Eine kleine Nachtwanderung
»Hast du die Hausaufgaben gemacht?« fragte Harry eigentlich nur, um eine Unterhaltung anzuregen.
Ron hatte sich auf der Couch lang gemacht und schnarchte dermaßen laut, dass seine Freunde schon überlegten, seine Nase zu verhexen.
Hermione hatte es sich auf dem Boden bequem gemacht, um ihre Unterlagen auf dem Tisch auszubreiten und zu bearbeiten.
Der Gemeinschaftsraum war schon länger beinahe verlassen.
Der Krieg lag nun schon fast ein Jahr zurück, und trotzdem merkte man, wie sehr die jüngeren Jahrgänge das Jahr unter der Aufsicht von Todessern beeinflusst und verängstigt hatte.
In dem einen Jahr hatte Snape es als Schulleiter geschafft, den Erstklässlern ein vollkommen falsches Bild von Hogwarts zu vermitteln.
Es hatte einiges an Überzeugungsarbeit gebraucht, um den Jüngeren beizubringen, dass sie nicht in Reih und Glied zu stehen haben, wenn sie vor dem Unterrichtsraum auf den Lehrer warten, oder dass sie nicht um Punkt 21 Uhr mit Anfang der Sperrstunde auch im Bett zu sein haben. Das waren nur zwei kleine Punkte, die sie den Neuzugängen aus den Köpfen schlagen mussten.
Auch wenn die anderen Jahrgänge auf Hogwarts geblieben waren, während Harry und seine Freunde Jagd auf Voldemorts Horkruxe gemacht hatten, so konnte man ihnen nach dem Krieg sofort anmerken, dass sie durch Einschüchterung und Sanktionen sich nicht sofort trauten, frei zu denken oder Spaß am Lernen zu haben.
Es würde sich ändern, mit der Zeit.
Vielleicht.
Aber das sollte nicht Harrys Sorge sein oder die seiner Freunde. Sie hatten sich nach dem Krieg doch noch entschlossen, das fehlende Jahr nachzuholen.
Die Reparaturen hatten zwar über die Sommerferien noch angedauert und waren auch bis zu diesem Tag noch nicht vollkommen abgeschlossen, aber Professor McGonagall hatte es geschafft, den Stundenplan so umzustellen, dass ein rudimentärer Unterricht stattfinden konnte.
Die Häuser, deren Gemeinschaftsräume oder Schlafsäle zerstört worden waren, mussten die erste Zeit in Hogsmeade untergebracht werden. Sehr zur Freude einiger Schüler und zum Leidwesen von Schulleiterin McGonagall, die dem übermäßig fröhlichen Treiben gleich einen Riegel vorschieben musste.
Mittlerweile hatte sich alles ein wenig wieder eingependelt, mit dem einen oder anderen Hindernis.
Ganz vergessen würden sie den Krieg nie. Auch die Zeit der Besetzung durch die Todesser nicht.
»Ich kann mich nicht konzentrieren«, gab Hermione schließlich zu, nachdem sie den gleichen Satz zum vierten Mal gelesen hatte.
»Ja, geht mir ähnlich...« Harry nahm sich ein paar Kissen vom Sofa und ließ sich dann neben ihr auf den Boden fallen. Er lehnte sich gegen die Armlehne des Sessels hinter ihm. »Ist schon eigenartig. Bald ist's ein Jahr her.«
Hermione hatte ihre Hefte und Bücher zugeklappt und starrte nun auf den Buchdeckel von 'Alte und vergessene Hexereien und Zaubereien' - eigentlich kein Buch, das auf der Liste für die Abschlussprüfungen stand und trotzdem wollte sie es unbedingt lesen. 'Man kann ja nie wissen', hatte sie schlicht erklärt. Vielleicht war es aber auch einfach nur ihre Methode, um sich vom offensichtlichen Stress und den Erinnerungen abzulenken, die sie sonst heimsuchten.
Harry verstand das nur zu gut.
Auch ihn plagten Erinnerungen und Träume, auch wenn diese ganz anderer Natur waren. Hermione konnte schließlich nicht von sich behaupten, Voldemort in ihrem Kopf gespürt zu haben. Noch heute fragte er sich, was von den Erinnerungen Wirklichkeit war und was als Trugbild in sein Bewusstsein gepflanzt wurde.
»Wo hast du das Buch eigentlich her? Ich dachte, das einzige Exemplar davon wäre in der Bibliothek?!« lenkte er schließlich ab, weil ihm keine anderen Themen einfielen, über die er sprechen wollte.
»Es ist aus der Bibliothek«, erklärte sie, und bevor Harry seine Zweifel äußern konnte, fügte sie schnell hinzu: »Professor Lupin hat ein gutes Wort bei Madame Pince für mich eingelegt, damit ich es mir ausleihen darf.«
Die Bücherei war ohnehin zur Hälfte zerstört worden. Es hatte Monate gedauert bis sie die Bücher unter den eingestürzten Mauern und Regalen bergen konnten. Auch wenn fähige Zauberer und Hexen an der Restauration der Bücher geholfen hatten, waren tatsächlich nur ein Drittel davon zu retten gewesen.
Der Rest war entweder durch Dreck und Wasser zerfallen und war nicht mehr rekonstruierbar, oder einfach verschwunden. Es war auch nicht auszuschließen, dass sich einige Bücher dazu entschlossen hatten, sich schlichtweg in Luft aufzulösen, um ihr Wissen eigenständig ins Jenseits mitzunehmen.
»Er will wohl ein paar Pluspunkte sammeln als neuer Hauslehrer von Gryffindor!« scherzte Harry und erntete damit gleich ein geworfenes Kissen direkt in sein Gesicht.
»Ich freue mich für ihn!« schimpfte Hermione etwas zu barsch und drohte mit dem nächsten Kissen.
»Schon gut!« Er hob ergebend die Hände. »Ich freu mich ja auch für ihn. Wir hatten immerhin bis zu den Weihnachtsferien keinen Hauslehrer mehr. Aber ich glaube, er ist leicht überfordert und will es jedem recht machen.«
»Da wird er sich noch reinfuchsen, glaubst du nicht, Harry?« erwiderte sie. »Er hat ja schließlich noch Teddy, um den er sich kümmern muss. Das ist bestimmt auch nicht leicht als alleinerziehender Vater!«
Harry starrte ins Leere und nahm den Gedanken mit in die Ferne.
Wie es sich wohl anfühlen musste, als Vater... ohne seine Frau... und dann immer ein kleines Kind um einen herum, das stets Aufmerksamkeit verlangte und nichts von dem Leid wusste, das einen nachts plagte, wenn keiner hinsah?
»Glaubst du, dass wir mehr für ihn tun sollten?« fragte er unsicher und schnappte sich eins der Magazine, die achtlos auf dem Tisch liegen gelassen worden waren.
»Du meinst wegen Teddy?« hakte Hermione nach.
»Auch...« Er blätterte in dem Magazin herum, ohne wirkliches Interesse an den Artikeln zu zeigen. »Er hat seine Frau und alle seine Freunde verloren... gegen Voldemort. Hast du ihn jemals lachen gesehen?« Er warf das Magazin wieder unbeachtet auf den Tisch.
»Glaubst du nicht, dass Professor Lupin selbst damit zurecht kommen kann? Er ist schließlich erwachsen und viel älter als wir.«
»Was hat das denn damit zu tun?« fragte Harry schnippisch.
»Nun, er ist erwachsen, er wird selbst wissen, welche Probleme er hat... Harry, du bist nicht für alles und jeden verantwortlich, nur weil er mit deinen Eltern befreundet war.« Hermione packte ihre Sachen zusammen.
Es war spät.
»Trotzdem fühl ich mich irgendwie schlecht...« gab Harry zu.
»Harry!« Hermione seufzte. »Du kannst nicht die Probleme der ganzen Welt auf dich schultern!«
Doch sie merkte schnell, dass es ihm keine Ruhe ließ.
»Wieso bietest du ihm nicht an, dich mehr um Teddy zu kümmern? Bist du nicht eigentlich Teddys Pate? Du könntest dich um ihn kümmern, wenn Vollmond ist. Da wird er sicherlich froh über das Angebot sein«, schlug sie schließlich vor und warf einen Blick aus dem Fenster hinaus in die Nacht.
Beinahe nachdenklich näherte sie sich dem Fenster als wäre da draußen etwas interessantes zu entdecken. Mit zusammengeschobenen Augenbrauen starrte sie durch das uneben geblasene Buntglas.
»Ist heute nicht auch Vollmond?« fragte sie mehr zu sich selbst.
»Mag sein...« Harry ging zu ihr und schaute nun ebenfalls aus dem Fenster.
Da sahen sie den Erdtrabanten, der sich bereits über die Baumwipfel des Verbotenen Waldes erhoben hatte. Sie mussten etwas die Köpfe recken, weil zwischen ihnen und der Mond noch die Strebepfeiler des angrenzenden Gebäudes dazwischen standen.
»Fällt die Stunde morgen aus?« fragte Hermione verwirrt.
»Du meinst Verteidigung gegen die dunklen Künste?« vergewisserte Harry sich.
Hermione nickte.
»Nicht dass ich wüsste...« Harry geriet ins Stocken und rieb sich das Kinn. »Ist das überhaupt schon Vollmond? Oder nimmt der noch zu?«
Remus Lupin hatte den vakanten Posten des Gryffindor Hauslehrers erst mitten im Schuljahr angetreten.
Es war ein politisches Debakel gewesen als ein Mitarbeiter des Ministeriums zu tief ins Glas geschaut und alles ausgeplaudert hatte. Der Pub war zwar nicht gut besucht gewesen, aber es hatten genau jene darin ihr Bier getrunken, die es weiter verbreiten würden - in der Presse, im Radio, auf dem Markt - weil sie etwas dagegen hatten, dass Werwölfe sich wie normale Zauberer in die Gesellschaft integrierten.
Berge von Formularen wechselten die Tische bis jeder im Ministerium mindestens einmal eines davon entweder weitergeleitet oder selbst unterschrieben hatte. Formulare, die für eine Einstellung eines Werwolfs sprachen, Beschwerden, die sich dagegen aussprachen. Es verging nicht ein Tag, an dem es keine explodierenden Heuler im Ministerium die Unruhe störte.
Es war alles nachzulesen im Daily Prophet.
Professor Lupin verdankte es einzig und allein seinem Engagement für den Widerstand gegen Voldemort und namhaften Befürwortern, unter anderem Schulleiterin McGonagall und Harry Potter selbst, dem Jungen, der überlebt hat, dass er an Hogwarts wieder unterrichten durfte. Auch gegen den Protest einiger Eltern.
Die Gesetze, die erst kürzlich zur Eindämmung von Werwolfsinfektionen erlassen wurden, waren zwar immer noch gültig, aber Kingsley Shacklebolt hatte alles in die Wege geleitet, um für ihn eine Ausnahme zu machen. Als neuer Zaubereiminister arbeitete auch schon daran, die entsprechenden Werwolfsgesetze wieder abzuschaffen.
Aber wie sagte man so schön?
In der Politik mahlten die Mühlen langsam.
Der erste Schritt war getan, und somit konnte Remus Lupin seinen Posten als Hauslehrer auf Hogwarts offiziell antreten.
Die Gryffindors hatten eine kleine Überraschungsparty für ihn geschmissen, mit ausreichend Schokoladenkuchen und Kürbissaft. Es war das erste Fest, auf dem die Gryffindors ausgelassen feiern und die schrecklichen Gedanken an den Krieg verdrängen konnten. Auch die Zweitklässler gewöhnten sich allmählich an die Gelassenheit und die Normalität, wenn man bei Hogwarts von einem Normalzustand überhaupt sprechen konnte. Denn nichts war auf Hogwarts wirklich normal.
»Wie lange ist es jetzt her, dass Professor Lupin seine Stelle angetreten hat?« fragte Harry gedankenversunken. »Drei Monate?«
»Vier«, antwortete Hermione. »Vielleicht ein bisschen mehr.«
»Und seine Stunden sind bisher kein einziges Mal ausgefallen, oder?« Harry versuchte sich an einen Ausfall zu erinnern. »Findest du das nicht auch seltsam? Als er das erste Mal hier Professor war, ist sein Unterricht doch jedes Mal nach Vollmond ausgefallen. Und jetzt etwa nicht?«
»Vielleicht hat das was mit dem Wolfsbanntrank zu tun, den Professor Snape ihm braut?« mutmaßte Hermione.
»Aber selbst in seinem ersten Jahr als Professor soll er den Trank von Snape bekommen haben, und trotzdem war er nach dem Vollmond immer angeschlagen. Findest du das nicht auch seltsam?«
»Harry, der Trank ist so gut wie unerforscht. Vielleicht verändert Professor Snape den Trank ja auch, damit es Professor Lupin besser geht, und vielleicht wurden seine Stunden so gelegt, dass der Unterricht vom Vollmond nicht betroffen ist. Ich hab gehört, dass letzten Monat der fünfte Jahrgang am Samstag Unterricht hatte...«, erinnerte sich Hermione.
Harry lachte kurz auf, sagte dann aber nichts dazu.
»Machst du dir Sorgen?« fragte Hermione nach einer Weile.
»Nein«, schnaufte Harry und wandte den Blick vom Fenster ab. Er kratzte sich den Nacken wie er es immer tat, wenn er verlegen war. »Ein bisschen«, gab er schließlich zu.
»Sollen wir nachsehen? Es sieht ja nicht ganz nach Vollmond aus...« schlug Hermione vor und erntete einen skeptischen Blick. »Du gibst sowieso keine Ruhe bevor du dich nicht vergewissert hast. Und wenn alles in Ordnung ist, können wir ja sagen, dass wir nach Teddy sehen wollten. Schließlich ist er dein Patenkind, da wirst du dir ja mal Sorgen machen dürfen.«
»Hermione, du bist genial!« rief Harry erfreut aus und fiel ihr um den Hals. »Was würde ich nur ohne dich machen?«
Hermione lachte. »Vermutlich wärst du schon längst gestorben!« Sie streckte ihm die Zunge raus.
Ron wurde unsanft von einem geworfenen Kissen in seinem Gesicht geweckt und verschluckte sich direkt an seinem eigenen Schnarchen.
»Was... in Merlins Namen! Was sollte das?« murmelte er schlaftrunken und zu müde, um wütend zu sein.
»Komm mit! Wir gehen spazieren!« gab sie ihm zu verstehen und holte Schal und ihre gefütterte Robe. Draußen war es immer noch recht kalt nachts. Morgens hing manchmal noch der Frost in den Fensterecken, und wenn man dann noch aus den Fenstern ins Tal schaute, lag der Raureif auf den Wiesen wie eine dünne Puderzuckerschicht.
»Mione! Es ist kalt draußen!« jammerte Ron und zeigte keine Anstalten, sich vom Sofa zu erheben.
»Du kommst entweder mit, oder Harry und ich gehen alleine! Es ist deine Entscheidung, Ronald Bilius Weasley!«
Zu ihrer Enttäuschung legte Ron sich einfach wieder hin und drehte ihr den Rücken zu.
Sie verdrehte ihre Augen und stürmte hinaus.
So ging das schon eine Weile zwischen den beiden.
Harry nahm sich vor, später ein ernstes Wort mit Ron zu sprechen, aber Remus und vor allem Teddy waren jetzt erst einmal seine Priorität.
oOo
Sie gingen eine Weile schweigend nebeneinander her. Die Wohnung, die immer vom Gryffindor Hauslehrer bezogen wurde, lag am Fuß der Turmtreppe. Also im Grunde genommen kein langer Spaziergang.
Trotzdem nutze Harry die Chance, um Hermione etwas auf den Zahn zu fühlen.
»Ich dachte, ihr habt das zwischen euch geklärt?« fragte er, weil er es für sinnfrei hielt, um den Busch herum zu schlagen.
Sie blieb mitten auf der Treppe stehen.
»Er sagt, er braucht Zeit... Ich hab ihm Zeit gegeben, Harry. Er redet ja nicht einmal darüber!«
Sie zögerte.
Die Wörter drängten hinter ihren Lippen, aber sie sagte nichts weiter.
Harry wusste, dass er ihr nicht helfen konnte, trotzdem wollte er ihr das Gefühl geben, mit ihren Gedanken nicht allein zu sein.
Sie hatten schon zu viel gemeinsam durch gemacht. Hermione jetzt im Stich zu lassen wäre unfair gewesen.
»Wenn du reden willst, hab ich immer ein offenes Ohr für dich. Das weißt du, oder?« versprach er ihr.
Sie nickte lediglich.
Dann waren sie am Fuß der Treppe angekommen. Gleich im Gang links davon war das Apartment, das Professor McGonagall bewohnt hatte, während sie Hauslehrerin von Gryffindor gewesen war. Also musste Remus Lupin doch auch da wohnen.
Zumindest war das ihre Annahme.
Die Eingangstür war von zwei Portraits umrahmt. Auf dem einen stand ein Ritter in seiner prächtigen und polierten Rüstung. Das Schwert vor sich präsentiert. Zum Kampf bereit. Man sah sein Gesicht nicht, weil das Visier seines Helms heruntergeklappt war.
Auf der anderen Seite räkelte sich eine Hexe lasziv auf einer Recammiere und schenkte ihnen keine Beachtung. Stattdessen bedachte sie eine Obstschale mit einem hungrigen Blick. Normalerweise lag eine riesige Dogge vor der Recammiere, aber heute war der Hund wohl anderweitig beschäftigt.
Die Tür war aus massivem Holz und mit reichlichen Schnitzereien verziert, die kleine Geschichten aus dem Hause Gryffindor erzählten - vermutlich aus den Anfangszeiten. Bisher hatte Harry nie die Gelegenheit gehabt, sich mehr mit der Geschichte seines eigenen Hauses zu befassen.
Vor der Tür hin eine Kordel herab, die, über einen kunstvoll geschwungenen Haken geführt, in die Wand über der Tür hineinführte. Es war eine alte Art von Klingel, die eigentlich so gut wie nie benutzt wurde, weil die Portraits Professor McGonagall stets informiert hatten, wenn jemand vor der Tür wartete. Es waren auch die Portraits, die Auskunft gaben, ob Professor McGonagall überhaupt anwesend war.
Nun.
Das war alles zu Zeiten als Minerva McGonagall noch ihre Hauslehrerin war.
Der Ritter blökte immer barsch, wenn keiner in der Wohnung war, und wenn er es nicht tat, dann machte sich der Hund vom anderen Portrait zum anderen Portrait innerhalb der Wohnung auf, um den Besucher anzukündigen. Die Kordel war nur dazu da, wenn die Portraits sich weigerten oder gerade in anderen Gemälden spazieren gingen. Inkooperative Portraits gab es aber auch immer wieder.
Es war seltsam, an der Kordel zu ziehen.
Bei Professor McGonagall war das nie nötig gewesen.
»Vielleicht ist er in einem anderen Raum, um sich zu verwandeln... Du weißt schon, falls wirklich Vollmond ist«, vermutete Hermione.
»Ja, aber dann müsste doch jemand da sein, der sich um Teddy kümmert«, entschied Harry. Es tat ihm leid, dass er sich nicht schon früher für seinen Patensohn interessiert hatte. Der Krieg und die turbulente Zeit danach waren so erschöpfend und auszehrend für einen Teenager wie Harry, dass er kaum mit sich selbst klar kam.
Er war froh, seine Freunde zu haben, die für ihn da waren, wenn er Kummer hatte, oder wenn er jemanden zum reden brauchte.
Hätte er sich eher um sein Patenkind kümmern sollen? Er hatte keine Ahnung... Er war doch erst 17!
Hinter der Tür war nichts zu hören.
»Vielleicht hat er Teddy ja auch bei jemandem untergebracht«, dachte Hermione laut nach.
In dem Portrait der Hexe erschien der Hund auf einmal wieder wie aus dem Nichts und ließ sich vor der Recammiere fallen. Er hechelte heftig, dass seine Zunge wie ein toter Lappen aus dem Maul hing. Die Hexe kommentierte dies nicht. Sie schenkte ihnen ja nicht einmal ihre Beachtung.
Harry zog erneut an der Kordel.
»Funktioniert das Ding überhaupt noch?« fragte er Hermione, die überraschenderweise keine Antwort darauf hatte und nur mit den Schultern zuckte.
»Könnte er in der Krankenstation sein?« wunderte Hermione sich.
»Vielleicht morgen früh, aber nicht in seiner Werwolfform«, vermutete Harry, wusste es aber nicht genau. »Ich müsste es eigentlich wissen!« rief er schließlich frustriert aus.
»Warum? Du bist doch selbst noch ein Kind, Harry«, versuchte Hermione ihn zu beruhigen.
»Meine Eltern waren nicht viel älter als sie mich bekamen. Was sind da schon die paar Jahre mehr?« Harry zog erneut an der Kordel, dieses Mal energischer und zweimal hintereinander. »Ich fühl mich auf einmal, als hätte ich Remus im Stich gelassen.«
Eine Hand auf seiner Schulter holte ihn aus seinen tiefen Zweifeln wieder heraus.
»Lass uns etwas weiter laufen. Das hilft dir, dich zu beruhigen.«
Harry sagte nichts darauf, ließ sich aber mitziehen.
»Wenn du ihn morgen im Unterricht triffst, kannst du ihm ja vorschlagen, mehr Zeit mit Teddy zu verbringen. Das freut ihn bestimmt«, versuchte sie ihn aufzuheitern. Sie hakte sich bei ihm ein, um ihn weiter voran zu schieben, damit er sich schneller bewegt. »Du könntest ihm sagen, dass du schon mal für später üben möchtest.«
»Was?!« quiekte Harry leichenblass.
Sie gingen ein Stück schweigend nebeneinander her bis sie eine Stimme hinter ihnen regelrecht in ihrer Bewegung einfrieren ließ.
»Und was machen Sie um diese Uhrzeit noch auf den Gängen, Mr. Potter und Ms. Granger?« rief Schulleiterin McGonagall hinter den beiden her.
Hermione und Harry blieben wie angewurzelt stehen und drehten sich langsam um.
Professor McGonagall schloss in einem gemächlichen Schritt zu ihnen auf. Weglaufen hatte ohnehin keinen Sinn.
Als sie vor ihnen stand zauberte sie ein Sichtfenster herbei, das vermutlich auf einen Punkt in ihrem Büro oder ihrer Wohnung gerichtet war und das Ziffernblatt einer großen Uhr offenbarte.
»Würden Sie bitte die Güte haben, mir zur erklären, wieso Sie sich um 22:49 Uhr nicht in Ihrem Gemeinschaftsraum oder Schlafsaal aufhalten?« fragte sie mit hochgezogener Augenbraue. Das Sichtfenster verpuffte wieder in einer Rauchsäule.
»Wir wollten nur spazieren gehen... ein wenig frische Luft schnappen, Professor!« plapperte Hermione erschrocken los. Gelogen war es schließlich nicht.
Harry entschloss sich für eine andere Strategie: »Wir sind auf der Suche nach Professor Lupin.«
»Professor Lupin!« rief McGonagall erstaunt aus. »Haben Sie nicht aus dem Fenster geschaut? Professor Lupin kann Ihnen beiden heute Nacht nicht behilflich sein. Das sollten Sie beide mittlerweile wissen.« Es war keine Schelte, eher ein gut gemeinter Rat.
»Wir waren uns unklar darüber, ob heute Vollmond ist oder doch erst morgen. Wir haben uns nur gefragt, ob wir mit der Beaufsichtigung von Teddy behilflich sein könnten«, erklärte Hermione schließlich. »Wir machen uns Sorgen und wollten uns vergewissern, dass es Teddy gut geht, während Professor Lupin sich nicht um ihn kümmern kann.«
»Verstehe«, tat sie Hermiones Erklärung ab und bedachte Harry mit einem strengen Blick. »Sie sind Edward Lupins Patenonkel, nicht wahr?«
»Ja.« Harry hielt ihrem Blick nicht stand und schaute weg während er sich verlegen den Nacken kratzte. »Ich habe bisher vielleicht nicht genug getan, um meiner Rolle in seinem Leben gerecht zu werden.«
»Ich verstehe«, entgegnete Professor McGonagall und begann leicht und süffisant zu lächeln. »Und genau das fällt Ihnen beiden zu Vollmond ein, nach der Sperrstunde?«
»Wir haben gedacht, dass Professor Lupin vielleicht unsere Hilfe gebrauchen könnte«, wandte Hermione ein, obwohl es offensichtlich war, dass sie sich in dieser Nacht eher in Gefahr bringen würden anstatt behilflich sein zu können.
»Sie wissen, dass die Hausregeln nicht ohne Grund für alle gelten... selbst für Kriegshelden?« McGonagall wartete die Antwort nicht ab. »Besonders wenn die Prüfungen bald anfangen? Sie sollten eigentlich im Bett sein und sich ausruhen, damit Sie nicht im Unterricht unkonzentriert sind oder schlimmstenfalls einschlafen!« Ihre ehemaligen Hausschüler sahen betreten zu Boden. »Aber ich will mal nicht so sein... Folgen Sie mir.«
Professor McGonagall machte auf dem Absatz kehrt um und ging den Gang wieder hinunter.
Harry und Hermione wechselten irritierte Blicke aus und rannten der Schulleiterin dann doch hinterher.
»Soll das heißen, dass Sie wissen, wo Teddy ist, wenn Professor Lupin sich verwandeln muss?« wollte Harry wissen. Ungeduld nagte an seinen Worten.
»Oh, ich weiß nicht nur, wo sich ihr Patenkind aufhält, sondern auch Professor Lupin selbst. Also beeilen Sie sich, sonst verpassen wir ihn vielleicht noch!« Sie ging in einem so strammen Stechschritt voran, dass die sehr viel jüngeren Schüler Schwierigkeiten hatten, ihr zu folgen.
Ihr Gang war sehr zielgerichtet.
»Professor? Wo führen Sie uns hin?« kam es schließlich skeptisch von Hermione, denn sie entfernten sich immer weiter vom Gryffindor Turm. Auch von der Krankenstation. Also wo ging die Reise hin?
»Glauben Sie, wir lassen einen unserer Kollegen im Stich, Ms Granger?« entgegnete sie ihr ohne Argwohn.
»Natürlich nicht.« Hermione wusste nicht so recht, was sie sonst darauf antworten sollte.
»Oh, aber Sie sind beide davon ausgegangen, dass Sie sich für Professor Lupins Sohn einsetzen müssten.« Die betagte Hexe hielt abrupt an und hatte sich zu ihren beiden Schülern umgewandt.
»Nun, wir glauben nicht, dass er keine Unterstützung erhält, aber ich fühle mich verantwortlich und ich fürchte, dass ich mich zu lange vor meiner Verantwortung gedrückt habe...« erklärte Harry schließlich reumütig.
»Mister Potter, glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass niemand von Ihnen erwartet, sich in Ihrem Alter um ein Baby zu kümmern, nur weil sie der Patenonkel sind. Professor Lupin ist ein sehr privater Mensch, wenn es um seine Familie geht. Und ich zeige Ihnen nur, wie es um Professor Lupin und Edward steht, weil Sie der Pate von Edward sind. Es wundert mich ohnehin, dass er Sie nicht aufgeklärt hat.«
Die Schulleiterin sprach mehr in Rätseln als eine Erklärung zu geben. Sie führte die beiden Schüler weiter, nach unten, vorbei an den Laborräumen und Klassenräumen für Zaubertränke, und noch tiefer, am Gemeinschaftsraum der Slytherin vorbei.
Und da wurde es ihnen schon sehr seltsam ums Herz.
Hatte man Professor Lupin in den Kerker gesperrt? Also den Kerker dafür benutzt, wofür er normalerweise in anderen Schlössern auch tatsächlich verwendet wurde?
Gab es richtige Kerkerzellen unterhalb des Slytherin Domizils, die ihrem Namen tatsächlich gerecht wurden?
Es würde so viel mehr Sinn ergeben!
Vor einem Portrait blieb Professor McGonagall stehen.
Es war ein mannshohes Gemälde von einem alten Mann mit eingefallenen Wangen und Augen, die in einem Brunnen von dunklen Rändern versunken waren. Er trug einen langen, doch recht dünnen und spitz zulaufenden Bart. Seine Kopfhaut glänzte durch den dünnen Flaum, der sein Haupt bedeckte. Trotz seines offensichtlich hohen Alters, lugten zwei wahrlich wachsame Augen aus dem Gesicht heraus. Hinter ihm schlummerte ein gewaltiger Basilisk - ganz friedlich, und der alte Zauberer stand da, als wäre es das natürlichste der Welt, einen Raum mit einem Basilisken zu teilen!
»Ist er da?« fragte Professor McGonagall das Portrait und wurde daraufhin misstrauisch und herablassend betrachtet.
»Er will nicht gestört werden«, gab das Portrait schließlich zu verstehen.
McGonagall überging die Drohung gekonnt. »Das reicht mir«, sagte sie lediglich, ging weiter und blieb vor einer unscheinbaren Tür stehen.
»Er wird nicht erfreut sein!« rief das Portrait ihr noch hinterher.
»Wann ist er das jemals?« McGonagall lächelte und klopfte trotzdem an.
Harry stand hinter ihr als er irritiert fragte: »Wo führen Sie uns hin?«
Beinahe pikiert warf sie ihm einen Blick über die Schulter zu. »Da werden sie sich nicht lange gedulden müssen, Mr. Potter. Allerdings sollten Sie mir das Reden überlassen, bevor Ihre Zunge Ihnen wieder voraus ist.«
Zu verlegen etwas zu sagen, starrte er nur mit offenem Mund auf die Tür, die sich bald darauf öffnete und den Blick auf einen verwunderten Severus Snape freigab.
Statt seines bis zum Adamsapfel hoch geknöpften Mantels trug er ein weißes Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln, darüber eine schwarze offene Weste. Die Ersten beiden Knöpfe seines Kragens waren aufgeknöpft.
Es offenbarte ein vollkommen anderes Bild des Professors, den Harry noch nie ohne sein komplett schwarzes Outfit zu Gesicht bekommen hatte.
Auch die Haare hatte er im Nacken zusammengebunden. Zwei, drei widerspenstige Strähnen hatten sich aus dem Zopf gelöst.
Hinter ihm war es beinahe dunkel.
Kein Feuer, das in einem Kamin knisterte, keine Kerzen, die den Raum erleuchtet hätten. Aber ein grünes gedimmtes Licht schien den Raum zum Leuchten zu bringen - wie auf eine magische Weise, nicht zu dunkel, aber auch nicht hell genug, um darin zu arbeiten oder zu lesen, gerade so hell, um nicht blind gegen den nächsten Tisch zu rennen und sich den kleinen Zeh dabei anzustoßen.
»Minerva...?!« fragte Snape. Eine tiefe Falte bildete sich zwischen seinen Augenbrauen. Offenbar hatte er nicht mit Besuch gerechnet.
»Severus... Tut mir leid, dich außerhalb deiner Schicht an deinem freien Abend störe. Mr Potter und Ms Granger wundern sich wohl, was mit Professor Lupin ist, und ob es Edward gut geht. Vielleicht möchtest du Licht in die Situation bringen«, schlug Professor McGonagall vor. »Es sei denn, ihr wollt schon aufbrechen?«
»Nein, wir haben noch etwas Zeit«, erklärte er recht kryptisch und ohne die gewohnte Schärfe in seiner Stimme. Überraschenderweise trat er einen Schritt zurück und lud sie mit einer Handbewegung zum Eintreten ein. »Du kennst ja den Weg, Minerva.«
Ohne zu zögern betrat Minerva den Raum und verschwand um die Ecke, während die beiden Schüler draußen verblüfft stehen blieben.
»Wollen Sie da im Gang stehen bleiben?« fragte Snape skeptisch.
»Nein, Sir«, stammelte Hermione gestresst zurecht.
»Warum stehen Sie dann noch da herum?« Er blieb verhältnismäßig ruhig. Im Unterricht hätte er schon längst einen abwertenden Kommentar von sich gelassen und die beiden zurecht gewiesen. Aber das war vor dem Krieg gewesen, oder? Bevor er Albus Dumbledore getötet hatte, um ihn vor einer langen Folter durch Voldemort zu bewahren. Bevor das von Todessern unterwanderte Ministerium ihn zum neuen Schulleiter von Hogwarts beordert hatte.
Bevor Harry erfuhr, dass er sie nicht verraten hatte.
Das war so unheimlich lange her.
Hermione schob sich beinahe verstohlen an Snape vorbei, drehte sich um und zog Harry am Unterarm mit sich hinein.
Der Raum war ein Labor!
Es passte so sehr zu Snape, dass er selbst in seiner Wohnung ein riesiges Tränkelabor eingerichtet hatte! Das war doch seine Wohnung, oder? Jedenfalls deutete hier nichts darauf hin, dass jemand hier drin wohnte.
Sofern sie es in dem dunklen Schimmer beurteilen konnten, war das Labor penibel sauber und ordentlich eingerichtet. Es lag auch ein leicht steriler Geruch in der Luft.
Zu ihrer Rechten stand eine Tür offen.
Warmes, heimeliges Licht floss von dort in die Dunkelheit hinein. Professor McGonagall stand dort und wartete geduldig auf ihre Mitbringsel. Snape schob die jungen Erwachsenen vor sich her.
Dass sie den nächsten Raum, jemals zu Gesicht bekommen würden, hätte sich keiner von ihnen jemals erträumen lassen.
Der Raum war nicht klein, aber er war über und über mit Büchern vollgestopft. Die Wand rechts bestand quasi nur aus Regalen, doppelreihig mit Büchern gefüllt. Auf dem Boden vor den Regalen lagen kniehohe Bücherstapel. Selbst über den Türrahmen wanderten Regalbretter hinweg. Die wenigen Flecken Wand, die nicht mit Büchern oder Regalen zugestellt waren, waren behangen mit Tränketabellen, Kräuterkalendern oder Gegenständen, die vermutlich Artefakte waren oder irgendwas Magisches an sich hatten. Über dem Kamin hing eine Sternenkarte mit sämtlichen Sternbildern eingezeichnet. Es war keine gedruckte Karte, wie man sie in den Buchläden kaufen konnte. Die Karte war handgezeichnet.
Auf dem Kaminsims standen mehrere Uhren, und nicht eine davon zeigte die Uhrzeit an. Da war eine Planetenuhr mit 12 Zeigern, eine Uhr, die anscheinend die Mondphasen anzeigte, und eine Dritte, deren Anzeige von weitem nicht zu entziffern war.
Snape hatte hinter ihnen die Tür geschlossen und gab den Blick auf ein weiteres Regal frei, vor dem zwei große und ein kleiner Besen angelehnt standen. Der kleine Besen sah alt und abgenutzt aus und wirkte wie einer der normalen Schulbesen, wie Harry und Hermione sie aus ihren ersten Flugstunden kannten.
An der Tür hingen mehrere Jacken und Roben - alle schwarz, mit einer Ausnahme: Da hing eine braune Robe, die Harry seltsam bekannt vorkam.
Die Mitte des Raumes machte eine Sitzgruppe aus mehreren Sesseln und einem großen Sofa, die vom Design her überhaupt nicht zusammen passten.
Das Sofa war vielleicht mit rotem Samt bezogen. Man konnte die Farbe nicht so ganz erkennen. Sie war entweder verblichen oder zutiefst verstaubt. Wenn es denn wirklich Staub war...
Darüber lag eine graue Wolldecke, die die Sitzfläche schützte, oder vielleicht einfach nur verbergen sollte, wie abgewetzt der Stoff darunter bereits war.
Keiner der Sessel passte farblich zu den anderen, auch vom Aussehen her nicht. Mal war die Rückenlehne so hoch, dass man sich selbst mit dem Kopf zurücklehnen konnte. Der nächste Sessel war wieder mit einer niedrigeren Rückenlehne ausgestattet. Einer war dunkelgrün, der andere mit dunkelrotem Leder überzogen. Es war ein reines Sammelsurium an Möbelstücken. Und alles sah urbequem und gemütlich aus.
Der niedrige Holztisch in der Mitte hatte seine besten Tage schon hinter sich gelassen. Seine Standbeine hatten die Form von Reptilienbeinen - vielleicht sollten es Drachentatzen darstellen?
Der Tisch war überladen mit Magazinen und auf der Seite zur Couch hin stand ein Teller mit kleinen Pasteten.
Bevor Hermione die Titel lesen konnte, ordneten die Magazine sich während sie in die Richtung eines Schreibtisches flogen, der vor einer Fensterfront stand.
Hinter den Fenstern schimmerte eben jenes grüne Licht, das auch das Labor beleuchtet hatte. Nur hier war es nicht dominant. Ein großer Lüster mit Kerzen und das Feuer im Kamin sorgten dafür, dass der Raum in ein angenehmes, warmes Licht getaucht wurden.
Das vielleicht kurioseste Möbelstück in diesem Raum war ein riesiger Flügel, der ausnahmsweise nicht unter einem Bücherstapel begraben war und sogar vollkommen staubfrei erschien.
»Du bist allein?« fragte McGonagall beinahe enttäuscht.
»Nein...« Selbst Snape wirkte irritiert.
Noch etwas fiel den Schülern auf: In dem Raum wimmelte es vor lauter Gitarren! Sie hingen an den Wänden, standen auf Gestellen aufgerichtet. Eine lag sogar auf dem Sofa.
Das ergab überhaupt keinen Sinn!
Snape war doch alles andere als musikalisch!
Oder?
»Nehmt Platz«, wies der Tränkemeister sie an. »Nur nicht auf der Couch! Minerva, du weißt ja, wo alles ist.« Damit ging er zu einer von drei Türen und ließ die Tür hinter sich zufallen.
War das ein Winseln gewesen?
»Ich hatte es mir anders vorgestellt«, murmelte Harry als er sich in einen der Sessel sinken ließ.
»Wie hätten sie es sich denn vorgestellt, Mr. Potter?« fragte Professor McGonagall und kam aus einem anderen Raum mit einem Teller voller Kekse zurück. Hinter ihr flog ein ganzes Arsenal von Teetassen und einer Kanne her, das sich schließlich auf den freigeräumten Tisch platzierte.
»Naja... vielleicht etwas... ordentlicher? Das ist nicht das richtige Wort. Weniger überfüllt... Spielt Professor Snape Instrumente?« fragte er stattdessen, um seinen inneren Zweifel zu überspielen. Er hatte zwar dafür gesorgt, dass Snapes Name in der Öffentlichkeit reingewaschen wurde, aber persönlich war er dem Tränkemeister anschließend aus dem Weg gegangen.
Es war ein seltsames Jahr gewesen.
»Na, das will ich doch meinen!« antwortete McGonagall amüsiert. »Sonst wäre der Flügel wohl eine völlige Verschwendung.«
Sie setzte sich auf den letzten freien Sessel. Die Teekanne schenkte Tee in jede Tasse ein - es waren vier an der Zahl. Auch die Zuckerdose erhob sich und schaufelte zwei volle Teelöffel in McGonagalls Tee hinein.
»Wenn Sie Ihren Tee süß bevorzugen, müssen Sie sich selbst bedienen«, sagte die alte Hexe und sog den Duft ihres Tees genüsslich ein.
Da war es wieder!
Ein Winseln!
Dieses Mal lauter und mit einem Knurren begleitet.
Hermione saß der Tür am nächsten und wirkte auf einmal sehr unruhig, da sie ahnte, was das Knurren zu bedeuten hatte.
Die Tür öffnete sich nach einer Weile.
»Ist alles in Ordnung?« fragte McGonagall über den Rand ihrer Tasse hinweg.
Snape hatte die Hand auf der Türklinke, die Tür nur halb geschlossen. »Er hat Angst. Ich kann ihn nicht dazu zwingen, sich zu uns zu setzen.«
»Kann denn etwas passieren?« fragte McGonagall besorgt. »Ich dachte, ihr arbeitet an dem Trank?«
»Wir testen es noch. Die letzten Monate ist nichts passiert. Er ist ruhig, kann sich sogar an alles erinnern. Aber er bleibt übervorsichtig.« Da fiel ihnen auf, dass Snape seinen Zauberstab einsatzbereit in der Hand hielt. Er öffnete die Tür und warf einen kurzen Blick zurück in den dunklen Raum.
Als sich nichts passierte, setzte Snape sich schließlich und nahm die Gitarre an sich, die auf dem Polster gelegen hatte.
»Also... Ms. Granger, Mr. Potter... was genau führt Sie her um diese Uhrzeit?« fragte Snape während er die Saiten der Gitarre stimmte.
Viel musste er eigentlich nicht stimmen. Jedenfalls hörten sich die Saiten nicht so arg verstimmt an in den Ohren der anderen. Trotzdem drehte Snape minimal an den Wirbeln herum.
»Ich wollte sicherstellen, dass es Teddy gut geht«, fing Harry unsicher an. Es war für ihn befremdlich, dass der Tränkemeister ihn immer noch einschüchtern konnte, obwohl er sich Voldemort gestellt und besiegt hatte. »Wie Sie sicher wissen, hat Remus mich zu Teddys Paten benannt. Aber ich war so beschäftigt mit Lernen... und... und mit...«
»Haben Sie Albträume, Mr. Potter?« unterbrach Snape ihn und überraschte jeden im Raum mit der Frage.
»Was?!«
»Ob Sie Albträume haben, Mr. Potter? Vielleicht sollte Madame Pomfrey auch Ihr Gehör untersuchen. Es scheint ja irgendwie gelitten zu haben.« Er spielte ein, zwei Akkorde an und war mit dem Klang offenbar zufrieden.
»Ja, Sir...« gab er kleinlaut zu und schaute beschämt zu Boden.
Aber die Tortur war noch nicht vorbei.
»Wovon handeln die Träume, Mr. Potter?«
»Severus, das geht zu weit!« versuchte McGonagall die Befragung zu unterbinden.
»Träumen Sie davon zu versagen? Erleben Sie den letzten Kampf immer und immer wieder? So als würden sie fest stecken und nie das Ende erleben können?« ließ Snape sich nicht beirren.
Fassungslos starrte Harry den Tränkemeister an und fühlte regelrecht die fragenden Blicke der anderen auf sich ruhen.
»Ich träume von meinem Tod...« flüsterte er schließlich wie betäubt.
»Harry...« begann Hermione entsetzt. »Wieso hast du nichts gesagt?!«
»Jeder ist beschäftigt mit den Prüfungen... was hätte ich denn...«
»Es ist vollkommen normal, dass Sie diese Träume haben. Das, worunter Sie leiden, und was Sie herunter zu spielen versuchen, nennt man posttraumatische Belastungsstörung. Ein Begriff aus der Muggelpsychologie, weil das Zaubergamot es lieber bevorzugt, psychische Probleme und deren notwendige Behandlungen unter den Teppich zu kehren. Die Symptome treten innerhalb eines Jahres nach einem äußerst traumatischen Ereignis ein. Und man könnte meinen, dass Voldemort zu besiegen ein solches Ereignis darstellen sollte.«
Es war seltsam, den Namen aus seinem Mund zu hören.
Nicht, weil es sich vorher niemand getraut hatte, den Namen auszusprechen und er jetzt den Schrecken und die Macht verloren hatte, die mit ihm einhergingen, wenn man damit rechnen musste, dass der Schrecken sofort einen heimsuchen konnte.
Nein, es war seltsam, weil Snapes Erinnerungen teilweise immer noch in Harrys Kopf herumschwirrten und Snape Voldemort nie beim Namen genannt hatte... er hatte auch nicht dieses lächerliche Synonym verwendet, wie es jeder andere tat, sogar die Zeitungen und andere Medien. Du-weißt-schon-wer war zu einem Terminus mutiert, der - so kindlich die Vermeidung der Namensnennung doch war - zwei Generationen in Angst und Schrecken versetzte.
Nein, Snape hatte ihn stets den Dunklen Lord genannt.
Harry hatte sich nie Gedanken darüber gemacht, warum Snape das getan hatte. Jetzt allerdings fiel es ihm auf.
»Sie können sich vorstellen, dass heute Nacht ein denkbar schlechter Zeitpunkt ist, um nach Teddy zu schauen, oder sich nach Professor Lupin zu erkundigen. Edward schläft bereits und Professor Lupin kann sich - trotz Wolfsbanntrank - derzeit nicht äußern. Eine Unterhaltung wäre schlicht einseitig«, lenkte Snape dann doch ein.
»Also wissen Sie, wo sie sind?« fragte Harry, obwohl er die Antwort bereits erahnte.
In dem Moment kratzte und klackte etwas über den Steinboden und ein großer Wolf mit orange leuchtenden Augen legte seine Schnauze auf die Rückenlehne des Sofas, gefährlich nahe Snapes Kopf.
»Edward schläft in seinem Zimmer«, erklärte Snape wie selbstverständlich und kraulte dem Werwolf das Kinn.
»Wie haben Sie das geschafft!« stieß Hermione fasziniert aus. Sie erinnerte sich noch mit Schrecken an den Moment als Professor Lupin sich vor ihnen verwandelt hatte. Sie hatte noch Wochen danach Albträume gehabt. Die Gestalt hatte sich nicht geändert, aber der Wolf verhielt sich völlig entspannt und überhaupt nicht angriffslustig.
»Mit sehr viel Recherche und Tests... und natürlich einem äußerst versuchsbegierigen Werwolf, der einem bedingungslos vertraut.« Darauf jaulte der Wolf und ließ die Zunge raushängen. »Auch wenn er sehr viele Flausen im Kopf hat...«
Der Wolf schnaufte und ging schließlich um die Couch herum, so dass man ihn in seiner vollen Pracht beschauen konnte.
Er hatte viel mehr Fell als Harry in Erinnerung hatte. In dem warmen Licht konnte er den Wolf auch richtig erkennen.
Er hatte ein wunderschönes, dunkles Fell mit einer markanten Gesichtszeichnung und witzigerweise einem weißen Ohr, das völlig aus der Fellzeichnung hervorstach. Von der Statur her war er viel größer als ein normaler Wolf. Wenn er auch noch so viel Fell hatte, zeichneten sich deutlich die Muskeln an seinen Beinen unter all dem Pelz ab.
Alles in allem war er eine imposante Erscheinung, der man wirklich nicht ohne den Einfluss des Wolfsbannktranks gegenüberstehen wollte.
Der Wolf blieb bei McGonagall interessiert stehen und schob die Schnauze vorsichtig schnuppernd nach vorn.
»Nanu...« McGonagall zuckte leicht.
Er schnaufte, schüttelte sich und sprang schließlich auf die Couch, wo er neben Snape einrollen wollte, was natürlich wegen der Größe absolut unmöglich war.
»Ich glaube, er mag keinen Katzengeruch«, kommentierte Snape grinsend und kraulte die Stelle hinter den riesigen Ohren, die gleich zur Seite klappten und der Wolf sich an ihn drängte, winselnd und mit der Rute schlagend.
»Heißt das, dass sie die Verbesserung des Wolfsbanntranks bald veröffentlichen werden?« fragte Hermione neugierig.
Snapes Blick verfinsterte sich, und beinahe wäre sie zurückgewichen und hätte sich entschuldigt. Aber statt sie mit einem strengen Kommentar zurechtzuweisen, antwortete er ganz normal auf ihre Frage: »Ms Granger, meine Freiheit kommt mit einem hohen Preis. Mein Name ist für sämtliche Forschungsgebiete auf unbestimmte Zeit gesperrt. Selbst wenn ich einen Essay oder neue Forschungsergebnisse einreiche, oder wenn ich einen neuen Trank zum Patent anmelden würde - mag er auch noch so hilfreich sein - wird es nicht veröffentlicht oder anerkannt werden. Im schlimmsten Fall würde sich das Ministerium die Ergebnisse oder Rezepturen unter den Nagel reißen und das Patent auf Anonym anmelden, damit sie selbst davon profitieren können.«
Beherzt und engagiert wie Hermione nun einmal war, musste sie ihrem Ärger Luft machen:
»Aber das ist...«
»Was, Ms Granger?« unterbrach Snape sie. »Falsch? Gemein? ... Ungerecht?«
»JA!« rief sie wütend aus.
»Bitte zügeln Sie ihre Lautstärke, Ms Granger«, zischte Snape böse. »Bis das Ministerium entschieden hat, mich von jeglicher Schuld frei zu sprechen, bin ich auf deren Wohlwollen angewiesen. Die Vereinbarungen und Auflagen, mit denen sie mich in die Ecke gezwängt haben, machen mich quasi bewegungsunfähig. Entweder ich verhalte mich ruhig oder die Vereinbarung kippt und ich lande in Askaban.«
Der Werwolf drängte sich an die Gitarre, die Snape immer noch auf dem Schoß hatte, und winselte in quälend hohen Tönen.
»Und wie Sie sehen können, hängt an meinem Verhalten nicht nur mein Schicksal ab, sondern auch das anderer.« Snape kraulte dem Wolf beschwichtigend hinter den Ohren, doch das Winseln hörte nicht auf. Snape lächelte - so grotesk es auf auf die anderen wirken mochte. »Ich soll was spielen, ja?« Der Wolf murrte als Antwort und legte seinen Kopf neben Snapes Knie, mit dem weißen Ohr direkt an den Gitarrenkörper gepresst.
Er zupfte ein paar Saiten an und auf einmal wirkte alles so harmonisch und heimelig. Vollkommen irreal zu der Person, die die Klänge anschlug.
Die Zaubererwelt war nicht gerade bekannt für ihre Musik oder für den Faible, überhaupt Musik zu kreieren. Das überließen sie dann doch lieber den Muggeln, die dafür ein äußerst talentiertes Händchen hatten. Und so war die Musik, die Snape hier vorspielte - wer hätte es gedacht - populäre Muggelmusik.
Wenn Harry das im Gryffindorturm herum erzählte, würde ihn dort jeder für verrückt erklären.
Snape, der grimmige Tränkemeister, der kein Tuscheln oder Unaufmerksamkeit in seinem Unterricht duldete, der Voldemort die Stirn geboten hatte über viele Jahre und ihn so lange abgelenkt hatte, dass Harry genug Zeit hatte, um die Horkruxe ausfindig zu machen und zu zerstören.
Sehr viel wurde dazu natürlich nicht veröffentlicht.
Das noch provisorische Ministerium und Zaubergamot wollte Nachahmungstaten verhindern, und so blieb die Tatsache unerwähnt, dass Harry, Hermione und Ron in dem letzten Jahr auf Horkruxsuche waren.
Snape wurde von seinen Verbrechen freigesprochen, aber es wurde nie erwähnt, dass es Auflagen gab, die der ehemalige Spion zu erfüllen hatte.
Es war unfair ihm gegenüber, der sich - wenn man es genau nahm - zwanzig Jahre lang als Doppelspion aufgeopfert hatte, und trotzdem wie ein Aussätziger behandelt wurde.
Eben jener Mensch saß nun vor ihnen und spielte ein Lied auf der Gitarre für einen Werwolf, der direkt neben ihm lag und keine Anstalten von Aggressionen zeigte. Stattdessen schloss er die Augen, leckte ab und zu über seine Pfote und verhielt sich eher wie ein wohlerzogener Hund... zugegeben ein wirklich großer Hund!
Wenn es eine andere Person gewesen wäre, die da Gitarre spielte, und wenn sie nicht wüssten, dass der Biss des Ungetüms neben ihm auf dem Sofa höchst ansteckend war, dann hätten sie das kleine Privatkonzert vermutlich genießen können.
Doch mit all dem Hintergrundwissen und all den Erinnerungen, wie Snape seine Schüler vorher behandelt hatte, und wie der Werwolf sich zähnefletschend auf sie stürzen wollte, blieb trotzdem ein kleiner skeptischer Teil, der einem sagen wollte, dass das nicht echt war.
»Wie hast du das bewerkstelligt, Severus? Er bleibt vollkommen ruhig neben dir liegen und genießt sogar deine Zuwendung. Wie hast du das gemacht?« fragte McGonagall - entweder aus Neugier, oder weil es ihr unangenehm war, dieser beinahe intimen Szene beizuwohnen.
Severus beendete das Lied und warf McGonagall einen Seitenblick zu.
»Verständnis von Verhaltensweisen...« antwortete er kryptisch. »Die anderen haben immer nur versucht, den Wolf mit Gewalt zu bändigen oder die Verwandlung ganz zu verhindern. Remus und ich haben versucht, eine Lösung zu finden, die den Wolf mit einschließt und das bedeutet, das Verhalten des Wolfes zu verstehen. Auch wenn er ein Werwolf ist, er bleibt ein Rudeltier, und darin liegt der Knackpunkt. Wenn ich aktiv forschen könnte, würde sich vielleicht meine These bestätigen. Aber so? Es funktioniert für Remus... damit gebe ich mich zufrieden.«
»Sie könnten so vielen Menschen damit helfen, ein besseres Leben zu führen!« brach es aus Hermione heraus. »Sollte es nicht Anreiz genug sein, dass man Sie wieder forschen lassen würde? Wenn das Ministerium nur sieht, dass es einen Nutzen daraus ziehen würde...«
»Und was dann, Miss Granger?«, unterbrach Snape sie.
Irritiert starrte sie ihn an, den Mund offen, als wenn sie etwas sagen wollte, aber es kam nicht einmal ein Atemzug heraus.
Irgendwo tickte eine Uhr.
Ein Zauber legte im Kamin regelmäßig Feuerholz nach. Der Holzscheit war noch zu feucht und knackte deshalb laut, während die Flammen nach ihm leckten.
»Was meinen Sie?« fragte sie schließlich.
Snape schlug als nächstes die Akkorde zu einem anderen Lied an, bevor er ihr antwortete:
»Wenn ich in dem Bereich forsche und denen mein Wissen bereit stelle, läuft es in der Forschung so ab:
Sie finden einen Sponsor, meistens ist es ein Institut, das nicht vom Ministerium finanziert wird. Dieser Sponsor beansprucht die komplette Arbeit für sich, weil sie dich schließlich finanzieren. Sie beanspruchen das Patent für sich. Du verdienst daran zwar sehr gut, aber alle Belange zur Forschung... was mit dem Mittel passiert, das daraus resultiert, wie die Verteilung gehandhabt wird, sollte es in Produktion gehen dürfen, die Preisgestaltung... einfach alles wird von dem Institut bestimmt, das für deine Forschung bezahlt hat. Und das kann bedeuten, dass sie die neue Rezeptur des Wolfsbanntrankes für sich behalten, und die alleinige Produktion anbieten. Ob es den Werwölfen wirklich helfen würde, bleibt fraglich. Dass die Produzenten daraus Profit schlagen werden, ist so sicher wie Peeves nächster unsinniger Streich.«
Der Werwolf unterbrach ihn winselnd. Er hatte sich halb aufgerichtet und streckte seine Schnauze Snapes Gesicht gefährlich nahe. Doch Snape wich nicht zurück oder zeigte irgendein Anzeichen von Angst.
Beide starrten sich an. Der Wolf legte die Ohren an und wedelte mit der Rute.
»Wenn du mir über das Gesicht schleckst, kannst du die Nacht in der Heulenden Hütte verbringen!« Die Drohung wirkte sofort, und dennoch ließ der Wolf nicht von ihm ab. Stattdessen rieb er seinen Kopf ausgiebig an Snapes Hals und Brust, einfach an allem unterhalb des Gesichts, und winselte lautstark dabei.
»Ich glaube, Remus ist anderer Meinung, was den Wolfsbanntrank betrifft«, kicherte McGonagall als sie das Zwischenspiel der beiden beobachtete.
Leicht genervt schob Snape den Wolf von sich weg. »Du kennst die Regeln!« Ein Jaulen. »Keine Diskussion!«
Widerwillig ließ der Wolf von ihm ab und legte sich wieder neben ihm hin, zu ihm aufschauend... mit großen Augen.
»Wir reden täglich darüber...« Der Satz war noch nicht beendet, aber Snape sprach nicht weiter.
Der Wolf stupste seine Hand mit der Schnauze an.
»Noch ein Lied?« Ein kurzes Japsen folgte und ein langer, flehender Blick. »Du weißt, dass der Blick mit den großen Augen bei mir nicht wirkt.«
Dennoch folgte er der offensichtlichen Aufforderung, weiterzuspielen.
Die ersten Akkorde klangen vielversprechend. Langsam und sehr harmonisch, mit fingerfertigen Griffen, die wohl nur bei ihm kinderleicht aussahen. Der Wolf machte es sich neben ihm wieder sehr bequem. Ein Ohr abgeknickt, die Augen geschlossen. Alles in allem, mehr ein Schoßhund als ein blutrünstiger Werwolf.
Auch Snape wirkte an sich entspannt, nicht so streng, abgeklärt und kaltschnäuzig, wie man ihn sonst jahrelang kannte. Vielleicht war da sogar mehr, was die Schüler in diesem Moment noch nicht ganz begriffen.
Auf einmal knarzte eine Klinke und hinter der Couch öffnete sich eine Tür einen spaltbreit, groß genug, um eine Katze oder ein anderes kleines Tier durch zu lassen. Ein erwachsener Mensch hätte da nicht durch gepasst. Auf Hogwarts musste man damit rechnen, dass sich Türen von selbst öffneten, oder dass Gegenstände von selbst den Standort wechselten. Die Tür schloss sich auch wieder und von unten streckte sich eine kleine, leicht pummelige Hand nach der Klinke.
Der Wolf hob neugierig den Kopf und folgte mit den Ohren einem Geräusch, das die anderen nicht hören konnten.
Neben Snape erschien auf einmal ein tapsiges Kleinkind mit einem Hauch von blauen, zerwühlten Haaren und einem Schnuller im Mund. Die Pausbacken waren gerötet und glänzten feucht. Der Kleine nutzt die Armlehne, um sich daran festzuhalten und entlangzuhangeln.
»Solltest du nicht längst schlafen, Edward?« fragte Snape und, obwohl er leicht genervt klang, schwang doch ein Hauch Belustigung in seinen Worten mit, die ahnen ließ, dass er es nicht ernst meinte, auch wenn er es gewollt hätte.
Der Kleine startete einen kläglichen Versuch, sich auf die Sitzfläche der Couch zu ziehen. Snape beobachtete dies eine Weile bis er schließlich Erbarmen zeigte und dem kleinen Trotzkopf an der Stramplerhose hochziehend quasi Kletterhilfe gab. Er lachte hinter seinem Schnuller - ein zahnloses Lachen, das über sein ganzes Gesicht strahlte.
Er kletterte auf Snapes Schoß, stützte sich dabei auf dem Klangkörper der Gitarre ab oder zog an Snapes Weste, bis er schließlich eine bequeme Position gefunden hatte und aufhörte herumzuwuseln. Jeder andere hätte das Kind hochgehoben und in den Arm genommen, doch Snape nicht.
Auch wenn Snape den Jungen nicht mit übermütiger Fürsorge überschüttete, wie es andere Erwachsene tun würden, klebte der Kleine regelrecht in Snapes Armbeuge und beschmierte sabbernd dessen schwarze Weste.
Es war ein so surreales Bild!
Teddy mit seinem pastellblau und -gelb gestreiften Strampler, der kaum über den Gitarrenkörper hinwegsehen konnte, kuschelte sich an die schwarze, kantige Gestalt Snapes! Das war wirklich ein Bild, das man gesehen haben musste, um es zu glauben.
Der Kleine wurde schnell unruhig. Er wollte irgend etwas und patschte dabei auf die Gitarre.
»Soll ich etwas spielen?« fragte Snape und lächelte tatsächlich dabei.
»Da! Da!« plapperte Teddy und konnte damit eigentlich alles meinen. Für Snape war der Hinweis anscheinend deutlich genug.
»Ich spiel dir was vor«, meinte Snape und Teddy klatschte in die kleinen Hände. »Aber nur wenn du dich hinlegst und die Augen zumachst!« Snape hob mahnend den Zeigefinger.
Teddy hielt mit seinem Klatschen staunend inne und verlor dabei fast seinen Schnuller. Seine Augenbrauen schoben sich kritisch zusammen.
»Schau mal, wer da ist«, sagte Snape bevor Teddy sich in schlechte Laune hinein katapultieren konnte.
Gespannt schaute der Junge über die Gitarre hinweg, in die Richtung, in die Snape deutete.
»Dada!« rief der Kleine und spuckte den Schnuller aus. Mit einem plötzlichen Energieschub zog Teddy sich an jeglichen Hilfsmitteln in eine stehende Position. Doch bevor er zu Remus Werwolfsform stolpern konnte, hielt Severus ihn fest.
Der Wolf wandte sich, unschlüssig, ob er sich freuen oder in Panik geraten sollte. Er streckte die Schnauze nach seinem Sohn aus und wedelte mit der Rute, während er sich beinahe in die Couch hinein presste.
Teddy wurde quengelig als er nicht zum flauschigen Wolf krabbeln konnte.
»Edward, gib ihm etwas Zeit, sich zu beruhigen«, erklärte Snape dem Kleinkind, das garantiert nicht die Wörter verstand, mit denen es bombardiert wurde. Es war so charakteristisch für Snape, selbst von einem nicht einmal einjährigen Kind Intelligenz und Verständnis zu erwarten.
»Vielleicht versteht er nicht das, was Sie sagen, Professor«, brachte sich Harry schließlich ein. »Er ist ein Baby!« Er presste die Worte aufgeregt heraus. »Sollte man die Sprache dann nicht vereinfachen für ihn?«
»Ob er versteht, was ich sage, ist gar nicht relevant. Natürlich versteht er mich nicht, aber das ist noch lange kein Grund in stumpfsinnige Babysprache zu verfallen!« wandte Snape zwar so scharf ein, dass Harry die Warnung wahrnahm, aber Teddy sich trotzdem nicht unwohl fühlen musste. »Edward wird selbst anfangen, seinem Alter entsprechend die Sprache zu lernen, mit der er konfrontiert wird. Warum dann mit einer Babysprache anfangen, die ihn nicht weiterbringen wird, wenn er versuchen soll, die richtigen Wörter zu lernen?«
Der Wolf winselte noch immer, aber hatte sich mittlerweile auf den Rücken gedreht. Die Rute zwischen den Hinterläufen eingeklemmt.
»Haben Sie das schon einmal gemacht?« fragte Hermione skeptisch als Teddy begann Richtung Wolf zu krabbeln.
»Einem echten Tier würde ich nicht zutrauen ruhig zu bleiben, während ein Kleinkind auf ihm herumturnt und an dessen Fell zieht oder an den Ohren.« Teddy krabbelte derweil leicht tolpatschig über das weiche Fell... Angst vor dem Wolf hatte der Kleine nicht. »Aber Remus ist nun mal kein Tier. Ohne den Wolfsbanntrank würde sich ihm niemand nähern, der klar bei Verstand ist. Aber mit dem Trank weiß er, dass das sein Sohn ist.« Mittlerweile hatte das Kind sich fest an den Wolf gekuschelt und rutschte leicht zwischen den riesigen Brustkorb und die Rückenlehne der Couch. Man konnte nur noch den Schopf sehen und einen Teil des Ärmchens, das sich in den dichten Pelz hinein krallte.
»Natürlich ist Remus nervös, entspannt ist er in der Situation jedenfalls nicht. Aber auch das gehört zur Testphase hinzu, und so lange ich daneben sitze, ist es sehr unwahrscheinlich, dass etwas passieren wird. Und wenn er Anzeichen zeigen sollte, dass der Trank nicht mehr wirkt, haben wir mit Bannsprüchen und Verzauberungen vorgesorgt, die den Wolf sehr schnell bewegungsunfähig machen werden.«
»Haben Sie keine Angst?« fragte Hermione weiter und traute sich vor Anspannung nicht, ihren kalten Tee zu erhitzen.
»Angst?« fragte Snape skeptisch als würde er dazu gar nicht imstande sein. »Angst ist eine normale Körperreaktion auf bestimmte Situationen. Sie hält uns in Alarmbereitschaft, und das ist auch gut so. Ich vertraue Remus, und ich vertraue auf meine Braukunst, aber ohne Vorsicht oder Vorbereitung zu agieren, wäre unüberlegt und verantwortungslos.« Er schaute von dem kleinen Kind auf, das es sich so bequem gemacht hatte, dass er schon fast wieder weg genickt war. »Haben Sie Angst, Ms Granger?« Snape bedachte sie mit einem Blick unter seinen Augenbrauen hinweg, ohne den Kopf zu drehen.
»Ich gestehe, dass die Situation außergewöhnlich fremd auf mich wirkt, aber Angst habe ich nicht... glaube ich«, gestand sie schließlich.
»Und genau da liegt ihr Fehler«, begann Snape und strich dem schlummernden Kind eine Locke aus der Stirn. »Sie sollten Angst haben! Schließlich ist das hier kein Schoßhund und auch kein normales wildes Tier! Sie dürfen sich nicht der Illusion hingeben, dass sie ihm hundertprozentig vertrauen können.« Er kraulte dem Wolf das Ohr und vergrubt seine Hand in dem dichten Fell, das ihm wie ein dicker Kragen um den Hals herum wuchs. »Wenn Sie unaufmerksam werden, können sich Fehler einschleichen, die darin enden, dass Sie entweder sterben oder infiziert werden.«
Er unterbrach sich selbst, als der klein Junge sich regte und den Kopf hob. Teddy quengelte nicht, aber er wollte definitiv Snapes Aufmerksamkeit auf sich lenken.
»Ich hab noch gar kein Lied gespielt... das ist dir aufgefallen, ja?« fragte Snape den Jungen beschwichtigend. »Welches Lied möchtest du denn hören?«
Wieder eine Frage, die eigentlich detailliertes Sprachverständnis voraussetzte, das ein nicht einmal Einjähriger noch gar nicht besitzen konnte. Trotzdem antwortete der Kleine so wie es ihm gerade möglich war: Er lallte etwas vor sich hin... sehr schief und vermutlich nicht einmal ansatzweise akkurat. Doch Snape verstand ihn auf Anhieb.
»Ja, das hätte ich mir denken können...« seufzte der Tränkemeister und schob dem kleinen Bengel den Schnuller in den Mund. Auf dem Griffbrett erschien auf einmal eine Klammer, die Snape gleich nach positionierte und festzog, ohne drauf zu schauen.
»Das gehört zur Testphase dazu«, erklärte er weiter, während er die Saiten umstimmte. »Der Trank hilft zwar, dass sein Bewusstsein nicht in den Hintergrund gedrängt wird und die Bestie in ihm seine Handlungen für die Nacht übernimmt, aber der Trank ist kein Garant für eine sichere Handhabung. Dafür müsste ich an einer Menge anderer Werwölfen Versuche durchführen und auch eine Kontrollgruppe zur Verfügung haben, die nicht nur damit einverstanden sein müssen, dass man an ihnen Versuche durchführt, sondern sie eventuell auch in der Kontrollgruppe landen könnten, die nicht das entsprechende Mittel zur Einnahme bekommen. Womit wir wieder bei der Forschung wären, die ich nicht durchführen darf.« Er war fertig mit dem Stimmen der Gitarre und schlug die ersten Akkorde an.
Prüfend schaute er zu dem Jungen, der noch einmal zu ihm aufsah.
»Augen zu!« forderte er den Kleinen auf, der schnell wieder den Kopf senkte und die Augen zukniff.
»Professor...« fing Hermione wieder an. »Dürfte ich Ihnen nächsten Monat beim Brauen des Wolfsb...?«
»Auf keinen Fall!« wies Snape sie direkt ab.
»Sir, wenn Sie mich wenigstens...«
»Oh, ich weiß genau, was Sie sagen möchten... Ich solle Ihnen eine Chance geben, Sie würden mich sicher nicht enttäuschen, oder was Sie nicht sagen würden, aber es durchaus denken: Ich solle nicht so gemein sein.« Er spielte ziellos einige Melodien und verwarf diese wieder.
»Das habe ich so nicht gesagt!« verteidigte Hermione sich.
»Nein, das haben Sie in der Tat nicht... aber vielleicht sollten Sie es«, erwiderte Snape kryptisch und fügte noch hinzu: »Überlegen Sie sich, was nächsten Monat stattfindet... Ich werde Ihnen eine kleine Starthilfe geben... zuerst steht uns die Einjahresgedenkfeier bevor und deren Vorbereitungen, anschließend stehen die Vorprüfungen an und danach Ihre Abschlussprüfungen. Ms Granger, wenn Sie vorhaben, als Klassenbeste zu bestehen, wüsste ich keinen Zeitpunkt, an dem Sie genügend Zeit aufbringen könnten, um bei der Herstellung eines Trankes behilflich zu sein, der eine permanente Aufsicht von 48 Stunden verlangt.«
»Ich dachte, der Trank wird in 12 Stunden gebraut?!« wunderte sie sich perplex.
»Nicht dieser Trank«, belehrte Snape sie eines Besseren. »Wenn Sie noch Interesse nach Ihren Prüfungen haben sollten, können Sie mir gerne behilflich sein. Aber denken Sie daran, ohne ein Ohnegleichen in Zaubertränke, brauchen Sie sich gar nicht erst die Mühe machen!«
Sie wollte ihm danken, aber der kleine Teddy hatte andere Pläne, in dem er unruhig wurde und anfing zu quengeln. Hermione kannte diese Art von Quengeln... Wenn man sich nicht schnell genug beeilte, würde dies in einem ohrenbetäubenden Weinkrampf gipfeln.
Und dann folgte etwas, das nie einen Weg in die Geschichtsbücher finden würde, weil es zu abstrakt und zu unglaubwürdig war, dass es ohnehin niemand - wirklich niemand - glauben würde:
Snape fing an zu singen!
Und das noch viel unwahrscheinlichste war, dass es sich alles andere als schlecht anhörte!
Der Kleine stellte sofort das Weinen ein und kuschelte sich wieder in das dichte Fell. Seine Haare waren mittlerweile vom Blau in ein tiefes Schwarz gewechselt.
Es wurde auch klar, dass Snape den Song nicht für ein größeres Publikum geplant hatte, oder überhaupt vorgehabt hatte, vor mehreren Leuten zu singen. Aber hier ging es um ein kleines Kind, das wohl ohne das Lied nicht einschlafen konnte.
So zeigte sich, dass selbst vermeintliche Bösewichte, wie man Severus Snape vorher sonst eingestuft hätte, ein Herz aus Gold hatten. Bei diesem Anblick war es schwer, auch mit schlechten Erinnerungen an die letzten Jahre im Hinterkopf, nicht zu lächeln und ein kleines bisschen zu schwärmen.
Ein Knarzen hinter ihnen und ein ungewöhnlicher Luftzug ließ die beiden Schüler aufgeschreckt zur Tür herumfahren.
Da stand ein etwas verdutzter Draco Malfoy, dessen Haare leicht zerzaust waren. Er trug eine überladene Umhängetasche, die wirklich schwer aussah. In seinen Arm trug er einen säuberlich gefalteten Schlafanzug, der gut zu erkennen war an den blau weißen Streifen.
Es warf allerdings mehr Fragen auf als sie zu beantworten.
»Oh«, war alles, was Draco dazu zu sagen hatte. Anstelle einer Erklärung, ging er sehr zielgerichtet in das Zimmer, aus dem der kleine Teddy vor wenigen Augenblicken herausgekommen war. Ohne Tasche und Schlafanzug kam er wieder zurück, lockerte seine Krawatte und löste die oberen Knöpfe an seinem Hemdkragen. Er stützte sich mit den Ellenbogen auf der Rückenlehne des Sofas ab und schaute auf das schlafende Kind.
Weder Snape noch der sehr entspannte Werwolf hatten sich über Dracos Eindringen gewundert. Snape hatte stattdessen in aller Seelenruhe das Lied für Teddy beendet.
»Habe ich irgend etwas verpasst?« fragte Draco als der letzte Akkord verstummte. »Oder braucht ihr mich heute Abend doch nicht?« Er streckte eine Hand nach dem Jungen aus und löste langsam seine fest geschlossene Faust aus dem Fell.
»Nein, an den Plänen hat sich nichts geändert. Der Besuch kam eher... spontan«, sprach Snape und sah ihn dann doch noch an. »Du bist spät.«
Es klang seltsamerweise nicht wie ein Vorwurf. Stattdessen trug der Satz eine leichte Note Besorgnis.
»Tschuldigung... Ich hab bei den Hausaufgaben die Zeit vergessen.« Der Wolf jammerte leise. »Hi, Moony«, begrüßte Draco den Werwolf und 'schüttelte' dessen Vorderpfote. »Kannst du bei meinem Aufsatz morgen einmal drüber lesen? Ich hab ihn dabei. Übermorgen ist Abgabe.« Teddy regte sich und schlug die Augen auf. »Hallo, kleiner Mann!« Der Junge streckte sofort die Arme nach ihm aus.
»Deigo! Deigo!« rief der Kleine.
Draco nahm den Jungen auf den Arm, der sich müde die Augen rieb und seine Haarfarbe zu blond wechselte.
»Was machst du denn noch um diese Uhrzeit? Solltest du nicht längst schlafen?« tadelte er den Kleinen, der natürlich in nicht verständlichen Worten antwortete. Er gab in seiner Babysprache eindeutig zu verstehen, dass er sehr viel dazu zu sagen hatte. »Ach... So ist das!« tat Draco so, als würde er den Jungen verstehen. »Sag Gute Nacht zu deinen Papas und dann gehen wir schlafen!«
Teddy winkte lediglich und schmiegte sich sofort wieder an Draco.
»Ach, das war's?« Draco lachte, doch Teddy hatte wohl keine Kraft mehr, den Kopf zu heben und blieb einfach an an Dracos Schulter kleben.
»In der Küche ist ein Teller mit Sandwiches, wenn du Hunger kriegen solltest. Edwards Fläschchen stehen vorbereitet daneben. Er wird inzwischen erst gegen 4 Uhr wieder wach. Leg mir den Aufsatz auf den Schreibtisch bevor du gehst«, sagte Snape, der die Gitarre bereits weggelegt hatte.
»Alles klar. Danke!« Draco wirkte seltsam in dieser Situation mit dem Kind auf dem Arm. So fürsorglich und liebevoll - so kannte man ihn überhaupt nicht.
Sicher hatte er in den letzten zehn Monaten eine 180 Grad Wendung vollzogen und war zugänglicher geworden und auch hilfsbereiter seinen Mitschülern gegenüber, dennoch war da diese durchsichtige Mauer geblieben, die ihn in alte Verhaltensschema einpferchte und, öfter als ihm lieb war, zum Vorschein kam. Aber niemand würde ihm ein Kind zur Beaufsichtigung anvertrauen, das noch nicht einmal dazu imstande war, sich selbst zu artikulieren, oder doch?!
Snape tat es anscheinend... aber auch im Einverständnis mit Remus?
Der Werwolf konnte gerade nicht seine Meinung dazu äußern.
Die Tür fiel hinter Draco ins Schloss.
»Ich muss Sie nun bitten, unsere Wohnung zu verlassen. Sie können uns gerne noch ein Stück begleiten, aber wenn Sie das wollen, muss ich Sie davor warnen, dass ich von Ihnen Stillschweigen erwarte und erfahren werde, falls Sie sich dem widersetzen sollten! Ihnen scheint ja viel an Professor Lupin und Edward zu liegen. Also wenn Sie schon nicht meinetwegen schweigen können, denken Sie einfach daran, wessen Schicksal davon noch betroffen sein wird!« Snape war aufgestanden und wirkte voll aufgerichtet vor dem Kamin unnatürlich groß und angsteinflößend.
Professor McGonagall stellte ihre Tasse auf dem Kaffeetisch ab. »Ich bin mir sicher, dass die Kinder ein Geheimnis für sich behalten können, schließlich haben sie sich schon anderweitig bewährt, findest du nicht auch, Severus?«
»Wohin gehen Sie denn jetzt noch?« fragte Harry unsicher.
Snape nahm seinen Umhang von der Garderobe und eine Leine mit einem sehr provokativen Halsband, das nach außen hin mit mehreren Reihen Stacheln besetzt war.
»Das erfahren Sie, wenn Sie mitkommen, Mr. Potter«, gab er mürrisch zurück. Als er den Werwolf ansprach, war der Klang seiner Stimme ganz anders... gelassener, liebevoller, auch wenn es nur ein Wort war: »Moony!«
Mehr brauchte es gar nicht und der Werwolf, der sich ohnehin schon mit gespitzten Ohren aufgesetzt hatte und brav auf der Couch gewartet hatte, sprang nun drauf los und stellte sich vor Snape auf die Hinterpfoten. Freudig wartete der Wolf das Anlegen des Halsbandes ab.
»Muss das wirklich sein, Professor?« fragte Hermione skeptisch. »Sie sagen doch selbst, dass er kein Tier an sich ist, warum dann das Halsband?!«
»Überlegen Sie, wie viele Schüler sich außerhalb der Sperrzeiten eine schöne Zeit irgendwo auf dem Schulgelände machen wollen und sie dann einem Werwolf gegenüberstehen... Es gibt genug Eltern, die uns regelmäßig mit Briefen bombardieren, weil ein Werwolf für sie ein Sicherheitsrisiko darstellt. Ich möchte mir den Wust an Heulern und wütenden Briefen nicht ausdenken, sollten die Kinder ihren Eltern mitteilen, dass sie einem freilaufenden Werwolf auf dem Gelände begegnet sind...« Der Wolf hing ihm mit den Vorderpfoten auf der Brust. Er massierte dem Tier kräftig den Nacken. »Wenn er nichts dagegen hat, sollten Sie auch nichts dagegen haben, Ms Granger.« Er deutete auf die Tür, um den Besuch hinaus zu geleiten.
Die Schüler standen widerwillig auf. Nur Professor McGonagall trug ein allzu wissendes und liebliches Lächeln auf ihren Lippen.
oOo
Auf dem Gang hatte der Wolf es auf einmal sehr eilig.
Snape versicherte ihnen, dass die Leine magisch verstärkt worden wäre, aber so wie er Wolf daran zog, grenzte es an ein Wunder, dass er Snape nicht hinter sich her riss.
Zu aller Überraschung führte Snape sie zum großen Tor.
Kein Geheimgang, keine Abkürzung, nein, er nutzte ganz bewusst den Hauptweg, um sich nicht zu verstecken - so sagte er es jedenfalls.
Der Wolf kannte jedenfalls den Weg sehr gut. Auch wenn Snape einen anderen Weg eingeschlagen hätte, wäre der Wolf wohl ohne ihn einfach weitergelaufen.
Die Tore entriegelten sich laut krachend nach einem offensichtlich leise gesprochenen Passwort, das die Schüler nicht mitbekamen... oder einfach nur ein Rauschen hörten... Eigentlich ein sicherer Passwortschutz, wenn man mit Passwörtern arbeitete, die ausgesprochen werden mussten.
Draußen schien der Vollmond in seiner ganzen Pracht.
Bei seinem Anblick machte sich der Wolf auf einmal sehr klein und versuchte, sich hinter Snape zu verstecken.
Die anfängliche Angst legte sich aber recht schnell als Snape ihm die nötige Sicherheit vermittelte, und schon trabte der Wolf von links nach rechts, die Nase immer auf den Boden geheftet und tat das, was ein Hund oder Wolf normalerweise tat: Er markierte sein Territorium!
Peinlich berührt versuchten die Schüler, sich nichts anmerken zu lassen und starrten lieber auf den Weg, von dem sie schon ahnten, wo Snape sie hinführen würde:
Es ging bergab zur Behausung des Wildhüters von Hogwarts.
Von weitem sahen sie bereits, dass in seinen Fenstern noch Licht brannte. Auch die Tür stand offen. Ein Schatten zeichnete sich am Fenster ab, der sich geschäftig durch die Hütte schob.
War das ein Einbrecher, der sich an Hagrids Hab und Gut zu schaffen machte? Fang spielte vor der Hütte, und auch wenn es tiefste Nacht war, reichte das Licht aus der Hütte und der Vollmond aus, um zu erkennen, dass der außergewöhnlich große und behäbige Hund im Garten sehr intensiv ein Loch buddelte und immer wieder mit der Schnauze nachschnüffelte. Da war wohl eine Maus oder ein Wiesel, das der Hund erbeuten wollte.
Wolfsgeheul ließ den Hund aufschauen.
Dann ging alles richtig schnell... oder nicht schnell genug.
Moony bettelte Snape an und sprang ungeduldig herum, dass Snape Schwierigkeiten hatte, das Halsband zu lösen. Kaum war der Wolf frei, schüttelte er sich ausgiebig und sprintete den Berghang hinab.
»Professor! Das ist doch gefährlich!« rief Hermione schockiert aus. Sie ging neben Snape her und wäre beinahe hinterher gelaufen, wenn Snape sie nicht aufgehalten hätte.
»Eben waren Sie noch gegen die Leine, jetzt haben Sie etwas dagegen, dass er frei herumläuft. Sie wechseln Ihre Meinung im Minutentakt, Ms Granger. Schauen Sie doch mal richtig hin...« Er deutete in die Richtung der Hütte.
Fang kam Moony spielend entgegen. Sie rauften und tollten umher als wären sie junge Welpen. Mal unterwarf der Wolf sich, dann wieder Fang. Alles wirkte so normal... und doch surreal!
Kurz vor der Hütte hielt Snape an.
»Wir machen das nicht zum ersten Mal, Ms. Granger.« Der Hund und der Wolf liefen ungestüm um sie herum. Das ließ Hermione sichtlich zurückweichen. »Wollen Sie immer noch beim Wolfsbanntrank helfen? Dann müssen Sie hiermit zurecht kommen.« Er verschob die Lippen zu einem diabolischen Grinsen, das schon viel eher zu Snape passte als das liebevolle Verhalten zwischen ihm und Remus und dessen Sohn.
»Warten Sie hier!« wies er alle an und ging voraus.
In der offenen Tür erwartete Hagrid ihn. Sie besprachen etwas, und weil der Halbriese eine laute Stimme besaß, konnten Sie zumindest seine Antworten und Reaktionen verstehen. »Aber natürlich, Professor!« oder »So wie immer? Klaro!« konnten sie verstehen, aber es ergab keinen Sinn.
Der Wildhüter nahm ihm die Leine und das Halsband ab.
Snape warf noch einen Blick über seine Schulter zurück und ging kommentarlos einfach weg.
Harry folgte ihm instinktiv. Auch wenn Snape sich ruhig verhalten hatte und niemanden mehr schikaniert hatte oder sich auch nicht mit zwielichtigem Verhalten hervorgetan hatte, so blieb da doch der eine Prozent, der an Snapes Verhalten zweifeln ließ.
»Harry!« rief der Halbriese und winkte ihn zu sich. »Schön dich zu sehen! Und auch Hermione und Professor McGonagall! Welch ein erfreulicher Besuch zu später Stunde! Kommt doch rein! Hier draußen wird es erst mal etwas ungemütlich. Da wollt ihr sicher nicht im Weg stehen!«
»Hagrid, aber was ist mit Professor Sn...«
»Komm rein, Harry. Der Professor weiß schon, was er macht«, war alles an Erklärung, was Harry zu hören bekam, bevor der Halbriese ihn mit seinen großen Pranken in die Stube schob.
»Ich hoffe, wir kommen nicht ungelegen, Rubeus«, entschuldigte Minerva sich bei dem Wildhüter, denn nun fiel allen auf, wie ungewöhnlich Hagrid gekleidet war. Statt seiner groben Stiefel trug er übergroße Hausschuhe und er hatte sich einen sehr weiten, braun gefleckten Mantel umgeschnürt.
Als sie die Hütte betraten, wurde auch klar, warum er so seltsam gekleidet war. Er hatte den Vorhang beiseite geschoben, der die Ecke zu seinem Bett verdeckte. Die geflickte Tagesdecke war achtlos zum Ende des Bettes geschoben worden und die Bettdecke war aufgeschlagen.
Der Wildhüter hatte wohl schon geschlafen! Oder er hatte vorgehabt, sich gerade ins Bett zu legen.
Hagrid bemühte sich, den Vorhang schnell wieder zuzuziehen, und verwies den unerwarteten Besuch auf die Sitzbank und den riesigen Sessel, die um den Kamin herum standen. Die Leine und das Halsband landeten auf einem Haken neben der Tür.
»Ungelegen nicht, nur etwas überraschend, Professor. Tee?« fragte er und gab sich recht geschäftig. Er nahm die Kanne vom Haken über der Spüle, füllte sie mit Wasser und hing sie über das Feuer im Kamin.
Harry konnte seine Neugier nicht mehr im Zaum halten: »Hagrid, wo ist Professor Snape hingegangen?« Der Junge konnte einfach nicht locker lassen.
»Professor Snape wird schon wissen, was er macht, Mr. Potter« versicherte Professor McGonagall dem jungen Erwachsenen.
»Ja, aber da draußen streunt jetzt Professor Lupin als Werwolf frei herum! Macht Sie das nicht ein bisschen nervös?«, bohrte Harry weiter nach.
McGonagall kicherte amüsiert. »Mr Potter, glauben Sie nicht alles, was Sie meinen zu sehen. Manchmal erweist sich das, was man so vehement mit Misstrauen gestraft hat, als harmlose Bagatelle.« Und bevor sich der Halbriese dazu genötigt fühlte, den Tisch für seinen Besuch zu decken, gebot sie ihm Einhalt: »Rubeus, ich denke, wir hatten genug Tee für einen Abend. Du brauchst dir nicht die Mühe zu machen. Wir werden dich sicherlich nicht lange stören. Aber bitte sag mir...« Sie hielt kurz inne und hatte auf einmal ein Glänzen in den Augen. »Würdest du mir heute die Ehre überlassen?«
Harry und Hermione sahen sich verwundert an. Aber Hagrid schien genau zu wissen, was Professor McGonagall meinte.
»Aber sicher doch!« sagte er, ging zur Tür und nahm das Stachelhalsband vom Haken. »Er mag es eigentlich nicht, wenn ich es ihm anlege, aber es schützt vor den Wölfen im Wald«, erklärte er.
»Seit wann geht Fang nachts freiwillig in den Wald?« wunderte Harry sich.
Hagrid lachte beherzt.
Er überreichte Minerva das Halsband und widmete sich dann einem Schinken, der auf der Anrichte lag. Er schnitt drei große Stücke davon ab, mit ordentlich Speck dran.
Draußen wurde es mit einem Mal richtig laut. Es wurde geknurrt und gekeift, einer winselte so extrem wehleidig und schmerzerfüllt als würde er geschlagen oder zerrissen werden. Harry schaute verstohlen durch das leicht vergilbte Fenster, das einen schmierigen Blick frei gab auf den Garten und die übergroßen Gemüsepflanzen, die darin wucherten.
Dann huschte ein silberner Streifen durch den vom Fenster auf den Boden geworfenen Lichtschein. Das war wohl Remus in seiner Werwolfsform. Auch Fang konnte man gut erkennen. Der etwas behäbige Hund tollte herum, warf sich mit den Vorderpfoten samt Brustkorb auf den Boden und bellte und jauchzte wie man es gar nicht von dem eher ängstlichen Hund gewöhnt war. Man hätte meinen können, da ist noch ein weiterer Hund, der Fang sehr ähnlich aussehen musste.
Erneut flitzte der graue Werwolf am Fenster vorbei und jauchzte dabei, vollkommen vergnügt und frei.
Doch dann huschte ein schwarzer Schatten vor dem Fenster entlang und nahm Hund und Werwolf mit sich.
Es wurde wieder laut geknurrt und vermutlich auch die Zähne gefletscht. Leider außerhalb des Lichtscheins.
»Wir müssen raus! Da ist ein anderer Hund, der Ärger macht!« warnte Harry die anderen und stand auf.
»Bleib sitzen, Harry! Das geht schon in Ordnung!« Gegen Hagrids große Pranken hatte Harry keine Chance.
Es kratzte es an der Tür!
Als Hagrid die Tür öffnete, konnte man zuerst nicht viel sehen. Der Halbriese versperrte einfach komplett die Sicht. Ein vielleicht nicht ganz ausgewachsenes Knurren folgte, das wohl mehr Unwohlsein oder Verdruss signalisieren sollte.
Der Wildhüter lachte. »Hat er dich mal wieder herausgefordert, ja? Nimm es ihm nicht übel, der Kleine ist noch jung!«
Er trat beiseite und gab den Blick frei auf die Dunkelheit, die das Licht der Hütte verschluckte.
Aus der Dunkelheit zeichneten sich zwei leuchtende Augen ab,und dann hechelte die Dunkelheit und gab den Blick auf perfekt weiße, scharfe Fangzähne frei... und eine Zunge, die sabbernd aus dem Maul hing.
Das Tier trat ins Licht und offenbarte sich als durch und durch schwarzer Wolf! Nicht ein weißes Haar war auf dem struppigen Fell zu sehen.
Es war ein riesiges Tier! Vielleicht nicht ganz so groß wie Remus' Werwolfsgestalt, aber größer als ein normaler Hund... und definitiv angsteinflößender als ein domestiziertes Haustier!
Harry wagte nicht, sich zu regen. Er schaute nur kurz zu Hermione herüber, die genau so erstarrt war, aber da lag noch etwas anderes auf ihrem Gesicht: Faszination.
Er verstand die Welt nicht mehr.
»Komm rein und lass dich ansehen«, forderte Professor McGonagall das Tier auf. Sie hatte ein Glänzen in den Augen und Bewunderung schwang in ihrer Stimme mit.
Auf zögernden Pfoten schlich der Wolf an Hagrid vorbei, stets so viel Vorsicht auf den nächsten Schritt bedacht, dass er jederzeit hätte wegsprinten können. Er ging zwei Schritte mit gesenktem Kopf. Die Nase immer vorneweg. Dann blieb er kurz stehen, hielt Ausschau mit erhobenem Haupt und Ohren, die sich nach allen Richtungen drehten. Dann die nächsten Schritte, bis er schließlich direkt vor Professor McGonagall stand.
Sie lächelte. »Es ist nicht ganz einfach mit diesen neuen Instinkten, habe ich Recht?« Der Wolf murrte. Man könnte fast meinen, er hätte schlechte Laune. »Lass dich ansehen! So wunderschön! Fast schon zu perfekt für euch beide!« Sie griff mit beiden Händen nach seinem Kopf und wog ihn in ihren Händen wie einen wertvollen Schatz, strich mit den Daumen über seine Augen und vergrub ihre Finger in das dichte Fell.
Sie nahm das Stachelhalsband und legte es um den Hals des Tieres. Er hielt gerade so still, als würde er überlegen, entweder zuzuschnappen oder mit einem Hechtsprung aus der Hütte zu fliehen. Die Ohren leicht angelegt. Das Lederhalsband drückte sich so tief in das Nackenfell hinein, dass die Stacheln direkt wieder darunter verschwanden.
»Wir sollten uns einen Namen für dich ausdenken, mein Lieber!« Der Wolf kommentierte dies mit einem Schnauben, das so verdächtig bekannt wirkte.
»Ich hab ihm schon ein paar Namen geben wollen«, meldete Hagrid sich belustigt zu Wort. »Aber ich fürchte, meine Namensgebungen treffen nicht ganz seinen Geschmack. Der gute Professor wollte immer wieder nach mir schnappen!«
McGonagall schnalzte missbilligend mit der Zunge. »Also wirklich! Musste das denn sein?« Ein weiteres Schnauben kam als Antwort. Der Wolf wirkte zu souverän für ein wildes Tier!
»Kann es wirklich wahr sein?« staunte Hermione mit offenem Mund.
»Was denken Sie denn, Ms Granger?« fragte McGonagall beinahe belustigt, während sie den Wolf weiter gegen seinen Willen betüddelte.
»Ich denke, dass das Professor Snape ist!« Sie konnte ihre Augen nicht von dem schwarzen Tier abwenden.
Draußen heulte ein einsamer Werwolf und das schwarze Ungetüm drehte winselnd den Kopf zur Tür hin.
»Ruft dich dein Gefährte, ja? Vergiss deinen Snack nicht!« Sie hielt ihm das Stück Schinken vor die Nase, und so imposant das Tier auch wirkte, nahm er den dargebotenen Leckerbissen nur sehr zaghaft an, wohl bedacht darauf, unnötige Berührungen zu vermeiden. Andere würden das als Norm eines wilden Tieres einstufen, aber wenn man bedachte, dass dies eine Animagus Form sein könnte, dann erklärte das sein Verhalten.
Hagrid hatte derweil die anderen Schinkenstücke draußen verteilt.
Der schwarze Wolf verschlang sein Stück nicht innerhalb der Hütte. Dazu waren ihm wohl zu viele Leute anwesend, die ihn alle neugierig anstarrten oder bewunderten.
Mit dem Schinken im Maul trabte er recht unzeremoniell an dem Halbriesen vorbei und wurde bereits nach wenigen Metern von der Dunkelheit verschluckt. Nur noch das Knurren und Jaulen war zu hören.
»Und bringt mir Fang wieder heil zurück! Ich brauch den Jungen noch für die Mäusejagd in meinem Garten!« rief er den beiden hinterher.
Das Gebell und Gejaule entfernte sich rasch von der Hütte.
Hagrid schüttelte lachend den Kopf als er die Tür schloss.
»Ist das wirklich Professor Snape?« fragte Harry skeptisch.
»Gibt es daran irgendeinen Zweifel, Mr Potter?«
»Nein, nicht wirklich...«
»Mr Potter, was genau wissen Sie über den Animagus Zauber? Der Zauber steht zwar aus vielen Gründen nicht auf dem Unterrichtsplan, aber Sie werden doch sicherlich Ihre eigenen Nachforschungen angestellt haben, oder nicht?«
»Ich weiß nicht viel... nur dass der Zauber sehr kompliziert ist und sehr leicht schief gehen kann«, beeilte er sich zu erklären und wirkte dabei leicht überrumpelt.
»Das ist richtig«, bestätigte Professor McGonagall, obwohl sie nicht ganz mit der Antwort zufrieden war; also fügte sie noch etwas hinzu: »Der Zauber benötigt ein präzises Wissen über Zaubertränke und Verwandlungen, und fordert ein hohes Maß an Disziplin, um das dazugehörige Ritual an jedem Sonnenauf- und Sonnenuntergang durchzuführen, bis der Zeitpunkt gekommen ist, an dem man die Verwandlung vollenden kann.«
»Das ist eine Menge Aufwand!« rief Harry erstaunt aus.
»Der Wunsch nach einem Gefährten ist manchmal so groß, dass er die größten Vorurteile überbrücken kann.« Sie lächelte und man sah ihr deutlich den Stolz an, den sie für ihren Zögling empfand. »Und deswegen ist es wichtig, dass Sie dies für sich behalten! Sie beide!«
Auf einmal saß ihnen nicht die nette, freundliche Lehrerin gegenüber, sondern die strenge Schulleiterin, die sich durchaus durchzusetzen wusste.
»Sie haben es zwar schon Professor Snape versprochen, aber ich nehme Ihnen ein Versprechen unter uns ab«, sprach sie im ernsten Ton weiter. »Außer Ihnen wissen nur Rubeus, Draco Malfoy und ich von diesem Geheimnis. Sie müssen unbedingt versprechen, dass Sie das Gesehene nicht nach draußen tragen! Unter keinen Umständen! Nicht heute! Und auch in zwanzig Jahren nicht!«
»Ich verstehe nicht ganz...« gab Harry verwirrt zu.
»Wir haben Auflagen, Mr Potter«, fing Professor McGonagall an. »Es ist eine Sache, einen Todesser eine Lehrstelle beziehen zu lassen, für die er prädestiniert ist, aber dann auch wieder etwas ganz anderes, wenn eben diese Person einmal im Monat mit einem Werwolf durch die Wälder streift; selbst in Form eines Wolfes. Man könnte meinen, dass die Öffentlichkeit eine solche Neuigkeit nicht gut aufnehmen würde, finden Sie nicht auch?«
Der Junge nickte stumm.
»Nun gut!« rief Professor McGonagall aus und schlug sich auf die Oberschenkel. »Wir sollten jetzt besser zurück zum Schloss und Rubeus nicht weiter bei seiner Nachtruhe stören.«
Hagrid wollte ihr noch versichern, dass er ohnehin wach geblieben wäre, aber davon wollte sie nichts hören.
Harry und Hermione verabschiedeten sich noch schnell von Hagrid und liefen der Schulleiterin schnell hinterher.
»Hach, so ein Aufstieg!« schnaufte McGonagall und blieb stehen bis die Schüler zu ihr aufgeschlossen waren. »Dann nutzen wir doch mal einen der Vorteile, die mit dem Posten der Schulleiterin einhergehen.«
Sie griff beide an den Armen, apparierte sie ohne Vorwarnung direkt ins Schloss und landete mit ihnen am Fuß der Treppen des Gryffindor Turms.
Mit ernsten Worten schickte sie die Schüler hinauf in ihre Schlafräume, schließlich war es mitten in der Woche.
Bevor die beiden außer Hörweite waren, rief sie ihnen noch hinterher: »Das macht übrigens 10 Punkte Abzug für jeden von Ihnen fürs unerlaubte herumstreunen nach der Sperrstunde!«
oOo
Es war noch dunkel draußen und die Schüler lagen noch in ihren Betten, tief im Schlummer versunken.
Hermione war schon immer eine Frühaufsteherin gewesen, sogar noch vor Hogwarts. Das hatte sich auch in ihrem letzten Jahr nicht geändert. Die Erlebnisse des Krieges hatten dies sogar noch torpediert. Normalerweise weckte ihre innere Uhr sie vor dem ersten Klingeln ihres Weckers. Aber seit sie sich dazu entschlossen hatte, ihr letztes Jahr auf Hogwarts doch noch nachzuholen und an den Ort der letzten Schlacht zurückzukehren, konnte sie spätestens gegen 5 Uhr nicht mehr schlafen.
Entweder es waren irgendwelche schrecklichen Bilder, die es geschafft hatten, ihre schönen Träume zu stören, oder es waren eben jene Albträume, die sie erfolgreich aus dem Schlaf hinaus bugsierten.
Egal, wie müde sie dann noch war, ihr Körper fand nach dem Adrenalinschub einfach nicht mehr zur Ruhe zurück.
Also konnte sie ebenso gut die unfreiwillige Freizeit mit Nützlichem verbinden.
Eigentlich mochte sie Hogwarts in den Morgenstunden, wenn die Gänge noch leer waren.
Zu dieser Zeit begegneten ihr entweder Lehrer, die noch die letzten Vorbereitungen trafen und dann zur morgendlichen Lehrerkonferenz gingen, immer mit einer Tasse Kaffee in der Hand, weil es angeblich keinen Kaffee im Lehrerzimmer gab, sondern nur Tee!
Oder sie begegnete dem Hausmeister und seinen neuen Mitarbeitern, die er grimmig herum scheuchte. Nach dem Krieg hatte man feststellen müssen, dass es Teile im Schloss gab, die mit Magie nicht wiederherzustellen waren, und aus der Not heraus wurden Zugeständnisse gemacht, einige Positionen einfach vernachlässigt zu haben, wie z.B. die Position des Hausmeisters.
Auch aus der Sicht eines Zauberers war die Arbeit für eine einzige Person kaum zu bewältigen. Wieso noch niemand zuvor auf die Idee gekommen war, mehrere Personen für die Instandhaltung des Schlosses einzustellen, war unbegreiflich. Vermutlich war es aus Gewohnheit oder aus Ignoranz einer Notwendigkeit. Dass es als Squib ohnehin schwierig war, die Zauberer von etwas zu überzeugen, durfte ebenfalls eine große Rolle gespielt haben.
Warum sollte man selbst mit magischen Fähigkeiten auch verstehen, dass ein Steinbrocken sich nicht bewegt, wenn man ihn einfach anstarrt.
Nun hatte Argus Filch seine eigenen Mitarbeiter, die er herumkommandieren konnte. Er war ja schließlich selbst nicht mehr der Jüngste. Auch wenn ihm die Arbeit nie sorgfältig oder schnell genug durchgeführt wurde, konnte man dem alten Hausmeister einen gewissen Stolz ansehen, der ihn befiel, wenn seine Hausmeistergesellen ihre Arbeit verrichteten.
Heute allerdings wollte Hermione niemandem vor dem Frühstück begegnen. Das Schloss war so viel harmonischer ohne menschliche Begegnung.
Es war recht kalt. Die Morgendämmerung hatte in den letzten Stunden noch einmal eine richtige Kältefront mitgebracht.
Hermione war froh, dass sie vorsorglich noch ihren Winterumhang und ihren Schal umgelegt hatte.
Am Innenhof angekommen blieb sie stehen. Die Gänge säumten halb offen den Hof. Niedrige Mauern begrenzten die Gänge vom Hof, in regelmäßigen Abständen von Säulen gestützt. Die Mauern waren beliebte Sitzplätze, von denen aus man die Aussicht des Hofes oder ein paar Sonnenstrahlen genießen konnte.
So wie sie es jetzt machte.
Die Sonne war zwar noch nicht aufgegangen, aber die Dämmerung tauchte den Innenhof in ein angenehmes Licht.
Die Bibliothek war ohnehin noch nicht geöffnet, also konnte sie auch die Zeit nutzen, kurz zu verschnaufen - ohne ihre Klassenkameraden um sich zu haben, die manchmal einfach zu laut und zu einnehmend waren.
Aus einer Schreibfeder zauberte sie sich ein dünnes Sitzkissen, denn die Steinmauer war so kalt, dass sich die Kälte selbst durch ihren dicken Umhang biss.
Fast schon automatisch nahm sie ein Buch aus ihrer Tasche und schlug es auf ihrem Schoß auf. Auf den Inhalt konnte sie sich allerdings nicht konzentrieren.
Etwas ganz anderes beschäftigte sie, was mit dem Unterricht überhaupt nichts zu tun hatte, und wofür sie keine Lösung parat hatte.
Auf einmal hörte sie ein entferntes Jauchzen, begleitet von einem eigenartigen Schlurfen, als würde jemand ganz langsam mit harten Besenborsten über den Boden fegen.
Über den Innenhof hinweg entdeckte sie schließlich nach wenigen Augenblicken die Ursache des Geräuschs: Es war eine schwarze Figur, die sich an der Wand entlang hangelte, angeführt von einem schwarzen Hund an der Leine... Nein, das war kein Hund, das war ein Wolf!
»Professor Lupin...?« wunderte Hermione sich und war sich bewusst, dass er sie nicht hören konnte.
Sie beeilte sich, den beiden entgegen zu kommen.
Von nahem wirkte es eben so verstörend wie nur logisch: Remus Lupin trug sonst nie schwarz, aber dies war auch nicht seine Kleidung! Er trug den Umhang, welchen Professor Snape in der Nacht zuvor auf dem Weg zu Hagrids Hütte getragen hatte. Darunter konnte sie den schwarzen Mantel herauslugen sehen, für den Snape so berühmt war. Einige böse Zungen behaupteten, dass Severus Snape nur diese Art von Kleidung besaß - vermutlich in mehrfacher Ausführung. Der Mantel war nicht zugeknöpft. Stattdessen stachen die Ecken eines weißen Kragens unter den schwarzen Lagen heraus.
»Hermione«, schnaufte Professor Lupin sichtlich erschöpft und suchte mit einer Hand Halt an der Wand.
»Guten Morgen, Professor Lupin und... Professor Snape?« grüßte sie unsicher und presste das Buch und das improvisierte Kissen an ihre Brust wie einen Panzer.
»Du bist ganz schön früh auf den Beinen«, stellte Lupin fest und schleppte sich zu der kleinen Mauer zwischen den Pfeilern auf der anderen Seite des Ganges. Ächzend ließ er sich darauf sinken und seufzte erschöpft.
»Ich dachte, der Trank hilft Ihnen bei der Transformation? Sollten Sie sich nicht besser fühlen danach?« fragte sie reichlich irritiert.
»Oh, du kannst beruhigt sein, dass der Trank tut, was er soll«, sagte er und zog den Wolf näher zu sich, der mehr oder minder unentschlossen im Gang stehen geblieben war. »Komm her... wir machen eine kurze Pause«, erklärte er dem Wolf und wenn jemand an ihnen vorbei ginge, würde die Person mit Sicherheit Lupin als senilen Magier abschätzen, der schon so vereinsamt war, dass er mit seinen Tieren sprach.
Professor Snape in Wolfsform folgte sogar der Aufforderung und setzte sich zwischen Lupins Beine. Die pinke Zunge hing leicht heraus.
Lupin stützte sich mit den Ellenbogen auf den Knien ab und wirkte damit noch eingesunkener und erschöpft. Der Wolf stupste ihn ab und zu vorsichtig mit der Schnauze an.
»Keine Sorge, mein Herz. Ich bin nur etwas k.o.«, versicherte der Werwolf ihm.
Dem Ganzen zuzusehen, ließ Hermione ein wenig unbehaglich in ihrer Haut werden, schließlich wusste sie, wer sich hinter dem Tier verbarg, und dass sie ihre Hausaufgaben für Zaubertränke noch nicht so perfektioniert hatte, dass sie sie abzugeben bereit gewesen wäre.
Sie hatte sich noch nie eindringlich genug mit dem Animagus Zauber beschäftigt, deswegen wusste sie nicht, wie das mit der Erinnerungsfähigkeit bei diesem Zauber verlief. Würde Professor Snape sich daran erinnern, dass er auf Lupins Kommando gehört hatte? Dass er 'sitz' gemacht hatte als es ihm gesagt wurde? Dass sie dabei zugesehen hatte, wie Professor Lupin ihm zärtlich unterm Kinn gekrault hatte?
Im Moment lag er mit der Schnauze in Lupins Schoß, die Augen geschlossen und wirkte so seelenruhig und entspannt, wie sie Snape noch nie erlebt hatte.
Die beiden nicht außer Acht lassend, platzierte sie ihr Kissen auf der Mauer und setzte sich neben Professor Lupin hin.
»Wir haben es wohl etwas übertrieben heute Nacht, nicht wahr, mein Lieber?« Lupin strich dem Wolf liebevoll über den Kopf und lächelte dabei.
So schwarz wie gestern Nacht war das Wolfsfell gar nicht. Hier und da stachen ein paar graue und weiße Härchen und Flecken hervor und an seinem Nacken führte eine zittrige, dünne weiße Linie fast um den kompletten Hals herum.
»Schwarz sieht ungewöhnlich an Ihnen aus«, kommentierte sie die Tatsache, dass Lupin ganz offensichtlich Snapes Kleidung trug.
»Ich war dazu gezwungen, die Sachen anzuziehen«, begann er zu erklären, ohne den Blick vom Wolf zu nehmen, »weil jemand vergessen hat, das zweite Set an Kleidung mit nach draußen zu nehmen!« Remus knuffte den Wolf, der nur noch müde auf seinem Schoß hing. »Aber zum Glück brauchen Animagi keine Kleidung zum transformieren. Deswegen sollten wir uns auch bald wieder aufmachen, damit mich keiner so sieht und weitere Fragen stellt.«
Da nahm Hermione ihren ganzen Mut zusammen, um ihre Vermutung zu bestätigen: »Sie wohnen nicht am Fuße des Gryffindorturms, nicht wahr? Professor McGonagall hatte da gewohnt, also sind wir davon ausgegangen, dass Sie als Gryffindor Hauslehrer ihre Wohnung übernommen hätten. Aber das haben Sie nicht.«
»Weißt du, dass Severus dafür gesorgt hat, dass ich diese Stelle bekomme?« gab er zurück, ohne auf ihre Frage einzugehen. Bei der Nennung seines Namens öffneten sich die Augen des Wolfs einen Spalt breit und er murrte etwas missgelaunt. »Oh, es macht Spaß, die Wahrheit auszusprechen, ohne dass du Widerworte geben kannst!« Remus umarmte den Wolf, der sich griesgrämig versuchte, aus der Umarmung herauszuwinden. »Wir sollten ihm einen neuen Namen geben, findest du nicht auch, Hermione?« Remus wuschelte kräftig durch das dichte Nackenfell. Wenn Blicke töten könnten, dann wäre der Werwolf jetzt zumindest ein wenig tot. »Wir können dich doch schließlich nicht bei deinem richtigen Namen nennen! Das würde zu viele Fragen aufwerfen und uns die Registratur auf den Pelz hetzen... Also, was denkst du, Hermione? Welcher Name würde zu ihm passen?«
Deswegen hatte Professor McGonagall ihnen das Versprechen abgenommen, nichts über Snapes Animagusform zu verraten!
»Warum hat er sich nicht registriert?« fragte sie statt einen Namensvorschlag zu geben.
Remus Lupin sah erstaunt auf.
»Hermione Granger! So voller Fragen heute Morgen!« Trotzdem lächelte er.
Und seufzte.
»Ich sag das nicht gern, vor allem nicht, ohne es mit ihm vorher besprochen zu haben... Was glaubst du würde das Ministerium oder das Zaubergamot oder die Öffentlichkeit davon halten, wenn herauskäme, dass ein ehemaliger Todesser dubiose Tests durchführt, obwohl ihm auferlegt wurde, dass er nicht forschen darf? Das Urteil bezieht sich schließlich nicht nur auf den öffentlichen Teil. Ihm wurde auch verboten, außerhalb des Unterrichts irgend etwas zu erforschen - egal was. Selbst eine Verbesserung eines bestehenden Trankes gehört dazu. Und wenn dann noch herauskommt, dass eben jener ehemalige Todesser - ein Doppelspion, dem ohnehin niemand vertrauen möchte - den Animagus Zauber erlernt hat, um seine verbotene Forschung voran zu bringen, dann würde das unter seinen Gegnern nur noch mehr Unmut und Verdacht schüren. Severus' Name wurde zwar offiziell bereinigt, aber zu einem hohen Preis. Hier auf Hogwarts können wir zumindest so leben, wie wir es uns wünschen, und Teddy groß ziehen, ohne dass das Zaubergamot oder die Abteilung für Kinder- und Jugendaufsicht uns willkürlich schikaniert.«
»Also wohnen Sie wirklich zusammen!« Sie war weder schockiert, noch angewidert.
An ihrem angedeuteten Lächeln konnte er erkennen, dass sie es ihm nicht übel nehmen würde.
»Wohnen zusammen, arbeiten zusammen, lachen zusammen, kümmern uns zusammen um Teddy... leben zusammen...« Remus schaute sie beinahe ängstlich an. »Stört dich das?« fragte er, weil es auf ein Stigma mehr oder weniger nun auch nicht mehr ankam.
»Nein, warum sollte es?« gab sie ehrlich zu.
»Hermione, du bist wahrlich eine Hexe, die ihrer Zeit voraus ist! Verliere bitte nie deinen Mut, deine Meinung frei heraus zu sagen!« lachte Remus erleichtert auf.
»Es ist nur...« Sie biss sich auf die Unterlippe.
»Was?« hakte Remus nach.
Die Hexe zögerte einen Augenblick zu lange.
»Was bedrückt dich, Hermione?« hakte der Werwolf nach.
»Sie haben so harmonisch ausgesehen... auf der Couch. Das fand ich sehr schön - für Sie beide«, gab sie nur zögernd zu.
»Danke, Hermione.« Remus griff sich verlegen in den Nacken.
»Verraten Sie mir, wie man so etwas schafft?«
»Ich fürchte, ich kann dir nicht folgen, Hermione.«
»Wie man so eine Beziehung führt...« brach es schließlich aus ihr heraus und bevor Remus von einer peinlichen Annahme zur nächsten springen konnte, schob sie noch schnell hinterher: »Die Schüler denken sich meist nicht, dass ältere Erwachsene eine gesunde Beziehung führen können. Sie müssten nur einmal sehen, wie die Jüngeren die Gesichter verziehen, wenn sie Erwachsene beim küssen erwischen. Unreifes Pack!« Verlegen wandte sie den Blick ab. »Tut mir leid. Ich will Ihnen nicht zu nahe treten... aber Professor Snape...«
Da lachte Remus laut auf, dass selbst der Wolf wieder wach wurde. »Dass Severus wirklich die unwahrscheinlichste Person ist, der man eine Beziehung zutrauen würde!«
»So meinte ich das nicht!« verteidigte sie sich mit weit aufgerissenen Augen.
Der Wolf kommentierte das Gesprächsthema laut grummelnd.
»Wie meintest du es dann?«
»Nun... ich mein, woher weiß ich, dass... dass es jemand ernst meint?« fragte sie um der Wörter verlegen. »Woher weiß ich, dass es 'derjenige' ist?«
»Ah, darum geht es!« erkannte Remus und rieb sich verlegen den Nacken. »Ich glaube, für deine Frage bin ich die denkbar schlechteste Ansprechperson, die du dir aussuchen konntest.«
»Aber wieso?« widersprach sie verständnislos. »Sie haben eine scheinbar funktionierende und harmonische Beziehung...«
»Oh, glaub mir, Hermione, eine Beziehung mit Severus Snape ist alles andere als harmonisch. Sie ist ein Ergebnis aus Kompromissen und kontinuierlichen Verschiebungen und Meinungen und ein Resultat aus ständiger Angst und Verletzlichkeit. Es ist nicht alles rosig, auch wenn es so aussehen mag.« Er sah sie eindringlich an, um ihre Reaktion einzuordnen. »Ich habe nicht gerade viel Erfahrungen mit Beziehungen. Als Werwolf fällt es früher oder später auf, dass etwas nicht stimmt. Und bevor ich eine Beziehung auf Lügen und Geheimnissen aufbaue, bleib ich lieber allein... jedenfalls war das so mein ganzes Leben lang.«
»Und trotzdem leben Sie beide zusammen! Dafür muss es doch einen Grund geben...« Sie hielt wieder inne. »Tut mir leid. Ich stell wohl wieder zu viele Fragen.« Ihre Schultern sackten in sich zusammen.
»Du möchtest wissen, woran man erkennt, dass man die Person getroffen hat, mit der man den Rest seines Lebens verbringen will, richtig?«
Hermione nickte.
»Liebe ist etwas, das man nicht verallgemeinern kann, deswegen werde ich dir sagen, wie es für mich ist. Ich kann es leider nicht in andere Worte packen... der Wortjongleur von uns beiden ist definitiv Severus.« Er lachte als der Wolf ihn mit der Schnauze anstupste. »Severus nimmt mich so wie ich bin. Ich muss mich nicht verbiegen. Entgegen aller Meinungen verurteilt er mich nicht dafür, ein Werwolf zu sein. Außerdem solltest du ihn im Umgang mit meinem Sohn sehen. Es ist nicht selbstverständlich, ein Kind zu akzeptieren, das nicht dein eigenes ist. Das rechne ich Severus sehr hoch an... denn auch wenn wir uns lieben würden, er aber Teddy nicht akzeptieren würde, dann hätte ich mich für meinen Sohn entschieden. Das hat Severus verstanden, und auch wenn er so empathielos und hinterhältig tut, er liebt ihn genau so sehr wie ich und würde ihn gegen alles und jeden verteidigen. Teddy könnte es nicht besser treffen. Wenn du glaubst, dass du jemanden liebst, kommt es nicht nur auf das Kribbeln in deinem Bauch an, sondern auch auf die Frage, ob das Ganze auf Gegenseitigkeit beruht. Das kann kein Liebeszauber auf Dauer vortäuschen. Wie fandest du Severus' Salon als ihr den Raum gestern das erste Mal gesehen habt?«
»Der Salon?« vergewisserte Hermione sich als hätte sie etwas an den Ohren.
»Ja, wie hast du dich in dem Raum gefühlt?« hakte Remus nach.
»Naja...« Sie versuchte, sich den Raum erneut vor Augen zu führen. »Er wirkte alles andere als ein Raum, den ich Professor Snape zuordnen würde... Was die vielen Bücher betrifft, passt der Raum zu ihm eigentlich ganz gut. Aber es wirkte sehr heimelig, kein bisschen wie der Raum eines Slytherins... Ich habe keine grünen Farben entdeckt, außer dem Licht, das durch das Fenster in das Zimmer drang... Aber wenn ich ehrlich sein soll... mit all den vielen Dingen darin, wirkte der Raum sehr voll.«
Remus nickte eifrig. »Siehst du - das ist ein Knackpunkt in unseren Debatten. Ich bin dafür, dass wir uns eine neue Wohnung auf Hogwarts aussuchen. Es gibt hier einige leer stehende Apartments, die extra für Familien konzipiert wurden, und die nicht im Kerker liegen. Aber eine 17jährige Angewohnheit kann man schwer durchbrechen. Spätestens wenn Teddy älter wird, müssen wir umziehen.«
»Was hält Sie beide davon ab?« fragte Hermione irritiert. »Eine größere Wohnung kann doch nur Vorteile bringen, oder nicht?«
»Er ist ein Gewohnheitstier!« Er lachte nicht überschwänglich, lediglich seine Mundwinkel zuckten ein Stück nach oben. »Außerdem liebt er die Nähe zu seinem Labor. Und - das darfst du niemandem weitersagen, sonst beißt er mir gleich die Hand ab - er liebt seine Slytherins! Man kann von Severus' Verhalten Schülern gegenüber halten, was man mag, aber er war der einzige, der sich in den letzten Jahren überhaupt um die Slytherinschüler gekümmert hat.«
»Aber ist das nicht seine Aufgabe als Hauslehrer?« Hermione verzog irritiert die Augenbrauen.
»Eigentlich ja, zumindest was die anderen Häuser betrifft.« Sein Ton gab ihr zu verstehen, dass sie der Sache wohl etwas zu blauäugig begegnet war. »Als Severus und ich hier noch Schüler waren, da war Horace Slughorn der Hauslehrer von Slytherin, und wenn ich mich an Severus' Geschichten erinnere, dann muss ich sagen, dass Slughorn einen wahrlich schlechten Job gemacht hat. Als Severus Slughorn abgelöst hatte, wollte er es anders machen. Er musste sich zwar vorsehen, dass er sich nicht als Spion verriet, aber er wollte für die Slytherins eine Anlaufstelle sein, die Slughorn nie für ihn selbst war. Er befürchtet, dass die Slytherins es nicht gut aufnehmen würden, wenn er aus dem Kerker wegzieht... und wenn es auch nur für ein oder zwei Stockwerke weg ist.« Dann erlosch sein Lächeln und eine melancholische Resignation vernebelte seinen Blick. »Aber da gibt es noch einen weiteren Punkt, der uns beide davon abhält, eine andere Wohnung zu beziehen. Wir müssten damit klare Stellung beziehen... zu unserer Gesinnung, zu unserer Beziehung, und ich weiß nicht, ob alle dazu schon bereit sind.«
»Wissen die Slytherins denn Bescheid?« tastete sie sich voran.
»Nicht offiziell... Aber ich denke, sie haben sich den einen oder anderen Reim daraus gemacht und werden einiges unter sich ausgemacht haben. Schließlich sehen sie ja auch, dass ich da ein- und ausgehe.«
»Warum warten Sie dann auf die Bestätigung anderer oder nehmen Rücksicht auf das, was andere denken? Sie sagten doch, dass sie sich hier sicher fühlen«, sprach Hermione und überzeugte sich selbst mehr und mehr von ihrer Idee, während sie redete. »Sie sollten es einfach machen! Fragen Sie niemanden um Erlaubnis, oder ob jemand damit ein Problem hat. Es wird immer jemanden geben, der mit irgendwas nicht einverstanden ist, aber darauf sollten Sie keine Rücksicht nehmen!«
»Hermione! Deinen Mut möchte ich gerne haben!« Sein Mund lächelte nicht, aber seine Augen strahlten. »Lass die Eltern sich erst mal an den Gedanken gewöhnen, dass auf Hogwarts nicht mehr alles so gehandhabt wird, wie in den letzten fünfzig Jahren. Wir haben ja noch ein wenig Zeit bis Teddy zu groß für sein Zimmer wird. Bis dahin genießen wir die Zeit, die wir für uns allein haben... ohne Heuler von verärgerten Eltern oder Interviewanfragen vom Daily Prophet.«
Der Wolf sprang auf, reckte die Ohren in jede Richtung und richtete schließlich den Blick den Gang hinunter... noch bevor Hermione etwas wahrnehmen konnte. Die Leine spannte sich.
»Er kommt mit seinen neuen Instinkten wirklich sehr gut zurecht«, bewunderte Remus ihn und ließ die Leine los. Der Wolf ging aber nicht los. Er blieb wenige Schritte vor ihnen stehen und winselte, als könne er sich nicht entscheiden, was er mit sich anstellen sollte.
Am Ende des Ganges schob sich ein Blondschopf die Treppe hinauf und auf dem Arm trug er ein glucksendes Bündel, das ihm mit Vorliebe ins Gesicht patschte. Draco war voll bepackt mit einer pastellblauen dicken Babytasche, darunter seine eigene Umhängetasche und das Kind in einer Art Tragegurt.
Es musste wohl schon Zeit fürs Frühstück sein.
Der Wolf trabte dem blonden Slytherin halb entgegen.
Remus Lupin blieb sitzen und besah sich das Schauspiel wie der Slytherin sich beinahe erschreckte und sich doch wieder fasste.
»Warum lassen Sie Teddy nicht von den Elfen beaufsichtigen? Ich habe gehört, dass das unter Zauberern eigentlich üblich ist...« bemerkte Hermione.
»Elfen sind ein unterdrücktes Volk, das weißt du genau wie ich, Hermione Granger« Er klopfte ihr dabei auf die Schulter. »Ich habe von deinen Ansichten bezüglich der Elfen gehört, Hermione, und ich stimme ihnen voll zu.«
»Wie machen Sie das dann mit Ihren vollen Stundenplänen? Das ist doch sicher nicht einfach«, vermutete Hermione und sah zu, wie Draco sich vor dem Wolf hin hockte, damit Teddy nach dem Fell grapschen konnte.
»Wir arrangieren uns, wo es gerade geht. Wenn er unterrichtet, habe ich meistens frei und umgekehrt. Minerva hat es für uns so eingerichtet. Und wo es nicht geht, weil z.B. der Vollmond uns dazwischen kommt oder Prüfungen anstehen, übernehmen andere Teddy für ein paar Stunden. Draco ist da sehr hilfsbereit. Teddy mag auch Luna sehr gern.«
»Wenn Sie mal wieder jemanden brauchen, fragen Sie doch mal Harry. Er würde sich bestimmt freuen, ein paar Stunden mit Teddy zu verbringen. Und wenn er keine Zeit hat, dann kann ich das übernehmen, auch wenn wir nicht mehr lange auf Hogwarts bleiben werden.«
»Ich danke dir, für dein Angebot. Ich wollte Harry damit gar nicht belästigen, weil er selbst viel um die Ohren hat...«
»Aber Draco und Luna haben doch genau so viel zu tun?« unterbrach sie ihn.
»Draco will sich beweisen«, versuchte Remus zu erklären. »Ich denke, er sucht eine Art Vaterersatz, und Draco hatte eigentlich immer ein gutes Verhältnis zu Severus. Was Luna betrifft... Nun ja, sie beide haben viel zu tun, das stimmt. Harry wird in der Presse als Held gefeiert. Jeder in der Zaubererwelt schaut auf ihn und begutachtet ihn oder beurteilt. Er will seinen Abschluss machen und jeder wird auf seine Noten schauen. Er will eine Ausbildung machen und entweder wird sich jeder um ihn reißen oder er wird es schwer haben, sich von dieser Glorifizierung zu entfernen. Wir wollten ihm nicht auch noch einen quengelnden Jungen aufzwingen. Du hast Teddy zwar gestern recht ruhig erlebt, aber er kann auch anders.«
Es klang wie eine fade Entschuldigung, aber Hermione wollte es sich nicht erlauben, darüber zu richten. Schließlich war es nicht ihr Kind. Sie konnte nur das Angebot machen.
Mit einem Stirnrunzeln bemerkte sie, wie der Wolf zurückkehrte. Die Leine schleifte hinter ihm her. Ein Eisenring daran klapperte über den Steinboden.
Der Wolf war allein.
Verwundert schaute sie den Gang hinunter und erhaschte noch den letzten Fetzen von Dracos Umhang, der im anderen Gang verschwand.
»Kommt er nicht hier entlang?« fragte sie beinahe entsetzt.
»Nein«, antwortete Remus und zog den sehr schläfrigen Animagus in seine Arme. »Wir haben das so abgesprochen. Wenn Teddy mich sieht, will er bei mir bleiben und regt sich auf, wenn man ihn dann wegbringen will. Deswegen ist es besser, wenn Draco einen anderen Weg einschlägt. Sonst werden wir im Laufe des Tages im Stehen einschlafen, während Teddy die Wohnung mit Tinte und Salamanderblut neu dekoriert.«
Hatte Professor Lupin die Nacht als Werwolf durchgemacht? Sie hatte gelesen, dass der Wolfsbanntrank Werwölfe schläfrig machen sollte. Aber wenn der Trank bei jedem Individuum so unterschiedlich wirkte, dann lohnte sich eine Fortführung der Forschung vielleicht doch?
Hermione merkte sich die Fragen für den Tag, an dem Sie Professor Snape beim Brauen über die Schulter schauen durfte.
Sie beobachtete noch einen Moment lang, wie das Pärchen vor ihr miteinander agierte, auch wenn die eine Person gerade keine Widerworte geben oder sich gegen die Zärtlichkeiten wehren konnte (auch wenn er als Wolf durchaus in der Lage gewesen wäre, aber dann würde der Haussegen wohl arg schief hängen). Sie sehnte sich nach einem Partner, der sich für sie interessierte und der nicht lieber auf der Couch liegen wollte anstatt Zeit mit ihr zu verbringen.
Sie schaute dem Wolf lange in die Augen.
»Duke«, brach Hermione die angenehme Stille.
»Was?« horchte Remus verwirrt auf.
»Als Name - Duke«, erklärte sie. »Jeder würde einen Namen wählen, der auf irgend etwas von der Person anspielt, die in der Animagusform steckt; einen Namen, der von der Farbe seines Fells her rührt oder vielleicht auf seinen Charakter schließen lassen würde... Duke ist einfach zu merken und niemand würde Rückschlüsse ziehen, dass dies ein Animagus und kein echter Wolf wäre.«
Remus kraulte den Wolf unterm Kinn. »Das klingt wirklich wunderbar, findest du nicht auch... Duke?«
Dieses Mal grummelte der Wolf weder, noch schnaufte er verächtlich oder legte die Ohren an.
»Ich glaube, wir haben seine Zustimmung bekommen! Gratuliere, Hermione! Du glaubst nicht, wie lange wir schon nach etwas annehmbaren gesucht haben... Wie bist du darauf gekommen?« fragte er nun doch etwas stutzig.
»In eurer Wohnung hängt ein Poster von 1976, das nichts mit Zaubertränken oder Magie generell zu tun hat. Es ist recht klein. Man muss wissen, worauf man da schaut.«
»Miss Granger! Sie wollen doch wohl nicht etwa behaupten, dass bei uns etwas Muggelartiges an der Wand hängt!« rief er erstaunt aus.
»Das habe ich nie behauptet.« Diesmal war sie es, die lachte.
Dass Draco sich bereits auf den Weg gemacht hatte, sollte eigentlich ein Hinweis für beide sein: »Wir sollten heim gehen, Duke, bevor die Slytherins aus dem Kerker strömen und wir nicht mehr den Fragen aus dem Weg gehen können. Ich bedanke mich bei dir, Hermione, für die nette Unterhaltung. Auch in seinem Namen.« Er deutete mit einem Nicken auf das schwarze hechelnde Ungetüm. »Deine Unterstützung bedeutet uns sehr viel...« und flüsternd fügte er hinzu: »Auch wenn Duke es nie von sich aus zugeben würde.«
oOo
Keine halbe Stunde später, als Severus frisch geduscht bereits im Schlafzimmer verschwunden war, suchte Remus nach Hermiones Hinweis.
Das besagte Poster hatte sich wirklich sehr gut versteckt neben einem Kräuterkalender und halb von einem Regal verdeckt.
Station to Station war trotzdem noch gut zu lesen. Das Jahr war allerdings nur bis zur 197 zu erkennen.
Remus grinste.
Die Platte hatte er schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr gehört.
»Sehr gerissen, Ms Granger! Wirklich sehr gerissen!« sagte er mehr zu sich selbst und nahm sich vor, den Plattenspieler am Abend zu entstauben.
Die Links entnehmt ihr bitte der deutschen Fanfiktion dot de Seite ;)
Wie ich darauf gekommen bin?
Ich war mal wieder zu lange auf Youtube unterwegs (was auch sonst *lol*).
Besonders dieser Kanal hatte es mir angetan: AcousticTrench
Der Kanalbetreiber hat hauptsächlich Videos von sich hochgeladen wie er Gitarre spielt und sein Hund daneben liegt und entspannt zuhört... Das fand ich so goldig, dass ich das adaptieren musste.
Zuerst war die Idee auch wirklich nur, dass das goldene Trio Professor McGonagall treffen, während sie auf der Suche nach Remus Lupin sind, weil sie ihn in der heulenden Hütte nicht gefunden hatten, und sich dann Sorgen gemacht hatten, wo sich ein Werwolf noch aufhalten könnte...
Und dann die Szene in Snapes Wohnung... Da war auch nur geplant, dass sie Snape vorfinden, wie er mit Moony ein paar musikalische Momente hat...
Teddy war da gar nicht geplant.
Das sollte mehr so ein "Hier gab's kein Remus/Tonks und auch keinen Nachwuchs" AU sein... Dann hat sich Teddy doch noch in die Szene eingeschlichen! Ich bin normalerweise kein Fan von Baby Fics, aber hier hat's einfach gepasst.
Der Babysitter sollte ursprünglich Luna werden, aber Draco hat was gut zu machen und sucht einen neuen Sinn im Leben. Sich also nützlich zu machen und anderen zu helfen, ist seine Art, mit den Nachwirkungen des Krieges umzugehen. Er verbringt auch offensichtlich mehr Zeit mit Severus. ;)
Achja, und nach Unter Wölfen Kapitel 7 wollte ich unbedingt was flauschiges schreiben...
Also flauschig wie es in meinem geschädigten Hirn grade eben so geht :D
So richtig kitschig flauschig krieg ich halt nicht hin!
Und ob Snape jetzt sowas hier sang:
watch?v=hX5vX7PPGVk
Oder vielleicht doch eher sowas:
watch?v=By-sBq2uk2c
(Am besten bei Youtube mit dem Kürzel suchen)
Bleibt euch überlassen...
Letzteres würde sich sicher auch toll machen als Male Version, und es passt vom Thema her! :)
Ich glaube, ich habe Minerva den wirklich unbritischsten Satz aller Zeiten in den Mund gelegt!
Sie hätten genug Tee für einen Abend gehabt! xD Das würd kein Brite sagen... NIEMALS!
Ich fürchte, bei dem Satz haben sich grade sämtliche Briten im Grabe umgedreht... :'D
Dafür gibt es nur Tee im Lehrerzimmer... Hmmm!
Und ich hab Filch ein paar Handlanger untergejubelt, denn mal ehrlich: Wer schafft es denn bitte, alle handwerklichen Belange im ganzen Schloss ALLEIN zu bewältigen... und das auch noch als nichtmagischer Mensch... Sehr unwahrscheinlich, JK! Wirklich sehr, sehr unwahrscheinlich!
Duke ist übrigens eine Anspielung auf David Bowies Stage Figure "The Thin White Duke". Ich verwette meine Bluetooth Tastatur dafür, dass Snape Bowie Fan war! :D
Alle anderen würden auf so offensichtliche Namen hinsteuern wie "Onyx", "Midnight" oder whateverirgendwasmitschwarz... Ich nicht! xD
Und damit ihr wisst, was meine Ohren besetzt hat während ich die letzte Szene schrieb (und weil ich so gerne mit Youtube Links um mich werfe):
Statt den Link zu beschreiben, sag ich einfach mal den Titel des Videos: David Bowie Station to Station Live 1976 (14 Minuten Live Mitschnitt)
P.S.: Ich habe heute erfahren, dass DracoxApple (Drapple) ein 'Ding' ist... Ich wollte es einbauen, aber dann wäre es noch länger geworden...
Mir ist übrigens aufgefallen, dass ich gar nicht angegeben habe, warum ich auf Gitarren gekommen bin. Deswegen hier ein P.P.S.:
Ganz kurze Erklärung:
Gitarren sind erschwinglich. Klaviere nicht ;)
Nicht ganz so kurze Erklärung:
Severus ist in einer sozial schwachen Gegend aufgewachsen. Seine Eltern hatten zwar ein Haus, das sie ihm auch vermacht haben, aber ich gehe mal ganz stark davon aus, dass das Haus stark belastet wurde mit Hypotheken etc.
Hogwarts als Schule ist zwar kostenlos, aber die Ausstattung musste ja trotzdem von den Eltern getragen werden. Da wurde doch glaub ich schon oft genug darüber geschrieben, dass Severus keine neue Kleidung / Uniform hatte oder ähnliches. Wie sollte er sich da ein Klavir leisten oder Klavierunterricht?
Deswegen kam ich auf die Gitarre. Sie ist zwar auch nicht günstig in der Anschaffung, aber sie kostet bei weitem nicht so viel wie ein Klavier.
