Diese Geschichte wurde ursprünglich in englischer Sprache veröffentlicht und nach Rücksprache mit der Autorin von mir übersetzt, um sie einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Obwohl ich nur als Übersetzerin fungiere, sind Reviews natürlich trotzdem mehr als willkommen. Alexandra, die Autorin, schreibt unter dem Namen madame. alexandra und ist hauptsächlich hier auf fanfiction. net unterwegs.

Autorin: madame. alexandra

Originaltitel: The Shirt

Das Hemd

Weil sie nichts Besseres zu tun hatte, erkundete Leia den Falken – jeden Teil davon, jeden kleinen Winkel und jedes versteckte Fach, bis sie das Gefühl hatte, ihn genau zu kennen – sie wollte eine Vertrautheit damit, die über das bloße Eingesperrtsein auf einer Reise ohne Lichtgeschwindigkeit hinausging und das Schiff kennenzulernen, fühlte sich irgendwie an, als würde sie seinen Captain kennenlernen.

Beim Durchstreifen und Durchstöbern, beim Umorganisieren und Neuordnen und bei ihren unablässigen Bemühungen, etwas Bequemes zum Anziehen zu finden, womit sie immer noch angemessen gekleidet wäre – fand sie, mit einem Seufzer der Erleichterung, in der hintersten Ecke einer Schublade etwas, das wie Frauenkleidung aussah.

Es war zerknittert, ein wenig staubig und in eine Ecke gestopft, aber es war ausgesprochen feminin und Leia kam in ihrem Thermoshirt fast um vor Hitze – und das figurbetonte, ärmellose Unterhemd, das sie unter ihrem Thermoshirt getragen hatte, zog Hans Blick ein wenig zu provokativ auf sich – sie nahm es ihm nicht übel, dass er einen Blick riskierte, sie fühlte sich nur schlecht, zur Schau zu stellen, was sie noch nicht bereit war zu geben, also verzichtete sie darauf, es zu tragen – in seinen T-Shirts versank sie und sie musste sie hochbinden oder seltsam um sich herumstecken – sie war verzweifelt auf der Suche nach etwas, in dem sie sich entspannen und sich ansatzweise wie sie selbst fühlen konnte, fast wie ein Mädchen –

Sie schüttelte das Hemd aus und überprüfte die Größe – nicht ihre Größe, aber nicht viele Frauen waren die gleiche Kombination aus spindeldürr und abnormal klein, die Leia repräsentierte. Es schien, als könnte es ihr anständig passen – die Ärmel reichten bis zum Ellenbogen und es bestand aus einem kühlen, leichten Material – an der Vorderseite waren drei Knöpfe vorgesehen, aber zwei fehlten und einer hing lose an einem Faden herunter.

Leia fuhr mit den Händen darüber. Sie kniete sich neben die Schublade und streifte ihr langärmeliges Thermoshirt ab, warf das ärmellose Oberteil darunter ebenfalls zur Seite. Dann zog sie das Hemd über den Kopf, strich einige der Falten glatt und blickte nach unten.

Sie zögerte – es war ihr an den Schultern ein wenig zu groß, aber die Frau, der es einst gehört hatte, hatte definitiv eine kleinere Brust gehabt; das Fehlen der Knöpfe und die lockere Passform ließen Leia einen Moment lang innehalten. Sie zog es aus, zog ihr enges Unterhemd wieder an und streifte das Hemd darüber. Dann strich sie einige lose Haarsträhnen zurück, zupfte an den Schultern und zog das Hemd zurecht – es würde gehen.

Sie stand auf, hob die Reste ihres Schneeanzugs auf und faltete sie lose zusammen. Sie stieß einen Seufzer der Erleichterung aus – das Hemd war so weit und bequem, abgetragen genug, um sich luftig und entspannend anzufühlen.

Sie stellte zuerst einen und dann den anderen Fuß auf die offene Schublade, um den Saum der blauen Hose, die Han ihr geliehen hatte, umzukrempeln, und trat dann vor den Spiegel im Badezimmer, um ihr Aussehen zu überprüfen.

Die ausgeblichene Lavendelfarbe des Hemdes sah gut auf ihrer Haut aus, und sie lächelte ein wenig ungläubig und streckte die Hand aus, um ihr Gesicht zu berühren und ihre Haare neu zu ordnen – vielleicht war das eitel, aber sie fühlte sich besser, etwas zu tragen, das eindeutig für eine Frau gemacht war – und Han hatte ihr erlaubt, anzuziehen, was auch immer sie finden konnte – direkt nachdem er vorgeschlagen hatte, dass sie Kleidung komplett aufgab und nackt herumlief.

In deinen Träumen, Solo – hatte sie gesagt.

Ja – hatte er sehr ernst zugestimmt.

Und sie hatte gelacht, weil er lustig war und sie es aufgegeben hatte, dem Lachen über seine Witze zu widerstehen, weil Gelächter in diesen Zeiten eine kostbare Sache war und sich gut anfühlte.

Sie steckte die Haare zu einem losen Knoten im Nacken zusammen und strich sich einzelne Strähnen aus dem Gesicht. Seufzend verließ sie das Badezimmer und die Kabine, um eine andere Beschäftigung zu finden – sie könnte eine Inventarisierung vornehmen – wieder einmal – oder sie könnte sich in den Geschützturm setzen und sich die Knöpfe und die Sterne draußen einprägen, und wenn sie das täte, würde Han irgendwann den Kopf hineinstrecken und sie beschuldigen, sich zu verstecken, und er würde einen Vorschlag machen, was sie tun könnten, um sich die Zeit zu vertreiben, und sie würde ihn wieder abweisen – vorerst zumindest.

Barfuß und gelangweilt streifte sie durch den Hauptraum, lauschte auf 3PO oder Chewbacca – oder Han, obwohl das Schiff seltsam still war; sie fand ihn im Cockpit, wo er von allen Dingen ausgerechnet seine Stiefel polierte.

Sie blieb stehen und betrachtete ihn, und nach einem Moment schaute er auf; ein Fuß lag auf seinem Knie und die weißen, ölbefleckten Socken hoben sich stark von seiner dunklen Hose ab. Er schenkte ihr ein kurzes Grinsen, schaute dann wieder auf seinen Stiefel hinunter, stützte ihn auf den Knöchel, um eine Schramme herauszubekommen – und sah dann mit scharf blitzenden Augen noch einmal auf.

Er starrte sie an und nach einem Moment der Stille erkannte Leia, dass er nichts sagte und nichts sagen würde, und sie verschränkte die Arme, während ein Gefühl der Besorgnis sie durchströmte – er starrte sie nur an, sein Blick zuckte über ihre Schultern, dann in schnellen, harschen Bewegungen zu den fehlenden Knöpfen, den Ärmeln, dem Saum.

Sie fühlte sich klein unter seinem Blick und legte die Hand über den Knopf, drückte den Halsausschnitt des Hemdes zusammen –

„Han?", fragte sie leise.

Seinen Namen zu hören, schien ihn aus seinen Gedanken herauszureißen – in gewisser Weise. Er sah zu ihr auf, begegnete ihrem Blick, und sie erkannte, dass er tausend Meilen weit entfernt gewesen war – Jahre entfernt, hatte er an etwas anderes gedacht, jemand anderen, an einem anderen Ort – er blinzelte sie an, als würde er sie plötzlich erkennen und dann sagte er –

„Woher hast du das?"

Er klang – gespenstisch, als hätte er einen Geist gesehen, und seine Stimme war plötzlich heiser.

Leia zupfte an ihrem Kragen und schluckte schwer.

„Es war – hinten in einer Schublade", antwortete sie leise. „Ich habe angenommen, irgendein Mädchen hat es hiergelassen."

Han bewegte seinen Kopf in einem steifen Nicken, aber er sah – fast wütend aus.

„Ja, es gehört einem Mädchen", erwiderte er knapp, sah wieder zurück auf ihren Brustkorb und ihren Bauch – aber seinem Blick fehlte die übliche, gegen sie gerichtete, anerkennende, sehnsüchtige Sexualität, an die sie sich mittlerweile gewöhnt hatte. Stattdessen schien er – erschöpft.

Sie öffnete nervös die Lippen.

„Ich kann es ausziehen", begann sie, verlagerte ihr Gewicht und trat zurück.

Han setzte sich gerader hin, nahm den Fuß von seinem Knie und stellte ihn zurück auf den Boden. Er stellte den Stiefel hin, schüttelte dann ruckartig den Kopf und winkte mit der Hand ab.

„Nein", murmelte er, während er sich über die Stirn rieb – Leia sah zu, wie sich Streifen von Polierwachs auf seiner Stirn verteilten und verbiss sich ein amüsiertes Lachen. Nachdenklich und ruhig sah er sie durch seine Finger hindurch an. „Lass es an, es ist in Ordnung."

Sie hatte das Gefühl, dass es alles andere als in Ordnung war, und sie presste die Lippen zusammen, erwiderte nichts und schaute ihn vorsichtig an –

„Han, es ist okay, du – sag mir einfach, wenn ich – "

„Es ist in Ordnung, Leia", sagte er abrupt. „Es ist in Ordnung. Wo hast du es gefunden, in einer Schublade?", fragte er schnell. „Eine Schublade?", wiederholte er, als ob das nicht richtig klang.

Sie nickte wortlos.

„Du hast keinen alten Koffer oder so etwas durchwühlt?"

Er schien verwirrt und Leia schüttelte den Kopf.

„Nein", antwortete sie ehrlich. „Ich würde deine Sachen nicht durchsehen."

Han nickte und rieb sich erneut über die Stirn.

„Es ist in Ordnung", sagte er zum vierten Mal.

Er verstummte und bückte sich dann, um seinen Stiefel wieder aufzuheben. Einen Moment lang schaute er darauf, stand dann auf und begann, sich an ihr vorbeizuschieben. Sie nahm seinen Arm.

„Han", begann sie neugierig.

Er schaute sie an, als wollte er nicht, dass sie noch ein weiteres Wort sagte, also verstummte sie und nickte zu seinem Gesicht.

„Du hast Schuhcreme auf der Stirn", bemerkte sie.

Er blickte nach oben, als könne er es sehen, und schaute dann auf seine Hände. Er streckte die Hand aus, schmierte ihr Schuhcreme ins Gesicht, grinste halbherzig und ließ sie dann dort stehen – und sie drehte den Kopf und schaute durch die Frontscheibe, während sie abwesend an den Fäden zupfte, wo die Hemdsknöpfe gewesen waren – so sprachlos hatte sie Han noch nie gesehen und sie fragte sich, was sie getan hatte.


Für den Rest des Abends schien er – zurückhaltend. Ihr karges Abendessen aus leicht gewürzter Pappe – Chewies sarkastische Bezeichnung für Rationen – war auf eine Art ruhig, wie es sonst nicht der Fall war; er verzichtete auf seinen üblichen abendlichen Versuch, ihr Sabacc beizubringen oder sie zu verführen oder – was auch immer ihm sonst während der langweiligen Stunden des Tages in den Kopf gekommen war.

Chewbacca streunte durch den Hauptraum, braute Kaffee so schwarz wie der Weltraum um sie herum, um sich für die Nachtwache zu stärken, schenkte Leia ein freundliches Lächeln, legte dann den Kopf schief und brummte Han neugierig etwas zu.

Leia, die immer noch Schwierigkeiten damit hatte, Chewbaccas einzigartige Sprache zu verstehen, neigte neugierig den Kopf – sie war nur in der Lage, ein paar Worte zu erfassen – es klang, als würde er knurren –

[Ist das, was ich denke, was es ist?]

Han schaute zu dem Wookiee auf, dann hinüber zu Leia und zuckte die Achseln. Er nickte.

Chewbacca legte den Kopf auf die andere Seite und sah Leia aufmerksam an.

[Das bedeutet], war alles, was sie verstand, der Rest war ein Durcheinander, und sie biss sich bestürzt auf die Lippe – was war der letzte Teil, das bedeutet – viel? Oder hatte er gefragt – weißt du, was ihm das bedeutet?

„Es tut mir leid, Chewie, ich", begann Leia und Han warf dem Wookiee einen genervten Blick zu.

„Sie kann es tragen", bemerkte er verteidigend.

Chewbacca hob leicht die Brauen – Leia verstand den Kern seiner Antwort, hauptsächlich aufgrund seiner Körpersprache; Chewie versuchte nicht, zu sagen, dass sie es nicht tragen konnte –

Was Leia in den fremdartigen – für sie fremdartigen – Austausch hineininterpretierte, war, dass das Hemd irgendwie bedeutsam war, und wenn sie sogar Chewbacca damit unvorbereitet erwischt hatte, sorgte Leia sich so langsam, was sie da ausgegraben hatte.

„Ich habe es in einer Schublade gefunden", bot Leia langsam an.

Chewbacca nickte und murmelte etwas. Er wandte sich ab, füllte einen Becher mit Kaffee und kehrte zurück, um sich still zu ihnen zu gesellen. Er sprach höflich mit Leia, und sie starrte ihn an und konzentrierte sich sorgfältig auf seine Worte.

Han stand auf und räusperte sich.

„Er hat gefragt, ob ich den ganzen Tag schlecht gelaunt war", raunzte Han und blickte Chewbacca finster an, als er sich an ihm vorbeiquetschte. „Ich bin nicht schlecht gelaunt."

[Doch, das bist du.]

Leia schüttelte den Kopf.

„Das war er nicht", warf sie ein. „Nicht mehr als sonst", scherzte sie.

„Pass auf, was du sagst, Verehrteste", erwiderte Han sanft.

Er zog eine halbe Tafel Schokolade aus seiner Tasche und warf sie ihr zu.

„Nachtisch", verkündete er galant und hielt die andere Hälfte nach oben.

Leia löste die Verpackung und lehnte sich auf den Ellenbogen nach vorne. Sie biss eine Ecke ab, schloss müde die Augen und ließ den Kopf zur Seite fallen; als sie die Augen wieder öffnete, starrte Han sie an – starrte wieder auf das Hemd.

Sie senkte die Hände und leckte sich über die Lippen.

„Han", sagte sie scharf. „Willst du, dass ich es ausziehe?"

Er blinzelte sie an. Er neigte den Kopf. Dann schenkte er ihr ein charmantes Grinsen und deutete dramatisch auf sie.

„Sicher, Prinzessin."

„Das habe ich nicht gemeint", gab sie zurück, während Chewbacca ein böses Knurren an Han richtete. „Du weißt, was ich meine."

Er zuckte die Achseln und war einen Moment lang still.

„Nein, es sieht schön an dir aus", erwiderte er – mit einem seltsamen, widerwilligen Ton in der Stimme. „Ich habe es einfach jahrelang nicht gesehen, das ist alles", fügte er barsch hinzu.

Er verstummte wieder und warf dann seine Hälfte der Schokoladentafel auf den Tisch.

„Hier, das kannst du haben", bemerkte er. Er fuhr sich mit der Hand durch die Haare. „Hey, schläfst du wieder mit mir?", fragte er.

Leia wurde rot, sah schnell zu Chewie hinüber und schürzte dann unsicher die Lippen – Chewbacca gab vor, nichts gehört zu haben, und Leia räusperte sich, ein wenig verärgert, dass Han es so klingen ließ, als –

Sie nickte jedoch.

„Wenn es dir nichts…ausmacht", antwortete sie. „Einfach nur in deiner – Koje", fügte sie hinzu und Han grinste sie ein wenig an, amüsiert darüber, dass sie es für Chewie klargestellt hatte.

„Es macht mir nichts aus", erwiderte Han.

Er fuhr sich wieder mit der Hand durch die Haare und zuckte dann steif die Achseln.

„Ich gehe duschen", verkündete er. „Ich gehe früh ins Bett", schob er nach.

Er ließ sie mit Chewie alleine im Hauptraum zurück und sie wandte sich dem Wookiee mit geweiteten Augen zu.

„Sollte ich es ausziehen?", fragte sie heiser.

Sie hatte das Gefühl, dass sie Han irgendwie sehr durcheinandergebracht hatte – aber er hatte sie überhaupt nicht angefahren und wenn sie in der Vergangenheit den richtigen Nerv getroffen hatte, war er ihr immer an die Kehle gegangen – genau wie sie, wenn sie verletzt war.

Chewbacca blinzelte sie weise an und dachte nach.

„Wem hat es gehört?", erkundigte sich Leia.

Chewie antwortete, aber Leia verstand das Wort nicht – sie kannte den Namen in Basic nicht, also konnte sie ihn auch nicht übersetzen, und sie starrte ihn verständnislos an. Chewbacca schien noch einmal über seine Antwort nachzudenken und lehnte sich dann nach vorne.

Er deutete sanft auf Leia.

[Du], brummte er.

Leia schüttelte den Kopf und schürzte die Lippen.

„Es gehört mir nicht", entgegnete sie.

Chewbacca schüttelte den Kopf.

[Du], wiederholte er. [Das Du vor dir.]

Leia war sich fast sicher, dass sie die Worte im grundlegendsten Sinne verstand – es war eine einfache Übersetzung. Sie runzelte trotzdem die Stirn und ihre Gedanken kamen nur schwer damit zurecht.

„Das verstehe ich nicht", erwiderte sie leise.

Chewbacca sah wieder nachdenklich aus. Er zögerte.

[Verstehst du…Liebe?], erkundigte er sich rau. [Das Wort, nicht das Gefühl.]

Leia bemühte sich, zu übersetzen – Liebe, identifizierte sie. Verstand sie ihn, wenn er sagte –

„Ja", antwortete sie langsam.

Chewbacca streckte die Pfote aus, tippte auf ihre Schulter und deutete auf das Hemd.

[Das Hemd…Mädchen], sagte er langsam und versuchte, die einfachste Form seiner Sprache zu verwenden. [Gehörte einem Mädchen…Kleiner liebte vor dir.]

Leia sah ihn lange an.

„Oh", hauchte sie schwach.

Chewbacca sah ein wenig schuldbewusst aus – er wusste nicht, wie er Hans Verhalten Leia gegenüber in anderen Begriffen ausdrücken sollte; ihm fehlte das Vokabular in Basic und Leia verstand seine Sprache nicht so, wie es nötig gewesen wäre. Er hoffte, Han würde nicht sauer auf ihn sein – er hoffte, Leia war ihm nicht böse, dass er dieses Wort gebraucht hatte.

„Was ist mit ihr passiert?", fragte Leia.

[Lange Geschichte.]

Chewbacca sagte nichts mehr, hob ihr nur seinen Becher entgegen und schlenderte davon, und Leia saß alleine im Hauptraum, zupfte an der Folie der Schokoladentafel und schaute auf die Hälfte, die Han zurückgelassen hatte – sie wusste, sie sollte überraschter darüber sein, dass Chewbacca Hans Gefühle ihr gegenüber für Liebe hielt – aber sie war es nicht. Sie war zu dem Schluss gekommen, dass sie und Han beide wussten, dass sie ineinander verliebt waren, sie waren nur noch nicht so weit gekommen, auch damit umzugehen.


Leia stellte fest, dass Han es ernst gemeint hatte; er tauchte nach seiner Dusche nicht mehr auf, und als ihr die Dinge ausgingen, die sie vorgeben konnte, zu tun, und sie sich in die Kabine zurückzog, um schlafen zu gehen, lag er mit dem Rücken zu ihr im Bett und hatte nur das schwache Badezimmerlicht für sie angelassen.

Sie zog die Hose aus, die er ihr geliehen hatte und löste ihr Haar, um es zu einem bequemeren Zopf zum Schlafen zu flechten. Sie holte tief Luft, ging zu seiner Koje hinüber, hob die Laken und die Steppdecke an und kroch vorsichtig an ihren Platz – ihren Platz, der Platz, der erst seit ein paar Nächten ihrer war, seit dem schrecklichen Abend, an dem Leia von einem Albtraum so erschüttert gewesen war, dass Han mit ihr aufgeblieben war und sie mit Geschichten seiner Streiche an der Akademie abgelenkt hatte, sodass sie beim Klang seiner Stimme und mit seiner Wärme neben ihr eingeschlafen war, woraufhin er sie gefragt hatte, ob es helfen würde, wenn er jede Nacht neben ihr schlief.

Han bewegte sich, um ihr mehr Platz zu machen, und auf dem Rücken liegend zupfte Leia am Saum des Hemdes, das sie gefunden hatte; die Bewegungen ihrer Finger waren unruhig, als sie leicht an den ausgefransten Fäden zog. Sie hatte nicht gewusst, dass dieses scheinbar alte Ding Erinnerungen ausgraben würde, und obwohl es sich unheilvoll anfühlte, wollte sie es nicht ausziehen.

Er hatte gesagt, es sei in Ordnung, aber der Ton seiner Stimme war so seltsam gewesen, und da war etwas in seinen Augen und solch ein Schmerz in seinem angespannten Kiefer, und nach dem, was Chewie ihr erzählt hatte, wusste sie, dass das lavendelfarbene Hemd keine verworfene Erinnerung an ein Abenteuer für eine Nacht war, sondern das Überbleibsel von etwas, das weh tat, wenn man sich daran erinnerte.

Neben ihm hielt sie den Atem an, immer noch unsicher wegen dieses Schlafplatzes, immer noch unsicher, ob sie das Recht hatte, das Hemd zu tragen. Er hatte sein Versprechen gehalten, dass das Teilen seiner Koje nur ein Experiment war, um ihre Albträume abzuhalten; die vergangenen beiden Nächte hatte er keine offenkundigen Annäherungsversuche unternommen, nichts Intimeres als die erzwungene Nähe, die sich daraus ergab, eine ziemlich kleine Koje zu teilen.

Sie fragte sich, ob er wirklich schlief, ob er wütend auf sie war.

Seine Schultern bewegten sich, aber sie hatten keinen Rhythmus, also folgerte sie letztendlich, dass er wach war und entweder vortäuschte, zu schlafen oder versuchte, einzuschlafen.

Sie schaute lange Zeit auf seinen Rücken und ihre Finger umklammerten den Kragen des alten Hemdes, das sie so unverfroren angezogen hatte.

„Han?"

Ihre Stimme war ein Flüstern, also konnte er sie ignorieren, wenn er weiter vorgeben wollte, zu schlafen.

Er bewegte sich leicht; er wandte sich ihr nicht zu, um sie vollständig anzusehen, aber er drehte sich um und sein Kopf hob sich und bewegte sich; er neigte ihr sein Ohr zu, damit sie wusste, dass er ihr zuhörte.

„Wie war ihr Name?", fragte Leia vorsichtig.

Er grunzte leise, forderte mehr von ihr.

„Die Frau, der dieses Hemd gehört hat", stellte Leia klar.

Han legte sich wieder hin, mit dem Rücken zu ihr. Sie war sich sicher, dass er nicht antworten würde, und sie nahm an, dass sie das verdient hatte. Sie hatte ihn so oft mit gebleckten Zähnen und aufgestelltem Gefieder angefahren, wenn er sie lediglich gebeten hatte, sich ihm zu öffnen; welches Recht hatte sie, ihn hiernach zu fragen?

Er antwortete jedoch. Schließlich, nach einer langen, schweren Stille, sagte er einfach:

„Bria."

Leia schluckte schwer und zögernd. Sie dachte sofort, dass es wie der Name ihrer Mutter klang, aber es war nicht ganz dasselbe – es klang, wie Breha in der harschen, corellianischen Aussprache klingen könnte, aber Leia hatte noch nie gehört, wie jemand es so sagte, also spürte sie, dass es insgesamt ein anderer Name war.

Bria, dachte sie und öffnete ihre Lippen.

„Was ist mit ihr passiert?", fragte sie mit gedämpfter Stimme.

Dieses Mal kam seine Antwort schneller – eintönig, stumpf, aber mit dem Hauch einer Warnung, der sie anzuflehen schien, nichts mehr zu sagen:

„Sie ist tot."

Leias Herz blieb ihr im Hals stecken – tot? Eine Frau, die er geliebt hatte, geliebt und verloren? Und sie hatte gedacht – nun ja, vielleicht hatte sie ihn für einen skrupellosen Frauenhelden gehalten, aber wenn sie jetzt darüber nachdachte, hatte sie keine wirklichen Beweise dafür.

Sie dachte an Chewies holprige Erklärung – das Du vor dir. Also hatte Han mit einem gebrochenen Herzen gelebt und Leia hatte all die Jahre angenommen, dass er zu stark für solch menschliche Dinge war.

Sie biss sich auf die Lippe, griff impulsiv nach ihm und rutschte näher an ihn heran. Ihre Hand lag nervös auf seiner Schulter, ihr Blick war besorgt, als sie die Wange auf sein Kissen legte, die Laken zwischen ihnen, aber ihren Körper gegen seinen Rücken gedrückt.

„Es ist schwer, Menschen zu verlieren", wisperte sie.

Ihre Fingerspitzen drückten sich sanft und tröstlich an ihn.

Er war lange still.

„Ja", stimmte er dann offen zu.

Seine einzige Antwort bestand darin, eine Hand auszustrecken und über ihre zu legen; er verschränkte seine Finger leicht mit ihren. Sie dachte, dass es damit zu Ende war, aber nach einem Moment drehte er sich um und schob seine Arme um sie, eine Hand glitt kühn unter das Hemd und strich über ihr ärmelloses Oberteil.

Langsam setzte sie sich auf, zog anmutig das Hemd aus, warf es auf den Boden und legte sich zitternd wieder hin. Er sah erleichtert aus, obwohl er so oft betont hatte, dass es in Ordnung war, und schob seine Hand locker in ihre Haare. Leicht und rhythmisch bewegte er seine Finger in ihren Haaren.

Er beugte sich vor, stupste ihre Wange mit seiner Nase an und kam ihren Lippen mit seinen näher – ein Bruchteil eines Zolls gab ihr die Chance, sich zurückzuziehen, und als sie es nicht tat, als alles, was sie tat, darin bestand, ihre Lippen zu öffnen und den Atem anzuhalten, küsste er sie, und Leia schloss fest die Augen.

Sie fühlte in seinem Kuss, in ihm, dieselbe Sehnsucht nach verlorenen geliebten Menschen, die sie so beharrlich spürte, und er zog sie näher und näher an sich heran, während er sie küsste, und nur küsste, und sie glaubte, sie könnte in der Intensität des Moments ertrinken.

Er löste sich von ihr, sein Atem war schnell und abgehackt, und sie schluckte ein paar Mal schwer und versuchte, zu Atem zu kommen. Sie legte ihre Hände an seinen Hals und streichelte seinen Kiefer.

„Leia", murmelte er heiser.

Er schloss die Augen, legte den Kopf auf das Kissen, drückte sein Gesicht gegen ihre Schulter und atmete langsam ein. Sie legte sich mit ihm hin – da war nichts sonst; er versuchte nicht, sie unter sich zu ziehen, ihr Oberteil auszuziehen oder seine Hand zwischen ihre Beine zu bewegen, er tat nichts von dem, was sie erwartet hätte, das er versuchte, nur um das Wasser zu testen – und der Punkt war, sie war sich sicher, dass sie in dieser Nacht ja gesagt hätte – ja, Han, ich will dich –

Sie berührte leicht seine Wange und seine Brust.

„Schhh", beruhigte sie ihn, das Geräusch war sanft und spontan, ein intuitives Schlaflied – sie hatte so viel Zeit damit verbracht, anzunehmen, eine Verpflichtung einzugehen, war ihm zu egoistisch, zu schwer für ihn, weil er nur eine flüchtige Sache war, ein krimineller Nomade ohne den Wunsch nach andauernden Bindungen, und plötzlich war es so viel mehr als das; er hatte einen Verlust erlitten und wollte ihn nicht noch einmal durchleben.

Leia schob ihre Finger in sein Haar, verhakte ihre Fingerspitzen darin und bewegte ihre Hand auf dieselbe Art, mit der er sie berührt hatte. Sie lächelte sanft und drückte ihre Stirn gegen seine. Dann ließ sie ihr Bein zwischen seine gleiten und er schlang einen Arm um ihre Taille.

Sie sagte nichts anderes mehr – und er auch nicht; sie dachte, dass sie vielleicht um dieselbe Zeit einschliefen, aber das letzte, woran sie sich erinnerte, war der Gedanke, dass – wenn Han ein Risiko für sie eingehen konnte, sie lieben konnte, wenn er die intime Tragödie des Verlustes eines romantischen Partners durchgemacht hatte, konnte sie auch für ihn ein Risiko eingehen, auch wenn sie so viel verloren hatte, und auch wenn sie so große Angst davor hatte, jemals wieder etwas zu verlieren.

Wenn er so mutig war, konnte sie auch so mutig sein.