Kapitel geändert am 8.6.2020 und 11.06.2020

Eduar folgte dem Weg nach Weißgarten zur Taverne erstaunlich flink. Der Schnapsvorrat zuhause war längst leer und seine unfähige Gattin hatte ja nichts Besseres zu tun, als mit dem Monsterschlächter lustwandelnd herum zu flanieren und sich dabei fast auffressen zu lassen. Einige Soldaten standen vor der Anschlagstafel und machten sich über die Gesuche lustig. Außerdem sprachen sie von einem riesigen Haufen Oren. Einer Eingebung folgend las er zuerst sämtliche Zettel an der Anschlagtafel. An einigen Stellen war das Pergament schon ganz ausgeblichen und an anderen wurden aufgrund mangelnden Platzes bereits mehrere übereinander gesteckt. Oben links in der Ecke blitze eine mehrfach Nachgespurte Summe, die auch ihm ungewöhnlich hoch vorkam. Er klappt die darüber hängenden Zettel hoch und sah, dass jemand einen Steckbrief umgedreht hatte, um seinen eigenen Auftrag auf dessen Rückseite zu kritzeln. Eduar klappt auch den Steckbrief hoch und konnte noch schemenhaft die Worte: „Tot oder lebendig" und „-uleta" erkennen. Der Brief musste schon eine ganze Weile hier hängen. Merkwürdig. Die restlichen Gesuche handelten von diversen Vermisstenfällen und auch einige Aufträge, die eher etwas für seinen unwillkommenen Hausgast gewesen wären, doch Steckbriefe gab es hier in der Gegend eher wenige. Die Soldaten kümmerten sich um Verbrecher. Oder etwas weiter nördlich, die Männer des Blutigen Barons. Man konnte sogar zur Garnison reiten, sein Anliegen vorbringen und der Kommandant sprach dann Recht und Ordnung. Es kamen kaum Fremde hierher. Das Dörfchen Weißgarten starb zunehmend aus, es waren einfach zu viele junge Männer gefallen und zu viele Frauen und Kinder verhungert oder an Seuchen gestorben. Nilfgaardische Soldaten kamen regelmäßig her und schüchterten die Leute ein. Ein jeder Bauer gab zähneknirschend mehr ab, als sich das Dorf leisten konnte. Vor allem jetzt, da der Herbst begann sein buntes Gesicht zu zeigen. Eduar spazierte in die Taverne und wurde jubelnd von einigen alten Saufkumpanen begrüßt. Sie spielten ein paar Runden Quint und man gab ihm einige Drinks aus. Sie fragten ihn, was mit seinem Arm passiert war und wo er sein Prachtweib gelassen hatte. Er antwortete nur zögerlich, der Wortfetzen „-uleta", den er gelesen hatte, erinnerte ihn an irgendetwas. Bei ihren Fahrten durchs Land kamen sie an vielen Anschlagtafeln vorbei, doch normalerweise las er die Nachrichten nie. Wozu auch. „Hey, Volkhardt?" rief er in den hinteren Bereich, wo ein älterer Mann sich gerade eine Pfeife anzündete. „Du kümmerst Dich doch um die Tafel draußen, oder?"
Der Ältere nickte.
„Der alte Steckbrief. Wer bezahlt denn so 'n Arsch voll Geld für ´nen Verbrecher? Dieser… irgendwas mit -uleta?"
Der Ältere schien zu überlegen. „Der Kaiser höchstselbst, wenn ich mich richtig erinnere. Trägt sogar sein Siegel, das Ding. Sucht irgendeinen Theo aus Guleta…oder Leon?", er kratzte sich nachdenklich am Kopf. „Riesiger Typ, Muskelbepackt wie´n Bär, wenn ich mich recht erinnere. Hexertypische Hackfresse, sei froh, dass man das Porträt nicht mehr erkennen kann." Der Alte schüttelte sich angewidert. „Grässliche Narbe am kahlen Schädel direkt vorne. So…F-artig." Er machte ein Zeichen auf seiner Stirn.

„Das ist ein V, Du Idiot", sagte die Wirtin und Eduar verschluckte sich heftig an seinem Bier. "Is doch egal. Potthässlich entstellte Visage…" Eduars Kumpel klopfte ihm kräftig auf den Rücken und Ed wischte seinen Mund am Ärmel ab. Dann grinste er in sein Bier. Deswegen wollte der Bastard nicht in die Garnison. Oh, Eduar würde so reich werden. Das Kopfgeld entsprach seinen Einkünften von ungefähr drei Jahren. Er wusste genau, was er tun musste. Scheiß auf die Wehfrau, scheiß auf sein fettes Hurenweib. Er wandte sich noch einmal an den Alten. „Hat Dein Sohn noch diese rote Stute?"

Es tat unglaublich gut, endlich mit Mireya allein zu sein. Letho sah sich unschlüssig in der Hütte um. Mireya musste unbedingt gewaschen werden, doch wie? Es gab lediglich eine kleine Waschschüssel, mit der würde er nicht weit kommen. Überall in ihren langen Haaren klebte Blut. Er wusste bereits, dass sie sich ausschließlich in der Grotte badete. Ob er es wagen könnte, sie zur Grotte zu tragen? Und dann ins warme, in Wunden scharf brennende Salzwasser tauchen… Keine gute Idee. Er hatte es nicht einmal gewagt, sie vom Tisch zu nehmen und ins Bett zu stecken. Stattdessen hatte er das Kissen unter ihren Kopf gelegt und sie behelfsmäßig mit seinem Umhang zugedeckt. Ihre Bettdecke stank fürchterlich nach dem Nichtsnutz. Er rieb sich mit der Hand über die Stirn. Nicht, dass er sich im Heilen von Menschen oder Bemuttern auskannte. Hexer brauchten selten Heiler. Sie hatten Tränke. „Ihr seht müde aus." Sofort nahm er seine Hand herunter und betrachtete Mireya. Ihre schwache Stimme klang kratzig.

„Du siehst halbtot aus." Er legte seine schwere Hand nun auf ihre Stirn und prüfte ihre Temperatur. Mireya griff danach und hielt ihn nun ihrerseits fest. „Ihr wart unglaublich. Ich kann euch gar nicht genug danken. Ihr habt mich gerettet." Einem merkwürdigen Impuls folgend, drückte sie ihre aufgesprungenen Lippen in einem hauchzarten Kuss gegen seine Handfläche. Dabei bemerkte sie das ganze Blut. Überall. Letho entzog ihr seine Hand. Er war verwirrt. Sie dankte ihm? Er hätte das Rudel viel früher bemerken sollen. Er hätte sie abschirmen und wegschaffen sollen. Wenn er schneller- „Das waren wirklich viele Wölfe." Sie hob den Kopf und sah an sich herunter. „Hat Eduar das gemacht? Mich… entkleidet?", fragte sie beschämt. Letho sah sie durchdringend an. So, jetzt würde sie ihn hassen. „Nein."

„Gut." Sie legte erleichtert ihren Kopf zurück aufs Kissen. Gut?! Es war ihr lieber von einem triebgesteuerten Mutanten ausgezogen zu werden als von ihrem eigenen Gatten? Letho blinzelte ein paar mal. Und räusperte sich dann. „Wir müssen Dich waschen." Mireya nickte schwach. „Ihr könntet mir in die Grotte helfen", schlug sie vor. Er schüttelte seinen kahlrasierten Kopf. „Nein, das würde die Wunden aufreißen und außerdem ist dieser beschissene Warg noch da draußen."

„Dann solltet Ihr ihn jagen. Ist das nicht das, was Hexer tun?"

„Ich bin schon lange kein Hexer mehr."

„Verzeiht, mir war nicht bewusst, dass man damit aufhören kann. Kommt mir vor, als würde ich sagen, ich bin schon lange keine Frau mehr." Sie lächelte müde. Er dachte kurz über ihre Worte nach.

„Sicher, unsere ursprüngliche Daseinsberechtigung liegt im Monster abschlachten. Aber es geht auch anders. In meiner Schule…" Er stockte. Wurden unter anderem Königsmörder ausgebildet, so einer wie ich, der Mitschuld daran ist, dass Du jetzt Abgaben an die Armee leisten musst. Nein, für dieses Gespräch hatte er jetzt keine Lust. „Ich weiß von einem Hexer, der geheiratet und Stiefkinder adoptiert hat. Nicht alle Gerüchte über meine Art stimmen." Sie sah ihn lange an.

„Ihr seid gar nicht so, wie mir Hexer beschrieben wurden. Gefühlskalt, egoistisch, fies… Unrein", hauchte sie schwach. Letho reichte ihr einen Becher Wasser, den sie dankbar annahm. Er wurde ihr eine verdammte Suppe kochen müssen. „Wie gesagt. Bin schon lange kein Hexer mehr." Was man so über Attentäter sagte, wollte er aus ihrem Mund lieber nicht hören. Er konnte nichts gegen seine Natur, seine Art, seine Ausbildung, die ihm wahrhaft eingeprügelt wurde, tun. Aber er wollte es wenigstens versucht haben. Ein bisschen, als würde er „Ritter-aus-Toussaint" spielen. Wobei, das nahm ihm niemand ab. Nicht mal er selbst. Feiner Herr… So würde ihn niemals jemand ansprechen. Da passte der Bettelmönch oder der Schwachsinnige schon besser zu seiner Erscheinung. Niemand sah in ihm einen Edelmütigen. Und doch, schien diese Schönheit hier sich in seiner Nähe wohl zu fühlen. Im Gegensatz zu der Nähe ihres Gatten. Gut, das war keine Glanzleistung. Letho hatte noch nie eine größere Missgeburt gesehen als diesen Eduar. Und das sollte für einen Attentäter/Hexer schon was heißen. „Dein Typ holt gerade Hilfe. Im Kaff hier." Mireya schnaubte. „Sicher tut er das. Wahrscheinlich liegt er bereits total dicht unterm Tisch." Sie richtete sich etwas mehr auf, was dazu führte, dass Lethos Umhang herunterrutschte. Letho bemühte sich, sie nicht allzu auffällig anzustarren. Diese Brüste raubten ihm den Atem. „Helft Ihr mir zu baden?" Er schluckte schwer, nickte und stand auf. Sie nickte zustimmend und er schob einen Arm unter ihren Rücken, einen unter ihre Beine. Seinen Umhang ließ er schön über sie drapiert und schon erhob er sich und lief vorsichtig Richtung Grotte. Mireya hatte aufgestöhnt, als er sie angehoben hatte, biss sich sonst aber tapfer auf die Lippen. Seine Mundwinkel hoben sich, als sie ihren Kopf an seinen Hals schmiegte.

In der Grotte angekommen entfachte er mit einem kurzem Fingerschnippen die Fackeln und blieb etwas unschlüssig stehen. Erst jetzt fiel ihm auf, dass er weder Wechselkleidung noch Handtücher noch Waschlappen oder Seife mitgenommen hatte. Außerdem fragte er sich, wie er es schaffen sollte, Mireya in die tiefe Wanne hineinzulassen. Er seufzte. Sie schrie kurz auf – ob aus Schmerz oder Überraschung, er wusste es nicht. Er war mit ihr auf seinen Armen, komplett bekleidet, wie er war inklusive des Umhangs einfach ins warme Wasser gesprungen. Sie klammerte sich an ihm fest, damit er seinerseits sich an dem Rand festhalten konnte, damit sie nicht untergingen. Die Wärme tat ihr gut, auch wenn besonders die tiefen, breiten Kratzer an ihrer Schulter höllisch brannten. Sie hoffte auf eine bakterientötende Wirkung des Salzwassers, denn auf Eduar konnte man sich kaum verlassen. Letho ließ ihre Beine los und begann so gut es ging Teile seines Harnischs abzulegen. In Ermangelung einer zweiten Hand, unterstützte sie das Lösen der Schnallen und Schließen. Bald war er obenrum unbekleidet und wusch sich so gut es ging das Blut der Wölfe ab. Seine Augen weiteten sich, als er sah, dass Mireya ihr rotnasses Brustband auf den Boden warf. Sie fummelte noch etwas tiefer herum und auch ihr Höschen folgte. Sie legte stöhnend den Kopf auf den Beckenrand und fuhr mit einer Hand immer wieder durch ihr langes Haar, bis es einigermaßen sauber war. Letho hatte sich zum Beckenrand gegenüber begeben und versuchte sich ebenfalls von Schmutz und schmutzstarrender Kleidung zu befreien. Seine Hosen ließ er vorsichtshalber an, sie würden auch so sauberer werden. Oder noch schmutziger, wenn er sie weiterhin so anstarrte. Die Tatsache, dass sie unter all dem trüben Wasser jetzt nackt war, ließ sein Blut aus dem Schädel weichen. Er hatte jetzt lange genug den Gentleman gespielt. Immer in der Hoffnung, dass sie ihn eines Tages in ihr Bett einladen würde. Denn in das Bett einer Frau eingeladen wurde er noch nie. Er hatte sich höchstens eingekauft, und auch das nicht all zu oft. Nach anderen Typen, Sperma, Parfum, Puder und Geschlechtskrankheiten stinkende Bordelle suchte er nur auf, wenn er schier durchdrehte vor Verlangen. Der unsägliche Fluch, den die Mutation über Hexer brachte in Form von nahezu unstillbarem Verlangen nach dem warmen Schoß einer Frau zwang ihn hin und wieder dazu. Aber das alles war kein Vergleich zu der üppigen Frau, die jetzt erneut wohlig seufzend ihren Kopf in den Nacken legte und dabei ihre Brüste fast aus dem Wasser auftauchen ließ. Er überlegte, wie unauffällig es war, wenn er sich hier und jetzt Erleichterung verschaffen würde, sah aber aufgrund ihrer treuen Augen, die sich auf sein Gesicht richteten, davon ab. „Ihr seht wirklich müde aus. Schlafen Hexer nicht?" „Nicht so viel wie Menschen. Wir meditieren, um unseren unruhigen Geist zu besänftigen." Ja, eine Meditation würde ihm jetzt auch nicht helfen. Eher eine Masturbation…