Illusions make me happy
Eigentlich könnte man mich als nachtragend bezeichnen. Soweit ich wusste, war ich das schon immer. Ich war gut darin diesen Umstand zu verbergen, aber innerlich brodelte es zeitweise in mir. Ich nehme mir wohl oft etwas zu sehr zu Herzen. Vor allem, wenn es mich persönlich betraf - dann konnte ich es nicht einfach bloß hinnehmen.
Umso mehr wunderte es mich, dass ich tatsächlich die Hand des Fremden angenommen hatte und ihm letztendlich aus der Bar hinterher getrottet bin.
"Ich fahr dich heim", hatte er gesagt. Das war weniger eine Aufforderung, als ein netter Vorschlag. Ich glaube, wenn ich nüchtern gewesen wäre, wäre ich nicht mitgegangen. Ich hätte mich höflichkeitshalber bedankt, dass er mir Lucas vom Hals geschaffen hatte und hätte sein "Angebot" abgelehnt.
Allerdings tat ich genau das Gegenteil. Ich hatte mich nicht bedankt, geschweige denn überhaupt etwas gesagt. Ich habe ihn wortlos angestarrt, ehe er mit einem kaum merkbaren Kopfnicken zur Türe gedeutet hatte.
Und ich bin ihm wie ein Hund gefolgt.
Kurz bevor wie die Bar verlassen konnten, habe ich mich noch nach Armin umgesehen. Und nach Jean auch, aber von Beiden war keine Spur zu sehen. Der Dunkelhaarige ist dann wieder zu mir gekommen und meinte etwas von, "Sie sind schon gegangen." oder so. Es wunderte mich ein wenig. Das Jean wortlos ging, nicht, bei Armin hingegen schon. Er hätte sich normalerweise wenigstens verabschiedet.
Wie auch immer. Letztendlich stand ich Draußen vor diesem schnittigen Wagen. Ein schwarzer Audi, Limousine. Ich staunte nicht schlecht; schönes Auto.
Der Fahrzeugbesitzer hatte mir gerade die Beifahrertür geöffnet. Eigentlich war es keine Geste der Nettigkeit, wie es üblicherweise der Fall war, denn der Mann hatte dabei wieder dieses Auffordernde an sich. So, als würde sein Blick mir befehlen sofort einzusteigen.
Wie gesagt, durch meinen Alkoholspiegel fasste ich mein Umfeld etwas anders auf und handelte dementsprechend fremd gegenüber meinem üblichen Charakter.
Ich sagte folgend nichts und stieg ein - musste dabei darauf Bedacht nehmen, dass ich nicht das Gleichgewicht verlor. Ich schaffte es jedoch und ließ mich sogleich in den bequemen Ledersitz fallen.
Als dann der Schwarzhaarige eingestiegen ist, fragte er nach meiner Adresse und noch während ich sie ihm sagte, fuhr er los.
Und dann diese unangenehme Stille.
Normalerweise würde mich das gar nicht so stören. In solch einer Situation, wusste ich nie, wie ich ein Gespräch aufbauen sollte und mit Sicherheit hätte ich das Schweigen bevorzugt. Wenn man sich außerdem meinen Nebenmann so ansah, wurde einem sofort klar, dass er ebenfalls die Ruhe vorzog.
In dem Moment jedoch und vor allem in meinem Zustand, ging mir das Schweigen echt am Arsch.
Ich lehnte meinen Kopf zurück und wandte mich dem Fremden zu. Ich musterte diesen für eine Weile, hoffte dabei, dass vielleicht er derjenige wäre, der diese Stille unterbrechen würde.
Doch dem war nicht so.
Ich seufzte unhörbar auf. So viele Gedanken schwirrten mir im Kopf herum und am liebsten wäre ich diese losgeworden. Allerdings konnte ich nicht einfach darauf losplappern. Soweit hatte ich mich dann doch noch unter Kontrolle. Ich wusste ja noch nicht einmal etwas über den Mann neben mir. Nicht einmal seinen Namen!
"Und wie heißt du?" fragte ich nach einiger Zeit so beiläufig, wie mir nur möglich war. Ich fand das war ein guter Anfang. Zuerst einmal das Formelle, um diese Anspannung zu vertreiben.
Der Typ schien es mir jedoch nicht leicht machen zu wollen, denn er ignorierte mich.
Ich runzelte die Stirn.
Ob er mich überhaupt gehört hatte oder wollte er mir schlicht nicht antworten?
Ich versuchte den Anderen mittels intensiver Blicke zu durchlöchern, in der Hoffnung, ihn dadurch zum Reden zu bewegen.
Und es schien auch zu klappen!
Allem Anschein nach mochte er es nicht so angeglotzt zu werden. Seine Augen huschten nach einer Weile ganz kurz zu mir, ehe er die Lippen zusammen presste und ein monotones "Levi." von sich gab.
"Levi." wiederholte ich ganz langsam. Ein seltener Name - klang komisch.
"Levi, was?" hackte ich sogleich nach und hatte mich auf ein neues Starren vorbereitet, doch der Mann - nein - Levi hatte dazu gelernt.
"Das braucht dich nicht zu interessieren."
Ich hob kurz meine Brauen und rümpfte meine Nase. Wie gerne ich Levi meine Meinung über ihn an den Kopf geworfen hätte. Allerdings besann ich mich schnell wieder zur Ruhe. Etwas Positives an meinem Rausch; durch ihn ließ ich mich nicht so leicht aus der Fassung bringen. Ich ignorierte demnach des Anderen unfreundliches Gemüt und sah aus dem Fenster, welches beschlagen war und mir dadurch die Sicht nach Draußen verwehrte. Wie von selbst wanderten meine Finger zu der Scheibe und begannen langsam irgendwelche Zeichnungen zu streichen. "...Levi..." überlegte ich ein weiteres Mal unbewusst laut über den ungewöhnlichen Namen, ehe mir bereits der nächste Gedanke kam. "Willst du gar nicht wissen, wie ich heiße?"
In Normalfall erkundigte man sich doch ebenfalls nach des Anderen Namen. Levi schien aber absolut nicht unter den "Normalfall" zu fallen.
Wieder musste ich lange auf seine Antwort warten. "Nicht unbedingt."
Ich gewöhnte mich relativ schnell an seine desinteressierte und abweisende Art. Oder es war mir in dem Moment auch weiterhin egal. Ich wusste es nicht. "Eren." sagte ich dennoch, ehe ich sogleich weiter sprach. "Du bist nicht von hier, oder Levi?" die Frage klang dieses Mal wirklich beiläufig, da das Zeichnen meines Namens auf das Fenster meine volle Konzentration erforderte. Nur am Rande bekam ich mit, dass sich der Dunkelhaarige mit seiner Antwort wieder ewig Zeit ließ. "Nein." war die schlichte Erwiderung.
"Was machst du dann hier in Maria?" bohrte ich weiter nach, als ich nun ein Herz um meinen Namen malte. Das Bemalen der beschlagenen Scheibe erweckte kurzzeitig ein vertrautes Kindheitsgefühl in mir. Das habe ich früher auch im Auto meiner Mutter getan. Ich war immer wieder fasziniert davon.
"Würdest du das lassen?"
Mein Finger stoppten mitten in der Bewegung, während mein Kopf zu meinem Nebenmann schwang. Dieser eben musste meinen unverständlichen Blick bemerkt haben, da er sogleich weiter sprach. "Nimm deine Finger von der Scheibe." seine Stimme klang zwar so teilnahmslos, wie sonst auch und dennoch schwang ein Deut von einem Knurren mit. "Du verschmierst sie."
Ich starrte noch einen Augenblick lang mit gerunzelter Stirn zu dem Mann neben mir, ehe ich mit der Zunge schnalzte, die Augen verdrehte und die Hand wieder sinken ließ.
"Wie schrecklich." seufzte ich sarkastisch und verschränkte die Arme ineinander. Den Kopf, welcher immer noch nach hinten gelehnt war, wandte ich nun wieder der Fensterseite zu. Aufgrund meiner Zeichnungen hatte ich immerhin ein wenig Sicht nach Draußen.
Der Trotz in mir hielt jedoch wieder nicht lange stand. Ich glaube es waren ganze 5 Minuten, in denen ich es geschafft hatte zu schweigen. Ich war schon weit über den formellen Kram drüber. Ich wusste ja nun wie er hieß und dass er nicht von hier war. Allem Anschein nach genügte mir das, um Levi persönlicheres zu fragen und ihm regelrecht meine Meinung über dies und das aufzudrücken.
Fragt mich nicht, was genau ich ihn alles gefragt habe, geschweige denn, was Levi geantwortet hatte. Manches hatte er überhaupt ignoriert und letztendlich konnte ich mich nicht einmal an alle Antworten erinnern.
Ich wusste noch vage, dass ich sogar eine an den Schwarzhaarigen gewandte Frage selbst beantwortet hatte, da Levi allem Anschein nach darauf nichts zu erwidern hatte. Gott, keine Ahnung um welche Frage es sich gehandelt hatte, aber es war mit Sicherheit etwas ... nun ja etwas worüber er nicht unbedingt reden wollte. Oder so. Keine Ahnung, auf jeden Fall hat ihm was nicht gepasst, denn noch während ich mitten im Satz war, stieg er plötzlich so stark auf die Bremse, dass ich nach vorne fiel. Nicht ganz nach vorne, schließlich war ich ja angeschnallt, allerdings drückte mir der Gurt regelrecht meine Lungen zusammen.
"Was zum-" setzte ich perplex an, wurde jedoch sogleich unterbrochen. "Sei still." Levi hatte immer noch das Lenkrad mit beiden Händen umgriffen, indessen sein Blick geradeaus gerichtet war. Er wirkte angespannt.
Da ich nicht wusste, um was es ging, geschweige denn was der Andere von mir wollte, konnte ich bloß ein sehr geistreiches "Huh?" von mir geben.
"Du nervst." gab er schließlich trocken und dennoch mit dem Hauch eines Knurrens von sich. "Diese ewige Fragerei; Ich bin es leid."
Ich runzelte auf die Aussage hin meine Brauen, als die Wut allmählich in mir entfacht wurde und sich schleichend durch meinen Körper bahnte. "Warum bist du jetzt so?" fragte ich verärgert. "Was ist dein Problem?"
Der Schwarzhaariges schloss daraufhin kurz die Augen, ehe er von dem Lenkrad abließ und mir sein Gesicht zu wandte. Seine kalten Augen fixierten die Meine, während keinerlei Gefühlsregung sein Antlitz zierte. "Du fragst also warum?" Seine Stimme machte der Kälte seiner Augen Konkurrenz.
"Dann lass mich dich fragen. Warum?" Mein skeptischer Blick blieb an dem Gesicht Levis hängen, als sich dieses ein Stück bedrohlich näherte. "Warum hast du das Bedürfnis dich einem Fremden mitzuteilen?"
Ich schluckte. Was sollte das denn werden?
"Warum lebst du in dieser versifften Stadt? Warum betrinkst du dich in diesem Loch? Warum verstellst du dich? Und warum verdammt, lässt du es zu, dass man dich wie Scheiße behandelt?"
Im Laufe dieser Worte erstarrte mein Körper stets mehr, während sich meine Augen weiteten. Selbst in meinem jetzigen Zustand, indem mir üblicherweise alles am Arsch vorbei ging, - mehr, als sonst - musste ich zugeben... dass mich die Worte des Anderen irgendwie trafen. Auf komische und mir unbekannte Art und Weise. Sie erweckten ein unschönes Gefühl in mir, dass sich von Sekunde zu Sekunde intensivierte. Ich wollte das nicht hören, nicht fühlen und nicht vor Augen geführt bekommen - doch ich tat es, denn diese zielgenau gestellten Fragen lösten in meinem Hirn die Reaktion aus, sich mental Selbiges zu fragen und somit nach Antworten zu suchen, mit denen Ich mich bislang geweigert hatte, zu konfrontieren.
"Warum also, huh?"
Ich glich anscheinend einem offenen Buch, das Levi mit Leichtigkeit zu lesen wusste. Es wunderte mich momentan nicht oder vielleicht interessierte es mich auch ganz einfach nicht. Nein, in dem Moment versuchte ich bloß die unschönen Gedanken und Gefühle, die Levi hervorgerufen hatte, zu verdrängen.
"Fünf Minuten bis wir da sind." hörte ich nach einer längeren Pause die Stimme des Anderen, allerdings konnte ich nicht aufschauen. Ich konnte nicht mehr in diese dunklen, verachtenden Augen sehen. "Schaffst du das ohne Geschwätz?" Er erwartete allem Anschein nach keine Antwort, da er sich mit diesen Worten wieder von mir weg drehte und den Motor von Neuem startete.
Ich glaube er ist um die 5 km/h gefahren, - oder auch 10, ich wusste es nicht genau - da traf es mich wie ein Kurzschluss. Ohne groß zu überlegen, geschweige denn etwas zu sagen, öffnete ich einfach die Autotür und stürmte aus dem Wagen. Die wenigen km/h hatten es in sich - zumindest in meinem Zustand - denn ich fiel bei meinem eindrucksvollen Abgang voll auf die Nase. Nicht wortwörtlich, aber dennoch mit dem Gesicht voran. Ich hörte hinter mir, dass Levi allem Anschein nach wieder abrupt gebremst hatte.
Ich biss die Lippen zusammen, als ich einen Schmerz am Kinn, den Handballen und den Knien verspürte, dennoch ließ ich mich davon nicht abhalten, einfach aufzustehen und weiter zu gehen.
Das Geräusch einer sich öffnenden Autotür fand ihren Weg zu meinem Gehör - ich beschleunigte meine Schritte.
Das war's dann. Sonst war nichts zu hören. Keine Schritte, keine Rufe nach mir, gar nichts. Ich ging demnach weiter in Richtung meines Zuhauses. Ich kannte mich aus, den Weg würde ich schon finden.
Hauptsache ich war weg von diesem stumpfsinnigen Kerl mit den kalten Augen. Und den kalten Worten.
"Eren?!"
Noch... nicht...
Ich wollte ... noch nicht aufwachen.
Wollte nicht von dieser umhüllenden, tauben Dunkelheit getrennt werden.
"Verdammt Eren, steh auf!"
Whum.
Ich riss die Augen auf, als mich etwas am Kopf getroffen hatte. Augenblicklich übermannten mich der mir nur allzu bekannte Schwindel, sowie das dumpfe Dröhnen in meinem Hirn. Die Zeichen für mich, dass ich zu viel getrunken hatte.
Ich brauchte einen Moment, bis ich mir meines Umfeldes bewusst wurde. Schließlich stellte ich mit Schrecken fest, dass ich im Wohnzimmer am Boden lag.
Nein, das war nicht das Schreckliche.
Mit einer schnellen Bewegung nahm ich die Decke, die auf der Couch neben mir lag, und warf sie mir über den entblößten Körper. Ein wenig peinlich berührt starrte ich zu Mikasa, die nicht unweit von mit entfernt stand, während sie die Augen geschlossen hatte und sich mit der einen Hand eben diese rieb. In der anderen Hand hielt sie einen Polster.
Das war es also was mich getroffen hatte.
"Wie bist du reingekommen?" war das Erste und Einzige, was ich sagte, als ich mich mit wackligen Beinen erhob.
Mikasa hatte die Hand von dem Gesicht genommen und starrte mich vorwurfsvoll an. "Die Türe war offen."
"Huh?" machte ich bloß unmissverständlich, denn normalerweise schloss ich die Türe immer ab. Warum also gestern nicht?
Ich legte kurz die Stirn in Falten, um die Erinnerungen vom gestrigen Abend Revue passieren zu lassen.
Vergeblich.
Je mehr ich mich anstrengte, desto größer wurden die Kopfschmerzen. Ganz langsam und schwach schaffte es mein Hirn Stück für Stück die Lücken meines Gedächtnisses zu füllen. Das Letzte was ich noch wusste, war, dass ich Richtung Toiletten getorkelt bin.
Ich kratzte mich kurz am Hinterkopf und seufzte. Früher oder später würde ich mich wieder ganz erinnern können. Nicht an alles und nicht so detailliert, aber an das Gröbste. Das war meistens der Fall.
Mit viel Mühe hatte ich es auf die Couch geschafft, auf der ich mich anschließend niederließ. Ich sah zu Mikasa - ihr Ausdruck wirkte ein wenig verärgert. "Warum bist du hier?" fragte ich schließlich, was sich jedoch als großer Fehler erwies.
Wenn Blicke töten könnten, wäre ich bestimmt schon umgefallen.
"Ich habe eine Stunde auf dich gewartet." kam es eisig und vorwurfsvoll von meiner Freundin und aufgrund meiner Verwirrung, nahm die Kälte ihrer Stimme noch um einen Deut zu. "Wir beide - im Cafe - klingelt da was?"
Ich schlug die Hand vors Gesicht.
Natürlich. Ich war mit ihr verabredet.
"Tut mir leid, ich habe-"
"Wieder mal übertrieben." sprach sie mir barsch dazwischen und vollendete selbst den Satz. Also, eigentlich wollte ich sagen, dass ich vergessen hatte, aber gut.
"Ja, das stimmt wohl." gab ich kleinlaut zu. "Wollen wir trotzdem noch gehen?" meine Stimme glich der eines kleinen, reumütigen Jungen - beabsichtigt. Mikasa verdrehte bloß die Augen, als ich sie mit meinem besten Hunde-Blick, sowie Schmollmund zu beschwichtigen versuchte. Sie ließ sich Zeit mit ihrer Antwort.
"In zehn Minuten bist du fertig. Ich warte im Auto."
Mit diesen Worten wandte sie sich von mir ab und ging aus der Wohnung.
Ich grinste.
Ja, machmal schaffte ich es tatsächlilch Mikasa um den Finger zu wickeln - das wusste sie auch. Aber, wenn es mir mal nicht gelingen sollte ... Gott behüte.
Der SMS Ton meines Handys ließ mich aus meinen Gedanken schrecken. Ich brauchte kurz, um die Richtung, aus welcher der Klang gekommen war, ausfindig machen zu können. Ich ging demnach zu den Klamotten, die am Boden lagen, hin und holte aus meiner Hosentasche mein Handy hervor.
3 verpasste Anrufe von Armin, 7 weitere von Mikasa und 13 ungelesene Nachrichten.
7 der Nachrichten stammten von Mikasa.
10:33: 11 Uhr - nicht vergessen!
10:54: Bin gleich da. Wehe du verspätest dich
11:07: Eren...
11:13: Wo bist du?
11:28: Sag nicht, dass du noch pennst!
11:37: Wenn du nicht innerhalb der nächsten 5 Minuten abhebst, dann fahr ich zu dir!
11:42: Ich habe dich gewarnt. Gnade dir Gott, wenn du wirklich noch schläfst!
Puh, zum Glück ist das noch gut für mich ausgegangen. Mikasa konnte schon sehr einschüchternd sein. Ich sollte es mir heute mit dem Mädchen nicht verspielen.
Ich sah wieder auf mein Display; 2 Nachrichten waren von einer Unbekannten Nummer.
01:32: Heute Zeit?
01:44: ?
Ich löschte jene Nachrichten gleich wieder.
1 Nachricht war von Jean.
09:07: Armin versucht dich zu erreichen
Und, wie zu erwarten, die letzten beiden von Armin.
03:14: Das nächste Mal könntest du ruhig Bescheid geben! Meld dich morgen bei mir.
08:57: Eren? Alles ok?
Ich zog die Brauen zusammen. Bescheid geben? Wegen?
Ich tippte sogleich in mein Handy, um meinem Freund zu antworten.
12:13: Morgen! Wegen was Bescheid geben?
Ich musste auch nicht lange auf eine Antwort warten.
12:14: Morgen? ^^ Naja, eben Bescheid geben, wenn du gehst. Hab mir Sorgen gemacht!
12:14: Hä?
12:15: Jean hat mir gesagt, dass du mit einem schwarzhaarigen Mann gegangen bist. War es der von der Bar?
Mein Schädel brummte und das allem Anschein nach aus gutem Grund, den just in dem Moment überkamen mich die Erinnerungen; Lucas der mich auf der Toilette bedrängt hatte, der Miesepeter, der mir zuvor eine Abfuhr erteilt hatte und mich letztendlich vor eben Diesem beschützt hatte. Das "Angebot" mich heim zu bringen und schließlich die Autofahrt.
Ich rieb mir genervt die Augen.
Gott, das konnte doch nicht wahr sein.
Wieso hatte mir der Typ gesagt, dass Armin schon gegangen sei? Und wieso, verdammt bin ich dann auch noch mit ihm mitgegangen? Das war mehr als nur peinlich, wenn ich daran zurück dachte, wie ich mich benommen hatte. Ich wusste nicht mehr viel, aber das was ich wusste, reichte aus, um mir die Röte in die Wangen schießen zu lassen. Zusätzlich zu meiner Scham schlich sich auch noch der Ärger dazu. Der Ärger auf mich selbst, auf mein Handeln - einfach auf alles! Der Typ war ein Arsch und das hätte ich ihm auch sagen sollen, anstatt zu ihm ins Auto zu steigen!
Wieder läutete und vibrierte das Handy in meiner Hand.
12:18: Das heißt also Ja! :D Am Ende hat er wohl doch nicht wiederstehen können! :P
Ich schluckte.
Nicht wiederstehen können?
Ich strengte ein weiteres Mal meine grauen Zellen an, um mich an den weiteren Verlauf des gestrigen Abends zu erinnern, doch ab dem Moment, in dem ich Levi regelrecht zugequasselt hatte, wurde alles schwarz. Ich wusste weder, wie ich nach Hause gekommen bin, noch ob ich dabei allein war.
Hatte ich Levi vielleicht...? Ich hätte doch nie...?
"Gott!" Ich fuhr mir einige Male energisch über das Gesicht. Nein, ganz sicher nicht. So betrunken konnte ich nicht sein und wenn doch, hätte ich mich erinnert. Ganz bestimmt.
12:19: Da war gar nichts, er hat mich nur heimgebracht. Ich dachte du bist schon gegangen.
12.20: Hä? Wieso sollte ich einfach gehen?
Argh, dafür hatte ich gerade keine Nerven. Schlimm genug, wie ich mich gestern benommen hatte und dann auch noch die Vorstellung, dass ich vielleicht mit dem Typen geschlafen habe! Ich wollte das einfach nur aus dem Kopf bekommen.
12:21: Reden wir, wenn wir uns sehen. Muss weiter machen, sonst köpft mich Mikasa!
12:22: Wieder mal vergessen, hm? XD Gut, bis dann
Ich legte das Handy beiseite und durchwühlte sogleich den Kleiderhaufen am Boden, auf der Suche nach meiner Boxershort. Ich musste mich beeilen, da mir wahrscheinlich nur mehr 5 Minuten blieben. Ich wollte es nicht darauf ankommen lassen, Mikasa vielleicht noch mehr zu reizen.
Als ich schon beinahe meine Nerven bei der Suche nach meiner Unterwäsche verloren hatte, erblickte ich endlich etwa Schwarzes. Ich wollte sie mir sogleich anziehen, stoppte allerdings mitten in der Bewegung.
Ich besah mir das Kleidungsstück etwas genauer und je länger ich das tat, desto mehr übermannten mich Scham, Panik, sowie Wut.
Wut auf mich selbst.
"...das ist nicht meine..." flüsterte ich atemlos zu mir selbst.
Nein, nein, nein - das durfte nicht wahr sein! Gott verdammt, hatte ich also wirklich...?
