Diese Geschichte wurde ursprünglich in englischer Sprache veröffentlicht und nach Rücksprache mit der Autorin von mir übersetzt, um sie einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Obwohl ich nur als Übersetzerin fungiere, sind Reviews natürlich trotzdem mehr als willkommen. Alexandra, die Autorin, schreibt unter dem Namen madame. alexandra und ist hauptsächlich hier auf fanfiction. net unterwegs.
Autorin: madame. alexandra
Originaltitel: The Blanket
Die Decke
Han Solo war immer noch benommen von den Ereignissen des Tages – dieser Auftrag war eine scheinbar einfache Frachtlieferung gewesen, die zwei Männer und einen Zahltag, der sich sehen lassen konnte, beinhaltete und hatte schließlich zu seiner Beteiligung an einem ungeplanten, aber sehr energischen Staatsstreich geführt. Vor ein paar Tagen noch hatte er sich in Mos Eisley corellianischem Roggenwhisky hingegeben und überlegt, wie er Jabba austricksen könnte und jetzt dachte er – zur Hölle mit Jabba; Chewbacca und ich haben gerade Darth Vaders Hinterhof gestürmt.
Er schüttelte den Kopf, das Blut rauschte ihm noch immer in den Ohren – das Gewühl einer Schlacht ließ ihn immer eher nachdenklich als unruhig zurück; er war nie der Typ Mann gewesen, dessen Blutdruck in die Höhe schoss und der eine Frau oder einen Drink brauchte; er wollte sich immer nur die Sterne ansehen und kritisch analysieren, wie zum Teufel er noch am Leben sein konnte.
Nach einem packenden Kampf standen ihm in der Regel ohnehin keine Frauen zur Verfügung und obwohl sich dieses Mal technisch gesehen eine Frau – ein Mädchen, eigentlich – in der Nähe befand, verwirrte sie ihn eher, als dass er interessiert an ihr war. Sicher, er hatte den Bauernjungen ein wenig geneckt – aber Han hatte es nur getan, um ihn ein wenig zu provozieren; er hatte kein persönliches Interesse an der halben Portion eines Mädchens, das sich selbst sowohl eine Prinzessin als auch eine Revolutionärin nannte und behauptete, das Imperium habe sie einfach entkommen lassen.
Sie einfach entkommen lassen – als ob es so einfach wäre, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen, so wie sie es gerade getan hatten.
Han schüttelte den Kopf und runzelte leicht die Stirn – er nahm an, es wäre besser, alles einmal kurz zu überprüfen, sowohl Systeme als auch Menschen. Chewbacca war unten im Geschützturm und stellte sicher, dass die Waffen für das nächste Mal alle bereit waren und so stand Han auf und machte sich auf den Weg durch das Schiff.
Flüchtig überprüfte er alles und hielt dann kurz an einem Lagerraum an, in dem Luke nach einigen Rationen stöberte. Er lehnte sich gegen den Türrahmen und räusperte sich.
„Hey, Junior", sagte er. „Wo ist das Mädchen?"
Luke drehte sich um und runzelte die Stirn mit einer Mischung aus Verärgerung und Verzweiflung.
„Ihr Name ist Leia", korrigierte er defensiv. „Sie ist eine Prinzessin, nicht nur irgendein Mädchen."
„Du hast sie vor zwei Stunden kennengelernt, du weißt nicht, wie sie genannt werden will", gab Han klug zurück. „Vielleicht sollst du sie Eure Majestät nennen", schlug er vor und schenkte Luke ein Grinsen. „Vielleicht will sie Schätzchen genannt werden."
„Wahrscheinlich nicht von dir", erwiderte Luke gereizt.
Han hob eine Braue.
„Von dir auch nicht", feuerte er zurück. Er legte den Kopf schief. „Wo ist sie?"
„Sie ist in der Ersatzkoje", murmelte Luke. Er warf einen Blick in die ungefähre Richtung. „Ich war bei ihr und habe versucht, mit ihr zu reden, aber ich glaube, sie wollte alleine sein."
Er klang verloren und Han warf ihm einen Blick zu.
„Nimm es nicht persönlich", brummte er. „Sieh mal, das war ihr Planet, nicht? Der, den sie in die Luft gesprengt haben?"
Luke nickte und Han zuckte die Achseln.
„Also", sagte er demonstrativ. „Es liegt nicht an dir." Luke blickte immer noch nach unten und Han schüttelte abrupt den Kopf. „Junge, du musst noch viel über Menschen lernen", bemerkte er grimmig. „Hat sie verletzt gewirkt?", fuhr er widerwillig fort.
„Das interessiert dich?", fragte Luke, nun wieder gereizt. „Für dich bedeutet sie nur eine Belohnung, oder?"
Han spürte einen Anflug von Verärgerung in seinem Nacken, genau an der Spitze seiner Wirbelsäule – wahrscheinlich sein lange begrabenes Gewissen, zusammengepfercht hinter einem verspannten Muskel in der Nähe seines Schädels und gespannt darauf wartend, wieder aufzutauchen – er war einmal ein guter Mensch gewesen, der sich in jedem Fall darum gekümmert hätte, wenn jemand Nettes verletzt worden wäre, aber er war schon lange nicht mehr dieser Mann, also –
„Ja, nun, ein Preis ist nur sein Geld wert, wenn er in gutem Zustand ist."
Er klang eher bitter als oberflächlich und er wich von Luke zurück, machte auf dem Absatz kehrt und suchte die Ersatzkoje auf. Chewie musste sie dorthin geführt haben, in dem Versuch, jeden von Hans persönlicher Schlafstätte fernzuhalten. Das störte Han jedoch wiederum – die Ersatzkoje war unbequem und hatte einen defekten Heizkörper.
Er streckte den Kopf hinein und sah das Mädchen – die Prinzessin – auf der Seite liegen und ihn direkt anstarren. Sie hatte zwar eher auf die Tür zum Schlafraum gestarrt, aber da er nun davorstand, starrte sie ihn an.
Für einen Moment war er irritiert von diesem Blick, er vermutete, weil – die meisten Leute hätten geblinzelt oder nach unten geschaut, aber sie tat es nicht; sie hielt einfach seinem Blick stand und er hatte keine Ahnung, was dieses Mädchen – diese Frau, entschied er, Mädchen war eine dumme Art, sie zu beschreiben – gerade dachte.
Er räusperte sich.
„Hey", sagte er. Er deutete mit dem Kopf auf das Nebenzimmer. „Gehen Sie zum Schlafen in meine Koje", schlug er geradeheraus vor. „Dort ist es warm."
Ihre Wimpern zuckten leicht und sie streckte die Nase in die Höhe.
„Ihre Belohnung beinhaltet eine finanzielle Abfindung der Rebellion, Captain" bemerkte sie abfällig, „nicht meine Anwesenheit in Ihrem Bett."
Mit verwundetem Ego und sofort irritiert davon, dass sein Versuch, anständig zu sein, so schnell zurückgewiesen wurde, reagierte Han mit einem spöttischen Grinsen.
„Nehmen Sie sich mal nicht so wichtig, Eure Hoheit", erwiderte er kurz angebunden.
Sie sah ihn kühl an. Gereizt verschränkte er die Arme.
„Denken Sie, dass jeder Mann mit Ihnen schlafen will, oder geht es nur um mich?", ärgerte er sie. „Es wird Sie nicht überraschen, zu hören, dass mein Geschmack weniger exquisit ist."
Sie blinzelte schwer, drehte sich dann um und rollte sich auf die andere Seite. Er war halb versucht, sie weiter anzustacheln, da sie anscheinend beschlossen hatte, so hochmütig auf ihre Rettung zu reagieren, aber es lag etwas Totes in ihren Augen, was ihm einen kleinen Dämpfer versetzte – ein Abwehrmechanismus, dachte er und tat ihre Kratzbürstigkeit ab – und warum sollte es ihn interessieren, wenn sie gemein zu ihm sein wollte; besser sie ließ es an einem Fremden aus, den sie nie wiedersehen würde, als an Luke, da der Junge so empfindlich war.
Er machte auf dem Absatz kehrt und wollte die Schiebetür zuschlagen – hielt jedoch im Flur an, weil er bemerkt hatte, dass sie zitterte. Er wollte davonstürmen und sie in Ruhe lassen, sie in ihren Problemen und ihrer Bissigkeit schmoren lassen, aber unglücklicherweise hatte er es gesehen und war nicht in der Lage, es ungeschehen zu machen, und so verhärtet und gefühllos er auch war…er glaubte nicht, dass er sie dort drinnen in der Kälte zittern lassen und seinen Flug fortsetzen könnte, als wäre nichts.
Mit einem finsteren Blick auf die Überreste seines jüngeren, besseren Ichs stürmte er in seine Koje und nahm abwesend eine Decke von seinem Bett, fuhr mit den Fingern darüber und hob sie an seine Nase, um sicherzustellen, dass sie sauber war. Sie war erdig grün und weich, etwas von Chewbaccas Heimatplaneten – nun, Malla hatte sie ihm gegeben und sie würde Ihre Hoheit mit Sicherheit warmhalten.
Er ging zurück und durchquerte den Raum.
„Hier", meinte er und legte sie über sie, „nehmen Sie meine Decke."
Er sagte nicht mehr oder blieb da, um sie zu überzeugen; sie schien sich seiner Gegenwart ohnehin nicht ganz bewusst zu sein; sie hatte die Augen fest geschlossen und hielt eine Hand an ihr Ohr. Er zupfte die Decke über ihre Füße, um sie zu bedecken und zog sie ihr dann auch bis über die Schultern, sagte jedoch nichts mehr.
Als er die Kante über ihrer Schulter glattstrich, wich sie leicht nervös von ihm zurück und er bemerkte mit einem unguten Gefühl im Magen einige schlimme Druckstellen an ihrem Hals. Ohne nachzudenken streckte er die Hand aus, um mit dem Daumen über die Schrammen zu streichen –
Bissspuren; menschliche Zähne.
Mit den Fingern fuhr er über die Male. Sie schlug seine Hand weg, obwohl die Bewegung sanfter war, als er erwartet hätte. Er beugte sich vor und betrachtete ihr Gesicht sorgfältig, studierte sie.
„Was haben sie Ihnen angetan?", fragte er leise.
Er hatte nicht vorgehabt, so krankhaft neugierig zu klingen, aber wenn sie mehr medizinische Hilfe brauchte, als er mit bloßem Auge erkennen konnte –
Sie schob ihre Handfläche über die Male, versperrte ihm die Sicht darauf und schluckte schwer.
„Bitte berühren Sie mich nicht", entgegnete sie – ihre einzige Antwort, und er zog seine Hand zurück.
Sie rollte sich unter der Decke zu einem kleinen Ball zusammen und Han trat zurück. Schweigend ging er aus dem Raum, überließ ihr die Decke – und traf direkt vor der Tür mit Luke zusammen. Der Junge sah ihn fragend und ernst an, besorgt, und Han warf ihm einen scharfen Blick zu.
„Lass sie alleine", sagte er grimmig.
„Warum?", fragte Luke unschuldig. „Ist sie – sauer auf mich?"
Han seufzte und rieb sich müde über den Kiefer.
„Lass sie einfach in Ruhe, Junge", erwiderte er, ein bisschen weniger schroff.
Nickend trat Luke zurück und Han lehnte sich gegen die Wand und betrachtete ihn – hatte dieser halbwüchsige Feuchtfarmer von irgendeinem hinterwäldlerischen Planeten irgendeine Ahnung, in was er sie da hineingezogen hatte?
