Prolog: Ein Junge überlebt

Vernon und Petunia Dursley, die im Ligusterweg Nummer vier wohnten, waren stolz darauf, ganz und gar normal zu sein. Ihr stolz, darauf ganz normal zu sein, war sogar so stark, dass es als krankhafte Obsession angesehen werden konnte. Aber damit waren die Dursleys nicht alleine, alle Bewohner im Ligusterweg hatten nämlich diesen Stolz, doch bei allen anderen war dieser Stolz nicht so weit ausgeprägt wie bei den Dursleys. So wäre Niemand, der sie auch nur entfernt kannte, auf die Idee gekommen, sie könnten sich in eine merkwürdige und geheimnisvolle Geschichte verstricken, denn mit solchem Unsinn wollten sie nichts zu tun haben.

In der Tat wollte die Familie Dursley mit nichts zu tun haben, was in ihren Augen, nicht normal war. So waren die Dursleys nicht Religiös oder gehörten einer Sekte an, da diese mit Wundern, mit Magie oder sonstigen Unnatürlichen Dingen zu tun hatte. Im Haus der Dursleys hatten diese Dinge nichts zu suchen und auch nur das Aussprechen dieser Worte und allen Worten, die damit in Verbindung standen, waren Verboten.

Vernon Dursley war Direktor, der Londoner Firma Grunnings, die Bohrmaschinen herstellte. Er war dreißig Jahre alt, war exakt 6 Fuß (ca. 1,83 Meter) groß, blond, bullig, fett, blauäugig, hatte fast keinen Hals und er hatte einen sehr großen regelmäßig gepflegten Schnurrbart.

Petunia Dursley war eine angeblich Geborene Evans. Sie hatte, bevor sie mit Vernon Dursley zusammen gekommen war als Sekretärin im Familien Geschäft gearbeitet. Dort lernte sie Vernon Dursley kennen, der dort als Praktikant in die Firma gekommen war. Nach ihrer Hochzeit hatte sie Vernon Dursley zum Direktor gemacht und Sie war seit dem nun Hausfrau. Sie war fast so groß wie ihr Mann, dünn, blond und besaß

doppelt so viel Hals, wie notwendig gewesen wäre, was allerdings sehr nützlich war, denn so konnte sie den Hals über den Gartenzaun recken und zu den Nachbarn hinüberspähen.

Die Dursleys hatten eine kleine Tochter namens Dahlia und in ihren Augen gab es nirgendwo ein leiseres, niedlicheres, schöneres, klügeres, normaleres, lernfähigeres und geschickteres Kind in ihrem Alter. Sie war leider noch zu jung für Kleinkinder Schönheitswettbewerbe und nahm so zum Leid, ihrer Mutter nicht an diesen Wettbewerben teil.

Die Dursleys besaßen alles, was sie wollten, doch sie hatten auch ein Geheimnis und dass es jemand aufdecken könnte, war ihre größte Sorge. Für die Dursleys wäre es einfach unerträglich gewesen, wenn die Sache mit den Potters herauskommen würde.

Lily Potter war die angebliche Schwester von Petunia Dursley. Doch die beiden hatten sich schon seit, zwei Jahren, als dass letzte Familientreffen an dessen Ende, das Erbe ihrer Eltern verteilt wurde nicht mehr gesehen.

Petunia Dursley behauptete, dass sie gar keine Schwester hätte, denn diese und deren Nichtsnutz von einem Mann waren so unnormal, wie man es sich nur denken konnte. Da sie die Unterlagen ihrer Eltern nicht ansah, die seit deren Tod in ihrem Dachboden lagerten, konnte sie nicht Wissen wie Recht sie mit ihrer Behauptung hatte.

Die Dursleys konnten und wollten sich nicht vorstellen, wie die Nachbarn reagieren würden, würden die Potters eines Tages in ihrer Straße aufkreuzen. Die Dursleys wussten nicht, dass die Potters einen kleinen Sohn hatten, da Petunia Dursley alle Briefe von Lily Potter ohne sie zu öffnen und zu lesen mit einer Schere zu kleinen Schnipseln zerschnitt, die sie dann zum Anzünden des Kamins nutzten. Das war das Vorgehen der Dursleys für Briefe von Unbekannten, Werbung und alte Zeitungen. So hatten die Dursleys viel weniger Papiermüll, als alle ihre Nachbarn.

Als Vernon und Petunia Dursley an dem trüben und grauen Dienstag, dem dritten November, an dem unsere Geschichte beginnt, die Augen aufschlugen, war an dem wolkenverhangenen Himmel draußen kein Zeichen der merkwürdigen und geheimnisvollen Dinge zu erkennen, die seit Tagen geschehen und auch bald überall im Land geschehen werden sollten.

Vernon Dursley summte vor sich hin und suchte sich für die Arbeit seine langweiligste, graue Krawatte, die er von seiner Schwester Geschenkt bekommen hatte, aus. Währenddessen schwatzte Petunia Dursley munter vor sich hin, während sie mit der quengelnden Dahlia rangelte und sie in ihren Hochstuhl zwängte.

Keiner der Familie sah den riesigen Waldkauz am Fenster vorbeifliegen. Wohl aber einige ihrer Nachbarn, die zum Telefon rannten und oder Bilder machten, damit sie auch Beweise dafür hatten für dass, was sie hier gesehen hatten.

Um halb neun griff Vernon Dursley nach der Aktentasche, gab seiner Frau einen Schmatz auf die Wange und versuchte es auch bei Dahlia mit einem Abschiedskuss. Der ging jedoch daneben, weil Dahlia gerade einen Wutanfall hatte und die Wände mit ihrem Haferbrei bewarf.

„Kleine Spitzbübin.", gluckste Vernon Dursley, während er nach draußen ging.

Er ging aus dem Haus und merkte nicht die Eulen, die über ihn umherflogen, als er auf dem Weg zu seinem neuen Dienstwagen, den er Gestern erst bekommen hatte, war. Als er beim Dienstwagen angekommen war, setzte er sich in das Auto hinein. Dann fuhr er rückwärts die Einfahrt von Nummer vier hinaus. Als er durch den Rückspiegel sah, sah er eine Katze, die an der Straßenecke hinter ihm saß und auf eine Straßenkarte sah, als ob sie diese studierte.

Einen Moment war Vernon Dursley nicht klar, was er gesehen hatte. Er bremste und drehte sich um, um noch einmal etwas genauer hinzuschauen. An der Einbiegung zum Ligusterweg stand eine getigerte Katze, aber eine Straßenkarte war nicht zu sehen.

‚Woran ich nur gedacht hatte! Das musste eine Sinnestäuschung gewesen sein.' dachte Vernon Dursley blinzelnd und starrte die Katze an.

Die Katze wiederum starrte ihn an. Während Vernon Dursley um die Ecke bog und die Straße entlangfuhr, beobachtete er die Katze im Rückspiegel. Jetzt sah sie auf das Schild mit dem Namen Ligusterweg, als ob sie es lesen würde.

‚Katzen können weder Karten noch Schilder lesen.', dachte Vernon Dursley und gab sich einen kleinen Ruck und verjagte die Katze aus seinen Gedanken.

Während er in Richtung der Stadt London fuhr, hatte er nur noch die großen Aufträge für Bohrmaschinen im Sinn, die heute hoffentlich eintreffen würden. Auch wollte die Firma in anderen Ländern expandieren, da man wachsen musste, um im Heutigen Geschäftsleben zu überleben.

Doch am Stadtrand wurden die Bohrmaschinen von etwas anderem aus seinen Gedanken verdrängt. Er saß wie immer im üblichen morgendlichen Stau fest und konnte nicht umhin zu bemerken, dass offenbar eine Menge seltsam gekleideter Menschen unterwegs waren. Menschen in langen und weiten Umhängen, die allen möglichen Farben und Muster zu haben schienen. Vernon Dursley konnte Leute nicht ausstehen, die sich komisch anzogen.

‚Wie sich die jungen Leute herausputzen! Das muss wohl irgendeine dumme neue Mode sein.', dachte er und trommelte mit den Fingern auf das Lenkrad und sein Blick fiel auf eine Ansammlung dieser merkwürdigen Gestalten nicht weit von ihm.

Diese seltsamen Gestalten flüsterten ganz aufgeregt miteinander. Erzürnt stellte Vernon Dursley fest, dass einige von, diesen Umhang tragenden Gestalten, überhaupt nicht jung waren. Einige von ihnen sahen viel älter aus als er es war. Ein Mann, der einen smaragdgrünen Umhang trug, musste älter sein als er, denn er hatte einen langen Bart, der ihm zum Bauch ging und sein Haar war weiß, wie Schnee.

‚Der hat vielleicht Nerven! Vielleicht… ist das nur eine verrückte Verkleidung und die Leute feierten ihre Halloween Party nach, feierten eine Themenparty, machten für etwas Werbung oder sammelten Spenden für etwas…', dachte Vernon Dursley.

Die Autoschlange bewegte sich und nach einer halben Stunde fuhr Vernon Dursley auf den Parkplatz seiner Firma. Seine Gedanken waren wieder bei den großen Aufträgen für Bohrmaschinen, die hoffentlich heute eintreffen würden.

In seinem Büro im dreizehnten Stock saß Vernon Dursley immer mit dem Rücken zum Fenster. Andernfalls wäre es ihm an diesem Morgen schwergefallen, sich auf die Aufträge seiner Bohrmaschinen zu konzentrieren. Denn so bemerkte er die Eulen nicht, die am helllichten Tag, an seinem Bürofenster vorbeischossen. Aber die Leute die zu ihm ins Büro gingen und die Leute unten auf der Straße konnten die Eulen sehr wohl sehen. Die Menschen die unten auf der Straße waren, deuteten in die Lüfte und verfolgten mit offenen Mündern, wie eine Eule nach der andern über ihre Köpfe hinwegflog. Die meisten von ihnen hatten überhaupt noch nie eine Eule gesehen.

Vernon Dursley jedoch verbrachte einen ganz gewöhnlichen, eulenfreien Morgen. Er machte fünfzehn verschiedene Leute zur Schnecke, die in sein Büro gekommen waren. Er führte mehrere wichtige Telefongespräche und schrie dabei noch ein wenig lauter. Bis zur Mittagspause war er glänzender Laune und wollte sich nun ein wenig die Beine vertreten und beim Bäcker über der Straße, etwas zu essen holen.

Die Leute in der merkwürdigen Aufmachung hatte er schon längst vergessen, doch nun, auf dem Weg zum Bäcker, begegnete er einigen dieser Gestalten. Im Vorbeigehen warf er ihnen zornige Blicke zu. Er wusste nicht, warum, aber sie bereiteten ihm Unbehagen. Auch dieses Pack hier tuschelte ganz aufgeregt und eine Sammelbüchse war nirgends zu sehen. Auf dem Weg zurück vom Bäcker, eine Tüte mit einem großen Donut, der sein Nachtisch war, in der Hand, schnappte er ein paar Worte von den seltsamen Gestalten auf.

„Die Potters, das stimmt, das hab ich gehört", sagte ein Mann mit braunen Haaren, einem Bart, der schon einige Jahre gewachsen war und einem smaragdgrünen Umhang trug.

„… ja, ihr Sohn, Harry…", sagte ein Mann mit roten Haaren und der einen goldenen Umhang trug.

Vernon Dursley blieb wie angewurzelt stehen. Angst überkam ihn. Er wandte sich nach den Flüsterern um, als ob er ihnen etwas sagen wollte, besann sich dann aber eines Besseren. Er überquerte hastig die Straße, stürmte hoch ins Büro, fauchte seine Sekretärin an, er wolle nicht gestört werden, griff nach dem Telefon und hatte schon fast die Nummer von daheim gewählt, als er es sich anders überlegte. Er legte den Hörer auf die Gabel und strich sich über den Schnurrbart.

‚Nein… ich bin dumm. Potter war kein besonders ungewöhnlicher Name. Sicher gab es eine Menge Leute, die Potter hießen.', dachte er.

Nun, da er darüber nachdachte, war er sich nicht einmal mehr sicher, ob er einen Neffen hatte und Harry war ein doch eher gewöhnlicher Name. Es hatte also keinen Sinn, seine Frau Petunia Dursley zu beunruhigen, sie geriet immer so außer sich, wenn man ihre Schwester auch nur erwähnte. Er machte ihr deswegen keinen Vorwurf, denn wenn er eine solche Schwester hätte, wäre er genauso und dennoch, diese Leute in den Umhängen machten ihm panische Angst.

An diesem Nachmittag fiel es ihm um einiges schwerer und es war für ihn unmöglich geworden seine Gedanken auf die Aufträge seiner Bohrmaschinen zu richten. Als er das Büro um fünf Uhr verließ, war er immer noch so voller Sorge, dass er beim ersten Schritt nach draußen gleich mit jemandem zusammenprallte.

„Verzeihung", grummelte er, als die kleine junge Frau ins Stolpern kam und beinahe hinfiel.

Erst nach ein paar Sekunden bemerkte Vernon Dursley, dass diese Frau seine Sekretärin war. Sie trug ein violettes Kleid, was sie während der Arbeit, größtenteils durch eine Weste verdeckt hatte. Dass er sie fast umgestoßen hatte, schien sie gar nicht weiter zu ärgern. Im Gegenteil, auf ihrem Gesicht öffnete sich ein breites Lächeln, und die Leute, die vorbeigingen, blickten auf, als sie mit piepsiger Stimme sagte: „Heute verzeih ich alles, Chef. Denn heute kann mich nichts aus der Bahn werfen! Denn in meiner Mittagspause hat mir mein Freund einen Hochzeitsantrag gemacht. Selbst Sie sollten diesen freudigen Tag feiern!"

Dann umarmte sie Vernon Dursley ungefähr in Bauchhöhe und ging von dannen. Vernon Dursley stand da wie angewurzelt. Seine Sekretärin, die ihm Persönlich eine völlig Fremde Person war, hatte ihn umarmt.

Völlig durcheinander eilte er zu seinem Wagen und fuhr nach Hause. Er hoffte, sich diese Dinge nur einzubilden, und das war neu für ihn, denn von Einbildungskraft hielt er normalerweise gar nichts. Als er jedoch in die Auffahrt von Nummer vier einbog, fiel sein Blick als Erstes und das besserte seine Laune nicht gerade, auf die getigerte Katze, die er am Morgen schon gesehen hatte. Sie saß jetzt auf seiner Gartenmauer.

Vernon zischte laut und genervt. Doch die Katze regte sich nicht. Sie blickte ihn nur aus ernsten Augen an.

‚Ist so etwas denn normal für Katzen?', fragte sich Vernon Dursley in Gedanken.

Er versuchte so gut wie er konnte sich zusammenzureißen und öffnete die Haustür. Immer noch war er entschlossen, nichts von alle dem, was er erlebt hatte, seiner Frau zu sagen.

Im Gegensatz zu Vernon Dursley hatte seine Frau einen netten, gewöhnlichen Tag hinter sich. Beim Abendessen erzählte sie ihm alles über Frau Marin, die Nachbarin aus Hausnummer sechs, Probleme mit deren Tochter und dass Dahlia ein neues Wort gelernt hatte. Vernon Dursley versuchte sich ganz wie immer zu geben. Nachdem Dahlia zu Bett gebracht worden war, ging er ins Wohnzimmer, wo er sich die Abendnachrichten ansah, die er in den letzten Tagen nicht angesehen hatte. Weil er in den letzten Tagen ein paar Überstunden an gearbeitet hatte.

„Willkommen zu den Abendnachrichten um zwanzig Uhr. Ich bin ihr Nachrichtensprecher Ted O'Kelly.", sagte der Nachrichtensprecher, während im Hintergrund, das Logo der Nachrichten zu sehen war.

Dann zeigte der Hintergrund einige seltsame Gestalten in Umhängen, die so aussahen, wie die Leute, die Vernon Dursley Heute in London getroffen hatte und der Nachrichtensprecher fuhr fort: „Wie wir in den letzten Tagen berichtet hatten, sind in ganzen Land Leute in seltsamen Umhängen aufgetaucht. Diese Gestalten waren Schauspieler, die sich einen Scherz erlaubt hatten und flüsterten sich Sätze aus ihren verschiedenen Drehbüchern zusammen, die sie gelernt hatten. Das wurde von dem Pressesprecher, von der Filmproduktionsfirma Universal Movies Studios Ltd., bestätigt."

Dann zeigte der Hintergrund den Buckingham Palast und der Nachrichtensprecher sagte weiter: „Das Königshaus von England ist im Ausnahme Zustand. Den in den Palast war in diesem Wochenende eingebrochen worden und das Diebesgut, was sie gestohlen hatten war allein eine viertel Milliarde englischer Pfund wert. Die

Sachschäden, die sie allerdings erstellt hatten waren in Höhe eine halben Milliarde englischer Pfund. Die Fahndung nach unbekannten Tätern laufen auf Hochtouren, sagte uns ein Pressesprecher der Polizei."

Dann zeigte der Hintergrund ein Bild der Königsfamilie, die vor dem Buckingham Palast stehen und der Nachrichtensprecher sagte weiter: „Auch ist in wenigen Tagen der Geburtstag der Queen und die Vorbereitungen der Geburtstagsfeier sind voll im Gange, so der Pressesprecher des Buckingham Palast."

Der Hintergrund zeigte eine Hitzige Debatte im Parlament und der Nachrichtensprecher sagte weiter: „Heute waren die Wahlen, des Parlaments für den neuen Premierminister. Kandidat Harrison Johnson, hatte über seine Konkurrenten mit einer absoluten Mehrheit gewonnen. Das bedeutete er allein hatte fünfundsiebzig Prozent aller Stimmen des Parlaments."

Das Bild im Hintergrund wechselte wieder und zeigte ein Auto. Der Nachrichtensprecher sagte weiter: „Der Autohersteller Yinra, hat eine Rückrufaktion ihres neuen AT-3 mit Elektromotor. Der Motor ist bei vielen ihrer Exemplare falsch montiert worden und überhitzt, beim Zünden des Autos. Es besteht sogar, in einigen Fällen eine gewisse Explosionsgefahr. Berichtete uns der Pressesprecher des Autoherstellers."

Das Bild wechselte und man sah eine Eule, die an einem Fenster vorbei flog und der Nachrichtensprecher sagte: „Und hier noch eine Sondermeldung. Wie die Vogelkundler im ganzen Land berichten, haben sich unsere Eulen, in den letzten Tagen sehr ungewöhnlich verhalten. Obwohl Eulen normalerweise nachts jagen und tagsüber kaum gesichtet werden, wurden diese Vögel seit einigen Tagen nach Sonnenaufgang hunderte Male beobachtet, wie sie kreuz und quer über das Land hinwegflogen. Die Fachleute können sich nicht erklären, warum die Eulen plötzlich ihre Gewohnheiten geändert haben."

Das Bild mit der Eule verschwand aus dem Hintergrund und das Logo der Nachrichten war wieder im Hintergrund zu sehen. Der Nachrichtensprecher erlaubte sich ein Grinsen und sagte: „Sehr mysteriös und nun zu Jim McGuffin mit dem Wetter. Sind heute Abend noch weitere Eulenschauer zu erwarten, Jim?"

Jetzt sah man den Wetteransager Jim McGuffin, der vor einer Wetterkarte stand und sagte: „Nun, Ted… das kann ich leider nicht sagen, aber es sind nicht nur die Eulen, die sich heute seltsam verhalten haben. Zuschauer aus so entfernten Gegenden wie Kent, Yorkshire und Dundee haben mich heute angerufen und berichtet, dass anstelle des Regens, den ich gestern versprochen hatte, ganze Schauer von Sternschnuppen niedergegangen sind! Vielleicht haben die Leute zu früh Silvester gefeiert… das ist noch eine Weile hin, meine Damen und Herren! Aber ich kann Ihnen für heute eine regnerische Nacht versprechen."

Vernon Dursley saß starr wie ein Eiszapfen in seinem Sessel. Er war so tief in Gedanken versunken, dass er den weiteren Wetterbericht nicht hin hörte, bis der Wetteransager sagte: „Ich wünsche Ihnen einen guten Abend."

Damit wurden die Nachrichten beendet, Vernon Dursley schaltete den Fernseher aus und dann kam Petunia Dursley mit zwei Tassen Tee ins Wohnzimmer. Vernon Dursley saß immer noch erstarrt im Sessel und es hatte in seinen Augen keinen Zweck mehr. Er musste ihr sagen, was er Heute erlebt hatte. Nervös räusperte er sich und versuchte so ruhig zu sprechen wie er konnte und sagte: „Ähm… Petunia, Liebes… du… du hast in letzter Zeit nichts von deiner Schwester gehört, oder?"

Wie Vernon Dursley befürchtet hatte, blickte ihn seine Frau Petunia Dursley entsetzt und wütend an. Schließlich taten sie für gewöhnlich so, als hätte sie keine Schwester.

„Nein, warum?", fragte sie scharf.

„Komisches Zeug in den Nachrichten… Eulen, die am Tag fliegen… Sternschnuppen statt Regen über dem ganzen Land… und heute waren eine Menge komisch aussehender Leute in der Stadt… auch habe ich eine seltsame Katze gesehen…", murmelte Vernon Dursley.

„Und?", fuhr ihn Petunia Dursley an.

„Nun, ich dachte nur … vielleicht … hat es etwas zu tun mit … du weißt … ihnen zu tun.«, murmelte Vernon Dursley.

Petunia Dursley nippte mit geschürzten Lippen an ihrem Tee. Vernon Dursley wollte es wagen, ihr zu sagen, dass er den Namen Potter gehört hatte, doch im letzten Moment, hatte er aufgegeben und schwieg.

Bis es Zeit zum Schlafen war und sie nach oben gegangen waren, hatten sie kein einziges Wort gewechselt. Er würde nie wieder mehr ein Wort darüber verlieren.

Während Petunia Dursley im Bad war, schlich sich Vernon Dursley zum Schlafzimmerfenster und spähte hinunter in den Vorgarten. Die Katze war immer noch da. Sie starrte auf den Ligusterweg, als ob sie auf etwas wartete.

‚Bildete ich mir das alles nur ein? Konnte all dies etwas mit den Potters zu tun haben? Wenn es so war… und wenn herauskäme, dass wir verwandt waren mit einem Paar von… nein, das würde ich einfach nicht ertragen können.', dachte Vernon Dursley.

Die Dursleys gingen zu Bett. Währen Petunia Dursley rasch einschlief, konnte Vernon Dursley nicht schlafen und lag wach und wälzte alles noch einmal im Kopf hin und her. Bevor er einschlief, kam ihm ein letzter, tröstender Gedanke: ‚Selbst wenn die Potters wirklich mit dieser Geschichte zu tun hatten, gab es keinen Grund, warum sie bei mir und meiner Familie auftauchen sollten. Die Potters Wissen nämlich, doch sehr wohl, was ich und Petunia von ihnen und ihresgleichen halten. Ich kann mir nicht Vorstellen, wie ich und meine Familie in irgend etwas hineingeraten sollten, was dort draußen vor sich ging…'

Wie sehr er sich, doch nur mit diesem Gedanken getäuscht hatte, würde er am nächsten Tag erfahren.

Vernon Dursley mochte in, nach dem er vor eine Stunde, in einen unruhigen Schlaf hinübergeglitten sein, doch die Katze draußen auf der Mauer zeigte keine Spur von Müdigkeit. Sie saß noch immer da wie eine Statue, die Augen, ohne zu blinzeln, auf die weiter entfernte Ecke des Ligusterwegs gerichtet. Kein Härchen regte sich, als eine Straße weiter eine Autotür zugeknallt wurde oder als zwei Eulen über ihren Kopf hinwegschwirrten. In der Tat war es fast Mitternacht, als die Katze sich zum ersten Mal rührte.

An der Ecke, die sie beobachtet hatte, erschien ein Mann, so jäh und lautlos, als wäre er geradewegs aus dem Boden gewachsen. Der Schwanz der Katze zuckte und ihre Augen verengten sich zu Schlitzen.

Einen Mann wie diesen hatte man im Ligusterweg noch nie gesehen und wollte es auch niemals. Er war groß, dünn, war sehr alt, jedenfalls der silbernen Farbe seines Haares und Bartes nach zu schließen, die beide so lang waren, dass sie in seinem Gürtel hatte stecken müssen, damit es nicht auf dem Boden schleifte.

Er trug eine Mütze, einen langen Umhang der, den Boden streifte, ein paar Schnallenstiefel mit hohen Hacken und in seiner linken Hand trug er einen Weidenkorb.

Seine blauen Augen leuchteten funkelnd hinter den halbmondförmigen Brillengläsern hervor und seine Nase war sehr lang und krumm, als ob sie mindestens zweimal gebrochen wäre. Der Name dieses Mannes war Albus Dumbledore.

Albus Dumbledore schien nicht zu bemerken, dass er soeben in einer Straße aufgetaucht war, in der alles an ihm, von Scheitel bis zu seinen Stiefeln und auch seinem Namen keineswegs willkommen war. Gedankenverloren stellte er den Weidenkorb auf die Gartenmauer, die in seiner Nähe war. Dann durchstöberte er die Taschen seines Umhangs. Doch offenbar bemerkte er, dass er beobachtet wurde, denn plötzlich sah er zu der Katze hinüber, die ihn vom andern Ende der Straße her immer noch anstarrte. Aus irgendeinem Grunde schien ihn der Anblick der Katze zu belustigen. Er gluckste vergnügt und murmelte: „Ich hätte es wissen müssen."

In einer der Innentaschen seines Umhangs hatte er gefunden, wonach er suchte. Es sah aus wie ein silbernes Feuerzeug. Dieses Gerät war für Albus Dumbledore ein neues Projekt gewesen und er nannte es vorerst Ausmacher. Er ließ den Deckel aufschnappen, hielt es hoch in die Luft und ließ es knipsen. Mit einem leisen ploppen ging eine Straßenlaterne in der Nähe aus. Er knipste noch mal und die nächste Laterne flackerte und erlosch. Er knipste mit dem Ausmacher, bis die einzigen Lichter, die in der ganzen Straße noch zu sehen waren, zwei kleine Stecknadelköpfe in der Ferne waren und das waren die Augen der Katze, die ihn beobachtete. Kein normaler Mensch, der jetzt aus dem Fenster geschaut hätte, auch nicht die scharfäugige Petunia Dursley, hätte nun irgend etwas von dem mitbekommen, was unten auf dem Bürgersteig, vor ihren Haus, geschah. Dumbledore ließ den Ausmacher in die Umhangtasche gleiten und machte sich auf den Weg die Straße entlang zu Nummer 4, wo er sich auf die Mauer neben die Katze setzte. Er sah sie nicht an, doch nach einer Weile sprach er mit ihr.

„Was für eine Überraschung, Sie hier zu sehen, Professor Minerva McGonagall.", sagte Albus Dumbledore vergnügt.

Mit einem Lächeln wandte er sich zur Seite, doch die Tigerkatze war verschwunden. Statt ihrer lächelte er einer ziemlich ernst dreinblickenden Frau mit Brille zu, deren Gläser quadratisch waren. Sie trug einen smaragdgrünen Umhang. Ihr schwarzes Haar war zu einem festen Knoten zusammengebunden. Sie sah recht verwirrt aus.

„Woher wussten Sie, dass ich es war?", fragte sie.

„Mein lieber Professor, ich habe noch nie eine Katze so steif dasitzen sehen. Außerdem sind sie die einzige Hexe mit diesem Fellmuster.", sagte er.

„Sie wären auch so steif, wenn Sie den ganzen Tag auf einer kalten Mauer gesessen hätten", sagte Professor Minerva McGonagall.

„Den ganzen Tag? Wo Sie doch hätten feiern können? Ich muss auf dem Weg an mindestens einem Dutzend Feste und Partys vorbeigekommen sein.", sagte Albus Dumbledore.

Verärgert schnaubte Professor McGonagall durch die Nase.

„O ja, alle Welt feiert, sehr schön. Man sollte meinen, sie könnten ein bisschen vorsichtiger sein, aber nein… selbst die Muggel haben bemerkt, dass etwas los ist. Sie haben es in ihren Nachrichten gebracht.", sagte sie ungeduldig und mit einem Kopfrucken deutete sie auf das dunkle Wohnzimmerfenster der Dursleys und fuhr fort: „ Ich habe es gehört. Ganze Schwärme von Eulen… Sternschnuppen… Nun, ganz dumm sind sie auch wieder nicht. Sie mussten einfach irgend etwas bemerken. Sternschnuppen unten in Kent… ich wette, das war Dädalus Diggel. Der war noch nie besonders vernünftig."

„Sie können ihnen keinen Vorwurf machen. Elf Jahre lang haben wir herzlich wenig zu feiern gehabt.", sagte Dumbledore sanft.

„Das weiß ich. Aber das ist kein Grund, den Kopf zu verlieren. Die Leute sind einfach unvorsichtig, wenn sie sich am helllichten Tage draußen auf den Straßen herumtreiben und Gerüchte zum Besten geben. Wenigstens könnten sie nichtmagische Kleidung anziehen.", sagte Professor McGonagall gereizt, dabei wandte sie sich mit scharfem Blick Dumbledore zu, als hoffte sie, er würde ihr etwas mitteilen.

Doch er schwieg und sie fuhr fort: „Das wäre eine schöne Bescherung, wenn ausgerechnet an dem Tag, da Du-weißt-schon-wer endlich verschwindet, die Muggel alles über uns herausfinden würden. Ich nehme an, er ist wirklich verschwunden, Dumbledore?"

„Es sieht ganz danach aus. Wir müssen für vieles dankbar sein. Möchten Sie ein Brausebonbon?«, sagte Dumbledore.

„Ein was?", fragte sie.

„Ein Zitronenbrausebonbon. Eine Nascherei der nichtmagischen Welt, auf die ich ganz scharf bin.", antwortete er.

„Nein, danke…", sagte Professor McGonagall kühl, als sei jetzt nicht der richtige Moment für Zitronenbrausebonbons und fuhr fort: „Wie ich schon sagte, selbst wenn Du-weißt-schon-wer wirklich fort ist…"

„Mein lieber Professor, eine vernünftige Person wie Sie kann ihn doch sicher beim Namen nennen? Der ganze Unsinn mit ›Du-weißt-schon-wer‹… seit elf Jahren versuche ich die Leute dazu zu bringen, ihn bei seinem richtigen Namen zu nennen: Voldemort.", sagte Albus Dumbledore und unterbrach Professor McGonagall, die zurück zuckte, als er den Namen gesagt hatte, als würde Voldemort tatsächlich hier auftauchen und sie töten.

Albus Dumbledore fischte zwei weitere Bonbons aus der Tüte und tat so als hätte er davon keine Notiz genommen und fuhr fort: „Es verwirrt doch nur, wenn wir dauernd ›Du-weißt-schon-wer‹ sagen. Ich habe nie eingesehen, warum ich Angst davor haben sollte, Voldemorts Namen auszusprechen."

„Das weiß ich wohl. Doch Sie sind anders. Alle wissen, dass Sie der Einzige sind, den Du-weißt… ahm, na gut, Voldemort fürchtete.", sagte Professor McGonagall halb aufgebracht und halb bewundernd.

„Sie schmeicheln mir. Voldemort hatte Kräfte, die ich nie besitzen werde.", sagte Dumbledore leise.

„Nur weil Sie zu… ja… nobel sind, um sie einzusetzen.", sagte sie.

„Ein Glück, dass es dunkel ist. So rot bin ich nicht mehr geworden, seit Madam Pomfrey mir gesagt hat, ihr gefielen meine neuen Ohrenschützer.", sagte er.

Professor McGonagall sah Dumbledore scharf an und sagte: „Die Eulen sind nichts gegenüber den Gerüchten, die umherfliegen. Wissen Sie, was alle sagen? Warum er verschwunden ist? Was ihn endlich aufgehalten hat?"

Offenbar hatte Professor McGonagall den Punkt erreicht, über den sie unbedingt reden wollte, den wirklichen Grund, warum sie den ganzen Tag auf einer kalten, harten Mauer gewartet hatte, denn weder als Katze noch als Frau hatte sie Dumbledore mit einem so durchdringenden Blick festgenagelt wie jetzt. Was auch immer alle sagen mochten, offensichtlich glaubte sie es nicht, bis sie es aus dem Mund von Dumbledore gehört hatte. Der jedoch nahm sich ein weiteres Zitronenbrausebonbon und schwieg.

„Was sie sagen… ist nämlich, dass Voldemort letzte Nacht in Godric's Hollow auftauchte. Er war auf der Suche nach den Potters. Dem Gerücht zufolge sind Lily und James Potter… sie sind… tot.", drängte sie weiter.

Dumbledore senkte langsam den Kopf. Professor McGonagall stockte der Atem.

„Lily und James… Ich kann es nicht glauben … Ich wollte es nicht glauben… Oh, Albus…", sagte sie weiter.

Dumbledore streckte die Hand aus und klopfte ihr sanft auf die Schultern und sagte mit belegter Stimme: „Ich weiß… ich weiß…"

Professor McGonagall sagte mit zitternder Stimme: „Das ist jedoch nicht alles. Es heißt, er habe versucht, Potters Sohn Harry zu töten. Aber… er konnte es nicht. Er konnte diesen kleinen Jungen nicht töten. Keiner weiß, warum oder wie, aber es heißt, als er Harry Potter nicht töten konnte, fiel Voldemorts Macht in sich zusammen… und deshalb ist er verschwunden."

Dumbledore nickte mit düsterer Miene, sagte aber nichts.

„Ist das… wahr? Nach all dem, was er getan hat… nach all den Menschen, die er umgebracht hat… konnte er einen kleinen Jungen nicht töten? Das ist einfach unglaublich… ausgerechnet das setzt ihm ein Ende… aber wie um Himmels willen konnte Harry das überleben?", stammelte Professor McGonagall weiter.

„Wir können nur mutmaßen. Vielleicht werden wir es nie wissen.", sagte Dumbledore.

Professor McGonagall zog ein Spitzentaschentuch hervor und betupfte die Augen unter der Brille. Dumbledore zog eine goldene Uhr aus der Tasche und gab ein langes Schniefen von sich. Es war eine sehr merkwürdige Uhr. Sie hatte zwölf Zeiger, aber es gab keine Ziffern und stattdessen drehten sich kleine Planeten in ihr. Dumbledore jedenfalls musste diese Uhr etwas mitteilen, denn er steckte sie zurück in die Tasche und sagte: „Sie verspätet sich… Ich nehme Übrigens an, dass Hagrid ihnen erzählt, dass ich hierherkommen würde?"

„Ja… und ich nehme nicht an, dass Sie mir sagen werden, warum Sie ausgerechnet hier sind?", sagte Professor McGonagall.

„Ich bin gekommen, um Harry zu seiner Tante und seinem Onkel zu bringen. Sie sind die Einzigen aus der Familie, die ihm noch geblieben sind.", sagte er.

Dabei meinte er jedoch nicht, dass die einzige Verwandten Personen von Harry hier wohnten. Denn Harry hatte sehr wohl noch andere Familien Mitglieder der Familie seiner Mutter, bei denen er auch geschützt worden wäre, doch diese wohnten in Amerika und wenn er Harry zu ihnen bringen würde, würde Harry nicht auf Hogwarts kommen können, da dieser dort auf eine der Amerikanischen magischen Schulen gehen musste und da Harry für seine zukünftigen Pläne wichtig war, musste er zu seinen Einzigen nichtmagischen Verwandten, seiner Mutter gehen, die noch lebten. Denn auch die restlichen noch Lebenden Familienmitglieder der Familie Potter, waren auf ihn nicht gut zu sprechen und würden vermutlich verhindern, dass Harry nach Hogwarts gehen würde. Außerdem wäre Harry bei der Väterlichen Seite wegen dem Blutschutz, den Lily Potter in seinen Augen benutzt hatte, um ihr Kind zu schützen, durch die Familie Potter nicht so Sicher wie durch die Familie, vor deren Haus, Albus Dumbledore grade stand.

„Sie meinen doch nicht Ernst. Sie können einfach nicht die Leute meinen, die hier wohnen?", rief Professor McGonagall, sprang auf und deutete auf Nummer 4 und fuhr fort: „Dumbledore… das geht nicht. Ich habe sie den ganzen Tag beobachtet. Sie könnten keine zwei Menschen finden, die uns weniger ähneln. Und sie haben dieses Mädchen... ich habe gesehen, wie sie ihre Mutter den ganzen Weg die Straße entlang gequält und nach Süßigkeiten geschrien hat. Harry Potter und hier leben?"

„Das ist der beste Platz für ihn… Onkel und Tante werden ihm alles erklären können, wenn er älter ist. Ich habe ihnen einen Brief geschrieben.", sagte Dumbledore bestimmt.

„Einen Brief?", wiederholte Professor McGonagall mit erlahmender Stimme und setzte sich wieder auf die Mauer und fuhr fort: „Wirklich, Dumbledore, glauben Sie, dass Sie all das in einem Brief erklären können? Diese Leute werden es nie verstehen! Er wird berühmt werden… eine Legende… es würde mich nicht wundern, wenn der Tag in Zukunft Harry-Potter-Tag heißt… ganz viele Bücher wird man über Harry schreiben… jedes Kind in unserer Welt wird seinen Namen kennen!"

„Genau…", sagte Dumbledore und blickte sehr ernst über die Halbmonde seiner Lesebrille und fuhr fort: „Das würde reichen, um jedem Jungen den Kopf zu verdrehen. Berühmt, bevor er gehen und sprechen kann! Berühmt für etwas, an das er sich nicht einmal erinnern wird! Sehen Sie nicht, wie viel besser es für ihn wäre, wenn er weit weg von alle dem aufwächst, bis er bereit ist, es zu begreifen?"

Professor McGonagall öffnete den Mund, änderte ihre Meinung, schluckte und sagte: „Ja… ja, Sie haben Recht, natürlich. Doch wie kommt der Junge hierher, Dumbledore?"

Plötzlich musterte sie seinen Umhang, als dachte sie, er verstecke vielleicht den kleinen Harry darunter. Jetzt hatte erst Albus Dumbledore bemerkt, das er den Weidenkorb auf der Gartenmauer vergessen hatte und rannte zurück holte den Weidenkorb und lief nicht alleine zurück. Bei ihm war eine alte Frau, auf die Albus Dumbledore noch gewartet hatte.

„Hier ist er, Professor McGonagall.", sagte er und war erleichtert, dass alles gut gegangen war und zeigte nun auf seine neue Begleitung und fuhr fort: „Das ist Arabella Figg, sie ist ein Squib. Sie wird auf Harry Potter beschützen und über ihn Wachen."

„Sie halten es für… klug, einer Squib, etwas so Wichtiges anzuvertrauen?", fragte McGonagall.

„Ich würde ihr mein Leben anvertrauen.", sagte Dumbledore.

„Ich behaupte nicht, dass ihr Herz nicht am rechten Fleck ist… doch Sie können doch nicht so tun, als ob sie etwas tun kann, falls etwas passiert.", grummelte Professor McGonagall.

„Im Falle falls etwas Schlimmes passieren sollte ist sie in der nähe.", sagte Albus Dumbledore.

Ein lautes Brummen hatte die Stille um sie her zerbrochen über ihnen flog ein Nachtflug, der im Londoner Flughafen landen würde. Das Geräusch wurde immer lauter und es schien wie ein Wunder, das keine nichtmagische Menschen durch den lärm aufwachten.

Am Himmel waren langsam die Regenwolken zu sehen, der bald anfangen würde. Man sah Blitze und den Donner inmitten der Regenwolken.

Arabella Figg, Albus Dumbledore und Professor McGonagall neigten ihre Köpfe über dem Weidenkorb, in dem ein Leintuchbündel zu sehen war. Darin steckte, gerade eben zu sehen, ein kleiner Junge, fast noch ein Baby, in tiefem Schlaf. Unter einem Büschel rabenschwarzen Haares auf der Stirn konnten sie einen merkwürdigen Schnitt erkennen, der aussah wie ein Blitz. Aber in Wirklichkeit war es die Sowilō-Rune, deren Bedeutung entweder Sonne, Siegel oder Sieg hatte. Je nach dem welche Bedeutung der Runen man nahm.

„Ist es das, wo…?", flüsterte Professor McGonagall.

„Ja. Diese Narbe wird ihm immer bleiben.", sagte Dumbledore und wusste nicht wie falsch er damit lag.

„Können Sie nicht etwas dagegen tun, Dumbledore?", fragte Arabella Figg.

„Nun es ist eine Blitznarbe…", sagte Albus Dumbledore und bewies das er keine Ahnung von Runen hatte, nahm sich ein weiteres Zitronenbrausebonbon aus seiner Tüte und fuhr fort: „… und sie ist durch einen Fluch entstanden. Also selbst wenn ich es könnte, ich würde es nicht. Denn Narben können recht nützlich sein. Ich selbst habe eine oberhalb des linken Knies und die ist ein tadelloser Plan der Londoner U-Bahn. Nun denn… wir bringen es besser hinter uns."

Dumbledore wandte sich dem Haus der Dursleys zu. Er stieg über die niedrige Gartenmauer und trat zum Vordereingang. Sanft legte er Harry vor die Eingangstür, zog einen Brief aus dem Umhang, steckte ihn zwischen Harrys Leintücher und kehrte dann zu den beiden andern zurück. Eine ganze Minute lang standen die drei da und sahen auf das kleine Bündel.

Arabella Figg reagierte nicht auf die traurige Situation, Professor McGonagall blinzelte heftig und das funkelnde Licht, das sonst immer aus Dumbledores Augen schien, war wohl erloschen.

„Nun… das war es… Wir haben hier nichts mehr zu suchen. Wir sollten lieber verschwinden und zu den Feiern gehen. Professor McGonagall.", sagte Dumbledore schließlich und nickte Professor McGonagall zu und sagte zu ihr weiter: „Wir werden uns bald wiedersehen, vermute ich, Professor McGonagall"

Zur Antwort schnäuzte sich Professor McGonagall die Nase. Sie verwandelte sich in die Tigerkatze und lief von dannen.

Nun waren Albus Dumbledore und Arabella Figg alleine und er sagte zu ihr, als McGonagall nicht mehr in Hörweite war: „Nun gut. Sie Bewachen den Jungen hier, bis er Morgen ins Haus geholt wird und geben mir dann Morgen einen Bericht ab. Für Ihre Wache für Harry Potter wurde Ihnen das Haus gekauft, in dem Sie wohnen. Sie zahlen keine Kosten und selbst der Kühlschrank wird immer wieder aufgefüllt, so dass ihnen gar nichts fehlt. Auch bekommen sie 500 Galleonen Bezahlung für Heute und jeden Tag, an denen der Junge später bei ihnen sein wird. Bis dahin werde ich Ihnen 250 Galleonen geben, für jeden Tag, den sie Harry aus der Ferne bewachen."

Damit verwandelte er Arabella Figg mit einem Zauber, in eine Katze und der Zauber wird, seine Wirkung verlieren, wenn sie in das Haus gegangen war, das er für sie gekauft hatte. Sie nickte nur noch zur Bestätigung und versteckte sich im Gebüsch, so dass man sie schwer erkannte. Hier würde sie warten, bis der Junge Harry ins Haus geholt wurde. Danach sollte sie warten bis die Dursleys zu ihr kamen, mit der Frage, ob sie sich um Harry kümmern würde, wenn die Dursleys auf reisen waren oder die Dursleys Harry zu Feiern nicht mitnehmen wollten.

Dann drehte sich Dumbledore um und entfernte sich die Straße entlang. An der Ecke blieb er stehen und holte den Ausmacher hervor. Er knipste einmal und zwölf Lichtbälle huschten zurück in ihre Straßenlaternen. Mit einem Mal leuchtete der Ligusterweg in wieder in Orange und auf der Türschwelle von Nummer 4 konnte er gerade noch den Weidenkorb erkennen.

„Viel Glück, Harry Potter", murmelte er. Er drehte sich auf dem Absatz um und mit einem Wehen seines Umhangs war er verschwunden.

Eine Brise kräuselte die sorgfältig geschnittenen Hecken des Ligusterwegs, der still und ordentlich dalag und unter dem den dunkle Regenwolken behangenen Himmel. Kurz nach dem Albus Dumbledore verschwunden war, fing es an zu regnen.

In seinen Leintüchern drehte sich Harry Potter auf die Seite, ohne aufzuwachen. Seine kleinen Finger klammerten sich an den Brief neben ihm, der nun durch den Regen durchnässt wurde.

Harry schlief weiter, nicht wissend, dass er etwas Besonderes war, nicht wissend, dass er berühmt war, nicht wissend, dass in ein paar Stunden, wenn Petunia Dursley die Haustür öffnen würde, um die Milchflaschen hinauszustellen, ein Schrei ihn wecken würde, nicht wissend, dass ihn seine Familie in den nächsten Monaten, ihn ignorierten, peinigen würde und auch war er nicht wissend, dass in ebendiesem Moment überall im Land geheime Versammlungen stattfanden, Gläser erhoben wurden und gedämpfte Stimmen sagten: „Auf Harry Potter… den Jungen, der lebt!"

Die magische Welt wusste nicht, wie Harry Potter auf sie zukommen wird und Albus Dumbledore konnte nicht Ahnen, wie groß der Fehler war den er Heute getan hatte.