Kühles Wasser benetzte seine ausgedorrten Lippen. Letho musste sich sehr beherrschen, nicht an dem rauen Tuch zu saugen, so durstig war er. Da der gröbste Dreck abgespült war, konnte er den unverkennbaren Duft der schönen Schnapsbrennerin erkennen, die sich über ihn gebeugt hatte und auf scheinbar magische Weise dafür sorgte, dass er sich besser fühlte. Endlich einmal ausgestreckt zu liegen, tat so unendlich gut, auch wenn sein verletzter Rücken, auf den man ihn gedreht hatte, protestierte. Er blinzelte ein paar Mal, um seine trübe Sicht zu klären und richtete seine Augen auf Mireya, die sich zuerst nach dem Wächter umsah und dann ihre verspannten Schultern kreisen ließ. Dank der Fackel neben dem Tisch, konnte er erkennen, wie erschöpft sie war. Dunkle Ringe unter ihren braunen Augen und ihre gebückte Haltung verrieten ihm, dass es auch für sie kein Zuckerschlecken war, in dieser verfluchten Garnison festzusitzen. Plötzlich sah sie ihn an und er hatte fast lächeln müssen ob ihres heftigen Erschreckens. Ihr Blick huschte erneut zu dem schlafenden Wächter und sie beugte sich wieder über Lethos Kopf, darauf bedacht, sein Gesicht vollständig zu verstecken.
„Was kann ich tun? Sagt mir, was ich tun soll?", fragte sie leise und er sah, dass sich ihre Augen mit Tränen füllten.
Letho schloss kurz die Augen und dachte nach. Er zog prüfend an den Ketten, die leise unter dem Tisch rasselten und musste feststellen, dass er im Falle einer Flucht den Tisch zerstören oder auf seinem Rücken mitnehmen können musste. Was aktuell absolut nicht möglich war. Er öffnete seinen Mund, um etwas zu sagen, aber er brachte nur ein kümmerliches Krächzen zustande. Er räusperte sich vorsichtig. Mireya füllte die Schüssel und schob ihren Unterarm unter seinen Kopf. Behutsam hielt sie ihm die Schüssel an die Lippen und musste lächeln, als er es schaffte, einige Schlucke zu trinken.
„Salbe", schaffte Letho zu sagen und Mireya sah sich nach der Heilsalbe des Arztes um. Sie entdeckte einen recht großen Tiegel und hielt sie dem Hexer vor die Augen.
„Beine."
Sie verstand sofort. Er wollte gehfähig werden. Sie hatte bereits gesehen, wie schnell die Salbe mithilfe seiner Meditation seine Wunden schloss. Allerdings war er damals weit besser genährt. Also schien Essen auch eine große Rolle zu spielen. Sie behielt sich das erstmal im Hinterkopf. Sie bestrich seine Fußrücken, die Sohlen und die verwundeten Knie mit einer großzügigen Schicht der Salbe und bedeckte seinen Unterkörper mit Leinentüchern, um ihre Behandlung zu verbergen. Letho hatte seine Augen geschlossen und sah schlafend aus. Aber seiner Atmung nach zu urteilen, war er bereits wieder in diese verstörend tiefe Meditation gesunken. Sie bückte sich unter den Tisch und bestrich so gut sie konnte die offenen Handgelenke des Hexers und steckte Stofffetzen zwischen das Metall der Fesseln und seine Haut. Zwar hatten sie ihn fest angekettet, aber lange nicht so fest, wie an die Pfähle. Man wurde unvorsichtig aufgrund seines schwachen Zustands.
Während sie so dastand, halb unter den Tisch gebeugt, spürte sie plötzlich einen Arm um ihre Taille und einen harten Körper, der sich von hinten an sie presste. Fast hätte sie sich den Kopf gestoßen, als sie erschrocken hochfuhr. Ein fester Ruck nach hinten und sie wurde halb aufrecht an den Wächter gepresst.
„Ich kann Dir einfach nicht mehr widerstehen", sagte er, während er versuchte, gleichzeitig ihre abwehrenden Hände einzufangen und sie an allen erreichbaren Stellen zu berühren. Als er es schaffte, ihre Brust zu kneten, nutze sie die Ablenkung, um den Tiegel mit der Salbe unter einem Stapel frischer Tücher und Handtücher zu verstecken. Er rieb seinen Ständer an ihrem Hintern und drückte ein Knie zwischen ihre Beine. Nur mit Mühe schaffte sie es, sich ein wenig aus seinem Griff zu winden. „Solltet Ihr nicht schlafen", sie versuchte sich an seinen Namen zu erinnern, „Albrecht?"
„Mhm, wie Du meinen Namen sagst… sehr verführerisch. Weißt Du, ich müsste auch dringend gewaschen werden. Ich fühl mich so… schmutzig." Mireya unterdrückte den aufsteigenden Würgereiz.
„Ich bin noch lange nicht fertig hier, der Kommandant…"
„Schläft tief und fest in seinem Turm", unterbrach er sie und schaffte es, seine freie Hand in ihren Ausschnitt zu schieben. Nachdem er es geschafft hatte, ihre Brust zu entblößen, drückte er ihren Oberkörper auf den Bauch des Hexers.
„Er soll schließlich auch etwas davon haben", verkündete er und trat mit einem festen Tritt ihre Füße auseinander.
Mireya spürte Panik in sich aufsteigen. Der Soldat hatte es geschafft ihre beiden Handgelenke mit einer Hand zu fixieren und schob seine freie Hand in ihre Unterwäsche. Mireya wehrte sich nun mit aller Kraft, doch der stärkere Mann wusste genau, was er tat und schien Übung darin zu haben, eine ausgewachsene Frau mit nur einer Hand außer Gefecht zu setzen.
„So ist gut, wehr´ Dich ruhig", hörte sie Albrechts knurrende Stimme und ihr Blick wandte sich hilfesuchend im Zelt umher. Sie wagte nicht zu schreien. Die Gefahr, dass seine Kumpel es ihm gleichtaten, war zu groß. Sie versuchte verzweifelt ihre Hände aus seinem Griff zu befreien und trat immer wieder nach hinten aus, schlug ihren Kopf nach hinten in der Hoffnung seine Nase zu treffen, doch sie hatte kein Glück. Mireya entfuhr ein entsetztes Schluchzen, als sie Albrechts Finger in sich spürte.
„Mhm… So warm."
Beschämt musste sie beobachten, wie er seine Finger grob über den Mund des Hexers rieb.
„Ich wette, der würde Dich auch gerne vernaschen."
Mit diesen Worten presste er sie noch fester gegen den Tisch und öffnete seine Hose. Während er sich in Position brachte, presste er seine Nase in Mireyas Haar und zog tief ihren Duft ein. Mireya konnte ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Sie tropften auf Lethos Bauch.
„Ich werde das hier genießen. Du reizt mich die ganze Zeit schon, wie Du mit Deinen unanständig großen Titten hier herumwackelst."
Im Augenwinkel sah Mireya eine unnatürlich schnelle Bewegung und hörte einen dumpfen Knall. Albrecht plumpste wie ein nasser Sack zu Boden und blieb bewusstlos liegen. Mireya schob verwirrt ihr Haar aus dem Gesicht und sah, dass der Hexer aufgewacht und die Handtücher, die sein linkes Bein bedeckt hatten, hinuntergerutscht waren. An Albrechts Schläfe bildete sich schnell eine Beule und sie erkannte, dass der Hexer dem Soldaten das Knie gegen die Schläfe gerammt hatte.
„Musste die richtige Position abwarten", sagte er und klang fast entschuldigend. Mireya wischte ihr tränenüberströmtes Gesicht ab und richtete ihr Kleid.
„Such die Schlüssel, schnell", befahl Letho und Mireya starrte kurz auf den entblößten Unterleib des nicht mehr ganz so harten Wächters, bevor sie seine Taschen durchsuchte. Sie schloss die Handschellen auf und sah zu, wie der Hexer sich aufsetzte. Er bewegte seine Arme, Schultern und wandet den Kopf hin und her. Das Lockern der Muskeln schien ihm gut zu tun. Die Kraft schien in ihn zurück gekehrt zu sein, die Peitschenwunden auf seinem Rücken bis auf wenige hellrote Linien fast verheilt. Letho stellte vorsichtig seine Füße auf den Boden und testete die Belastbarkeit seiner Fußsohlen. Es schmerzte ihn offensichtlich zu stehen, aber er schwankte nur wenig. Er kümmerte sich nicht um die Handtücher, die an ihm herunterrutschten und kniete sich neben Albrecht auf den Boden. Er legte seine riesigen Hände um dessen Hals und drückte beide Daumen mit einem kurzen Ruck tief in den Kehlkopf des Bewusstlosen. Mireya musste sich abwenden, das knirschende Geräusch und der Anblick des eingedrückten Halses ließ ihre Galle in den Hals steigen. Sie schlug die Hand vor den Mund, mehr Tränen strömten aus ihren verquollenen Augen. Das Adrenalin, was Dank des Angriffs durch ihre Adern strömte, Albrechts geöffnete Hose, der in seinem Todeskampf nun alles unter sich ließ, sein entstellter Hals, die Erinnerung an seine Finger, das alles wurde auf einmal zu viel für sie. Sie schaffte es noch die Waschschüssel zu erreichen und erbrach sich heftig in das saubere Wasser.
Letho richtete sich umständlich auf und setzte sich auf einen Hocker, trug mehr Salbe auf seine Knie auf und wartete, bis Mireya sich beruhigt hatte. Sie hatte sich vom ihm weggedreht, suchte ein einigermaßen sauberes Tuch und wischte über ihr Gesicht. Dann streckte sie den Rücken durch, atmete eine Male tief ein und aus und drehte sich gefasster zurück zu dem Hexer um. Sie betrachtet kurz das Chaos aus Tüchern auf dem Boden und versuchte Albrechts nun leblosen Körper auszublenden.
„Was jetzt?", fragte sie mit krächzender Stimme.
Letho blickte auf und sah ihr direkt in die verweinten Augen.
„Schließ die Tür."
Mireya drehte sich mechanisch um und gibt zum Eingang. Während sie das Tuch herunterließ, spähte sie kurz in den einsehbaren Hof. Alles dunkel, niemand schien etwas bemerkt zu haben.
Als sie sich umdrehte, stand Letho an einem der großen Salzlakefässer, die die Vorräte für Verletzte beinhalteten und versuchte so schnell wie möglich so viel Pökelfleisch wie möglich auf einmal zu essen. Mireya Blick wanderte an seinen breiten Schultern herunter, die wenigen offenen Wunden, die die Peitsche in seine Haut gegraben hatte, schlossen sich sichtbar mit jedem Bissen. Als sie einer besonders langen hellroten Linie, die sich bin zur Mitte seines breiten Oberschenkels zog, folgte, drehte er sich um und ihr Blick schnellte hoch in seine Katzenaugen. Er reichte ihr einige Stücke Fleisch.
„Wickel das ein und versteck es."
Sie führte seine Anweisung aus und beobachtete aus dem Augenwinkel, wie er Albrechts Leiche unter dessen Achseln packte und ihn umständlich in das Fass stopfte. Das übertretende Wasser spülte die nassen Fußspuren und Spuren dessen, was Albrecht auf dieser Welt hinterlassen hatte, weg und Mireya sammelte die Handtücher in einem großen Haufen zusammen. Letho zog noch einen Sack Salz über das Fass, in der Hoffnung, dass man es nicht allzu schnell öffnen würde. Sie ahnte, was der Hexer vorhatte. Er legte sich, immer noch Fleisch kauend wieder auf den Tisch und nickte ihr ermutigend zu.
„Kette mich wieder an. Aber nicht zu fest."
Sie unterdrückte die erneut aufsteigende Übelkeit, als sie sich in gleicher Position wie vorher unter den Tisch bückte. Sie sah, dass Letho seine Handgelenke erneut dick mit der Heilsalbe eingerieben hatte und schloss die Schellen fest genug, dass es nicht sofort auffiel, aber so locker, dass er seine Finger bewegen konnte. Mireya benutzte einige der nicht völlig verschmutzen Tücher, um wieder den Unterkörper des Hexers abzudecken und bemühte sich dabei, die dick hervortretenden Venen, die sich an seinem Unterbauch entlang bis weit über seine Oberschenkel schlängelten, nicht zu genau zu betrachten. Ihr Blick blieb kurz an dem Nest aus schwarzen Kraushaaren hängen, die sein beeindruckendes Geschlecht umgaben. Nicht auszudenken, was er mit einem Prügel, wie diesem anrichten könnte, wenn er wollte. Gegen einen Angriff von ihm, könnte sie rein gar nichts ausrichten. Sie schüttelte ihren Kopf. Er hatte mehr als genug Gelegenheiten, sich ihr auf diese Art zu nähern. Und hatte nichts dergleichen getan. Nicht einmal, als sie nackt in seinem Armem badete. Fast hätte sie aufgelacht. Sie hatten einander öfter nackt gesehen und sich gegenseitig gewaschen, als sie und ihr Eduar. Lethos Zungenschnalzen ließ sie zusammenzucken.
„Verzeiht. Ich bin wirklich müde", erklärte sie. Sie fuhr mit einer Hand über ihre Augen.
„Schlaf ruhig. Ich muss sowieso meditieren."
„Seid Ihr sicher, dass ihr nicht doch lieber jetzt gleich fliehen wollt?"
Letho dachte kurz nach. „Ich würde nicht weit kommen. Es gibt hier nichts in der Nähe, keinen Unterschlupf. Nackt, ohne Waffen aber die Männer des Kaisers im Nacken. Keine Chance. Morgen bin ich stärker." Sein Blick verfinsterte sich.
„Keine Sorge, sie werden dafür büßen. Alle." Mireya erschauderte. Sie nickte, beugte sich zu ihm hinunter und drückte einen schnellen Kuss auf seine Wange. „Danke, dass Ihr ihn … Ihr euch um ihn gekümmert habt." Er nickte, schloss seine Augen und Mireya verließ das Lazarettzelt.
