Fryhor lag auf einem Strohhalm kauend im Heu eines Dachbodens und ließ die letzten Tage Revue passieren. Er wusste nicht mehr genau, wie er es geschafft hatte den zentnerschweren Körper des Mutanten auf den Karren zu hieven. Er hatte kurz daran gedacht, die durch seinen festen Tritt betäubte Schnapsbrennerin einfach dort im Schlamm liegen zu lassen, wollte aber nicht den Groll des Kommandanten auf sich ziehen. Geschnappter Hexer hin oder her, wer dafür sorgte, dass der Kommandant nicht bekam, was er wollte, wurde bestraft.

Und Gwynleve liebte guten Schnaps. Das musste Fryhor der Schlampe lassen. Sie machte guten Fusel. Also hatte er auch sie auf den Karren gezerrt. Vielleicht half es ja, den Alten zu becircen.

Fryhor hatte die toten Gäule aus dem Zuggeschirr befreit und es mehr schlecht als recht den stolzen Kriegsrössern angelegt, die wieder zu ihren toten Herren zurückgekehrt waren.
Einige fehlten, sie waren sicherlich zurück zur Garnison geflohen. Fryhor hatte ärgerlich feststellen müssen, dass seine Männer scheinbar nicht einmal auf die Idee gekommen waren, nach den Reitern der herrenlosen Pferde zu sehen.

Er war auf den Wagen geklettert und hatte die Pferde angetrieben. Als die Wachen ihn erkannt hatten, waren sie sehr bleich geworden und hatten ihre vorsorglich gespannten Bogen gesenkt.

Der Kommandant war geweckt worden und die Männer hatten Fryhor bejubelt und beglückwünscht. Um dann entsetzt und sensationsgeil seinem Bericht des Gemetzels zu lauschen.

Fryhor selbst hatte danach die Ketten des Mutanten überwacht und geprüft, bevor er todmüde auf sein Feldbett gefallen war.

Am nächsten Morgen hatte der Kommandant ihn vorrübergehend von seinen Pflichten entbunden und etwas von wohlverdientem Urlaub gefaselt.

Als ob in Weißgarten irgendjemand Urlaub machen würde.

Natürlich hatte Gwynleve nur vermeiden wollen, dass der jüngere, ehrgeizigere Captain noch mehr bejubelt wurde.

Fryhor genoss keine Sekunde seiner aufgezwungenen Freizeit. Entspannung oder Ablenkung für seinen unruhigen Geist fand er erst recht nicht in diesem Kaff. Er fürchtete die Delegation des Kaisers zu verpassen und traute seinem alternden Kommandanten absolut zu, das Lob und das Kopfgeld für eine so wichtige Sache wie die Gefangennahme des meistgesuchten Verbrechers von Temerien für sich selbst einzuheimsen. Hinzu kam, dass die gewöhnlichen Soldaten in der Garnison noch größere Versager waren als ihr Anführer. Die Elite hatte der Hexer vernichtet. Fryhor erwartete jede Minute Meldung von einem Laufburschen darüber zu bekommen, dass der Mutant es geschafft hatte zu fliehen.

Der Captain würde die Delegation bitten, den Transport des Gefangenen begleiten zu dürfen. Immerhin war er bei dem Angriff dabei gewesen und hatte sein eigenes Leben riskiert. Bestimmt würde der Kaiser den Bericht eines Captains dem eines Kuriers vorziehen. Und Fryhor aufgrund seiner Tapferkeit sofort in die kaiserliche Leibwache aufnehmen.

So in Zukunftsträume versunken hörte er das Quietschen einer Tür, die geöffnet wurde. Er spuckte den Strohhalm aus, richtete sich auf und rief die zierliche Rothaarige, die er in der Taverne angegraben hatte, zu sich hoch. Er hatte den ganzen verdammten Tag damit verbracht, mit ihr zu flirten und ihr hin und wieder Münzen in ihre schmutzstarrende Schürze gesteckt. Als der alte Wirt – vermutlich ihr Vater - im Lagerraum verschwunden war, hatte Fryhor sich Emma… oder Melissa? … wie auch immer sie hieß auf den Schoß gezogen, ihren Hals mit federleichten Küsschen bedeckt und ihr das Versprechen abgerungen, ihn nach Feierabend in der verlassenen Scheune zu besuchen.
Oben im Heuboden angekommen, lächelte Emmamelissa ihn schüchtern an und knetete ihre Schürze nervös. Er trat auf sie zu und streichelte ihre rosige Wange. Es gefiel ihm, dass sie pünktlich nach Sonnenuntergang erschienen war, ganz so, wie sie es verabredet hatten.
„Du hast mir gefehlt", hauchte er ihr möglichst romantisch ins Ohr und drückte ihr seinen zartesten Kuss auf die vollen Lippen. Er blickte ihr tief in die Augen und zog sie in eine vorsichtige Umarmung. Sie schmiegte sich tatsächlich an ihn. Ein gerissenes Grinsen schlich sich auf seine Lippen.
Wie leicht es war, die dummen Bauerngänse in sein Bett zu locken. Ein bisschen Gesäusel hier, ein paar Schutzversprechen da und schon schmiegten sie sich freiwillig an seine ach so starke Kriegerbrust. Diese Gans hier mochte höchstens sechzehn Jahre alt sein. Sie sah erträglich aus und war dumm genug, sich von einem hochrangigen Soldaten der Besatzerarmee in eine alte, abseits gelegene Scheune locken zu lassen.
Er küsste sie erneut auf den Mund und wartete ab, ob sie seinen nun forscheren Kuss erwidern würde. Sie tat es und er griff in ihre im Nacken zusammengebundenen Haare und presste sie an sich. Sie stöhnte auf und erbebte spürbar. Sie schmolz in seinen Armen und fuhr mit ihren nervös zitternden Händen durch sein militärisch kurzes, blondes Haar.
Da er nicht im Dienst war, trug er nur leichte Kleidung und sie musste deutlich spüren können, wonach ihm der Sinn stand. Als er sie rückwärts schob, versuchte sie sich aus der fester werdenden Umarmung zu befreien. Er löste seine Lippen von ihrem Mund und sah sie sehr enttäuscht an.
„Aber… Ich brauche Dich jetzt", presste er hervor und umschlang sie erneut. Sie wand sich aus seiner Umarmung.
„Ihr seid so… stürmisch", sagte sie leise und richtete ihre Schürze. Ärger wallte in ihm auf.
„Spielst Du mit mir?", mimte er den zurückgewiesenen Verliebten. „Ich habe Dir den ganzen Tag meine volle Aufmerksamkeit gewidmet. Habe Dir sogar geholfen, die schweren Säcke zu schleppen. Vom zugesteckten Trinkgeld ganz zu schweigen... Denkst Du ein kleines Küsschen genügt mir? Ich brauche mehr von Dir! Viel mehr!"
Sie sah schuldbewusst zu Boden. Schließlich trat sie einen Schritt auf ihn zu. Er hob seine Arme und umschlang erneut ihre Taille. Er ließ sich auf die Knie sinken und vergrub sein Gesicht in ihrem Dekolleté. „Ich verzehre mich nach der Wärme einer Frau", murmelte er und knotete die Schnüre ihrer Schürze auf. Viel zu viele Bändel. Er zerrte an ihnen. Sie fasste nach seinen Händen und löste selbst die Schleife. Er zerrte ungeduldig an ihrem Kleid und zog das Mädchen mit sich zu Boden. Sie begann zu zittern und ihr Blick huschte zur Leiter. „Wir dürfen nicht... Mein Vater… Er kann sehr böse werden…".
Fryhor lächelte sie an und umfasste ihr Gesicht. Er küsste sie lange. „Mit Deinem Vater werde ich schon fertig", sagte er und schob seine Hose ein gutes Stück hinunter. Ihr Bick wanderte zu seinem Schritt und sie wurde feuerrot. „Bitte, ich bin…"
„Unberührt?", fragte er diabolisch grinsend. „Auch damit werde ich fertig." Er krallte seine Finger in ihre knochigen Hüften. Sie keuchte kurz auf und versuchte sich aus seinem eisernen Griff zu befreien. Er schob ihre Beine mit seinen Knien auseinander und genoss kurz die aufsteigende Panik in ihrem Blick.
„Bitte…nicht…", schaffte sie zu flüstern, bevor seine Hände zu ihrem Hals wanderten und er zudrückte. Sie versuchte zu schreien, schaffte es aber nur kläglich zu röcheln. Als er ihr Kleid hochschob, verstärkte sie ihre aussichtslosen Bemühungen. Er musste eine Hand zu Hilfe nehmen, um sich richtig positionieren zu können. Es fiel ihr immer schwerer zu atmen. Er konnte ihren dürren Hals mühelos mit einer Hand umschließen. Als er sein Ziel fand, verlor sie die Kontrolle über ihre Blase. Fryhor ließ angewidert ihren Hals los und schlug ihr mit der flachen Hand kräftig ins Gesicht. Ihr Kopf flog zur Seite und ihr dürrer Körper erschlaffte vollständig. Er packte sie an der Hüfte, drehte sie auf den Bauch und versenkte sich in ihrem Leib. Er begrüßte das wenige Blut, dass ihre bleichen Schenkel herunterlief. Doch bereits nach einigen Stößen ließ er von ihr ab. Es fühlte sich an, als besteige er eine Strohpuppe. Diese Weiber hier taugten alle nichts. Kein Fleisch auf den Rippen, kein Feuer in den seelenlosen Augen, keine Gegenwehr. Es langweilte ihn unglaublich, sie durchzuficken.
Der Jäger in ihm verachtete leichte Beute. Aber auch er war nur ein gelangweilter Mann in der Blüte seines Lebens. Und gezwungen hier zu versauern. Er hatte so dermaßen die Schnauze voll von diesem Kuhdorf, der Garnison, seinem Kommandanten, dem Krieg.
Er stürmte wütend aus der Scheune. Er hasste alles hier.

Als Fryhor eine Stunde später wieder auf seinem grauen Kriegsross saß und zurück zur Basis ritt, erspähte er im vorbei galoppieren den tollwütigen Rappen, der sich in sicherem Abstand zur Garnison am Flussbett grasend aufhielt.
Fryhor winkte innerlich ab. Früher oder später würden Wildhunde, Wölfe oder Banditen das verrückte Pferd in die Fänge bekommen.

Mireya säuberte den großen Glaskolben, der nach der schier endlosen Brennerei des Tages ordentlich verrußt war. Ihre Arme schmerzten bereits seit Stunden. Ihre Apparatur hatte man neben dem Lazarett aufgebaut- eher zusammengestümpert - und ließ sie dort kaum eine Minute in Ruhe. Der Platz behagte ihr ganz und gar nicht. Durch die faustgroßen Löcher in der Ruinenmauer zog es überall stark. Ihr Feuer wurde zu schnell heiß und sie kam deutlich langsamer voran als im geschützten Keller ihres Haues. Zu weit war der kontrollierende, schutzbietende Blick des Kommandanten entfernt. Die Soldaten wurden ihr gegenüber immer hemmungsloser und von ihrem Gatten brauchte sie sich nun wirklich keine Hilfe mehr zu erhoffen. Erst vor wenigen Tagen hatte man ihren Eimer mit kaltem Flusswasser über ihrem Kopf ausgekippt. Wohl in der Hoffnung, ihr nasses Kleid würde hauteng an ihr kleben bleiben. Allerdings hatte sie durch die deutlich gestiegene körperliche Arbeit bereits einiges an überflüssigem Gewicht verloren. Auch zu ihren geliebten, selbstgemachten, mit Honig gesüßten Kräuterbonbons hatte sie keinen Zugang mehr. Sie seufzte zum x-ten Mal an diesem lauen Abend und versuchte das Gejohle der Männer über die Beischlaflügen ihres Gatten auszublenden. Hin und wieder warf sie einen Blick auf den feuerroten Rücken des Hexers. Die pralle Sonne hatte die letzten Fitzelchen seiner heilen Haut versengt. Es war ihr unbegreiflich, wie er all die Folterungen überleben konnte. Wenn sie ihm nur irgendwie helfen könnte…
Mireya hatte am Morgen eine Weile heimlich zugesehen, als sie einen der Holzpfähle erneuert hatten. Fast die gesamte Besatzung der Garnison hatte dabei Wache gestanden. Sie hatte fast lachen müssen. So absurd. Als ob der Hexer in seinem geschwächten Zustand eine ernste Gefahr für die gut genährten Soldaten darstellte.
Wie gern würde sie einen Weg finden, ihn zu befreien. Aber ihr fiel beim besten Willen nichts ein.

Der Kommandant stand teilweise stundenlang am Fenster und starrte auf den angeketteten Hexer. Einmal hatte sie versucht, dem Gefangenen einen Becher Wasser zu bringen, doch ein kurzer Pfiff des Kommandanten hatte dafür gesorgt, dass sie sich nicht näher an den Gefangenen herangetraut hatte.
Wenn der Hexer mal ein paar Stunden bei Bewusstsein war, meditierte er. Das konnte sie an seiner ruhigen, tiefen Atmung erkennen. Seine Heilkräfte schienen sich währenddessen zu aktivieren, denn seine Wunden schlossen sich deutlich schneller, als wenn er einfach nur ohnmächtig war.

Mireya hörte dreckiges Gelächter und rollte heimlich mit den Augen. Eduar erzählte schon wieder seinen bereits stark betrunkenen Soldatenkameraden wie ihr tapferer Captain den Mutanten besiegt hatte. Dass Eduar die Heldentat auch nur aus Erzählungen kannte, spielte keine Rolle. Berichte ausschmücken konnte er gut.
Die nicht gerade kleine Rolle, die der wutschäumende Warg dabei gespielt hatte, indem er den Hexer unter sich begraben hatte, wurde von Mal zu Mal kleiner.
Jubelrufe erklangen vom Flussbett aus zu ihnen hoch bis zum Innenhof und Mireyas Anspannung wuchs.

Captain Fryhor kehrte zurück. Im Innenhof der Garnison angekommen, stolzierte er zunächst um seinen halb toten Gefangenen herum und verpasste ihm einen Tritt in die Magengrube. Letho sackte noch mehr zusammen und bespritzte den Captain mit etwas Galle.
Fryhor wischte seine Stiefelspitze am Hosenbein des Hexers ab und holte mit einem fiesen Grinsen erneut mit dem Fuß aus. Die Männer feuerten ihn an und Eduar prostete ihm johlend zu. Fryhors Blick fiel auf die schmutzstarrende Gestalt der Schnapsbrennerin.
Sie starrte ihn wütend und angeekelt an. Ihre Augen versprühten so viel Hass, dass Fryhor lächeln musste. So viel Feuer! So viel Gegenwehr! Gedankenverloren leckte er sich die Lippen.