Diese Geschichte wurde ursprünglich in englischer Sprache veröffentlicht und nach Rücksprache mit der Autorin von mir übersetzt, um sie einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Obwohl ich nur als Übersetzerin fungiere, sind Reviews natürlich trotzdem mehr als willkommen. Alexandra, die Autorin, schreibt unter dem Namen madame. alexandra und ist hauptsächlich hier auf fanfiction. net unterwegs.
Autorin: madame. alexandra
Originaltitel: Locker Room Talk
Locker-Room-Talk
Am Ende einer ziemlich informellen und langwierigen, routinemäßigen Besprechung des Oberkommandos nahm General Rieekan Prinzessin Leia beiseite, während die anderen Führungspersonen ihre Sachen zusammensuchten und hinausgingen. Er schien einen Moment zu warten, bevor er etwas sagte, als ob er erwartete, dass die verbleibenden zwei Generäle ebenfalls den Raum verließen. Als sie das nicht taten, zuckte er mit den Schultern und drückte Leia ein Datapad in die Hand.
„Ich habe mich gefragt, ob Sie Captain Solo persönlich seine Befehle erteilen könnten", bat er sie unbeteiligt.
Leia runzelte die Stirn.
„Seine Befehle?", fragte sie. „Er ist ein Vertragspartner", erinnerte sie ihn. „Befehle gelten für ihn nicht."
„Nun ja, nein", stimmte Rieekan zu, „aber uns gehen die Vorräte gefährlich zur Neige und wir können es uns wirklich nicht leisten, dass er ein Auftragsangebot ablehnt – und wir können es uns nicht leisten, seine Bezahlung zu erhöhen", fügte er widerwillig hinzu – er wusste, dass die Hetzjagd der Hutten auf Solo vor kurzem begonnen hatte und der Schmuggler nervös wurde, weil er nicht wusste, wie er seine Schulden zurückzahlen sollte. Trotzdem – sie brauchten ihn.
Stumm hielt Leia das Datapad fest, ihre Augen waren erwartungsvoll auf den General gerichtet. Sie weigerte sich, ihm diese Bitte einfach zu machen und sagte kein Wort. Rieekan räusperte sich.
„Es ist kein Befehl", erklärte er, „aber wenn es von Ihnen kommt, wird er es wahrscheinlich tun und weniger dazu neigen, herumzuschreien und sich darüber zu beschweren."
Zynisch hob Leia die Brauen.
„Han schreit mich die ganze Zeit an", bemerkte sie spitz, „und beschwert sich mehr über mich als über alles andere."
„Ja", sagte Rieekan hastig und widerstand dem Drang, die Augen zu verdrehen, „aber er wird herumschreien und sich beschweren und dann wird er es tun – wenn ich damit zu ihm gehe, wird er feilschen wollen."
Sie runzelte die Stirn und warf einen Blick auf das Dokument, das auf dem Datapad geöffnet war – eine beträchtliche Warenliste von zwei verschiedenen Hafenstopps, aber Dinge, die sie dringend brauchten: frische Nahrung, mehr Thermokleidung – und Medikamente, sie brauchten so dringend Medikamente. Sie seufzte und schüttelte den Kopf, als sie aufblickte.
„Ich weiß nicht, was Sie denken, welche Art von Macht ich über Han Solo habe", murmelte sie und verengte die Augen. Dann neigte sie den Kopf. „Ich werde es zu ihm bringen", stimmte sie zu.
Rieekan grinste ein wenig.
„Prinzessin, ich denke, Sie wissen sehr genau, welche Art von Macht Sie über Han Solo haben", bemerkte er und warf ihr einen demonstrativen Blick zu – Leia war eine Menge Dinge: zurückhaltend, vorsichtig, höflich, sogar konservativ – aber naiv war sie nie gewesen; Han Solo wollte sie und er würde wahrscheinlich alles tun, um sie zu bekommen.
Mit reserviertem Gesichtsausdruck streckte sie leicht die Nase in die Höhe.
„Nun", erwiderte sie kurz angebunden. „Machen Sie sich keine Hoffnungen, dass ich auch bereit dazu bin, diese Macht einzusetzen", riet sie ihm.
Rieekan zuckte die Achseln, während sein Grinsen ein wenig breiter wurde, und wandte sich wieder seinen Unterlagen zu. Er erwiderte ihr höfliches Nicken, als sie ihn in der Kommandozentrale zurückließ.
Sie klemmte sich das Datapad unter den Arm, als sie sich auf den Weg den Flur hinunter machte, um Han aufzusuchen. Die ins Eis gehauenen Wände der Basis strahlten frostige Temperaturen aus, aber sie hatte sich schon vor langem an die Kälte gewöhnt und zitterte angesichts dieser furchtbaren Temperaturen nicht mehr. Ihr war kalt, aber es war nicht länger eine Unannehmlichkeit: Es war ein unglückseliger Zustand, an den sie sich gewöhnt hatte.
Hoth war schrecklich, aber es könnte schlimmer sein.
Ihre Suche nach Han wurde von wachsamen Gedanken, was Rieekans Wahrnehmung ihrer Beziehung zueinander anging, begleitet. Sie konnte nicht leugnen, dass der Austausch zwischen ihnen in letzter Zeit wärmer gewesen war – ironisch, wenn man die Atmosphäre des Planeten betrachtete – aber so warm war ihr Umgang auch wieder nicht. Sie waren nicht Han-Solo-tritt-der-Rebellion-bei warm. Sie waren nicht Han-Solo-riskiert-seinen-Hals-für-das-Versprechen-eines-Abenteuers-zwischen-den-Laken warm. Er war ihr Freund und – naja, das war alles, und wenn Rieekan und andere Mitglieder des Kommandos auf falsche Gedanken kamen, dann war das ganz sicher auch bei den Truppen der Fall und sie konnte nicht zulassen, dass solche Einfälle sich durchsetzten, weil es nur Zwietracht säen und Vorwürfe der Bevorzugung hervorrufen würde –
Leia schloss kurz die Augen und seufzte, als sie in der Nähe des Falken stehenblieb – seine Systeme waren alle heruntergefahren und die Rampe hochgezogen – da es mitten am Tag war, deutete das darauf hin, dass weder Han noch Chewie um ihren geliebten, fliegenden Schrottplatz herumlungerten, also hielt sie stirnrunzelnd inne.
„Prinzessin?"
Sie drehte sich bei dem höflichen Rufen um und fand Wes Jansen, wie er sich räusperte.
„Suchen Sie nach Han?", fragte er.
Sie glaubte, etwas aufreizend Selbstgefälliges in seinen Augen zu erkennen, aber sie konnte es nicht beweisen, also nickte sie einfach wortlos.
„Also, ähm, er war mit Commander Traegar draußen und hat bei einer Übung geholfen – "
„Han?", unterbrach Leia.
Jansen nickte.
„Sicher, ja, er hatte die Idee, dass die neuen Rekruten, die jungen, die Wampas für Zielübungen benutzen könnten, um ihre Fähigkeiten zu verbessern und sie uns vom Leib zu halten", teilte Jansen ihr mit. Er fing an zu grinsen. „Und er hat ein Händchen dafür, Talent aus ihnen herauszukitzeln – wissen Sie, beleidigend, aber nicht so, dass er ihnen ihr Selbstwertgefühl nimmt", schnaubte Jansen, „er würde ihre Mutter beleidigen, aber nicht ihre Männlichkeit."
Leia starrte ihn immer noch ein wenig ungläubig an – Han, Krimineller, Schmuggler, selbstsüchtiger Vertragspartner, bildete freiwillig Truppen aus? Beteiligte sich an militärischen Übungen?
„Wie auch immer", sagte Jansen, „er ist unten in der Umkleidekabine."
Leia blinzelte.
„Han Solo?", fragte sie.
Jansen warf ihr einen seltsamen Blick zu und nickte.
„Er macht das die ganze Zeit", bemerkte er, als ob sie das wissen sollte. Er zuckte die Achseln. „Ein guter Kommandant", fügte er vorlaut hinzu. „Gut, dass die Akademie ihn rausgeworfen hat; was, wenn er auf deren Seite wäre?"
Jansen hob die Hand, um sich nachdenklich über den Kiefer zu reiben, winkte Leia abwesend zu, wandte sich um, um zurück zu seinem Schiff zu gehen und ließ Leia etwas verblüfft stehen – Han trainierte Truppen? Han tat das die ganze Zeit? Wie konnte das an ihr vorbeigegangen sein – Han fand ständig Dinge, mit denen er bei ihr angeben konnte, um sich selbst aufzubauschen und er hatte nicht daran gedacht, etwas so Beeindruckendes wie ‚Ich verbringe meine Freizeit damit, deine Streitkräfte zu verstärken, obwohl ich das nicht muss' fallenzulassen?
Sie presste nachdenklich die Lippen zusammen und machte nach einem Moment auf dem Absatz kehrt, um eine Treppe zu finden, die in die Tiefen des Hoth-Geländes hinabführte – wo sich die Umkleideräume befanden, die in Wirklichkeit nicht mehr waren als etwas bessere Gefrierschränke mit einigen Kisten Flugausrüstung darin. Sie war nur einmal unten gewesen, und zwar mit einer Pilotin, die sie ernsthaft davon zu überzeugen versuchte, einen Befehl zu erteilen, der es Frauen erlaubte, ihre Ausrüstung in ihren eigenen Räumen aufzubewahren.
Mit einem Blick auf den Zustand des Umkleideraums hatte Leia schnell zugestimmt. Sogar jetzt, trotz der Kälte und der Tatsache, dass die eisige Luft normalerweise jeden Geruchssinn zugunsten einer laufenden Nase und tauben Sinnen neutralisierte, roch der Flur, der zu dem Raum führte, eindeutig nach Männern.
Sie näherte sich der Tür, hielt inne und beschloss, am besten zu rufen und ihre Anwesenheit für den Fall anzukündigen, dass jemand – unpässlich war. Ihre Pause wurde jedoch verlängert, als sie Stimmen hörte – die eines unbekannten Piloten und dann – Hans Stimme.
„ – wünschte, es gäbe öfter Feste – es ist schön, sie alle mal so herausgeputzt zu sehen", sagte die unbekannte Stimme.
„Welchen Sinn hätte das?", bemerkte eine andere. „Es gibt nicht genug Frauen hier – ich wette, du hast bemerkt, dass sie ohnehin alle ein Auge auf ihn hier geworfen haben."
Han lachte.
„Ja, sie haben die Geschichten über Corellianer gehört", meinte er gedehnt.
„Welche Geschichten?"
„Dass wir die ganze Nacht durchhalten."
„Schwachsinn!"
„Sie sind trotzdem schön anzusehen", meldete sich die erste Stimme wieder zu Wort. „Wer hätte gedacht, dass einige dieser Vögelchen eine Figur unter der Fliegerjacke verstecken!"
Leia presste leicht die Lippen zusammen – sie mussten über den freien Tag sprechen, den das Oberkommando letzte Woche genehmigt hatte, als die Pflichten ausgesetzt worden waren und alle Rekruten die Erlaubnis erhalten hatten, etwas anderes als die Uniform zu tragen.
„Wie viele dieser Figuren hast du schon gesehen, Solo?"
„Ich habe aufgehört zu zählen", erwiderte Han und Leia errötete – Verlegenheit, Eifersucht, sie war sich nicht sicher, was es war, aber seine gefühllose Antwort störte sie – andererseits sollte sie nicht belauschen, was in einer Umkleidekabine gesprochen wurde; sie war davon überzeugt, dass es entsetzlich, extrem übertrieben und nicht für bare Münze zu nehmen war.
„Habt ihr mal einen Blick auf die Prinzessin geworfen?", fragte eine Stimme, begleitet von einem leisen Pfiff. Leia versteifte sich und neigte den Kopf – sie hatte an diesem Ereignis teilgenommen, nicht in der Uniform, sondern in einem Kleid – nur einmal hatte sie tatsächlich etwas mit ihrem Erscheinungsbild angestellt und doch hatte sie geglaubt, dass es relativ unbemerkt geblieben war, abgesehen von Lukes niedlicher Bewunderung und Hans ärgerlichen und zunehmend sexuellen Bemerkungen darüber.
„Oh ja", bemerkte der andere Kerl. „Verdammt, sie verbringt einen Haufen Zeit damit, die Welt davon zu überzeugen, dass sie keine Frau ist und dann", er schnipste mit den Fingern, „erkennst du warum, wenn du siehst, dass sie in Frauenkleidern so aussieht."
Die Stimmen nahmen einen anzüglichen Tonfall an.
„Ja, sie muss das alles versteckt halten, sonst wäre sie eine höllische Ablenkung!"
Leia schluckte unbehaglich. Sie nahm an, dass es irgendwie normal für Männer war, über Frauen zu sprechen – vor allem, wenn so wenige Frauen sich in der Basis befanden; sie nahm in der Tat an, dass sie über jede beliebige Frau so reden würden, egal, wie sie aussah, und obwohl Leia nicht eitel war, war sie auch nicht dumm und sich zumindest am Rande bewusst, dass sie attraktiv war – also schockierte sie das Geplänkel nicht unbedingt. Sie fühlte sich nur – entblößt und leicht angegriffen, so wie sich wahrscheinlich jede Frau fühlen würde, die so etwas offenkundig –
„Sie hat genug Haare, um daran zu ziehen, wenn ihr versteht, was ich meine. Da kannst du deine Finger wirklich drin vergraben."
Eine Lachsalve und dann ein Räuspern, das Peitschen eines Handtuchs.
„Was ich dafür geben würde, diese Frau nackt zu sehen."
„Als ob sie an dir interessiert wäre, Vokk – sie braucht einen echten Mann, um das ganze Eis zum Schmelzen zu bringen."
„Ich wette, sie ist ein richtiger Kracher, wenn du sie erst mal so weit hast – hey, hat's dir die Sprache verschlagen, Solo?"
Leia umklammerte das Datapad an ihrer Seite und hörte zu – Han hatte kein Wort gesagt, seit das Gespräch sich um sie drehte und ihr Magen drehte sich vor Angst um, unsicher, ob sie die Art von Dingen hören wollte, die Han über sie äußerte, wenn er mit anderen Männern alleine war. Wenn es an die Dinge herankam, die er ihr tatsächlich ins Gesicht sagte –
„Ja, was hältst du von ihr: Ist sie dein Typ?"
„Ich denke, ihr solltet besser eure Zunge hüten", bemerkte Han, als er schließlich sprach.
Er klang, als würde er scherzen, allerdings hatte seine Stimme einen harten, warnenden Ton angenommen – Leia erkannte ihn sofort, sie hatte ihn schon mehrfach gehört. Die zwei Männer, mit denen er zusammen war, schienen ihn jedoch überhaupt nicht wahrzunehmen.
„Hey, dieser Leutnant, Ravi, er hat gesagt, dass er mit ihr geschlafen hat – "
Leias Kinnlade fiel herunter – sie kannte Ravi Moxette kaum und er hatte die Nerven, seinen Kameraden zu erzählen, sie wäre mit ihm ins Bett gegangen?
„ – hat gesagt, es wäre sinnlos, ihr die süße, kleine Jungfrauen-Nummer abzukaufen, weil sie wahrscheinlich die gesamte Basis schon einmal durch hat – gut für die Moral – "
„Bist du jemals in den Genuss gekommen, Solo?"
„Verdammt, sie ist wahrscheinlich Teil seiner Bezahlung – besorg ein paar Vorräte und du bekommst ein Stelldichein mit der letzten Prinzessin von Alderaan – "
Nummer?, dachte Leia. Nummer?!
Lachen, respektloses, männliches Lachen – Scherze, Neckereien, einige weitere wirklich vulgäre Bemerkungen, die fast an lächerlich grenzten, und dann plötzlich ein lauter, erstickter Fluch und ein knallendes Geräusch, gefolgt von dem Klang von Kisten, die über den eisigen Boden rutschten.
„Ich sagte, hütet eure Zunge."
Hans Stimme war kalt, wütend und enthielt keine Spur von Belustigung mehr.
„Au!", jaulte einer der Rekruten. „Sachte, sachte!"
Das Handgemenge hielt an.
„Man, ich habe das nicht gesagt, Ravi war's!"
„Denkst du, Leia wäre dumm genug, mit einem Kerl zu schlafen, der damit prahlt wie ein Dreizehnjähriger mit seiner ersten Nutte?", fuhr Han ihn an.
Es gab einen dumpfen Schlag, als ob Han jemanden geschubst oder fallengelassen hatte. Han hatte die Angewohnheit, Leute am Hals gegen die Wand zu drücken, wenn er wütend war – während ihr das Herz bis zum Hals schlug, stellte Leia sich vor, wie er das gerade tat, stellte sich den Ausdruck auf seinem Gesicht vor – war er wütend, weil er dachte, dass jemand anderes bekommen hatte, was er wollte?
„Sie führt diesen gesamten Laden hier an", warnte Han grob. „Sprich nicht so über sie."
„Verdammt, Solo, lass ihn aufstehen", jammerte einer der Rekruten. „Es ist nur in einer Umkleidekabine geäußerter Quatsch."
„Ich will es nicht hören", erwiderte Han gefährlich. „Zeigt ein bisschen gottverdammten Respekt."
Das Handgemenge nahm zu, gemurmeltes Fluchen erklang – das Geräusch von jemandem, der auf etwas eintrat und ein paar Schläge.
„Ich habe dich nie für zimperlich gehalten", scherzte einer von ihnen.
„Ich schätzte, du hast den Nagel auf den Kopf getroffen, Koran, er vögelt sie wahrscheinlich – "
Ein lautes, peitschendes Geräusch, ein irgendwie mädchenhafter Schrei und Leia blieb kaum ein Moment zum Nachdenken oder um sich zu fassen, bevor die zwei Rekruten – Piloten, Schützen, sie wusste es nicht – aus dem Raum stürmten und geradewegs in sie hineinrannten. Es gab keine Möglichkeit, dass sie sie nicht bemerkten, mit einem Datapad unter dem Arm, mit militärischen Zöpfen und in militärischer Ausrüstung, ihre Kleidung hochgeschlossen, zurückhaltend – genau die Anführerin, die sie noch vor wenigen Augenblicken mit ihrer Prahlerei zu einem Objekt herabgestuft hatten.
Sie standen ihr von Angesicht zu Angesicht gegenüber und es war ihr hoch anzurechnen, dass sie nicht zusammenzuckte und ihren Blick noch nicht einmal für eine Sekunde von ihnen abwandte. Sie sah zu, wie sich ihre Augen weiteten, wie ihre Gesichter und Hälse rot wurden, wie ihre Kiefer sich entweder öffneten oder verspannten und sie lehnte sich gegen die Wand aus Eis, ihr Gesichtsausdruck so kalt wie der Planet selbst.
„Eure Ho-ho-ho-heit", stammelte einer von ihnen mit einem niedergeschlagenen, kleinen Quietschen.
„Prinzessin", ein ungläubiger Tonfall voller Furcht kam von dem anderen, während die demütigende Röte verblasste und sich ein Ausdruck des Schreckens auf ihren Gesichtern festsetzte.
Sie sagte nichts, als sie sie anschaute, und sie konnte vom Ausdruck auf ihren Gesichtern ablesen, dass es nicht nötig sein würde, das ihren Staffeln zu melden, dass es nicht notwendig war, Verwarnungen auszusprechen oder Strafen zu verhängen. Die Erfahrung, von ihr in Grund und Boden gestarrt zu werden, reichte wahrscheinlich aus, um sie für das nächste Jahrhundert einzuschüchtern.
Sie ruckte nur leicht mit dem Kinn und entließ sie, aber sie sprach, bevor sie vollständig außer Hörweite waren und bot ihnen einen klugen Rat an, weise Worte, die ihr Vater einst zu ihr gesagt hatte:
„Wenn ihr sprecht, wählt eure Worte immer so, als ob euch die gesamte Galaxie hören könnte."
Von beiden Seiten erhielt sie ein panisches und hektisches Nicken, gefolgt von dem Geräusch von Schritten, als sie davonhasteten, und sie war sich nicht sicher, ob Han ihre Stimme im Flur gehört hatte oder ob er ohnehin gerade auf dem Weg nach draußen war, aber er erschien eine Sekunde nachdem sie sich aus dem Staub gemacht hatten – in zerknitterter Kleidung, sein Pistolenhalfter über die Schulter geworfen anstatt um die Hüfte geschlungen, und mit Eis in den Haaren. Er sah sie dort stehen und für einen Augenblick flackerten seine Augen: Überraschung vielleicht, Wachsamkeit, und dann eine grimmige Form von Akzeptanz.
Er reichte nach oben, zog sein Halfter von der Schulter und fuhr mit den Händen darüber.
„Wie lange stehst du schon hier draußen?", fragte er geradeheraus.
Sie schaute zu, wie er das Halfter um seine Hüfte schlang und dort befestigte. Sein Blaster fehlte, zweifellos befand er sich gesichert auf dem Falken. Für einen Moment abgelenkt, folgte sie der Bewegung seiner Hände mit den Augen, als er es zurechtrückte, dann blickte sie auf zu seinem Gesicht und ihre Augen wanderten über seinen Kiefer.
„Seit du gesagt hast, dass Corellianer die ganze Nacht durchhalten", schätzte sie.
Er sah rechtzeitig zu ihr auf, um zu bemerken, wie sie die Augenbraue hochzog. Kurz lachte er auf, klang aber nicht wirklich amüsiert.
„Also hast du das alles gehört", stellte er fest.
Er strich sein Hemd glatt und blickte sie an, suchte in ihrem Gesichtsausdruck nach einem Anzeichen von Beunruhigung. Unverbindlich hob sie eine Schulter.
„Sehr aufschlussreich", bemerkte sie todernst. „Ich habe recht viel über mich selbst gelernt."
Han hob eine Braue.
„Hast du das?", erwiderte er vorsichtig – er schien sich nicht sicher zu sein, ob sie ihn gleich anschreien würde oder ob sie ihn neckte.
Sie nickte gewissenhaft.
„Ich bin froh, dass jemand es für angebracht hielt, mich darüber zu informieren, dass ich mit Ravi Moxette geschlafen habe", sagte sie und täuschte einen unschuldigen Blick aus großen Augen vor. „Ich frage mich, ob es mir gefallen hat."
Han betrachtete sie eine Minute lang und schenkte ihr dann langsam und kopfschüttelnd ein halbes Lächeln.
„Du kannst dich wirklich selbst behaupten, Verehrteste, nicht wahr?", entgegnete er vollkommen rhetorisch. Er wusste, dass sie das konnte und tief im Inneren wusste er auch, dass ihr das, was sie gehört hatte, wahrscheinlich zusetzte. Leia spielte bewusst ihr Aussehen herunter, um sicherzustellen, dass man ihr zuhörte und sie nicht anschaute.
Sie antwortete nicht, sondern sah ihn einfach an und dachte über seine mangelnde Beteiligung an den Späßen nach, und über die Tatsache, wie schnell sein Temperament bei ihrer verbalen Demütigung aufgeflammt war. Nach einem Moment blinzelte sie, griff nach dem Datapad und winkte mit einer unbekümmerten Bewegung aus dem Handgelenk ab.
„Es sind nur Jungen", erwiderte sie knapp. „Sie kratzen kaum an der Oberfläche von den abscheulichen Dingen, die Männer im imperialen Senat mir zuflüstern würden, um meine Entschlossenheit ins Wanken zu bringen."
Sie tippte das Datapad flüchtig an, ließ den Bildschirm aufleuchten und rief das Dokument wieder auf. Sie spürte Hans Blick auf sich, als sie sich schnell durchklickte, sah aus dem Augenwinkel, wie er sein Gewicht verlagerte und seinen Arm ausstreckte, um sich neben ihr an der Wand abzustützen. Bei seiner aufmerksamen Musterung ihres Profils bemerkte er, dass ihre Hand zitterte – nur ganz leicht zitterte.
„Diese Typen sind neu", grunzte Han abrupt, um sie zu beruhigen. „Die meisten von ihnen würden es nicht wagen, solche Dinge zu sagen", fügte er hinzu.
Sie glaubte, dass er versuchte, beruhigend zu sein. Für einen Moment sagte sie nichts, dann sah sie auf, ihre vorgetäuschte Faszination mit den Daten vergessen.
„Warum hast du dich nicht daran beteiligt?", erkundigte sie sich prüfend.
Er verzog das Gesicht zu einer Art – sanften Grimasse, als hätte er befürchtet, dass sie ihn das fragen würde, als ob es sie störte, dass er sich anständig benahm. Er zuckte die Achseln und legte nach einem Moment den Kopf schief, ein teuflischer Schimmer funkelte in seinen Augen. Lässig deutete er auf seine Brust.
„Ich weiß nicht, ob Ihr es bemerkt habt, Eure Ladyschaft, aber ich rede gerne mit Frauen, nicht über sie", bemerkte er gedehnt.
Sie sah ihn weiterhin mit diesem verdammt scharfsinnigen Blick an und er wandte den Kopf ab und rieb sich angespannt über die Schläfen. Er war ohnehin nicht wirklich der Typ für intime Enthüllungen, war es noch nie gewesen, aber musste sie ihn belauschen, wie er sich wie ein überfürsorglicher, eifersüchtiger Liebhaber benahm – wenn er nicht einmal eine Begründung für diese Art von Verhalten hatte?
Er konnte nicht anders. Die Nerven, die sie haben mussten – ausgerechnet sie zu verleumden, wenn sie die Beste von allen war –
„Ich weiß es zu schätzen", sagte sie leise.
„Was?", fragte er abrupt, abgelenkt.
„Ich", wiederholte sie langsam, „weiß es zu schätzen."
Er atmete schwer aus und hob die Augenbrauen – war das alles, was es brauchte? Dass sie so etwas mitanhörte? Plötzlich zeigte sich etwas Bitteres in seinem Gesicht, ein Ausdruck der Erschöpfung und es beunruhigte sie – obwohl es in letzter Zeit so einfach zwischen ihnen gewesen war, schien er immer unter Druck zu stehen.
„Ja", sagte Han, halb zu sich selbst. „Ja, Prinzessin."
Es gelang ihr nicht, zu entschlüsseln, was er mit einer so simplen Antwort meinte, aber sie wünschte, sie hätte etwas anderes gesagt. Sie wünschte sich fast, dass er sie provozieren würde, dass er etwas Irritierendes oder Unausstehliches sagen würde – es war in letzter Zeit seltener vorgekommen und sie hatte weniger an ihm herumgenörgelt und ihn angeschrien, und war nun fast verzweifelt auf der Suche nach einem Grund, ihn wegzudrücken, abzuschreiben und zu beenden, was auch immer hier geschah. Sie wollte es nicht wirklich beenden, aber sie konnte nichts Gutes darin erkennen, eine Affäre mit ihm zu haben, also musste sie sich selbst isolieren.
Er stieß sich von der Wand ab und blickte erwartungsvoll auf ihr Datapad. Sie räusperte sich leise, aber ihre Stimme war trotzdem heiser, als sie sprach:
„Da ist ein – komplizierter Versorgungsflug zu erledigen, mit einem Zwischenstopp auf Trandosha und dann auf Ord Mantell", teilte sie ihm mit. „Bist du interessiert?"
Er nahm das Datapad und schnaubte leise.
„Der übliche Witz einer Bezahlung?", murmelte er, halb Frage, halb Aussage. Er überflog den Plan, die Liste der Waren und die geplante Route. „Auf einem anderen Weg kann ich es schneller erledigen", ergänzte er für sich selbst.
Sie betrachtete ihn zögernd.
„Gleiche Bezahlung", sagte sie. „Andere Begleitung."
„Sie weisen mir jetzt schon Personal zu?", meckerte Han und sah sie finster an. „Chewie und ich arbeiten alleine."
„Ich dachte, ich könnte vielleicht mitkommen", erklärte sie sanft. Für einen Moment ließ sie das einfach so stehen. „Ich brauche eine Auszeit von diesem Planeten."
Einen Augenblick lang hob er die Brauen, dann gab er ihr das Datapad zurück.
„Hey, Eure Hoheit", sagte er gedehnt. „Sie bieten dich mittlerweile nicht wirklich als Bezahlung an, oder?", scherzte er.
Sie warf ihm einen unergründlichen Blick zu, eine Augenbraue fragend angehoben.
„Würdest du annehmen?"
Er sah amüsiert aus, aber – schüttelte überraschenderweise den Kopf.
„Ich bin es nicht wert?", fragte sie und gab vor, gekränkt zu sein.
Han beugte sich vor und brachte seine Lippen nah an ihr Ohr heran.
„Noch etwas, das du über mich wissen solltest", erklärte er. „Ich mag es, wenn mich Frauen auch tatsächlich wollen."
Er zog sich zurück, jedoch nicht so weit weg, wie er zuvor gewesen war, und seine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln.
„Dann solltest du aufhören, deine wahre Natur vor ihnen zu verstecken", riet sie ihm klug.
„Meine wahre Natur?", spottete er.
Sie nickte mit dem Kopf zur Umkleidekabine, in der er sie verteidigt hatte und hob den Blick zur Decke der unterirdischen Halle.
„Ich habe gehört, du hilfst dabei, die neuen Rekruten auszubilden", verriet sie ihm.
„Dabei springt kein Geld für dich raus."
Han warf ihr halbherzig einen finsteren Blick zu – wer zum Teufel war zu ihr gekommen und hatte ihr das erzählt? Er zuckte gleichmütig die Achseln, als ob das dabei helfen würde, seinen draufgängerischen Egoismus wiederherzustellen und streckte die Hand aus, um sich verlegen über den Nacken zu reiben. Sie richtete ihre Augen wieder auf ihn, drückte das Datapad an ihre Brust und verschränkte die Arme.
„Weißt du", bemerkte sie sachlich, „ich hätte erwartet, dass du ihnen sagst, du hättest schon überall Sex mit mir gehabt: in meinem Bett und auf deinem Schiff", sie hob unbekümmert die Schulter, „im Cockpit, im Geschützturm, im Hauptraum, in deiner Koje – Chewies Hängematte", zählte sie auf. „Das hast du nicht getan."
Mit trockenem Mund starrte er sie an, ein wenig überwältigt von ihrer kleinen Ansprache, ein wenig abgelenkt von all den Möglichkeiten – es war nicht so, als hätte er nicht darüber nachgedacht, davon geträumt – Chewies Hängematte war ein wilder Gedanke – hatte sie darüber nachgedacht – ?
Er räusperte sich laut.
„Ich schätze mal, ich wollte nichts heraufbeschwören", gab er zurück, der anzügliche Ton seiner Stimme schwächer als gewöhnlich.
„Ah, du denkst vorausschauend", erwiderte sie unbeteiligt.
„Tue ich das?", fragte er – verlangte er fast zu wissen. Wollte sie, dass er sie in dieser Sekunde zurück zu seinem Schiff schleppte? Denn er würde es tun, er würde sie über die Schulter werfen und sich einen feuchten Kehricht darum kümmern, was das Oberkommando davon hielt –
Sie antwortete lange Zeit nichts und sah hin und hergerissen aus, besorgt. Wahrscheinlich im Konflikt mit sich selbst. Es musste sie wirklich erschüttert haben, einen unleugbaren Beweis dafür zu finden, dass er hinter all der Prahlerei und dem draufgängerischen Verhalten ein anständiger Kerl war und wenn sie sich selbst nicht mehr einreden konnte, dass er ein völliger Vagabund war, konnte sie sich nicht weiterhin aus dieser Sache zwischen ihnen herausreden –
Zumindest glaubte er, dass sie so dachte.
Und er kannte sie ziemlich gut, auch wenn sie behauptete, er kenne sie überhaupt nicht.
„Ich", begann sie und seufzte dann, als wäre sie frustriert von sich selbst. „Danke, Han", bemerkte sie aufrichtig.
Er zuckte die Achseln.
„Ja, Prinzessin", sagte er erneut.
Sie sahen sich gegenseitig an, ohne etwas zu sagen, die Falten auf der Stirn und die angespannten Kiefer das einzige Anzeichen dafür, dass zu viele Dinge ungesagt blieben.
Sie stieß sich von der Wand ab.
„Wie lange hilfst du schon bei den militärischen Übungen?", fragte sie eindringlich.
Er schaute sie ausweichend an.
„Ein paar Wochen", erwiderte er knapp. „Warum?", fragte er nervös.
„Warum?", feuerte sie die Frage gleich wieder zurück, leise, atemlos – sie wusste, dass er talentiert war, sie wusste, er war auf der Akademie gewesen, aber so etwas grenzte an Verpflichtung zur Sache und er war nicht –
„Weil ich schätze, dass ich beschlossen habe, zu bleiben", teilte er ihr mit.
Sogar er sah erschrocken darüber aus, dass er es ausgesprochen hatte und die Worte kamen so unerwartet, dass sie das Datapad fallen ließ.
Sie starrte ihn eindringlich an und lächelte strahlend. Er warf ihr einen verlegenen, irgendwie verärgerten Blick zu, als ob er kein Aufheben darum machen wollte und befürchtete, dass sie zu überschwänglich wurde – und bückte sich, um das Datapad für sie aufzuheben. Sie nahm sein Gesicht in ihre Hände, als er sich aufzurichten begann, ihr Herz hämmerte in ihrer Brust und sie schaute ihn einen Moment lang einfach nur an.
Er verdrehte die Augen und begann, sich zurückzuziehen, als sie ihm die Arme um den Hals schlang und ihn fest umarmte, ihn mit allem umarmte, was sie hatte. Überrascht legte er ihr unsicher die Hand auf den Hinterkopf. Er lächelte und sie ließ ihn schließlich los und trat einen kleinen Schritt zurück, während sie über das ganze Gesicht strahlte und fast zu leuchten schien; auf diese Art sah er sie selten lächeln.
„Han", sagte sie schwach, „ich glaube nicht, dass du weißt, wie sehr ich dich hier brauche."
Er hob die Augenbrauen und war sich sicher, dass sie nicht erkannte, was sie gerade gesagt hatte.
„Du brauchst mich?", fragte er und legte den Kopf schief. „Du?"
„Wir", korrigierte sie schnell. „Die Allianz." Sie streckte die Hand aus und ergriff seinen Arm, ihre Fingerspitzen drückten besitzergreifend in seine Kleidung und brannten sich in seine Haut. „Also, du – ich nehme an, du wirst gehen, nach Ord Mantell?"
Er verschränkte die Arme.
„Ich verlasse mich darauf, dass du gesagt hast, du willst mitkommen", warnte er scherzhaft.
Sie nickte – sie würde sofort aufbrechen, um Hoth für eine Weile zu entfliehen, um Zeit mit ihm zu verbringen, ohne dass die Drohung, er würde gehen, ständig über ihnen hing und sie zögern und sich selbst zurückhalten ließ.
Er grinste sie an, durch ihre Begeisterung ermutigt.
„Weißt du, Leia, wenn du alleine mit mir auf eine Mission gehst, wird es noch viel mehr Gerede geben", neckte er sie.
Sie schien nicht dazu in der Lage zu sein, das Grinsen von ihrem Gesicht zu verbannen. Sie warf ihm einen flüchtigen, anzüglichen Blick zu und schürzte sittsam die Lippen.
„Vielleicht wird es der Wahrheit entsprechen."
Er brauchte einen Moment, um ihre Andeutung zu verstehen und er lachte und gab ihr das Datapad mit einem kleinen Grinsen zurück – unwahrscheinlich, dachte er – sie war gerade nur in Hochstimmung; in ein paar Tagen würde sie sich wieder in sich zurückziehen und spürbare Angst davor haben, Menschen an sich heranzulassen, aber zumindest wusste er jetzt, dass er nicht verrückt war, zumindest wusste er jetzt, dass da etwas war – er brachte seinen Lebenslauf nicht umsonst in Ordnung, schloss sich einer Gruppe Aufständischer nicht umsonst an oder drückte dumme, vorlaute Neulinge umsonst gegen die Wand – und er nahm an, dass sie in gewisser Weise wusste, dass er es für sie tat.
„Ich dachte, Sie hätten beschlossen, zu bleiben!"
Prinzessin Leia Organa [Das Imperium schlägt zurück]
