Diese Geschichte wurde ursprünglich in englischer Sprache veröffentlicht und nach Rücksprache mit der Autorin von mir übersetzt, um sie einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Obwohl ich nur als Übersetzerin fungiere, sind Reviews natürlich trotzdem mehr als willkommen. Alexandra, die Autorin, schreibt unter dem Namen madame. alexandra und ist hauptsächlich hier auf fanfiction. net unterwegs.

Autorin: madame. alexandra

Originaltitel: The Ethics of Cookies and Consent

Die Moral von Keksen und Konsens

Der Spiegel im Badezimmer des Falken – zumindest der im Badezimmer, das an Hans Quartier grenzte – hatte es kaum verdient, so genannt zu werden. Er war abgenutzt, rissig und von einem seltsamen, milchigen Film überzogen, der sich von den vier Ecken aus nach innen vortastete und entschlossen schien, eines Tages das gesamte Glas einzunehmen.

In dem mäßig sauberen Bereich, der noch übrig war, konnte Leia ihr Spiegelbild sehen, obwohl sie nicht die Eitelkeit besaß, sich selbst zu betrachten. Sie hatte gerade ihre Hände gewaschen und als sie die Arme angehoben hatte, um nach einem Handtuch zu greifen, hatten ihre Muskeln lautstark protestiert, also hielt sie inne, zuckte zusammen – und kam dazu, ihr Spiegelbild einen Moment lang anzustarren.

Sie seufzte leise. Die Ersatzkojen waren unbequem und sie hatte einige Blutergüsse und Muskelverletzungen bei der Flucht aus der Echo-Basis davongetragen. Wenn man die Arbeit dazunahm, die sie, Han und Chewie in den letzten Tagen auf dem Schiff verrichtet hatten, erhielt man ein gutes Rezept für allgemeine Schmerzen. Zu allem Übel konnte sich Hans medizinisches Inventar – spärlich bestückt und kaum darauf ausgelegt, ohne Hyperantrieb auskommen zu müssen – lediglich mit wenigen leichten Schmerzmitteln und einigen sehr heftigen Betäubungsmitteln rühmen.

In den vergangenen paar Jahren hatte Leia sich nie getraut, Betäubungsmittel, Alkohol oder irgendein anderes Medikament zu nehmen, wenn es nicht absolut notwendig war.

Mit gerunzelter Stirn hob sie die Hand, um über ihre Schulter zu reiben. Sie zog die Nase kraus und starrte weiterhin auf ihr Spiegelbild, ohne sich zu sehr darauf zu konzentrieren. Sie mochte die harten, scharfen Linien nicht, die ihren Körper seit einiger Zeit dominierten – sie war nicht immer so dünn und zerbrechlich gewesen – und sie mochte es nicht, über diese äußerliche Veränderung nachzudenken; es erinnerte sie nur an die Gründe, die es dafür gab.

Ein Klopfen ertönte und Han wuselte hinter ihr hinein und ging zur Seite, um sie nicht zu streifen. Er schob sich an ihr vorbei, drehte den Wasserhahn auf und spülte Blut von einem Schnitt an seiner Hand. Leia schürzte die Lippen und sah besorgt nach unten.

„Was ist das? Was hast du gemacht?", fragte sie schnell.

„Nichts", erwiderte Han achselzuckend. „Ich habe mich nur an einer der schärferen Kanten geschnitten."

Er hob die Hand und zeigte ihr, wie klein die Wunde war. Dann zuckte er erneut die Achseln, schnappte sich eines der Handtücher, tupfte die Verletzung trocken und blinzelte, als er den Schnitt untersuchte.

„Ja, es ist nicht mal sehr tief", brummte er.

Die Wunde drohte, erneut zu bluten, tat es aber nicht wirklich, und Han grinste selbstgefällig.

„Der Falke. Sie wehrt sich immer ein bisschen", bemerkte er gedehnt und zwinkerte Leia im Spiegel zu. „Aber sie mag es, ein bisschen härter angepackt zu werden."

Leia errötete ganz leicht, verdrehte die Augen und senkte dann den Blick. Sie bewegte die Finger, hielt ihre Hände unter das fließende Wasser und ging fast so weit, Seife aus dem Seifenspender zu pumpen, hielt dann jedoch inne, schnaubte, drehte den Wasserhahn zu und schüttelte das überschüssige Wasser ab.

Han hob eine Augenbraue und sie schürzte reumütig die Lippen.

„Ich…habe sie schon gewaschen", gab sie zu, beunruhigt über ihre eigene Abwesenheit.

War es, weil er so dicht hinter ihr stand? Er bedrängte sie nicht absichtlich, das Badezimmer war nur von Natur aus sehr klein. Sie warf ihm einen kurzen Blick über die Schulter zu und nickte dann in Richtung des Handtuchs.

„Kann ich das benutzen?"

Han nickte grinsend.

„Meine Keime befinden sich darauf", neckte er und ließ es über ihrem Kopf tanzen. „Bist du sicher?"

Leia rümpfte die Nase.

„Ich glaube, an diesem Punkt habe ich Antikörper gegen dich entwickelt", gab sie zurück und sah böse zu dem wackelnden Handtuch auf. „Han, gib es mir", befahl sie.

Er senkte den Arm und als sie sich streckte, um danach zu greifen, zuckte sie unwillkürlich zusammen. Han legte den Kopf schief und zog dann neugierig das Handtuch zurück. Sie runzelte die Stirn, aber er schien nicht bemerkt zu haben, was er getan hatte. Stattdessen legte er es hin, trat ein Stück vor, drehte sich zur Seite und schaute ihr ins Gesicht.

„Was war das?", fragte er.

„Was war was?", erkundigte sich Leia seufzend.

Sie ließ den Arm schlaff an ihrer Seite herunterhängen und zog angespannt die Nase kraus. Han nickte in Richtung ihres Arms, während seine Augen mit einem kritischen Stirnrunzeln über ihre Schultern und ihren Rücken wanderten.

„Dieses…Zusammenzucken", erklärte er. „Dass du, ähm, du weißt schon, zusammengezuckt bist, als wärst du verletzt."

„Nein, bin ich nicht."

Der Blick, den Han ihr zuwarf, war so herablassend, dass Leia in der Tat wieder zusammenzuckte und mit geschlossenem Mund heftig ausatmete, sodass ihre Nasenflügel dramatisch erbebten. Ihre Augen zuckten nach oben und dann, nach einem widerstrebenden, starrsinnigen Moment, öffnete sie die Lippen und antwortete ihm.

„Ich bin nur…verspannt", gab sie schließlich zu. „Ich bin nicht", sie machte eine Pause und brach dann ab. Sie kaute auf der Innenseite ihrer Lippe und wählte ihre nächsten Worte sorgfältig. „Es ist…wir haben ziemlich viel", sie brach wieder ab.

Sie wollte nicht klingen, als würde sie sich beschweren – das wollte sie nicht. Und obwohl sie tatsächlich nicht an harte Arbeit gewöhnt war, hatte sie nichts dagegen, zu arbeiten. Es war nur so, dass ihre Aufgaben in der Regel daraus bestanden, Besprechungen zu planen – organisatorische Dinge. Seit Yavin hatte sie viel, viel mehr körperliche Arbeit verrichtet, aber sie war nicht auf…all das vorbereitet. Und da war auch noch der böse Sturz gewesen –

„Ja, es ist ganz schön hart, verdreht und in den Ecken des Falken zusammengepfercht zu arbeiten", antwortete Han leichthin und verschränkte die Arme. Nachdenklich tippte er auf seinen Ellenbogen. „Du hast es auf Hoth auch übel abbekommen, oder?", fragte er.

Unzufrieden runzelte er die Stirn.

„Verdammt, ich habe nicht einmal darüber nachgedacht", murmelte er. „Ich hätte einfach nur mich und Chewie die Reparaturen machen lassen sollen – "

„Ich bin mir nicht zu schade zum Arbeiten", unterbrach Leia ihn knapp.

Han blinzelte sie an.

„Naja, ich habe nicht gesagt, dass es so ist, oder?", erwiderte er unverblümt. „Und ich glaube auch nicht, dass es so ist, oder ich hätte nicht so beiläufig um deine Hilfe gebeten", machte er deutlich. Er hielt inne und hob dann die Brauen. „Ich finde es irgendwie komisch, dass du mir nicht gesagt hast, dass du eine Pause von der harten Arbeit brauchst."

Leia sah ihn kühl an und schwieg, obwohl ihr Schweigen eine eindeutige Einladung war, seinen Standpunkt näher zu erläutern.

„Seit wann scheust du dich davor, zu sagen, was du denkst?", fragte er.

Leia schürzte die Lippen.

„Es ist nicht fair", entgegnete sie.

Sie ließ das für einen Moment so stehen und zuckte dann müde die Schultern.

„Ich bemerke nicht immer, wie schlimm meine Schmerzen sind, bis…sie wirklich schlimm sind", gestand sie geradeheraus. „Generell war kein Schmerz, den ich seit…meiner Gefangenschaft…gespürt habe, so schlimm."

Für einen Moment kaute sie auf der Innenseite ihrer Lippe.

„Es sind nur schmerzende Muskeln", meinte sie abwehrend.

„Okay, aber du musst sie ruhig halten, damit sie heilen", bemerkte Han. „Davon abgesehen kann ich dir ein paar moderate Schmerztabletten geben und ich habe eine Salbe, die gegen die blauen Flecken helfen wird", fügte er hinzu.

„Wir haben nur sehr wenige Vorräte", wies Leia ihn darauf hin. „Wir sollten uns diese Dinge für richtige Verletzungen aufheben."

Han schnaubte.

„Schätzchen, wenn irgendjemand sich eine größere Verletzung als einige Blutergüsse und schmerzende Muskeln zuzieht, während wir hier draußen festsitzen, haben wir andere Probleme als ein Mangel an Salbe."

Leia runzelte grimmig die Stirn – nun, in dem Punkt hatte er definitiv Recht. Sie verschränkte die Hände und Han hob die Brauen, schob langsam seinen Fuß vor und stupste ihre Zehen damit an.

„Komm schon, lass dich von mir ein bisschen umsorgen", überredete er sie.

„Hmmm", grummelte Leia und musterte ihn vorsichtig.

„Ich sag dir was", erwiderte er und seine Augen leuchteten auf. „Ich kann dir mit deinem Rücken und deinen Schultern auch behilflich sein", sagte er. „Ich habe – ähm", er hielt inne. „Ich kannte eine Masseuse", bemerkte er diplomatisch, „und sie hat mir einige Techniken beigebracht. Ich glaube, ich kann deine Verspannungen lösen."

Er sagte es vollkommen ernst, ohne ein Grinsen oder ein kokettes Augenzwinkern, aber Leia fühlte sich dennoch sofort bedroht. Sie trat einen Schritt zurück, was sie gegen die Wand prallen ließ, und verengte die Augen.

„Ich glaube nicht, dass ich interessiert daran bin, was dir eine Masseuse, mit der du geschlafen hast, beigebracht hat", antwortete sie eisig.

Hans gutmütiger Ausdruck verschwand blitzschnell von seinem Gesicht. Er löste seine Arme, lockerte die Hände und sah sie eine Minute lang unsicher an, offensichtlich überrascht.

„Was tut es zur Sache, ob ich mit ihr geschlafen habe? Sie wusste trotzdem, was sie tut", erwiderte er vorsichtig. „Ich habe dir nichts dergleichen angeboten", sagte er. „Ich habe noch nicht einmal etwas darüber gesagt, dass du deine Kleider ausziehen sollst, ich glaube nur, dass ich dir helfen kann, dich besser zu fühlen – "

„Ich bin sicher, dass du das denkst", fuhr Leia ihn an. „Ich will keine Massage."

Dieses Mal verfinsterte sich Hans Gesicht.

„Leia!", protestierte er wütend.

Sie presste fest die Lippen zusammen.

„Ich will nicht, dass du mich massierst, Han. Ich will nicht, dass du mich berührst", fauchte sie.

Er machte ein genervtes Geräusch tief in seiner Kehle und schüttelte den Kopf. Er sah aus, als würde er anfangen, zu diskutieren, aber dann schluckte er schwer, seufzte, und straffte die Schultern in dem Versuch, sich zu beruhigen.

„Komm schon, Leia", bat er, eine kaum wahrnehmbare Schärfe in seiner Stimme. „Ich bin kein…Idiot, okay? Ich will nur helfen. Wenn du mich die Verspannungen in deinen Muskeln lösen lässt – "

„Hörst du dir selbst eigentlich zu?", forderte sie. „Du klingst wie ein ignoranter Junge im Teenageralter, der – "

„Es ist ja nicht so, als gäbe es einen Weg, dir das anzubieten, ohne dass es einen…sexuellen Beigeschmack hat!", fuhr Han sie frustriert an. „Ich werde es aber nicht dazu kommen lassen, ich dachte einfach nur, ich könnte etwas Nettes für dich tun – "

„Du könntest mir Gehör schenken, wenn ich dir sage, dass du mich nicht anfassen sollst!"

„Ich habe dich nicht angefasst! Ich biete dir nur an – "

„Han, ich will keine Massage! Kannst du mich verdammt noch mal einfach in Ruhe lassen?"

Er taumelte zurück – soweit ihm das in dem kleinen Raum möglich war – und starrte sie mit weit aufgerissenen Augen an. Sein Mund stand ein Stück offen und er verschränkte fast verteidigend die Arme vor der Brust, während Wut und dann Verwirrung in schneller Abfolge über sein Gesicht flackerten. Schließlich nahm sein Gesicht einen verletzten Ausdruck an und er stand für einen Moment still da.

Dann sah er ausdruckslos von ihr weg.

„Ja, ich lasse dich verdammt noch mal in Ruhe", antwortete er geradeheraus. „Macht es dir etwas aus, mich rauszulassen?"

Mit einem schweren Schlucken und immer noch halb verblüfft von ihren eigenen heftigen Worten, trat sie zur Seite und machte sich körperlich klein – so klein, wie sie sich auch im Inneren fühlte – drückte sich ans Waschbecken und ließ ihn vorbeigehen.

Angespannt und ohne zu ihr zurückzublicken, verließ er den Raum, sein Gang unbeholfen, und Leia schaute ihm einen Moment lang nach, während ihre Ohren immer noch klingelten.

Ihre Augen brannten und ihr Kiefer schmerzte, weil sie die Zähne so fest aufeinanderpresste. Sie rückte zur Seite und setzte sich auf den Toilettendeckel, über ihre Knie gebeugt und auf ihre Handflächen starrend.

Sie atmete tief ein, verfluchte leise die Schmerzen in ihrem Rücken und biss sich auf die Lippe. Ihr Herz raste, aber ihr Verstand war hellwach, und sie bereute es bereits, die Beherrschung verloren zu haben. Sie wusste – sie konnte es in seinen Augen sehen – dass Han wirklich nichts Unangemessenes beabsichtigt hatte.

In der Tat war Han die gesamte Reise lang – wenn man den ungeplanten Streifzug ohne Hyperantrieb durch den Wilden Raum Reise nennen konnte – komplett erträglich gewesen, sogar verständnisvoll und nett – er war offensichtlich überaus bemüht, es nicht schlimmer zu machen, als es ohnehin schon war.

Er war liebenswert und hatte viel von seiner Prahlerei und seiner koketten Tapferkeit aufgegeben; wenn Leia gewollt hätte, hätte sie den Wandel in seinem Benehmen praktisch als zivilisiertes Werben um ihre Gunst bezeichnen können, aber sie war zu verhalten, wenn es um Romantik ging, als dass sie es wirklich getan hätte.

Sie klopfte die Finger gegeneinander und schloss die Augen bei der Erinnerung an den verletzten Ausdruck auf seinem Gesicht.

Er hatte sie nicht unter Druck gesetzt. Nicht wirklich. Naja, das hatte er, aber nicht aus…Bosheit, nur aus guter Absicht heraus und dann, als sie angriffslustig gewesen war, hatte er mit Verärgerung und Frust reagiert – was technisch gesehen fair war, da sie sich so anklagend und in seinen Augen wahrscheinlich komplett unvernünftig verhalten hatte.

Es lag nicht wirklich an ihm…nicht ganz. Es lag daran, dass er in einem kleinen Raum über ihr aufgetaucht war und Angebote gemacht hatte, bei ihr Hand anzulegen, besonders wenn sie wusste, dass Han nur zu gerne im sexuellen Sinne bei ihr Hand anlegen wollte. Es war nicht so, dass sie ihn deswegen verurteilte – er war nie so weit gegangen, es auch zu tun – aber in gewisser Weise wusste sie, wie er über sie dachte, für sie fühlte, von ihr träumte, und sein Vorschlag hatte sie in ein Was-wäre-wenn-Szenario geworfen, in dem sie seiner Berührung wehrlos ausgesetzt war und er entschied: Hey, was für eine großartige Gelegenheit, um zu sehen, ob Leia ein bisschen mehr erlaubt oder sich leicht festhalten lässt –

Sie konnte es ihm direkt sagen; sie wusste, dass sie sich leicht festhalten ließ.

Sie öffnete die Augen und starrte mit brennender Kehle an die Decke. Dann nahm sie einen tiefen Atemzug und schluckte die Tränen herunter. Sie hasste es, dass sie überhaupt Angst vor Han hatte. Sie vertraute Han, das war eine Tatsache; Han hatte viele Gelegenheiten gehabt, sie schlecht zu behandeln oder anmaßende Forderungen zu stellen, und er hatte es nicht getan.

Auf diesem Schiff konnte man einfach nirgendwo hingehen. Sich nirgendwo verstecken. Und er verstand nicht –

Sie konnte es ihm sagen, aber das wollte sie nicht. Sie kannte die Worte, aber sie könnte sie nie aussprechen. Sie hatte es bereits versucht, vor einem Spiegel stehend, mit geschürzten Lippen, mit klarem Verstand, die Schultern gerade, wild entschlossen, sich die Realität einzugestehen, aber sie hatte die Worte niemals herausbekommen.

Worte waren auf der politischen Bühne immer die gefährlichsten Waffen; sie kannte den Schaden, den sie anrichten konnten, und sie wusste, dass geschriebene oder gesprochene Worte real waren – aber Worte, die sie in ihrem Herzen und in ihrer Seele aufbewahrte, konnten einer anderen Person niemals bekannt sein.

Ihr wurde schwindlig und dann plötzlich wurde sie entschlossen – wütend. Wütend auf sich selbst, wütend auf die Tragödie, die ihr das hier eingebrockt hatte, und wütend auf die Stahlrüstung, die sie umhüllte – sie nicht beschützte, sondern gefangen hielt.

Und sie ging, um ihn zu finden, ohne zu wissen, was sie zu ihm sagen würde.

Sie dachte, dass er vielleicht wieder an die Arbeit oder ins Cockpit gegangen war, um vor sich hinzubrüten, also war sie überrascht, ihn mürrisch am Dejarik-Tisch sitzen zu sehen, ein einziges Glas bernsteinfarbener Flüssigkeit vor sich.

Er sah sie, sein Kiefer spannte sich an und er ergriff das Glas und begann, aufzustehen.

Leia kam näher an den Tisch heran und schüttelte den Kopf.

„Hör auf", sagte sie. „Geh nicht."

Han erstarrte, aber setzte sich nicht wieder hin. Er balancierte auf gebeugten Knien, bereit, das Weite zu suchen.

„Ich dachte, du wolltest, dass ich dich in Ruhe lasse", bemerkte er vorsichtig.

Leia seufzte.

„Du warst zuerst hier, Han", antwortete sie. „Du musst nicht den Raum verlassen, nur weil ich…das ist", sie hielt inne und schluckte schwer. „Das ist nicht der Punkt."

Dieses Mal setzte Han sich. Er hob sein Glas und nahm einen sehr bewussten Schluck Whisky – zumindest nahm sie an, dass es Whisky war. Er leckte sich über die Lippen und lehnte sich dann steif zurück.

„Was ist dann der Punkt?", fragte er.

Leia unterdrückte einen Schauer und bevor sie wusste, was sie tat, stolperten Worte aus ihrem Mund.

„Ich will dir erklären, warum ich die Nerven verloren habe", entgegnete sie. „Ich kann nicht."

Han hob eine Augenbraue.

„Ich meine", sprach sie heiser und schluckte. „Ich kann es wirklich nicht. Es gab…Momente, in denen ich so sehr darüber nachgedacht habe, dass ich das Bewusstsein verloren habe, Han."

Er zog das Glas näher zu sich heran, verwirrt, aber seine Augen lagen auf ihr. Sie sah auf den leeren Platz neben ihm – auf dem halbkreisförmigen Sitz saß er nah an der Kante und sie hatte die Wahl, sich recht nah zu ihm zu setzen oder auf der anderen Seite Platz zu nehmen und Raum zwischen ihnen zu lassen.

Sie entschied sich für letzteres – oder besser gesagt, sie begann sich in diese Richtung zu bewegen und blieb dann stehen.

„Ist es in Ordnung, wenn ich mich setze?"

„Ja."

Sie tat es vorsichtig und starrte dann lange Zeit auf den Tisch, bevor sie den Kopf hob und sich leicht zu ihm umdrehte.

„Du solltest mich einfach nein sagen lassen", bemerkte sie.

Han blinzelte sie an. Sie fuhr energisch fort:

„Ich habe gesagt, dass ich keine Massage will und du hast weiterhin versucht, mich zu überzeugen."

Han runzelte ein wenig die Stirn.

„Naja", begann er unsicher. „Ich meine…ja, aber nicht um…wie ein Arschloch zu wirken", fügte er hinzu. „Ich habe nur versucht, dir zu sagen, dass ich nichts Zweifelhaftes gemeint habe", wies er sie darauf hin.

„Ich weiß", erwiderte Leia leise. „Ich weiß, aber einige Dinge sind…anders als…als, ich weiß nicht, jemanden davon zu überzeugen, die…Kekse, die du gebacken hast, zu probieren", sagte sie.

Han lachte, schien dann anzunehmen, dass sein Lachen schrecklich beleidigend war, und schloss den Mund mit einem zerknirschten Gesichtsausdruck. Leia lächelte schwach und ihr Gesicht wurde rosa.

„Ich meine nur", erklärte sie, „dass…nein zu sagen…keine Einladung ist, jemanden zu überreden."

Han schaute sie an, und sie sah weg, fühlte seinen Blick immer noch auf ihrem Profil.

„Leia", begann er leise. „Ich wollte dich wirklich nicht denken lassen, dass ich irgendetwas anfange."

„Ich weiß, Han", versicherte Leia ihm erneut. „Ich sage dir, dass es egal ist, was du befürchtet hast, wie du wahrgenommen wirst, wenn ich das Gefühl hatte, bedrängt zu werden."

Sie sah, wie Han sich anspannte, und sah sogar, wie sein Kiefer sich bewegte, als wolle er darauf bestehen, sie nicht zu belästigen, aber dann schien alles, was sie gesagt hatte, anzukommen, und er verstummte stattdessen und lehnte sich zurück.

„Du siehst, was ich zu sagen versuche?", fragte Leia leise. „Du hältst es für einen unschuldigen Versuch, mich von etwas zu überzeugen, das mir gefallen könnte, aber aus meiner Perspektive, oder der von jemandem, der…zuvor ignoriert worden ist, als er nein gesagt hat, oder zu etwas gezwungen wurde, was er…oder sie…nicht wollte", sie zuckte angespannt die Achseln, „wirkt es sehr bedrohlich."

Diesmal war Hans Schweigen ohrenbetäubend. Als er lange Zeit nichts gesagt hatte, riskierte Leia es, nach oben und zu ihm hinüber zu schauen. Er starrte auf die Flüssigkeit in seinem Glas, und als er ihren Blick auf sich spürte, hob er vorsichtig die Hand und bot es ihr an.

„Hier", sagte er. „Willst du den Rest?"

Zögerlich streckte Leia die Hand aus.

„Was ist es?", fragte sie.

„Scotch."

Leia nahm das Glas und sah nachdenklich hinein. Sie atmete tief ein und trank das, was übrig war, während sie die Augen geschlossen hielt, um zu verhindern, dass sie tränten, und ihre gesamte Kraft aufbrachte, um nicht husten zu müssen.

Ordentlich stellte sie das Glas ab und verschränkte dann die Arme auf dem Tisch.

„Und, ähm", bemerkte sie, „eine weitere Sache ist…wenn jemand sagt, dass er sich bedrängt fühlt, dann ist es das, worauf es ankommt. Nicht das, was du gemeint hast."

Han saß neben ihr und hörte ihr zu. Sie hörte ihn schwer seufzen und als sie zu ihm herübersah, rieb er sich mit den Ellenbogen auf dem Tisch über die Stirn.

„Verstehst du das?", fragte Leia unverblümt.

„Ja, ich verstehe, Leia", erwiderte er leise. „Ich habe es kapiert."

Er streckte die Hände, verschränkte sie dann und starrte darauf.

„Ich war beim imperialen Militär. Ich weiß, dass Gefangene – ", er schüttelte den Kopf und lehnte sich schwer zurück. „Ich schätze, ich dachte einfach, dass jemand von deinem Rang anders behandelt werden würde", fügte er bitter hinzu.

Erschöpft hob Leia eine Schulter.

„Das habe ich auch gedacht", sagte sie einfach.

„Es tut mir leid", antwortete Han aufrichtig.

„Das akzeptiere ich", entgegnete sie.

Er rieb sich über ein Auge.

„Weißt du, so wie du das sagst, sollten die Leute wirklich noch nicht mal versuchen, jemanden dazu zu überreden, ihre – was hast du gesagt? Kekse zu probieren", bemerkte er knapp. „Es ist, wie du gesagt hast. Man sollte einfach die Klappe halten, wenn jemand nein sagt. Ich dachte, dass ich das verdammt noch mal wüsste", murmelte er.

Sie konnte seinen Verstand fast arbeiten hören, konnte hören, wie er Begegnung für Begegnung mit irgendwelchen Frauen in seinen Gedanken wieder durchlebte und sich fragte, ob er jemals gewinnbringenden Druck ausgeübt hatte, anstatt eine Zustimmung zu erhalten, die aus schierem Verlangen geboren war.

„Nun ja", meinte Leia. „Einige Dinge sind wichtiger als andere." Sie klopfte gegen das Glas, das vor ihr auf dem Tisch stand. „Jemanden zum Trinken zu überreden, wenn derjenige nicht will, ist nervig. Jemanden davon zu überzeugen, sich körperlicher Intimität hinzugeben, grenzt an eine Bedrohung."

Han grunzte. Er sah zu ihr hinüber, sein Gesicht war blass.

„Leia, ich würde dich niemals berühren, ohne dass du es willst", versicherte er. „Ich weiß, dass ich dich auf Hoth gepackt habe, aber das Eis ist heruntergekommen und du konntest nicht aufstehen…du weißt, was ich meine", erklärte er ernst.

„Ja", erwiderte sie leise. „Ich glaube dir."

Han sackte schweigend zusammen und sie saß mit ihm da, eine gewisse Enge in ihrer Brust, aber ein leichteres Gefühl auf ihren Schultern. Sie dachte einen Moment über ihre Fähigkeit nach, hierher zu kommen und einen Weg gefunden zu haben, es in Worte zu fassen, und sie wusste, dass das auf seine eigene Weise eine Brücke darstellte und sie wollte, dass er das auch wusste.

„Han?"

Er brummte leise.

„Ich hätte mir nicht die Mühe gemacht, dieses Gespräch mit vielen anderen Männern zu führen", gab sie zu. „Es wäre mir die Mühe nicht wert gewesen."

Han musterte sie aufmerksam, seine dunklen, goldenen Augen waren weich und suchend.

„Was ich meine, ist…ich will nicht, dass du aufhörst, mir Dinge anzubieten", murmelte sie. „Ich wollte einfach nur sicherstellen, dass du mir zuhörst, wenn ich nein sage."

Wenn er klug war, würde er mehr in das Wort Dinge hineininterpretieren, als sie im Moment zu sagen bereit war.

Han legte den Kopf leicht schief und schaute sie lange Zeit nur an – dann hob er eine Braue und seine Augen begannen zu glänzen. Er schenkte ihr ein kleines, unauffälliges Nicken, lehnte sich zurück und verschränkte die Arme und Leia wäre am liebsten in Tränen der Erleichterung ausgebrochen.

Stattdessen begnügte sie sich mit einem kleinen, befreienden Lächeln.

Han streckte unter dem Tisch die Beine aus und räusperte sich.

„Ich kann Kekse backen, weißt du", merkte er abrupt an.

Überrascht schürzte Leia die Lippen.

„Du – ?"

Er nickte selbstgefällig.

„Ja. Ich kann backen."

Unsicher, wo das hinführen sollte, schnaubte Leia.

„Ich verstehe. Lass mich raten – du hast schon mal mit einer Konditorin geschlafen?"

„Nein", erwiderte Han sanft. „Malla – das ist Chewies Partnerin – hat mir gesagt, dass ich niemals eine Frau abbekomme, wenn ich nicht backen kann. Sie hat mich dazu gebracht, es zu lernen", verriet er.

Amüsiert legte Leia die Wange in die Handfläche und sah ihn abwartend an. Han zuckte die Achseln.

„Alles, was ich sage, ist", sprach er gedehnt weiter, „ich kann sie backen. Vielleicht mache ich eines Tages sogar mal welche für dich", sagte er und zuckte erneut die Achseln. „Du musst mich allerdings darum bitten", fügte er hinzu. „Wenn du welche willst."

Leia neigte ihm den Kopf zu und begegnete seinem Blick – und irgendwie, trotz all der Metaphern und schemenhaften Andeutungen dieses Gespräches, verstand sie ihn perfekt.