre sich nicht ganz sicher, was vor sich ging. Er bewegte seine Hüften und schob sie ein wenig nach oben. Sie zuckte heftig zusammen und Han verzog das Gesicht.
Zustimmend schüttelte er den Kopf.
„Äh, nein, das tut es nicht", antwortete er und klang geschockt.
Für den Bruchteil einer Sekunde starrten sie einander an. Leia holte hastig Luft.
„Oh mein Gott. Du bist in mir drin", quietschte sie.
Unerwartet trat Han einen panischen, taumelnden Schritt zurück, während ihm die Farbe aus dem Gesicht wich. Nicht die beste Entscheidung, weil seine Hüften das Einzige waren, was sie davon abgehalten hatte, auf dem Boden aufzukommen. Sie stieß ein Quietschen hervor, ihre Fersen schabten an der Wand entlang, als sie versuchte, ihre Füße unter sich zu bekommen, und sie stolperte über ihre halb ausgezogene Hose. Daraufhin schlug sie mit dem Knie auf dem Boden auf, fing den Rest ihres Sturzes ab und blieb mit gesenktem Kopf sitzen.
Ihre Hüften schmerzten. Ihr Herz versuchte, aus ihrem Brustkorb auszubrechen. Ihre Beine fühlten sich schwach an, in ihrem Magen rumorte es. Sie blickte auf, versuchte zu Atem zu kommen, und die Absurdität dieser Situation traf sie wie ein Schlag ins Gesicht. Ihre Hose hing noch halb an ihr – Hans Hose war nicht einmal heruntergezogen – sein Haar sah aus, als hätte ein Mynock darin geschlafen (oh richtig, das war ihr Verdienst) – und jetzt spähte er zu ihr herunter, einen verwirrten Ausdruck auf dem Gesicht.
„Du hast, du hast gesagt, du hast gesagt", würgte er hervor. „Ja, du hast ja gesagt, Han, ja", stammelte er und ahmte sie halb nach, sein Gesicht verzog sich, als versuche er, sich zu erinnern – Entsetzen huschte durch seine Augen und Leia schüttelte den Kopf.
Sie konnte nicht anders. Sie senkte für einen Moment erneut den Kopf und kämpfte mit den Tornados, die in ihr tobten. Sie machte ein Geräusch, das für Han wie ein ersticktes Schluchzen klang und er dachte sofort darüber nach, sich seinen Blaster in den Mund zu stecken – aber dann sah sie auf, griff hilflos nach seinen Händen und lachte.
„Schätzchen", hauchte er, sein Ton überraschend hoch.
Er zog sie nach oben, sie stolperte über ihre Hose, die nun ganz auf ihre Füße heruntergerutscht war und er machte einen Schritt nach vorne und lehnte sich an sie – wodurch er sie beide gegen die Wand lehnte.
Leia krümmte sich, unerbittlich kichernd, und nach einem Augenblick – als er sicher war, dass er nicht gerade eine unaussprechliche Grenze überschritten hatte, lachte er heiser auf und seine Augenbrauen schossen in die Höhe. Er löste sich ein wenig von ihr, blickte zwischen ihnen hinab – und dann wieder zu ihr auf.
Sie hob eine Hand und schlug sie vor den Mund, weil der Ausdruck auf seinem Gesicht sie wieder aus der Fassung brachte.
Er zog ihre Hand weg.
„Verdammt", stöhnte er.
„Han", keuchte sie mit hell leuchtenden Augen. „Was zum Teufel war das? Was tun wir hier?"
Han schüttelte den Kopf.
„Nicht meine beste Leistungsbeurteilung", erwiderte er dramatisch.
Er drückte ihre Hand.
„Hat irgendetwas davon wehgetan?", fragte er verlegen. „Verdammt", murmelte er noch einmal.
„Nun ja, auf den Hintern zu fallen, war ein wenig unangenehm."
„Du weißt, was ich meine."
Leia versuchte, sich zu beruhigen, legte den Kopf zurück und atmete in schnellen Zügen ein. Sie zuckte die Achseln.
„Es ist alles verschwommen, es ist", sie schüttelte entschieden den Kopf. „Nein", meinte sie und zog die Stirn in Falten. „Ich denke nicht, dass ich realisiert habe, wie sehr ich es wollte", erklärte sie. „Ich glaube, für einen Moment habe ich Gott gesehen", gestand sie matt. Sie neigte den Kopf zur Seite. „Ich schätze, es hat angefangen wehzutun – naja, es war einfach nur – ein unangenehmer Winkel, wirklich – ", sie brach ab und biss sich auf die Lippe.
Han stöhnte, während sein Gesicht errötete. Er schüttelte den Kopf und rieb sich über den Nacken.
„Das war – "
„Furchtbar", ergänzte Leia.
Missmutig ließ Han den Kopf auf ihre Schulter sinken. Als er aufsah, schien er empört.
„Wie?", fragte er. „Du und ich – jahrelang haben wir – und endlich – das zählt nicht."
Leia rutschte ein wenig an der Wand herunter.
„Das war der Augenblick, Han", seufzte sie dramatisch. „Historisch, ikonisch, das erste Mal, und es war – "
„Vorspiel", versuchte er es.
Leia fing wieder an zu lachen, leiser dieses Mal, und fing seinen Blick auf.
„Ich mag ja nicht viel Erfahrung haben, aber ich bin bereit, zu bezeugen, dass das hier, äh, die richtige Sache war", wisperte sie.
Ein gereiztes Pochen zwischen ihren Beinen spiegelte dieses Gefühl wider.
Sie änderte ihre Position ein wenig. Han schloss ergeben die Augen.
„Das", begann er mit rauer Stimme. „Ich – du bist nicht – ich bin noch nicht einmal – ", ungläubig schüttelte er den Kopf – schlechter Sex war ganz sicher schlechter Sex, wenn der Kerl es nicht einmal schaffte, den Höhepunkt zu erreichen – was waren sie, ein paar Teenager? „Leia", stöhnte er, „wir sind gut zusammen", stellte er fest, öffnete die Augen und sah sie eindringlich an. Mit dem Daumen berührte er ihre Unterlippe und zwinkerte. „Auf keinen Fall sind wir beide zusammen schlecht im Bett."
Leia küsste sanft seinen Daumen, während das Blut in ihren Ohren rauschte – sie wollte wieder anfangen zu lachen, aber mehr als alles andere wollte sie den Rest dieses Augenblicks nutzen, bevor sie anfing, zu sehr darüber nachzudenken; sie wollte an der rücksichtslosen Hingabe festhalten, der sie gerade erlaubt hatte, sie zu überkommen, sie wollte, dass sie sie wirklich überkam, und sie wollte, dass es schön war, nicht nur – nun ja, sie hatten gerade nicht nur Wände eingerissen, sie hatten sie zerschmettert, und welchen besseren Weg gab es, sich auf Intimität einzulassen?
Sie mussten nicht mehr jedes Wort auf die Goldwaage legen. Der große Moment war vorüber, die Erwartungen gesenkt – wo sollte es noch hingehen, wenn nicht nach oben?
Sie holte tief Luft.
„Naja", begann sie kühn, „vielleicht sollten wir es", sie nickte mit dem Kopf über seine Schulter, zur Koje hin, „im Bett versuchen."
Han grinste. Bevor sie auch nur blinzeln konnte, hatte er sie hochgehoben und trug sie hinüber zum Bett, und ihr Kopf schwamm vor Fantasien, wie diese Dinge ablaufen sollten – wie solche Geschichten immer auf der Leinwand erzählt wurden: Feinde zu Freunden, Freunde zu Geliebten, Verlangen, zwei eigensinnige Menschen, die schließlich über ihren Schatten sprangen, und alles in einem Augenblick gipfelnd, der so magisch war, dass die Himmel sangen, die Vögel zwitscherten und Sterne im Moment des synchronen Höhepunktes explodierten –
Ihr Rücken traf auf den Kissen auf und Han lag plötzlich auf ihr, die Lippen auf ihre gedrückt, und sie begann erneut zu lachen, leiser dieses Mal, das Geräusch klang heiser und sanft – zur Hölle mit den Holos, dachte sie, was machte es schon, wenn das erste Mal den unmöglichen Fantasien nicht gerecht werden konnte?
Der Rest ihres Lebens mit ihm konnte das allemal.
