In der abgeschiedenen Lagerhalle unter dem angesagtesten Nachtclub von Sterling City, dem Verdant, warfen sich John Diggle und Felicity Smoak ungläubige Blicke zu.

„Jetzt hat er endgültig den Verstand verloren," sagte sie mit einem Kopfschütteln, bevor sie wieder auf den Bildschirm vor ihr blickte. Der grüne Punkt auf der Stadtkarte hatte sich bis jetzt noch nicht bewegt.

„Er hat doch das Motorrad genommen, oder?" überlegte Diggle.

Felicity nickte. „Wie will er denn eine bewußtlose Frau auf einem Motorrad transportieren?"

„Vielleicht nagelt er sie mit ein paar Pfeilen fest?" schlug sie vor.

Er sah sie mißbilligend an und sie hob in einer Friedensgeste die Hände. „Schon gut. Aber wer von Dächern springt und Verbrecher zur Strecke bringt, der wird wohl auch wissen, wie man eine bewußtlose Frau auf einem Motorrad transportiert."

Diggle beugte sich über sie, um auf den Monitor zu blicken. „Ecke First und State? Das ist doch gar nicht weit von hier. Ich werde ihm helfen und ihm diese Schnapsidee ausreden. Es reicht, wenn wir beide von seinem Kreuzzug wissen, er muss nicht noch mehr Unschuldige hineinziehen."

„Ganz meine Meinung," stimmte ihm Felicity zu, bevor sie in ihr winziges Mikrofon sprach. „Oliver? Bleiben Sie, wo Sie sind. Die Kavallerie ist unterwegs."

Fünfzehn Minuten später erreichte Diggle mit der Limousine die dunkle Seitenstrasse, in dessen Mitte ein Motorrad stand. Er parkte den Wagen direkt daneben und stieg aus. Oliver kniete wenige Meter hinter dem Motorrad neben einer reglosen Frau auf der Straße. Er hatte seine Kapuze abgenommen und sein Köcher mit den Pfeilen lag neben ihm auf dem Asphalt.

„Kann man Sie denn nicht mal fünf Minuten aus den Augen lassen?" begrüßte er seinen Schützling.

Als er näher kam, hob Oliver den Kopf. „Als ob Sie es je geschafft hätten, mich nicht aus den Augen zu verlieren," sagte er mit einem amüsierten Unterton.

Diggle kniete sich neben ihn und musterte die bewußtlose Frau.

„Können Sie ihr helfen?" Oliver zog ihr T-Shirt zur Seite. Was Diggle darunter entdeckte, ließ ihn aufkeuchen. Er hatte genug Verletzungen dieser Art im Irak gesehen. Und genug Männer daran sterben gesehen.

„Oliver, sind Sie sich sicher, daß Sie die Frau angefahren haben?" fragte er ernst. Er deutete auf die tiefe Bauchwunde, aus der dunkles Blut sickerte. „Das da stammt nicht von einem Autounfall. Das stammt von einem Messer."

„Dann können wir sie erst recht nicht in ein Krankenhaus bringen. Wer auch immer ihr das angetan hat, läuft wahrscheinlich noch da draußen rum. Wahrscheinlich konnte sie ihrem Angreifer entkommen und ist mir bei ihrer Flucht vor das Motorrad gelaufen."

„Was haben Sie vor?"

„Können Sie ihr helfen?"

„Ich weiß es nicht. Die Wunde geht tief. Sie hat viel Blut verloren. Ihr Puls ist schwach."

„Wir müssen es versuchen." Oliver schob die Arme unter die Beine der Frau und hob sie vorsichtig hoch. „Ich bringe sie zu mir nach Hause. Dort ist sie in Sicherheit, bis wir herausgefunden haben, was passiert ist." Er trug sie zu der Limousine.

„Sollten wir das nicht besser der Polizei überlassen?"

„Nein."

„Was ist mit Ihrer Familie? Die werden Fragen stellen…"

„Ihr solltet besser verschwinden," meldete sich Felicity zu Wort. „Ein Streifenwagen nähert sich von Norden."

Oliver hatte bereits die Tür zum Fond geöffnet und die Frau auf den Rücksitz gelegt.

„Vertrauen Sie mir, Diggle, wir müssen sie beschützen."

Diggle blieb keine andere Wahl, als ihm zu folgen.