PROLOG

Sag niemals, dass der Regen etwas Schlechtes ist, denn das ist der Einzige Zeitpunkt, in dem ich mit gehobenem Kopf weinen kann.

Immerzu, wenn der Regen viel, starre ich in den Tropfentanz hinaus, ganz versunken in allerlei trüben Gedanken.

Mir ist als würde es immer Regnen, heute, morgen, zu jener Zeit, zu jenem Tag, so als verfolge er mich. Und alles, so lange ich denken kann, ist trüb, grau und nass ineinander verflossen.

Als hätte es nie eine Sonne gegeben.

So als war nun das ganze Leben, die Jahr, die Tage, die Stunden alles, ein trüber hastiger Tropfenfall.

Es schien so als fühlte ich sie, die Tropfen, wie sie meine Matratze durchnässte, auf der ich saß.

Die Arme um meinen Körper geschlungen, so als gäben sie mir Schutz, während der Regen, nicht leise, sondern Ohrenbetäubend laut, gegen die Scheibe prasselte.

Ein schweißnasser Rücken der unter meinen zarten Fingern wankte, stets angespannt.

Mein Langes Haar, das am zitternden Leib klebte, wie nasses Gras an der Haut, war dreckig und Feucht.

Der kalte Schweiß. Wusste jemand besser, wie er sich anfühlte, wenn er mein Gesicht hinunterrannte? Wohl kaum!

Wie Tropfen, die dir an einem verregneten Augusttag ins Gesicht flog.

Meine Zittrigen Finger ertasteten die rau bezogene Matratze, dessen ungemütlicher Stoff, mir eine Gänzehautauftrieb.

Kaum das meine Finger das kalte Metall erfühlte, was unter meinem Kissen lag, schien die Welt um mich herum nicht mehr zu existieren.

Lange hatte ich sie schon unter das Kissen gelegt. Wochen, Monate, vielleicht auch Jahre.

Genau wusste ich es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr.

Doch schien nur sie mein Schutz, meine letzte Hoffnung, mein einziger Ausweg.

Der Schreck durchfuhr meinen Körper, als ich leise das Holz knarzen hörte, wie es bei jedem seiner Schweren Schritte, unter seinen Füßen nachgab, wie ein maroder Bootssteg.

Das klackern seiner Sohlen, die das schnaufen seiner Lunge übertönte.

Ebenso der Geruch nach kaltem Zigaretten Qualm, der unverkennbar im Raum Lag.

Mein Puls raste, als sich der große Schatten unter dem Schlitz meiner Zimmertür durchzwängte.

Beschleunigte sich mit dem klirren und knacke, des Schlüssels in der Tür.

Der Kalte Windzug, war wie die klirrende Kälte, die sich wie ein Blizzard über die Tundra bewegte.

Hinterließ ein komisches brennen in meiner Nase und auf meinen Lippen, über die ich vor Nervosität leckte.

Die Taubheit meiner Gefühle, die sich immer durchgesetzt hatte, war durch seine Anwesenheit verschwunden.

Sein Geruch, seine Augen, die Art und weise sich zu bewegen und zu reden.

Das alles, schien die Erinnerung daran zu nehmen, was ich mehr, mehr als alles andere als der Welt begehrte. Jedoch hätten dies einen bitteren Nachgeschmack.

Denn Angst, Zweifel, Wut und Trauer, waren Nebenwirkungen dieser Droge, von der ich schon seit Jahren nicht mehr gekostet hatte.

Aber wenn ich schwach werden würde, könnte es alles zerstören, was ich mir unter so großen Leid hatte aufgebaut. Hatte ich wirklich noch einen Willen?

Diese Frage verschwamm, wie die Regentropfen an meinem Fenster, als mir das Orange wirkende Licht, die Sicht nahm.

Warum liefen mir Tränen über das Gesicht?

Warum zitterte mein hausgehungerter Körper wie Espenlaub?

Ich bemerkte mich selbst nicht mehr, hörte nicht meinen Atem und keinen Herzschlag schien mehr vorhanden.

Es war so leise, so still, einfach furchtbar unerträglich.

„Hör schon auf!! Was willst du damit!? Sieh dich doch nur an, wie du zitterst!!"

War es er, der redete oder mein Verstand, der bettelte und flehte, der laut schrie und fluchte.

Es war ein Aufblitzen, wie ein greller Blitz und mir wurde einen Moment alles klar.

Wann hatte ich mich bewegt, wann entschlossen, dieses Spiel zu gewinnen oder zu verlieren?

Das plötzliche raue aber laute und gehässige lachen, weckte mich etwas, nur genug um zu zucken, so dass das glänzende Metall, verräterisch klackte.

Wieder waren schwere Schritte um mich herum, brachten meinen schwachen Körper zu wanken.

Zuerst war da ein Schmerz, zehrend fast berennend und als ich länger auf meine Hand starrte, waren diese blutig aber leer.

Erst, zumindest kam es mir so vor, vergingen Minuten, gar stunden, als etwas Hartes auf den hohlen Boden viel.

Und als ich hoch blickte, war da Reue, völlig unbegründete, aber gegenwärtige Reue.

Die vielleicht, aber nur ganz vielleicht doch begründeter war, als ich selbst wollte.

"Es wir zeit aufzustehen…STEH AUF!!"

Erschrocken, nein verängstigt von den lauten Worten, flüchtete ich ans andere ende der Matratze.

Aber einen Flucht, schein nur halbherzig, so wie der versuch ein ende zu finden.

Ich bin und war dumm, naive, blind für etwas, was ich nicht mehr sehen konnte. Ich konnte meinen Augen, meinen Ohren und meinen verstand nicht trauen, keinen Glauben schenken.

Das Einzige was echt war, war der Schmerz, die Angst und der Wille nichts mehr verändern zu wollen.

"Es…tut…Leid. Mir…tu…es…leid! Bitte ich…verzeih mir!!"

Es ließ es nicht zu, wollte es nicht hören, war nur wütend über meinen verrat.

Seinen schweren Pranken in meinem Haar, schleiften mich von der siffigen Matratze, über den harten Boden.

Wehrte ich mich, tobte und schrie ich, vielleicht, doch war vieles so verschwommen.

Die Panik, die Panik jedoch war gegenwärtig.

Meine Hände vor mir auf dem Holzboden, dessen Fingernägel bereits in Paket stecken blieben.

Das warme Blut, das nach kurzer Zeit klebrig und kalt wurde.

Und an seinen Schatten, der mich überragte, wie die Wolken die Sonne an diesem verregneten Tag.

Wolken jedoch wirkten, selbst ein einen dunklen grau, warm und weich.

Dieser Schatten jedoch, riss mir fleischige wunden auf der Haut, saugte das blut aus und seufzte genusvoll.

Er würde mich verschlucken, wenn ich meinen geschundenen Körper, nicht weiter am Boden hielt.

Die haut an meinen Ellebogen nicht weiter, der Belastung meines Körpers und dem Schuh, in meinen Rücken, aussetzte.

Wenn ich nicht weitere Fingernägel von meinen Zarten Fingern, an dem Holzboden verlor.

Es wäre alles auf einmal vorbei, wenn der Tritt in meinen Gesicht, das Licht meiner Augen löschen würden.

Mit verschwommenen Blick, Angst und Verzweiflung in meine Venen, reckte ich mich ein letztes Mal. Fühlte die erlösende Kälte in meinen Fingern.

Mit dem letzten schweren Atemzug, hörte ich ihn weit weg und bereits verschwommen, aber ich hörte ihn. Den Knall, der mit hoher und schneller Geschwindigkeit mein Leid nahm, was ich bereits lange zuvor begann zu Lieben.

So sehr und innig, dass ich mich selbst wirklich verloren hatte.